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Bloody Mary
Bloody Mary (2019)

Bloody Mary, Bloody Mary, Bloody Mary

Ich befasse mich heute mit einer sehr bekannten, wenn nicht sogar der bekanntesten urbanen Legende. Die Legende der Bloody Mary:

Die Geschichte:

Es war ein warmer Sommerabend und ich saß mit meinem Freund Theo im Wohnzimmer. Er hatte einiges getrunken und versuchte die ganze Zeit, mir mein Top auszuziehen, ich hielt ihn jedoch davon ab. Ich selbst trank selten und muss gestehen, dass ich mir seit Beginn unserer Abschlussreise etwas fehl am Platz vorkam. Wir Abiturienten hatten mehrere Ferienhäuser gemietet und machten hier eine ganze Woche Urlaub – sofern man das Konsumieren von Alkohol, Grass und einigen härteren Drogen als „Urlaub machen“ bezeichnen konnte.

Gegröle und Gejubel kam aus dem Flur und ich wandte mich um, um zu sehen, wer dort war. Es waren Lukas und seine Jungs, dicht gefolgt von Laura, der größten Schlampe der Schule. „Ah, Julia, da bist du ja“, sagte sie und lachte. „Was willst du?“, fragte ich genervt. Ich konnte sie nicht ausstehen – und das beruhte auf Gegenseitigkeit. „Ach nichts, Jakob hat uns da nur ein interessantes Video gezeigt“, sagte sie und ich erstarrte. Jakob …? Er wird doch nicht … „Du bist da ja ganz schön rangegangen!“, sagte Lukas und lachte gehässig.

Jakob war mein Ex. Ich hatte damals mit ihm Schluss gemacht, als ich herausgefunden hatte, dass er uns heimlich im Bett gefilmt hatte.

„Ich muss schon sagen, du hast ziemlich geile Brüste!“, sagte Lukas grinsend. Ich war wie gelähmt. Mein ganzer Körper fühlte sich heiß und kalt gleichzeitig an und ich konnte nicht einmal sagen, ob meinem Gesicht sämtliche Farbe entwichen war oder ob es knallrot war.

Theo stand sofort auf und ging bedrohlich auf Lukas zu. Der blieb jedoch gelassen und hob tadelnd den Zeigefinger. „Na, na, na. Wir wollen doch nicht, dass das Video veröffentlicht wird, oder?“ Theo blieb stehen und sah mich verzweifelt an. Ich schüttelte nur den Kopf und sah dann zu Lukas. „Was wollt ihr?“, fragte ich mit möglichst fester Stimme.

„Vielleicht können wir die Brüste ja mal in Echt sehen“, sagte Lukas und musterte mich von Kopf bis Fuß. Theo ballte die Faust und holte zum Schlag aus, blieb aber in der Bewegung stehen und funkelte Lukas nur wütend an.

„Ach, ich hab da eine bessere Idee“, sagte Laura und kam auf mich zu, „Erinnerst du dich noch an die achte Klasse?“ Es bildete sich ein Kloß in meinem Hals, den ich erfolglos versuchte, herunterzuschlucken. Ich wusste sofort, was sie meinte.

In der achten Klasse hatten wir eine Hausparty bei mir gefeiert und als es langsam spät wurde, entschlossen wir, Wahrheit oder Pflicht zu spielen. Irgendwann war ich an der Reihe und Laura sollte mir eine Pflicht zuteilen. Sie befahl mir, die Bloody Mary zu beschwören. Wir waren damals beste Freundinnen und sie wusste genau, dass ich an solche Dinge glaubte. Als ich dann um Mitternacht im Licht einer einzelnen Kerze vor dem Spiegel stand und dreimal die Worte „Bloody Mary“ sagen sollte, konnte ich es nicht. Laura und ich hatten einen heftigen Streit und ich schickte alle Gäste nach Hause.

„Du hast noch zehn Minuten“, sagte Laura und ich blickte schockiert zur Uhr. Es war zehn Minuten vor Mitternacht. Laura wollte also wirklich, dass ich die Bloody Mary beschwor.

„W-wir haben keine Kerzen“, stammelte ich. Laura grinste nur und zog eine lange, weiße Kerze aus ihrer Handtasche. Ich spürte, wie mein Puls schneller wurde.

„Was ist los? Was soll Julia machen?“, fragte Theo mit einer Mischung aus Verzweiflung und Wut. Laura lächelte ihn fies an. „Bloody Mary, Bloody Mary, Bloody Mary“, sagte sie. „Was?“ Theo war verwirrt. „Das ist doch nur ein Mädchen, die Bloody Mary gibt es doch gar nicht.“ „Sag das mal ihr“, erwiderte Laura und nickte in meine Richtung. „Das ist alles? Wenn Julia bei eurer blöden Mutprobe mitmacht, löscht ihr das Video?“, fragte Theo ungläubig. Ich hingegen war überhaupt nicht begeistert, aber ich wollte auf keinen Fall, dass das Video online ging. Ich war sicher nur zu paranoid. Immerhin hatte ich keinen einzigen Beweis dafür, dass Geister wirklich existieren.

„Okay, ich machs“, sagte ich entschlossen, „Aber das Video wird danach gelöscht, damit das klar ist!“

Wenige Minuten später stand ich im Licht einer einzigen Kerze vor dem Badezimmerspiegel. Die Tür war offen, während die anderen mich von draußen beobachteten. Es war so dunkel, dass ich nicht einmal ihre Silhouetten erkennen konnte.

„Noch eine Minute“, sagte Lukas und ich zuckte bei dem Geräusch seiner Stimme zusammen. Ich war angespannt und musste mich sogar daran erinnern, zu atmen. Mein Herz hämmerte so laut in meiner Brust, dass es die anderen Geräusche fast völlig übertönte. Bum bum, bum bum, bum bum.

„Dreißig Sekunden!“ Mir war übel und ich bekam mehr und mehr Zweifel. Sollte ich es wirklich riskieren? Wenn sie das Video veröffentlichten, würden sie nur meinen Namen in den Dreck ziehen, aber wenn die Bloody Mary tatsächlich auftauchte, konnte niemand sagen, was geschehen würde.

„Zehn, neun, acht“, begann Lukas herunterzuzählen und die anderen stimmten ein, „sieben, sechs, fünf, …“ Mein Herz schien aus meiner Brust ausbrechen zu wollen und ich hielt den Atem an. „Vier, drei, zwei, eins.“

Ich schloss meine Augen und merkte, wie mir Tränen über die Wangen rollten. Nach einem tiefen Atmenzug gab ich mir einen Ruck. „Bloody Mary, Bloody Mary, Bloody Mary“, presste ich Wort für Wort hervor und mein Herz rutschte mir in die Hose. Dann wartete ich. Stille. Vorsichtig öffnete ich meine Augen und rechnete damit, ein fremdes Gesicht im Spiegel zu sehen … doch nichts passierte. Im flackernden Kerzenschein sah ich nur, wie meine eigenen Augen mir entgegenblickten.

Erleichtert sah ich zu den anderen. Ich konnte sie noch immer nicht erkennen. „Und?“, hörte ich Lauras Stimme aus der Dunkelheit. „Nichts. Im Spiegel ist nichts“, antwortete ich und beugte mich zu der Kerze, um sie auszupusten. Ich erstarrte. Aus dem Augenwinkel konnte ich jetzt deutlich eine Bewegung erkennen – sie kam aus dem Spiegel. Wie in Trance richtete ich mich auf. Hinter mir stand jemand. Im schwachen Licht der Kerze konnte ich sie kaum erkennen, aber sie hatte dunkle Haare und ein blutverschmiertes Gesicht. Panisch drehte ich mich um. Hinter mir stand niemand. Ich konnte die Frau nur im Spiegel sehen.

Vor Angst gelähmt sah ich ihr zu, wie sie meinen Kopf von hinten mit ihren dünnen Fingern umschloss. Ich wollte schreien, doch brachte keinen Ton hervor. Ich konnte nur zusehen, wie sie mit starrem Gesichtsausdruck ihre langen Fingernägel näher und näher an meine Augen brachte. Obwohl ihre Hände jetzt genau vor meinem Gesicht sein mussten, sah ich sie nur im Spiegel. Dann machte sie eine abrupte Bewegung und ich sah nur noch Schwärze. Der Schmerz fühlte sich an wie eine Explosion, die sich von meinen Augen aus in meinem Gesicht ausbreitete. Pochender, brennender Schmerz. Ich spürte, wie etwas warmes Feuchtes meine Wangen hinunterlief.

Meine Beine gaben nach und ich schlug auf die kalten Fliesen auf. „Licht! Schaltes das Licht an!“, schrie ich voller Panik, während ich am Boden kauerte und mit meinen Händen nach dem Türrahmen tastete. Ich musste aus diesem Badezimmer raus! „Wo bleibt das Licht?“, kreischte ich. „Das Licht ist doch an!“, hörte ich Theo panisch rufen und spürte, wie jemand meine Arme packte und mich hochzog. Dann hörte ich Lauras Stimme. Zu meiner Überraschung war sie voller Angst. „Oh mein Gott, was ist mit ihren Augen passiert? Da ist Blut, da ist überall Blut!“

Die Legende:

Wer oder was die Bloody Mary genau ist, kannt heutzutage niemand mehr genau sagen. Über die Jahre ist aus Mund zu Mund Propaganda, verschiedenen Filmen und mehreren Legenden die bekannte Mutprobe geworden.

Dabei geht es darum, sich um Mitternacht im Licht einer einzelnen Kerze vor einen Spiegel zu stellen und dreimal die Worte „Bloody Mary“ zu sagen, woraufhin die Bloody Mary angeblich im Spiegel erscheinen soll. Andere Versionen der Mutprobe beinhalten, dass man sich während des sprechend im Kreis drehen soll, den Namen dreizehnmal, 99-mal oder sogar 100-mal sagen soll, die Kerze auspusten muss oder auch ganz andere Dinge wie z.B. „Bloody Mary ich habe dein Kind gestohlen!“, „Bloody Mary ich habe dein Kind getötet!“ oder „Ich glaube an Mary Worth!“ sagen muss.

Wie genau man die Bloody Mary beschwören muss, hängt stark von der Ursprungslegende ab. Die einzige Gemeinsamkeit ist der Spiegel, in dem die Bloody Mary erscheinen soll. Der Ursprung dafür ist wahrscheinlich eine alte Wahrsagetechnik, bei der Frauen angeblich ihren zukünftigen Ehepartner in dem Spiegel sehen konnte. Wenn sie jedoch unverheiratet sterben würden, solle ihnen nur ein Totenschädel entgegenblicken.

Ein weiterer angeblicher Ursprung ist Königin Maria I. (engl. Queen Mary I.), unter deren Herrschaft fast 300 Protestanten hingerichtet wurden, was ihr den Spitznamen „Maria die Blutige“, also „Bloody Mary“ bescherte. Abgesehen vom Namen gibt es jedoch wenig Gemeinsamkeiten zwischen den Beiden.

Es gibt viele Versionen davon, wer die Bloody Mary zu Lebzeiten gewesen sein soll, sie alle sind jedoch sehr unterschiedlich und es ist schwierig, zu sagen, ob eine von ihnen tatsächlich stimmt. Einige der angeblichen echten Namen sind Mary Worth, Mary Worthington, Mary Jane oder Mary Lou.

Genauso ungewiss, wie der Ursprung, sind auch die Folgen des Rituals. Einige Leute behaupten, die Bloody Mary würde einen töten, andere behaupte, sie würde einem die Augen auskratzen oder den Körper mit Kratzern übersähen, wieder andere behaupten, sie würde einen ins Innere des Spiegels entführen, wo man fortan gefangen ist, und einige behaupten sogar, sie würde einen nur aus dem Spiegel heraus ansehen.


Aber egal, ob die Bloody Mary jetzt ein Geist, eine Hexe, ein Dämon oder etwas anderes ist, viele Leute glauben noch immer an die Legende und sie zu beschwören ist noch immer eine beliebte Mutprobe. Habt ihr das Ritual schon einmal durchgeführt? Und wenn ja, ist euch die Bloody Mary tatsächlich erschienen?

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5 Kommentare

  1. Monika says:

    Das „Bloody Mary Ritual“ kannte ich tatsächlich schon. Aber ich dachte, man sieht sie dann ’nur‘ im Spiegel. (Ist ja eh schon schlimm genug)

    Zu den Fragen:
    ~Habt ihr das Ritual schon einmal durchgeführt?
    Nein, und würde es auch nie machen, da ich nämlich eine sehr lebhafte Fantasie habe und danach, selbst wenn nichts geschehen würde, nie wieder in einen Spiegel schauen könnte.

    Liebe Grüße
    Monika

    • Jeremie Michels says:

      Hallo Monika,

      es würde mich tatsächlich mehr wundern, wenn jemand Bloody Mary nicht kennen würde. Daher gibt es sicherlich auch so viele verschiedene Versionen der Legende (so viele Versionen wie Erzähler, sage ich immer gerne).

      Nein, und würde es auch nie machen, da ich nämlich eine sehr lebhafte Fantasie habe und danach, selbst wenn nichts geschehen würde, nie wieder in einen Spiegel schauen könnte.
      Ich habe meine Geschichte dazu tatsächlich einmal vorgelesen und mich nicht getraut, Bloody Mary dreimal vorzulesen, da mein Laptopbildschirm spiegelt … :’D

      Gruß
      Jeremie

      • Monika says:

        Die meisten meiner Bekannten/Verwandten kennen die Legende auch.^^

        Mir wurde von der Bloody Mary btw. zum ersten Mal zusammen mit einem anderen Ritual(?, weiß nicht ob man das so nennen kann), in dem auch ein Spiegel vorkommt, von einer Freundin erzählt.

        Und zwar muss man sich dafür um Mitternacht mit einer brennenden Kerze vor einen Spiegel stellen und sich so lange die Haare kämmen, bis die Kopfhaut zu bluten beginnt.
        Dann soll man angeblich den zukünftigen Ehemann hinter sich im Spiegel sehen. Wenn man sich dann jedoch umdreht, um zu schauen, ob er auch im Raum steht, soll man sich durch die schnelle, ruckartige Bewegung selbst das Genick brechen.

        Ich glaube, dass diese beiden Geschichten der Grund sind, warum ich immer ein mulmiges Gefühl habe, wenn ich in einem Raum mit Spiegel bin.^^°

        Liebe Grüße

        • Jeremie Michels says:

          Ich bin bei der Recherche zu Bloody Mary auf sehr viele Spiegelrituale gestoßen. Die gibt es tatsächlich in den verschiedensten Varianten, obwohl man dadurch immer seinen zukünftigen Ehepartner im Spiegel sehen soll (Hab ich unter „Die Legende“ ja auch geschrieben).

          Hmm. Ich finde Spiegel eigentlich immer sehr harmlos. Aber trotzdem gibt es ja viel Aberglauben und viele Mythen, die sich um Spiegel drehen. Du bist damit also definitv nicht alleine. ^^

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