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Tuyul
Tuyul (2019)

Tuyul

Tuyul sind kleine, graue Wesen des indonesischen Volksglaubens. Ich hatte zwar früher bereits von ihnen gehört, hätte aber niemals gedacht, dass die Legenden und Mythen, die sich um sie ranken, derart komplex sind.

Die Geschichte:

„Also, Mbak Betari, sind Sie sicher, dass Sie bei Ihrer Aussage bleiben wollen?“, fragte mich der Polizist.

„So verstehen Sie doch. Ich habe Ihnen nichts als die Wahrheit gesagt“, sagte ich erschöpft. Die Befragung dauerte bereits mehrere Stunden.

„Sie machen solch schwere Anschuldigungen, und kommen dann mit so einer Geschichte?“, fragte der Polizist ernst.

Ich wusste doch selbst, wie es klang. Aber was sollte ich denn machen? Sollte ich lügen? Wäre es vernünftiger gewesen, die Wahrheit zu verschweigen?

Letzte Nacht war eine Nacht, die meine Leben verändern sollte. Ich hatte endlich den Einbrecher gefunden, der schon seit Wochen unsere Straße terrorisierte.

Die Einbrüche geschahen fast jede Nacht. Einige Nachbarn – mich eingeschlossen – hatten sich sogar zusammengeschlossen und hielten Wache. Doch trotzdem schaffte es der Dieb jede Nacht aufs Neue, nicht erwischt zu werden. Es war, als würden die Gegenstände wie von Geisterhand aus den Häusern verschwinden.

Einige Leute redeten sogar schon darüber, dass es ein Babi Ngepet sei – ein wildschweinähnliches Wesen, das sich angeblich nur an Häuserwänden reiben muss, um die Reichtümer und Wertgegenstände der Bewohner zu stehlen. Sie fühlten sich bestätigt, als der Dieb es dann auch noch geschafft hatte, die brandneue Alarmanlage eines Hauses am anderen Ende der Straße zu umgehen – eine Alarmanlage, die weit über meinem Budget lag, wenn ich das einmal anmerken darf.

Ich glaube jedoch nicht an solch einen Unfug. Es gab keine übernatürlichen Wesen. Der Einbrecher war einfach sehr geschickt, das war alles! So dachte ich jedenfalls …

Als ich dem Wesen jedoch gegenüberstand – oder lag, um genau zu sein – war ich mir unsicher, ob ich nicht noch träumte.

Große, rote Augen blickten mich von meinem Nachttisch aus an. Eine kleine, graue Hand umklammerte mein Portemonnaie, eine andere hing wie versteinert in der Luft.

Ich wusste nicht, was es war – der Schreck, meine Verwirrung oder meine Ungläubigkeit –, aber ich war sofort hellwach. Ein seltsames krampfartiges Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus.

Das Wesen schien genau so erschrocken zu sein, wie ich. Es rührte sich keinen Zentimeter. Dafür hatte ich so genug Zeit, es näher zu betrachten: Seine Haut war völlig grau, seine Augen groß und in einem matten Rot, aber das Seltsamste war sein Körper. Es sah von der Größe und Figur her aus, wie ein Baby. Lediglich die kleinen Zähne, die durch den vor Schreck leicht geöffneten Mund blitzen, waren spitz. Sie sahen rasiermesserscharf aus.

Als nach einer gefühlten Ewigkeit noch immer nichts passiert war, begann ich zu zögern. War das Wesen echt? Wenn es eine Attrappe war, würde das so vieles erklären, aber auch eine Menge neue Fragen aufwerfen: Wer hatte es hier hingestellt? War das bloß ein Scherz? Aber für einen Scherz war ein Einbruch etwas zu viel des Guten!

Aber warum hat – wer auch immer diese hässliche Figur hier hingestellt hatte – mein Portemonnaie in ihr kleines Händchen gelegt? Wollte er mein Geld nicht? Außer … der Dieb hatte sich das Geld bereits genommen!

Sofort griff ich nach meinem Portemonnaie, so überzeugt, dass das Wesen eine Attrappe sein musste, dass ich den schrillen Aufschrei, der an das Kreischen eines kleinen Kindes erinnerte, erst nicht zuordnen konnte. Als das Wesen dann jedoch meine Brieftasche fest an sich drückte und mit schnellen Tapsern in Richtung Flur rannte, zog ich meine Hand erschrocken zurück.

Träumte ich etwa doch? Nein, ich fühlte mich hellwach. Aber was auch immer hier gerade passierte, ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken!

Sofort warf ich meine Decke beiseite, sprang aus dem Bett, riss meinen Bademantel von einem Stuhl und rannte in den Flur. Noch während ich ihn mir hastig überzog, suchte ich hektisch den gesamten Boden ab. So klein, wie das Wesen war, konnte es sich fast überall verstecken.

Ich wollte gerade auf die Knie gehen, um unter einem meiner Schränke nachzusehen, als mein Blick auf die Haustür fiel. Sie stand einen Spalt breit offen!

Hastig rannte ich zu ihr und starrte nach draußen in die Dunkelheit. Die Straße war nur schwach beleuchtet. Trotzdem bemerkte ich die kleinen, ruckartigen Bewegungen sofort. Das Wesen rannte auf das Haus von Marini zu. Er war ein älterer Herr, bei dem es eigentlich nichts zu holen geben dürfte, aber woher sollte das Wesen das wissen?

Ich überlegte, was ich tun sollte, suchte die Straße ab, um zu sehen, ob es diese Nacht einen Nachbarn gab, der Wache hielt. Aber natürlich: Ausgerechnet heute war keine Menschenseele auf der Straße!

„Auch scheiß drauf!“, murmelte ich, griff nach meinem Haustürschlüssel, schloss die Tür hinter mir und rannte zu Marini rüber.

Er hatte keine Klingel. Ich klopfte, so doll ich konnte, gegen die halb geöffnete Tür. Entweder hörte er mich nicht, oder er brauchte zu lange, um zum Hauseingang zu kommen. Doch ich hatte keine Lust, weiter zu warten. Ich hatte dem seltsamen Wesen bereits genug Zeit gegeben, sich zu verstecken oder gar einen anderen Ausgang zu suchen – sofern es nicht gerade dabei war, Marinis Haus leerzuräumen!

„Pak Marini?“, rief ich laut, „Sind Sie da?“

‚Pak‘ heißt so viel wie Vater. Es ist die Art der formellen Ansprache in Indonesien, wie man in anderen Ländern ‚Herr‘ oder ‚Mister‘ sagte.

Ich bekam keine Antwort. Mein Anstand schrie mir zu, dass ich zurück in mein Haus gehen sollte. Es gehörte sich nicht, das Haus seines Nachbarn zu durchsuchen. Aber würden mir die Anderen auch so glauben? Sollte ich etwa so tun, als würden wir weiter nach einem menschlichen Täter suchen, wenn ich genau wusste, dass es etwas anderes war? Ich selbst hätte mir ohne Beweise ja nicht einmal geglaubt!

„Pak Marini?“, rief ich erneut, während ich vorsichtig den Flur betrat und in die Räume sah.

Bei einem Raum hielt ich verdutzt inne. Es war ein Kinderzimmer voller Spielsachen, einem bunten Teppich und einem Kinderbett. An sich nichts Ungewöhnliches, nur, dass Marini kein Kind hatte!

Marini hatte es wohl nicht übers Herz gebracht, die Sachen zu verkaufen oder zu entsorgen. Ich wusste genau, dass er seine Frau und ihren gemeinsamen Sohn verloren hatte. Sie war im achten Monat schwanger, als sie einen schweren Unfall hatten. Ich wusste nur, dass Marini eines Tages alleine aus dem Krankenhaus zurückkam, an Krücken ging und sein sonst so freundlicher Blick glanzlos und leer wirkte. Wenig später hatte ich erfahren, dass seine Frau und sein Kind nicht mehr lebten. Marini war danach nicht mehr derselbe.

„Kümmer dich um deinen eigenen Mist“, murmelte ich zu mir selbst.

Ich verließ den Raum und wandte mich einem anderen Zimmer zu. Es war die Küche. Auch hier sah alles ganz normal aus. Ich suchte den Boden ab, die Tresen, die Schränke, suchte nach Orten, wo dieses kleine, babyartige Wesen sich verstecken konnte, aber es gab zu viele.

Da ich nicht ohne Erlaubnis das ganze Haus von Marini auf den Kopf stellen wollte, entschied ich, ihn zu wecken – wenn er denn Zuhause war. Ansonsten würde ich zu einem der Nachbarn gehen und um Hilfe bitten.

Ich klapperte die Räume einen nach dem anderen ab, das Wohnzimmer, eine kleine Abstellkammer, das Badezimmer. Überall sah alles ganz normal aus. Dann wandte ich mich zur letzten Tür um. Das musste das Schlafzimmer sein.

„Pak Marini“, rief ich laut, während ich an der Tür klopfte. „Pak Marini, sind Sie da?“

„Wer … Wer ist da? Was wollen Sie in meinem Haus?“, ertönte eine vertraute Stimme dumpf durch die Tür.

Gott sei dank, er ist zu Hause, dachte ich. Ich öffnete vorsichtig die Tür.

„Pak Marini, bin ich froh, Sie zu sehen. Ihre Haustür stand offen und da war …“, ich verschluckte den restlichen Satz, als ich in den Raum spähte.

Es war aber nicht Marini selbst. Auch nicht das Spielzeug, das auch hier, in dem Schlafzimmer eines erwachsenen Mannes auf dem Boden verteilt lag. Nein, es war das, was sich schüchtern hinter Marinis Bein versteckte und mich mit seinen roten Augen ansah.

„Aber Betari“, sagte Marini völlig ruhig, „Was fällt Ihnen ein, mein Haus mitten in der Nacht zu betreten?“

„Ich … Pak Marini, was ist das für ein Wesen? Wissen Sie, dass es vorhin meine Brieftasche mitgenommen hat?“, fragte ich. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Die Worte sprudelten einfach so aus mir heraus, während mein Hirn krampfhaft versuchte, irgendeinen Sinn, eine Erklärung in all dem zu erkennen.

„Welches Wesen?“, fragte Marini und sah zu dem grauen Baby an seinem Bein. „Ich sehe kein Wesen, nur eine Einbrecherin, die sich mitten in der Nacht Zugang zu meinem Haus verschafft hat.“

„Aber … ich …“, stammelte ich. Er hatte das Wesen doch gerade genau angesehen. Er musste es bemerkt haben!

„Pak Marini. Ich verstehe nicht. Was ist das für ein Ding?“, hörte ich mich sagen. Mein Hirn schien zu kapitulieren. Die ganze Situation war zu surreal. Ich hatte einfach keinen blassen Schimmer mehr, was ich sagen, denken oder tun sollte. Ich wusste nicht, was hier gerade passierte – jedenfalls nicht, bis Marini weitersprach.

„Dieses … Ding ist mein Sohn. Aber das wissen Sie natürlich nicht. Er ist schließlich offiziell nicht mehr am Leben. Es ist schon erstaunlich, was ein Schamane aus einem toten Fötus alles machen kann. Eigentlich wollte ich nur meinen Sohn zurück, habe nach einer Möglichkeit gesucht, nicht mehr alleine zu sein. Aber als ich schließlich herausgefunden hatte, welche anderen Vorzüge ein Tuyul mit sich bringt … Beeindruckend, wie unauffällig ein so kleines Wesen sein kann, nicht wahr?“

„Ein Tuyul?“, fragte ich. Wieso war er bloß so ruhig? Hatte er gerade die Diebstähle gestanden?

„Wissen Sie, es ist ganz einfach: Die Nachbarn werden mir unglaublich dankbar sein, dass ich die Diebin gestellt habe, die unsere Straße unsicher macht. Oder denken Sie, man wird Ihre Geschichte glauben, dass ein armer alter Mann, der kaum ohne Krücken gehen kann, unzählige Häuser ausgeräumt hat?“

Er … er würde mir die Diebstähle anhängen!

Das war der Moment, in dem mein Kopf aussetzte. Völlig untypisch für mein sonst so ruhiges Verhalten, stürzte ich mich auf Marini. Ich rempelte ihn an, stieß ihn zu Boden und wandte mich dem Tuyul zu. Ohne zu zögern, hob ich meinen Fuß und tat mit voller Wucht zu.

Ich traf den Boden so hart, dass mein Fuß zu schmerzen begann, doch der Tuyul hatte zu gute Reflexe – Reflexe, die ich einem untoten Baby niemals zugetraut hätte. Es sprang zur Seite, dann an mein Bein und versenkte seinen kleinen, scharfen Zähnchen in meinem Bein.

Das Nächste, was ich wusste, war, wie Marini mich zu Boden riss. Er rief die Polizei, woraufhin zwei Polizisten herbeigerast kamen und mich abführten. Den Tuyul bekamen sie nicht zu Gesicht, sondern nur einen alten, völlig verstörten Mann und eine Frau, die unbefugt im Bademantel in sein Haus eingedrungen war.

„Bitte, Sie müssen mir glauben“, wandte ich mich verzweifelt dem Polizisten zu, der die Befragung durchführte. „Sehen Sie doch nur mein Bein an, ist das nicht Beweis genug? Und wer würde denn schon in einem Bademantel bei seinem Nachbarn einbrechen?“

„Pak Marini hat uns erzählt, wie sie sich die Verletzung zugefügt haben, nachdem er uns angerufen hatte. Wie krank kann ein Mensch eigentlich sein? Und dann kommen sie auch noch mit solch einer Geschichte … Aber wissen Sie? Ich weiß nicht einmal, was ich verrückter finde. Ihre Geschichte oder die Tatsache, dass sie tatsächlich dachten, Sie würden damit durchkommen.“

Es war zwecklos. Sie würden mir niemals glauben. Die Polizei würde eine Unschuldige verhaften, die zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen war – und ich konnte nichts dagegen tun.

Die Legende:

Ein Tuyul oder Toyol ist ein untotes Baby des süd-ost-asiatischen Volksglaubens. Es kann von seinem Besitzer für allerlei Dinge, wie Diebstahl, Informationsbeschaffung oder sogar Mord eingesetzt werden.

Aussehen:

Tuyul sehen Babys oder Kleinkindern sehr ähnlich.

Sie sollen jedoch grüne oder graue Haut und trübe, rote Augen besitzen. Außerdem ist ihr Mund mit spitzen, scharfen Zähnen gespickt.

Manche Leute behaupten sogar, Tuyul würden spitze Ohren besitzen.

Häufig werden Tuyul als nackt oder halbnackt bezeichnet. Tatsächlich kommt es aber auf ihre Besitzer an, welche Kleidung sie tragen, da diese dafür verantwortlich sind, den Tuyul passende Kleidung zu besorgen.

Die meisten Tuyul sind männlich.

Eigenschaften:

Tuyul sind untote Babys, die gezielt erschaffen werden können. Hierzu gibt es verschiedene Methoden, auf die ich jedoch nicht näher eingehen möchte. Im Endeffekt erschafft man durch spezielle Rituale aus einem noch vor der Geburt gestorbenen Baby ein untotes Wesen – einen Tuyul.

Alternativ kann man Tuyul auch von speziellen Schamanen kaufen.

Tuyul werden in einem Gefäß aufbewahrt, das mit einer Flüssigkeit, die ich nur unter dem Namen „Corpse Oil“ (zu deutsch Leichen Öl) gefunden habe, gefüllt ist. Meist werden sie nur herausgelassen, wenn man ihre Dienste benötigt.

Wenn man die Dienste eines Tuyul in Anspruch nehmen möchte, muss man vorher jedoch einige Dinge erfüllen. Dazu gehören z.B. Opfergaben, die man ihnen darbringen muss.

Tägliche Opfergaben beinhalten z.B. Milch, Süßigkeiten, Spielzeuge, Babyschnuller und Ähnliches, während andere Opfergaben, wie z.B. das eigene Blut oder Babykleidung, mit längeren Pausen dazwischen gebracht werden können. Es gibt sogar Variationen der Legende, die besagen, dass die Besitzerin (oder eine Verwandte des Besitzers, falls der Besitzer männlich ist) dem Tuyul seine Brust anbieten muss, woraus er jedoch Blut, statt Milch trinkt.

Auf Grund der weiten Verbreitung der Legende gibt es von Gegend zu Gegend jedoch verschiedene Bräuche und Opfergaben, die man dem Tuyul bringen kann oder muss.

Anfangs muss man dem Tuyul noch klar und deutlich sagen, was man ihnen verlangt. Mit der Zeit stärkt sich jedoch durch das in regelmäßigen Abständen geopferte Blut die Bindung zwischen ihnen und ihrem Besitzer. Nach einer gewissen Zeit sollen sie sogar in der Lage sein, die Gedanken ihres Besitzers zu lesen.

Die Bereiche, für die Tuyul eingesetzt werden können, sind vielfältig. Am häufigsten sollen Tuyul Dinge stehlen, um so ihren Besitzer zu Reichtum zu bringen.

Dabei sind Tuyul sehr geschickt. Wegen ihrer Größe kommen sie häufig unbemerkt in Häuser. Sie sollen auch eine übernatürliche Gabe im Aufspüren ihrer Beute haben. Manche behaupten sogar, sie können mit ihren roten Augen durch Wände sehen.

In einigen Legenden heißt es, dass sie sogar durch Wände oder gar Personen hindurchgehen oder -greifen können.

Tuyul sind jedoch nicht sonderlich schlau. Man muss ihnen genau zeigen oder erklären, was sie für einen stehlen müssen, da sie sonst die falschen Dinge klauen können. Zudem stehlen sie keine Sachen, die vor einem Spiegel liegen, da sie Angst vor ihrem eigenen Spiegelbild haben. Außerdem lassen sie sich sehr leicht ablenken, wenn sie z.B. Murmeln oder Bohnen finden, da sie dann anfangen, damit zu spielen, und ihre Aufgabe vergessen können.

Neben Diebstahl werden Tuyul aber auch zur Informationsbeschaffung genutzt. So befehlen z.B. beim Glückspiel einige Leute ihrem Tuyul, ihnen die Karten ihrer Mitspieler zu verraten.

Auch behaupten manche, dass einige Wahrsager sich durch sie Informationen über ihre Kunden verschaffen, um glaubhafter zu wirken.

Durch spezielle Rituale kann man sogar dafür sorgen, dass ein Tuyul sehr mächtig wird und dann sogar in der Lage ist, Mord zu begehen. Das soll jedoch lediglich sehr selten vorkommen. Hierzu sollen die Tuyul entweder ihre scharfen Zähne oder Fingernägel nutzen oder gar in die Brust der Person greifen und sein Herz zerquetschen.

Neben den vielen Dingen, die der Besitz eines Tuyul einem ermöglicht, gibt es jedoch auch deutliche Nachteile. So sollen Tuyul sehr eifersüchtig sein. Es kann sein, dass sie sich gegen ihre Besitzer wenden, wenn sie mitbekommen, dass sie ein Kind erwarten oder den Tuyul loswerden wollen – dies ist insbesondere gefährlich, wenn man bereits eine so starke Bindung zu dem Tuyul hat, dass er die Gedanken des Besitzers lesen kann.

Es gibt aber auch Möglichkeiten, Tuyul loszuwerden. Zum Einen kann man einen Schamanen aufsuchen, der einem dabei hilft, den Tuyul mit Hilfe der Richtigen Rituale zu bestatten, zum Anderen ist es häufig möglich, den Tuyul auszusetzen.

Meist werden Tuyul jedoch in der Familie weitergegeben und bleiben so von Generation zu Generation erhalten.

Wenn ein Tuyul ausgesetzt wurde oder seine letzten Besitzer gestorben sind, beginnt er häufig, in Häuser einzubrechen. Dort stielt er jedoch nichts, sondern soll nur die Leute beobachten und mit ihrem Spielzeug spielen. Die Tuyul selbst sind also harmlos und müssen erst durch ihren Besitzer gezwungen werden, Verbrechen zu begehen.

Lebensraum/Vorkommen:

Theoretisch kann wohl jeder Mensch einen Tuyul beschwören und besitzen – vorausgesetzt, er kennt die richtigen Rituale und kann die nötigen Zutaten beschaffen.

Generell beschränkt sich ihr Vorkommen jedoch auf Süd-Ost-Asien, genau genommen Indonesien, Brunei, Malaysia, Thailand und Singapur.

Ursprung:

Wie bei den meisten wenig verbreiteten Legenden lässt sich im deutsch- und englischsprachigen Internet schlecht herausfinden, wo genau ihr Ursprung liegt.

Ich kann nur sagen, dass die Legende bereits älter ist. Sie hat sich also – da selbst heute noch einigen Leuten der Besitz eines Tuyul nachgesagt wird – hartnäckig gehalten. Obwohl die Gewinnung von ‚Corpse Oil‘ heutzutage illegal ist, sollen sich sogar noch Schamanen finden lassen, die einem angeblich Tuyul verkaufen.


Mich würde interessieren, wie ihr meinen Blog gefunden habt. Als die Youtuberin/Streamerin Pandorya das Spiel „Pamali: Indonesian Folklore Horror“ gespielt hat, hatte mein Blogartikel zu den Pocong spontan 60 neue Aufrufe durch Google. Da der nächste DLC, der noch erscheinen soll, sich mit den Tuyul beschäftigt, habe ich diesen Blogartikel extra vorgezogen. Also, wie seid ihr auf meinen Blog gestoßen? Schreibt es mir in die Kommentare!

Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen Newsletter, oder folgt mir auf Twitter, Facebook oder Instagram!

9 Kommentare

  1. Rabbat07 schreibt:

    Ich bin auf den Blog durch ein Buch gestoßen, wo eine aswang vorkemmt(aber die ist anders als alle anderen, ein verarsche) . Ich wollte mehr über aswang wissen, habe sie gegoogelt und bin auf den blogg gestoßen.

    • Jeremie Michels schreibt:

      Oh, wirklich? Wie heißt das Buch denn, wenn ich fragen darf?

      Und ja, es gibt häufig Wesen in Geschichten und Filmen, die nur lose an die tatsächliche Legende angelehnt sich. So etwas finde ich auch immer schade. Tatsächlich ist das einer der Gründe, warum ich mit meinem Blog angefangen habe. ^^

  2. Alexandra schreibt:

    Ich bin auf deinen Blog gestoßen als ich nach dieser asiatischen Legende (ich hab den Namen vergessen) mit der Frau die dich Fragt ob man sie schön findet und einem dann den Mund aufschlitzt 😅.

    Ich hatte die Legende vor einigen Jahren bereits gelesen (nicht auf deinem Blog) und wollte während der Quarantäne mir die Legende noch einmal durchlesen. Also habe ich den Namen gegoogelt (damals erinnerte ich mich noch an ihn) und bin dann auf deinen Beitrag dazu gestoßen 😀.

    Seit dem lese ich deinen Blog fast täglich (ich glaub du machst in deine Storys Suchtmittel oder so rein) und ich liebe diesen Blog einfach💞

    • Jeremie Michels schreibt:

      Die Kuchisake Onna. Lustigerweise ist das die Legende, von der auch mein Buch handelt (wenn es denn irgendwann mal fertig ist).
      Das ist tatsächlich eine meiner Lieblingslegenden! 😀

      Aber es freut mich, dass ich einigen Leuten die Quarantäne etwas versüßen konnte (schade nur, dass ich mit dem Podcast noch nicht weit genug bin. Das hätte sich gerade angeboten ^^‘ ).

      Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker 😂
      Aber danke! Das höre ich wirklich gerne! x3

  3. Lina schreibt:

    Ebenfalls durch Pan, allerdings durch das aktuelle Dreadout 2 lets play. Ich hatte nach pocong gegoogelt und bin dabei auf deinen Blog gestoßen 🙈
    Muss mir noch Pamali ansehen 🤔

    • Jeremie Michels schreibt:

      Oh Mann. Ich hab Pan einfach so viel zu verdanken. Sie hat mir unbewusst so viele Klicks eingebracht … 😀
      Es freut mich jedenfalls, dass einigen Leuten mein Blog gefällt! ^^

      Pamali hab ich von ihr tatsächlich auch noch nicht gesehen (genauso wie Dreadout 2), weil ich beides erst selbst spielen will. ^^‘

  4. Monika schreibt:

    Ich mag den alten Typen nicht. >.>

    Wenn ich einen Tuyul hätte, würde ich ihn vermutlich wie ein Kind behandeln und ihn auch wie eines lieben. Zumindest, wenn er mit den harmlosen Opfergaben zufrieden ist. (Ansonsten würde ich es vermeiden einen zu beschwören.)

    Zu den Fragen:
    ~Mich würde interessieren, wie ihr meinen Blog gefunden habt. Als die Youtuberin/Streamerin Pandorya das Spiel „Pamali: Indonesian Folklore Horror“ gespielt hat. Hatte mein Blogartikel zu den Pocong spontan 60 neue Aufrufe durch Google. Da der nächste DLC, der noch erscheinen soll, sich mit den Tuyul beschäftigt, habe ich diesen Blogartikel extra vorgezogen. Also, wie seid ihr auf meinen Blog gestoßen?
    Ich sag’s mal so: „durch Pandorya“.

    Das Let’s Play zu DreadOut hatte ich nämlich schon früher bei einer anderen Youtuberin gesehen. Schon damals wuchs mein Interesse an der indonesischen/thailändischen Mythologie. (Ich meine, mich sogar daran zu erinnern, das dort auch der Tuyul vorkam)

    Das Let’s Play zu Pamali hat das nur wieder neu entfacht und mich dann so zu deiner Geschichte zum Pocong gebracht. 🙂

    Liebe Grüße
    Monika

    • Jeremie Michels schreibt:

      Wenn ich einen Tuyul hätte, würde ich ihn vermutlich wie ein Kind behandeln und ihn auch wie eines lieben. Zumindest, wenn er mit den harmlosen Opfergaben zufrieden ist. (Ansonsten würde ich es vermeiden einen zu beschwören.)
      Da Tuyul hauptsächlich dazu eingesetzt werden, einem bei kriminellen Machenschaften zu unterstützen, würde ich grundsätzlich davon absehen, einen zu beschwören. Außerdem kann es ziemlich schwierig werden, ihn wieder loszuwerden, wenn man sich umentscheidet …

      Ich sag’s mal so: „durch Pandorya“.
      Ouha, meine einzig aktive Leserin kommt also auch von Pan. Es ist ja nicht so, dass Pan mir mit ihrem Pamali Stream ansonsten (wenn auch ungewollt/unbewusst) schon mehr als genug geholfen hat … :’D

      Das Let’s Play zu DreadOut hatte ich nämlich schon früher bei einer anderen Youtuberin gesehen […]
      Ja, DreadOut ist schon ein tolles Spiel. Ich hatte damals Akt 1 bei einem Youtuber gesehen und mich direkt verliebt. Als Akt 2 rauskam, hatte ich Akt 1 bereits selbst gespielt und mich dann blind rangetraut! :’D
      Und ja, Tuyul kommen in DreadOut vor, das sind die (Achtung Spoiler!!!) kleinen Viecher, die Linda ihr Handy und ich glaube auch ihren Rucksack klauen. ^^

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