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Loreley
Loreley (2019)

Loreley

Die Legende der Loreley ist eine deutsche Legende aus Rheinland-Pfalz. Dort erfreut sie sich seit dem 19. Jahrhundert an großer Beliebtheit.

Die Geschichte:

„Wer hatte diese blöde Idee überhaupt?“, schimpfte ich, während wir uns durchs Unterholz kämpften.

„Ihr wolltet mir doch nicht glauben. Ich schwöre euch, dass es die Loreley wirklich gibt!“, antwortete Pascal. Wegen seiner Krücken kamen wir nur sehr langsam voran.

Die Loreley … eine uralte Rheinlegende über den Geist einer angeblich wunderschönen Frau – was auch sonst? Sie soll auf dem Loreley-Felsen sitzen und mit ihrer bloßen Stimme Seemänner betören, sodass diese vergessen, ihr Schiff zu lenken und verunglücken. Komisch nur, dass es hier genauso wenig Schiffsunfälle gibt, wie auch überall sonst auf dem Rhein.

„Aber wieso hast du dann ausgerechnet uns mitgenommen?“, fragte Lena, „Falls es dir nicht aufgefallen ist: Wir sind Mädchen. Die Loreley soll doch nur Männer betören!“

Ich rollte mit den Augen. Warum wohl? Er wollte sicherlich mit uns alleine sein. Wenn wir die Loreley nicht fanden, waren wir mit ihm in einer sternenklaren Nacht am Flussufer des Rheins spazieren. Warum er jedoch gleich zwei Mädels mitnehmen musste, wusste ich nicht.

Aber vielleicht war das auch nur Wunschdenken: Ich war bereits seit der achten Klasse ziemlich in Pascal verknallt.

„Da drüben war’s“, sagte Pascal.

„Da hast du dir den Fuß verstaucht?“, fragte Lena. Sie leuchtete die Felswand ab.

„Wieso hast du überhaupt versucht, da hochzuklettern?“, fragte ich skeptisch.

„Ich hab‘ doch gesagt, dass ich wie von Sinnen war. Denkt ihr, ich wäre freiwillig mit meinem Hund soweit vom Weg weggegangen? Ich hab‘ Gesang gehört, woraufhin sich meine Füße wie von alleine bewegt hatten. Bei Sinnen war ich erst wieder, als ich beim Klettern abgerutscht und hier auf den Boden geknallt bin!“

„Ja, ist klar. Wollen wir jetzt weiter so tun, als würden wir nach Loreley suchen, oder machen wir jetzt einen Spaziergang?“, fragte ich neckisch.

Doch das schien Pascal nur zu verunsichern. „Wieso ‚so tun‘? Ich mein‘ das hier wirklich ernst! Wenn ihr mir nicht glaubt, warum seid ihr dann überhaupt mitgekommen?“

Ich wollte gerade etwas erwidern, als Lena uns plötzlich unterbrach. „Scht! Leute, hört mal!“

Ich schloss den Mund wieder und lauschte angestrengt. Da war … Gesang. Er schien vom Felsen über uns zu kommen! Eine Frauenstimme … Bei mir stellten sich alle Nackenhaare auf.

„Bist du deswegen da hochgeklettert? Um ein Tonband oder eine Bluetoothbox oder irgendetwas aufzustellen?“, fragte ich, während ich mich wieder zu Pascal wandte.

Pascal hingegen schien mich gar nicht wahrzunehmen. Sein Mund stand offen, während seine Augen starr nach oben gerichtet waren. „Sie ist wunderschön, oder?“, fragte er.

Ich rollte mit den Augen. „Ja, der Gesang ist wirklich schön. Aber jetzt genug davon. Du hattest deinen Spaß. Lass uns etwas anderes machen!“

Aber Pascal schien mich nicht zu hören. Er begann, auf die Felswand zuzugehen. Als er dann auch noch die Krücken fallenließ und seinen mit Verband eingewickelten Fuß an den Felsen drückte, ging er mir zu weit.

Ich rannte zu ihm. „Bist du bescheuert? Du verletzt dich noch!“, schrie ich ihn wütend an. Ich versuchte, ihn sanft wieder von der Wand wegzuziehen.

Seine Reaktion hingegen war alles andere als sanft: Als er bemerkte, dass ich ihn aufhalten wollte, drehte er sich zu mir und schubste mich mit aller Kraft von sich weg.

Das Laub dämpfte meinen Fall zwar, trotzdem kam der Schubser so unverhofft, dass ich den Sturz nicht mit den Armen abfangen konnte. Ich schlug hart auf dem Rücken auf.

„Oh mein Gott, Clara, alles in Ordnung?“, rief Lena mir zu. Sie rannte sofort zu mir.

„Bei mir ja, aber bei Pascal bin ich mir nicht so sicher!“, sagte ich laut, damit er mich hören konnte. Ich warf ihm einen verächtlichen Blick zu.

„Scheiße“, fluchte ich ungläubig. Pascal hatte bereits die halbe Felswand erklommen! „Vielleicht ist an Pascals Geschichte doch etwas dran!“

„Was?!“

„Denk doch mal drüber nach. Heute Mittag konnte er mit dem Fuß nicht einmal auftreten, ohne fast zusammenzubrechen!“ Ich rappelte mich auf.

„Was tust du?“, fragte Lena, als sie bemerkte, dass ich jetzt ebenfalls die Felswand erklomm.

„Was wohl? Ich rette unserem Idioten das Leben!“, sagte ich.

„Und was ist mit mir?“

„Hol Hilfe. Sollte Pascal tatsächlich abstürzen, kann das übel enden. Außerdem kommt er da niemals von selbst wieder runter!“

Dann kletterte ich flink hinter Pascal her.

Ich rief ihm zu, dass er herunterkommen sollte, doch er reagierte nicht.

Trotz meiner Klettererfahrung und Pascals verletztem Fuß, konnte ich ihn nicht einholen.

Als der Gesang plötzlich stoppte, bemerkte ich, dass Pascal die Spitze erreicht hatte. Jetzt musste ich mich beeilen. Loreley würde ihn über den Abgrund locken, wenn die Legenden wirklich stimmten – und daran zweifelte ich keine Sekunde mehr. Wieso sonst sollte Pascal mit einem verstauchten Fuß einen solchen Felsen erklimmen, wenn er sich sogar im Schulsport vor jeder Kleinigkeit drückte?

Pascal stand fest auf beiden Füßen, als ich oben ankam. Mein Blick fiel zuerst auf seinen jetzt völlig verschmutzten Verband. Sein Bein zitterte leicht, trotzdem schien er es vollständig zu belasten.

Dann wanderte mein Blick an ihm vorbei und meine Kinnlade klappte herunter. Loreley hielt einen goldenen Kamm in der Hand, mit dem sie wahrscheinlich bis eben – wie in den Legenden erzählt – ihre goldenen Haare gekämmt hatte. Nun gut, es war zwar eher ein helles Blond, aber durch das Leuchten wirkten sie allemal magisch. Sogar ich muss gestehen, dass sie wunderschön aussah.

Sie hatte ihre Arme ausgebreitet, als wolle sie Pascal zu einer Umarmung einladen. Dann fiel mein Blick auf ihre Füße. Sie schwebten über dem Abgrund. So würde Pascal stürzen, noch bevor er sie erreichte!

„Pascal, nicht!“, schrie ich voller Panik. Ich rannte zu ihm, riss ihn zu Boden und hielt ihn mit aller Kraft fest.

Er wehrte sich, trat um sich, spuckte und biss. Die Sehnsucht nach Loreley hatte sich wie ein Fluch über ihn gelegt. Lange würde ich ihn nicht mehr halten können!

Noch ehe ich wusste, was ich tat, hatte ich Pascal eine reingedonnert. Meine Handfläche tat weh und sein Gesicht färbte sich rot. Hatte ich wirklich so doll zugeschlagen?

Pascal blinzelte. „Clara? Was ist passiert?“, fragte er sichtlich verwundert.

Er … er war wieder bei Sinnen! Ich schloss ihn sofort fest in die Arme. Dann hob ich vorsichtig den Kopf. Konnte Loreley ihn noch einmal … Ich stockte. Loreley war verschwunden!

Stattdessen sah ich in der Ferne ein kleines Licht, das größer und größer wurde, während ich das typische Geräusch eines Helikopters vernahm. Lena musste mit ihrem Notruf sehr überzeugend gewesen sein.

„Loreley ist weg“, sagte ich den Tränen nahe. „Es ist alles in Ordnung!“

Pascal war gerettet.

Die Legende:

Die Legende der Loreley (auch Lorelei, Lore Lay, Lore-Ley) ist eine bekannte deutsche Legende. Angeblich soll der am Rhein liegende Loreley-Felsen, auf dem Loreley noch heute manchmal gesehen werden soll, nach ihr benannt worden sein.

Aussehen:

Loreley soll vor allem für ihre Schönheit bekannt gewesen sein.

Häufig ist von ihrem goldenen Haar, das sie mit einem goldenen Kamm kämmen soll, die Rede.

Mehr ist über ihr Aussehen jedoch nicht bekannt.

In der Kunst wird sie häufig nackt oder in einem altertümlichen Kleid dargestellt.

Eigenschaften:

Loreley soll eine wunderschöne Frau bzw. der Geist einer wunderschönen Frau mit einer verzaubernden Stimme sein.

In manchen Nächten soll sie auf dem Loreley-Felsen am Rhein sitzen, ihre goldenen Haare kämmen und dabei Lieder singen. Vorbeifahrende Seefahrer sollen von ihrer Stimme so verzaubert sein, dass sie nur noch auf sie achten. Deswegen gab es angeblich schon viele Unfälle und versunkene Schiffe in der Gegend.

Ist man zu Fuß unterwegs, wenn man ihre Stimme hört, soll man so betört sein, dass man mit allen Mitteln versucht, zu ihr zu gelangen. Die meisten verunglücken jedoch bereits beim Erklimmen des Felsens.

Sollte man es hingegen schaffen, die Spitze des Felsen zu erreichen und Loreley erblicken, soll man auch von ihrem Aussehen so verzaubert sein, dass man nicht bemerkt, wie Loreley über den Rand des Felsens schreitet und in der Luft schwebt. Man bemerkt es angeblich erst, wenn man auf dem Weg zu ihr seinen Fuß ins Leere setzt und den Abgrund hinunterstürzt.

Lebensraum/Vorkommen:

Die Legende der Loreley ist an den am Rhein liegenden Loreley-Felsen bei Sankt Goarshausen, Rheinland-Pfalz gebunden. Daher soll Loreley auch nur dort gesichtet oder gehört werden können.

Ursprung:

Obwohl die Legende immer als sehr alt dargestellt wird – wie auch die angebliche Benennung des Felsen nach ihr andeutet –, ist sie in Wirklichkeit erst im Jahre 1801 entstanden.

Damals hat Clemens Brentanos seinen Roman Godwi herausgebracht, in dem die Ballade „Lore Lay“ vorkam. Die Ballade erzählt die Geschichte einer wunderschönen Frau, die mit ihrer Stimme und ihrem Aussehen jeden Mann verzaubern konnte, jedoch von ihrem Geliebten verlassen wurde und todunglücklich war.

Als sie – der Zauberei beschuldigt – vor den Bischof geladen wurde, verliebte sich dieser ebenfalls in sie. Er brachte es jedoch – selbst auf ihr flehen hin – nicht übers Herz, sie hinrichten zu lassen und befahl, sie in ein Kloster zu bringen, wo sie fortan eine Nonne sein sollte.

Auf dem Weg zum Kloster kam sie an einem Felsen vorbei. Sie bat darum, den Felsen erklimmen zu dürfen, um das Schloss ihres Geliebten von dort aus ein letztes Mal betrachten zu können.

Als sie auf dem Felsen war, glaubte sie, ihren Geliebten in einem Schiff auf dem Rhein zu erahnen und stürzte sich in den Fluss – wo sie wahrscheinlich starb.

Die Ballade wurde daraufhin von vielen Autoren und Dichtern aufgegriffen, sodass sie noch vor Mitte des 19. Jahrhunderts als angeblich alte Sage bekannt wurde. Und auch noch heute erfreut sie sich als Schein-Sage großer Beliebtheit.


Was ist mit euch? Kanntet ihr die Legende der Loreley? Wusstest ihr, dass sie erst im 19. Jahrhundert entstanden ist? Gibt es bei euch vielleicht ähnlich spannende Legenden? Schreibt es in die Kommentare!

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5 Kommentare

  1. Monika sagt:

    Wieder eine schöne Geschichte. Und Respekt an Clara, dass sie Pascal einfach so nachgeklettert ist. Ich wäre auch gerne so sportlich. 😀

    Zu den Fragen:
    ~Was ist mit euch? Kanntet ihr die Legende der Loreley? Wusstest ihr, dass sie erst im 19. Jahrhundert entstanden ist?
    Ich wusste bis jetzt nur aus einer Doku über das Rheinland, dass es die Legende gibt. Sie haben sie dort zwar auch erklärt, aber da ich die nur als Berieselung nebenher laufen hatte, hab‘ ich nicht wirklich was mitbekommen.^^°

    ~Gibt es bei euch vielleicht ähnlich spannende Legenden?
    Ich muss leider gestehen, dass ich, außer der Geschichte meiner Mutter, welche ich bereits beim Beitrag zum kopflosen Reiter erzählt habe, nicht wirklich Legenden aus Österreich kenne. :/

    Liebe Grüße
    Monika

    • Jeremie Michels sagt:

      Wieder eine schöne Geschichte. Und Respekt an Clara, dass sie Pascal einfach so nachgeklettert ist. Ich wäre auch gerne so sportlich. 😀
      Ich glaube, jeder wäre gerne so sportlich. Dafür müsste es – zumindest in meinem Fall – aber leider eine Sportart geben, die mir genug Spaß macht, dass ich dafür meine wenige Freizeit aufopfere … ^^‘

      Ich wusste bis jetzt nur aus einer Doku über das Rheinland, dass es die Legende gibt.

      Ich muss leider gestehen, dass ich, außer der Geschichte meiner Mutter, welche ich bereits beim Beitrag zum kopflosen Reiter erzählt habe, nicht wirklich Legenden aus Österreich kenne. :/
      Das macht doch nichts. Von meiner Familie oder meinem Freundeskreis her, kenne ich tatsächlich keine einzige Legende. Du bist damit also nicht alleine. :’D
      Was du immer für Dokus guckst … Ich bin ja froh, wenn ich zufällig im Internet auf solche Legenden stoße. Im Fernsehen ist mir das noch nie passiert. (Na gut, vielleicht vor Jahren mal bei River Monsters/Fluss Monster). ^^

  2. Jocklaf sagt:

    Servusle.
    Die Legende der Loreley ist führ mich nicht unbekannt, nur das alter, danke führ die Aufklärung ;).
    Kennst du eigentlich die Legender der Sennentuntschi?
    das ist eine Geschichte die bei mir in der Alpenregion, vor allem in der
    Schweiz erzählt wird.
    vielleicht Interessiert dich ja die Geschichte.
    Grüße aus dem Allgäu.

    Jocklaf

    • Jeremie Michels sagt:

      Hallo Jocklaf,
      viel Dank für deinen Kommentar!
      Genau für eine solche Art der Aufklärung habe ich damals diesen Blog angefangen, also gern geschehen! ^^
      Von der Sennentuntschi habe ich tatsächlich gerade das allererste mal gehört.
      Es ist schon etwas seltsam, dass sich die Sage dermaßen durchgesetzt hat. Normalerweise entstehen solche Arten von Legenden, die ein gewisses Verhalten bestrafen, nur, weil sich wirklich viele Leute dementsprechend benehmen. Ich will also gar nicht wissen, wie viele Leute damals eine solche Puppe besessen haben und schon gar nicht, was sie alles mit ihr gemacht haben …
      Ich habe die Legende jedenfalls direkt auf meine Liste geschrieben, also vielen Dank für den Vorschlag!
      Gruß
      Jeremie

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