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Druden
Druden (2019)

Die Druden

Die Legende der Druden ist die zweite deutsche Legende, die ich behandle.

Die Geschichte:

Albträume können etwas Schlimmes sein. Doch sie sind bei Weitem nicht so grausam wie das, was dahinter steckt …

Meine Albträume begannen vor einiger Zeit. Ich lebte damals alleine und war ziemlich in mich gekehrt. Die einzige Person, der ich mich manchmal öffnete, war Marianne. Sie war wie eine Tochter für mich.

Obwohl sie einige Häuser entfernt wohnte, besuchte sie mich regelmäßig und aß sogar jeden Sonntag mit mir zusammen Frühstück.

Und dann war da noch Fleckchen. Er war der liebste Kater der Welt. Ohne ihn wäre ich wohl schon lange vereinsamt, und auch Marianne schien ihn zu mögen.

Aber zurück zu meinen Albträumen. Sie sind immerhin der Grund, warum ich diese Geschichte erzähle.

Wie ich bereits sagte, waren nicht die Albträume selbst das Schlimme, sondern das, was sie verursachte. Versteht mich nicht falsch, sie waren fürchterlich und grausam. Verbanden meine schlimmsten Ängste, ließen mich fallen, warfen mich in einen Raum voller Spinnen, ließen mich alt werden und sterben. Doch das war alles nicht real. Und das wusste ich. Was jedoch real war, waren mein Verlust, meine Trauer, meine Einsamkeit.

Alles begann eines Nachts. Der Albtraum war zu viel für mich. Er holte mich aus dem Schlaf. Nach Atem schnappend, voller Übelkeit und mit einem Gefühl von Schwäche und Beklemmnis, versuchte ich mich aufzurichten, nur um zu merken, dass es mir nicht gelang.

Ich spürte einen seltsamen Druck auf meiner Brust und hob vorsichtig den Kopf.

Die bleichen Augen, die direkt vor meinem Gesicht schwebten, starrten mich an. Sie waren geweitet. Dann roch ich einen merkwürdigen Gestank.

Auf einen zweiten Blick bemerkte ich auch das bleiche, faltige Gesicht, die grauen, strähnigen Haare und die schwarzen, fauligen Zähne in ihrem leicht geöffneten Mund.

Sie gab ein fauchendes Geräusch von sich und sprang von meiner Brust. Wie eine Katze landete sie auf allen vieren. Jetzt, wo sie am Boden kauerte, konnte ich erkennen, wie abgemagert sie war. Ihre faltigen Arme waren dünn und knochig, die schlaffe Haut hing wie labbrige Kleidungsfetzen an ihnen.

Ihre Augen reflektierten das Licht, wie ich es nur von Tieren kannte, die im Dunklen sehen können. Dann drehte sie sich um, krabbelte zur Tür und zwängte sich unter dem dünnen Türspalt hindurch.

Mit rasendem Herzen und schwerfälligem Atem saß ich kerzengerade im Bett und starrte ihr nach. Doch so verängstigt und schockiert ich mich auch fühlte, so fühlte ich mich doch auch erleichtert. Jetzt wusste ich, mit was ich es zu tun hatte. Dieses Wesen war eine Drude – und ich konnte endlich mit einer Gefahr gehen, die ich kannte.

Druden waren alte Wesen. Sie terrorisierten die Menschheit bereits im Mittelalter und gerade in meiner Gegend habe ich als Kind und Jugendlicher häufig Geschichten von ihnen gehört. Doch das Wichtigste war: Ich wusste, was man gegen sie unternehmen konnte.

Eine Drude war eine scheinbar gewöhnliche Frau. Doch sie werden häufig mit den Hexen gleichgestellt. Vielleicht waren sie auch verflucht oder was weiß ich. Jedenfalls waren sie keine guten Wesen. Wenn die Nacht hereinbrach, spalteten sie ihren Geist von ihrem Körper und er verwandelte sich in eine Kreatur, wie die, die ich eben gesehen hatte.

Da es bereits spät genug war, stand ich auf und begann meinen Tag, wie jeden anderen. Doch ich dachte auch viel nach. Es gab viele Methoden, wie man eine Drude vertreiben konnte. Doch das würde nur mir helfen. Wenn sie mein Haus nicht mehr betreten konnte, würde sie sich einfach einem Nachbarn zuwenden.

Und das wollte ich niemandem zumuten, egal wie wenig ich meine Nachbarn kannte. Und was wäre, wenn er sich Marianne zuwenden würde? Nein, das wollte ich nicht!

„Du bist so still heute? Worüber denkst du nach?“, fragte Marianne mich und sah mich leicht besorgt an.

„Ach, nichts. Ich hatte nur wieder einen Albtraum“, sagte ich und blickte auf.

Marianne saß auf dem kleinen Sofa und streichelte Fleckchen auf der Stirn. Dort hatte sein sonst schneeweißes Fell einen hellbraunen Fleck, dem er auch seinen Namen verdankte.

Ich musste lächeln, als ich sie so sah. Wie sehr ich mir wünschte, dass sie meine richtige Tochter wäre. Aber die Liebe hatte es nie gut mit mir gemeint. Ich hatte nie die richtige Frau gefunden – und so hatte ich auch keine Kinder.

„Du weißt, dass Albträume vom Unterbewussten kommen? Wenn du mir endlich malsagen würdest, was dich immer so bedrückt, könnte das vielleicht helfen …“, sagte Marianne.

Sie machte mir dieses Angebot fast jedes Mal, wenn ich sie sah. Aber ich wollte ihre fröhliche Seele nicht mit meiner Einsamkeit betrüben. „Ach lass nur, so schlimm sind die Albträume ja auch wieder nicht. Erzähl mir lieber von deinem neuen Beruf. Hast du nette Mitarbeiter?“

Jetzt strahlte Marianne wieder. Es war genau das Strahlen, das mich an schlimmen Tagen durch den Tag brachte. Marianne war der hellste Fleck meines Lebens, der die ganze Dunkelheit, die vielen Zweifel zunichtemachte.

Wir redeten eine ganze Weile. Marianne erzählte, wie glücklich sie ihr neuer Beruf machte und, dass sie endlich etwas Geld sparen konnte. Sie würde sich ein eigenes Haus oder zumindest eine Eigentumswohnung holen, um nicht mehr jeden Monat ihre Miete zahlen zu müssen.

Als es langsam spät wurde, füllte sie noch Fleckchens Fressnapf auf – sie meinte immer, dadurch würde sie eine engere Bindung zu meinem Kater aufbauen, und mich störte es nicht. Dann machte sie sich auf den Weg nach Hause.

„Bis morgen Peter. Und du stell nicht zu viel Unfug an, Fleckchen!“, sie streichelte Fleckchen noch ein letztes Mal, schenkte mir ein warmes Lächeln. Dann schloss sie die Tür von außen hinter sich.

Jetzt war ich wieder alleine. Aber das war auch gut so. Ich wollte noch einige Vorbereitungen treffen, bevor es zu spät wurde.

Erst überlegte ich, ob ich das ganze Haus mit Fallen spicken sollte, aber da ich nicht wollte, dass die Drude Zeit zum Fliehen bekam, beschränkte ich mich auf mein Schlafzimmer. Das machte das Ganze auch einfacher. Ich bezweifelte, dass ein Wesen, dem man nachsagte, dass es sogar durch Schlüssellöcher Häuser betreten könne, in irgendeiner Weise festgehalten werden konnte.

Wenn die Drude jedoch bereits in meinem Zimmer war, wenn ich sie bemerkte, würde sie nicht schnell genug fliehen können, bevor ich sie nicht zum Essen einladen konnte …

Ja, ihr habt richtig gehört: Ich würde die Drude zum Essen einladen. Es heißt nämlich, dass Druden, die man zu sich einlädt, dazu gezwungen seien, dich zu besuchen. So würde ich sie am nächsten Tag vor meiner Tür stehen haben. Und sie könnte nicht eher gehen, bevor sie nicht mit mir gefrühstückt hatte. Dann würde ich wissen, wer sie wirklich war!

In meinem Zimmer Schloss ich das Fenster und suchte sogar die Holzwände nach Löchern oder Ritzen ab, durch die die Drude schlüpfen konnte. Als ich fertig war, war ich mir sicher, dass der einzige Weg hinein durch die Tür wäre.

Ich überlegte, was ich vor die Tür stellen konnte. Es sollte etwas sein, das leicht umfällt, um Lärm zu machen. Ich würde zwar versuchen, wach zu bleiben, aber nur zur Sicherheit!

Am naheliegendsten wäre ein Besen gewesen, ich hatte jedoch mal gehört, dass Druden durch eine Tür, an der ein Besen lehnt, nicht hindurchkommen können. Ich wusste zwar weder, ob das wirklich stimmte, noch ob es zutraf, wenn ich die Tür einen Spalt breit offenließ. Trotzdem wollte ich nichts riskieren.

Da ich auf die Schnelle nichts Geeignetes fand und befürchtete, dass eine Harke die gleiche Wirkung, wie ein Besen haben könnte, musste ich improvisieren und lehnte eine Stehlampe an die Tür. Sie würde sicherlich zerspringen – der obere Teil war aus Glas –, aber so konnte ich wenigstens auf Nummer sichergehen, dass sie genug Lärm machen würde.

Jetzt hieß es warten. Ich musste das Licht auslassen, um keinen Verdacht zu erregen, und hatte die Tür einen Spalt breit offengelassen. Ich hoffte, dass die Drude so nicht versuchen würde, durch den unteren Türspalt zu gelangen, sondern die Tür vorsichtig öffnen würde.

Die Dunkelheit, Stille und das ruhige Sitzen machten es mir jedoch nicht einfach, konzentriert oder gar wach zu bleiben. Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich meine Aufmerksamkeit abwandte. Mir fielen sogar einmal die Augen zu.

Verärgert schüttelte ich den Kopf. Wenn ich wusste, wer die Drude war, konnte ich etwas gegen sie unternehmen! Ich würde keine Nacht mehr von Albträumen geweckt werden und müsste diese schwere Last keinem meiner Nachbarn aufbürden.

Und so saß ich da, still und konzentriert. Mit dem Blick stets zur Tür gerichtet.

Als ich die erste Bewegung wahrnahm, dachte ich noch, meine Augen spielten mir einen Streich. Es war so dunkel, dass ich mir die dünnen Finger, die sich vorsichtig um den Türrahmen legten, auch hätte einbilden können. Als die Tür sich dann jedoch langsam öffnete, machte mein Herz einen Sprung. Die Drude war hier!

Dann ging alles sehr schnell. Die Tür öffnete sich weit genug, damit die Lampe umfiel. Es gab ein fürchterliches Scheppern, dann einen Aufschrei. Hatte die Drude sich verletzt? Nein! Sie musste sich erschreckt haben!

Wo war sie hin? Sofort sprang ich auf und rannte in den Flur. Bei meiner Tür trat ich in eine Scherbe und spürte einen tiefen Schnitt in meinem Fuß. So konnte ich der Drude nicht schnell genug folgen, erst müsste ich den Splitter herausziehen. Doch dann wäre sie bereits über alle Berge!

„Drude!“, schrie ich also aus voller Lunge, „Ich bitte dich, komm doch morgen zum Frühstück vorbei! Ich mache Rührei!“

Dann lauschte ich. Es gab keine Reaktion, keinen Aufschrei, keine Antwort. Nur Stille. Hatte die Drude mich gehört?

Mit einem Seufzer schaltete ich das Licht ein und hüpfte auf einem Bein an die Wand gestützt zum Bad. Dort angekommen, holte ich mein Verbandszeug und setzte mich auf den Klodeckel.

Langsam und vorsichtig zog ich den weißen Glassplitter aus meinem Fuß. Blut trotze sofort heraus. Ich spürte jede noch so kleine Bewegung der Scherbe. Trotzdem hatte ich es bald geschafft.

Ich sprühte das Desinfektionsmittel auf die Wunde und zuckte zusammen.

„Scheiße“, presste ich zwischen zusammengebissen Zähnen hervor. Wieso musste das so verdammt weh tun?

Als ich fertig war, legte ich einen Verband um die Wunde und humpelte zurück ins Zimmer. Ich holte einen Handfeger und fegte die Scherben auf. Ich würde nicht noch einmal in eine hineintreten wollen.

Dies wäre das die erste Nacht gewesen, die ich ruhig hätte durchschlafen können. Doch als ich im Bett lag, ließen mein schmerzender Fuß und die wilden Gedanken in meinem Kopf nicht locker. Würde die Drude wirklich zu mir kommen? Ich wusste ja nicht einmal, ob sie mich noch gehört hatte, geschweige denn, ob das Gerücht überhaupt stimmte …

Aber ich würde es wohl erst am nächsten Morgen erfahren. Die Nacht bis dorthin dauerte jedoch verdammt lange.

Gegen sieben Uhr früh, wurde ich von meiner Klingel wach. Erst wusste ich nicht, wer das sein könnte. War zu müde und zu desorientiert, um mich an die Nacht zu erinnern. Als ich jedoch aufstehen wollte und mir ein reißender Schmerz durch den Fuß fuhr, erinnerte ich mich an alles. Das an meiner Haustür musste die Drude sein!

Sofort hievte ich mich hoch und humpelte in den Flur. Ich beeilte mich, zur Tür zu gelangen, und warf mir nur einen Bademantel über. Dann war es soweit. Ich griff nach der Türklinke.

„Hab ich dich!“, sagte ich triumphierend, während ich die Tür aufzog. Dann stockte ich. „Marianne?“, fragte ich überrascht.

Sie sah mich etwas verwirrt an. „Alles in Ordnung Peter?“, fragte sie. Dann wanderte ihr Blick zu meinem Fuß.

„Ja, ’tschuldigung“, sagte ich kleinlaut, „Ich hatte jemanden erwartet. Was kann ich für dich tun?“

„Ich …“, Marianne zögerte. Sie sah mir nicht in die Augen.

„Ist denn bei dir alles in Ordnung?“, fragte ich jetzt besorgt.

„Ja, ich … ich bin wegen des Rühreis hier …“

Während meine gesamte Welt vor meinem inneren Auge in Stücke zerbrach und mir meine Kinnlade herunterklappte, merkte ich, wie mir Tränen in die Augen schossen. Was sollte ich jetzt tun? Sollte ich Marianne hereinlassen? Sie zur Rede stellen? Oder sollte ich sie fortschicken. Ihr sagen, dass sie nie wieder zurückkommen durfte?

Ich wusste, dass ich mir nie verzeihen könnte, wenn ich nicht wenigstens fragen würde, warum. Und so öffnete ich die Tür und ließ sie herein.

„Was … was willst du von mir?“, fragte ich, „Wieso kommst du jede Nacht zu mir? Du weißt, wie sehr mich diese Albträume quälen.“

„Ich … es tut mir leid, ich will ehrlich mit dir sein. Ich bin eigentlich nur wegen Fleckchen hier. Jedenfalls am Anfang.“

„Wegen Fleckchen?“, ich runzelte die Stirn.

„Ja. Du … du weißt, was ich bin. Dann weißt du sicher auch, dass es nur einen einzigen Weg gibt, wie ich zu einem normalen Menschen werden kann …“

Ich riss die Augen auf. „Nein …“

Wenn eine Drude zu einem Menschen werden wollte, musste sie ein Tier besitzen – so nannte man ihre nächtliche Tätigkeit, die mir seit Wochen Albträume bescherte. Es musste zahm sein und sehr geliebt werden. Das Tier würde jedoch nicht überleben.

„Es tut mir leid“, stieß Marianne hervor, „Ich wollte einfach nur normal sein. Wenn mir schon niemand ein Tier zur Verfügung stellt, das er sehr liebt, so wollte ich ein Tier finden, das ich selbst lieben kann. Als ich dann in die Nachbarschaft gezogen bin und deine Katze gesehen habe …“, ihre Stimme versagte. Tränen liefen über ihre Wangen.

„Du hast mich nur ausgenutzt …“, sagte ich trocken.

„Ja, aber nur anfangs. Bitte, du bist inzwischen ein sehr guter Freund geworden. Ich will doch nur normal sein, wenn ich Fleckchen also …“, weiter kam sie nicht.

„Raus!“, sagte ich wütend.

Sie machte große Augen.

„Raus, habe ich gesagt!“, schrie ich sie jetzt an, „Ich will dich hier nie wieder sehen!“

„Peter, ich …“

„Raus!!!“

Als ich die Tür hinter ihr zugeknallt hatte, brach ich zusammen. Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass der einzige Mensch, dem ich wirklich vertraute, mir so in den Rücken fallen würde. Ich hatte meine Tochter verloren. Nicht meine leibliche, sondern meine seelische.

Die folgenden Stunden, waren die schlimmsten meines ganzen Lebens. Nicht nur, dass ich Marianne verloren hatte, am nächsten morgen musste ich auch noch feststellen, dass Fleckchen nicht mehr atmete.

Manchmal redete ich mir ein, dass mein Kater vielleicht krank war, sein Tod eine natürliche Ursache hatte. Aber ich kannte die Wahrheit: Marianne hatte mich ein letztes Mal besucht.

Was aus ihr geworden ist, weiß ich nicht. Ich habe sie nie wieder gesehen. Doch so sehr sie auch ein Monster war, sie war es nicht freiwillig. So sehr sie mir auch wehgetan hatte, sie tat es nicht freiwillig, es war einfach nur ihr letzter Ausweg gewesen.

Trotzdem hatte ich jetzt einen Vorfall hinter mir, von dem ich nie wieder richtig erholen sollte. Fast jede Nacht wurde ich von Albträumen geplagt, und auch wenn jetzt keine Drude mehr auf meiner Brust lag, so war doch eine von ihnen schuld daran.

Albträume können etwas Schlimmes sein. Doch sie sind bei Weitem nicht so grausam wie das, was dahinter steckt …

Die Legende:

Eine Drude (auch Trut, Trude, Drud, Nachtmahr, Nachtalb) ist ein hexenhaftes Wesen des deutschen Volksglaubens.

Sie sind zumeist weiblich. Es gibt jedoch auch männliche Exemplare, die Druder genannt werden.

Aussehen:

Druden sind vom Aussehen her normale Frauen.

Besagte Frauen können jedoch nachts ihren Geist von ihrem Körper trennen, woraufhin dieser allerlei Formen annehmen kann.

Es ist weit verbreitet, dass der abgespaltene Geist einer Drude als alte, abgemagerte Frau Auftritt. Sie können jedoch alles Mögliche als Gestalt annehmen – z.B. auch Tiere, Federn oder gar einzelne Halme von trockenem Stroh.

Eigenschaften:

Druden sind Frauen, die nachts ihren Geist von ihrem Körper abspalten können – und manchmal auch müssen.

Anschließend begibt sich ihr Geist in die Häuser und Zimmer von Schlafenden, in die sie z.B. durch Türspalte, geöffnete Fenster oder gar Schlüssellöcher hineingelangen können.

Wenn eine Drude eine schlafende Person findet, legt sie sich auf seinen Oberkörper und seinen Hals, wodurch er schlimme Albträume und Atemnot bekommt. Diese Tätigkeit wird auch als „besitzen“, „Druck“ oder „Albdruck“ bezeichnet.

Wenn ein Mensch aufwacht, während eine Drude ihn besitzt, soll er so schockiert sein, dass er sich nicht bewegen kann.

Es heißt auch, dass Druden nicht nur Menschen, sondern auch Tiere besitzen können. Dies führt häufig zum Tod des Tieres.

Tiere sind auch die einzige Methode, wie eine Drude zu einem normalen Menschen werden kann. Man muss ihr ein zahmes und einem wichtiges Tier geben, dass sie besitzen kann. Sobald das Tier tot ist, soll der Fluch gebrochen und die Drude eine völlig normale Frau sein.

Die Legende der Druden ist sehr weit verbreitet, daher gibt es auch viele angebliche Methoden, wie man sich vor einer Drude schützen kann:

Zum einen kann man Drudenzeichen in und um sein Haus anbringen. Hierbei handelt es sich um einfache Pentagramme, die Druden angeblich fernhalten können.

Eine weitere Methode sind Hühnergötter – in diesem Zusammenhang auch Drudensteine genannt. Bei Hühnergöttern handelt es sich um Steine, die auf natürliche Weise ein Loch besitzen. Man muss eine Schnur durch besagtes Loch ziehen und den Stein am Dachstuhl des Hauses aufhängen, um Druden fernzuhalten.

Weitere Methoden besagen unter anderem, dass man die Tür mit einem Besen Blockieren soll, einen Besen über der Tür befestigen muss oder sogar ein Messer in den Türrahmen rammen soll.

Obwohl Druden mit aller Kraft versuchen sollen, ihre wahre Identität zu verheimlichen, soll es sogar eine einfache Methode geben, wie man sie dazu zwingen kann, sich zu enttarnen:

Man muss ihr anbieten, ihr etwas zu leihen oder sie zum Essen einladen. Einigen Leuten zufolge kann sich die Drude diesem Angebot nicht entziehen und soll am nächsten Morgen an der Tür klopfen.

Lebensraum/Vorkommen:

Druckgeister – zu denen die Druden gehören – waren hauptsächlich im Mittelalter verbreitet. Aber auch heute noch gibt es Legenden über sie. In Süddeutschland sind sie als Druden bekannt, in anderen Regionen und Ländern Europas als dieselben Wesen unter anderem Namen.

Ursprung:

Die Legende der Druden existiert mindestens seit dem Mittelalter. Sie ist wohl dem Phänomen der Albträume entsprungen. Die Leute haben damals scheinbar eine Erklärung dafür gesucht und sich so das beklemmende Gefühl in der Brust und das schwere Atmen am besten erklären können.

Einen weiteren Hinweis darauf bietet sogar das Wort „Albtraum“, das dem Wort „Albdruck“ entsprungen sein soll.

Es könnte auch sein, dass Schlafparalysen bei der Entstehung der Legende eine Rolle gespielt haben.

Es handelt sich dabei um ein Phänomen, bei dem man scheinbar wach in seinem Bett liegt und sich bis auf seine Augen nicht bewegen kann. Zusätzlich sieht man ein Wesen, einen Menschen, eine Kreatur oder etwas anderes, das einen beobachtet, bedroht oder andere furchteinflößende Dinge tut.

Viele Menschen bezeichnen dieses Erlebnis als angsteinflößend und bedrückend.


Was haltet ihr von der Legende der Druden? Könnt ihr verstehen, wieso Leute sich derartige Theorien für den Ursprung von Albträumen ausgedacht haben? Schreibt es in die Kommentare!

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4 Kommentare

  1. Cherrylady sagt:

    Hallo zusammen, ich hatte Ende letzten Jahres eine ähnliche „Begegnung “ wie hier beschrieben. Nachts vor dem Einschlafen, es fühlte sich an, als würde ich schlafen/träumen,meine Augen waren auf und mein Verstand voll wach. Es wurde plötzlich kalt, mein Herz raste und ich bekam keine Luft. Wollte schreien, aber konnte mich weder bewegen, noch etwas sagen. Mein Unterbewusstsein fragte, „wer ist da“? Da flüsterte eine Stimme:“Louis“. Ich kenne keinen L…..
    Hatte dieses Erlebnis zweimal. Habe dem Ganzen nicht so viel Bedeutung zugemessen, aber würde mich gern mal austauschen, mit Leuten, die auch an „soetwas“ glauben…..
    Vor ca. 4Wochen hatte ich eibe ähnliche Erfahrung, da schaute ich dann von oben auf unsere Garage und eibe schwarze Silouette in Gestalt eines Mannes, sprang vom Garagendach. Habe mich dann selbst zurückgeholt, bevor dir Atemnot wieder einsetzte…..habe seit letzten Jahr viel meditiert und versucht zu meiner „Mitte“ zu finden. Ich denke das hilft, was nicht bedeuten soll, dass ich mir nicht im Klaren bin, dass „die negative Energie“ zurückkommt….
    Könnt ihr mir etwas dazu sagen? Ob es sich um eine Drude oder ei en Druder handeln könnte?
    Liebe Grüße, M.

    • Jeremie Michels sagt:

      Hallo M.,

      wenn du es so beschreibst, könnte es eine Schlafparalyse sein. Diese tritt zwar meist beim Aufwachen auf, kann jedoch auch, soweit ich weiß eintreten, wenn man einschläft. In dem Fall wäre die ganze Situation deinem Unterbewusstsein entsprungen und du müsstest dir wirklich keine Sorgen machen.

      Andererseits wäre es auch möglich, dass es etwas anderes war. Wesen wie die Druden gibt es in vielen Kulturen … die Mare aus Skandinavien, ein Wesen, das sich the Hag (also die Hexe) nennt, der Bangungot von den Philippinen (wobei dieser die Leute bei seinem Besuch tötet, soweit ich weiß) oder auch nur einfache Geister. Es gibt auch Kulturen, die behaupten, dass der Teufel auf deiner Brust säße, Hexen dich mit einem Fluch belegt hätten oder gar eine Maus deinen Atem gestohlen hätte.

      Das mag vielleicht erst einmal etwas beängstigend klingen, ich würde mir an deiner Stelle jedoch keine Sorgen machen. Viele dieser Kreaturen und Phänomene sind wahrscheinlich fiktiv und waren nur eine Möglichkeit, Schlafparalysen zu erklären. Solltest du dir jedoch trotzdem Sorgen machen, dass dich irgendeine Entität besuchen sollte, kann ich dir nur raten, dich über Schutzzauber zu informieren. Damit kenne ich mich nur leider nicht aus.
      (Solltest du dich deswegen an einen Experten wenden, möchte ich dich aber um Vorsicht bitten. Es gibt viele „Experten“ da draußen, die dir nicht helfen können oder wollen, sondern nur hinter deinem Geld her sind).

      Was die Person auf der Garage angeht, kann das mehrere Gründe haben. Hast du das denn im Traum gesehen oder beim Meditieren? Es kann durchaus sein, dass du es geschafft hast, eine Astralprojektion zu schaffen und tatsächlich deine Garage gesehen hast. Dann wäre natürlich die Frage, ob es ein Einbrecher, etwas Übernatürliches oder etwas anderes war. Es wäre aber auch durchaus denkbar, dass dir deine Phantasie oder dein Unterbewusstsein einen Streich gespielt haben.

      Was du jetzt also tun kannst, ist entweder abwarten, ob es aufhört oder dich über Schutzzauber informieren und vielleicht einmal versuchen, mit „Louis“ zu sprechen. Sollte es sich bei ihm um einen Geist handeln, kann es sein, dass es völlig ausreicht, ihn darum zu bitten, damit aufzuhören. Jedoch bin ich auf dem Gebiet leider auch kein Experte.

      Es tut mir leid, wenn ich dir nicht wirklich weiterhelfen konnte, aber obwohl ich an Geister und einige andere Wesen glaube und mich viel damit auseinandersetze, habe ich persönlich auf dem Gebiet nur sehr wenig Erfahrung.

      Gruß
      Jeremie

  2. Monika sagt:

    Wie immer eine gut geschriebene Geschichte.^^

    Aber leider fehlt da anscheinend ein Teil 🙁

    ~Ich bezweifelte, dass ein Wesen, dem man nachsagte, dass es sogar durch Schlüssellöcher Häuser betreten könne, in irgendeiner Weise festgehalten werden konnte.

    Wo war sie hin? Sofort sprang ich auf und rannte in den Flur.~

    Zu den Fragen:
    ~Was haltet ihr von der Legende der Druden? Könnt ihr verstehen, wieso Leute sich derartige Theorien für den Ursprung von Albträumen ausgedacht haben?
    Mir tun die Druden leid. Zumindest geht aus deiner Geschichte und der Erklärung danach, für mich nicht hervor, dass sie das alles aus reiner Bosheit sondern eher aus einer Verzweiflung heraus macht.
    Ob ich ihr dennoch eine meiner Katzen überlassen würde, damit sie zum Mensch werden kann, kann ich jetzt auf die Schnelle gar nicht sagen. (Ich mag meine Katzen wirklich sehr.)

    Ich gehe stark davon aus, dass sich die Menschen zur Zeit des Mittelalters, – als die Wissenschaft noch in den Kinderschuhen steckte – alles mögliche mit Hexen, Geistern und Dämonen erklärt haben.
    Immerhin kann einen ein Albtraum echt sehr viel Angst einjagen und schweißgebadet aufwachen lassen.
    Und von der Schlafparalyse wussten die damals bestimmt auch nichts.^^

    Liebe Grüße
    Monika

    • Jeremie Michels sagt:

      Mir persönlich würde es, glaube ich, weniger Angst machen, nur den Kopf vor mir zu haben. Ich kann aber nicht wirklich erklären warum.^^°
      Du hast recht, da ist mir irgendwie beim Kopieren eine komplette Seite abhanden gekommen. Ich habe sie jetzt ergänzt und eine bessere Methode gefunden, den Text von einem Textdokument auf die Website zu bringen, weswegen das nicht mehr vorkommen wird! ^^

      Mir tun die Druden leid. Zumindest geht aus deiner Geschichte und der Erklärung danach, für mich nicht hervor, dass sie das alles aus reiner Bosheit sondern eher aus einer Verzweiflung heraus macht.
      So habe ich es tatsächlich auch verstanden. Warum sonst würden sie versuchen sollen, wieder zu einem normalen Menschen zu werden?

      Ob ich ihr dennoch eine meiner Katzen überlassen würde, damit sie zum Mensch werden kann, kann ich jetzt auf die Schnelle gar nicht sagen. (Ich mag meine Katzen wirklich sehr.)
      Das kommt wahrscheinlich ganz darauf an, wie sehr man an seinem Haustier hängt und wie wichtig einem die betroffene Person ist. Ich könnte ihr tatsächlich nur meine Fische anbieten, aber dass Druden ein Aquarium „besitzen“ können, halte ich für unwahrscheinlich … xD

      […] Immerhin kann einen ein Albtraum echt sehr viel Angst einjagen und schweißgebadet aufwachen lassen.
      Und von der Schlafparalyse wussten die damals bestimmt auch nichts.^^

      Das stimmt. Besonders bei einem damals so unerklärlichen Phänomen wie der Schlafparalyse hätten die Menschen wohl nach einer Ursache gesucht. Es ist aber schon fast verwunderlich, dass sie nicht einfach (wie fast immer) Hexen oder Satan für den Schuldigen erklärt haben. :’D

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