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The Killer in the Window
The Killer in the Window (2019)

The Killer in the Window – Der Mörder im Fenster

„The Killer in the Window“ ist eine bekannte urbane Legende, die sich sowohl durch Erzählungen, als auch durch das Internet stark verbreitet hat.

Die Geschichte:

Ich stand am Fenster. Draußen tanzten lautlos Schneeflocken im Wind. In der Ferne funkelten bunte Lichter. Das war das Haus der Butlers. Sie waren zwar nicht zu Hause, ließen ihre Weihnachtsbeleuchtung jedoch auf Zeitschaltung laufen, damit keine zwielichtigen Gestalten bemerkten, dass sie im Urlaub waren.

Ich tat es ihnen gleich. Auch wenn auf unserer Auffahrt kein Auto stand, machte ich mit allen Mitteln darauf aufmerksam, dass unser Haus bewohnt war. Obwohl ich alleine im Haus war – meine Eltern waren auf Geschäftsreise – ließ ich abends immer in mindestens zwei Zimmern die Lichter brennen. Außerdem holte ich täglich die Post herein und ließ den Fernseher etwas lauter laufen, als ich es normalerweise tat.

Mir war klar, dass ich ziemlich paranoid war, aber dafür würde hier wenigstens niemand einsteigen – zumindest dachte ich das.

In diesem Moment hörte ich ein Geräusch. Es war eine Art Gepolter. Schlagartig drehte ich mich um. Kam das aus dem Haus? Oder von draußen?

Sofort kontrolliert ich die Haustür, die Fenster im Erdgeschoss und die Hintertür. Alles war fest verschlossen.

Wieso dachte ich auch über Einbrecher nach? Es war doch klar, dass ich mir dann bei jedem kleinsten Geräusch Sorgen machte.

Ich ging in die Küche. Ein beruhigender Tee würde mir jetzt sicherlich helfen …

Während das Wasser kochte, sah ich mich unruhig um. Immer wieder fiel mein Blick in den dunklen Flur. Der Durchgang hatte keine Tür. Ich stellte mir vor, wie ein Mann aus dem Flur ins Licht treten würde. Ich wäre völlig wehrlos. Selbst, wenn ich mich mit irgendetwas bewaffnete, was könnte ich schon gegen einen erwachsenen Mann ausrichten?

Ein unschönes Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus. Ich wandte mich ab und versuchte, mich auf die Küche zu konzentrieren. Auf einmal kam ich mir sehr klein vor. Der Kühlschrank ragte riesig über mich hinaus. Die Wandregale, an die ich gerade so ankam, wirkten, als würden sie Meter über mir hängen. Ich wünschte, Mama und Papa wären im Haus …

Pling!

Ein Aufschrei entfuhr meinen Lippen. Es dauerte sicherlich zehn Sekunden, bis ich realisierte, dass das Geräusch vom Wasserkocher gekommen war.

„Verdammte Scheiße, Josy. Jetzt beruhig dich mal“, schimpfte ich im Flüsterton mit mir selbst.

Meine Eltern waren doch gestern erst gefahren. Wie sollte ich die restliche Woche überleben, wenn ich am ersten Tag schon solche Probleme hatte?

Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer versuchte ich, mir nicht zu viele Gedanken zu machen. Trotzdem ließ ich das Licht in der Küche brennen.

Spätestens, als der Fernseher an war, ich eingekuschelt in einer Decke saß und Tee trank, waren meine schlimmsten Gedanken wieder verflogen.

Wie so häufig zur Weihnachtszeit guckte ich Märchen. Es war sofort eine ganz andere Stimmung im Raum. Ich fühlte mich gemütlich … geborgen. Das Märchen weckte meine Fantasie. Ich fühlte mich fast wieder so sorglos wie ein Kind.

Dann sah plötzlich ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung. Ich starrte das Fenster an. War dort draußen etwas?

Ich war der Meinung, eine Gestalt zu erkennen. ‚Hör auf. Das ist bestimmt irgendetwas anders. Du bildest dir das bloß ein!‘ Als der Mann jedoch näher ans Fenster trat, erkannte ich, dass es nicht bloß meine Fantasie war.

Aber mir entfuhr kein Schrei. Ich rannte auch nicht weg. Ich saß einfach nur völlig starr da, während mein Hirn auf Hochtouren arbeitete. Was sollte ich jetzt tun? Der Mann stand direkt am Fenster und starrte mich an!

Als der Mann sich bewegte, zuckte ich zusammen. Er zog etwas Glänzendes aus seiner Tasche – ein Messer!

Wieso ich mir die Decke, in die ich gewickelt war, über den Kopf riss, wusste ich nicht. Vielleicht war es die kindliche Hoffnung, dass mir darunter nichts passieren könnte – so wie Kinder sich vor Geistern oder Monstern versteckten. Ich hörte noch, wie meine Teetasse scheppernd am Boden zerbrach, aber das war mir egal!

Während ich unter der Decke war, kramte ich möglichst unauffällig mein Handy aus der Tasche. Hoffentlich sah der Mann nicht, dass ich telefonierte. Wer weiß, wie er dann reagieren würde? Trotzdem rief ich sofort die Polizei.

Erst, als ich redete, merkte ich, dass ich weinte. „Bitte, Sie müssen mir helfen, da ist ein Mann vor meinem Fenster. Er hat ein Messer!“

An viel mehr erinnere ich mich nicht mehr. Ich weiß noch, wie ich dem Mann am anderen Ende meinen Namen und meine Adresse mitteilte. Dann sagte er mir noch, wie ich mich zu verhalten hatte. Doch ich hörte ihm kaum zu. Stattdessen achtete ich auf jedes Geräusch im Haus.

Was, wenn der Mann nicht mehr am Fenster stand, sondern sich Zugang zum Haus verschafft hatte?

Schritte! Aber war das der Mann oder kam es aus dem Fernseher? Es knirschte Laub. Also doch bloß der Film!

Ich blieb die ganze Zeit in meinem auffälligen Versteck unter der Decke. Ich traute mich erst darunter, als ich endlich die Sirenen hörte. Sofort sprang ich auf, rannte zur Tür und öffnete sie.

Die Polizisten kamen bereits angelaufen. Einer von ihnen zog seine Waffe.

„Sind Sie Josy?“, fragte der Polizist mit der Waffe.

Ich nickte.

„Wo haben Sie den Mann gesehen?“

Ich erklärte es ihnen, woraufhin der größere von beiden sofort in meinen Garten lief.

„Keine Sorge, Sie sind jetzt in Sicherheit“, beruhigte mich der Polizist, der bei mir geblieben war.

Wenig später kam der andere Polizist zurück.

„Und?“, erkundigte sich sein Kollege.

„Nichts. Ich war bei dem Fenster, von dem aus ich die Couch sehen konnte. Aber dort waren nicht einmal Fußspuren!“

Was? Keine Fußspuren? Aber der Mann stand doch genau da.

Ohne zu zögern, rannte ich mit meinen Hausschuhen nach draußen.

„Josy, warten Sie!“, rief einer der beiden mir nach. Sie rannten mir hinterher.

Als ich bei dem Fenster angekommen war, traute ich meinen Augen nicht. Dort waren die Fußspuren des Polizisten. Aber wo waren die Anderen? Der Schnee war ansonsten völlig glatt!

„Ich … Ich hab mir das doch nicht eingebildet. Der Mann war wirklich da!“, sagte ich hysterisch.

„Josy. Es ist okay. Bleiben Sie ruhig. Vielleicht war es ja ein anderes Fenster. Zeigen Sie uns das Ganze doch einmal von drinnen.“

Ein anderes Fenster … Als würde ich mein Haus nicht kennen. Natürlich war das das richtige Fenster!

Auf dem Weg nach drinnen war ich völlig in Gedanken vertieft. Wie konnte ich den Mann im Fenster denn gesehen haben, wenn niemand draußen war?

Als der Polizist, der vorausging, im Wohnzimmer plötzlich stehen blieb, rannte ich voll in ihn hinein. „Oh, sorry!“, sagte ich sofort.

Doch der Polizist reagierte nicht darauf. „Josy“, sagte er ruhig, „Ich glaube, sie haben verdammt viel Glück gehabt?“

„Wieso? Was meinen Sie?“, fragte ich. Ich sah beunruhigt an dem Polizisten vorbei.

„Als Sie den Mann gesehen haben, glaube ich nicht, dass er draußen stand. Sie haben seine Reflexion im Fenster gesehen.“

Ich sah es sofort: Nasse Fußspuren führten von der Küche bis zum Sofa.

„Oh mein Gott“, hauchte ich.

Als ich den Mann mit dem Messer gesehen hatte, musste er direkt hinter mir gestanden haben!

Die Legende:

„The Killer in the Window“ (englisch für „Der Mörder im Fenster“) ist eine bekannte amerikanische urbane Legende.

Täter:

Über den Täter ist nicht viel bekannt. Man weiß nur, dass es ein Mann gewesen sein soll.

Wenn über sein Aussehen geredet wird, gibt es viele Variationen – z.B. dunkle Kleidung, Handschuhe und eine Maske.

Ablauf:

Wie bei fast jeder urbanen Legende dieser Art gibt es bei „The Killer in the Window“ fast so viele Variationen, wie es Erzähler gibt. Generell ist der Ablauf jedoch immer sehr ähnlich.

Die Hauptperson der Legende ist meist eine Teenagerin oder junge Erwachsene. Mal ist sie als Babysitterin bei jemand anderem, während das Kind, bzw. die Kinder schon schlafen, mal ist sie alleine im Haus.

Es ist spät abends, als die Frau im Wohnzimmer sitzt und fernsieht. Aus dem Augenwinkel sieht sie, wie ein Mann an das Fenster tritt und sie beobachtet. Je nach Geschichte steht er nur da oder holt etwas – z.B. ein Messer – aus seiner Tasche.

Die Frau greift sofort nach dem Telefon, versteckt sich unter einer Decke und wählt 911. Als sie sich unter der Decke hervortraut, ist der Mann verschwunden.

Alternativ versteckt sich die Frau erst und ruft die Polizei an, nachdem sie merkt, dass der Mann verschwunden ist.

Als die Polizisten den Garten durchsuchen, fällt ihnen auf, dass im Schnee vor dem Fenster keine Fußspuren zu sehen sind. Sie gehen zu der Frau, um ihr von den fehlenden Fußspuren zu berichten.

Im Haus jedoch stellen sie entsetzt fest, dass nasse Fußspuren bis zu dem Sofa führen. Sie erzählen der Frau, dass sie Glück gehabt habe, da der Mörder gar nicht vor dem Fenster stand. Sie habe nur seine Reflexion gesehen – er war also in Wirklichkeit bei ihr im Wohnzimmer.

Häufig endet die Geschichte hier, manchmal wird noch erwähnt, dass die Polizei zwar das Haus durchsucht habe, den Einbrecher jedoch nicht finden konnte.

Ort des Geschehens:

Der genaue Ort, an dem die Legende spielt, ist nicht beschrieben. Es heißt aber häufig, dass es sich um ein Haus handelt, dass in einer Kleinstadt steht.

Ursprung:

Über den Ursprung der Legende lässt sich nicht viel sagen.

Man erzählt sich die Geschichte bereits seit dem Jahre 2000, es ist aber gut möglich, dass sie noch älter ist.

Ob sie auf einer wahren Begebenheit beruht, ist nicht bekannt. Man konnte es bisher beweisen noch widerlegen.


Wie fandet ihr meine Geschichte zu „The Killer in the Window“? Kanntet ihr die Legende bereits? Kennt ihr vielleicht ähnliche Legenden? Schreibt es in die Kommentare!

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2 Kommentare

  1. Monika schreibt:

    Aaahhh… Gänsehaut. DX

    Obwohl ich der Meinung bin, dass das ein ziemlich schlechter Killer ist, der vor seinem Opfer steht und dann nicht angreift.

    Zu den Fragen:
    ~Wie fandet ihr meine Geschichte zu „The Killer in the Window“? Kanntet ihr die Legende bereits?
    Diese Geschichte ruft in mir das gleiche Gefühl hervor, wie die der Clownstatue und gefällt mir daher sehr gut. Da ich sie davor auch noch nicht kannte, war das Gefühl umso schlimmer.

    ~Kennt ihr vielleicht ähnliche Legenden?
    Ich würde gerne… tue ich aber leider nicht. 🙁

    Liebe Grüße
    Monika

    • Jeremie Michels schreibt:

      Aaahhh… Gänsehaut. DX
      Ouha, wirklich? In diesem Fall habe ich wahrscheinlich eher der Legende zu danken, als meinem Schreibstil, aber ich hoffe, er hat mit dazu beigetragen! 😀

      Obwohl ich der Meinung bin, dass das ein ziemlich schlechter Killer ist, der vor seinem Opfer steht und dann nicht angreift.
      Um das zu beurteilen, weiß man wohl zu wenig über den Killer. Vielleicht war er ein Serienmörder und konnte in diesem Fall aus irgendwelchen Gründen seine typische Tötungsmethode nicht anwenden. Vielleicht hatte er plötzlich Mitleid mit dem Mädchen. Oder aber, er hat sich selbst erschrocken, dass sie ihn gesehen hat und ist lieber geflüchtet.

      Diese Geschichte ruft in mir das gleiche Gefühl hervor, wie die der Clownstatue und gefällt mir daher sehr gut. Da ich sie davor auch noch nicht kannte, war das Gefühl umso schlimmer.
      Ich finde das echt sehr spannend. Hätte ich vorher raten müssen, hätte ich bei dieser Geschichte (genau wie bei der Clownstatue) gedacht, dass sie dir wieder nicht so gut gefällt. ^^

      Ich würde gerne… tue ich aber leider nicht. 🙁
      Dann hoffe ich, dass ich dir in Zukunft noch bei weiteren Legenden solcher Art zeigen kann! :’D

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