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The Half-Faced Girl of Old Pali Road Zeichnung von Jeremie Michels. Das Bild zeigt ein hawaiianisches Mädchen mit langen schwarzen Haaren, einer weißen Bluse und einem langen roten karrierten Rock. Sie hat die Augen weit aufgerissen, während sie den Betrachtenden ansieht, während sie seilspringt. Außerdem fehlt ihre untere Gesichtshälfte, sodass man den Kiefer, die Zähne und ein Stück Wirbelsäule darunter sehen kann.
The Half-Faced Girl of Old Pali Road (2022)

The Half-Faced Girl of Old Pali Road

The Half-Faced Girl of Old Pali Road ist eine urbane Legende aus Hawaii. Wie der Name schon sagt, besitzt sie nur ein halbes Gesicht. Wieso das so ist und was es mit ihr auf sich hat, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Viel Spaß beim Gruseln!

Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!)

– Tod
– Erwähnung sexueller Gewalt

Die Geschichte:

Ich musste mich anstrengen, die Augen offen zu halten, während ich auf meinem Fahrrad die Straße entlangfuhr. Nicht, weil ich so müde war, sondern weil mein ganzer Körper danach schrie, die Augen zu schließen und den Moment zu genießen.

Der warme Fahrtwind in meinem Gesicht, das T-Shirtwetter obwohl die Sonne bereits untergegangen war, die Palmen, die Lianen, die andere tropischen Pflanzen und die gemütlichen Häuschen, die jetzt von nichts als dem Mond und einigen Straßenlaternen beleuchtet wurden. Dazu kam der durchgehende Gesang von hunderten, wenn nicht tausenden Grillen.

Ich kam mir vor wie im Paradies. Und in gewisser Weise war ich das auch. Mein Name ist Evan, und ich verbrachte meine Schulferien bei meiner Tante und meinem Onkel auf Hawaii, einem Ort, der so anders war, als mein kleines kanadisches Städtchen war. Trotzdem sollte ich sehr bald lernen, dass sogar das Paradies seine Schattenseiten hatte.

Ich hörte auf, in die Pedale zu treten, während ich mit gerunzelter Stirn nach vorne sah. Mein Fahrrad wurde langsamer, bis ich schließlich mit einem Bein am Boden quietschend zum Stehen kam. Direkt vor mir war ein mit Maschendraht bespanntes Tor. Dahinter konnte ich im Kegel meiner Fahrradlampe eine Art wilden Garten erkennen. Wobei „Garten“ noch nett ausgedrückt war. Er bestand aus ungepflegt hohem Gras, das kleine Inseln zwischen kahler Erde und Unkraut bildete. Die Straße endete direkt davor. Ich stand in einer Sackgasse.

Verwirrt warf ich einen Blick über die Schulter. Die Straße hinter mir sah aus wie jede andere Straße hier am äußersten Stadtrand von Honolulu. Besonders im Dunkeln, nur abschnittweise beleuchtet von den Straßenlaternen, hätte ich sie niemals auseinanderhalten können. Dann drehte ich den Kopf langsam wieder nach vorn, als erwartete ich, dass das Tor und der Garten verschwunden waren und ich einfach weiterfahren konnte. Natürlich waren sie noch da.

„Na toll“, seufzte ich genervt, während ich mein Fahrrad herumdrehte. Das hatte ich jetzt davon, so verträumt durch fremde Straßen zu radeln. Ich hatte mich verfahren.

Zum Glück wusste ich mir in solchen Situationen zu helfen. Immerhin hatte heutzutage jeder Jugendliche ein Navi in der Tasche. Es dauerte nicht lange, schon hatte ich Maps auf meinem Smartphone geöffnet und bekam meinen genauen Standort angezeigt. Ich stand auf der Old Pali Road. Vor etwa 800 Metern war ich bei einer Gabelung links gefahren statt rechts auf dem Nuuanu Pali Drive zu bleiben.

Mit einem erneuten Seufzen steckte ich mein Handy wieder weg. Fast zwei Kilometer Umweg, weil ich zu unaufmerksam war. Wenigstens war das Wetter angenehm. So konnte ich noch etwas länger die Natur genießen.

Klack, klack, klack‘, ertönte es plötzlich vor mir. Es war ein leises, regelmäßiges Geräusch. Klack, klack. Sehen konnte ich nichts – dafür waren zu große Abstände zwischen den Straßenlaternen. Außerdem hatte sich der Mond hinter einige Wolken verzogen. Trotzdem kam mir das Geräusch bekannt vor. Klack, klack, klack. Es klang fast wie … ja, es klang wie meine kleine Schwester, wenn sie im Wohnzimmer seilsprang. Alles, was fehlte, waren ihr leises Zählen oder der Gesang dabei.

Langsam schwenkte ich meinen Lenker von rechts nach links, sodass meine Fahrradlampe die Straße ableuchtete. Da! Tatsächlich! Es war ein Mädchen beim Seilspringen. Sie war jedoch älter als meine 9-jährige Schwester. Vielleicht ein paar Jahre jünger als ich. Ich schätzte sie auf 13 oder 14.

Bei jedem Sprung wippten ihre langen schwarzen Haare mit. Auf und Ab. Auf und Ab. Jedes Mal, wenn ihr Seil auf die Straße schlug, ertönte das vertraute Geräusch: Klack, klack, klack, klack.

Trotzdem bekam ich ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Was machte sie so spät noch hier draußen? In der Dunkelheit? Wo war sie plötzlich hergekommen? Wieso war niemand bei ihr? Und warum starrte sie mich beim Springen die ganze Zeit so an?

Klack, klack, klack, klack.

Plötzlich fiel mir auf, dass ich selbst nicht besser war. Ich stand hier, fast völlig regungslos, mit meinem Fahrrad herum und starrte auch sie an. Wahrscheinlich wohnte sie hier, fühlte sich auch um diese Uhrzeit noch sicher, weil in die Sackgasse nur selten Autos fuhren. Wahrscheinlich alles Nachbarn.

Sie starrte mich an, weil ich ein Fremder war, der wer weiß was hier machen wollte. Vielleicht hatte sie mit dem Seilspringen bloß auf sich aufmerksam machen wollen, damit ich sie bemerkte und keine Dummheiten machen würde. Sie konnte ja nicht wissen, dass ich mich bloß verfahren hatte.

Ich entschied, die Situation nicht noch zwielichtiger zu machen, als sie ohnehin schon war, und setzte mich mit meinem Fahrrad in Bewegung. Nicht zu schnell, damit es nicht aussah, als würde ich abhauen wollen, aber auch nicht so langsam, dass sie sich bedroht fühlte.

Gemächlich fuhr ich ihr entgegen. Ich setzte ein Lächeln auf und machte mich bereit, sie beim Vorbeifahren freundlich zu grüßen. Je näher ich ihr jedoch kam, desto mehr verging mir das Lächeln. Irgendetwas an ihrem Gesicht war seltsam. Trug sie eine Maske? Oder einen Mundschutz?

Ich riss die Augen auf, als ich es erkannte: Ihr fehlte das halbe Gesicht! Die Zähne, die Knochen lagen komplett frei! Sie hatte keinerlei Haut oder Muskeln mehr über ihren Wangen, dem Kinn, dem Mund und der Nasenspitze!

Ich bremste so abrupt, dass meine Reifen knirschend über den Asphalt schlitterten, bevor ich zum Stehen kann. Was zur Hölle war mit ihr los!?

Das Mädchen reagierte nicht auf mich. Sie wich nicht zurück oder kam auf mich zu. Sie sprang einfach nur weiter mit ihrem Seil, während sie mich anstarrte. Klack, klack, klack, klack. Fast, als stünde sie unter Schock. Aber das tat sie nicht. Sie sah nicht aus, wie ein Mensch, der sich schwer verletzt hatte, viel mehr wie ein Zombie mit verrottendem Fleisch. Außerdem waren ihre Augen unnatürlich groß. Sie hatte sie so weit aufgerissen, dass sie aus den Augenhöhlen hervorstanden, blinzelte nicht einmal. Sie starrte. Und starrte. Und starrte.

Klack, klack, klack.

Panik stieg in mir auf. Was sollte ich jetzt tun? Würde sie mich angreifen, wenn ich noch näherkam? Andererseits war es mein einziger Weg. Hinter mir lag nichts als die Sackgasse, zu meiner Rechten waren Grundstücke und in das Dickicht, und die Dunkelheit zu meiner Linken wollte ich schon gar nicht fliehen.

Klack, klack, klack, klack, klack.

Ich holte tief Luft, als würde ich gleich in einen Fluss springen, wägte ab, ob ich besser links oder rechts an ihr vorbeikäme. Ich entschied mich für die rechte Seite. Dann setzte mein Kopf aus. Ich sprang auf den Sattel und trat so fest in die Pedale, wie ich nur konnte.

Zum Glück ging es bergab, sodass ich schnell an Geschwindigkeit gewann. Ich kam dem Mädchen näher und näher. Klack, klack. Drei Meter. Zwei Meter. Ein Meter. Als ich an ihr vorbeischoss, stürzte sie sich plötzlich auf mich. Nein, sie stürzte sich nicht auf mich, sie drehte sich bloß zu mir um, um mich weiter zu beobachten.

Klack, klack, klack‘, hörte ich das Geräusch hinter mir leiser werden. Dann hörte es abrupt auf. Ich traute mich kaum, mich umzudrehen. Aber wenn ich überleben wollte, musste ich wissen, was dieses Zombiemädchen gerade tat. Ich wagte einen Blick über die Schulter, aber konnte nichts erkennen, ehe ich wieder nach vorne sehen musste – wenn ich gerade eine Sache vermeiden wollte, war es, dass ich stürzte.

Also warf ich einen zweiten Blick nach hinten. Diesmal hörte ich auf zu treten, versuchte, meinen Körper ruhiger zu halten, um mehr zu erkennen, aber … da war nichts. Kein Mädchen, das seilsprang oder mir nachrannte, kein schemenhafter Umriss in den Schatten. Sogar der Mond war wieder hervorgekommen und erhellte die nun leere Straße. Das Mädchen war genauso plötzlich verschwunden, wie sie gekommen war.

Jetzt wurde es endgültig zu viel für mich. Tränen schossen mir in die Augen, die ich hastig weg blinzelte. Ich hasste mich gerade dafür, dass ich vorhin einen auf dicke Hose gemacht hatte. Tante Sarah hatte mir angeboten, dass sie mich von Tyler abholt – dem Sohn ihrer besten Freundin, mit dem ich, seit ich hier war, fast täglich etwas unternahm. Aber ich musste ja ablehnen, stolz sagen, dass ich schon groß sei und keine Angst vor der Dunkelheit hätte. Oh, wie cool ich mir dabei vorgekommen war …

Die Wahrheit ist: Ich hatte panische Angst. Zumindest gerade. Der Weg nach Hause führte mich mehrere hundert Meter durch ein Waldstück. Ohne Straßenlaternen. Ohne Licht. Und das Schlimmste war: Die Straße verlief fast parallel zur Old Pali Road. Wenn das Zombiemädchen im Dickicht verschwunden war, konnte sie mir jeden Moment den Weg abschneiden.

Ich versuchte, nicht darüber nachzudenken, als ich auf den Nuuanu Pali Drive abbog, vorbei an der letzten Straßenlaterne. Die Waldstraße, durch die ich jetzt musste, lag in völliger Dunkelheit. Sogar das schwache Mondlicht wurde von den Ästen und Blättern über mir fast völlig verschluckt.

Wie ein Wahnsinniger raste ich über die Straße. Bei jedem Knacken, jedem Rascheln musste ich wieder an das Mädchen denken, mit ihrem halben Gesicht. Konnte ich nicht auch wieder ihr Springseil hören? Klack, klack, klack. Nein, das war nur in meinem Kopf!

Der letzte Kilometer bis zur Haustür zog sich wie Kaugummi. Obwohl ich die Strecke noch nie so schnell gefahren war, kamen mir die Minuten mehr als doppelt so lang vor. Die drückende Hitze, die ich jetzt spürte, hatte nichts mehr von der angenehmen T-Shirtwärme, die ich vorhin gespürt hatte.

Dann endlich erreichte ich unsere Auffahrt. Achtlos schmiss ich das Fahrrad hin, während ich absprang, rannte zur Tür und drückte den Klingelknopf. Wieder und wieder und wieder.

„Ich komm ja schon. Ich komm ja schon“, hörte ich Tante Sarah dumpf durch die Tür.

Panisch warf ich einen Blick über die Schulter, während ich weiter klingelte. Die Auffahrt hinter mir war menschenleer, gut beleuchtet durch eine Straßenlaterne.

Endlich öffnete sich die Tür. Ich drückte dagegen, drängte ins Haus, sobald der Spalt groß genug war. Dann brach ich weinend zusammen.

„Evan!“, rief meine Tante halb besorgt halb entsetzt.

Wie ein Häufchen Elend kauerte ich auf dem Boden im Flur. Tränen rannen über meine Wangen. Rotz lief aus meiner Nase und hinterließ einen salzigen Geschmack in meinem Mund.

Meine Tante kam sofort zu mir geeilt. Sie rief nach ihrem Mann, umfasste sanft meine Schultern und streichelte beruhigend meinen Rücken.

„He, was ist denn los?“, fragte sie ruhig.

Onkel Mamo stand mit verschränkten Armen in der Wohnzimmertür und sah besorgt auf mich herab.

Ich versuchte, zu sprechen, aber außer unverständlichem Gejammer kam nichts aus meinem Mund. Es war mir unangenehm, dass ich weinte, mich nicht unter Kontrolle hatte. Dad hätte das nicht gut gefunden. Er hätte mir gesagt, dass ich mich zusammenreißen und nicht so rumjammern solle. Schließlich sei ich ein Mann. Onkel Mamo und Tante Sarah hingegen hatten vollstes Verständnis. Sie redeten beruhigend auf mich ein, kümmerten sich um mich, bis ich wieder einigermaßen sprechen konnte.

„D-da war ein Zombie“, stammelte ich.

Inzwischen saß ich mit einem heißen Kakao am Wohnzimmertisch. Tante Sarah hatte besorgt die Stirn gerunzelt und immer wieder zu ihrem Mann gesehen, der einen glasigen Ausdruck auf dem Gesicht bekommen hatte, während ich erzählte. Er sprach als Erstes, nachdem ich fertig war.

„Weiß du, Junge“, er räusperte sich, „ich hab sie damals auch gesehen. Vor 15, vielleicht 20 Jahren. The Half-Faced Girl of Old Pali Road …“

„Wirklich?“, hauchte ich ungläubig.

Er nickte. „Meine damalige Freundin Kelly und ich saßen im Auto, als sie aufgetaucht ist. Der scheiß Motor wollte nicht anspringen. Wir konnten das Auto erst starten, nachdem sie sich vor unseren Augen in Luft aufgelöst hat. Ich hatte noch nie solch eine Angst gehabt.“

Jetzt nickte ich. Das Gefühl konnte ich nur allzu gut nachvollziehen.

„Jedenfalls haben wir uns danach über sie informiert“, erklärte er. „Wir waren bei Weitem nicht die Einzigen, die sie gesehen haben. Sie ist der Geist eines 15-jährigen Mädchens, das früher hier in der Gegend gewohnt hat und auf grausame Weise ermordet wurde. Damals ging sie eines Tages allein von der Schule nach Hause, als ein Freund ihres Cousins … Oder war es der Freund ihrer Cousine?“

Kurz sah er meine Tante an, die bloß mit den Schultern zuckte. Dann erzählte er weiter.

„Egal, jedenfalls ein Freund der Familie. Er hat sie mit dem Auto mitgenommen. Aber statt sie wie versprochen nach Hause zu bringen, ist er auf die Old Pali Road abgebogen und hat am Straßenrand gehalten.“ Mein Onkel lachte kurz auf. Es klang jedoch nicht belustigt, sondern vielmehr abwertend. „Er dachte wohl, dass er eine Chance bei ihr hätte, als er sich zu ihr rübergebeugt hat. Sie stieß ihn weg, bat ihn darum, sie einfach nach Hause zu bringen. Aber statt sich geschlagen zu geben, hat er sie …“ Onkel Mamo tauschte einen kurzen Blick mit meiner Tante aus, bevor er den Satz umformulierte: „Er hat sich an ihr vergangen und sie anschließend mit ihrem Springseil, das sie dabei hatte, erwürgt. Ihre Leiche hat er wie Abfall in einem der Gebüsche am Straßenrand entsorgt.“

Ich schluckte schwer, während ich meinen Onkel ansah. Die Angst saß mir noch immer in den Knochen, aber dazu gesellte sich nun ein Hauch von Mitleid. Das Mädchen tat mir leid.

„Es hat etwa eine Woche gedauert, bis man ihre Leiche endlich gefunden hat“, erzählte er weiter. „Sie lag auf dem Bauch. Ihre langen schwarzen Haare verdeckten ihren Kopf, aber als man sie umgedreht hat …“ Er deutete mit der Hand auf seine untere Gesichtshälfte. „Nun, du hast es ja gesehen. Es waren irgendwelche Insekten, vermute ich.“

Wieder schoss mir ihr Gesicht in den Kopf, die untere Hälfte nur noch Knochen. Wieder nickte ich.

„Aber keine Sorge, mein Junge“, Onkel Mamo klopfte mir sanft auf die Schulter. „Der Geist ist nicht gefährlich. Er hat zwar schon so einige Leute erschreckt, aber noch niemandem etwas angetan.“

Ich muss wohl nicht dazu sagen, dass ich den Rest des Urlaubs nachts nicht mehr allein rausging. Und selbst am Tag fühlte ich mich auf dem Nuuanu Pali Drive, der so dicht an der Old Pali Road verlief, unwohl. Als würde das Mädchen mich noch immer beobachten.

Sogar, als ich wieder zuhause in Kanada war, gab es dieses eine Geräusch, das mich auch nach Wochen noch in meinen Träumen verfolgte: Klack, klack, klack, klack.

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Die Legende:

The Half-Faced Girl of Old Pali Road (Englisch für „Das Mädchen mit dem halben Gesicht von Old Pali Road“), manchmal auch nur „The Half-Faced Girl“ genannt, ist eine hawaiianische urbane Legende über den Geist eines Mädchens, das auf grausame Weise ermordet wurde.

Entstehung:

Der Legende nach soll früher eine junge Teenagerin an der Old Pali Road oder in der Nähe gewohnt haben.

Sie war entweder zu Fuß unterwegs, ist am Straßenrand seilgesprungen oder saß im Auto eines Mannes, der ihr angeboten hat, sie nach Hause zu fahren.

Sie wurde jedoch von dem Mann überrumpelt, der sie erst vergewaltigt und anschließend mit ihrem Springseil erwürgt haben soll. Ihre Leiche hat er anschließend in der Nähe liegenlassen.

Als sie schließlich gefunden wurde, so heißt es, soll ihr Gesicht von Tieren halb zerfressen gewesen sein.

Seitdem soll ihr Geist in der Gegend gesichtet werden.

Aussehen:

The Half-Faced Ghost of Old Pali Road soll wie eine Teenagerin mit langen schwarzen Haaren aussehen, die seilspringt.

Ihr Gesicht soll zur Hälfte fehlen. Entweder ist ihre untere Gesichtshälfte – die Nase, der Mund, das Kinn und die Wangen – unsichtbar, oder aber man sieht ihre Knochen unter der fehlenden Haut.

Ihre Augen sollen hervorgetreten sein und somit leicht aus den Augenhöhlen hervorstehen. Das wird damit begründet, dass ihre Augen so ausgesehen haben, als sie durch das Erwürgen gestorben ist.

Auf ihre Kleidung wird im Normalfall nicht eingegangen. Ich habe zwar eine Quelle gefunden, in der von einem weißen Kleid die Rede war, aber da es wie immer unterschiedliche Zeugenaussagen gibt, ist davon auszugehen, dass ihre Kleidung so unauffällig ist, dass sie in den meisten Fällen nicht weiter erwähnt wurde.

Eigenschaften:

In den meisten Erzählungen wollen die Augenzeugen the Half-Faced Girl of Old Pali Road aus der Ferne gesehen haben, wie sie auf der Straße oder am Straßenrand seilspringt. Dabei soll sie entweder wie ein völlig normales Mädchen wirken oder über die Straße schweben.

Sollte sie bis dahin noch normal wirken, ist den Augenzeugen spätestens dann klar geworden, dass etwas mit ihr nicht stimmt, wenn sie näherkam und ihnen das halb fehlende Gesicht des Mädchens auffiel.

Anschließend rennen die Augenzeugen im Normalfall weg oder der Geist soll sich – entweder sofort oder nachdem er noch etwas nähergekommen ist – in Luft auflösen.

Bedroht oder verletzt hat der Geist angeblich noch niemanden.

Lebensraum/Vorkommen:

Es gibt zwei Orte, die mit the Half-Faced Girl of Old Pali Road in Verbindung gebracht werden. Das eine ist, wie der Name bereits sagt, die Old Pali Road. Ein anderer Ort ist der berüchtigte Morgan’s Cornern, eine Kurve des Nuuanu Pali Drive, einer Straße, die direkt an die Old Pali Road angrenzt.

Ich sollte hierzu erwähnen, dass es diverse urbane Legenden gibt, die sich um den Morgan’s Corner drehen. Wieso das so ist, erfahrt ihr unter „Ursprung“.

Ursprung:

Für die The Half-Faced Girl of Old Pali Road Legende gibt es nicht nur einen, sondern direkt zwei Ursprünge.

Der Erste ist der Mord an Janette Lum, der erstmals in dem 1997 erschienenen Buch „The Secret Obake Casebook: Tales from the Darkside of the Cabinet“ erwähnt wurde.

Janette Lum war angeblich eine Schülerin, die 1951 von einem Freund der Familie vergewaltigt und mit ihrem eigenen Springseil erwürgt wurde. Ihre Leiche hat er in der Nähe der Old Pali Road in einem Gebüsch entsorgt.

Das einzige Problem hierbei ist: Janette Lum hat nie existiert. Sie war, wie Glen Grant, der Autor des Buches, zugegeben hat, seine eigene Erfindung. Er habe Janette Lum jedoch auf Grundlage der tatsächlichen Mord- und Vermisstenfälle Dawn Bustamante, Lisa Au, und Diane Suzuki erschaffen.

Und auch, wenn in diesem fiktiven Mordfall erstmals die Rede von einem Mädchen war, das erst vergewaltigt und anschließend mit ihrem eigenen Springseil erwürgt wurde, kursierten damals bereits Gerüchte über den Geist eines seilspringenden Mädchens, deren untere Gesichtshälfte fehlt. Hier kommt der zweite Ursprung der Legende ins Spiel: Ein realer Mordfall namens „Morgan’s Corner Murder“.

Hierbei handelt es sich um einen Mord, den zwei aus dem Gefängnis entflohene Verbrecher verübt haben. Ihr Opfer war die 68-jährige Therese Wilder, die direkt am Morgan’s Corner gewohnt hat.

Einen Tag, nachdem die beiden Männer aus dem Gefängnis geflohen waren, sind sie bei Therese Wilder eingebrochen, um sie auszurauben.

Sie überrumpelten die Witwe, fesselten sie ans Bett und knebelten sie. Leider brachen sie ihr dabei den Unterkiefer, sodass sie mit dem Knebel im Mund erstickt ist. Ihre Leiche fand man erst fünf Tage später.

Nachdem dieser Mord bekannt wurde, sind diverse Spukgeschichten über den Morgan’s Corner entstanden – darunter auch der seilspringende Geist.

Es würde mich nicht wundern, wenn die fehlende untere Gesichtshälfte direkten Bezug auf den Morgan’s Corner Murder nimmt und aus der Kieferverletzung von Therese Wilder entstanden ist.

Glen Grant hat mit seinem erfundenen Mordfall also dem seilspringenden Geist nicht nur eine Hintergrundgeschichte gegeben, sondern ihr Spukgebiet auch um die Old Pali Road erweitert.

Seither erfreut sich die urbane Legende „The Half-Faced Ghost of Pali Road“ an großer Bekannt- und Beliebtheit. In der Gegend gibt es unzählige Zeugen, die behaupten, den Geist schon einmal gesehen zu haben. Es gibt sogar einen Horrorfilm, The Resort (2021), der auf der Legende basiert.

Was haltet ihr von the Half-Faced Ghost of Old Pali Road? Wie hättet ihr an Stelle reagiert? Würdet ihr in einer Gegend wohnen wollen, in der solche Geister ihr Unwesen treiben? Schreibt es in die Kommentare!

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6 Kommentare

  1. Stocki schreibt:

    Ich vielleicht sogar versuchen mit dem Geist zu sprechen, wenn ich kapiert hätte, dass er ungefährlich ist, aber wahrscheinlicher ist, dass ich einfach um jeden Preis versuchen würde dem Geist aus dem Weg zu gehen

    • Jeremie Michels schreibt:

      Auch eine interessante Idee. Ich stelle mir die Konversation etwas seltsam vor, weil ich befürchte, dass der Geist nicht antwortet (und es ohne Zunge oder Kiefermuskulutar wahrscheinlich auch gar nicht kann), aber vielleicht könnte man ihrer Seele etwas frieden schenken, wenn man nett zu ihr ist. 😃

  2. L1n4 schreibt:

    Hey, mal wieder tolle Geschichte.
    Mir würde es eigentlich nichts ausmachen, wenn ich neben einem Geist wohnen würde. Aber nur solange er friedlich ist.
    Aber ich denke wenn ich in seiner Situation wäre hätte ich das selbe gemacht, und wäre weggelaufen / weggefahren.

    • Jeremie Michels schreibt:

      Vielen Dank! 😄
      Da geht es mir ähnlich. Wenn ich wüsste, dass der Geist nett ist, würde es mich nicht stören, wenn ich es nicht wüsste, hätte ich tierische Panik. 😅

  3. Rabbat07 schreibt:

    Mal wieder sehr schöne Geschichte. Köntest du evtl. Mal eine Geschichte über das Winchester Haus versuchen? Über dieser habe ich in der Schule heute einen Vortrag gehalten ^^

    • Jeremie Michels schreibt:

      Hmm. Vom Namen her kenne ich es natürlich, habe mich aber noch nicht wirklich damit beschäftigt. Falls es passt, nehm ich es gerne in meine Liste auf! ^^

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