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Huggin' Molly Zeichnung von Jeremie Michels. Das Bild zeigt eine in schwarze Kleidung gehüllte Frau, die ihre Arme dem Betrachtenden entgegenstreckt. Sie trägt ein schwarzes Kleid, schwarze Handschuhe und eine schwarze Kapuze, die fast ihr gesamtes Gesicht verhüllt. Man sieht nur den unteren Teil ihrer Nase und ihren Mund, der leicht lächelt. Auf ihren Lippen trägt sie schwarzen Lippenstift.
Huggin' Molly (2022)

Huggin‘ Molly

Mit Huggin‘ Molly habe ich heute wieder eine amerikanische Geistergeschichte für euch.

Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!)

– Gewalt gegen Kinder

Die Geschichte:

Es ist bereits einige Jahre her, seit meine Eltern – Dad um genau zu sein – mir von Huggin‘ Molly erzählt haben. ‚Die umarmende Molly‘, hatte ich damals gedacht. ‚Klingt wie ein Buch oder eine Serie aus dem Fernsehen.‘

Aber an den besorgten Gesichtern meiner Eltern und der Tatsache, dass sie nicht wütend waren, obwohl ich über zwei Stunden später zuhause war, als vereinbart, erkannte ich, dass es etwas anderes sein musste.

Ich sollte mich auf einen Stuhl in der Küche setzen. Dad saß mir gegenüber, während Mom mit verschränkten Armen und ausdruckslosem Gesicht in der Tür stand.

„Aidan, mein Sohn“, begann Dad mit seiner rauchigen Stimme.

„Tut mir leid“, entschuldigte ich mich. „Ich hab nicht auf die Uhr geguckt. Außerdem kann ich da gar nichts für. Jason hat ein neues Fahrrad zum Geburtstag bekommen und da wollten wir …“

Ich brach ab, weil Dad mir die Hand auf die Schulter gelegt und sanft zugedrückt hatte.

„Lass mich doch erst einmal zu Wort kommen“, bat er ruhig. „Wir sind dir nicht böse, weil du zu spät bist. Aber wir haben uns wirklich große Sorgen gemacht. Um die Uhrzeit ist es für Kinder draußen nicht mehr sicher.“

„Wegen Huggin‘ Molly?“, fragte ich mit großen Augen.

Dad sah mich eindringlich an und nickte langsam, wie er es nur tat, wenn er seinem Nicken einen besonderen Nachdruck verleihen wollte. „Du weißt ja, dass es Menschen gibt, die nicht nett zu Kindern sind. Deshalb sollst du nicht mit Fremden reden. Aber wenn es dunkel wird …“, er sah mich ernst an, „dann gibt es da draußen noch eine ganz andere Gefahr: einen Geist namens Huggin‘ Molly.“

Ich schluckte schwer. Von Geistern hatte mir bisher immer nur mein großer Bruder Kyle erzählt. Aber noch nie Mom oder Dad. Ich fand Geister wirklich gruselig.

„Huggin‘ Molly kommt heraus, sobald die Sonne untergegangen ist“, begann Dad zu erzählen. „Sie ist der Geist einer großen Frau, noch größer als deine Mom oder ich. Ihre Kleidung ist schwarz wie die Nacht und auf dem Kopf trägt sie eine dunkle Kapuze.“ Dad deutete mit seinen Händen eine Kapuze an. „Sie wandert durch unsere Straßen, hier in Abbeville. Die Erwachsenen lässt sie in Ruhe. Sie geht ihnen aus dem Weg. Aber wenn sie ein Kind oder einen Teenager wie deinen Bruder findet … Ihr seid leichte Opfer für sie. Ihr könnt nicht so schnell rennen. Eure Beine sind zu kurz. Und sie macht wirklich sehr, sehr große Schritte.“

Dad machte eine dramatische Pause. Als er nicht weiterredete, sah ich hilfesuchend zu Mom. Sie nickte nur betreten.

„U-und dann?“, fragte ich, weil Dad nach einer gefühlten Ewigkeit noch immer nichts gesagt hatte.

Sein Stuhl knarzte, während er sich zurücklehnte. „Dann solltest du schnell wegrennen. So schnell du nur kannst. Denn wenn Huggin‘ Molly dich erwischt, packt sie dich und umarmt dich so fest, dass du keine Luft mehr bekommst. Viel fester als Mom oder ich es je wagen würden. Und während sie dich festhält, brüllt sie dir ins Ohr, so laut sie nur kann. Weißt du noch, als der Feueralarm losgegangen ist?“ Dad deutete auf den Rauchmelder an der Decke.

Ich nickte stumm.

„Ihre Stimme ist noch viel lauter. Und dann kannst du dir nicht die Ohren zuhalten. Deine Arme hält sie in ihrer Umarmung nämlich fest.“

Wieder schluckte ich schwer. Ich mochte es nicht, angeschrien zu werden. Und eine so feste Umarmung, dass ich nicht mehr atmen kann? „Tut … Tut das denn weh, wenn Molly mich umarmt?“, fragte ich nervös. Ich bereute die Frage sofort wieder.

Dad sah mich streng an. „Willst du das etwa herausfinden?“

Ich schüttelte heftig den Kopf.

„Gut“, sagte Dad. Seine Gesichtszüge entspannten sich. Dann beugte er sich vor und wuschelte mir durch die kurzen blonden Haare. „Richtige Entscheidung. Und nun mach, dass du ins Bett kommst.“

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich sprang auf und drängelte mich an Mom vorbei aus der Küche. Keine fünf Minuten später stand ich mit geputzten Zähnen in Kyles und meinem Zimmer.

„Du bist spät“, stellte mein Bruder fest. Er saß mit einem Buch in der Hand im Bett.

„Ich hab nicht auf die Uhr geguckt. Und dann wollte Dad noch mit mir reden“, nuschelte ich ausweichend, während ich mich umzog. Noch ehe Kyle etwas erwidern konnte, lag ich unter meiner warmen Decke, meinen lila Stoffelefanten Mr. Puddles eng an mich gedrückt.

„Wollte Dad mit dir reden, weil du so spät bist?“, fragte mein Bruder ungewöhnlich interessiert. „Haben sie dir den Huggin‘ Molly Vortrag gehalten?“

Bei der Erwähnung ihres Namens drückte ich Mr. Puddles fester an mich, nickte aber tapfer.

Im Licht der Nachttischlampe sah ich, dass mein Bruder grinste. „Hast du Angst?“, fragte er spöttisch.

„Nein. Natürlich nicht“, log ich. Ich setzte mich möglichst lässig hin – jedoch ohne Mr. Puddles loszulassen. „Ich bin doch kein Baby mehr!“

Kyle kicherte leise. Dann setzte er eine ernste Miene auf. „Das solltest du aber. Haben sie dir erzählt, was Huggin‘ Molly mit dir macht?“

Ohne die Decke fühlten sich meine Arme plötzlich sehr kalt an. „Ja. Sie drückt mich ganz, ganz doll und dann brüllt sie mir ganz laut ins Ohr.“ Ich versuchte, die Bilder zu verdrängen, die in meinem Kopf entstanden.

„Sie drückt dich also ganz doll … Mehr nicht?“, fragte Kyle. Er ließ mir aber keine Zeit zu antworten. Stattdessen schnaubte er verächtlich. „War ja klar, dass Mom und Dad ihren kleinen Aidan wieder beschützen müssen. Sie wollten dir wohl keine Angst machen.“

„Keine Angst machen?“, fragte ich. Meine Stimme klang höher als beabsichtigt.

„Na ja. Weil sie dir nicht die ganze Wahrheit gesagt haben. Aber das ist ihre Sache. Gute Nacht.“ Mit diesen Worten griff Kyle wieder nach seinem Buch und las weiter, als wäre nichts gewesen.

Fassungslos starrte ich ihn an. Er verlangte von mir doch nicht ernsthaft, dass ich mich jetzt hinlegen und schlafen konnte, nachdem er mir gesagt hat, dass Dad gelogen hatte?!

„Kyle?“, fragte ich mit pipsiger Stimme.

Er ignorierte mich. Hatte er mich nicht gehört?

Ich versuchte es noch einmal. „Kyle?“ Diesmal achtete ich darauf, lauter und nicht ganz so hoch zu sprechen.

Mein Bruder klappte das Buch wieder zu, behielt jedoch einen Finger zwischen den Seiten. „Was ist?“, fragte er.

„Was meinst du damit? Dad hat mir nicht die ganze Wahrheit gesagt?“, fragte ich mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Gleichzeitig ärgerte ich mich über meine Neugier.

„Na ja“, erklärte er. „Huggin‘ Molly knuddelt ihre Opfer nicht einfach, weißt du?“

Ich sah ihn mit großen Augen an, traute mich aber nicht, weiter nachzufragen.

Mein Bruder redete trotzdem weiter. „In Wirklichkeit ist es auch weniger eine Umarmung. Wenn sie dich erwischt, packt sie dich und drückt mit aller Kraft zu. Sie versucht nicht, dich festzuhalten oder zu umarmen, sie versucht, dich zu zerquetschen. Und in den meisten Fällen gelingt ihr das auch. Sie drückt so doll zu, dass dein Brustkorb bricht. Und das letzte, was du dabei hörst, ist ihr ohrenbetäubendes Schreien.“

„Du spinnst“, sagte ich. Sowas hätte Dad mir niemals verschwiegen!

Aber mein Bruder schüttelte den Kopf. „Nein, wirklich. Letztes Jahr hat man in der Innenstadt einen Jungen gefunden. Etwa in deinem Alter. Sein Brustkorb war nur noch matsch.“

Übelkeit stieg in mir auf. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, rutschte ich langsam im Bett hinab und zog die Decke bis zum Kinn. Ich merkte, wie meine Beine zitterten. Obwohl ich unter der warmen Decke lag, war mir plötzlich eiskalt.

Mein Bruder schien es auch zu bemerken. „Hee. Mach dir deswegen keinen Kopf“, versuchte er, mich zu beruhen. „Huggin‘ Molly kommt nicht in Häuser. Außerdem bin ich ja da, um dich zu beschützen. Hier drinnen bist du in Sicherheit.“

Selten war ich so froh gewesen, dass ich nachts nicht allein in meinem Zimmer schlafen musste. Trotzdem zitterte ich noch eine ganze Weile weiter.

„K-können wir heute Nacht das Licht anlassen?“, fragte ich nach einiger Überwindung.

„Klar“, antwortete mein Bruder. „Aber wenn du dich in mein Bett schleichst, schubs ich dich auf den Boden!“

Ich nickte bloß. Dann drückte ich Mr. Puddles so fest an mich, wie ich konnte, und versuchte zu schlafen.

In jener Nacht hatte ich mir hoch und heilig geschworen, dass ich niemals, aber wirklich niemals wieder nachts allein auf die Straße gehen würde.

Das war jetzt fast fünf Jahre her. Trotzdem erinnere ich mich noch gut daran, wie viel Angst ich vor Huggin‘ Molly hatte. Es hatte Wochen gedauert, bis ich wieder ruhig schlafen konnte.

Doch wie heißt es so schön? Die Zeit heilt alle Wunden. Inzwischen wusste ich natürlich, dass Huggin‘ Molly nichts weiter als ein Schauermärchen war, das Eltern ihren Kindern erzählten, damit sie abends rechtzeitig nach Hause kamen. Und was soll ich sagen? Es hatte funktioniert. Seither hatte ich mich nicht eine Nacht um mehr als eine Viertelstunde verspätet. Wenn mich niemand fahren konnte, versuchte ich immer, vor Sonnenuntergang im Haus zu sein.

Jedenfalls bis heute. Heute war Jasons vierzehnter Geburtstag und Isabella, das hübscheste, intelligentesten und umwerfendste Mädchen, das ich je getroffen hatte, war eingeladen gewesen. Gegen Abend wollte ich schließlich nach Hause gehen. Aber als sie mit ihren kastanienbraunen Augen geklimpert und mich gebeten hatte, dass ich noch eine Runde Flaschendrehen mitspielen solle, war es um mich geschehen.

Ihr wisst, wie das ist: Aus einer Runde waren zwei geworden, aus zwei drei und aus drei vier. Irgendwann hatte ich aufgehört zu zählen. Und so war es fast Mitternacht, als ich mich endlich auf den Weg machte.

Zunächst dachte ich mir nichts dabei. Die Strecke war nicht sonderlich weit, die Straßen waren menschenleer und sogar die fehlenden Straßenlaternen störten mich nicht weiter. Wozu hatte man sonst eine Handytaschenlampe?

Erst, als ich der Meinung war, aus dem Augenwinkel einen großen Schatten zu sehen, wurde mir etwas mulmig zu Mute. Ich leuchte sofort in die Richtung. Rasen, Bäume, eine Mülltonne. Etwas weiter hinten sah ich ein Auto bei einem Haus stehen. Aber von einer großen Person oder etwas, das ähnlich aussah, war nichts zu sehen. Bestimmt hatte ich es mir bloß eingebildet. Ein Mensch hätte jedenfalls nicht geräuschlos so schnell verschwinden können. Und was sollte es sonst sein? Huggin‘ Molly?

Ich lachte leise. „Hör auf Aidan. Du bist doch kein Kind mehr“, murmelte ich.

Trotzdem ging ich einen Schritt schneller. Ich zog den Reißverschluss meiner Sweatshirtjacke zu und bemühte mich, die kühle Nachtluft langsam ein- und auszuatmen, während ich aufmerksam die Umgebung beobachtete und die Ohren spitze. Ich hörte bloß meine eigenen Schritte, die dumpf über den Asphalt der Straße hallten, und den schwachen Wind, der durch die Bäume und den Rasen streifte.

Moment! War da noch etwas? Ich hatte das Gefühl, Schritte hinter mir zu hören, die im Takt meiner Schritte mitgingen. Schnell drehte ich mich um. Nichts.

„Guten Abend“, sagte ich laut in die Dunkelheit, in der Hoffnung, dass mich ein bekanntes Gesicht zurückgrüßen würde.

Doch mir antwortete nur der Wind.

Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und beschleunigte meine Schritte noch mehr. In ein vielleicht zwei Minuten war ich zuhause. Ich musste bloß einen kühlen Kopf bewahren.

Doch dann sah ich sie erneut: die dunkle Gestalt in meinem Augenwinkel. Blitzschnell drehte ich mich zu ihr, die Taschenlampe in ihre Richtung gestreckt. Diesmal verschwand sie nicht spurlos. Vor mir, nur ein paar Meter entfernt, stand eine großgewachsene Person, komplett in Schwarz gekleidet. Das schwarze Kleid, die schwarzen Schuhe, die schwarzen Handschuhe und sogar die schwarze Kapuze. Sie sah genauso aus, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

„Huggin‘ Molly“, hauchte ich ungläubig.

Die einzige Haut, die nicht im Schatten oder unter ihrer Kleidung verborgen lag, waren die blasse Kinnpartie und ihre Lippen, die sich jetzt zu einem dezenten Lächeln verzogen.

Plötzlich setzte sie sich in Bewegung. Sie streckte ihre Arme aus. Mit großen Schritten kam sie auf mich zu.

Mein Herz setze einen Schlag aus. Dann drehte ich mich schreiend um und sprintete los. Mein Haus war nicht mehr weit. Bei Tageslicht hätte ich es bereits sehen können.

„Mom! Dad!“, kreischte ich, in der Hoffnung, dass sie mich hören und zur Tür kommen würden. „Mooom! Daaad!“

Schnelle Schritte hinter mir verrieten mir, dass Molly immer näher kam. Trotzdem traute ich mich nicht, den Kopf zu ihr zu drehen. Noch nie in meinem Leben hatte ich solche Angst gehabt.

In der Ferne sah ich, wie in unserem Flur Licht anging.

„Mooom! Daaad!“, schrie ich erneut aus voller Lunge.

Es waren vielleicht noch 20 Meter. 15. 10. 5. Ich hatte die Haustür fast erreicht, als ich plötzlich von hinten gepackt wurde. Zwei dünne, lange, aber erstaunlich kräftige Arme hatten mich gepackt. Ich spürte, wie Molly mich zu sich zog. Sie presste mich an ihren eiskalten Körper, als wäre ich ein Sohn, den sie jahrelang nicht gesehen hatte. Doch es fühlte sich nicht liebevoll an. In ihrer Umarmung lag keinerlei Wärme, während der Druck auf meine Brust stärker und stärker wurde.

„Mom!“, presste ich hervor. Dad hatte recht gehabt: Ich konnte im wahrsten Sinne des Wortes spüren, wie mir die Luft aus den Lungen gequetscht wurde.

Dann setzte ihr Geschrei ein. Es war ein ohrenbetäubendes Kreischen, das so laut war, dass es mir die Orientierung raubte. Hätte Huggin‘ Molly mich nicht festgehalten, wäre ich wohl gestürzt.

Außerdem war da noch dieser Druck, dieser unerträgliche Druck, mit dem sie mich an sich presste. Mein Brustkorb schmerzte bereits. Ich hatte das Gefühl, dass meine Rippen jeden Moment brechen würden. Und dann … war der Geist verschwunden.

Ich fiel auf die Knie, schnappte panisch nach Luft. Endlich … Endlich konnte ich wieder atmen.

„Aidan! Aidan, ist alles in Ordnung?“ Das war Mom.

Als ich den Kopf hob, drehte sich vor mir alles, aber ich konnte im schwachen Licht der geöffneten Haustür sehen, wie sie auf mich zu rannte. Trotzdem brachte ich kein einziges Wort hervor. Tränen rannen wie Wasserfälle über meine Wangen, während ich laut schluchzte.

Mom kniete sich neben mich. Sie nahm mich sofort in den Arm und zog mich an sich, in eine liebevolle, schützende Umarmung.

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Die Legende:

Huggin‘ Molly (Englisch für „Umarmende Molly“) ist der Geist einer urbanen Legende aus den USA. Um genau zu sein, aus Abbeville, einer kleinen Stadt in Alabama.

Die Legende ist dort so bekannt, dass sie sogar auf dem Willkommensschild der Stadt abgebildet ist. Dort ist der Spruch „Welcome to Abeeville – Home of Huggin‘ Molly“ zu lesen.

Aussehen:

Viel ist über das Aussehen von Huggin‘ Molly nicht bekannt. Es heißt aber oft, dass sie etwa sieben Fuß (ca. 2,13 m) groß sei und schwarze Kleidung trägt.

Außerdem ist oft von einer schwarzen Kopfbedeckung in Form einer Kapuze oder eines Huts mit breiter Krempe die Rede.

Auch wenn heutzutage fast ausschließlich von dem Geist einer Frau erzählt wird, gab es früher einige Varianten, bei denen Huggin‘ Molly trotz ihres weiblich klingenden Namens ein Mann war.

Eigenschaften:

Huggin‘ Molly streift als Geist abends und nachts durch die Straßen von Abbeville. Sie ist auf der Suche nach Kindern und Jugendlichen, die zu später Stunde noch draußen unterwegs sind.

Besonders beliebt sind bei ihr Minderjährige, die sich ohne Erlaubnis ihrer Eltern noch draußen aufhalten. Entweder, weil sie sich rausgeschlichen haben oder später nach Hause kommen als vereinbart.

Wenn sie ein potenzielles Opfer findet, verfolgt sie es. Manchmal holt sie nur langsam auf, während sie in anderen Fällen mit großen Schritten auf ihr Opfer zu sprintet. Wenn sie es erwischt, packt sie es mit ihren Armen, drückt es in einer festen Umarmung an sich und schreit ihm aus voller Lunge ins Ohr. Anschließend lässt sie es wieder gehen.

Generell tut Huggin‘ Molly den Kindern und Jugendlichen also nicht weh – abgesehen von einem gelegentlichen Hörschaden. Eine mögliche Erklärung hierfür findet ihr weiter unten.

In einigen wenigen Erzählungen ist Huggin‘ Molly jedoch nicht so harmlos. Dort heißt es, dass sie ihre Opfer toddrücken würde. Wahrscheinlich ist diese Variante jedoch nur entstanden, weil einige Leute ihren Verwandten oder Freunden Angst machen wollten und ihnen die „normale“ Huggin‘ Molly Legende nicht gruselig genug war.

Lebensraum/Vorkommen:

Die Heimat von Huggin‘ Molly ist Abbeville in Alabama, USA. Sie ist zwar auch in den angrenzenden Gebieten bekannt und wurde dort angeblich ebenfalls gesichtet, aber nirgends ist ihre Legende so verbreitet wie in Abbeville.

Ursprung:

Bei Huggin‘ Molly handelt es sich um eine Legende, die hauptsächlich mündlich von Generation zu Generation als Kinderschreck weitergegeben wurde. Der genaue Ursprung ist daher nicht bekannt.

Es soll aber einen Zeitungsartikel aus Pheonix City, Alabama geben, der angeblich im späten 19. Jahrhundert im Columbus Newspaper abgedruckt wurde. Darin war von dem Huggin‘ Molly Geist die Rede (bisher habe ich den Zeitungsartikel noch nicht finden können. Sollte sich das in Zukunft ändern, werde ich den Text anpassen und den Artikel ggf. hier verlinken).

Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Legende von Huggin‘ Molly ihren Höhepunkt. In Louisiana soll es sogar einen Mann gegeben haben, der sich als Huggin‘ Molly verkleidet hat, um nachts junge Frauen zu umarmen.

Während die Legende in den meisten Orten danach wieder an Bekanntheit verlor, hielt sie sich hartnäckig in Abbeville und hat dort ihre neue Heimat gefunden. In der kleinen Stadt erzählen noch heute Eltern, Großeltern, Brüder, Schwestern, Cousins und Cousinen in ihren Familien die Legende von Huggin‘ Molly.

Darüber, wer Huggin‘ Molly zu Lebzeiten war, gibt es ebenfalls einige Erzählungen.

Eine Version besagt, dass sie vor ihrem Tod eine Frau war, die ihr Kind verloren hat. Um ihre Trauer zu überwältigen, hat sie fremde Kinder auf der Straße umarmt.

Einer anderen Erzählung nach war sie eine Lehrerin oder anderweitig für Kinder zuständige Person, die besonders darauf bedacht war, Kinder nachts von der Straße fernzuhalten.

Dass eine dieser Versionen der wahre Ursprung der Legende ist, ist jedoch unwahrscheinlich. Obwohl ich zugeben muss, dass mir persönlich die Idee eines freundlichen Geists, der sich bloß um die Kinder sorgt, sehr gefällt.

Was haltet ihr von Huggin‘ Molly? Hättet ihr als Kind Angst vor ihr gehabt, wenn eure Eltern euch von ihr erzählt hätten? Welche Version bevorzugt ihr? Die harmlose, bei der sie die Kinder bloß erschreckt, oder die Version, bei der sie sie zu Tode drückt? Schreibt es in die Kommentare!

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9 Kommentare

  1. NN schreibt:

    Diese Geschichte klingt nicht nach:“kinders wenn es Nacht wird seid ihr hier oder es gibt die Rute“ sondern:“wenn ihr unverheiratet steuern macht dann wird Unheil geschehen“

  2. Lilia schreibt:

    Ajajaj ich habe mich viel zu lange nicht mehr gemeldet…. Ich denke als Kind hätte ich totale Angst gehabt, zumal ich damals die anderen Kinder schon nicht so mochte… Ich mag die brutaler Version lieber, einfach weil ich es wesentlich spannender finde… Ich denke, dass die Geschichte introvertierten Personen (so wie mir) nur erneut einmal zeigt, warum sie sich von Menschen (und Geistern) fern halten…

    • Jeremie Michels schreibt:

      Hey Lilia! Es freut mich auf jeden Fall zu lesen, dass du meine Geschichten noch liest. 😄

      Ich persönlich finde die brutalere Version etwas zu 08/15, aber kann dich trotzdem verstehen. Andererseits zeigt die Legende, dass man Kindern nicht immer mit dem Schlimmsten drohen muss, wenn man ihnen solche Schreckgeschichten erzählt. Bei meiner Recherche habe ich jedenfalls nur von Leuten gelesen, die als Kind schreckliche Angst vor Huggin‘ Molly hatten. ^^
      (Und wie du schon sagst, hättest du ja früher auch Angst gehabt. Mir geht es da sehr ähnlich. :’D )

  3. L1n4 schreibt:

    Wieder mal eine super Geschichte, weiter so.
    Ich bevorzuge eher die harmlose Version, auch wenn ich nicht sicher bin ob mir es keine angst machen würde wenn mich ein Fremder umarmt. Als Kind hätte ich vermutlich keine richtige angst, aber bedenken gehabt. Da ich vor Geistern noch nie richtig angst hatte.

    • Jeremie Michels schreibt:

      Danke. Es freut mich immer sehr, wenn es euch meine Geschichten gefallen. 😄

      Also ich mus gestehen, dass ich so oder so Angst hätte, wenn nachts eine große, in schwarze Kleidung gehüllte Frau auf mich zurennt. Egal ob Geist oder nicht. 😂

  4. Stocki schreibt:

    Erinnert mich tatsächlich sehr an Hachishakusama (die Chance ist sehr gering, dass das richtig geschrieben ist) Aber sehr gute Geschichte

    • Jeremie Michels schreibt:

      Vielen Dank! 😄 Vom Aussehen her sind sie einander auf jeden Fall sehr ähnlich, ja. Besonders bei der Darstellung mit Hut. Wobei Huggin‘ Molly natürlich um einiges freundlicher ist, die Kinder und Jugendlichen nicht tötet und sie nicht über Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre hinweg jagt. 😅

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