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Rusalka Zeichnung von Jeremie Michels. Das Bild zeigt eine nackte Frau mit langen braunen Haaren, die auf einem moosbewachsenen Baumstumpf sitzt. Sie sieht die Betrachtenden mit pupillenlosen grünen Augen direkt an, während sie lächelt und sich die Haare kämmt.
Rusalka (2022)

Rusalka – Die nackte Schönheit

Eine Rusalka ist ein ostslawischer Naturgeist. Es heißt, dass sie in der Rusalka-Woche, der Woche nach Pfingsten, besonders aktiv und gefürchtet sind. Warum das so ist, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Viel Spaß beim Gruseln!

Triggerwarnungen

– Tod

Die Geschichte:

Kies knirschte unter meinen Füßen, während ich den verlassenen Waldpfad entlangschritt, nur unterlegt mit dem Gesang der Vögel und meinem leisen Schluchzen. Es war das erste Mal, seit ich meinen Job verloren hatte, dass ich mir erlaubte, zu weinen.

Die Last, die auf meinen Schultern lag, war zu groß geworden. Ich wusste, dass ich meine Gefühle nicht ewig zurückhalten konnte. Ich war gerade einmal zwei Wochen arbeitslos und bereits jetzt häuften sich die Schulden, die Ende des Monats auf mich zukamen. Vor meiner Tochter durfte ich meine Zukunftsängste nicht zeigen. Papa musste für sein kleines Mädchen stark sein. Aber jetzt, wo Oma und Opa, die Eltern meiner verstorbenen Frau, sie abgeholt hatten, ließ ich meinen Gefühlen freien Lauf.

Normalerweise machte das Spazierengehen mir Spaß. Es bereitete mir Freude, die Natur zu beobachten, die Bäume zu betrachten und zu versuchen, sie zu bestimmen. Manchmal bewunderte ich auch bloß das Spiel von Licht und Schatten, dass die tanzenden Blätter auf den Waldboden warfen. Heute war daran jedoch nicht zu denken. Nicht nur, dass ich mit meinem Kopf ganz woanders war, meine Sicht war von meinen Tränen so verschwommen, dass ich nicht einmal merkte, wie ich mich vom Pfad entfernte und einen eigenen Weg durch den Wald einschlug.

Stur setzte ich einen Fuß vor den andren, ignorierte die kniehohen Pflanzen und das zusätzliche Laub. Nicht einmal das immer lauter werdende Rauschen eines Flusses kam mir verdächtig vor, obwohl ich auf den gekennzeichneten Wegen durch den Wald noch nie an einem Fluss vorbeigekommen war.

Ehrlich gesagt bemerkte ich es erst, als ein erschrockenes Einatmen vor mir ertönte, das mich aus meinen Gedanken riss.

Ich wischte mir hastig die Tränen aus dem Gesicht, während ich aufsah. Dann stockte ich. Vor mir lag eine Lichtung, die an einen sanft rauschenden Fluss grenzte. Auf einem moosbewachsenen Baumstumpf sah ich eine nackte Frau, die erschrocken zu mir aufsah. Sie hatte langes braunes Haar, das fast ihren gesamten Rücken bedeckte, und erstaunlich blasse Haut.

Sofort wandte ich den Blick ab. „O Gott, das tut mir furchtbar leid!“, stieß ich aus. „Ich habe Sie nicht bemerkt. Ich wollte Sie nicht beobachten.“

Aber der erwartete empörte Ausruf oder die gestammelte Erklärung, wieso sie hier in dem öffentlichen Wald nackt badete, blieben aus. Die Frau schwieg mich an.

Mit gerunzelter Stirn sah ich wieder zu ihr. Sie war inzwischen aufgestanden und einen Schritt auf mich zugekommen. In ihrem Gesicht lag Sorge … oder war es Mitleid?

Schnell sah ich wieder zur Seite. Auch wenn sie sich nicht im Geringsten dafür zu schämen schien, gehörte es sich nicht, eine nackte Frau anzustarren.

„I-ich gehe jetzt besser“, stammelte ich.

Aber ehe ich mich umgedreht hatte, sah ich aus dem Augenwinkel, dass die Frau noch einen Schritt auf mich zukam. Sie streckte eine bleiche Hand nach mir aus, als wolle sie mich aufhalten, hielt dann in der Bewegung inne.

Wieder sah ich sie an. Sie hatte einen fragenden Ausdruck auf dem Gesicht, führte einen Finger an ihre Wange und strich von dem Auge abwärts, als wolle sie eine Träne zeigen.

„Wie bitte?“, fragte ich.

Sie wiederholte die Bewegung. Konnte sie nicht sprechen?

„Wieso ich weine?“, versuchte ich ihre Geste zu deuten.

Sie schenkte mir ein strahlendes Lächeln, während sie fast schon begeistert nickte.

Eigentlich rede ich nicht über meine Gefühle, schon gar nicht mit irgendeiner nackten Frau im Wald. Andererseits hatte sie mich bereits weinen gesehen. Wenn ich jetzt ging, würde sie sich sicher Sorgen machen. Ich könnte ihr damit den ganzen Tag ruinieren. Außerdem würde es sicher guttun, es endlich mal rauszulassen.

Ich haderte noch einen Moment mit mir, in dem ich die Blätter musterte, die etwas rechts von mir im Gras lagen. Die Frau anzusehen, vermied ich natürlich weiterhin. Dann gab ich mir einen Ruck.

„Ich habe vor etwa zwei Wochen meinen Job verloren“, begann ich. Ich erzählte der Frau, dass ich in einem großen Büro gearbeitet hatte, in dem ich weder Ansehen genossen noch sonderlich viel verdient hatte. Aber es reichte, um meine Tochter Kalyna und mich über die Runden zu bringen.

Trotzdem war es hart, seit meine Frau vor einigen Jahren an Nierenversagen gestorben war. Ich hatte fast kein Erspartes, musste immer Angst haben, dass irgendwelche Kosten auf mich zukamen, die mich aus der Bahn warfen. Dass ich jedoch meinen Job verlieren würde, weil die komplette Führungsabteilung des Büros in irgendwelche illegalen Machenschaften verwickelt war, hätte ich nicht erwartet.

Man munkelt, dass es etwas mit Drogen oder illegalem Glücksspiel zu tun hatte. Aber am Ende war es mir eigentlich egal. Für mich zählte nur, dass ich plötzlich ohne Job dastand.

Als alleinerziehender Vater hatte ich es schon schwer genug: Ich musste den Haushalt, meine Arbeit, die Finanzen und meine Tochter allein stemmen. Dass ich jetzt auch noch einen neuen Job suchen musste, ohne wirkliche Qualifikationen und mit besonderen Ansprüchen, was die Arbeitszeiten anging – immerhin musste ich für meine Tochter da sein –, kam mir wie eine schier unmögliche Aufgabe vor.

Auch erzählte ich von meinen Schwiegereltern. Sie hatten angeboten, Kalyna zu sich zu holen. Ein Angebot, das ich nur schweren Herzens angenommen hatte. Immerhin wohnten sie über zwei Stunden Autofahrt entfernt. Ich würde jedenfalls alles daran setzen, dass ich meine Tochter bald wieder zu mir holen konnte.

Die nackte Frau hörte mir die ganze Zeit aufmerksam zu. Sie hatte traurig geguckt, gelegentlich genickt, aber kein einziges Wort gesprochen. Zweimal hatte sie sich sogar in Scharade versucht, um mir ihr Beileid auszudrücken und nach meiner Tochter zu fragen – die beiden einzigen Momente, in denen ich mich getraut hatte, sie anzusehen.

Aber obwohl mir die ganze Situation furchtbar seltsam, fast schon surreal vorkam, fühlte ich mich danach deutlich besser. Ich hätte noch Stunden mit der Frau reden können und aus ihrem noch immer interessierten Gesichtsausdruck schloss ich, dass es ihr ähnlich ging. Allerdings hatte ich Kalyna versprochen, dass ich mit ihr telefonieren würde, bevor sie ins Bett musste. Also verabschiedete ich mich von der Frau.

„Es war wirklich nett, mit Ihnen zu reden.“ Ich lächelte sie an. „Und danke fürs Zuhören. Es ist selten, dass sich heutzutage noch Leute für die Probleme anderer interessieren.“

Die Frau schenkte mir ein strahlendes Lächeln und legte die Hand auf ihr Herz. Ich deute es als „Viel Glück“.

Wieder lächelte ich. „Schönen Abend noch. Tut mir leid, dass ich Sie gestört habe.“

Die Frau winkte mir. Dann drehte ich mich um und verschwand auf demselben Weg, den ich gekommen war.

Erst lächelte ich noch vor mich hin, fühlte mich befreit. Doch je leiser das sanfte Rauschen des Flusses hinter mir wurde, je weiter ich mich von der Lichtung entfernte, desto schwerer wurde auch mein Herz. Nur darüber zu reden, schaffte meine Probleme leider nicht aus der Welt. Und auch, wenn ich eben einen Moment der Ruhe genießen durfte, lag die kalte, grausame Welt jetzt wieder vor mir.

Innerlich fluchte ich, während ich auf die Uhr sah. Zehn vor sieben. Ich war viel zu lange auf der Lichtung geblieben. So würde ich es niemals rechtzeitig nach Hause schaffen.

Zum Glück waren die Straßen leer. Etwas schneller, als ich es mich sonst getraut hätte, fuhr ich nach Hause. Dort angekommen, schlug ich die Autotür zu. 19:02 Uhr. Meine Schwiegereltern erlaubten ihr sicher, heute etwas länger wach zu bleiben. Zumindest bis Papa anrief.

So schnell ich konnte, rannte ich ins Haus. Ich sprintete die Treppe hinauf und stürmte in meine Wohnung. Ohne Schuhe oder Jacke auszuziehen, rannte ich zum Telefon und wählte die Nummer.

‚Tuuuut. Tuuuut‘, ertönte es. ‚Tuuuut. Tuuuut.‘ Endlich hob jemand ab.

„Shevchenko“, erklang eine gebrechliche Stimme. Das war meine Schwiegermutter.

„Oksana, ich bin‘s, Misha. Ist Kalyna noch wach?“

Aber sie brauchte gar nicht zu antworten. „Papaaa!“, hörte ich Kalynas aufgeregte Stimme im Hintergrund.

„Ich geb dich weiter“, sagte Oksana. An ihrer Tonlage erkannte ich, dass sie schmunzelte.

„Papa, da bist du ja endlich“, sagte Kalyna, als sie das Telefon am Ohr hatte. Sie klang dabei fast vorwurfsvoll. „Opa meinte schon, du hast es vergessen.“

„Was?“, fragte ich entsetzt. Ich war mir sicher, dass er es anders formuliert hatte. Trotzdem schockierte es mich, dass meine Tochter sowas auch nur denken konnte. „Ich bin gerade erst nach Hause gekommen. Ich könnte dich niemals vergessen!“

Damit war das Thema für sie auch schon abgehakt. Kalyna fing sofort an, mir von ihrem Tag zu erzählen. Es war ehrlich gesagt nicht sonderlich aufregend. Sie erzählte fast nur von Belanglosem. Trotzdem liebte ich sie für jedes einzelne Wort davon. Als sie schließlich zum Ende kam, spürte ich, wie mein Herz schlagartig schwer wurde.

„Warte!“, sagte ich schnell, um sie einen Moment länger in der Leitung zu halten. Es fiel mir nicht schwer, ein geeignetes Thema zu finden. „Ich hab dir noch gar nicht von meinem Tag erzählt. Du wirst nie erraten, wen ich heute im Wald getroffen habe.“

„Wen denn?“, hörte ich Kalyna neugierig fragen.

„Ich habe eine Frau getroffen. Und sie war splitterfasernackt“, erklärte ich. Natürlich erlaubte ich mir, die Begegnung etwas auszuschmücken. „Ich glaube ja, es war eine Fee oder eine Elfe.“

„Wirklich?“, fragte meine Tochter begeistert. „Hatte sie spitze Ohren oder Flügel?“

„Nein, das nicht“, gestand ich.

„Oh“, sagte Kalyna. Sie klang traurig. „Dann war es auch keine Fee oder Elfe.“

Ich lachte. „Du bist so schlau, meine Kleine. Aber du hast recht. Dann war es bestimmt eine Waldnymphe. Als ich bei ihr war, hat es sich jedenfalls wirklich magisch angefühlt. Und das, obwohl sie nicht einmal sprechen konnte.“

„Sie konnte nicht sprechen?“, fragte Kalyna.

Ich nickte stumm und wollte gerade zu einem Vortrag über Menschen mit Behinderung ansetzen, als ich im Hintergrund leise Oksana hören konnte. „Kalyna, Spatz, du musst langsam ins Bettchen. Und Papa muss bestimmt auch noch was tun.“

„Oma!“, schrie Kalyna begeistert. „Papa hat im Wald eine Waldnüpfe gesehen!“ Dann ertönte ein ‚tut tut tut tut tut‘. Kalyna hatte aufgelegt.

Ich sah mein Telefon traurig an, während ich dem Tuten lauschte. Dann legte auch ich auf und steckte das Telefon zurück in die Ladestation. Oksana hatte recht. Ich hatte heute noch einiges zu erledigen. Ich wollte mindestens noch zwei Bewerbungen abschicken.

Also setzte ich mich an den Computer. Es dauerte mehrere Stunden, bis ich zwei geeignete Stellenanzeigen gefunden hatte – die eine ging recht schnell, sie war vom örtlichen Supermarkt, die andere hingegen war ein langweiliger Aushilfsjob in einem Büro, den ich im Homeoffice erledigen konnte. Beides nicht gerade ein Traumjob, aber es wäre besser als nichts.

Anschließend ging ich ins Bett. Wie jeden Abend dachte ich viel nach, bevor ich endlich einschlafen konnte. Ich dachte an meine Tochter, an meine Arbeit und wie es wohl wäre, im Supermarkt an der Kasse zu sitzen. Unzufrieden wälzte ich mich hin und her. Dann wanderten meine Gedanken zu der Frau aus dem Wald und ich war kurz darauf eingeschlafen.

Am nächsten Morgen blieb ich im Bett liegen. Ich sagte mir wieder und wieder, dass ich aufstehen, meinen Arsch hochbekommen und mich an den PC setzen solle, aber mir fehlte die Kraft. So sehr ich es auch versuchte, es gelang mir nicht.

Erst, als ich gegen Mittag auf Toilette musste, hatte ich genug Antrieb dazu. Dass ich keine einzige neue E-Mail im Postfach hatte, trug jedoch nicht gerade zu meiner guten Laune bei. Und als ich dann beim Einkaufen auch noch nach Kalynas Lieblingssüßigkeit griff, bevor ich meinen Fehler bemerkte, war meine Laune völlig im Keller.

Wenigstens weigerte sich das Wetter, sich meiner Stimmung anzupassen: strahlendblauer Himmel und eine angenehme Frühsommerwärme. Das perfekte Wetter, um den Kopf freizubekommen. Das perfekte Wetter für einen Spaziergang.

Als ich mein Auto auf dem kleinen Waldparkplatz parkte, wusste ich noch nicht, wo mich der Weg heute hinführen würde. Ich überlegte mir nur selten vorher, welche Route ich nahm. Als ich jedoch an dem Knick vorbeikam, den ich gestern unter Tränen vergessen hatte, zu nehmen, entschied ich, der kleinen Lichtung am Fluss einen zweiten Besuch abzustatten.

Ich glaubte nicht, dass die Frau von gestern wieder da wäre. Wer ging schon am nächsten Tag wieder an derselben Stelle nackt baden, nachdem einen dort ein Fremder überrascht hatte? Aber der Ort hatte eine gewisse Ruhe ausgestrahlt, nach der ich mich jetzt sehnte.

Meine schlürfenden Schritte raschelten im Laub, Äste knackten unter meinen Füßen und die Vögel hielten ein wahres Orchester in den Bäumen ab. Einer sang schöner als der andere.

Während ich mich der Lichtung näherte, war es, als würde ich sie das erste Mal sehen. Mir war gestern nicht aufgefallen, wie frisch und bunt hier alles aussah. Die Bäume wirkten grüner, das Gras voller und saftiger und sogar die vereinzelten Wildblumen schienen im Sonnenlicht kräftiger zu strahlen als jede andere Blume im Wald. Ich verstand, wieso die Frau diesen abgelegenen Ort zum Sonnen ausgewählt hatte.

Trotzdem könnt ihr euch meine Überraschung sicher vorstellen, als ich plötzlich ein leises Summen vernahm. Es war eine Frauenstimme, die eine wunderschöne, wenn auch irgendwie sehnsüchtige Melodie summte.

„Hallo?“, kündigte ich mich vorsichtshalber an, ehe ich auf die Lichtung trat.

Es war dieselbe Frau wie gestern. Wieder saß sie nackt auf dem Baumstumpf, auch wenn sie sich heute ihre haselnussbraunen Haare mit einem wunderschönen muschelartigen Kamm kämmte. Als sie mich hörte, drehte sie sich erschrocken zu mir um, schenkte mir dann aber ein wunderschönes weißes Lächeln und winkte mir. Sie schien nichts dagegen zu haben, dass ich sie ein weiteres Mal besuchte.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich wiedersehe“, gestand ich. „Aber die Lichtung ist einfach zu schön, um nicht wieder herzukommen.“

Die Frau nickte. Sie ließ ihren Blick verträumt über die Bäume wandern, während sie weiter ihre Haare kämmte. Schließlich blieben ihre Augen an mir haften. Sie legte den Kamm neben sich und hielt ihre Hand mit der Handfläche nach unten etwa auf Hüfthöhe vor sich. Dieselbe Geste hatte sie gestern auch verwendet, als sie nach meiner Tochter fragen wollte.

Ich lächelte traurig. „Kalyna geht es gut“, erklärte ich. „Sie fühlt sich bei ihren Großeltern wohl, aber ich hoffe wirklich, dass ich sie bald wieder nach Hause holen kann.“

Während ich ihr von meiner Tochter und meinen Schwiegereltern erzählte, setzte ich mich ins Gras, um mit ihr zusammen dem rauschenden Fluss zuzusehen. Natürlich saß ich in einigen Metern Abstand zu der Frau. Immerhin wollte ich ihr nicht zu nahe treten. Und schon gar nicht sollte sie sich durch mich bedroht fühlen.

Ich erzählte ihr, dass Kalyna im September eingeschult wird, sie bis dahin also wieder bei mir wohnen musste, ich aber keine Ahnung hatte, wie ich das schaffen sollte. Dass sie eine Schule bei ihren Großeltern besuchte, kam für mich nicht in Frage. Seit dem Tod meiner Frau war sie der einzige Lichtblick in meinem Leben. Ich durfte sie nicht auch noch verlieren.

Wieder nickte die Fremde gelegentlich, machte einen mitleidigen Gesichtsausdruck oder antwortete mit einer Geste. Sie sprach kein einziges Wort und doch schien sie genau die richtigen Antworten zu finden. Ich hatte das Gefühl, dass sie mich voll und ganz verstand. Ein Gefühl, das mir Trost spendete.

Leider verging die Zeit wieder viel zu schnell. Heute hatte ich die Uhr besser im Blick. Ich wollte meine Tochter nicht schon wieder zu spät anrufen. Und so kam es, dass ich mich bald wieder von der Frau verabschieden musste.

„Bist du morgen wieder hier?“, fragte ich. War das zu aufdringlich? Ich bereute die Frage sofort wieder.

Die Frau jedoch strahle mich an, als könne sie sich nichts Schöneres vorstellen, als mich wiederzusehen. Sie nickte energisch.

„Alles klar.“ Ich lachte erleichtert. „Dann sehen wir uns morgen?“, fragte ich.

Wieder ein Nicken, dann ein Lächeln, dann ein Winken.

Ich erwiderte das Lächeln und das Winken, bevor ich losging. Als ich die Lichtung verließ, konnte ich die Frau wieder die wunderschöne Melodie summen hören. Ich drehte mich noch einmal um, sah, dass sie sich wieder die Haare kämmte, während sie summend ins Wasser starrte.

Ein zufriedenes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht. Mein Herz war noch leichter geworden als am Vortag. Nicht, weil ich mir wieder irgendwelche Probleme von der Seele reden konnte, sondern weil ich endlich wieder etwas hatte, auf das ich mich freuen konnte: Ich würde sie wiedersehen.

Versteht mich nicht falsch. Ich freute mich täglich auf die Anrufe bei meiner Tochter, aber das war etwas anderes. Meine Tochter war jemand, den ich vermisste, die Telefonate ein Kompromiss, weil ich sie nicht sehen konnte. Das Wiedersehen mit der Frau hingegen war etwas Neues. Kein Kompromiss, sondern etwas, auf das ich mich voll und ganz freuen konnte.

Während des gesamten Heimwegs dachte ich darüber nach. Mein Leben fühlte sich plötzlich nicht mehr ganz so trostlos an, wie noch heute Morgen. Sogar, als ich das Telefon zur Hand nahm, musste ich noch immer an die Frau denken.

„Shevchenko“, meldete sich Oksana am anderen Ende.

„Ich bin’s“, erwiderte ich knapp. „Wie geht’s Kalyna?“

„Ah, Misha. Ihr geht es gut. Ich geb dich auch sofort weiter, aber … Du, sag mal: Kalyna meinte gestern, dir wäre eine nackte Waldnymphe begegnet. Was hat es damit auf sich?“

Komisch, dass sie ausgerechnet jetzt auf sie zu sprechen kam. Ich lachte verlegen. „Ja, ich weiß, wie das klingt. Aber es war die Wahrheit. Zumindest so halb. Ich bin auf einer abgelegenen Lichtung im Wald einer nackten Frau begegnet, die sich gerade gesonnt hat. Ich denke, sie war im Fluss schwimmen und hat nicht erwartet, dass ihr jemand über den Weg läuft.“

Oksana räusperte sich. Sie sprach nur zögerlich. „Eine nackte Frau bei einem Fluss also. Ich möchte … Ich möchte, dass du dich von ihr fernhältst.“

„Was?“, fragte ich ungläubig. Mich von ihr fernhalten? Was sollte das denn jetzt?

„Vertrau mir einfach. Sie ist gefährlich“, warnte sie.

Ehe ich jedoch nachfragen konnte, was sie meinte, wurden wir von Kalyna unterbrochen.

„Oh. Hallo mein Spatz“, sagte Oksana am anderen Ende der Leitung. „Ich wollte gerade zu dir kommen. Rate mal, wer hier für dich am Telefon ist.“ Dann gab sie das Telefon weiter.

„Papa!“, rief meine Tochter begeistert. Ihr Enthusiasmus, mit dem sie mich begrüßte, zauberte mir sofort wieder ein Lächeln auf die Lippen.

„Hey Kleine“, begrüßte ich sie.

Kalyna plapperte sofort drauf los und begann, mir von ihrem Tag zu erzählen. Sie hatte mit Oma und Opa in der Sandkiste im Garten gespielt. Was sie damit meinte, war, dass sie in der Sandkiste spielte, Opa den Gartenschlauch geholt hatte, damit sie mit dem nassen Sand Sandburgen bauen kann, und Oma saß auf ihrem Stuhl am Gartentisch und hat zugesehen. Das machten sie häufiger. Und trotzdem war es für Kalyna jedes Mal ein richtiges Highlight.

Als sie davon erzählte, dass sie eine Sandprinzessin vor einem bösen Eimerdrachen gerettet hatte, hörte ich aber nur noch mit halbem Ohr zu. Meine Gedanken waren wieder bei der nackten Frau und bei den Worten von Oksana. „Sie ist gefährlich.“ Was meinte sie damit? Kannte sie die Frau? Aber wieso sollte sie gefährlich sein? Sie war nackt. Es war nicht gerade so, dass sie eine Waffe bei sich tragen konnte. Und besonders muskulös war sie auch nicht.

„Papa? Bist du noch da?“, riss Kalyna mich aus den Gedanken.

„Ja. Natürlich Kleines“, sagte ich schnell.

„Gut. Oma will mir noch vorlesen.“, erklärte sie. „Ich hab dich lieb!“

„Ich hab dich auch lieb. Soooo doll“, erwiderte ich. „Wir telefonieren morgen wieder.“

„Tschüss“, sagte Kalyna nur knapp. Dann hatte sie aufgelegt.

„Tschüss“, murmelte ich leise, bevor ich das Telefon in die Ladestation steckte.

Eigentlich hatte ich heute wieder vor, mindestens zwei Bewerbungen rauszuschicken, aber während ich durch die Stellenanzeigen scrollte, war ich nicht richtig bei der Sache. Immer wieder schweiften meine Gedanken ab. „Ich möchte, dass du dich von ihr fernhältst. Sie ist gefährlich“, hallte Oksanas Stimme in meinem Kopf. Ich wurde daraus einfach nicht schlau.

Und selbst, als ich im Bett lag – Bewerbungen hatte ich heute keine rausgeschickt –, schwirrten die beiden Sätze noch durch meinen Kopf. Ich war mir inzwischen sicher, dass Oksana sich irrte. Vielleicht verwechselte sie die Frau? Ich würde sie morgen Abend darauf ansprechen, wenn ich wieder mit Kalyna telefonierte.

Am nächsten Tag war ich voller Tatendrang. Nicht nur, dass ich mich wie ein kleines Kind auf meinen Waldspaziergang freute, ich hatte auch noch eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch im Posteingang: Es war für die Stelle als Verkäufer im Supermarkt. Vielleicht war die Welt ja doch nicht ganz so kalt und grausam, wie ich es die letzten Wochen gedacht hatte.

Auch dachte ich nicht mehr an die Worte von Oksana. Sie schossen mir erst am Nachmittag wieder in den Kopf, als ich bereits tief im Wald war und mich der Lichtung näherte. Ich schnaubte verächtlich. Gefährlich … So ein Schwachsinn. Was sollte die Frau schon tun? Mich mit ihren langen Haaren erwürgen? Und selbst dafür sahen ihre Arme zu zierlich aus.

Als ich die Lichtung erreichte, sank mein Herz mir jedoch in die Hose. Der Baumstumpf, auf dem sie die beiden Tage gesessen hatte, war leer. Das Einzige, was auf ihm saß, war das weiche grüne Moos. Und auch sonst konnte ich die Frau nirgends auf der Lichtung entdecken. Ob sie noch kommen würde?

Ich überlegte gerade, ob ich ausprobieren solle, wie bequem der Baumstumpf war, als ein Plätschern, gefolgt von einem glockenähnlichen Lachen, meine Aufmerksamkeit auf den Fluss zog.

Es war die Frau. Sie schwamm mitten in der Strömung und hatte eine Hand erhoben, um mir zu winken. Ihre nassen Haare klebten seitlich an ihrem Kopf, während sie mich mit ihrem engelsgleichen Lächeln ansah.

„Hallo“, rief ich ihr zu. Ich musste das Lächeln unwillkürlich erwidern. „Du wirst es nicht glauben, aber ich habe nächste Woche ein Bewerbungsgespräch!“

Die Frau strahlte über das ganze Gesicht über die Neuigkeiten. Sie schwamm ans Flussufer, blieb aber im Wasser liegen, während sie zu mir aufsah. Dann winkte sie mich zu sich.

Unsicher, wenn auch von ihrer immer fröhlichen Art verzaubert, ging ich auf sie zu. Wollte sie mir etwas zeigen?

Als ich jedoch vor ihr stand, sah sie mich bloß weiter an und winkte mich noch näher.

Irritiert, wenn auch neugierig, hockte ich mich vor sie. Sie streckte mir ihre Hand entgegen. Kalte Finger fassten an meine Wange, die sie mit ihrem Daumen zärtlich streichelte.

Ich schloss die Augen und lehnte mich sanft in die Berührung. Es tat gut, in solch schweren Zeiten etwas Zärtlichkeit zu spüren.

Nach einem Moment, in dem die Zeit still zu stehen schien, öffnete ich die Augen und sah die Frau verliebt an – denn, so musste ich es mir eingestehen, das war ich. Ich hatte mich in diese geheimnisvolle Frau, die noch kein Wort mit mir gesprochen hatte, verliebt.

Plötzlich stockte ich. Es war das erste Mal, dass ich sie länger ansah. Ihr Gesicht war so sanft, während sie mich anlächelte, aber ihre Augen lächelten nicht mit. Nein, es war nicht nur, dass sie nicht mitlächelten. Sie waren falsch. Nicht nur im übertragenen Sinne. Sie sahen falsch aus. In ihren stechendgrünen Iris hatte sie keine Pupillen. Der kleine schwarze Kreis in ihren Augen fehlte!

Was zur Hölle war hier los? Wieder schossen mir Oksanas Worte in den Kopf: „Sie ist gefährlich!“ Aber als ich aufspringen, den Kopf zurückreißen wollte, war es bereits zu spät. Blitzschnell rutschte ihre Hand an meiner Wange nach hinten und packte mich an den Haaren. Ich versuchte, mich loszureißen, aber die Frau, dieses … Ding war zu stark für mich.

Sie riss an meinem Kopf, zerrte ihn ins Wasser, wo mein Aufschrei sofort in einem Gurgeln erstickt wurde. So hing ich nun da, der Kopf unter Wasser, meine Arme auf das Gras am Ufer gestützt, während ich mit aller Kraft versuchte, mich hochzudrücken. Aber außer, dass die Erde unter meinen Händen weg bröckelte, meine linke Hand ins Wasser rutschte, geschah nichts. Auch wenn es sich anfühlte, als würde ich mir gleich die Kopfhaut abreißen, gewann ich nicht einen Zentimeter.

Also änderte ich meine Taktik, statt zu versuchen, mich zu befreien, versuchte ich, meine Angreiferin abzuwehren. Ich schlug nach ihr, wieder und wieder. Aber obwohl ich mich nicht zurückhielt, spürte, wie ich sie hart mit meinen Fäusten traf, zuckte sie nicht einmal. Sie hielt mich weiter eisern fest, hielt meinen Kopf erbarmungslos unter Wasser.

Schließlich schaffte ich es nicht länger, die Luft anzuhalten. Es fühlte sich an, als stünden meine Lungen in Flammen, während das Wasser in sie eindrang. Meine Tränen vermischten sich mit dem Flusswasser, während ich ein letztes Mal erfolglos versuchte, mich zu wehren.

Ich dachte an meine Tochter, wie sie ohne mich aufwachsen musste, wie ich ihre Einschulung verpassen würde, ihre Pubertät und ihren ersten Freund. Mein letzter Gedanke jedoch galt meiner Ehefrau. Gleich würde ich sie endlich wiedersehen.

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Die Legende:

Die Rusalka (u. a. russisch für „Meerjungfrau“), Plural Rusalken oder Rusalki, ist ein Geist der ostslawischen Mythologie. Es heißt, dass sie hauptsächlich in der Rusalka-Woche (die Woche nach Pfingsten) auftauchen sollen.

Der Name leitet sich von dem altslawischen Wort „Русалия“ („rusalija“) ab und bedeutet übersetzt „Rosenfest“ also Pfingsten.

Entstehung:

Der am weitesten verbreitete Glaube besagt, dass eine Rusalka entsteht, wenn eine Frau oder ein Mädchen gewalttätig ertränkt wird – entweder durch Mord oder Selbstmord. In vielen Geschichten spielt hierbei auch ein Ehemann oder Geliebter eine Rolle, der die Frau betrogen hat.

Manchmal heißt es außerdem, dass die Ertränkte eine Jungfrau gewesen oder kurz vor ihrer Hochzeit verstorben sein müsse.

Andere Quellen besagten, dass Rusalki entstehen, wenn ein ungetauftes Kind ertrinkt. Der Glaube ist wahrscheinlich aus ungewollten Kindern entstanden, die früher häufig ertränkt wurden.

Aussehen:

Bei dem Aussehen der Rusalki gibt es große regionale Unterschiede. Häufig hängt das Aussehen davon ab, wie schön oder friedlich die Gegenden sind. Je idyllischer der Ort, desto freundlicher sehen die Rusalki aus. Je weiter man jedoch nach Norden kommt, wo die Natur unbarmherziger und gefährlicher ist, desto unansehnlicher werden auch die Rusalki.

Auch werden sie in modernen Darstellungen gelegentlich mit einem Fischschwanz gezeigt, was jedoch nicht auf der ursprünglichen Legende beruht, sondern westlichen Einflüssen zuzuschreiben ist.

Gemeinsamkeiten, die fast alle Rusalki betreffen, sind Beschreibungen von bleicher, manchmal weißer Haut und ihren grünen, grünlichen, blonden oder hellbraunen Haaren, die sie immer offen tragen. Offene Haare waren in den slawischen Regionen früher eher unüblich und häufig ein Zeichen des Bösen.

Außerdem sollen sie sehr häufig nackt sein oder – wenn sie in Ausnahmen Kleidung tragen – zerrissene Sommerkleider oder weiße Roben, die aussehen, als bestünden sie aus Nebel, tragen.

Die häufigste Darstellung einer Rusalka ist die einer wunderschönen nackten Frau. Auf Bildern kämmt sie sich oft die Haare mit einem Kamm aus Gräten oder einer Muschel. In seltenen Fällen ist auch von einer männlichen Rusalka die Rede.

In anderen Darstellungen sehen die Rusalki aus wie Kinder. Manchmal werden sie mit Puppen verglichen, sind also ggf. durchaus gruselig, aber sehen nicht hässlich oder unmenschlich aus.

Anders ist es – wie bereits erwähnt – z. B. in Nordrussland. Dort versteht man unter dem Wort Rusalka oft den Geist einer alten, hässlichen und buckligen nackten Frau mit großen Brüsten und struppigem Haar. Sie gelten als unansehnlich und furchteinflößend.

Andere Merkmale, die man den Rusalki gelegentlich zuschreibt, sind ihre besonderen Augen. So haben sie in einigen Erzählungen keine Pupillen und/oder ihre Augenfarbe soll ein stechendes Grün sein.

Eigenschaften:

Eine Rusalka ist ein Naturgeist, der hauptsächlich mit Gewässern, aber auch mit Wäldern und Feldern in Verbindung gebracht wird.

Früher waren sie noch dafür bekannt, für eine gute Ernte zu sorgen. Heutzutage ist ihr Hauptmerkmal hingegen, dass sie junge Männer verführen, um sie zu ertränken oder zu Tode zu kitzeln.

Besonders gefürchtet sind sie in der Rusalka-Woche, die auf die Woche nach Pfingsten fällt. In dieser Zeit heißt es, dass sie ihre Gewässer verlassen sollen, um auf Trauerweiden und Birken zu klettern. In der Nacht tanzen sie dann im Schein des Mondes in Kreisen um die Bäume herum.

Wenn ein Mensch sie bei diesem Tanz beobachtet, so heißt es, muss er mit ihnen tanzen und kann erst damit aufhören, wenn er tot ist.

In der Rusalka-Woche ist es außerdem strengstens verboten, in Flüssen oder Seen zu baden, da man sonst von einer Rusalka unter Wasser gezogen und ertränkt werden soll.

Aber auch das restliche Jahr über sollte man diese Naturgeister nicht unterschätzen, da sie jede sich bietende Gelegenheit nutzen sollen, einen Mann in ihrem Gewässer zu ertränken – entweder, indem sie ihn mit ihrer übernatürlichen Schönheit betören, oder indem sie ihn gewalttätig in den Fluss zerren.

In einigen Versionen besitzen Rusalki zudem übernatürliche Fähigkeiten. Sie sollen schneller schwimmen als jeder Fisch, schneller rennen als jedes Pferd und teilweise sogar ihre Gestalt ändern können. Hierbei verwandeln sie sich z. B. in ein Eichhörnchen, eine Ratte, einen Hasen, einen Frosch, einen Vogel oder gar ein Nutz- oder Haustier wie eine Kuh, ein Pferd oder einen Hund.

Außerdem sollen sie in der Lage sein, Unwetter wie Stürme, starken Regen oder Hagel heraufbeschwören und Flüsse zum Überlaufen bringen können.

Aber obwohl sie heutzutage hauptsächlich gefürchtet werden, muss eine Rusalka nicht zwangsläufig schlecht sein. Es heißt z. B., dass sie Kinder lieben und sie verteidigen, wenn sie in Gefahr geraten.

Es heißt auch, dass sie sehr verspielt sind und gerne Tanzen, viel lachen und Kränze aus Blumen und Zweigen basteln.

Des Weiteren gibt es Geschichten, in denen Rusalki Leute vor dem Ertrinken retten oder sich in einen Menschen verlieben. Die Liebe einer Rusalka endet in den meisten Geschichten jedoch tragisch.

Eine weitere Besonderheit im Gegensatz zu anderen Naturgeistern ist, dass die Rusalki nicht unsterblich sind. Es heißt, dass sie nur so lange existieren können, bis ihre Lebzeit abgelaufen wäre, wenn sie als Mensch nicht ermordet worden wären oder Selbstmord begangen hätten. In anderen Versionen finden sie ihre Ruhe, sobald ihr Tod gerächt wurde.

Lebensraum/Vorkommen:

Die Rusalki sollen hauptsächlich im ostslawischen Raum vorkommen. Dort werden sie hauptsächlich in und an Gewässern wie Flüssen, Bächen, Seen oder Sümpfen sowie gelegentlich auf Feldern und in Wäldern gesichtet.

Ursprung:

Ursprünglich entstand die Idee der Rusalka wohl aus einem Konzept der slawischen Heiden, bei denen junge Frauen als ein Zeichen der Fruchtbarkeit galten. Der Name „Rusalka“ existiert hingegen erst seit etwa dem 16. Jahrhundert.

Damals galten sie noch als friedliche Naturgeister, die für reiche Ernten sorgten. Ihre Darstellung als boshafte Geisterwesen kam erst im 19. Jahrhundert auf.

Der Glauben an die Rusalki war in der Region damals so weit verbreitet, dass am Ende der Rualka-Woche häufig Feste gefeiert wurden, mit denen man die Naturgeister um gute Ernten bitten oder sie in ihre Gewässer verbannen wollte. Das endete jedoch in den 1930er Jahren.

Heutzutage kennt man die Rusalki eher aus der Literatur und Kunst. So gibt es von ihnen unzählige Zeichnungen und Gemälde, Gedichte, Bücher und sogar eine bekannte Oper mit dem Namen „Rusalka“.

Was haltet ihr von der Rusalka? Wie würdet ihr reagieren, wenn euch eine solch merkwürdige nackte Frau im Wald, an einem Fluss oder einem See begegnen würde? Schreibt es in die Kommentare!

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8 Kommentare

  1. Stocki schreibt:

    Auf der einen Seite bin ich glücklich, weil es mal wieder eine großartig geschriebene Geschichte gibt, auf der anderen traurig, weil ich ein Happy End für ihn wollte

    • Jeremie Michels schreibt:

      Das kann ich sehr gut verstehen. Mir ging es ehrlich gesagt ähnlich. Obwohl ich einen recht genauen Plan hatte, wie die Geschichte ablaufen soll, hab ich beim Schreiben ein paar Mal überlegt, das Ende abzuändern. Aber hey, das heißt ja, dass ich es hinbekomme, meine Charaktere sympathischer hinzubekommen. Zumindest ist das das, woran ich zzt. arbeite. 😄

  2. L1n4 schreibt:

    Super Geschichte,
    Sie erinnert mich sehr an die mit der Nixe, die Legende an sich gefällt mir aber auch sehr gut.
    Ich würde wahrscheinlich auf dem Absatz kehrt machen und so weit wie möglich weg gehen.

    • NN schreibt:

      Weist du auch wieso?
      Damit man mehrere anti Monster Sprays verkaufen kann.
      Haben sie Probleme mit Nixen?Kaufen sie jetzt das neue anti nixenspray 5000.
      Haben sie Probleme mit Rusalkas?Kaufen sie jetzt das neue anti rusalkenspray 5000.
      Es ist genau das selbe aber in anderen Regionen.

      • Jeremie Michels schreibt:

        Klingt nach einer guten Geschäftsidee. Verdammt! Wieso bin ich da nicht drauf gekommen? 😂

        Aber eine Rusalka bekommt – im Gegensatz zu einer Nixe – im Wasser keinen Fischschwanz. Zur Vermarktung reicht das bestimmt! 🤔

        • Rabbat07 schreibt:

          naja es gibt so ein anti monsterspray sogar wenn ich mich nicht irre. andererseits, als meine mutter das verwendet hatte in meinem zimmer konnte ich nicht lesen und es hätte auch normales deo sein können. aber wen ich mich recht erinnere waren auf dem spray monster abgebildet

    • Jeremie Michels schreibt:

      Das stimmt. Sie hat einige Ähnlichkeiten. Sowohl die Geschichte als auch die Legende. Ich hoffe, sie war nicht zu ähnlich? 😅

      Das auf dem Absatz kehrt machen klingt aber nach einem Plan. Ich wäre dafür allerdings ehrlich gesagt zu neugierig. ^^

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