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Nure-onna Zeichnung von Jeremie Michels. Das Bild zeigt eine Nure-onna, ein Wesen mit dem Oberkörper einer Frau und dem Unterkörper einer Schlange. Sie sieht asiatisch aus, mit langem, nassen schwarzen Haar, von dem Strähnen an ihrem nackten Oberkörper kleben. Ihre Brüste sind mit einem babygroßen grau-blauen Stoffbündel verdeckt, das sie mit beiden Händen an sich drückt. Ihr Schlangenunterkörper ist dunkelgrün mit gelbem "Bauch".
Nure-onna (2022)

Nure-onna – Du kannst ihr nicht trauen!

Die Nure-onna sind in Japan (und inzwischen auch anderen Teilen der Welt) sehr beliebte Yōkai. Was es mit diesen Wesen auf sich hat, erfahrt ihr in meinem Beitrag.

Viel Spaß beim Gruseln!

Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!)

– explizite Darstellung von körperlicher Gewalt
– Blut
– Tod

Die Geschichte:

Mit einem erschöpften Seufzen ließ ich mich auf meinen Campingstuhl fallen. Ich wischte mir den Schweiß aus dem Gesicht, während ich dem Gesang der Zikaden lauschte. Hätten wir gewusst, dass es im September hier in Japan immer noch so heiß werden würde, hätten wir unseren Urlaub verschoben.

„He, Luca, nicht faulenzen“, mahnte Till. „Dein Zelt ist noch nicht abgebaut und wir wollen in ein paar Stunden im Hotel sein.“

„Ach.“ Ich machte eine wegwerfende Handbewegung. „Die Mädchen sind auch noch nicht wieder da. Außerdem sind meine Sachen fast alle gepackt. Bis die zwei abgebaut haben, liegt mein Zelt schon sicher verstaut im Kofferraum.“

Till sah mich mit gehobener Augenbraue an. „Von ‚Helfen‘ hast du wohl noch nichts gehört, oder?“

Ich grinste bloß.

Mit einem Kopfschütteln und einem Schmunzeln – ich war mir zu 90% sicher, ein Schmunzeln gesehen zu haben – machte sich Till daran, sein Zelt weiter abzubauen.

Till und ich kannten uns bereits seit der Grundschule, auch wenn wir uns damals noch nicht wirklich nahestanden. Das änderte sich erst im Gymnasium, wo wir beide beste Freunde geworden waren – eine Freundschaft, die bis heute anhielt.

Wir hatten zusammen unsere ersten Beziehungen und unsere ersten gebrochenen Herzen durchgestanden, die wildesten Partys gefeiert, zusammen unseren Abschluss gemacht und alles, was sonst noch dazugehört.

Und auch jetzt, wo wir in zwei verschiedenen Städten studierten, taten wir alles dafür, dass unsere Freundschaft nicht darunter litt: Wir besuchten einender häufig, planten gemeinsame Urlaube, erzählten uns regelmäßig, was in unseren Leben so passierte, und schwärmten ab und an von einem Mädchen, in das wir gerade verknallt waren.

Eines dieser Mädchen war Marlene. Till war bis über beide Ohren ins sie verschossen – und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Aber weder er noch sie trauten sich, den ersten Schritt zu wagen.

Trotzdem spürte ich sofort, dass das zwischen den beiden etwas Ernstes werden würde – ein Gefühl, dass auch Sina teilte, Marlenes beste Freundin. Der gemeinsame Japanurlaub war Sinas Idee gewesen, in der Hoffnung, dass Marlene und Till sich endlich küssen würden. Ich war sofort dabei gewesen. Mal sehen, wie Till heute Abend darauf reagieren würde, dass er und Sina sich ein Doppelzimmer teilen mussten …

„Was ist?“, fragte Till verdutzt.

Erst jetzt fiel mir auf, dass ich ihn die ganze Zeit blöd angegrinst hatte. „Oh, nichts“, sagte ich schnell. „Ich finde nur, du machst das ziemlich gut. Willst du nicht gleich mit meinem Zelt weitermachen?“

Till erwiderte mein Grinsen. „Träum weiter.“

„Was?“, protestierte ich. „Du hast doch eben vom Helfen geredet.“

„Aber doch nicht dir, während du hier auf der faulen Haut sitzt!“

„Ach so, verstehe. Du willst natürlich nur Marlene helfen“, ärgerte ich ihn weiter.

„Na klar“, erwiderte er ironisch und rollte mit den Augen. Till tat auf cool. Trotzdem bekam sein sonst so bleiches Gesicht einen leichten Rotstich.

Das Knirschen von Kies in der Ferne, das sich unter das Geklapper der Zeltstangen mischte, hielt mich davon ab, ihn weiter zu piesacken. Das mussten die Mädchen sein. Ich seufzte. Das war es dann wohl mit meiner Pause.

Und tatsächlich: Keine halbe Minute später trat Marlene zurück in unser kleines Lager. Sie begrüßte mich mit einem kurzen Lächeln und Till mit einer flüchtigen Umarmung – natürlich nur so kurz, dass sich niemand etwas dabei denken konnte. Dann sah sie sich verwirrt um. „Wo ist Sina?“

Wir sahen sie verständnislos an.

„Ich dachte, sie ist bei dir?“, ergriff Till das Wort.

Marlene schüttelte den Kopf. „Nein, ich hab den halben Tag Fotos gemacht.“ Demonstrativ hielt sie ihre Spiegelreflexkamera hoch, die um ihren Hals hing. „War sie seit heute Mittag nicht mehr hier?“

„Nein. Nicht, seit ihr zusammen losgegangen seid“, bestätigte ich.

Sorgenfalten legten sich in Marlenes Gesicht. „Sie wollte im Fluss baden gehen und danach direkt zurück ins Lager. Meint ihr, sie hat sich verlaufen?“

„Ach was.“ Till legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Sie ist bestimmt noch am Fluss und sonnt sich.“

„Oder sie badet noch. Bei den Temperaturen kann ich es ihr nicht verübeln“, fügte ich hinzu.

„Wie wär’s? Du wartest hier, für den Fall, dass sie zurückkommt, und Luca und ich gehen zum Fluss, um sie abzuholen?“, schlug Till vor.

‚Oder zu suchen …‘, fügte ich gedanklich hinzu. Ich sprach es jedoch nicht aus, um Marlene nicht unnötig Sorgen zu bereiten. Soweit ich es beurteilen konnte, hielten sich ihre Sorgen jedenfalls noch in Grenzen.

Während Marlene etwas zögerlich anfing, ihre Sachen zu packen, machten Till und ich uns sofort auf den Weg. Es dauerte keine zwei Minuten, bis wir den Fluss rauschen hörten. Kurz darauf konnten wir ihn sehen.

„Sina?“, rief ich in das Flussrauschen hinaus. Ich konnte sie nirgends entdecken.

„Hey, ist das nicht ihr Rucksack?“, fragte Till. Er zeigte auf eine beige Tasche, die auf den Steinen am Ufer lag.

Wir rannten sofort hin. Es war tatsächlich ihr Rucksack. Direkt daneben lagen ihre Kleidung und ihre Schuhe. Sie war also hier gewesen.

„Sinaaa?“, rief Till jetzt aus voller Lunge. Seine Stimme hallte schwach in der Ferne. „Sina, wo bist du?“

Mit einem flauen Gefühl im Magen sahen wir einander an. Wieso antwortete sie nicht?

„Sie hat ja noch ihren Bikini. Bestimmt war ihr die Kleidung zu warm“, versuchte ich, uns zu beruhigen. Aber wieso lagen ihre Schuhe dann noch hier? War sie barfuß unterwegs?

Till sah jedenfalls genauso nervös aus, wie ich mich fühlte. Also machten wir uns daran, das Ufer abzusuchen.

„Sina? Sina hörst du uns?“, riefen wir abwechselnd.

Aber das Einzige, was uns antwortete, waren der Fluss und einige Zikaden in der Ferne.

Plötzlich blieb Till stehen.

„Was ist?“

Er deutete auf den Boden. „Ist … ist das …?“, stammelte er.

Ich sah sofort, was er meinte: Am Boden, direkt zu unseren Füßen, klebte etwas Rotes an den Steinen. Es sah aus wie … „Blut“, sagte ich beunruhigt.

Es waren maximal ein paar Tropfen, aber Blut war nie ein gutes Zeichen.

„Meinst du, sie ist gestürzt? Hat sich den Kopf angeschlagen?“, fragte Till jetzt panisch. „Was, wenn sie in den Fluss gefallen ist? Denkst du, sie ist …“

„Stopp!“, unterbrach ich ihn. „So darfst du gar nicht denken! Vielleicht hat sie sich ja nur irgendwo geschnitten. Oder es ist gar nicht ihr Blut.“ Ich sah ihm an, dass er sich bereits das Schlimmste ausmalte. Und mir ging es nicht viel besser. Aber wir durften jetzt nicht unseren Mut verlieren. Vielleicht war Sina verletzt und brauchte unsere Hilfe.

Wir beschlossen, uns aufzuteilen. Till würde das Gebiet rund um die Kleidung absuchen – vielleicht war sie ja gar nicht im Wasser – und dann flussaufwärts gehen, während ich flussabwärts ging.

Je weiter ich mich entfernte, desto leiser wurden Tills Rufe. Sie begannen bereits, mit dem Flussrauschen und dem Gekreische der Zikaden zu verschwimmen, doch von Sina fehlte jede Spur.

Während ich ging, sah ich nervös zwischen Ufer und Fluss hin und her. Schweiß stand mir im Gesicht, als ich wieder und wieder ihren Namen rief. Hatte sie sich wirklich den Kopf angeschlagen? Wenn sie sich nur geschnitten hätte, wäre sie doch bestimmt zum Lager zurückgekehrt. Aber vielleicht war es ja auch gar kein Blut, sondern irgendein Saft von Beeren oder was weiß ich … Vielleicht hatte sie bloß einen Sonnenstich. Oder sie wurde an Land gespült und lag jetzt irgendwo benommen im Kies. Sie konnte doch nicht …

Meine Flut an Gedanken riss sofort ab, als ich in der Ferne etwas im Wasser sah – oder besser gesagt jemanden. Ich rannte sofort los.

„Sina! Sina ist alles in Ordnung?“, schrie ich.

Aber als ich näherkam, sank mein Herz sofort in meine Hose. Es war eine Frau, ja, aber es war nicht Sina. Sie war eindeutig eine Japanerin mit glattem, schwarzem Haar, viel dunkler als Sinas brauner Lockenkopf. Sie stand im Wasser und drückte ein Stoffbündel an ihre Brust.

‚Wahrscheinlich ein Baby‘, dachte ich.

Aber was viel schlimmer war: Sie war nackt. Sollte ich wirklich zu ihr gehen und sie ansprechen? Was, wenn sie sich bedroht fühlte? Oder nur Japanisch sprach und die Situation eskalierte?

Andererseits konnte Sinas Leben auf dem Spiel stehen. Ich musste es riskieren.

Also wandte ich den Kopf ab, um klar zu symbolisieren, dass ich sie nicht ansehen wolle. Ich ging auf sie zu und fragte in meinem mäßigen Englisch: „Entschuldigung? Es tut mir leid, dass ich Sie störe, aber meine Freundin wird vermisst. Haben Sie sie gesehen? Eine Europäerin?“

Aus dem Augenwinkel sah ich, wie die Frau sich erschrocken zu mir umdrehte. Sie kam einige Schritte auf mich zu, bevor sie mit starkem Akzent antwortete. „Bitte, können Sie kurz mein Baby nehmen? Ich bin so erschöpft.“

Ich runzelte die Stirn. Hatte sie mich falsch verstanden?

Erst, als sie bei mir war, erkannte ich, was sie meinte – oder dachte es zumindest: Sie stand noch immer gut einen Meter tiefer als ich. Mit dem Baby auf dem Arm konnte es also schwierig werden, aus dem Fluss zu klettern. Trotzdem … wieso wollte sie, dass ich – ein wildfremder Mann – ihr Baby nahm, statt es kurz auf den Boden zu legen?

Sie machte keine großen Umschweife und streckte mir das weiße Stoffbündel entgegen. Dabei entblößte sie ihren Oberkörper. Wenn ich sie ansehen würde, würde ich alles sehen.

Schnell drehte ich ihr den Rücken zu. „Warten Sie, ich helfe Ihnen.“

Mit den Augen suchte ich das Ufer nach ihrer Kleidung oder einem Handtuch ab, damit sie sich bedecken konnte, wenn sie aus dem Wasser kam. Aber da war nichts. Nur Steine und Gras. War sie woanders in den Fluss gestiegen?

„Oh bitte, nehmen Sie kurz mein Baby“, flehte sie wieder.

Flüchtig sah ich sie an, wandte meinen Blick aber sofort wieder ab. Es schien sie nicht zu stören, dass ich sie nackt sah, aber wollte sie tatsächlich so aus dem Fluss steigen? Oder war ich das Problem? War ich zu verklemmt? Stellte ich mich an?

Was es auch war, die Frau war mir irgendwie unheimlich. Kurz dachte ich sogar darüber nach, Till zu rufen. Aber wie würde es bitte aussehen, wenn ich jetzt einen anderen Mann zur Verstärkung rief? Außerdem wollte ich nicht, dass er dachte, dass ich Sina gefunden hätte.

„Also gut“, seufzte ich. „Geben Sie schon her.“

Ich hockte mich zu ihr, um das Baby entgegenzunehmen.

„Oh, ganz schön schwer“, sagte ich vorsichtig lachend. „Also, haben Sie …“ Weiter kam ich nicht. Ich wollte sie gerade noch einmal nach Sina fragen, als ich merkte, dass das Bündel in meinen Armen immer schwerer wurde.

Erst dachte ich, ich bildete es mir nur ein, aber es dauerte nicht lange, bis meine Arme vor Kraftaufwand zitterten. An Aufstehen war gar nicht mehr zu denken. Stattdessen beschloss ich, das Bündel loszulassen.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin niemand, der ein Kind einfach so ins Wasser fallenlassen würde, aber dieses ‚Baby‘, dieses Ding in meinen Händen war kein Kind. Es wog inzwischen mehr als eine erwachsene Frau.

Zu meinem Entsetzen bewegten sich meine Arme keinen Zentimeter. Ich versuchte krampfhaft, sie zurückzuziehen, das Stoffbündel von mir zu werfen, aber es gelang mir nicht. Es war, als hielte eine unsichtbare Macht meine Arme fest.

„Hilfe! Hilfeee!“, schrie ich jetzt.

Irgendetwas stimmte hier nicht. Und ich wollte nicht warten, bis ich herausgefunden hatte, was es war.

Entsetzt sah ich zu dem Bündel in meiner Hand, das noch immer schwerer wurde. Schließlich schwankte ich, verlor mein Gleichgewicht, bevor ich vorneüber ins Wasser kippte. Ich schaffte es gerade noch, tief Luft zu holen.

Das Nächste, was ich spürte, war, wie mich etwas packte. Ich wurde im Fluss hin und her geschleudert, bekam Wasser in Mund und Nase. Ich hatte das Gefühl zu ersticken. Plötzlich bekam ich wieder Luft. Was auch immer mich gepackt hatte, hielt meinen Kopf jetzt über Wasser.

Dann sah ich die Frau. Ihr Gesicht war keinen halben Meter mehr von meinem entfernt. Hätte ich sie früher angesehen, wäre mir wohl aufgefallen, wie unmenschlich sie aussah. Sie hatte reptilienartige Züge, mit flacher Nase und schlitzartigen Pupillen. Und ihr Mund, ich weiß nicht, was es war, er sah seltsam aus.

Erst als sie ihn öffnete, erkannte ich es: Zwei spitze Zähne ragten aus ihrem Oberkiefer wie die Zähne eines Vampirs. Ihre Zunge, die sich langsam hervorschob, war lang und dünn, an der Spitze gespalten wie die einer Schlange. Und dieses Lächeln, dieses grausame Lächeln …

„Hilfe! Hilfe!“, schrie ich erneut. Oder besser gesagt: Ich versuchte es. In dem Moment, als der erste Ton aus meinem Mund kam, spürte ich, wie der Druck an meinem ganzen Körper stärker wurde. Die Luft wurde gewaltsam aus meinen Lungen gepresst. Heraus kam nur noch ein leises Krächzen.

Ungläubig starrte ich an mir herab. Ich sah große Schuppen. Eine riesige Schlange hatte sich um meinen Körper gewickelt. Sie schnürte mir mit unglaublicher Kraft die Luft ab. Erst dann sah ich, was es wirklich war: Es war der Unterkörper der seltsamen Frau. Ihr Oberkörper sah menschlich aus, aber dort, wo ihre Hüfte hätte sein müssen, begann der Körper einer riesigen Schlange. Sie war wie eine Meerjungfrau des Todes.

Ungläubig sah ich wieder in ihr Gesicht. In ihren Augen funkelte Gier – Hunger. Dann schoss ihr Kopf blitzschnell auf mich zu. Ich konnte es zwar nicht sehen, aber ich spürte, wie sie ihre Zähne in meinem Hals versenkte. Der Schrei, den ich schreien wollte, war nicht mehr als ein Röcheln, während Blut aus der Wunde spritzte und sie gierig trank.

Aber noch wollte ich nicht aufgeben, noch hatte ich einen Funken Hoffnung. Also wehrte ich mich mit aller Kraft. Je mehr ich jedoch versuchte, mich zu befreien, desto fester drückte sie zu. Sie war ein Raubtier, das nur auf ihre Beute gewartet hatte, und ich war ihr Opfer. Ich hatte keine Chance.

War es das, was mit Sina passiert war? Würde dasselbe mit Till und Marlene passieren, wenn sie nach uns suchten?

Plötzlich riss meine Mörderin ihren Kopf zurück. Sie starrte den Fluss hinauf.

„Luca? Luca, wo bist du? Hast du Sina gefunden?“ Das war Till. Er musste meinem Hilferuf gefolgt sein.

Schnell ließ die Schlangenfrau sich nach hinten in den Fluss fallen. Ihr Griff lockerte sich dabei leicht. Ehe ich jedoch nach Luft schnappen und brüllen konnte, dass Till wegrennen solle, war mein Kopf bereits unter Wasser. Zu spät atmete ich ein, sog Wasser in meine Lungen, während die Wunde an meinem Hals schmerzhaft brannte.

Ein letztes Mal versuchte ich, mich zu wehren, aber die Erschöpfung und der aufkommende Schwindel raubten mir jede Kraft.

Es heißt immer, dass kurz vor deinem Tod dein Leben an dir vorbeiziehe. Während ich langsam das Bewusstsein verlor, erinnerte ich mich jedoch nicht an meine Kindheit, meine Schulzeit oder meine Familie. Stattdessen konnte ich nur eines denken: ‚Bitte, lieber Gott, wenn es dich wirklich geben sollte, lass Till und Marlene nicht auch diesem Monster zum Opfer fallen!‘

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Die Legende:

Die Nure-onna (japanisch für „nasse Frau“) sind Schlangenfrauen der japanischen Mythologie. Sie zählen zu den Yōkai.

Außerdem werden sie oft als Vampir bezeichnet, da sie das Blut ihrer Opfer trinken.

Aussehen:

Entweder sollen die Nure-onna wie Frauen mit einem Schlangenunterkörper aussehen, oder aber sie sind große Schlangen mit dem menschlichen Kopf einer Frau.

Im Gegensatz zu den meisten weiblichen Yōkai werden die Nure-onna oft als hässlich beschrieben. Sie haben reptilienartige Gesichtszüge, Fangzähne und eine gespaltene Zunge wie die einer Schlange.

Die Schlangen mit Frauenkopf sollen sich zudem in eine wunderschöne Frau verwandeln können. Bei den Nure-onna mit Frauenoberkörper ist das seltener der Fall.

Des Weiteren heißt es, dass Nure-onna immer, auch wenn sie verwandelt sind, nasse Haare, nasse Haut und – sofern sie überhaupt welche tragen – nasse Kleidung haben sollen. Daher haben sie auch ihren Namen.

Die Länge des Schlangenunterkörpers kann variieren. So ist oft von mehreren Metern die Rede – genug, um einen Menschen einzuwickeln –, es gibt aber auch mindestens eine Geschichte, in der von einer besonders langen Nure-onna die Rede ist, die mindestens 3 Chō (etwa 327 Meter) lang gewesen sein soll.

Eigenschaften:

Neben der Verwandlungsfähigkeit, die manchen Nure-onna nachgesagt wird, besitzen sie auch noch andere Fähigkeiten.

So sollen sie z. B. übernatürlich stark sein, so stark, dass sie ausgewachsene Bäume und sogar ganze Hauswände niederreißen können. Trotzdem bevorzugen sie es, sich bei der Jagd nach menschlichen Opfern auf ihre Hinterlist zu verlassen, statt auf ihre Stärke.

Ihre gängigste Methode hierfür ist, dass sie sich als erschöpfte Frau ausgeben, die ein vermeintliches Baby in den Händen hält. Dabei verstecken sie entweder ihren Schlangenunterleib im Wasser oder stehen in verwandelter Form als Frau am Ufer.

Wenn ein Wanderer, Fischer oder anderer Mann auf sie aufmerksam wird, bitten sie ihn darum, kurz ihr Baby zu nehmen, damit sie sich einen Moment ausruhen könne. In den meisten Geschichten gehen die Männer (selten sind es auch Frauen) darauf ein.

Das „Baby“, das die Nure-onna dem ahnungslosen Menschen gibt, ist jedoch in Wirklichkeit ein in Stoff gewickelter magischer Stein. Sobald der Stein den Besitzer wechselt, wird er augenblicklich schwerer und schwerer, sodass der Mensch es meist nicht mehr schafft, ihn rechtzeitig abzulegen. Manchmal heißt es auch, dass die Menschen wie gelähmt sind, während sie den immer schwerer werdenden Stein halten.

Das ist der Moment, in dem die Nure-onna zuschlägt: Sie wickelt ihren Schlangenkörper um ihr hilfloses Opfer und hält es mit eisernem Griff fest oder zerquetscht es mit unglaublicher Kraft. Gleichzeitig nutzt sie ihre Fangzähne oder die gespaltene Zunge, um dem Menschen das Blut aus dem Körper zu saugen, bis er stirbt.

Sie nutzen aber auch andere Methoden, um vorbeigehende Menschen zu täuschen. Manchmal tun sie so, als würden sie ertrinken und schreien um Hilfe. Wenn jemand ins Wasser springt, um sie zu retten, greifen sie an.

Außerdem kann es vorkommen, dass die Nure-onna nicht allein jagen. So soll es schon vorgekommen sein, dass sie mit einem Ushi-oni oder einer Iso-onna zusammengearbeitet haben.

Lebensraum/Vorkommen:

Nure-onna leben hauptsächlich in Seen, Flüssen und dem Meer in Japan. Daher werden sie fast immer im Wasser oder am Ufer bzw. dem Strand gesichtet.

Die meisten von ihnen sollen auf der Insel Kyūshū vorkommen, sie sind aber auch in anderen Teil Japans verbreitet.

Ursprung:

Die ältesten bekannten Zeichnungen der Nure-onna stammen aus der Edo-Zeit (1603 bis 1868). Damals wurde sie noch hauptsächlich als Schlange mit Frauenkopf, selten auch mit klauenähnlichen Händen, dargestellt.

Inzwischen sind sie zu einem weit verbreiteten und beliebten Yōkai geworden, der hauptsächlich als halb Frau, halb Schlange dargestellt wird.

Entsprungen ist die Legende wahrscheinlich der Legende der Ubume, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. Die Ubume sind Yōkai, die genau wie die Nure-onna ein in Stoff gewickeltes Bündel auf dem Arm tragen sollen und vorbeikommende Menschen darum bitten, ihr „Baby“ kurz zu nehmen. Wenn sie das Bündel annehmen, wird es daraufhin so schwer, dass die Menschen sich nicht mehr bewegen konnten.

Bei den Ubume gibt es jedoch keinen Bezug zu Schlangen. Daher ist es denkbar, dass noch weitere Legenden einen Einfluss auf die Nure-onna-Legenden hatten oder sich diese Merkmale extra für sie ausgedacht wurden.

Was haltet ihr von den Nure-onna? Würdet ihr das Baby einer erschöpft aussehenden fremden Frau nehmen, wenn sie euch darum bittet, es kurz zu halten? Schreibt es in die Kommentare!

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4 Kommentare

  1. L1n4 schreibt:

    Hey, ich habe vor kurzem deinen Blog entdeckt als ich die Legende der Banshee gesucht habe, und war sofort begeistert. Deine Geschichten sind einfach super.

  2. Rabbat07 schreibt:

    Sehr schöne Geschichte, aber ich würde gerne darauf hinweisen das es Fehler an manchen stellen gibt zum Beispiel: ,, Ihre gespalten wie die einer Schlange.“ ich weiß das du damit die Zunge meinst, aber andere Irritiert es Vielleicht. Und um Dieser stelle herum sind noch Rechtschreibfehler, was zwar nicht schlimm ist. Damit will ich nicht ,,Haten“ es sind einfach nur Hinweise. wie Gesagt, die Geschichte ist dir Sehr gelungen.

    • Jeremie Michels schreibt:

      Huch, vielen Dank für den Hinweis. Da ist mir tatsächlich irgendwie ein Fehler beim Kopieren vom Dokument auf die Website passiert. Der Abschnitt „Was auch immer mich gepackt hatte, hielt meinen Kopf jetzt über Wasser. Dann sah ich die Frau. Ihr Gesicht war keinen halben Meter mehr von meinem entfernt.“ ist ab dem R von Wasser bis zum „Ihr“ irgendwie ein paar Zeilen zu weit unten zwischen dem Spitz und dem E von Spitze gelandet. 😅

      Ich hab es jetzt korrigiert. Und keine Sorge, das empfinde ich nicht als Haten. Also noch einmal vielen Dank! ^^

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