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Mothman
Mothman (2019)

Mothman – der Mottenmann

Heute widme ich mich einer Legende, die man kaum als Legende bezeichnen kann. Es gibt nämlich etliche Augenzeugen, die ihn gesehen haben: den Mothman.

Die Geschichte:

Es war eine sternenklare Nacht. Meine Freundin und ich fuhren im Auto Richtung Point Pleasant, unserer Heimat. Wir kamen gerade von einem Campingtrip, den wir zusammen mit Freunden gemacht hatten, die in der Nähe wohnten. Vor wenigen Minuten hatten wir uns von ihnen getrennt und fuhren das letzte Stück alleine. Ich war erschöpft und musste dringend auf die Toilette. Wir durchquerten nur noch die letzten paar Kilometer Wald und waren fast zu Hause.

„Was ist?“, fragte Leah – meine Freundin –, als ich am Straßenrand hielt. „Ich muss nur dringend. Ich dachte, ich schaff‘ es noch nach Hause, aber naja … Du kannst gerne im Wagen warten.“

Natürlich wartete sie nicht im Wagen, aber was hatte ich von ihr erwartet. Während ich mein Geschäft verrichtete, stand sie neben dem Auto und rauchte.

„Hast du das gehört?“, fragte Leah plötzlich. Ich zog gerade meinen Reißverschluss hoch und hielt in der Bewegung inne. Ich lauschte, konnte jedoch nur das Rascheln der Bäume und den Wind hören. Sie hatte es sich sicherlich nur eingebildet. Dann kam mir eine fiese Idee.

„Bleib beim Wagen, ich seh mal nach“, sagte ich. Leah war nicht begeistert. „Lass uns einfach nach Hause fahren. Das sind sicherlich nur einige Hot Rod.“ „Hot Rods? Um die Uhrzeit?“ Hot Rods waren Fans spezieller Autos der 20er bis 40er Jahre und es war kein Geheimnis, dass sie sich gerne in dieser Gegend trafen. Aber ich hatte eh nicht geplant, tatsächlich nachzusehen. Stattdessen wollte ich Leah nur einen Schrecken einjagen. Vielleicht würde ich nur ein Stück gehen und dann so laut schreien, wie ich nur konnte, mir würde schon etwas einfallen. Ich musste grinsen und wandte mich von Leah ab, damit sie es nicht sah.

„Bin gleich wieder da“, sagte ich und verschwand zwischen den Bäumen, konnte aber noch erkennen, wie Leah mit den Augen rollte. Ahnte sie etwas? Egal, jetzt würde ich es durchziehen.

Als ich weit genug gegangen war, blieb ich stehen. Ich wandte mich in die Richtung, aus der ich gekommen war, um sicherzugehen, dass ich das Auto nicht mehr sehen konnte, und legte meine Hände wie einen Trichter an meinen Mund. Der Schrei blieb mir in der Kehle stecken. Ich hörte ein seltsames Geräusch. Es klang wie der Flügelschlag eines sehr großen Vogels: ein tiefes Wooosh, Wooosh, Wooosh.

Leicht beunruhigt sah ich mich um, bis ich eine Bewegung zwischen den Baumkronen entdecken konnte. Das musste wirklich ein enorm großer Vogel sein. Neugierig beobachtete ich, wie er sich einer Lichtung näherte und dort langsam landete. Er war bestimmt über zwei Meter groß und hatte eine Flügelspannweite von über drei Metern. Dann bemerkte ich etwas, das mich in der Bewegung einfrieren ließ: Das war kein Vogel. Durch das helle Mondlicht konnte ich die Silhouette des Wesens eindeutig erkennen. Es hatte Arme und Beine, die Flügel hingegen ragten aus seinem Rücken, beinahe wie bei einem Engel. Aber die Proportionen stimmten nicht. Die Finger waren zu lang und dünn und erinnerten eher an Klauen, als an Hände und die Arme und Beine waren erstaunlich muskulös. Mein Herz raste und ich bewegte mich keinen Millimeter. Ich sah der Kreatur nur zu, wie sie dasaß, konnt aber nicht erkennen, was sie tat.

„John? John, komm zurück, ich will nach Hause!“, hörte ich Leah meinen Namen rufen und drehte mich instinktiv um. Als ich mich wieder zu der Kreatur wandte, spürte ich, wie sich meine Haare aufstellten. Sie sah mich mit großen, runden Augen an. Augen, wie ich sie noch nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte. Sie leuchteten rot und erinnerten mich an die Rücklichter eines Autos.

Es waren nur einige Sekunden, die wir jetzt beide völlig reglos dastanden. Dann machte die Kreatur eine ruckartige Bewegung und ich ergriff die Flucht. So schnell ich konnte, rannte ich zum Wagen, während ich wieder die tiefen, langsamen Flügelschläge hörte – diesmal waren sie direkt über mir.

„Steig in den Wagen!“, schrie ich panisch, als ich Leah sehen konnte. Sie sah mich nur verdutzt an. „Steig in den Wagen!“, schrie ich noch einmal. Erst zögerte sie etwas, sah dann aber in den Himmel über mir, riss ihre Augen auf und stieg panisch in das Auto. Ich rannte so schnell ich konnte. Mein Herz pumpte wie wild Blut durch meine Adern und ich spürte pures Adrenalin.

Leah stieß von innen meine Wagentür auf und ich sprang sofort hinein und knallte die Tür zu. Panisch griff ich nach dem Zündschlüssel und drehte ihn im Schloss. Die Zündung ratterte, doch nichts passierte. Ich versuchte es noch einmal. Wieder nichts. Ein lautes Knallen war vom Autodach zu hören und Leah und ich schrien gleichermaßen auf. „Starte den Wagen! Starte den Wagen!“, kreischte sie. „Ich versuch es ja!“, brüllte ich den Tränen nahe. Dann endlich startete der Motor.

Ich trat so fest aufs Gas, wie ich nur konnte. Der Motor heulte auf und im Rückspiegel sah ich, wie das Wesen von unserem Dach gerissen wurde. Es fing sich jedoch noch in der Luft wieder und schlug jetzt schnell mit den Flügeln. Entsetzt beobachtete ich, wie es näher und näher kam. Ich trat auf die Kupplung und schaltete hektisch die Gänge hoch, während ich ein stilles Gebet zum Himmel schickte, dass wir dem Teil irgendwie lebend entkamen.

Im fünften Gang mit voll durchgetretenem Gaspedal raste ich durch die Straßen. Als ich um zwei enge Kurven fuhr, kam ich fast von der Fahrbahn ab, riss aber im letzten Moment das Lenkrad rum. Mein Kopf wurde gegen die Seitenscheibe geschleudert, doch ich spürte den Schmerz nicht einmal. Panisch starrte ich in den Rückspiegel. Wo war es hin? Hatten wir es abgehängt? Da! Die Kreatur war gerade erst bei der Kurve angekommen und flog uns noch einen Moment hinterher. Dann wurde sie langsamer und wandte sich von uns ab. Wir hatten es geschafft: Wir waren entkommen.

Die Legende:

Am 15. November 1966 um kurz vor Mitternacht, wurde die Kreatur, die als Mothman (deutsch auch Mottenmann) bekannt wurde, zum ersten Mal gesehen.

Damals waren vier Personen in einem PKW in der Nähe von Point Pleasant (West Virginia) unterwegs, als sie eine seltsame Kreatur entdeckten. Sie beschrieben sie als ein menschenähnliches, zweit Meter großes Wesen mit Flügeln, die eine Spanne von über drei Metern hatten, und leuchtend roten, runden Augen. Es soll muskulöse Arme und Beine sowie außergewöhnlich lange Hände gehabt haben.

Der Mothman, schien sich mit einem Flügel in einem Draht oder etwas ähnlichem verfangen zu haben und hockte auf einem Hügel, wo er gerade dabei war, sich davon zu befreien.

Er bemerkte die vier Zeugen und es gelang ihm, sich zu befreien, woraufhin er sich in die Lüfte erhoben haben und dem Auto gefolgt sein soll, in dem die Insassen jetzt panisch flüchteten. Sie berichteten, dass man das Schlagen der Flügel sogar im Auto gehört habe.

Die vier Zeugen meldeten den Vorfall sofort der Polizei, woraufhin der Sheriff keine drei Stunden später das Gelände absuchte, jedoch nichts Auffälliges finden konnte.

Bereits am Tag darauf erschien sogar ein Artikel in der Zeitung, der die Legende des Mothman – damals teilweise noch Birdman oder Birdmonster genannt – ins Rollen brachte.

Daraufhin gab es in der Gegend viele angebliche Sichtungen des Mothman. Selbst eine der vier ursprünglichen Zeugen, Linda Scarberry, berichtete noch von mehreren Sichtungen. Einmal will sie ihn sogar auf ihrem Apartmentdach gesehen haben.

Ein Höhepunkt der Mothman-Legende in der Gegend gab es am 15. Dezember 1967, exakt 13 Monate nach der ersten Sichtung. An jenem Tag stürzte die Silver Bridge (offiziell Ohio River Bridge) ein und 46 Menschen ertranken.

Wegen des Datums brachten viele Menschen den Einsturz der Brücke mit dem Mothman in Verbindung, da es in der Gegend eine Sage der Ureinwohner gab, in der ein Wesen, das in der Erscheinung dem Mothman stark ähneln soll, als Vorbote eines Unglücks gilt.

Andere Menschen sind fest davon überzeugt, dass es sich bei dem Mothman um einen Außerirdischen, einen Geist oder sogar um einen Dämon handelt.

Im Jahr 2002 erschien außerdem der Film „Die Mothman Prophezeiungen“ (original: „The Mothman Prophecies“), der in den gesamten Vereinigen Staaten zu angeblichen Mothman Sichtungen führte.

Was denkt ihr über den Mothman? Glaubt ihr, an der Legende der Ureinwohner ist etwas dran und der Mothman steht wirklich mit dem Einsturz der Brücke in Verbindung? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr den Mothman sehen würdet?

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6 Kommentare

  1. Monika says:

    Zum Mothman habe ich tatsächlich schon ein paar „Dokus“ gesehen, die ich aber ehrlich gesagt etwas „anstrengend“ fand (hauptsächlich wegen den Personen, die dafür interviewt wurden).
    Die Geschichte ist aber gut geschrieben und ich hab mich sogar dabei erwischt, wie ich mit den Protagonisten mitgefiebert habe. 😀

    Zu den Fragen:
    ~Was denkt ihr über den Mothman? Glaubt ihr, an der Legende der Ureinwohner ist etwas dran und der Mothman steht wirklich mit dem Einsturz der Brücke in Verbindung?
    Bei Legenden, in denen es um Wesen wie z.B.: den Mothman, Bigfoot oder El Chupacabra geht, tue ich mich immer etwas schwer, diese zu glauben.
    Vermutlich, weil mir die Leute, die meistens davon erzählen, zu exzentrisch sind.

    ~Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr den Mothman sehen würdet?
    Laufen.

    Liebe Grüße
    Monika

    • Jeremie Michels says:

      Hallo Monika,

      kannst du denn irgendwelche Dokus empfehlen? Mit dem Mothman hatte ich mich bisher nämlich nur für den Blogeintrag und mal eine Zeit lang auf YouTube beschäftigt. Dokus zu ihm habe ich aber noch keine gesehen.

      Dass du mitgefiebert hast, klingt auf jeden Fall sehr gut. Dann mache ich als Autor hoffentlich einiges richtig! 😀

      Bei Legenden, in denen es um Wesen wie z.B.: den Mothman, Bigfoot oder El Chupacabra geht, tue ich mich immer etwas schwer, diese zu glauben.
      Vermutlich, weil mir die Leute, die meistens davon erzählen, zu exzentrisch sind.

      Du magst also keine Kryptide? Ich persönlich denke immer, dass an solchen Geschichten irgendetwas dran sein muss. Warum sonst gibt es so viele angebliche Augenzeugen und übereinstimmende Berichte?

      Laufen.
      Ob weglaufen die beste Reaktion wäre, weiß ich nicht. Vielleicht ist Verstecken sinnvoller, wenn man nicht wie in meiner Geschichte gerade ein Auto in der Nähe hat. ^^

      Gruß
      Jeremie

      • Monika says:

        Die Dokus sind alle schon etwas (sehr) länger her…

        Hab‘ jetzt mal auf die Schnelle im Internet geschaut und immer nur eine aus dem Jahr 2010 gefunden, die auf History lief.

        Name: Monsterquest – Der Mythos des Mothman

        Ich weiß jetzt aber nicht genau, ob das eine von denen ist, die ich damals geschaut habe, da ich sehr häufig einfach beim Zappen in der Nacht darauf gestoßen bin und die dann einfach weitergeschaut habe, wenn sonst nichts lief.^^°

        Und ich glaube, mich würden Kryptide mehr interessieren, wenn die besagten Augenzeugen nicht immer so überengagiert wären. (Muss spontan an die Texanerin Phylis Canion denken, die einen ausgestopften Chupacabra zuhause hat.)

        Ob ich laufe oder mich verstecke hängt vermutlich davon ab, wie weit ich von ihm entfernt bin, wenn ich ihn sehe, und ob ich ne Möglichkeit habe, irgendwo hin zu laufen. (Wald, Stadt, etc.)
        Wobei ich eher glaube, dass ich sowieso nicht schnell genug laufen oder mich gut genug verstecken kann, um ihm zu entkommen.^^°

        Liebe Grüße

        • Jeremie Michels says:

          Hmm, okay. Hätte ja sein können, dass du irgendeine Doku empfehlen kannst. ^^

          Es stimmt schon, dass viele der Augenzeugen absolute Spinner sind. Rationalere Leute rennen mit sowas aber wahrscheinlich auch nicht direkt zur Zeitung oder wollen überall anpredigen, dass das Wesen real sei, was sie vermeindlich gesehen haben …

          Das stimmt schon. Mit Flügeln ist man einfach schneller, als zu Fuß. ^^‘

  2. Matthias says:

    „Was denkt ihr über den Mothman?“

    Ich denke es ist durchaus möglich, dass es solche „Kreaturen“, solche Fabelwesen, solche ‚Kryptide‘ (vielleicht auch) noch geben kann. Es gibt schließlich auch eierlegende Säugetiere. Und wer weiss was in unseren Wäldern der nördlichen Hemisphäre alles wirklich lebt oO
    (Von den 95% unerforschtem Weltmeeren abgesehen.)
    Aber inwieweit diese Geschöpfe in unserem (modernen) Ökosystem überleben können … ist fraglich.

    „Glaubt ihr, an der Legende der Ureinwohner ist etwas dran und der Mothman steht wirklich mit dem Einsturz der Brücke in Verbindung?“

    Das würde ich auf das erste Hinhören als Ammenmärchen deklarieren.
    Bestimmte Ureinwohner haben ja auch Furcht vor Fotoapparaten.

    „Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr den Mothman sehen würdet?“

    Wenn ich das rote in seinen Augen tatsächlich sehen könnte, würde ich bestimmt sehen das ich Land gewinne.
    Wäre ich „etwas“ weiter von ihm entfernt, würde ich ihn (odes es) wohl ein bis drei Momente interessiert beobachten. Aber mich wohl davor hüten, sich ihm zu nähern oder ihn fotografisch festzuhalten.

    Die Textlänge war in Ordnung, Luft nach oben ist aber da.

    Eventuell kannst du dich auch mal an „ähnlichen“ Sagen versuchen
    z.b. die „Bestie des Gévaudan“ oder dem „kopfloser Reiter“

    Oder auch an ähnliche Übernatürlichkeiten wie Yeti, Big Foot oder auch Werwölfe oder Vampire oder Gargoyles oder Hexen … (oder Hexer)

    • Jeremie Michels says:

      Wenn solch eine Kreatur tatsächlich in den Wäldern um Point Pleasant herum lebet, wäre es ja aber auch durchaus möglich, dass die Ureinwohner sie gesehen haben und daraufhin – aus welchen Gründen auch immer – der Meinung waren, dass sie eine Unglück ankündigen würde. Also muss an dem „Unglück“ nicht unbedingt etwas dran sein, aber die Legende um eine solche Kreatur könnte ja auch ein weiterer Hinweis auf ihre Existenz sein, bzw. muss kein „Ammenmärchen“ sein.

      Aber wieso würdest du nicht versuchen, ein Foto zu machen? Also wenn ich unentdeckt in der Nähe irgendeines unbekannten Wesens wäre und nicht sofort fliehen würde, würde ich definitiv versuchen, ein Foto zu machen (und wenn es nur eines dieser schlechten Handyfotos ist, die alle wegen der Qualität immer als Fälschung deklarieren).

      Die Ideen hab ich mir notiert und werde sie mir bei Bedarf näher ansehen und entscheiden, ob sie sich eignen.

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