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Carmen Winstead Zeichnung von Jeremie Michels. Man sieht eine junge Frau mit braunen, welligen Haaren aus einer Toilette kommen. Eine Hand stützt sich an der Klobrille, während die andere nach dem Boden tastet. Das Gesicht der Frau ist völlig entstellt. Die rechte Gesichtshälfte fehlt und entblößt den blutverschmierten Schädel, während die Frau sehr wütend aussieht.
Carmen Winstead (2020)

Carmen Winstead

Carmen Winstead ist eine vor allem in Amerika weit verbreitete urbane Legende. Seit 2006 ist dort ein Kettenbrief über die Legende im Umlauf.

Die Geschichte:

Glaubt ihr an Geister? Ich war mir nie ganz sicher. Zwar fand ich den Gedanken irgendwie beruhigend, dass nach dem Tod noch etwas kommen würde, der Realist in mir sagte jedoch, dass das nicht möglich sei. Das sollte sich jedoch bald ändern … Mein Name ist Carmen Winstead und das ist meine Geschichte:

Alles begann vor einigen Wochen. Mein Dad hatte eine neue Arbeitsstelle bekommen, weswegen ich meine Taschen packen und all meine Freunde zurücklassen musste.

Seit dem Umzug war ich die meiste Zeit alleine. In der Schule hatten alle schon ihre Cliquen und Freundeskreise. Da hatte niemand Lust, sich mit der Neuen anzufreunden. Und ich war zu schüchtern, um den ersten Schritt zu wagen. Es vergingen Schultage, an denen ich kein einziges Wort sprach …

Dann jedoch lernte ich Ashley und ihre Freundinnen Madison, Kaylin, Amy und Beccy kennen. Ein Lichtblick in meinem Leben – so dachte ich jedenfalls.

Ich saß alleine in der Mensa und aß still meine Käse Makkaroni, als sich die fünf Mädchen plötzlich zu mir setzten.

„Hey Carmen, wir dürfen doch hier sitzen, oder? Die anderen Tische sind uns zu voll“, sagte Ashley und wartete gar nicht erst auf eine Antwort.

Plötzlich lachten die Mädchen. Ich dachte mir nichts dabei. Vielleicht hatten sie eben etwas Lustiges erlebt, über das sie sich noch amüsierten. Hätte ich meinen Blick nicht krampfhaft auf mein Essen gerichtet, um jeglichen Augenkontakt zu vermeiden, hätte ich wohl die Gehässigkeit in Ashley Blick bemerkt.

„Also Carmen, wie gefällt es dir hier in Indiana? Du kommst schließlich von ziemlich weit weg, oder?“, fragte sie.

Redete sie mit mir? Niemand redete mit mir! Etwas ungläubig sah ich auf. Sie lächelte freundlich.

„An sich ganz gut. Obwohl es auch etwas einsam ist. Ich vermisse meine Freunde“, gestand ich.

„Oh, das glaube ich. Aber wenn du möchtest, können wir ja deine Freunde werden“, erwiderte Ashley.

Ihre Freundinnen kicherten wieder.

„Wirklich?“, fragte ich mit großen Augen.

Ich weiß nicht, ob es an meiner Einsamkeit oder meiner Naivität lag, dass ich ihre wahren Absichten nicht sofort durchschaute.

In den folgenden Tagen behandelten Ashley und ihre Freundinnen mich wie ihr Dienstmädchen. „Carmen, ich habe durst. Hol mir bitte etwas zu trinken.“ „Carmen, meine Sporttasche liegt noch in der Klasse. Kannst du sie mir bitte bringen?“ „Carmen, ich hab die Hausaufgaben nicht geschafft. Darf ich sie bei dir abschreiben?“ … Carmen, Carmen, Carmen. Und ich ließ mich darauf ein.

Ich war zu glücklich darüber, die Pausen nicht mehr alleine verbringen zu müssen, um zu erkennen, dass die Mädchen mich nur ausnutzten. Das war jedenfalls so, bis ich eines Tages mit zwei Tabletts zurück an den Tisch kam. Ich hatte Ashley und Madison einen Nachschlag geholt, weil sie mich darum gebeten hatten.

„Du hattest recht, Ashley. Carmen ist so nützlich. Wie ein kleines Hündchen, das alles macht, was man ihr sagt“, sagte Madison belustigt.

Ich sah, wie Kaylin sie unter dem Tisch unauffällig trat und eindringlich ansah.

„Au! Was soll das?“, fragte Madison verärgert. Dann drehte sie sich sofort um. „Oh … Hey, Carmen, hast du unser Essen?“, fragte sie scheinheilig.

„Wie ein kleines Hündchen? So seht ihr mich also?“, fragte ich wütend.

Madison sah schuldbewusst drein.

Doch Ashley zog nur die Augenbraue hoch. „Hast du es etwa immer noch nicht verstanden? Das ist der einzige Grund, warum wir dich überhaupt dulden. Denkst du etwa, dass wir mit dem Klassenfreak befreundet sein wollen?“

Das tat weh. Es fühlte sich an, als hätte sie einen Dolch aus Eis in meine Brust gerammt, der mir die Sprache verschlug. Ich stand mit offenem Mund da.

„Hast du sie etwa nicht gehört?“, fragte Kaylin. „Wenn du uns unser Essen nicht gibst, darfst du nicht mehr mit uns befreundet sein.“

Zu überfordert, um irgendetwas anderes zu tun, stellte ich die Tabletts auf den Tisch. War das irgendeine Art dummer Scherz?

„Awww. Seht sie euch an. Unser eigenes kleines Hündchen!“, sagte Ashley.

„Woof!“, bellte Madison mich an.

Dann schaltete sich Kaylin, Amy und Beccy ein: „Woof! Woof!“

Es dauerte nicht lange, bis alle fünf Mädchen dasaßen und mich anbellten. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie einige andere Schüler sich zu uns umdrehten und leise tuschelten. Redeten sie über mich?

Als ich merkte, wie meine Augen feucht wurden, hielt ich es nicht länger aus. Ich rannte aus der Mensa zu den Toiletten.

Wieso? Wieso taten sie das nur? Ich dachte, sie seien meine Freunde!

Während ich leise in einer Kabine weinte, hörte ich, wie sich die Tür öffnete.

„Carmen? Bist du hier drin?“, hörte ich Amy rufen.

Ich schwieg. Was wollte sie von mir? Wollte sie mich noch mehr ärgern?

„Es tut mir leid“, fuhr sie fort. „Ich wollte nicht gemein zu dir sein. Es ist nur … Hätten die anderen gemerkt, dass ich nicht mitmachen will, hätten sie mich rausgeschmissen …“

„Dann könntest du dir wenigstens bessere Freunde suchen“, antwortete ich leise. Ich klang verheulter, als ich gehofft hatte.

Jetzt klopfte Amy an meine Tür. „Bist du da drin? Es tut mir leid. Wirklich! Ich hab hier ein Geschenk für dich … als Entschuldigung“, sagte sie.

Verwundert schloss ich die Tür auf. Was könnte sie mir schon schenken wollen?

Als ich schließlich vor Amy stand, hielt sie mir einen Stock entgegen.

„Was ist das?“, fragte ich verwundert. Was sollte ich denn mit einem Stock anfangen?

„Das ist ein Stock, Dummerchen. Ich hab gehört, dass kleine Hündchen wie du sowas mögen“, sagte sie im selben mitleidigen Ton wie vorher.

Jetzt ertönte tosendes Gelächter von der Toilettentür. Die anderen Mädchen hatten uns die ganze Zeit belauscht …

Wütend ging ich zum Eingang, drängte mich an Ashley und den anderen vorbei und ging. Die Sprüche, die sie mir an den Kopf warfen, ignorierte ich.

Aber das sollte noch längst nicht alles gewesen sein. Seit jenem Tag hatten mich die Mädchen täglich geärgert. Es war, als hätte sich ein Schalter umgelegt und sie wären plötzlich von meinen besten Freunden zu meinen schlimmsten Feinden geworden. Aber in Wahrheit hatte ich wahrscheinlich bloß meine rosarote Brille abgenommen …

Die meiste Zeit waren es nur harmlose Streiche. Sie beleidigten mich, schmierten Schimpfwörter in meine Bücher oder versuchten, mich vor der Klasse bloßzustellen. Es tat zwar weh, doch ich ließ mir äußerlich nichts anmerken. Das war die einzige Möglichkeit – so hoffte ich –, dass sie mich eines Tages in Ruhe ließen, es ihnen langweilig wurde.

Doch leider passierte das nicht. Im Gegenteil: Ihre Streiche wurden schlimmer. Eines Tages kam ich in die Schule, wo ich meinen Spind völlig demoliert vorfand. Er war aufgebrochen worden und meine Zettel, Hefte und Bücher lagen überall auf dem Boden verteilt. Zerrissen hatten sie zum Glück nichts, doch alles aufzusammeln und einem Lehrer Bescheid zu sagen, der mir einen neuen Spind zuwies, dauerte ewig. Nachweisen konnte ich es Ashley und ihren Freundinnen leider nie. Trotzdem weiß ich, dass sie es waren.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich nicht einmal eine Woche später. Ich war vor dem Unterrichtsbeginn nur kurz auf Toilette verschwunden, merkte aber sofort, dass etwas nicht stimmte, als ich die Klasse betrat. Die anderen Schüler wurden plötzlich sehr still. Sie kicherten und tuschelten miteinander.

Als ich schließlich meine Federtasche und die Schulsachen aus meiner Tasche holen wollte, packte ich in eine schleimige Flüssigkeit – die Mädchen hatten Joghurt in meine Tasche gekippt!

Die gesamte Klasse brach in tosendes Gelächter aus. Und während ich meine Tasche ausräumte, versuchte, die Hefte und Bücher zu retten, die noch zu retten waren, schrie und tobte meine Lehrerin. Doch als sie verlangte, zu erfahren, wer das getan hatte, schwieg meine Klasse. Nicht ein einziger Schüler trat vor oder verteidigte mich. Dabei hatten sie es alle gesehen. Sie alle waren dabei gewesen, während die fünf Mädchen den Joghurt in meine Tasche gekippt hatten! Innerlich kochte ich vor Wut.

Ähnliche Dinge passierten immer wieder. Es gab Tage, an denen ich tat, als wäre ich krank, nur, um nicht in die Schule gehen, die Schikane nicht mehr ertragen zu müssen. Doch natürlich musste ich am nächsten Tag wieder hin. Ich wusste nicht, wie lange ich es noch durchhalten würde.

Und dann kam der heutige Tag. Der Tag, der das Fass zum Überlaufen brachte …

Wie immer hatte ich einen Knoten in der Magengegend, als ich das Schulgebäude betrat. Ich wusste bereits, dass ich wieder geärgert werden würde. Ashley, Madison, Kaylin, Amy und Beccy würden mich wieder mobben, und meine gesamte Klasse würde wegsehen.

Es fing wie immer mit einigen verletzenden Sprüchen an.

„Na, Hündchen? Wieso bist du den nicht an der Leine“, war zum Beispiel ein Spruch, den ich fast täglich zu hören bekam. Andere Sprüche, wie „Willst du dich nicht zu deinen Freunden setzen? Ach ne, du hast ja gar keine!“, taten hingegen schon mehr weh.

Heute waren die Hündchen-Sprüche wieder sehr beliebt. Es dauerte jedoch bis nach der Sportstunde, dass ich verstand, warum.

Unser Sportlehrer erinnerte uns daran, dass es in der nächsten Stunde einen Probefeurealarm geben würde, bevor er uns aus der Stunde entließ.

In der Umkleide bemerkte ich sofort einen unangenehmen Geruch. Der gesamte Raum stank nach Hundekot. Ich bemühte mich also, mich möglichst schnell umzuziehen, um den Raum schnell wieder verlassen zu können.

„Da ist wohl jemand noch nicht stubenrein!“, lästerte Ashley, als sie die Kabine betrat und den Geruch wahrnahm.

„Hat dein Frauchen dich nicht gelehrt, dass du nicht in die Wohnung machen sollst?“, schloss Amy sich an.

Dann lachten sie wild durcheinander. Aber auch dabei dachte ich mir noch nichts.

Erst, als ich mich umgezogen hatte und nach meiner Jacke griff, bemerkte ich es: Der Gestank kam von meiner Jacke! Ungläubig roch ich daran. Eindeutig! Meine Jacke stank nach Hundescheiße!

Zu sehen war jedoch nichts. Ohne nachzudenken, durchwühlte ich meine Taschen … und griff direkt in eine schmierige, klebrige Substanz.

Erschrocken zog ich meine Hand zurück, an der jetzt eindeutig etwas Braunes klebte … Mir drehte sich fast der Magen um, während mein Puls anstieg. Die Mädchen hatten mir Hundescheiße in die Jackentasche gesteckt!

Ich überlegte kurz, meine Hand an Ashley abzuwischen, die direkt neben mir stand und wie wahnsinnig lachte. Aber nein. Ich würde mich nicht auf ihr Niveau herab begeben. Ich würde mich an einen Lehrer wenden und ihm alles erzählen!

Bis meine Hand endlich nicht mehr stank, dauerte es eine ganze Weile. Wieder und wieder hatte ich sie mit Seife gewaschen. Und als ich schließlich in die Umkleide zurückgegangen war, waren die anderen Mädchen schon weg.

Ich packte meine Sachen und rannte zum Schulgebäude – meine stinkende Jacke ließ ich draußen über einer Bank hängen.

Die nächste Stunde hatte bereits angefangen. Mrs. Clark musterte mich mit strengem Blick, als ich in die Klasse gestürmt kam. Ich entschuldigte mich für meine Verspätung. Sie sagte nichts und fuhr mit ihrem Unterricht fort. Ich würde bis nach der Stunde warten müssen, um ihr von dem Vorfall zu erzählen.

Gerade, als ich mich hingesetzt hatte, ertöte der Feueralarm. Mrs. Clark legte genervt das Stück Kreide zurück zur Tafel. Hoffentlich würde ihre Stimmung nicht meine Pläne beeinträchtigen. Mrs. Clark wäre immerhin die perfekte Lehrerin dafür. Sie war streng, konnte aber auch sehr mitfühlend sein.

„Stellt euch in Zweierreihen auf!“, befahl sie.

Widerwillig sah, ich, wie Ashley sich neben mich stellte. Sie grinste gemein. „Wo ist denn deine Jacke? Meinst du nicht, dass es draußen etwas kalt ist?“, rief sie gehässig über den Feueralarm hinweg.

Ich hasste sie dafür, hasste, dass sie mich grundlos ärgerte, hasste, dass sie jedes mal ohne Konsequenzen davonkam. Doch damit wäre nachher Schluss. Ich würde nur noch die Brandschutzübung und mit etwas Pech einige Minuten Unterricht überstehen müssen!

Als wir schließlich draußen waren, gingen wir sofort zu den Parkplätzen – der Ort, wo wir uns bei Probealarmen immer versammelten. Ich stand etwas abseits, in der Hoffnung, dass Ashley und ihre Clique bei der Klasse blieben. Zu meinem Leid taten sie es jedoch nicht.

Ich sah, wie sie wild miteinander tuschelten und kicherten, während sie auf mich zukamen. Was hatten sie nun schon wieder vor?

„Hündchen, was stehst du denn hier so alleine?“, fragte Madison.

„Wahrscheinlich ist sie ein Streuner!“, erwiderte Ashley.

„Ihhh! Sie hat bestimmt Flöhe!“, mischte sich jetzt auch Amy ein.

Kaylin und Beccy lachten nur.

Dann begannen sie plötzlich mich zu schubsen. Ich hasste es, wenn sie körperlich wurden. Die Beleidigungen konnte ich ausblenden, aber gegen fünf Mädchen gleichzeitig konnte ich mich nicht wehren.

„Hey, lasst das!“, sagte ich übertrieben laut, in der Hoffnung, dass Mrs. Clark oder einer der anderen Lehrer es hören würde. Doch sie beachteten mich gar nicht. Schließlich schrien auch die anderen Schüler wild durcheinander. Was war da schon ein Mädchen mehr?

Völlig unerwartet gab mir Ashley dann einen deutlich kräftigeren Stoß. Normalerweise hielten sie sich zurück, wenn wir in größeren Gruppen waren. Wirklich verletzt hatten sie mich bisher nur, wenn wir alleine waren.

Ich bereitete mich darauf vor, auf den harten Boden zu stürzen, doch der erwartete Aufprall blieb aus. Ich fiel zu tief!

Erst, als mein Gesicht mit voller Wucht an die Leiter knallte, bemerkte ich, dass sie mich in einen offenen Gully geschubst hatten!

Ich schlug so hart auf den schmutzig-nassen Boden auf, dass ich für einen Moment benommen liegenblieb. Zu meiner Überraschung spürte ich keine Schmerzen.

„Carmen ist in der Kanalisation. Bei der restlichen Scheiße, wo sie hingehört!“, hörte ich Ashley laut rufen.

Gelächter ertönte von oben.

„Aber Ashley, Abfall wirft man doch nicht in den Gully!“, warf Amy ein.

In mir stieg eine unglaubliche Wut auf, wie ich sie noch nie zuvor gespürt hatte. Ich richtete mich auf und starrte wütend auf die Öffnung über mir.

Ich sah, wie sich Ashley und die anderen Mädchen um den Gully versammelten. Plötzlich sahen sie furchtbar schockiert aus. Sie tuschelten miteinander.

„Mrs. Clark!“, schrie Kaylin. „Carmen ist in die Kanalisation gestürzt!“

Wie konnte sie es wagen? „Das stimmt nicht! Ashley hat mich geschubst!“, brüllte ich.

Sofort kam Mrs. Clark zu dem Gully gerannt. Als sie mich sah, riss sie ihre Hand vor ihren Mund. „Wir brauchen einen Notarzt!“, kreischte sie panisch. „Carmen! Carmen, kannst du mich hören?“

„Es geht mir gut!“, rief ich. „Aber Sie sollten die Polizei rufen. Ashley hat versucht, mich umzubringen!“

Ich erwartete eine schnippische Antwort. Einen empörten Ausruf, der ihr Wort gegen meins stellte, doch nichts geschah. Die Mädchen tuschelten nur wild durcheinander. Ich konnte nur Wortfetzen entziffern.

Es fielen Worte wie ‚tot‘ oder ‚umgebracht‘. Dann sagte Kaylin ganz deutlich. „Seht euch nur ihren Hals an. Sie bewegt sich nicht!“

Erst verstand ich nicht, was sie meinten. Ich war doch hier. Natürlich bewegte ich mich! Doch als ich an mir herabsah, sah ich eine zweite Person. Sie lag unter mir. Nein. Das war keine zweite Person. ICH lag dort. Von meinem Gesicht hing lose Haut. Überall war Blut, das sich jetzt mit dem Dreck und Unrat der Kanalisation mischte. Mein Hals hatte eine unnatürliche Position eingenommen …

Schon lange hatte ich mich gefragt, ob ich an Geister glaube. Ich war mir nie ganz sicher gewesen. Konnte es tatsächlich Seelen geben, die in unserer Welt blieben, weil sie noch etwas zu erledigen hatten?

Jetzt hatte ich meine Antwort. Und ich wusste genau, was ich noch erledigen musste. Wütend starrte ich die Mädchen über mir an. Ich würde mich an meinen Mördern rächen!

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Die Legende:

Carmen Winstead ist die urbane Legende einer 17-jährigen Schülerin, die durch extremes Mobbing ums Leben gekommen sein soll. Die Verbreitung der Legende fand fast ausschließlich über Kettenbriefe statt.

Aussehen:

Über das Aussehen von Carmen Winstead ist nicht sonderlich viel bekannt.

Es heißt nur, dass ihr Geist einen gebrochenen Hals und ein blutiges und stellenweise oder völlig abgerissenes Gesicht habe.

Der Kettenbrief:

Den Kettenbrief selbst gibt es in verschiedenen Versionen. Entweder ist er so geschrieben, dass er von Carmen Winstead berichtet oder als wäre er von ihr selbst verfasst.

Bei der berichtenden Version gibt es zudem eine sehr ausführliche Variante, die hauptsächlich das beschreibt, was ihr weiter unten unter „Die Vorgeschichte“ lesen könnt. Hier werde ich daher lediglich eine kürzere Version aufführen, die es sowohl aus Carmens Sicht, als auch leicht abgeändert als berichtende Version gibt:

„Hi, mein Name ist Carmen Winstead. Ich bin 17 Jahre alt. Ich bin dir sehr ähnlich … Habe ich erwähnt, dass ich tot bin? Vor einigen Jahren hat mich eine Gruppe Mädchen in die Kanalisation geschubst, um mich zu blamieren. Als ich nicht wieder herausgekommen bin, ist die Polizei gekommen. Die Mädchen haben behauptet, ich wäre gestürzt und alle haben ihnen geglaubt. Die Polizei hat meine Leiche in der Kanalisation gefunden. Ich hatte einen gebrochenen Nacken und mein Gesicht war abgerissen. Sende diese Nachricht an 15 Personen, nachdem du sie vollständig gelesen hast, wenn dir dein Leben lieb ist! Ein Junge namens David hat diese Nachricht bekommen. Er hat nur gelacht und sie gelöscht. Als er in der Dusche war, hörte er ein Lachen … MEIN LACHEN! Er wurde sehr ängstlich, ist zu seinem Handy gerannt, um die Nachricht zu teilen … Aber es war zu spät. Am nächsten Morgen betrat seine Mutter sein Zimmer und alles, was sie vorfand, war eine Nachricht in seinem Blut geschrieben, die besagte „Du wirst ihn nie zurückbekommen!“ Bisher hat noch niemand seine Leiche gefunden … weil er bei mir ist! … Sende diesen Text an 15 Personen in den nächsten 5 Minuten, wenn du nicht willst, dass dich das gleiche Schicksal ereilt, wie David. Deine Zeit läuft … JETZT! Die Geschichte ist wahr, du kannst sie auf Google recherchieren.“

Neben der geschriebenen Variante hat sich zudem in letzter Zeit eine Sprachnachricht verbreitet, die angeblich von Carmen selbst gesprochen wurde.

Die Vorgeschichte:

Es heißt, dass Carmen Winstead 17 Jahre alt war, als ihre Eltern nach Indiana umgezogen sind. Carmen musste all ihre Freunde zurücklassen und eine neue Schule besuchen, wo sie niemanden kannte.

Da Carmen große Probleme hatte, neue Freunde zu finden, verbrachte sie die meiste Zeit alleine, bis sie sich einer Gruppe von fünf Mädchen anschloss. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie bemerkte, dass die Mädchen hinter ihrem Rücken über sie lästerten.

Sie stellte die Mädchen zur Rede, woraufhin diese sich völlig gegen Carmen richten und anfingen, sie mobben. Sie beleidigten sie, schrieben Schimpfwörter in ihre Schulbücher und demolierten ihren Spind. Es heißt sogar, dass sie Joghurt in ihre Schultasche gekippt und Hundekot in ihre Jackentasche gelegt haben sollen.

Schließlich wurde es Carmen zu viel. Sie beschloss, die Mädchen nach Schulschluss zu verpetzen. Sie wusste jedoch nicht, dass sie dazu nicht mehr die Gelegenheit haben würde.

Noch vor Schulschluss gab es einen Probealarm, bei dem alle Schüler das Gebäude verlassen mussten. Carmen stand alleine an der Straße, ganz in der Nähe eines offenen Gullys. Warum der Gully geöffnet war, wird nicht näher erklärt.

Die fünf Mädchen gingen zu Carmen und begannen, sie zu ärgern. Sie drängten sie unauffällig immer weiter zum Gully, bis sie nahe genug daran stand. Dann schubsten sie Carmen, sodass sie mit dem Kopf zuerst in die Kanalisation stürzte.

Zuerst scherzten sie noch. Sie lachten und erklärten, dass Carmen in der Kanalisation liegt. Andere Schüler sollen in das Gelächter eingestimmt haben.

Schließlich hat ein Lehrer in den Gully gesehen. Zu seinem entsetzen, war Carmen wirklich dort unten. Ihr Kopf war in einer unnatürlichen Haltung gedreht, ihr Gesicht blutig. Es heißt, dass sie sich ihr Gesicht bei dem Sturz an der Wand oder der Leiter abgerissen habe. Carmen war tot.

Nachdem Carmens Leiche aus der Kanalisation geholt wurde, hat die Polizei ihre Klassenkameraden befragt. Die fünf Mädchen, die sie geschubst hatten, behaupteten, dass Carmen gestürzt sei. Die Polizei glaubte ihnen. Carmens Tod wurde als Unfall eingestuft.

Doch das war nicht das letzte Mal, dass man von Carmen gehört hatte. Monate nach dem Vorfall bekamen die Klassenkameraden von Carmen, seltsame E-Mails, die besagten, dass Carmen geschubst wurde. Sie forderte die Schuldigen auf, sich zu stellen, da es sonst schreckliche Konsequenzen gäbe.

Natürlich meldete sich niemand, da sie die E-Mails als Streich abtaten. Doch nur wenige Tage später begannen die fünf Schülerinnen eine nach der anderen spurlos zu verschwinden.

Als sie schließlich gefunden wurden, lagen alle fünf Mädchen in der Kanalisation. Es heißt fast immer, dass sie verstümmelt waren. Die Beschreibungen reichen hierbei von abgerissenen Gesichtern bis hin zu fast vollständiger Unkenntlichkeit.

Doch Carmens ruheloser Geist war noch immer wütend. Es heißt, dass sie seither wieder und wieder Menschen töten soll, die ihre Geschichte nicht glauben oder selber andere Leute mobben.

Wenn man selbst betroffen ist, soll Carmen Winstead aus der Kanalisation zu einem herauf kommen – sei es durch die Dusche, durch die Toilette oder gar durch ein Waschbecken. Nachts, wenn man schläft, soll sie einen entführen, in die Kanalisation bringen und dort töten.

Ursprung:

Der Ursprung der Legende von Carmen Winstead lässt sich grob auf das Jahr 2006 zurückverfolgen, wo der Kettenbrief anfing, sich rasant auf MySpace und per E-Mail zu verbreiten. Damals wurde unter anderem auch der Name „Jessica Smith“ verwendet, der sich – wahrscheinlich wegen seines deutlich geringeren Wiedererkennungswerts im Vergleich zu „Carmen Winstead“ – nicht durchsetzen konnte.

Und auch heute ist der Kettenbrief noch im Umlauf – auf Facebook, Instagram, Whatsapp, per E-Mail, auf Twitter und sonstigen sozialen Medien.

Der Hintergrund zu der Legende wurde jedoch nie bestätigt. Trotz langer Recherche hat bisher niemand eine Carmen Winstead finden können, die durch einen Sturz in einen Gully gestorben ist.

Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Carmen Winstead nichts weiter, als eine urbane Legende ist.


Was haltet ihr von Carmen Winstead? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr den Kettenbrief bekommen und die Legende nicht kennen würdet? Würdet ihr ihn verschicken oder würdet ihr ihn ignorieren? Und wenn ihr ihn ignoriert, hätten ihr dann Bedenken? Schreibt es in die Kommentare!

Euch wird zwar keine Carmen Winstead töten, wenn ihr es nicht tut, trotzdem würde ich mich natürlich wahnsinnig darüber freuen, wenn ihr meinen Blog oder einen Artikel mit euren Freunden oder Bekannten teilen würdet!

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9 Kommentare

  1. Mithrandir says:

    Alter Finne…

    Ich wollte eigentlich gerade auf die Toilette gehen, aber der Gedanke, dass bei einer längeren Sitzung plötzlich irgendwas unter mir auftaucht verstört mich hart…

    • Jeremie Michels says:

      O Mann … Darüber, dass die Toilette auch in Benutzung sein könnte, wenn Carmen herauskommt, hab ich noch gar nicht nachgedacht. Urbane Legenden (und auch einige tatsächliche Fälle :s ) von Schlangen, die aus dem Abfluss kommen, während man auf der Toilette sitzt, kennt man ja. Aber Schülerinnen …? ^^‘

      (Super Name übrigens! 😄 )

        • Jeremie Michels says:

          Dankesehr, ich gebe mir Mühe! ^^

          Ich muss aber gestehen, dass ich es schwer zu begreifen finde, dass Leute meinen Blog tatsächlich weiterempfehlen. Es gibt einfach Leute, die über meinen Blog schreiben oder reden … Ahhh!
          Ich freu mich jedenfalls! 😀

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