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Halloween Campus Murders Zeichnung von Jeremie Michels. Man sieht im Vordergrund einen Mann stehen, der einen blauen Overall trägt und eine blutige Feuerwehraxt in der rechten Hand trägt. Er sieht in die Ferne, wo man in der Dunkelheit ein vierstöckiges Gebäude stehen sieht. Hinter einigen erleuchteten Scheiben sieht man Leute feiern, rauchen und lesen.
Halloween Campus Murders (2020)

Die Halloween Campus Murders

Die Halloween Campus Murders sind ein beliebtes Gerücht, dass sich alle paar Jahre in der Zeit vor Halloween an amerikanischen Universitäten ausbreitet. Ähnlich wie bei meinem Beitrag über das 1962 Halloween Massaker, geht die Geschichte diese Woche also wieder in Richtung Slasher.

Die Geschichte:

„Hey, Eric. Meinst du, dass heute Abend wirklich etwas passiert?“, fragte Jeffrey. Er wippte unruhig mit dem Bein, als wäre er nervös.

„Glaubst du ernsthaft, dass irgendein Medium so etwas voraussehen kann?“, fragte ich skeptisch. Ich würde ihm nicht erzählen, dass ich ein Baseballschläger unter meiner Bettdecke versteckt hatte, sodass ich nur danach greifen musste, falls tatsächlich ein axtschwingender Mörder in unser Zimmer stürmte.

Alles hatte vor einigen Wochen angefangen, als das Gerücht aufkam, dass ein berühmtes Medium in einer Talkshow ein schreckliches Verbrechen an einer Universität vorausgesehen haben soll. Komisch nur, dass mir bisher niemand einen Ausschnitt dieser angeblichen Talkshowfolge zeigen konnte – auch wenn einige andere Studenten behaupteten, dass sie selbst oder ein Bekannter von ihnen sie gesehen haben.

Aber selbst wenn es das Medium tatsächlich gab, glaubte ich nicht an einen solchen Schwachsinn.

Ich sehe es vor mir … Am Halloweenabend wird ein fürchterliches Verbrechen geschehen. Acht Menschen werden sterben. Der Ort … ich kann ihn nicht genau erkennen. Es ist eine Universität, aber ich weiß nicht welche. In der Nähe ist ein Friedhof. Und sie beginnt mit einem W. Nein. Nein! Mit einem M!‘, gingen mir Jonathans Worte durch den Kopf, die er mit dramatischen Handgesten vorgetragen hatte. Er war ein Senior-Student, der für seinen schlechten Humor bekannt war. Trotzdem war er gestern abgereist …

Und sogar die Universität hatte eine Warnung an die Eltern geschickt. In der Mail stand zwar, dass sie keine Bestätigung haben, dass heute tatsächlich etwas passieren soll, es aber empfohlen wird, dass die Studenten über Halloween nach Hause fahren.

Trotzdem hatten einige meiner Freunde entschieden, heute hierzubleiben. Und ich war so blöd, mich ihnen anzuschließen. Es klang lustig, die Uni nur für uns zu haben – besonders zu Halloween. Hätte ich jedoch gewusst, dass ich den ganzen Tag paranoid auf meinem Bett sitzen würde, wäre ich wohl nach Hause gefahren. Ich fragte mich, ob es der Gruppe Freshman-Studenten ähnlich ging, die ebenfalls hiergeblieben war.

Plötzlich hörten wir Schritte aus dem Flur … Schnelle Schritte. Jeffrey und ich warfen uns ängstliche Blicke zu. Gleichzeitig griff ich nach dem Baseballschläger. Als die Tür aufschwang, sprang ich auf, bereit, jedem den Kopf einzuschlagen, der uns bedrohte.

Doch vor uns stand kein Killer, sondern Mary und Angela – zwei Studentinnen.

„Ich dachte, wir wollten uns erst um acht treffen?“, sagte ich ruhig und war im Begriff, den Baseballschläger zurück aufs Bett zu legen.

„Sie sind tot!“, sagte Mary panisch.

Ich gefror in meiner Bewegung und starrte sie an. Jetzt erkannte ich die Panik in ihren Augen.

„Ja ja, sehr witzig“, erwiderte Jeffrey genervt. „Das Gerücht ist doch scheiße!“

Ich war mir jedoch nicht sicher, ob sie wirklich log. Mary war eine miserable Schauspielerin. Wenn sie uns hereinlegen wollte, hätte sie Angela sprechen lassen. Die stand jedoch nur hinter ihr und starte völlig verstört zu Boden.

„Das ist kein Gerücht!“, schrie Mary. „Irgendwer hat sie zerstückelt. Oh Gott, da war überall Blut!“

„Wer? Wer ist tot?“, fragte ich und packte Mary am Arm. „Geht es June gut?“

Meine Freundin war eine der wenigen Studenten, die hiergeblieben war!

„Ich … Ich weiß es nicht. Gesehen habe ich nur Zack und Owen, aber da lag noch jemand. Fuck!“, sage Mary den Tränen nahe. Zu fluchen, sah ihr nicht ähnlich.

„Du glaubst den Scheiß doch nicht etwa!?“, fragte Jeffrey jetzt noch genervter.

Ich sah ihn an. Er hatte Recht. Wir wussten nicht, ob sie uns bloß verarschen wollten.

„Schwöre es!“, befahl ich. „Schwöre bei Gott!“

Mary war streng gläubig. Bei so etwas würde sie nicht lügen – und das wusste auch Jeffrey.

Doch so sehr ich auch hoffte, dass sie jetzt verärgert schnauben, mit den Augen rollen und uns Spielverderber nennen würde, tat sie es nicht. Ihr Blick blieb todernst.

„Ich schwöre!“, sagte sie.

Die bedrohliche Stimmung, die sich jetzt im Zimmer ausbreitete, legte sich wie eine dunkle Wolke über uns.

Waren Zack und Owen wirklicht tot? Und wenn ja, wer war dann die dritte Leiche? Wenn es June war …

„Was ist mit dir? Hast du das dritte Opfer erkannt?“, wandte ich mich jetzt an Angela.

Doch sie schüttelte nur den bleichen Kopf. „Ich hätte ja nachgesehen, aber der Mann hat uns bemerkt …“

Ich riss die Augen auf. „Der Mörder hat euch gesehen!?“

Ohne eine Antwort abzuwarten, rannte ich zum Flur. Vorsichtig spähte ich den Gang rauf und runter. Niemand zu sehen.

So leise ich konnte, schloss ich die Tür. Dann griff ich nach einem Stuhl und klemmte ihn unter den Türknauf.

„Ruft sofort die Polizei an!“, befahl ich Mary und Angela, während ich mein Handy herauskramte. „Ich versuche, June zu erreichen!“

Während ich auf meine Kontakte drückte, schielte ich zu Mary hinüber. Ich klammerte mich an das letzte Bisschen Hoffnung, dass es doch nur ein geschmackloser Scherz war. Doch als sie wirklich 911 auf dem Display wählte und den kleinen grünen Hörer drückte, hatte sie mich endgültig überzeugt.

Mir war leicht schwindelig, während ich die Kontakte auf meinem Smartphone durchging. Gleichzeitig versuchte ich, zu begreifen, was hier gerade passierte.

Tuuut. Hier war ein Mann, der uns umbringen wollte. Tuuut. Eine Wahrsagerin hatte es im Fernsehen vorausgesagt. Tuuut. Es könnte sein, dass meine Freundin tot war. Tuuut.

„Hey, hier ist June. Leider bin ich im Moment nicht zu erreichen. Hinterlass mir doch eine Nachricht und ich ruf dich zurück“, drang die vertraute Stimme aus dem Telefon.

„June? June, hier ist Eric. Irgendein Mann hat Zack und Owen umgebracht. Wenn du das hier hörst, versteck dich irgendwo! Ich versuche, zu dir zu kommen!“

Als ich mein Handy mit zittriger Hand wegsteckte, war Mary gerade am Diskutieren. „Bitte Sie müssen mir glauben. Irgendein Wahnsinniger möchte uns umbringen!“, kreischte sie panisch ins Telefon.

Dann hörte ich noch etwas anderes. Schwere Schritte waren aus dem Flur zu hören.

„Nein, das ist kein Kostüm! Sie müssen …“

„Schhht!“, unterbrach ich Mary. Sie hörte sofort auf zu reden.

Schweigend standen wir da, den Blick ängstlich auf die Tür gerichtet.

Aus dem Telefon war ein leises „Hallo? Sind Sie noch da?“, zu hören.

Dann drehte sich plötzlich der Türknauf. Irgendjemand drückte von außen gegen die Tür, doch der Stuhl verhinderte, dass sie auch nur einen Zentimeter nachgab. Voller Anspannung hielt ich den Atem an.

Ein Klopfen. „Mädels, seid ihr da drinnen? Macht doch bitte die Tür auf“, ertönte eine gedämpfte Männerstimme.

Niemand antwortete. Stattdessen warfen wir einander ängstliche Blicke zu. Ich kannte die Stimme, konnte sie jedoch nicht direkt zuordnen.

Rums. Irgendetwas würde mit voller Wucht gegen die Tür gedonnert.

Mary, Angela, Jeffrey und ich zuckten gleichzeitig zusammen.

Rums. Eine Delle bildete sich in der Tür. Rums. Holz splittert, während die Spitze eines Axtkopfes durch den neu entstandenen Spalt in der Tür ragte.

Eine Axt! Eine verdammte Axt! Genau, wie es das Medium den Gerüchten zu Folge vorausgesagt hatte!

Knack.

Jetzt schrien wir alle durcheinander, während wir uns möglichst weit von der Tür wegbewegten.

Rums.

Ich stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Doch anstatt noch weiter in Panik zu verfallen, zwang ich mich, tief durchzuatmen und nachzudenken.

Rums.

Wir waren im zweiten Stock und der einzige Eingang war die Tür, hinter der jetzt ein axtschwingender Irrer stand. Wir waren eingesperrt, außer …

„Das Fenster!“, brüllte ich, über das Knirschen der Tür hinweg.

Drei Augenpaare waren auf mich gerichtet. Sie blickten panisch zwischen mir und der Tür hin und her.

„Wir sind im zweiten Stock. Alleine der Fall könnte uns umbringen!“, schrie Angela mich an. Dann fiel ihr Blick auf mein Baseballschläger. „Aber wenn du schnell genug zuschlägst, könntest du …“

„Neben dem Fenster ist eine Regenrinne!“, unterbrach ich sie. „Daran können wir nach unten klettern!“

Nachdem ich das Fenster geöffnet hatte, sahen die anderen mich erwartungsvoll an. Ich wusste, dass ich nicht drumherum kommen würde, als Erster hinaus zu klettern. Es war immerhin meine Idee gewesen. Außerdem hatten wir keine Zeit, zu diskutieren: Auch wenn die Tür stabiler war, als sie aussah, würde es nicht mehr lange dauern, bis der Mann auf der anderen Seite genug aus ihr herausgeschlagen hatte, um sie mit der Hand von innen zu öffnen.

Ich schob den Baseballschläger in meinen Gürtel, sodass er fest genug saß, um nicht herauszufallen. Dann hielt ich mich am Fensterrahmen fest und atmete tief durch.

„Ach, scheiß drauf!“, fluchte ich, während ich mein Bein über das Fensterbrett schwang. Ich zwang mich, den Kopf gerade zu halten und nicht nach unten zu blicken. Mit beiden Händen griff ich nach der Regenrinne und klammerte mich mit aller Kraft an dem Rohr fest. Es was eiskalt. Dann zog ich mein zweites Bein aus dem Fenster.

Für einen Moment dachte ich, ich würde abrutschen. Doch ich schaffte es, meine Füße von beiden Seiten gegen das Rohr zu pressen.

Schnell und trotzdem vorsichtig begann ich, am Rohr herunterzurutschen – Stück für Stück, Meter für Meter –, bis ich endlich festen Boden unter den Füßen hatte.

„Okay, es ist sicher!“, rief ich den anderen zu.

Es dauerte nicht lange bis auch Mary und Angela unten waren. Jetzt fehlte nur noch Jeffrey.

Er saß auf dem Fensterbrett und starrte zu uns herunter, dann zur Regenrinne, dann wieder zu uns.

„Denk nicht darüber nach!“, brüllte ich ihm zu. „Greif einfach nach der Regenrinne und klammer dich fest! Du schaffst das!“

Endlich griff er nach der Regenrinne. Ich sah sogar auf die Entfernung, dass seine Hand zitterte.

Dann plötzlich starrte er ins Zimmer zurück. „Scheiße!“, fluchte er und packte hastig mit der zweiten Hand nach der Regenrinne, bevor er sich mit voller Wucht nach draußen schwang – mit zu viel Wucht. Seine Hand rutschte ab.

Während er fiel, versucht er, irgendwie wieder Halt zu bekommen, doch es gelang ihm nicht, bis er schließlich mit einem ekelhaften Klatschen neben uns auf dem Boden landete.

Mary kreischte.

Ich rannte sofort zu ihm. „Jeff! Jeffrey! Kannst du mich hören?“, schrie ich, während ich an ihm rüttelte.

Doch er antwortet er nicht. Stattdessen bildete sich eine Pfütze aus Blut um seinen Kopf herum.

Schnell fasste ich an seinen Hals, um seinen Puls zu fühlen. Nichts. Ich hielt meine Hand unter seine Nase. Kein Atem. Jeffrey war tot.

Während ich aufstand, sahen die beiden Mädchen mich wie gebannt an. Ich schüttelte den Kopf.

Mary brach in Tränen aus.

Noch immer im Schock starrte ich zurück zu dem Fenster, aus dem er gestürzt war und erschrak. Dort stand ein Mann! Obwohl er fast sofort seinen Kopf zurückgezogen hatte, hatten wir ihn erkannt.

„War das …?“, fragte Angela fassungslos.

„Ja“, bestätigte ich. „Mr. Willson.“ Unser Hausmeister.

Plötzlich rannte Mary los.

„Warte! Wo willst du hin?“, rief Angela, während wir ihr nachrannten.

„Wohin wohl? Hier weg und dann direkt zur Polizei!“, erwiderte Mary.

„Und was ist mit den anderen?“, warf Angela ein. „Sie wissen von nichts. Willst du, dass ihr Blut an deinen Händen klebt?“

Mary war hin- und hergerissen. Man sah ihr an, dass in ihr ein Kampf zwischen ihrem Glauben und ihrer Angst tobte.

Doch auch ich musste Angela zustimmen. Nicht, weil ich mich für das Leben einiger Freshman-Studenten interessierte, sondern weil es eine geringe Chance gab, dass June noch lebte. Wenn sie sterben würde, weil ich sie zurückgelassen hatte, könnte ich mir das nie verzeihen!

Wir entschieden, den Eingang an der Westseite zu nehmen – für den Fall, dass Mr. Willson bereits auf dem Weg zu uns war. Wir hatten keine Lust, ihm entgegenzulaufen.

Als wir bei der Treppe waren, zögerte ich. Wenn Mr. Willson uns entdeckte …

„Was ist mit dem Feueralarm? Wenn wir den auslösen, rennen die anderen schon nach draußen!“, schlug ich vor.

„Das geht nicht!“ Mary schüttelte energisch den Kopf. „Mr. Willson weiß, wo wir uns bei Brandschutzübungen versammeln sollen. Sie würden ihm direkt in die Arme rennen!“

Ich knirschte mit den Zähnen. Sollten wir wirklich wieder nach oben laufen?

„Scheiß drauf!“, fluchte ich leise. Dann rannte ich die Treppen rauf.

Im zweiten Stock nahm ich sofort den Gang zu unserer Linken. Junes Zimmer war auf der anderen Seite des Gebäudes.

„Eric!“, zischte Angela mir nach. „Eric, wo willst du hin? Die Freshman-Studenten sind im dritten Stock!“

„Ich geh zu June!“, flüsterte ich zurück.

„Wir wissen nicht einmal, ob sie noch lebt. Außerdem sind die Freshmen ein leichteres Opfer!“, argumentierte Angela.

Da hatte sie recht … Verdammt! Aber June war mir wichtiger!

„Okay. Ihr rennt nach oben und ich hole June. Wir treffen uns beim …“

„Nein!“, zische Angela mir zu. „Wir teilen uns ganz sicher nicht auf! Außerdem ist June auch unsere Freundin. Aber wenn sie nicht in ihrem Zimmer ist, gehen wir sofort nach oben!“

Ich konnte gar nicht sagen, wie dankbar ich den beiden war, dass mitkommen wollten.

Plötzlich knallte ganz in der Nähe eine Tür. Ohne einen Laut von uns zu geben, schlichen wir um eine Ecke und drückten uns an die Wand. Meinen Baseballschläger hatte ich inzwischen wieder aus meinem Gürtel gezogen.

Schwere Schritte ertönten von der Treppe. „Scheiß Kinder!“, hörte ich Mr. Willsons grummeln. „Sagen, sie seien Erwachsene, haben aber keinerlei Anstand! Immer nur feiern, saufen, kotzen. Und wer darf es saubermachen? Aber es reicht. Es reicht!“

Seine Stimme hatte eine Tonlage, wie ich es bisher nur von Verrückten aus irgendwelchen Filmen kannte. Ich erkannte ihn gar nicht wieder. Sonst war er so ein netter älterer Mann gewesen …

Während er weiter vor sich hin grummelte, schloss ich die Augen.

Komm nicht hier lang. Geh einfach weiter. Einfach weiter!‘, dachte ich.

Doch wenn dieser Abend mich eine Sache gelehrt hatte, dann, dass das Glück nicht auf unserer Seite war.

„Er kommt!“, zischte Mary, während sie mich sanft schubste und nach Angelas Handgelenk griff. „Er kommt!“

Das ließ ich mir kein drittes Mal sagen. Sofort nahm ich meine Beine in die Hand und rannte. Mary und Angela waren dicht hinter mir.

Wo sollten wir lang? Schafften wir es, uns irgendwo einen Vorsprung zu verschaffen? Der Computerraum hatte zwei Eingänge. Wenn wir die erste Tür blockieren konnten …

Marys Aufschrei, riss mich aus den Gedanken. Sie war gestürzt! Mr. Willson hatte sie fast eingeholt! Trotzdem er humpelte – eine alte Kriegsverletzung –, hatte er eine wahnsinnige Geschwindigkeit drauf.

„Scheiße! Steh auf. Steh auf!“, kreischte Angela.

Mary versucht, sich an ihrem Handgelenk hochzuziehen, das sie noch immer umklammert hielt, doch sie schien sich am Fuß verletzt zu haben. Sie schaffte nur einen Schritt, bevor sie wieder umknickte.

„Mary, Vorsicht!“, schrie ich.

Doch meine Warnung kam zu spät. Mr. Willson hatte sie bereits eingeholt. Er hob seine Axt und ließ die Klinge in Marys Rück krachen. Eine widerwärtige Mischung aus Schmatzen und Knacken war zu hören, bevor Mary wie am Spieß zu kreischen anfing.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich sie an. Es war, als hätte ich die Kontrolle über meinen Körper verloren, als würde ich bloß einen Film gucken und könnte selbst nichts machen.

Mr. Willson stemmte sich mit einem Fuß an Marys Rücken ab und zog die Axt mit einem Ruck heraus.

Dann fiel mein Blick auf Angela. Sie zerrte noch immer an Marys Arm!

„Lass sie los! Wir können sie nicht mehr retten!“, brüllte ich.

„Ich kann nicht. Sie hält mein Handgelenk fest!“, kreischte Angela zurück. Ich hatte noch nie so viel Panik in einer Stimme gehört.

Gegen meinen Fluchtreflex ankämpfend, rannte ich auf sie zu. Ich musste ihr helfen!

Ich war gerade bei ihr, griff schon nach Marys verkrampfter Hand, als mich plötzlich ein Schwall Blut genau im Gesicht traf.

Verwirrt taumelte ich rückwärts. Ich blinzelte, um das Blut aus meinen Augen zu bekommen. Was war passiert?

Als ich Angela ansah, wurde mir schwindelig. Mr. Willson hatte sie mit der Axt am Hals erwischt. Angelas und mein Blick trafen sich. In ihren Augen schimmerten Tränen. Sie röchelte, als wolle sie etwas sagen. Doch aus ihrem Mund und ihrem Hals spritze bloß Blut. Dann brach sie zusammen.

Ich sah nicht mehr, wie ihr Körper auf den Boden aufschlug. In dem Moment, wo sie zu fallen begann, hatte ich mich umgedreht und war losgesprintet.

Wenn ich es bis zum Computerraum schaffte, könnte ich genug Zeit gewinnen, um in Junes Zimmer zu sprinten. Wenn ich sie gefunden hatte, würden wir sofort fliehen. Scheiß auf die Freshman-Studenten!

Und tatsächlich schaffte ich es in den Computerraum – wahrscheinlich, weil Mr. Willson mir nicht direkt hinterhergelaufen war. Er war zurückgeblieben und hatte weiter auf Mary und Angela eingehackt – zumindest hatte es sich so angehört. Ich versuchte, nicht weiter darüber nachzudenken.

Als ich nach einem der Bürostühle im Computerraum griff, musste ich mit Entsetzen feststellen, dass man sie nicht unter den Türknauf klemmen konnte. Ihre Rollen rutschten auf dem glatten Boden zu leicht weg.

Stattdessen packte ich einen Tisch, auf dem ein Computer stand, und kippte ihn vor die Tür. Hoffentlich würde es reichen. Ich wartete jedoch nicht ab, um es herauszufinden.

Keine dreißig Sekunden später, rannte ich wieder durch die Gänge. Zimmer 314. 313. 312. Da! Ich hatte Junes Zimmer erreicht!

Als ich nach ihrem Türknauf griff, hoffte ich, dass der Raum abgeschlossen sei. Doch als ich den Türknauf drehte, sprang die Tür mit einem leisen Klicken auf.

Ich schluckte. „June?“, fragte ich leise, während ich mich langsam in den Raum schob. „June, bist du da?“

Mit zittriger Hand tastete ich nach dem Lichtschalter.

Obwohl ich fast damit gerechnet hatte, war ich nicht dafür bereit, meine Freundin am Boden liegen zu sehen. Sie lag direkt bei der Tür, ihre leeren Augen starr Richtung Decke gerichtet. In ihrer Brust klafften mehrere tiefe Wunden.

Wahrscheinlich hatte Mr. Willson an der Tür geklopft, bevor er zugeschlagen hatte. Sie wurde von ihm völlig überrascht …

Dann fiel mein Blick auf ihr Handy, das neben ihrer schlaffen Hand lag. Hätte ich das Display eingeschaltet, hätte mir ein verpasster Anruf entgegengeleuchtet. Einen Anruf, den ich getätigt hatte, als June schon tot war. Einen Anruf, den sie nicht einmal mehr gehört hatte.

Als ich schwere Schritte hinter mir hörte, erstarrte ich. Acht Tote. Hatte das das berühmte Medium nicht gesagt? All die anderen Voraussagen waren eingetroffen, warum also nicht auch diese letzte? Bisher waren es sieben Opfer und ich hatte keine Kraft mehr, wegzulaufen.

Doch stattdessen war da etwas anderes. Ein Funke, den ich zuvor nicht gespürt hatte. Eine Mischung aus Trauer und Wut.

Meine Hand schloss sich fester um den Baseballschläger, während ich den Schritten zuhörte, wie sie näher und näher kamen. Als sie schließlich fast bei mir waren, stieß ich einen lauten Schrei aus. Ich fuhr herum und donnerte den Schläger mit voller Wucht gegen den Kopf von Mr. Willson.

Er fiel mit demselben dumpfen Geräusch zu Boden, das der Baseballschläger gemacht hatte, als er seine Schläfe traf.

Jetzt stand ich über ihm. Er atmete schwer. Es war nicht fair, dass er überleben sollte, wenn meine Freunde tot waren. Der Funke in mir war inzwischen zu einem Feuer angeschwollen.

Ich stellte mich über Mr. Willson, der mich jetzt panisch ansah. Mit leerem Blick hob ich den Baseballschläger. Acht Tote. Hatte das das berühmte Medium nicht gesagt? All ihre Voraussagen waren eingetroffen. Warum also nicht auch diese letzte?

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Die Legende:

Die urbane Legende der Halloween Campus Murders (Englisch für „Halloween Campus Morde“), auch „Halloween Campus Killer“ oder „Halloween Campus Massacre“, ist ein Gerücht, das in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder in Amerika aufgekommen ist. Es löste bereits regelrechte Paniken an verschiedenen Universitäten in den USA aus.

Das Gerücht:

Auch wenn die Gerüchte sich in den verschiedenen Regionen und Jahren immer leicht unterschieden haben, war die Grundaussage fast immer gleich:

Ein berühmtes Medium soll in einer bekannten Fernsehshow vorausgesagt haben, dass es an Halloween an einer Uni, deren Standort häufig nur durch schwammige Details eingegrenzt wurde, einen Massenmord geben soll. Oft heißt es, dass die Morde in einem Studentenwohnheim stattfinden sollen.

Vor ihrem Tod 1997 wurde meist das berühmten Medium Jeane Dixon, der häufig nachgesagt wird, das Attentat an John F. Kennedy vorausgesagt zu haben, als Medium erwähnt, dass den Vorfall vorhergesagt habe. Seit ihrem Tod ist hingegen nur noch von einem „berühmten Medium“ die Rede.

Auch die Fernsehshow wird häufig beim Namen genannt und soll oft eine bekannte Talkshow wie beispielsweise die Oprah Winfrey Show sein.

Die schwammigen Informationen, die das Medium angeblich über die betroffene Universität nennt, sind z. B., dass sie in einer bestimmten Region stehe, dass sich ein Friedhof, ein Gefängnis, ein Fluss, Bahnschienen o. Ä. in der Nähe des Studentenwohnheims befänden, dass der Name der Universität mit einem M oder W beginnen solle oder, dass der Grundriss des Studentenwohnheims H- oder U-förmig sei.

Außerdem wird meist eine genaue Opferzahl genannt, die das Medium angeblich voraussehen würde. Beliebte Zahlen hierbei sind 8, 9, 10, 12 oder 20 Opfer.

Täter:

Der Täter wird mal mehr mal weniger spezifisch beschrieben. Eine beliebte Version ist ein als Little Bo Peep verkleideter Killer. Es gibt aber auch Versionen in denen der Täter in Alltagskleidung auftreten oder ein anderes Kostüm tragen soll.

Darüber, wer genau der Täter sein soll, gibt es ebenfalls verschiedene Gerüchte. So soll es sich mal um einen Studenten handeln, oder aber um einen Professor, einen Angestellten oder einen Entflohenen einer Nervenheilanstalt oder eines Gefängnisses.

Sofern eine Tatwaffe erwähnt wird, handelt es sich fast immer um eine Axt oder ein Messer.

Typischer Ablauf:

Wenn sich das Gerücht erst einmal verbreitet hat, haben sich bisher immer einige Unis gefunden, auf die die schwammige Ortsbeschreibung gepasst hat.

An diesen Unis hat sich dann über Tage und Wochen hinweg das Gerücht dank Mund zu Mund Propaganda gefestigt:

Mal habe ein Student oder der Freund eines Studenten die Show gesehen oder es wird verbreitet, dass – wenn jemand genauer nachforscht und herausfindet, dass es besagte Folge der Talkshow nie gegeben hat – die Folge für die Talkshow zwar aufgenommen, aber nie ausgestrahlt wurde, um eine Panik zu vermeiden.

Die Studenten verschärfen das Gerücht also selbst, bis die Leute tatsächlich anfangen, daran zu glauben.

Es ging bereits häufig so weit, dass (Ent-)Warnungen an die Eltern und Studenten geschickt wurden, viele Studenten über Halloween nach Hause gefahren sind oder sich zu Halloween im Wohnheim verbarrikadiert haben.

Tatsächliche Halloween Campus Murders, die das Gerücht bestätigt hätten, hat es in all den Jahren jedoch noch nicht gegeben.

Ursprung:

Die ersten bekannten Gerüchte der Halloween Campus Murders kommen aus dem Jahre 1968, wo sie sich im Mittleren Westen der USA verbreitet haben. Wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat oder aus welchem Grund, ist jedoch nicht bekannt.

Trotzdem gab es in späteren Jahren immer wieder ähnliche Gerüchte über Halloween Campus Murders, die sich wie ein Lauffeuer im Land verbreitet haben.

Und selbst heute noch kommt das Gerücht immer mal wieder auf. Trotz Internet und der Möglichkeit, schnell herauszufinden, dass es bereits in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr als eine urbane Legende war, kommt es in der Zeit um Halloween regelmäßig zu Paniken wegen eines angeblichen Killers in amerikanischen Universitäten.


Was haltet ihr von den Halloween Campus Murders? Mögt ihr diese Art von Halloweengerüchten oder lehnt ihr sie ab? Wie würdet ihr reagieren, wenn eure Uni wegen so etwas plötzlich in Panik verfallen würde? Schreibt es in die Kommentare!

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5 Kommentare

    • Jeremie Michels sagt:

      „Murders“ bedeutet Morde, nicht Mörder. Aber er hat sich ja bloß selbst verteidigt und seine Freunde gerächt. Er wird jetzt also nicht anfangen, Leute zu ermorden, wenn du das meinst. ^^

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