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Chupacabra
Chupacabra (2019)

El Chupacabra

Heute widme ich mich mal wieder einer amerikanischen Legende: der Legende des Chupacabra.

Die Geschichte:

Ich kam gerade aus dem Hühnerstall, als ich bemerkte, dass meine Kühe alle dicht beieinanderstanden. Es sah so aus, als wäre ihnen kalt oder als hätten sie Angst vor irgendetwas. Ich wusste, dass es nicht an der Temperatur liegen kann und entschloss, nachzusehen.

Mit zusammengekniffenen Augen spähte ich über die Wiese, entdeckte aber nichts Verdächtiges. Vorsichtig ging ich näher.

Ein schrilles Kreischen ertönte und ich sah, wie drei Kinder wegrannten, die sich scheinbar hinter dem Kuhstall versteckt hatten.

Für einen Moment zucke ich erschrocken zusammen, dann ballte ich die Faust und fuchtelte mit ihr in der Luft. „Verdammte Gören!“, schrie ich. Ich wusste genau, wer sie waren: die Sánchez Söhne und das Ferrer Mädchen.

Mein Gesicht fühlte sich heiß an und ich spürte, wie eine Ader an meiner Schläfe pochte. Hatte ich ihnen nicht häufig genug gesagt, dass sie mich und meine Tiere mit ihrem dämlichen Unfug in Ruhe lassen sollten? Mal sehen, ob sie immer noch so viel Spaß daran hatten, wenn ich ihren Eltern davon erzählte!

Dann sah ich besorgt zu meinen Kühen. Was hatten sie nur getan, um ihnen eine solche Angst einzujagen?

Als ich auf sie zuging, um nachzusehen, ob alles in Ordnung war, wurden sie noch unruhiger. „Hoo, ruhig Mädels, ruhig“, versuchte ich, sie zu beschwichtigen. Es half nicht viel und ich entschloss, sie heute etwas früher rein zu bringen.

Nachdem ich es endlich geschafft hatte, sie in den Stall zu treiben, und mich überzeugt hatte, dass ihnen nichts fehlte oder man ihnen nichts angetan hatte, begann ich, die Wiese nach irgendetwas Verdächtigem abzusuchen.

Als es langsam dunkel wurde und ich immer noch nichts gefunden hatte, gab ich auf. Was auch immer die Kinder getan hatten, sie hatten keine Spuren hinterlassen.

Unzufrieden knirschte ich mit den Zähnen. So hatte ich nichts gegen sie in der Hand und die Sánchez hielten mich eh schon für einen verrückten einsamen Farmer, der nichts Besseres zu tun hatte, als sich über ihre Kinder zu beschweren.

Ich ging in die Küche und machte mir etwas zu essen. Lustlos kaute ich auf einer Scheibe Brot herum und dachte darüber nach, wie ich diese blöden Gören endlich loswerden konnte.

Früher hatte es häufig gewirkt, wenn ich ihnen angedroht hatte, ihren Eltern davon zu erzählen. Aber als ich meine Drohungen in die Tat umsetzen wollte, ließen mich die Eltern gar nicht richtig zu Wort kommen. Sie sagten mir, ich solle entweder mit Beweisen zurückkommen oder sie würden die Polizei rufen, wenn ich ihre Kinder nicht in Ruhe lasse. Dabei war doch eher ich derjenige, der die Polizei rufen sollte!

Als ich mich immer weiter in das Thema hineinsteigerte und merkte, dass mein Puls wieder gefährlich hoch wurde, stand ich auf und knallte meinen leeren Teller in das Waschbecken.

Ich holte mir ein Glas Wasser und wollte es gerade an meine Lippen ansetzen, als ich von draußen etwas hörte. Schnell rannte ich zum Fenster und sah hinaus.

„Das gibt es doch nicht!“, schrie ich wütend. Im schwachen Licht der Dämmerung konnte ich sehen, wie meine Kühe draußen herumliefen! Ich wusste hundertprozentig, dass ich den Stall geschlossen hatte. Es war zwar nur ein einfacher Riegel vor der Tür, aber ohne etwas Hilfe war sie noch nie aufgegangen!

Voller Wut rannte ich in den Flur und griff nach meinem Gewehr. Wenn die Gören nicht hören wollten, mussten sie halt fühlen!

Ich würde den Kindern nichts antun, dann hätte ich wirklich die Polizei am Hals, aber es sprach nichts dagegen, ihnen einen solchen Schrecken einzujagen, dass sie sich nie wieder her trauen würden!

Begleitet von dem Quietschen meiner Gummistiefel stapfte ich nach draußen. Schnellen Schrittes eilte ich auf den Stall zu. Diesmal würden sie mir nicht entkommen, dann hatte ich meine Beweise!

Als ich mich dem Stall näherte, verlangsamte ich meinen Gang. Ich würde dafür sorgen, dass sie mich nicht kommen hörten, bis ich in der Stalltür stand und ihnen somit den Weg abschnitt.

Aus dem Stall hörte ich Geräusche. Ich konnte sie nicht zuordnen und wusste nicht genau, was die Kinder darin taten, aber das war mit Sicherheit keine meiner Kühe!

Neben der Stalltür angekommen, hörte ich das Geräusch jetzt deutlicher. Es klang wie eine Art Schlürfen. Was machten die Bengel da nur?

Mit einem Satz sprang ich vor die Tür. Eigentlich hatte ich mit einem Kreischen oder zumindest einem Aufschrei gerechnet, aber stattdessen blieb alles still. Nur das Schlüfen ertönte weiter – ruhig und in einem unregelmäßigen Abstand.

Ich lud lautstark mein Gewehr. Das mussten die Kinder gehört haben!

Trotzdem passierte nichts. Dafür gewöhnten meine Augen sich langsam an die Dunkelheit und ich konnte jetzt etwas erkennen.

Dort lag eine meiner Kühe! Und direkt darüber hockte jemand. Das ging zu weit! Wenn sie auch nur einem meiner Tiere etwas angetan hatten …!

Vorsichtig tastete ich nach dem Lichtschalter, der sich direkt neben der Tür befand. Ich zielte mit dem Gewehr genau in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Dann schaltete ich das Licht ein.

Ich hatte weder mit dem unmenschlichen Schrei, noch mit der Kreatur gerechnet, die ich jetzt erblickte. Das Wesen war dünn und hatte kein Fell. Es sah beinahe aus, wie ein nackter, abgemagerter Mensch mit einem tierartigen Kopf und einer seltsamen Hautfarbe.

Ich hatte keine Zeit mehr, zu reagieren, als dieses Ding auf mich zusprang. Es warf sich mit voller Kraft gegen mich und ich hörte, wie sich ein Schuss löste, bevor ich auf dem kalten feuchten Boden aufschlug.

Schützend riss ich meine Arme vor mein Gesicht, um den gröbsten Angriff abzuwehren – doch nichts passierte.

Im schwachen Licht sah ich nur, wie das Wesen wegrannte. Es bewegte sich unnatürlich, als würde es humpeln oder gar hüpfen.

Es dauerte nicht lange, bis ich mich von dem ersten Schock erholt hatte und ich griff wieder nach meinem Gewehr.

Sofort lud ich nach und zielte in die Dunkelheit. Wo war die Kreatur hin?

Es dauerte einen Moment, bis ich dieselbe humpelnde, hüpfende Bewegung wie eben sah, zielt und schoss.

Der Schuss hallte über die Wiese, und als er endlich verhallt war, herrschte Totenstille. Ich hörte nicht eines meiner Tiere und es war nicht einmal das Zirpen der Grillen zu hören.

Ich stand auf und rannte in die Richtung, in die ich geschossen hatte. Als ich nichts finden konnte, holte ich meine Taschenlampe, doch ich fand nicht einmal eine Blutspur! Ich fluchte.

Dann rannte ich in den Stall zurück, um nach der verletzen Kuh zu sehen. Sie atmete nicht mehr und wies drei kleine blutige Punkte auf, die in ihrem Nacken saßen. Einen solchen Bissabdruck hatte ich noch nie gesehen.

Weil ich nicht wusste, wen ich anrufen sollte, wählte ich den Notruf und schilderte dem Mann am anderen Ende der Leitung genau, was geschehen war. Er schien mir nicht zu glauben, versprach dann aber, jemanden vorbeizuschicken.

Ich hatte mit maximal zwei Beamten gerechnet und staunte nicht schlecht, als ein ganzes Team inklusive Spurensicherung bei mir auftauchte.

Zwei Polizisten nahmen meine Aussage auf, während die Spurensicherung meinen Stall und die Wiese untersuchte.

Sie arbeiteten schnell und effizient und nutzten allerlei Geräte, die ich noch nie gesehen hatte. Es dauerte nicht einmal eine ganze Stunde, bis sie durch waren.

Zum Schluss kam ein Mann der Spurensicherung zu mir.

„Wir haben alles untersucht und können sie beruhigen. Es scheint nur ein Kojote gewesen zu sein.“ Skeptisch zog ich eine Augenbraue hoch. „Ein Kojote? Aber das Tier hatte nicht einmal Fell!“ „Es ist gut möglich, dass das Tier krank war. Das würde auch erklären, warum es keine Tiere gejagt hat. Es ist sicherlich an Ihrem Stall vorbeigekommen und als es gesehen hat, dass die Tür offen stand …“ „Die Tür stand nicht offen!“, protestierte ich, doch der Mann ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

„Wir nehmen das tote Tier mit“, sagte er gelassen, „Und falls wir irgendetwas seltsames finden sollten, was auf etwas anderes als einen Kojoten hinweist, melden wir uns bei Ihnen.“

Anschließend ließ mich der Mann einfach stehen und es dauerte nicht mehr lange, bis ich wieder alleine auf meinem Hof war.

Ich hörte nie wieder etwas von ihnen. Inzwischen bin ich mir sicher, dass es sich um irgendeine Verschwörung handeln musste.

Ich wusste, wie Kojoten aussahen und selbst ohne Fell hätte er anders ausgesehen. Und nicht nur das, die seltsamen Bissspuren passten zu keinem einzigen Tier, das ich kannte. Kojoten hätten zumindest das Fleisch der Kuh angerührt!

Nein, das war kein Kojote. Ich wusste genau, was es war. Das war eindeutig el Chupacabra!

Die Legende:

El Chupacabra ist eine Kreatur aus Lateinamerika. Der Name setzt sich aus dem Spanischen für „saugen“ (chupar) und „Ziege“ (la cabra) zusammen und bedeutet zu Deutsch „Ziegensauger“.

Das fasst auch gut das zusammen, wofür der Chupacabra bekannt ist. Laut der urbanen Legende – sofern es denn eine Legende ist –, wurden nämlich vermehrt Farmtiere, also auch Ziegen, gefunden, die getötet und blutleer gesaugt worden waren.

Menschliche Opfer sind nicht bekannt. Zwar behaupteten einige Leute, von einem Chupacabra angegriffen worden zu sein, jedoch wurde scheinbar nie ein Mensch von ihnen getötet.

Viele Tiere wiesen angeblich drei einstichähnliche Wunden im Hals auf, die ein auf dem Kopf stehendes Dreieck bildeten.

Die erste Sichtung eines Chupacabra war 1995 in Puerto Rico. Damals wurde die Kreatur noch als schuppiges Wesen auf zwei Beinen mit an der Wirbelsäule entlanglaufenden Stacheln bezeichnet.

Skeptiker gehen jedoch davon aus, dass es sich bei der Sichtung um eine Verwechselung handele, da 1995 der Sci-Fi-Horrorfilm „Species“ in Puerto Rico lief und die Aliens aus dem Film eins zu eins auf die Beschreibung passen. Laut diesen Leuten sei es denkbar, dass die Person Elemente des Films mit der Realität verwechselt habe.

Ende der 1990er änderte sich das Bild des Chupacabra jedoch. Dort wurde – vielleicht nur durch falsche Übersetzungen und Missverständnisse – der Chupacabra als fellloses oder schuppiges, hundeartiges Wesen beschrieben.

Viele Leute behaupten daher, dass der Chupacabra keine mysteriöse Kreatur sei, sondern es sich um eine felllose Hundeart oder gar wegen einer Krankheit felllose Hunde oder Kojoten handele.

Einzig die Beschreibung, dass Chupacabras Vieh töten und aussaugen sollen, ist bei jeder Beschreibung gleich und würde der Theorie des Hundes oder Kojoten widerlegen, da diese ihre Opfer nicht aussaugen.

Andererseits wurde scheinbar nie eine verlässliche pathologische Methode angewandt, um festzustellen, ob die Tiere wirklich blutleer waren, oder ob es nur so aussah.

Viel interessanter ist jedoch die ähnliche Tötungsart des „El Vampiro de Moca“ – ein Wesen, das in den 1970ern sein Unwesen in Puerto Rico getrieben haben soll. Seine Opfer sollen ebenfalls Farmtiere gewesen sein. Die damaligen Sichtungen gingen von einer vogelartigen Kreatur über leuchtende UFOs bis hin zu hundeartigen Kreaturen.

Die Autopsieberichte der Tiere zeigten, dass sie ebenfalls kein Blut mehr im Körper hatten.


Also, was denkt ihr von el Chupacabra? Handelt es sich wirklich nur um eine Hundeart oder kranke Kojoten? Denkt ihr, dass el Vampiro de Moca und el Chupacabra das gleiche Tier oder Wesen waren? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare!

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2 Kommentare

  1. Monika says:

    Uff… Geschichten über den Chupacabra finde ich immer anstrengend zu lesen. Bitte nicht falsch verstehen. Ich fand die Geschichte ist, wie eigentlich alle bis jetzt, sehr gut geschrieben. Das Thema ist nur nicht so meins.^^°

    Zu den Fragen:
    ~Also, was denkt ihr von el Chupacabra? Handelt es sich wirklich nur um eine Hundeart oder kranke Kojoten?
    Was ich von solchen Legenden halte, hab ich eh schon beim Mothman geschrieben, kann aber, da es da ja noch die blutleeren Tiere gibt, nicht wirklich daran glauben, dass es nur ein Hund oder Kojote war.
    Außerdem mag ich den ich den Klang des Wortes. 😀

    ~Denkt ihr, dass el Vampiro de Moca und el Chupacabra das gleiche Tier oder Wesen waren?
    Da ich vom el Vampiro de Moca bis jetzt noch nichts gehört habe, kann ich dazu nicht wirklich was sagen.

    Liebe Grüße
    Monika

    • Jeremie Michels says:

      Der Chupacabra. Mal wieder ein Kryptid, den du nicht magst. Ich erkenne langsam ein System! ^^

      Was ich von solchen Legenden halte, hab ich eh schon beim Mothman geschrieben, kann aber, da es da ja noch die blutleeren Tiere gibt, nicht wirklich daran glauben, dass es nur ein Hund oder Kojote war.
      Die Autopsieberichte, die besagten, dass die Tiere blutleer waren, sind noch aus der Zeit des „Vampiro de Moca“. Bei den Opfern des Chupacabra gibt es also keinen Beweis dafür, dass die Tiere tatsächlich blutleer waren. Es kommt hier vielmehr darauf an, ob man an den Chupacabra glauben will. ^^

      Gruß
      Jeremie

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