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Baku
Baku (2019)

Baku – Komm und friss meine Träume!

Heute widme ich mich dem albtraumfressenden Baku. Vielleicht kann er euch ja behilflich sein, wenn ihr wegen einer Gruselgeschichte nicht schlafen könnt. Doch seid vorsichtig, sonst bleibt ihr leer und ohne Hoffnungen zurück!

Die Geschichte:

Ich befand mich in einer engen Gasse. Die Wände waren so nah, dass ich kaum Luft zu bekommen schien. Ich rannte, während hinter mir ein lautes Bellen zu hören war. Ein flüchtiger Blick verriet mir, dass das Gebell von einer entsetzlichen Kreatur kam: Sie hatte den Kopf meines Chefs und den Körper eines wild gewordenen Hundes.

Ich musste seitwärts rennen und spürte, wie mein Brustkorb immer mehr und mehr gegen die Wände scheuerte, bis ich schließlich stecken blieb. Entsetzt drehte ich mich ein letztes Mal zu der Kreatur um und sah ein riesiges Maul auf mich zukommen.

Kerzengerade saß ich im Bett. Schweiß rann meinen Körper herunter und ich war völlig durchnässt. Wieder dieser Albtraum. Ich hatte ihn, seit ich vor wenigen Wochen den Entschluss gefasst hatte, mein eigenes Start-up Unternehmen zu gründen, und jetzt kam er wieder und wieder.

Es war wohl meine Angst vorm Scheitern, die den Traum hervorrief. Trotzdem war ich mir der Sache sicher. Ich hatte viele gute Ideen, und Ende des Monats würde ich endlich genug Geld haben, sie in die Tat umzusetzen. Ich werde mein Start-up Unternehmen gründen und ich werde Erfolg haben!

Doch dies ist keine schöne Geschichte. Es ist eine Geschichte von Verlust und Wahnsinn. Denn mein größter Albtraum begann, als ich meine Albträume loswurde.

Ich erinnerte mich daran, was ich als Kind gegen schlechte Träume unternahm: Es gibt in Asien eine Legende. Sie handelt von Wesen namens Baku. Die Baku sind Mischwesen, die sich von Albträumen ernähren. Wenn man einmal schlecht schlief, musste man nur dreimal ‚Baku, komm und friss meine Träume‘ sagen und die Albträume verschwanden – so zumindest die Legende.

Inzwischen war ich verzweifelt genug, es auszuprobieren. Ich legte mich wieder hin und sagte laut: „Baku, komm und friss meine Träume! Baku, komm und friss meine Träume! Baku, komm und friss meine Träume!“

Zu meiner Überraschung wachte ich erst am nächsten Morgen wieder auf. Ich hatte schon lange nicht mehr so gut geschlafen. Aber konnte es wirklich an irgendeinem mysteriösen und legendären Wesen liegen? Ich schob es auf den Placebo Effekt und machte mich auf den Weg zur Arbeit.

Unter der Woche liefen meine Tage immer gleich ab. Schlafen, essen, arbeiten, essen, schlafen, essen, arbeiten, essen schlafen, … und so weiter. Diese Woche war es nicht anders und so aß ich nach der Arbeit, legte mich ins Bett und wiederholte wieder mein kleines Baku Ritual.

Morgen für morgen war ich erstaunter. Ich hatte inzwischen keine Albträume mehr und der Tag meiner Kündigung rückte näher und näher.

Eines Abends kam meine Mutter zu besuch – sie half mir manchmal mit der Wäsche – und wir kamen auf den Baku zu sprechen.

„Bist du verrückt?“, fragte sie mit ihrem strengen, asiatischen Akzent. „Baku sind kein Werkzeug, das man nutzen kann, wann immer man will. Sie kommen zu dir, um Albträume zu fressen, ja. Aber wenn sie nicht satt werden, machen sie bei den Albträumen nicht halt. Sie werden auch deine Wünsche und Hoffnungen fressen!“, wies sie mich zurecht. „Ach Mama, selbst, wenn es den Baku wirklich gibt, brauchst du keine Angst zu haben. Ich habe den Albtraum in letzter Zeit so häufig, dass der Baku gar nicht zu wenig von ihm haben kann.“ „Immer den gleichen Traum?“ „Immer den gleichen Traum“, wollte ich sie beschwichtigen. Doch sie ließ sich nicht beruhigen: „Und wenn du jeden Tag die gleiche Mahlzeit essen würdest, wäre dir das egal? Noch mag sich der Baku damit zufriedengeben, aber das wird er sicher nicht mehr lange!“

Ich rollte mit den Augen. Davon abgesehen, dass ich nicht einmal wirklich an den Baku glaube – obwohl ich gestehen muss, dass es ein fast zu gut funktionierender Placebo war –, würde es ja nur noch drei Nächte dauern, bis ich die Kündigung endlich hinter mir hatte.

Aber Mama ließ nicht locker. Sie fuhr in die Stadt und kam wenig später mit einer hölzernen Baku Figur zurück. „Hier!“, sagte sie, „Die Leute nehmen seit Jahrhunderten Baku Statuen und Bilder, um böse Träume fernzuhalten. Und das ist sicherer, als sich selbst in Gefahr zu bringen!“

Ich musste ihr versprechen, den Baku nicht mehr zu rufen, bevor sie mich damit endlich in Ruhe ließ. Anschließend ging sie nach Hause.

Als ich im Bett saß, musterte ich die kleine Holzfigur. An sich sah der Baku ziemlich beängstigend aus, mit seinen Stoßzähnen und seinen scharfen Krallen. Er hatte den Kopf eines Elefanten, eine Löwenmähne und tigerähnliche Pfoten.

Ich stellte die Statue auf meinen Nachttisch und legte mich hin – diesmal, ohne den Spruch aufzusagen.

Der Albtraum kam zurück. Wieder rannte ich im Traum vor dem Hunde-Chef-Mischwesen weg und wieder wachte ich schweißgebadet auf.

Am nächsten Morgen war ich müde und unausgeruht. Ich funkelte die Statue wütend an und war kurz davor, sie in den Müll zu schmeißen, entschied mich dann jedoch dagegen und ging zur Arbeit.

In der Mittagspause bekam ich eine Idee. Ich druckte über zwanzig verschiedene Bilder des Baku aus und verteilte sie am Abend um mein Bett herum. Wenn ich den Baku schon nicht rufen konnte, wollte ich wenigstens alles daran setzen, die letzten zwei Nächte durchschlafen zu können!

In der Nacht wurde ich aber wieder von dem Albtraum geweckt. Ich war am Verzweifeln und war kurz davor, mein Versprechen an Mama zu brechen, hielt mich jedoch davon ab, da es immerhin nur noch zwei Nächte waren.

Am nächsten Tag konnte ich mich auf der Arbeit kaum konzentrieren. Nicht nur, dass ich übermüdet war, sondern meine Angst vor der bevorstehenden Kündigung und der Reaktion meines Chefs war inzwischen so groß, dass ich nicht mehr richtig Luft bekam.

Wieder und wieder musste ich an das morgige Gespräch und mein geplantes Start-up denken. Ich überlegte, was das Schlimmste war, was passieren konnte. Mit Pech würde mich mein Chef anschreien. Vielleicht würde er sogar seinen Einfluss nutzen, um mein Start-up im Keim zu ersticken. Aber das würde er nicht tun – oder?

Mir wurde mulmig bei dem Gedanken und ich ging nach der Arbeit mit Magenkrämpfen und Übelkeit nach Hause.

Abends wälzte ich mich im Bett. Wenn ich bereits jetzt Probleme hatte, einzuschlafen, wie sollte ich dann die Nacht überstehen? Wäre es nicht besser, solch ein Gespräch ausgeschlafen zu führen?

Mein Blick wanderte zu der Baku Statue. Es wäre ja auch nur eine einzige Nacht. Was soll da schon passieren?

Ich schluckte meine Gewissensbisse herunter und sagte drei letzte Male den Satz: „Baku, komm und friss meine Träume!“

Als ich am nächsten Tag aufwachte, hatte ich keine Angst mehr, kein mulmiges Gefühl im Magen.

Aber ich fühlte auch keinen Mut, keine Vorfreude oder Sehnsucht. Nicht einmal das Kribbeln in meinem Bauch, wenn ich an das Start-up dachte. Ich hatte endlich genug Geld, warum fühlte ich denn nichts?

Dann musste ich an die Warnung meiner Mutter denken. War es das Gefühl der Leere, das sich in mir ausbreitete? Hatte der Baku meine Wünsche und Träume gefressen?

Ich blieb einfach im Bett liegen und ging nicht einmal zur Arbeit. Ein paar Mal am Tag klingelte das Telefon, doch das war mir egal. Irgendwann gegen Mittag klingelte es an der Tür. Ich blieb liegen. Und als schließlich Mama in der Tür zu meinem Zimmer stand und mit Entsetzen mich und dann die vielen Bilder des Baku anstarrte, die auf dem Boden lagen, war es mir auch egal.

Um genau zu sein, war mir alles egal. Ich würde für immer ein unglücklicher Mensch, der zum Mindestlohn arbeitet und nicht einmal eine gute Rente bekommen wird, bleiben – und selbst das war mir egal!

Die Legende:

Der Baku ist eine albtraumfressende Kreatur aus der japanischen und chinesischen Mythologie. Generell gelten sie als heilige und gute Wesen.

Obwohl er kein Dämon oder Geist ist, zählen ihn viele Leute zu den Yōkai.

Eigenschaften:

Baku wachen über Menschen und sollen als Schutzgeist dienen. Sie ernähren sich von Albträumen und befreien so Leute von ihnen. Zudem sollen sie vor bösen Geistern und Dämonen schützen, da diese Baku fürchten.

Häufig werden kleine Figuren oder Bilder von Baku als Talisman in der Nähe von Betten platziert, um böse Träume und Dämonen fernzuhalten. Es gibt sogar Bettgestelle, in die Abbildungen von Baku dekorativ eingearbeitet wurden.

Man kann Baku auch gezielt herbeirufen, indem man nachts – wenn man z.B. durch einen Albtraum geweckt wurde oder wachgehalten wird – „Baku, komm und friss meine Träume!“ dreimal laut ausspricht. Man sollte das aber nicht achtlos tun, denn einige Leute behaupten, dass der Baku, sollte er von den Albträumen nicht satt werden, sich deinen Träumen und Wünschen zuwendet und dich ohne Hoffnung oder Träume zurücklässt.

Aussehen:

Baku sind äußerst seltsame Chimären, also Mischwesen. Sie besitzen den Kopf eines Elefanten (in einigen Darstellungen auch nur den Rüssel), die Augen eines Rhinozeros, den Körper eines Bären, den Schwanz eines Ochsen und die Beine eines Tigers.

Das Aussehen erinnert stark an einen Tapir. Angeblich war man in Japan sogar überzeugt, dass es sich bei Tapiren um Baku handele, als diese zuerst entdeckt wurden, weswegen der Tapir im Japanischen nach dem mythologischen Wesen benannt wurde.

Lebensraum:

Es ist nicht bekannt, ob die Baku einen speziellen Lebensraum bevorzugen. Trotzdem behaupten manche Leute, dass sie tief in Wäldern zu finden seien.

Ursprung:

Der Legende nach wurde der Baku von den Göttern aus den Teilen, die nach der Erschaffung der Tiere übrig geblieben waren, zusammengesetzt. Aus diesem Grund gilt der Baku als heiliges Wesen.


Was haltet ihr von dem Baku? Würdet ihr ihn Rufen, wenn ihr Albträume habt, oder ist euch das Risiko zu groß? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare!

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2 Kommentare

  1. Monika says:

    Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Wahrscheinlich, weil es mal um ein Wesen ging, dass im Grunde nicht Böse ist. 😀

    Außerdem hätte ich gerne deine Zeichnung vom Baku in Originalgröße daheim an der Wand hängen.^^

    Zu den Fragen:
    ~Was haltet ihr von dem Baku? Würdet ihr ihn Rufen, wenn ihr Albträume habt, oder ist euch das Risiko zu groß?
    Der Baku ist seit langem mal ein Wesen, das ich toll finde.^^ Ich würde es zwar niemals tatsächlich rufen – ich würde eher ein Bild oder eine Statue kaufen – aber finde den Grundgedanken dahinter sehr schön.
    Als ich deine Zeichnung zum Baku sah und die Geschichte las, dachte ich übrigens, dass er zu den indonesischen Geistern gehört.^^°

    Liebe Grüße
    Monika

    • Jeremie Michels says:

      Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Wahrscheinlich, weil es mal um ein Wesen ging, dass im Grunde nicht Böse ist. 😀
      Die Geschichte war auf jeden Fall mal etwas anderes. Es freut mich, dass sie dir gefallen hat. ^^

      Außerdem hätte ich gerne deine Zeichnung vom Baku in Originalgröße daheim an der Wand hängen.^^
      Wenn das ernst gemeint sein sollte, lässt sich das sicherlich einrichten. Die Bilder zeichne ich tatsächlich immer direkt für den Blog, weswegen ich sie in Originalgröße hochlade. Ich kann aber gerne z.B. das Schwarz im Hintergrund entfernen und/oder gucken, ob ich die Zeichnung noch etwas aufhübschen kann. Falls du also wirklich Interesse daran hast, schreib mir gerne eine E-Mail oder eine Nachricht bei Facebook. ^^

      Der Baku ist seit langem mal ein Wesen, das ich toll finde.^^
      Oh ja, ich finde Baku auch toll! Bevor ich mit dem Blog angefangen hatte, habe ich sogar mal ein Comic über einen Baku angefangen, weil ich sie so gerne mag (sind leider nur drei Seiten geworden, mit denen ich noch nicht einmal wirklich zufrieden bin, aber dann ist eh mein Blog dazwischengekommen …).

      Ich würde es zwar niemals tatsächlich rufen – ich würde eher ein Bild oder eine Statue kaufen – aber finde den Grundgedanken dahinter sehr schön.
      Ich hätte auch gerne eine kleine Bakustatue. Aber an sich ist es auch nicht gefährlich, einen Baku zu rufen, sofern man es nicht übertreibt. Um ehrlich zu sein, habe ich es sogar schon einmal gemacht, als ich nachts von einem Albtraum wachgeworden war und mir ist auch nichts passiert. :‘D

      Als ich deine Zeichnung zum Baku sah und die Geschichte las, dachte ich übrigens, dass er zu den indonesischen Geistern gehört.^^°
      Oh, wieso das? Kennst du eine ähnliche indonesische Legende?

      Gruß
      Jeremie

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