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SNallygaster
Snallygaster (2019)

Snallygaster

Die Legende des Snallygaster ist zwar keine ursprünglich deutsche Legende, wurde aber von deutschen Einwanderern in Amerika erstmals erwähnt.

Die Geschichte:

Als ich mir das Gewehr geholt hatte, war es eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen. Ich hatte gehört, dass Farmer etwas eigen seien, und wollte meine Familie doch nur verteidigen können, falls einige der Klischees stimmten.

Dass ich jedoch noch vor Ende der ersten Woche von der Waffe gebrauch machen müsste, hätte ich niemals erwartet!

Ich saß in der Küche und schnippelte Gemüse, als ich meine Tochter Hailey draußen schreien hörte. Hatte sie sich beim Spielen verletzt? Sofort sprang ich auf und blickte aus dem Fenster auf die Veranda. Was ich dort jedoch sah, kam so überraschend, dass es mir den Atem verschlug.

Er war real …! Der Snallygaster war real – und er hatte Hailey!

Aber lasst mich am Anfang beginnen: Ich war zusammen mit meiner Frau und unserer Tochter Hailey vor einigen Tagen nach Maryland gezogen. Raus aus der großen Stadt. Weg von all dem Lärm und dem Stress.

Aufs Land zu ziehen, war die Idee meiner Frau gewesen. Sie war auf einem Bauernhof großgeworden und ich hatte nichts dagegen. Zudem konnte ich mich hier mit meinem Motorrad mal so richtig austoben.

Das war auch das Erste, was ich tat, nachdem wir unser kleines Farmhaus einigermaßen eingerichtet hatten. Ich schwang mich auf mein Motorrad und machte eine Spritztour, um die Nachbarschaft zu erkunden.

Nach wenigen Minuten kam ich bei meinem Nachbarn vorbei – einem Bauern mit riesigem Grundstück, den ich bis jetzt noch nicht kennengelernt hatte.

Ich fuhr recht langsam, während ich sein Haus betrachtete. Es war von außen mit roter Farbe bestrichen, die an einigen Stellen bereits abblätterte. An sich sah es unserem Haus – bevor ich mit dem Renovieren begonnen hatte – gar nicht unähnlich.

Aber das war nicht das, was meinen Blick auf sich lenkte, sondern der seltsame siebenzackige Stern, der mit Farbe auf die Hauswand geschmiert war. Ich erinnerte mich noch gut, wie ich einen fast identischen Stern noch vor wenigen Wochen an unserem eigenen Haus überstrichen hatte.

Damals dachte ich noch, dass irgendwer das Haus beschmiert hätte, weil es leer stand. Aber in diesem Haus wohnte jemand.

Mit einem leichten Kopfschütteln fuhr ich weiter. Also gab es auch hier Halbstarke, die ihre bescheuerten Scherze und kriminellen Streiche nicht lassen konnten!

Als ich mich einer Scheune näherte, die links neben der Straße stand und ebenfalls ein solches Symbol aufwies, hielt ich an und nahm meinen Helm ab.

Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Rannte hier etwa jemand von Haus zu Haus, um sie zu beschmierten?

„Sieht nicht schön aus, oder?“, hörte ich eine Stimme hinter mir. Ich fuhr herum. Es war ein älterer Mann, der sich auf einen Stock stützte.

„Oh, Verzeihung, ich habe Sie gar nicht gesehen. Hat man die Person denn geschnappt, die die Wände vollgeschmiert hat?“

Der Mann machte große Augen. „Sind Sie neu hier? Die Symbole malen wir Bauern selbst an unsere Häuser!“

Ich traute meinen Ohren kaum. Wer würde sein Haus den freiwillig so verunstalten wollen?

Der Bauer musste meinen entsetzen Blick bemerkt haben und lachte. „Ach keine Sorge, wir haben nicht alle unseren Verstand verloren. Wir finden das Symbol selbst nicht schön, aber es erfüllt seinen Zweck: Es hält den Snallygaster fern!“

Den Snallygaster? Das konnte nicht sein Ernst sein. Der Snallygaster war irgendeine drachenähnliche Kreatur, die jedoch ‚zufällig‘ noch nie auf einem guten Kamerabild aufgenommen wurde und für die es genauso viele reale Beweise, wie für den Yeti oder Bigfoot gab – nämlich gar keine!

Vielleicht war an den Klischees ja etwas dran und die Bauern waren wirklich nicht ganz dicht – so dachte ich zumindest. Hätte ich auch nur vermutet, dass der Snallygaster nur ein paar Tage später meine Tochter am helllichten Tage angreifen würde, hätte ich den Bauern nicht nur traurig belächelt, hätte mich nicht sofort von ihm verabschiedet und wäre nicht einfach fortgefahren.

Doch jetzt, wo ich den Snallygaster wahrhaftig vor mit hatte, nur mit einer dünnen Scheibe zwischen mir und meiner Tochter …!

Ich sah noch, wie er meine Kleine mit mehreren tentakelartigen Zungen schwungvoll in seine Krallen beförderte und rannte ohne zu zögern in den Flur.

Mein Gewehr stand direkt neben dem Türrahmen. Ich griff danach, riss die Haustür auf, legte es an und versuchte zu zielen. An sich wäre es kein Problem für mich gewesen, das Ding zu treffen. Zum einen konnte man es deutlich erkennen, zum anderen war ich ein guter Schütze, aber ich wollte nicht riskieren, Hailey zu verletzen.

Erst, als es mir den Rücken zukehrte und schnell in Richtung Wald flog, wagte ich, zu schießen. Der Knall hallte über den Hof – dicht gefolgt von einem Aufschrei, bei dem ich fast das Gewehr losgelassen hatte, um meine Ohren zu schützen. Er war so laut und intensiv. Tatsächlich erinnerte er ein wenig an eine Lokomotivenpfeife – wie es immer in den Erzählungen hieß. Er war aber irgendwie schriller und ich spürte ihn bis ins Mark!

Ich sah, dass Hailey sich bewegt hatte. Sie war dem Snallygaster aus den Klauen gerutscht und wurde jetzt nur noch an ihrer Jacke gehalten. Mit Händen und Füßen versuchte sie, sich zu wehren, aber er hatte sie noch immer fest im Griff!

Sofort warf ich mir das Gewehr über die Schulter, rannte zu meinem Motorrad und raste ohne Helm oder Schutzkleidung los. Ich durfte Hailey nicht verlieren!

Der Snallygaster war deutlich schneller als ich. Besonders auf dem unebenen, holprigen Boden hatte ich keine Chance, ihn einzuholen. Trotzdem musste ich es versuchen!

Während ich mich einem Waldstück näherte, ließ ich den Snallygaster nicht aus den Augen. Er war inzwischen soweit weg, dass ich nicht einmal mehr seine Schuppen von seinen Federn unterscheiden konnte. Er sah sogar etwas so aus, wie ein ganz normaler, wenn auch viel zu großer Vogel.

Die Kreatur war irgendwo über dem Wald, als ich sah, dass Hailey ihm aus den Klauen rutschte. Ich wusste nicht, ob er den Halt verloren oder ihre Jacke nachgegeben hatte, aber das war mir auch egal. Hailey fiel wie ein Stein in das Meer aus Baumkronen, wo ich sie aus den Augen verlor.

Der Snallygaster stieß einen erneuten Schrei aus, der selbst über die Entfernung meine Ohren zum Klingeln brachte, und begann, über der Stelle zu kreisen. Er warf den Kopf hin und her, als würde er nach Hailey suchen.

„Oh nein, noch einmal bekommst du sie nicht!“, fluchte ich, während ich endlich den Wald erreichte.

Ich musste drastisch meine Geschwindigkeit reduzieren, um zwischen den dicht stehenden Bäumen navigieren zu können. Dafür konnte ich mich auf den Snallygaster konzentrieren. Er kreiste noch immer über der Stelle, wo meine Tochter liegen musste!

Es dauerte nicht lange, bis ich sie erreichte.

„Hailey! Hailey!“, brüllte ich, während ich mich näherte. Sie lag am Boden. Wieso antwortete sie denn nicht?

Endlich war ich bei ihr. Meine Bewegung hatten jedoch auch den Snallygaster auf sie aufmerksam gemacht. Er stieß einen erneuten Schrei aus und setze zum Sturzflug an.

Ohne zu zögern, riss ich mir das Gewehr von der Schulter und schoss. Ich hatte nicht einmal Zeit, zu zielen, so schnell kam die Kreatur näher.

Ob ich ihn tatsächlich getroffen hatte oder er nur durch den lauten Knall abgeschreckt wurde, wusste ich nicht. Er überschlug sich, während er abdrehte, und flog mit schnellen Flügelschlägen davon, bis er außerhalb meines Sichtfelds war.

Dann wandte ich mir wieder Hailey zu. Sie hatte überall blutige Schrammen und bewegte sich nicht! Ich schloss sie in die Arme und drückte sie eng an mich. Nein, es durfte so nicht enden!

Dann zögerte ich. Hatte ich etwas gehört? Vorsichtig drückte ich mein Ohr an ihre Brust. Ein Pochen! Meine Tochter war noch am Leben!

Die Legende:

Der Snallygaster ist ein amerikanischer Kryptid, der erstmals in von deutschen Einwanderern besiedelten Gebieten unter dem Namen „Schneller Geist“ erwähnt wurde. Mit der Zeit wurde daraus „Snallygaster“.

Aussehen:

Die meisten Beschreibungen bezeichnen den Snallygaster als drachen- oder vogelähnlich.

Häufig wird auch gesagt, dass er ein Mischwesen zwischen Vögel und Reptil sei. Trotzdem ist sich die Allgemeinheit uneinig, wie genau der Snallygaster aussieht.

Seine Flügelspannweite ist unklar, viele reden aber von 20 bis 30 Fuß (ca. 6 bis 9 Meter).

Ihm werden manchmal zudem metallische Körperteile, wie z.B. ein metallener Schnabel oder metallene Klauen nachgesagt, die rasiermesserscharf sein sollen.

Eine ebenfalls nur manchmal erwähnte Eigenschaft sind Tentakeln, die der Snallygaster entweder am Körper haben soll oder die ihm aus dem Schnabel kommen können. Hierbei wird jedoch spekuliert, dass er bei den Sichtungen einen Tintenfisch in den Klauen, bzw. im Schnabel gehabt haben könnte.

Trotzdem hat diese Eigenschaft in vielen Erzählungen einen Platz gefunden. Manchmal heißt es z.B., dass der Snallygaster peitschenartig Tentakeln aus seinem Schnabel schnellen lässt, mit denen er seine Beute packt.

In Zeitungsartikeln von 1909 wurde die Kreatur durch mehrere angebliche Zeugenaussagen mit „enormen Flügeln, einem langen, spitzen Schnabel, Klauen wie Stahlhaken und einem einzelnen Auge auf der Stirn“ beschrieben. Die Glaubhaftigkeit dieser Zeitungsartikel lässt sich jedoch anzweifeln (siehe „Ursprung“).

Eigenschaften:

Der Snallygaster ist nicht nur wegen seiner enormen Größe und seines schreckenhaften Aussehens gefürchtet. Es heißt, dass er einen Geschmack für menschliches Blut entwickelt habe.

Es soll zudem vorkommen, dass er blitzschnell aus dem Himmel herabstößt und Kinder oder Farmtiere mit seinen Klauen oder Tentakeln packen und entführen soll.

Das Wesen sei sogar stark genug, einen ausgewachsenen Menschen mit Leichtigkeit davonzutragen.

Bei einer angeblichen Sichtung habe er einen Mann noch während des Fluges leergesaugt und ihn anschließend fallen gelassen.

Dass der Snallygaster Blut saugen soll, ist jedoch nicht immer beschrieben. Häufig entführt oder frisst er seine Opfer auch so.

Das wohl bekannteste und für einige wohl schrecklichste Merkmal des Snallygaster ist jedoch sein Schrei. Er soll ähnlich wie das Pfeifen einer Lokomotive klingen und mindestens genauso laut sein.

Dem Snallygaster werden jedoch noch andere Eigenschaften zugesprochen, z.B. dass er nach belieben seine Farbe oder Form verändern könne. Hierbei ist es jedoch wahrscheinlich, dass es sich lediglich um Übertreibungen oder sich ändernde Lichtverhältnisse handelt, da es nur sehr selten beschrieben wurde.

Eine angeblich effektive Methode, den Snallygaster fernzuhalten, sollen siebenzackige Sterne sein, den man häufig in der Region bei abergläubigen Menschen an Hauswänden oder Scheunen gemalt finden soll.

Lebensraum/Vorkommen:

Der Snallygaster wurde hauptsächlich in Maryland und Washington D.C., jedoch auch in einiger der umliegenden Staaten gesichtet.

Es ist häufig die Rede davon, dass Snallygaster in Höhlen leben, gibt aber auch Leute, die meinen, sie würden ihre Nester auf hohen Klippen bauen.

Ursprung:

Der Snallygaster wurde in den 1730er Jahren erstmals von deutschen Einwanderern unter dem Namen „Schneller Geist“ oder „Schnelle Geister“ erwähnt.

Mit der Zeit wurde daraus wegen der englischen Sprache „Snallygaster“.

Im 19. Jahrhundert wurden die alten Legenden erstmals wieder hervorgeholt. Es heißt, dass man dies getan habe, um befreite Sklaven zu verängstigen.

Eine regelrechte Snallygaster Welle gab es jedoch erst im 20. Jahrhundert. Einige Wochen nach den Jersey Devil Sichtungen in New Jersey und Umgebung, begannen zwei Zeitungen von Sichtungen des Snallygaster in New Jersey, West Virginia und Ohio zu berichten. Es hieß sogar, dass man in New Jersey Fußspuren der Kreatur gefunden habe. Wie sich später herausstellte, handelte es sich jedoch bei den Zeitungsartikeln um gefälschte Neuigkeiten, an denen nichts Wahres dran war. Die Zeitungen wollten damit lediglich ihre Bekanntheit erhöhen.

Trotzdem war die Bevölkerung in Aufruhr und es folgten bald angeblich echte Sichtungen. Es war sogar von gefunden Eiern die Rede, die je nach Beschreibung groß wie ein Fass oder so groß waren, dass in ihnen ein Pferd oder Elefant hätte ausgebrütet werden können.

Es heißt, dass der Aufruhr solche Ausmaße hatte, dass sogar Präsident Theodore Roosevelt in Erwägung gezogen haben soll, eine geplante Afrika Safari zu verschieben, um den Snallygaster persönlich zu jagen und zu erschießen.

Seitdem gibt es – auch noch heute – immer wieder Augenzeugen, die den Snallygaster angeblich gesehen haben wollen.


Ich muss gestehen, dass ich Legenden immer etwas schwierig finde, bei denen die Kreatur oder der Geist nur sehr kurz auftaucht und dann schon wieder weg ist zumindest, wenn es darum geht, dazu eine Geschichte zu schreiben.

Trotzdem hoffe ich, dass ich es einigermaßen spannend gestalten konnte.

Solltet ihr Tipps, Wünsche oder Kritik haben, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen!

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4 Kommentare

  1. Rabbat07 schreibt:

    Du schreibst so tolle Geschichten, ich Fette du du könntest über eine völlig normale Schnecke eine spannende Geschichte schreiben😆

    • Jeremie Michels schreibt:

      Es kommt auf die Umstände an. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es bereits einige interessante Geschichten über Schnecken gibt (und wenn es nur Kinderbücher sind)! ^^

  2. Monika schreibt:

    Da wären wir wieder.^^° Noch eine Legende die für mich, gemeinsam mit Big Foot, El Chupacabra, und Kohorten, in eine Akte gehören.
    Wie auch schon bei den vorherigen: Nichts gegen die Legende an sich. Ich kann damit halt nicht wirklich was anfangen.^^°

    Zu den Fragen:
    ~Ich muss gestehen, dass ich Legenden immer etwas schwierig finde, bei denen die Kreatur oder der Geist nur sehr kurz auftaucht und dann schon wieder weg ist – zumindest, wenn es darum geht, dazu eine Geschichte zu schreiben.
    Auch wenn ich selbst keine Geschichten schreiben, kann ich das gut nachvollziehen. Bin aber der festen Meinung, dass du das bis jetzt immer sehr gut gelöst hast.^^

    Liebe Grüße
    Monika

    • Jeremie Michels schreibt:

      Jaa, der Klassiker. Obwohl ich den Snallygaster selbst doch sehr interessant fand (was wahrscheinlich daran liegt, dass er der bisher einzige Kryptid ist, über den ich geschrieben habe, den ich vorher noch nicht kannte). Trotzdem gehört er meiner Meinung nach schon eher zu den unglaubwürdigeren Kryptiden. :‘D

      Auch wenn ich selbst keine Geschichten schreiben, kann ich das gut nachvollziehen. Bin aber der festen Meinung, dass du das bis jetzt immer sehr gut gelöst hast.^^
      Da bin ich ja beruhigt. Wobei ich gestehen muss, dass es einige Legenden gibt, über die ich bisher keinen Artikel schreiben konnte, gerade weil ich solche Schwierigkeiten habe, eine Geschichte darüber zu schreiben.
      Der blutige Mönch von Trondheim und Mokele Mbembe gehören beide auch in die Sparte und sind die bisher einzigen Geschichten, die mir persönlich nicht gefallen. ^^‘

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