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Feuerputz – Er trägt das Fegefeuer!

Der Feuerputz ist eine alte Sagengestalt aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieses brennende Skelett ist jedoch nicht so, wie es zu sein scheint.

Viel Spaß beim Gruseln!

Die Geschichte:

„Seid ihr sicher, dass ich euch nicht fahren soll?“, fragte Kilian, während er uns nach draußen begleitete. Es war das dritte Mal, dass er es heute Abend anbot.

„Nein, danke“, erwiderte Gina. „Melina und ich sind Nachbarn. Wir können das Stück zu unserem Haus zusammen gehen.“

„Außerdem bist du genauso betrunken wie wir“, mahnte ich. „Am besten, du fährst heute Nacht niemanden mehr.“

Kilian machte eine wegwerfende Handbewegung. „Wie ihr wollt“, ignorierte er meine Mahnung. „Kommt gut nach Hause. Wir sehen uns nächste Woche auf der Arbeit.“

„Bis dann“, verabschiedete ich mich.

Gina winkte ihm nur flüchtig.

Wir drehten uns wieder um, während Kilian seine Haustür hinter sich schloss.

„Du weißt schon, dass er bloß eine von uns ins Bett bekommen wollte, oder?“, fragte Gina.

Ich sah sie mit großen Augen an. „Meinst du wirklich? Der Typ ist bestimmt zehn Jahre älter als wir!“

Darauf musste Gina lachen. „Mann, Mel, du bist manchmal so naiv!“

Mir stieg die Schamesröte ins Gesicht. Das war die Wirkung, die Alkohol auf uns beide hatte: Gina wurde davon sehr direkt und ich besonders leichtgläubig. Wenn wir zusammen feierten, wusste ich die Hälfte der Zeit nicht, ob sie etwas ernst oder nur als Scherz meinte.

Trotzdem war sie eine meiner besten Freundinnen. Wenn wir gerade nicht betrunken waren, verstanden wir uns wortlos. So war es bereits damals in der Grundschule gewesen. Danach waren wir jedoch auf unterschiedliche Schulen gegangen. Wir hatten uns aus den Augen verloren. Ihr könnt euch meine Überraschung also vorstellen, als ich erfuhr, dass die Person, die in der Wohnung über mir wohnte, Gina war, meine beste Freundin aus Grundschulzeiten. Inzwischen arbeiteten wir sogar in derselben Kita.

Jetzt gingen Gina und ich schweigend nebeneinanderher. Sie hatte sich bei mir untergehakt. Wobei wir ehrlich gesagt mehr torkelten, als dass wir gingen. Gina hatte definitiv zu tief ins Glas geschaut. Und ich hatte in meinem beschwipsten Zustand Probleme, sie zu stützen.

Die hohen Absätze von Ginas Schuhen klackten mit jedem ihrer gemächlichen Schritte über den Asphalt, während wir durch die Straßen gingen. Im Moment war ich jedenfalls froh, dass ich meine Sneakers trug.

Verträumt warf ich einen Blick auf die Häuser zu beiden Seiten. Es war dunkel. Die meisten Lichter hinter den Fenstern waren bereits aus, sodass uns nur die Straßenlaternen den Weg leuchteten.

Außerdem wurde es allmählich kälter. Der Sommer war vorbei. Heute Nacht konnte ich sogar meinen Atem sehen. Mit meiner freien Hand zog ich meine Jacke enger um mich.

Gina und ich wohnten in einer verschlafenen Vorstadt. Wenn ihr mich fragt, war es das Beste aus beiden Welten. Wenn wir in den Bus stiegen, steckten wir in der einen Richtung in wenigen Minuten im Getümmel der Stadt, während wir in der anderen Richtung zwischen Bauernhöfen, Feldern und Wiesen landeten.

Der einzige Nachteil, den ich dabei sah: Wann immer wir nachts von Kilian nach Hause gingen – er feierte häufiger ausgelassene Partys –, mussten wir ein Stück über einen unbeleuchteten Feldweg gehen. Das, oder wir gingen einen etwa zehnminütigen Umweg. Wir entschieden uns für das Feld.

Die Straße war hier zwar nicht gepflastert, trotzdem war der Boden fest genug für Ginas Schuhe. Wir gingen mittig auf dem Weg, weit genug von den Hecken und Büschen auf unserer Linken und dem Maisfeld auf unserer Rechten entfernt, um nicht von irgendwem oder irgendetwas angefallen werden zu können. Ich weiß, es klingt ziemlich paranoid, aber in dieser Nacht sollten wir mit unseren Befürchtungen sogar recht behalten.

Ein Rascheln im Mais ließ mich zusammenzucken. Ich wandte mich der Wand aus Pflanzen zu, kniff die Augen zusammen, um etwas zwischen den Stängeln erkennen zu können. Aber vor mir lag nur Dunkelheit. Bestimmt war es irgendein Tier.

Gina schien es nicht einmal bemerkt zu haben, sie zog mich sanft weiter den Weg entlang.

Trotzdem sah ich mich vorsichtshalber um, blickte über die Schulter, sah mir auch die Büsche zu unserer Linken an. Nichts. Außer uns war niemand auf dem Weg zu sehen.

Dann blieb Gina plötzlich stehen. „Was … ist das?“, fragte sie. Ihr Gesicht war dem Maisfeld zugewandt.

Also doch. Da war etwas zwischen den Maispflanzen! Es war aber kein Schatten, wie ich zuerst vermutet hatte, sondern eine Art Leuchten. Ein orange-rotes Licht, das ich jetzt im Feld erkennen konnte.

„Vielleicht eine Lampe?“, erwiderte ich leise. Ich hatte ehrlich gesagt kein Interesse, es herauszufinden, aber Gina war neugieriger.

„Hallo?“, rief sie. „Wer ist denn da?“

Keine Antwort. Aber das Rascheln wurde lauter, das Leuchten heller. Was auch immer da im Maisfeld war, es kam auf uns zu!

„Wir sollten lieber gehen“, drängte ich.

Noch immer bewegte sich Gina keinen Schritt weiter. Sie wollte anscheinend wirklich herausfinden, wer oder was da war.

Für einen ganz kurzen Moment dachte ich darüber nach, sie zurückzulassen. Einfach weiterzugehen. Aber natürlich tat ich es nicht. Also warteten wir angespannt, während was-auch-immer-es-war näher und näher kam.

Jetzt hatte das Rascheln uns fast erreicht. Ich erkannte eine Gestalt. Meine Augen weiteten sich. Es war eine menschliche Gestalt, aber sie hielt keine Lampe, nein, sie leuchtete selbst. Sie war von Feuer umhüllt. Es sah aus, als stünde sie in Flammen!

Aber da war noch etwas. Ihre Hände waren ungewöhnlich dünn, das Gesicht schmal mit leeren Augenhöhlen. Sie trug zwar Kleidung, hatte aber keinerlei Muskeln oder Fleisch auf ihren Knochen!

„Komm, lass uns abhauen!“, drängte ich.

Aber Gina hielt mich zurück. Sie ließ sich nicht so schnell einschüchtern.

Jetzt war die Gestalt bei uns. Sie schob die letzten Maisstauden mit ihrer brennenden Knochenhand beiseite, ehe sie auf den Weg trat.

„Das ist nicht echt“, erklärte Gina mir ruhig. „Sonst stünde bereits das halbe Maisfeld in Flammen.“

Sie hatte recht. Die Pflanzen waren von dem Feuer völlig unberührt geblieben.

„Nettes Kostüm!“, rief Gina dem brennenden Skelett entgegen.

Es reagierte nicht, stand jetzt da und schien uns zu beobachten.

„Aber uns machst du keine Angst!“, erklärte sie. Sie ließ mich stehen, trat einige wackelige Schritte auf das Ding zu, streckte die Hand nach ihm aus und …

Mit einem Aufschrei riss sie ihre Hand zurück.

„Was ist?“, rief ich. Ich hatte einen Satz auf sie zu gemacht, traute mich aber nicht näher an das Ding heran.

„Die Flammen sind heiß!“, erklärte Gina. Ihre Ruhe war in Panik umgeschlagen. „Scheiße! Ich weiß nicht wie, aber das Feuer ist echt!“

Jetzt wurde auch meine Anspannung zu Panik. Wie war das möglich? Sie hatte doch selbst gesagt, dass dann das ganze Feld in Flammen stehen müsste!

Aber noch wusste ich ja auch nicht, worum es sich bei der Gestalt handelte. Ich wusste nicht, dass es ein Feuerputz war, ein Verstorbener, der im Fegefeuer brannte. Ein Feuer, dass unsere Sünden wegbrennen soll. Der Mais hingegen hatte nie eine Sünde begangen, für die er brennen musste.

Was ich hingegen wusste, war, dass gerade irgendetwas Seltsames passierte. Und ich wusste, dass ich panische Angst vor der brennenden Gestalt hatte!

Dann endlich tat Gina das, was wir schon die ganze Zeit hätten tun sollen: Sie nahm die Beine in die Hand, packte mich am Arm und rannte mit mir gemeinsam den Feldweg entlang.

Der Boden knirschte unter unseren Schuhen. Ich warf einen Blick über die Schulter, um zu sehen, ob das Ding die Verfolgung aufgenommen hatte. Das hatte es. Es ging uns mit schnellen Schritten nach. Trotzdem war es langsamer als wir. Vielleicht hatte es ja körperliche Nachteile, ein brennendes Skelett zu sein. Ich beschloss, jetzt nicht weiter darüber nachzudenken. Stattdessen wollte ich mich lieber auf den Weg konzentrieren.

In dem Moment wurde ich plötzlich zur Seite gerissen. Mit hochhackigen Schuhen im Dunkeln betrunken über einen unbefestigten Weg zu rennen, war wohl nicht die beste Idee von Gina gewesen. Sie stürzte, riss mich mit sich, verlor dann den Griff um meinen Arm, schlug auf und rollte einmal um ihre eigene Achse. Als sie auf dem Rücken liegenblieb, war ihr dunkles Kleid mit Dreck besudelt, ihr linkes Bein aufgeschürft.

Sofort sprang ich zu ihr, griff nach ihrem Arm, um sie wieder auf die Beine zu ziehen.

„Komm weiter!“, rief ich ihr zu.

Gina versuchte es, aber in dem Moment, wo sie sich aufrappeln, ihren linken Fuß belasten wollte, kreischte sie auf und fiel wieder zu Boden. Diesmal wäre ich fast mit ihr gestürzt.

„Scheiße! Mein Knöchel!“, fluchte sie.

Um uns herum wurde es inzwischen immer heller. Ich konnte das Prasseln des Feuers deutlich hören. Ein Blick zurück bestätigte meine Befürchtung: Das Skelett hatte uns fast erreicht.

Aber noch gaben wir nicht auf. Ich trat an Ginas andere Seite, damit ich ihren verletzten Fuß besser stützen konnte. Gemeinsam schafften wir es, sie wieder auf die Beine zu bringen.

 Noch ein Blick zu dem Skelett. Es war nicht nähergekommen.

Gina wollte sofort weiter, aber ich zögerte jetzt.

„Melina, was machst du denn?“, kreischte sie mich panisch an.

Ich sah sie an, ehe ich wieder zu dem brennenden Skelett sah. Es war tatsächlich stehengeblieben. Weit genug von uns entfernt, dass seine Flammen uns nicht gefährlich werden konnten. Es sah nicht aus, als ob es uns angreifen wolle.

„Ich … Ich denke nicht, dass es gefährlich ist“, sagte ich, selbst davon überrascht, wie ruhig ich plötzlich klang.

Ginas Atem ging schnell und unregelmäßig. Sie sah ebenfalls zu dem Ding. Als sie wieder zu mir blickte, wirkte sie zumindest nicht mehr ganz so panisch. „Lass uns trotzdem von hier abhauen. Bitte.“

Nach einem letzten flüchtigen Blick auf das Skelett – es sah uns aus seinen leeren Augenhöhlen an –, setzte ich mich mit Gina wieder in Bewegung. Sie humpelte, weshalb wir noch immer angetrunken nicht sonderlich schnell vorankamen. Hinter uns ertönte ein langsames Stapfen.

Gina und ich drehten uns gleichzeitig um. Das brennende Skelett verfolgte uns. Es blieb dabei aber auf Abstand.

„Jetzt hau endlich ab!“, schrie Gina es an. Ihre Nerven lagen also doch noch blank.

Als das Skelett uns daraufhin eine Hand entgegenstreckte, wichen wir sofort zurück. Aber auch diese Bewegung wirkte nicht aggressiv oder gefährlich. Es war die Geste, die ein Mensch machte, wenn er missverstanden wurde, beinahe, also wolle es sagen: „So wartet doch. Ihr versteht das falsch.“ Schnell ließ es seine Hand wieder sinken. Es sah uns weiter an. Konnten Skelette traurig gucken? Auf mich wirkte es jedenfalls so.

Ich wusste nicht, ob Gina dasselbe dachte. Aber als sich unsere Blicke trafen, waren wir uns zumindest einig, dass wir lieber weitergehen sollten.

Gina schien es trotz ihres Knöchels dabei ziemlich eilig zu haben. Ich hingegen konnte nicht anders, als mich immer wieder zu unserem unfreiwilligen Begleiter umzudrehen. Mir war aufgefallen, dass der Weg vor uns nicht mehr in Dunkelheit gehüllt war. Es gab hier keine Straßenlaternen, aber das Feuer hinter uns erhellte den Weg mehr als ausreichend. Ich konnte jeden größeren Stein, jeden kleinsten Erdhaufen und jede Kuhle erkennen. Außerdem konnte ich meinen Atem nicht mehr sehen. Ehrlich gesagt war es dank des Skeletts sogar angenehm warm.

Während Gina also noch immer hauptsächlich von Unwohlsein vorangetrieben wurde, hatte ich es gar nicht mehr so eilig, nach Hause zu kommen.

„Bist du ein Geist?“, wandte ich mich schließlich an das Skelett.

Es drehte mir das Gesicht zu. Mehr Reaktion zeigte es nicht.

„Jetzt rede doch nicht auch noch mit ihm“, zischte Gina mir leise zu.

Ich ignorierte sie. „Kannst du mich verstehen? Du musst auch nicht antworten, nur nicken oder mit dem Kopf schütteln.“

Wieder dieser traurige Blick. Aber falls das Skelett mich verstand, ließ es sich das nicht anmerken. Andererseits … Ich wusste ja nicht einmal, ob es mich tatsächlich sehen, geschweige denn hören konnte. Augen oder Trommelfelle schien es jedenfalls nicht mehr zu besitzen.

Ich seufzte schwer. Dieses Ding hinter uns, das Skelett, es war etwas Paranormales. Wahrscheinlich hatte es den Tod erlebt, wusste, was danach kam, kannte eines der größten Geheimnisse der Menschheit, aber es hatte entweder keine Möglichkeit oder aber keine Lust, mit uns zu kommunizieren.

Ich hatte noch so viele Fragen, wollte so viele Dinge ausprobieren. Aber leider war unser Heimweg nicht mehr sonderlich lang. Und Gina hatte offensichtlich keine Lust, langsamer zu gehen. Also standen wir bereits nach kurzer Zeit vor unserer Haustür.

Dort angekommen schien Gina gar nicht schnell genug ins Haus kommen zu können.

Ich hielt sie zurück. „Warte“, bat ich sie.

Wahrscheinlich war das meine letzte Möglichkeit, mit dem Skelett zu reden. Ich bezweifelte, dass es uns bis ins Haus folgen würde.

Für einen kurzen Moment stand ich einfach nur da. Ich beobachtete die Flammen, die um das Skelett herumzüngelten, während ich nach den richtigen Worten suchte. „Danke“, sagte ich dann schlicht. „Dafür, dass du uns begleitet hast. Du hast uns den Weg erleuchtet und uns warmgehalten.“

Ich erwartete nicht, dass das Skelett darauf mehr Reaktion zeigen würde als auf meine bisherigen Worte. Aber so konnte ich es zumindest noch einen Moment betrachten.

Dann geschah plötzlich etwas. Ich sah, wie die Flammen um das Skelett weniger wurden. Sie erloschen. Rauch hüllte es jetzt ein, so dick und schwarz, dass ich es nicht mehr sehen konnte. Und als der Rauch sich langsam legte, stand ein strahlendweißes Skelett vor uns. Kein Schmutz, kein Ruß mehr auf seinen Knochen.

Wieder schien es mich anzusehen. Diesmal erkannte ich keinerlei Trauer in seinen Blick.

„Danke“, hallte dann plötzlich eine Stimme durch die Luft. Sie war schwach, fast wie ein Windhauch. Nur, dass es völlig windstill war. „Ich musste viele Jahre für meine Sünden brennen. Danke, dass du mich erlöst hast.“

Das Skelett blickte nun Richtung Himmel. Im nächsten Moment war es verschwunden.

„Warte!“, rief ich in die Dunkelheit. Es konnte also doch sprechen! Ich hatte so viele Fragen!

Aber das Skelett war fort. Was auch immer mit ihm passiert war, es klang, als ob es unsere Welt verlassen hatte.

Mein nächster Blick galt Gina. Ihre Augen waren weit geöffnet. Sie sah genauso ungläubig aus, wie ich mich fühlte. „Was war das?“, hauchte sie.

Ich schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung.“

Plötzlich musste Gina lachen. „Aber eine Sache ist dir ja wohl klar, oder?“, fragte sie.

Ich sah sie verständnislos an. „Was meinst du?“

„Das wird uns niemand glauben“, erklärte sie. „Sie werden alle behaupten, dass wir bloß zu viel getrunken hätten.“

Wieder sah ich zu der Stelle, wo eben das Skelett verschwunden war. Gina hatte recht. Wir hatten keinerlei Beweise. Aber egal, was die anderen sagen würden, Gina und ich würden nie vergessen, was wir in dieser Nacht erlebt hatten.

Die Legende:

Der Feuerputz, auch Feuermann genannt, ist ein Wiedergänger oder Geist der deutschsprachigen Folklore. Für gewöhnlich ist er nicht bösartig. Ihm wird sogar nachgesagt, dass er den Menschen oft helfen soll.

Aussehen:

Wie ein Feuerputz aussieht, kann sich je nach Sage stark unterscheiden, sie haben aber immer mit Flammen zu tun.

Für gewöhnlich sehen sie aus wie ein brennender Mann oder ein brennendes Skelett, sie können aber auch als Feuersäule oder Feuerball – ähnlich einem Irrlicht – auftreten.

Eigenschaften:

Der Legende nach handelt es sich bei einem Feuerputz um einen verstorbenen Menschen, der im Fegefeuer brennt. Als Grund für seine Strafe, warum er im Fegefeuer gelandet ist, wird oft das illegale Versetzen eines Grenzsteins, der die Grundstücksgrenzen im Mittelalter festgelegt hat, genannt. Andere Gründe waren z. B. der Betrug beim Wiegen (und anschließendem Verkauf) von Lebensmitteln oder Urkundenfälschung.

Angeblich kehrt der Körper (i. d. F. wäre er ein Wiedergänger) oder die Seele (i. d. F. ein Geist) des Menschen auf die Erde zurück, um nach Erlösung zu suchen. Daher ist er im Normalfall auch gutmütig und hilft den Menschen.

Dies passiert in der Regel, indem er ihnen nachts den Weg leuchtet oder verirrte Menschen zurück in die Zivilisation bringt.

Es heißt, dass, wenn sich ein Mensch bei einem Feuerputz bedankt (besonders wenn bei diesem Dank der Name Gottes genannt wird), der Feuerputz endlich erlöst wird und seine Seele in den Himmel gehen kann.

Während von Wiedergängern in den meisten Legenden jedoch eine gewisse Gefahr ausgeht, da ihre Berührung den Tod bringen soll, besteht diese Gefahr bei dem Feuerputz eher nicht. Wer fasst schon freiwillig brennendes Wesen an?

Trotzdem habe ich auch Geschichten über bösartige Feuerputze finden können: In anderen Versionen der Legende hilft der Feuerputz den Menschen nur gegen eine Bezahlung. Wenn die Bezahlung ausbleibt oder er die Menschen nicht mag, soll er sie – ähnlich wie ein Irrlicht – in die Irre führen, sodass sie sich verlaufen und im schlimmsten Fall sterben.

Die häufigste Version der Legende handelt aber von einem gutmütigen Feuerputz, der den Menschen nachts den Weg leuchtet. Die meisten Menschen haben Angst, mit dem Wesen zu interagieren. Erst, als eines Tages ein mutiger Mensch sich bei dem Feuerputz bedankt, erlischt sein Feuer und er kann endlich seinen Frieden finden.

Lebensraum/Vorkommen:

Sagen über Feuerputze kommen hauptsächlich im süddeutschen, österreichischen und deutschsprachigen Schweizer Raum vor. Das sind somit auch die Hauptorte, an denen Feuerputze gesichtet worden sein sollen.

Ursprung:

Über den genauen Ursprung des Feuerputzes habe ich nichts herausfinden können. Ich bin bei meinen Recherchen aber auf eine Sage aus dem frühen 12. Jahrhundert gestoßen.

Darüber hinaus sagt man dem Feuerputz nach, dass es sich bei ihm um eine verstorbene Seele handle, die im Fegefeuer brenne. Es ist also anzunehmen, dass die Sage in einer Zeit entstanden ist, in der man das Fegefeuer besonders gefürchtet hat, wie es im europäischen Mittelalter (ca. 500 bis 1500) der Fall war.

Mir sind außerdem gewisse Ähnlichkeiten zu anderen deutschen Legenden aufgefallen. In einigen Versionen vermischen sich die Eigenschaften des Feuerputzes mit denen eines Irrlichts. Hierbei handelt es sich meiner Einschätzung nach jedoch eher um eine Verwechslung, die auf die optische Ähnlichkeit der beiden Sagengestalten zurückzuführen ist.

Außerdem erinnert mich die Sage in vielen Punkten an die kopflosen Reiter. Auch bei ihnen handelt es sich um einen Wiedergänger, der hauptsächlich durch das Versetzen eines Grenzsteins entstanden sein soll. Die kopflosen Reiter sollen nur dann Erlösung finden, wenn man in ihrer Anwesenheit ein Gebet an Gott ausspricht.

Der Feuerputz in der Popkultur:

Der Feuerputz gehört heutzutage nicht zu den bekanntesten Sagengestalten. Trotzdem habe ich einen kleinen Auftritt in der Popkultur finden können:

Im Jahr 2021 gab es in dem Free-to-play Kriegsspiel World of Warships im Rahmen des „Battle of the Beasts“-Events die Möglichkeit, sich dem Team „Feuerputz“ anzuschließen, um Belohnungen freizuspielen. Das Team basierte auf der Sagengestalt.

Was haltet ihr von dem Feuerputz? Hat euch die Geschichte gefallen? Wie hättet ihr reagiert, wenn euch nachts ein brennendes Skelett gegenüberstehen würde? Schreibt es in die Kommentare!

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