Die Baobhan-Sìth (ausgesprochen [bɤːvɐn ʃiː], also etwa boowen schii) sind eine alte Legende aus Schottland. Was genau es mit diesen Feenwesen auf sich hat, erfahrt ihr in meinem Beitrag.
Viel Spaß beim Gruseln!
Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!)
leichter Alkoholkonsum
Blut
Tod
Inhalt
Die Geschichte:
Ich war froh, als ich endlich mit einem dampfenden Teller Suppe vor mir am Tisch saß. Nach dem langen Jagdtag war ich erschöpft. Ich hatte zusammen mit meinen Freunden Russell, Craig und Ray Hasen gejagt. Inzwischen lagen die Tiere in ihre Einzelteile zerlegt und sorgfältig gestapelt in der großen Kühltruhe in unserer Hütte.
Die Hütte hatte nur ein Zimmer. Außerdem mussten zwei von uns in Schlafsäcken am Boden schlafen, während die anderen es sich auf dem Bett und dem Sofa bequem machen durften. Wer wo schlafen musste, würde später eine Partie Twenty-Five entscheiden. Das Kartenspiel hatte in unserer Freundschaft eine lange Tradition.
Aber darüber machte ich mir im Moment noch keine Gedanken. Ich war einfach nur froh über die warme Mahlzeit, die gute Gesellschaft und die trockene Hütte, in der wir saßen. Denn draußen hatte es inzwischen zu regnen begonnen. Durch das Holzdach konnte man deutlich die dicken Tropfen hören, die in Scharen auf uns niederprasselten. Ehrlich gesagt fand ich es richtig gemütlich.
„Wisst ihr, Leute“, sagte ich, während ich aufstand, um vier Flaschen Bier aus dem Kühlschrank zu holen. „Ich könnte mir keinen besseren Samstagabend vorstellen, als mit euch hier in der Hütte zu sitzen und dem Regen zu lauschen.“
Meine Freunde nickten zustimmend. Ich stellte ihnen je ein offenes Bier vor die Nase.
„Auf die erfolgreiche Jagd“, sagte Russell. Er hob die Flasche an.
„Auf die Freundschaft“, erwiderte ich.
Anschließend stieß ich mit meinen Freunden an, bevor ich einen Schluck von dem bitterkalten Bier nahm.
Schweigend genossen wir den Moment.
„Ehrlich gesagt“, sagte Craig dann. „Eine bessere Sache könnte ich mir schon vorstellen. Wenn meine Frau heute Nacht bei mir wäre.“ Er grinste frivol.
„Ja“, entgegnete Ray. „Das würde mir auch gefallen. Wenn deine Frau heute Nacht hier wäre.“
Sofort holte Craig nach Ray aus, aber er wich seinem Schlag lachend aus. Es dauerte nicht lange, bis Craig und schließlich auch Russell und ich in das Gelächter einstimmten. Wir wussten genau, dass Ray es nicht ernst gemeint hatte. Immerhin hatte er selbst eine bildhübsche Frau zuhause sitzen, die auf ihn wartete.
Genau genommen war ich der Einzige von uns vieren, der keine glückliche Ehe führte. Zumindest noch nicht. Denn obwohl ich meiner Verlobten im Frühling einen Antrag gemacht hatte, waren wir noch nicht verheiratet.
Wir alberten noch einen Augenblick weiter herum, bis ich auf einmal etwas hörte. „Pscht! Leute! Seid mal kurz leise. Ich glaube, da hat eben jemand geklopft.“
Sofort verstummten die anderen. Wir lauschten angestrengt.
Jetzt hörte ich wieder nur den Regen.
„Du spinnst doch“, sagte Russell. „Wir sind mitten im Nirgendwo. Wer soll hier schon klopfen? Dazu noch bei dem Wetter mitten in der Nacht.“
Dann klopfte es noch einmal. Leise. Zaghaft. Aber wir hatten es eindeutig gehört.
Sofort sprangen wir auf und rannten zur Tür. Ray erreichte sie als erster. Er öffnete sie.
Was ich dann sah, ließ mich an meinem Verstand zweifeln. Vor unserer Tür standen vier junge Frauen, eine schöner als die nächste. Eine Rothaarige, eine Brünette und zwei Blonde. Sie trugen alle vier lange grüne Kleider, die Arme eng um ihre Körper geschlungen. Sie hatten nichts, was sie gegen den Regen schützte, trugen nicht einmal Jacken.
„Verzeihung“, sagte eine von ihnen mit zittrigen Lippen. Ihre roten Locken klebten ihr nass am Kopf. „Wir waren im Wald feiern. Einen Junggesellenabschied. Aber dann wurden wir von unseren Freunden getrennt und haben uns verirrt. Können wir uns vielleicht einen Moment unterstellen? Nur bis der Regen aufgehört hat?“
Das ließen wir uns nicht zweimal fragen.
„Kommt rein!“, sagte Craig sofort. „Bevor ihr euch da draußen noch den Tod holt. Ihr seid ja völlig durchnässt! Dean, starte doch schonmal den Kamin!“
Wir machten den Frauen sofort Platz, während ich zu besagtem Kamin eilte. Kurz darauf prasselte darin ein kleines Feuerchen.
„Ihr könnt gerne die Nacht hierbleiben“, schlug Ray vor. „Und wenn ihr wollt, nehmen wir euch morgen früh mit in die Stadt.“
„Das wäre wirklich zauberhaft“, sagte die Rothaarige. Sie fiel Ray dabei fast um den Hals.
Ich schüttelte den Kopf. Aber gut. Wenn sie von einem Junggesellenabschied kamen, waren sie sicher angetrunken. Außerdem konnten wir sie schlecht draußen im Regen stehenlassen.
Und so saßen wir bald dicht gedrängt um den Kamin, hatten den Frauen Suppe und Decken gegeben, damit sie sich aufwärmen konnten. Dass wir dabei auf dem Boden sitzen mussten, störte niemanden von uns. Zumal sich die Frauen dicht zwischen uns gesetzt hatten – wahrscheinlich, um sich an uns zu wärmen.
Immer, wenn ich ein kleines Stück wegrückte, rückte die brünette Frau neben mir nach. Dabei stieg mir ihr Parfüm in die Nase. Es roch nach Blumen. Aber nur, weil sie ein gut riechendes Parfüm trug, würde ich bestimmt nicht mit ihr kuscheln. Für so etwas hatte ich meine Verlobte.
Meine Freunde hingegen sahen das wohl anders. Sie grinsten die Frauen breit an, während sie sich an sie schmiegten. Die Rothaarige hatte sich zu Ray gesetzt, während sich die beiden blonden an Russell und Craig warfen.
„Warum habt ihr den Junggesellenabschied überhaupt hier draußen im Wald gefeiert?“, fragte ich, um die Stille zu durchbrechen. „Gab es in der Stadt keine besseren Locations? Eine Bar oder sowas?“ Das Wort „Stripclub“ verkniff ich mir. Auch wenn ich es ihnen bei ihrem Verhalten mehr als zugetraut hätte. Ob sie sich die Stripper in den Wald bestellt hatten?
„Mit diesen schönen Wäldern in der Umgebung?“, fragte die Brünette. „Mit etwas Alkohol können wir Frauen hier draußen mehr als genug Spaß haben. Und bis wir uns verirrt haben, hatten wir einen wirklich fantastischen Abend!“
Ich nickte. Aber gerade, als ich zu einer weiteren Frage ansetzen wollte, begann die Frau neben mir auf einmal zu singen. Es war eine langsame, fast sehnsüchtige Melodie. Nur, dass ich den Text nicht verstand. Sie sang auf Gälisch. Meine Mutter hätte es wahrscheinlich Wort für Wort übersetzen können, aber ich hatte mich noch nie für die alte schottische Sprache interessiert.
Also blieb mein Mund mitten im ersten Wort offenstehen. Ich wollte nicht unhöflich sein und ihr Lied unterbrechen. Davon abgesehen war ich viel zu perplex, um etwas zu sagen.
Trotzdem wäre ich gerne noch auf ihre Freundinnen zu sprechen gekommen. Wie kam es, dass sie voneinander getrennt wurden? Machten die anderen sich keine Sorgen? Würden sie die vier nicht draußen im Regen suchen? Mir war das alles suspekt.
Aber ich könnte es noch nach ihrem Lied fragen. Zumal die drei anderen Frauen bereits in den Gesang miteingestimmt hatten.
Die Melodie weckte eine tiefe Sehnsucht in mir. Als würde ich etwas vermissen, dass ich noch nie gekannt hatte. Ich merkte erst, dass ich meinen Körper sanft zu dem Lied Hin und Her wog, als ich schon mitten dabei war.
Dann forderten die anderen drei Frauen meine Freunde plötzlich zum Tanzen auf. Sie zogen sie auf die Beine und begannen, sich mit ihnen im Takt zu bewegen. Meine Freunde machten nur allzu bereitwillig mit.
Und auch die Brünette hielt mir ihre Hand entgegen. Ich schüttelte jedoch den Kopf. Schnell sah ich mich in der Hütte um, als mein Blick auf die Gitarrentasche neben der Tür fiel. Wenn das Wetter gut war, spielte ich manchmal draußen am Lagerfeuer. Jetzt bot mir meine Gitarre hingegen die perfekte Ausrede.
Und so holte ich das Instrument und begann, die Seiten zu dem Gesang zu zupfen. Zum Glück nahm die Brünette es mir nicht übel. Sie setze sich mir gegenüber und sang lächelnd weiter, während sie den Klängen meiner Gitarre lauschte.
Ich erwiderte ihren Blick. Sogar ihr Lächeln. Ich schämte mich ein wenig dafür, aber ich konnte kaum wegsehen. Ihre tiefgrünen Augen, die Sommersprossen, die leichten Fältchen um ihren sich bewegenden Mund mit den perfekt weißen Zähnen. Wenigstens schaffte ich es, ihr dabei die ganze Zeit ins Gesicht zu blicken, und meine Augen wanderten nicht unbewusst weiter nach unten.
Während ich die Frau so anstarrte, sah ich aus dem Augenwinkel, dass meine Freunde mit ihren Tanzpartnerinnen inzwischen eng umschlungen waren. Sollte ich sie ermahnen? Sie an ihre Frauen erinnern?
Als ich den Gedanken gerade formuliert hatte, fiel mein Blick auf Ray. Nicht nur, dass er mit der Rothaarigen in einer festen Umarmung war, sie presste auch noch ihre Lippen an seinen Hals.
Sie bereitete ihm aber keinen unangenehmen Knutschfleck, den er morgen seiner Frau erklären müsste, nein, sein Hals glänzte rot. Blut lief daran herab und verschwand in dem dunklen Stoff seines Hemdes. Hatte sie ihn gebissen?
Da sah ich, wie auch die anderen Frauen mit ihren Händen an Russells und Craigs Hälse wanderten. Ihre Bewegungen waren präzise und schnell, während sie ihnen ihre Fingernägel ohne sichtliche Anstrengungen durch die Hälse zogen. Sofort saugten auch sie an den frischen Wunden. Meine Freunde ließen es einfach geschehen.
„Scheiße!“, stieß ich aus. Die Gitarre glitt mir aus den Händen. Sie prallte mit einem dumpfen Nachhallen der Saiten auf den Boden. „Lasst sie in Ruhe!“
Aber die Frauen reagierten gar nicht. Und meine Freunde waren wie in Trance. Sie tanzten weiter zu der Melodie, die die brünette Frau vor mir noch immer sang.
Jetzt streckte auch sie ihre Hand nach mir aus. Es sah aus, als wolle sie nur nach meiner Wange greifen, aber auch sie hatte ungewöhnlich spitze Fingernägel.
Sofort sprang ich auf. Ich musste etwas tun! Unsere Gewehre lehnten an der Wand neben dem Esstisch, aber ich hatte mein Jagdmesser noch immer am Gürtel. Ohne zu zögern, öffnete ich den Verschluss und riss es aus der Scheide. Es war ein altes Jagdmesser aus Eisen, hatte bereits meinem Opa gehört. Aber es war noch immer eines der besten Messer, die ich besaß. Ich richtete die Klinge auf die Brünette.
Da verstummte auch sie. Sie wich zurück und fauchte mich an. Das wiederum erregte die Aufmerksamkeit der anderen Frauen. Sie ließen von meinen Freunden ab, wandten sich jetzt mir zu.
Aber selbst das brachte meine Freunde nicht wieder zur Besinnung. Ihre verliebten Blicke waren bloß weiter auf ihre Tanzpartnerinnen gerichtet, während das Blut aus ihren Hälsen rann.
„Ray! Russell! Craig!“, schrie ich. „Kommt zu euch!“
Aber es war zwecklos. Sie hörten mich gar nicht. Und um zu ihnen zu kommen, müsste ich an den Frauen vorbei, die weiter auf mich zukamen. Das Blut meiner Freunde glänzte an ihren Lippen. Einer der Blondinen war es bis zum Hals hinuntergelaufen.
Ich streckte ihnen mein Messer entgegen. Da wichen sie mit einem erneuten Fauchen zurück. Es war aber nicht nur ein vorsichtiger Abstand, den sie zu mir aufbauten. Ihre Augen waren voller Angst auf das Metall in meiner Hand gerichtet.
Plötzlich kamen mir die Geschichten in den Kopf, die meine Mutter mir als Kind immer vorgelesen hatte. Es waren alte schottische Volksmärchen. Handelte eines davon nicht genau von solchen Feen? Junge Frauen, die in der Nacht auftauchten, grüne Kleider trugen und das Blut der Männer tranken, die sie verführten? Das würde auch ihr gälisches Lied und die Angst vor Eisen erklären.
„Ihr seid Baobhan-Sìth“, sagte ich ungläubig.
Jetzt formte sich der Mund der Brünetten zu einem Lächeln. „Schlauer Junge.“
Das erklärte ihre Angst vor meinem Messer. Baobhan-Sìth hatten nur zwei Schwächen: Tageslicht und Eisen.
Die Frauen waren unterdessen dabei, in einem Bogen um mich herumzugehen. Sie kreisten mich ein!
Inzwischen versperrte eine von ihnen meinen Weg zu den Gewehren. Wobei ich die Waffe eh erst laden müsste, ehe ich damit irgendetwas ausrichten konnte.
Und wenn ich stattdessen zu meinen Freunden ging, stolperte ich geradewegs in eine Sackgasse. Ich wäre den Frauen schutzlos ausgeliefert.
Mit meinem Messer könnte ich sie niemals überwältigen. Vielleicht eine von ihnen. Eventuell sogar zwei. Aber niemals alle vier.
Also blieb mir nur noch eine Option: die Tür.
Ehe ich weiter darüber nachdenken konnte, was das für meine Freunde bedeutete, sprintete ich los. Sobald ich meine Hand um den Türknauf geschlossen hatte, drehte ich mich wieder um, das Messer vor mich gestreckt.
Die Baobhan-Sìth, die bereits dabei waren, auf mich zuzustürzen, blieben ruckartig stehen. Aber fast sofort kamen sie wieder langsam näher. Vorsichtig. Die Augen auf das Messer gerichtet.
Nach einem letzten kurzen Blick zu meinen Freunden, die mit völlig verdrehten Köpfen noch immer die vier Frauen anlächelten, während weiter Blut aus ihren Hälsen lief, rannte ich weiter nach draußen.
Zum Glück hatte der Regen ein wenig nachgelassen. Es regnete noch immer, aber meine Kleidung war nicht sofort völlig durchnässt.
Fieberhaft überlegte ich, wo ich hinlaufen solle. Mein erster Gedanke galt unseren Autos. Aber mein Schlüssel lag zusammen mit meinem Handy in meinem Rucksack. Und der wiederum stand irgendwo in der Hütte.
Also rannte ich ziellos durch den Wald. Matsch schmatzte unter meinen Füßen. In der Dunkelheit konnte ich kaum etwas erkennen. Doch wie durch ein Wunder rutschte ich nicht aus, stolperte über keine Wurzel.
Trotzdem war ich noch lange nicht außer Gefahr. Die matschigen Schritte der Baobhan-Sìth waren mir noch immer auf den Fersen. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal vom Jäger zum Gejagten wurde.
Zu meiner Erleichterung schienen die Baobhan-Sìth nicht mit übernatürlicher Geschwindigkeit gesegnet. Sie waren ausdauernd, ja, besonders für ihre zierlichen Gestalten, aber das war ich auch.
Und so rannte ich weiter, bis die Schritte hinter mir allmählich verstummten. Ich wusste nicht, wieso die Baobhan-Sìth von mir abließen. Ob ich sie wirklich abgehängt hatte oder ob sie bloß zu ihrer Beute in der Hütte zurückkehren wollten, bevor sie völlig ausblutete.
Nein. Nicht zu ihrer Beute. Zu meinen Freunden. Zu Russell, Craig und Ray. Tränen stiegen in meinen Augen auf. O Gott. Ich hatte in dieser Nacht meine besten Freunde verloren. Ich hatte sie einfach im Stich gelassen!
Wie gerne hätte ich jetzt gesagt, dass ich zurückgerannt sei, meine Freunde im letzten Moment gerettet hätte. Aber das hatte ich nicht. Ich konnte ein unschuldiges Tier töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber jetzt, da plötzlich mein eigenes Leben auf dem Spiel stand, konnte ich nicht einmal meine Freunde retten. Ich hatte zu viel Angst.
Und so rannte ich weiter, bis meine Beine mich nicht länger tragen wollten. Völlig erschöpft brach ich weinend unter einem schützenden Baum zusammen. Ich zog die Knie an mich und verbrachte die nächsten Stunden zitternd und frierend unter dem Baum.
Erst, als die Sonne aufgegangen, die Baobhan-Sìth wieder in dem Feenreich verschwunden waren, kehrte ich völlig unterkühlt zur Hütte zurück. Die Leichname meiner Freunde waren bereits kalt. Nicht, dass das einen Unterschied gemacht hätte. Selbst wenn sie gerade erst gestorben wären, hätte ich sie nicht retten können. Die Baobhan-Sìth hatten sie völlig leergesaugt. Und ich hatte es zugelassen. Schuld machte sich in mir breit. Eine Schuld, die ich mein restliches Leben mit mir herumtragen sollte.
Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:
Die Legende:
Die Baobhan-Sìth (Schottisch-Gälisch für „Feen-Hexe“), bzw. Baobh-Shìth in der Einzahl, sind vampirartige Frauen der schottischen Folklore.
Aussehen:
Baobhan-Sìth sollen für gewöhnlich wie wunderschöne Frauen aussehen. Meist tragen sie lange grüne Kleider.
Obwohl sie oft mit Vampiren verglichen werden, haben sie keine spitzen Eckzähne o. Ä., stattdessen besitzen sie lange scharfe Fingernägel oder Klauen.
Außerdem sollen sie in einigen Erzählungen Reh- oder Ziegenbeine haben, die sie unter ihren Kleidern verstecken.
Einigen Quellen zufolge sollen die Baobhan-Sìth ihre Gestalt wandeln können und als Wolf oder Rabe erscheinen. Hierzu habe ich jedoch keine historischen Geschichten finden können.
Eigenschaften:
Genau wie andere Vampire sollen auch die Baobhan-Sìth sich von menschlichem Blut ernähren (auch wenn sie dafür wie bereits angedeutet ihre Opfer nicht beißen, sondern ihnen blutige Verletzungen mit ihren Fingernägeln/Krallen zufügen, durch die sie sie leersaugen).
Sie sollen ausschließlich nachts auftreten, verbrennen bei Tageslicht aber nicht etwa, sondern verschwinden lediglich. Zudem sollen sie eine Schwäche vor Eisen haben, weshalb sie das Metall großräumig meiden.
In den Geschichten über sie geht es oft um vier Jäger, die allein im Wald sind (z. B. in einer Höhle, an einem Lagerfeuer oder in einer Hütte), als sie plötzlich von vier Baobhan-Sìth besucht werden. Meist geschieht dies, nachdem einer oder mehrere der Männer den Wunsch nach weiblicher Gesellschaft oder der Anwesenheit ihrer Ehefrauen geäußert haben.
Der Grund dafür, dass die Protagonisten oft Jäger sind, könnte sein, dass Baobhan-Sìth von dem Geruch von Blut angelockt werden.
Drei der Jäger fallen für gewöhnlich auf die Verführungen der übernatürlichen Frauen herein. Sie verzaubern sie mit einem Tanz, woraufhin sie sie ohne Gegenwehr töten können.
Der vierte Jäger hingegen schafft es meist, zu überleben. Wie er das hinbekommt, kann ganz unterschiedlich sein. Zum Beispiel kann er sich mit Eisen schützen, vor den Baobhan-Sìth fliehen oder er wird von seinem Hund beschützt, der bei ihm ist. (Hunde haben in Geschichten über Feenwesen oft ein Gespür für das Übernatürliche und durchschauen die Wesen rechtzeitig.)
Am nächsten Tag findet er oft die drei blutleeren Leichen seiner Freunde.
Es wird außerdem häufig erwähnt, dass die Jäger Freundinnen, Verlobte oder Ehefrauen haben. Am Ende überlebt also nur derjenige, der den Verlockungen der Baobhan-Sìth widersteht und seiner Partnerin treu bleibt.
Lebensraum/Vorkommen:
Da die Baobhan-Sìth sehr naturverbunden sind, sollen sie sich hauptsächlich in den schottischen Wäldern und Highlands aufhalten, wo sie auf menschliche Opfer warten.
Ursprung:
Die Legenden über die Baobhan-Sìth stammen aus der früher fast ausschließlich mündlich überlieferten Folklore Schottlands. Daher ist es unmöglich, zu sagen, wann und wie die Legende entstanden ist.
Auffällig ist aber die Ähnlichkeit zu anderen Legenden wie z. B. dem Succubus, der skandinavischen Skogsrå/Huldra oder sogar der indianischen Legende der Deer Women. Letztere sind ebenfalls Meisterinnen der Verführung, sie verfügen ebenfalls über Rehbeine und auch in ihren Geschichten sterben die untreuen Ehemänner für gewöhnlich.
Baobhan-Sìth in der Popkultur:
Die Baobhan-Sìth haben mehrere Auftritte in der Popkultur. So gibt es gleich zwei Filme über sie:
In dem trashigen Comedy-Horrorfilm „Baobhan Sith“ (2017) spielt eine Baobhan-Sìth eine zentrale Rolle, während der Kurzfilm „Baobhan Sith“ (2023) von Blade & Arrow Films (Hier findet ihr den Kurzfilm auf YouTube) sie eher im metaphorischen Sinn benutzt.
Darüber hinaus gibt es eine Baobhan-Sìth als Charakter in dem mobilen Gacha-Spiel Fate/Grand Order.
Was haltet ihr von den Baobhan-Sìth? Kanntet ihr diese Wesen bereits? Und wie hättet ihr reagiert, wenn ihr anstelle einer der vier Jäger gewesen wärt? Schreibt es in die Kommentare!
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