Killer Clowns in Transit Vans ist eine Legende, die der Welle des Killerclown-Hypes nach der Veröffentlichung von „Stephen Kings Es“ folgte. In diesem Beitrag erfahrt ihr, wovor sich unzählige Kinder in den 1990er Jahren in Glasgow, Schottland gefürchtet haben.
Viel Spaß beim Gruseln!
Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!)
– explizite Darstellung von körperlicher Gewalt
– Gewalt gegen Kinder
– Kindesentführung
– Blut
Inhalt
Die Geschichte:
Woher kommen deine Narben? Das ist eine Frage, die mich bereits seit meiner Kindheit begleitete. Ich hasste sie. Hasste es, wenn ich an jenen Tag erinnert wurde.
Meine engsten Freunde, meine Frau und natürlich meine Eltern und Großeltern kannten die Antwort auf diese Frage. Sie wussten, was damals passiert war. Aber nach außen hin hielt ich mich bedeckt. Ich hatte mir einen Job gesucht, bei dem der einzige Kundenkontakt über E-Mails lief, ging nur selten zu irgendwelchen Veranstaltungen und auch meine Hobbys konnte ich ausschließlich von zuhause aus verrichten.
Und ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt: Du solltest dich nicht zurückziehen, nur weil du auffällige Narben hast. Und vielleicht habt ihr recht. Aber für mich waren die Narben nicht nur eine schlechte Erinnerung an meine Kindheit, sie standen auch für das Mobbing, das ich in der Schule durchleiden musste, und für die starrenden Blicke, die ich in der Öffentlichkeit bekam.
Also lebte ich zurückgezogen. So konnte ich der Frage nach meinen Narben wenigstens im Alltag entkommen. Zumindest, bis unser Sohn geboren wurde. Oder besser, bis er etwa zwei oder drei Jahre alt war und angefangen hatte, mir dieselbe Frage zu stellen: „Woher kommen deine Narben?“
Bisher hatte ich die Antwort vage gehalten. „Ich wurde überfallen“, hatte ich gesagt.
Aber natürlich war mir klar, dass ich ihm die Antwort nicht ewig schuldig bleiben konnte. Was mich zum heutigen Tag führt.
Ich war dabei, Rory von der Schule abzuholen – eine Sache, auf die ich seit seiner Einschulung vor sechs Jahren täglich bestanden hatte. Ich wollte nicht, dass er die Viertelstunde bis zu unserem Haus zu Fuß gehen musste. Dafür machte ich sogar eine Ausnahme von meiner mich-aus-der-Öffentlichkeit-zurückziehen-Methode.
Und so saß ich in meinem Auto und sah den Schülerinnen und Schülern dabei zu, wie sie mit ihren schweren Ranzen aus dem Schulgebäude strömten. Es dauerte nicht lange, bis ich Rory entdeckte. Erst jetzt stieg ich aus.
Rory war dabei, sich mit seinem besten Freund Harris zu unterhalten.
„Und du weißt wirklich nicht, woher die Narben kommen?“, fragte Harris.
Ich biss die Zähne zusammen. Keine Ahnung, warum sie ausgerechnet jetzt darüber sprachen. Wahrscheinlich, weil er mich immer sah, wenn sie Schulschluss hatten.
Rory schüttelte den Kopf. „Nein. Meine Eltern wollen es mir nicht sagen.“
„Vielleicht war dein Dad früher kriminell. Meine Mama hat gesagt, dass Gangmitglieder oft solche Narben haben.“
„Keine Ahnung.“ Rory zuckte mit den Schultern. „Vielleicht.“
Das war der Moment, in dem ich mich räusperte.
Rory und Harris sahen erschrocken auf. Sie waren wie angewurzelt stehengeblieben.
„D-Dad!“, stammelte mein Sohn.
Wie an jedem anderen Tag lächelte ich ihn an. „Hey, mein Großer“, sagte ich, während ich ihm den Ranzen abnahm. Dabei sah ich, wie Harris ihm einen entschuldigenden Blick zuwarf.
„Hallo, Harris“, ergänzte ich.
„Hallo, Mr. Morrison“, erwiderte er kleinlaut.
„Sollen wir dich mitnehmen?“, bot ich an.
Schnell schüttelte Harris den Kopf. „Keine Zeit. Muss zum Training“, erwiderte er knapp. „Wir sehen uns morgen, Rory.“ Er ging mit schnellen Schritten davon.
Ich sah ihm einen Moment kopfschüttelnd nach. Und auch Rory, der bereits eingestiegen war, machte sich auf dem Beifahrersitz ungewöhnlich klein.
Nachdem auch ich mich gesetzt und die Tür geschlossen hatte, sah ich ihn eindringlich an. Den Motor ließ ich aus. „Glaubst du das wirklich?“, fragte ich.
Rory sah nicht einmal auf.
„Glaubst du, dass dein alter Herr ein Verbrecher ist? Dass ich meine Narben daher habe?“
„D-Dad, ich … Also … Ich hab keine Ahnung, woher deine Narben kommen!“, fuhr er mich plötzlich an. „Du redest ja nicht darüber!“
Ich seufzte schwer. Ich hatte gefürchtet, dass dieser Tag kommen würde. Also wuschelte ich ihm durch die kurzen Haare. „Ich mach dir keine Vorwürfe“, sagte ich ruhig. „Aber du hast recht: Es ist an der Zeit, dass du erfährst, was mir damals widerfahren ist.“
—
Herbst 1992
Mein Name ist Craig Morrison. Ich bin acht Jahre alt und wohne in Glasgow. Heute war der Tag, der der schlimmste meines Lebens werden sollte.
Bestimmt kennt ihr das auch: Im Herbst, genau genommen in der Zeit vor Halloween, werden an den Schulen oft irgendwelche gruseligen Geschichten erzählt. Dieses Jahr waren Horrorclowns sehr beliebt. Sie waren in aller Munde. Angeblich fuhr eine Gruppe von ihnen in einem blauen Lieferwagen durch die Straßen von Glasgow und entführte Schüler, die allein draußen unterwegs waren. Ich glaube, ich kannte niemanden, der nicht irgendwen kannte, dem die Clowns angeblich schon einmal begegnet waren. Merkwürdigerweise nur hatte niemand aus meinem Bekanntenkreis die Clowns je persönlich zu Gesicht bekommen. Es waren immer nur Gerüchte. Wirklich an die Clowns glauben tat jedenfalls niemand von uns.
Aber wenn du unzählige Geschichten über gewalttätige Clowns in Transportern hörst, die Schulkinder entführen oder sogar umbringen, bekommst du irgendwann mindestens ein mulmiges Gefühl, wenn dir ein Transporter auf der Straße begegnet. Ehrlich gesagt hatte ich verdammt viel Schiss, wann immer ich einen Lieferwagen sah.
Natürlich dachte niemand von uns, dass darin tatsächlich Killerclowns saßen. Und für gewöhnlich sollten wir recht behalten: Wann immer wir jemanden in den Lieferwagen erkennen konnten, waren es gewöhnliche Arbeiter, Handwerker oder Paketboten. Bis eines Tages tatsächlich Clowns in einem der Wagen saßen …
Ich ging durch die Straßen Glasgows. Es war ein ungemütlicher Herbstnachmittag. Es nieselte. Der Wind auf meiner feuchten Haut war kalt und schneidend wie Messer. Außerdem waren zu dieser Zeit die meisten Erwachsenen noch bei der Arbeit, weshalb ich heute fast allein auf der Straße war.
Mein bester Freund Kyle, mit dem ich sonst immer zusammen nach Hause ging, hatte sich mit mir gestritten. Mit einem Stock in der Hand hieb ich auf einen Busch ein, an dem ich vorbeiging. Bunte Blätter rieselten zu Boden, begleitet von dicken Wassertropfen. Ich beachtete sie nicht.
„Kyle ist so ein Vollidiot!“, schimpfte ich leise vor mich hin.
Wenn meine Eltern mitbekamen, dass ich heute allein nach Hause ging, würde ich sicher Ärger bekommen. Auch daran wäre Kyle dann schuld. Seit unsere Schule Briefe an unsere Eltern geschickt hatte, in denen stand, dass sie auf uns aufpassen und wir möglichst nur in Gruppen unterwegs sein sollten, waren meine Eltern superempfindlich geworden, was sowas anging. Von Clowns stand natürlich nichts in dem Brief, aber wir alle wussten, dass sie der Grund dafür waren. Nicht einmal unsere Lehrer konnten vor der Welle an Gerüchten ihre Augen verschließen. Wenn sie doch nur bei anderen Themen wie zum Beispiel Mobbing genauso aufmerksam wären.
Ich machte mir so meine Gedanken, während ich die fast menschenleeren Straßen entlangschlenderte. Gleichzeitig lauschte ich meinen Schritten auf dem Asphalt. Sie waren leise, wurden ab und an von dem Rauschen des Windes oder dem Regen auf meiner Kapuze übertönt. Aber solange ich nur meine eigenen Schritte hörte, war das für mich ein gutes Zeichen. Die Gegend, durch die ich musste, um nach Hause zu kommen, war nicht gerade für ihren guten Ruf bekannt. Zwar war man vor Einbruch der Dunkelheit relativ sicher – sonst hätten meine Eltern mich nicht hier entlanggehen lassen –, aber das hieß nicht, dass sich hier keine zwielichtigen Gestalten herumtreiben konnten. Drogensüchtige, Dealer, Prostituierte und Menschen, die einem ominös nachstarrten, waren keine Seltenheit.
Heute begegnete ich keinem von ihnen. Anscheinend scheuten selbst sie das Wetter. Ich ging lediglich an ein oder zwei Bettlern vorbei, die ihre löchrigen Decken eng um sich geschlungen hatten. Ich beachtete sie nicht weiter.
Ansonsten fuhr bloß ab und an ein Auto an mir vorbei. Aber auch ihnen schenkte ich keine Beachtung. Bis ich das Quietschen von Reifen hinter mir hörte. Ich wandte mich um, gerade rechtzeitig, dass ich einen königsblauen Lieferwagen um eine Ecke rasen sah.
Mein Herz setzte für einen Moment aus. Sofort waren meine Gedanken wieder bei den Clowns. Denn, wie gesagt, nur weil ich nicht wirklich an die Clowns glaubte, hieß das nicht, dass ich in den letzten Wochen keine Angst vor Lieferwagen entwickelt hatte.
Während der Lieferwagen sich mit auf der nassen Straße rauschenden Reifen näherte, brachte ich ein parkendes Auto zwischen mich und die Fahrbahn. Ich ging dahinter nicht in Deckung, aber ich fühlte mich wohler, wenn etwas zwischen mir und dem Transporter stand. Jetzt erkannte ich, dass es sich um einen Ford Transit handelte. Nicht, dass ich mich mit Autos sonderlich gut auskannte, aber Kyle hatte mir mal die Unterschiede zwischen den Modellen erklärt, als wir über die Clowns geredet hatten. War das nicht das Modell, in dem die Clowns unterwegs sein sollten? Und auch die königsblaue Farbe passte.
Aber nein. Natürlich war das nur Zufall. Es musste Zufall sein. Und auch, dass der Transit zu rasen aufhörte, allmählich langsamer wurde, während er sich mir näherte, war rein zufällig.
Die darauffolgenden Sekunden kamen mir wie in Zeitlupe vor. Ich stand noch immer da, beobachtete mit einer Mischung aus Anspannung und Angst den Lieferwagen, der auf der Straße neben mir zum Stehen kam. Dann entdeckte ich das weiß geschminkte Gesicht hinter der Beifahrerscheibe. Die rot geschminkten Lippen malten ein breites Lächeln um seinen Mund und der winzige quietschgelbe Hut mit der blauen Blume auf seinem grünen Afro rundeten das Bild ab. Es war eindeutig ein Clown.
Langsam kurbelte er die Scheibe hinunter. „Hallo, du!“, sagte er. Seine Stimme klang übertrieben fröhlich und fast zu hoch für einen Mann. „Möchtest du einen Bonbon?“
Sofort streckte er mir eine behandschuhte Hand entgegen. Darin lag eine in ein kleines buntes Papier gewickelte Süßigkeit.
Es dauerte einen Moment, bis ich meine Sprache wiedergefunden hatte. „Nein, danke“, sagte ich dann. Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Ich habe keinen Hunger.“
Jetzt kam ein zweiter Clown in mein Sichtfeld. Er saß am Steuer, lehnte sich an dem anderen Clown vorbei, um mich anzusehen. Seine Schminke war das genaue Gegenteil seines Mitfahrers: Die aufgemalten Mundwinkel waren zu einer traurigen Fratze nach unten verzogen. Ich erkannte drei blaue Tränen auf seiner rechten Wange. „Sicher?“, fragte er. Auch er verstellte seine Stimme, als wolle er einen Cartooncharakter vertonen. „Die schmecken wirklich lecker.“
In dem Lieferwagen saßen also wirklich mehrere Clowns. Es war ein Lieferwagen voller Clowns!
„Ich habe gehört, dass sie dich bei lebendigem Leibe aufessen, sobald sie dich in den Wagen gezerrt haben!“, hörte ich Kyles Stimme in meinem Kopf.
Ich schluckte trocken. Was sollte ich jetzt tun? Würden sie mich in Ruhe lassen, wenn ich wieder ablehnte? Aber wenn es wirklich die Horrorclowns aus den Geschichten waren, gab es nur eine logische Sache, die ich machen konnte: Ich musste fliehen!
Aber wohin? Ich kannte mich hier nicht aus. Ich hielt mich für gewöhnlich an die Hauptstraße. Auch gab es keine Geschäfte in der unmittelbaren Nähe, in die ich flüchten konnte. Und wenn ich bei einem der Wohnblöcke klingelte, wusste ich nicht, ob mir jemand rechtzeitig öffnen würde.
Hastig sah ich nach links und rechts. Zu meiner Rechten war eine Seitenstraße. Wenn ich dorthin rannte, mussten die Clowns wenden oder zumindest rückwärts fahren. Damit gewann ich hoffentlich etwas Zeit! Also sprintete ich los. Meine Schuhe klatschten auf den nassen Gehweg. Meine Kapuze flog mir vom Kopf.
Im Ford Transit schrie einer der Clowns auf. Es war ein hohes Kreischen, wie das eines Kindes. „Da! Er flieht!“, erklärte er das Offensichtliche.
Im nächsten Moment heulte der Motor auf. Ein Blick über die Schulter verriet mir, dass der Transporter rückwärts fuhr. Das Heulen wurde zu einem regelmäßigen Brummen. Verdammt! Der Wagen fuhr schneller, als ich gedacht hätte.
Zum Glück war ich trotzdem schnell genug. Ich stürmte um die Ecke. Wie erwartet war die Straße auch hier wie leergefegt. Außerdem gab es keine Parkmöglichkeiten mehr am Straßenrand, keine Autos, hinter denen ich mich verstecken konnte.
Stattdessen fiel mein Blick auf ein Schild an einem der Häuser. Eine Kneipe! Ohne an Geschwindigkeit zu verlieren, sprintete ich weiter zur Tür. Sofort rüttelte ich daran. Mist! Verschlossen.
„Hilfe!“, schrie ich. Ich hämmerte mit den Händen an die Tür. „Hiiiilfe!“
Aber ich hatte keine Zeit, auf eine Reaktion zu warten. Das Heulen des Motors hinter mir verriet, dass die Clowns die Straße erreicht hatten. Der Lieferwagen fuhr rückwärts an der Abbiegung vorbei, um im nächsten Moment wieder vorwärts auf mich zuzurasen.
Also rannte ich weiter. Ein kurzes Stück die Straße runter führte eine Gasse nach rechts. Ich wusste nicht, ob sie in eine Sackgasse führte, aber was blieb mir anderes übrig?
Es war keine Sackgasse. Ich hoffte, dass sie zu schmal für den Lieferwagen waren, dass die Clowns mir nicht in ihrem Auto folgen konnten. Meine Schuhe platschten durch die Pfützen, während ich rannte. Die Wände um mich waren fensterlos.
Dafür konnte ich am Ende der Gasse Autos sehen. Sie standen auf einem asphaltierten Platz – wahrscheinlich ein Parkplatz. Wenn ich Glück hatte, waren dort Menschen oder zumindest irgendein Laden, in den ich fliehen konnte.
Auf halbem Weg wagte ich einen Blick nach hinten. Ich stockte. Die Gasse war leer. Am Ende konnte ich die Straße und das Haus auf der gegenüberliegenden Seite erkennen. Aber da war kein Lieferwagen. Keine Clowns.
Hatten sie aufgegeben? Darauf konnte ich mich nicht verlassen, also rannte ich weiter, hatte das andere Ende der Gasse fast erreicht.
Da plötzlich rollte ein Auto vor den Durchgang. Es war der blaue Lieferwagen. Er musste um den Häuserblock herumgefahren sein.
Die fensterlose Seitentür stand offen. Darin stand ein dritter Clown, der mich jetzt direkt ansah. Er war hochgewachsen und dünn. Die bunte Kleidung wirkte viel zu groß für seinen Körper, während er gebückt dastand.
„Wo willst du denn hin?“, fragte er. Seine Stimme war kratzig, ganz anders als die der beiden anderen. Es klang, als müsse er gleich husten.
Für eine schreckliche Sekunde passierte gar nichts. Ich starrte ihn bloß mit großen Augen an, während er meinen Blick mit seinen je von einem blau geschminkten Stern umrandeten Augen erwiderte.
Wir setzten uns gleichzeitig in Bewegung. Ich machte auf dem Absatz kehrt, während er aus dem Auto sprang, um mir nachzusprinten. Als Kind hatte ich keine Chance gegen einen Erwachsenen.
„Hilfe! Hi-“, schrie ich. Aber ich konnte den zweiten Hilferuf nicht einmal beenden, da wurde ich von hinten an der Jacke gepackt.
Der Clown riss mich an sich, drückte mir einen nach Zigaretten stinkenden Handschuh ins Gesicht. „Schhhh!“, flüsterte er mir zu. „Keine Angst. Wir wollen nur ein bisschen Spaß haben!“
Meine Erinnerungen an das, was darauf folgte, waren ziemlich verschwommen. Wahrscheinlich hatte ich das meiste verdrängt. Aber ich weiß noch, wie er mich in den Transporter gezerrt hatte. Am Anfang hatte ich mich noch gewehrt, aber der stinkende Clown hatte mir so lange mit der Faust ins Gesicht geschlagen, bis ich benommen liegenblieb.
In meinem nächsten Erinnerungsfetzen lag ich auf dem Rücken im Wagen. Die Clowns mussten irgendwo gehalten haben, zumindest hielten der traurige Clown und der stinkende Clown meine Arme fest, während der fröhliche Clown mit einem Messer über mir stand.
„Er ist so schön jung!“, sagte der traurige Clown begeistert. „Seine Haut ist so weich! So unberührt!“
Das war es jetzt, dachte ich. Kyle hatte recht. Die Clowns würden mich essen.
Da beugte sich der fröhliche Clown auch schon vor. Sein Kopf war unangenehm nah an meinem Gesicht. Ich roch seinen stinkenden Atem, während er mit seiner übertrieben hohen Stimme kicherte. „Keine Angst“, sagte er. „Wir sind Clowns. Wir lieben es, Kinder zum Lachen zu bringen. Also: Zeig uns dein schönstes Lächeln!“
Im nächsten Moment setzte er das Messer an meinem Mundwinkel an und zog es mit einem langen Schnitt bis zu meinem Ohr.
—
Geistesabwesend fuhr ich mit meiner Hand die Narben nach, während ich neben Rory im Auto saß. Die Clowns hatten mir ein Glasgow Grin verpasst, also einen Schnitt in beiden Wangen, der meinen Mund zu einem permanenten Lächeln verzerrte. Danach hatten sie mich irgendwo außerhalb der Stadt im Wald abgeladen, wo mich ein Spaziergänger durchnässt und völlig unterkühlt gefunden hatte.
Rory schwieg. Natürlich hatte ich ihm nicht alle Details verraten, sondern nur das Nötigste. Erst hatte ich gedacht, er glaubt mir nicht, aber irgendetwas in meinem Blick musste ihm gezeigt haben, dass ich die Wahrheit sagte.
„Von den Clowns habe ich auch schon gehört“, erklärte er dann leise. „Angeblich sollen sie manchmal immer noch durch die Straßen fahren.“
Ich sah ihn einen Moment schweigend an, ehe ich den Kopf schüttelte. „Du brauchst keine Angst haben. Ich denke nicht, dass heutzutage noch irgendwelche Clowns in einem Lieferwagen unterwegs sind“, sagte ich. Andererseits hatte ich das früher auch gedacht. Damals, als es um mein eigenes Leben ging. Was ich davon hatte, konnte ich jeden Tag im Spiegel in meinem Gesicht erkennen.
Eine Sache stand für mich jedenfalls fest: Solange mein Sohn sich nicht darüber beschwerte, würde ich ihn von der Schule abholen. Jeden Tag. Nicht ein einziges Mal sollte er allein nach Hause gehen müssen.
Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:
Die Legende:
„Killer Clowns in Transit Vans“, auch „Killer Clowns in Transit Vans in Glasgow“ oder „Killer Clowns in Transit Vans in Scottland“ genannt, ist eine urbane Legende aus Schottland.
Wie der Name bereits andeutet, handelt es sich um eine angebliche Gruppe von Killerclowns, die in den 1990er Jahren in einem oder mehreren Ford Transits durch die Straßen von Glasgow gefahren sein sollen, um Kinder zu entführen.
Täter:
Die Täter sollen mehrere als Clowns verkleidete Erwachsene gewesen sein, die in einem meist königsblauen Ford Transit durch die Straßen und Gassen von Glasgow gefahren seien.
In einigen Versionen war der Ford Transit auch weiß. Außerdem ist oft unklar, ob es sich lediglich um eine Gruppe Clowns in einem Fahrzeug oder mehrere Gruppen in mehreren Fahrzeugen gehandelt haben soll.
Mehr Details gibt es kaum über die Täter, außer, dass sie in einigen Erzählungen angeblich aus einer Nervenheilanstalt entflohen seien.
Ablauf:
Der Ablauf der Entführungen durch die Clowns war in den meisten Versionen sehr ähnlich. Es kam aber häufig vor, dass kleinere Details verändert oder hinzugedichtet wurden, um die Geschichte möglichst gruselig zu gestalten.
Es heißt, die Clowns seien Anfang der 1990er Jahre in ihren Vans durch Glasgow gefahren und haben versucht, Schulkinder zu entführen. Oft soll dies auf dem Nachhauseweg oder wenn die Kinder abends noch unterwegs waren, geschehen sein.
Wie die Clowns die Kinder entführt haben, kann sich hingegen unterscheiden. Während sie oft ausgestiegen sind, um ihr Opfer ins Auto zu zerren, sollen sie sie andere Male mit Süßigkeiten oder Spielzeug angelockt haben.
Was sie mit den Kindern gemacht haben, ist ebenfalls nicht eindeutig. Manchmal sollen die Clowns in ihrer Vorgehensweise sogar gewechselt haben, sodass man nie wusste, was auf einen zukommt. So sollen die Clowns die Kinder zum Beispiel getötet oder gegessen haben. Manchmal heißt es auch bloß, dass sie nie wieder gesehen wurden. Besonders häufig findet man im Netz hingegen die Version, dass die Clowns ihren Opfern ein breites Lächeln ins Gesicht geschnitten und sie zurück auf die Straße geworfen haben.
Ort des Geschehens:
Die Gerüchte über die Killer Clowns in Transit Vans gab es hauptsächlich zwischen 1991 und 1993 in Glasgow, wo die Legende am verbreitetsten war.
Aber auch in anderen Teilen Schottlands und dem Vereinigten Königreich gab es ähnliche Gerüchte, wenn auch meist nicht im selben Umfang.
Ursprung:
Der Ursprung der Killer Clowns in Transit Vans Legende ist nicht bloß ein Ereignis, sondern eine Kombination aus mehreren Dingen.
Die meisten Leute vermuten, dass der zweiteilige Fernsehhorrorfilm „Steven Kings Es“ von 1990 der Ursprung der Killerclownlegende war. Manchmal wird in dem Zusammenhang auch die Sci-Fi-Horror-Komödie „Killer Klowns from Outer Space“ von 1988 genannt.
Viel wahrscheinlicher ist hingegen eine Kombination der beiden Filme, die eine regelrechte Welle an Coulrophobie, also der Angst vor Clowns, ausgelöst haben, und der schottischen Kriminalkomödie „Die Touristenfalle“ (1985). In Letzterem geht es um zwei Männer, die maskiert Touristen überfallen. Einer der beiden trägt dabei eine Clownsmaske.
Außerdem soll ein realer Mordfall aus Glasgow, der Mord der 10-jährigen Christine Lee, die 1990 auf dem Weg von ihrer Oma nach Hause vergewaltigt und ermordet wurde, die Legende inspiriert haben. Sie diente u. a. als Warnung, dass die Kinder nicht mit Fremden reden und nicht alleine nach Hause gehen sollten.
Nachdem die Legende aufgekommen war, wurde sie hauptsächlich an Schulen erzählt und hat sich so rasant verbreitet. Einige Schulkinder sollen sich wohl einen Spaß daraus gemacht haben, die urbane Legende zu erzählen. Ich habe einen Kommentar im Netz gelesen, dass es in einigen Freundesgruppen sogar eine Art Wettbewerb gab, wer sich die gruseligste Version der Geschichte ausdenken konnte.
Angeblich wussten die meisten Zeitzeugen zwar bereits damals, dass an den Horrorclowns nichts dran war, trotzdem berichten viele, dass sie Angst gehabt hatten – besonders, wenn sie einen Transporter gesehen haben.
Das Ganze ging so weit, dass viele Schulen Briefe an die Eltern geschickt und teilweise sogar Notfallversammlungen einberufen haben, in denen sie davor gewarnt haben, mit Fremden zu reden, und die Kinder gebeten haben, immer mindestens zu zweit durch die Straßen zu gehen. Ironischerweise sollen genau diese „offiziellen“ Warnungen der Erwachsenen dazu geführt haben, dass die Angst vor, aber auch das Interesse an den Killer Clowns in Transit Vans gestiegen ist.
Killer Clowns in Transit Vans in der Popkultur:
Für viele Kinder der frühen 1990er Jahre in Glasgow sind die Killer Clowns in Transit Vans fester Bestandteil ihrer Jugend und der Glasgower Kultur. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die vanfahrenden Clowns es auch in die Popkultur geschafft haben.
So spielen sie eine zentrale Rolle in der schottischen Comicbuchreihe „Sink“ von John Lees. Die Comics haben mich persönlich sehr gut unterhalten, weshalb ich sie euch empfehlen kann, wenn ihr englischsprachige Horrorcomics mögt.
Außerdem handelt der Kriminalroman „Killer Clowns in Glasgow (the truth behind the myth)“ von P. K. Stein, eine fiktive Handlung, die stark durch den Mordfall Christine Lee inspiriert wurde, von den mörderischen Clowns. Bei dieser Geschichte möchte ich euch jedoch vorwarnen: Ich habe sie zwar nicht selbst gelesen, aber auch wenn die Handlung an sich spannend sein soll, ist die Geschichte den Bewertungen zufolge nicht sonderlich gut geschrieben.
Was haltet ihr von den Killer Clowns in Transit Vans? Wie hättet ihr reagiert, wenn ihr in der Schule von der Legende erfahren hättet? Schreibt es in die Kommentare!
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