Fröhliches Halloween! Wie bereits mehrfach angedeutet, habe ich diesmal etwas Besonderes für euch: eine Leseprobe meines ersten geplanten Romans – Luna und die Vergeltung der Geister.
Seit Jahren rede ich nun davon und seit Jahren möchte ich mein Manuskript auch überarbeiten (die erste Fassung war nämlich schon 2019 fertig 😅). Also habe ich endlich beschlossen, Luna wieder mehr Priorität zu geben. Daher werde ich heute und die kommenden fünf Wochen (dann wieder montags) je ein überarbeitetes Kapitel hochladen. Die weiteren Kapitel landen dann (wenn auch nur temporär) auf Patreon, bis ich hoffentlich irgendwann einen richtigen Roman herausbringen kann.
Nun wünsche ich euch aber viel Vergnügen mit dem ersten Kapitel und wie immer …
Viel Spaß beim Gruseln!
Kapitel 1:
Dienstag, 31. Oktober 2017
„Luna, reichst du mir bitte die Streichhölzer?“, fragte Natalie.
Während ich ihr das Schächtelchen reichte, warf ich einen nervösen Blick zu den drei weißen Kerzen, vor denen sie kniete. Bereits bei dem Gedanken an das, was wir vorhatten, krampfte sich mein Magen schmerzhaft zusammen.
Die anderen wirkten jedoch völlig ruhig, also versuchte ich, mir nichts anmerken zu lassen. Trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen, meine Brille gerade zu rücken. Das tat ich immer, wenn ich nervös war, selbst, wenn sie gar nicht schief saß.
Nachdem Natalie die Kerzen angezündet hatte, hielt sie die Flamme unter ein Räucherstäbchen.
Fast sofort hielt Jenny sich die Nase zu. „Eww. Was ist das denn für ein Gestank?“, jammerte sie.
Trotz meiner Anspannung musste ich schmunzeln. Jenny übertrieb häufiger mal. Ich hingegen empfand den Geruch nicht als eklig. Es roch bloß nach … nun ja, nach Rauch.
„In der Anleitung steht, dass wir eine Sitzungsleiterin ernennen müssen, die die Fragen stellt“, lenkte Natalie die Aufmerksamkeit wieder auf sich. „Haben wir eine Freiwillige?“
‚Warum übernimmt Lisa das nicht? Es war immerhin ihre Idee‘, dachte ich. Ich traute mich aber nicht, den Gedanken laut auszusprechen.
„Luna kann das machen. Wir haben das ganze Zeug immerhin schon eingekauft“, erwiderte Jenny.
Ich riss die Augen auf. „I-ich? Aber ich bin doch gar nicht vorbereitet!“, protestierte ich. Doch es war zwecklos.
„Komm schon, Luna. Das wird sicher lustig“, versuchte Natalie, mich zu ermutigen. „Du kennst das doch aus den ganzen Filmen. Frag einfach nach dem Namen und so weiter.“
Ich verkniff mir, sie darauf hinzuweisen, dass Geisterbeschwörungen in den meisten Filmen in einem Blutbad mit mehreren Toten endeten.
Nachdem ich noch einige Minuten erfolglos versucht hatte, mich herauszureden, schaltete Lisa schließlich das Licht aus und wir setzten uns um einen kleinen Tisch auf den Boden.
Mit einer Mischung aus Misstrauen und Neugier sah ich zu dem ominösen Brett zwischen uns. Obwohl überall im Zimmer Halloweendekoration hing, wirkte das Stück Holz auf dem undekorierten Tisch als Einziges irgendwie bedrohlich. Im flackernden Licht der Kerzen sah es fast so aus, als wäre es lebendig, als würde sich die Planchette darauf bereits bewegen.
Es war das erste Mal, dass ich ein echtes Ouija-Brett sah. In den beiden oberen Ecken standen die Worte „Yes“ und „No“, darunter das Alphabet und eine Zahlenreihe. Am unteren Ende standen in Großbuchstaben die Worte „GOOD BYE“.
Ich schluckte schwer, ehe ich wieder zu Natalie sah.
„Hier steht, dass niemand seine Beine gekreuzt haben darf“, erklärte sie, ehe sie die Anleitung nach einem letzten flüchtigen Blick beiseitelegte. „Also. Wir legen jetzt alle einen Finger auf die komische Scheibe. Dann fragt Luna, ob uns ein Geist hören kann, und wir warten ab, ob etwas passiert.“
Mit zittriger Hand führte ich meinen Zeigefinger zu der Planchette. Das Holz fühlte sich seltsam kalt an. Die anderen drei waren deutlich weniger zimperlich. Als ich meinen Blick wieder hob, sahen sie mich bereits erwartungsvoll an. Natalie nickte mir aufmunternd zu.
Ich öffnete den Mund, brachte jedoch kein einziges Wort über die Lippen. Also atmete ich einige Male tief ein und aus. Ich lauschte meinem Herzen, das wie wild am Pumpen war, versuchte, mich irgendwie zu beruhigen. Dann endlich schaffte ich es, über meinen Schatten zu springen.
„Hallo?“, fragte ich laut in den Raum. Meine Stimme zitterte. „Kann uns irgendjemand hören?“
Die Luft schien vor angespannter Erwartung zu pulsieren. Es war so ruhig, dass ich die anderen atmen hörte. Ansonsten geschah nichts. War ich zu undeutlich gewesen?
Ich versuchte es noch einmal: „Ist hier ein Geist, der mit uns reden möchte?“, fragte ich in den Raum.
Wieder nichts. Wir sahen einander fragend an. Jenny sah gelangweilt aus.
Kurz überlegte ich, ob ich meinen Finger wegnehmen sollte. Andererseits wusste ich, dass ich wieder die Dumme sein würde, wenn ich als Erste aufgab.
Als alle sechs Augen wieder auf mich gerichtet waren, seufzte ich. Ich würde es noch einmal versuchen müssen. Gerade, als ich den Mund öffnen wollte, erklang jedoch ein hölzernes Schaben. Die Planchette bewegte sich in Richtung „Yes“.
Mit großen Augen starrten wir einander an. Hatte eine der anderen die Planchette bewegt? Oder war das etwa ein echter Geist?
Natalies eindringlicher Blick riss mich aus meinen Gedanken. Stumm formte sie mit den Lippen die Worte: „Frag was!“
Mein Herz hämmerte in meiner Brust. Es übertönte jetzt alles andere. Bumm bumm, bumm bumm, bumm bumm. Das unwohle Gefühl in meiner Magengegend wurde schlagartig stärker, während ich die nächste Frage stellte: „Geist, wie ist dein Name?“
Wie gebannt starrten wir alle vier auf das Brett. Die folgenden Sekunden kamen mir wie Minuten vor. Dann ertönte wieder das leise Schaben der Planchette. Der erste Buchstabe war ein S, dann ein T, ein E, ein R, ein B, ein T – „sterbt“.
Mit vor Schreck geweiteten Augen saß ich da. Mir war speiübel. Und auch die anderen sahen einander unruhig an.
Natalie zog als Erste den Finger weg. Ihre Bewegung war hektisch, als habe sie gerade eine Spinne entdeckt. „Egal, wer von euch das war“, schrie sie. „Das ist nicht lustig!“
Sie hatte gerade das letzte Wort ausgesprochen, da blies uns auch schon ein Windstoß um die Ohren. Er war so stark, dass mein Pferdeschwanz hin- und herwippte. Die Kerzen erloschen alle gleichzeitig. Um uns herum war es jetzt stockdunkel. Für den Bruchteil einer Sekunde herrschte Totenstille im Raum.
Im nächsten Moment schrien wir alle durcheinander. Ich sprang so ruckartig auf, dass ich mit dem Schienbein gegen den Tisch knallte. Ich spürte es kaum. Mit einem Satz war ich bei der Tür, tastete mit der Hand panisch an der Wand entlang. Hier irgendwo musste er sein. Da! Ich drückte den Schalter und die Deckenlampe ging an.
Das Geschrei stoppte schlagartig. Um mein rasendes Herz zu beruhigen, schloss ich einen Moment meine Augen. Ich zwang mich, tief durchzuatmen.
„Seid ihr in Ordnung?“, fragte ich schließlich, während ich mich zu den anderen drehte.
Ich weitete die Augen vor Schreck. Es waren aber nicht meine Freundinnen, die mir den Schock bescherten – ihnen ging es gut, soweit ich es beurteilen konnte –, sondern die fremde Frau. An der Stelle, wo ich eben noch gesessen hatte, stand jetzt eine asiatisch aussehende Frau in einem schwarz-roten Kimono. Obwohl sie ihr Gesicht bis unter die Augen mit einem edlen roten Seidenfächer bedeckte, sah es ungewöhnlich hübsch aus. Aber in ihrem Blick, der sich wie ein Messer in mich bohrte, fehlte jedes Anzeichen von Wärme. Er jagte mir einen eiskalten Schauer über den Rücken. Es fühlte sich an, als hätte man einen Wassereimer über mich gekippt. Dann war die Frau verschwunden.
Ich starrte die Stelle an, an der sie bis eben noch gestanden hatte. Ich blinzelte einige Male, ehe ich zu den anderen sah. Sie tuschelten miteinander, schienen die Frau nicht einmal bemerkt zu haben.
Stattdessen kam Natalie auf mich zu. „Komm Luna, lass uns nach Hause fahren“, drängte sie.
Ich beachtete sie nicht. „Habt ihr das auch gesehen?“, fragte ich völlig ruhig.
„Ja“, erwiderte Natalie. „Wir sind alle dabei gewesen. Irgendetwas hat die Scheibe bewegt und die Kerzen ausgepustet. Lass uns jetzt bitte gehen.“ Sie zog sanft an meinem Ärmel.
Aber ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich meine die Frau, die eben im Zimmer stand.“ Ich hob den Zeigefinger, um dahin zu deuten, wo ich sie gesehen hatte.
Natalie, Jenny und Lisa sahen mich fassungslos an, während ich zwischen ihnen hin und her sah. Dann nahm Jenny Lisa am Arm und verließ mit ihr hastig den Raum. „Kann ich heute Nacht in deinem Zimmer schlafen?“
—
Kurze Zeit später saßen Natalie und ich schweigend in ihrem Auto. Wir hatten kein einziges Wort mehr gesprochen, seit wir uns von Jenny und Lisa verabschiedet hatten.
Irgendwann durchbrach sie das Schweigen. „Du warst das, oder?“, fragte sie. „Du hast die Scheibe bewegt und die Kerzen ausgepustet.“
„Was? Ich … Nein!“, erwiderte ich. Ich starrte Natalie fassungslos an. Wie konnte sie so etwas auch nur denken?
„Du hast von Anfang an gesagt, dass wir die Séance zu sehr auf die leichte Schulter nehmen. Wir haben deine Warnungen ignoriert, weshalb du uns eins auswischen wolltest“, sagte sie. Sie klang, als wäre sie von ihrer Theorie vollkommen überzeugt. „Nur das mit der Frau war vielleicht etwas viel.“
Ich öffnete den Mund, wusste aber nicht, was ich sagen sollte. Andererseits wollte ich ihr nicht das Gefühl geben, mit meinem Schweigen zuzustimmen. „Wenn man die Planchette absichtlich bewegt, kann das böse Geister herbeirufen“, erklärte ich. „Denkst du wirklich, das würde ich riskieren?“
Natalie sah für einen Moment so aus, als müsste sie tatsächlich darüber nachdenken. „Du hast also wirklich eine Frau gesehen?“, fragte sie dann.
„Ja“, mein Mund fühlte sich trocken an. Ich hatte noch immer ihren eiskalten Blick vor Augen. „Sie stand einfach nur da und hat mich angesehen, bevor sie plötzlich verschwunden ist“, erklärte ich.
Natalie runzelte die Stirn. Dann aber schüttelte sie den Kopf. „Das war bestimmt nur der Schock. Wir hatten alle ganz schöne Panik, als die Kerzen plötzlich ausgegangen sind. Dein Kopf hat dir einen Streich gespielt.“
Ich schwieg. Konnte das sein? Hatte ich mir die Frau bloß eingebildet? Einerseits hoffte ich es – ich konnte mich noch lebhaft daran erinnern, wie die Planchette das Wort „sterbt“ gebildet hatte. Andererseits würde es bedeuten, dass mit mir etwas nicht in Ordnung war – Schock hin oder her, so etwas konnte man sich doch nicht einbilden, oder?
Das war das erste Kapitel von Luna. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Wenn ihr nicht warten wollt, könnt ihr Kapitel 2 bereits jetzt auf Patreon lesen. Ansonsten wünsche ich euch ein schönes Halloween, eine angenehme Woche und freue mich auf eure Kommentare!
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das Kapitel hat mir schon gefallen ^^
dennoch hätte ich es für spannender gefunden, wenn die Gruppe erst mehr Fragen gestellt hätte, die nach und nach risikoreicher werden, um mehr Spannung aufzubauen ^^ dennoch top kapitel
Hmm. Auch eine schöne Idee. Ich weiß zwar nicht, ob es unbedingt zu dem Geist passen würde oder in solch einer Situation die Charaktere alle die Finger auf der Planchette behalten hätten, aber ich notiere es mir mal. Nicht, dass ich vorhätte, das Manuskript noch einmal zu überarbeiten (zumindest nicht, bevor es sich ein Lektor angeschaut hat), aber man kann ja nie wissen. 😅
dwill ich 0.0000000001% der Einnahmen (nur spaß)
Das wäre 1 ct pro 10 Milliarden Euro. Die 0 ct kann ich dir auch ohne verkaufte Bücher versprechen. ^^‘