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Homey der Clown
Homey der Clown (2020)

Homey der Clown

Homey der Clown ist die erste Geschichte, wo mir beim schreiben ein wenig übel geworden ist. Ich weiß nicht, ob es an meinem Schreibstil lag oder daran, dass ich mich so sehr in die Situation hineinversetzt habe. Das Schlimmste daran ist jedoch, dass etwas Ähnliches auch jetzt gerade in diesem Moment da draußen geschieht.

Die Geschichte:

Homey der Clown … Wer vor etwa dreißig Jahren in Chicago gelebt hat, wird sich an diesen Namen erinnern. „Eine urbane Legende“, werden jetzt viele sagen. Sogar die Polizei behauptet, dass es ihn nie gegeben habe …

Doch ich weiß es besser. ‚Verrückte Emily‘ nennen mich die Leute. Aber ich habe ihn kennengelernt – mehr, als es mir lieb war.

1991. Gerade einmal acht Jahre war ich alt. Ich weiß noch, dass es langsam kälter wurde. Keine leichte Zeit für ein Straßenkind wie mich.

Trotzdem hatte ich in jenem Jahr Hoffnung. In meiner Nähe hatte ein neues Obdachlosenheim geöffnet. Obwohl ich erst skeptisch war, ging ich hin.

Ich war überwältigt. Nicht nur, dass ich eine warme Mahlzeit bekommen hatte, ich wurde sogar gewaschen, mir wurden die Haare gekämmt und ich hatte einen sauberen Pulli und eine Decke bekommen.

Eine freundliche Frau erzählte mir sogar, dass sie mir helfen wolle, eine neue Familie zu finden. Ich solange bei ihnen bleiben dürfe.

Ich glaube, sie hatte es mir erzählt, um mir eine Freude zu bereiten, mir Hoffnung zu machen. Bestimmt dachte sie, dass ich so in der Nacht besser schlafen würde. Doch ihre Aussage erfüllte mich mit Furcht.

Wie konnte sie mir nur so etwas antun wollen? Für mich hieß Familie arbeiten, putzen, geschlagen werden, wenn man einen Fehler machte, verstoßen werden, weil man zu viel Geld koste … Ich wollte das nicht noch einmal durchmachen müssen! Also rannte ich fort. Ich verließ die warme Unterkunft, die ich gerade erst gefunden hatte, um mich an einem kalten Herbstabend auf den Straßen wiederzufinden.

Da ich nicht wusste, wo ich sonst hinsollte, ging ich zu der Gasse zurück, wo ich in den meisten Nächten schlief. Es war nicht viel, aber sie musste genügen. Den Winter würde ich dort nicht überleben, aber dafür war sie windgeschützt.

Als ich mich der Gasse näherte, hörte ich einen lauten Tumult. Erst dachte ich, dass sich nur zwei Betrunkene streiten würden, doch als ich um die Ecke spähte, sah ich nur einen Mann.

Er war ein Obdachloser, ich hatte ihn jedoch noch nie zuvor gesehen. Normalerweise hatte ich keine Angst davor, die anderen anzusprechen. Sie waren fast alle sehr freundlich, und selbst wenn sie getrunken hatten, verweigerte mir selten jemand einen Schlafplatz.

Doch bei diesem Mann war es anders. Ich hatte ein ungutes Gefühl, fand ihn irgendwie unheimlich, wie er dasaß, umgeben von leeren Bierflaschen, Selbstgespräche führte und dabei diesen rauen Tonfall hatte.

Ich kannte noch einen anderen geeigneten Platz, von dem nur wenige wussten. Bis dorthin war es aber noch ein weiter Weg und es dämmerte bereits. Aber was hatte ich für eine andere Wahl? In das Obdachlosenheim wollte ich jedenfalls nicht zurück!

Während ich durch die Straßen schlenderte, wurde es immer kälter. Ich fror und hatte das Gefühl, beobachtet zu werden. Das schwache Licht der Laternen und Häuser, das kaum hell genug war, um den Gehweg auszuleuchten, die Stille, die nur ab und an durch ein Auto unterbrochen wurde und der Gedanke daran, dass die Frau aus dem Heim mich in eine Familie stecken wollte, machten die Situation nicht besser. Ich wurde richtig paranoid.

Das liegt nur an dem betrunkenen Typen. Emily, alles ist gut!‘, redete ich mir ein.

Abgesehen von meinen Eltern wollte mir nie jemand etwas Böses. Wozu auch? Ich war unwichtig und besaß nichts, was es sich zu stehlen lohnte. Die meisten Leute ignorierten mich einfach.

Doch in dieser Nacht war es anders. Ein weißer, fensterloser Van fuhr plötzlich im Schritttempo neben mir. Erst erschrak ich. Wieso fuhr das Auto so langsam? Wollte der Fahrer etwas von mir?

Da ich nicht wusste, wie ich mit der ungewohnten Situation umgehen sollte, blieb ich stehen. Ich sah das Auto mit großen Augen an, während die Scheibe langsam nach unten gekurbelt wurde.

„Na Kleine, hast du dich verlaufen?“, fragte ein Mann. Es war aber nicht irgendein Mann, er trug ein Clownskostüm.

Schlagartig verbesserte sich meine Stimmung. Ich mochte Clowns!

„Nein, ich gehe nur spazieren“, antwortete ich ausweichend. Im Laufe der Zeit hatte ich herausgefunden, dass die Leute sich nicht für mich interessierten. Ich hatte mir angewöhnt, kurze und wenig sagende Antworten zu geben.

„Achso“, sagte der Clown. Er schien nachzudenken. „Möchtest du etwas Süßes?“, fragte er.

Er hatte es mir bestimmt sofort angesehen. Mein Gesicht muss aufgeleuchtet sein wie ein frisch angezündetes Streichholz. „Hast du Schokolade?“

„Natürlich. Steig ein und ich gebe dir all die Schokolade, die du willst!“, erwiderte der Clown.

Ich weiß, was ihr jetzt denkt. Wie kann man nur so bescheuert sein und bei einem fremden Mann ins Auto steigen? Besonders in einen Van? Jedes Kind weiß doch, dass man so etwas nicht tut! Und ihr habt wahrscheinlich Recht.

Ich war aber nicht ‚jedes Kind‘, ich war die kleine Emily, ein Mädchen, das nie eine richtige Familie gehabt hatte. Ich hatte keinen Vater, keine Mutter, keinen Onkel, keine Tante, die mir je gesagt hatten, dass ich nicht mit Fremden reden, schon gar nicht zu ihnen ins Auto steigen durfte.

Außerdem war der Fremde doch ein Clown. Ich liebte Clowns. Sie waren immer fröhlich, egal, wie tollpatschig sie waren oder ob sie sich wehtaten. Zudem waren sie immer nett zu mir gewesen. Wahrscheinlich war es aus Mitleid, wenn sie mich sahen, aber ich bekam so häufig einen gratis Ballon von ihnen, durfte mit ihnen spielen und ihren albernen Scherzen zusehen. Es war fast so, als hätte ich einen richtigen Freund, wenn auch nur für ein paar Minuten. Wieso sollte solch ein toller Mensch mir also schaden wollen?

Sogar, als er die Tür abschloss und losfuhr, war ich noch so naiv.

„Fahren wir zur Schokolade?“, fragte ich voller unwissender Vorfreude.

Der Clown antwortete nicht. Er fuhr einfach weiter. Ich weiß noch, wie sehr ich gestaunt hatte. Bisher hatte ich Autos immer nur von Außen gesehen. Es war so cool, mal selbst in einem zu fahren!

Doch meine Freude war nicht von langer Dauer. Nachdem der Clown in eine Seitenstraße eingebogen war, hielt er den Wagen an. Er drückte mir seine Hand auf den Mund, sodass ich nicht schreien konnte, würgte mich, bis ich das Bewusstsein verlor.

Ich weiß noch, wie verwirrt ich damals war. Wieso tat er das? Er war doch ein Clown! Clowns taten Kindern nicht weh!

Doch sehr bald lernte ich, dass unter der lustigen Maske dieses Clowns, ein ekelhaftes Monster steckte. Die Dinge, die er mir angetan hat … Ich … Nein. Ich will nicht darüber reden. Ich kann nicht darüber reden.

Er hat mir Dinge angetan, die man niemals einem Kind, einem Menschen antun sollte. In den kommenden Tagen, Wochen, Monaten hatte ich mein letztes bisschen Kindheit endgültig verloren.

Doch das Schlimmste in meiner Zeit bei dem Mann waren nicht seine Besuche. Es war die Zeit dazwischen.

Während ich in dem kalten, fensterlosen Keller saß, ohne etwas, womit ich mich ablenken konnte, machte ich mir viele Gedanken. Zu viele Gedanken.

Ich weiß noch, dass ich das Obdachlosenheim verfluchte. Ich gab mir selbst die Schuld an meiner Entführung. Hätte ich mich nicht waschen lassen, mich nicht kämmen lassen, keine frische Kleidung getragen … Der Mann hätte mich ignoriert, wie es sonst immer alle taten.

Auch gab ich dem Betrunkenen die Schuld, der meine Gasse besetzt hatte.

Ich erinnere mich sogar daran, dass ich die Clowns beschuldigte, weil sie immer so freundlich zu mir gewesen waren.

Niemals gab ich jedoch dem Monster die Schuld daran. Natürlich, ich hasste ihn. Aber wenn ich ihm die Schuld gegeben hätte, für seine Handlungen, wäre er zu einem Menschen geworden. Ein Wesen, das mir ganz bewusst und ohne mein Zutun schaden wollte, das Entscheidungen treffen konnte. Wenn ich das getan hätte, wusste ich, dass ich nie wieder irgendeinem Menschen trauen würde.

Und so gab ich auch nicht ihm die Schuld daran, dass er einen Fehler machte.

Eines Tages, nachdem er mich … besucht hatte, Schloss er die Tür hinter sich. Dann hörte ich Schritte die Treppe hochgehen.

Moment. Das stimmte nicht. So war es nicht. Erst Tür schließen, dann Schlüssel rasseln, dann Schritte auf der Treppe …! Er hatte das Schlüsselrasseln vergessen. Das hieß …!

So leise ich konnte, schlich ich zur Tür. Ich weiß noch, wie meine Beine mich kaum tragen wollten. Doch ich zwang mich, durchzuhalten!

Ich legte mein Ohr an das kalte Metall und lauschte. Erst, als es vollkommen still geworden war, traute ich mich, die Klinke herunterzudrücken. Mit einem leisen Quietschen öffnete sich die schwere Metalltür.

Was dann folgte, kam mir vor, wie ein Traum. Mit nackten Füßen schlich ich die Kellertreppe hinauf. Ich war durchgehend auf der Hut, achtete auf jedes Geräusch. Doch im Haus blieb es still.

Die Haustür erkannte ich sofort. Direkt neben ihr war ein Fenster, durch das man nach draußen in das Dunkel sehen konnte. Es musste Nacht sein.

Ohne zu zögern, riss ich die Haustür auf. Sie war nicht verschlossen!

„Wer … Wer ist da?“, hörte ich eine grummelige Stimme hinter mir. Es war die Stimme des Monsters.

Ich wartete nicht erst darauf, dass er in den Flur trat. Sofort rannte ich nach draußen und schlug hinter mir die Tür zu. Dann rannte ich weiter. Ich kannte die Straßen. Wir waren noch immer in Chicago!

Ich rannte und rannte, bis meine Füße bluteten. Doch ich durfte nicht anhalten. Nicht, bis ich nicht in Sicherheit war!

Die Legende:

Homey der Clown ist eine urbane Legende über einen als Clown verkleideten Mann, der in den 1990er Jahren in Chicago versucht haben soll, Kinder zu entführen oder gar zu vergewaltigen.

Aussehen:

Das Aussehen von Homey dem Clown wird sehr selten genauer erläutert.

Einige behaupten zwar, dass er ähnlich aussehe, wie „Homey D. Clown“ aus der amerikanischen 1990er Comedy Serie „In Living Color“, nach dem er benannt wurde, doch meist wird er einfach nur als Clown beschrieben.

Eigenschaften:

Homey der Clown war angeblich ein als Clown verkleideter Mann, der 1991 in einem weißen Van durch die Straßen von Chicago gefahren sein soll. Selten wurde der Van auch als andersfarbig beschrieben.

Es heißt, dass Homey entweder versucht haben soll, die Kinder mit Geld oder Süßigkeiten in seinen Van zu locken, oder aber, dass er die Kinder sogar gewaltsam in seinen Van gezerrt habe. Es heißt, dass er die Kinder anschließend entführt oder sogar vergewaltigt habe.

Selten wird auch berichtet, dass er Kinder mit einer Socke schlagen würde, wobei das wahrscheinlich eher auf die Serie „In Living Color“ zurückzuführen ist, wo der gleichnamige Clown Leute mit einer Socke geschlagen hat.

Die Angst vor Homey war zu der Zeit jedoch sehr groß. Von der Polizei wurde Ausschau nach ihm gehalten, Eltern und Lehrer warnten die Kinder und es soll sogar Leute gegeben haben, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Kidnapper zu finden und unschädlich zu machen.

Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass tatsächlich ein als Clown verkleideter Entführer zu dem Zeitpunkt in Chicago unterwegs war. Sogar die Polizei hat im Nachhinein bestätigt, dass an den Gerüchten nichts dran gewesen sei.

Ort des Geschehens:

Es gibt keinen genauen Ort, an dem Homey der Clown aktiv gewesen sein soll. Man weiß nur, dass er angeblich in Chicago unterwegs war.

Da er es auf Kinder abgesehen haben soll, würde es aber Sinn ergeben, wenn er besonders in der Nähe von Schulen oder Spielplätzen aktiv gewesen wäre.

Ursprung:

Die Legende von Homey dem Clown entstand im Herbst 1991 in Chicago.

„In Living Color“, die bereits erwähnte Comedy Serie, die den Clown „Homey D. Clown“ beinhaltet, war mit großer Wahrscheinlichkeit der Ursprung für die Legende.

Im Gegensatz zu normalen Clowns ist „Homey D. Clown“ ein untypischer Clown, der die „Kinder“ in der Serie schlecht behandelt. So schenkt er ihnen u.A. als Weihnachtsmann verkleidet schlechte oder uninteressante Geschenke oder weigert sich auf einer Kindergeburtstagsfeier, lustige Dinge zu tun. Außerdem schlägt er die Kinder als Running Gag mit einer Socke, wenn sie Dinge sagen oder tun, die ihm missfallen.

Da „Homey D. Clown“ eher an erwachsene Zuschauer gerichtet ist, kann ich verstehen, wenn er für tatsächliche Kinder unter gegebenen Umständen als gruselig erscheint.

Ob es einen echten „Homey der Clown“ gab, der in seinem weißen Van durch die Straßen fuhr, um Kinder zu entführen, ist jedoch umstritten.

Es wurden unter anderem keine Beweise dafür gefunden, dass Homey der Clown wirklich existiert hat.

Außerdem ist das Gerücht um Homey den Clown im Herbst, also in der Zeit um Halloween herum, entstanden. Also in einer Zeit, wenn viele neue falsche Gerüchte und Gruselgeschichten entstehen.

Trotzdem sind auch heute noch viele Leute davon überzeugt, dass er mehr als nur eine urbane Legende gewesen sei.

Anmerkung:

Neben der Angst, die die urbane Legende über Homey den Clown unter Grundschülern und Kindern verbreitet hat, hat sie ganz besonders den tatsächlichen Clowns geschadet.

Wie bereits einige Kinofilme über Horrorclowns zuvor oder später die Horrorclownpanik in den USA und Europa, wurde dadurch einer gesamten Berufsgruppe die Arbeit erschwert. Nicht nur, dass die Leute, die Clowns eigentlich lustig finden sollten, plötzlich Angst vor ihnen haben, Clowns wurden in den frühen 1990er Jahren in Chicago auch noch auf öffentlicher Straße beleidigt, diskriminiert oder sogar angegriffen.

Ich selbst bin ein großer Fan von Horrorclowns, möchte aber darum bitten, zwischen Horrorclowns und richtigen Clowns zu unterscheiden. Die einen sind meist fiktiv und sollen Angst verbreiten, während die anderen nur versuchen, Kinder und auch Erwachsene zum Lachen zu bringen und ggf. dabei etwas Geld zu verdienen.


Fandet ihr die Geschichte genauso eklig, wie ich? Denkt ihr, dass Homey der Clown tatsächlich existiert hat oder dass er nur eine urbane Legende war? Schreibt es in die Kommentare!

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