Startseite » Der Kraken

Der Kraken Zeichnung von Jeremie Michels. Man sieht ein Kreuzfahrtschiff während eines Gewittersturms von der Seite. Im Hintergrund zucken Blitze. Um das Kreuzfahrtschiff selbst ist ein gewaltiger Kraken gewickelt, der fast die Hälfte des gesamten Schiffes einnimmt.
Der Kraken (2020)

Der Kraken

Der Kraken ist mein erster Blogbeitrag über ein Seeungeheuer. Bisher habe ich mich nicht an Seefahrtslegenden herangetraut, da ich mich wenig bis gar nicht mit der Seefahrt oder Schiffen auskenne. Trotzdem werde ich in Zukunft versuchen, mich mehr darüber zu informieren.

(Solltet ihr irgendwelche guten Bücher, Internetseiten, Videos oder Dokus über die Seefahrt kennen, würde ich mich sehr über eine Nachricht freuen!)

Die Geschichte:

Es war spät am Abend, als ich von einem seltsamen Geräusch geweckt wurde. Erst wusste ich nicht, ob ich es bloß geträumt hatte, doch dann ertönte es erneut: Ein lautes Ächzen, als würde Metall unter großer Spannung stehen, zog durch die gesamte Oceans Pride – das Kreuzfahrtschiff, auf dem mein Mann und ich unsere Flitterwochen verbrachten. Konnte das an dem Sturm liegen, der draußen wütete?

Dann gab es einen plötzlichen Ruck, der mich fast aus dem Bett schleuderte. Möbel kippten um. Irgendwo in der Kabine ging etwas zu Bruch.

Panisch tastete ich nach dem Lichtschalter. Doch als ich ihn betätigte, geschah nichts. Hatten wir Stromausfall?

Ich merkte bereits, wie mein Puls anstieg, als eine Durchsage startete:

„Hier spricht der Kapitän. Wir möchten Sie bitten, Ruhe zu bewahren und sich auf Ihre Kabinen zu begeben. Das Personal wird Ihnen …“

Ein erneuter Stoß erschütterte das Schiff.

„Kap’tän, was ist das?“, ertönte eine andere leisere Stimme durch die Lautsprecher.

„Heilige Scheiße!“, hörte ich den Kapitän fluchen.

Dann herrschte Stille – jedoch nur für einen Moment. Kurz darauf war wieder das Ächzen zu hören – dicht gefolgt von einem lauten, metallischen Knacken.

Jetzt brach Panik aus. Ich hörte dumpfe Schreie und einige Angestellte, die lautstark versuchten, die Passagiere zu beruhigen. Es klang nach völligem Chaos. Von den Lektionen der Seenotrettungsübung, die wir kurz vor Beginn der Fahrt mitmachen mussten, war nichts mehr zu sehen.

‚Mein Mann!‘, schoss es mir in den Kopf. Chris war noch mit einigen Freunden an die Bar gegangen, während ich mich auf die Kabine zurückgezogen hatte!

Fieberhaft dachte ich darüber nach, was ich tun sollte. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass das Kreuzfahrtschiff während unserer Hochzeitsreise einen Unfall haben würde. Meine schlimmsten Befürchtungen waren homophobe Bemerkungen oder schlechtes Essen gewesen …

Was würde mein Mann tun? Würde er zur Kabine kommen? Aber was, wenn er direkt zu der uns zugewiesenen Musterstation – den Stationen, wo sich die Rettungsboote befanden – rennen würde? Nein. Ich musste ihn suchen!

Panisch eilte ich zur Tür. Ich warf mir einen Bademantel über und trat in den Flur.

Dort funktionierte der Strom noch. Ruhige klassische Musik mischte sich unter die Schreie, die jetzt nicht mehr gedämpft waren, und erzeugte einen merkwürdigen Kontrast.

Auch konnte ich jetzt die ersten Leute erkennen, die hektisch durch den Gang rannten. Einer von ihnen wäre direkt in mich hinein gelaufen, wäre ich nicht beiseite gesprungen.

Dann ertönte wieder dieses seltsame ächzende Geräusch. Sein Echo hallte gespenstisch durch die Gänge, während die Lichter flackerten und der Boden begann, sich in eine Schräglage zu bringen. Ich hatte keine Zeit zu verlieren! Ich musste meinen Mann finden!

Auf dem Weg stieß ich immer wieder mit Leuten zusammen, die in Gruppen durch die Gänge hetzten und keine Rücksicht auf Gegenverkehr nahmen.

Zweimal begegneten mir Mitarbeiter, die erfolglos in mehreren Sprachen die Leute dazu aufforderten, ruhig zu bleiben und ihre Rettungswesten aus den Kabinen zu holen oder sich zu den Musterstationen zu begeben. Ich ignorierte sie ebenfalls.

Dann erreichte ich endlich die Bar. Überall lagen zerbrochenes Geschirr und Besteck am Boden. Essen und Flüssigkeiten liefen zusammen und bildeten schleimige Pfützen. Viele der Stühle waren umgekippt.

„Es tut mir leid. Ich spreche kein Spanisch. Sie müssen die Rettungsweste aus ihrer Kabine holen!“, redete eine Kellnerin wild auf einen Mann ein. Sie war noch sehr jung. Vielleicht sogar noch eine Teenagerin.

„¡Pero mi familia! ¿Donde estan mi hijo y mi madre?“, schrie der Mann völlig aufgelöst.

Ich eilte zu ihnen. „Entschuldigung. Mein Name ist Michael. Haben Sie vielleicht meinen Ehemann Chris gesehen?“, fragte ich schnell. „Groß, braune Haare, braune Augen. Er trägt eine Jeans und ein weißes Hemd!“

„Sir, Sie beschrieben fast ein Drittel der Männer, die sich an Bord befinden“, erwiderte sie schnell, bevor sie sich wieder an den Spanier wandte, der noch immer wild auf sie einredete: „Señor, ich spreche kein Español!“

„Wissen Sie vielleicht, was los ist. Ich will doch nur zu meinem Mann!“, jammerte ich panisch.

Ich bemerkte erst, wie überfordert die Frau selbst war, als sie in Tränen ausbrach. Doch mir blieb keine Zeit, sie zu trösten. Nicht nur, dass das Schiff inzwischen eine solche Schräglage erreicht hatte, dass die Stühle und das kaputte Geschirr anfingen, über den Boden zu rutschen, draußen zuckte auch noch ein Blitz durch die Luft und erhellte für einen kurzen Moment die Terrasse, die zur Bar und dem Restaurant gehörten.

„¡Dios mío!“, schrie der Spanier und ergriff die Flucht.

Ich war stocksteif vor Anspannung, den Blick nach draußen in die Dunkelheit gerichtet.

„Sir. Bitte, wir müssen hier weg!“, schrie die Kellnerin mir entgegen, während Sie jetzt an meinem Arm zerrte.

„Haben Sie eine Taschenlampe?“, fragte ich ganz ruhig.

„Was?“

„Haben Sie eine Taschenlampe?“, fuhr ich sie an.

„Hinter der Bar, aber …“

„Holen Sie sie!“, befahl ich.

Sie protestierte nicht weiter, sondern rannte zur Theke. Sofort kam sie mit einer großen, schwarzen Taschenlampe zurück.

Ich nahm sie, schaltete sie ein und leuchtete nach draußen.

„Das … Das ist nicht möglich …“, hauchte die Kellnerin. Ihr ohnehin schon bleiches Gesicht hatte jetzt sämtliche Farbe verloren.

Draußen auf der Terrasse lag ein gigantischer, orange-beiger Tentakel. Riesige Saugnäpfe hatten sich an das Deck geheftet, während die Muskeln angespannt zudrückten. Wie es aussah, hatte sich ein Tintenfisch um das Schiff gewickelt. Es war aber nicht irgendein einfacher Oktopus, es war ein gigantischer Riesenkrake, wie man ihn sonst nur aus Geschichten kannte!

„Wir müssen hier weg!“, drängte die Kellnerin, während wir beobachteten, wie der Tentakel sich bewegte. Wieder ertönte das ächzende Geräusch. „Zu welcher Musterstation müssen Sie?“

„M7“, sagte ich schnell, „Aber denken Sie, dass das noch irgendwen interessiert?“

„Haben Sie nicht gesagt, dass Sie ihren Mann suchen? Wo denken Sie sonst, dass er hinrennt? Folgen Sie mir!“, erwiderte die Kellnerin und packte wieder meinen Arm. Diesmal leistete ich keinen Widerstand.

Während wir durch den Flur stolperten, war die Schräglage des Boots bereits so steil, dass wir uns am Geländer festhalten mussten, um nicht abzurutschen.

Die klassische Musik spielte noch immer, und jetzt, wo man keine Schreie mehr hören konnte, fühlte ich mich, wie in einem Film, in dem dramatische Szenen mit Mozart oder Beethoven unterlegt wurden. Nur, dass das hier kein Film war, es war die grausame, bittere Realität.

„Hier jetzt links. Wir müssen die Treppe runter“, sagte die Kellnerin.

Zum Glück war der Gang auf der Seite, auf der sich das Geländer befand. Die Treppen stellten hingegen ein größeres Problem dar: Aufgrund der Neigung, die das Schiff inzwischen erreicht hatte, verlor man auf den Stufen schnell den Halt. Ich klammerte mich mit aller Kraft an das Treppengeländer, während meine Füße wieder und wieder wegrutschten.

Vor meinem geistigen Auge bildete sich ein gigantischer Krake ab, der das Kreuzfahrtschiff fest umschlungen hatte. Was, wenn das Ungetüm kräftig genug war, um das Schiff entzweizubrechen?

Als ich auf der Hälfte der Stufen war, ertönte plötzlich ein erneuter metallischer Knall, der durch das Schiff hallte. Der Ruck, der damit einherging, erwischte mich völlig unerwartet. Ich purzelte und fiel wie ein fallengelassenes Stofftier die Treppen hinunter, knallte schmerzhaft auf jede Stufe, bis ich mit einem dumpfen Knall gegen eine Wand donnerte. Gleichzeitig erlosch das Licht und mich traf etwas Hartes am Kopf.

„Ist alles in Ordnung bei Ihnen?“, schrie die Kellnerin.

Mit jedem Herzschlag raste ein pochender Schmerz durch meinen gesamten Körper, doch es schien nichts gebrochen zu sein.

„Ja … Ja, ich denke schon!“, erwiderte ich.

„Scheiße, ich hab die Taschenlampe verloren. Eben hatte ich sie noch!“

Das war also das Objekt, mit dem mein Kopf eben Bekanntschaft gemacht hatte …

„Meinen Sie diese hier?“, fragte ich, nachdem ich sie wiedergefunden hatte. Ich schaltete sie ein.

„Gott sei dank!“

Ich leuchtete ihr, sodass sie zu mir herabsteigen konnte. Dann half sie mir auf.

„Können Sie laufen?“

Ich belastete nacheinander meine Beine. Auch wenn es wehtat, war der Schmerz erträglich. „Ja. Wir müssen weiter!“

Als wir in den unteren Gang traten, hörte ich wieder Stimmen in der Ferne. Es waren deutlich weniger, als vorhin, doch ich hörte weiterhin Leute schreien und um Hilfe rufen. Dann bemerkte ich ein anderes Geräusch: ein leises Plätschern.

Unsicher leuchtete ich den Gang hinab. Das Schiff schien sich langsam mit Wasser zu füllen!

„Fuck!“, fluchte die Kellnerin. „Wenn das Schiff vollläuft … Oh Gott, was, wenn das Schiff durchbricht?“

Vor meinem geistigen Auge zeigte sich wieder das Szenario, wie der Riesenkrake das Schiff zerbrach und mir sich in die Tiefe zerrte. Nie hätte ich gedacht, dass das je ein realistischer Gedanke sein könnte, doch jetzt … Hoffentlich hatte Chris es bereits auf eines der Rettungsboote geschafft! Aber was, wenn er zurück zur Kabine gelaufen ist, um mich zu holen …?

Ein erneutes Ächzen riss mich aus den Gedanken. Wir durften keine Zeit verlieren!

Die Kellnerin und ich rannten weiter. Jetzt, wo wir die durch die Schräglage entstandene Steigung aufwärts mussten, kamen wir deutlich langsamer voran.

„Da liegt einer!“, kreischte die Kellnerin. Ich hatte ihn auch gesehen.

Sofort rannten wir zu dem Mann. Er war bereits älter, wie ich aus seinen grauen Haaren und den Falten schloss. Seine blauen Augen waren weit aufgerissen und er atmete nicht.

Nachdem ich seinen Puls gefühlt hatte, hatten wir Gewissheit: „Er ist tot.“

„Oh Gott!“, jammerte die Kellnerin. Doch anstatt weiterzulaufen, kauerte sie sich am Boden zusammen. „Wir werden auch sterben, oder?“

„N-Nein! Hören Sie … Wie ist Ihr Name?“

„Kathy.“

„Kathy. Sie werden nicht sterben! Wir sind fast bei der Musterstation, richtig? Ich verspreche Ihnen, dass wir in ein paar Minuten gemeinsam in einem Rettungsboot sitzen werden. Dann müssen Sie sich nur noch Sorgen darum machen, dass sie es einige Stunden mit mir darin aushalten müssen!“ Ich zwang mich zu einem kurzen Lächeln.

„Okay“, erwiderte Kathy. Sie war stark für ihr Alter. Nachdem sie ihre Tränen weggewischt hatte, stand sie auf und eilte mit mir weiter.

Endlich nährten wir uns unserem Ziel. Durch die Fenster hatte ich bereits gesehen, dass bei den Musterstationen Panik ausgebrochen war, doch welches Chaos dort wirklich herrschte, erkannte ich erst, als wir bei Musterstation M7 nach draußen rannten:

Von der Ordnung, die uns bei der Seenotrettungsübung beigebracht wurde, fehlte jede Spur. Nicht nur, dass die Leute panisch durcheinanderliefen, -stolperten und -fielen, von den Angestellten nichts zu sehen war und ich sogar einige Menschen sah, die in dem Durcheinander über die Reling gestoßen wurden. Dort, wo die Rettungsboote hingen, zappelte stattdessen die Spitze eines gigantischen Tentakels übers Deck und warf jeden Menschen von Bord, den er packen konnte.

„Die Rettungsboote können wir vergessen! Kommen Sie, weiter hinten sind Rettungsflöße, die wir nehmen können!“, schrie Kathy mir über die Schreie zu.

Doch ich reagierte nicht. Stattdessen suchte ich fieberhaft nach meinem Mann. „Chris? Chris, wo bist du?“, brüllte ich.

Kathy packte mich wieder am Arm. „Kommen Sie! Sie müssen sich in Sicherheit bringen. Tot nützen Sie Ihrem Mann auch nichts!“

Sie hatte recht. Bei dem Durcheinander und dem schwachen Licht würde ich Chris niemals finden. Stattdessen redete ich mir ein, dass er sicherlich schon auf einem der Rettungsboote sein würde.

Kathy und ich rutschten mehr über das klitschnasse Deck, als dass wir rannten. Trotzdem kamen wir den Behältern mit den Rettungsflößen immer näher.

Wir waren fast da, als ein lautes Ächzen ertönte. Es war langgezogener als die bisherigen. Dann bebte plötzlich das gesamte Schiff. Ein lautes Knirschen und mehrere leisere Knalle ertönten, bis ein gewaltiger Ruck durch den Boden fuhr. Die Oceans Pride kippte wieder in eine waagerechte Position zurück und schleuderte mich zu Boden.

Mein Blick war starr auf den Fleck gerichtet, wo eben noch die Rettungsflöße waren. Dort war nur noch Luft … Das Schiff war gerade entzweigebrochen!

„Scheiße, was machen wir jetzt?“, fluchte ich, während ich mich zu Kathy umdrehte.

Doch von Kathy fehlte jede Spur. Sie war eben rechts von mir gewesen, genau an der Stelle, wo das Geländer fehlte. Sie war doch nicht …!

„Kathy!“, brüllte ich und kroch zum Rand des Schiffs.

Die Wasseroberfläche näherte sich schnell, während sich das Schiff mit Wasser füllte. Dann sah ich Kathy ganz in der Nähe eines treibenden Rettungsboots aus dem Wasser stoßen. Sie strampelte, wurde unter Wasser gerissen, tauchte wieder auf. Sie würde es nicht zum Boot schaffen!

„Kathy!“, schrie ich erneut. Ich sah sie nicht mehr. Aber was sollte ich tun? Ich konnte sie nicht ertrinken lassen!

Mein Magen krampfte sich zusammen, als ich zum Sprung ansetzte.

Obwohl es gar nicht so hoch aussah, durchfuhr meine Beine ein heftiger Schmerz, als ich auf die Wasseroberfläche knallte.

Sofort wurde ich von der Wucht des Aufpralls unter Wasser gerissen. Ich trat um mich, strampelte mit den Armen. Wo war die Oberfläche.

Ich dachte schon, dass es das Ende wäre, als mein Kopf aus dem Wasser stieß. Gierig schnappte ich nach Luft, während ich hin und her gewirbelt wurde.

„Kathy! Kathy, wo sind Sie?“, schrie ich aus voller Lunge.

Doch sie war fort. Ich hoffte so sehr, ihren Ruf zu hören, erinnerte mich an mein Versprechen, mit ihr gemeinsam im Rettungsboot zu sitzen … Das Rettungsboot!

Auch wenn ich Kathy nicht mehr retten konnte, würde ich wenigsten mich selbst retten können!

Als ich versuchte, loszuschwimmen, merkte ich, dass mein Bein sich in etwas verfangen hatte. Es fühlte sich weich an, wie eine Art Tuch oder Plane.

Erst, als der Kraken mit seinem Tentakel zudrückte, erkannte ich, was es wirklich war …

Die Legende:

Der Kraken (altnorwegisch für „Krake“ oder „Oktopus“), häufig auch Riesenkrake genannt, ist eine alte Seefahrtslegende, die seit Jahrhunderten in vielen verschiedenen Mythologien existiert.

Aussehen:

Anders, als der Name vermuten lässt, handelt es sich bei dem Kraken bzw. Riesenkraken nicht immer um einen Oktopus, sondern häufig auch um einen Riesenkalmar.

Ihre Größe kann stark variieren. So wurden sie früher teilweise als mehrere Kilometer lang bezeichnet oder gar mit schwimmenden Inseln verglichen, bis sie mit der Zeit deutlich kleiner gemacht wurden – jedoch immer noch groß genug, um Schiffe zu umschlingen und zu versenken.

Außerdem wurden dem Kraken manchmal noch weitere Merkmale, wie z.B. Hörner oder ein riesiges, mit spitzen Zähnen besetztes Maul nachgesagt, die man normalerweise nicht bei den uns bekannten Kopffüßlern findet.

Eigenschaften:

Der Kraken ist dafür berüchtigt, große Schiffe zu zerstören und mit sich in die Tiefe zu ziehen.

Das bekannte Bild eines Riesenkraken, der ein Schiff umschlingt, wie wir es aus Filmen, Videospielen, Büchern und von Bildern kennen, entspricht ziemlich genau dem Verhalten, das man dem Kraken zuschreibt.

Neben großen Schiffen soll der Kraken aber auch kleinere Boote angegriffen haben.

In anderen Legenden heißt es, dass der Kraken die Schiffe gar nicht selbst versenken würde, sondern einen riesigen Malstrom erzeugen könne, der die Schiffe nach unten ziehe. Hin und wieder wird auch behauptet, der Malstrom entstehe immer, wenn der Kraken abtauche.

Die Motivation dafür, warum der Kraken die Schiffe versenkt, wurde in den meisten Erzählungen hingegen ausgelassen. Wenn sie jedoch erwähnt wurde, heißt es fast immer, dass der Kraken die Seeleute an Bord des Schiffes fressen wollte.

Der Kraken wird aber nicht immer nur als böse bezeichnet. In einigen Legenden heißt es, dass er stets von gewaltigen Fischschwärmen begleitet wurde. So würden Fischer, die mutig genug waren, sich dem Seeungeheuer zu nähern, mit einem reichen Fang belohnt.

Wie bei vielen Legenden, die so als und so weit verbreitet sind, wie die Legende der Riesenkraken, gibt es natürlich auch einige Geschichten, die völlig absurd klingen. So soll z.B. die Kirche im Mittelalter das Gerücht verbreitet haben, dass der Kraken erst wieder abtauchen würde, nachdem man auch seinem Rücken eine vollständige Messe abgehalten habe.

Lebensraum/Vorkommen:

Der hauptsächliche Lebensraum des Kraken soll der Atlantische Ozean sein. Besonders vor den Küsten Norwegens und Grönlands – was wahrscheinlich auf den nordischen Ursprung der Legende zurückzuführen ist.

Wenn man jedoch nach den Riesenkalmaren – einer tatsächlich lebenden Kalmarenart – geht, wäre der Kraken in allen Ozeanen der Erde anzutreffen.

Ursprung:

Die Legende des Kraken ist bereits sehr alt. Bereits im 7. Jahrhundert vor Christi berichtete Homer in seiner Odyssee von einem Wesen – der Skylla –, das viele Arme besitzt und Seeleute frisst. Jedoch soll die Skylla – im Gegensatz zum Kraken – Köpfe an ihrem Armen besessen haben.

Trotzdem kommen derartige Geschichten als Ursprung des Kraken in Erwägung.

Auch wäre es möglich, dass der Kraken bloß eine Abwandlung normaler Tintenfische oder Oktopoden ist, die im Stil des klassischen Seemannsgarns zu gewaltigen Monstern herangewachsen sind.

Andererseits besteht auch die Möglichkeit, dass es sich bei dem Kraken um eine reale Kreatur handelt. So gibt es z.B. Risenkalmare, die eine Länge von mindestens 13 Metern erreichen können. Diese können sogar Wale töten.

Und auch, wenn Riesenkalmare wahrscheinlich nicht in der Lage wären, ein Schiff zu versenken, könnte ein an Land gespülter Kadaver eines solchen Tieres der Stoff von Legenden geworden sein.

Außerdem kann niemand so genau sagen, welche tatsächlichen Seeungeheuer noch unentdeckt in den Weltmeeren lauern …


Was haltet ihr von der Legende des Kraken? Denkt ihr, dass es bloßer Seemannsgarn ist, oder glaubt ihr, dass solche Kraken tatsächlich existieren oder existiert haben? Wie findet ihr Seefahrtslegenden generell? Schreibt es in die Kommentare!

Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen Newsletter, oder folgt mir auf TwitterFacebook oder Instagram.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.