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	<title>Kinder Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Tokoloshe – Lass ihn nicht aufs Bett!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es hatte kein Fell, sondern dunkle, schrumpelige Haut. Sein Gesicht, die Nase und Ohren, der haarlose Kopf. Es wirkte wie ein Mensch. Und zwischen seinen Lippen sah ich schiefe gelbe Zähne hervorblitzen, die ungewöhnlich spitz aussahen. Ich wusste sofort, was es war: Das war eindeutig ein Tokoloshe …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/tokoloshe">Tokoloshe – Lass ihn nicht aufs Bett!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/d0ef61034e9d4556b2b3d903b13119be" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Tokoloshe ist eines der bekanntesten Wesen des südafrikanischen Volksglaubens. Da ich schon länger vorhabe, mal wieder über eine afrikanische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> zu schreiben, habe ich mich für den Tokoloshe entschieden, ehe es in zwei Wochen mit winterlichen/<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">weihnachtlichen</a> Geschichten weitergeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Gewalt gegen Jugendliche<br>
&#8211; häusliche Gewalt<br>
&#8211; erwähnung Sexueller gewalt (erst unter &#8222;Die Legende&#8220;)</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine dieser Nächte, in denen ich partout nicht einschlafen konnte. Ich wälzte mich im Bett hin und her, drehte mich auf die linke Seite, dann auf die rechte. Aber was ich auch versuchte, wie ich mich auch hinlegte, ich konnte einfach nicht in die Welt der Träume eintauchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem versuchte ich es weiter. Immerhin musste ich morgen in die Schule. Da wollte ich wenigstens einigermaßen ausgeschlafen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte mich gerade wieder mit dem Gesicht zur Wand gedreht, da hörte ich, wie sich meine Zimmertür öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort schlug ich die Augen auf. Außer mir war nur Pa im Haus. Und wenn er um die Uhrzeit in mein Zimmer kam, dann nur, weil er wieder zu viel getrunken hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drehte mich langsam zu ihm um. Aber als ich gerade fragen wollte, was los sei, blieben mir die Worte im Hals stecken. Das war nicht mein Vater. Eine kleine, kindergroße Gestalt stand dort im Halbdunkel bei der geöffneten Tür und sah mich aus seinen kleinen Augen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst dachte ich noch, es wäre vielleicht ein Pavian, der sich irgendwie ins Haus geschlichen hat. Dann jedoch rannte das Wesen auf mich zu. Es war kein Pavian. Seine Bewegungen, wie es auf zwei Beinen lief, wirkten menschlich. Außerdem konnte ich es inzwischen besser erkennen. Es hatte kein Fell, sondern dunkle, schrumpelige Haut. Sein Gesicht, die Nase und Ohren, der haarlose Kopf. Es wirkte wie ein Mensch. Und zwischen seinen Lippen sah ich schiefe gelbe Zähne hervorblitzen, die ungewöhnlich spitz aussahen. Ich wusste sofort, was es war: Das war eindeutig ein Tokoloshe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Pa!“, brachte ich endlich hervor. „Paaa!“, rief ich erneut nach meinem Vater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Haus war ziemlich hellhörig. Wenn er wach war, musste er mich gehört haben. Doch im Haus blieb alles ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatte der Tokoloshe mein Bett fast erreicht. Ich drückte mich mit dem Rücken an die Wand und zog die Knie an die Brust. „Hilfe! Hilfeee!“, schrie ich jetzt aus voller Lunge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich tat sich etwas. Aus dem Flur kam ein Poltern. Dann ein Fluchen. „Scheiß Schrank“, hörte ich Pa lallen. Er war also tatsächlich betrunken. Trotzdem war er mir hundertmal lieber als ein schwarzmagisch beschworenes Wesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilfe!“, schrie ich erneut. Inzwischen war ich dabei, nach dem Tokoloshe zu treten, um ihn daran zu hindern seinen kleinen Körper auf die Matratze zu ziehen. Mein Fuß klatschte gegen kalte Haut, ehe ich ihn schnell wieder zurückzog. Wer wusste schon, was das Ding mit mir anstellen würde, wenn er mich tatsächlich erreichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das versuchte es mit aller Kraft. Die Matratze reichte ihm bis knapp über die Brust. Seine kleinen Augen waren auf mich fixiert, sein Mund leicht geöffnet. Immer wieder versuchte es, sich in den Stoff zu krallen und seinen Körper auf die Matratze zu hieven, während ich panisch nach seinen Armen trat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich ging die Deckenlampe an. „Was ist los?“, lallte Pa in meine Richtung. Er musste sich an der Tür festhalten, lehnte sich daran, während sie unter seinem Gewicht langsam vor und zurück schwang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tokoloshe wandte ihm den Kopf zu. Er gab einen leisen Aufschrei, eher schon ein hohes Keuchen von sich, ehe er auf Pa zurannte. Der jedoch schien das Wesen gar nicht zu bemerken, während es an ihm vorbei in den Flur flitzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwer atmend saß ich auf meinem Bett. Noch immer hatte ich die Knie an die Brust gezogen. Auch merkte ich jetzt, wie ich beide Hände in die Bettdecke gekrallt hatte. Vorsichtig löste ich den Griff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also? Was ist? Wieso störst du mich beim Fernsehen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sah ich wieder Pa an. „Hast du ihn nicht gesehen? Er ist eben an dir vorbeigerannt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wen gesehen?“, fragte er. Er sah sich im Raum um, ohne die Tür loszulassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den Tokoloshe!“, brüllte ich. Es war keine Absicht. Ich wollte Pa nicht anschreien. Aber die Verzweiflung in mir musste raus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pas Augen verengten sich zu schlitzen. Jetzt torkelte er auf mich zu. „Hör zu, Jan. Solange du in meinem Haus wohnst, verbitte ich mir, dass du mich anschreist! Vielleicht muss ich dich dran erinnern, wer hier das Sagen hat …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder presste ich mich gegen die Wand. Ich spürte, wie mir Tränen in die Augen stiegen. „Nein. Bitte“, flehte ich. „Du hast das Sagen. Das weiß ich. Aber da war ein Tokoloshe. Er wollte mich angreifen.“ Ich wollte vor Pa nicht weinen, aber ich konnte nichts dagegen tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pa hingegen blieb nur wenige Schritte vor meinem Bett stehen. Er schüttelte den Kopf, schwankte gefährlich nach links und rechts. „Ich bin froh, dass deine Ma nicht mehr mitbekommen hat, was aus dir geworden ist.“ Er wandte sich ab, ehe er zurück zur Tür torkelte. „Verdammte Teenager“, hörte ich ihn zu sich selbst lallen. „Es wird Zeit, dass er endlich alt genug wird, damit ich ihn rausschmeißen kann.“ Dann war er wieder im Flur verschwunden und schloss die Tür hinter sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer, während ich ihm nachsah. „Nein, Pa“, murmelte ich. „Was ist nur aus dir geworden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tokoloshe kam in dieser Nacht nicht zurück, aber wie ihr euch sicher vorstellen könnt, hatte ich sämtliches Interesse daran verloren, wieder einzuschlafen. Und so dauerte es Stunden, meine Gedanken kreisten um das Wesen und um Pa, bis die Müdigkeit mich endlich einholte und in einen viel zu kurzen Schlaf zog.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen schlürfte ich völlig übermüdet in die Küche. Pa saß bereits da und trank Kaffee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Morgen“, grüßte ich ihn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sah fast genauso beschissen aus, wie ich mich fühlte. Trotzdem sah ich darin eine Gelegenheit, ihn noch einmal auf den Tokoloshe anzusprechen, während er nüchtern war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tut mir leid, wegen letzter Nacht“, begann ich. „Aber ich hab da wirklich etwas gesehen. Da war ein kleiner Mann mit schwarzer schrumpeliger Haut. Er hat versucht, auf mein Bett zu klettern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pa seufzte schwer. „Jan, es gibt keine Tokoloshe. Was auch immer du glaubst, gesehen zu haben, du hast bloß geträumt.“ Es war zwecklos. Pa hatte noch nie an das Übernatürliche geglaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ballte meine Hände zu Fäusten. „Ma hätte mir geglaubt“, sagte ich leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kniff Pa wieder seine Augen zusammen. „Was hast du gesagt?“, fragte er streng.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nichts“, sagte ich schnell. „Sorry, ich bin einfach nur tierisch müde.“ Ich hatte keine Lust auf Streit. Zumal ich wusste, wie es ausgehen konnte. In der Schule hatte ich schon oft genug blaue Flecken unter langer Kleidung verstecken müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pa ging nicht weiter darauf ein. Also machte ich mir mein Frühstück und beeilte mich, aus dem Haus zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tag in der Schule verlief ohne besondere Vorkommnisse. Ich hatte nicht viele Freunde, also verbrachte ich die meiste Zeit allein. Aber das war in Ordnung. Solange die anderen mich in Ruhe ließen, störte mich das nicht. Und für gewöhnlich taten sie das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich nach der Schule auf dem Heimweg war, überkam mich wieder ein mulmiges Gefühl. Was, wenn der Tokoloshe zurückkommen würde? Ich hatte keine Ahnung, was passiert wäre, wenn Pa nicht in mein Zimmer gekommen wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also entschied ich, unserer Sangoma – der Heilerin unseres Dorfes – einen Besuch abzustatten. Sie war eine gute Freundin von Ma gewesen, daher kannte ich sie schon aus Kindertagen. Außerdem lag ihr kleines Geschäft ganz in der Nähe meines Heimwegs.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine kleine Glocke über der Ladentür kündigte mich an, während ich den Laden betrat. Mir schlug ein erdiger Geruch entgegen. An der Decke hingen Blätter und Sträucher zum Trocknen und vor mir, in einem Regal an der Wand standen Flaschen mit allerlei Tinkturen und anderen Flüssigkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab auch eine Apotheke in unserem Dorf, aber für viele Leute war Thandeka noch immer die erste Anlaufstelle für medizinische Probleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ah, Jan“, grüßte mich eine kleine schwarze Frau mit luftiger Kleidung. Sie trug ein rotes Tuch in den Haaren, das oben zu einem eleganten Knoten gebunden war. „Es ist lange her. Wie geht es deinem Vater?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort senkte ich den Kopf zu einem knappen Gruß. „Guten Tag Gogo“, grüßte ich sie mit der förmlichen Anrede für weibliche Sangomas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thandeka lachte. Es erinnerte mich an die Glocke über ihrer Tür. „Ach bitte, Jan, sag doch Thandeka zu mir. Immerhin sind wir alte Freunde.“ Sie zwinkerte mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. Dann jedoch erinnerte ich mich an den Grund meines Besuchs und mein Gesicht wurde wieder ernst. „Ich brauche deine Hilfe. Ich wurde letzte Nacht von einem Tokoloshe besucht, aber Pa glaubt mir nicht. Er meint, dass ich bloß geträumt hätte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thandeka ging um den Tresen, hinter dem sie stand, um sich mir gegenüberzustellen. Obwohl ich erst 15 war, musste ich leicht den Kopf senken, um ihr in die Augen zu sehen. „Und was denkst du?“, fragte sie. „Kann es ein Albtraum gewesen sein?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich war hellwach. Er ist aus dem Zimmer gerannt, als Pa mir zur Hilfe geeilt ist. Aber er hat den Tokoloshe nicht gesehen, obwohl er an ihm vorbeigelaufen ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thandeka nickte wissend. „Manche Tokoloshe können nur von ihren Opfern gesehen werden. Ich möchte dir keine Angst machen, aber wenn du wirklich einen Tokoloshe gesehen hast, kann es sein, dass du verflucht wurdest. Das ist eine ernste Angelegenheit. Am besten sollte ich einige Schutzrituale in eurem Haus durchführen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie mit großen Augen an. „Nein, bitte“, sagte ich schnell. „Pa glaubt nicht an Tokoloshes. Er würde das nicht wollen. Gibt es keine andere Möglichkeit?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thandeka sah mich überrascht an, ehe sie sanft lächelte. „Jan, vielleicht warst du noch zu jung, um dich daran zu erinnern, aber dein Vater war vor vielen Jahren selbst bei mir, damit ich mich um einen Tokoloshe in eurem Haus kümmere. Ich bin sicher, er wird es verstehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt blickte ich zu Boden. Ich erinnerte mich gut daran. Er hatte mich grün und blau geschlagen, mir dabei den Arm gebrochen, und die Tat schließlich einem Tokoloshe angehängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du möchtest“, fuhr Thandeka fort, „bringe ich dich das kurze Stück nach Hause. Dann kann ich mit deinem Vater reden.“ Sie griff sanft nach meinem Arm, um mich zur Tür zu begleiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich blockte ab. „Nein!“, sagte ich ein Stück zu energisch. „Nein“, wiederholte ich dann ruhiger. „Bitte. Das damals war kein Tokoloshe. Nach Mas Tod hat Pa mit dem Trinken angefangen. Er versteckt es gut, aber wenn er betrunken ist, wird er oft gewalttätig. Ich hatte mich nicht benommen und da hat er … Er hat …“ Mehr brachte ich nicht hervor. Noch nie zuvor hatte ich mit irgendwem darüber geredet. Ich hatte nicht gewagt, es laut auszusprechen, also sah ich Thandeka nun mit feuchten Augen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An ihrer entsetzten Miene sah ich, dass sie verstanden hatte. Mein Vater hatte mich krankenhausreif geschlagen. Anschließend brachte er mich zu Thandeka und erzählte, dass ich von einem Tokoloshe angegriffen wurde, damit sie sich um meine Wunden kümmerte, ohne dass er dafür in Schwierigkeiten geriet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, Jan“, sagte Thandeka. Sie legte mir eine Hand auf die Schulter. „Das wusste ich nicht. Tut mir leid. Wenn ich irgendetwas für dich tun kann …?“ Sie sah mich fragend an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schenkte ihr ein schiefes Lächeln und zuckte mit den Schultern. „Kannst du mir irgendwie gegen den Tokoloshe helfen, ohne dass Pa es mitbekommt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell nickte sie. „Natürlich. Das einfachste Mittel gegen einen Tokoloshe ist, das Bett zu erhöhen. Sie können nicht sonderlich gut klettern. Viele Leute legen Ziegelsteine unter die Bettfüße. Aber ein paar dicke Bücher gehen auch. Und wenn ihn das nicht vertreibt, kannst du eine Linie aus Salz auf die Türschwelle und vor die Fenster streuen. Da kommt er nicht vorbei.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strahlte Thandeka an. Damit konnte ich auf jeden Fall arbeiten. „Danke, Tante Thandeka“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun strahlte auch sie. Tante Thandeka. So hatte ich sie als Kind immer genannt, weil sie eine so gute Freundin meiner Ma war. „Lass dich gerne wieder häufiger hier blicken“, sagte sie, während sie sanft meine Schulter drückte. „Und sollte es mit dem Tokoloshe noch irgendwelche Probleme geben, komm gerne jederzeit vorbei.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gespräch mit Thandeka war inzwischen drei Tage her. Und was soll ich sagen? Das Bett mit einigen Büchern zu erhöhen, hatte geholfen. Der Tokoloshe kam so nicht mehr an mich heran. Dafür stand er jetzt nachts in meinem Zimmer und starrte mich an. Eine kleine dunkle Gestalt, die mitten im Raum stand. Manchmal hörte ich ihn leise atmen. Dass meine Nächte seitdem nur noch aus sehr wenig Schlaf bestanden, muss ich euch wohl nicht erklären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst hatte ich noch gehofft, dass das Ding irgendwann das Interesse verlieren würde, wenn es mir nicht mehr schaden konnte. Stattdessen wartete es jedoch Nacht für Nacht geduldig in meinem Zimmer. Was, wenn ich einmal nachts auf Toilette musste? Oder wenn ich einschlief und zu nah an die Bettkante geriet? Wenn es einen Arm oder ein Bein zu packen bekam. Nein. So konnte es nicht weitergehen. Also ging ich zu Thandekas anderer Idee über: dem Salz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich streute damit je eine dünne Linie auf sämtliche Fensterbänke sowie auf die Türschwelle der Haustür und zu meinem Zimmer. Meine Hoffnung war, dass Pa es in seinem berauschten Zustand nicht bemerken oder es zumindest ignorieren würde. Das ging nach hinten los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich im Bett lag – obwohl es schon lange dunkel war, fehlte von dem Tokoloshe noch immer jede Spur – hörte ich plötzlich aus dem Haus ein lautes Poltern. Kurz darauf fluchte mein Vater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammte Scheiße!“, schimpfte er lauthals. „Was ist das für ein Scheiß? Jan!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stapfende Schritte näherten sich meinem Zimmer. Im Flur vor meiner Tür polterte irgendetwas. Erneutes Fluchen. Dann flog meine Zimmertür auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was zum …!?“ Pa musste das Salz auf meiner Türschwelle entdeckt haben. „Ist das auf deinem Mist gewachsen?“, schrie er mich an. Ich konnte seine Fahne bis hier riechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich etwas sagen, mich verteidigen konnte, fuhr er fort. „Findest du das etwa lustig? Ich bin darauf ausgerutscht. Ich hätte sterben können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment flog auch schon seine Bierflasche. Es kam so unerwartet, dass ich nicht ausweichen konnte. Sie traf mich mitten im Gesicht, knapp unter dem rechten Auge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort bedeckte ich die Stelle mit meinen Händen. Mein Gesicht bestand nur noch aus pochenden Schmerzen. Ich kauerte weinend auf dem Bett, während Pa auf mich zukam. Aber während ich noch schützend meinen Kopf von ihm wegdrehte, damit seine Schläge nur meinen Rücken trafen, griff er lediglich nach seiner Bierflasche und verließ damit das Zimmer. Ich blieb zitternd und weinend auf meinem Bett zurück.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag schmerzte meine rechte Gesichtshälfte. Im Badezimmer sah ich, dass ich ein blaues Auge hatte. Ich ging ohne Frühstück noch vor der Schule wieder zu Thandekas Geschäft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jan, was ist passiert?“, fragte sie entsetzt, als ich den Laden betrat. „War das der Tokoloshe?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. In wenigen Worten berichtete ich, was passiert war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thandeka holte sofort ein Kühlpack, das ich mir auf das Auge legen sollte. Sie sah mich mit einer Mischung aus Mitleid und Verzweiflung an. Ich sah ihr an, dass sie mir helfen wollte. „Jan, ich …“ Sie zögerte. „Vielleicht gibt es noch eine andere Möglichkeit. Es wird nicht einfach, aber … Komm nach der Schule noch einmal in den Laden, ja? Gegen 17 Uhr?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das tat ich. Nach der Schule – dort erzählte ich, dass ich unglücklich gestürzt sei – stand ich um Punkt 17 Uhr wieder vor Thandekas Geschäft. An der Tür hing ein Schild, dass Thandeka gleich zurück sei. Ich trat trotzdem ein. Die Ladenglocke klingelte über mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Geschäft selbst war alles wie immer. Von Thandeka fehlte jedoch jede Spur. Stattdessen saß eine Frau auf einem Stuhl in der Ecke. Ihre Haut war dunkel und sie trug offene Dreadlocks, ein weißes T-Shirt und eine Jeans. Irgendwie kam sie mir bekannt vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So“, sprach sie mich an, während sie sich langsam erhob. „Du hast also ein Problem mit einem Tokoloshe?“ Irgendetwas an ihr war mir unheimlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Mund war plötzlich sehr trocken. Ich brachte nur ein Nicken zustande.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und warum denkst du, dass ich ausgerechnet dir helfen sollte?“, fragte sie. „Nach allem, was deine Familie mir angetan hat?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer. „Was … meine Familie Ihnen angetan hat?“, wiederholte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau antwortete nicht. Stattdessen strich sie sich mit einer von langen schwarzen Fingernägeln besetzten Hand ihre Locks über das rechte Ohr. Darunter kam eine längliche Narbe zum Vorschein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da fiel mir wieder ein, woher ich sie kannte. „Oh“, sagte ich knapp. „Sie sind Lindiwe, richtig?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau nickte langsam, während sie mir tief in die Augen starrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatte früher in unserem kleinen Örtchen gewohnt. Das war jedoch, bevor sie von den anderen Bewohnern vertrieben wurde. Es hieß damals, dass sie eine Hexe sei und einen Tokoloshe beschworen hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das Schlimmste: Es war Pas schuld gewesen. Seine Lüge über meine Verletzungen, über den angeblichen Tokoloshe, waren der Grund, warum sie nicht mehr bei uns leben durfte. Ein wütender Mob hatte sie und ihre Tochter bedroht und aus unserem Dorf vertrieben. Wenn ich mich richtig erinnere, kam die Narbe an ihrer Schläfe von einem Stein, den ihr Nachbar nach ihr geworfen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also? Warum sollte ich ausgerechnet dir helfen?“, wiederholte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer. „Es … Es tut mir leid. Was man Ihnen und Ihrer Tochter angetan hat, war nicht richtig. Aber es war nicht meine Schuld. Es war mein Pa. Er … Er hat die Geschichte mit dem Tokoloshe erfunden, um meine Verletzungen zu erklären. Sie müssen wissen, er hat mir den Arm gebrochen. Ich … Bitte, ich kann nichts dafür. Ich möchte doch nur wieder ruhig schlafen können“, sprudelten die Worte nur so aus mir hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lindiwe kniff die Augen zusammen. Sie kam auf mich zu. Ein süßliches Parfum schwang in ihrer Bewegung mit. Ich unterdrückte den Drang, zurückzuweichen, während sie mir ihren Zeigefinger an das Kinn legte und damit vorsichtig meinen Kopf hob, um mir in die Augen zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Sekunden kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Ich merkte, wie mein Atem ungewöhnlich schnell ging, während sie mich eingehend musterte, als wolle sie irgendetwas in meinen Augen lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich ließ sie mein Kinn los und trat einen Schritt zurück. „Also gut. Du hast Recht. Dich trifft keine Schuld. Immerhin warst du noch ein Kind. Mein Tokoloshe wird dir keine nächtlichen Besuche mehr abstatten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ihr</em> Tokoloshe? Also war sie wirklich eine Hexe?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich sie darauf ansprechen konnte, nahm sie jedoch eine schwarze Lederjacke, die mir bisher nicht aufgefallen war, von einem Stuhl und verließ damit den Laden. Das Klingeln der Glocke sollte noch lange in meinem Kopf nachhallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das gerade wirklich passiert? Es kam mir zu einfach vor. Doch die Frau, Lindiwe, sollte recht behalten. Der Tokoloshe ließ mich fortan in Ruhe. In der folgenden Nacht lag ich mehrere Stunden wach, ohne dass irgendwer – oder irgendetwas – mein Zimmer betrat. Neues Salz hatte ich keines gestreut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür weckten mich mitten in der Nacht plötzlich Schreie. Verwirrt sah ich zur Uhr. 02:07 Uhr. Was war da los?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne weiter darüber nachzudenken, sprang ich aus meinem Bett und rannte in den Flur. Die Schreie kamen aus Pas Schlafzimmer. Schnell öffnete ich die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pa saß an die Rückenlehne gepresst, die Beine an seine Brust gezogen. Er atmete schwer und starrte in den leeren Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Pa!“, rief ich. „Was ist? Was ist los?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sah er mich mit weit aufgerissenen Augen an. „Da … Da war ein Tokoloshe! Er wollte mich angreifen!“, sagte er laut. In seiner Stimme schwang Alkohol mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment sah ich ihn nur an. Die Hexe hatte ihr Wort gehalten. Sie hatte mich von ihrem Fluch befreit … und ihn auf Pa übertragen. Meine Gedanken rasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch setzte ich ein Lächeln auf. Ich schüttelte den Kopf. „Pa, du hast geträumt“, sagte ich. „Es gibt keine Tokoloshe.“</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tokoloshe, auch Tokkelo oder Tikoloshe genannt, ist ein koboldartiges <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a> der Zulu Folklore in Südafrika.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Für das Aussehen der Tokoloshes gibt es sehr verschiedene Beschreibungen. Sie sind aber immer unter einen Meter groß, koboldartig und haben oft tierische Eigenschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Generell sollen sie wie ein kleiner Mensch aussehen mit meist schwarzer, oft verschrumpelter Haut oder Fell sowie manchmal mit langen Ohren und/oder einem Tierschwanz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem habe ich teilweise von spitzen und/oder gelben Zähnen gelesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus haben sie oft einen Nagel oder ein Loch davon in der Stirn, der wohl für ihre Beschwörung genutzt wird. (Über das <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale">Ritual</a>, mit dem man einen Tokoloshe beschwören kann, habe ich jedoch nichts finden können.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Versionen sollen sie auch einen sehr langen Penis haben. In einer Quelle habe ich sogar davon gelesen, dass sie ihn über die Schulter werfen müssen, damit er nicht am Boden schleift.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall muss ein Tokoloshe beschworen werden – meist wird das einer Hexe oder einem Hexendoktor zugeschrieben, seltener den Sangoma, wie in Südafrika die Heiler genannt werden. Die Tokoloshes werden dadurch zu ihren Dienern und machen alles, was die Person, die sie erschaffen hat, von ihnen verlangt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kann je nach Quelle von körperlicher Arbeit über Diebstahl bis hin zu sexuellen Handlungen reichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig werden Tokoloshes jedoch eingesetzt, um anderen Personen zu schaden. In diesen Fällen sucht der Tokoloshe nachts seine Opfer heim. Dabei sind die Tokoloshes oft unsichtbar – inwieweit sie sich unsichtbar machen können, ist aber umstritten. So habe ich davon gelesen, dass sie entweder nur von ihren Opfern oder nur von Kindern gesehen werden können, andere Male davon, dass sie sich nur unsichtbar machen können, indem sie z. B. einen speziellen Stein haben, den sie bei sich tragen oder herunterschlucken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was genau der Tokoloshe mit seinen Opfern macht, kann sehr unterschiedlich sein. So greift er sie manchmal körperlich an, indem er sie z. B. beißt, schlägt oder kratzt, oder er vergewaltigt sie sogar. Dem Tokoloshe kann so ziemlich alles Negative zuschreiben werden, das den Opfern widerfährt – sei es, dass er sie krank macht, für Unglück sorgt, ihre Beziehung ruiniert oder seine Opfer tötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann sich jedoch recht einfach gegen Tokoloshes verteidigen: Aufgrund ihrer Körpergröße haben sie Schwierigkeiten, Menschen auf hohen Betten zu erreichen. Man muss also nur sein Bett höher stellen – oft wird dies gemacht, indem man die Bettfüße auf Ziegelsteine stellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere effektive Methode soll Salz sein, das man auf die Türschwelle und vor die Fenster streuen kann. Ich habe sogar spezielles Tokoloshe-Salz und Tokoloshe-Öl von südafrikanischen Anbietern gefunden, das gegen die Monster helfen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Will man hingegen auf Nummer Sicher gehen und den Tokoloshe endgültig loswerden, wird dazu geraten, dass man sich an einen Sangoma wendet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Legende der Tokoloshes aus Südafrika stammt, sollen sie hauptsächlich in Südafrika sowie seltener in angrenzenden Ländern vorkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Theoretisch wäre ein Tokoloshe aber überall auf der Welt möglich, sofern jemand ihn dort beschwört oder ihn dorthin mitnimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als möglicher Ursprung für den Tokoloshe werden die früheren Lebensbedingungen der Menschen in den ländlichen Regionen Südafrikas genannt. In diesen Regionen sollen die Menschen früher – besonders in kalten Nächten – auf dem Boden (bzw. auf Matratzen auf dem Boden) nahe von Feuerstellen geschlafen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es dabei unzureichende Durchlüftung gab, kann es sein, dass sich in dem Zimmer zu viel Kohlendioxid gesammelt hat. Da Kohlendioxid schwerer ist als Luft, ist es zu Boden gesunken und hat dafür gesorgt, dass die Menschen, die am Boden schliefen, erstickt sind. Da andere Menschen auf erhöhten Betten verschont geblieben waren, ist man wahrscheinlich davon ausgegangen, dass ein kleines Wesen, das nicht auf die Betten klettern kann, an den Toden schuld ist: Die Legende des Tokoloshe war geboren – zumindest, wenn man dieser Theorie glaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie die Legende auch entstanden sein mag, Fakt ist, dass der Glaube an die Tokoloshes in Südafrika noch immer weit verbreitet ist. Sie werden sogar regelmäßig in Zeitungen wie der Daily Sun erwähnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider ist dadurch jedoch ein ganz anderes Problem entstanden: Da die Tokoloshes oft als Grund für unerklärliche Verletzungen, sexuellen Missbrauch oder mysteriöse Schwangerschaften genannt werden, bieten sie den Tätern eine einfache Methode, sich selbst von der Schuld zu befreien, indem sie den Wesen die Schuld zuschieben. So kommt es leider durchaus vor, dass kein gewalttätiger Ehemann, sondern ein Tokoloshe für die Verletzungen einer Ehefrau verantwortlich gemacht wird, oder nicht etwa der Onkel, sondern ein Tokoloshe für eine unerklärliche Schwangerschaft eines Teenagers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem habe ich auf Zoutnet, einer südafrikanischen Nachrichtenseite, von einem Fall gelesen, bei der eine Frau von ihrer Gemeinde beschuldigt wurde, einen Pavian zu einem Tokoloshe gemacht zu haben, der daraufhin mehrere Frauen vergewaltigt habe. Es hat sich so weit zugespitzt, dass eines Tages ein wütender Mob zu ihrem Haus gewandert ist, um sie umzubringen. Dazu kam es zwar nicht, aber ihr Ruf und der ihrer Familie hat auch nach dem Vorfall sehr darunter gelitten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zum Glück bringt der Glaube an das Wesen nicht nur Schattenseiten mit sich. Er kann auch Opfern von körperlicher oder sexueller Gewalt dabei helfen, über ihre Erlebnisse zu sprechen und so die entsprechende medizinische Behandlung zu erhalten, die, wenn sie den Täter beim Namen nennen müssten, nie über den entsprechenden Vorfall geredet hätten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Tokoloshe in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tokoloshe hat diverse Auftritte und Erwähnungen in der Popkultur. So gibt es z. B. den südafrikanisch-französischen Thrillerfilm „A Reasonable Man“ (Englisch für „Ein vernünftiger Mann“, 1999), der auf einem echten Fall basiert, bei dem ein Vater seinen Sohn umgebracht hat, in dem Glauben, dass es sich bei ihm um einen Tokoloshe handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es diverse Horrorfilme über die Kreatur wie z. B. „Blood Tokoloshe“ („Blut Tokoloshe“, 2013), „The Tokoloshe“ (2018) oder „Tokoloshe: The Calling“ („Tokoloshe: Die Berufung“, 2020) sowie diverse Romane wie z. B. den Fantasyroman „Tokoloshe Song“ (2014) von Andrew Salomon oder das Monster-Fighting-Manga „Tokoloshe Hunters“ („Tokoloshe Jäger“, 2026) von Bill Masuku.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Tokoloshe? Wie hättet ihr an Jans Stelle reagiert, als er den Tokoloshe gesehen hat und als sein Vater ihm nicht geglaubt hat? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Candy Lady – die Legende von Clara Crane</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Sep 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ihre Eltern hatten ihr zwar gesagt, dass sie keine Süßigkeiten von Fremden annehmen solle, aber die Bonbons lagen immerhin bei ihrem Haus, und sie sah ja auch keinen Fremden. Außerdem mochte Rose Karamell wirklich sehr gerne …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-candy-lady-clara-crane">The Candy Lady – die Legende von Clara Crane</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">The Candy Lady mag zwar wie eine weibliche Form des <a href="https://www.geister-und-legenden.de/candyman" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Candyman</a> klingen, bei ihr handelt es sich jedoch um eine angebliche Serienmörderin des frühen 20. Jahrhunderts. Trotzdem eignet sich ihre Legende sehr gut, um den herannahenden Oktober einzuleiten. Denn was passt besser zum <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gruselmonat</a>, als eine Frau, die Süßigkeiten an Kinder verteilt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Verletzung von Augen<br>
&#8211; Tod eines Kindes<br>
&#8211; Gewalt gegen Kinder<br>
&#8211; Kindesentführung<br>
</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist das frühe 20. Jahrhundert. Wir befinden uns in Terrell, Texas, einer kleinen verschlafenen Stadt etwa 50 Kilometer außerhalb von Dallas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich war das ein Ort, an dem nur wenig passierte. Die Leute grüßten einander auf den Straßen, man half seinen Nachbarn, wenn sie Hilfe brauchten und wenn doch mal etwas Schlimmeres geschah, ging es selten über einen Streit oder eine Kneipenschlägerei hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war jedoch, bevor The Candy Lady aufgetaucht ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Abends lag die kleine Rose in ihrem Zimmer. Ihre Eltern hatten sie bereits ins Bett gebracht und ihr eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen. Aber trotzdem konnte Rose nicht schlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war wahrscheinlich auch der Grund, wieso sie das leise Geräusch an ihrem Fenster hören konnte. Es machte ihr aber keine Angst. Rose war immerhin schon sechs und glaubte nicht mehr an Monster. Das Geräusch machte sie vielmehr neugierig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schlug sie ihre Bettdecke zurück, schob ihre Beine langsam aus dem Bett und sprang mit einem leisen Klatschen auf ihre Füße. Vorsichtig tapste sie bis zum Fenster. Aber draußen erkannte sie nichts. Es war zu dunkel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch wollte Rose ihr kleines Abenteuer jedoch nicht aufgeben. Sie holte sich einen Stuhl, kletterte hinauf und schob das Fenster ein kleines Stück nach oben. Dabei fiel ihr Blick auf die kleinen eingepackten Karamellstückchen, die auf ihrem Fensterbrett lagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Eltern hatten ihr zwar gesagt, dass sie keine Süßigkeiten von Fremden annehmen solle, aber die Bonbons lagen immerhin bei ihrem Haus, und sie sah ja auch keinen Fremden. Außerdem mochte Rose Karamell wirklich sehr gerne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zögerte nicht lange, packte das erste Bonbon aus und steckte es sich in den Mund. Genüsslich kaute sie, während sie sich die süße Verlockung auf der Zunge zergehen ließ. Bald steckte sie sich ein zweites Bonbon in den Mund. Und ein drittes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach nur wenigen Minuten waren sie alle aufgegessen. Zurück blieben nur die Süßigkeitenpapiere, auf denen jeweils in kunstvoller Handschrift stand: „von der Candy Lady“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rose schloss das Fenster wieder und warf die Papiere in ihren kleinen Mülleimer, ehe sie sich zufrieden zurück ins Bett legte. Es dauerte nicht mehr lange und sie war eingeschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr jetzt aber denkt, dass die Süßigkeiten vergiftet waren oder irgendetwas sonst mit ihnen nicht stimmte, muss ich euch enttäuschen. Es waren ganz normale, völlig harmlose Karamellbonbons.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch die Bonbons, die in der nächsten Nacht wieder auf dem Fensterbrett auftauchten, waren völlig normaler Karamell. Nur war in dieser Nacht die Nachricht anders, die auf den Papieren geschrieben stand: „Willst du rauskommen und mit mir spielen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das wollte Rose. Sie hatte nicht viele Freunde, also freute sie sich umso mehr, als diese Frau, die ihr die leckeren Süßigkeiten gegeben hatte, sie zum Spielen einlud.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schlich Rose heimlich nach draußen. Sie wurde nie wieder gesehen.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach diesem Vorfall häuften sich die Kindesentführungen in Terrell. Niemand wusste, wer dahintersteckte. Es dauerte eine Ewigkeit, bis die ersten Erwachsenen The Candy Lady auf die Schliche kamen. Vielleicht erzählten einige Kinder von dem Karamell, vielleicht fanden auch einige Eltern die beschrifteten Süßigkeitenpapiere. Aber wie auch immer sie auf The Candy Lady aufmerksam wurden, sie hatten schnell jemanden Bestimmtes als Täterin in Verdacht: eine Frau namens Clara Crane.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Clara Crane hatte selbst einst in Terrell gewohnt. Bis 1893 lebte sie glücklich mit ihrem Ehemann Leonard Gilbert Crane und ihrer gemeinsamen Tochter Marcy Crane auf ihrer Farm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles änderte sich jedoch, als die fünfjährige Marcy bei einem Unfall auf einem der Felder ums Leben kam. Von jenem Tag an wurde Clara von Trauer zerfressen. Als sie dann auch noch herausfinden musste, dass Leonard, der zur Zeit des Unfalls auf Marcy aufpassen sollte, betrunken gewesen war, soll sie zu einer verbitterten Frau geworden sein. Sie entwickelte eine stille Wut auf ihren Ehemann. Und als die Wut Claras Herz fast zum Zerbersten brachte, entschied sie, Leonard umzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie machte ihm Karamellbonbons, die ihr Mann so gerne aß, und versetzte sie mit einem tödlichen Gift. Nach ein paar Bonbons und einigen qualvollen Minuten versagten schließlich seine Organe. Leonard starb, Clara um Hilfe anflehend, während sie bloß danebenstand und ihn mit kalten Augen ansah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits am nächsten Tag entdeckte man ihr grausames Verbrechen. Eine Nachbarin bemerkte, wie aufgewühlt, fast schon wahnsinnig Clara am nächsten Tag wirkte. Aus Sorge, dass etwas passiert sei, holte sie Fred Springer, den örtlichen Sheriff zur Hilfe. Als er sich Clara jedoch nähert, griff sie ihn plötzlich an. Er überwältigte sie und entdeckte kurz darauf Leonards Leiche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei dem Prozess, der daraufhin folgte, erklärte man Clara Crane für wahnsinnig. Sie wurde in das North Texas Lunatic Asylum eingewiesen, wo sie den Rest ihres Lebens bleiben sollte. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Denn obwohl Clara eindeutig nicht ganz bei Verstand war – sie bastelte sich zum Beispiel eine Puppe aus zerrissenen Bettbezügen, nannte sie Marcy und behandelte sie wie ihre Tochter – wurde sie als ungefährlich eingestuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Clara wirkte emotional stabil, war wieder ein vergleichsweise glücklicher Mensch geworden. Außerdem hatte sie nie wieder jemanden angegriffen. Und so entschied man kurzerhand, dass sie zu den Patienten gehören sollte, die man 1899 entließ, weil die Heilanstalt hoffnungslos überfüllt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf verschwand Clara von der Bildfläche, vier Jahre, bevor Rose von der Candy Lady entführt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand in der Stadt hatte den schrecklichen Mord an Leonard je vergessen. Nachdem man erfahren hatte, dass die vermissten Kinder mit Karamellbonbons aus den Häusern gelockt wurden, war man sich in Terrell ziemlich schnell einig, dass The Candy Lady niemand anderes sein könne als die spurlos verschwundene Clara Crane.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als dann auch noch ein Farmer mehrere blutige Süßigkeitenpapiere in seinem Acker fand, in die kleine menschliche Zähne, wahrscheinlich die der vermissten Kinder, eingewickelt waren, begann eine wahre Hexenjagd auf Clara Crane. Die Leute suchten überall nach ihr, in den Wäldern, auf ihrem alten Grundstück, sogar in den Feldern und Gräben, aber Clara blieb verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch der Sheriff beteiligte sich an der Suche. Er schien jedoch der Einzige gewesen zu sein, der der Candy Lady gefährlich nahegekommen war. Zumindest verschwand auch er, bis man wenige Tage später seine Leiche in einem Graben fand. Gabeln steckten in seinen Augäpfeln und seine Taschen waren über und über vollgestopft mit Karamellbonbons.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach endeten die mysteriösen Entführungen plötzlich. Es kehrte allmählich wieder Ruhe in Terrell ein. Clara Crane, die Candy Lady, wurde nie wieder gesehen. Und auch von den vermissten Kindern fehlt bis auf die gefundenen Zähne bis heute jede Spur.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Candy Lady (englisch für „Die Süßigkeitendame“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Texas, USA. Sie handelt von einer angeblichen Serienmörderin, die Anfang des 20. Jahrhunderts hauptsächlich Kinder entführt oder ermordet haben soll. Ihr Erkennungszeichen waren Süßigkeiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Täterin handelte es sich der Legende nach um eine Frau namens Clara Crane, die 1871 geboren worden sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über ihr Aussehen ist nicht viel bekannt, wenn man von einem Bild absieht, das in Verbindung mit ihr im Internet kursiert. Darauf ist eine elegant gekleidete junge Frau mit dunkelblonden oder braunen Haaren zu sehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Clara Crane soll die Ehefrau des Farmers Leonard Gilbert Crane gewesen sein. Die beiden hatten eine gemeinsame Tochter, Marcella „Marcy“ Crane.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Marcella fünf Jahre alt war, geriet sie 1893 in einen tödlichen Unfall auf dem Feld, während ihr Vater auf sie aufpassen sollte. Angeblich soll er währenddessen betrunken gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass Clara ihrem Ehemann die Schuld an Marcellas Tod gab, weshalb sie ihn schließlich zwei Jahre später mit vergiftetem Karamell umgebracht haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin wurde Clara in das North Texas Lunatic Asylum (englisch für „Nord-Texas Irrenanstalt“), inzwischen bekannt als Terrell State Hospital, eingewiesen, aus dem sie jedoch bereits 1899 wegen Überfüllung wieder entlassen wurde. Danach verschwand sie von der Bildfläche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als jedoch ab dem Jahr 1903 Kinder in der Gegend verschwanden, fiel bald der Verdacht auf Clara Crane.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach soll sie nachts Süßigkeiten an die Fenster der Kinder gelegt haben und auf dem Süßigkeitenpapier mit „from the Candy Lady“ („von der Süßigkeitendame“) unterschrieben haben. Wenn die Kinder die Süßigkeiten angenommen haben, bekamen sie bald noch mehr Süßigkeiten mit der Nachricht, ob sie nicht spielen kommen wollten. Die Kinder, die dieses Angebot annahmen, wurden nie wieder gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich kamen die Erwachsenen „the Candy Lady“ auf die Schliche – entweder, weil jemand das Süßigkeitenpapier entdeckte oder weil die Kinder älter wurden und schließlich von den Süßigkeiten erzählten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem fand ein Farmer lose Kinderzähne in seinem Feld. In einigen Versionen sollen sie sogar in Süßigkeitenpapier eingewickelt gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin machte sich der örtliche Sheriff auf the Candy Lady bzw. die unauffindbare Clara Crane zu suchen. Bei der Suche verschwand jedoch auch er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu den Kindern fand man die Leiche des Sheriffs jedoch einige Tage später. Ihm steckten zwei Gabeln in den Augen und seine Taschen waren mit Süßigkeiten vollgestopft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin sollen die Kindesentführungen je nach Version entweder plötzlich aufgehört haben oder sie dauern bis heute an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Detail, das ich lediglich in einigen Versionen gefunden habe, ist eine Puppe, die Clara Crane sich in der Irrenanstalt aus zerrissenen Bettbezügen gebastelt haben soll. Sie hätte nachts mit ihr gesprochen und ihr vorgesungen. Außerdem soll sie sie Marcy genannt haben, was der Spitzname ihrer Tochter war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Brief, den sie angeblich ihrer Schwester kurz vor ihrer Entlassung geschrieben habe, drückte sie ihre und Marcys Freude aus, dass sie bald nach Hause könnten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Farm von Clara Crane soll in Terrell, einer kleinen Stadt in Texas, USA gestanden haben. In Terrell sollen auch die Morde und Entführungen passiert sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Suche nach dem Ursprung der Legende von The Candy Lady hat sich als äußerst schwierig ergeben. So habe ich weder einen Hinweis darauf gefunden, von wann die Legende stammt, noch dass Clara Crane tatsächlich gelebt haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar gibt es das vermeintliche Foto von ihr, aber auch hier hat mich die Reverse Image Search lediglich auf weitere Seiten geführt, die die Legende behandeln. Einen anderen Ursprung oder Namen, um wen es sich auf dem Bild handeln könnte, kam dabei nicht heraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem kursiert im Internet ein angeblicher Zeitungsartikel von 1895, der von Clara Crane berichtet, nachdem sie ihrem Ehemann ermordet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch hier muss ich sagen, dass der Artikel wahrscheinlich gefälscht ist. Ich habe schon unzählige alte Zeitungsartikel für meinen Blog durchforstet. Keiner von ihnen war auch nur ansatzweise so sauber und makellos wie der Artikel über Clara Crane, nicht einmal die Artikel, die nur 30, 40 oder 50 Jahre alt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Quelle gab sogar an, dass der Artikel damals im Terrell Tribune abgedruckt gewesen sei. Nur leider gab es den Terrell Tribune 1895 noch gar nicht. Selbst der Vorgänger, der Terrell Daily Tribune, veröffentlichte seine Erstausgabe erst 1916.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meiner Einschätzung nach handelt es sich bei Clara Crane also um eine rein fiktive Person. Andererseits haben die meisten Legenden einen wahren Kern. Also wer weiß, vielleicht gab es die Serienmörderin oder Entführerin the Candy Lady ja tatsächlich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Candy Lady in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn the Candy Lady eher zu den unbekannteren Legenden gehört, gibt es tatsächlich ein Videospiel, Witchkin von 2018, das auf der Legende basiert. Darin begebt ihr euch in den 1920ern auf der Suche nach eurer vermissten Schwester in ein verlassenes Farmhaus in Texas, wo ihr von der Candy Lady und einigen Spielzeugen, ihren „Kindern“, gejagt werdet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem ist zurzeit ein Kurzfilm über The Candy Lady in Arbeit, der angeblich diesen Herbst herauskommen soll (den Teaser findet ihr <a href="https://www.youtube.com/watch?v=rapaz080ZBw">Hier</a>). Ich bin gespannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Candy Lady? Kanntet ihr die Legende bereits? Und glaubt ihr, dass es Clara Crane wirklich gegeben haben könnte? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Myling – Folge nicht seinen Schreien!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Mar 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Meine Geschichte über den Myling spielt an einem Ort, der euch bereits von einer anderen Geschichte bekannt sein dürfte. Es war zwar nicht geplant, hatte aber zu gut gepasst, damit ich es nicht dort spielen lasse. Und wer weiß, vielleicht erwarten euch ja noch weitere Geschichten aus diesem kleinen schwedischen Dörfchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Kindes<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schnee knirschte unter meinen Füßen, während ich von Kalle, meinem treuen braunen Labrador, an seiner Leine durch den Wald gezogen wurde. Es war bereits März. Trotzdem lagen die Temperaturen hier in Schweden häufig noch unter 0 °C.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte die Kälte jedoch kaum. Wie so oft, wenn ich mit Kalle allein Gassi ging, wanderten meine Gedanken zu meiner Tochter Maja. Ich hatte sie letzten Monat bei einem Autounfall verloren. Den Fahrer traf keine Schuld. Er war ins Schlittern gekommen und hatte die Kontrolle über sein Auto verloren. Aber natürlich änderte das nichts an der Leere, die ich seit jenem Tag spürte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wäre Thorbjörn, ein alter Schulfreund, den ich letztes Silvester zufällig wiedergetroffen hatte, nicht gewesen, weiß ich nicht, wie ich nach dem Unfall hätte weiterleben sollen. Es war Glück im Unglück, dass er an dem Tag, als Maja starb, bei mir gewesen war, sodass er mich wenigstens etwas hatte auffangen können. Aber auch er konnte das Loch in meinem Herzen nicht füllen, dass der Tod meiner Tochter hineingerissen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein plötzliches Knurren vor mir riss mich aus meinen Gedanken. Kalle stand am Wegesrand und bellte ins Unterholz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell wischte ich die Tränen aus meinen Augen und ging zu ihm. „Was ist? Was hast du gesehen, mein Junge?“, fragte ich, während ich selbst in den dunklen Wald spähte. Ich konnte nichts Auffälliges entdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich war es bloß ein Reh oder ein Hase. Andererseits verirrten sich manchmal Wölfe und Bären in diese Gegend. Ich selbst war zwar noch nie einem von ihnen begegnet, entschied aber, es nicht darauf ankommen zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich Kalle jedoch zaghaft an seiner Leine weiterziehen wollte, stemmte er sich mit seinem gesamten Gewicht dagegen. Auch das war noch nie vorher vorgekommen. War es also wirklich ein potenziell gefährliches Tier?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch ging ich im Kopf alles durch, was ich über Begegnungen mit Wölfen und Bären erinnerte: Das Wichtigste war, dass ich mich groß machte, Lärm machen sollte und auf keinen Fall weglaufen oder mich umdrehen durfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also stand ich da, neben meinem bellenden Hund, hob die Arme über den Kopf und rief in den Wald hinein. „Hej Bär, hej Wölfe. Falls ihr da draußen seid, haut ab. Wir wollen euch nichts Böses!“ Vorsichtshalber zog ich sogar die Handschuhe aus und klatschte einige Male in die Hände, ehe ich sie wieder über den Kopf hob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es rauschte ein sanfter Wind durch die Bäume. Ansonsten hörte ich nichts. Kein Knirschen im Schnee, kein Geraschel oder Knacken im Unterholz. Nichts, das auf ein wildes Tier hindeutete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich ertönte eine leise Stimme. „Hallo?“ Es klang wie ein Kind, das den Tränen nahe war. „Mama?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Maja!</em>‘, schoss es mir sofort in den Kopf. Aber natürlich war sie es nicht. Meine Tochter war tot. Außerdem war das eindeutig eine Jungenstimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer ist da?“, rief ich in den Wald hinein. Ich ließ die Hände sinken und zog meine Handschuhe wieder an. „Hast du dich verirrt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kind antwortete nicht. Stattdessen ertönte ein leises Schluchzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hee, alles wird gut“, erwiderte ich, während ich einige vorsichtige Schritte ins Unterholz tat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle hielt sich eng an mich, während er mir mit eingeklemmtem Schwanz folgte. Wenigstens bellte er nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mein Name ist Jonna“, fuhr ich fort. Mit Glück kannte ich den Jungen aus Majas Schule. Oder von früher aus ihrem Kindergarten. „Kommst du aus dem Dorf?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das Kind antwortete mir nicht mehr. Durch sein lautes Geschluchze hatte ich es trotzdem schnell ausfindig gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um Himmels willen!“, stieß ich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein kleiner blonder Junge hockte vor mir im Schnee. Er trug dünne, abgenutzte Kleidung, hatte bleiche, dreckverschmierte Haut und sah abgemagert aus. Wenn es dafür nicht viel zu kalt gewesen wäre, hätte ich fast gedacht, dass er bereits einige Tage durch den Wald geirrt sein muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist passiert? Wo sind deine Eltern?“, fragte ich besorgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein kleiner Körper zitterte zwar nicht, aber ich war mir trotzdem sicher, dass er völlig durchgefroren sein musste. Also machte ich mich daran, meine Daunenjacke auszuziehen, während ich auf ihn zuging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle blieb hingegen in einigem Abstand stehen. Er kauerte sich zusammen und knurrte das Kind an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschrocken drehte ich mich zu ihm um. „Kalle! Aus! Du machst dem Jungen noch Angst!“, schimpfte ich, nichtahnend, dass er mich bloß beschützen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ging alles sehr schnell: In dem kurzen Moment, in dem ich ihm den Rücken zugedreht hatte, schrie der Junge plötzlich auf und stürzte sich auf mich. Er sprang auf meinen Rücken und klammerte sich an mich, indem er fest die Arme um mich legte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? He … Du tust mir weh!“, schrie ich, während ich panisch versuchte, seine Arme von meinem Hals zu entfernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kind war ungewöhnlich stark. Besonders für seinen Zustand. Trotzdem tat ich mein Möglichstes, ihn so sanft ich konnte von meinem Rücken zu entfernen – ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle war dabei die ganze Zeit am Bellen. Trotzdem versuchte er nicht, das Kind anzugreifen, fast als hätte er Angst vor ihm. Und so langsam verstand ich, warum: Was auch immer dieses Ding auf meinem Rücken war, es war kein normaler Junge. Wie sonst konnte man erklären, dass ich, eine erwachsene Frau, seine Arme nicht einen Zentimeter bewegen konnte, egal wie sehr ich daran zerrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bring mich zu einem Friedhof!“, zischte der Junge mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte mich zum Innehalten. „W-was?“, fragte ich irritiert. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Begrab mich in geweihtem Boden, damit ich endlich Frieden finden kann!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment hatte ich das Gefühl, als würde mein Gehirn aufhören zu funktionieren. Es ergab für mich keinen Sinn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das alles vielleicht nur ein kranker Scherz? Aber wie könnte ein Scherz meinen Hund dazu bringen, den Jungen zu fürchten? Außerdem konnte kein Scherz der Welt einem Kind solche Muskelkraft verleihen, dass ich seine Arme nicht ansatzweise bewegen konnte. Nicht einmal mit all dem Adrenalin, das gerade durch meinen Körper schoss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn das hier kein Scherz war, meinte der Junge die Aufforderung ernst. Er wollte lebendig begraben werden. Oder war er vielleicht gar nicht lebendig?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das befreite mich endlich aus meiner Starre. „Okay! Okay“, erwiderte ich, während ich mich in Bewegung setzte. Kalle folgte mir in einigem Abstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte zwar keine Ahnung, was hier vor sich ging, aber wenn sich ein anscheinend übermenschlich starkes Wesen an meinen Rücken klammerte, das mir wahrscheinlich mit Leichtigkeit den Kopf abreißen konnte, wollte ich es bestimmt nicht wütend machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg versuchte ich weiter, meine Gedanken zu sortieren. Es gelang mir nicht wirklich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen fiel mir bald auf, dass meine Beine schwächer wurden. Zuerst dachte ich, es wäre bloß der Adrenalinschub, der allmählich nachließ, aber je näher ich meinem Auto kam, desto schwerer lastete der Junge auf meinen Schultern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch merkte ich, wie mein Atem vor Anstrengung immer schwerfälliger wurde. Eine Art Müdigkeit machte sich in mir breit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Anfang versuchte ich noch, mich mit der Natur um mich herum abzulenken. Aber obwohl es mir sonst nie sonderlich schwerfiel, die Schönheit der Natur wahrzunehmen, wirkte sie jetzt fast schon erdrückend. Die Bäume ragten hoch über mich hinaus, als würden sie auf mich herabblicken. Die Dunkelheit zwischen den Bäumen kam mir vor, als würde sie mich beobachten. Ein Gefühl der Enge machte sich in meinem Brustkorb breit. So ähnlich hatte ich mich auch gefühlt, als ich Maja verloren hatte. Als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strauchelte. Erst jetzt fiel mir auf, dass es nicht die Natur war, die mich fast erdrückte, sondern das Gewicht auf meinem Rücken. Der Junge war inzwischen so schwer geworden, dass ich Probleme hatte, geradeaus zu gehen. Mühsam setzte ich einen Fuß vor den anderen, bis ich endlich den Parkplatz erreichte. Selbst das Herauskramen meines Autoschlüssels aus der Jackentasche kam mir wie eine nahezu unschaffbare Aufgabe vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einigen Anläufen hatte ich es endlich geschafft. Ich öffnete die Autotür und ließ Kalle auf den Rücksitz springen, ehe ich mich selbst auf den Fahrersitz fallenließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum schien dem Jungen zu missfallen. „Keine Pause machen! Steh auf und bring mich zum Friedhof!“, schrie er mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich …“, presste ich hervor. Erschrocken stellte ich fest, dass mir selbst das Sprechen inzwischen schwerfiel. „Ich mach keine Pause. Wir fahren das letzte Stück. Geht … schneller …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Junge antwortete nicht, aber ich merkte genau, wie er hibbelig wurde, spürte seinen misstrauischen Blick in meinem Nacken. Wusste er nicht, was ein Auto war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald ich den Motor gestartet hatte und wir uns in Bewegung setzten, entspannte er sich schnell wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem merkte ich, wie ich weiter schwächer wurde. Ich hatte gehofft, dass das Sitzen helfen würde, ich hier wieder zu Kräften kommen könnte. Stattdessen verschwamm meine Sicht allmählich. Kalles Gebell auf dem Rücksitz klang ungewöhnlich weit weg. Ich hatte Probleme, die Spur zu halten, musste mich mehr und mehr auf die Straße konzentrieren, geriet immer wieder auf die Gegenfahrbahn. Zum Glück war ich um diese Uhrzeit allein auf der Straße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich kamen die Lichter meines Heimatdorfes in Sicht. Die Fahrt war nicht sonderlich lang, immerhin ging ich mit Kalle immer nur knapp außerhalb der Gemeinde spazieren, wenn wir eine größere Runde planten. Und so hatte ich die Straße, in der die Kirche und der Friedhof lagen, bald erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort angekommen betätigte ich wieder und wieder die Hupe. Das schien den Jungen, der sich noch immer fest an mich klammerte, zu verwirren. Ich merkte, wie er sich ruckartig umsah. Aber entweder wusste er nicht, dass ich den Lärm machte, oder er hinterfragte es nicht weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich hielt ich an. Ich fuhr jedoch nicht bis zur Kirche oder dem Friedhof ein Grundstück weiter. Ich wusste genau, dass ich es in meinem Zustand niemals schaffen würde, den Jungen zu begraben. Stattdessen hielt ich meinen Wagen bei dem Haus davor. Es gehörte Einar, unserem Pfarrer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort angekommen betätigte ich noch einige Male die Hupe, ehe ich schließlich die Fahrertür aufstieß. Ich versuchte, auszusteigen, aber meinen Beinen fehlte die Kraft. Stattdessen landete ich mit meinen Handflächen auf dem kalten Bürgersteig, schaffte es nur mühsam, meine Beine aus dem Auto zu ziehen, während die Welt um mich mehr und mehr verschwamm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Letzte, was ich sah, war, wie sich die Haustür des Pfarrers öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer ist da? Um Gottes willen, Jonna!“, hörte ich Einar meinen Namen rufen. Seine Stimme klang weit entfernt. Trotzdem konnte ich noch hören, wie er zu uns rannte. „Lass sie los, Myling!“, schrie Einar. „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufe ich dich auf den Namen Jon!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr bekam ich nicht mehr mit. Im nächsten Moment verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich wieder zu mir kam, lag ich, zugedeckt mit einer Wolldecke, auf einem Sofa. Von dem Jungen fehlte jede Spur. Dafür lag Kalle dicht an mich gekuschelt bei mir. Sobald er merkte, dass ich wach war, bellte er freudig, wedelte mit dem Schwanz und schlabberte mir durchs Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He! Ist ja gut. Ist ja gut mein Junge, ich bin wach“, sagte ich, während ich mich halbherzig gegen seinen Angriff wehrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment ging eine Tür auf. Einar kam mit besorgter Miene auf mich zu. „Jonna. Gott sei Dank, du bist wach. Wie geht’s dir?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um ehrlich zu sein, ziemlich beschissen“, gestand ich. „Was ist passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pfarrer zögerte. „Ich … Ich weiß nicht, wie sehr du dich mit den alten schwedischen Sagen auskennst“, begann er. „Aber dieses Wesen, das du auf dem Rücken hattest, nennt man einen Myling.“ Er musterte mich einen Moment, als wolle er abschätzen, ob ich ihm glaubte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Myling?“, wiederholte ich. Vor wenigen Stunden noch hätte ich unseren Pfarrer für solch eine Aussage wahrscheinlich als verrückt bezeichnet, aber nach dem, was mir widerfahren war, war mir jede Erklärung recht, die mir eine Antwort lieferte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Myling ist ein Wiedergänger. Ein Untoter. Den Legenden nach entstehen sie, wenn ein ungetauftes Kind getötet oder im Wald ausgesetzt wird. Sie können nur ihren Frieden finden, wenn sie in heiligem Boden begraben werden oder wenn sie …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„… wenn sie getauft werden“, beendete ich seinen Satz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einar nickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen hatte er den Jungen also Jon getauft. Er hatte mir damit das Leben gerettet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pfarrer legte mir eine Hand auf den Arm. „Es tut mir leid, dass das ausgerechnet dir widerfahren ist, Jonna. Nach allem, was du durchgemacht hast.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte schief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du kannst jedenfalls hierbleiben, solange du willst“, bot er mir an. „Nur die Nacht oder bis du dich besser fühlst.“ Dann lächelte er noch einmal, ehe er seine Hand von meinem Arm löste. Nach einem kurzen Zögern drehte er sich schließlich um und wollte gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte“, hielt ich ihn auf. „Du siehst aus, als wenn du noch etwas sagen wolltest.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einar seufzte schwer. „Es ist nur … Ich hatte schon damit gerechnet, dass so etwas passiert. Zu Weihnachten hatte irgendein Verrückter den Årsgång durchgeführt. Das ist ein unchristliches Ritual, mit dem man angeblich die Zukunft voraussehen kann. Ich hatte bereits befürchtet, dass dadurch übernatürliche Wesen auf unser Dorf aufmerksam geworden sind. Wir können nur hoffen, dass dem Myling keine Weiteren folgen.“</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Myling, auch Myrding (Schwedisch für „Ermordetes“), ist ein Wiedergänger des skandinavischen Volksglaubens. In Norwegen wird das <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> Utburd genannt, in Island Útburður und bei den Samen u. a. Ihtiriekko.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> nach entsteht ein Myling, wenn ein Kind, oft ein Neugeborenes, ungetauft stirbt – meist, weil es von den Eltern ermordet oder im Wald ausgesetzt wurde     – und anschließend nicht ordnungsgemäß bestattet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist besonders früher oft vorgekommen, als Abtreibung noch verboten und uneheliche Kinder als Schande angesehen oder sogar kirchlich bestraft wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderer häufig genannter Grund ist, dass die Eltern keine finanziellen Mittel besaßen, um das Kind zu ernähren, und keinen anderen Ausweg sahen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltener sind Mylingar die Wiedergänger von Totgeburten, die nicht ordnungsgemäß bestattet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Svenska Akademiens Ordbok (Schwedisch für „Wörterbuch der Schwedischen Akademie“) ist außerdem aufgeführt, dass ein Myling auch der Wiedergänger eines ermordeten Erwachsenen sein kann, der nicht ordnungsgemäß bestattet und dessen Mörder nicht bestraft wurde. Hierzu habe ich jedoch keine historischen Belege gefunden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Mylingar im Normalfall Wiedergänger von Neugeborenen sind, nehmen sie das Aussehen von sechs- bis 12-jährigen Kindern an. Sie haben blasse Haut und sind oft abgemagert und verdreckt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als Wiedergänger, also Untote, halten sich Mylingar für gewöhnlich in der Nähe des Ortes auf, an dem sie begraben oder ihre Leiche versteckt wurde. Dort soll man nachts außerdem oft das Geschrei eines Kindes oder Babys hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte sich jemand auf die Suche nach dem Ursprung des Geschreis machen oder zufällig dem Myling begegnen, so springt der Myling den meisten Geschichten nach auf den Rücken der Person und klammert sich dort fest. Anschließend verlangt er, zu einem Friedhof oder geweihtem Boden gebracht und dort begraben zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da man sie nicht abschütteln kann, folgen die meisten Betroffenen der Bitte. Auf dem Weg zum Friedhof bzw. geweihtem Boden wird der Myling jedoch immer schwerer und schwerer. Sollte man es nicht rechtzeitig schaffen, den Ort zu erreichen, können sie angeblich so schwer werden, dass die Füße des Menschen im Boden versinken oder er unter der Last zusammenbricht, woraufhin der Myling wütend wird und den Menschen ermordet und sich auf die Suche nach seinem nächsten Opfer macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen entzieht ein Myling einem die Lebensenergie, während man ihn trägt. Irgendwann ist man schließlich so schwach, dass man zusammenbricht und stirbt. Diese Version würde auch zu anderen Wiedergängerlegenden passen, da die Berührung eines Wiedergängers den Menschen im Normalfall das Leben entzieht. So kann man daraufhin beispielsweise todkrank werden, die berührte Stelle kann abfallen, verbrennen oder verfaulen oder der Mensch kann sterben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte man es hingegen schaffen, den geweihten Boden zu erreichen, lässt der Myling von einem ab, woraufhin man ihn begraben und somit seine Seele befreien kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Legenden verlangt der Myling einen Namen und es reicht aus, ihm einen zu geben, oder der Myling muss sich an seiner Mutter rächen, um Frieden zu finden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mylingar wurden hauptsächlich in Skandinavien gesichtet. Dort können sie überall auftauchen, wo ein ungetauftes Kind gestorben ist bzw. sein Leichnam versteckt oder begraben wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Geschichten kommen sie in Wäldern oder auf dem Grundstück der Eltern vor.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Glaube an Mylingar geht wahrscheinlich auf den früher oft begangenen Kindsmord zurück. Die häufigsten Gründe hierfür waren, wie bereits erwähnt, dass die Eltern keine finanziellen Möglichkeiten hatten, das Kind zu ernähren, oder das Kind unehelich war und die Eltern somit von der Kirche bestraft und gesellschaftlich missachtet worden wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war die Aufklärung früher nicht so weit wie heute, Verhütungsmittel waren deutlich weniger verbreitet und Abtreibungen waren verboten. Ungewünschte Kinder kamen also sehr viel häufiger vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie alt der Glaube an die Mylingar ist, habe ich hingegen nicht herausfinden können. Im Svenska Akademiens Ordboka ist eine Quelle aus dem frühen 17. Jahrhundert aufgelistet, die Legende kann aber natürlich noch deutlich älter sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Myling? Hat euch meine Geschichte gefallen? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr nachts Kinderschreie aus dem Wald hört? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Der Gorbals Vampire &#8211; Er lauert in der Dunkelheit!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Apr 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es spielten oft Schulkinder auf dem Friedhof. Von ihnen hatte ich aufgeschnappt, dass es Gerüchte über einen Vampir gab, der hier auf dem Friedhof sein Unwesen treiben soll. Ein riesiges Ungetüm mit Zähnen aus Metall ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/518fc9385d30414491826af1fd394cd4" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Heute widme ich mich mit dem Gorbals Vampire einem der wohl größten Vampirphänomene des letzten Jahrhunderts. Am 23. September 1954 haben sich nämlich über 400 Kinder versammelt, um den Vampir zu jagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor es jedoch losgeht, möchte ich mich noch bei meinen neusten Patrons bedanken: Vielen Dank <strong>MiniGrinsekeksin</strong> und <strong>Thalyanna</strong>, dass ihr mich unterstützt! Wenn es so weitergeht, dauert es bis zum Podcast nicht mehr lange. 😀</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Erwähnung häuslicher Gewalt<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sonne war bereits untergegangen. Ich schlenderte mit langsamen Schritten über den Friedhof, während ich meine Füße fast träge durch das kurze Gras zog. Wenn ihr euch jetzt jedoch einen romantischen Abendspaziergang über einen idyllischen Friedhof mit frischer Luft und dem Zirpen von Grillen vorstellt, muss ich euch leider enttäuschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Friedhof – die Southern Necropolis in Gorbals – war ein schmutziger Ort. Das ganze Stadtviertel war ein schmutziger Ort, ein Armenviertel, das von der stinkenden Luft der Industrie und des Fortschritts verpestet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn der Wind aus Süden kam, konnte man auf dem Friedhof selbst an wolkenlosen Tagen manchmal die Sonne nicht sehen. Schuld daran war das Dixon Eisenwerk, das direkt an den Friedhof grenzte. Sogar in der Nacht konnte man seinen Schornstein sehen, wie er unablässig Rauch und in unregelmäßigen Abständen Flammen in den Himmel spie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem erfüllte das Industriegebäude die Luft mit Lärm von aneinanderschlagendem Metall und dem Gestank seiner Abgase. Ich war froh, dass ich diesen Ort, den ich mehr als alles andere verachtete, bald verlassen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise war ich in der Southern Necropolis als Gärtner tätig. Nach dem Zwischenfall vor einigen Tagen hatte mich die Friedhofsleitung jedoch gebeten, nachts nach dem Rechten zu sehen und darauf zu achten, dass sich keine Kinder und Jugendlichen zu so später Stunde noch zwischen all die Gräber und Bäume verirrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahl, mich dazu zu verdonnern, war einleuchtend. Nicht nur, dass ich in meinem Alter nicht mehr der beste Gärtner war und Probleme mit meinen Knien hatte, sie mussten auch keine Angst haben, mich von hier zu vergraulen, wo ich doch eh in wenigen Wochen in Rente gehen würde. Dann würde ich endlich wegziehen aus der stinkenden Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war in meine Gedanken versunken, ließ das schwache Licht meiner Taschenlampe die Gräber entlangschweifen und achtete mal mehr mal weniger auf die Geräusche, die ich zwischen dem metallischen Geklapper und Geklimper hören konnte. Dabei fiel mein Blick auf einen Ast, der auf dem Weg zu meiner Rechten lag. Kurz überlegte ich, weiterzugehen, aber die zehn Jahre, die ich seit dem Zweiten Weltkrieg als Friedhofsgärtner tätig war, hatten ihre Spuren hinterlassen. Ich brachte es nicht übers Herz, ihn einfach dort liegen zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie automatisch steuerte ich darauf zu. Erst wollte ich ihn bloß mit dem Fuß auf den Rasen kicken, bis plötzlich eine Flamme vom Eisenwerk den Friedhof erhellte. Das war an sich nichts Ungewöhnliches. Denn auch, wenn die Kinder, die sich hier manchmal nachts rumtrieben und einander Gruselgeschichten erzählten, sich wohlig gruselten, immer wenn die Gräber durch die Flammen aus dem Schornstein lange Schatten über den Boden warfen, hatte ich mich schon lange daran gewöhnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür hatte der kurze Lichtblitz meine Aufmerksamkeit auf etwas Anderes gelenkt: Ein Ende des Stocks war mit einem Messer angespitzt worden. Ein Lächeln huschte über mein Gesicht, nur unterbrochen von meiner vor Anstrengung verzerrten Miene, während ich mich nach dem Ast bückte. Prüfend drückte ich den Daumen auf die Spitze. Das Holz war vielleicht ein wenig zu weich, aber an sich war es ein ganz annehmbarer Speer für eine Vampirjagd.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verzeiht. Hatte ich davon noch gar nicht erzählt? Vielleicht sollte ich mit dem Grund anfangen, wieso ich überhaupt zu meinen nächtlichen Rundgängen über den Friedhof überredet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angefangen hatte alles vor einigen Wochen. Es spielten oft Schulkinder auf dem Friedhof, weil er das grünste Stück Land in unserem dreckigen Stadtviertel war. Von ihnen hatte ich aufgeschnappt, dass es Gerüchte über einen Vampir gab, der hier auf dem Friedhof sein Unwesen treiben soll. Ein riesiges Ungetüm mit Zähnen aus Metall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war natürlich Unfug. Davon abgesehen, dass ich nicht an solche Ammenmärchen glaubte, kannte ich den Friedhof wie meine Westentasche. Wenn sich hier irgendein Monster herumtreiben würde, wüsste ich davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem fühlte ich mich an meine Kindheit erinnert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mr. Ferguson! Mr. Ferguson! Stimmt es, dass ein Vampir mit Eisenzähnen auf dem Friedhof lebt?“, hatte mich eines der Kinder erst neulich gefragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte mir nichts weiter dabei gedacht. Um ehrlich zu sein, musste ich an meinen Bruder denken – Gott hab ihn selig –, der mir früher auch immer Gruselgeschichten erzählt hatte. „Hmm. Ein Vampir sagt ihr?“, hatte ich gefragt. „Gesehen habe ich nichts. Aber manchmal hört man hier schon komische Geräusche. Als würde Metall auf Metall schlagen!“ Ich hatte mehrfach meine Zähne aufeinander geschlagen, um zu verdeutlichen, dass ich auf die Eisenzähne anspielte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kinder waren schreiend weggelaufen. Genau das wollten sie hören. Ich war mir sicher, dass sie ihren Freunden davon erzählen würden, aber welches Ausmaß ihre Vampirjagd bald erreichen würde, hätte niemand ahnen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sechs Tage ist es jetzt her, dass der Friedhof am Abend plötzlich von unzähligen Kindern überrannt wurde, die allesamt nach dem Vampir mit den Eisenzähnen suchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zeitungen sprachen von über 400 Kindern. Einige von ihnen gerade alt genug, dass sie laufen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich selbst war nicht dabei gewesen. Zum Glück. Auf eine Armee aus schreienden Kindern, die mit spitzen Stöckern, Küchenmessern und Hunden bewaffnet nach einem imaginären Vampir suchten, konnte ich verzichten. Besonders, wenn ich einer der wenigen Erwachsenen gewesen wäre, der erfolglos versucht hatte, für Ordnung zu sorgen. Sogar die Polizei war an der Übermacht an Kindern kläglich gescheitert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">400 Kinder … Eine solch riesige Schar konnte ich mir nicht einmal vorstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Kollege von mir meinte, dass der Schulrektor schließlich aufgetaucht war und ihnen Vernunft eingeredet hatte. Das und der plötzlich aufkommende Regen hatte die Kinder schließlich vertreiben können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ließen sie sich davon ihre Pläne noch nicht durchkreuzen. Eine kleine Kerntruppe kam die folgenden beiden Nächte wieder, ehe auch sie aufgaben. Und auch letzte Nacht hatte ich noch ein paar wenige Jugendliche gefunden, die sich hinter einem Busch versteckt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so kam es, dass ich in einer meiner letzten Arbeitswochen nachts über den Friedhof streifen durfte, um abenteuerlustige Kinder zu verscheuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits konnte ich sie verstehen. Die Kinder aus Gorbals hatten nicht viele Freuden im Leben. Ich wusste, dass einige Zuhause geschlagen wurden. Aber auch die anderen hatten keine leichte Kindheit umgeben von all dem Schmutz und Gestank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein plötzlich aufkommender Wind ließ mich frösteln. Als wolle sie meine Gedanken unterstreichen, blies die Brise mir den Gestank der Fabrik entgegen. Es war eine Mischung aus Autoauspuff und Schweißgerät.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gerümpfter Nase kehrte ich dem Eisenwerk den Rücken zu. Vielleicht war die Luft am anderen Ende des Friedhofs etwas erträglicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich meiner Wege ging, musste ich wieder an die Kinder denken. Ich betrachtete die Grabsteine, die von meiner Taschenlampe und den gelegentlichen Flammen des Industrieschornsteins erhellt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich stockte ich. Dort stand jemand zwischen den Gräbern. Ich hob meine Taschenlampe, um ihn anzuleuchten, doch der Lichtkegel traf nur auf die beiden Gräber und plattgetretenes Gras.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwundert sah ich mich um. „Hallo?“, rief ich vorsichtshalber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch als Antwort ertönte nur das metallische Schlagen aus der Fabrik. <em>Klonk, klonk, klonk</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschöpft rieb ich mir über die Augen. Kein Wunder, dass die Kinder bei ihrer Vampirjagd nicht nach Hause gehen wollten. Wenn ich bedenke, dass es in der Nacht auch noch neblig gewesen war, hatten sie wahrscheinlich an jeder Ecke einen Schatten gesehen, den sie für ihren Vampir gehalten hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hörte ich etwas in der Dunkelheit: Stimmen. Sie waren leise, aber wenn ich genau hinhörte, konnte ich einzelne Worte ausmachen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Meint ihr, das ist er?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann irgendetwas mit „Vampir“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und schließlich ein: „Schhht! Er kommt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt meine Taschenlampe vor mich, während ich den Stimmen folgte. Hinter einem der Grabsteine konnte ich einen blonden Haarschopf erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kommt raus. Ich seh euch doch hinter den Gräbern!“, rief ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgte ein kollektives Aufatmen. „Das ist nur der alte Mr. Ferguson.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenig später standen drei Jungen vor mir. Sie hatten sich der Größe nach aufgestellt. Da waren der junge William, ein blonder Junge, dessen Namen ich nicht kannte, und ein großer schwarzhaariger, der schuldbewusst dreinblickte – Ian, Brian oder so ähnlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Geht nach Hause“, grummelte ich gerade laut genug, dass sie mich verstehen konnten. „Um diese Uhrzeit ist es draußen nicht sicher für ein paar Kinder wie euch. Nicht in Gorbals …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wieso?“, fragte der blonde Junge, der jetzt einen Schritt auf mich zukam. „Weil sich hier ein gefährlicher Vampir rumtreibt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, so ein Blödsinn“, erwiderte ich sofort. „Die Stadt ist auch ohne Vampire kein sicherer Ort. Für keinen von uns!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also ist es auf dem Friedhof nachts gefährlich?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte schwer. „Nicht gefährlicher als in der Stadt. Aber wenn ihr nicht geht, werde ich euch wohl oder übel bei eurem Rektor und euren Eltern anschwärzen müssen.“ Die Friedhofsleitung hatte mir aufgetragen, das zu sagen. Natürlich würde ich weder das eine noch das andere tun. Die Kinder hatten es auch so schon schwer genug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es überraschte mich nicht, wie unbeeindruckt sich die Kinder zeigten. Ian oder Brian bekam zwar große Augen und wirkte fast sofort einen halben Kopf kleiner, aber der Blonde starrte bloß weiter stur gegen mein Taschenlampenlicht an. Zumindest, bis eine erneute Flamme den Friedhof erhellte. Fast sofort sahen die Jungen zeitgleich ein kleines Stück an mir vorbei. Dann rannten sie schreiend weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zögerte. Mit der Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Kurz überlegte ich, ihnen nachzulaufen, aber sie waren zu schnell für mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also drehte ich mich vorsichtshalber um. Ich schwenkte meine Taschenlampe langsam von links nach rechts. Grabsteine, Grabsteine, ein Baum, noch mehr Grabsteine. Als ich alles abgeleuchtet hatte, leuchtete ich denselben Weg noch einmal zurück. Aber da war nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder zuckte ein helles Licht von einer Flamme über den Friedhof. Moment … stand da nicht jemand? Ich leuchtete die Stelle an. Aber nein. Es war nur ein Grabstein. Bei dem Spiel aus Licht und Schatten musste er kurz wie eine Person ausgesehen haben. Es würde schon kein Vampir sein … Oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, sei kein Dummkopf. Das ist alles nur kindliche Fantasie!“, murmelte ich mir beruhigend zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war da dieses Ziehen in meiner Magengegend. Ein Ziehen, das ich nur aus dem Krieg kannte. Und damals hatte ich gelernt, mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kam ich mir sehr klein vor, wie ich allein in fast völliger Dunkelheit auf dem Friedhof stand. Mein Puls beschleunigte sich. Dann folgte mein Atem. Ich versuchte zwanghaft, mich zu beruhigen. Mir einzureden, dass alles gut war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Knack</em>. Ein plötzliches Knacken hinter mir ließ mich herumfahren. Erst jetzt merkte ich, dass ich den spitzen Stock von vorhin noch in der Hand hielt. Ich hielt ihn schützend vor mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„S-Seid ihr immer noch da?“, rief ich in die Dunkelheit. „Kommt schon, geht nach Hause. Bitte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sandte ein Stoßgebet zum Himmel, hoffte, dass ich wieder ein leises Tuscheln hören würde. Vielleicht konnte ich wieder einen Haarschopf hinter einem der Gräber sehen …? Aber nein. Da war absolut gar nichts. Nichts außer dem bekannten Gefühl, beobachtet zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Klonk, klonk, klonk</em>‘, ertönte es weiter vom Eisenwerk. Diesmal kamen mir die Schläge ungewöhnlich aggressiv vor. Ich spürte, wie sich allmählich mein Hals zuschnürte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, als ich entschied, nach Hause zu gehen. Ich hatte keine Ahnung, ob hier irgendwer oder irgendetwas auf mich lauerte, aber ich wollte nicht riskieren, es herauszufinden. Selbst, wenn es kein Vampir war, gab es mehr als genug zwielichtige Gestalten in den Gorbals, denen ich nachts nicht begegnen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem … was konnte die Friedhofsleitung schon machen? Mich rausschmeißen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nahm denselben Weg Richtung Ausgang, den auch die drei Jungen genommen hatten. Bald merkte ich jedoch, wie meine Schritte mit jedem ‚<em>Klonk</em>‘ des Eisenwerks schneller wurden. Es dauerte nicht lange, bis aus meinem Gehen ein Joggen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich hörte ich etwas hinter mir. Schritte. Sehr schnelle Schritte. Und sie kamen näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, warum ich nicht einfach weitergelaufen war. Vielleicht hätte ich es bis zum Ausgang geschafft. Andererseits hatte der Krieg mir beigebracht, einem potentiellen Feind niemals den Rücken zuzuwenden. Also drehte ich mich um und riss dabei wieder den spitzen Stock vor mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider vergaß ich dabei für einen Moment, wie kaputt meine Knie waren. Ich drehte mich zu schnell, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte zu Boden. Meine Taschenlampe flog in einem hohen Bogen davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt saß ich im Gras, musterte panisch die Dunkelheit vor mir, während ich versuchte, irgendetwas zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das einzige Licht kam von meiner Taschenlampe. Sie lag zu weit weg, ihr Lichtkegel erhellte aber ein kleines Stück Rasen vor mir. Und genau in diesen Kegel trat nun eine Person. Ich konnte ihre Beine nur kurz erkennen, aber sie trug große Schuhe. Definitiv kein Kind oder Jugendlicher!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer … Wer ist da?“, fragte ich. Ich bemühte mich, eine feste Stimme zu behalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der Schatten, den ich jetzt in der Dunkelheit ausmachen konnte, antwortete nicht. Stumm trat er bloß weiter auf mich zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bleib weg!“, rief ich und fuchtelte dabei mit dem Stock. Er war das Einzige, was zwischen mir und dem Schatten stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schatten zeigte sich hingegen unbeeindruckt. Er hielt nicht einmal inne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt stand er über mir. Da ich nicht wusste, was ich anderes tun konnte, stieß ich mit dem Stock zu. Ich hatte dabei so eine Kraft, dass der Stock sich in den Bauch meines Angreifers bohrte. Ich spürte genau, wie die Spitze in sein Fleisch eindrang. Trotzdem folgte kein Schmerzensschrei. Um genau zu sein, folgte gar keine Reaktion. Völlig unbeirrt beugte der Schatten sich über mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein. Nein!“, schrie ich. Ich zerrte an dem Stock, versuchte, ihn freizubekommen, aber er steckte zu fest. Also drückte ich doller zu. Ich spürte, wie er noch weiter in die Gestalt eindrang, aber es kümmerte sie gar nicht. Meine Hände zitterten, während ich ungläubig zu dem dunklen Fleck hochsah, wo das Gesicht der Gestalt sein musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, als eine weitere Flamme den Friedhof erhellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gütiger Gott“, hauchte ich ungläubig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Licht hatte ich deutlich die Zähne meines Angreifers erkennen können. Sie waren lang, scharf und glänzten wie Metall, während sie auf meinen Hals zu schnellten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war das Letzte, was ich sehen sollte. Doch in den letzten Sekunden meines Lebens bereute ich nur eins: Dass ich es bis zu meinem Tod nicht geschafft hatte, meiner stinkenden Heimatstadt zu entkommen.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gorbals Vampire (Englisch für „Vampir von Gorbals“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> über einen Vampir des letzten Jahrhunderts. Er erregte 1954 in Gorbals, einem Stadtteil von Glasgow, Schottland, eine solche Aufmerksamkeit, dass sich über 400 Schulkinder versammelten, um den Gorbals Vampire zu töten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen des Gorbals Vampire ist nicht viel bekannt. Die Kinder erzählten 1954 hauptsächlich von einem 7 Fuß (ca. 213 cm) großen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monster</a> mit Eisenzähnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter anderem wurden auch Zähne wie bei einem Walross oder rot leuchtenden Augen erwähnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Vampireigenschaften hat er keine, was daran liegen kann, das nur die wenigsten Kinder aus den Gorbals wussten, was ein Vampir überhaupt ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch was die Eigenschaften angeht, gibt es nur wenig Informationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gorbals Vampire soll aber, im Gegensatz zu herkömmlichen Vampiren, kein Blut gesaugt, sondern seine Opfer – der Legende nach zwei Schuljungen – getötet und gefressen haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ereignis:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Stellt euch folgende Situation vor: Ihr seid ein Polizist, der gebeten wird, sich eine Unruhe auf dem örtlichen Friedhof näher anzusehen. Aber als ihr dort ankommt, findet ihr eine Armee aus hunderten Kindern. Sie sind mit Stöcken, Küchenmessern, Steinen und Hunden bewaffnet, während sie den Friedhof stürmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das mag zwar völlig an den Haaren herbeigezogen klingen, aber genauso hat es sich am 23. September in den Gorbals zugetragen. Angeblich waren es mehr als 400 Kinder, die sich getroffen haben, um den Gorbals Vampire zu töten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kinder kamen aus allen möglichen Altersgruppen. Die Jüngsten von ihnen sollen gerade einmal 4 Jahre alt gewesen sein, während die Ältesten bereits Teenager waren. Und auch einige besorgte Eltern sollen auf dem Friedhof gewesen sein. Sie erkundigten sich bei den Polizisten, ob irgendetwas an den Gerüchten über den Gorbals Vampire dran sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt, dass es an dem Abend nebelig war. Das Dixon Eisenwerk direkt hinter dem Friedhof hat regelmäßig Feuer gespien, wodurch die Grabsteine und Bäume gespenstische Schatten geworfen haben. Die Kinder sahen an jeder Ecke Silhouetten im Nebel, die sie für den Vampir hielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizei hatte keine Chance, die Kinder aufzuhalten. Erst, als der Schulrektor aufgetaucht war, um die Kinder zurechtzuweisen, und es kurz danach angefangen hatte, zu regnen, kehrten die jungen Vampirjäger nach Hause zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch waren die Kinder jedoch nicht bereit, aufzugeben. Einige von ihnen setzten die Suche in den folgenden zwei Nächten fort. Erst in der dritten Nacht verloren auch sie das Interesse und gaben die Jagd auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass das Ereignis für große Aufmerksamkeit gesorgt hat. Es wurde von der Presse behandelt und hat sogar zu einem Gesetz geführt, dass den Verkauf von Horror- und Krimicomics an Kinder verboten hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie der Name schon sagt, soll der Gorbals Vampire in Gorbals, einem Stadtteil in Glasgow, Schottland, leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort soll er in der Southern Necropolis (Englisch für „Südliche Nekropole“), einem riesigen Friedhof mit über 250.000 stattgefundenen Begräbnissen, sein Unwesen treiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits angedeutet, wurden Comichefte über Vampire und andere Monster für die Legende des Gorbals Vampire verantwortlich gemacht. Der Grund dafür war wahrscheinlich der 1953 erschienene Comic „The Vampire with the Iron Teeth“ (Der Vampir mit den Eisenzähnen) der Dark Mysteries Reihe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch, wenn das auf den ersten Blick logisch klingen mag, wurde dabei nicht bedacht, dass die armen Kinder aus den Gorbals sich im Normalfall keine Comichefte leisten konnten – schon gar keine aus Amerika. Als einige der ehemaligen Kinder 2016 zu der Vampirjagd interviewt wurden, erklärten sie, dass sie damals keine Comics besessen haben. Die meisten von ihnen hatten nicht einmal Fernseher und einige nicht einmal fließend Wasser im Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch ihre Aussage, dass sie zu damaliger Zeit nicht wussten, was ein Vampir überhaupt ist, sollte man nicht außer Acht lassen. Z. B. wusste niemand von ihnen, dass man einem Vampir einen Pflock ins Herz hämmern müsse, um ihn zu töten. Der Plan der Kinder war stattdessen gewesen, den Vampir zu köpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist daher nicht verwunderlich, dass es noch drei weitere, vielleicht sogar wahrscheinlichere Theorien über den Ursprung der Legende gibt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Theorien:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">So gab es in Glasgow im 19. Jahrhundert das Kinderschrecklied „Jenny wi‘ the Iron Teeth“ (Jenny mit den Eisenzähnen). Ein Lied über ein Wesen, dass eiserne Zähne hat und Kinder beißt und entführt, wenn sie nicht schlafen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite Theorie ist eine Passage aus der Bibel. So wird in Daniel 7-7 von einem Tier mit eisernen Zähnen berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die dritte Theorie berichtet von dem „Iron Man“ (Eisenmann), einem Mann mit eisernen Zähnen, von dem einige Eltern in Gorbals geredet haben sollen. Hierzu habe ich jedoch – abgesehen von einer Zeugenaussage eines damals beteiligten Kindes – keine weiteren Informationen finden können.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Verbreitung der Legende:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch, wenn man nicht sagen kann, woher die Legende kommt, weiß man, wie sie sich derart verbreiten konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Friedhof soll damals nämlich einer der wenigen grünen Flecken im schmutzigen Armenviertel Gorbals gewesen sein. Daher hatten sich dort oft Kinder zum Spielen getroffen. Aufgrund der gruseligen Atmosphäre eignete sich der Ort jedoch ebenfalls wunderbar für Gruselgeschichten. Die Kinder trafen sich dort oft, um sich gemeinsam zu gruseln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als unter den Kindern das Gerücht aufkam, dass ein schrecklicher, sieben Fuß großer Vampir mit eisernen Zähnen zwei Jungen getötet und gefressen haben soll, hat sich das unter den Kindern schnell rumgesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis es erste angebliche Augenzeugen gab, die den Fängen des Gorbals Vampire nur knapp entkommen seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber anstatt sich ängstlich zu verstecken und den Friedhof zu meiden, hatten die Kinder von Gorbals in den 1950er Jahren eine andere Vorstellung, wie sie mit einem Monster umzugehen hatten: Sie organisierten die riesige Vampirjagd, die dafür sorgen sollte, dass der Gorbals Vampire in die schottische Geschichte eingeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der erfolglosen Jagd war die Legende aber längst nicht vergessen. Die Bevölkerung wusste nun von dem Monster, und auch, wenn die meisten Erwachsenen es als Kinderfantasie abgetan haben, soll es andere gegeben haben, die selbst an den Gorbals Vampire glaubten. Dass es die zwei vermissten Schulkinder, die der Vampir auf dem Gewissen haben soll, nie gegeben hat, hat sie dabei anscheinend nicht interessiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gorbals Vampire ist solch eine ikonische Figur der Folklore von Glasgow geworden, dass 2016 Schulen in Glasgow der Legende fast ein komplettes Jahr gewidmet haben. 10 Monate lang haben Schülerinnen und Schüler Zeichnungen, Geschichten und sogar ein berühmtes Graffiti erstellt, die von dem Gorbals Vampire und der Jagd auf ihn inspiriert wurden. Abgerundet wurde das Ganze von einem Theaterstück, das die Gemeinde gemeinsam organisiert hatte. Es wurde Ende Oktober 2016 kurz vor <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Halloween</a> im Britannia Panopticon aufgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Gorbals Vampire? Hättet ihr euch als Kind getraut, mit den anderen Kindern auf den Friedhof zu gehen? Und wie hättet ihr euch an Mr. Fergusons Stelle verhalten? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, unterstützt mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>, abonniert meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>La Légende de Saint Nicolas – Die Legende vom heiligen Nikolaus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Dec 2022 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Metzger sah sich im Halbdunkel des Raumes um. Er spähte in jede Ecke, sah sogar unter seiner Bettdecke nach. Das war Augustus' Chance. Während der Metzger an der Seite des Bettes stand, krabbelte der Junge am Fußende in die Freiheit. Große Hände griffen nach ihm, doch der Metzger erwischte nur den Ärmel seines Oberteils. Der Stoff riss und der Junge war in Freiheit ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/d1bb9abed70e4ecd906d2b24ba704241" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">La Légende de Saint Nicolas ist ein französisches Kinderlied, das vom heiligen Nikolaus (besser bekannt als „der Nikolaus“) handelt. Auch wenn es zahlreiche Legenden über den Nikolaus gibt, eignen sich nur wenige für meinen Blog. Eine von ihnen ist la Légende de Saint Nicolas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn alles klappt, kommt mein letzter Beitrag des Jahres übrigens am 26. Dezember. Also keine Sorge: Sollte nichts dazwischenkommen, gibt es noch eine weihnachtliche Legende vor meiner Winterpause! </p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; explizite Darstellung körperlicher Gewalt<br>
&#8211; Tod mehrerer Kinder</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Heute erzähle ich euch eine Weihnachtsgeschichte. Oder eher eine Nikolausgeschichte. Sie wird in Frankreich seit Jahrhunderten erzählt und sogar besungen. So gesehen ist die Legende ein beliebtes Kinderlied, obwohl sie eigentlich sehr düster und grausam ist. Ich rede von la Légende de Saint Nicolas – die Legende vom heiligen Nikolaus. Aber lasst mich am Anfang beginnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor langer Zeit, es muss irgendwann im vierten Jahrhundert nach Christus gewesen sein, lebten drei Jungen. Wie sie hießen, wo genau sie lebten und ob sie Brüder oder bloß Freunde gewesen waren, weiß man nicht so genau. In meiner Geschichte sind sie jedenfalls Freunde. Da sind Augustus, der älteste von ihnen und selbsternannter Anführer, Cassius, der zweitälteste, der alles macht, was Augustus ihm aufträgt, und zu guter Letzt Nero, der schlauste von ihnen. Er hatte immer gute Ideen, doch leider nahmen seine Freunde ihn oft nicht ernst, weil er der Jüngste war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem waren die drei unzertrennlich. Denn obwohl sie bloß Freunde waren, kannten sie einander schon ihr ganzes Leben lang. Für sie war es kaum vorstellbar, auch nur einen Tag getrennt voneinander zu spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so war es auch an jenem Spätsommertag, an dem diese Geschichte beginnt. Die drei Jungen rannten den ganzen Tag über die kürzlich abgeernteten Weizenfelder. Sie sammelten am Boden liegende Getreideähren, die bei der Ernte übersehen wurden, lachten und taten so, als seien sie Römer, die gerade eine Schlacht gewannen. Sie hatten dabei so viel Spaß, dass sie gar nicht merkten, wie weit sie sich von ihrer Heimat entfernten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Sonne sich allmählich dem Horizont näherte und die Schatten länger wurden, mahnte Nero seine Freunde: „Die Sonne geht bald unter. Lasst uns nach Hause gehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Augustus schüttelte bloß den Kopf. „Es ist gerade so lustig. Wir gehen nach Hause, wenn es dunkel wird.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so spielten sie weiter, bis der Horizont sich rot färbte. Wieder mahnte Nero: „Es wird spät. Wir sollten zurückgehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wieder hatte Augustus das letzte Wort: „Nur noch einen kurzen Moment.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kam, wie es kommen musste: Als die Sonne schließlich untergegangen war, wurde es rasch dunkler. Zwar kehrten die Jungen sofort um, machten sich auf den Weg nach Hause, aber sie verirrten sich bald.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hellen hätten sie den Rückweg wahrscheinlich gefunden, doch sie hatten nicht bedacht, wie anders alles im Dunkeln aussah. Außerdem war es zur damaligen Zeit noch nicht wie heute: Es gab keine Straßenlaternen und nur sehr wenige Häuser, an deren Lichtern die Kinder sich orientieren konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das letzte Sonnenlicht schließlich verschwunden war, hatten sie keine Hoffnung mehr, vor Tagesanbruch nach Hause zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Unsere Eltern machen sich sicher Sorgen“, jammerte Nero.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Meine Mutter bringt mich um“, ergänzte Augustus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe Hunger“, sagte Cassius.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie als Antwort knurrte nun auch der Magen von Augustus. Und das war noch nicht alles: In der Dunkelheit fühlten die Jungs sich bald beobachtet. Sie hörten ein leises Rascheln in der Ferne. Der Wind säuselte um ihre Köpfe und flüsterte ihnen in seiner unbekannten Sprache in die Ohren. Sie entschieden, beim nächstbesten Haus zu klopfen, dessen Lichter sie schon aus der Ferne sehen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es entpuppte sich als eine Metzgerei, wie sie an dem großen Schinken auf dem Holzschild über der Tür erkannten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mutig klopfte Augustus an. <em>Poch, poch, poch</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder klopfte Augustus, diesmal lauter. <em>Poch, poch, poch</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich hörten sie Geräusche von drinnen. „Ich habe geschlossen!“, rief eine raue Männerstimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem öffnete sich die Tür. Erst nur einen Spalt, durch den ein Mann mit grobkantigem Gesicht, dunklen Haaren und kleinen Augen nach draußen spähte. Als sein Blick nach unten zu den Jungen wanderte, öffnete er die Tür ein Stück weiter. Überrascht sah er sie an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was macht ihr denn so spät noch hier?“, fragte er halb misstrauisch, halb verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nero das viele Blut an seiner Schürze sah, drückte er sich ängstlich hinter Augustus. Der wiederum griff nach Cassius&#8216; Schultern und schob seinen Freund ein Stück nach vorne. Ein klares Zeichen, dass er reden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Cassius räusperte sich. „Bitte Herr Metzger, dürfen wir hier schlafen? Wir haben uns verlaufen und können den Heimweg nicht finden“, sagte er. Seine Stimme klang ruhig, aber innerlich war auch er am Zittern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Metzger musterte sie eine Weile stumm. Dann lächelte er plötzlich breit, fast schon väterlich, und öffnete die Tür ganz. „Natürlich. Ich finde schon einen Platz für drei kleine Kerlchen wie euch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Jungs zögerten, hatten ihre Eltern sie doch gewarnt, keinen Fremden in ein Haus zu folgen, aber schließlich traten sie ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Metzger sah flüchtig die Straße rauf und runter, ehe er die Tür gewissenhaft hinter ihnen schloss. Dann schob er mit seinen kräftigen Armen einen großen Holzbalken vor die Tür. Als er sich zu den drei Freunden umdrehte, war von der Freundlichkeit oder dem Lächeln in seinem Gesicht nichts mehr zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne ein weiteres Wort zu sagen, ging er zu einem Tisch, auf dem die zerkleinerten Überreste eines Schweins lagen. Doch während die Kinder noch dachten, dass er ihnen wahrscheinlich bloß etwas zu essen geben wolle, griff der Mann nach seinem blutverschmierten Fleischermesser, das in der Tischplatte steckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Angst. Ich sorge dafür, dass es schnell geht“, sagte der Mann, ehe er das Messer mit einem Ruck aus dem Holz zog. Ein metallenes <em>Tsching</em> füllte die Luft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war das Unwohlsein der Kinder in Angst umgeschlagen. Während der Metzger mit erhobenem Messer auf sie zukam, drückten sie sich eng aneinander. Nero rüttelte an der Tür. Aber es war zwecklos. Seine Arme waren zu schwach, um den schweren Türbalken anzuheben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Helft mir mal!“, rief er seinen Freunden zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die dachten gar nicht daran, noch länger an der Tür zu stehen. Cassius krabbelte unter einen Tisch, während Augustus in den hinteren Teil des Hauses rannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann war der Metzger auch schon bei Nero. Ehe der Junge wusste, was mit ihm geschah, hatte der Mann mit einem gezielten Schnitt seine Kehle durchtrennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise hätte er nicht so schlampig gearbeitet, darauf geachtet, dass das Blut des Jungen nicht überall hinspritzte, aber er musste sich beeilen, damit die anderen beiden Jungs nicht entkommen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während Nero also röchelnd am Boden zusammenbrach, wandte der Metzger sich Cassius zu. Dieser versuchte, panisch von ihm wegzukrabbeln, während der Mann die Stühle vom Tisch riss. Cassius unterschätzte jedoch die Schnelligkeit und das Geschick des Metzgers. Es dauerte nicht lange, dann lag auch er in einer Blutlache am Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fehlte nur noch Augustus. Der Metzger wandte sich der Tür zu seinem Schlafzimmer zu, durch die der älteste Junge verschwunden war. Mit schnellen Schritten ging er ihm nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Augustus drückte sich unter dem Bett eng an den Boden. Er bemühte sich, langsam zu atmen, um keine Geräusche zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Metzger sah sich im Halbdunkel des Raumes um. Er spähte in jede Ecke, sah sogar unter seiner Bettdecke nach. Das war Augustus&#8216; Chance. Während der Metzger an der Seite des Bettes stand, krabbelte der Junge am Fußende in die Freiheit. Große Hände griffen nach ihm, doch der Metzger erwischte nur den Ärmel seines Oberteils. Der Stoff riss und der Junge war in Freiheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Zeit hatte er jedoch nicht. So schnell er konnte, stürmte er zur Tür. Mit aller Kraft drückte der den Holzbalken nach oben. Er bewegte sich. Doch ehe Augustus die Tür ganz öffnen konnte, hatte der Metzger ihn erreicht. Wie auch bei seinen Freunden, machte der Mann mit ihm kurzen Prozess.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nacht verbrachte der Metzger damit, die Kinder fachgerecht zu zerteilen. Er legte ihr Fleisch in ein Salzfass, wie er es sonst mit dem Fleisch von Schweinen, Kühen oder anderen Tieren machte. Anschließend stellte er es zu den anderen Fässern in seinem Vorratsraum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verkauft oder selbst gegessen hat er das Fleisch jedoch nie. Vielleicht hatte er Schuldgefühle, oder aber er hatte sich nicht getraut, voller Angst, dass jemand herausfinden könnte, was wirklich in dem Fass war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls lag das Fleisch der Kinder selbst nach sieben langen Jahren noch in dem Fass. Den Eltern der Kinder kam es aber sicher noch viel länger vor, während sie täglich hofften, dass ihre Jungs endlich heimkehren würden. Sie konnten ja nicht ahnen, was ihren Kindern zugestoßen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hier könnte das tragische Ende der Legende sein, aber es wäre keine Nikolausgeschichte, wenn der heilige Nikolaus nicht vorkommen würde. Und genau das tut er jetzt: In der Nacht von einem fünften auf den sechsten Dezember, etwas über sieben Jahre nach dem Mord an den Jungen, kam Sankt Nikolaus in das Dorf des Metzgers. Er ging mit im Schnee knirschenden Schritten auf die Tür der Metzgerei zu, über der noch immer das Holzschild mit dem großen Schinken darauf prangte. Ohne zu zögern, klopfte er an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Poch, poch, poch.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesmal ertönten bereits nach dem ersten Mal Schritte von drinnen. Wieder öffnete der Metzger die Tür nur einen Spalt breit. „Ich habe geschlossen!“ Sein Gesicht war über die Jahre faltig geworden und seine dunklen Haare hatten graue Stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte, dürfte ich mich hier ausruhen?“, fragte Sankt Nikolaus, der mit seinem Alter den Metzger bei Weitem übertraf. Er trug sein rotes Bischofsgewand, unter dessen hohem Hut seine langen weißen Haare hervorquollen. Durch seinen ebenso langen weißen Bart lächelte er den Metzger gütig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Metzger stand einen Moment nur mit offenem Mund da, als er Sankt Nikolaus erkannte. Dann öffnete er schnell die Tür und bat ihn ins Warme. „Bitte, bitte. Kommt herein! Einen heiligen Mann würde ich nie im Schnee stehen lassen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ der Nikolaus sich nicht zweimal sagen. Als würde er dort wohnen, betrat er das Haus, ging zu einem Tisch und setzte sich. „Oh, bitte. Ich bin so hungrig von der langen Reise. Könnte ich vielleicht etwas zu essen haben?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Metzger kam sofort angerannt, nachdem er den schweren Holzbalken wieder vor die Tür geschoben hatte. „Natürlich. Darf ich Euch etwas von meinem besten Schinken anbieten?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Nikolaus lehnte ab. „Nein, ich habe keinen Appetit auf Schinken.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht einen Braten?“, bot der Metzger an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der müsste erst gekocht werden. Aber ich würde etwas von dem Pökelfleisch nehmen. Es dürfte bereits über sieben Jahre in dem Salzfass liegen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der heilige Nikolaus das sagte, entwich dem Gesicht des Metzgers sämtliche Farbe. Er erkannte natürlich sofort, dass der Nikolaus von seiner schändlichen Tat wusste. Sofort nahm er die Beine in die Hand und rannte zur Tür. Ehe er jedoch den schweren Holzbalken aus der Halterung gehoben hatte, war der Nikolaus bereits bei ihm. Er legte seine Hand auf das Holz und drückte es sanft nach unten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Flieh nicht, mein Sohn“, sagte er zu dem Metzger. „Bete lieber und bereue, was du getan hast. Dann wird Gott dir vergeben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei diesen Worten aus dem Mund eines heiligen Mannes begann der Metzger plötzlich zu weinen. Er weinte wie ein Schlosshund, während er sich auf die Knie fallen ließ und die Hände vor der Brust zum Gebet faltete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sankt Nikolaus hingegen ging nach hinten in den Vorratsraum. Zielgerichtet ging er zu dem Holzfass, in dem seit sieben Jahren das Fleisch der drei armen Jungen pökelte. Er streckte seine Hand aus und legte drei Finger – den Zeigefinger, den Mittelfinger und den Ringfinger – auf den Rand des Fasses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da regte es sich plötzlich in dem Pökelfass. Der Deckel wurde von innen aufgestoßen und Augustus reckte sich daraus hervor. „Ahhh, ich habe gut geschlafen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann folgte Cassius: „Oh ja, das habe ich auch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Nero: „Als wäre ich im Himmel gewesen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie durch ein Wunder – denn genau das war es auch –, wurden die drei Jungen wieder zum Leben erweckt. Sankt Nikolaus begleitete sie noch bis nach Hause, wo ihre Eltern ihren Augen nicht trauen konnten. Sie ließen alles stehen und liegen, bevor sie ihre Kinder fest in die Arme schlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit jener Nacht ist der heilige Nikolaus der Schutzpatron der Kinder. Jedes Jahr, in der Nacht von dem fünften auf den sechsten Dezember, streift er um die Häuser, um artige Kinder mit Süßigkeiten und Spielzeug zu belohnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Metzger hingegen, der ihn seit jenem wunderhaften Tag begleitet, kümmert sich um die unartigen Kinder. Zwar bringt er sie nicht um oder steckt sie gar in ein Pökelfass, aber er sorgt dafür, dass sie eine gerechte Strafe für ihr Fehlverhalten bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist die Geschichte, wie der Nikolaus zu dem Mann wurde, den heute fast jedes Kind kennt: die Legende vom heiligen Nikolaus.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">La Légende de Saint Nicolas (Französisch für „Die Legende vom heiligen Nikolaus“) ist eine französische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> und ein Kinderlied, das besonders zur <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nikolauszeit</a> gesungen wird. Sie handelt von drei Kindern, einem bösartigen Metzger und dem heiligen Nikolaus.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach waren drei Kinder draußen unterwegs – z. B., weil sie auf geernteten Feldern nach Weizenresten suchen –, als sie sich verirren. Sie können den Rückweg nicht finden und als es schließlich dunkel wird, sehen sie in der Ferne Lichter in einer Metzgerei brennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu dritt klopfen sie an die Tür. Sie bitten den Metzger um etwas zu essen und einen Platz für die Nacht. Der Metzger ist einverstanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald die Kinder jedoch das Haus betreten, stürzt der Metzger sich auf sie. Er bringt sie um und zerstückelt sie, um sie – wie man es sonst bei Schweinen tut – in ein Salzfass zu legen. Alternativ gibt der Metzger ihnen Essen und wartet, bis sie eingeschlafen sind, ehe er sie ermordet und in das Pökelfass legt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund, warum er die Kinder tötet, ist nicht bekannt. In einigen Versionen überredet ihn seine Frau dazu, da die Kinder Wertsachen oder Geld dabei haben – er entsorgt die Leichen also nur. In anderen Versionen ist von einer Hungersnot die Rede. Aber in den meisten Fällen wird kein Grund genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Wintertages – oft sind seit dem Mord sieben Jahre vergangen – kommt schließlich der heilige Nikolaus in die Gegend. Wie auch die Kinder klopft er an die Tür des Metzgers und bittet um Einlass. Der Metzger, der den heiligen Mann erkennt, lässt ihn sofort herein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend bittet Sankt Nikolaus um etwas zu essen. Der Metzger bietet ihm diverse Speisen an, die der heilige Nikolaus jedoch alle ablehnt. Stattdessen bittet er den Metzger um Fleisch, das sieben Jahre in Salz gelegen hat. (In anderen Versionen ist er noch direkter und verlangt sogar genau das betreffende Fass.) Der Metzger erkennt natürlich sofort, dass Sankt Nikolaus von den drei toten Kindern weiß. Er versucht, zu fliehen, doch Sankt Nikolaus hält ihn auf. Der heilige Mann verspricht dem Metzger, dass Gott ihm vergeben wird, wenn er seine Tat bereut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend wendet er sich dem Fass zu. Er legt drei Finger darauf und segnet es. Kurz darauf kommen die drei Kinder quietschlebendig aus dem Fass hervor. Sie recken sich und berichten, wie gut sie geschlafen hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen der Legenden wird der Metzger anschließend zu Hans Trapp oder Père Fouettard – beides eine französische Version von Knecht Ruprecht. Er begleitet den Nikolaus also seitdem jedes Jahr in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember und bestraft die unartigen Kinder, während Sankt Nikolaus die artigen Kinder belohnt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort des Geschehens ist nicht bekannt. Zumindest habe ich bei meiner Recherche nicht eine einzige Ortsangabe finden können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die frühsten Versionen von la Légende de Saint Nicolas existieren seit dem Mittelalter. Damals waren die drei Jungen jedoch noch Jugendliche oder junge Erwachsene, die Metzgerei war ein Gasthaus und der Metzger ein Gastwirt. Ansonsten ist die Geschichte identisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst in neueren Versionen ist von drei Kindern und einem Metzger die Rede. Der älteste Liedtext über drei Kinder, den ich gefunden habe, stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo genau die Legende herkommt, ist nicht bekannt. Sie wird heutzutage jedoch fast ausschließlich in Frankreich erzählt und besungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von la Légende de Saint Nicolas? Ich weiß, dass sie anders als meine meisten Geschichten ist, aber ich hoffe, sie hat euch trotzdem gefallen!</em></p>



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		<title>Black Eyed Children – Die schwarzäugigen Kinder (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Creepypasta]]></category>
		<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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		<category><![CDATA[amerikanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Black Eyed Children]]></category>
		<category><![CDATA[Black Eyed Kids]]></category>
		<category><![CDATA[britische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Dämon]]></category>
		<category><![CDATA[englische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
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		<category><![CDATA[Horror]]></category>
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		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Jetzt lassen Sie uns rein!“, befahl das Mädchen sehr aufdringlich.<br />
In diesem Moment sahen beide Kinder gleichzeitig auf. Erschrocken taumelte ich zurück.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Black Eyed Children waren mein aller erster Beitrag auf diesem Blog, der zusammen mit drei anderen Beiträgen am 01. April 2019 von mir veröffentlicht wurde. Daher habe ich mich entschieden, diesen Artikel zu überarbeiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein regnerischer Herbstabend – aber keiner von den gemütlichen, an denen man sich wohl und geborgen fühlt. Ganz im Gegenteil: Ich war noch immer angespannt von meinem anstrengenden Tag auf der Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Einzige, auf das ich mich heute gefreut hatte, war, mich am Abend mit meinem Mann aufs Sofa zu legen und bei einem mittelmäßigen Krimi in seinen Armen einzuschlafen. Als ich ankam, war er jedoch noch nicht da. Dafür müsste er jeden Moment hier sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war gerade dabei, mir einen Tee aufzusetzen, als ich plötzlich Schritte vor dem Küchenfenster hörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Na endlich’, dachte ich. Dann zögerte ich. Es klang nach mehr als einer Person – zwei, vielleicht drei Leute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte aus dem Küchenfenster in Richtung Straße, konnte in der Dunkelheit in unserem Vorgarten jedoch nichts erkennen. Wenn es nicht mein Mann war, wer war es dann? Hoffentlich waren es keine Einbrecher!</p>



<p class="wp-block-paragraph">So leise ich konnte, schlich ich in den Flur. Ich nahm den Baseballschläger, den mein Mann zur Selbstverteidigung dort hingestellt hatte, und ging weiter zur Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig legte ich meine Hand auf die kalte Türklinke, als es plötzlich klingelte. Das Geräusch war so laut und unerwartet, dass ich meine Hand erschrocken wegzog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer würde bitte um kurz nach elf noch bei uns klingeln? Und das bei dem Regen? War es vielleicht ein Mörder? Ich hatte schon häufiger davon gehört, dass Mörder und Vergewaltiger nachts an Türen klingelten, einen Grund nannten, warum sie ins Haus wollten – etwa weil sie dringend auf die Toilette müssten oder ihr Handy Akku leer sei – und dann zuschlugen, wenn die Tür hinter ihnen geschlossen war …</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Ach Susy, du bist wieder zu paranoid‘, dachte ich. Aber was, wenn nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein erneutes Klingeln ließ zusammenzucken. Sollte ich die Tür öffnen? War es vielleicht etwas Wichtiges?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich umschloss den Baseballschläger fester mit meiner Hand und gab mir einen Ruck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch einen schmalen Spalt geöffneter Tür spähte ich nach draußen. „Ja bitte?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann erstarrte ich. Dort standen tatsächlich zwei Personen vor der Haustür. Es waren aber keine Mörder und ganz sicher keine Vergewaltiger. Es waren zwei Kinder. Ein Junge und ein Mädchen, sicherlich nicht älter als zwölf. Das Mädchen weinte. Sie waren völlig durchnässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Können Sie uns bitte hereinlassen? Wir würden gerne kurz telefonieren“, sagte der Jung ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn verwundert an. Ein Unwohlsein breitete sich in mir aus. Irgendetwas an den Kindern war seltsam. Trotzdem öffnete ich die Tür ganz und stellte den Baseballschläger beiseite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist denn los? Wieso seid ihr nachts bei dem Wetter ganz alleine unterwegs? Wo sind eure Eltern?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die wollen wir ja anrufen. Ein fremder Mann hat uns verfolgt“, antwortete der Junge. In seiner Stimme lag jedoch keinerlei Panik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich ungewöhnlich für so einen schüchternen Jungen. Er hielt die ganze Zeit den Kopf gesenkt, sprach aber völlig normal. Das Mädchen weinte noch immer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne weiter darüber nachzudenken, zog ich mein Handy aus der Tasche. „Wie ist denn eure Telefonnummer?“, fragte ich, während ich in die Hocke ging, damit die Kinder sich nicht eingeschüchtert fühlten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Junge senkte seinen Kopf noch weiter, als wolle er meinem Blick ausweichen. Dann schüttelte er den Kopf. „Wir wollen unsere Eltern selbst anrufen!“, sagte er mit entschlossener, fast schon befehlender Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwas irritiert hielt ich dem Jungen mein Handy hin, doch er machte keine Anstalten, es an sich zu nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! Das Festnetztelefon!“, sagte das Mädchen plötzlich. Es hatte aufgehört zu weinen, sah aber ebenfalls zu Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kennt ihr die Vorwahl nicht? Die kann ich euch sagen, dann müsst ihr nur die Nummer eingeben“, erwiderte ich verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lassen Sie uns einfach rein!“, sagte der Junge streng.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ungute Gefühl in mir wurde stärker.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dürfen wir vielleicht kurz die Toilette benutzen?“, fragte der Junge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oder einen Schluck trinken?“, ergänzte das Mädchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso wollten die beiden Kinder so unbedingt in mein Haus kommen? Froren sie bloß? Oder war das irgendeine Art Trick?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verstohlen sag ich die Straße entlang. Dort war nichts Ungewöhnliches zu sehen. Keine einzige Menschenseele, die im Regen stand oder ging. Nicht einmal ein Auto, das ich nicht kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ihr kurz wartet, kann ich euch etwas zu Trinken bringen. Aber ich kann euch wirklich nicht ins Haus lassen“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt lassen Sie uns rein!“, befahl das Mädchen sehr aufdringlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Moment sahen beide Kinder gleichzeitig auf. Erschrocken taumelte ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort, wo die Augen der Kinder hätten sein müssen, waren pechschwarze Löcher. Auf einen zweiten Blick bemerkte ich, dass die Löcher in Wirklichkeit die Augenwaren. Ihnen fehlte jeder Glanz, jede Farbe. Keine Reflexion, nicht einmal ein kleines bisschen Weiß war zu sehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne ein weiteres Wort zu sagen, schlug ich die Tür zu. Dann Schoss ich ab und griff nach dem Baseballschläger. Ich setzte mich mit dem Rücken an die Tür, als könne mein Körper die Tür zusätzlich daran hindern, geöffnet zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Kinder – oder was auch immer sie waren – würde ich niemals in das Haus lassen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Klingeln traf mich wie ein Schlag. Hatte ich den Kindern nicht klar gemacht, dass ich sie nicht hereinlassen würde!? Doch sie beließen es nicht dabei. Nein. Es begann ein regelrechtes Sturmklingeln!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß wie versteinert da, den Baseballschläger so fest in den Händen, dass meine Knöchel weiß hervortraten. Wieso gingen die Kinder nicht weg?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als hätten sie meine Gedanken gelesen, hörte das Klingeln plötzlich auf. Verunsichert drehte ich mich zur Tür. Ich lauschte. Von draußen waren keine Schritte zu hören. Standen die Kinder noch dort?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig stand ich auf. Dann blockierte ich die Tür mit dem Fuß, sodass sie sich nur einen Spalt breit öffnen ließ, und spähte nach draußen. Die Kinder waren verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert atmete ich auf. Jetzt musste nur noch mein Mann nach Hause kommen und ich konnte das alles vergessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer recht aufgewühlt, schlenderte ich zurück in die Küche. Mein Tee war inzwischen nur noch lauwarm. Ich trank ihn trotzdem, während ich versuchte, mich zu beruhigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nervös sah ich zur Uhr. Es war inzwischen halb zwölf. Langsam musste mein Mann doch hier sein!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte bereits darüber nach, ins Bett zu gehen, wusste aber genau, dass ich alleine kein Auge zubekommen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hörte ich plötzlich ein Geräusch aus dem Flur. Ich bewegte mich keinen Zentimeter, hielt sogar den Atem an. Wenn das jemand anderes als mein Mann war …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schatz, ich bin wieder zu Hause!“, erklang eine vertraute Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert sprang ich auf. Ich war bereits im Flur, als ich in der Bewegung erstarrte. Mein Mann war nicht alleine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die beiden haben auf der Auffahrt rumgelungert. Kannst du dir das vorstellen? Bei dem Regen? Sie wollen jedenfalls kurz unser Telefon benutzen“, sagte er und deutete auf die beiden Kinder.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die urbane Legende der schwarzäugigen Kinder, auch Black Eyed Children oder Black Eyed Kids genannt, ist vor allem in Amerika weit verbreitet. Dort gibt es immer wieder Leute, die behaupten, die seltsamen Kinder gesehen zu haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Black Eyed Children sehen wie normale sechs bis sechzehnjährige Kinder aus. Die einzigen Unterschiede sind, dass sie komplett schwarze, glanzlose Augen und eine sehr helle Haut haben sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berichte über sie variieren meist zwischen einzelnen Kindern und Zweierpaaren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass die Black Eyed Children nachts Leute besuchen. Sie klingeln an Haustüren oder klopfen an Autoscheiben und bitten darum, hereingelassen zu werden. Häufig nennen sie hierbei einen Vorwand: Sie müssten auf Toilette, fragen, on sie kurz telefonieren könnten, würden gerne im Auto mitgenommen werden o.Ä.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sollen jedoch eine so unheimliche Ausstrahlung haben, dass die meisten Leute sie nicht hereinlassen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen die Kinder Augenkontakt meiden und mit ihren Forderungen, in das Haus oder Auto gelassen zu werden, immer aufdringlicher werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Fällen sehen die Black Eyed Children schließlich auf, wodurch man ihre schwarzen Augen sieht. Sie fordern weiterhin, dass man sie hereinlässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn dies immer noch nicht geschieht, sollen sie nach einiger Zeit aufgeben und weggehen, woraufhin sie spurlos verschwinden sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt viele Theorien darüber, wer oder was die Black Eyed Children wirklich sind. Einige Leute behaupten, es seien Geister, andere sagen, es seien Dämonen oder von Dämonen besessene Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sogar Leute, die davon ausgehen, dass es sich bei den schwarzäugigen Kindern um Vampire handelt. Als Anlass dafür werden die bleiche Haut, die fast ausschließlichen Sichtungen bei Nacht, sowie die Aufdringlichkeit der Kinder genannt, in das Haus gelassen zu werden, da Vampire Häuser ohne vorherige Einladung nicht betreten können sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wer oder was die schwarzäugigen Kinder auch sind, es gibt niemanden, der je glaubwürdig davon berichtet hat, was passiert, wenn man die Kinder hereinlässt – es heißt, das liege daran, dass sie es nicht mehr berichtet können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wo genau die schwarzäugigen Kinder herkommen oder die meiste Zeit über leben, ist nicht bekannt. Man weiß nur, dass sie nachts auftauchen und es die meisten Sichtungen in Amerika gibt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Ursprung der urbanen Legende der Black Eyed Children ist nur wenig bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird vermutet, dass die ersten Sichtungen in den 1980er Jahren in Cannock Chase, England waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte jedoch bis 1996, dass die Legende an Popularität gewann, als der amerikanische Journalist Brian Bethel von seiner Begegnung mit zwei Black Eyed Children berichtet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend soll sich die Legende dann im Internet – in Form von angeblichen Zeugenberichten und später Creepypastas – wie ein Lauffeuer verbreitet haben, wodurch die Legende der schwarzäugigen Kinder ihre heutige Beliebtheit erlangte.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Black Eyed Children? Wie würdet ihr reagieren, wenn die schwarzäugigen Kinder vor eurer Tür stehen oder an euer Autofenster klopfen würde? Seid ihr vielleicht sogar schonmal einem begegnet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em> </p>
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		<title>Die Clownpuppe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jul 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Flüche]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Obwohl der Vorfall schon einige Jahre her ist und sich wie Säure in meinen Verstand geätzt hat, kommt er mir noch immer unwirklich vor. Als hätte ich alles bloß geträumt.<br />
War es meine Schuld gewesen? Hätte ich mehr für meine Tochter da sein müssen?</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Clownpuppe ist eine eher unbekannte urbane Legende über eine Puppe. Ob es sich bei ihr um einen <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="http://www.geister-und-legenden.de/geschichten/flueche" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fluch</a>, einen <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" label="undefined (opens in a new tab)" rel="noreferrer noopener">dämonische Besessenheit</a> dreht, wird nicht genauer erwähnt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Vorfall schon einige Jahre her ist und sich wie Säure in meinen Verstand geätzt hat, kommt er mir noch immer unwirklich vor. Als hätte ich alles bloß geträumt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War es meine Schuld gewesen? Hätte ich mehr für meine Tochter da sein müssen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alina war schon immer ein sehr stilles und in sich gekehrtes Mädchen gewesen. Sie hatte nur wenige Freunde und ich hatte mit meinen zwei Berufen kaum die Zeit, mich um sie zu kümmern. Daher beschloss ich eines Tages, ihr einen Spielgefährten zu kaufen: eine Puppe. Alina würde mit ihrer blühenden Fantasie in ihr sicherlich schnell einen neuen Freund oder eine neue Freundin finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erzählte ihr nicht, was wir vorhatten, bis wir den Puppenladen erreichten. Ihre Augen wurden riesig, als sie die Regale über Regale voller Puppen sah. So viel Spielzeug! So viele potentielle neue Freunde!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du darfst dir eine Puppe aussuchen“, erklärte ich. „Nimm, welche auch immer dir am besten gefällt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ Alina sich nicht zweimal sagen. Sofort rannte sie durch den Laden. Sie sah sich jede Puppe genau an, sodass ich bereits befürchtete, dass sie sich nicht eher entscheiden würde, bevor sie nicht jede einzelne von ihnen inspiziert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war, bis sie eine ganz besondere Puppe fand, die ihren Blick wie magisch anzuziehen schien … Dieses verdammte Teil … Plötzlich schienen alle anderen Puppen im Laden für sie unwichtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die da Mama! Ich will die da!“, rief sie aufgeregt und zeigte in eines der Regale.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich folgte ihrem Finger mit meinem Blick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die?“, fragte ichüberrascht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein kleiner Clown. Aber anstatt die Puppe niedlich zu gestalten, hatte jemand sich entschieden, sie wahnsinnig grinsen zu lassen. Dabei entblößte sie eine Reihe spitzer, gelber Zähne. Sie sah gebraucht aus. Ihre bunte Kleidung war ausgeblichen und abgenutzt. Doch das seltsamste war wahrscheinlich ihre linke Hand. Sie hatte sie gehoben und hielt mir drei winzige Finger entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zögernd nahm ich das Männchen aus dem Regal und reichte es meiner Tochter. Der Stoff fühlte sich alt an … irgendwie schmutzig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist du dir sicher?“, fragte ich. „Es gibt hier noch so viele andere Puppen …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich will die hier!“, schrie Alina aufgeregt und drückte die Puppe fest an sich, als wolle sie ihren neu gewonnenen Freund nie wieder loslassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bemerkte kaum, wie ich den Kopf schüttelte. Was fand Alina nur an diesem hässlichen Ding? Die Puppe war nahezu unheimlich …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlegte, sie darum zu bitten, eine andere zu nehmen. Aber sie sah so glücklich aus. Ihre Augen funkelten in einem Glanz, den ich lange nicht mehr gesehen hatte. Außerdem hatte ich ihr gesagt, dass sie sich die Puppe aussuchen solle, die ihr am meisten gefiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kassierer wirkte ebenfalls überrascht, als er die Puppe sah. Zögerlich streckte er seine Hand aus, um sie entgegenzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo habt ihr die her?“, fragte er. „Die bewahren wir eigentlich im Lager auf …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh“, sagte ich kleinlaut. „Heißt das, dass die Puppe nicht zu verkaufen ist?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen kurzen Moment glaubte ich, Entsetzen in seinen Augen zu sehen. „Oh, nein. Natürlich! Ich mache ihnen einen fairen Preis!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er legte den Clown auf den Tresen und schob ihn fort von sich, bevor er einen viel zu niedrigen Preis nannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wollte er die Puppe loswerden?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits konnte es mir nur recht sein. Ich hatte mich darauf vorbereitet, dass meine Tochter eine teure Barbie oder gar eine hübsche Porzellanpuppe nehmen würde. Natürlich beschwerte ich mich nicht darüber – und Alina schien völlig zufrieden zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Danke, danke, danke!“, rief sie, während sie mein Bein fest umarmte. Dann drückte sie den Clown fest an sich und raste aus dem Geschäft. Sie konnte es gar nicht abwarten, ihrem neuen Freund unsere Wohnung zu zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir endlich zu Hause waren, rannte Alina sofort ins Wohnzimmer, wo sie mit ihrer Puppe spielte. Ich stand nur einige Meter von ihr entfernt, während ich Wäsche zusammenlegte und beobachtete, wie liebevoll sie mit der Puppe umging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was fand sie nur an dem Ding? An ihrer Stelle hätte ich mir die hübscheste oder niedlichste Puppe ausgesucht, doch dieses Teil sah aus, als käme es direkt auf einem Horrorfilm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als es langsam spät wurde, setzten Alina und ich uns vor den Fernseher, während wir Abendbrot aßen. Wie jeden Abend sahen wir beim Essen zwei Folgen Spongebob, bevor Alina ins Bett musste. Ihr Clown saß zwischen uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heimlich beobachtete ich ihn. Das gesamte Design war darauf ausgelegt, gruselig zu sein. Vielleicht war er als Halloweendekoration gedacht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich jedoch nicht verstand, waren die drei Finger, die er hochhielt. Wozu tat er das? Auch wenn es wohl das harmloseste Detail an ihm war, empfand ich es als das beunruhigendste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich traute mich jedoch nicht, meiner Tochter zu sagen, dass ich ihr neues Spielzeug nicht mochte. Also wartete ich, bis die Serie zu Ende war und brachte Alina ins Bett. Die Puppe nahm sie mit sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte ihr eine gute Nacht, setzte ihren neuen Freund auf die Kommode und gab ihr einen Kuss. Anschließend musste ich zur Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte jedoch keine zwei Stunden, bis ich plötzlich einen Anruf von unserem Festnetztelefon bekam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mami? Mami, er will mir wehtun!“, jammerte Alina am anderen Ende. Sie klang so verheult, dass ich sie kaum verstehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer? Wer will dir wehtun?“, fragte ich schnell. Sofort schrillten all meine Alarmglocken. Hatte sie bloß einen Albtraum oder war jemand im Haus?</p>



<p class="wp-block-paragraph">So schnell ich konnte, verließ ich die Arbeit und raste nach Hause. Zum Glück waren die Straßen um diese Uhrzeit komplett frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich bei der Haustür war, atmete ich erleichtert auf. Sie war verschlossen und wies keine Spuren eines Einbruchs auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darauf bedacht, nicht zu viel Lärm zu machen, schlich ich mich zu Alinas Zimmer – nur für den Fall, dass sie wieder eingeschlafen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich öffnete die Tür bewusst langsam, um ein Knarren zu vermeiden, und spähte durch den Spalt in das Zimmer. Im schwachen Schein des Nachtlichts konnte niemandem im Bett liegen sehen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort öffnete ich die Tür ganz und schaltete das Licht ein. Das Bett war leer!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür sah ich jetzt etwas anderes. Dort auf dem Boden, auf dem eigentlich weißen Teppich, lag eine kleine Person. Ihr starrer Körper war mir so vertraut, doch das ganze Blut und diese offenen, leblosen Augen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alina!“, kreischte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort stürzte ich zu ihr. Sie war noch warm … Tränen füllten meine Augen, während ich panisch versuchte, einen Puls zu ertasten. Nichts. Ich rüttelte an ihr, doch sie zeigte keine Reaktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alina!“, kreischte ich erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort kramte ich mein Handy hervor. Ich war gerade dabei, den Notruf zu wählen, als mein Blick auf die Kommode fiel. Trotz meiner von Tränen verschwommenen Sicht konnte ich es ganz deutlich erkennen: Dort saß die Clownpuppe, die meine Tochter so unbedingt haben wollte. Sie hatte ihre kleine Hand noch immer erhoben, doch die Zahl der Finger stimmte nicht. Sie zeigte jetzt keine drei Finger mehr, sondern vier …</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Clownpuppe (im englischen Original „The Clown Doll“), auch „Doll Fingers“ (Puppenfinger) oder „The counting Doll“ (Die zählende Puppe) genannt, ist eine etwas unbekanntere <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" aria-label="undefined (opens in a new tab)" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> über eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen" target="_blank" aria-label="undefined (opens in a new tab)" rel="noreferrer noopener">besessene Puppe</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen der Puppe:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Clownpuppe soll wie ein grässlicher Clown aussehen. Sie soll krumme oder spitze Zähne besitzen, wahnsinnig grinsen und wird in der Geschichte häufig als „gruselig“ und „hässlich“ beschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Puppe meist aus einem secondhand Laden oder einem ähnlichen Geschäft kommt, besitzt sie einige Abnutzungsspuren und sieht nicht mehr wie neu aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wohl seltsamste und auffälligste Merkmal der Puppe ist jedoch, dass sie mehrere Finger hochhält. In einigen Geschichten ist es nur einer, häufiger sind jedoch drei oder 6 Finger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternative Versionen der Geschichte beinhalten selten auch andere Puppen, die nicht unbedingt einem Clown ähneln müssen. In solchen Fällen kann die Puppe z.B. auch besonders hübsch und gepflegt aussehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Details der Geschichte werden häufig von Erzähler zu Erzähler geändert. Auch die Namen sind häufig unterschiedlich. Das Grundgerüst der Geschichte ist jedoch fast immer gleich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Mädchen geht – mal alleine, mal mit ihrer Mutter – in einen secondhand Laden, ein Spielzeuggeschäft oder einen Puppenladen. Dort entdeckt sie die Clownpuppe mit den hochgehaltenen Fingern (in diesem Beispiel nehme ich die Version mit den 3 Fingern). Sie entscheidet sich, die Puppe zu kaufen oder bittet ihre Mutter darum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Fällen reagiert der Verkäufer merkwürdig – manchmal warnt er die Mutter oder das Kind auch –, wodurch sich das Mädchen aber nicht von ihrem Wunsch abhalten lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie wieder Zuhause ist, spielt sie ausgiebig mit der Puppe, bis sie schließlich ins Bett muss. Die Puppe stellt sie in ihr Zimmer oder sie nimmt sie gar mit ins Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen möchte die Mutter ihre Tochter wecken, doch muss entsetzt feststellen, dass das Mädchen Tod ist. Häufig ist sie auf brutale Weise gestorben, wurde ausgeweidet oder liegt in einer großen Blutlache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend bemerkt die Mutter die Clownpuppe, die jetzt vier, statt drei Fingern hochhält.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort des Geschehens wird in den meisten Fällen nicht näher benannt oder vom Erzähler der Geschichte selbst bestimmt. Häufig spielt sie jedoch in den USA.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ursprung der Legende der Clownpuppe ist unbekannt. Es ist aber sehr gut möglich, dass jemand sich die Legende ausgedacht hat, um die Angst vor Clowns mit der Angst vor Puppen zu kombinieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Alter der Legende habe ich nichts herausfinden können.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph">Was haltet ihr von der Legende der Clownpuppe? Hättet ihr eurer Tochter die Puppe gekauft, wenn ihr in der Situation der Mutter gewesen wärt? Schreibt es mir in die Kommentare!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>,&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a>&nbsp;oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a></em>.</p>
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		<title>Die Kelpies</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Fluss]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Pferd]]></category>
		<category><![CDATA[Schottland]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Was … was ist mit seinen Augen?“, frage ich, während ich spürte, wie sich ein unangenehmes Gefühl in meinem Bauch breitmachte. Sie waren schneeweiß. Hatten keine Pupille, keine Iris!</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/e99b957ea8804269be42ff0ce1fc7c44" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Wunsch, einen Beitrag über Kelpies zu schreiben, kam von einem meiner Leser. Solltet ihr einen Wunsch haben, über welche <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>, welches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> oder welchen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> ich einen Beitrag verfassen soll, könnt ihr mir gerne einen Kommentar schreiben (auch wenn ich natürlich nicht versprechen kann, dass tatsächlich ein Beitrag darüber kommen wird).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Schnell Ailie, komm! Das Einhorn rennt zum Fluss!“, rief Grace mir zu, während wir dem imaginären Wesen hinterherrannten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir spielten, dass wir zwei Prinzessinnen seien, die aus ihren Schlössern geflohen waren, um einen bösen Drachenprinzen aufzuhalten. Jetzt verfolgten wir gerade ein Einhorn, das uns helfen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal hatte ich Angst, dass Grace meine Spiele albern fand. Dass sie zu alt wurde. Aber obwohl sie häufig etwas Zeit brauchte, bis sie richtig mitmachte, hatte sie als meine große Schwester noch nie nein gesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir uns einem kleinen Waldstück näherten, das zwischen uns und dem Fluss lag, wurde ich langsamer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Grace, warte!“, rief ich. „Mama hat gesagt, dass ich nicht zum Fluss darf. Die Strömung ist zu stark!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie drehte sich zu mir um. „Ach komm. Wir gehen ja nicht in den Fluss“, erwiderte sie. „Das Einhorn ist hier entlang!“ Dann rannte sie weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zögerte. Was, wenn Mama irgendwie davon Wind bekam? Würde sie mit mir schimpfen? Andererseits wollte ich keine Spielverderberin sein. Ich biss die Zähne zusammen und rannte Grace nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir uns in dem kleinen Waldstück durch einige Büsche kämpften, wurde das Rauschen des Flusses immer lauter. Dann blieb Grace plötzlich stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hörst du das?“, fragte sie leise. „Da hat eben ein Pferd gewiehert!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte, dass sie sich auf unser Spiel bezog, und lauschte angestrengt. „Da! Wieder ein Wiehern! Das Einhorn muss ganz in der Nähe sein!“, sagte ich aufgeregt nach einigen Sekunden Stille.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, Ailie! Das meinte ich nicht!“, fuhr sie mich an, als hätte ich etwas Falsches gesagt. „Ich habe eben wirklich ein Pferd gehört!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hörte ich es auch: Über das Rauschen des Flusses hinweg, war jetzt ein klares, deutliches Wiehern zu hören!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neugierig schlich Grace weiter. Ich hielt mich direkt hinter ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir die letzten Äste beiseitegeschoben hatten und aus dem Gebüsch getreten waren, sahen wir es: Ein wunderschönes schwarzes Pferd stolzierte den Fluss entlang, bevor es stehenblieb, um zu grasen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sieh mal! Ein echtes Einhorn!“, flüsterte Grace mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort schüttelte ich den Kopf. „Nein! Es hat gar kein Horn. Außerdem sind Einhörner rosa!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grace schmunzelte. „Wollen wir trotzdem näher rangehen?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt glotzte ich sie mit großen Augen an. „Mama hat verboten, dass ich zu fremden Tieren gehe!“, mahnte ich Grace.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach Ailie. Wir sind doch vorsichtig. Außerdem hat Mama nicht immer recht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte ihr widersprechen, ihr sagen, dass das nicht stimmte. Andererseits wusste ich selbst nicht, warum ein Tier plötzlich böse sein soll, nur, weil es keinen Besitzer hatte. Vielleicht brauchte es ja nur ein paar Freunde!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir auf das Pferd zu schlichen, bewegte Grace sich sehr vorsichtig und langsam. Sie erinnerte mich ein wenig an einen Indianer, den ich aus einer Fernsehserie kannte. Ich versuchte, ihre Schritte so gut es ging, nachzuahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich waren wir nur noch wenige Meter von dem Pferd entfernt, als es zu Grasen aufhörte. Es hob den Kopf und sah uns direkt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was … was ist mit seinen Augen?“, frage ich, während ich spürte, wie sich ein unangenehmes Gefühl in meinem Bauch breitmachte. Sie waren schneeweiß. Hatten keine Pupille, keine Iris!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hmm, vielleicht ist es blind“, sagte Grace völlig unbekümmert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bewunderte sie, wie sie so ruhig bleiben konnte. Andererseits wirkte das Pferd auch völlig friedlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es stand einfach nur reglos da und beobachtete uns – sofern es überhaupt sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie sich sein Bauch bewegte, während es atmete. Die Sonne glänzte in dem Fell und mir fiel auf, dass die Mähne nass an ihm klebte. Es musste eben ein Bad genommen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das Pferd dann jedoch auf uns zukam, versteifte ich mich. Und auch Grace schien sich kurz zu erschrecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ruhig. Ruhig!“, sagte sie leise. Ich wusste jedoch nicht, ob sie mich oder das Pferd meinte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann stand das Tier direkt vor uns. Seine weißen Augen schienen uns direkt anzustarren, während es vorsichtig an Grace schnupperte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Siehst du?“, fragte sie leise. „Es ist ganz friedlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beobachtete, wie Wasser von seiner Mähne tropfte und geräuschlos im saftigen Gras verschwand, als ich plötzlich eine Bewegung von Grace wahrnahm. Sie streckte ihre Hand vorsichtig nach dem Pferd aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Grace, nicht!“, flüsterte ich ihr zu. „Mama hat gesagt, dass wir fremde Tiere niemals anfassen dürfen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie warf mir einen genervten Blick zu, bevor sie sie sich wieder dem Pferd zuwandte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zitterte vor Anspannung, während sich ihre Hand näher und näher zu dem Tier bewegte. Als sie es schließlich berührte, hielt ich sogar den Atem an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann gefror sie in ihrer Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was … Was ist das?“, fragte sie. Leichte Panik lag in ihrer Stimme. „Ich kann meine Hand nicht bewegen. Irgendetwas hält sie fest!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kurze Schock, der in meinen Körper fuhr, machte sofort Wut platz. Grace ärgerte mich wieder! Sie wusste genau, dass ich das nicht mag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du bist so doof!“, rief ich. „Ich weiß, dass du mich nur ärgern willst. Wenn du nicht aufhörst, sag ich das Mama!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, Ailie! Du verstehst nicht! Meine Hand klebt irgendwie fest!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Grace, Stopp!“, schrie ich sie an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich setzte sich das Pferd in Bewegung. Grace packte sofort nach meinem Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte mich schon wütend losreißen, als ich in ihr Gesicht blickte. Das war nicht der normale Gesichtsausdruck meiner sonst so ruhigen Schwester. Es auch kein fieses Grinsen auf ihren Lippen, wie sie es immer tat, wenn sie mich ärgerte. Nein. In ihren Augen lag einfach nur Angst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das Pferd einen Schritt auf den Fluss zu tat, wurden sie mit ihm gezogen. Grace krallte sich in meine Schulter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ailie! Hilf mir!“, kreischte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt packte ich nach ihrem Arm. Wir wurden von dem Pferd mit kräftigen Schritten Richtung Fluss gezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Grace, jetzt lass endlich das Pferd los!“, kreischte ich panisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich versuch es ja!“, kreischte Grace genauso panisch zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lage war ernst. Das war kein Scherz. Das Pferd zerrte uns direkt auf das Wasser zu! Was hatte es bloß vor?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grace und ich versuchten mit aller Kraft, uns zu wehren. Wir stemmten unsere Füße in den Boden, doch der Kies, der am Flussufer lag, bot uns keinen Halt. Wir rutschten weiter und weiter auf das Wasser zu, während das Pferd seelenruhig weiterging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatten wir das Wasser erreicht. Doch das Pferd hielt nicht an, es zog Grace mit sich in die Strömung!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Grace! Ich kann nicht schwimmen!“, kreischte ich, als ich spürte, wie kaltes Wasser in meine Schuhe lief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wandte sich Grace mir zu. Für einen Moment war es, als würde die Zeit stehen bleiben, während sie mir direkt in die Augen sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ailie. Es tut mir leid. Ich hab dich lieb“, hauchte sie gerade laut genug, dass ich es über die Strömung hinweg hören konnte. Tränen glänzten in ihren Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst wusste ich nicht, was sie meinte, bis sie mich plötzlich an sich zog und mit voller Kraft in Richtung Ufer stieß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verlor den Halt. Ihr Arm glitt aus meinen Fingern, während ich nach hinten stürzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich auf dem Kies aufschlug, fiel ich auf den Rücken, kratzte mir an den Steinen die Arme auf, doch ich konnte meinen Blick nicht von meiner Schwester abwenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das schwarze Pferd mit den weißen Augen war jetzt bis zu den Schultern unter Wasser und es machte keine Anstalten, stehenzubleiben. Grace schlug währenddessen wild um sich. Nein, sie schlug nicht. Sie strampelte. Sie versuchte mit aller Kraft, über Wasser zu bleiben, während ich völlig hilflos am Ufer stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war das Pferd komplett im Wasser verschwunden. Man konnte nur noch die weißen Augen gespenstisch unter der Wasseroberfläche leuchten sehen, während es tiefer und tiefer sank. Doch meine Aufmerksamkeit lag bei Grace.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Schreie hallten in meinem Kopf noch nach, nachdem sie bereits verstummt waren. Noch immer konnte ich ihr von Panik verzerrtes Gesicht sehen, das unter der Wasseroberfläche verschwand. Selbst, als es bereits nicht mehr zu sehen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Grace! Grace!“, kreischte ich wie am Spieß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch von meiner Schwester und dem Pferd fehlte inzwischen jede Spur. Sie waren beide Unterwasser verschwunden. Es wirkte jetzt fast so, als wären sie niemals da gewesen …</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kelpies sind keltische Wasser<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">geister</a>, die die Fähigkeit der Gestaltwandlung beherrschen. Sie sind häufig als Pferd, teilweise aber auch als Mensch anzutreffen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da Kelpies Gestaltwandler sind, lässt sich ihr Aussehen nicht hundertprozentig festlegen. Häufig sehen sie jedoch wie ein Pferd aus, dessen Fell meistens schwarz, in selteneren Fällen weiß sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Kelpie unterscheidet sich von einem normalen Pferd dadurch, dass seine Mähne immer klitschnass ist und es komplett weiße Augen besitzen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selten ist auch davon die Rede, dass es nur zur Hälfte Pferd sei und einen Fischschwanz oder Flossen besitzen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Kelpies eine menschliche Gestalt annehmen, treten sie häufig als Mann auf, wobei es auch Legenden von als Frauen getarnte Kelpies gibt – diese sind jedoch deutlich seltener.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der menschlichen Form heißt es mal, dass es keinen Unterschied zu richtigen Menschen gäbe, mal heißt es jedoch auch, dass die Kelpies ihre Hufe an den Beinen behalten würden oder sich Wasserpflanzen in ihren Haaren verfangen hätten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Kelpies sind dafür berüchtigt, Menschen in Flüssen zu ertränken und anschließend zu fressen. Lediglich die Eingeweide sollen sie an die Ufer zurückbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um ihre Opfer in den Fluss zu locken, können sie unterschiedliche Methoden und Eigenschaften nutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ein Kelpie sich als Pferd zeigt, tut es häufig so, als wäre es besonders zutraulich und zahm. Es bietet müden Wanderern oder Leuten, die einen Fluss überqueren wollen, an, auf ihren Rücken zu steigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lässt man sich darauf ein, ist man jedoch so gut wie tot, weil man nicht mehr in der Lage ist, von dem Kelpie abzuspringen. Hat man ein Kelpie erst einmal angefasst, soll man seine Hand nämlich nicht mehr lösen können. Als Erklärung hierfür wird häufig Magie oder ein klebriges Sekret genannt, dass die Kelpies absondern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kelpies können daher einfach in den Fluss zurück spazieren und ihre Reiter ohne große Anstrengungen ertränken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Kelpies Wassergeister sind, sind sie im Wasser sehr wendig und flink. Es heißt sogar, dass sie im Wasser noch schneller rennen können, als an Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hat ein Kelpie hingegen die Gestalt eines Menschen angenommen, verändert sich sein Verhalten drastisch. Zwar ist es weiterhin meist bösartig, ändert jedoch seine Taktik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ein Kelpie menschliche Gestalt annimmt, zeigt es sich in den meisten Fällen als attraktiver oder hilfsbereiter Mann. Es tut entweder so, als würde es einem helfen wollen – so gibt es eine Legende, in der ein großer, kräftiger Mann anbietet, einen Reisenden über einen Fluss zu tragen, dessen Brücke eingestürzt ist – oder aber es versucht, eine Frau zu verführen und in den Fluss zu locken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesen Fällen folgen die Personen den Kelpies also freiwillig in den Fluss, bevor sie ertränkt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gestaltwandlerischen Fähigkeiten sind jedoch nicht alles, was man den Kelpies nachsagt. So soll in Pferdegestalt ihr Schweif mit einem lauten Knall, der an das Donnern eines Gewitters erinnert, auf das Wasser schlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen sie die Fähigkeit besitzen, eine Flut herbeizubeschwören, mit der sie Leute in den Fluss reißen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kelpies haben jedoch nicht nur schlechte Seiten. Neben den wenigen Legenden, die von gutartigen Kelpies handeln, soll es auch die Möglichkeit geben, ein Kelpie einzufangen und als Nutztier zu halten. Sie sind dabei besonders wertvoll, da ein Kelpie die Kraft von zehn normalen Pferden besitzen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie man ein Kelpie zähmen kann, ist umstritten. Häufig heißt es jedoch, dass man es schaffen müsse, das Kelpie aufzuzäumen – ihm also Zaumzeug anlegen. Selten wird auch behauptet, dass es sich um ein bestimmtes Zaumzeug handeln muss oder das Zaumzeug z.B. mit einem Kreuz versehen sein muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Theorie besagt, dass Kelpie bereits Zaumzeug tragen würden und man es schaffen müsse, ihnen das Zaumzeug abzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als einzige andere Möglichkeit, ein Kelpie zu stoppen, muss man es wahrscheinlich töten. Dies kann man angeblich nur erreichen, indem man es mit einer Silberkugel erschießt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn es im Internet häufig heißt, dass Kelpies in allen Gewässern Schottlands vorkommen würden – darunter auch viele Seen wie z.B. Loch Ness – scheint es sich hierbei um eine Verwechslung mit dem recht ähnlichen mythologischen Wasserpferd Each Uisge zu handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich sollen Kelpies nämlich nur in der Nähe von fließenden Gewässern vorkommen, während Each Uisge Seen und das Meer bewohnen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Vermutungen, die besagen, dass der keltische Glaube an Wasserpferde generell aus ehemaligen Ritualen hervorgegangen sei, bei denen Menschen als Opfer für die Wassergötter dargebracht wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In späteren Zeiten spielte ein gewisser Lehreffekt sicherlich eine größere Rolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So soll die Legende der Kelpies z.B. Kinder davon abbringen, sich Gewässern oder wilden Tieren zu nähern und erwachsene Frauen davor warnen, blind fremden Männern zu vertrauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wann die Legende der Kelpie selbst entstanden ist, ist jedoch nicht bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste schriftliche Bezeichnung des mythologischen Wesens als Kelpie (damals noch Kaelpie) soll in einem Manuskript von William Collins gefunden worden sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das genaue Datum habe ich nicht herausfinden können, jedoch ist Collins bereits 1759 im Alter von 37 Jahren gestorben. Das Manuskript muss also irgendwann in den Jahren vor 1759 entstanden sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die mündliche Tradition der Legende könnte jedoch sehr viel älter sein.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Kelpies? Würdet ihr euch trauen, euch einem wilden Pferd zu nähern, wenn es zahm ist? Hätten die weißen Augen euch abgeschreckt? Und wie würdet ihr reagieren, wenn euch ein freundlicher fremder Mann seine Hilfe anbietet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>Irrlichter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Franzi hat recht. Immerhin wären wir nicht die Ersten, die nachts in diesem Moor verlorengehen“, erwiderte Elias, machte jedoch keine Anstalten, aufzustehen ...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Irrlichter sind seit Jahrtausenden überall auf der Welt bekannt. Je nach Region kann die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> von einem völlig andern Wesen oder Auslöser handeln.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Sonne ist schon untergegangen. Wir sollten uns langsam auf den Rückweg machen“, schlug ich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Franzi hat recht. Immerhin wären wir nicht die Ersten, die nachts in diesem Moor verlorengehen“, erwiderte Elias, machte jedoch keine Anstalten, aufzustehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was meinst du?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er meint die Schreiber-Brüder. Zwei Jungs sind vor ein paar Jahren in der Gegend spurlos verschwunden. Es steht aber nicht einmal fest, dass sie überhaupt im Moor waren. Wenn ihr mich fragt, wurden sie von irgendeinem Perversen entführt und getötet“, warf Luisa ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das denke ich nicht. Man hat bei der Suche nach ihnen eine Kindertaschenlampe und die Cappy von einem der beiden hier ganz in der Nähe gefunden. Außerdem erzählen sich die Leute eine andere Geschichte. Wusstet ihr, dass in der Gegend häufiger Irrlichter gesichtet werden?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Irrlichter? So ein Quatsch! Das sind Spukgeschichten, die sich die Leute erst nach dem Verschwinden der Brüder erzählt haben!“, konterte Luisa, doch Elias ließ sich durch sie nicht aus der Ruhe bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich öffnete derweilen eine neue Dose Bier. Wenn Elias erst einmal angefangen hatte, eine Geschichte zu erzählen, würden wir noch einen Moment hier sitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ben und Felix – so hießen die Schreiber-Brüder – waren schon immer kleine Unruhestifter gewesen. Sie verabredeten sich mit Freunden, ohne Bescheid zu sagen, spielten im Regen, obwohl die Eltern es ihnen verboten hatten, und schlichen sich manchmal nachts heimlich nach draußen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So war es auch in jener tragischen Nacht gewesen, als sie ins Moor gewandert waren. Die Jungs kamen aus der Gegend. Sie dachten, sie kennen die Wege gut genug, um sich zurechtzufinden, doch hatten sich wahrscheinlich überschätzt. Sie hatten nichts, außer ihrer Kleidung und einer Kindertaschenlampe dabei. Ihre Taschenlampe war blau mit lauter gelben Entchen darauf, wenn ich mich richtig erinnerte. Jedenfalls war sie höchstens dafür gedacht, nachts auf Toilette zu finden. Für eine Nachtwanderung spendete sie nicht genug Licht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls hat Ben immer gerne kleine Gruselgeschichten erzählt, um Felix zu verängstigen. Und so aufregend es nachts im Moor auch war, war es sicher auch unheimlich. Vielleicht haben sie ein Tier irgendwo in einem Gebüsch gehört und sind panisch geflohen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir können uns sicher alle denken, wie verzweifelt sie gewesen sein mussten. Im dunklen Moor, wo nicht eine einzige Laterne scheint. Der feuchte Boden schmatzt mit jedem Schritt, den man vom Weg abkommt, greift nach deinen Schuhen, als würde er dich nicht loslassen wollen. Der immermodrige Geruch, wie wir ihn auch gerade riechen, liegt durchgehend in der Luft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich ist derjenige gestolpert, der die Taschenlampe hielt. Sie ist ins flache Wasser gefallen, zusammen mit der Cappy. Da Kindertaschenlampen keine sonderlich gute Qualität haben, ist sie bestimmt beim ersten Wasserkontakt sofort erloschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt waren die beiden in völliger Dunkelheit. Sie hatten Angst, ihnen war kalt, sie drückten sich dicht aneinander, um sich gegenseitig Wärme und Trost zu spenden. Doch es brachte nichts. Sie konnten nichts mehr sehen. Die dünne Mondsichel spendete in jener Nacht kaum Licht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die kleinen Lichter in der Ferne aufflammten, musste es sicherlich wie ein Hoffnungsschimmer gewirkt haben. Ich kann die beiden fast rufen hören, mit ihren verheulten, hohen Stimmen: ‚Hilfe! Wir sind hier! Hallooo!‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Lichter blieben stumm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie versuchten es sicher erneut: ‚Hallo! Bitte helfen Sie uns!‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder blieb eine Antwort aus. Es hallte kein Ruf durch die Nacht, der fragte, wo sie seien. Es erklangen keine schmatzenden Schritte, die sich näherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Kinder auf die Irrlichter zugingen, wussten sie nicht, womit sie es zu tun hatten. Sie mussten sich in der Dunkelheit wahrscheinlich so langsam vorantasten, dass sie nicht einmal bemerkten, dass sie den Lichtern nicht näherkamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht versuchten sie auch zu schnell, durch das dunkle Moor zu waten. Felix könnte im Schlamm steckengeblieben sein. Wer weiß, vielleicht ist er gestolpert. Ben wäre ihm sicher zur Hilfe geeilt, um ihn herauszuziehen. Wahrscheinlich haben sie einander immer weiter in den Schlamm gezogen, der sie mit seinem kalten, schleimigen Griff nicht mehr losgelassen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder sie irrten so lange hinter den Lichtern her, dass sie keine Kräfte mehr hatten. Jeder Schritt, bei den sie ihren Fuß aus dem Schlamm ziehen mussten, fiel schwerer und schwerer, bis sie nicht mehr weiterkamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie auch immer die beiden verunglückt waren. Fakt ist, dass sie nie aus dem Moor zurückgekehrt sind.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als Elias seine Geschichte beendet hatte, bemerkte ich die noch immer volle Bierdose in meiner Hand. Ich hatte so gespannt zugehört, dass ich gar nicht bemerkt hatte, wie dunkel es geworden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Luisa reckte sich und gähnte herzhaft. „Das ist zwar eine nette Geschichte, aber wir sollten jetzt wirklich gehen. Meine Freundin wartet sicher schon auf mich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir anderen stimmten zu. Nachdem wir die Sachen zusammengeräumt, die zwei kleinen tragbaren Scheinwerfer abgebaut und unsere Handytaschenlampen eingeschaltet hatten, gingen wir zum Auto zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die anderen redeten dabei die ganze Zeit. Doch ich war in Gedanken noch immer bei Ben und Felix. Konnte es sein, dass die beiden damals wirklich so gestorben waren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der trockene Torf unter meinen Fußen federte meine Schritte. Doch wäre ich nur einige Meter weiter links oder rechts gegangen, hätte der Schlamm genauso versucht, mich bei sich zu behalten, wie Ben und Felix in der Geschichte. Und wer weiß? Vielleicht flimmerte ja auch genau in diesem Moment irgendwo ein Licht dort draußen. Ein Licht, das sehnsüchtig darauf wartete, sein nächstes Opfer zu fordern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Irrlichter, auch Sumpflichter oder Irrwische genannt, sind seltsame Lichterscheinungen, die seit Jahrtausenden von Wanderern des Nachts in Mooren, Sümpfen und Wäldern gesichtet werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Aussehen der Irrlichter ist weit umstritten und sehr vielfältig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gibt es Berichte, über schwebende Lichtkugeln und Flammen, sich bewegende Feuer oder laternenähnliche Lichter, die aussehen, als würden sie zu einem Menschen oder einem Dorf gehören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Farben können ebenfalls variieren. Am häufigsten sind jedoch bläuliche, grünliche, gelbliche oder feuerähnliche Lichter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Irrlichter sind – wenn auch häufig unter anderem Namen – in den Legenden der gesamten Welt zu finden. Daher können ihre Eigenschaften und Absichten auch deutlich variieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geht man nach den Irrlichtern, wie man sie bei uns kennt, sind es Wesen, die – wie der Name bereits verrät – versuchen, Menschen in die Irre zu führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders Wanderer, die sich des Nachts bereits verirrt haben, sind betroffen. Sie sehen die Irrlichter und halten sie für Straßenlaternen, Lichter, die aus Fenstern dringen, Lagerfeuer oder von anderen Menschen getragene Laternen oder Fackeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie auf das Irrlicht zugeht – so heißt es – soll es vor ihnen fliehen, sodass sie ihm ewig folgen könnte, ohne es jemals zu erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegungsmuster können sich hierbei stark unterscheiden. So gibt es Erzählungen von Irrlichtern, die immer einen gleichmäßigen Abstand eingehalten haben, Berichte von Irrlichtern, die mal auf ihren Verfolger zugekommen sind und dann plötzlich in die Ferne springen, sowie Irrlichter, die in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen kurz aufflackern, wodurch man sie schnell aus den Augen verlieren und die Entfernung schlecht abschätzen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltener wird von Irrlichtern erzählt, die selbst umherirren und sich nicht gezielt von ihren Verfolgern entfernen. Hierbei handelt es sich meist um ruhelose Seelen wie Will-o’-Wisp oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/jack-o-lantern" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jack O’Lantern</a>. Auch wenn diese Art von Irrlichtern es nicht mit Absicht tut, wird ihnen trotzdem nachgesagt, bereits viele Wanderer in die Irre geführt zu haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Irrlichter werden vor allem in Sümpfen und Mooren gesichtet. Seltener findet man sie auch in Wäldern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es ähnliche Wesen, die Elmsfeuer, die sich auf dem Ozean herumtreiben sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn man Irrlichter früher fast immer für etwas Übernatürliches hielt, gibt es heute wissenschaftliche Ansätze, die die seltsamen Lichter erklären könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum einen gibt es die Theorie, dass Glühwürmchen oder andere fluoreszierende Tiere oder Pilze die Ursache für die merkwürdigen Erscheinungen sind, zum Anderen gibt es in Sümpfen und Mooren manchmal austretende Gase, die sich bei Kontakt mit Sauerstoff selbst entzünden. Ein Beispiel hiefür wäre Phosphorwasserstoff, der bei Kontakt mit Sauerstoff in einer bläulichen Flamme verbrennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem gibt es noch heute weltweit viele Menschen, die sich sicher sind, dass es sich bei Irrlichtern um Geister oder andere übernatürliche Wesen handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Theorien reichen von Hexen über ruhelose Seelen ungetaufter Kinder, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a> von im Moor Ertrunkenen, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Kryptide</a>, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/jack-o-lantern" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jack O’Lantern</a>, Will-o‘-Wisp bis hin zu <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a>, Pixies und sogar UFOs und Außerirdischen.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Irrlichtern? Glaubt ihr, dass es eine logische Erklärung für die seltsamen Lichter gibt oder ist es doch eher etwas Übernatürliches? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>,&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a>&nbsp;oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a></em>.</p>
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		<title>Hachishakusama</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 May 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Creepypasta]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
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		<category><![CDATA[japanische Legende]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dann sah ich sie. Sie war riesig. Größer, als jede Frau und jeder Mann, die mir je begegnet waren. Zusätzlich zu ihrer extrem hellen Haut trug sie einen großen weißen Hut und ein weißes sommerliches Kleid. Sie stand an der Straße und starrte mich an ...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Hachishakusama ist eine japanische Legende, die auf einer Art japanischer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/creepypasta" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Creepypasta</a> basiert. Das <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> zählt zwar nicht offiziell zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a>, der Einfachheit halber, habe ich es aber wieder in die Kategorie eingeordnet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh verdammt, Sanji. Was machen wir denn jetzt?“, fragte Ren leicht panisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt starrten wir die entzweigebrochene Statue an, die zwischen uns lag. Es war eine heilige Jizo Statue, die zusammen mit drei anderen Jizo Statuen – kleine Statuen, die einen jungen Mönch darstellten – um einen kleinen Schrein herum stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das … Das war doch ein Unfall. K-san wird das verstehen“, erwiderte ich – versuchte dabei jedoch vielmehr, mich selbst zu überzeugen, als Ren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir stellen sie wieder hin. Es wird ihr ja gar nicht auffallen!“, schlug Ren vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich keine bessere Idee hatte, stimmte ich mit mulmigem Gefühl zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell war die kleine Jizo Statue wieder aufgestellt. Die Stelle, an der sie durchgebrochen war, zeigte jetzt einen deutlichen Riss. Würde das K-san wirklich nicht auffallen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber selbst wenn. Sie würde mich schon nicht anschreien. Auch, wenn sie manchmal streng sein konnte, verstand sie, dass es ein Unfall beim Spielen war. Ich hatte mit Ren Fangen gespielt und war über die kleine Statue gestolpert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir bestmöglich unsere Spuren verwischt hatten, spielen Ren und ich weiter. Er schien völlig unbesorgt – im Gegensatz zu mir wohnte er auch nicht bei K-san. Doch selbst mein schlechtes Gewissen war bald verflogen. Schnell war der Vorfall vergessen und die Gewissensbisse verdrängt. Wir konnten schließlich nicht ahnen, was unsere Unachtsamkeit entfesselt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Zeit später – Ren und ich taten gerade so, als wären wir zwei Samurai, die gegeneinander kämpfen – hörte ich plötzlich ein komisches Geräusch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Po po po po“, schallte es zu mir herüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hörst du das?“, fragte ich Ren, während ich mich irritiert umsah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was meinst du?“, fragte er. Jetzt hielt er inne, um zu lauschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Po po po po po“, hörte ich es wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich höre nichts“, erwiderte Ren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwirrt sah ich ihn an. Wie konnte er das nicht hören?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann sah ich sie. Sie war riesig. Größer, als jede Frau und jeder Mann, die mir je begegnet waren. Zusätzlich zu ihrer extrem hellen Haut trug sie einen großen weißen Hut und ein weißes sommerliches Kleid. Sie stand an der Straße und starrte mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Können wir Ihnen helfen?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Po po po po“, erwiderte die Frau bloß. Wieso machte sie diese seltsamen Geräusche?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mit wem redest du?“, fragte Ren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn verwirrt an. „Na mit der Frau da drüben!“ Sie war nicht zu übersehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann stockte ich. Als ich wieder zu ihr sah, war sie verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich sehe keine Frau“, sagte Ren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„S-sie war riesig! Genau da!“, entgegnete ich verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell rannte ich zur Straße. Ich sah sie rauf und runter, doch von der Frau fehlte jede Spur. Mich überkam ein mulmiges Gefühl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du veräppelst mich doch. Komm, lass uns weiterspielen!“, drängte Ren mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Ren mir mehrfach vergewissert hatte, dass er wirklich keine Frau gesehen habe, willigte ich ein. In Gedanken war ich aber kaum bei der Sache. Wieder und wieder musste ich an die Riesin denken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sanji! Ren! Das Essen ist fertig!“, rief eine Stimme vom Haus her.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, K-san. Wir kommen!“, rief ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell sammelten Ren und ich unsere Stöcker – unserer Samuraischwerter – auf und liefen zum Haus, wo wir die ‚Schwerter‘ neben der Haustür abstellten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und, habt ihr Spaß?“, fragte K-san als wir am Tisch saßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jaa! Wir sind Samurai und haben gegeneinander gekämpft!“, platzte Ren drauf los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">K-sans Gesicht strahlte, während sie leise kicherte. „So so. Samurai! Und warum habt ihr gekämpft?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„K-san“, fiel ich ins Wort, bevor Ren weiterreden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist denn, Sanji?“, wandte sie sich jetzt an mich, während sie sich gerade Reis auffüllte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich … habe eine komische Frau gesehen, die Ren nicht sehen konnte. War das vielleicht ein Geist?“, kam ich direkt zum Punkt. K-san kannte viele Geschichten und wusste besonders viel über Geister und Yōkai.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Geist? Hmm. Wie sah sie denn aus?“, fragte sie nachdenklich, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nun … sie war sehr groß. Riesig würde ich sagen. Außerdem trug sie einen großen weißen Hut und ein weißes Kleid“, dachte ich laut, während ich sie mir in Gedanken zurückrief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">K-san verschluckte sich fast. Dann starrte sie mich mit großen Augen an. „Bist du dir sicher?“, fragte sie eindringlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja. Wieso? Was ist denn los?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie antwortete nicht. Stattdessen legte sie hastig die Stäbchen hin, sprang auf und rannte aus dem Zimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ren und ich sahen uns fragend an. Keiner sagte sein Wort. Wieso war K-san plötzlich so panisch geworden?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf stürmte sie wieder ins Esszimmer. „Eine der Jizo Statuen ist beschädigt! Erzählt mir sofort, was passiert ist!“, drängte sie. Sie klang aber nicht verärgert, sondern vielmehr panisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das war meine Schuld“, sagte ich kleinlaut. „Wir haben fangen gespielt und ich bin über eine gestolpert.“ Ein beklemmendes Schuldgefühl breitete sich in meinem Bauch aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, das meinte ich nicht. Erzählt mir sofort, was die Frau getan hat!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irritiert sah ich sie an. Ihr eindringlicher Blick erlaubte keine Einwände. Also erzählte ich von den komischen Geräuschen und davon, wie nur ich die Frau sehen konnte, bevor sie sich in Luft aufgelöst hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und du hast die Frau wirklich nicht gesehen?“, wandte sie sich sofort an Ren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„N-nein. Da war niemand“, antwortete er schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">K-san atmete sichtlich erleichtert auf. „Gut. Gut!“, sagte sie. „Du musst jetzt nach Hause gehen. Bitte. Bleib heute im Haus. Du darfst nicht rausgehen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber … ich habe doch nicht einmal aufgegessen. Wenn das wegen der Statue ist, das war wirklich nur ein Unfall!“, erwiderte Ren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du verstehst nicht. Das ist wichtig. Bitte! Beeil dich!“, flehte sie ihn an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verstand die Welt nicht mehr. An Rens Gesicht erkannte ich, dass es ihm ähnlich ging. Trotzdem gehorchte er und verließ schnell das Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das mit der Statue tut mir leid“, entschuldigte ich mich. „Ich wollte es ja sagen, aber …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Völlig unerwartet nahm K-san mich fest in den Arm. Als sie losließ und sich neben mich hockte, sodass ihr Gesicht auf Augenhöhe war, sah ich, dass sie weinte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du kennst doch die Geschichte von Hachishakusama, oder?“, fragte sie. Ohne eine Antwort abzuwarten, fügte sie hinzu: „Der Schrein … Die Jizo Statuen waren Teil des Schutzzaubers, der sie gefangengehalten hat. Sie sieht genauso aus, wie die große Frau, die du gesehen hast.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das traf mich wie ein Hieb in die Magengrube. Hachishakusama war ein berüchtigtes Wesen in unserem Dorf. Jeder kannte sie. Es heißt, dass sie früher Kinder und Jugendliche getötet hat, bis eine Gruppe mächtiger Mönche sie in einen Schrein sperren konnte. Ich wusste nur nicht, dass es der Schrein auf unserem Grundstück war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sanji. Weißt du, was das bedeutet?“, fragte sie. Eine Trauer, die ich überhaupt nicht von ihr kannte, lag in ihren Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Kopf fühlte sich dumpf an, während ich nickte. Wenn Hachishakusama mich ausgewählt hatte, war ich vor ihr nicht mehr sicher. Ich musste das Dorf verlassen und konnte nie wieder zurückkehren, wenn ich in Sicherheit sein wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich würde gerne mit dir kommen. Aber ich muss Vorbereitungen treffen. Ich werde versuchen, Hachishakusama aufzuhalten, damit du fliehen kannst. Erinnerst du dich an Tanaka-san? Den Mann, zu dem wir früher immer gefahren sind?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder nickte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Weißt du noch, wie wir zu ihm gekommen sind?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich denke schon. Aber ich will nicht von dir weg!“, jammerte ich. Sie war doch die einzige Familie, dich ich hatte, seit sie mich damals von der Straße geholt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich weiß“, sagte sie. Sie fasste mir sanft an die Wange. „Aber es ist ja nicht für immer. Ich werde nachkommen, sobald ich hier alles geregelt habe. Versprochen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer. Aber was hatte ich für eine Wahl? Ich wusste, wie gefährlich Hachishakusama war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich einige wenige Sachen gepackt habe – mein Gepäck sollte mich nicht verlangsamen –, nahm mich K-san noch einmal fest in den Arm. Ich wollte sie nie wieder loslassen. Doch sie drückte mich bald von sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte“, sagte sie schnell und verschwand im Nebenzimmer. Als sie kurz darauf zurückkam, drückte sie mir einen beschriebenen Streifen Papier in die Hand. „Das ist ein Talisman. Er wird dich schützen, bis du aus dem Dorf raus bist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nahm sie erneut in den Arm. Ich wollte nicht gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sanji. Du bist wie ein Sohn für mich“, sagte K-san. „Ich will, dass du das weißt. Und nun geh! Verschwinde von hier!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann war ich draußen. Ich überlegte kurz, mein ‚Samuraischwert‘ mitzunehmen. Aber was würde ein Stock schon gegen Hachishakusama nützen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein letztes Mal wandte ich mich zu K-san um. Dann musste ich gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kannte die Straßen wie meine Westentasche. Immerhin hatte ich bis vor ein paar Jahren hier draußen gelebt. Ich kannte jede Seitengasse. Jeden Waldweg. Jede Abkürzung. Und so nahm ich den schnellsten Weg, aus dem Dorf heraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es ein sonniger Tag war, fröstelte ich. Kein einziger Vogel war am Singen, als wüssten sie, was passiert war. Der gesamte Tag kam mir surreal vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hörte ich ein leises Geräusch in der Ferne: „Po po po po po.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah mich nicht um. Stattdessen fiel mein Blick kurz auf den Talisman, der jetzt begonnen hatte, sich an den Rändern dunkel zu verfärben. Schnell schloss ich meine Hand fester um ihn und beschleunigte meine Schritte. Es würde nicht lange dauern, bis ich aus dem Dorf raus war!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Po po po po po“, trug der Wind die Geräusche wieder zu mir. Diesmal klangen sie näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinter mir raschelte etwas. Ich drehte mich nicht um. Ich durfte Hachishakusama nicht ansehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein schneller Gang wurde zu einem langsamen Lauf. In meinem Augenwinkel tauchte wieder und wieder eine große weiße Gestalt auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt rannte ich. Links neben mir tauchte ihre weiße Silhouette auf. Nur, dass sie diesmal nicht stillstand. Sie rannte mit mir mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich warf einen kurzen Blick auf sie. Ihre Augen waren direkt auf mich gerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell sah ich weg. Ich durfte sie nicht ansehen! Kurz überlegte ich, die Augen zu schließen. Doch ich konnte mir nicht erlauben, zu stolpern. Also sah ich zu Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder fiel mein Blick auf den Talisman. Er war inzwischen sehr dunkel, fast schwarz geworden – beinahe, als wäre er verkohlt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Po po po po po po po po …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt mir fest die Ohren zu, während ich weitersprintete. Trotzdem konnte ich sie noch hören. Bis sie plötzlich verstummte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah nach links. Hachishakusama war verschwunden. Irritiert sah ich mich um. Wie konnte das sein? Hatte ich das Dorf verlassen? Nein, das Dorf endete erst eine Straße weiter. Egal. Ich durfte nicht stehenbleiben. Und so sprintete ich weiter. Um die Ecke und …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da stand Hachishakusama. Sie stand genau an der Dorfgrenze und versperrte mir den Weg!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich würde umdrehen müssen! Das Dorf eine Straße weiter verlassen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann spürte ich, wie sich in meiner Hand etwas bewegte. Entsetzt betrachtete ich den schutzbringenden Talisman. Er war jetzt komplett schwarz und völlig porös geworden … löste sich in meiner Hand auf, während er ascheähnlich auf die Straße rieselte. Nein! Das durfte nicht sein!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt sah ich wieder zu Hachishakusama, die jetzt schnell auf mich zukam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Po po po po po po po.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hachishakusama, häufig auch „8 Feet Tall“ (englisch für „8 Fuß groß“) genannt, ist eine japanische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Name setzt sich aus „hachi“ (japanisch für 8), „Shaku“ (eine alte japanische Längeneinheit, die etwa einem Fuß entspricht) und „sama“ (eine sehr höfliche Anrede in Japan) zusammen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie der Name bereits andeutet, ist die Hachishakusama etwa 8 Shaku (ca. 240 cm) groß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hat eine helle Haut, dünne, lange Arme und Beine, sowie lange schwarze Haare.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem trägt sie einen weißen Hut und ein weißes Kleid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Näher wird sie jedoch selten beschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viele der Eigenschaften und Fähigkeiten von Hachishakusama sind nicht ganz eindeutig, da ihre Legende auf einer einzigen japanischen Gruselgeschichte basiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der originalen japanischen Geschichte heißt es, dass Hachishakusama es hauptsächlich auf Kinder und Jugendliche abgesehen habe. Sobald sie ein potentielles Opfer gefunden hat, jagt sie es solange, bis es innerhalb weniger Tage tot ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie bleibt dabei jedoch in der Nähe ihres Dorfes. Wenn man es also schafft, zu entkommen, ist man vor ihr in Sicherheit – sofern man sich dem Dorf nie wieder nähert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrem Dorf soll zudem ein Schrein errichtet sein, in dem sie gefangen war. Um den Schrein herum stehen vier Jizo Statuen, von denen jede in einer der Himmelsrichtungen steht. Am Ende der Geschichte wird erwähnt, dass man herausgefunden habe, dass eine der Statuen beschädigt sei, wodurch Hachishakusama entkommen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man ihr begegnet, erkennt man sie nicht nur an ihrem Aussehen. Es heißt, dass Hachishakusama Geräusche von sich gibt, die nach einem „po po po“ klingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der originalen Geschichte wird außerdem ein Ritual durchgeführt, das den Protagonisten über Nacht schützen soll. Hierbei muss er alleine in einem Zimmer sitzen, in dem eine Buddhastatue steht. Wann immer er Angst hat, soll er den Buddha anbeten. Außerdem wird je eine Schale mit Salz in jeder der vier Ecken des Raumes gestellt, der Protagonist bekommt einen Talisman aus Papier und ihm wird gesagt, dass er das Zimmer unter keinen Umständen vor 7 Uhr morgens verlassen darf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Nacht hört er Klopfen am Fenster, die typischen „po po po“-Geräusche und sogar die Stimme seines Großvaters an der Tür, der ihm sagt, dass er herauskommen dürfe, wenn er Angst habe. Es stellt sich später heraus, dass der Großvater nie mit dem Protagonisten gesprochen hat. Daher ist es anzunehmen, dass die Hachishakusama zumindest in einem gewissen Maße Stimmen imitieren kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er nach 7 Uhr endlich das Zimmer verlassen kann, ist das Salz in dem Zimmer fast schwarz geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später in der Geschichte wird Hachishakusama außerdem mit buddhistischen Gebeten ferngehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem ist sie schnell genug, um neben einem fahrenden Auto her zu rennen, und kann nur vom Protagonisten gesehen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Protagonist schafft es dank der Gebete schließlich, das Dorf zu verlassen, und darf – zur eigenen Sicherheit – nie wieder zurückkehren.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Abänderungen in der englischen Version:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen der englischen Versionen heißt es, dass Hachishakusama die Kinder und Jugendlichen nicht töten, sondern entführen würde. Was sie anschließend mit ihren Opfern macht, ist jedoch ungewiss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wurde in den englischen Versionen der Ort abgeändert. So heißt es nicht mehr, dass Hachishakusama in einem Dorf lebe, sondern überall in Japan vorkomme. Man dürfe als ihr gewähltes Opfer somit Japan nie mehr betreten – auch nicht als Erwachsener –, da sie einen sonst wieder jagen würde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der originalen japanischen Version der Geschichte lebt Hachishakusama in einem Dorf in Japan, das jedoch nicht genauer benannt wird. Sie scheint sich nur in dem Dorf und in unmittelbarer Nähe aufzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der neueren englischen Version hingegen heißt es, dass Hachishakusama in ganz Japan auftauchen könne und man dort nirgends vor ihr sicher wäre.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die ersten Aufzeichnungen über die Hachishakusama war die Originalgeschichte auf 2Chan im Jahr 2008. Die damalige Geschichte erwähnt, dass die Ereignisse etwa 10 Jahre her seien, womit sie sich grob 1998 zugetragen haben müssten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits ließen sich keine Hinweise darauf finden, dass es das Dorf aus der Geschichte tatsächlich gibt. Da die Großeltern sehr viel über die Hachishakusama zu wissen scheinen, kann sie in der Region kein unbekanntes Wesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund ist es anzunehmen, dass die Geschichte wirklich nur reine Fiktion ist – auch, wenn es sich nicht mit 100%iger Gewissheit sagen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste englische Version der Geschichte war wahrscheinlich die abgeänderte und übersetzte Version, die 2016 auf www.scaryforkids.com erschienen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seither erfreut sich die urbane Legende der Hachishakusama auch als Creepypasta im westlichen Raum an großer Beliebtheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ähnlichkeit zu <a href="https://www.geister-und-legenden.de/slenderman" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Slenderman</a> – die bleiche Haut, die langen Gliedmaßen, die Größe und die Opfer im Kindes- und Jugendlichenalter – sind hingegen Zufall, da Slenderman erst im Jahr 2009, also nach Hachishakusama erfunden wurde. Dass Slenderman Inspiration in der Hachishakusama Legende gefunden hat, ist zwar nicht auszuschließen, wegen der damaligen fehlenden Bekanntheit in Amerika jedoch unwahrscheinlich.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Englische Übersetzung der originalen japanischen Geschichte:</h4>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="http://anomalyinfo.com/Stories/2008-aug-26-hachishakusan-eight-feet-tall">http://anomalyinfo.com/Stories/2008-aug-26-hachishakusan-eight-feet-tall</a></p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Hachishakusama? Mögt ihr solche Legenden, auch wenn sie scheinbar nur erfunden sind? Ich habe bei dieser Geschichte versucht, mich direkt auf die Originalgeschichte zu beziehen und versucht, ihr etwas mehr Tiefe zu verleihen. Gefällt euch dieser Ansatz? Schreibt es mir in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>,&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a>&nbsp;oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a></em>.</p>
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