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	<title>weibliche Protagonistin Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Biloko – Hör nicht auf seine Glocke!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Mir war so unglaublich schlecht. Wie viel Blut hatte ich bereits verloren? Mein Hinterkopf schmerzte von dem Sturz. Sollte das also das Letzte sein, was ich sah?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/biloko">Biloko – Hör nicht auf seine Glocke!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/3d6c405bc0374f19bcfd758cd89c791e" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Biloko sind eine afrikanische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a>, die tief im Regenwald des Kongo spielt. Daher hat der Beitrag auch so lange gedauert – zum einen, weil die Geschichte recht lang geworden ist, zum anderen, weil ich mich erst ausgiebig über das Kongobecken informieren wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und noch eine kleine Anmerkung: Der nächste Beitrag wird wahrscheinlich etwas auf sich warten lassen, weil ich im Mai kein einziges Wochenende Zeit habe (und unter der Woche schaffe ich die Blogbeiträge nicht). Aber die monatliche Lesung auf Patreon werde ich trotzdem versuchen, unterzubekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun wünsche ich euch aber:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lag auf dem Rücken. Über mir ragten hohe Bäume empor. Alles drehte sich. Ich sah zahlreiche verschiedene Pflanzen und Lianen, starrte in ein dichtes Blätterdach, durch das ich den Himmel kaum sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir war so unglaublich schlecht. Wie viel Blut hatte ich bereits verloren? Mein Hinterkopf schmerzte von dem Sturz. Sollte das also das Letzte sein, was ich sah?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na los, Frau!“, zischte mich eine Kinderstimme an. „Gib mir dein süßes, saftiges Fleisch!“ Dann ertönte wieder das sanfte Klingeln einer Glocke.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß noch gut, wie ich mich gefühlt hatte, als ich in dem kleinen klapprigen Propellerflugzeug ins Kongobecken gesessen hatte. Unter mir hatte sich das scheinbar endlose grüne Blätterdach des Regenwalds erstreckt. Ich hatte eine Mischung aus Ehrfurcht, Bewunderung, aber auch Sorge empfunden. Hier sollte ich die nächsten Wochen leben. Abseits jeglicher Zivilisation zusammen mit völlig fremden Menschen. Noch dazu unter allerlei gefährlichen Tieren mit dem nächsten Krankenhaus in hunderten Kilometern Entfernung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück waren meine Sorgen unbegründet. Klar, es gab hier gefährliche Tiere, aber wenn man wusste, wie man mit ihnen umzugehen hatte und die Augen und Ohren offenhielt, war das alles halb so wild. Zumal ich die meisten gefährlichen Tiere nie zu Gesicht bekommen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch die Leute konnte ich nur als herzlich beschreiben. Bei meiner Landung hatte sich das ganze Dorf an der Landebahn versammelt, um mich zu begrüßen. Die Erwachsenen hatten gelacht, gewunken und mir die Hände geschüttelt, während die Kinder neugierig zu mir gerannt waren, um mir High-Fives zu geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dr. Harrison?“, hatte mich ein Mann begrüßt. Er hatte eine überraschend tiefe Stimme und sprach mit einem starken Akzent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin noch keine Doktorin“, war meine Antwort gewesen. „Aber hoffentlich bald.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin hatte der Mann mich breit angelächelt. „Dann sollten Sie sich an den Klang gewöhnen. Ich bin Bokungu, Ihr Guide. Es freut mich, Sie kennenzulernen, Dr. Harrison.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Guide war es seine Aufgabe, Neuzugänge wie mich im Dorf abzuholen. Immerhin lag der Grund meiner Reise, ein Forschungscamp für Bonobos, etwa zwanzig Kilometer tiefer im Dschungel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein anstrengender Fußweg gewesen. Wir folgten Trampelpfaden, kletterten über umgestürzte Bäume und wateten durch kniehohes Wasser. Zum Glück war das Wasser warm. Trotzdem war es am Anfang höchst ungewohnt, mit Schuhen, Socken und Hose durch den Bach zu wandern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf durfte ich außerdem feststellen, dass die Kleidung wegen der hohen Luftfeuchtigkeit kaum trocknete. Aber man gewöhnt sich ehrlich gesagt daran. Es war ja nicht so, dass meine Kleidung nicht ohnehin schon vor lauter Schweiß völlig durchnässt an meinem Körper klebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einem halben Tagesmarsch und einer kurzen Strecke in einem Holzboot erreichten wir schließlich das Camp. Dort lernte ich den Rest des Teams kennen. Sie hatten mich aufgenommen, als wäre ich Teil ihrer Familie. Denn genau so fühlte es sich inzwischen an: wie eine Familie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hätten viele von uns kaum unterschiedlicher sein können. In unserem Camp wohnte ein bunter Mix aus Einheimischen und Ausländern wie mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da war Brian, der Arzt unserer kleinen Gruppe. Er war Engländer, war aber schon viele Male hier im Dschungel gewesen. Er hatte diverse Gegengifte und Verbandszeug immer griffbereit. Nur für den Fall der Fälle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war da das Forscherteam, das die Bonobos, eine stark gefährdete Primatenart, untersuchte. Beziehungsweise waren es genau genommen zwei Forscherteams.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatten die wohl härteste Arbeit unserer ganzen Gruppe. Jeden Morgen machte sich eins der beiden Teams um etwa 3 Uhr auf den Weg, um zu den Bonobos zu gehen. Sie beobachteten sie, machten Notizen und begleiteten sie den kompletten Tag über, bis die Primaten am späten Abend wieder schlafen gingen. Am nächsten Tag stand schon das zweite Team bereit, um dieselbe Arbeit zu verrichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war wichtig, dass sie die Bonobos nie aus den Augen verloren. Wenn die Primaten nicht schliefen, musste immer ein Forscherteam bei ihnen sein, damit wir die Gruppe nicht verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus gab es einige Leute, die das Camp in Schuss hielten und sich um neue Verpflegung kümmerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Favorit unter ihnen – sagt das aber bitte nicht den anderen – war Bokungu. Er war ein schwarzer Mann, dessen tiefes, lautes Lachen man im ganzen Camp hören konnte. Seine Arbeit als Guide machte er unglaublich gut. Ich kannte niemanden, der sich so im Regenwald auskannte, wie er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war er abergläubisch. Wobei … Ich sollte besser gläubig sagen, immerhin war es seine Religion. Er hatte uns von so vielen Geistern und Monstern erzählt, die im Dschungel hausten. Ich sog all seine Geschichten auf wie ein Schwamm. Nicht, dass ich auch nur an eine davon glauben würde, aber ich liebte es, seine Kultur auf diese Weise kennenzulernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da natürlich noch ich: Mein Name ist Natalia Harrison, hoffentlich bald Dr. Natalia Harrison.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war in die Demokratische Republik Kongo geflogen, um für meine Doktorarbeit Bonobos zu beobachten. Das Kongobecken ist der einzige Ort der Welt, an dem diese Primatenart lebt. Sie sind, zusammen mit den Schimpansen, der nächste Verwandte der Menschen. Sie teilen 98,7% unserer DNA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um genau zu sein, sind wir so nahe miteinander verwandt, dass wir eine medizinische Maske tragen müssen, wann immer wir uns den Bonobos nähern, damit wir keine Krankheiten an sie übertragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich könnte euch jetzt so viel über die Bonobos erzählen. Zum Beispiel, dass sie in einem Matriarchat leben, ihre Anführer also weiblich waren. Im Gegensatz zu den Menschen und Schimpansen waren sie eine sanfte und friedliche Art – ihre Konflikte lösten sie oft mit einvernehmlichem Sex statt mit Gewalt. Das Geschlecht spielte dabei keine Rolle. Außerdem hatten sie eine trüffelartige Delikatesse, die sie im Regenwald suchten, ausgruben und aßen. Und das, obwohl er außer Natrium keinen wichtigen Nährwert für die Tiere brachte. Der trüffelartige Pilz Hysterangium bonobo war sogar nach ihnen benannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Bonobos sind nicht der Grund, warum ich diese Geschichte erzähle, warum ich euch mit in den Regenwald der Demokratischen Republik Kongo nehme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es begann wie ein völlig normaler Tag im Dschungel. Um 3 Uhr klingelte der Wecker, der eines der beiden Forscherteams und mich in unseren regulären Arbeitstag schickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst in der Nacht wurde es nicht kalt im Kongobecken – selten fielen die Temperaturen unter 20 °C –, aber im Vergleich zur schwülen Tageshitze fand ich es angenehm erfrischend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Dschungel begrüßte uns mit seiner nächtlichen Symphonie. Aus allen Richtungen zirpten Insekten, schrien nachtaktive Vögel und brüllten gelegentlich Affen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was nun folgte, war ein dreizig- bis vierzigminütiger Weg durch überwucherten Regenwald. Wir hielten uns an die Trampelpfade, wo wir nur konnten, aber die meiste Zeit mussten wir uns durch dichtestes Dickicht kämpfen. Das hatten wir den Bonobos zu verdanken, die sich vor wenigen Tagen entschieden hatten, tiefer in den Regenwald zu wandern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lianen, gefallene Bäume und allerlei anderes Blattwerk versperrte uns den Weg, als würde es uns mit aller Macht am Durchkommen hindern wollen. Ohne unsere treuen Gartenscheren hätten die meisten von uns sicher schon lange aufgegeben. Ich hätte es jedenfalls.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Müde stolperte ich den anderen nach. Der Vorteil, wenn man so weit hinten lief, war, dass die meisten Lianen auf meinem Weg bereits durchtrennt waren. Trotzdem fand sich immer mal wieder eine Pflanze, in der auch ich mich verhedderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald mischte sich das Quaken unzähliger Frösche unter die wirre Soundkulisse. Wir näherten uns einem kleinen Bach, durch den wir ein gutes Stück hindurchwaten würden. Dort langzugehen war sehr viel weniger anstrengend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem folgte kurz darauf eine alte Elefantenspur, die sich durch das Unterholz zog. Auch hier war das Vorankommen vergleichsweise einfach, bis wir wieder ins Unterholz abbiegen mussten, um zum Schlafplatz der Bonobos zu gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch vor ein paar Wochen hatte ich mich gewundert, wie die Forscher sich hier draußen nicht regelmäßig verirrten. Aber mit der Zeit lernt man die Unterschiede: Man lernt, einen frischen Pfad von unberührter Wildnis zu unterscheiden, erkannte die durchtrennten Lianen unter all den gesunden Pflanzen und hatte seine Wegweiser wie z. B. den Elefantenpfad oder den Bach, an denen man sich orientieren konnte. Auch ich brauchte hier draußen nur noch selten meinen Kompass.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Nachtlager der Bonobos war alles ruhig. Sie schliefen hoch oben in den Bäumen, wo sie sich jeden Abend ein neues Schlafnest aus Ästen und Blättern bauten. Jeder Primat sein eigenes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also machten wir es uns im Unterholz gemütlich. Zumindest so gemütlich, wie es möglich war. Wir packten unsere Ausrüstung aus, während die Bonobos langsam aus ihrem Schlaf erwachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Morgen, Mary-Ann“, hörte ich eine der anderen Forscherinnen sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah auf. Sie hatte recht. Mary-Ann, die Anführerin der kleinen Bonobogruppe, kam gerade einen Baum heruntergeklettert. Schnell setzten wir unsere medizinischen Masken auf, um die Bonobos zu schützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt begann unsere eigentliche Arbeit. Wir machten Notizen zum Verhalten der Bonobos, beobachteten sie, machten gelegentlich Fotos und hielten alles so detailliert fest, wie wir nur konnten. Oder besser gesagt taten das die anderen. Ich half ihnen zwar dabei, so gut ich konnte, aber mein primärer Fokus war meine Doktorarbeit. Ich möchte euch nicht mit den Details langweilen, doch es hatte mit der Ernährung der Bonobos im matriarchalen Hierarchiesystem zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider war heute keiner der angenehmsten Tage für die Bonobobeobachtung. Es gab kein Unwetter oder so etwas, aber dafür bekamen wir Besuch von einer der lästigsten Tierarten hier im Kongobecken: die Ostafrikanische Hochlandbiene. Zumindest, wenn man von meiner Erfahrung der letzten Wochen ausging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Bienenart war hier im Kongobecken fast überall zu finden. Ich hatte schon einige Male die unangenehme Ehre, dieser Honigbienenart zu begegnen. Und wenn man eine von ihnen fand, blieben die anderen oft nicht fern. Sie liebten unseren Schweiß beziehungsweise die Salze darin. Und so besetzten sie oft scharenweise unsere Körper, um an ihre salzige Nahrungsquelle zu gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gab auch einen kleinen Trost: Sie waren nicht aggressiv. Man konnte sie oft problemlos mit Blättern vom Körper schlagen, um sie loszuwerden. Das hieß aber nicht, dass sie nicht innerhalb kürzester Zeit wieder zurückkamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so dauerte es heute nicht lange, bis ich mich auf den Rückweg zum Camp machte. Ihr braucht euch darüber aber nicht wundern. Ich blieb selten den ganzen Tag bei den Forscherteams, da ich es bevorzugte, meine Notizen im Camp zu ordnen, wo ich einen Tisch und einen Stuhl hatte. Außerdem waren die Bienen ein wirklich gutes Argument, meine Untersuchungen heute frühzeitig zu beenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also war ich bereits gegen Mittag auf dem Rückweg ins Camp. Die Luft war drückend schwül. Noch immer lief mir der Schweiß am ganzen Körper hinunter, aber immerhin waren hier keine Bienen mehr. Ich kämpfte mich zurück durchs Unterholz zum Elefantenpfad. Von dort aus ging es weiter, bis ich auf der linken Seite zerschnittene Lianen sah. Dann folgten wieder etwa drei Minuten Unterholz, ehe ich den Bach erreichen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach fünf Minuten blieb ich stehen. Ich hätte den Bach schon lange erreichen müssen. War ich falsch abgebogen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast schon genervt kramte ich meinen Kompass aus der Seitentasche am Rucksack. Ich war mir sicher, dass ich in die richtige Richtung gegangen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war ich nicht. Verdammt nochmal! Heute lief nichts so, wie es sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz überlegte ich, ob ich zurückgehen solle. Aber nein. Ich war nur etwas zu weit nach rechts gegangen. Wenn ich mich jetzt Richtung Osten durch das Unterholz kämpfte, müsste ich so oder so zum Bach gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich wäre mein Plan aufgegangen. Ich war zwar mehr dabei, mich mit meiner Gartenschere durch Lianen zu schneiden, als zu gehen, doch ich kam langsam, aber sicher voran. In der Ferne konnte ich bald das Plätschern des Baches hören. Dann jedoch fiel mir auf, wie ungewöhnlich still es ansonsten war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich kann man überall im Dschungel Lärm hören. Zu jeder Tages- und Nachtzeit war man von einem Gewirr aus Blätterrascheln, Insektenzirpen und Tierstimmen umgeben. Hier jedoch wirkten die Geräusche fast dumpf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war mir unheimlich. Also beeilte ich mich. Ich zog sogar als zusätzliche Hilfe das Messer aus meiner Gürteltasche, um mich schneller durch die Lianen schneiden zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kam nicht weit. Plötzlich erklang ein anderes Geräusch aus dem dichten Grün: das leise Klingeln einer Glocke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort spitzte ich die Ohren. Mit gerunzelter Stirn stand ich da. Hatte ich mich geirrt? Aber nein! Da war es wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo?“, rief ich laut. „Ist da jemand? Bonjour?“ Aber auf meine Rufe kam keine Antwort, außer einem weiteren leisen Klingeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mich überkam ein seltsames Gefühl. Ich konnte es nicht genauer beschreiben. Es war ein abgrundtiefes Verlangen, herauszufinden, was es mit dem Geräusch auf sich hatte. In dem Moment machte ich meine Forschernatur dafür verantwortlich, aber inzwischen weiß ich, dass es etwas anderes war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder arbeitete ich mich mit Messer und Gartenschere durch die Lianen und Blätter, diesmal auf das Geräusch zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis ich eine Lichtung erreichte. Sie war aber nicht von Sonnenlicht erhellt wie unser Camp, sondern lag unter einem dichten Blätterdach. Nur die Baumstämme und anderen Pflanzen wirkten hier unten, als würden sie einen Bogen um das kleine Fleckchen machen. Ich fragte mich, ob es an hartem Stein lag, der hier knapp unter der Oberfläche sein könnte, ähnlich wie in der Savanne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment zog ein Rascheln vor mir meine Aufmerksamkeit auf sich. Die Pflanzen bewegten sich. Dort kam etwas aus dem Unterholz. Oder nein … Es war das Unterholz! Vor mir bewegte sich ein Wesen, das mit Gras und blättern überwuchert war. Es richtete sich auf zwei Beine auf, erreichte dabei eine stolze Höhe von einem Meter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst dachte ich, es sei ein Affe. Aber selbst im Gegensatz zu den Bonobos wirkte es dafür zu menschlich. Es hatte keine Haare an seinem Körper. An der Stelle, wo bei uns Menschen die Kopfhaare wuchsen, wuchs bei ihm Gras. Auch trug es Kleidung, die aus Blättern gefertigt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da noch die kleine Glocke, die es in seiner klauenbesetzten Hand hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste sofort, was es war. Aber nicht aus dem Biologieunterricht oder meinen Recherchen zu der Fauna des Kongobeckens, sondern aus Bokungus Geschichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte mir von den Biloko erzählt. Zwergenhafte Wesen, die im Dschungel wohnen. Sie sollen die Geister der Ahnen von den Einheimischen sein oder irgend so ein Quatsch. Wie hatte er gesagt? Biloko seien böse Geister, die nichts lieber mögen als unser menschliches Fleisch. Der Klang ihrer Glocke könne uns völlig den Kopf verdrehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich also eine Sache aus seinen Erzählungen gelernt hatte, dann, dass ich hier schnellstens wegmusste! Zumindest hatte ich keine Lust, mein Leben zu riskieren, um herauszufinden, ob es stimmte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch drehte ich mich um. „Hilfe!“, schrie ich aus voller Lunge. „Hiiiilfe!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich erreichte nicht einmal das Unterholz. Als ich gerade zwischen den Pflanzen verschwinden wollte, ertönte wieder dieses engelsgleiche Klingeln der Glocke, das mich mindestens so sehr anzog, wie unser Schweiß die afrikanischen Bienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam wandte ich mich dem Eloko – so hießen sie in der Einzahl – zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bleib hier“, sagte er mit einer kindesgleichen Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens jetzt zog sich eine Gänsehaut über meinen gesamten Körper. Ich war gleichermaßen erschrocken wie fasziniert von diesem Wesen, das aus einem mir unerfindlichen Grund Englisch sprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gib mir ein Stück von deinem saftigen Fleisch!“, fuhr es fort. Es untermalte den Befehl mit seiner Glocke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich denkt ihr jetzt, dass niemand solch einem wahnsinnigen Befehl nachgehen würde. Aber ich war von seiner Glocke verzaubert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie in Trance ließ ich meine Schere fallen. Ich setzte das Messer, das ich noch immer in der linken Hand hielt, an meinen rechten Arm. Ich zögerte nicht einmal eine Sekunde, ehe ich tief in mein Fleisch schnitt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blut quoll aus der Wunde hervor. Ich wollte weiterschneiden, aber es gibt da eine Sache, die ich euch noch nicht erzählt hatte: Ich konnte kein Blut sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Statt also dem Befehl des Eloko nachzukommen, erstarrte ich. Ich musste kreidebleich im Gesicht geworden sein. Im nächsten Moment kippte ich rücklings um.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lag auf dem Rücken. Über mir ragten hohe Bäume empor. Alles drehte sich. Ich sah zahlreiche verschiedene Pflanzen und Lianen, starrte in ein dichtes Blätterdach, durch das ich den Himmel kaum sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir war so unglaublich schlecht. Wie viel Blut hatte ich bereits verloren? Mein Hinterkopf schmerzte von dem Sturz. Sollte das also das Letzte sein, was ich sah?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na los, Frau!“, zischte mich eine Kinderstimme an. „Gib mir dein süßes, saftiges Fleisch!“ Dann ertönte wieder das sanfte Klingeln einer Glocke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit aller Kraft versuchte ich, mich aufzurichten. Ich musste mein Messer wiederfinden, das ich fallengelassen hatte, musste seinem Befehl nachkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch in dem Moment, als ich meinen Kopf hob, um mich umzusehen, fiel mein Blick wieder auf den Schnitt in meinem Arm. Das Blut, das daraus hervorquoll, hatte mein Hemd erreicht, das sich langsam vollsog. Warum musste ich heute nur weiß tragen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ meinen Kopf zurückfallen. Nein. So leid es mir tat, wenn der Eloko ein Stück von mir wollte, musste er es sich selbst holen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schloss ich die Augen. Wenn ich ihn schon nicht füttern konnte, wollte ich wenigstens keine Gegenwehr leisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dr. Harrison!“, hörte ich Bokungus Stimme in meinem Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Ahnung, warum ich in meinen letzten Momenten ausgerechnet an ihn dachte. Vielleicht, weil er mir von den Biloko erzählt hatte. Vielleicht, weil wir gute Freunde geworden waren, oder weil er mich an meinen Vater erinnerte. Er war hier draußen so etwas wie meine Bezugsperson geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dr. Harrison!“, erklang seine Stimme erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Moment … Sie kam nicht aus meinem Kopf!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter großer Anstrengung zwang ich mich, wieder die Augen zu öffnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dr. Harrison, können Sie mich hören?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da war Bokungu. Er stand über mir, hatte sein eigenes Messer gezückt und richtete es auf den Eloko. In der anderen Hand hatte er irgendeinen hölzernen Gegenstand, den er mir entgegenhielt. „Nehmen Sie das. Schnell!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kraftlos streckte ich die Hand nach ihm aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tu es nicht!“, rief der Eloko. Er klang wütend, klingelte jetzt wie wild mit seiner Glocke. „Nimm nichts von ihm an!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es war zu spät. Ich hatte den Fetisch bereits mit der Hand umschlossen. Aber bitte denkt jetzt nicht an etwas Versautes. Fetische waren heilige Artefakte aus Afrika. Dieses hier war eine Holzstatue, die einen Menschen mit langem, maskenartigem Gesicht darstellte. Wahrscheinlich war es irgendein Schutzzauber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf einmal war ich wieder klar im Kopf. Ich sah den Eloko, der inzwischen schrie und tobte, nicht länger als Kind, dem ich helfen musste, sondern als das, was er war: ein blutrünstiges Ungeheuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war mir noch immer schwindelig. Es dauerte eine ganze Weile, bis Bokungu mir auf die Beine geholfen hatte. Und auch dann musste er mich stützen, damit ich nicht wieder zusammenklappte, während er die ganze Zeit das Messer auf den Eloko gerichtet hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Überraschung griff das Wesen nicht an. Bokungu hatte erklärt, dass Biloko übermenschlich stark seien, aber anscheinend machte sie das nicht immun vor Messerklingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte unterdessen den Fetisch in meine rechte Hand genommen, um mir mit der linken auf die Wunde zu pressen. Natürlich ohne sie anzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gingen wir langsam rückwärts. Wir verließen die Lichtung, stolperten über Wurzeln, durch Blätter und Lianen. Bald näherten wir uns dem Bach. Aber erst, als wir im Wasser standen, traute Bokungu sich, das Messer sinken zu lassen. Er holte eine verpackte Mullbinde aus seinem Rucksack und band sie mir mit geschickten Griffen um den Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie hast du mich gefunden?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bokungu sah mich an, während er die Wunde weiter verband. „Die Götter müssen mich geführt haben“, erklärte er. „Ich war auf dem Weg zu euch, wollte gerade aus dem Bach steigen, als ich dich rufen gehört habe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Weg bis zum Camp – Bokungu wich dabei nicht mehr von meiner Seite – dachte ich über seine Worte nach. Die Götter … Früher hätte ich ihn für solch eine Aussage belächelt. Aber jetzt? Wenn die Biloko real waren, was von seinem Glauben stimmte dann noch?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück im Camp gingen wir sofort zu Brian, unserem Arzt. Die Anderen bekamen es natürlich mit. Sie waren sofort in hellem Aufruhr, sobald klar wurde, dass Brian meine Wunde nähen musste. Sie wollten wissen, was mir passiert war. Ich erzählte es ihnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten glaubten mir nicht. Sie suchten nach logischeren Erklärungen: Ich sei dehydriert gewesen oder vergiftet, habe halluziniert. Sie waren Forschende, genau wie ich. Wenn ich ehrlich war, hätte ich die Geschichte wahrscheinlich selbst nicht geglaubt, wenn sie mir nicht widerfahren wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An ihrem Verhalten oder der Route zu den Bonobos änderten sie jedenfalls nichts. Es blieb also nur zu hoffen, dass niemand aus dem Forscherteam dem Eloko begegnen würde, bis die Bonobos weitergezogen waren. Denn noch einmal so viel Glück, dass ausgerechnet in dem Moment Bokungu auftauchen würde, hatte sicher niemand von ihnen.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Biloko, in der Einzahl „Eloko“, sind Wesen aus der Folklore der Mongo, einem Volk, das in der Demokratischen Republik Kongo in Afrika lebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir ist dabei nicht ganz klar, ob ich sie als „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Monster</a>“ oder als „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geister</a>“ einordnen soll. Mehr dazu aber weiter unten im Beitrag.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Darstellungen sind Biloko zwergenhafte humanoide Wesen, manchmal mit tierischen Eigenschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie besitzen keinerlei Haare am Körper. Stattdessen wächst ihnen Moos oder Gras aus der Haut, meist an den Stellen, wo man Kopfhaare und/oder einen Bart erwarten würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch ihre Kleidung besteht ausschließlich aus Pflanzen bzw. hauptsächlich aus Blättern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen sie lange scharfe Krallen haben und einen Mund, den sie – ähnlich wie eine Schlange – ausrenken können, sodass sie ihn so weit aufbekommen, dass sie sogar einen ganzen Menschen verschlingen können sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Biloko gelten generell als bösartige Wesen, zumindest uns Menschen gegenüber. Gleichzeitig wird ihnen in einigen Legenden nachgesagt, Besitzer und/oder Beschützer des Regenwaldes zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus sollen sie Jagdtiere und die seltensten Früchte des Dschungels „sammeln“ bzw. schützen, was ihre Lebensräume besonders bei Jägern sehr beliebt machen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade Letzteres könnte auch eine Jagdstrategie der Biloko sein, da ihr Hauptnahrungsmittel, teilweise sogar ihr einziges Nahrungsmittel, Menschenfleisch sein soll. Sie sollen dabei besonders das Fleisch von Frauen mögen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen sie die Stimme eines Kindes haben, mit der sie Menschen in die Irre führen können und dank der sie oft unterschätzt werden, und übermenschlich stark sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre wohl gefürchtetste Jagdmethode ist jedoch eine magische Glocke, die sie immer bei sich tragen. Ihr Klang soll in der Lage sein, Menschen zu betören und zu beeinflussen. Sie soll dabei so mächtig sein, dass die Menschen sich freiwillig von den Biloko essen lassen oder gar ihr eigenes Fleisch abschneiden, um den Eloko damit zu füttern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man soll sich jedoch mit Amuletten, Fetischen und anderen Schutzzaubern vor ihnen und der Wirkung ihrer Glocke schützen können, wodurch man ihren Lebensraum – mehr oder weniger sicher – durchqueren können soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eloko sollen ausschließlich in den tiefsten Regenwäldern im Kongo leben. Dort wohnen sie angeblich in Baumhöhlen und hohlen Bäumen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legenden über die Biloko wurden früher ausschließlich mündlich weitergegeben. Daher ist es heutzutage wahrscheinlich unmöglich, den genauen Ursprung der Wesen zu bestimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber die Theorie, dass sie die Gefahr des Dschungels darstellen sollen. Sie könnten als eine Art Warnung dienen, sich nicht zu tief in den Urwald zu wagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem finde ich eine Sache besonders interessant: Obwohl die Biloko definitiv als physische Wesen bzw. Kryptide angesehen werden, sollen sie gleichzeitig die Geister der Ahnen sein. Der Legende nach sind die Seelen der Verstorbenen, die z. B. einen grausamen Tod oder eine mangelhafte Bestattung erleidet haben, in Form der Biloko als Monster auf die Erde zurückgekehrt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Biloko in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders bekannt dürften Biloko aus der Welt des Pen and Paper Rollenspiels „Pathfinder“ sein, wo sie als bösartige Monster auftreten. Außerdem gibt es sie ebenfalls in dem weniger bekannten Pen and Paper Rollenspiel „White Wolf“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus haben sie Auftritte in diversen Romanen wie z. B. „A Song Below Water“ von Bethany C. Morrow, „Bacchanal“ von Veronica G. Henry oder der „Dark Star“-Trilogie von Marlon James.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem kommen sie in dem Jagd-Videospiel „theHunter: Call of the Wild“ bzw. in der Questreihe des DLC „Vurhonga Savanna“ vor, und es gibt einige Lieder über sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Biloko? Und wie würdet ihr reagieren, wenn ihr im tiefsten Regenwald eine Glocke hört? Würdet ihr versuchen, herauszufinden, wo das Geräusch herkommt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Hairy Hands of Dartmoor – Sie sind in deinem Auto!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Dann plötzlich schnallte Samuel sich bei voller Fahrt ab. Er rollte das Fenster runter. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände!“, schrie er in die Dunkelheit. „Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f43959949ce843a69b5e6769e0e4fd82" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">The Hairy Hands of Dartmoor ist eine Legende aus England. Sie handelt von einem Phänomen, das bereits zu diversen Auto- und Motorradunfällen auf der B3212 geführt haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sonne näherte sich bereits dem Horizont, als wir durch Dartmoor fuhren. Mein Mann Samuel war früher oft hier gewesen. Er hatte in der Nähe in einer Autowerkstatt gearbeitet. Für mich hingegen war es mein erster Besuch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Beifahrerfenster war halb heruntergelassen. Ich hielt mein Gesicht in den Fahrtwind. Gleichzeitig beobachtete ich einige Schafe, die auf den grünen Wiesen herumtollten, sich in die Schatten der wenigen Bäume drängten oder genüsslich am Grasen waren. Es war ein wirklich schöner Sommertag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war aber nicht der Grund, warum wir hier waren. Zumindest war es nicht der Grund, warum Samuel hier war. Er wollte mir oder vielleicht auch sich selbst etwas beweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor er damals aus der Gegend weggezogen war, hatte er einen Autounfall gehabt. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen – ihm war nichts passiert und die Versicherung sprang für den größten Schaden ein –, hätte es sich nicht um das Auto eines Kunden gehandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie eine Autowerkstatt darauf reagiert, wenn ein Angestellter bei einer Testfahrt ein Kundenauto zu Schrott fährt. Und wenn besagter Angestellter dann auch noch behauptet, es sei ein paranormales Phänomen gewesen, das ihn von der Straße gedrängt habe …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Läuft die Kamera, Katie?“, fragte Samuel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. Dann drehte ich mich zum Rücksitz, um die Kamera einzuschalten. Wir hatten sie so angebracht, dass sowohl mein Mann als auch das Lenkrad gut auf dem Bild zu sehen waren. Gerade das Lenkrad war Samuel sehr wichtig gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kamera läuft“, erklärte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was darauf folgte, waren die wohl langweiligsten Stunden meines Lebens. Am Anfang genoss ich es noch, beobachtete weiter die Felder, sah dem Himmel dabei zu, wie er sich langsam rot färbte und dann allmählich dunkel wurde. Aber wenn man mehrere Stunden dieselben 4 Meilen auf der B3212 zwischen Postbridge und Two Bridges hin und her und hin und her und hin und her fuhr, wurde selbst die schönste Natur irgendwann langweilig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch unser Gesprächsstoff war uns schon lange ausgegangen, weshalb wir nur noch schweigend nebeneinandersaßen und um die Wette gähnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht sollten wir langsam in den Gasthof fahren“, schlug ich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Samuel blieb stur. „Bitte, Katie, nur noch ein paar Mal. Irgendwann müssen diese verdammten Hände doch auftauchen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oh. Stimmt. Das hatte ich ja noch gar nicht erzählt. Der Grund, warum mein Mann hier war. Es geht um die sogenannten Hairy Hands of Dartmoor. Sie sollen auf der B3212, auf der wir nun schon seit Stunden auf und abfuhren, ihr Unwesen treiben. Dabei handelt es sich um zwei geisterhafte Hände, die angeblich plötzlich an den Lenkrädern von Autos oder den Lenkstangen von Motorrädern auftauchen, die die B3212 entlangfuhren. Sie kämpften mit den Fahrzeugführenden um die Kontrolle über den Lenker, bis das Fahrzeug in den meisten Fällen verunglückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch das Gesicht von Samuels Chef also sicher vorstellen, als er das als „Ausrede“ für seinen Unfall nannte. Und auch mein Gesicht war wohl nicht besser gewesen. Aber Samuel beharrte seit dem Vorfall darauf, dass er die Wahrheit gesagt habe.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schafe waren inzwischen in ihre Nachtruhe übergegangen. Sie schreckten nicht einmal auf, wenn wir mit dem Auto direkt an ihnen vorbeifuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss schon sagen, dass die Straße sehr eng war. Und auch die zahlreichen Hügel, wie der, den wir gerade hinauffuhren, schränkten deutlich die Sicht ein. Bis man an der Spitze war, hatte man keinerlei Einblicke auf eventuelle Hindernisse oder den Gegenverkehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders hinterlistig war die Stelle, der wir uns jetzt näherten. Direkt hinter dem Hügel war eine scharfe Linkskurve, die auf eine einspurige Brücke führte. Wenn man hier nicht aufpasste, konnte das sicher schnell zu einem Unfall führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn man die Gegend kannte, aufmerksam blieb und sich an die 40 Meilen pro Stunde – etwa 64 km/h –, hielt, war die Strecke eigentlich unbedenklich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Moment achtete ich aber gar nicht mehr auf die Straße. Ich hatte meinen Kopf an die Scheibe gelehnt und betrachtete gelangweilt den Sternenhimmel, den ich vorhin noch als atemberaubend bezeichnet hatte. Aber auch ihm wurde ich inzwischen überdrüssig. Gerade würde ich auf jeden Fall nichts lieber tun, als mir die Beine zu vertreten, ehe ich mich mit einer Tasse Tee oder vielleicht einem kalten Bier in irgendein gemütliches Etablissement setzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warum passiert denn nichts?“, schimpfte Samuel leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das</em> fragte ich mich allerdings auch. Wieso gab er es nicht endlich auf?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich schnallte Samuel sich bei voller Fahrt ab. Er rollte das Fenster runter. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände!“, schrie er in die Dunkelheit. „Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu allem Überdruss trat er auch noch das Gaspedal voll durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wurde nach hinten in den Sitz gedrückt. „Samuel! Fahr langsamer!“, schrie ich ihn an, während ich mich mit der linken Hand an der Autotür und der rechten im Sitz festkrallte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber mein Mann dachte gar nicht daran. Er donnerte mit über 150 Sachen über den Asphalt. Bei einigen Hügeln kam es mir sogar so vor, als würden die Reifen den Boden verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte Todesangst. Und auch ein Auto, das uns entgegenkam, fuhr fast in den Graben. Es war wie wild am Hupen, während wir daran vorbeirasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei jedem Hügel und jeder kleinsten Kurve sah ich mein Leben an mir vorbeiziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zum Glück dauern 4 Meilen mit 150 km/h nicht sonderlich lange. Nach etwa zwei Minuten purem Adrenalinrausch wurde Samuel endlich langsamer. An der gewohnten Stelle setzte er zum Wenden an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Halt an!“, kreischte ich jetzt. „Halt sofort den Wagen an!“ Ich klammerte mich noch immer im Auto fest. Mein Herz raste. Meine Atmung ging so stoßweise, dass ich Angst hatte, nicht genug Sauerstoff zu bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück hörte Samuel diesmal auf mich. Noch bevor er den Wagen ganz gehalten hatte, schnallte ich mich ab, öffnete die Autotür und stieg mit zittrigen Knien aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was machst du?“, fragte Samuel laut. „Katie, wo willst du hin?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich geh zurück zum Hotel!“, schrie ich ihn an. „Aber zuerst brauch ich ein kaltes Bier, um meine Nerven zu beruhigen!“ Mit noch immer zittrigen Beinen stapfte ich am Wegesrand entlang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Samuel holte mich ein. Er fuhr in Schrittgeschwindigkeit neben mir her. „Katie, es tut mir leid“, entschuldigte er sich. „Bitte. Steig wieder ein. Wir fahren zusammen zurück zum Hotel. In einer normalen Geschwindigkeit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur zögerlich stieg ich zurück in sein Auto. Aber tatsächlich hielt er sich daran. Es dauerte nicht lange, bis wir mit je einem kühlen Bier im Barbereich unseres Hotels saßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was hast du dir dabei eigentlich erhofft?“, fragte ich. „Wie ein Wahnsinniger über die Straße zu brettern. Selbst, wenn wir mal annehmen, dass die Hände echt wären …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie sind echt!“, unterbrach er mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gut. Selbst, wenn die Hände echt sind, was hättest du dann getan, wenn sie dir ins Lenkrad gegriffen hätten? Den Unfall hätten wir beide nicht überlebt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin wurde Samuel sehr still. „Tut mir leid“, sagte er leise. „Ich hab nicht nachgedacht.“ Er nahm einen großen Schluck von seinem Bier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber während unsere Stimmung am Anfang noch angespannt war, wurden wir mit steigendem Alkoholpegel immer lockerer. Wir waren nicht wirklich betrunken, aber das Bier half uns, zumindest etwas besser drauf zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hättest damals dabei sein müssen!“, erklärte er. „Ich hab mega Schiss gehabt, als da plötzlich diese Hände an dem Lenkrad waren!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste allerdings noch immer nicht, ob ich ihm glauben sollte. Normalerweise schwieg ich darüber, aber heute machte mich das Bier etwas leichtsinniger. „Und das hatte sicher nichts damit zu tun, dass du eine Testfahrt in einem Sportwagen machen solltest und etwas schnell gefahren bist?“, hakte ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was willst du damit sagen?“ Samuel sah fast wütend aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja … wäre es nicht vielleicht … ganz eventuell … theoretisch möglich, dass du dich geirrt hast?“, fragte ich. „Vielleicht war es auch ein Sekundenschlaf. Kann man dabei träumen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Samuel wollte davon nichts hören. „Sag mal, spinnst du jetzt?“, fuhr er mich an. „Bisher konnte ich mich wenigstens immer auf dich verlassen. Auf meine eigene Frau. Wieso fällst du mir jetzt in den Rücken?“ Wütend sprang er auf und ging Richtung Ausgang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Baby! So war das nicht gemein!“, rief ich ihm nach. „Warte doch!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber er wurde nicht einmal langsamer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch kramte ich einige Scheine aus meinem Portemonnaie und drückte sie dem verdutzten Mann an der Bar in die Hand. Dass ich dabei ein etwas zu großzügiges Trinkgeld gab, war mir im Moment egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell rannte ich Samuel nach. Er war aber nicht auf dem Weg in unser Zimmer, wie ich erst gedacht hatte, sondern ging nach draußen zu den Parkplätzen. Er wird doch nicht …?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sprintete ihm hinterher nach draußen. Tatsache: Samuel saß wieder am Steuer seines Autos. Der Motor lief bereits.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Samuel, Stopp!“, schrie ich ihn an. „Du bist betrunken! So darfst du nicht fahren!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gut. Betrunken war vielleicht das falsche Wort. Aber er war auf alle Fälle angetrunken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch entweder hörte mein Mann mich nicht, oder er wollte mich nicht hören. Er warf mir bloß einen fast schon genervten Blick zu, ehe er mit quietschenden Reifen zurück Richtung B3212 losraste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war das letzte Mal, dass ich Samuel lebend gesehen hatte. Wir waren in einem Streit auseinandergegangen. Innerhalb der nächsten Minuten baute er einen tödlichen Unfall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht, woran es lag. Daran, dass er aufgebracht Auto fuhr, oder am Alkohol. Vielleicht sogar eine Mischung aus beidem. Ich gab mir die Schuld. Und es sollte noch viele Jahre dauern, bis ich mir verzeihen konnte. Warum hatte ich damals nicht einfach die Klappe gehalten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war zumindest, bis ich mir die Aufnahmen von jenem Abend noch einmal ansah. Es war ein sentimentaler Moment. Ich wollte meinen Ehemann wiedersehen. Also sichtete ich diverse Stunden Filmmaterial und unzählige SD-Karten, die ich je während der Fahrt ausgetauscht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tränen rannen mir über die Wangen, als ich den Moment noch einmal erleben musste, als Samuel die Beherrschung verlor. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände! Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ die folgenden Minuten im Schnelldurchlauf über den Monitor laufen, wollte nicht noch einmal sehen, wie wir uns stritten, ehe er uns zur Kneipe fuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich gerade dachte, die Aufnahme sei zu Ende, folgte völlig unerwartet ein weiteres Bild. Es zeigte Samuel, der die Kamera einschaltete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammtes Drecksding, geh an!“, grummelte er. Er klang angetrunken. „Geht doch.“ Dann wandte er sich wieder der Straße zu. Ohne sich anzuschnallen – diesmal hatte er es wahrscheinlich wirklich vergessen – fuhr er los. Es folgte die vertraute Strecke, die ich heute bereits unzählige Male gesehen hatte. Obwohl … Bei der Dunkelheit sah ich die Straße kaum. Es gab dort keine Straßenlaternen, weshalb das einzige Licht Samuels Scheinwerfer waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Auto fuhr viel zu schnell. Irgendwann geriet Samuel von der Straße ab. Kurz darauf überschlug sich das Auto mehrere Male. Die Kamera löste sich aus der Halterung und die Aufnahme brach ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte jetzt jedoch mit gerunzelter Stirn auf den Bildschirm, hatte nicht einmal weggesehen, als mein Mann den tödlichen Unfall baute. War da gerade …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell spulte ich zurück bis kurz vor dem Unfall. Ich drückte auf Play. Diesmal pausierte ich aber, kurz bevor Samuel von der Straße abkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig starrte ich das Standbild an. Dort, direkt neben Samuels eigener, befand sich eine zweite linke Hand am Lenkrad. Sie hatte keinen Arm, an dem sie befestigt war. Außerdem war sie unglaublich haarig.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Hairy Hands of Dartmoor (Englisch für „Die Haarigen Hände von Dartmoor“), manchmal auch „The Hairy Hands of Devon“ oder nur „Hairy Hands“ genannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> aus Dartmoor, einem Nationalpark in Devon, England.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende zufolge soll, besonders im 20. Jahrhundert, ein Paar haarige körperlose Hände zu mehreren Auto- und Motorradunfällen in der Gegend geführt haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt zwei Arten von Begegnungen mit den Hairy Hands of Dartmoor. Bei der einen sind die Hände unsichtbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sind die Hairy Hands hingegen sichtbar, so soll es sich laut Augenzeugen um eine oder zwei große haarige Hände handeln, die körperlos an dem Lenker, Lenkrad oder der Scheibe erscheinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall werden sie als menschlich oder menschenähnlich beschrieben, ich habe aber auch einen Augenzeugenbericht gelesen, in dem es hieß, dass sich zwei haarige Pfoten um den Lenker gelegt hätten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Hairy Hands of Dartmoor entstanden sein sollen, unterscheidet sich je nach Version der Legende. Bei meiner Recherche habe ich drei Versionen gefunden, die wohl sehr geläufig sein sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Version sollen die Hairy Hands selbst der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> eines Verunglückten sein, der auf derselben Straße, wo sie erscheinen, gestorben sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der zweiten Version handele es sich bei ihnen um den Geist eines (meist geisteskranken) Häftlings, der im nahegelegenen His Majesty’s Prison Dartmoor gestorben sein soll. Das HMP Dartmoor war eine der ältesten Haftanstalten Englands, ehe es im Jahr 2024 geschlossen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dritte Version der Legende bezieht sich hingegen auf eine Pulverfabrik, von denen es einige in Dartmoor gab. Angeblich sei es darin eines Tages zu einer Explosion gekommen, bei der einer der Arbeiter gestorben sei. Es seien nur seine großen haarigen Hände übriggeblieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hairy Hands of Dartmoor tauchen fast ausschließlich während der Fahrt in einem Auto oder auf einem Motorrad auf. Es gibt aber auch zwei Berichte, bei denen sie bei einem stehenden Fahrzeug gesehen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie während der Fahrt auftauchen, sollen sie jedenfalls dem Fahrenden ins Lenkrad bzw. den Lenker greifen und versuchen, ihn von der Straße abzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei gab es verschiedene Berichte von unsichtbaren Händen, die am Lenker gezerrt haben, aber auch von sichtbaren haarigen Händen, die plötzlich am Lenkrad oder über den Händen der Fahrenden aufgetaucht sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald man es schafft, das Fahrzeug anzuhalten, oder einen Unfall baut, sollen die Hände wieder spurlos verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll es vorkommen können, dass das Fahrzeug beim Erscheinen der Hände plötzlich beschleunigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt gibt es darüber hinaus mindestens zwei Berichte, in denen die Hände bei einem stehenden Fahrzeug aufgetaucht sind. Mehr dazu erfahrt ihr unter Ursprung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">The Hairy Hands of Dartmoor sollen ausschließlich im Nationalpark Dartmoor auftauchen. Fast alle Berichte erzählen davon, dass sich die Vorfälle auf der B3212 zugetragen haben sollen, besonders im Abschnitt zwischen Postbridge und Two Bridges.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste bekannte Begegnung mit den Hairy Hands of Dartmoor passierte im Juni 1921. Damals fuhr Dr. Ernest Hasler Helby, ein Doktor im nahegelegenen Gefängnis HMP Dartmoor, am Abend mit seinem Motorrad die B3212 entlang, als er plötzlich von der Straße abgekommen ist. Im Beiwagen des Motorrads saßen seine beiden jungen Töchter. Seinen Töchtern zufolge habe er auf einmal angefangen, über die Kontrolle mit dem Lenker zu kämpfen, woraufhin er sie anschrie, dass sie abspringen sollen. Dr. Helby hat den Unfall nicht überlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch im selben Jahr gab es zwei weitere unerklärliche Unfälle. Bei einem hat ein Busfahrer die Kontrolle über seinen Bus verloren – angeblich habe es sich so angefühlt, als würde jemand den Lenker beiseite reißen –, bei dem anderen soll ein Motorradfahrer die Kontrolle verloren haben. Die Person auf dem Soziussitz (dem „Rücksitz“ eines Motorrads) berichtete, dass sie eine große haarige Hand am Lenker gesehen habe, während der Fahrer um die Kontrolle kämpfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend sollen mehrere Zeitungsartikel über die Vorfälle veröffentlicht worden sein. Es soll sogar einen Artikel in einer Londoner Zeitung gegeben haben. So haben die Hairy Hands of Dartmoor schließlich nationale Bekanntheit erreicht. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis es weitere angebliche Vorfälle gab. Die meisten von ihnen liefen ähnlich ab, wie die bisherigen Unfälle. Auch heutzutage soll es noch zu solchen Vorfällen kommen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zwei Fälle bei stehenden Autos:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Ereignisse stechen jedoch hervor: 1924 soll ein campendes Ehepaar in der Gegend eine Begegnung mit den Hairy Hands gehabt haben, jedoch nicht während der Fahrt. Die Ehefrau ist nachts wach geworden, soll eine haarige Hand am Wohnwagenfenster gesehen haben, die laut ihrer Aussage, ihr und ihrem Mann etwas Böses antun wollte. Sie machte ein Kreuzzeichen mit den Fingern und die Hand sei verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein ähnlicher Fall trug sich 1962 zu, als eine Frau auf der Straße anhielt, um auf die Karte zu sehen. Als sie von der Karte aufsah, habe sie zwei haarige Hände gesehen, die sich von außen an ihre Windschutzscheibe gepresst hätten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Erklärungsversuche:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gibt es auch viele nicht-übernatürliche Erklärungsversuche, wieso es zu den zahlreichen Unfällen auf der B3212 gekommen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum einen hat die Straße zwei scharfe Kurven, die gerade Touristen und ortsfremde Personen häufig unterschätzen (es ist sogar möglich, dass es früher noch mehr Kurven gab, bis die Straße irgendwann ausgebessert wurde). Sie fahren zu schnell auf der engen, nicht beleuchteten Straße, weshalb es zu den zahlreichen Unfällen käme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Erklärungsversuch hat mit dem Zustand der Straße zu tun, der nicht an allen Stellen optimal sei. Straßenschäden, Hubbel und Absenkungen im Asphalt sollen auf der B3212 keine Seltenheit gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschwerend kommt zu diesen beiden Erklärungen hinzu, dass es aufgrund der Landschaft in Dartmoor oft Nebel gibt, der die Sicht auf die Straße beeinträchtigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Hinweis, dass einer oder wahrscheinlich eine Kombination dieser Faktoren tatsächlich Schuld an den vermehrten Unfällen sein dürfte, ist, dass die Unfälle nach einigen Reparaturen und Ausbesserungen der Straße deutlich abgenommen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings erklärt natürlich nichts hiervon die optische Erscheinung der haarigen Hände, von denen viele Verunglückte berichtet haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Hairy Hands of Dartmoor in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt einen 12-minütigen Kurzfilm namens „The Hairy Hands“ (2010), geschrieben und produziert von Ashley Thorpe, der von der Legende handelt. Ich würde ihn allerdings fast schon als Kunstfilm einordnen, aufgrund der Art, wie er gedreht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus gibt es die „Audio Experience“ Hairy Hands FM, die ihr selbst mit eurem Smartphone und einem Paar Kopfhörer erleben könnt. Ich würde jedoch nicht unbedingt sagen, dass ich sie empfehlen kann, da sie meiner Meinung nach weder sonderlich gut gemacht noch in irgendeiner Weise akkurat in Bezug auf die tatsächliche Legende ist. Falls ihr trotzdem etwa 20 Minuten eurer Zeit dafür opfern wollt, findet ihr sie <a href="https://chronicinsanity.itch.io/hairy-hands-fm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es diverse YouTube-Videos und Podcasts, die sich mit der Legende beschäftigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Auftritte der Hairy Hands of Dartmoor in Filmen, Serien oder Videospielen sind mir jedoch nicht bekannt. Solltest du irgendetwas in die Richtung kennen, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Hairy Hands of Dartmoor? Glaubt ihr, an der Legende könnte etwas dran sein? Oder sind eher die Straßenlage und Fehler von den Fahrzeugführenden schuld? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Phantom Trapper of Labrador – Die Legende von Old Smoker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend. Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/4b74196a71c244f18cab9546f875800a" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">The Phantom Trapper of Labrador ist eine bekannte kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geistergeschichte</a>. Da der Phantom Trapper nur auftauchen soll, wenn es schneit, habe ich mich entschieden, damit die diesjährigen Winter-/<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">Weihnachtsgeschichten</a> einzuleiten. Aber keine Sorge: Der nächste Beitrag handelt von einer tatsächlichen Weihnachtslegende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Dein Ernst, Olivia?“, fragte mein Bruder. Er sah mich entgeistert an. „Du hast noch nie von The Phantom Trapper of Labrador gehört?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „Wieso? Muss ich den etwa kennen?“, fragte ich kleinlaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja!“, platzte mein Bruder hervor. „Du kannst nicht in Labrador leben, ohne je von Ol&#8216; Smoker gehört zu haben. Er ist hier fast so berühmt wie der Weihnachtsmann!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rutschte nervös auf der Bettkante hin und her. Ich hasste Geistergeschichten, doch in dem Moment kam mir die Aussage von meinem Bruder schlüssig vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich nicht widersprach, setzte mein Bruder ein Grinsen auf. „Ol&#8216; Smoker, oder Esau Gillingham, wie er eigentlich hieß, war einst ein berüchtigter Verbrecher. Er war ein Trunkenbold, schlug Frauen und auch Kinder, wie dich. Aber er war auch ein begabter Fallensteller und Fellhändler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer, wenn er auf seinem Hundeschlitten in die Städte und Dörfer kam, wandten die Polizisten ihre Blicke ab. Sie taten so, als würden sie ihn nicht erkennen, weil er die feinsten und schönsten Felle mitbrachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, wenn er all seine Felle verkauft hatte, begann er, das verdiente Geld in der nächsten Taverne zu versaufen und in seinem betrunkenen Zustand Frauen zu belästigen. Dann vertrieb man ihn mitsamt seinem Hundeschlitten wieder aus der Gemeinde, bis er irgendwann mit seinen schönen Fellen zurückkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ging das die ganze Zeit. Einige Leute sagen auch, er braute nebenbei seinen eigenen Alkohol. Ein billiges Gesöff namens Smoke, das er an die Leute verkaufte. Daher soll auch sein Spitzname Ol&#8216; Smoker kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Alkohol war allerdings so schlecht hergestellt, dass er die Menschen vergiften konnte. Einige sollen sogar blind geworden sein. Der Fallensteller war also ein richtiges Ekel. Er kümmerte sich nur um sich selbst. Die anderen waren ihm völlig egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch während die Leute bei seinen bisherigen Verbrechen beide Augen zudrückten, um nicht auf seine edlen Felle verzichten zu müssen, ging er mit seinem Alkohol zu weit. Sie mochten es nicht, dass er ihre Nachbarn vergiftete. Und so folgten sie ihm eines Tages zu seiner Destille im Wald, wo er seinen Smoke braute. Sie zerstörten sie und nahmen Ol&#8216; Smoker gefangen. Er landete ein ganzes Jahr im Gefängnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber selbst im Kittchen blieb Ol&#8216; Smoker nicht untätig. Er schmiedete einen neuen Plan, machte sich Gedanken über seine Zukunft. Und so wusste er genau, was er zu tun hatte, als er wieder auf freiem Fuß war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst besorgte er sich weiße Huskys. Acht treue Hunde mit schneeweißem Fell. Keine Ahnung, ob er sie gestohlen, mit seinem angesparten Geld gekauft oder sie erbettelt hat. Danach baute er seine Destille wieder auf. Wieder begann er, seinen giftigen Smoke herzustellen, um ihn unter die Leute zu bringen. Diesmal malte er die Destille jedoch weiß an, damit sie im Schnee nahezu unsichtbar war – zumindest während sie nicht in Betrieb war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dasselbe tat er mit seinem Schlitten. Und sogar seine Felle, aus denen seine Kleidung bestand, tauschte er Stück für Stück gegen weiße Felle aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn er jetzt auf seinem Schlitten durch den Schnee raste, war er fast perfekt getarnt. Wann immer man versuchte, ihn zu verfolgen, verloren die Leute ihn und seine weißen Hunde schnell aus den Augen. Und so soll er noch viele Leute mit seinem Alkohol vergiftet haben, während er ihnen das letzte Geld aus den Taschen zog.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder machte eine dramatische Pause. Ich sah ihn erleichtert an. Ließ meine baumelnden Füße vor und zurück schwingen. Fast war ich erleichtert. Bisher fand ich die Geschichte nicht wirklich gruselig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch grinste mein Bruder mich wieder breit an. „Das ist aber noch nicht alles“, fuhr er fort. „Ich hab dir noch gar nicht erzählt, wie Ol&#8216; Smoker zum Phantom Trapper von Labrador wurde. Denn das geschah erst nach seinem Tod.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand weiß genau, wie der alte Fallensteller gestorben ist. Ob die Bewohner ihn doch irgendwann erwischt haben, er mit seinen Hunden im Schnee erfroren ist oder sich an seinem eigenen Smoke vergiftet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber eigentlich ist es auch egal. Wichtig ist nur, dass seine verdorbene Seele auch nach seinem Tod die Erde nicht verlassen hat. Es heißt, dass du manchmal im Wind das Bellen von Hunden hören kannst, das Knallen seiner Peitsche. Kurz darauf setzt ein schlimmer Schneesturm ein. Wenn du mich fragst, bringt Ol&#8216; Smoker den Sturm. Er will, dass du dich im Schnee verirrst, damit er dich packen und auf seinen Schlitten ziehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du also jemals draußen unterwegs bist und das Bellen seiner Hunde hörst, solltest du rennen. Denn wenn du die weißen Huskys siehst und seinen weißen Schlitten, kann es bereits zu spät sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt baumelten meine Beine nicht mehr. Meine Erleichterung war zu einem verkrampften Magen geworden. Ich schluckte schwer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich jedoch nicht wusste, war, dass mein Bruder einige wichtige Details weggelassen hatte. Er hatte mir nicht die ganze Geschichte erzählt, nicht die ganze Wahrheit hinter dem Phantom Trapper of Labrador.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirklich vergessen konnte ich die Geschichte nie. Ich hatte fast eine Woche lang Albträume von Ol&#8216; Smoker gehabt, wie er mich auf seinem weißen Schlitten holen wollte. Das war aber auch kein Wunder. Immerhin war ich damals erst sechs Jahre alt gewesen. Seitdem hatte ich die Legende aber, so gut es ging, verdrängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum sie mir jetzt, über neun Jahre, nachdem mein Bruder sie mir erzählt hatte, wieder in den Sinn kam? Ganz einfach: weil ich in der Ferne das Gebell von Hunden hören konnte. Der Wind trug die Geräusche zu mir rüber. Dann knallte eine Peitsche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wusste ich, dass es nicht der berüchtigte Fallensteller war. Er konnte es nicht sein. Es gab keine Geister. Ich glaubte schon seit Jahren nicht mehr daran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem vergrub ich mein Kinn tiefer in meinem Schal und beschleunigte meine Schritte. Es wurde allmählich spät. Egal ob Geist oder nicht, ich sollte aus dem Wald raus sein, ehe es zu dunkel wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder knallte die Peitsche. Wer auch immer da draußen auf seinem Hundeschlitten saß, schien es mindestens genauso eilig zu haben. Und das aus gutem Grund. Ein kräftiger Windstoß schlug mir ins Gesicht. Schneewehen wirbelten über den Weg vor mir. Sie hüllten alles in einen schwachen weißen Schleier. Es sah ganz danach aus, als wäre ein Schneesturm im Anmarsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er bringt den Sturm“, murmelte ich. Es war ein alberner Gedanke, aber war es nicht das, was mein Bruder damals gesagt hatte? Dass ein Schneesturm aufkommt, nachdem man Ol&#8216; Smoker in der Ferne gehört hat?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lachte ich nervös. „Jetzt beruhig dich mal, Olivia“, murmelte ich mir zu. „Du bist doch kein Kind mehr.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem beschleunigte ich meine Schritte noch weiter. Ich rannte jetzt durch den knirschenden Schnee. Aber das lag natürlich nur an dem aufkommenden Sturm. Nicht etwa an irgendeiner Geistergeschichte, vor der sich nur Kinder gruselten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich wurde ich langsamer. Ich näherte mich einer Weggabelung. Normalerweise wäre das kein Problem für mich. Ich spielte, seit ich laufen kann, in diesem Wald. Sonst hätte ich wahrscheinlich nur anhand der umstehenden Bäume erkannt, wo genau im Wald ich jetzt war. Die Schneewehen waren allerdings inzwischen so stark geworden, dass ich die Stämme nur noch als schemenhafte Umrisse im Weiß erkannte. Auch musste ich die Augen zusammenkneifen, da der eisige Wind inzwischen schmerzhaft in ihnen stach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Scheiße! Okay. Ruhig bleiben. Wo konnte ich sein? Mir fielen zwei Weggabelungen auf dem Weg nach Hause ein. Bei der ersten führte der linke Weg einige Kilometer tiefer in den Wald, ehe er bei einer verlassenen Sägemühle endete, und der rechte führte nach Hause. Wenn ich an besagter Gabelung allerdings schon vorbei war, würde der Weg links nach Hause führen, und der rechts lediglich zu einem Rundgang durch den Wald.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich biss mir auf die Unterlippe. Denk nach, Olivia. Denk nach!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kam jedoch nicht dazu, weiter darüber nachzudenken. Wieder ertönte das Bellen von Hunden. Waren sie nähergekommen? Aus welcher Richtung kamen sie? Ich hatte sie erst wieder gehört, als der Wind gedreht hatte, also kamen sie … Schnell wirbelte ich herum. Das Geräusch kam vom Weg hinter mir!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder knallte die Peitsche. Diesmal war das Geräusch so laut, so nahe, dass es mir einen Schauer über den Rücken trieb. Und das lag nicht nur an der untergehenden Sonne und der zunehmenden Kälte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem zwang ich mich, stehenzubleiben. Ich schluckte den Drang hinunter, wegzulaufen. Wenn das Geräusch aus dem Wald kam, musste der Hundeschlitten dem Weg folgen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er mich erreichte. Bestimmt konnte mir der Schlittenführer den richtigen Weg zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wartete ich. Ich schlang die Arme um meinen zitternden Körper, wippte auf den Füßen vor und zurück, um mich warm zu halten. Die Geräusche kamen näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem konnte ich außer dem Schneegestöber kaum etwas erkennen. Ich hatte ein paar Mal das Gefühl, Bewegungen in der Ferne zu sehen, aber dort war alles weiß. Es zeichnete sich keine dunkle Silhouette, kein Schlitten darin ab. Die Hunde klangen hingegen, als hätte der Schlitten mich fast erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann sah ich sie. Sie hatten helles Fell. Weiß auf Weiß. Kein Wunder, dass ich sie nicht erkannt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst war ich wie zu Eis gefroren. Dann jedoch löste ich mich aus meiner Starre und begann mit beiden Armen zu winken. Anfangs zögerlich, dann stärker. „Hallo!“, rief ich. „Der Sturm … Ich hab mich verirrt. Können Sie mir sagen, in welche Richtung es ins Dorf geht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte, wie ein Mann den Hunden einen Befehl zurief. Sofort wurden sie langsamer. Trotzdem ging ich einige Schritte beiseite, um ihnen nicht im Weg zu stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatten sie mich fast erreicht. Ungläubig sah ich mit an, wie acht weiße Huskys neben mir zum Stehen kamen. Ihr Gespann, das Holz, die Felle und sogar die Seile waren weiß. Oder waren sie nur von Schnee und reif bedeckt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Blick galt dem Schlitten. Es war einer dieser großen Hundeschlitten für den Transport, auf denen man nicht die ganze Zeit stehen musste. Auch er war weiß gestrichen. Das war jedoch nicht mein Hauptaugenmerk. Nein. Das galt dem Mann, der auf dem Schlitten saß. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Er hielt eine weiße Peitsche in der Hand. Und sogar die Felle, die ihn von Kopf bis Fuß umhüllten, waren reinweiß … Genau wie bei Ol&#8216; Smoker.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte, versuchte, ruhig zu bleiben. Als der Mann jedoch von seinem Schlitten stieg, sich zu seiner vollen Größe aufrichtete, gingen meine Nerven mit mir durch. Ich wirbelte herum und rannte ins Dickicht zwischen den Bäumen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier war der Schnee deutlich tiefer. Fast sofort sackte ich ein. Nun steckte ich bis über die Knie im Schnee. Eisige Kälte fraß sich durch meine Hose. Aber das ließ mich nicht innehalten. Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, als in mir vollends die Panik ausbrach. Ich schrie um Hilfe, kreischte, während ich versuchte, schneller voranzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tiefer und tiefer kämpfte ich mich in den Wald vor. Allmählich verlor ich das Gefühl in den Beinen. Der Wind wurde unterdessen immer stärker. Selbst meine dicke Jacke konnte mich nicht mehr gegen seine beißende Kälte schützen. Was ich dafür getan hätte, mich nur einen Augenblick hinzusetzen, mich auszuruhen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ehe ich jedoch ernsthaft darüber nachdenken konnte, nahmen meine Beine mir die Entscheidung ab. Sie waren inzwischen so kalt, dass sie sich steif und ungelenkig anfühlten. Ich verlor das Gleichgewicht, merkte, wie mein Oberkörper nach vorne kippte. Aber ich schaffte es dank des Schnees nicht, ein Bein vorzureißen, um den Sturz zu verhindern. Mit ausgestreckten Armen kippte ich in die Kälte. Ich spürte, wie sich Schnee zwischen Handschuhen und Jacke in meine Ärmel schob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war ich umgeben von Eis und Kälte. Mein Kopf war unter der Oberfläche. Mein Gesicht brannte vor Schmerz. Ich weiß nicht, ob ich jemals so gefroren hatte. Selbst bei einer kalten Dusche hatte ich mich noch nie so unterkühlt gefühlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem schaffte ich es nicht, mich aufzurappeln. Es war, als wäre sämtliche Kraft aus meinem Körper gewichen. Vielleicht sollte ich einfach aufgeben. Ich könnte hier liegenbleiben. Nur für eine Minute …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte den kräftigen Arm kaum, der mich aus dem Schnee hob, sah nur verschwommen, wie die Welt um mich herum sich bewegte, nahm nur am Rande meines Bewusstseins wahr, wie Ol&#8216; Smoker mich zurück zu seinem Schlitten trug. Er warf mich in einen Haufen aus weißen Fellen. Der Befehl, den er seinen Hunden zurief, kam mir weit entfernt vor. Dann setzte der Schlitten sich in Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb erschöpft zwischen den Fellen liegen. Fast schämte ich mich dafür, wie geborgen ich mich fühlte. Langsam kehrte die Wärme zurück. Ich spürte sogar meine Beine wieder, auch wenn sie nur aus Schmerz zu bestehen schienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber so gemütlich es auch war, ich konnte hier nicht bleiben. Das wusste ich. Also rappelte ich mich vorsichtig auf. Es war alles andere als einfach auf dem weichen Untergrund, während der Schlitten unregelmäßig hin und her schaukelte, meine Beine noch immer zitterten. Aber ich schaffte es. Gerade, als ich mich aus dem Schlitten in den Schnee stürzen wollte, packte mich jedoch eine Hand am Oberarm. Ich hatte unterschätzt, wie nahe Ol&#8216; Smoker mir tatsächlich saß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bleib sitzen“, brummte er mit tiefer Stimme, während er mich in die Felle zurückdrückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das tat ich. Ich fühlte mich völlig hilflos, war mir nicht einmal sicher, ob meine zittrigen Beine es ein zweites Mal geschafft hätten, aufzustehen. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich konnte nichts dagegen tun. Wahrscheinlich waren sie der Grund, warum ich die bunten Lichter nicht gleich erkannte, denen wir uns jetzt schnell näherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich mir die Tränen aus den Augen gewischt hatte, bemerkte ich, dass es Weihnachtsdekoration war. Sie hing an den Häusern, über der Straße und an einem großen Weihnachtsbaum, den ich deutlich in der Ferne erkennen konnte. Das war unser Dorf!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig sah ich mit an, wie wir ihm näher und näher kamen. Erst, als wir es fast erreicht hatten, rief der Schlittenführer wieder einen Befehl und die Hunde wurden langsamer. Wir blieben neben Miss Walshs Gemischtwarenladen stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell versuchte ich wieder, mich aufzurappeln. Aber der Fremde gab bloß ein Brummen von sich, stieg aus dem Schlitten und hob mich auf seine Arme. Mit schweren Schritten stapfte er Richtung Laden. Er drückte die Tür mit seiner Schulter auf und trat mit mir ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na das muss ja dringend sein, wenn Sie sich bei dem Wetter nach draußen wagen!“, hörte ich Miss Walshs Stimme. In ihr schwang ein Hauch Belustigung mit. „Also, was kann ich für Sie …“ Sie brach ab. Wahrscheinlich hatte sie mich bemerkt. „Du meine Güte! Olivia!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kümmern Sie sich um sie“, brummte der Fremde. Er trug mich zu einem Stuhl, der eigentlich zum Verkauf stand, und setzte mich auf das dünne Polster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Halbherzig lächelte ich Miss Walsh an. „Hey“, grüßte ich sie schwach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie reagierte gar nicht. Sie starrte bloß mit offenem Mund den Fremden an. Oder besser gesagt den Ort, wo der Fremde hätte sein müssen. Als ich mich zu meinem Retter umdrehte, war er verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig richtete ich mich auf, um besser sehen zu können, doch bis auf Walsh und mich war der Gemischtwarenladen menschenleer. Auf dem Boden waren nicht einmal nasse Fußabdrücke.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch meine Verwirrung sicher vorstellen. Miss Walsh erklärte sogar, dass der Mann sich einfach in Luft aufgelöst habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie war das möglich? War er tatsächlich Ol&#8216; Smoker gewesen? Der Geist, der zu Lebzeiten so bösartig gewesen war? Aber warum hatte er mich dann ins Dorf zurückgebracht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück hatte Miss Walsh dafür eine Erklärung. Denn wie ich schon sagte, hatte mein Bruder mir nicht die ganze Geschichte vom Phantom Trapper of Labrador erzählt. Nach seinem Tod, so erklärte Miss Walsh, soll Ol&#8216; Smoker nämlich der Zutritt zum Jenseits verwehrt geblieben sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem wandelt seine ruhelose Seele auf unserer Erde, um die Schuld, die er im Leben auf sich geladen hatte, wieder gutzumachen. Er warnt die Menschen vor schlimmen Schneestürmen und bringt sie sogar manchmal zurück in Sicherheit. Ich konnte also von Glück reden, dass der Geist des Verbrechers mich gefunden hatte, sonst wäre ich in jener Nacht wahrscheinlich erfroren.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Phantom Trapper of Labrador (englisch für „Der Phantom-Fallensteller von Labrador“), manchmal auch The Trapper’s Ghost („Der Geist des Fallenstellers“) genannt, ist eine kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> über einen phantomhaften Fallensteller auf einem Hundeschlitten. Sie ist die wahrscheinlich bekannteste Geistergeschichte der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Geist ist auch unter den Namen „Smoker“ („Raucher“) und „Ol&#8216; Smoker“ (Kurzform für „Old Smoker“, „alter Raucher“) bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Phantom Trapper of Labrador soll wie ein gewöhnlicher Mensch aussehen. Abgesehen von seiner etwas eigenartigen Kleidung, die ausschließlich aus weißen Fellen bestehen soll, sieht man ihm also nicht an, dass es sich bei ihm um einen Geist handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll er auf einem weißen Komatik – dem traditionellen Hundeschlitten der Inuit, der in Kanada auch heute noch oft genutzt wird – sitzen, der von mehreren schneeweißen Huskys gezogen wird. Die Anzahl der Huskys kann je nach Geschichte variieren, es ist jedoch meist von einer geraden Zahl zwischen 8 und 14 die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die rein weiße Erscheinung des Fallenstellers soll im Schnee nur schwierig zu erkennen sein – besonders, wenn es dunkel ist und/oder es einen Schneesturm gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem heißt es, dass weder seine Hunde noch er oder sein Schlitten Spuren im Schnee hinterlassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Hauptsächlich wird der Phantom Trapper of Labrador nur akustisch wahrgenommen. So hört man das Knallen einer Peitsche oder das Bellen von Hunden im Wind. Meist soll dies geschehen, kurz bevor ein Schneesturm aufkommt. Die Erscheinung des Fallenstellers warnt also die Bewohner vor einem bevorstehenden Sturm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltener kommt es vor, dass man den weißen Fallensteller auf seinem Schlitten sehen soll. Oft verlieren die Augenzeugen die im Schnee gut getarnte Gestalt aber schnell wieder aus den Augen. Auch hier soll kurz darauf ein heftiger Schneesturm aufkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist jedoch nicht das Einzige, was der Phantom Trapper of Labrador tut. Er warnt die Leute nicht nur, es gibt auch Erzählungen, in denen er Menschen vor einem Tod im Schnee gerettet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So soll es bereits vorgekommen sein, dass der Fallensteller verirrte Hundeschlittenführer zurück in die Zivilisation geführt hat. In den meisten Fällen sieht hierbei ein Bewohner den Hundeschlitten ankommen. Der Geisterschlitten, dem der Schlittenführer angeblich gefolgt sei, wurde von dem Bewohner hingegen nicht gesehen, obwohl er direkt an ihm vorbeigefahren sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Version der Legende besagt, dass eine Person – Geschlecht und Alter kann dabei variieren – sich in einem Schneesturm verlaufen hat. Geschwächt und völlig unterkühlt wird sie von einem in weiße Fälle gekleideten Mann auf einem weißen Hundeschlitten aufgelesen und in den nächsten Ort gebracht. Dort habe das Phantom ihn oder sie in ein Wirtshaus o. Ä. getragen und bei dem Kamin auf einen Stuhl gesetzt. Nachdem es den Wirt darum gebeten habe, sich um die Person zu kümmern, soll es sich in Luft aufgelöst haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">The Phantom Trapper of Labrador soll fast ausschließlich in der Provinz Neufundland und Labrador in Kanada gesichtet werden, von wo die Legende stammt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den genauen Ursprung der Legende ist nicht viel bekannt. Es gibt aber einige Theorien darüber, wer der geisterhafte Fallensteller zu Lebzeiten gewesen sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wohl verbreitetste Version besagt, dass er einst ein krimineller Fallensteller mit dem Namen Esau Gillingham gewesen sei. Über Esau Gillinghams Leben gibt es wiederum verschiedene Versionen. Die zwei bekanntesten möchte ich euch hier kurz vorstellen:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der unsympathische Fallensteller:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Version zufolge war Gillingham ein talentierter Fallensteller, der bei seinen Besuchen in den Städten und Dörfern die schönsten Felle mitbrachte, um sie den Bewohnern zu verkaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war auch der einzige Grund, warum er in den Orten geduldet wurde. Gillingham soll nämlich ein ziemliches Arschloch gewesen sein. U. A. soll er hitzköpfig gewesen sein, keine Manieren gehabt und Frauen schlecht behandelt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem er seine Felle verkauft und sein Geld in den Tavernen versoffen hat, wurde er deshalb kurz darauf wieder aus den Dörfern vertrieben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der erfolglose Fellhändler:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in dieser Version soll Gillingham sein Geld mit dem Verkauf von Fellen verdient haben. Er war dabei jedoch bei Weitem nicht so erfolgreich, weshalb er in Armut lebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Tages soll er jedoch genug Geld angespart haben, um sich davon eine eigene Destille kaufen zu können. Von dort an – so heißt es – habe er seinen eigenen Alkohol destilliert: Ein scheußliches Gebräu aus Kiefernzapfen, Zucker und Hefe, das unter dem Namen „Smoke“ bekannt geworden sei. Daher stamme auch sein Spitzname „Smoker“ bzw. „Ol&#8216; Smoker“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gillingham soll das billige Gesöff illegal an die Bewohner verkauft und so deutlich mehr Geld als mit seinen Fellen verdient haben. Dass der selbstgebraute Alkohol verdammt ungesund war und sogar bei einigen Leuten zu Wahnsinn oder Blindheit geführt haben soll, war Gillingham und seinen Kunden anscheinend egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann wurde Gillinghams Destille jedoch im Wald gefunden und – entweder von den Behörden oder einigen wütenden Anwohnern – zerstört. Gillingham landete daraufhin ein Jahr lang im Gefängnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Jahr im Knast hat Gillingham aber keinesfalls zu einem besseren Menschen gemacht. Als er wieder frei ist, besorgt er sich weiße Huskys, streicht seinen Schlitten weiß an und kleidet sich fortan nur noch in weiße Felle, um sich im Schnee zu tarnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch soll er seine Destille weiß gefärbt und ein weißes Fass voller Smoke an seinem Schlitten befestigt haben, um es unter die Leute zu bringen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Ende des Fallenstellers:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die genaue Todesursache von Gillingham ist unbekannt. Es gibt aber auch hier verschiedene Theorien, was geschehen sein könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal heißt es, der Ehemann einer der schlecht behandelten Frauen habe ihn erschossen. Manchmal sei er in einem Schneesturm umgekommen oder auf andere Weise ermordet worden. Und wieder andere Male sei er an seinem eigenen Alkohol verendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe auch davon gelesen, dass er in der Wildnis gestürzt sein soll, wobei er sich den Rücken brach und qualvoll gestorben sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie er auch gestorben ist, nach seinem Tod wurde ihm der Zugang zu Himmel und Hölle verwehrt. Er soll als Geist auf der Erde bleiben, um von nun an seine schlechten Taten wiedergutzumachen, indem er verirrten Menschen hilft und sie vor Schneestürmen warnt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternativer Ursprung:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch Leute, die behaupten, die Legende von Ol&#8216; Smoker sei bereits vor Esau Gillinghams Tod entstanden. Zwar habe ich keine Hinweise auf einen tatsächlichen Verbrecher mit dem Namen finden können, der im 19. oder 20. Jahrhundert in Kanada gelebt haben soll, ihnen zufolge sei die Geistergeschichte aber erst nach Gillinghams Tod mit ihm in Verbindung gebracht worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte an dieser Stelle jedoch gestehen, dass mir gerade die Zeit für eine wirklich tiefgreifende Recherche zu diesen Behauptungen fehlt (zumal ich fast nichts dazu finden konnte). Sollte ich den Beitrag in Zukunft überarbeiten, werde ich aber versuchen, mehr darüber in Erfahrung zu bringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Phantom Trapper of Labrador in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es zu Ol&#8216; Smoker viele Legenden gibt und er in Neufundland und Labrador sehr bekannt sein soll, habe ich nur wenige Auftritte des Geistes in der Popkultur gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gibt es den Roman „White Eskimo: A Novel Of Labrador“ (Englisch für „Weißer Eskimo: Ein Roman über Labrador“, 1972), der zwar nicht von dem Geist direkt, dafür aber von einer fiktiven Version von Esau Gillingham handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es das Lied „The Labrador Trapper’s Ghost“ („Der Geist des Fallenstellers aus Labrador“) von der Singer Songwriterin Emily Stewart (<a href="https://mondaymorning3ammusicclub.bandcamp.com/track/the-labrador-trappers-ghost" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier der Link zum Lied</a> auf bandcamp.com), das die Legende nacherzählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von The Phantom Trapper of Labrador? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie hättet ihr an Olivias Stelle reagiert? Hättet ihr versucht, zu fliehen oder den Fremden um Hilfe gebeten? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Carter Brothers – Sie wollen dein Blut!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich zu mir kam, saß ich in einem dunklen Zimmer. Mein Kopf dröhnte. Ich fühlte Stoff in meinem Mund. Aber als ich versuchte, den Lappen auszuspucken, merkte ich, dass er hinter meinem Kopf zusammengebunden war …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/0fffaa6db77e408b8c4844c67e3d59ad" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">The Carter Brothers ist eine Vampirlegende aus den USA. Es geht um ein kleines Mädchen, das in die Fänge der beiden <a href="https://geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Kreaturen</a> gerät. Aber lest selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Kindesentführung<br>
&#8211; Gewalt gegen Kinder<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Erfahrungen, die uns nie verlassen. Erfahrungen, die einige von uns in den Wahnsinn treiben können, während andere versuchen, ihr Leben normal weiterzuleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Name ist Ruth und ich hatte eine solche Erfahrung, als ich noch ein kleines Mädchen war. Damals hatte ich in New Orleans gelebt. Es war das Jahr 1932, die Zeit der Great Depression. Doch obwohl mein Vater wie unzählige andere seinen Job verloren hatte, gehörte ich zu den glücklicheren Kindern. Während viele meiner Mitschüler die Schule verlassen mussten, um zu arbeiten und ihren Eltern zu helfen, hatte meine Familie einige Rücklagen. Aber darum geht es in meiner Geschichte überhaupt nicht. Es geht darum, wie ich von den Carter Brothers entführt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein Tag wie jeder andere. Nach der Schule war ich wie immer in Miss Fergusons Schneiderei gegangen, um ihr auszuhelfen und so etwas Geld zu verdienen. Es war nicht viel, aber ich war froh über jeden Dollar, mit dem ich meine Eltern unterstützen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach machte ich mich auf den Heimweg, um zusammen mit meinen Eltern und meinen beiden Brüdern zu Abend zu essen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Himmel färbte sich bereits rosa, während die flachen Absätze meiner Schuhe über den gepflasterten Weg klackerten. Autos fuhren mit dröhnenden Motoren an mir vorbei. Es roch nach Abgasen und Industrie – einen Geruch, den ich aus Gewohnheit nicht mehr wirklich wahrnahm. Die Gesichter der Menschen, die mir entgegenkamen – Männer in schicken Anzügen und Frauen in mehrschichtigen Kleidern – waren ausdruckslos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz gesagt: Es war alles wie immer. Mein Heimweg war reine Gewohnheit für mich. Seit Jahren ging ich diese Straßen entlang, fünfmal die Woche, ohne dass je etwas passiert war. Ich achtete gar nicht mehr wirklich auf meine Umgebung. Und so sah ich den Arm nicht kommen, der plötzlich aus einer Seitenstraße schnellte. Er packte mich am Oberarm und riss mich in die Gasse. Ein kurzer spitzer Aufschrei war alles, was ich von mir geben konnte. Dann wurde mir auch schon ein nasser Lappen aufs Gesicht gedrückt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort stieg mir ein süßlich-künstlicher Geruch in die Nase. Er erinnerte mich an die Putzmittel, die meine Mom manchmal benutzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wehrte ich mich gegen meinen Angreifer. Ich trat und schlug um mich, versuchte, den Lappen von meinem Gesicht zu reißen. Aber der Mann – Wayne Carter, wie ich später erfuhr – hielt mich eisern fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis mir schwummerig wurde. Mit jedem Atemzug durch den stinkenden Lappen wurden meine Schläge kraftloser. Bald fing die Welt um mich herum an sich zu drehen. Kurz darauf verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich frage mich oft, warum die Carter Brothers ausgerechnet mich ausgesucht hatten. Ihr müsst wissen, dass ihre anderen Opfer ausschließlich Erwachsene waren. War es bloß Zufall gewesen? War ein anderes Opfer gestorben und ein Mädchen wie ich war ein leichtes Ziel gewesen? Eine günstige Gelegenheit, weil ich mich nicht gegen sie wehren konnte? Weil es nicht weiter auffiel, wenn ein Mann ein schlafendes Mädchen durch die Stadt trug? Ich wusste es nicht.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich zu mir kam, saß ich in einem dunklen Zimmer. Mein Kopf dröhnte. Ich fühlte Stoff in meinem Mund. Aber als ich versuchte, den Lappen auszuspucken, merkte ich, dass er hinter meinem Kopf zusammengebunden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Auch fielen mir jetzt die Seile auf, mit denen meine Arme an einen Stuhl gefesselt waren. Und auch meine Beine konnte ich nicht wirklich bewegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stieß panische Laute aus, erstickt von dem Knebel, warf den Kopf nach links und rechts. Dabei sah ich die anderen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Zimmer standen weitere Stühle. Sie waren – genau wie meiner – mit Schrauben am Boden fixiert. Doch was viel schlimmer war: In jedem der vier Stühle saß ein weiterer Mensch. Sie waren gefesselt und geknebelt, genau wie ich. Ein Mann etwa so alt wie Dad und drei Frauen in ähnlichem Alter. Aber da war noch etwas anderes: Ihre Handgelenke waren mit weißem Stoff umwickelt. Er war von roten Flecken durchzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was passierte hier nur? Mit einem erneuten Quieken versuchte ich, die Frau zu meiner Rechten auf mich aufmerksam zu machen. Aber sie sah nicht einmal auf. Obwohl ihre Augen offen waren, hing ihr Kopf schlaff herab. Würde ihre Brust sich nicht langsam heben und senken, hätte ich sie für tot gehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich hörte ich das Knallen einer Tür und eine Männerstimme aus dem Nebenzimmer. „… sind schon wieder gestiegen. Wer kann das alles noch bezahlen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder machte ich Lärm. Ich versuchte zu schreien, den Mann auf mich aufmerksam zu machen. Und tatsächlich: Die Tür öffnete sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mach dir keinen Kopf, John. Solange wir unsere Jobs nicht verlieren, müssen wir uns kein Sorgen machen“, sagte ein zweiter Mann, der jetzt den Raum betrat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlagartig wurde ich still. Es war der Mann, der mich in die Gasse gezerrt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum ersten Mal konnte ich meine Entführer richtig sehen. Sie sahen erschreckend normal aus. Zwei Männer im Alter von 30 oder 40 Jahren. Sie trugen schlichte Kleidung, beige Hemden und je eine braune Ballonmütze auf dem Kopf. Sie sahen aus, als wären sie völlig normale Dockarbeiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach so“, warf der erste Mann – John – ein, während er die Tür hinter sich schloss. „Die Anderen wollen am Samstag zum Boxen gehen. Harrison hat wohl eine Wette laufen. Sie haben gefragt, ob wir mitwollen. Hast du Lust?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der zweite Mann zuckte mit den Schultern, während er zu einem Tisch ging. „Weiß nicht“, erwiderte er. „Ich bin kein Fan von diesem sinnlosen Rumgeprügel.“ Er nahm irgendetwas von dem Tisch und begann, es mit einer Flüssigkeit zu säubern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, hab dich nicht so, Wayne. Gib dir einen Ruck. Das wird bestimmt lustig.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wayne zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich denk drüber nach.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation kam mir surreal vor. Bisher hatte mich keiner der beiden Männer auch nur eines Blickes gewürdigt. Sie unterhielten sich, als wären fünf Gefangene in ihrem Zimmer das normalste der Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann drehte Wayne sich zu mir um. Er war fertig damit, das Skalpell in seinen Händen zu desinfizieren. Mein Atem beschleunigte sich, während ich mit aufgerissenen Augen auf die Klinge starrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wayne sah zu John, während er auf mich zukam. Doch von dem kam keine Antwort mehr. Stattdessen hielt er einen glänzenden Kelch in der Hand und kam jetzt ebenfalls auf mich zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch sah ich zwischen ihnen hin und her. Was hatten sie vor?</p>



<p class="wp-block-paragraph">John erreichte mich als erster. Er löste mit geschickten Griffen das Seil um meinen linken Arm. Wollten sie mich gehenlassen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald mein Arm jedoch frei war, packte er wieder danach. Er hielt ihn fest, sodass ich ihn nicht mehr bewegen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun war auch Wayne bei mir. Er hielt das Messer vor sich, als wolle er mir drohen. Sein Blick war dabei stur auf meinen Arm gerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Entsetzen sah ich dabei zu, wie er die Klinge an meine weiche Haut führte. Ich versuchte, mich zu wehren, den Arm freizubekommen. Aber die Seile und John hielten mich zu sehr fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tränen schossen mir in die Augen. Ich wimmerte und versuchte wieder durch den Stoff zu schreien, ihn anzuflehen, mich in Ruhe zu lassen. Aber Wayne zögerte nicht einmal, da zog er mir die Klinge bereits durch das Handgelenk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort wurde mir wieder schwindelig. Blut lief in einem kleinen Rinnsal aus der Wunde, das John nun mit seinem Kelch auffing. Je mehr ich mich wehrte, desto mehr Blut schoss aus meinem Arm. Am liebsten hätte ich weggesehen, aber ich konnte es nicht. Mir war speiübel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war es vorbei. Wayne reichte das blutige Skalpell an John weiter, ehe er eine weiße Rolle Verband hervorkramte. Genauso routiniert, fast beiläufig, wie bei dem Schnitt mit dem Messer verband er mein Handgelenk. Der Verband drückte fest auf die frische Verletzung. Er griff nach dem Seil und schlang es mir um den Arm, ehe er es wieder verknotete. Das alles, ohne mir auch nur ein einziges Mal ins Gesicht zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich dasaß und weinte, gingen sie weiter zu der Frau neben mir. Sie entfernten die Fesseln ihres rechten Arms, ehe sie ihren Verband lösten. Ich sah jede Menge getrocknetes Blut und die kaum verheilte Wunde an ihrem Handgelenk. Auch bei ihr zögerten Wayne und John keine Sekunde, ehe sie die Wunde mit dem Skalpell wieder öffneten und ihr Blut in dem Kelch einfingen. Die Frau zeigte dabei fast so wenig Reaktion wie die Männer selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gingen die beiden einmal reihum. Die drei anderen Gefangenen reagierten ganz unterschiedlich. Eine der Frauen versuchte erfolglos, sich zu wehren, der Mann weinte und die andere Frau schloss die Augen und wiegte sich langsam vor und zurück, bis Wayne ihren Arm wieder verbunden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war der Kelch fast randvoll mit Blut. John und Wayne richteten sich auf, sie sahen einander an und lächelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Auf dich, Bruderherz“, sagte John, während er Wayne zuprostete. Er nahm einen kräftigen Schluck Blut, schien ihn richtig zu genießen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allein bei dem Gedanken dreht sich mir noch heute der Magen um. Ich sehe sein Gesicht noch immer vor mir, wie er genüsslich die Augen schließt, Blut an seinen Lippen, und die Flüssigkeit mit völlig zufriedener Miene herunterschluckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend gab er den Kelch an Wayne weiter. „Auf uns“, sagte dieser, ehe auch er aus dem Kelch trank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie unser Blut brüderlich geteilt hatten, nahmen sie den leeren Kelch mit ins Nebenzimmer, schlossen die Tür hinter sich und ließen uns in der dunklen Kammer allein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Anfang saß ich noch völlig angespannt auf meinem Stuhl. Ich achtete auf jedes Geräusch, das aus dem Nebenzimmer kam, wartete nur darauf, dass die Brüder zurückkamen. Aber das taten sie nicht. Für den Rest der Nacht ließen sie uns allein. Und so war ich, völlig erschöpft von den Ereignissen des Tages und noch immer angeschlagen von dem Narkosemittel und dem Schnitt in meinem Arm, bald eingeschlafen.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wachte erst wieder auf, als die Sonne durch die Vorhänge vor den Fenstern schien. Sie tauchte den Raum in ein schummriges Licht. Für einen kurzen Moment wusste ich nicht, wo ich war. Es war ein Moment des Friedens. Dann jedoch spürte ich den Schmerz in meinem Handgelenk und wurde gewaltsam in die Realität zurückgerissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Oberkörper war zur Seite gekippt, mein linker Arm verrutscht, sodass mir die Fessel in der Armbeuge hing. Sie saß locker. Ungläubig starrte ich das Seil an. Wenn ich den Arm soweit darin bewegen konnte, vielleicht konnte ich dann …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort zerrte und rüttelte ich an meinem Arm. Er bewegte sich. Langsam, aber sicher arbeitete ich die Fessel zurück Richtung Hand. Dabei spürte ich, wie ich mir die Haut an dem Seil aufrieb. Und auch die Wunde am Handgelenk riss wieder auf. Ich spürte, wie Blut aus dem Schnitt quoll. Aber das war mir egal. Es funktionierte. Nur noch wenige Zentimeter, dann war ich beim Handgelenk. Jetzt am Handrücken. Die schwierigste Stelle war der Daumen, wo meine Hand am breitesten war. Aber ich schaffte es. Mit einem Ruck zog ich das raue Seil über mein Daumengelenk und meine linke Hand war frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment starrte ich bloß meinen Arm an, als könne ich es selbst nicht glauben. Ich sah mich zu meinen Mitgefangenen um. Sie hatten es noch nicht bemerkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell machte ich mich daran, das Seil an meinem anderen Arm zu lösen. Es saß deutlich fester und war mit einem komplizierten Knoten versehen, wie ihn nur Seeleute kannten. Oder Dockarbeiter. Leider verstand ich das Prinzip dahinter nicht. Ich weiß nicht, wie lange ich tatsächlich daran saß, aber es kam mir vor wie über zehn Minuten, bis ich ihn endlich offen hatte. Dabei achtete ich die ganze Zeit auf alle möglichen Geräusche, irgendetwas, das mir verriet, dass die beiden Brüder zurückkamen. Aber im Haus blieb es still.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also widmete ich mich den Seilen um meine Beine. Mein Herz raste vor Aufregung. Wieder dauerte es gefühlte Ewigkeiten, auch wenn die zweite freie Hand definitiv half.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich gerade beim letzten Bein war, bemerkten mich eine der Frauen. Sie gab ein „Mhhh! Mhhhmhhh!“ von sich und machte so auch die anderen auf mich aufmerksam. Auch sie machten sofort Geräusche. Es brach ein wahres Konzert aus erstickten Schreien und Rufen aus. Sogar die Frau zu meiner Rechten sah mich aus erschöpften Augen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch riss ich mir den Knebel aus dem Mund. „Seid leise! Seid leise!“, flehte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie hörten nicht auf mich. Als hätten sie jegliche Vernunft verloren, schrien sie gedämpft weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam brach in mir Panik aus. Wenn sie so weitermachten, würden sie mich verraten! Ich zerrte und riss an dem Seil, zwang mich zur Ruhe, um den Knoten nicht wieder fester zu ziehen. Mein Puls dröhnte mir in den Ohren, während ich endlich eine Schlaufe aus dem Knoten zog. Ich zwängte meinen Zeigefinger hinein, zog an dem Seil und ich war frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort sprang ich auf. Für einen kurzen Moment drehte sich alles, dann bekam mein Kreislauf sich wieder ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein erster Instinkt war, den anderen zu helfen. Ich wandte mich der Frau zu, die mir am nächsten saß, ging einen Schritt auf sie zu. Dann jedoch fiel mein Blick auf ihre Augen. Sie waren noch immer völlig ausdruckslos, völlig ohne jegliche Hoffnung. Außerdem waren da noch ihre Fesseln. Wie lange würde es dauern, bis ich sie gelöst hatte? Hatte ich so viel Zeit? War sie überhaupt stark genug, selbst zu gehen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stolperte wieder rückwärts. „Ich … Ich hol Hilfe“, stammelte ich. Dann machte ich auf dem Absatz kehrt und rannte zu der Tür, durch die die beiden Männer letzte Nacht hereingekommen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die von Stoff erstickten Schreie meiner Mitgefangenen wurden lauter, panischer. Aber ich war zu feige, hatte zu viel Angst, dass die beiden Brüder zurückkamen, meinen Fluchtversuch vereitelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig spähte ich in das andere Zimmer. Es war ein Wohnzimmer, etwas altmodisch aber ansonsten nicht ungewöhnlich eingerichtet. Von den beiden Männern fehlte jede Spur. Also schlich ich weiter zur Eingangstür. Kurz hatte ich die Befürchtung, dass sie verschlossen sei. Aber sie ließ sich ohne Probleme öffnen. Nach einem kurzen Sprint durch ein Treppenhaus war ich auf der Straße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort stieg mir wieder der Industriegeruch in die Nase. Es war eine willkommene Abwechslung gegenüber dem süßlichen Gestank in der Wohnung. Trotzdem erlaubte ich mir keine Pause. Ich kannte die Gegend – es war die Ecke, an der die Royal Street und die St. Ann Street aufeinandertrafen. Mein Zuhause war vielleicht zehn Minuten von hier entfernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne weiter darüber nachzudenken, rannte ich los. Um diese Zeit waren die Straßen fast leer. Und die wenigen Menschen, die ich traf, ignorierten mich oder sahen mich bloß uninteressiert an, als ich versuchte, ihnen von den beiden Brüdern zu berichten, die mich und die vier anderen entführt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch bemerkte ich einen Polizisten, der mir entgegenkam. Ich rannte zu ihm und stellte mich ihm in den Weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte. Sie müssen mir helfen! Da waren zwei Männer. Sie haben mich entführt. Und es gibt noch vier andere. Sie brauchen Hilfe!“, schrie ich ihn an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Polizist musterte mich. Er ging in die Hocke, um mir besser ins Gesicht sehen zu können. „Na, meine Kleine. Hast du dich verlaufen?“ Er hörte mir gar nicht richtig zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“, protestierte ich. „Da waren zwei Männer. Sie haben unser Blut getrunken. Bitte, Sie müssen sofort mitkommen!“ Ich griff nach seinem Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei fiel sein Blick auf den blutigen Verband um mein Handgelenk. „Bist du verletzt?“, fragte er, endlich etwas mehr Ernst in seiner Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, aber das ist jetzt nicht wichtig. Den anderen geht es viel schlimmer als mir. Kommen Sie. Schnell!“, drängte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ganz schien er mir nicht zu glauben, aber nach kurzem Zögern erklärte er sich wenigstens bereit, mir zu folgen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte er ruhig ein Stück schneller gehen können, aber trotzdem standen wir kurze Zeit später vor der Wohnung meiner beiden Entführer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich öffnete die Tür. Dabei stieg mir wieder dieser eklige süßliche Geruch in die Nase. Ich verzog das Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Polizist hingegen war plötzlich in Alarmbereitschaft. Ohne, dass ich ihn erneut dazu auffordern musste, stürmte er in die Wohnung. „Hallo? Ist jemand da?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Raum da hinten!“, sagte ich bloß. Ich zeigte auf die Tür.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Tag habe ich nur noch verschwommen in Erinnerung. Ich weiß noch, wie der Polizist die anderen befreit hatte, ehe er auf die Straße gerannt war, um mit seiner Trillerpfeife nach Verstärkung zu rufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die anderen vier wurden, nachdem der Polizist uns befragt hatte, zusammen mit mir ins Krankenhaus gebracht. Soweit ich weiß, haben alle überlebt. Das heißt alle, die ich kennengelernt hatte. In einem Nebenzimmer lagen zwei Leichen, die die Carter Brothers nicht überlebt hatten. Sie waren auch für den Geruch in der Wohnung verantwortlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Carter Brothers selbst angeht, so habe ich von ihnen nur noch in der Zeitung gelesen. Mein Bruder verdiente sein Geld als Zeitungsjunge, daher bekamen wir sie gratis. Und auch, wenn ich mich vorher nie wirklich dafür interessiert hatte – es gab so viele schwierige Wörter und so lange Texte darin – bin ich seit meiner Entführung eine eifrige Zeitungsleserin geworden. Es gab kaum einen Tag, an dem ich die Seiten nicht mindestens durchblätterte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls wurden Wayne und John Carter noch am selben Tag verhaftet. Die Polizei wartete in der Wohnung, bis die beiden Brüder am Abend von ihrer Arbeit an den Docks nach Hause kamen. Wenn man den Zeitungen glauben konnte, brauchte es ganze acht Polizisten, um die beiden unscheinbaren Männer zu überwältigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ihres Prozesses berichteten die Brüder davon, Vampire zu sein, was zumindest ihre Eigenart erklärte, Blut zu trinken. Laut Polizei litten sie an Wahnvorstellungen. Die Brüder gaben ein umfangreiches Geständnis ab, weshalb sie schließlich zu Tode verurteilt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach las ich eine ganze Weile nichts mehr über sie. Der Fall schien in Vergessenheit zu geraten. Zumindest, bis man drei Jahre später einen Cousin in dem Familiengrab der Carters bestatten wollte. Von den Leichen der beiden Brüder fehlte jede Spur. Vielleicht war an ihrer Aussage, Vampire zu sein, ja doch etwas dran. Oder sie waren Leichendieben zum Opfer gefallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Tage später berichtete die Zeitung davon, dass sich eine gewisse Mildred Fisher, ein anderes Opfer der Carter Brothers, in eine psychiatrische Einrichtung einweisen ließ. Ich denke, dass sie die Frau mit dem ausdruckslosen Blick war, die mich noch manchmal in meinen Träumen verfolgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Erfahrungen, die uns nie verlassen. Erfahrungen, die einige von uns in den Wahnsinn treiben können, während andere versuchen, ihr Leben normal weiterzuleben. Ich kann aber sagen, dass es nicht immer einfach ist.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„The Carter Brothers“ (Englisch für „die Carter-Brüder“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus New Orleans, USA. Sie handelt von zwei Serienmördern, die sich selbst für Vampire gehalten haben oder tatsächlich welche gewesen sein sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Täter waren John und Wayne Carter – meist nur „the Carter Brothers“ genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie waren zwei Hafenarbeiter von durchschnittlicher Größe und Statur. Trotzdem sollen sie ungewöhnlich stark gewesen sein und regelmäßig Blut getrunken haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob sie tatsächlich Vampire gewesen sein sollen, ist nicht eindeutig geklärt. Zwar gibt es Hinweise darauf, andererseits hatten sie aber keine Probleme damit, bei Tageslicht an den Docks zu arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel mehr ist über die beiden nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1932 wurde in New Orleans ein unbenanntes Mädchen von den Carter Brothers entführt. Die Brüder fesselten sie an einen Stuhl in ihrer Wohnung – genau wie die anderen vier Opfer, die mit ihr im selben Zimmer saßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeden Abend, wenn die Carter Brothers in die Wohnung kamen, sollen sie ihr und den anderen Opfern einen Schnitt am Handgelenk zugefügt haben, aus dem sie das Blut in einem Gefäß gesammelt und anschließend getrunken haben. Dabei haben die Brüder angeblich kaum geredet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie fertig waren, verbanden sie die Schnitte und ließen die Opfer für die restliche Nacht in Frieden, nur um am nächsten Abend wiederzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei dem kleinen Mädchen haben die beiden jedoch einen Fehler gemacht: Sie haben die Fesseln, mit denen sie an den Stuhl gebunden war, nicht eng genug gezogen, sodass sie sich befreien konnte, während die Beiden bei der Arbeit waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Statt die anderen Opfer zu befreien, flieht sie nach draußen, wo sie einem Polizisten begegnet, während sie die Straße entlang rennt. Je nach Version spricht sie ihn an oder wird von ihm aufgehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie ihm panisch die Situation erklärt hat, folgt der Polizist ihr skeptisch zu der Wohnung, wo er die anderen Opfer sowie mehrere Leichen findet. Die Zahl der Leichen variiert dabei zwischen zwei bis zu „über ein Dutzend“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Polizist befreit die Opfer und ruft sofort Verstärkung, um den Carter Brothers aufzulauern. Die Carter Brothers werden am Abend festgenommen, als sie nichtsahnend von der Arbeit zurückkehren. An dieser Stelle heißt es oft, dass bis zu acht Polizisten nötig waren, um die ungewöhnlich kräftigen Männer zu überwältigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternativ können die Brüder entkommen, indem sie vom Balkon springen, werden jedoch am nächsten Tag bei ihrer Arbeit, zu der sie trotzdem zurückkehren, festgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe der Gerichtsverhandlungen werden die Carter Brothers schließlich zu Tode verurteilt und hingerichtet. Dabei sollen sie selbst gesagt haben, dass sie Vampire seien und weitere Unschuldige angreifen müssten, sollten sie freikommen. In einigen Versionen sollen sie sogar selbst um ihre Hinrichtung gebeten haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als einige Zeit später eine weitere Person im Familiengrab der Carters, wo auch die Carter Brothers liegen, bestattet werden soll, kommt es jedoch zu einer unheimlichen Entdeckung: Von den Leichen der Brüder fehlt jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich sollen die beiden Vampire noch heute durch die Straßen von New Orleans ziehen und neue Opfer suchen. Manchmal werden sie angeblich auch auf ihrem Balkon gesichtet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Opfer:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Verbleib der Opfer ist nicht viel bekannt. Es heißt jedoch, dass die Gefangenschaft bei den Brüdern ihre Spuren hinterlassen habe. Eine von ihnen soll sich sogar selbst in eine Nervenheilanstalt einweisen lassen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem ist in manchen Versionen von einem männlichen Opfer die Rede, das nach den Ereignissen ebenfalls zu einem Vampir und Serienmörder geworden sei. Es ist teilweise von über 400 Opfern die Rede, die der Mann auf dem Gewissen haben soll. Mehr weiß man über ihn jedoch nicht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt soll sich die Legende in New Orleans zugetragen haben. Um genau zu sein, in dem Haus an der Royal Street 800 im French Quarter, wo die Carter Brothers gelebt haben sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Ursprung der Legende habe ich leider erstaunlich wenig herausfinden können. Es wirkt aber so, als sei sie reine Fiktion. Weder in den Zeitungen von damals noch im Verzeichnis der zu Tode Verurteilten in New Orleans oder irgendwelchen Gerichtsakten aus der Gegend sollen sich Hinweise auf einen ähnlichen Fall finden lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist jedoch auch nicht weiter verwunderlich. Wie ich bereits in meinem Beitrag über <a href="https://www.geister-und-legenden.de/das-hans-muller-house-die-legende-des-sausage-man">das Hans Muller House</a> erwähnt habe, ist New Orleans eine Stadt voller Spukhäuser und Geistergeschichten. Einige basieren auf wahren Begebenheiten, die meisten sind jedoch fiktiv – so anscheinend auch die Geschichte von John und Wayne Carter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Carter Brothers in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Abgesehen von einigen Geistertouren in New Orleans, die das Haus und die Legende der Carter Brothers behandeln, ist mir kein Auftritt der Vampirbrüder in der Popkultur bekannt. Hinterlasst gerne einen Kommentar, solltet ihr einen Film, eine Serie, ein Buch o. Ä. kennen, in denen die Legende aufgegriffen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von The Carter Brothers? Kanntet ihr die Legende bereits? Was würdet ihr tun, wenn ihr geknebelt und an einen Stuhl gefesselt aufwachen würdet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Banchō Sarayashiki – Die Legende von Okiku</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jun 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Er besaß eine alte Sammlung von zehn Tellern. Sie waren ein Geschenk, kamen ursprünglich aus den Niederlanden in Europa und waren fast unbezahlbar. Wenn jemand einen von ihnen zerbrach oder stahl, war das mit dem Tode strafbar. Und es war Okikus Aufgabe, auf die Teller aufzupassen …</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Banchō Sarayashiki, die Legende von Okiku, ist eine berühmte japanische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geistergeschichte</a>. Ich selbst habe erst durch meine Japanischlehrerin davon erfahren, was mich bei der Recherche wirklich überrascht hat, da sie zu den bekanntesten Geistergeschichten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Japans</a> gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine Geschichte von einseitiger Liebe, Besessenheit und dem Unrecht an einer unschuldigen Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Name ist Aguri. Ich war Angestellte bei dem ehrenwerten Aoyama Tessan, einem Samurai in der Edo-Zeit hier in Japan. Wobei „ehrenwert“ kein Wort ist, mit dem <em>ich</em> Aoyama bezeichnet hätte. Und ich denke, nach dieser Geschichte werdet ihr das auch so sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist aber keine Geschichte über meinen Herrn. Es ist auch keine Geschichte über mich. Nein, in dieser Geschichte geht es um Okiku, ein Dienstmädchen bei Aoyama. Sie war jung und hübsch. Es war kein Geheimnis, dass Aoyama sie begehrte. Doch so oft er sie auch fragte, so sehr er ihr versprach, sie mit Reichtümern zu überhäufen, sollte sie seine Frau oder auch nur seine Geliebte werden, Okiku lehnte seine Angebote stets ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aoyama gab sich wirklich Mühe. Er machte ihr Geschenke, gab ihr die schönsten Kimonos, das beste Essen. Und auch, wenn es übergriffig von ihm war, ihr nein nicht zu akzeptieren, er manchmal eine Linie übertrat, so gab es doch das eine oder andere Dienstmädchen, das liebend gerne den Platz mit Okiku getauscht hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Aoyama wollte kein anderes Dienstmädchen. Er wollte nur die junge schöne Okiku. Und so wurden seine Pläne, sie endlich für sich zu gewinnen, immer hinterlistiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Morgens, ich erinnere es noch gut, gab es einen Aufruhr in Aoyamas Anwesen. Er besaß eine alte Sammlung von zehn Tellern. Sie waren ein Geschenk, kamen ursprünglich aus den Niederlanden in Europa und waren fast unbezahlbar. Wenn jemand einen von ihnen zerbrach oder stahl, war das mit dem Tode strafbar. Und es war Okikus Aufgabe, auf die Teller aufzupassen, sie staubfrei zu halten, damit sie immer im besten Licht erstrahlten. Neben Aoyama war sie die Einzige im gesamten Haus, die die Teller auch nur anfassen durfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch an jenem schicksalhaften Morgen war einer der Teller verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eins, zwei, drei, vier“, hörte ich Okiku panisch zählen, als ich zu ihr ins Zimmer stürzte. „Fünf, sechs, sieben, acht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie die anderen Angestellten einen Halbkreis gebildet hatten. In ihrer Mitte stand Aoyama, der mit strengem Blick auf Okiku hinabstarrte, die vor ihm auf dem Boden kniete. Die wertvollen Teller lagen vor ihr ausgebreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Neun“, beendete Okiku ihr Zählen. „Neun. Das kann nicht sein. Einer fehlt. Eins, zwei, drei, …“ Sie zählte die Teller erneut, als hoffe sie, sich bloß verzählt zu haben. Die junge Frau war den Tränen nahe. Es brach mein Herz. Noch nie zuvor hatte ich Okiku so verzweifelt gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“, fragte Aoyama erbarmungslos. „Was hast du mit dem zehnten Teller gemacht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Okiku sah mit großen Augen zu ihm auf. „Bitte, Herr Aoyama“, flehte sie. „Das muss ein Irrtum sein! Ich weiß nicht, was mit dem Teller passiert ist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist er dir zerbrochen und du hast die Beweise vernichtet? Oder hast du ihn gestohlen?“, schrie er sie unnachgiebig weiter an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell tat ich einige Schritte auf die beiden zu. „Verzeihung, Herr Aoyama“, sagte ich mit gesenktem Blick. „Aber wäre es nicht möglich, dass jemand anderes den Teller …“ Weiter kam ich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer hat dir erlaubt, die Stimme zu erheben, Aguri?“, schrie er nun mich an. „Raus hier! Alle außer Okiku! Nehmt euch den Tag frei! Ich brauche meine Ruhe, während ich über Okikus Bestrafung nachdenke!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah Aoyama fassungslos an. Noch nie in all den Jahren, die ich für ihn oder für seinen Vater vor ihm gearbeitet hatte, wurde in diesem Haus so mit mir gesprochen. Trotzdem nickte ich nur knapp, ehe ich den anderen Angestellten aus dem Raum folgte. Aoyama war kein Mann, mit dem eine Bedienstete diskutieren durfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du weißt, welche Strafe auf deinem Vergehen liegt“, hörte ich Aoyama sagen, während ich die Tür hinter den anderen Angestellten und mir schloss. Noch immer drang seine Stimme gedämpft aus dem Raum. „Wenn du doch bloß meine Frau wärst, dann könnte ich darüber hinwegsehen …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr hörte ich von dem Gespräch jedoch nicht. Ich war bereits auf dem Weg zur Haustür.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich am späten Nachmittag in das Anwesen zurückkehrte, fehlte von Okiku jede Spur. Und Aoyama machte keine Anstalten ihre Abwesenheit zu erklären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte zwei junge Bedienstete darüber reden, dass Okiku wahrscheinlich aus dem Haus verbannt wurde. Andere Gerüchte besagten, dass sie geflohen sei, um ihrer Strafe zu entkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ich hatte das anfangs geglaubt. Es gab keinen Grund, irgendetwas anderes zu vermuten. Aber die Wahrheit war sehr viel schrecklicher. Ohne Okiku selbst, wäre sie jedoch wahrscheinlich nie ans Licht gekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es begann in der folgenden Nacht. Ich lag gerade auf meinem Futon, versuchte einzuschlafen, während ich über die Ereignisse nachdachte, da hörte ich plötzlich etwas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eins.“ Das war Okikus Stimme! „Zwei“, zählte sie langsam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell stand ich auf. Ich schlich in meiner Nachtwäsche zur Tür, um zu ihr zu eilen, sie zu fragen, was passiert war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Drei.“ Ihre Stimme war leise, und doch konnte ich sie ganz deutlich hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rannte zu ihrem Zimmer. Es war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vier.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Anlaufpunkt war das Wohnzimmer, wo Aoyama seine teuren Teller zur Schau stellte. Doch auch hier war niemand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fünf.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also konzentrierte ich mich auf ihre Stimme. Ich versuchte, ihren Ursprung auszumachen, drehte den Kopf nach rechts und links.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sechs.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell folgte ich der Stimme weiter in den Flur. Erst jetzt realisierte ich, dass sie nicht aus dem Haus kam. Sie kam aus dem Innenhof!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sieben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zog die Tür auf und stürzte nach draußen. „Okiku!“ Meine Schritte wurden langsamer. Der Innenhof war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Acht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Stimme war so nahe. Wo konnte sie nur sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Neun.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Blick fiel auf den alten Brunnen. Sie wird doch nicht …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Einer fehlt!“, sagte sie dann plötzlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war in der Zwischenzeit zum Brunnen geeilt und starrte hinein. Meine Augen waren weit aufgerissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort unten war Okiku, knapp unter der Wasseroberfläche. Ich konnte sie nur sehen, weil ihr Körper in einen weißen Kimono gehüllt war, wie ihn Leichen bei einer Beerdigung trugen. Aber ich wusste, dass sie keine vernünftige Beerdigung bekommen hatte. Genauso wie ich wusste, dass ich gerade ihren Geist sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich stieß sie ein ohrenbetäubendes Geschrei aus. Ich musste mir die Hände auf die Ohren pressen. Es waren Klagelaute, so voller Leid, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich also dasaß, die Hände fest auf meinen Ohren, wusste ich nur, dass Okikus Leiche im Brunnen liegen muss. Wie sonst hätte ihr ruheloser Geist dorthin gelangen können? Hatte Aoyama sie dort hineingeworfen? Oder war Okiku selbst gesprungen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahrheit sollte ich erst kurz vor Aoyamas Tod erfahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er gestand mir, dass er Okiku erpresst hatte. Er selbst hatte den Teller entwendet, um ein Druckmittel zu haben, sie „zu ihrem Glück zu zwingen“, wie er es formuliert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie ihn jedoch erneut zurückwies, beteuerte, dass sie nichts mit dem verschwundenen Teller zu tun habe, hatte sein Kopf ausgesetzt. Er war in blinde Wut verfallen, hatte ein hölzernes Übungsschwert von der Wand gerissen und Okiku damit verprügelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Willst du nun endlich meine Frau werden?!“, hatte er gebrüllt, seine Tonlage mehr ein Befehl als eine Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“, hatte Okiku gekreischt. Tränen rannen über ihre hübschen Wangen. „Herr Aoyama, bitte! Ich war es nicht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das war nicht das, was Aoyama hören wollte. Er hatte die von den Schlägen geschwächte Okiku gepackt und sie nach draußen zum Brunnen gezerrt. Dort hatte er ihren Körper mit dem Kopf zuerst über den Brunnenrand gehängt und sie erneut aufgefordert: „Willst du nun endlich meine Frau werden?!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Okiku ließ sich nicht erpressen. Sie war sich keiner Schuld bewusst. „Bitte, Herr Aoyama! Ich habe nichts damit zu tun. Lassen sie mich gehen!“, schrie sie. Der Widerhall des Brunnens verstärkte die Panik in ihrer Stimme, die Angst, die sie in dem Moment vor Aoyama gehabt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da erkannte Aoyama, dass Okiku ihn niemals lieben würde. Er zögerte nicht länger und ließ sie einfach los. Sie stürzte kopfüber in den Brunnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sagte, dass es nicht lange gedauert hätte, bis ihre Hilferufe verstummt waren. Anschließend sei er mit einer Mischung aus Wut, Trauer und Schuldgefühlen in sein Anwesen zurückgegangen. Er sagte, dass er den Tag fortgesetzt habe, als sei nie etwas passiert.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb so lange vor dem Brunnen sitzen, bis das Geschrei von Okikus Geist irgendwann verstummte. Anschließend stand ich auf und ging zurück in mein Zimmer. Dabei begegnete ich vielen anderen Angestellten, die ebenfalls aufgestanden waren, um dem Lärm nachzugehen, aber ich wechselte kein Wort mit ihnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Kopf war voll, meine Gedanken lauter als Okikus Schreie. Noch wusste ich ja nicht, was passiert war. Ob Aoyama wirklich für ihren Tod verantwortlich war oder sie sich selbst das Leben genommen hat, um seiner Strafe zu entgehen. Oder aus Verzweiflung, weil sie doch für den verschwundenen Teller verantwortlich gewesen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fand in jener Nacht keinen Schlaf mehr. Und auch in den folgenden Nächten wurde Schlaf zu einem seltenen Luxus. Denn Okikus Geist kehrte fortan jede Nacht zurück, um die Teller zu zählen und anschließend in klagevolles Geheule zu verfallen. Es zerbrach mir das Herz, aber es gab nicht viel, was ich dagegen tun konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem machte ich mich heimlich auf die Suche nach dem Teller – nur für den Fall, dass sich mein Verdacht bestätigte und Aoyama den Teller tatsächlich selbst entwendet hatte, um Okiku zu erpressen. Aber ich konnte das Geschirr nie finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald litt auch der Rest des Hauses unter den ruhelosen Nächten. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Angestellten kündigten. Erst waren es hauptsächlich meine jüngeren Kollegen. Die älteren, wie ich, harrten länger aus. Einige schliefen auswärts, verließen das Haus jeden Tag bei Sonnenuntergang und kehrten nicht vor der Morgendämmerung zurück. Andere taten es mir gleich und ließen Okikus Klagelaute Nacht für Nacht über sich ergehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so wurde das Haus Woche für Woche, Tag für Tag leerer. Bald waren neben Aoyama und mir nur noch eine Handvoll von uns übrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wem es allerdings am schlimmsten erging – mal einmal von Okiku abgesehen – war Aoyama selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hatte nur einige Wochen gedauert und er war kaum noch mehr als eine wandelnde Leiche. Sein Gesicht war eingefallen, seine Augenringe dunkel, sein Körper dünn und knochig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Morgens ging ich in sein Zimmer, um seinen Futon wegzuräumen, da saß er am Boden vor mir. Sein Katana vor ihm ausgebreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, in dem er mir seine Tat gestand. Dass er den Teller selbst verschwinden ließ, wie er Okiku verprügelt hatte und sie schließlich in den Brunnen fallenließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was habe ich nur getan?“, fragte er mehr sich selbst als mich. „Ich habe Okiku geliebt. Früher konnte ich sie wenigstens jeden Tag sehen, mich an ihrer Schönheit erfreuen. Und jetzt? Jetzt bleibt mir nur ihr Geist, der mich jede Nacht quält.“ Er setzte das Schwert mit der Klinge an seinem Bauch an. „Okiku. Es tut mir leid“, hauchte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das half der armen Frau jetzt auch nicht mehr. Ich sah auf Aoyama hinab, wie er auf Okiku hinabgeblickt hatte, als sie vor seinen Augen die Teller gezählt hatte. Die Wahrheit über Okikus Tod hatte mich ziemlich aufgewühlt. Ich war kein kaltblütiger Mensch. Trotzdem sah ich bloß mit verächtlichem Blick dabei zu, wie Aoyama sich sein Schwert in den Bauch stieß. Wie ich schon sagte, war er in meinen Augen kein ehrenwerter Mensch. Und so hatte ich in seinen letzten Sekunden auch keinerlei Ehrgefühl mehr für ihn übrig. Aoyama starb vor meinen Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was jedoch Okiku anging, so fand ihr Geist auch nach Aoyamas Tod keine Ruhe, wie ich zuerst hoffte. Ich durchsuchte das gesamte Haus, jetzt wo Aoyama fort war, durchwühlte schamlos seine Sachen, doch den fehlenden Teller konnte ich nie finden. Wissen die Götter, was Aoyama damit gemacht hatte. Vielleicht hatte er ihn zerstört oder weggeworfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so kehrt Okikus Geist auch heute noch jede Nacht zurück und zählt die neun Teller. Ich kann nur hoffen, dass bald jemand kommen wird, der Okikus unschuldige Seele von ihrem grausamen Schicksal befreien kann.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Banchō Sarayashiki (番町皿屋敷, Japanisch für „Das Teller-Anwesen von Banchō“), auch bekannt unter den Namen „Sarayashiki“ oder „Die Legende von Okiku“, ist eine bekannte Geistergeschichte aus Japan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie handelt von einem Dienstmädchen, das die romantische und/oder sexuelle Begierde ihres Herren nicht erwidert, woraufhin er erfolglos versucht, sie in die Beziehung zu erpressen, ehe er sie ermordet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> von Banchō Sarayashiki ist eine der „Nihon san dai Kaidan“ (日本三大怪談, Japanisch für „die drei großen japanischen Geistergeschichten“). Die anderen beiden sind „Die Legende von Oiwa“ (einen Beitrag über diese Geschichte habe ich schon länger auf meiner Liste) und „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/botan-doro">Botan Dōrō</a>“ (meinen Beitrag darüber findet ihr Hier).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt zahlreiche Versionen von Banchō Sarayashiki, die ich weiter unten näher erläutern werde. An dieser Stelle möchte ich euch die Version vorstellen, von der meine Japanischlehrerin mir erzählt hat und um die sich auch meine Geschichte dreht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Okiku war ein Dienstmädchen, das dem Samurai Aoyama Tessan unterstellt war. Aoyama hatte schon lange ein Auge auf Okiku geworfen, aber all seine Annäherungsversuche wurden von ihr abgelehnt. Das erfüllte den Samurai mit Wut. Er wollte Okiku unbedingt zu seiner Frau haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher fasste er einen Entschluss: Er hatte ein Set aus zehn wertvollen Tellern – in einigen Versionen ist von Delfter Blau aus den Niederlanden die Rede – die ihm oder seinem Herrn sehr wichtig waren. Wenn einer der Teller gestohlen wurde oder zerbrach, konnte das mit dem Tode bestraft werden. Und Okiku war für diese Teller verantwortlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also versteckte Aoyama einen der Teller. Er beschuldigte Okiku, den Teller zerstört oder gestohlen zu haben. Sie rannte daraufhin entsetzt zu den Tellern und zählte sie wieder und wieder, kam aber immer nur auf neun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aoyama, der sie dabei beobachtet hatte, versprach, ihre Bestrafung auszusetzen oder sie nicht zu verraten, wenn er sie dafür zur Frau nehmen dürfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Okiku lehnte erneut ab. Das wiederum versetzte Aoyama so in Rage, dass er das Dienstmädchen mit einem hölzernen Schwert verprügelte. Er schleifte sie nach draußen zum Brunnen des Anwesens und folterte sie dort weiter, ehe er sie erneut fragte, ob sie ihn heiraten wolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie jedoch erneut ablehnte, warf er sie in den Brunnen, wo Okiku schließlich starb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Aoyama jedoch dachte, dass er Okiku daraufhin los sei, hatte er sich geirrt. Bereits in der nächsten Nacht erklang ihre Stimme aus dem Brunnen. Sie zählte von eins bis neun, ehe sie einen furchtbaren Schrei ausstieß. Wieder und wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Geist kehrte fortan jede Nacht zurück, zählte die neun Teller und stieß Klagelaute aus. Mit der Zeit verlor Aoyama deshalb den Verstand, bis er sich selbst das Leben nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch nach seinem Tod sollte Okiku keine Ruhe finden. Erst, als ein Nachbar, ein neuer Besitzer oder ein Mönch, der beauftragt wurde, den Geist zu bannen, die Zahl Zehn rief, nachdem Okiku die neun erreicht hatte, soll sie gesagt haben: „Endlich.“ Ihr Geist ist seitdem nie zurückgekehrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist zumindest eine Variante der Legende, laut anderen Erzählungen, konnte ihr Geist bis heute keine Ruhe finden und zählt noch immer jede Nacht die neun Teller.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt, gibt es noch zahlreiche weitere Versionen von Banchō Sarayashiki. In einigen stürzt sich Okiku aus Verzweiflung selbst in den Brunnen, um der Strafe zu entgehen. Manchmal ist ihr darin der Teller sogar selbst heruntergefallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen ist die Frau von Aoyama Tessan die Übeltäterin, da sie befürchtet, ihr Mann könne Gefühle für Okiku haben. Sie zerbricht oder versteckt den Teller und beschuldigt Okiku, woraufhin Aoyama das Dienstmädchen ermordet und in den Brunnen wirft. In diesen Versionen treibt Okiku meist die Frau von Aoyama Tessan in den Wahnsinn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sogar eine Version, in der Okiku tatsächlich die Geliebte von Aoyama ist. In dieser Version zerstört sie den Teller, der Aoyama so wichtig ist, um seine Liebe zu testen. Er verzeiht ihr, jedoch nur, bis er später erfährt, dass sie den Teller mit Absicht zerstört hat, woraufhin er sie aus Wut tötet und in den Brunnen wirft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem können andere Kleinigkeiten abweichen. Z. B. kann der Name von Aoyama ein anderer sein oder Okikus Geist streift durch das Haus, statt in dem Brunnen zu bleiben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Politischer Konflikt:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt eine Version von Banchō Sarayashiki, die ich hier noch einmal gesondert erwähnen möchte. Sie spielt in der Himeji-Burg in Himeji, Japan. In dieser Version wird Okiku in einen politischen Konflikt verwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erfährt, dass Aoyama Tessan seinen Regenten Lord Norimoto ermorden und seinen Platz einnehmen möchte. Sie dient daher als Spitzel und erzählt Norimoto (oder einem Vertrauten) von dem Putsch, woraufhin Norimoto lebend aus der Burg entkommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin erkennt Aoyama, dass es einen Verräter unter seinen Dienstleuten geben muss. Er befiehlt seinem Komplizen Danshiro, den Verräter ausfindig zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Danshiro jedoch herausfindet, dass Okiku, in die er schon lange verliebt ist, die Verräterin ist, sieht er darin eine Chance, sie zur Frau zu bekommen. Von hier an ist die Geschichte sehr ähnlich, nur, dass Okiku von Danshiro erpresst wird statt von Aoyama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst verspricht Danshiro, sie nicht zu verraten, wenn sie ihn zum Mann nimmt. Als sie ablehnt, versteckt er den Teller und gibt ihr die Schuld dafür, um ein weiteres Druckmittel zu haben. Als sie trotzdem weiter ablehnt, tötet er sie und wirft sie in den Brunnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Geist treibt anschließend Danshiro in den Wahnsinn, der daraufhin aus der Burg verbannt wird oder sich das Leben nimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Okikus Fluch:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn Okikus Geist in den meisten Versionen von Banchō Sarayashiki vergleichsweise harmlos sein soll – mal abgesehen von ihrem Verhalten gegenüber ihren Mördern, die sie ihn den Wahnsinn treibt –, gibt es andere Erzählungen, in denen Okiku auch unbeteiligten Menschen schaden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So besagen einige Legenden, dass Leute, die Okiku zählen hören, den Verstand verlieren können. Es gibt sogar Versionen, in denen alle, die Okiku bis zur Zahl Neun zählen hören, kurze Zeit später sterben sollen – entweder durch Okikus Hand oder durch eine scheinbar unzusammenhängende Ursache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es soll aber auch eine Möglichkeit geben, diesem Fluch zu entkommen. Sobald sie die Zahl Neun sagt, soll man schnell „Zehn!“ rufen. Daraufhin soll Okikus Geist wieder verschwinden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie der Name „Banchō Sarayashiki“ bereits sagt, soll die Legende sich angeblich in Banchō, einem Stadtteil des damaligen Edo, also des heutigen Tokio, zugetragen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch Versionen, die die Geschichte an einen anderen Ort verlagern, so zum Beispiel die Version mit dem politischen Putsch, die sich in der Himeji-Burg in Himeji zugetragen haben soll. Dort gibt es auch einen Brunnen, in dem Okiku gestorben sein soll. Der Okiku-Brunnen der Himeji-Burg ist heute eine beliebte Touristenattraktion.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den genauen Ursprung der Banchō-Sarayashiki-Legende habe ich leider nicht herausfinden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Legende wurde bereits 1741 als Bunraku, einem Puppenspiel, vorgeführt, auch wenn es wahrscheinlich ist, dass es sie bereits deutlich länger gab und sie lediglich als Bunraku adaptiert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem wurde sie außerdem viele Male als Kabuki-Stück vorgeführt, was zu ihrer großen Bekanntheit beigetragen haben könnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Banchō Sarayashiki in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt, gibt es zahlreiche Theaterstücke bzw. Kabukistücke, die die Legende behandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wurden einige Filme über die Geistergeschichte gedreht, wie z. B. „Kaidan Banchô sara-yashiki“ (1957).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch in einigen Manga und Anime existieren Anspielungen oder sogar direkte Auftritte von Okiku. So z. B. in „Gegege no Kitarō“ oder „Sadako at the End of the World“ (2019).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus wird Okiku häufig als die Inspiration für den berühmten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/onryo">Onryō</a> Sadako aus „The Ring“ (sowohl den Filmen als auch den Romanen) genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Banchō Sarayashiki? Kanntet ihr die Geschichte bereits? Was würdet ihr tun, wenn ihr nachts eine gespenstische Stimme zählen hört? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Der kopflose Reiter – Er darf dich nicht berühren! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Apr 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich fuhr herum. Am Anfang sah ich noch gar nichts. Dann jedoch erschien im Licht meines Handys eine Gestalt auf einem Pferd – der kopflose Reiter. Langsam, fast gespenstisch kam er auf mich zu …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/493f350e2cec4cf6b41b3f41c59fc521" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der kopflose Reiter war die erste <a href="http://geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden">deutsche Legende</a>, die ich 2019 auf meinem Blog behandelt habe. Sie war auch eine der ersten Geschichten, die von jemandem vertont wurde, auch wenn das YouTube-Video von Johanna Christin leider nicht mehr online ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe, euch gefällt meine überarbeitete Fassung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rümpfte die Nase. Obwohl wir schon eine Woche hier waren, hatte ich mich noch immer nicht an den Geruch nach Kuhdung gewöhnt, der fast durchgehend in der Luft lag. Als Stadtmensch kannte ich so etwas gar nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes, mein Verlobter, war hier hingegen aufgewachsen. Es war seine Idee gewesen, für eine Woche ins Rheinland zu fahren, in das Dorf, wo er seine gesamte Kindheit verbracht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich war das eine ganz neue Erfahrung. In der Stadt waren die Menschen nichts als fremde Gesichter, die an mir vorbeizogen. Klar hatten sie alle ihre eigenen Probleme und Geschichten, aber sie behielten sie für gewöhnlich für sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier auf Land hingegen war das völlig anders. Die Leute waren alle so nett, grüßten Hennes sogar beim Namen, obwohl er schon vor vielen Jahren hier weggezogen war. Wie oft wir stehengeblieben waren, um mit einem alten Bekannten zu quatschen. Und obwohl Hennes mit ihnen viel über seine Kindheit redete, hatte ich nie das Gefühl, das fünfte Rad am Wagen zu sein. Sie banden mich in die Gespräche ein, fragten mich nach meiner Meinung oder erzählten mir Anekdoten aus Hennes‘ Jugend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nie hätte ich gedacht, dass ein schlichter Urlaub auf dem Land so traumhaft werden könnte. Doch wie bei so vielen Dingen sollte auch hier aus einem Traum ein Albtraum werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war der letzte Abend vor der Heimreise. Gleichzeitig war es das erste Mal, dass ich mich in dem kleinen Dorf unwohl fühlte. Es war fast so, als hätte ich etwas geahnt, während wir auf dem Weg zu der Kneipe, in der Hennes immer als Jugendlicher mit seinen Freuden abgehangen hatte, eine Abkürzung über einen kleinen Feldweg nahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Hennes einen Arm um mich gelegt hatte, um mich zu wärmen, fröstelte ich. Schweigend gingen wir nebeneinander her. Unsere Schritte knirschten im Kies, Grillen zirpten in den Feldern. Dann plötzlich mischte sich Hufgetrappel in die Geräuschkulisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes und ich sahen einander fragend an. Wir dachten genau dasselbe: Wer ritt zu so später Stunde noch ein Pferd aus? Die Sonne war längst untergegangen. Das einzige Licht kam von den letzten Momenten der Dämmerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neugierig blickten wir dem Reiter entgegen, der gemächlich auf uns zu getrabt kam. Gerade jedoch, als ich mich an den Wegesrand stellen wollte, um ihn vorbeizulassen, fiel mein Blick auf seinen Kopf – oder eher auf die Stelle, wo sein Kopf hätte sein müssen. Der Platz zwischen seinen Schultern war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein spitzer Schrei entfuhr mir, als ich es bemerkte. Hennes trat sofort schützend vor mich. Der Kopflose ließ sich davon nicht beirren. Stattdessen brachte er sein Pferd direkt vor uns zum Stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes wich einen Schritt zurück, während er zu ihm aufsah. Doch von Angst fehlte in seiner Stimme jede Spur. „Hey!“, sagte er laut. „Findest du es witzig, meine Freundin so zu erschrecken?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast rechnete ich damit, dass der Mann sich entschuldigte, uns erklärte, dass er bloß zu einer Kostümparty unterwegs sei. Es hätte zu meinem Eindruck von den sonstigen Bewohnern des Dorfes gepasst. Er blieb jedoch einfach nur stumm stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte, wie Hennes versuchte, sich möglichst groß zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schatz, lass ihn einfach vorbei“, drängte ich ihn, während ich an seinem Ärmel zupfte. Ich hatte keine Lust auf Streit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes sah das jedoch anders. „Ohne Entschuldigung?“, fragte mein Verlobter. „Na warte, gleich wissen wir, wer sich unter dem Kostüm versteckt. Mal sehen, wie gruselig du dann noch bist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hennes …“, drängte ich erneut. Aber er hörte nicht auf mich. Ich unterdrückte ein Augenrollen. Männer und ihr Machogehabe. Dass sie immer denken mussten, uns Frauen irgendetwas beweisen zu müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er ging einen kleinen Bogen um den Kopf des Pferdes herum und trat seitlich an den noch immer reglosen Reiter heran. Dort griff er nach seiner Jacke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kopflose reagierte blitzschnell. Noch ehe Hennes an dem Stoff zerren konnte, packte der Fremde ihn am Handgelenk. Er hielt ihn eisern fest. Im selben Augenblick stieß mein Verlobter überrascht den Atem aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment bewegte sich niemand von uns. Ich hörte, wie mein Herz raste, während Hennes den Fremden bloß reglos anstarrte. Dann plötzlich ließ der Reiter meinen Verlobten los. Er setzte sich mit seinem Pferd wieder in Bewegung und ritt langsam an uns vorbei. Bald war er wieder in der Dunkelheit verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wandte ich mich zu meinen Verlobten. Er hatte sich noch immer keinen Zentimeter bewegt. „Hennes? Hennes, alles in Ordnung?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das löste ihn aus seiner Starre. Er sah zu mir, sein Blick suchte meinen. „Ich … weiß nicht. Das war seltsam. Seine Berührung war eiskalt.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Weg zur Kneipe legten wir mit schnellen Schritten zurück. Ich war erleichtert, als wir den dunklen Feldweg hinter uns ließen und endlich wieder über beleuchtete Straßen gingen. Trotzdem sprachen Hennes und ich kein einziges Wort, bis wir die Kneipe erreichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gebäude war nicht sonderlich viel los. Zwar gab es einige Grüppchen, die an verschiedenen Tischen zusammensaßen, aber Hennes schien niemanden von ihnen zu erkennen. Also setzten wir uns auf zwei Barhocker und bestellten zwei Bier, die die Gastwirtin sofort für uns abzapfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah zu Hennes. „Du bist immer noch ganz blass.“ Besorgt streichelte ich seinen Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht. Ich muss die ganze Zeit an seine Berührung denken. Sie war so furchtbar kalt. Unnatürlich kalt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zog die Augenbrauen zusammen. „Aber das war doch nur ein Kostüm, oder?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes gab mir ein schwaches Lächeln. Wieder ein Schulterzucken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach Schatz, es gibt keine Kopflosen. Lass dir von dem Idioten doch keine Angst machen!“ Er konnte nicht ernsthaft glauben, dass das ein Geist gewesen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes reagierte nicht. Er starrte bloß gedankenverloren die Theke an, auf die die Gastwirtin jetzt unser Bier stellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür erregten meine Worte die Aufmerksamkeit von jemand anderem: Ein Mann einige Hocker weiter sah zu uns. Er erhob sich und torkelte in unsere Richtung. „Ihr habt ihn gesehen, nicht war?“, lallte er. Ich roch seine Fahne bis hier. „Den kopflosen Reiter?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn mit großen Augen an. „Kennen Sie den Bekloppten etwa? Verkleidet er sich häufiger?“, fragte ich. Ich hoffte, dass es einfach bejahen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber natürlich tat er das nicht. „Verkleidet? Meine Liebe, das ist keine Verkleidung“, lallte er mir entgegen. „Er trägt wirklich keinen Kopf mehr auf seinen Schultern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes, dar gerade sein Bier an die Lippen heben wollte, erstarrte in der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Betrunkene fuhr unbeirrt fort. „Aber keine Sorge. An sich ist er harmlos. Das einzig Wichtige bei Begegnungen mit Wiedergängern wie ihm ist aber, dass ihr sie auf keinen Fall berührt. So eine Berührung kann tödlich enden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt merkte ich, wie auch mein Herz Richtung Hose rutschte. Aber das war doch irrsinnig. Es gab keine Geister. Wen auch immer wir da gesehen hatten, ich war mir sicher, es war bloß irgendein Typ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes hingegen schien der Betrunkene gehörig den Abend verdorben zu haben. Ich sah, wie er einen Zehn-Euro-Schein auf die Theke legte und nach seiner Jacke griff. „Komm Anni, wir gehen!“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg zum Gasthof sagte Hennes kein einziges Wort mehr. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass der Betrunkene sicher auch nur irgendein Spinner war, genau wie der kopflose Reiter, aber er hörte mir gar nicht richtig zu. Stattdessen ging er so schnell, dass ich Schwierigkeiten hatte, mit ihm mitzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Verschnaufpause erlaubte er mir erst, als wir sicher auf unserem Zimmer angekommen waren. Dort ging er fast sofort ins Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sah Hennes nicht ähnlich, so still zu sein. Auch war er noch immer ungewöhnlich blass. Ich machte mir Sorgen um ihn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedoch war es erst am nächsten Morgen, dass ich Angst um ihn bekam. Er war eiskalt und zitterte am ganzen Körper. Als ich versuchte, mit ihm zu reden, sah er mich bloß an, gab aber keinen einzigen Laut von sich. Ich fuhr sofort mit ihm ins Krankenhaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Tage waren die schmerzhaftesten meines Lebens. Ich konnte nichts tun, als zuzusehen, wie Hennes von Tag zu Tag schwächer wurde. Und auch die Ärzte waren völlig ratlos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Abends saß ich – wie jeden Tag – bei Hennes am Bett. Ich war eingeschlafen, lag vornübergebeugt, während ich seine Hand hielt. Da weckte mich eine schwache Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Anni?“, fragte Hennes schwach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte schon immer einen sehr leichten Schlaf, weshalb ich sofort davon wach wurde. „Hennes!“, rief ich. „Du bist wach! Wie fühlst du dich? Kann ich irgendetwas …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter kam ich nicht. Hennes hatte seine zittrige Hand gehoben und hielt mir einen Finger an die Lippen. „Bitte. Du musst was für mich erledigen“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alles. Was auch immer du brauchst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann sagte er jedoch etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte. „Hilf dem kopflosen Reiter. Er kann nichts dafür.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlagartig richtete ich mich auf. „Was? Wieso?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ich bekam keine Antwort mehr. Hennes war bereits wieder eingeschlafen.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">An die Hoffnung geklammert, dass ich meinem Verlobten damit auf irgendeine noch so seltsame Weise helfen könne, fuhr ich direkt in das Dorf zurück. Meine erste Anlaufstelle war die Kneipe. So verzweifelt mir der Gedanke auch vorkam, der Betrunkene von neulich war die einzige Person, die auf jeden Fall mehr über den kopflosen Reiter wusste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meinem Glück war der Mann trotz der späten Stunde tatsächlich noch in der Kneipe … an einem Mittwoch. Na toll. Er schien jedenfalls zu den Stammalkis des Dorfes zu gehören. Trotzdem war er noch ansprechbar und beantwortete meine Fragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für deinen Verlobten ist es zu spät“, lallte er. Von seinem Atem wurde ich fast selbst betrunken. „Aber wenn du dem Kopflosen wirklich helfen willst, soll es den Legenden nach ausreichen, wenn du vor ihm ein Gebet aufsagst. Das Vaterunser oder was weiß ich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel mehr konnte er mir zwar nicht verraten, aber ich nahm, was ich kriegen konnte. Sofort lief ich zum Feldweg zurück. Als ich den Pfad erreichte, zögerte ich jedoch. Er lag dunkel vor mir. Irgendwie unheimlich. Aber das würde mich heute nicht aufhalten. Ich musste es tun. Für Hennes. Zwar hatte der Alki gesagt, ich könne meinem Verlobten nicht mehr helfen. Aber woher wollte er das wissen? Anscheinend hatte es ja noch niemand geschafft, den Kopflosen von seinem Schicksal zu erlösen. Sicherlich irrte er sich. Er <em>musste</em> sich irren!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hastig eilte ich den Weg entlang. Ich nutzte mein Handy, um den Pfad zu erleuchten, aber auch das spendete mir kaum Licht. Erst, als ich in etwa den Ort erreicht hatte, wo wir dem Reiter das erste Mal begegnet waren, blieb ich stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war windig. Die Blätter säuselten und flüsterten um mich herum. Und auch die Grillen zirpten heute anders, irgendwie trauriger als letztes Mal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wartete ich. Und wartete. Und wartete. Meine Augen begannen bereits immer wieder zuzufallen. Meine Beine schmerzten. Da trug der Wind ein anderes Geräusch zu mir herüber: Hufgetrappel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fuhr herum. Am Anfang sah ich noch gar nichts. Dann jedoch erschien im Licht meines Handys eine Gestalt auf einem Pferd – der kopflose Reiter. Langsam, fast gespenstisch kam er auf mich zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie sich eine Gänsehaut über meinen Körper zog. Trotzdem blieb ich völlig ruhig stehen, während er näherkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war er direkt vor mir. Sein Pferd bäumte sich auf, gab ein lautes Wiehern von sich. Ich erschrak, kämpfte aber gegen den Drang an, davonzulaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer. Dann endlich begann ich, das Vaterunser aufzusagen, das ich noch gut aus dem Konfirmationsunterricht kannte. „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kopflose Reiter stand jetzt völlig ruhig da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehrfürchtig sah ich zu ihm auf. „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“, fuhr ich fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich schwang der Mann sich von seinem Pferd. Ich trat schnell einen Schritt zurück, um ihm nicht zu nahe zu kommen, sagte das Gebet aber unbeirrt weiter auf. Zum Glück blieb der Mann neben seinem Pferd stehen. Mir fiel auf, wie klein er eigentlich war. Nicht nur, weil sein Kopf fehlte, sondern auch mit musste er noch immer kleiner gewesen sein als ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich das Gebet beendete, schien er mich die ganze Zeit zu beobachten – zumindest soweit jemand ohne Kopf einen beobachten konnte. Erst, als ich den heiligen Text mit dem „Amen“ beendete, bewegte er sich. Oder nein, er bewegte sich nicht, er veränderte sich. Seine dunkle Kleidung verwandelte sich, bis er in ein sauberes weißes Tuch gehüllt vor mir stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment sah es so aus, als würde er seinen Körper betrachten, an sich heruntersehen wollen. Dann trat er einen Schritt auf mich zu. Er streckte die Arme nach mir aus, umfasste meine Hände in einer eiskalten Berührung mit den seinen, drückte sie kurz dankbar und war verschwunden. Jetzt war ich wieder allein. Von dem Mann und seinem Pferd fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsicher, was ich tun oder auch nur denken sollte, blieb ich noch eine Weile reglos stehen. Was war da gerade passiert? Hatte ich ihn tatsächlich erlöst? Ich wusste es nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann, ich hatte keine Ahnung, wie lange ich dort stand, riss mich das Klingeln meines Handys aus den Gedanken. Ich ging ran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Anni Winkler“, meldete ich mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Abend Frau Winkler, hier ist das Krankenhaus“, antwortete eine Frauenstimme. „Es tut mir sehr leid, es ihnen mitteilen zu müssen, aber Ihr Verlobter ist gerade verstorben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau erzählte noch irgendetwas von psychologischer Unterstützung, aber ich hörte ihr gar nicht mehr richtig zu. Hennes war tot. Er würde nie wieder zu mir zurückkehren. Mich nie wieder in seinen sanften Armen halten. Nie wieder meinen Namen rufen. Tränen stiegen mir in die Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel mein Blick auf meine Hände. Auch ich hatte den kopflosen Reiter berührt. Wenn Hennes trotzdem gestorben war, obwohl ich den Reiter gerettet hatte, würde mich dann dasselbe Schicksal ereilen? Würde ich auch sterben müssen? Oder war der Wiedergänger in seinem erlösten Zustand ungefährlich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort auf diese Frage bekam ich bereits am nächsten Morgen. Mir war eiskalt und ich zitterte am ganzen Körper. Es war dasselbe Zittern, das bereits Hennes‘ Tod angekündigt hatte.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der kopflose Reiter ist ein Wiedergänger, also ein Untoter, der deutschen Sagenwelt. Jedoch ist der Name „der“ kopflose Reiter nicht ganz zutreffend, da es nicht nur einen, sondern viele kopflose Reiter geben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der irischen Mythologie gibt es ebenfalls kopflose Reiter, wo sie als Dullahan bezeichnet werden. Sie unterscheiden sich jedoch in ihren Eigenschaften von der deutschen Sagengestalt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Aussehen der kopflosen Reiter ist – von dem fehlenden Kopf und dem Pferd einmal abgesehen – meist nicht genauer beschrieben. Es ist jedoch anzunehmen, dass sie altertümliche Kleidung tragen, da die meisten der Legenden aus dem Mittelalter stammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Sagen haben sie ihren abgetrennten Kopf sogar bei sich, tragen ihn jedoch unter dem Arm oder haben ihn in ihrem Schoß liegen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Kopflose Reiter tauchen ausschließlich nachts auf. Sie sind an sich harmlos, haben keine bösen Absichten und versuchen auch nicht, den Menschen zu schaden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt jedoch, dass ihr Auftauchen eine Warnung sein kann. So ist in einigen Quellen von einem baldigen Tod die Rede, wenn man einen kopflosen Reiter sieht, in anderen erscheinen sie hauptsächlich kriminellen Menschen, um ihnen zu zeigen, dass ihnen dasselbe Schicksal wie ihnen blühen könne und sie so auf den rechten Weg zurückzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem kann die Begegnung mit einem kopflosen Reiter gefährlich sein oder so tödlich ausgehen. Denn obwohl sie nicht versuchen, den Menschen zu schaden, ist die Berührung eines Wiedergängers tödlich. Wenn man den kopflosen Reiter also in irgendeiner Weise berührt, kann das innerhalb weniger Tage zum Tod führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits soll es sehr einfach sein, einen kopflosen Reiter zu erlösen. Laut den Legenden muss man dafür lediglich ein Gebet laut aufsagen oder den Reiter sogar nur mit einem Gruß anreden, in dem Gott oder Christus vorkommt. Daraufhin soll der Reiter in ein weißes Leichentuch gehüllt erscheinen und sich bedanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch dann darf man nicht den Fehler machen und den Wiedergänger berühren, da seine Berührung auch in diesem Zustand noch immer töten soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Legenden und Berichte von kopflosen Reitern gab es im Rheinland. Es ist jedoch möglich, dass Sichtungen an anderen Orten lediglich nicht bis zum heutigen Tag überliefert wurden, die Wiedergänger also deutlich weiter verbreitet waren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der genaue Ursprung des kopflosen Reiters ist nicht bekannt. Es lassen sich jedoch kirchliche Einflüsse in den meisten Berichten finden. Eine weit verbreitete Theorie besagt, dass die Legende als Warnung entstanden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So hieß es z. B. oft, dass die kopflosen Reiter zu Lebzeiten entweder Verbrecher waren, die durch Köpfung hingerichtet wurden, oder Selbstmörder, deren Leichen bis ins 17. Jahrhundert ebenfalls geköpft und anschließend an ungeweihter Stelle begraben wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Entstehungsgeschichte besagt, dass sie Menschen waren, die den Grenzstein ihres Grundstücks versetzt haben. Früher wurden die Grundstücke der einfachen Bürger nämlich nur durch Grenzsteine markiert. Wenn jemand heimlich den Grenzstein versetzt hat, konnte er somit unerlaubt sein eigenes Grundstück vergrößern, während seine Nachbarn darunter gelitten haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine mögliche, wenn auch nur selten durchgeführte Strafe dafür war, dass der Schuldige bis zum Kopf in der Erde begraben wurde. Daraufhin durfte der Geschädigte – dessen Grundstück verkleinert worden wäre – so lange mit seinem Pflug über den Kopf des Schuldigen pflügen, bis von ihm fast nichts mehr übrig war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der kopflose Reiter in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle komme ich wohl nicht um Sleepy Hollow herum. Die Verfilmungen, darunter auch der bekannte Film „Sleepy Hollow“ (1999) mit Johnny Depp, aber auch die Buchvorlage „Die Sage von der schläfrigen Schlucht“ (1820) von Washington Irving beinhalten den kopflosen Reiter als Antagonisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch spielt der Wiedergänger in der Folge „Der kopflose Reiter“ von DiE DR3i eine entscheidende Rolle. (Falls ihr „DiE DR3i“ nicht mehr kennt, dabei handelt es sich um eine Parallelreihe zu „Die drei ???“, die wegen eines Rechtsstreits statt der originalen Hörpielreihe von 2006 bis 2007 erschien.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem findet man den kopflosen Reiter in zahlreichen anderen Filmen, als NPC in Videospielen wie The Elder Scrolls oder World of Warcraft und sogar als eigene Karte des beliebten Sammelkartenspiels Magic: The Gathering.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Legende der kopflosen Reiter? Kanntet ihr sie bereits? Wusstet ihr, dass es eine deutsche Legende ist? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr einem kopflosen Reiter begegnet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>The Owlman of Mawnan – der Eulenmann von Cornwall</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/the-owlman-of-mawnan</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das „Was ist?“ blieb mir jedoch im Halse stecken. Als ich ihrem Blick folgte, fiel mir fast sofort eine große silbergraue Gestalt auf. Sie war am ganzen Körper mit Federn bedeckt, hatte jedoch keinen Schnabel, sondern einen klaffenden schwarzen Mund …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/a7ffc5f88ebc40deadbe7b3d23e516c6" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">The Owlman of Mawnan ist eine <a href="https://geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>, die ich schon ewig auf meiner Liste habe. Und da ich schon lange nicht mehr über eine Legende aus England (oder Großbritannien generell) geschrieben habe, dachte ich, ist der Zeitpunkt gerade günstig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Margarete, es ist schon fast 9“, jammerte Valerie, während wir die schmale Straße zur Kirche entlanggingen. „Meine Eltern bringen mich um, wenn ich zu spät nach Hause komme.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich blieb stur. „Nein. Wir gehen erst, wenn wir die Eule gefunden haben. Und die kommen nunmal erst raus, wenn es dunkel wird.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den Owlman“, korrigierte mich Valerie. Mehr Widerworte gab sie jedoch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Owlman war eine lokale Legende. Ein Mythos. Angeblich hatten einige Mädchen ihn hier in der Gegend gesehen. Ein graugefiedertes Wesen, halb Mensch, halb Vogel. Ich schnaubte belustigt. Wer’s glaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings hatten Valerie und ich uns deswegen ziemlich in die Haare bekommen. Eine Freundin ihrer Schwester hatte behauptet, den Owlman gesehen zu haben. Seitdem war sie davon überzeugt, dass es die Märchengestalt wirklich geben müsse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und natürlich war es meine Aufgabe als ihre beste Freundin, sie von diesem Irrglauben abzubringen. Also hatte ich sie überredet, an diesem warmen Sommerabend mit mir hier rauszukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatten wir das alte Kirchengebäude der St Mawnan and St Steven’s Church erreicht. Zu unserer Rechten konnte ich einige Grabsteine sehen. Sie waren alt, die Schrift kaum noch leserlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Blick galt dem steinernen Kirchturm. Hier sollte der Owlman das erste Mal gesehen worden sein. Aber wahrscheinlich hatten die beiden Mädchen nur eine Eule gesehen, die über den Kirchturm kreiste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell ging ich weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte auf mich!“, rief Valerie mir nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war offensichtlich, dass sie gerade nicht allein sein wollte, also wartete ich, bis sie weder neben mir war. Gemeinsam gingen wir direkt auf die Grabsteine zu, um um die Kirche herumzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der anderen Seite des alten Gebäudes wurden wir von einem noch größeren Friedhof begrüßt. Zahlreiche Reihen alter Grabsteine standen vor uns, nur unterbrochen von gelegentlichen Bäumen, die aus dem viel zu hohen Gras wuchsen. Es war nicht so hoch, dass wir nicht mehr laufen konnten, aber es hatte nichts mit dem englischen Rasen aus unserem Garten gemein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ den Blick schweifen. Wir waren umringt von Bäumen, die in das Licht der allmählich untergehenden Sonne getaucht waren. Zwischen ihnen hindurch konnte ich den Ärmelkanal sehen. Die Szenerie war untermalt von dem bunten Abendgesang der Vögel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war wunderschön hier, allerdings verliehen das alte Kirchengebäude und der umliegende Friedhof dem Ganzen eine unheimliche Stimmung. Abgerundet mit dem kleinen dunklen Wald, der den Friedhof umgab, war es also kein Wunder, dass einige Kinder eine harmlose Eule für den Owlman gehalten hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war es für mich völlig undenkbar, dass sich in einem so kleinen Waldstück ein menschengroßes Monster unbemerkt verstecken konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angefangen hatte das Gerücht damit, dass Touristen, zwei junge Mädchen im Alter von 9 und 12 Jahren, den Owlman über dem Kirchturm gesehen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es sollte nicht bei dieser einen Sichtung bleiben. Drei Monate später entdeckten zwei 14-jährige Mädchen erneut den Owlman im Wald. Sie berichteten von einem unnormal großen Vogel mit silbergrauem Gefieder und rot leuchtenden Augen, der auf dem Boden gestanden haben soll. Nachdem er die beiden Mädchen bemerkt hatte, soll er sich mit seinen riesigen Schwingen in die Luft erhoben haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sagte es ja bereits: eine Eule. Die Fantasie hatte den vier Mädchen Streiche gespielt. Klar, es musste ein recht großes Tier gewesen sein, aber das war immer noch wahrscheinlicher als irgendein Monster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes wandten wir uns einem kleinen Dreckweg zu, der vom Friedhof in Richtung Ärmelkanal führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er verlief direkt durch ein Waldstück, das aus knorrigen Bäumen bestand. Nachdem wir einige Meter gegangen waren, konnte ich mir gut vorstellen, wie die Umgebung der Fantasie einen Streich spielen konnte. Hätte ich ein Foto des Orts gesehen, hätte ich nicht sagen können, ob es nur ein kleiner oder ein riesiger Wald gewesen wäre. Nichts deutete darauf hin, dass wir uns mitten in der Zivilisation, geschweige denn direkt am Ärmelkanal befanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch davon ließ ich mich nicht verunsichern. Schnell gingen wir den Weg entlang, während ich die Bäume im Auge behielt. Ich suchte nach irgendetwas, das auf eine Eule hinweisen konnte, Kotspuren oder Ähnliches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Enttäuschung fand ich nichts. Wir folgten dem Weg eine schmale Holztreppe hinunter, von wo aus wir den Ärmelkanal hinter einigen Bäumen sehen konnten. Auch hörte ich jetzt das leise Rauschen der Wellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach schlängelte sich der Weg einen kleinen Abhang hinunter, ehe er in beide Richtungen parallel zum Gewässer verlief. Wir gingen nach rechts, wo der Weg nach einigen Dutzend Metern aus dem Waldstück hinaus und an einem Feld vorbeiführte. Wären wir ihm weiter gefolgt, wären wir mit einem kleinen Umweg zurück zur Kirche gelangt. Wir blieben jedoch im Wald und bogen jetzt ins Unterholz ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Müssen wir da langgehen?“, jammerte Valerie wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. „Müssen wir. Oder denkst du, eine Eule – oder dein Owlman – nistet direkt am Wegesrand?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweigend stimmte sie mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laub knirschte unter unseren Füßen, während wir durch das Dickicht den kleinen Abhang wieder nach oben kraxelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier hielt ich weiter Ausschau nach Eulenspuren, aber ich sollte nichts entdecken, bis wir bald wieder beim Kirchengebäude angelangt waren. Wie ich schon sagte, war es nur ein sehr kleines Waldstück.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Minuten verstrichen, irrten wir weiter durch den kleinen Wald. Wir gingen den Weg erneut entlang, bogen diesmal an der Gabelung links ab, irrten kreuz und quer durchs Unterholz – ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch nahmen wir den Friedhof genauer unter die Lupe. Zwar fanden wir einen neueren Abschnitt, auf dem moderne Gräber standen, aber für eine Eule oder den Owlman gab es dort definitiv zu wenig schützende Bäume. In der Ferne sahen wir nichts als einige Häuser und weite Felder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also gingen wir wieder in den Wald zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum passte Valerie überhaupt nicht. „Muss das sein? Die Sonne ist schon untergegangen. Nicht mehr lange und es ist stockdunkel. Lass uns nach Hause gehen, Margarete.“ Es klang mehr nach einer Bitte als nach einem Vorschlag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn ich ehrlich war, verließ auch mich allmählich der Mut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah auf meine Armbanduhr. Wir irrten schon über eine halbe Stunde durch die Gegend, hatten jeden Quadratmeter des Waldes bestimmt schon zweimal gesehen, von einer Eule fehlte aber weiterhin jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also gut“, sagte ich laut. „Es ist kurz nach halb 10. Wir suchen noch eine Viertelstunde weiter. Wenn wir dann gehen, schaffen wir es noch, vor 10 zuhause zu sein. Dann beschweren sich auch unsere Eltern nicht.“ Und wenn das nicht reichte, war morgen auch noch ein Tag. Wenn wir nur oft genug hier waren, ohne dem Owlman zu begegnen, würde Valerie einsehen müssen, dass es ihn nicht gibt. Oder zumindest würde sie erkennen, dass sie keine Angst vor den Gerüchten haben musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Missmutig stimmte Valerie zu. „Aber um Viertel vor gehe ich nach Hause. Mit oder ohne dich“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Unterhaltung wäre jedoch überhaupt nicht nötig gewesen, wie ich nur wenige Momente später herausfinden sollte. Wir waren nur ein paar Meter weit gekommen, als eine Art Fauchen oder ein Zischen die Stille durchschnitt. Es war zu laut für eine Katze oder Ähnliches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort ging Valerie in die Hocke. Und auch ich ging ein wenig in die Knie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was war das?“, zischte Valerie mir zu. „Ist das eine Eule?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht“, erwiderte ich. Aber um ehrlich zu sein, wusste ich es nicht. Zwar hatte ich gelesen, dass Eulen fauchen können, aber ich hatte keine Ahnung, wie es sich anhörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder ein Fauchen. Diesmal kürzer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entschlossen griff ich nach Valeries Hand. Ich zog sie zaghaft wieder auf die Beine. „Komm mit“, forderte ich sie auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesmal tat ich es jedoch nicht, weil ich sie unbedingt überzeugen wollte. Nein. Ich tat es aus Neugierde. Aber auch, weil ich zu viel Angst hatte, um allein nach dem Ursprung des Geräusches zu suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Valerie folgte mir nur widerwillig. Zwar wehrte sie sich nicht, aber ich musste sie mehr hinter mir herziehen, als dass sie mir nachging.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Knirsch, knirsch, knirsch.</em> Ich verfluchte das Laub unter unseren Füßen. Falls es eine Eule war, wollte ich sie auf keinen Fall aufschrecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch spähte ich von Baumkrone zu Baumkrone. Wo war das Fauchen hergekommen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich blieb Valerie stehen. „Margarete“, jammerte sie kaum hörbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ruckartig drehte ich mich zu ihr um. Ihr Blick war stur zur Seite gerichtet. Sie war wie erstarrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das „Was ist?“ blieb mir jedoch im Halse stecken. Als ich ihrem Blick folgte, fiel mir fast sofort eine große silbergraue Gestalt auf. Sie war am ganzen Körper mit Federn bedeckt, hatte jedoch keinen Schnabel, sondern einen klaffenden schwarzen Mund. Das auffälligste waren hingegen die großen roten Augen, die in der Dämmerung fast zu leuchten schienen. Der Owlman.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen Moment, bis ich mich wieder gefangen hatte, meine Schockstarre wieder verlassen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als mein Hirn wieder arbeitete, fiel mir auf, wie klein der Owlman war. Er war vielleicht anderthalb Meter groß. Fast wie ein Kind, das sich verkleidet hatte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ Valeries Hand los und verschränkte die Arme vor der Brust. „Schickes Kostüm. Aber mir jagst du damit keine Angst ein!“, rief ich ihm entgegen. Mawnan Smith war nicht das größte Dorf. Wenn es ein Kind aus der Gegend war, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich es kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein nächstes Fauchen ließ mich nicht einmal zusammenzucken. Ich war mir so sicher, die Oberhand in der Situation zu haben. Dann breitete der Owlman jedoch seine Flügel aus. Seine Flügelspanne war gigantisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich zuerst für einen Einschüchterungsversuch hielt, entpuppte sich schnell als etwas anderes. Er beugte sich nach vorn, begann mit den Flügeln zu schlagen und hob schließlich mit ein paar kräftigen, fast majestätischen Schlägen vom Boden ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit offenem Mund starrte ich ihn an, während er höher und höher stieg. Wieder ein Fauchen. Dann stürzte sich das Wesen auf uns zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war wie erstarrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Valerie stieß mich zur Seite, sodass der Owlman uns knapp verfehlte. Anschließend nahmen wir unsere Beine in die Hand und rannten. Wir rannten um unser Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laub und Äste knirschten unter unseren Füßen. Falls der Owlman uns verfolgte, waren seine Flügelschläge komplett still – genau wie die einer Eule. Ich traute mich jedoch nicht, nach hinten zu schauen, hatte zu viel Angst, über eine Wurzel zu stolpern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst als wir wieder ebenen Boden unter den Füßen hatten, warf ich einen Blick über die Schulter. Von dem Owlman fehlte jede Spur. Trotzdem wurden Valerie und ich nicht langsamer. Wir rannten weiter, um die Kirche herum, über den Parkplatz und die schmale Straße entlang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich erreichten wir die ersten Häuser. Wir wurden langsamer, blieben schließlich stehen, um wieder zu Atem zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo ist er?“, fragte Valerie, die jetzt den Himmel absuchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Ahnung“, schnaufte ich. „Er ist weg.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille, nur unterbrochen von unserem gemeinsamen Schnauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das war eine scheiß Idee“, sagte Valerie schließlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte sie schief an. „Das weiß ich jetzt auch. Kannst du mir verzeihen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie musterte mich einen Moment. Dann nickte sie und hielt mir ihre Hand hin. „Komm. Lass uns nach Hause gehen.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Owlman of Mawnan (Englisch für „Der Eulenmann von Mawnan“), oft nur „Owlman“ oder „Cornish Owlman“ genannt, ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Kryptid</a> aus dem Dorf Mawnan Smith in Cornwall, England.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund seiner äußerlichen Erscheinung wird er oft mit dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mothman">Mothman</a> verglichen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Owlman wird als eine menschengroße, meist grau-, seltener braungefiederte Kreatur beschrieben. Einige Zeugen bezeichneten ihn als halb Mensch halb Vogel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine genaue Größe variiert je nach Augenzeugenbericht von ca. 5 Fuß (~1,5 Meter) bis „groß wie ein Mann“. Ähnlich verhält es sich mit der mal grau, mal braun oder sogar grau-braun beschriebenen Farbe seines Gefieders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Worin die meisten Augenzeugen sich jedoch einig sind, sind seine großen rotleuchtenden Augen sowie seine schwarzen Fußkrallen, die mit den Scheren eines Krebses oder Zangen verglichen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein restliches Gesicht wurde eher selten beschrieben. Ich weiß aber von mindestens zwei unabhängigen Augenzeugenberichten, in denen von einem großen schwarzen Mund oder Maul die Rede war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll er Hörner oder spitz zulaufenden „Ohren“ (ähnlich wie die Federohren eines Uhus) besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">(An dieser Stelle noch eine kleine Randbemerkung: Bei Federohren handelt es sich in Wirklichkeit um lange Kopffedern, die einige Eulen haben. Mit ihren tatsächlichen Ohren haben sie allerdings nichts zu tun.)</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über die Eigenschaften oder das Verhalten des Owlmans ist relativ wenig bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er wurde jedoch häufiger dabei beobachtet, wie er in der Nähe der St Mawnan and St Steven Church (ja, die Kirche wurde nach zwei Heiligen benannt) durch die Luft geflogen ist oder nicht zu weit entfernt auf dem Boden oder auf Ästen stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall ist er nicht aggressiv und ergreift die Flucht, nachdem er entdeckt wurde. Es gab jedoch auch einige Zeugen, die behauptet haben, vom Owlman angegriffen oder verfolgt worden zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant ist hierbei, dass die meisten Augenzeugenberichte am Abend stattgefunden haben, wenn es noch nicht ganz dunkel war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wurde häufig von einer Art Fauchen, Zischen oder einem statischen Rauschen berichtet, das von dem Owlman ausgegangen sein oder in der Luft gelegen haben soll. Einige Augenzeugen berichteten, dass es auch nach seinem Verschwinden weiter zu hören war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt fanden die meisten Owlman-Sichtungen in der Nähe der St Mawnan and St Steven’s Church in Mawnan Smith in Cornwall, England statt. Die Kirche samt Friedhof ist von einem kleinen Waldstück und Feldern umgeben. Außerdem liegt sie fast direkt am Ärmelkanal.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Leute führen die erste Owlman-Sichtung auf einen Bericht von Anthony Nicol „Doc“ Shiels aus dem Jahr 1976 zurück. Shiels war ein paranormal Investigator aus Cornwall, der dafür bekannt war, sich Hoaxes (Falschmeldungen) auszudenken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sichtung 17. April 1976:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Shiels zufolge hat sich der Vater von June (12) und Vicky (9) Melling an ihn gewandt, da seine Töchter am 17. April 1976 einen Vogelmann – den Owlman – über der St Mawnan and St Steven’s Church in der Luft kreisen gesehen hätten. Die Töchter selbst durfte Shiels zwar nicht befragen, Melling übergab ihm jedoch eine Zeichnung des Owlmans, die seine Töchter angefertigt hatten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sichtung 03. Juli 1976:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die nächste Sichtung – im Juli 1976 – machten die beiden 14-jährigen Mädchen Sally Chapman und Barbara Perry, die ebenfalls Shiels davon berichteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich hatten sie bei einem Campingausflug in der Nähe der Kirche am Abend eine Art Fauchen gehört. Als sie es sich näher ansehen wollten, entdeckten sie einen „unnormal großen Vogel mit silbergrauem Gefieder“. Auch berichteten sie von großen rotleuchtenden Augen und schwarzen Klauen statt Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu der Zeit wussten sie bereits von dem Owlman, da nach der ersten Sichtung eine Broschüre veröffentlicht wurde, die über das Wesen berichtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie dachten, es handle sich um ein Kostüm, dass jemand sich für den Owlman ausgäbe, und lachten zuerst über ihn. Dann jedoch soll sich der Owlman in die Luft erhoben haben und davongeflogen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Shiels entschied, die beiden Mädchen getrennt voneinander zu befragen. Auch sie fertigten je eine Zeichnung von dem an, was sie gesehen hatten. Sie ähnelten einander sowie der Zeichnung von Melling, waren aber – so Shiels – „unterschiedlich genug, um eine Verschwörung auszuschließen“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sichtung 04. Juli 1976:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade einmal einen Tag später kam es bereits zu der nächsten Sichtung. Ein weiteres Schwesternpaar berichtete davon, dass sie den Owlman aus nächster Nähe in einem Baum gesehen hätten, ehe er davongeflogen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie beschrieben das Wesen als einen silbergrauen Vogelmann mit roten Augen und schwarzen Krabbenscheren statt Füßen. Außerdem ergänzten sie, dass er einen großen schwarzen Mund gehabt hätte (wie man ihn auch auf den Zeichnungen der anderen Zeuginnen erkennen konnte).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem der Owlman fort war, wollen sie eine Art Knistern in den Baumkronen gehört haben, das eine ganze Weile anhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besonderheit bei dieser Sichtung ist, dass sie nicht von Shiels berichtet wurde, sondern, dass die Mädchen sich damit direkt an die Falmouth Packet – eine lokale Zeitung – gewandt hatten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Sichtungen und Fazit:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin gab es unzählige weitere Sichtungen, besonders in den 70er und 80er Jahren, aber auch vermehrt in den 90ern sowie vereinzelt sogar bis heute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darunter waren Berichte von zufälligen Augenzeugen, aber auch von Erforschern des Paranormalen, die gezielt nach dem Owlman gesucht hatten. In einigen von ihnen wurde davon berichtet, dass der Owlman die Zeugen angegriffen oder verfolgt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auffällig ist auch, dass einige Zeugen statt von dem ursprünglich grauen Gefieder plötzlich von einem grau-braunen oder sogar nur braunen Gefieder berichtet haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man all diese Fakten zusammen betrachtet, gehe ich davon aus, dass Anthony Shiels den Owlman lediglich erfunden hat – wie gesagt war er dafür bekannt, Hoaxes in die Welt zu setzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den ersten Zeugenberichten könnten sich die Gerüchte verselbstständigt haben, woraufhin die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> des Owlman of Mawnan entstanden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Theorie besagt, dass die Augenzeugen lediglich einen Uhu gesehen hätten, den sie in der Dämmerung für ein Monster hielten. Das würde dahingehen Sinn ergeben, dass Uhus durchaus in Kirchtürmen ihre Nester bauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits gibt es in Großbritannien nur sehr wenige freilebende Uhus. Sie sind Nachkommen entflohener Tiere, deren Zahl je nach Quelle auf etwa 2 bis 40 Brutpaare in ganz Großbritannien geschätzt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Uhu sich 1976 nach Mawnan Smith verirrt hat, ist daher sehr gering – es ist aber nicht unmöglich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Owlman in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen ist der Owlman in Mawnan Smith größtenteils in Vergessenheit geraten. Trotzdem erfreut er sich weltweit noch immer großer Beliebtheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wurde im Jahr 1997 das Buch „The Owlman and Others“ von Jonathan Downes veröffentlicht, in dem der Autor den Fall sowie die Zeugenaussagen genau unter die Lupe nimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hatte der Kryptid bereits Auftritte in Fernsehserien wie der Found Footage Serie „Lost Tapes“ (S1 F7: Death Raptor) oder der Kinderabenteuerserie „The Secret Saturdays“ (S1 F9: Der Eulenmann frisst um Mitternacht).</p>



<p class="wp-block-paragraph">2013 erschien der schottischer Low-Budget Horrorfilm „Lord of Tears“, in dem der Owlman den Antagonisten darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen ist sogar das Videospiel „Owlman“ (2023) herausgekommen, in dem man von dem Owlman gejagt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders im Internet lebt die Legende das Owlman außerdem in unzähligen Fanarts und sogar Merchartikeln weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Owlman of Mawnan? Gibt es die Kreatur wirklich, oder handelt es sich nur um einen außer Kontrolle geratenen Hoax oder sogar einen Uhu? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Legende von Lavinia Fisher – das Six Mile House</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Was Lavinia jedoch nicht ahnte, war, dass Peeples Müdigkeit nicht an ihrem vergifteten Tee lag. Er war bereits seit fast 20 Stunden auf den Beinen und konnte es kaum erwarten, wenigstens bis Tagesanbruch zu schlafen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/lavinia-fisher">Die Legende von Lavinia Fisher – das Six Mile House</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/ecce7a838d03480ab5c7fc40ef39b87b" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Legende von Lavinia Fisher und dem Six Mile House handelt von Amerikas angeblicher ersten Serienmörderin. Wie genau Lavinia Fisher bei ihren Morden vorgegangen ist und ob an der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbanen Legende</a> überhaupt etwas Wahres dran ist, erfahrt ihr in meinem Beitrag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor es jedoch mit der Geschichte logsgeht, möchte ich euch auf zwei Folgen des Podcasts <a href="https://linktr.ee/spookybitchshow" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Spooky Bitch Show</a> hinweisen. Nämlich auf Folge 32 und die Bonusfolge dazu. Für Folge 32 habe ich eine kleine Geschichte geschrieben und eingesprochen und in der Bonusfolge haben Rikku und Tai meine interaktive Geschichte gespielt. Aber auch die anderen Folgen kann ich euch wärmstens empfehlen. Hört bei den Beiden mal rein!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Lavinia Fisher. Wenn ihr nach Amerika, ins besondere North Carolina geht und jemanden fragt, wer das ist, werden euch die meisten Leute wahrscheinlich sagen können, dass sie Amerikas erste weibliche Serienmörderin war. Um sie und ihren Ehemann John Fisher drehen sich zahlreiche Legenden. Die bekannteste von ihnen möchte ich euch heute erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war das frühe 19. Jahrhundert. Irgendwann in den 1810ern. Lavinia und John Fisher waren bereits verheiratet und betrieben gemeinsam ein kleines Gasthaus mit dem Namen Six Mile House. Es trug diesen Namen, weil es etwa sechs Meilen nördlich von der Stadt Charleston lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lavinia und John führten ein einfaches Leben. Sie waren nicht unbedingt arm, aber reich waren sie auch nicht. Im Gegensatz zu einigen ihrer Gäste. Lavinia bemerkte immer mal wieder, wie sehr die Taschen einiger Gäste klimperten. Meist trugen diese Gäste dann auch teure Kleidung und so manch einer von ihnen prahlte mit seinem Reichtum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte Lavinia auf die Idee, ihre Gäste auszurauben. Es durfte jedoch nicht zu offensichtlich sein. Sie mussten ganz sichergehen, dass die Gäste keinen Verdacht schöpften, sie nicht verraten konnten. Und wie wäre das einfacher gegangen, als die einzigen Zeugen – die Gäste selbst – aus dem Weg zu räumen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht war es auch gar nicht der erste Gedanke der Fishers, die Gäste umzubringen. Möglicherweise planten sie am Anfang, ihre Gäste bloß zu betäuben, indem sie ihnen vergifteten Tee anboten, ehe sie nachts nur einen kleinen Teil aus ihren Geldbeuteln stahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wäre es durchaus denkbar, dass die Giftmischung im Tee eines Tages zu hoch dosiert gewesen war. Und als Lavinia in das Zimmer schlich, um den Gast um einige Dollar zu erleichtern, musste sie feststellen, dass er nicht mehr atmete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt daraufhin jedoch zu verzweifeln, Gott um Gnade anzuflehen und sich vielleicht sogar zu stellen, erkannte Lavinia darin eine Chance: Auf einmal durfte sie sich nicht mehr nur ein kleines Stück, sondern den ganzen Kuchen nehmen. Sie konnte das Vermögen, das der Gast bei sich hatte, bis auf den letzten Cent behalten. Alles, was sie dafür tun musste, war, seine Leiche zu beseitigen. Kein sonderlich schwieriges Unterfangen an einem solch abgeschiedenen Ort wie dem Six Mile House.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher änderten Lavinia und John schließlich ihre Vorgehensweise. Zuerst verwickelte Lavinia die wohlhabend wirkenden Gäste in Gespräche. Sie versuchte, herauszufinden, ob sie Geld bei sich trugen und ob es jemanden gab, der sie suchen kommen würde, falls sie spurlos verschwinden sollten. Natürlich fragte Lavinia sie das nicht einfach geradeheraus. Sie ließ ihren Charme spielen, nutzte ihr gutes Aussehen, um die Gäste um ihre Finger zu wickeln. Anschließend fragte sie wie beiläufig nach ihren Berufen, ihren Familien und engeren Freunden – alles verpackt als freundliche, an ihnen als Menschen interessierte Gespräche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie mit den Antworten eines Gastes zufrieden war, bot sie ihm schließlich den vergifteten Tee an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber natürlich starben nicht alle Gäste an dem Gift. Besonders am Anfang, als Lavinia noch mit der richtigen Dosierung experimentierte, kam es immer mal wieder vor, dass einer der Gäste in der Nacht noch lebte. Aber auch das störte Lavinia nicht weiter. In den Fällen brachten sie oder John den halbtoten Gast einfach kurzerhand selbst um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt sogar, dass John das Bett in ihrem besten Zimmer – ein Einzelzimmer, was zu damaliger Zeit alles andere als üblich war – so umbaute, dass es als eine Art Falltür fungierte. So musste Lavinia nur einen Hebel umlegen und der tote Gast wurde kurzerhand nach unten in den Keller gekippt. Lavinia und John mussten die Leiche also nicht einmal mehr nachts heimlich durch das Gasthaus tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so blieben ihre grausamen Taten viele Jahre lang unentdeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bestimmt fragt ihr euch jetzt, ob es nicht trotzdem auffällig war, dass so viele der wohlhabenden Gäste ausgerechnet in Lavinias und Johns Gasthaus zuletzt gesehen wurden, ehe sie spurlos verschwanden. Aber Lavinia hatte immer eine Ausrede und ein gutmütiges Lächeln auf den Lippen, als man sie danach fragte. Außerdem war es bekannt, dass in der Gegend schon länger eine Gruppe Wegelagerer ihr Unwesen trieb. Also verdächtigte niemand das in Charleston gut bekannte und vor allem beliebte Ehepaar Fisher auch nur irgendetwas mit den verschwundenen Männern zu tun zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zumindest bis in das für Lavinia und John Fisher verhängnisvolle Jahr 1819. Es war ein regnerischer Abend. Lavinia dachte bereits darüber nach, zu Bett zu gehen, als plötzlich die Eingangstür aufgeschmissen wurde. Ein völlig durchnässter Mann kam hineingestürmt, tropfte dabei den Boden voll, und schloss die Tür schnell hinter sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist hier noch ein Zimmer frei?“, fragte er. Er klang ziemlich außer Atem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lavinia musterte ihn für einen Moment. Auf den ersten Blick wirkte er nicht sehr wohlhabend. Seine Kleidung war nicht beschädigt, aber der Schnitt seines Mantels und die Materialien schienen von durchschnittlicher Qualität. „Tut mir leid“, erwiderte sie. „Wir sind leider restlos ausgebucht. Aber du darfst dich gerne einen Moment an unserem Kamin aufwärmen, bis das Unwetter vorbei ist. Wie wäre es mit einer heißen Suppe?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst wirkte der Mann enttäuscht, aber dann lächelte er Lavinia an und nickte. „Sehr gerne. Eigentlich wollte ich heute Abend noch in Charleston ankommen, aber bei dem Regen …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lavinia nickte mitfühlend, ehe sie in der Küche verschwand und kurze Zeit später mit einer Schale dampfender Suppe zurückkam. Sie reichte sie dem Mann. Dabei fiel ihr Blick auf einen goldenen Siegelring, den sie wegen der Handschuhe vorher nicht sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mein Name ist Lavinia“, stellte sie sich vor. „Ich betreibe dieses Gasthaus zusammen mit meinem Ehemann. Aber ich befürchte, er ist schon zu Bett gegangen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann nickte. „Mein Name ist Peeples. John Peeples“, stellte er sich vor. „Sehr erfreut.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lavinia lachte verzückt. „John. Genau wie mein Ehemann. Es freut mich, deine Bekanntschaft zu machen, John Peeples.“ Sie schenkte ihm ihr strahlendstes Lächeln. „Was verschlägt dich in unsere Gegend?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Geschäfte“, hielt Peeples es knapp. „Ich komme aus Georgia und bin die lange Strecke nur mit meinem Pferd und einigen flüchtigen Reisegefährten gereist, denen ich zufällig auf dem Weg begegnet bin.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lavinia machte große Augen. Es kam nicht häufig vor, dass jemand solch eine weite Strecke reiste, nur um einige <em>Geschäfte</em> abzuwickeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden unterhielten sich noch eine ganze Weile. Zwar hielt Peeples seine Aussagen vage, aber er verriet zumindest so viel, dass die Geschäfte von so hoher Wichtigkeit waren, dass er keinen Stellvertreter losschicken wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch brachte sie in Erfahrung, dass er ein eifriger Mann war, der zwar viele Geschäftspartner hatte, aber nur wenige Menschen, denen er wirklich wichtig war. Ein perfektes Opfer für Lavinia Fisher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lavinia entschuldigte sich für einen Augenblick. Kurze Zeit später kam sie mit einer Tasse Tee zurück, die sie Peeples lächelnd in die Hände drückte. „Eine eigene Mischung“, erklärte sie stolz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Peeples nickte freundlich, als er ihr die Tasse abnahm. Dass er mit diesem „widerlichen Blattwasser“, wie er Tee für gewöhnlich nannte, nichts anfangen konnte, behielt er für sich. Immerhin wollte er die schöne und liebreizende Lavinia nicht kränken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stück für Stück schüttete er den vergifteten Tee also in einen nahestehenden Eimer, wann immer Lavinia nicht hinsah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lavinia hingegen beobachtete zufrieden, wie die Tasse allmählich leer wurde. „Weißt du, John“, begann sie zögerlich. „Ich habe vorhin nicht ganz die Wahrheit gesagt. Tatsächlich haben wir noch ein Zimmer frei. Es ist zwar eigentlich für Freunde und Verwandte vorgesehen, aber du scheinst ein vernünftiger Mann zu sein. Wenn du möchtest, kannst du es für die Nacht mieten. Ich mache dir einen fairen Preis.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das überraschte John. Er hatte noch nie von einem Gasthaus gehört, das nicht alle Zimmer vermietete – von den Zimmern der Mitarbeiter einmal abgesehen. Trotzdem nahm er dankend an. Er gähnte herzhaft. „Vielleicht sollte ich mich direkt auf das Zimmer begeben“, warf er ein. „Um ehrlich zu sein bin ich ziemlich müde.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lavinia lächelte zufrieden. „Natürlich. Ich bringe dich sofort hin.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was Lavinia jedoch nicht ahnte, war, dass Peeples Müdigkeit nicht an ihrem vergifteten Tee lag. Er war bereits seit fast 20 Stunden auf den Beinen und konnte es kaum erwarten, wenigstens bis Tagesanbruch zu schlafen.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Peeples auf seinem Zimmer war, machte er sich sofort bettfertig. Statt sich auf die weiche Matratze zu legen, nahm er jedoch das Kissen und die Decke vom Bett und machte es sich auf einem Holzstuhl im Zimmer gemütlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, warum er das tat. Vielleicht hatten Lavinias viele Fragen ja doch sein Misstrauen geweckt, sodass er nicht in dem von der Tür aus deutlich sichtbaren Bett liegen wollte. Vielleicht war er auch generell ein misstrauischer Mensch. Oder aber er war einfach ein seltsamer Kauz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls rettete ihm diese Entscheidung, genau wie die Entscheidung, nicht den vergifteten Tee zu trinken, in dieser Nacht sein Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Peeples schreckte aus dem Schlaf hoch, als ein lautes Geräusch ertönte. Zuerst sah er sich irritiert im Raum um, bis er bemerkte, dass dort, wo vorhin das Bett gestanden hatte, nun ein großes, viereckiges Loch klaffte. Irritiert stand er auf und spähte nach unten. Das Bett war nicht verschwunden, sondern hing an massiven Scharnieren an der Wand fest. Es hatte die Matratze nach unten in den Keller gekippt. Und dort standen auch Lavinia und John Fisher, die Peeples mindestens genauso irritiert anstarrten, wie er sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden Serienmörder sprinteten natürlich sofort nach oben. Als sie das Zimmer erreichten, war Peeples aber schon über alle Berge. Er war aus dem Fenster geklettert, hatte sein Pferd aus dem Stall geholt und war im strömenden Regen weiter Richtung Charleston geritten. Dort alarmierte er sofort die Polizei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich gab es einen triftigen Grund, das Six Mile House näher unter die Lupe zu nehmen. Die Polizei rückte noch in derselben Nacht aus. Keine Ahnung, warum das Ehepaar Fisher nicht geflohen war. Vielleicht dachten sie nicht, dass Peeples es in seinem vermeintlich vergifteten Zustand weit schaffen würde. Oder sie dachten, dass sie sich wie immer aus der Sache herausreden könnten. So oder so Lavinia und John Fisher wurden noch in derselben Nacht verhaftet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich fand die Polizei Überreste und Besitztümer von über 100 vermissten Männern auf dem Grundstück des Six Mile Houses. Es ist daher bestimmt nicht weiter verwunderlich, dass Lavinia und John Fisher bald zu Tode verurteilt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte jedoch noch über ein Jahr, bis die beiden 1820 am selben Tag hingerichtet wurden. Da es zu damaliger Zeit in North Carolina rechtlich verboten war, eine verheiratete Frau hinzurichten, wurde John Fisher kurz vor seiner Ehefrau aufgeknüpft. Vielleicht musste sie sogar dabei zusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als man sie anschließend fragte, ob sie noch einen letzten Wunsch habe, erwiderte Lavinia Fisher, dass sie in ihrem Hochzeitskleid erhängt werden wolle – einem Wunsch, dem die Gemeinde angeblich sogar nachkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihr weißes Kleid der Unschuld gehüllt stand Lavinia nun also mit einem Strick um den Hals auf der Hinrichtungsplattform. Mit Abscheu, vielleicht sogar Überlegenheit, blickte sie über die Menge. Ein letztes Mal erhob sie ihre Stimme. „Falls jemand von euch eine Nachricht an den Teufel hat“, brüllte sie in die Menge, „teilt sie mir jetzt mit, denn ich werde ihm gleich begegnen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend griff sie selbst nach dem Hebel, der die Falltür unter ihren Füßen betätigte, und legte ihn um. Sie starb durch ihre eigene Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Teufel hingegen, hat Lavinia nie gesehen. Es heißt, dass sie seit jenem Tag durch das alte Gefängnis von Charleston spuken soll und jeden Mann angreift, der es wagt, ihr in die Quere zu kommen.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach war Lavinia Fisher die erste verurteilte Serienmörderin der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie betrieb zusammen mit ihrem Mann John Fisher das Six Mile House, ein Gasthaus, in dem sie zahlreiche Morde begangen haben sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lavinia und John Fisher:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Leben von Lavinia Fisher ist nicht viel bekannt. Es heißt aber, dass sie ca. 1793 geboren wurde und den Großteil ihres Lebens in der Nähe von Charleston gelebt haben soll. Dort hat sie auch ihren Ehemann John kennengelernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach betrieben sie gemeinsam ein Gasthaus, das den Namen „Six Mile House“ oder „Six Mile Wayfarer House“ getragen haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten ihrer Gäste waren einfache Reisende, aber es gab auch wohlhabende Menschen unter ihnen. Als Lavinia merkte, dass viele von ihnen Geld und Wertsachen bei sich hatten, soll sie das auf eine Idee gebracht haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Verbrechen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam mit John entschied sie, die Gäste auszurauben. Angeblich hat die attraktive Lavinia sie zuerst betört und ihnen Fragen zu ihren Berufen gestellt, um in Erfahrung zu bringen, ob die Männer wohlhabend waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn das der Fall war, bot sie ihnen Tee an – eine eigene Mischung, die mit Oleander oder Laudanum vergiftet worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gift machte die Männer schnell schläfrig, weshalb sie nichtsahnend zu Bett gingen. Anschließend wurden sie – sofern das Gift sie nicht bereits getötet hatte, von Lavinia oder John ermordet. Ihre Methoden variieren jedoch von Erzählung zu Erzählung stark.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Versionen ist sogar von einem Bett die Rede, dass als eine Art Falltür diente, die die Toten oder betäubten Gäste ins Untergeschoss oder den Keller fallenließ, damit die Fishers die Leiche nicht durch den Gasthof tragen mussten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf diese Weise schafften sie es, lange Zeit unentdeckt zu bleiben. Zwar fiel durchaus auf, dass gelegentlich Gäste des Six Mile Houses spurlos verschwanden, jedoch gab es keine Beweise gegen die Fishers. Darum und weil das Ehepaar in der Gegend sehr beliebt war, gab es nie eingehendere Untersuchungen gegen sie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ende der Mordserie:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">1819 kam ein Mann namens John Peeples in das Gasthaus. Lavinia Fisher versuchte, bei ihm ihre übliche Masche abzuziehen. Sie schmeichelte sich bei ihm ein, stellte ihm Fragen zu seinem Beruf und bot ihm schließlich den vergifteten Tee an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">John Peeples trank jedoch keinen Tee. Er wollte seine Gastgeber allerdings auch nicht kränken und so schüttete er den Tee heimlich weg, während sie gerade nicht hinsahen. Auch sollen ihm die vielen persönlichen Fragen von Lavinia suspekt vorgekommen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er also auf seinem Zimmer war, entschied er, nicht in das von der Tür sofort ersichtliche Bett zu gehen, sondern auf einem Holzstuhl zu schlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Nacht hörte er schließlich Geräusche und sah, wie sein Bett in den Boden kippte. Daraufhin ergriff er sofort die Flucht, ritt auf seinem Pferd nach Charleston und meldete den Vorfall der Polizei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich fand man Überreste von über 100 Männern auf dem Grundstück des Six Mile Houses. Lavinia und John Fisher wurden kurz darauf verhaftet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Verurteilung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ehepaar Fisher verbrachte mehrere Monate in einer gemeinsamen Zelle im Gefängnis, ehe sie 1820 öffentlich hingerichtet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da es damals in South Carolina verboten war, eine verheiratete Frau hinzurichten, wurde John Fisher kurz vor seiner Frau erhängt, sodass sie zu einer Witwe wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Lavinia Fisher schließlich selbst an der Reihe war, äußerte sie ihren letzten Wunsch, in ihrem Hochzeitskleid erhängt zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach sollen ihre letzten Worte in etwa wie folgt gewesen sein: „If any of you have a message for the devil tell me now, for I shall be seeing him shortly.” (Englisch für: „Falls jemand von euch eine Nachricht an den Teufel hat, teilt sie mir jetzt mit, denn ich werde ihm gleich begegnen.“)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich soll sie daraufhin sogar selbst den Hebel umgelegt oder von der Plattform gesprungen sein und ihrem Leben so selbst ein Ende gesetzt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Teufel hat sie jedoch wahrscheinlich nicht gesehen. Zumindest ist der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> von Lavinia Fisher, der u. a. in dem alten Gefängnisgebäude spuken soll, einer der berühmtesten Geister von Charleston.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort des Geschehens war, wie bereits erwähnt, das Gasthaus der Fishers. Es hieß entweder Six Mile House oder Six Mile Wayfarer House, da es etwa 6 Meilen nördlich von Charleston, North Carolina lag.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ursprung der Legende ist nicht ganz so einfach auszumachen, wie man vielleicht glauben mag. Über die Jahre gab es viele Übertreibungen in den Erzählungen über Lavinia Fisher, sodass es schwierig ist, tatsächliche Fakten zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der größten Unterschiede zu der Legende ist aber, dass Lavinia und John Fisher überhaupt nicht für Mord, sondern lediglich für Highway Robbery, also Straßenraub, verurteilt wurden – ein Verbrechen, auf das ebenfalls die Todesstrafe stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hat man auf dem Grundstück des Six Mile Houses wohl keine menschlichen Überreste gefunden, die man mit den Fishers in Verbindung bringen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hat das Ehepaar keineswegs allein agiert. Sie waren Mitglieder, einigen Quellen zufolge sogar die Anführer, einer gefürchteten Gang, die im Five Mile House und dem Six Mile House agiert haben. Ob das Six Mile House überhaupt ein Gasthaus war, ist also ebenfalls umstritten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Des Weiteren wird in einem Zeitungsartikel des Charleston Couriers vom 22. Februar 1819 eine etwas andere Geschichte erzählt, wie das Ehepaar schließlich gefasst werden konnte:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem Artikel zufolge hat sich eine Gruppe Zivilisten zusammengeschlossen, um den kriminellen Aktivitäten in der Gegend ein Ende zu setzen. Dabei wurde das Five Mile House niedergebrannt und das Six Mile House von einem Mann namens David Ross besetzt, der dort Wache halten sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Nacht sind Lavinia, John und einige andere Gangmitglieder jedoch zu dem Haus zurückgekehrt. Sie schlugen David Ross zusammen, der es irgendwie schaffte, in die Wälder zu entkommen und zurück in die Stadt zu laufen. Die Polizisten, die daraufhin ausrückten, nahmen schließlich Lavinia und John Fisher gefangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abgesehen von einem missglückten Ausbruchsversuch aus dem Gefängnis, ist der Ablauf ab hier ähnlich. Zwar habe ich nirgends Hinweise auf Lavinias tatsächliche letzte Worte finden können und auch das Hochzeitskleid ist wohl nur eine Erfindung, aber sie wurde wirklich etwa ein Jahr nach ihrer Gefangennahme kurz nach ihrem Ehemann erhängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über John Peeples, der der Legende nach dafür gesorgt hat, dass die Fishers verhaftet wurden, habe ich hingegen nichts herausfinden können. In einem Zeitungsartikel war jedoch die Rede von einem John People, der als weiterer wichtiger Zeuge diente, da er von den Fishers und ihrer Gang überfallen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Legende von Lavinia Fisher? Kanntet ihr sie bereits oder habt schon einmal davon gehört, dass sie Amerikas erste Serienmörderin gewesen sein soll? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Mary-san no Denwa – Telefonanruf von Mary</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Jun 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aber das konnte doch nicht sein. Eine Puppe konnte nicht sprechen und schon gar nicht telefonieren. Andererseits hatte ich außer meinen Eltern nie jemandem von Mary-sans Verschwinden erzählt. An meiner neuen Schule wusste niemand von der Puppe …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/7c2ff058919f41df852626fe385763f2" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Mary-san no Denwa ist eine japanische Legende, die schon länger auf meiner Liste steht. Da in letzter Zeit einige Male auf meinem Blog nach &#8222;Mary-san&#8220; gesucht wurde, habe ich mich entschieden, die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Horrorpuppe</a> in diesem Beitrag zu behandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kniete am Wohnzimmertisch vor meinen Hausaufgaben. Frau Nakagawa, unsere Japanischlehrerin, hatte uns einen Zettel mit Schriftzeichen mitgegeben, die wir als Hausaufgabe in unser Schulheft abschreiben sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine anderen Hausaufgaben hatte ich schon lange erledigt, aber das Abschreiben machte mir einfach keinen Spaß, weshalb ich mich bis eben davor gedrückt hatte. Jetzt, wo es draußen dunkel wurde, konnte ich es jedoch nicht länger aufschieben. Sollten meine Hausaufgaben immer noch nicht fertig sein, wenn meine Eltern von der Arbeit zurückkamen, würde ich bestimmt wieder Ärger bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück konnte das noch einige Zeit dauern. Wenn Mama mir etwas zu Essen in den Kühlschrank stellte, hieß das meist, dass sie erst spät nach Hause kamen – manchmal sogar erst, wenn ich schon im Bett sein musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt. Viele Kinder aus der Schule fanden es komisch, dass es Tage gab, an denen ich als Drittklässlerin meine Eltern nicht einmal sehe. Aber die Wahrheit ist, ich habe mich daran gewöhnt. Außerdem unternahmen wir meist etwas zusammen an den Wochenenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also saß ich wie so oft ganz allein im Wohnzimmer. Ich war gerade hochkonzentriert dabei, ein besonders kompliziertes Schriftzeichen abzuschreiben, als plötzlich ein vertrauter Klingelton erklang: das Festnetztelefon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort sprang ich auf und rannte zu dem kleinen Schrank, auf dem unser Telefon stand. Bestimmt waren das Mama oder Papa, die mir sagen wollten, dass es heute wieder später wird und ich ohne sie essen solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich das Telefon jedoch erreichte, stutzte ich. ‚Unbekannt‘ leuchtete mir auf dem kleinen Display entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irritiert nahm ich das Telefon aus der Ladestation und drückte den kleinen grünen Hörer. „Hallo?“, meldete ich mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo Hina-chan“, ertönte eine hohe, mir unbekannte Stimme. Sie erinnerte mich an eine der Zeichentrickfiguren aus dem Fernsehen. „Hier ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war zu überrascht, um zu antworten. Ehe ich auch nur einen Ton herausgebracht hatte, ertönte bereits das Tuten, das anzeigte, dass der Anrufer aufgelegt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was mich am meisten schockierte, war jedoch nicht, dass – wer auch immer das war – meinen Namen kannte, sondern der Inhalt der Nachricht: ‚Mein Name ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kannte eine Mary-san. Sie war allerdings kein Mensch, sondern eine Puppe. Meine Puppe. Sie war ein Geschenk gewesen, das Mama und Papa mir vor zwei Jahren von einer Geschäftsreise aus Europa mitgebracht hatten. Und sie war vor einigen Wochen, als wir in unser neues Haus gezogen waren, verlorengegangen. Papa hatte die Tüte, in der sie lag, versehentlich in den Müll geworfen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das konnte doch nicht sein. Eine Puppe konnte nicht sprechen und schon gar nicht telefonieren. Andererseits hatte ich außer meinen Eltern nie jemandem von Mary-sans Verschwinden erzählt. An meiner neuen Schule wusste niemand von der Puppe. Und Aoi, meine beste Freundin, hatte ich seit meinem Umzug nur ein einziges Mal gesehen. Über Mary-san hatten wir jedoch nicht geredet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem flauen Gefühl im Magen kniete ich mich wieder an den Wohnzimmertisch. Das Telefon legte ich neben mein Schulheft. Aber obwohl ich versuchte, nicht mehr an das Gespräch zu denken, konnte ich mich nicht auf meine Hausaufgaben konzentrieren. Die ganze Zeit musste ich darüber nachdenken, wer mir wohl einen Telefonstreich spielen konnte. Hatte ich vielleicht doch irgendwem aus meiner neuen Klasse von Mary-san erzählt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr viel langsamer als vorhin machte ich mich wieder daran, die Schriftzeichen abzuschreiben, während ich mir weiter den Kopf darüber zerbrach, was es mit dem Anruf auf sich haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich klingelte das Telefon erneut. Ich zuckte zusammen, zog dabei einen der Striche falsch, ehe ich vorsichtig Richtung Telefon blickte. ‚Unbekannt‘ leuchtete mir erneut entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zögerlich griff ich nach dem Gerät. Aber vielleicht war es ja diesmal jemand anderes. Oder es rief mir gleich jemand ein „Reingelegt!“ entgegen und ich würde wissen, wer mir den Streich gespielt hatte. Also drückte ich erneut auf den grünen Hörer. „Hallo?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo Hina-chan.“ Wieder sprach diese seltsam hohe Stimme. „Hier ist Mary-san. Ich bin jetzt an der Ecke vor der Karaoke-Bar.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Tuten ertönte erneut, bevor ich auch nur ein Wort hervorgebracht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der Ecke vor der Karaoke-Bar? Es gab hunderte Karaoke-Bars in der Stadt. Viele davon lagen an irgendwelchen Ecken. Und trotzdem beschlich mich das ungute Gefühl, dass ich genau wusste, von welcher Karaoke-Bar die Stimme geredet hatte: Die Karaoke-Bar, in die meine Eltern immer gingen, lag an einer Ecke. Und nicht nur das, sie lag auch noch so nah, dass meine Eltern immer zu Fuß hingingen, wann immer sie Lust auf Karaoke hatten. Kam Mary-san etwa näher?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nervös stand ich auf. Irgendwie war das ganz schön unheimlich. Ich lief durch das Wohnzimmer, um jedes Licht einzuschalten, das ich finden konnte. Außerdem betätigte ich die Lichtschalter im Flur und in der Küche – beides Räume, die ich vom Wohnzimmer aus sehen konnte. So gab es wenigstens keine dunklen Ecken, vor denen ich mich gruseln konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber … warum gruselte ich mich eigentlich? Mary-san war meine Freundin gewesen. Ja, sie war nicht meine Lieblingspuppe, aber ich hatte sie immer gut behandelt. Und trotzdem wurde mir jetzt schlecht bei dem Gedanken, dass Mary-san plötzlich vor mir stehen könnte. Wenn ich nur an die Stimme dachte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „So ein Quatsch!“, sagte ich laut. Puppen konnten gar nicht sprechen. Wer auch immer mich da anrief, es war bloß ein Mensch, der mir Angst machen wollte. Ich wusste nicht, warum er es tat, aber ich erinnerte mich an ein Gespräch, das ich mal mit Mama geführt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn jemand etwas macht, dass du nicht möchtest, musst du es ihm sagen“, hatte Mama erklärt. „Dann sagst du laut Stopp! Und dass er es lassen soll. Und falls das alles nicht hilft, möchte ich, dass du uns Bescheid sagst, ja? Egal, worum es auch geht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief ein und aus, während ich eine Entscheidung traf. Sollte die Stimme noch einmal anrufen, würde ich sie nicht ausreden lassen. Ich würde ihr sagen, dass sie mich in Ruhe lassen soll, genau wie Mama es mir erklärt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den nächsten Minuten kniete ich wieder an meinen Hausaufgaben. Ich blickte dabei jedoch mehr zu dem Telefon als auf mein Schulheft, wartete darauf, dass es erneut klingelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das Display wieder aufleuchtete, hatte ich blitzschnell danach gegriffen, noch ehe der erste Ton vom Klingelton erklungen war. Unbekannt. Selbstbewusst drückte ich den grünen Hörer. „Stopp!“, rief ich dann sofort laut ins Telefon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Stimme beachtete es gar nicht. „Hallo Hina-chan“, meldete sie sich wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist nicht lustig“, rief ich. „Wenn du noch einmal anrufst, sag ich es meinen Eltern!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Stimme redete unbeirrt weiter. „Hier ist Mary-san. Ich stehe vor deiner Haustür.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich öffnete den Mund, um etwas zu erwidern. Die Worte blieben mir jedoch im Hals stecken, als ich realisierte, was die Stimme da gerade gesagt hatte: Mary-san stand vor meiner Haustür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte das Tuten kaum, während ich den roten Hörer drückte, den Blick dabei stur in unseren Flur gerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Zehenspitzen schlich ich Richtung Eingangstür. Nicht, dass es etwas bringen würde. Durch das große Fenster beim Eingang hätte man mich von draußen sofort sehen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem versuchte ich, möglichst keinen Ton von mir zu geben. Schritt für Schritt schlich ich näher zur Tür. Dort angekommen drückte ich mein Gesicht ans Fenster. Unser Eingangsbereich lag dunkel und verlassen vor mir. Ein Mensch hätte sich da jedenfalls nicht verstecken können. Nicht einmal ein Kind. Aber Mary-san war eine kleine Puppe. Wenn sie direkt vor der Haustür lag …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angespannt biss ich die Zähne zusammen. Wenn ich wirklich sichergehen wollte, dass sie nicht vor unserem Haus war, blieb mir nichts anderes übrig, als die Tür zu öffnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zittrigen Fingern griff ich nach der Türklinke. Ich zog sie nach unten und öffnete die Tür einen ganz kleinen Spalt, bereit, sie sofort wieder zuzuschlagen. Vorsichtig spähte ich hindurch. Nichts. Der Boden war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also öffnete ich die Tür weiter, um alles sehen zu können. Von Mary-san oder sonst etwas Ungewöhnlichem fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort schloss ich die Tür wieder. Eigentlich hätte ich jetzt beruhigt sein müssen. Dass Mary-san nicht da gewesen war, bedeutete doch, dass es wirklich nur ein doofer Telefonstreich gewesen war, oder? Aber warum fühlte ich mich dann nicht besser? Im Gegenteil: Im Moment fühlte ich mich irgendwie beobachtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell rannte ich zurück ins Wohnzimmer, weg von dem großen Fenster. Aber auch hier verschwand das Gefühl nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich tat ich das, was ich schon nach dem zweiten Anruf hätte tun sollen: Ich nahm das Telefon und wählte Papa in den Kontakten aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tuut, tuut, tuut</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Komm schon Papa, geh ran.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tuut, tuut</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich hörte ich seine Stimme. „Hallo, hier ist die Mailbox von Watanabe. Leider bin ich zurzeit nicht …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter kam die Tonbandansage nicht. Ich hatte wieder aufgelegt. Dann eben Mama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch während ich ihren Namen in den Kontakten suchte, klingelte jedoch das Telefon. Blitzschnell drückte ich auf den grünen Hörer. Ich dachte gar nicht darüber nach, dass es jemand anderes als Papa sein könnte, der mich zurückrief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Papa? Hier ist Hina‘‘, jammerte ich ins Telefon. „Ich hab Angst. Da ist so ein Mädchen, das mich immer wieder anruft. Es lässt mich einfach nicht in Ruhe!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber am anderen Ende war nicht Papa. Stattdessen meldete sich eine mir inzwischen vertraute hohe Stimme. Und nicht nur das. Ich hörte sie nicht nur aus dem Telefon. „Hallo Hina-chan, hier ist Mary-san. Ich stehe jetzt direkt hinter dir.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mary-san no Denwa (メリーさんの電話, Japanisch für „Telefonanruf von Mary“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Japan. Sie handelt von einer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen">Horrorpuppe</a> namens Mary-san und ist ein beliebtes Motiv für Kettenbriefe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mary-san:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen von Mary-san wird in den meisten Erzählungen der Legende kein Wort verloren. Es gibt aber Darstellungen von ihr, in denen sie als gruselig aussehende manchmal kaputte Porzellanpuppe dargestellt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen ist sie eine normal aussehende Puppe oder eine japanische Rika-chan-Puppe, die optisch an eine mädchenhafte Barbie erinnert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seltenen Fällen ist Mary-san ein Mensch bzw. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte von Mary-san no Denwa ist meist sehr ähnlich. Zwar werden oft ein paar Details verändert und sie kann auch in der Länge stark variieren, aber die Handlung ist fast immer identisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einem Umzug wird Mary-san, die Puppe eines kleinen Mädchens oder einer Teenagerin, versehentlich in den Müll geworfen. Manchmal reagiert das Mädchen sehr traurig, andere Male ist ihr die Puppe relativ egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann – entweder am gleichen Abend oder einige Tage bis Wochen später – ist das Mädchen schließlich allein in der neuen Wohnung oder dem neuen Haus, weil die Eltern unterwegs sind. Da erhält sie plötzlich einen Anruf. Es meldet sich eine Stimme, die sagt: „Hier ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.“ Anschließend wird das Gespräch beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurze Zeit später klingelt das Telefon erneut. Wieder meldet sich jemand mit dem Namen Mary-san und nennt einen anderen Ort, an dem sie jetzt sei. Diesmal ist der Ort näher bei dem Mädchen, z. B. an einer Bushaltestelle, einem Laden oder einem anderen Ort in der Nähe. Wieder wird das Gespräch beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgen noch mindestens zwei weitere Anrufe. Bei dem Vorletzten ist Mary-san aber so gut wie immer angeblich vor der Haustür des Mädchens. Daraufhin nimmt es all seinen Mut zusammen und öffnet die Haustür, um nachzusehen, aber vor der Tür ist niemand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann klingelt das Telefon zum letzten Mal. Wieder meldet sich die Stimme: „Hier ist Mary-san. Ich stehe jetzt hinter dir.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle endet die Geschichte meistens. Selten wird erwähnt, dass das Mädchen daraufhin ermordet wurde oder die Eltern später ihre Leiche gefunden haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h3>



<h4 class="wp-block-heading">Mehrstöckiges Gebäude oder Hochhaus:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen der Geschichte wohnt die ehemalige Besitzerin von Mary-san in einer Wohnung eines mehrstöckigen Gebäudes oder eines Hochhauses. Darin erklärt Mary-san bei den Anrufen, in welchem Stockwerk sie sich gerade befindet, und kommt dem Mädchen dabei immer näher.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Rika-chan:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auch gibt es Versionen, in denen die Puppe eine Rika-chan-Puppe ist. Mehr hierzu erfahrt ihr unter Ursprung.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Taxifahrer:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt, gibt es auch Versionen, in denen Mary-san ein Mensch ist. Eine der bekanntesten von ihnen handelt von einem Taxifahrer, der Mary-san überfährt. Hierbei meldet sich Mary-sans Geist über das Funkgerät des Fahrers, während sie sich ihm Stück für Stück nähert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kettenbrief:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders als Kettenbrief war die Legende Mary-san no Denwa sehr beliebt. Darin ist die Geschichte von Mary-san in Kurzfassung erzählt, ehe die Aufforderung folgt, die Empfänger sollen die Nachricht an X Personen weiterleiten – ansonsten würde Mary-san sie als Nächstes anrufen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende Mary-san no Denwa spielt in fast allen Versionen in Japan. Der Ort kann jedoch von Geschichte zu Geschichte variieren. Wie bei den meisten urbanen Legenden bietet es sich an, die Geschichte an einen nahegelegenen Ort zu verschieben, damit sie gruseliger wirkt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zu dem Ursprung von Mary-san no Denwa gibt es viele verschiedene Spekulationen. Zwei von ihnen habe ich besonders häufig gelesen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Rika-chan-Telefon:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste von ihnen dreht sich um die bereits erwähnten Rika-chan-Puppen. Im Jahr 1968 richtete die Firma Takara Tomy, der Hersteller der Puppen, eine Telefonnummer ein, über die man Rika-chan anrufen kann. Am anderen Ende meldet sich dann eine Aufnahme, in der man von Rika-chan begrüßt wird. Diese Nachricht kann man noch heute hören. Die aktuelle Telefonnummer von Rika-chan findet ihr auf der <a href="https://licca.takaratomy.co.jp/tel/">Website von Takara Tomy</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer Version der Mary-san no Denwa Legende meldet sich Rika-chan irgendwann zurück und erklärt, wo sie sich gerade befindet, nachdem man diese Nummer angerufen und die automatische Nachricht angehört hat. Ab hier ist die Version identisch mit den Anrufen von Mary-san, die Anrufer werden also von Rika-chan heimgesucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spekulationen zufolge ist dies der Ursprung der urbanen Legende. Laut ihnen wurde der Name der Puppe zu Mary-san umgeändert, um rechtliche Probleme zu vermeiden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Yokohama Mary:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Theorie besagt, dass eine Frau, die unter dem Namen Yokohama Mary bekannt war, die Legende inspiriert hat. Yokohama Mary war eine Prostituierte, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Yokohama gelebt hat. Sie stand dort oft an den Straßen und galt als eine der schönsten Prostituierten ihrer Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders auffällig waren dabei ihr außergewöhnlicher Kleidungsstil und ihr schneeweiß geschminktes Gesicht, die an eine Puppe erinnert haben sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau 50 Jahre lang nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man die auffällig geschminkte Yokohama Mary in den Straßen von Yokohama antreffen, bis sie im Jahr 1995 in ein Altersheim gezogen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist also durchaus denkbar, dass ihr ungewöhnliches Auftreten einige Theorien und Mythen inspiriert hat. Vielleicht war darunter ja auch die Legende von Mary-san no Denwa.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mary-san in der heutigen Pop-Kultur:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Egal, wie die Legende letztendlich wirklich entstanden ist, Fakt ist, dass sie sich früher großer Beliebtheit erfreut hat. Besonders zu ihrer Hochzeit hat sie sich in Form von Kettenbriefen in ganz Japan verbreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen gibt es sogar den gleichnamigen japanischen Horrorfilm „Mary-san no Denwa“ (2011), der sich um die Legende dreht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem findet man Anspielungen auf Mary-san in diversen Manga und Anime.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Mary-san no Denwa? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie würdet ihr reagieren, wenn Mary-san euch anrufen würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Slenderman – Du darfst nicht mit ihm gehen! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 May 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Creepypasta]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er stand regungslos da und starrte mich aus seinem blanken, weißen Gesicht an. Er hat zwar keine Augen, aber ich spürte ganz deutlich, dass er mich ansah. Und dann … war er verschwunden. Vom einen zum nächsten Moment war er nicht mehr da …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/22c827f01ab946e08b964cb8fe1372f4" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Heute geht es um Slenderman, ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monster</a>, dass die meisten von euch bereits kennen dürften. Aus zeitlichen Gründen habe ich entschieden, diesmal wieder einen alten Beitrag zu überarbeiten. In zwei Wochen kommt dann noch ein neuer Beitrag, ehe ich zwei Wochenenden keine Zeit zum Schreiben habe. Aber mehr dazu im nächsten Beitrag. Jetzt wünsche ich euch erst einmal:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Paranoide Schizophrenie. Das hatte meine Psychiaterin diagnostiziert. Erst wollte ich es nicht wahrhaben. Sowas kannte ich sonst nur aus Filmen, meist von den grausamsten Tätern aus irgendwelchen Krimiserien. Andererseits war es um Welten besser als die Alternative …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles hatte vor einigen Wochen angefangen. Damals hatte ich mich sehr intensiv mit dem Creepypasta-Monster Slenderman auseinandergesetzt. Eine Freundin aus der Uni hatte mich auf die Idee gebracht. Sie hatte mir ein Videospiel gezeigt, in dem man von Slenderman verfolgt wurde, und auch, wenn ich mich definitiv nicht als Gamerin bezeichnen würde, hatte es mir echt Spaß gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur ein paar Tage später hatte Slenderman mich völlig in den Bann gezogen. Ich klickte mich durch Internetwikis und Creepypastastorys, las den kompletten Forenbeitrag, in dem Slenderman angeblich erfunden wurde, und spielte sogar noch andere Spiele, in denen Slenderman vorkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich schließlich anfing, von ihm zu träumen, dachte ich mir nichts weiter dabei. Ja, die Träume waren unheimlich, fast erdrückend, aber ich hatte mich eben viel mit ihm beschäftigt. Und auch die schattenhafte Gestalt, die ich gelegentlich aus dem Augenwinkel sah, schob ich auf meine rege Fantasie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles änderte sich jedoch, als Slenderman das erste Mal wahrhaftig vor mir stand. Ich war aus einem Traum aufgeschreckt. Das beklemmende Gefühl, beobachtet zu werden, das Slenderman immer in meinen Träumen verursachte, verfolgte mich diesmal in die wirkliche Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit beschleunigtem Atem spähte ich durch das Zimmer, ehe mein Blick an einer Silhouette bei der Tür hängenblieb. Die Form war eindeutig, trotzdem streckte ich meine Hand blind nach der Nachttischlampe aus. Ich erfühlte den kleinen Knopf und schaltete das Licht ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war das erste Mal, dass ich den echten Slenderman sah. Er stand regungslos da und starrte mich aus seinem blanken, weißen Gesicht an. Er hat zwar keine Augen, aber ich spürte ganz deutlich, dass er mich ansah. Und dann … war er verschwunden. Vom einen zum nächsten Moment war er nicht mehr da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein gesamter Körper war von einer Gänsehaut überzogen, während ich panisch darüber nachdachte, was gerade passiert war. Hatte ich ihn mir bloß eingebildet? War ich vielleicht noch nicht ganz wach gewesen? Ich hatte mal von sogenannten Schlafparalysen gelesen, in denen man im halbwachen Zustand fürchterliche Kreaturen sehen kann, die einem im Bett auflauern. Und auch das beklemmende Gefühl wurde von den meisten Leuten beschrieben, die von ihren Schlafparalysen berichten. Andererseits war man bei einer Schlafparalyse bewegungsunfähig. Und ich hatte mich ganz eindeutig bewegt, als ich das Licht eingeschaltet habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Dühr? Sind Sie noch bei mir?“, riss mich eine Stimme aus meinen Gedanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen Moment, bis ich realisierte, dass ich Frau Dr. Brinkmann gegenüber auf einem Sofa saß. Ich war so sehr in Gedanken versunken gewesen, dass ich die Welt um mich herum völlig ausgeblendet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„’Tschuldigung“, antwortete ich meiner Psychiaterin. Ich hatte sie aufgesucht, nachdem ich Slenderman einige weitere Male gesehen hatte. „Ich war in Gedanken wieder bei unserer ersten Begegnung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Dr. Brinkmann lächelte mitleidig. „Keine Sorge, Frau Dühr. Mit ihren neuen Medikamenten dürfte es schnell besser werden. Wenn Sie heute noch Ihre erste Tablette nehmen, können sie die Nacht vielleicht schon wieder durchschlafen. Spätestens in zwei Tagen dürften die Tabletten aber ihre volle Wirkung entfaltet haben.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich im Bus nach Hause saß, war ich frohen Mutes. Ich hatte die erste Tablette direkt in der Apotheke genommen. Zwar sah ich Slenderman noch während der Fahrt an einer verlassenen Bushaltestelle stehen, aber ich schloss bloß die Augen und stellte mir vor, wie mein Leben ohne die Halluzinationen aussehen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem konnte ich das Gefühl des Unwohlseins nicht ganz unterdrücken. Ich musste Slenderman nicht mehr ansehen, um ihn mir detailgetreu vorstellen zu können. Und so zeichneten seine weiße Haut, sein gesichts- und haarloser Kopf und der elegante schwarze Anzug mit dem weißen Hemd und der schwarzen Krawatte sich deutlich vor meinem inneren Auge ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also atmete ich einige Male tief durch, lockerte den Griff meiner Hände, die sich in den Sitz gekrallt hatten, und wartete, bis der Bus endlich weiterfuhr. Mehr sah ich von Slenderman an dem Tag nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch die Nacht verlief ohne Albträume. Zum ersten Mal seit Wochen fühlte ich mich am Morgen ausgeschlafen. Ich hätte Frau Dr. Brinkmann für ihre Tabletten küssen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast schon glücklich stand ich auf. Ich ging in die Küche, trank eine Tasse Kaffee und aß eine Schale Müsli, ehe ich mich zur Uni aufmachte. Heute war nicht allzu viel los und ich hatte nur wenige Vorlesungen, weshalb ich vergleichsweise früh nach Hause kam. Dabei erschien mir Slenderman nicht ein einziges Mal, weshalb ich sogar Joggen ging. Das hatte ich ewig nicht mehr getan. Und was soll ich sagen? Es tat mir richtig gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte wirklich, dass jetzt alles gut werden würde. Dass Slenderman ein für alle Mal verschwunden sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich jedoch unter der Dusche stand und gerade dabei war, meine Haare nass zu machen, kam das vertraute Gefühl, beobachtet zu werden, schlagartig zurück. Ich hatte das Gefühl schon häufiger unter der Dusche gehabt. Auch vor Slenderman. Das Gefühl, dass plötzlich jemand oder etwas hinter mir steht, während ich die Augen geschlossen hatte, damit kein Wasser oder Shampoo hineinkam. Ich fühlte mich blind und wehrlos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem – oder gerade deswegen – öffnete ich nicht meine Augen. Ich tastete blind nach meiner Shampooflasche, damit ich Slenderman nicht sehen musste, sollte er tatsächlich irgendwo im Bad stehen. Womit ich jedoch nicht gerechnet hatte, war, dass meine Hand auf rauen Stoff traf. So weit in die Dusche hinein konnte mein Duschvorhang überhaupt nicht hängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsicher öffnete ich jetzt die Augen. Ich sah etwas großes Schwarzes neben mir stehen. Entsetzt riss ich den Kopf hoch … und blickte direkt in das leere weiße Gesicht von Slenderman, das mich wie immer augenlos anstarrte. Es war maximal einen halben Meter von meinem entfernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein spitzer Aufschrei entfuhr mir, während ich rückwärts taumelte. Ich rutschte mit dem Fuß weg, verlor das Gleichgewicht. Während ich dabei war, aus der Dusche zu stürzen, krallten sich meine Finger in den Duschvorhang. Ich spürte, wie die Duschvorhangstange unter meinem Gewicht nachgab. Sie brach aus der Verankerung. Mit einem lauten metallischen Scheppern stürzte sie gemeinsam mit mir zu Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch befreite ich mich von dem Stoff, rappelte mich auf und rannte aus dem Bad Richtung Schlafzimmer. Dort schloss ich die Tür hinter mir ab und rief mit meinem Handy sofort Frau Dr. Brinkmann an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Brinkmann?“, meldete sie sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Dr. Brinkmann?“, jammerte ich in mein Telefon. „Bitte, ich brauche Ihre Hilfe. Bis eben war alles gut. Ich dachte, die Tabletten wirken. Aber dann stand er plötzlich in der Dusche. Ich hab ihn berührt. Verstehen Sie? Ich hab den Stoff seines Anzugs zwischen meinen Fingern gespürt! Ist sowas überhaupt möglich?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Dühr?“, erwiderte meine Psychiaterin. „Bitte atmen Sie einmal tief durch und erklären Sie mir genau, was geschehen ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das tat ich auch. Nachdem ich ihr alles so genau geschildert hatte, wie es mir in meinem kleinen Panikanfall möglich war, bot sie mir an, dass ich zu der späten Stunde noch in ihre Praxis fahren solle. Sie würde vor Ort auf mich warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch warf ich mir die nächstbeste Kleidung über. Als ich jedoch nach der Türklinke griff, zögerte ich. Aber zum einen wollte ich Dr. Brinkmann nicht warten lassen und zum anderen wusste ich genau, dass eine verschlossene Tür Slenderman nicht aufhalten konnte. Also drehte ich den Schlüssel im Schloss und stürzte auf den Flur. Aus dem Augenwinkel sah ich eine schwarze Gestalt in meiner Wohnzimmertür stehen. Ich sah nicht hin, riss meine Jacke vom Harken, schlüpfte in meine Sneakers und stürmte nach draußen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch auf dem Weg zur Praxis sollte Slenderman mich nicht in Ruhe lassen. Ich sah in zweimal auf der anderen Straßenseite stehen, ehe ich die Bushaltestelle erreichte. Und auch dort sah ich ihn ein weiteres Mal auf einem Spielplatz, während ich auf meinen Bus wartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie froh ich war, als der Bus endlich ankam. Ohne dem Spielplatz eines weiteren Blickes zu würdigen, sprintete ich hinein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nervös mit dem Bein hibbelnd saß ich da. Wahrscheinlich hielten mich die anderen Fahrgäste für einen Junkie, wie ich mich mit meinen nassen, ungekämmten Haaren und dem zuckenden Bein nervös im Bus umsah. Ich musste ziemlich scheiße aussehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem sprach mich niemand an. Und das war mir nur recht so. Die einzige Person, mit der ich gerade sprechen wollte, war meine Psychiaterin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich stand Slenderman im Gang neben mir und die Situation eskalierte: Ich kreische, während ich aufsprang und mich an ihm vorbei nach vorne drängelte. Dabei sah ich, wie schattenhafte Tentakel aus seinem Rücken waberten. Meine Nerven lagen blank. Panisch schrie ich auf den Busfahrer ein. „Bitte. Er ist hier. Lassen Sie mich raus!“, schrie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der junge Fahrer sah aus, als wäre er mit der Situation mindestens genauso überfordert wie ich. „Beruhigen Sie sich. Wir sind gleich bei der nächsten Station“, versuchte er, mich zu beschwichtigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich wollte mich nicht beruhigen. Ich hielt es nicht aus, mit diesem Ding im Bus zu sein. Also griff ich dem Fahrer ins Lenkrad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wollte ich nicht, dass der Bus einen Unfall baut, aber irgendwie musste ich den Fahrer ja zum Bremsen animieren. Es funktionierte. Sobald der Bus stand, drückte ich den Türöffner neben dem Lenkrad und stürmte auf die Straße. Was ich dabei nicht bedachte, war das Auto, das auf der Spur neben uns fuhr. Ein Hupen. Quietschende Reifen. Ein lauter Knall. Schwärze.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einem Krankenhausbett. Mein rechter Arm befand sich in einem Gips, Verband zierte meinen linken. Ich erkannte einen EKG-Monitor, über den in regelmäßigen Abständen mein Puls zuckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie sind wach!“, hörte ich eine überraschte Stimme zu meiner Linken. „Frau Dühr, Sie hatten einen Unfall. Sie befinden sich in einem Klinikum“, versuchte ein Arzt mir zu erklären, ehe er begann, auf mich einzureden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte, obwohl ich ihm gar nicht zuhörte. Meine Aufmerksamkeit galt der großen Gestalt, die am Fußende meines Bettes stand: Slenderman.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er stand dort und beobachtete mich, wie er es schon so viele Male getan hatte. Doch diesmal war es anders. Ich hatte keine Angst. Mein Atem blieb völlig ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst, als seine schattenhaften Tentakel wieder aus seinem Rücken wuchsen, wie sie es bereits im Bus getan hatten, änderte sich die Kurve auf dem EKG-Monitor nicht. Ich wollte nicht mehr gegen ihn ankämpfen. Es sollte endlich aufhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich beugte er sich nach vorn. Er streckte seine Hand nach mir aus, als wolle er, dass ich mit ihm gehe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam und vorsichtig hob ich jetzt auch meine Hand und griff nach der seinen. Seine Tentakel schlossen sich langsam um mich. Sie hüllten mich in vollkommene Schwärze. Das Letzte, was ich hörte, war das flache durchgehende Piepen des Herzfrequenzmessgeräts.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Slenderman (Englisch für „schlanker Mann“) ist eines der berühmtesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/creepypasta" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Creepypasta</a>-Monster der Welt. Er ist so berühmt, dass er es geschafft hat, zu einer weltweit bekannten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbanen Legende</a> zu werden. Inzwischen gibt es außerdem diverse Computerspiele und Filme über ihn.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Slenderman ist ein menschenähnliches Wesen, das meist um die 2 bis 3 Meter, seltener bis zu 4 Meter groß beschrieben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Darstellungen trägt er einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd und eine schwarze oder rote Krawatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im direkten Kontrast zu seiner schwarzen Kleidung steht seine weiße Haut. Er hat einen schneeweißen Kopf ohne Augen, Mund, Nase, Ohren oder Haare. Sein Gesicht ist eine blanke, konturlose Fläche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch seine weißen Hände werden fast ausschließlich ohne Fingernägel und Falten dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich soll er mehrere schwarze schattenhafte Arme oder Tentakel besitzen, die aus seinem Rücken wachsen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über die Jahre gab es viele verschiedene Versionen von Slenderman, die sich mal mehr mal weniger stark voneinander unterscheiden. Ich beziehe mich an dieser Stelle auf den ursprünglichen Slenderman und einige von der Allgemeinheit als Canon anerkannte Ergänzungen, die mit der Zeit hinzugekommen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich war z. B. davon die Rede, dass Slenderman ausschließlich Kinder entführen würde. Inzwischen heißt es jedoch, dass er jede Person, egal welchen Alters, entführen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders häufig sind Menschen betroffen, die sich eingehend mit Slenderman beschäftigen. Einige Leute meinen, es würde reichen, wenn man sich mehrere Artikel über Slenderman durchliest oder sogar nur die Spiele zu lange oder häufig spielt, andere meinen, man müsse regelrecht von ihm besessen sein, um ihm zum Opfer zu fallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so sind die ersten Anzeichen, dass Slenderman zu einer Gefahr werden kann, wen man anfängt, von ihm zu träumen. Spätestens dann sollte man lieber von dem Slenderman-Thema die Finger lassen. Leider ist es aber auch genau diese Faszination, die die Leute dazu bewegt, sich noch mehr mit ihm zu beschäftigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann soll Slenderman schließlich aus den Träumen in die wirkliche Welt entweichen – sei es nur als schattenhafte Gestalt, die man aus dem Augenwinkel sieht, oder als deutliche Erscheinung. Er steht dabei immer reglos in der Gegend herum und soll dabei menschenleere Orte und Wälder bevorzugen. Auch kann er sich teleportieren, also spontan auftauchen und genauso plötzlich wieder verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Zeit werden die Erscheinungen immer realer und häufiger, bis er die Betroffenen schließlich entführt oder sie dem Wahnsinn verfallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gerücht, dass man Slenderman nicht ansehen dürfe, da er einen sonst holen kommt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit den Slenderman-Videospielen entsprungen, in denen man verliert, wenn man Slenderman zu lange direkt ansieht. In den ursprünglichen Creepypastas ist davon nirgends die Rede.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Slenderman hat keinen bevorzugten Lebensraum. Zwar wird er, wie bereits erwähnt, hauptsächlich mit Wäldern und verlassenen Orten in Verbindung gebracht, er soll jedoch auch schon in belebten Gegenden und sogar in Menschenmengen gesehen worden sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Slenderman (oder Slender Man, wie er damals noch geschrieben wurde) wurde im Jahr 2009 im Rahmen eines Foto-Wettbewerbs des Internetforums „Something Awful“ erschaffen, bei dem es darum ging, paranormale Fotos zu erstellen (die Forendiskussion findet ihr <a href="https://forums.somethingawful.com/showthread.php?threadid=3150591" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>, falls sie euch interessiert). Der Erfinder von Slenderman heißt Eric Knudsen und ist unter dem Pseudonym Victor Surge bekannt. Er postete im Rahmen des Wettbewerbs die ersten Fotos von Slenderman und schrieb die ersten Texte über ihn. Slenderman stieß dabei auf solche Beliebtheit, dass bald auch weitere Nutzer Bilder zeichneten und Fotos erstellten, die ihn darstellten. Im Rahmen des Forums wurde übrigens auch ein anderes Wesen erschaffen, das angeblich den Ursprung der Slendermanlegende darstellt: <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-grossmann" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der Großmann</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald schon war Slenderman in der Creepypasta-Community weit über das „Something Awful“-Forum hinaus bekannt. Mit dem gratis Computerspiel „Slender: The Eight Pages“ (2012) und seinem kostenpflichtigen Nachfolger „Slender: The Arrival“ (2013), die damals beide viral gingen, erreichte Slenderman weitere Zielgruppen, bis er schließlich zu seiner heutigen Größe heranwuchs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem erschienen weitere Videospiele von anderen Entwicklern sowie diverse Filme, in denen Slenderman vorkommt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Verheerende Folgen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In wenigen Tagen jährt sich ein wirklich schlimmes Verbrechen, das im Namen von Slenderman verübt wurde. Am 30. Mai 2014 stachen in Waukesha, Wisconsin, USA zwei 12-jährige Mädchen mit 19 Messerstichen auf eine ebenfalls 12-jährige Freundin und Klassenkameradin ein. Zum Glück hat sie den Angriff überlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden Mädchen taten dies, weil sie der Meinung waren, dass Slenderman sie und ihre Familien töten würde, wenn sie es nicht täten. Ausgelöst wurde dieser Gedanke durch ihre Recherche in der Creepypasta Wiki und der Schizophrenie, unter der eines der beiden Mädchen litt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Näher möchte ich an dieser Stelle nicht auf den Fall eingehen, aber falls ihr euch für den Fall interessiert, kann ich euch den Dokumentarfilm „Beware the Slenderman“ sehr ans Herz legen, der den grausamen Fall im Detail behandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich hoffe, euch hat meine überarbeitete Geschichte von Slenderman gefallen. Was haltet ihr von ihm? Habt ihr die Spiele schon einmal gespielt oder gesehen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/slenderman">Slenderman – Du darfst nicht mit ihm gehen! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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