<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>asiatische Legende Archive - Geister und Legenden</title>
	<atom:link href="https://www.geister-und-legenden.de/tag/asiatische-legende/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.geister-und-legenden.de/tag/asiatische-legende</link>
	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Mon, 30 Mar 2026 10:43:15 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2019/03/Icon2-150x150.jpg</url>
	<title>asiatische Legende Archive - Geister und Legenden</title>
	<link>https://www.geister-und-legenden.de/tag/asiatische-legende</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Hone-Onna – Ihre Liebe bringt dich um!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Hone-Onna]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Rachegeist]]></category>
		<category><![CDATA[Rachegeister]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Yokai]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3412</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ich warf den Kopf nach links und rechts. Wo war ich hier? Ich stand in einer Gasse. In beide Richtungen sah ich Reihen von altmodischen Häuschen und Mauern, die vom warmen Licht mehrerer Laternen beleuchtet wurden. Ich hatte keine Ahnung, wie ich hergekommen war. Was passierte nur mit mir …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna">Hone-Onna – Ihre Liebe bringt dich um!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/37e39f7454054e94ac03577dbaaea142" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Hone-Onna ist ein japanischer Geist. Tatsächlich ist auf meinem Blog in einer anderen Geschichte schon einmal eine Hone-Onna vorgekommen. Um welche Geschichte es sich dabei handelt, erfahrt ihr in diesem Beitrag.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod einer geliebten Person<br>
&#8211; Krankheit: MS</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich warf den Kopf nach links und rechts. Wo war ich hier? Ich stand in einer Gasse. In beide Richtungen sah ich Reihen von altmodischen Häuschen und Mauern, die vom warmen Licht mehrerer Laternen beleuchtet wurden. Zwischen ihnen gab es fast keine Gassen.</p>



<p>Es war eine typische japanische Altstadt. Alles kam mir seltsam vertraut vor, aber ich wusste beim besten Willen nicht, woher. Ich konnte mich an fast nichts erinnern.</p>



<p>Verunsichert sah ich an mir hinab. Ich trug einen traditionellen Kimono. Es war mein Kimono. So viel wusste ich. Aber normalerweise trug ich ihn nur zu feierlichen Anlässen. Ansonsten hatte ich … ja, ich erinnerte mich an einen grauen Pulli, den ich oft getragen hatte. Er brachte noch eine weitere Erinnerung mit sich, aber als ich mich darauf konzentrierte, war sie bereits wieder verschwunden. Was passierte nur mit mir?</p>



<p>Da mir nichts anderes übrigblieb, entschied ich, die Gasse entlangzugehen. Zum Glück spendeten die Laternen genügend Licht, sodass die nächtliche Straße ausreichend beleuchtet war.</p>



<p>Schnell setzte ich einen Fuß vor den anderen. Meine Geta – die Holzsandalen, die man traditionell zum Kimono trug – klackten mit jedem Schritt über die Pflastersteine.</p>



<p>Während ich die Straße entlangging, versuchte ich krampfhaft, mich an irgendetwas zu erinnern. Aber ich wusste nicht einmal meinen eigenen Namen. Und auch die Umgebung weckte keinerlei Erinnerungen. Zumindest, bis ich an eine Kreuzung kam. Ich stockte. Zwar wusste ich immer noch nicht, wo ich war, aber irgendetwas in mir wollte, dass ich links abbog. Es war mehr ein Gefühl. Als wäre ich diese Straße irgendwann schon einmal entlanggegangen.</p>



<p>Es dauerte nicht lange, bis ich die Altstadt hinter mir gelassen hatte. Jetzt wurden die traditionellen Häuser durch moderne Gebäude und gelegentliche Neonschilder abgelöst. Das Gute war: Die Gegend kam mir mehr und mehr bekannt vor.</p>



<p>Ich beschleunigte meine Schritte, merkte es aber erst, als ich in ein Joggen übergegangen war. Ich wusste, wo ich war! Die Straße runter, hinter dem kleinen Ramenrestaurant rechts, dann an dem Konbini vorbei und weiter in die Wohngegend.</p>



<p>Auf dem gesamten Weg begegneten mir nur eine Handvoll Leute. Ich kannte sie nicht, also ignorierte ich sie. Und auch sie schenkten mir keine weitere Beachtung.</p>



<p>Dann endlich stand ich vor einem zweistöckigen Haus. Ich hatte keine Ahnung, warum mir das Gebäude so vertraut vorkam. Meine Füße trugen mich wie von selbst die außen liegende Treppe hinauf. Ich ging einen schmalen Gang entlang, zu meiner Linken mehrere Wohnungen, zu meiner Rechten nur ein Geländer. Ich war hier schon oft gewesen.</p>



<p>Als ich eine Frau erblickte, die gerade aus einer Tür kam, blieb ich stehen. Und auch sie hielt mitten in der Bewegung inne. Sie war alt, hatte ein faltiges, wenn auch freundliches Gesicht. Ihre grauen Haare trug sie zu einem Dutt gebunden. Ich kannte die Frau! Aber woher? Und wie war ihr Name?</p>



<p>Da es mir nicht einfiel, versuchte ich es mit einem einfachen: „Guten Abend.“ Dabei tat ich einen Schritt auf sie zu.</p>



<p>Das hingegen schien der Frau nicht zu passen. Mit einer Geschwindigkeit, die ich ihr in ihrem Alter kaum zugetraut hätte, sprintete sie in ihre Wohnung zurück. Die Tür schloss sie hastig hinter sich. Ich hörte das mechanische Klicken eines Schlosses, das abgeschlossen wurde.</p>



<p>Jetzt stand ich mit offenem Mund da. Was war gerade passiert? Aber als mein Blick auf die Wohnung eine Tür weiter fiel, war das alles nicht mehr wichtig. Ich kannte die Wohnung. Ein plötzliches Gefühl von Wärme stieg in mir auf. Es war so überwältigend, dass es mich zu erdrücken drohte.</p>



<p>Mein Atem ging jetzt schnell und stoßweise, während ich auf die Wohnungstür zuging. Wie oft ich schon hier gewesen war … Es kam mir vor wie mein zweites Zuhause. Ohne zu zögern, betätigte ich die Klingel. Ich brauchte nicht einmal hinzusehen, um zu wissen, dass „Osaki“ auf dem Schild darunter stand. Anschließend klopfte ich ungeduldig an der Tür.</p>



<p>„Ist gut“, kam eine Stimme von drinnen. „Ich komm ja schon. Ich komm ja schon!“ Es war <em>seine</em> Stimme.</p>



<p>Im nächsten Moment öffnete er die Tür.</p>



<p>Er sah mich mit offenem Mund an, erstarrte dabei genauso wie die Frau eben auf dem Flur. Erst runzelte er die Stirn, dann wurde seine Miene weicher.</p>



<p>Ich hingegen spürte, wie mir jetzt Tränen in die Augen stiegen. „Hey, Taro“, sagte ich. Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.</p>



<p>„Masami?“, kam es von ihm zurück.</p>



<p>Im nächsten Augenblick lagen wir einander in den Armen. Jetzt weinten wir beide. Kurz drückte Taro mich weg, um mich anzusehen, dann schloss er mich wieder fest in die Arme. „Ich versteh das nicht“, schluchzte er. „Ich dachte, du bist tot.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Einige Minuten später saßen wir aneinandergekuschelt in seinem Wohnzimmer. Je mehr ich mich umsah, desto mehr erinnerte ich mich an alles. Taro und ich waren seit über drei Jahren ein Paar, aber wir kannten uns schon sehr viel länger. Wir waren sogar zur selben Schule gegangen. Alles war perfekt gewesen, bis …</p>



<p>„Ich hatte einen Unfall“, dachte ich laut.</p>



<p>Taro nickte. „Als man dein Auto gefunden hat, war es völlig ausgebrannt“, erklärte er. „Die Person am Steuer war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Wir dachten, du seist tot. Was ist passiert?“</p>



<p>Ich versuchte, mich zu erinnern. Da war ein helles Licht. Scheinwerfer aus dem Gegenverkehr. Aber danach? „Ich erinnere mich nicht.“ Ich fasste mir an den Kopf. Darüber nachzudenken bereitete mir Kopfschmerzen.</p>



<p>Taro drückte mich fest an sich. „He“, sagte er. „Alles wird gut. Wir finden das schon heraus. Gemeinsam. Dafür haben wir jetzt alle Zeit der Welt. Im Moment ist erstmal wichtig, dass es dir gutgeht.“ Er lehnte sich zu mir, um mir einen leidenschaftlichen Kuss zu geben.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Morgen wachte ich neben Taro im Bett auf. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, weshalb ich seine Umrisse nur im Halbdunkel einer Straßenlaterne erahnen konnte, deren Licht durchs Fenster fiel. Dafür spürte ich seine Wärme, roch seine Haut. Es fühlte sich alles so verdammt richtig an.</p>



<p>Trotzdem musste ich aufstehen. Ich konnte es nicht erklären, aber es war ein Gefühl, eher schon ein tiefsitzender Instinkt, dass ich irgendwo sein musste. Also löste ich mich vorsichtig von ihm.</p>



<p>Ich ging zu unserem Kleiderschrank. Zu meiner Überraschung waren meine Sachen, die ich damals bei ihm gelassen hatte, noch immer hier. Frische Unterwäsche, eine Jeans, mehrere T-Shirts und … mein Pullover!</p>



<p>Ungläubig griff ich danach. Er hatte in abgeblätterten weißen Lettern den Namen meiner Uni aufgedruckt. Ich versenkte mein Gesicht in dem grauen Stoff. Er roch nach Taro. Natürlich tat er das. Seit meinem Unfall hatte er in seiner Wohnung gelegen.</p>



<p>Gut gelaunt zog ich mich an. Als ich in den Pullover schlüpfte, hatte ich ein breites Lächeln auf dem Gesicht.</p>



<p>Plötzlich ging hinter mir das Licht an. „Musst du weg?“, fragte Taro verschlafen.</p>



<p>Ich fuhr herum. Mein Freund lag noch im Bett. Seine schwarzen Haare standen wirr in alle Richtungen. Er rieb sich Schlaf aus den Augen.</p>



<p>„Ja“, sagte ich. „Ich hab noch was zu erledigen. Aber heute Abend bin ich wieder hier. Versprochen.“</p>



<p>Taro fragte nicht weiter nach. Also ging ich zu ihm und gab ihm einen Kuss. Er erwiderte ihn. „Ich werde auf dich warten“, sagte er.</p>



<p>Ich lächelte. Dann drehte ich mich um und ging wieder aus der Wohnung. Ich ging denselben Weg zurück, den ich gekommen war. Dabei musste ich nicht einmal nachdenken. Meine Füße bewegten sich wie von selbst. Ich folgte meinen Instinkten zurück in die Altstadt. Doch während die Sonne langsam aufging, umgab mich allmählich Dunkelheit. Ich hatte keine Ahnung, was mit mir passierte, aber ich spürte keine Angst. Dann war da nur noch Schwärze.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Als ich wieder zu mir kam, war die Sonne bereits untergegangen. Es war Abend. Ich hatte keine Ahnung, was in der Zwischenzeit passiert war.</p>



<p>Wie auch am Tag zuvor stand ich wieder in der Altstadt, nur, dass ich diesmal wusste, wo ich hinwollte. Ich rannte durch die Straßen, konnte es gar nicht erwarten, Taro wiederzusehen. Bald hatte ich die Altstadt hinter mir gelassen, eilte zwischen den mit Neonschildern behangenen Läden hindurch und war bereits nach wenigen Minuten wieder bei Taros Wohnhaus angekommen.</p>



<p>Dort ging ich mit schnellen Schritten die Treppen rauf. Ich rannte den vertrauten Gang zwischen Geländer und Wohnungstüren entlang. Bei der Wohnung der alten Frau, die gestern so komisch reagiert hatte, blieb ich stehen. Verwundert sah ich zu ihrer Tür. Sie war nicht ganz geschlossen. Stattdessen konnte ich erkennen, wie ihr faltiges Gesicht mich durch den mit einer Türkette gesicherten Spalt anstarrte.</p>



<p>Sobald sie meinen Blick bemerkte, knallte sie die Tür zu. Wieder hörte ich, wie ein Schlüssel im Schloss herumgedreht wurde.</p>



<p>Warum verhielt sie sich so? Hatte ich ihr etwas getan? Ich konnte mich nicht erinnern. In meinem Gedächtnis war sie eine liebenswerte ältere Dame gewesen, der Taro und ich oft bei den Einkäufen geholfen hatten.</p>



<p>Kopfschüttelnd ging ich weiter zu Taros Wohnung. Dort erwartete mich bereits die nächste Überraschung: Als Taro mir öffnete, hielt er mir einen bunten Blumenstrauß entgegen.</p>



<p>„Für dich“, sagte er, ehe er mich mit einem Kuss begrüßte.</p>



<p>Dabei bemerkte ich, dass er humpelte. „Alles in Ordnung?“, fragte ich schnell.</p>



<p>Aber Taro schüttelte nur den Kopf. „Mach dir keine Sorgen“, versuchte er, mich zu beruhigen. „Meine MS meldet sich nur mal wieder zu Wort.“</p>



<p>Seine Multiple Sklerose. Ich erinnerte mich. Aber eigentlich hatte er die Schübe doch mit seinen Medikamenten in den Griff bekommen.</p>



<p>Besorgt half ich ihm zum Sofa, wo wir die Blumen in eine Vase stellten. Meine Sorge war jedoch nur von kurzer Dauer. Nicht nur, dass Taro sich nicht wirklich darüber Gedanken machte, ich war bereits wieder von einem Gefühl der Glückseligkeit umgeben, während ich in seinen Armen lag. Bei ihm zu sein, mit ihm die Nächte zu verbringen war das schönste Gefühl, das ich mir vorstellen konnte.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Morgen schlich ich mich wieder aus dem Bett. Anscheinend hatte Taro einen leichten Schlaf entwickelt, denn auch an diesem Morgen ging hinter mir das Licht an, während ich mich anzog.</p>



<p>„Musst du wieder arbeiten?“, fragte Taro.</p>



<p>Ich hielt in der Bewegung inne. Ich hatte nie behauptet, dass ich arbeiten müsste. Aber … was tat ich eigentlich den ganzen Tag? Ich wusste es nicht. Also nickte ich. „Ja“, sagte ich knapp. Anschließend verabschiedete ich mich mit einem langen Kuss. „Wir sehen uns heute Abend“, sagte ich, ehe ich mit schlechtem Gewissen zurück Richtung Altstadt ging.</p>



<p>Warum hatte ich gelogen, hatte ihm nicht gesagt, dass ich nicht arbeiten ging? Es gab keinen Grund dazu. Andererseits wollte ich nicht, dass sich irgendetwas änderte. Wie es gerade zwischen uns lief, war perfekt. Ich wollte nicht, dass er mir nachspioniert. Auch spürte ich keinerlei Verlangen, herauszufinden, was mit mir los war. Ich war glücklich, wollte einfach nur bei Taro sein.</p>



<p>Was konnte eine kleine Notlüge da also schaden?</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Die folgenden Tage verliefen sehr ähnlich. Während ich tagsüber völlige Blackouts hatte, verbrachte ich die Nächte bei Taro. Seine Nachbarin traf ich dabei nicht mehr, obwohl ich gestehen muss, dass ich mich beobachtet fühlte, wann immer ich an ihrem Türspion vorbeiging.</p>



<p>Eine andere Sache war Taros Gesundheitszustand. Seine Beine schienen immer schwächer zu werden. Inzwischen hatte er sogar seine alte Gehhilfe wieder herausgekramt, um sich einfacher durchs Haus bewegen zu können.</p>



<p>Normalerweise hätte ich ihn deswegen schon lange zum Arzt geschickt. Aber ich wollte nicht, dass er ins Krankenhaus ging. Es war egoistisch, ich weiß, aber es gab dort keine nächtlichen Besuchszeiten. Und ihn tagsüber zu besuchen, würde mir bei meinen Blackouts wahrscheinlich nicht gelingen. Ich wollte ihn nicht noch einmal verlieren!</p>



<p>Aber leider tat ich das. Es war die fünfte Nacht seit meiner Rückkehr. Taro und ich lagen gemeinsam im Bett. Er streichelte meinen Arm, während er neben mir lag.</p>



<p>Plötzlich klopfte es an der Tür. Es war kein kräftiges, dafür aber ein sehr eindringliches Klopfen.</p>



<p>„Erwartest du jemanden?“, fragte ich.</p>



<p>Taro schüttelte den Kopf. „Nein. Schon gar nicht um die Uhrzeit.“ Er hievte die Beine aus dem Bett, um mit seiner Gehhilfe zum Eingang zu humpeln. „Ich komm ja schon!“, rief er.</p>



<p>Am liebsten hätte ich ihm meine Hilfe angeboten, ihm den Weg abgenommen, aber wie ich meinen kleinen Sturkopf kannte, hätte er es sowieso abgelehnt. Also blieb ich mit gespitzten Ohren im Bett liegen.</p>



<p>„Frau Tanaka?“, hörte ich Taro fragen.</p>



<p>Das war die alte Nachbarin. „Ist sie hier?“, fragte sie mit gebrechlicher Stimme. „Du musst sie loswerden. Sofort. Sie wird dich umbringen!“</p>



<p>„Frau Tanaka, bitte. Beruhigen Sie sich. Ist etwas passiert?“</p>



<p>„Nein! Du hörst mir nicht zu“, schrie sie. „Es geht um die Frau. Sie ist nicht die, für die du sie hältst!“</p>



<p>Das ließ mich aufhorchen. Natürlich war ich die, für die er mich hielt. Ich war Masami, seine feste Freundin. Ich sprang aus dem Bett, warf mir meinen Pulli über und ging mit schnellen Schritten zur Tür.</p>



<p>„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich scheinheilig.</p>



<p>„Ahhh!“, schrie Frau Tanaka. Sofort zückte sie ein Feuerzeug. Ihre dürren Hände zitterten, während sie hastig etwas in ihrer anderen Hand anzündete. Es sah nach einem Bündel aus zusammengebundenem Gestrüpp aus.</p>



<p>Anschließend drängelte sie sich an Taro vorbei. Er war zu überrascht, um sie aufzuhalten. Dann fuchtelte sie mit dem brennenden Gestrüpp Rauch in meine Richtung.</p>



<p>Taro wedelte sich mit der Hand vor dem Gesicht herum, als wolle er den Geruch loswerden. „Bah. Was ist das für ein Zeug?“, fragte er.</p>



<p>Ich hingegen wich sofort zurück. Dort, wo der Rauch meine Haut berührte, entstand ein brennender Schmerz. Es fühlte sich an, als stünde ich in Flammen!</p>



<p>„Scheiße! Was ist das? Was ist das!?“, schrie ich.</p>



<p>Frau Tanaka fuchtelte nur weiter in meine Richtung. „Zurück mit dir! Zurück!“</p>



<p>Da packte Taro sie endlich am Handgelenk. Er zog sie von mir weg. „Jetzt beruhigen Sie sich! Das ist Masami, meine totgeglaubte Freundin!“</p>



<p>Frau Tanaka sah flüchtig zu mir. Zum Glück hatte sie aufgehört, mit dem Rauch um sich zu wedeln. „Du verstehst nicht. Sie ist nicht bloß totgeglaubt“, erklärte sie dann. „Masami ist eine Hone-Onna.“</p>



<p>„Eine Knochenfrau?“, fragte er. Er ließ sie los, stand nun aber mit verschränkten Armen vor ihr. „Was soll das sein?“</p>



<p>Ich wusste es genauso wenig.</p>



<p>„Hone-Onna“, erklärte Frau Tanaka ruhig, „sind ruhelose Geister, die nachts zurückkehren, um ihre Geliebten zu besuchen. Leider entziehen sie ihnen dabei auch ihre Lebensenergie.“</p>



<p>Taro und ich sahen sie fassungslos an.</p>



<p>„Das ist doch verrückt“, sagte er dann. „Es ist besser, wenn Sie jetzt gehen!“</p>



<p>„Nein!“, protestierte Frau Tanaka. „Verrückt ist nur, dass du es nicht erkennst. Setz deine rosarote Brille ab! Sieh dir Masami doch einmal an! Sie hat nicht einmal mehr Haut an ihrem Schädel. Sie ist ein wandelndes Skelett.“</p>



<p>Wie automatisch fasste ich mir ins Gesicht. Und tatsächlich. Ich spürte keinerlei Haut. Meine Finger trafen auf etwas Hartes.</p>



<p>Dann fiel mein Blick auf meine Hände. Sie waren schwarz, bestanden nur aus Knochen. Wie war mir das vorher nie aufgefallen? Und auch Taro sah mich jetzt mit großen, vor Schreck geweiteten Augen an.</p>



<p>Entsetzt rannte ich ins Badezimmer, um mich im Spiegel anzusehen. Leere Augenhöhlen starrten zurück. Mein Schädel, denn mehr war es nicht, war rußgeschwärzt. Frau Tanaka sagte die Wahrheit.</p>



<p>„Du wusstest es also auch nicht?“, krächzte eine Stimme hinter mir. Frau Tanaka war mir ins Bad gefolgt. „Sieh dir Taro doch einmal an!“, zischte sie mir zu. „Ist dir nicht aufgefallen, dass er Tag für Tag schwächer wird? Du entziehst ihm seine Kraft. Wenn ihr noch eine Nacht zusammen verbringt, wird er das nicht überleben!“</p>



<p>„Aber …“, protestierte ich. „Ich möchte das nicht. Ich würde Taro niemals schaden!“</p>



<p>Frau Tanaka nickte langsam. Mitleid lag in ihrem Blick. „Das glaube ich dir sogar. Wenn du ihn wirklich liebst, dann gehst du jetzt. Kehr nie wieder hierher zurück.“</p>



<p>Ich weiß nicht, ob Skelette weinen können, aber es fühlte sich zumindest so an, als würden Tränen meine Wangenknochen hinablaufen, während ich aus der Wohnung stürmte.</p>



<p>„Masami! Warte!“, rief Taro mir nach.</p>



<p>Aber Frau Tanaka hinderte ihn daran, mir zu folgen. „Schließ die Tür, Taro. Wir müssen uns unterhalten.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Die restliche Nacht irrte ich durch die Straßen. Ich wusste nicht, was ich denken oder fühlen sollte, kam mir verloren vor. Dafür wusste ich jetzt, wo ich jeden Tag hin verschwand. In der Altstadt gab es einen Friedhof. Im Laufe der Nacht hatte ich dort mein Grab entdeckt. Ich blieb bei dem gepflegten Grabstein, bis mich bei Sonnenaufgang die bittersüße Schwärze empfing.</p>



<p>Aber zu meiner Überraschung stand ich bereits am nächsten Abend wieder in der inzwischen vertrauten Straße in der Altstadt. Warum? Warum war ich noch immer hier? Hatte ich nicht im Leben schon genug Pech gehabt?</p>



<p>Für einen Moment versuchte ich, mich dagegen zu wehren, aber schließlich trugen mich meine Füße wieder in die Richtung von Taros Wohnung. Mein Verlangen, ihn wiederzusehen, war zu mächtig.</p>



<p>Und so dauerte es nicht lang, bis ich wieder vor seiner Wohnung stand. Ich hatte Gewissensbisse. Sollte unsere gemeinsame Zeit ihm wirklich schaden? Warum fühlte es sich dann so richtig an? Andererseits könnte es erklären, wieso sein Zustand so schlecht war. Es lag nicht an seiner MS. Oder vielleicht doch?</p>



<p>Hin- und hergerissen betätigte ich die Klingel. Kurz darauf stand Taro vor mir. Seine Augen waren eingefallen, seine Wangen hohl. War das schon immer so? Warum war es mir die ganze Zeit nicht aufgefallen? War wirklich ich daran schuld? Unsere gemeinsamen Nächte?</p>



<p>„Masami“, sagte er mit einem Lächeln. Sogar seine Stimme klang schwach. „Komm rein. Es ist mir egal, was du bist. Mit dir zusammen bin ich glücklich.“ Er hielt mir die Tür auf, um mich reinzulassen.</p>



<p>Ich trat einen Schritt auf ihn zu. Wenn ich jetzt mit ihm ging, könnte das seine letzte Nacht sein. Aber wäre das so schlimm? Dann wären wir im Tod vereint. Er würde für immer bei mir bleiben.</p>



<p>Als ich die Türschwelle erreichte, zögerte ich. „Nein“, sagte ich dann. Was dachte ich denn da? Ich liebte Taro. Da würde ich ihm doch niemals den Tod wünschen! „Es tut mir leid“, sagte ich leise. „Taro, ich kann nicht.“ Ich taumelte zurück. „Ich kann dich nicht mit mir in den Tod reißen. Aber ich werde auf dich warten. Leb dein Leben! Werde glücklich! Irgendwann werden wir wieder vereint sein.“</p>



<p>Mit den Worten machte ich auf dem Absatz kehrt und rannte zurück in die Dunkelheit. Es war die letzte Nacht, in der meine ruhelose Seele auf die Erde zurückgekehrt war.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Hone-Onna (骨女, Japanisch für „Knochenfrau“) ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" type="link" id="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> der japanischen Mythologie. Sie zählt zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Yōkai</a>.</p>



<p>Eine der bekanntesten Geschichten über eine Hone-Onna ist die japanische Geistergeschichte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/botan-doro">Botan Dōrō</a>, über die ich bereits 2020 einen Beitrag geschrieben habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Hone-Onna haben zwei verschiedene Formen, in denen sie erscheinen können.</p>



<p>Für gewöhnlich sehen sie wie völlig normale Frauen aus. Meist werden sie als jung und schön beschrieben. Außerdem handelt es sich bei ihnen im Normalfall um Japanerinnen, da die Legende aus Japan stammt.</p>



<p>Es gibt jedoch Menschen, die durch diese Fassade hindurchsehen können. Sie sehen die Hone-Onna als ein Skelett, manchmal inklusive verwesendem Fleisch. Besonders häufig ist dabei von ihrem Gesicht die Rede, das nur noch aus einem Schädel besteht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Es gibt zwei verbreitete Versionen der Hone-Onna. In einer ist sie ein von Liebe getriebener Geist, in der anderen ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/onryo">Rachegeist</a>.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der von Liebe getriebene Geist:</h4>



<p>Diese Version ist der Geschichte von Botan Dōrō sehr ähnlich. Es geht darin um einen Mann, dessen Geliebte verstorben ist.</p>



<p>Eines Tages begegnet er ihr jedoch plötzlich wieder. Von seiner Liebe geblendet glaubt er, dass seine Geliebte in Wirklichkeit noch lebt. Manchmal gibt es eine Erklärung hierfür, dass ihr Tod vorgetäuscht war o. Ä., andere Male hinterfragt der Mann es nicht.</p>



<p>Während sie sich also fortan wieder regelmäßig treffen, entzieht sie ihm – oft unwissentlich – Stück für Stück die Lebensenergie. Mit der Zeit wird er schwächer und schwächer.</p>



<p>Meist ist es ein Freund oder Angestellter des Mannes, der nicht von seinen Gefühlen geblendet wird und die wahre Gestalt der Hone-Onna sehen kann.</p>



<p>Er erzählt dem Mann davon, der entweder entsetzt reagiert und sich von der Frau distanziert oder ihm nicht glaubt.</p>



<p>So oder so endet die Geschichte häufig damit, dass der Mann – entweder weil er sich weiter mit ihr trifft oder weil seine Sehnsucht zu groß wird – bei einem letzten Treffen mit der Frau selbst sein Leben lässt. Anschließend sind sie auf Ewig im Tode vereint.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der Rachegeist:</h4>



<p>In anderen Versionen sucht die Hone-Onna nicht ihren ehemaligen Geliebten heim, sondern ist hinter Männern generell her. Sie verführt sie mit ihrer Schönheit, um ihnen bei einer oder mehreren gemeinsamen Nächten die Lebensenergie zu entziehen.</p>



<p>In diesen Geschichten kommt es oft gegen Ende zu einem Schockmoment, wenn die Hone-Onna dem Mann ihren Schädel zeigt. Manchmal mit Absicht, andere Male, weil einfallendes Licht ihr Skelettgesicht zum Vorschein bringt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Die Legenden der Hone-Onna kommen fast ausschließlich aus Japan. Dort soll sie sich in Städten und Dörfern, aber insbesondere auf Friedhöfen, in dunklen Gassen oder auch in Rotlichtvierteln herumtreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den Ursprung der Hone-Onna habe ich nicht viel herausfinden können. Laut <a href="https://yokai.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">yokai.com</a> (eine sehr verlässliche Quelle, was Yōkai angeht und eine große Empfehlung von mir) ist aber davon die Rede, dass die Hone-Onna mindestens seit dem 17. Jahrhundert in Japan bekannt sei, wo sie in Form der Botan-Dōrō-Legende aus einer alten chinesischen Geistergeschichte entstanden ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hone-Onna in der Popkultur:</h3>



<p>In der Manga- und Animereihe „Hell Girl“ tritt eine Hone-Onna regelmäßig auf.</p>



<p>Außerdem gibt es eine Hone-Onna in dem von NetEase Games entwickelten Gacha-Game Onmyoji, das für Pc, Android und iOS erschienen ist.</p>



<p>Ansonsten gibt es zu Botan Dōro, wo die weibliche Hauptperson eine Hone-Onna ist, zahlreiche Theaterstücke und Puppenspiele, die heute noch aufgeführt werden, sowie diverse Filme.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Hone-Onna? Mögt ihr sie als die zurückkehrende Geliebte oder als Rachegeist lieber? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna">Hone-Onna – Ihre Liebe bringt dich um!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Ursprung des chinesischen Laternenfestes – der Jadekaiser und der Kranich</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/der-ursprung-des-chinesischen-laternenfestes</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/der-ursprung-des-chinesischen-laternenfestes#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[chinesisches Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[chinesische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[chinesische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Der Ursprung des chinesischen Laternenfestes]]></category>
		<category><![CDATA[Der Ursprung des chinesischen Laternenfests]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Laternenfest]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Mond Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Mondneujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Ursprung des chinesischen Laternenfestes]]></category>
		<category><![CDATA[Ursprung des chinesischen Laternenfests]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3379</guid>

					<description><![CDATA[<p>Doch während die Stimmung auf der Erde nicht besser hätte sein können, sah das im Himmelreich ganz anders aus. Der Jadekaiser fand natürlich heraus, was mit seinem geliebten Kranich geschehen war. Er war außer sich vor Trauer und Wut.<br />
„Das Dorf wird brennen!“, schrie er. „Am ersten Vollmond des neuen Jahres werde ich das Dorf in Schutt und Asche legen!“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-ursprung-des-chinesischen-laternenfestes">Der Ursprung des chinesischen Laternenfestes – der Jadekaiser und der Kranich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/391aa65e57444479b7d0c6406a5d51bc" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Der Ursprung des chinesischen Laternenfestes (gefeiert am 15. Tag des chinesischen Neujahres) ist umstritten. Es gibt zahlreiche Theorien und Legenden darüber.</p>



<p>Passend zum diesjährigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/chinesisches-neujahr">chinesischen Neujahr</a>, das morgen, am 17. Februar 2026 beginnt, möchte ich euch daher meine Lieblingslegende über das chinesische Laternenfest vorstellen.</p>



<p>Viel Spaß beim Lesen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Letztes Jahr habe ich euch erzählt, woher die Hongbao kommen, die roten Geldumschläge, die traditionell zum chinesischen Neujahr verschenkt werden.</p>



<p>Heute geht es um eine andere Tradition: das Laternenfest, das am ersten Vollmond des Mondjahres gefeiert wird.</p>



<p>Habt ihr das chinesische Laternenfest schon einmal gesehen? Es ist wirklich beeindruckend. Tagsüber drängen Menschenmassen zu den verschiedensten Veranstaltungen – am beliebtesten sind wohl die Drachen-, Löwen- und Trommeltänze, die Glück, Gesundheit und Erfolg im neuen Jahr bringen sollen.</p>



<p>Außerdem gibt es zahlreiche Stände mit verschiedensten Speisen und die Häuser, Straßen und Bäume sind mit roten Laternen, aber auch Laternen in verschiedensten Formen und anderen Farben dekoriert.</p>



<p>Wirklich magisch wird es dann am Abend, wenn die zahlreichen Laternen die Stadt beleuchten und Feuerwerk den Himmel erfüllt.</p>



<p>Es ist ein Fest der Familien, des Glücks, des Wohlstands und der Liebe. Das war jedoch nicht immer so. Wenn man der Legende glaubt, ist der Ursprung des chinesischen Laternenfestes sehr viel düsterer.</p>



<p>Vor über 2000 Jahren gab es ein Dorf in China, fernab der große Städte. Es war ein kleines, unbedeutendes Dorf, das nicht weiter erwähnenswert gewesen wäre, wenn dort nicht ein Vogel erschienen wäre. Es war ein prachtvoller Kranich mit schneeweißem Gefieder, das am Hals und den Flügeln in ein tiefes Schwarz überging. Auf seinem Kopf bildete sein Federkleid den typischen roten Fleck, der wie eine purpurne Krone auf seinem Haupt saß.</p>



<p>Und auch von der Statur her war der Kranich mehr als beeindruckend: Er war muskulös und anmutig zugleich, hatte lange schlanke Beine und eine Flügelspanne von über drei Metern.</p>



<p>Aber das alles war kein Zufall. Denn es war kein gewöhnlicher Vogel. Besagter Kranich war noch am selben Tag aus dem Himmel, dem Reich der Götter entflohen und hatte sich nun in einem kleinen Teich am Rand des Dorfes niedergelassen, wo er mit seinem langen Schnabel nach Fischen suchte.</p>



<p>Chao, einer der Dorfbewohner, war der erste Mensch, der den göttlichen Vogel entdeckte. Er erkannte sofort, was für ein außergewöhnliches Tier der Kranich war, weil er noch nie zuvor einen so prächtigen Vogel gesehen hatte. Und was soll ich sagen, sein erster Gedanke war, das Tier zu jagen. Das dürft ihr ihm aber nicht übel nehmen. Ihr müsst wissen, es war tiefster Winter – eine der härtesten Zeiten für Bauern wie Chao, in der sie keine Felder bestellen und nur schwierig Geld verdienen konnten. Er sah in dem Vogel also weniger eine Trophäe, als vielmehr eine Möglichkeit, seine Frau und seine drei Kinder durch eine schwere Zeit zu bringen.</p>



<p>Es war ein fast verzweifelter Versuch. Chao war kein geübter Jäger. Trotzdem besaß er Pfeil und Bogen, mit denen er sich nun an den Kranich anschlich. Er blieb dabei außer Sichtweite, ließ immer einen Baum zwischen dem Tier und sich. Bei jedem Knirschen der Blätter, jedem Knacken von Ästen unter seinen Füßen hielt Chao erschrocken inne, befürchtete, dass der Vogel fliehen würde, aber der Kranich ließ sich nicht beirren.</p>



<p>Und so hatte Chao bald den Baum am Rand des Teichs erreicht. Er spähte um den Stamm herum. Der Kranich stand noch immer im Wasser und suchte völlig sorglos nach Fischen.</p>



<p>Chaos Hände zitterten, währen der den Pfeil anlegte. Er zielte auf den Vogel, spannte den Boden, atmete aus, wie es ihm sein Vater beigebracht hatte. Dann ließ er den Pfeil los. Er surrte durch die Luft und … verfehlte. Der Pfeil schoss knapp an dem Vogel vorbei. Mit einem lauten Platschen landete er im Wasser.</p>



<p>Doch zu Chaos Überraschung schreckte der Vogel nicht auf. Er wandte den Kopf zu dem aufgewühlten Wasser, betrachtete es neugierig. Denn als göttlicher Vogel, dem Lieblingstier des Jadekaisers – dem höchsten Gott der chinesischen Mythologie – hatte er im Reich der Götter nie etwas zu befürchten gehabt. Jeder dort kannte das Tier, wagte es nicht, ihm auch nur eine Feder zu krümmen, da sie die Wut des Jadekaisers fürchteten. Er wurde noch nie gejagt, geschweige denn mit Pfeilen beschossen.</p>



<p>Der zweite Pfeil traf genau ins Schwarze. Mit einem dumpfen <em>Fump</em> blieb er im Oberkörper des Kranichs stecken.</p>



<p>Chao wusste nicht, ob er die Lungen oder gar das Herz getroffen hatte, der Vogel schlug aber nur noch ein paar Mal kraftlos mit den Flügeln, ehe er zusammenbrach und im Wasser liegenblieb.</p>



<p>Chao konnte sein Glück nicht fassen. Er kam aus seinem Versteck hervor, blieb einen Moment stehen, als könne er es selbst nicht glauben. Dann fischte er den göttlichen Kranich aus dem Wasser, um ihn voller Stolz zurück ins Dorf zu bringen.</p>



<p>Das gesamte Dorf war in Aufruhr. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind wollte den prachtvollen Vogel sehen, den Chao ihnen voller Stolz nur zu gerne präsentierte.</p>



<p>Es wurde eine kleine Feier aus dem Ereignis. Und die anderen Dorfbewohner halfen Chao schließlich, den Vogel zu verkaufen. Ein Händler brachte ihn in eine Stadt, wo er von einem Adligen gekauft und ausgestopft wurde. Das Geld würde reichen, um Chao und seine Nachbarn problemlos über den Winter zu bringen und ihnen gleichzeitig einige Rücklagen zu sichern.</p>



<p>Doch während die Stimmung auf der Erde nicht besser hätte sein können, sah das im Himmelreich ganz anders aus. Der Jadekaiser fand natürlich heraus, was mit seinem geliebten Kranich geschehen war. Er war außer sich vor Trauer und Wut.</p>



<p>„Das Dorf wird brennen!“, schrie er. „Am ersten Vollmond des neuen Jahres werde ich das Dorf in Schutt und Asche legen!“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>In dem Dorf waren die Menschen völlig ahnungslos. Sie wussten weder, was für ein Tier sie dort erlegt und verkauft hatten, noch was für Konsequenzen es mit sich bringen würde. Und so feierten sie noch immer ihr vermeintliches Glück, als eine Fremde zu ihnen ins Dorf kam.</p>



<p>Es war eine anmutige Frau, die die feinsten Kleider trug. Auf einen Schlag wurde es sehr still in dem Dorf. Die ausgelassenen Gespräche stoppten, wurden von leisem Getuschel abgelöst. Und so hatte die Frau bereits sämtliche Aufmerksamkeit, als sie sich vor die versammelten Menschen stellte.</p>



<p>„Hört mich an, Bewohner dieses Dorfes“, erhob sie ihre Stimme. „Mein Name ist Zhinü. Ich bin die siebte und jüngste Tochter des Jadekaisers. Ich komme, um euch zu warnen.“</p>



<p>Die Dorfbewohner lauschten alle gebannt ihren Worten. Vielleicht spotteten noch einige, aber die meisten von ihnen waren gottesfürchtige Menschen. Sie lebten in einer Zeit, als die Götter noch auf der Erde wandelten.</p>



<p>„Ihr habt neulich einen Kranich erlegt. Was ihr jedoch nicht wisst, ist, dass es der liebste Kranich meines Vaters war. Er hat diesem Dorf Rache geschworen und wird es beim nächsten Vollmond niederbrennen. Wenn es so weit ist, flieht aus dem Dorf! Lasst eure Häuser zurück, wenn euch euer Leben lieb ist!“</p>



<p>Jetzt war es totenstill im Dorf. Man konnte den Wind durch die Straßen säuseln hören. Kein Mensch wagte es, auch nur ein Wort zu sagen.</p>



<p>Dann begann der Erste: „Aber wir haben doch gar nichts getan!“, rief er.</p>



<p>„Chao war es, der den Kranich erlegt hat“, rief ein anderer. „Warum sollen wir alle darunter leiden?“</p>



<p>Aber so sehr sie auch protestierten, gab es nichts, was Zhinü hätte tun können. Sie war bereits ohne das Wissen ihres Vaters in das Dorf gekommen. Sie konnte die Dorfbewohner warnen. Den Jadekaiser umzustimmen war hingegen ein Ding der Unmöglichkeit. Und so verließ sie das Dorf. Sie ließ nichts zurück als Hoffnungslosigkeit und ihre Warnung.</p>



<p>Wieder war das Dorf in Aufruhr. Die Leute berieten, was sie tun sollten. Andere begannen bereits, ihre Sachen zu packen. Es wurden viele Pläne geschmiedet und wieder verworfen. Zumindest, bis jemand einen ganz besonderen Plan hatte. Es war Ju, der Sohn von Chao.</p>



<p>„Warum zünden wir das Dorf nicht selbst an?“, schlug er vor.</p>



<p>Natürlich begegneten die Anderen seiner Idee mit Spott. Aber Ju war noch nicht fertig.</p>



<p>„Ich sage ja nicht, dass wir das Dorf tatsächlich anzünden müssen“, fuhr er fort. „Es muss lediglich so aussehen.“</p>



<p>Wieder erntete er Spott. „Wie sollen wir denn ein ganzes Dorf so aussehen lassen, als würde es in Flammen stehen?“ „Davon wird sich der Jadekaiser niemals täuschen lassen!“ „Wir sollten fliehen, solange wir noch können!“</p>



<p>Zumindest, bis sich einige der Dorfältesten einmischten. Sie unterstützten Jus Idee. Ohne ihre Häuser wären die Bewohner dem Winter schutzlos ausgeliefert. Sie würden niemals alle irgendwo unterkommen können. Es würde für einige den sicheren Tod bedeuten. Und so fassten sie schließlich den Plan, überall im Dorf kleine Feuer und Laternen zu zünden. Das ganze Dorf solle hell erstrahlen, wenn der Jadekaiser seinen Weg hierhin antrat.</p>



<p>Die folgenden Tage bestanden aus den wohl größten Vorbereitungen, die das Dorf je gesehen hatte. Sie nutzten das Geld, das Chao für den Kranich bekommen hatte, um Papier, Holz und Kerzen zu kaufen. Bald war das ganze Dorf damit beschäftigt, tausende Laternen zu fertigen. Alle Männer, Frauen und Kinder machten mit.</p>



<p>Es war nicht so, dass alle Leute an den Plan glaubten. Aber es gab ihnen etwas zu tun. Die einen bauten die Rahmen, die anderen befestigten das Papier und brachten die Kerzen an. Überall im Dorf wurden Seile gespannt, zwischen allen Häusern und Bäumen. Und auf dem großen Platz in der Dorfmitte wurde Holz für ein riesiges Feuer gestapelt.</p>



<p>Nur wenige Tage später, kurz vor dem nächsten Vollmond hatte sich das Dorf in einen Festplatz verwandelt, der alle modernen Laternenfeste in den Schatten stellen würde.</p>



<p>Dann war es endlich so weit: Der Vollmondtag war gekommen. Obwohl jeder einzelne Bewohner mithalf, dauerte es mehrere Stunden, alle Laternen und das große Feuer anzuzünden. Jetzt konnte das Dorf nichts mehr tun, als abzuwarten.</p>



<p>Zur Sicherheit hatten die meisten Bewohner das Dorf verlassen – darunter auch Chao und seine Familie. Sie warteten in einem nahegelegenen Feld. Bestaunten ihr Dorf, das vor Lichtern hell erstrahlte.</p>



<p>Trotzdem war es verdammt kalt. Die Kälte kroch ihnen tief in die Knochen. Die Kinder jammerten und die Eltern konnten nichts tun, als sich unter ihren Decken enger aneinanderzudrücken.</p>



<p>„Da!“, rief Ju plötzlich. „Da kommt etwas!“</p>



<p>Und tatsächlich: In der Ferne erschien aus der Dunkelheit eine kleine Armee aus Lichtern: Fackeln, die von Reitern und Läufern getragen wurden. Der Jadekaiser hatte nicht gelogen. Er hatte tatsächlich vor, das ganze Dorf in Schutt und Asche zu legen. Zahlreiche Götter hatten sich versammelt, um den Jadekaiser zu unterstützen.</p>



<p>Sie näherten sich dem Dorf in rasanter Geschwindigkeit. Wie eine Welle aus Flammen rollten sie auf die kleine Ansammlung an Häusern zu. Dann aber wurden sie langsamer. Als hätte die Welle plötzlich an Schwung verloren, blieb die göttliche Armee stehen.</p>



<p>Chao und seine Familie hielten den Atem an. Sollte Jus Plan tatsächlich funktionieren?</p>



<p>Auf einmal erloschen die ersten Fackeln. Die Götter zügelten ihre Feuer. Es dauerte nicht mehr lange, bis auch ihre Armee kehrtmachte und sich allmählich in der Ferne zerstreute. Der Jadekaiser hatte aufgegeben. Das Dorf war gerettet.</p>



<p>Und so ging dieser Tag in die Geschichte des Dorfes ein. Fortan feierten sie jeden ersten Vollmond des Jahres ein Laternenfest, wenn auch in kleinerem Ausmaß. Es heißt, dass die Geschichte, wie ein Dorf die Wut des Jadekaisers abwenden konnte, sich bald in China verbreitete. Und so begannen auch andere Städte und Dörfer, das Laternenfest zu kopieren, bis es sich im ganzen Land ausgebreitet hat.</p>



<p>Zwar gab es viele Leute, die die Geschichte nicht glauben wollten, aber einen Grund, ein Fest zu feiern, lehnten nur die wenigsten ab. Und selbst in dem kleinen Dorf, in dem auch Chao wohnte, konnten einige Leute kaum glauben, dass der Jadekaiser tatsächlich auf die List hereingefallen war. Andere Bewohner hingegen schworen, dass sie eine vertraute Frauenstimme in der Ferne gehört hätten: „Sieh nur, Vater! Das Dorf brennt bereits lichterloh!“</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Jadekaiser und der Kranich ist eine Legende zum Ursprung des chinesischen Laternenfestes. Darin geht es um ein Dorf, dessen Bewohner einen göttlichen Kranich töten, woraufhin der Jadekaiser – der höchste Gott der chinesischen Mythologie – das Dorf niederbrennen möchte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> nach kam vor langer Zeit einmal ein göttlicher Kranich (in einigen Versionen auch ein Schwan oder anderer Vogel) aus dem Himmelreich herab geflogen.</p>



<p>Als daraufhin einige Bewohner eines naheliegenden Dorfes den Vogel entdeckten, jagten sie das prachtvolle Tier und erlegten es.</p>



<p>Was die Bewohner jedoch nicht wussten, war, dass der Kranich der Lieblingsvogel des Jadekaisers war. Der Gott schwor, den Vogel zu rächen, indem er das Dorf am ersten Vollmond des Jahres niederbrennt.</p>



<p>Wie die Dorfbewohner davon mitbekamen, kann sich je nach Version unterscheiden. Wenn überhaupt näher darauf eingegangen wird, waren es meist entweder ein anderer Gott, eine Tochter des Jadekaisers oder ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a>, die den Menschen davon erzählt haben.</p>



<p>Daraufhin fassten die Dorfbewohner einen Plan: Sie zündeten am ersten Vollmond, also dem 15. Tag des chinesischen Neujahres, überall im Dorf rote Laternen (manchmal zusätzlich auch öffentliche Feuer) an, sodass es aus der Ferne aussah, als würde das Dorf bereits brennen.</p>



<p>Als der Jadekaiser also sah, dass das Dorf vermeintlich bereits brannte, wandte er sich ungetaner Dinge davon ab und die Dorfbewohner waren gerettet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Der Ort des Geschehens ist für gewöhnlich ein Dorf irgendwo in China. Um welches Dorf es sich handelt, ob es heutzutage überhaupt noch steht oder inzwischen zu einer Stadt geworden ist, ist nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Wie bereits gesagt ist der Ursprung des chinesischen Laternenfestes umstritten. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Legende um den Jadekaiser und den Kranich genau das ist: eine Legende. Sie wurde erst im Nachhinein, als es das Laternenfest bereits gab, erfunden.</p>



<p>Der tatsächliche Ursprung liegt aller Wahrscheinlichkeit nach in der Han-Dynastie (ca. 206 v. Chr. bis 220 n. Chr.).</p>



<p>Einer Theorie nach geht das Fest auf Kaiser Ming zurück, der bemerkt hatte, dass einige buddhistische Mönche jedes Jahr am 15. Tag des Mondneujahres Laternen in ihren Tempeln anzündeten. Daraufhin ordnete er an, dass alle Leute am 15. Tag des Mondneujahres Laternen anzünden sollen, um Buddha zu huldigen.</p>



<p>Eine andere Theorie besagt, dass es Kaiser Wu gewesen sei, der das Fest angeordnet habe, um den Göttern zu huldigen.</p>



<p>Wie ihr seht, gibt es also auch im geschichtlichen Kontext keinen eindeutigen Ursprung des chinesischen Laternenfestes.</p>



<p>Bekannt ist aber, dass es erst in der Sui-Dynastie (ca. 581 bis 618) seinen Namen erhalten haben soll. Außerdem wurde es während der Tang-Dynastie (ca. 618 bis 907) zu einem riesigen Fest ausgeweitet, bei dem alle möglichen Leute, egal welchen sozialen Stands, sich auf den Straßen getroffen haben, um Laternen anzuzünden.</p>



<p>Das Fest wird auch heute noch jedes Jahr in gigantischem Ausmaß in China gefeiert.</p>



<p><em>Was haltet ihr von dem Ursprung des chinesischen Laternenfestes? Hat euch die Legende gefallen? Kennt ihr andere Legenden über das chinesische Neujahr? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-ursprung-des-chinesischen-laternenfestes">Der Ursprung des chinesischen Laternenfestes – der Jadekaiser und der Kranich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/der-ursprung-des-chinesischen-laternenfestes/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[besessene Puppe]]></category>
		<category><![CDATA[besessene Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselpuppe]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselpuppen]]></category>
		<category><![CDATA[Hide and Seek Alone]]></category>
		<category><![CDATA[Hitori Kakurenbo]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorpuppe]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorpuppen]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Puppe]]></category>
		<category><![CDATA[Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3285</guid>

					<description><![CDATA[<p>Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo">Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f553b64606004ffa887facbe453f3bcc" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Hitori Kakurenbo ist ein japanisches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale">Ritual</a>, das besonders in der Zeit vor <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween">Halloween</a> sehr beliebt ist.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Dann wollen wir mal“, murmelte ich. Ich nahm das Messer und stach dem Teddy damit in den Bauch. Es war schwieriger, als ich gedacht hätte. Der alte Stoff war ziemlich stabil. Trotzdem hatte der Teddy bald einen gut fünf Zentimeter langen Schnitt im Bauch.</p>



<p>Sofort machte ich mich daran, die Watte aus seinem Körper zu ziehen.</p>



<p>„Hast du’s?“, hörte ich Leonies Stimme aus meinem Smartphone. Wir kannten einander von der Arbeit. Unsere Kollegen spekulierten oft, ob wir zusammen seien, aber in Wirklichkeit war sie bloß meine beste Freundin.</p>



<p>Genau wie ich war sie ein Horrorfan. Eigentlich feierten wir Halloween immer zusammen. Es war jedoch das Jahr 2020. Corona hatte uns einen dicken Strich durch unsere Feiertagspläne gemacht. Also hatten wir entschieden, uns an diesem 31. Oktober lediglich telefonisch zu treffen.</p>



<p>So hatten wir bereits einige Stunden gequatscht, zwei Horrorfilme zusammen geschaut und jede Menge rumgealbert. Das Hauptevent des Abends stand uns aber noch bevor. Wir wollten zusammen das japanische Ritual Hitori Kakurenbo durchführen – „allein Versteckspielen“, wie es auf Deutsch übersetzt heißt. Und dafür brauchte man ein Stofftier.</p>



<p>Der Teddy vor mir wirkte jetzt, wo er keine Watte mehr im Körper hatte, noch kläglicher als ohnehin schon. Sein Stoff war fleckig und abgenutzt, ihm fehlte ein Auge und nun sah er auch noch aus wie ein Ballon, aus dem man die Luft gelassen hatte.</p>



<p>„So. Ich füll jetzt den Reis in meinen Teddy“, erklärte ich Leonie.</p>



<p>„Ich bin schon dabei, meine Puppe wieder zuzunähen“, erwiderte sie, als sei es ein Wettrennen. Sie hatte sich für eine billige Stoffpuppe entschieden.</p>



<p>„Du musstest auch keine Watte aus den Ohren pulen“, konterte ich.</p>



<p>Danach schwiegen wir wieder konzentriert, während sie ihre Puppe zusammennähte und ich meinen Teddy mit dem ungekochten Reis füllte. Jetzt fehlte nur noch eine Zutat. Ich griff nach dem Toilettenpapier, auf das ich meine frisch geschnittenen Fingernägel gelegt hatte. Ich kippte sie zu dem Reis. Das Stofftier brauchte einen Teil der Person, die das Ritual durchführen wollte.</p>



<p>Als Nächstes nahm ich die Nadel mit dem roten Faden, die ich bereits vorbereitet hatte. Man musste das Stofftier mit einem roten Faden vernähen und anschließend mit dem restlichen Faden umwickeln. Ich machte mich sofort an die Arbeit. Zugegeben, ich war kein Nähmeister – die Stiche waren alles andere als gleichmäßig, aber sie schienen zu halten. Also wickelte ich den restlichen Faden um den dünnen braunen Körper, ehe ich ihn festknotete.</p>



<p>„Okay. Ich bin fertig“, erklärte ich. „Bei dir alles klar?“</p>



<p>„Jap. Annabelle ist einsatzbereit.“</p>



<p>Mir entfuhr ein Lacher. „Annabelle? Ernsthaft?“</p>



<p>„Ja. Ich dachte, der Name passt zu einer besessenen Puppe. Wieso? Wie hast du deinen Teddy genannt?“, fragte sie.</p>



<p>Ich grinste. „Herr von und zu Flausch“, sagte ich.</p>



<p>Jetzt musste auch Leonie lachen. „O Mann, Dom, du bist echt bescheuert“, neckte sie mich.</p>



<p>Mein Grinsen wurde breiter.</p>



<p>Dann wurde sie wieder ernst. „Als Nächstes müssen wir das Salzwasser vorbereiten und in unser Versteck stellen.“</p>



<p>Ich nickte – auch wenn sie das natürlich nicht sehen konnte –, ehe ich in die Küche ging. Dort füllte ich einige Teelöffel Salz in eine Flasche mit warmem Wasser, drehte den Deckel zu und schüttelte sie. Von Leonie hörte ich das Rühren eines Löffels in einem Glas.</p>



<p>Nachdem wir fertig waren, brachte ich die Flasche ins Schlafzimmer. Zugegeben, der Wandschrank war nicht unbedingt das beste Versteck, aber ich ging ja auch nicht davon aus, dass <em>wirklich</em> etwas passieren würde.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p><em>03:00 Uhr</em></p>



<p>„Hast du dein Handy auf stumm gestellt?“, fragte Leonie.</p>



<p>Ich nickte. „Jap. Du hoffentlich auch?“</p>



<p>„Klar. Also dann. Wir hören uns, wenn wir im Versteck sind. Bis gleich.“</p>



<p>„Bis gleich.“</p>



<p>In dem Moment brach die Verbindung ab. Leonie hatte aufgelegt.</p>



<p>Ich atmete einmal tief durch. „Also dann“, wiederholte ich.</p>



<p>Obwohl schon den ganzen Abend niemand außer mir im Haus war, fühlte ich mich jetzt zum ersten Mal allein. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich würde es vor Leonie niemals zugeben, aber jetzt, wo es wirklich ernst wurde, war mir tatsächlich etwas mulmig zu Mute. Trotzdem würde ich sie nicht mit dem Ritual allein lassen. Also griff ich nach Herrn von und zu Flausch. Ich betrachtete sein entstelltes Gesicht, während ich ihn in die gefüllte Badewanne legte. Das Wasser war kalt. Erneutes Durchatmen.</p>



<p>„Saisho no Oni wa Dominik da kara“, sagte ich laut: Weil Dominik zuerst der Oni ist. Ich hatte die japanischen Sprüche für das Ritual extra auswendig gelernt, falls sie auf Deutsch nicht funktionierten. „Saisho no Oni wa Dominik da kara“, wiederholte ich. Und ein drittes Mal: „Saisho no Oni wa Dominik da kara.“</p>



<p>Daraufhin drehte ich mich um, ging durch den Flur und schaltete die Lichter aus. Anschließend machte ich den Fernseher im Wohnzimmer an. Sofort wurde ich von einem lauten Rauschen begrüßt. Aber so musste das sein, wenn ich das Ritual genau befolgen wollte. Nun schaltete ich auch das Licht im Wohnzimmer aus. Die einzigen Lichter im gesamten Haus waren jetzt der rauschende Fernseher und meine Handytaschenlampe.</p>



<p>Ich schloss die Augen und zählte laut bis zehn: „Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Sechs. Sieben. Acht. Neun. Zehn. Ich komme!“</p>



<p>Schnell ging ich zurück zum Badezimmer. Ich stieß die Tür auf, leuchtete mit dem Handy zur Wanne und ging darauf zu. Der Teddy war auf den Grund gesunken, weshalb ich den Ärmel hochkrempeln musste, ehe ich das tropfende Teil aus dem kalten Wasser zog.</p>



<p>Jetzt kam der nächste Part. „Mitsuketa!“, rief ich lauter als beabsichtigt: Ich habe dich gefunden.</p>



<p>Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll.</p>



<p>„Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“, rief ich. Als Nächstes ist Herr von und zu Flausch der Oni. „Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni! Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“</p>



<p>Ich atmete schwer. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wasser lief geräuschvoll aus dem Teddy in die Wanne. Ansonsten war es völlig still.</p>



<p>Für einen Moment war ich wie erstarrt. Dann warf ich das Stofftier zurück in die Wanne, ließ das Messer klappernd auf die Fliesen fallen und rannte auf meinen Socken aus dem Badezimmer. Ich sprintete weiter ins Schlafzimmer, ehe ich mich in den Wandschrank stürzte und die Tür hinter mir zuschob.</p>



<p>Mein Atem ging noch immer ungewöhnlich schnell. Ich blieb einige Sekunden völlig regungslos, ehe ich bemerkte, dass meine Handytaschenlampe noch immer an war. Mit unruhigen Fingern schaltete ich das Display ein, wischte hektisch zur Taschenlampenfunktion und schaltete sie ab. Scheiße! Wieso war ich so nervös? Es war doch nur ein Spiel.</p>



<p>Jetzt war es völlig dunkel um mich herum. Ich achtete auf jedes Geräusch. Aber abgesehen von dem statischen Rauschen des Fernsehers in der Ferne war da nur noch mein leiser Atem. Langsam beruhigte ich mich wieder. Alles war in Ordnung.</p>



<p>Plötzlich leuchtete mein Handydisplay auf. Ich zuckte zusammen. Leonie rief an. Sofort tippte ich auf den grünen Hörer.</p>



<p>„Hey“, flüsterte Leonie.</p>



<p>„Hi“, flüsterte ich zurück.</p>



<p>„Na? Wie siehts bei dir aus?“, fragte sie.</p>



<p>„Ich bin in meinem Versteck.“</p>



<p>„Ich auch.“ An ihrer Aussprache konnte ich hören, wie sie grinste. Wie konnte sie nur immer so cool bleiben?</p>



<p>„Also? Was meinst du?“, fragte ich. „Wie lange müssen wir warten, bis etwas passiert?“</p>



<p>Leonie schien einen Moment zu überlegen. „Weiß nicht. Aber das Spiel darf maximal zwei Stunden dauern. Zuuu lange sollte es also nicht sein.“</p>



<p>Jetzt musste auch ich grinsen. „Wir sollten also lieber hoffen, dass Annabelle und Herr von und zu Flausch von der langsamen Sorte sind. Wenn ich zwei Stunden hätte, um das ganze Haus zu durchsuchen, würde ich mich locker finden. Ich hock im Wandschrank. Wo hast du dich versteckt?“</p>



<p>Ich hörte ein belustigtes Schnaufen. „Hinter dem Sofa.“</p>



<p>Wow. Leonie war ja noch unkreativer bei ihrer Versteckwahl gewesen als ich.</p>



<p>Wir hockten noch eine Weile in unseren Verstecken und alberten im Flüsterton herum, während alles ruhig zu bleiben schien. Dann plötzlich brach Leonie jedoch mitten im Satz ab und sagte leise: „Schh! Ich glaub, da war was!“</p>



<p>Angespanntes Schweigen. Bei mir im Haus war alles still. Trotzdem traute ich mich nicht, als erster etwas zu sagen.</p>



<p>„Scheiße! Auf dem Flur ist irgendetwas!“, flüsterte Leonie. Ihre Stimme war jetzt so leise, dass ich sie kaum hören konnte.</p>



<p>Meinte sie das ernst? War es vielleicht nur Einbildung? Oder wollte sie mich ärgern?</p>



<p>Im nächsten Moment hörte ich etwas, das sich nach einem umfallenden Wasserglas anhörte, das kurz darauf über Parkettboden rollte.</p>



<p>„Scheiße!“, wiederholte Leonie lauter. Diesmal lag eindeutig Panik in ihrer Stimme.</p>



<p>Kurz meinte ich, eine andere Person durch den Lautsprecher zu hören: „Mitsuketa!“ Es war einer der Sprüche, die ich auswendig gelernt hatte. Ich habe dich gefunden. Vorhin hatte ich es noch selbst zu Herrn von und zu Flausch gesagt.</p>



<p>Dann brach am anderen Ende der Leitung Chaos aus. „Nein!“ Leonie entfuhr ein spitzer Aufschrei. Es folgte das Rascheln von Kleidung, panische bis schmerzerfüllte Rufe von Leonie und schließlich ein dumpfer Aufprall. Dann war wieder alles Still.</p>



<p>„Leonie?“, fragte ich. Kurz vergaß ich zu flüstern. „Leonie?“, wiederholte ich dann wieder leiser.</p>



<p>Aber es kam keine Antwort. Stattdessen war der Anruf plötzlich beendet.</p>



<p>Wenn das ein Scherz war, ging Leonie definitiv zu weit! Schnell wählte ich sie wieder in meinen Kontakten aus. Es klingelte. Und klingelte. Und klingelte.</p>



<p>„Hey, hier ist Leonie Siemens. Leider kann ich gerade nicht ans Telefon gehen. Versuchen Sie es später noch einmal oder hinterlassen Sie mir eine Nachricht.“</p>



<p>Schnell versuchte ich es erneut. Aber wieder nichts. Als ich sie gerade ein drittes Mal anrufen wollte, hörte ich jedoch selbst etwas in meinem Haus. Das statische Rauschen klang irgendwie anders. „Dominik.“ Hatte es gerade meinen Namen gerauscht? Aber nein, das musste ich mir einbilden. „Dominik, Dominik, Dominik.“</p>



<p>Ich unterdrückte den Drang, mir die Ohren zuzuhalten. War das gerade eine Tür gewesen? Wahrscheinlich waren es nur die Nerven, die mit mir durchgingen. Andererseits hatte ich nicht vor, ein Risiko einzugehen. Ich griff nach der Flasche mit dem Salzwasser, drehte sie auf und nahm ein wenig der Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p>Sofort verzog ich das Gesicht. Ich hatte es mit dem Salz wirklich <em>sehr</em> gut gemeint.</p>



<p>Trotzdem: Wenn man der Anleitung im Internet glauben durfte, sollte ich jetzt vor dem Geist oder Dämon in Sicherheit sein, der Herrn von und zu Flausch besetzt haben könnte.</p>



<p>Fast kam ich mir albern vor, während ich die Schranktür aufschob, das Salzwasser im Mund. Aber Leonie war nicht der Typ für solche geschmacklosen Scherze. Auch nicht an Halloween. Ich nahm das Ganze also gerade sehr ernst.</p>



<p>Auf leisen Sohlen schlich ich, die Handytaschenlampe in der einen Hand, die Flasche mit Salzwasser in der anderen, Richtung Badezimmer. Gegen das Licht der Taschenlampe konnte ich wenig tun – ansonsten würde ich wohl überall gegenlaufen. Außerdem wollte ich gerade nicht in völliger Dunkelheit sein. Aber ich war froh, dass ich sämtliche Türen offengelassen hatte. So konnte ich mich wenigstens geräuschlos durch das Haus bewegen.</p>



<p>Kurz vorm Badezimmer trat ich mit der Socke in etwas Nasses. Ich erstarrte. Vom Badezimmer zog sich eine Pfütze den Flur entlang. Wo kam das Wasser her?</p>



<p>Schnell betrat ich das Badezimmer. Ich leuchtete zur Wanne. Herr von und zu Flausch war weg. Abgesehen vom Wasser und einigen Reiskörnern war die Badewanne leer.</p>



<p>Jetzt setzte in mir Panik ein. Bis eben konnte ich mir noch einreden, dass es eine andere Erklärung für die seltsamen Phänomene gab. Aber ein Stofftier konnte nicht einfach von selbst aus einer Badewanne verschwinden. Zumindest nicht, ohne von einem Geist oder Dämon besessen zu sein.</p>



<p>Das Wasser schwappte in meinem Mund hin und her, während ich mich hektisch umsah. Aber natürlich war Herr von&nbsp;und zu Flausch nicht mehr im Badezimmer. Also ging ich weiter in den Flur. Ich musste ihn schnellstens mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, um das Ritual zu beenden.</p>



<p>Ich folgte der Spur aus Wasser. Bei näherer Betrachtung sah ich in unregelmäßigen Abständen Reiskörner darin liegen. Herr von und zu Flausch musste einiges an Strecke zurückgelegt haben. Die feuchte Spur führte ins Arbeitszimmer, von dort aus zurück in den Flur, ehe sie schließlich in der Küche so schwach wurde, dass man sie kaum noch erkennen konnte. Bisher hatte ich den Teddy jedenfalls nirgends gesehen.</p>



<p>Mit gerunzelter Stirn trat ich zurück in den Flur. Wo konnte er sein? Im Schlafzimmer war er eben jedenfalls noch nicht gewesen. Wenn er also nicht in den Keller gegangen war, blieb nur noch das Wohnzimmer.</p>



<p>Ich spähte zu der offenen Tür. Noch immer hörte ich deutlich das Rauschen des Fernsehers. Zum Glück konnte ich jetzt keine Stimmen mehr darin hören. Mit leisen Schritten ging ich darauf zu. Als ich nahe genug war, schaltete ich vorsichtshalber sogar die Taschenlampe aus und steckte das Handy weg.</p>



<p>Das Fernsehbild warf ein schwach flackerndes Licht ins Wohnzimmer. Und direkt davor auf dem Teppich stand eine kleine Gestalt. Herr von und zu Flausch stand auf beiden Beinen, das kleine Küchenmesser am Ende seines linken Arms, wo es auf übernatürliche Weise festhielt. Ich hatte ihn gefunden.</p>



<p>Für einen Moment zögerte ich. Dann nahm ich all meinen Mut zusammen und ging auf das Ding zu. Dabei spürte ich, wie mein Magen sich zusammenkrampfte. Alles in mir schrie danach, mich von dem Teddy fernzuhalten. Aber das durfte ich nicht. Ich musste das Ritual beenden!</p>



<p>Es war unmöglich, zu sagen, ob er mich bemerkt hatte. Ich hatte keine Ahnung, wie genau mich das Salzwasser in meinem Mund vor ihm schützen würde. Im Moment stand er jedenfalls völlig reglos da.</p>



<p>„DOMINIK!“, schrie plötzlich eine Stimme aus dem Fernseher.</p>



<p>Ich stolperte erschrocken zurück, verschluckte mich an dem Salzwasser und … schluckte es versehentlich hinunter.</p>



<p>Mit geweiteten Augen starrte ich nun den Teddy an. Noch hatte er sich nicht bewegt. Also griff ich langsam nach dem Deckel der Salzwasserflasche, um sie aufzudrehen. Sobald sich meine Hand jedoch bewegte, brach die Hölle los.</p>



<p>„Mitsuketa!“, schrie plötzlich eine zierliche Stimme. Gleichzeitig setzte sich Herr von und zu Flausch in Bewegung. Er rannte auf mich zu, sprang in die Luft und schnitt mir mit dem Messer ins Schienbein. Das wiederum sorgte dafür, dass ich noch weiter zurückwich. Ich stolperte, kam ins Straucheln und fiel rücklings zu Boden. Mein Kopf knallte auf das Parkett.</p>



<p>Aber ich gab mir keinen Moment, mich zu erholen. Obwohl sich alles drehte, griff ich wieder nach der Flasche, die ich noch immer in der Hand hielt. Zum Glück hatte ich sie noch nicht aufdrehen können, sodass sie nicht ausgelaufen war.</p>



<p>Doch auch Herr von und zu Flausch zögerte keine Sekunde. Er rannte weiter auf mich zu, sprang auf mein linkes Bein und lief darauf entlang. Dabei hackte er wie in Raserei um sich. Schmerz zuckte durch mein Bein und ich spürte, wie sich die Hose schnell mit einer warmen Flüssigkeit vollsog.</p>



<p>Zum Glück arbeitete mein Hirn auf Hochtouren. Statt zu versuchen, den wahnsinnigen Teddy abzuwehren, drehte ich die Flasche auf. Ich führte sie an die Lippen und nahm einen Schwall der salzigen Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p>Herr von und zu Flausch hatte inzwischen meinen Bauch erreicht. Mit der Spitze nach unten hob er das Messer und … erstarrte. In dem Moment, wo ich das Salzwasser im Mund hatte, hörte er auf, sich zu bewegen.</p>



<p>Ich atmete schwer, musste den Drang unterdrücken, zu schlucken. Stattdessen rappelte ich mich auf, schlug den Teddy von mir, als wäre er eine große Spinne – natürlich darauf bedacht, nicht ins Messer zu fassen.</p>



<p>Er flog einen halben Meter durch den Raum und landete auf dem Rücken, das Messer noch immer über den Kopf erhoben.</p>



<p>Sofort schüttete ich die restliche Flüssigkeit aus der Flasche über ihn. Das Stofftier wurde schlaff, ließ sogar das Messer fallen. Zu guter Letzt bespuckte ich ihn mit der Flüssigkeit aus meinem Mund.</p>



<p>„Watashi no Kachi!“, rief ich. Ich gewinne. „Watashi no Kachi! Watashi no Kachi!“ Aber ich fühlte mich nicht, als hätte ich gewonnen.</p>



<p>Auch wenn der Teddy sich daraufhin nicht mehr bewegte, nahm ich ihn und legte ihn in eine Bratpfanne. Ich übergoss ihn mit Brandbeschleuniger und zündete ihn an. Ich sah dabei zu, wie sein kleiner unscheinbarer Körper von den Flammen zerfressen wurde. Erst, als er fast nur noch aus Asche bestand, löschte ich die Glut und kümmerte mich um meine Wunden. Es waren viele, aber zum Glück waren sie nicht sonderlich tief.</p>



<p>Dabei wählte ich wieder und wieder Leonies Nummer in meinem Smartphone aus. Sie ging nicht ran. Aber ich wusste bereits, was passiert war. Annabelle hatte sie getötet. Ein Verdacht, der sich bereits am nächsten Tag bestätigte.</p>



<p>Aber das war noch nicht alles: Von Annabelle, der Mörderin meiner besten Freundin, fehlte jede Spur.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h2>



<p>Hitori Kakurenbo (ひとりかくれんぼ, Japanisch für „eine Person Versteckspiel“ oder „allein Versteckspielen“), im westlichen Raum auch unter der englischen Übersetzung „Hide and Seek Alone“ bekannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus Japan. Dabei handelt es sich um ein Ritual, bei dem eine Stoffpuppe oder ein Stofftier von einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> oder einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämon</a> besessen wird.</p>



<p>Das Ritual ist auch in Korea sehr beliebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Anleitung:</h3>



<p><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbereitung:</h4>



<p>Du benötigst:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>eine Puppe aus Stoff oder ein Stofftier mit Gliedmaßen</li>



<li>ungekochten Reis</li>



<li>eine Nadel und roten Faden</li>



<li>einen spitzen Gegenstand <em>(es wird empfohlen, einen Bleistift, eine Nadel oder einen Zahnstocher zu nehmen, auch wenn du theoretisch auch ein Messer oder eine Schere nehmen kannst)</em></li>



<li>abgeschnittene Finger- oder Fußnägel von dir selbst (<em>es sind auch andere körpereigene Materialien wie Haare, Blut oder Hautschuppen möglich, aber damit soll das Ritual gefährlicher werden)</em></li>



<li>ein Glas oder eine Flasche mit Salzwasser</li>



<li>eine mit Wasser gefüllte Badewanne oder ein gefülltes Waschbecken (<em>darüber, ob auch ein gefüllter Eimer oder eine Wäscheschüssel funktionieren, habe ich geteilte Meinungen gelesen</em>)</li>
</ul>



<p>Zuerst musst du dem Stofftier einen Namen geben, falls es noch keinen hat. Ich würde allerdings davon abraten, ein Stofftier zu nehmen, an dem dir etwas liegt, da man das Stofftier nach dem Ritual vernichten muss.</p>



<p>Schneide das Stofftier auf, entferne die Watte und ersetze sie vollständig mit dem ungekochten Reis. Leg die Finger- oder Fußnägel (oder für was auch immer du dich sonst entschieden hast) hinein und vernähe den Schnitt mit dem roten Faden. Wickel den restlichen roten Faden um das Stofftier und knote ihn zusammen.</p>



<p>Nun solltest du dich für ein Versteck entscheiden. Ich empfehle, dass du dort auch bereits das Glas oder die Flasche mit dem Salzwasser deponierst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ablauf:</h4>



<p>Das Ritual beginnt um 3 Uhr morgens. Nimm das Stofftier und sag zu ihm dreimal: „最初の鬼は(dein Name)だから“ („Saisho no Oni wa <em>dein Name</em> da kara“, auf Deutsch etwa: „Weil <em>dein Name</em> der erste Oni ist.“ – In Japan werden die Suchenden beim Versteckspielen als „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni</a>“ bezeichnet.)</p>



<p>Danach musst du mit dem Stofftier ins Badezimmer gehen und es in die gefüllte Wanne (oder das gefüllte Waschbecken) legen.</p>



<p>Schalte nun alle Lichter im Haus aus und den Fernseher ein. Der Fernseher darf allerdings kein Programm anzeigen (im besten Fall sollte er Bildrauschen darstellen).</p>



<p>Wenn du damit fertig bist, schließe die Augen und zähle bis zehn.</p>



<p>Jetzt musst du ins Badezimmer gehen und mit dem spitzen Gegenstand auf das Stofftier in der Wanne einstechen, während du sagst: „見つけた“ („Mitsuketa“, „Ich habe dich gefunden“). Anschließend musst du dreimal „次は(Name des Stofftiers)が鬼“ („Tsugi wa <em>Name des Stofftiers</em> ga Oni“, „Als Nächstes ist <em>Name das Stofftiers</em> der Oni!“) sagen, ehe du dich in deinem Versteck mit dem Salzwasser versteckst. (Was genau du mit dem spitzen Gegenstand machen sollst, nachdem du das Stofftier damit gestochen hast, geht nicht aus der verbreiteten Anleitung hervor. Viele Leute lassen es bei dem Stofftier liegen, damit es nun sie damit sie jagen kann.)</p>



<p>Ab jetzt kann es passieren, dass das Stofftier sich bewegt, um dich zu suchen, während weitere paranormale Phänomene passieren. Um welche Phänomene es sich genau handelt, kann von Erzählung zu Erzählung variieren. Es ist aber u. a. von Poltergeistphänomenen und Geräuschen, Stimmen oder Gesichtern im Fernsehrauschen die Rede.</p>



<p>Es sollte an dieser Stelle natürlich klar sein, dass das Stofftier dich auf keinen Fall finden darf, da du sonst in Lebensgefahr schwebst oder der Geist bzw. Dämon von dir Besitz ergreifen können soll.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo beenden:</h4>



<p>Um das Spiel zu beenden, musst du nun einen Schluck Salzwasser in den Mund nehmen. Achte aber darauf, dass du ihn die ganze Zeit im Mund behältst und nicht herunterschluckst oder ausspuckst.</p>



<p>Nun musst du dich auf die Suche nach dem Stofftier machen, das restliche Salzwasser aus dem Becher oder der Flasche darauf gießen und das Wasser aus deinem Mund darüber spucken. Sag nun dreimal laut: „私の勝ち“ („Watashi no Kachi“, „Ich gewinne“).</p>



<p>Der Geist oder Dämon sollte das Stofftier nun verlassen haben. Da er jedoch zurückkehren könnte, solltest du das Stofftier schnellstmöglich vernichten, indem du es verbrennst.</p>



<p>Auch wenn du alles korrekt durchführst, soll es jedoch passieren können, dass du nach dem Spiel krank wirst oder paranormale Phänomene erlebst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternative Version:</h4>



<p>In einer anderen Version dient das Stofftier hauptsächlich als Objekt für die Beschwörung. Der Geist oder Dämon ist zwar in gewisser Weise daran gebunden und es soll trotzdem passieren können, dass das Stofftier sich bewegt, er kann sich aber unabhängig von ihm durch das Haus bewegen. In dieser Version versucht also der Geist oder Dämon in seiner eigenen Gestalt (nicht als Stofftier) die Durchführenden zu finden.</p>



<p>Um das Ritual zu beenden, musst du auch in dieser Version das Stofftier suchen, mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, dreimal sagen, dass du gewonnen hast, und es anschließend verbrennen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Regeln:</h4>



<p>Zu den weiteren Regeln gehören, dass du während des gesamten Rituals allein im Haus sein musst (es sollten auch keine Haustiere da sein). Man darf das Ritual also nicht mit mehreren Personen durchführen.</p>



<p>Die Lichter müssen die ganze Zeit über ausgeschaltet bleiben.</p>



<p>Du darfst während des Rituals auf keinen Fall einschlafen.</p>



<p>Verlass nicht das Haus, während das Ritual noch im Gange ist.</p>



<p>Und besonders wichtig: Das Versteckspiel darf niemals länger als 2 Stunden andauern. Ansonsten läufst du Gefahr, dass der Dämon oder Geist zu mächtig wird und sich nicht mehr so leicht vertreiben lässt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die urbane Legende soll ursprünglich aus der Kansai- und der Shikokuregion in Japan stammen. Es gibt Gerüchte, dass Hitori Kakurenbo als Experiment in einer japanischen Universität entstanden sei, mit dem man herausfinden wollte, wie gut sich urbane Legenden verbreiten können.</p>



<p>Es heißt außerdem, dass Hitori Kakurenbo mit dem Kokkuri-san Ritual zusammenhänge, einem alten japanischen Ritual, dass der Geisterbeschwörung mit einem Ouija-Brett ähnelt. Den genauen Zusammenhang habe ich nicht herausfinden können. Ich kann mir aber vorstellen, dass, sollte die Theorie mit dem Universitätsexperiment stimmen, das Kokkuri-san Ritual nur erwähnt wurde, um der Legende mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.</p>



<p>Jedenfalls wurde am 18. April 2007 erstmals eine detaillierte Anleitung des Hitori-Kakurenbo-Rituals auf der japanischen Website 2chan gepostet.</p>



<p>Zahlreiche Leute haben das Ritual daraufhin ausprobiert, auf 2chan davon berichtet und es teilweise auch gefilmt. Die anderen Leute, die davon gelesen oder die Videos gesehen haben, haben es wiederum selbst ausprobiert und ihre Erfahrungen ins Netz gestellt, woraufhin weitere Leute diese Erfahrungen gelesen haben usw.</p>



<p>So hat sich das Ritual recht schnell verbreitet und es bald über die Landesgrenzen geschafft. Bereits im Herbst 2008 soll Hitori Kakurenbo in Amerika angekommen sein. Von dort aus hat es sich schließlich in die weitere westliche Welt verbreitet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo in der Popkultur:</h3>



<p>Auf YouTube und ähnlichen Plattformen gibt es zahlreiche Videos über Leute aus allen möglichen Ländern, die Hitori Kakurenbo durchführen.</p>



<p>Außerdem gibt es die japanische Horrorfilmreihe „Hitori Kakurenbo Gekijōban“ (Japanisch für „Allein Versteckspielen: Der Film“, 2009), „Hitori Kakurenbo Shin Gekijōban“ („Allein Versteckspielen: Der neue Film“, 2010) und „Hitori Kakurenbo Gekijōban Shin Toshidensetsu“ (Allein Versteckspielen: Der Film – wahre urbane Legende“, 2012) sowie den alleinstehenden Film „Hitori Kakurenbo“ (2008), die das Ritual aufgreifen.</p>



<p>2010 kam sogar von der berühmten virtuellen Sängerin Hatsune Miku das gleichnamige Lied „ひとりかくれんぼ“ (Hitori Kakurenbo) heraus.</p>



<p>Darüber hinaus gibt es einige Videospiele über die Legende, z. B. das Smartphonegame „Alone Hide and Seek“ für iOS und Android, das Multiplayerhorrorspiel „Hitori Kakurenbo Online“ (es befindet sich jedoch im Early Access und wurde seit 18 Monaten nicht geupdatet) sowie diverse weitere Spiele, die ihr unter den Namen „Hide and Seek Alone“ und „Hitori Kakurenbo“ auf itch.io finden könnt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Hitori Kakurenbo? Kanntet ihr das Ritual bereits? Habt ihr es vielleicht schon einmal selbst durchgeführt oder würdet es gerne versuchen? Schreibt es in die Kommentare!</em> </p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo">Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Banchō Sarayashiki – Die Legende von Okiku</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/bancho-sarayashiki-die-legende-von-okiku</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/bancho-sarayashiki-die-legende-von-okiku#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jun 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Banchō Sarayashiki]]></category>
		<category><![CDATA[die Legende von Okiku]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Okiku]]></category>
		<category><![CDATA[Onryo]]></category>
		<category><![CDATA[Rachegeist]]></category>
		<category><![CDATA[Rachegeister]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3231</guid>

					<description><![CDATA[<p>Er besaß eine alte Sammlung von zehn Tellern. Sie waren ein Geschenk, kamen ursprünglich aus den Niederlanden in Europa und waren fast unbezahlbar. Wenn jemand einen von ihnen zerbrach oder stahl, war das mit dem Tode strafbar. Und es war Okikus Aufgabe, auf die Teller aufzupassen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/bancho-sarayashiki-die-legende-von-okiku">Banchō Sarayashiki – Die Legende von Okiku</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/075559e387374346ab5b95e12f917ae6" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Banchō Sarayashiki, die Legende von Okiku, ist eine berühmte japanische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geistergeschichte</a>. Ich selbst habe erst durch meine Japanischlehrerin davon erfahren, was mich bei der Recherche wirklich überrascht hat, da sie zu den bekanntesten Geistergeschichten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Japans</a> gehört.</p>



<p>Es ist eine Geschichte von einseitiger Liebe, Besessenheit und dem Unrecht an einer unschuldigen Frau.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Mein Name ist Aguri. Ich war Angestellte bei dem ehrenwerten Aoyama Tessan, einem Samurai in der Edo-Zeit hier in Japan. Wobei „ehrenwert“ kein Wort ist, mit dem <em>ich</em> Aoyama bezeichnet hätte. Und ich denke, nach dieser Geschichte werdet ihr das auch so sehen.</p>



<p>Dies ist aber keine Geschichte über meinen Herrn. Es ist auch keine Geschichte über mich. Nein, in dieser Geschichte geht es um Okiku, ein Dienstmädchen bei Aoyama. Sie war jung und hübsch. Es war kein Geheimnis, dass Aoyama sie begehrte. Doch so oft er sie auch fragte, so sehr er ihr versprach, sie mit Reichtümern zu überhäufen, sollte sie seine Frau oder auch nur seine Geliebte werden, Okiku lehnte seine Angebote stets ab.</p>



<p>Aoyama gab sich wirklich Mühe. Er machte ihr Geschenke, gab ihr die schönsten Kimonos, das beste Essen. Und auch, wenn es übergriffig von ihm war, ihr nein nicht zu akzeptieren, er manchmal eine Linie übertrat, so gab es doch das eine oder andere Dienstmädchen, das liebend gerne den Platz mit Okiku getauscht hätte.</p>



<p>Aber Aoyama wollte kein anderes Dienstmädchen. Er wollte nur die junge schöne Okiku. Und so wurden seine Pläne, sie endlich für sich zu gewinnen, immer hinterlistiger.</p>



<p>Eines Morgens, ich erinnere es noch gut, gab es einen Aufruhr in Aoyamas Anwesen. Er besaß eine alte Sammlung von zehn Tellern. Sie waren ein Geschenk, kamen ursprünglich aus den Niederlanden in Europa und waren fast unbezahlbar. Wenn jemand einen von ihnen zerbrach oder stahl, war das mit dem Tode strafbar. Und es war Okikus Aufgabe, auf die Teller aufzupassen, sie staubfrei zu halten, damit sie immer im besten Licht erstrahlten. Neben Aoyama war sie die Einzige im gesamten Haus, die die Teller auch nur anfassen durfte.</p>



<p>Doch an jenem schicksalhaften Morgen war einer der Teller verschwunden.</p>



<p>„Eins, zwei, drei, vier“, hörte ich Okiku panisch zählen, als ich zu ihr ins Zimmer stürzte. „Fünf, sechs, sieben, acht.“</p>



<p>Ich sah, wie die anderen Angestellten einen Halbkreis gebildet hatten. In ihrer Mitte stand Aoyama, der mit strengem Blick auf Okiku hinabstarrte, die vor ihm auf dem Boden kniete. Die wertvollen Teller lagen vor ihr ausgebreitet.</p>



<p>„Neun“, beendete Okiku ihr Zählen. „Neun. Das kann nicht sein. Einer fehlt. Eins, zwei, drei, …“ Sie zählte die Teller erneut, als hoffe sie, sich bloß verzählt zu haben. Die junge Frau war den Tränen nahe. Es brach mein Herz. Noch nie zuvor hatte ich Okiku so verzweifelt gesehen.</p>



<p>„Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“, fragte Aoyama erbarmungslos. „Was hast du mit dem zehnten Teller gemacht?“</p>



<p>Okiku sah mit großen Augen zu ihm auf. „Bitte, Herr Aoyama“, flehte sie. „Das muss ein Irrtum sein! Ich weiß nicht, was mit dem Teller passiert ist!“</p>



<p>„Ist er dir zerbrochen und du hast die Beweise vernichtet? Oder hast du ihn gestohlen?“, schrie er sie unnachgiebig weiter an.</p>



<p>Schnell tat ich einige Schritte auf die beiden zu. „Verzeihung, Herr Aoyama“, sagte ich mit gesenktem Blick. „Aber wäre es nicht möglich, dass jemand anderes den Teller …“ Weiter kam ich nicht.</p>



<p>„Wer hat dir erlaubt, die Stimme zu erheben, Aguri?“, schrie er nun mich an. „Raus hier! Alle außer Okiku! Nehmt euch den Tag frei! Ich brauche meine Ruhe, während ich über Okikus Bestrafung nachdenke!“</p>



<p>Ich sah Aoyama fassungslos an. Noch nie in all den Jahren, die ich für ihn oder für seinen Vater vor ihm gearbeitet hatte, wurde in diesem Haus so mit mir gesprochen. Trotzdem nickte ich nur knapp, ehe ich den anderen Angestellten aus dem Raum folgte. Aoyama war kein Mann, mit dem eine Bedienstete diskutieren durfte.</p>



<p>„Du weißt, welche Strafe auf deinem Vergehen liegt“, hörte ich Aoyama sagen, während ich die Tür hinter den anderen Angestellten und mir schloss. Noch immer drang seine Stimme gedämpft aus dem Raum. „Wenn du doch bloß meine Frau wärst, dann könnte ich darüber hinwegsehen …“</p>



<p>Mehr hörte ich von dem Gespräch jedoch nicht. Ich war bereits auf dem Weg zur Haustür.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Als ich am späten Nachmittag in das Anwesen zurückkehrte, fehlte von Okiku jede Spur. Und Aoyama machte keine Anstalten ihre Abwesenheit zu erklären.</p>



<p>Ich hörte zwei junge Bedienstete darüber reden, dass Okiku wahrscheinlich aus dem Haus verbannt wurde. Andere Gerüchte besagten, dass sie geflohen sei, um ihrer Strafe zu entkommen.</p>



<p>Auch ich hatte das anfangs geglaubt. Es gab keinen Grund, irgendetwas anderes zu vermuten. Aber die Wahrheit war sehr viel schrecklicher. Ohne Okiku selbst, wäre sie jedoch wahrscheinlich nie ans Licht gekommen.</p>



<p>Es begann in der folgenden Nacht. Ich lag gerade auf meinem Futon, versuchte einzuschlafen, während ich über die Ereignisse nachdachte, da hörte ich plötzlich etwas.</p>



<p>„Eins.“ Das war Okikus Stimme! „Zwei“, zählte sie langsam.</p>



<p>Schnell stand ich auf. Ich schlich in meiner Nachtwäsche zur Tür, um zu ihr zu eilen, sie zu fragen, was passiert war.</p>



<p>„Drei.“ Ihre Stimme war leise, und doch konnte ich sie ganz deutlich hören.</p>



<p>Ich rannte zu ihrem Zimmer. Es war leer.</p>



<p>„Vier.“</p>



<p>Mein nächster Anlaufpunkt war das Wohnzimmer, wo Aoyama seine teuren Teller zur Schau stellte. Doch auch hier war niemand.</p>



<p>„Fünf.“</p>



<p>Also konzentrierte ich mich auf ihre Stimme. Ich versuchte, ihren Ursprung auszumachen, drehte den Kopf nach rechts und links.</p>



<p>„Sechs.“</p>



<p>Schnell folgte ich der Stimme weiter in den Flur. Erst jetzt realisierte ich, dass sie nicht aus dem Haus kam. Sie kam aus dem Innenhof!</p>



<p>„Sieben.“</p>



<p>Ich zog die Tür auf und stürzte nach draußen. „Okiku!“ Meine Schritte wurden langsamer. Der Innenhof war leer.</p>



<p>„Acht.“</p>



<p>Ihre Stimme war so nahe. Wo konnte sie nur sein?</p>



<p>„Neun.“</p>



<p>Mein Blick fiel auf den alten Brunnen. Sie wird doch nicht …</p>



<p>„Einer fehlt!“, sagte sie dann plötzlich.</p>



<p>Ich war in der Zwischenzeit zum Brunnen geeilt und starrte hinein. Meine Augen waren weit aufgerissen.</p>



<p>Dort unten war Okiku, knapp unter der Wasseroberfläche. Ich konnte sie nur sehen, weil ihr Körper in einen weißen Kimono gehüllt war, wie ihn Leichen bei einer Beerdigung trugen. Aber ich wusste, dass sie keine vernünftige Beerdigung bekommen hatte. Genauso wie ich wusste, dass ich gerade ihren Geist sah.</p>



<p>Dann plötzlich stieß sie ein ohrenbetäubendes Geschrei aus. Ich musste mir die Hände auf die Ohren pressen. Es waren Klagelaute, so voller Leid, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte.</p>



<p>Während ich also dasaß, die Hände fest auf meinen Ohren, wusste ich nur, dass Okikus Leiche im Brunnen liegen muss. Wie sonst hätte ihr ruheloser Geist dorthin gelangen können? Hatte Aoyama sie dort hineingeworfen? Oder war Okiku selbst gesprungen?</p>



<p>Die Wahrheit sollte ich erst kurz vor Aoyamas Tod erfahren.</p>



<p>Er gestand mir, dass er Okiku erpresst hatte. Er selbst hatte den Teller entwendet, um ein Druckmittel zu haben, sie „zu ihrem Glück zu zwingen“, wie er es formuliert hatte.</p>



<p>Nachdem sie ihn jedoch erneut zurückwies, beteuerte, dass sie nichts mit dem verschwundenen Teller zu tun habe, hatte sein Kopf ausgesetzt. Er war in blinde Wut verfallen, hatte ein hölzernes Übungsschwert von der Wand gerissen und Okiku damit verprügelt.</p>



<p>„Willst du nun endlich meine Frau werden?!“, hatte er gebrüllt, seine Tonlage mehr ein Befehl als eine Frage.</p>



<p>„Nein!“, hatte Okiku gekreischt. Tränen rannen über ihre hübschen Wangen. „Herr Aoyama, bitte! Ich war es nicht!“</p>



<p>Doch das war nicht das, was Aoyama hören wollte. Er hatte die von den Schlägen geschwächte Okiku gepackt und sie nach draußen zum Brunnen gezerrt. Dort hatte er ihren Körper mit dem Kopf zuerst über den Brunnenrand gehängt und sie erneut aufgefordert: „Willst du nun endlich meine Frau werden?!“</p>



<p>Doch Okiku ließ sich nicht erpressen. Sie war sich keiner Schuld bewusst. „Bitte, Herr Aoyama! Ich habe nichts damit zu tun. Lassen sie mich gehen!“, schrie sie. Der Widerhall des Brunnens verstärkte die Panik in ihrer Stimme, die Angst, die sie in dem Moment vor Aoyama gehabt hatte.</p>



<p>Da erkannte Aoyama, dass Okiku ihn niemals lieben würde. Er zögerte nicht länger und ließ sie einfach los. Sie stürzte kopfüber in den Brunnen.</p>



<p>Er sagte, dass es nicht lange gedauert hätte, bis ihre Hilferufe verstummt waren. Anschließend sei er mit einer Mischung aus Wut, Trauer und Schuldgefühlen in sein Anwesen zurückgegangen. Er sagte, dass er den Tag fortgesetzt habe, als sei nie etwas passiert.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ich blieb so lange vor dem Brunnen sitzen, bis das Geschrei von Okikus Geist irgendwann verstummte. Anschließend stand ich auf und ging zurück in mein Zimmer. Dabei begegnete ich vielen anderen Angestellten, die ebenfalls aufgestanden waren, um dem Lärm nachzugehen, aber ich wechselte kein Wort mit ihnen.</p>



<p>Mein Kopf war voll, meine Gedanken lauter als Okikus Schreie. Noch wusste ich ja nicht, was passiert war. Ob Aoyama wirklich für ihren Tod verantwortlich war oder sie sich selbst das Leben genommen hat, um seiner Strafe zu entgehen. Oder aus Verzweiflung, weil sie doch für den verschwundenen Teller verantwortlich gewesen war.</p>



<p>Ich fand in jener Nacht keinen Schlaf mehr. Und auch in den folgenden Nächten wurde Schlaf zu einem seltenen Luxus. Denn Okikus Geist kehrte fortan jede Nacht zurück, um die Teller zu zählen und anschließend in klagevolles Geheule zu verfallen. Es zerbrach mir das Herz, aber es gab nicht viel, was ich dagegen tun konnte.</p>



<p>Trotzdem machte ich mich heimlich auf die Suche nach dem Teller – nur für den Fall, dass sich mein Verdacht bestätigte und Aoyama den Teller tatsächlich selbst entwendet hatte, um Okiku zu erpressen. Aber ich konnte das Geschirr nie finden.</p>



<p>Bald litt auch der Rest des Hauses unter den ruhelosen Nächten. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Angestellten kündigten. Erst waren es hauptsächlich meine jüngeren Kollegen. Die älteren, wie ich, harrten länger aus. Einige schliefen auswärts, verließen das Haus jeden Tag bei Sonnenuntergang und kehrten nicht vor der Morgendämmerung zurück. Andere taten es mir gleich und ließen Okikus Klagelaute Nacht für Nacht über sich ergehen.</p>



<p>Und so wurde das Haus Woche für Woche, Tag für Tag leerer. Bald waren neben Aoyama und mir nur noch eine Handvoll von uns übrig.</p>



<p>Wem es allerdings am schlimmsten erging – mal einmal von Okiku abgesehen – war Aoyama selbst.</p>



<p>Es hatte nur einige Wochen gedauert und er war kaum noch mehr als eine wandelnde Leiche. Sein Gesicht war eingefallen, seine Augenringe dunkel, sein Körper dünn und knochig.</p>



<p>Eines Morgens ging ich in sein Zimmer, um seinen Futon wegzuräumen, da saß er am Boden vor mir. Sein Katana vor ihm ausgebreitet.</p>



<p>Das war der Moment, in dem er mir seine Tat gestand. Dass er den Teller selbst verschwinden ließ, wie er Okiku verprügelt hatte und sie schließlich in den Brunnen fallenließ.</p>



<p>„Was habe ich nur getan?“, fragte er mehr sich selbst als mich. „Ich habe Okiku geliebt. Früher konnte ich sie wenigstens jeden Tag sehen, mich an ihrer Schönheit erfreuen. Und jetzt? Jetzt bleibt mir nur ihr Geist, der mich jede Nacht quält.“ Er setzte das Schwert mit der Klinge an seinem Bauch an. „Okiku. Es tut mir leid“, hauchte er.</p>



<p>Aber das half der armen Frau jetzt auch nicht mehr. Ich sah auf Aoyama hinab, wie er auf Okiku hinabgeblickt hatte, als sie vor seinen Augen die Teller gezählt hatte. Die Wahrheit über Okikus Tod hatte mich ziemlich aufgewühlt. Ich war kein kaltblütiger Mensch. Trotzdem sah ich bloß mit verächtlichem Blick dabei zu, wie Aoyama sich sein Schwert in den Bauch stieß. Wie ich schon sagte, war er in meinen Augen kein ehrenwerter Mensch. Und so hatte ich in seinen letzten Sekunden auch keinerlei Ehrgefühl mehr für ihn übrig. Aoyama starb vor meinen Augen.</p>



<p>Was jedoch Okiku anging, so fand ihr Geist auch nach Aoyamas Tod keine Ruhe, wie ich zuerst hoffte. Ich durchsuchte das gesamte Haus, jetzt wo Aoyama fort war, durchwühlte schamlos seine Sachen, doch den fehlenden Teller konnte ich nie finden. Wissen die Götter, was Aoyama damit gemacht hatte. Vielleicht hatte er ihn zerstört oder weggeworfen.</p>



<p>Und so kehrt Okikus Geist auch heute noch jede Nacht zurück und zählt die neun Teller. Ich kann nur hoffen, dass bald jemand kommen wird, der Okikus unschuldige Seele von ihrem grausamen Schicksal befreien kann.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Banchō Sarayashiki (番町皿屋敷, Japanisch für „Das Teller-Anwesen von Banchō“), auch bekannt unter den Namen „Sarayashiki“ oder „Die Legende von Okiku“, ist eine bekannte Geistergeschichte aus Japan.</p>



<p>Sie handelt von einem Dienstmädchen, das die romantische und/oder sexuelle Begierde ihres Herren nicht erwidert, woraufhin er erfolglos versucht, sie in die Beziehung zu erpressen, ehe er sie ermordet.</p>



<p>Die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> von Banchō Sarayashiki ist eine der „Nihon san dai Kaidan“ (日本三大怪談, Japanisch für „die drei großen japanischen Geistergeschichten“). Die anderen beiden sind „Die Legende von Oiwa“ (einen Beitrag über diese Geschichte habe ich schon länger auf meiner Liste) und „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/botan-doro">Botan Dōrō</a>“ (meinen Beitrag darüber findet ihr Hier).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Es gibt zahlreiche Versionen von Banchō Sarayashiki, die ich weiter unten näher erläutern werde. An dieser Stelle möchte ich euch die Version vorstellen, von der meine Japanischlehrerin mir erzählt hat und um die sich auch meine Geschichte dreht.</p>



<p>Okiku war ein Dienstmädchen, das dem Samurai Aoyama Tessan unterstellt war. Aoyama hatte schon lange ein Auge auf Okiku geworfen, aber all seine Annäherungsversuche wurden von ihr abgelehnt. Das erfüllte den Samurai mit Wut. Er wollte Okiku unbedingt zu seiner Frau haben.</p>



<p>Daher fasste er einen Entschluss: Er hatte ein Set aus zehn wertvollen Tellern – in einigen Versionen ist von Delfter Blau aus den Niederlanden die Rede – die ihm oder seinem Herrn sehr wichtig waren. Wenn einer der Teller gestohlen wurde oder zerbrach, konnte das mit dem Tode bestraft werden. Und Okiku war für diese Teller verantwortlich.</p>



<p>Also versteckte Aoyama einen der Teller. Er beschuldigte Okiku, den Teller zerstört oder gestohlen zu haben. Sie rannte daraufhin entsetzt zu den Tellern und zählte sie wieder und wieder, kam aber immer nur auf neun.</p>



<p>Aoyama, der sie dabei beobachtet hatte, versprach, ihre Bestrafung auszusetzen oder sie nicht zu verraten, wenn er sie dafür zur Frau nehmen dürfe.</p>



<p>Doch Okiku lehnte erneut ab. Das wiederum versetzte Aoyama so in Rage, dass er das Dienstmädchen mit einem hölzernen Schwert verprügelte. Er schleifte sie nach draußen zum Brunnen des Anwesens und folterte sie dort weiter, ehe er sie erneut fragte, ob sie ihn heiraten wolle.</p>



<p>Nachdem sie jedoch erneut ablehnte, warf er sie in den Brunnen, wo Okiku schließlich starb.</p>



<p>Wenn Aoyama jedoch dachte, dass er Okiku daraufhin los sei, hatte er sich geirrt. Bereits in der nächsten Nacht erklang ihre Stimme aus dem Brunnen. Sie zählte von eins bis neun, ehe sie einen furchtbaren Schrei ausstieß. Wieder und wieder.</p>



<p>Ihr Geist kehrte fortan jede Nacht zurück, zählte die neun Teller und stieß Klagelaute aus. Mit der Zeit verlor Aoyama deshalb den Verstand, bis er sich selbst das Leben nahm.</p>



<p>Doch auch nach seinem Tod sollte Okiku keine Ruhe finden. Erst, als ein Nachbar, ein neuer Besitzer oder ein Mönch, der beauftragt wurde, den Geist zu bannen, die Zahl Zehn rief, nachdem Okiku die neun erreicht hatte, soll sie gesagt haben: „Endlich.“ Ihr Geist ist seitdem nie zurückgekehrt.</p>



<p>Das ist zumindest eine Variante der Legende, laut anderen Erzählungen, konnte ihr Geist bis heute keine Ruhe finden und zählt noch immer jede Nacht die neun Teller.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt, gibt es noch zahlreiche weitere Versionen von Banchō Sarayashiki. In einigen stürzt sich Okiku aus Verzweiflung selbst in den Brunnen, um der Strafe zu entgehen. Manchmal ist ihr darin der Teller sogar selbst heruntergefallen.</p>



<p>In anderen Versionen ist die Frau von Aoyama Tessan die Übeltäterin, da sie befürchtet, ihr Mann könne Gefühle für Okiku haben. Sie zerbricht oder versteckt den Teller und beschuldigt Okiku, woraufhin Aoyama das Dienstmädchen ermordet und in den Brunnen wirft. In diesen Versionen treibt Okiku meist die Frau von Aoyama Tessan in den Wahnsinn.</p>



<p>Es gibt sogar eine Version, in der Okiku tatsächlich die Geliebte von Aoyama ist. In dieser Version zerstört sie den Teller, der Aoyama so wichtig ist, um seine Liebe zu testen. Er verzeiht ihr, jedoch nur, bis er später erfährt, dass sie den Teller mit Absicht zerstört hat, woraufhin er sie aus Wut tötet und in den Brunnen wirft.</p>



<p>Außerdem können andere Kleinigkeiten abweichen. Z. B. kann der Name von Aoyama ein anderer sein oder Okikus Geist streift durch das Haus, statt in dem Brunnen zu bleiben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Politischer Konflikt:</h4>



<p>Es gibt eine Version von Banchō Sarayashiki, die ich hier noch einmal gesondert erwähnen möchte. Sie spielt in der Himeji-Burg in Himeji, Japan. In dieser Version wird Okiku in einen politischen Konflikt verwickelt.</p>



<p>Sie erfährt, dass Aoyama Tessan seinen Regenten Lord Norimoto ermorden und seinen Platz einnehmen möchte. Sie dient daher als Spitzel und erzählt Norimoto (oder einem Vertrauten) von dem Putsch, woraufhin Norimoto lebend aus der Burg entkommt.</p>



<p>Daraufhin erkennt Aoyama, dass es einen Verräter unter seinen Dienstleuten geben muss. Er befiehlt seinem Komplizen Danshiro, den Verräter ausfindig zu machen.</p>



<p>Als Danshiro jedoch herausfindet, dass Okiku, in die er schon lange verliebt ist, die Verräterin ist, sieht er darin eine Chance, sie zur Frau zu bekommen. Von hier an ist die Geschichte sehr ähnlich, nur, dass Okiku von Danshiro erpresst wird statt von Aoyama.</p>



<p>Erst verspricht Danshiro, sie nicht zu verraten, wenn sie ihn zum Mann nimmt. Als sie ablehnt, versteckt er den Teller und gibt ihr die Schuld dafür, um ein weiteres Druckmittel zu haben. Als sie trotzdem weiter ablehnt, tötet er sie und wirft sie in den Brunnen.</p>



<p>Ihr Geist treibt anschließend Danshiro in den Wahnsinn, der daraufhin aus der Burg verbannt wird oder sich das Leben nimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Okikus Fluch:</h3>



<p>Auch wenn Okikus Geist in den meisten Versionen von Banchō Sarayashiki vergleichsweise harmlos sein soll – mal abgesehen von ihrem Verhalten gegenüber ihren Mördern, die sie ihn den Wahnsinn treibt –, gibt es andere Erzählungen, in denen Okiku auch unbeteiligten Menschen schaden kann.</p>



<p>So besagen einige Legenden, dass Leute, die Okiku zählen hören, den Verstand verlieren können. Es gibt sogar Versionen, in denen alle, die Okiku bis zur Zahl Neun zählen hören, kurze Zeit später sterben sollen – entweder durch Okikus Hand oder durch eine scheinbar unzusammenhängende Ursache.</p>



<p>Es soll aber auch eine Möglichkeit geben, diesem Fluch zu entkommen. Sobald sie die Zahl Neun sagt, soll man schnell „Zehn!“ rufen. Daraufhin soll Okikus Geist wieder verschwinden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Wie der Name „Banchō Sarayashiki“ bereits sagt, soll die Legende sich angeblich in Banchō, einem Stadtteil des damaligen Edo, also des heutigen Tokio, zugetragen haben.</p>



<p>Es gibt aber auch Versionen, die die Geschichte an einen anderen Ort verlagern, so zum Beispiel die Version mit dem politischen Putsch, die sich in der Himeji-Burg in Himeji zugetragen haben soll. Dort gibt es auch einen Brunnen, in dem Okiku gestorben sein soll. Der Okiku-Brunnen der Himeji-Burg ist heute eine beliebte Touristenattraktion.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Den genauen Ursprung der Banchō-Sarayashiki-Legende habe ich leider nicht herausfinden können.</p>



<p>Aber die Legende wurde bereits 1741 als Bunraku, einem Puppenspiel, vorgeführt, auch wenn es wahrscheinlich ist, dass es sie bereits deutlich länger gab und sie lediglich als Bunraku adaptiert wurde.</p>



<p>Seitdem wurde sie außerdem viele Male als Kabuki-Stück vorgeführt, was zu ihrer großen Bekanntheit beigetragen haben könnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Banchō Sarayashiki in der Popkultur:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt, gibt es zahlreiche Theaterstücke bzw. Kabukistücke, die die Legende behandeln.</p>



<p>Außerdem wurden einige Filme über die Geistergeschichte gedreht, wie z. B. „Kaidan Banchô sara-yashiki“ (1957).</p>



<p>Und auch in einigen Manga und Anime existieren Anspielungen oder sogar direkte Auftritte von Okiku. So z. B. in „Gegege no Kitarō“ oder „Sadako at the End of the World“ (2019).</p>



<p>Darüber hinaus wird Okiku häufig als die Inspiration für den berühmten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/onryo">Onryō</a> Sadako aus „The Ring“ (sowohl den Filmen als auch den Romanen) genannt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Banchō Sarayashiki? Kanntet ihr die Geschichte bereits? Was würdet ihr tun, wenn ihr nachts eine gespenstische Stimme zählen hört? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/bancho-sarayashiki-die-legende-von-okiku">Banchō Sarayashiki – Die Legende von Okiku</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/bancho-sarayashiki-die-legende-von-okiku/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>4</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tsukumogami – Monster sind real!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/tsukumogami</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/tsukumogami#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Karakasa]]></category>
		<category><![CDATA[Karakasa-Kozo]]></category>
		<category><![CDATA[Karakasa-Obake]]></category>
		<category><![CDATA[Kasa-Obake]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptid]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptide]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Spuk]]></category>
		<category><![CDATA[Spukhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Tsukumogami]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Yokai]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3179</guid>

					<description><![CDATA[<p>Als wir fast mit dem letzten Zimmer fertig waren – es war bereits Sonntagnachmittag – entdeckte ich jedoch den kaputten Papier-Regenschirm wieder. Zumindest dachte ich erst, dass er es sei. Er stand in der hintersten Ecke des Raumes, völlig unscheinbar an die Wand gelehnt.<br />
Langsam, fast schon vorsichtig ging ich auf ihn zu. „Das ist seltsam“, sagte ich. „Ich hätte schwören können, dass ich den Regenschirm letztes Wochenende schon einmal entsorgt habe …"</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/tsukumogami">Tsukumogami – Monster sind real!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/02ea5e58dcfb432fac64b734ec28e975" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Tsukumogami behandelt endlich wieder einen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Yōkai</a>. Mir ist ehrlich gesagt nicht einmal aufgefallen, dass meine letzte japanische Legende schon 9 Monate her war.</p>



<p>Dafür hat die heutige Geschichte mit schnuckeligen 4.448 Wörtern deutliche Überlänge. Ich hoffe, sie gefällt euch.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich saß neben Kichiro in dem kleinen weißen Transporter, den wir vorhin in Tokio gemietet hatten. Die Natur war grün, die Sonne schien und unsere Playlist schallte aus den Boxen, während wir die engen und kurvigen Straßen entlangfuhren.</p>



<p>Wir näherten uns unserer neuen Heimat. Shizuka-Mura war ein kleines Dorf, nur etwa zwei Stunden von Tokio entfernt. Einsam, fast unbedeutend stand es am Fuß eines Berges. Ohne den Arbeitskollegen von Kichiro, der uns auf das verschlafene Örtchen aufmerksam gemacht hatte, hätten wir es wahrscheinlich nie entdeckt.</p>



<p>Er wusste jedoch, dass wir gemeinsam ein Haus kaufen wollten. Auch hatte er mitbekommen, dass wir uns bereits nach einigen Akiyas umgesehen hatten. So nennt man die zahlreichen leerstehenden Häuser, die in den ländlichen Gegenden Japans zu finden sind. Meist kann man sie zu spottbilligen Preisen erstehen, da sie langsam am Zerfallen sind. Und wenn ich spottbillig sage, meine ich spottbillig: Die Häuser inklusive Grundstück fangen teilweise schon bei umgerechnet 300 bis 400 Euro an.</p>



<p>Das Haus, für das wir uns dank des Kontakts des Arbeitskollegen letztendlich entschieden hatten, war mit seinen 2,5 Millionen Yen, etwa 15.500 Euro, zwar etwas teurer, aber der Zustand war mehr als nur überzeugend. Klar mussten wir noch einiges an Geld in die Renovierung stecken, zum Beispiel mussten wir die komplette Elektrik sowie die Leitungen erneuern lassen, aber vieles konnten wir tatsächlich selbst erledigen. Immerhin hatte ich in den zehn Jahren, in denen ich in Deutschland als Handwerker gearbeitet hatte, einiges gelernt. Außerdem war das Haus trocken, weder von Schimmel noch von Termiten befallen und selbst die meisten Möbel und Tatami-Matten waren in einem noch durchaus brauchbaren Zustand.</p>



<p>„Wenn ich in Deutschland für den Preis so ein Haus gefunden hätte, hätte ich Angst gehabt, dass es darin spukt“, hatte ich scherzhaft zu Kichiro gesagt, nachdem ein Gutachter uns einen groben Überblick über die anfallenden Kosten gegeben hatte. Dass ich mit der Aussage ins Schwarze getroffen hatte, hätte ich mir jedoch nicht träumen lassen. Wir hatten den Kaufvertrag noch am selben Abend unterzeichnet.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Endlich hatten wir das Dorf erreicht. Wir fuhren durch enge, teilweise baufällige Straßen, sodass wir nur im Schritttempo fahren konnten. Währenddessen begegneten wir einigen Bewohnern, die uns allesamt neugierig nachsahen. Wir begrüßten sie je mit einem freundlichen nicken, bis wir schließlich in unsere Straße einfuhren.</p>



<p>Unser Haus war nicht das erste Akiya, dem wir heute begegneten. Obwohl Shizuka-Mura nur wenige Einwohner hatte, gab es davon in der Gegend einige. Manche von ihnen sahen, genau wie unseres, vergleichsweise gut aus, andere waren völlig zerfallen und überwuchert. Wahrscheinlich waren die meisten jüngeren Leute aus der Gegend in die Städte gezogen und hatten die Häuser leer zurückgelassen.</p>



<p>Dann endlich fuhren wir auf unsere kleine Auffahrt. Unsere neue Nachbarin, eine ältere Dame, war gerade in ihrem Garten. Auch sie sah neugierig zu uns rüber.</p>



<p>„Guten Tag“, grüßte ich freundlich, während ich ausstieg.</p>



<p>„Guten Tag“, grüßte sie zurück.</p>



<p>„Wir sind die neuen Nachbarn. Das ist Herr Suzuki und ich bin Berger“, stellte ich uns, wie in Japan üblich, mit unseren Nachnamen vor.</p>



<p>„Guten Tag“, grüßte nun auch Kichiro.</p>



<p>„Gotō“, stellte sich die Frau vor. Sie beäugte uns einen Augenblick neugierig. „Sie müssen gute Freunde sein“, stellte sie schließlich fest. Ein anderer Grund, warum zwei Männer sich gemeinsam ein Haus kauften, fiel ihr anscheinend nicht ein.</p>



<p>„Wir sind verlobt“, erklärte ich. Leider ein Dauerzustand, da zwei Männer hier in Japan noch nicht heiraten durften.</p>



<p>Frau Gotō guckte überrascht, dann aber nickte sie freundlich. „Es ist schön, dass junge Leute wie Sie in unser kleines Dorf ziehen. Ich kann zwar nicht schwer tragen, aber falls Sie Hilfe gebrauchen können, sagen Sie bitte Bescheid.“</p>



<p>Wir bedankten uns, woraufhin sie weiter zu ihrer Haustür ging. Bevor sie sie jedoch öffnete, drehte sie sich noch einmal zu uns um.</p>



<p>„Ach so. Bevor ich es vergesse: Ich höre manchmal nachts Geräusche aus Ihrem Haus. Ich weiß nicht, wer oder was das ist, aber passen Sie bitte auf sich auf. Nicht, dass Sie ungewollte Gäste haben.“ Dann war sie auch schon in ihrem Haus verschwunden.</p>



<p>Kichiro und ich sahen einander überrascht an. Ich verzog das Gesicht. „Na das klingt ja vielversprechend“, sagte ich.</p>



<p>Mein Verlobter klopfte mir auf die Schulter. „Mach dir nichts draus, Lennart. Wenn das irgendwelche Tiere sind, finden wir sie beim Entrümpeln, und falls es ein Obdachloser ist, zieht er bestimmt weiter ins nächste Akiya. Es ist ja nicht so, dass es nicht genug davon in der Gegend gibt.“</p>



<p>Das brachte mich zum Lachen. Sein Optimismus und seine immer lockere Art, mit Problemen umzugehen, waren zwei der Gründe, warum ich mich damals in ihn verliebt hatte.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Den restlichen Tag passierte nichts Außergewöhnliches. Wir fingen an, die Möbel und Haushaltsgegenstände einen Raum nach dem anderen durchzusehen. Wir sortierten, was wir noch gebrauchen konnten, und was wegsollte. Wie bereits gesagt waren viele der Möbel noch immer in einem guten Zustand, weshalb wir die meisten Stühle, Tische, Schränke und sogar ein Radio, das in der Küche stand, behielten.</p>



<p>Die anderen Dinge – ein kaputter Besen, ein Stuhl mit gebrochener Armlehne, alte Zeitschriften, kaputtes Geschirr, diverse ausgeblichene Bilder und die alten Futons, um nur ein paar Dinge zu nennen – brachten wir nach draußen. Wir stellten sie auf die Auffahrt, von wo aus wir sie später geordnet in den Transporter laden würden.</p>



<p>Am frühen Abend machte uns das schwindende Sonnenlicht jedoch ein Strich durch die Rechnung. Da der Strom nicht funktionierte, konnten wir bald kaum noch etwas erkennen. Die batteriebetriebene Camping-Lampe, die wir extra für diesen Zweck organisiert hatten, spendete zwar genug Licht für eine gemütliche Atmosphäre, aber es war zu schwach, um die Möbel ausreichend zu beleuchten. Daher entschieden wir, es für heute gut sein zu lassen.</p>



<p>Zum Abendessen gab es Instant-Ramen. Frau Gotō war so freundlich, uns dafür heißes Wasser zu spendieren. Wir aßen die Nudeln bei ihr, während sie uns von der Gegend erzählte. Trotz der bescheidenen Größe hatte Shizuka-Mura einen kleinen Supermarkt, zwei empfehlenswerte Restaurants und einen gut gepflegten Schrein – nur für denn Fall, dass wir uns noch etwas aus den Göttern machten, wie Frau Gotō mit einem Augenzwinkern erzählt hatte.</p>



<p>Nach dem Essen bedankten wir uns bei ihr für das heiße Wasser und die gute Gesellschaft, woraufhin sie uns anbot, dass wir gerne am nächsten Abend wiederkommen könnten.</p>



<p>Anschließend gingen wir zufrieden und erschöpft von der vielen Arbeit ins Bett. Dafür hatten wir einen Futon im Gästezimmer ausgebreitet – dem einzigen Raum, der nicht völlig mit Ramsch zugestellt gewesen war.</p>



<p>Nachdem wir uns hingelegt und unsere Camping-Lampe ausgeschaltet hatten, war es um uns herum stockdunkel. Die Luft roch noch immer nach Staub, auch wenn wir uns größte Mühe gegeben hatten, den Raum zumindest oberflächlich zu putzen. Jetzt lauschte ich Kichiros langsamen Atem neben mir. Und so war ich bald eingeschlafen.</p>



<p>Mitten in der Nacht wurden wir jedoch von seltsamen Geräuschen aus dem Schlaf gerissen. <em>‚Klack. Klack‘</em>, ertönte es leise aus dem Flur. <em>Klack.</em> Es klang fast wie Schritte, nur dass es dafür zu langsam und irgendwie zu aggressiv war.</p>



<p>„Lennart? Was ist das?“, fragte Kichiro, als er merkte, dass ich wach war.</p>



<p>„Keine Ahnung“, erwiderte ich. Vielleicht waren das die nächtlichen Geräusche, von denen Frau Gotō erzählt hatte.</p>



<p>Leise, um selbst keinen Lärm zu machen, stand ich auf. Ich tastete nach der Camping-Lampe, schaltete sie aber noch nicht ein, um nicht auf mich aufmerksam zu machen. Anschließend schlich ich auf leisen Sohlen zur Zimmertür. Kichiro war dicht hinter mir. Als ich den Shoji, die japanische Schiebetür, erreicht hatte, schob ich ihn langsam auf. <em>Klack. Klack.</em> Die Geräusche waren jetzt ganz in der Nähe. Vorsichtig hob ich den Arm mit der Camping-Laterne in den Flur hinaus, während ich mit der freien Hand nach den Einschaltknopf tastete.</p>



<p><em>Klick.</em> Der Flur vor uns war nun in sanftes Licht gehüllt. Ich spähte nach links und rechts. Er war leer. Allerdings hatten jetzt auch die Geräusche aufgehört.</p>



<p>„Nichts“, sagte ich zu Kichiro. Ich schob den Shoji weiter auf, damit auch er etwas sehen konnte.</p>



<p>Zur Sicherheit gingen wir die angrenzenden Räume ab. Aber auch hier war alles wie vorher. Zwischen dem Gerümpel schien sich zumindest niemand zu verstecken.</p>



<p>„Vielleicht sind es die alten Rohre?“, schlug Kichiro vor. „Wenn ich mich richtig erinnere, verlaufen Sie hier genau unter dem Boden.“</p>



<p>Ich nickte. Das war eine Möglichkeit.</p>



<p>„Komm Lennart, lass uns zurück ins Bett gehen. Wir haben morgen noch einen anstrengenden Tag vor uns.“</p>



<p>„Ist gut“, stimmte ich zu.</p>



<p>Anschließend legten wir uns wieder hin. Die restliche Nacht blieb ruhig.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Morgen wollten wir keine Zeit verlieren. Nach einem knappen Frühstück machten wir uns direkt an die Arbeit. Auch heute kamen wir gut voran.</p>



<p>Zuerst war das Wohnzimmer dran. Es dauerte anderthalb, vielleicht zwei Stunden, bis wir den meisten Ramsch aussortiert hatten. Kichiro ging bereits weiter in den nächsten Raum, während ich dabei war, den letzten Rest nach draußen zu bringen.</p>



<p>Als ich jedoch ins Wohnzimmer zurückkam, stockte ich. Am Tisch lehnte ein weißer Regenschirm mit aufwendiger Musterung. Er war mir vorher nicht aufgefallen, obwohl wir mit dem Raum bereits fast fertig waren. Misstrauisch ging ich auf ihm zu.</p>



<p>Es war einer dieser Schirme aus gewachstem Papier. Er musste schon sehr alt sein. Sein Weiß ging bereits ins Gelbliche. Trotzdem war er wunderschön verarbeitet. Vorsichtig öffnete ich ihn ein Stück. Äste mit rosa Kirschblüten verzierten seine Oberfläche. Doch leider war er an einigen Stellen bereits gerissen. Also klappte ich ihn wieder zu und brachte ihn zusammen mit einer kaputten Vase zum Transporter. Anschließend folgte ich Kichiro in den hinteren Teil des Hauses.</p>



<p>„So ein Mist!“, hörte ich Kichiro entsetzt rufen, als ich auf halbem Weg war.</p>



<p>Ich beschleunigte meine Schritte. „Was ist?“, fragte ich, bereits auf unerwartete Kosten eingestellt.</p>



<p>Kichiro sah mich mit großen Augen an, als hätte er mich nicht erwartet. Dann lachte er plötzlich. „Ach, nichts. Nur ein dummer Aberglaube“, er deutete auf den Shoji neben ihm. Eines der oberen Papierfenster war gerissen. „Wir sollten das möglichst schnell austauschen.“</p>



<p>Ich lehnte mich an die Wand, den Mund zu einem Schmunzeln verzerrt. „Sonst was? Kommt sonst ein Yōkai vorbei und zerreißt auch die anderen?“, riet ich drauf los.</p>



<p>Wieder lachte Kichiro. „Du bist doof. Nein. Es geht um eine Geschichte, die meine Oma mir mal erzählt hat. Wenn man einen kaputten Shoji zu lange ignoriert, kann er zu einem Mokumokuren werden. Dann wachsen ihm ganz viele Augen, mit denen er uns anstarrt.“ Mein Verlobter schüttelte sich übertrieben. „Darauf kann ich gerne verzichten. Ich hab jedenfalls keine Lust, in unserem neuen Haus beobachtet zu werden.“</p>



<p>Grinsend schüttelte ich den Kopf. „Oh. Nein. Darauf kann ich auch verzichten. Also gut. Bis nächstes Wochenende organisieren wir neues Shoji-Papier.“</p>



<p>Kichiro strahlte mich an. Bei solchen Dingen wusste ich nie, woran ich bei ihm war. An manche von ihnen glaubte er, über andere konnte er genauso lachen wie ich.</p>



<p>Schuld daran war seine Oma mütterlicherseits. Sie hatte ihn schon von klein auf mit ihren Geschichten über Yōkai und Geister bei Laune gehalten. Viele davon waren ihr angeblich selbst widerfahren. Und diesen Glauben an das Übernatürliche hatte Kichiro nie verloren.</p>



<p>Ich war da völlig anders. Meine Familie in Deutschland hatte mir seit meiner Geburt klar gemacht, dass es so etwas wie Geister und Monster nur in Geschichten gab. Nichts davon war real – so dachte ich zumindest.</p>



<p>Trotzdem blieb mir Kichiros Satz mit dem Beobachtetwerden im Gedächtnis. Jedes Mal, wenn ich an dem kaputten Shoji vorbeiging, musste ich mir vorstellen, wie tatsächlich Augen aus ihm wuchsen. Über mich selbst belustigt schüttelte ich den Kopf.</p>



<p>Ich war mit den Gedanken noch immer bei dem Shoji, als mir etwas anderes auffiel: Kichiro und ich trugen einen kaputten Schrank nach draußen, wo wir ihn direkt neben die kaputte Vase aus dem Wohnzimmer stellten. Ich hatte den Schirm vorhin hineingestellt, damit er nicht umfiel. Jetzt war die Vase jedoch leer.</p>



<p>Mit gerunzelter Stirn sah ich mich um.</p>



<p>„Was? Hast du was verloren?“, fragte Kichiro.</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich hatte vorhin einen kaputten Papierschirm hier in die Vase gestellt. Irgendwer muss ihn wohl mitgenommen haben.“</p>



<p>Jetzt kräuselte sich auch Kichiros Stirn. „Na ja. Unser Verlust soll es nicht sein. Wir hätten ihn eh nur weggeworfen. Wenn der Schirm irgendwen glücklich macht, soll er ihn doch haben.“</p>



<p>Ich nickte zögerlich.</p>



<p>Mehr Erwähnenswertes geschah an dem Wochenende zum Glück nicht. Am Samstag arbeiteten wir wieder so lange weiter, wie es das Sonnenlicht erlaubte. Den Abend verbrachten wir dann bei Frau Gotō. Sie hatte uns wie selbstverständlich gebratenen Fisch mit allerlei Beilagen gemacht. Erst wollte Kichiro es gar nicht annehmen, aber da Frau Gotō darauf bestand, wäre es unhöflich gewesen, das Essen abzulehnen.</p>



<p>Die Zeit bei der alten Dame kam mir vor, als würden wir einander schon ewig kennen. Sie erzählte uns weiter von der Gegend, während wir von Tokio und Deutschland erzählten. Auch erwähnten wir die nächtlichen Geräusche – die in der folgenden Nacht übrigens wiederkamen – sowie unseren Verdacht, dass es sich dabei um die alten Rohre handeln könne. Das erleichterte Frau Gotō sichtlich. Wir wünschten einander eine gute Nacht, ehe wir zurück in unser Haus gingen.</p>



<p>Am Sonntag räumten wir weiter auf, bevor wir gegen Nachmittag den Transporter einräumten. Anschließend verabschiedeten wir uns von unserer Nachbarin und machten uns auf den Rückweg nach Tokio. Shizuka-Mura würden wir erst am nächsten Wochenende wiedersehen.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Das zweite Wochenende in dem Dorf verlief ähnlich wie das erste – zumindest, nachdem wir direkt am Freitag den kaputten Shoji repariert hatten. Tagsüber räumten wir weiter die Zimmer auf und die Abende verbrachten wir auf Frau Gotōs Wunsch hin wieder bei ihr. Sie hatte selbst keine Kinder, was vielleicht der Grund war, warum sie uns so herzlich aufnahm. Ihre liebenswürdige Art zauberte mir jedenfalls bald ein Lächeln ins Gesicht, wann immer ich sie sah.</p>



<p>Ungewöhnliches geschah hingegen kaum etwas. Ja, die nächtlichen Geräusche kamen wieder, aber auch diesmal konnten wir nichts Auffälliges entdecken. In der Nacht von Samstag auf Sonntag machten wir uns nicht einmal mehr die Mühe, aufzustehen.</p>



<p>Als wir fast mit dem letzten Zimmer fertig waren – es war bereits Sonntagnachmittag – entdeckte ich jedoch den kaputten Papier-Regenschirm wieder. Zumindest dachte ich erst, dass er es sei. Er stand in der hintersten Ecke des Raumes, völlig unscheinbar an die Wand gelehnt.</p>



<p>Langsam, fast schon vorsichtig ging ich auf ihn zu. „Das ist seltsam“, sagte ich. „Ich hätte schwören können, dass ich den Regenschirm letztes Wochenende schon einmal entsorgt habe.“</p>



<p>Kichiro trat neben mich, um sich das unscheinbare Objekt selbst anzusehen. Aber er zuckte bloß mit den Schultern. „Vielleicht hat er dieselbe Musterung? Ich bin mir sicher, solche Schirme werden zuhauf angefertigt. Vielleicht trugen unsere Vorbesitzer sie im Partnerlook. Oder sie haben einfach mehrere geholt.“ Mehr Gedanken verschwendete er nicht daran.</p>



<p>Mir hingegen wollte der Schirm nicht mehr so recht aus dem Kopf gehen. Ich starrte ihn die ganze Zeit lang an, während ich ihm zum Transporter brachte. Dort schob ich ihn zwischen die anderen Möbel, die wir bereits eingeräumt hatten.</p>



<p>„So. Das war’s“, sagte ich. Ich schlug die Tür zu.</p>



<p>Kichiro hatte bereits unsere Tasche geschultert. Er stieg auf der Beifahrerseite ein, während ich zur Fahrertür ging.</p>



<p>Gerade, als ich die Tür geöffnet hatte, hörte ich jedoch ein Geräusch von der Rückseite des Autos. Es klang fast wie die Tür. Mit gerunzelter Stirn ging ich die wenigen Schritte zurück. Aber hier hinten sah alles ganz normal aus. Vielleicht war nur irgendetwas im Auto heruntergefallen. Also zuckte ich nur wieder mit den Schultern, stieg endlich ein und startete den Motor. Wir fuhren auf direktem Weg zurück nach Tokio.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Die Woche über musste ich immer wieder an unser Akiya denken. Wie gut wir vorankamen, wie nett uns Frau Gotō aufgenommen hatte, aber auch an den Papier-Regenschirm. Ich gestand es Kichiro jedoch erst am Freitag, als wir nach der Arbeit im Auto nach Shizuka-Mura saßen.</p>



<p>„Es ist albern. Aber der Regenschirm geht mir einfach nicht aus dem Kopf“, sagte ich.</p>



<p>Kichiro sah mich ratlos an. „Welcher Regenschirm?“</p>



<p>„Den, von dem ich dachte, dass ich ihn schon einmal entsorgt habe“, half ich ihm auf die Sprünge. „Weißt du, erst verschwindet er spurlos von unserer Auffahrt und dann finden wir einen identischen Schirm in der hintersten Ecke vom Arbeitszimmer. Natürlich hast du recht, dass es nur dasselbe Modell ist. Es muss so sein. Aber das war schon irgendwie unheimlich.“</p>



<p>Kichiro schmunzelte. „Und ich dachte immer, du glaubst nicht an Geistergeschichten“, zog er mich auf. Dann starrte er plötzlich aus dem Fenster. „Wobei ich gestehen muss, dass ich abends manchmal Bewegungen aus dem Augenwinkel gesehen habe. Im Haus meine ich. Aber bisher ist ja noch nichts passiert, das auf einen bösen Geist hindeutet.“ Er schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln.</p>



<p>Ich lächelte zurück. Auch wenn mein Lächeln eher halbherzig war. Das war nicht gerade die Art von Kommentar, die mich aufheitern konnte.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>An diesem Wochenende ging es um den ersten groben Hausputz. Bevor wir die Elektriker und die Sanitärinstallateure in das Haus ließen, wollten wir wenigstens die Wände, den Boden und die Möbel vom gröbsten Schmutz befreien.</p>



<p>Mit Putzlappen und Besen bewaffnet, teilten wir uns auf. Ich übernahm das Wohnzimmer, während Kichiro ins Arbeitszimmer ging.</p>



<p>Zuerst fegte ich den kompletten Boden ab und war dabei darauf bedacht, möglichst viel Dreck aus den Tatami-Matten zu schrubben. Ich wirbelte dabei jedoch mehr Staub auf, als dass ich ihn entfernte. Zum Glück würde die Elektrik bereits nächste Woche ausgetauscht werden. Danach hatten wir endlich Licht und konnten auch einen Staubsauger benutzen.</p>



<p>Anschließend machte ich mich daran, die Tische und Schränke mit dem Lappen zu reinigen.</p>



<p>„Hey, Lennart“, hörte ich Kichiro plötzlich aus dem Nachbarzimmer rufen, als ich gerade dabei war, einen besonders hartnäckigen Fleck vom Esstisch zu schrubben. „Ich glaube, ich hab deinen Regenschirm wiedergefunden.“</p>



<p>Ich erstarrte in der Bewegung. Was? Das war unmöglich! Wir hatten alle Räume bereits durchgesehen. Mein Körper fühlte sich verkrampft an, während ich die Gummihandschuhe auszog. Langsam, fast mechanisch ging ich zu Kichiro ins Arbeitszimmer.</p>



<p>Mein Verlobter stand vor einem Schreibtisch, die oberste Schublade geöffnet, und hielt ein Stück Papier in den Händen. Bei genauerer Betrachtung fiel mir auf, dass es ein Schwarz-Weiß-Foto war. Ich nahm es ihm ab.</p>



<p>Als ich sah, was darauf abgebildet war, atmete ich erleichtert auf. Es war eine junge Frau in einem Kimono. Sie hatte ein hübsches Gesicht und lächelte in die Kamera, während sie einen aufgespannten Regenschirm an ihre Schulter gelehnt festhielt. <em>Den</em> Regenschirm.</p>



<p>Jetzt musste ich lachen. „Und ich dachte schon, der Regenschirm ist auf magische Weise wieder aufgetaucht.“</p>



<p>Kichiro grinste mich frech an. Anscheinend war genau das seine Intention gewesen. „Langsam fürchte ich, du glaubst doch an Geister“, neckte er mich.</p>



<p>Ich schüttelte grinsend den Kopf, ehe ich flüchtig die Rückseite des Bildes ansah.</p>



<p>„Vielleicht hätten wir den Schirm doch nicht wegwerfen sollen“, merkte ich an. ‚Mariko 1921‘ stand dort in verblasster Handschrift geschrieben. „Den Schirm gab es schon in den 1920ern.“</p>



<p>Das brachte Kichiro zum Erstarren. Nur für höchstens eine Sekunde, aber ich hatte es bemerkt. „Der Schirm ist über 100 Jahre alt?“, fragte er.</p>



<p>Ich nickte. „Ja. Denkst du, er wäre was wert gewesen?“</p>



<p>Kichiro zögerte. „Vielleicht.“ Dann winkte er jedoch ab. „Aber er war kaputt. Es ist gut, dass wir ihn entsorgt haben. Bei so alten Gegenständen kann man nie wissen.“</p>



<p>Ich hatte das Gefühl, dass er noch mehr sagen wollte. Stattdessen widmete er sich jedoch schnell wieder der Schublade und machte damit weiter, sie auszuräumen. Die meisten Sachen landeten in einem Müllsack. Ich warf das Foto dazu.</p>



<p>In den folgenden Wochen dachte ich noch einige Male an den Regenschirm, aber er tauchte nicht mehr auf. Weder im Haus noch auf irgendwelchen Fotos. Und so kam es, dass er langsam, aber sicher aus meinem Gedächtnis verschwand.</p>



<p>Was hingegen blieb, waren die nächtlichen Geräusche. Mal klangen sie weiter entfernt, mal, als seien sie direkt vor der Tür. Aber wie gesagt schenkten Kichiro und ich ihnen keine wirkliche Aufmerksamkeit mehr.</p>



<p>Nur ein einziges Mal, nachdem der Strom endlich funktionierte, ging ich erneut nachts auf den Flur. Jetzt war er hell erleuchtet. Wie auch die letzten Male war er leer. Ich muss gestehen, dass ich kurz überlegte, die anderen Räume noch einmal abzulaufen. Nur zur Sicherheit. Aber das wäre bescheuert gewesen. Ganz davon abgesehen, dass ich dort sicherlich nichts gefunden hätte, sollten nächste Woche die alten Rohre ausgetauscht werden. Ab dann waren die Geräusche wahrscheinlich eh vorbei.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am folgenden Wochenende waren Kichiro und ich auf einem gefühlstechnischen Hoch, während wir wieder nach Shizuka-Mura fuhren. Es war bereits dunkel, da wir vorhin noch die Wohnung leergeräumt hatten. Kichiros kleiner Toyota war bis unter das Dach mit unseren Sachen beladen. Heute würden wir endlich vollends umziehen.</p>



<p>Klar gab es noch einiges, was wir im Haus zu erledigen hatten, aber das würden wir machen, während wir dort bereits lebten. Das Wichtigste – die Möbel, funktionierender Strom, die neuen Wasserleitungen und die neuen Sanitäranlagen – war immerhin schon dort.</p>



<p>Wir grinsten wie zwei Lottogewinner, während Kichiro auf der Auffahrt parkte. Ich schnappte mir einen Umzugskarton aus dem Auto und betrat dicht hinter Kichiro das Haus. Dort blieb ich einen Moment stehen, schloss die Augen und atmete tief ein. Der inzwischen vertraute Geruch des Hauses stieg mir in die Nase. Es roch nicht länger nach Staub oder abgestandener Luft – die Gerüche hatte die Grundreinigung letztes Wochenende beseitigt –, sondern einfach nur nach Heimat.</p>



<p>Ich brachte den Karton ins Schlafzimmer, ehe ich mit meinem Verlobten zusammen das restliche Auto ausräumte. Im Nachhinein war ich ein wenig überrascht, wie die Kartons, die sich jetzt vor uns stapelten, überhaupt in das kleine Auto gepasst hatten.</p>



<p>Kichiro grinste noch immer breit. „Ich weih dann mal die Dusche ein“, sagte er, ehe er mir einen Kuss gab.</p>



<p>„Ist gut“, erwiderte ich. „Ich räum schonmal unsere Klamotten in den Schrank. Aber lass mir noch heißes Wasser nach!“ Den letzten Satz musste ich rufen, so enthusiastisch war er bereits losgestürmt. Es dauerte nicht lange, da hörte ich auch schon die Dusche. Ich schüttelte schmunzelnd den Kopf.</p>



<p>Dann widmete ich mich wieder den Kartons. Ich öffnete sie einen nach dem anderen, bis ich unsere Kleidung gefunden hatte. Vorsichtig hob ich einen Stapel von Kichiros Hemden daraus hervor. So viele würde er im Homeoffice wahrscheinlich gar nicht mehr benötigen, trotzdem gab ich mir alle Mühe, sie nicht zu zerknittern.</p>



<p>Langsam balancierte ich sie zu unserem Wandschrank. Es war einer dieser japanischen Schränke, der sich in der Wand verbarg. Ich schob die Tür erst mit dem Ellenbogen, dann mit dem Fuß beiseite. Als ich jedoch gerade die Hemden hineinlegen wollte, fiel mein Blick auf einen Gegenstand, der in der unteren Ecke lehnte: ein mir sehr vertrauter elegant gearbeiteter Papier-Regenschirm.</p>



<p>Die Hemden raschelten, während sie mir aus der Hand glitten. Kichiro wäre wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen, hätte er es gesehen. Aber das war mir in diesem Moment ehrlich gesagt egal.</p>



<p>Meine Hand zitterte, während ich sie nach dem Schirm ausstreckte. Meine Finger hatten das Papier fast erreicht, da bewegte er sich plötzlich. Zuerst dachte ich, er falle bloß um, bis ein großes Auge mich völlig unerwartet durch das an einer Stelle gerissene Papier anblinzelte. Als Nächstes folgte eine lange Zunge, die sich knapp darunter aus einem weiteren Loch schlängelte.</p>



<p>Unfähig, auch nur einen einzigen Ton von mir zu geben, torkelte ich rückwärts, meinen Mund und meine Augen weit aufgerissen. Mein Fuß verfing sich in einem der Hemden, weshalb ich mit einem leisen <em>‚Fump‘</em> auf den Tatami-Matten landete.</p>



<p>Jetzt bemerkte ich auch das Bein, das nun statt des Griffs aus dem Regenschirm ragte. Es sah menschlich aus und trug eine japanische Holzsandale.</p>



<p>Mit einem Sprung setzte der Schirm sich in Bewegung. <em>‚Tock‘</em>, machte seine Sandale einen dumpfen Laut auf der Strohmatte. <em>Tock. Tock.</em> Es war nicht dasselbe Geräusch, das wir nachts vom Flur gehört hatten, aber es hatte eindeutig denselben Rhythmus. Ich war mir sicher, dass es dieses Ding gewesen sein musste, das wir gehört hatten.</p>



<p>Langsam, sein einzelnes Auge stur auf mich gerichtet, kam mir der Schirm näher. Seine Zunge schwang bei jeder Bewegung.</p>



<p>Panisch krabbelte ich rückwärts. So wie ich dalag, befand sich dieses Wesen genau zwischen der Tür und mir.</p>



<p>„Hilfe! Kichiro! Hilfe!“, schrie ich. Meine Stimme war so voller Panik, dass ich sie selbst kaum erkannte. Aber was konnte ich anderes tun? Wenn jemand eine Ahnung hatte, was dieses Ding war, was ich jetzt machen musste, dann war das mein Verlobter.</p>



<p><em>Tock. Tock.</em></p>



<p>Inzwischen spürte ich die Wand in meinem Rücken.</p>



<p><em>Tock.</em></p>



<p>Der Schirm hatte mich fast erreicht. Dann blieb er vor mir stehen.</p>



<p>„Hilfe!“, kreischte ich erneut. Tränen bildeten sich in meinen Augen. Mein Herz raste in meiner Brust, während sich meine Kehle wie zugeschnürt anfühlte.</p>



<p>Jetzt streckte der Schirm mir seine Zunge entgegen. Langsam kam sie mir näher und näher. Ich presste mich so eng an die Wand, wie ich nur konnte, traute mich nicht einmal, nach dem Ding zu treten. Die Zunge wischte kalt und schleimig über meinen Arm, während der Schirm mich ableckte.</p>



<p>Ich befürchtete bereits, dass er gleich einen kräftigen Bissen von mir nehmen würde, da stürmte plötzlich Kichiro in den Raum. Er trug einen hastig übergeworfenen Bademantel, blieb für eine Sekunde ungläubig in der Tür stehen. Dann trafen sich unsere Blicke.</p>



<p>„Weg! Weg!“, schrie er den Schirm an, während er auf mich zurannte. Er machte wedelnde Bewegungen mit den Armen, als wenn er ein Hühnchen verscheuchen wolle.</p>



<p>&nbsp;Zu meiner Überraschung hüpfte der Schirm beiseite. Er drehte sich zu meinem Verlobten um, ehe er einige Sätze zurück Richtung Wandschrank machte.</p>



<p>Kichiro beachtete ihn nicht weiter. Stattdessen hockte er sich vor mich, beäugte mich einen Moment und schloss mich kurz darauf in den Arm. „Alles in Ordnung?“, fragte er mich.</p>



<p>„Keine Ahnung“, schluchzte ich in seinen Bademantel. „Er hat mich abgeleckt. Was ist das für ein Ding?“</p>



<p>„Schhhh“, machte Kichiro, während er meinen Rücken streichelte. „Alles ist gut. Das ist ein Kasa-Obake. Sie spielen gerne Streiche, sind aber nicht gefährlich.“</p>



<p>Ich antwortete nicht, nahm die Erklärung schweigend hin, als wäre sie in irgendeiner Weise logisch.</p>



<p>Dann plötzlich musste Kichiro lachen. „Ich hätte echt nicht gedacht, dass es sie gibt. Meine Oma hat zwar gesagt, dass sie mal einen Tsukumogami, einen belebten Haushaltsgegenstand gesehen habe, aber wir haben ihr nicht geglaubt.“ Er drückte mich sanft von sich, sah dann in die Luft. „Hörst du, Oma, es tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe“, sagte er, als ob ihr Geist hier wäre und uns hören könnte. Aber vielleicht war er das ja sogar. Der Kasa-Obake hatte mein Weltbild völlig zerstört. Alles, was ich über Monster zu wissen glaubte, war falsch.</p>



<p>Vorsichtig wagte ich einen Blick Richtung Wandschrank. Der Regenschirm lehnte davor an der Wand, jetzt wieder völlig unscheinbar. „Was machen wir jetzt mit ihm?“, fragte ich. Meine Stimme war immer noch leicht zittrig.</p>



<p>Kichiro sah ebenfalls zum Schirm, dann sah er mir wieder ins Gesicht. „Ich … weiß es nicht“, sagte er ehrlich. „Manchmal sollen Tsukumogami das Haus verlassen, wenn sie sich ignoriert fühlen. Andererseits … Du wolltest doch schon immer ein Haustier, oder?“</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Tsukumogami (付喪神) sind zum Leben erwachte Haushaltsgegenstände der japanischen Folklore. Sie zählen zu den Yōkai.</p>



<p>Das wohl bekannteste Tsukumogami ist der Kasa-Obake (傘おばけ, Japanisch für „Schirmgeist“ oder „Schirmmonster“), ein zum Leben erwachter Regen- oder Sonnenschirm.</p>



<p>Der Name Tsukumogami setzt sich aus den Kanji 付 (haften, befestigen), 喪 (Trauer) und 神 (Geist, Seele, Gott) zusammen. Grob kann man den Namen also mit „Trauer anhaftende Seele“ oder „Trauer anhaftender Geist“ übersetzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Die Tsukumogami ähneln noch immer stark den Haushaltsgegenständen, die sie einst waren – z. B. Regenschirme, Töpfe, Kannen, Kleidung, Futons, Besen oder sogar Schiebetüren. Sie besitzen jedoch häufig menschenähnliche Eigenschaften wie Augen, einen Mund mit meist langer Zunge sowie Arme und Beine inkl. Hände und Füße.</p>



<p>Außerdem weisen sie oft Gebrauchs- und Altersspuren auf, da ein Tsukumogami erst entsteht, wenn ein Haushaltsgegenstand das Alter von 100 Jahren erreicht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kasa-Obake:</h4>



<p>Um beim Beispiel des Kasa-Obake zu bleiben: Sie sehen meist aus wie aufrecht stehende Papierregenschirme, wie sie in Japan früher häufig benutzt wurden. Statt eines Griffs besitzen sie jedoch ein einzelnes, oft menschlich aussehendes Bein mit einem Fuß. In vielen Darstellungen tragen sie eine einzelne Holzsandale.</p>



<p>Am auffälligsten dürften hingegen ihr einzelnes großes Auge sowie der Mund mit der ungewöhnlich langen Zunge sein, die aus dem Schirm wachsen oder durch Löcher im Papier hervorlugen.</p>



<p>Manchmal besitzen sie auch zwei Arme, die aus dem Schirm wachsen, und/oder ein zweites Bein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Der Legende nach entstehen Tsukumogami, wenn ein Haushaltsgegenstand 100 Jahre (oder in einigen Erzählungen 99 Jahre) alt wird.</p>



<p>Laut den meisten Quellen muss er vernachlässigt oder achtlos weggeworfen worden sein, damit das passiert. In diesen Fällen wollen die Gegenstände oft Rache an ihren ehemaligen Besitzern oder den Menschen generell ausüben. Ein anderes beliebtes Motiv, warum der Gegenstand plötzlich zum Leben erwacht, ist Langeweile, da sie nicht mehr genutzt oder gebraucht werden und sonst nichts mit sich anzufangen wissen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Wenn man in modernen Erzählungen von Tsukumogami hört, sind es meist harmlose Wesen, die den Menschen gerne Streiche spielen. Sie erschrecken sie, machen Lärm, wecken sie nachts o. Ä. Das genaue Verhalten kann sich von Tsukumogami zu Tsukumogami stark unterscheiden.</p>



<p>Man kann ihre Streiche und Phänomene durchaus mit den westlichen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeistern</a> vergleichen, wenn sie z. B. Gegenstände durch die Gegend bewegen, nachts durch den Flur laufen oder an Wände klopfen.</p>



<p>Auch sind sie meist neidisch auf die modernen Haushaltsgeräte, die sie ersetzt haben, weshalb es durchaus vorkommen kann, dass sie das Haus verwüsten oder die Gegenstände zerstören.</p>



<p>Anders sieht es hingegen bei den Tsukumogami aus älteren Erzählungen aus. Vor 500 bis 1.000 Jahren galten die belebten Haushaltsgegenstände noch als blutrünstig und äußerst gefährlich. So kam es nicht selten vor, dass sich ein Tsukumogami in den damaligen Geschichten an den Menschen gerächt hat, die es weggeworfen haben, indem er sie schwer verletzt oder sogar getötet hat.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kasa-Obake:</h4>



<p>Da ich den Kasa-Obake als Tsukumogami für meine Geschichte gewählt und ihn bisher auch beim Aussehen gesondert erwähnt habe, möchte ich euch die spezifischen Eigenschaften der Kasa-Obake natürlich nicht vorenthalten.</p>



<p>Den einbeinigen Schirmen wird nachgesagt, dass sie es lieben, sich an Menschen anzuschleichen, um sie mit ihrer langen Zunge abzulecken. Das kann durchaus erschreckend bis traumatisierend sein, hinterlässt aber keine weiteren Schäden.</p>



<p>Außerdem macht der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> oft Lärm, während er auf seiner Holzsandale durch die Gegend hüpft, was in einem leeren Haus oder auf verlassener Straße durchaus als beängstigend empfunden werden kann.</p>



<p>Davon abgesehen ist er aber völlig harmlos.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Da es sich bei den Tsukumogami um eine japanische Legende handelt, sollen sie fast ausschließlich in Japan vorkommen. Weitere Einschränkungen bezüglich ihres Lebensraums gibt es jedoch nicht.</p>



<p>Zwar gibt es viele Geschichten, in denen sie in verlassenen Häusern oder Tempeln gesichtet wurden, Tsukumogami können die Häuser jedoch auch verlassen oder außerhalb der Häuser entsorgt worden sein, weshalb sie auch auf offener Straße oder sogar in der Wildnis ihren Schabernack treiben können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die ältesten bekannten Erzählungen von lebendigen Haushaltsobjekten innerhalb Japans stammen aus der Heian-Zeit (794 bis 1185). Damals waren sie jedoch noch nicht unter dem Namen „Tsukumogami“ bekannt. Auch hieß es in damaligen Erzählungen noch häufig, dass der Geist eines <a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni</a> oder ein anderes übernatürliches Wesen Besitz von dem Haushaltsgegenstand ergriffen habe.</p>



<p>Ihren Namen erhielten die Tsukumogami erst in der Muromachi-Zeit (1336 bis 1573). Von dort an wurde den Yōkai auch nachgesagt, dass sie ausschließlich von der Seele der tatsächlichen Objekte belebt wurden und nicht länger von bösen Geistern oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Monstern</a>, die Besitz von ihnen ergriffen haben.</p>



<p>Der Glaube, dass auch Dinge wie Haushaltsgegenstände eine Seele besäßen, geht dabei auf die Lehren des Shingon-shū Buddhismus sowie einigen Ideen des Shintoismus zurück, laut denen man auch Gegenstände stets gut behandeln solle.</p>



<p>Ihre Hochzeit hatten die Tsukumogami hingegen erst in der Edo-Zeit (1603 bis 1868), in der unzählige (meist fiktive) Geschichten über sie erzählt und niedergeschrieben worden. In dieser Zeit waren die beseelten Gegenstände außerdem zumeist zu harmlosen Scherzen statt tatsächlichen Rachefeldzügen übergegangen.</p>



<p>Gerade in der späten Edo-Zeit gab es jedoch kaum noch Leute, die an die tatsächliche Existenz dieser Wesen glaubten.</p>



<p>Trotzdem hat der Glaube an die Tsukumogami bis heute überdauert, weshalb sie es bis in die moderne Popkultur geschafft haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Tsukumogami in der Popkultur:</h3>



<p>Gerade in der japanischen Popkultur gibt es unzählige Filme, Manga, Anime, Kabuki-Stücke und sogar Videospiele, in denen Tsukumogami zu finden sind.</p>



<p>Wenn ich auch nur einen Bruchteil von ihnen hier auflisten wollte, könnte ich wahrscheinlich einen eigenen Blogbeitrag nur darüber schreiben, daher hier nur einige prominente Beispiele:</p>



<p>So lassen sich Tsukumogami z. B. in den „Gegege No Kitarō“-Manga und Anime finden, die sich besonders in Japan an großer Beliebtheit erfreuen.</p>



<p>Darüber hinaus haben die Yōkai diverse Auftritte in dem Manga und Anime sowie der gleichnamigen Videospielreihe „Yo-Kai Watch“, die in Japan kurzzeitig beliebter war als Pokémon.</p>



<p>Und sie haben es sogar in die westliche Popkultur geschafft, wie z. B. die kleinen Nebenrollen eines Besen- und eines Bambusmatten-Tsukumogami in dem Fantasie-Liebesroman „Mona – verliebt, verlobt, beschworen“ (2022) von I. B. Zimmermann zeigen.</p>



<p>Außerdem gibt es ein japanisches RPG/Puzzle-Videospiel von 2012, das den Namen „Tsukumogami“ (oder „99 Spirits“, wie es im Westen heißt) trägt.</p>



<p>Sollte ich in Zukunft über weitere besonders erwähnenswerte Filme, Videospiele etc. stolpern, werde ich sie an dieser Stelle gerne ergänzen.</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Tsukumogami? Glaubt ihr, dass auch Gegenstände Seelen haben können? Wir würdet ihr reagieren, wenn euch ein Kasa-Obake gegenüberstehen würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/tsukumogami">Tsukumogami – Monster sind real!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/tsukumogami/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>4</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Legende von Sui – der Ursprung des roten Umschlags</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-von-sui-der-ursprung-des-roten-umschlags</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-von-sui-der-ursprung-des-roten-umschlags#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jan 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[chinesisches Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[chinesische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[chinesische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Die Legende von Sui]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Mond Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Mondneujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Umschläge]]></category>
		<category><![CDATA[Roter Umschlag]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Sui]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3135</guid>

					<description><![CDATA[<p>Sobald Sui seine Hand zurückzog, bekamen die Kinder ein furchtbares Fieber. Damals, als es noch nicht unsere moderne Medizin gab, war das oft ein Todesurteil. Unzählige Kinder starben durch Suis Hand. Aber auch, wenn die Kinder wieder gesund wurden, sollen sie bleibende Schäden davongetragen haben. Es heißt, dass sie von jenem Tag an nie wieder dieselben waren …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-von-sui-der-ursprung-des-roten-umschlags">Die Legende von Sui – der Ursprung des roten Umschlags</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/c44af8b6e56341e98789e20e8dccb855" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Legende von Sui handelt von den roten Umschlägen, die traditionell zum chinesischen Neujahr verschenkt werden. Dieses Jahr fällt das Mondneujahr auf Mittwoch, den 27. Januar, weshalb ich passend dazu diesen Beitrag für euch geschrieben habe.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich habe euch bereits die Geschichte von dem Monster Nian erzählt, wie der Brauch, zu Neujahr Feuerwerkskörper zu zünden, entstanden ist. Heute erzähle ich euch eine ähnliche Geschichte. Die Geschichte über den Ursprung der Hongbao, der roten Umschläge, die zum Mondneujahr verschenkt werden.</p>



<p>Falls ihr die Tradition noch nicht kennt: In Teilen Asiens ist es Brauch, zum Neujahr einen roten Umschlag mit Geld zu verschenken. Meist sind die Umschläge mit goldenen Schriftzeichen oder Zeichnungen dekoriert.</p>



<p>Während es früher ausschließlich ein Geschenk an Kinder war, werden die roten Umschläge heutzutage auch an Partner, Freunde, Mitarbeiter und sogar Stars verschenkt. Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Heute möchte ich euch erzählen, wie dieser Brauch entstanden sein soll.</p>



<p>Vor langer Zeit, so heißt es, war das Neujahr in China nämlich kein Feiertag gewesen. Es war ein Tag der Furcht. Eltern mussten in der Neujahrsnacht um die Gesundheit ihrer Kinder fürchten.</p>



<p>Denn in der Neumondnacht zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar, in der in China das neue Mondjahr beginnt, trieb dort ein Dämon sein Unwesen. Ein Monster namens Sui.</p>



<p>Es heißt, dass Sui nachts in den Kinderzimmern erschien, wenn die Kinder bereits schliefen. Er schlich zu ihren Betten, streckte seine klauenbesetzte Hand nach ihnen aus und streichelte ihnen damit über die Stirn. Einmal. Zweimal. Dreimal.</p>



<p>Oft wurden die Kinder dabei wach. Aber anstatt zu schreien, waren sie zu entsetzt von dem Anblick des Dämons, um auch nur einen einzigen Ton über ihre Lippen zu bringen.</p>



<p>Sobald Sui seine Hand zurückzog, bekamen die Kinder ein furchtbares Fieber. Damals, als es noch nicht unsere moderne Medizin gab, war das oft ein Todesurteil. Unzählige Kinder starben durch Suis Hand. Aber auch, wenn die Kinder wieder gesund wurden, sollen sie bleibende Schäden davongetragen haben. Es heißt, dass sie von jenem Tag an nie wieder dieselben waren.</p>



<p>Ich denke, ihr versteht jetzt, warum Sui so gefürchtet war. Es gab jedoch einen Trick, wie man die Kinder vor ihm schützen konnte. Sui suchte nur Kinder auf, die in der Neujahrsnacht schliefen. Wenn die Eltern ihr Kind bis Sonnenaufgang wachhalten konnten, war es in Sicherheit. Sie taten also alles in ihrer Macht stehende, dass die Kinder in der Neujahrsnacht kein einziges Auge zutaten. Sie schenkten ihnen Spielzeug, auf dass sie die ganze Nacht damit spielen würden, zündeten Kerzen an, damit das Zimmer hell erleuchtet war, und natürlich beteten sie zu den Göttern.</p>



<p>Besonders schwierig war es jedoch für die Familien, die nicht so viel Geld besaßen. Sie konnten sich all das Spielzeug und die vielen Kerzen oft nicht leisten.</p>



<p>So erging es auch der Familie, von der diese Geschichte handelt. Sie bestand aus der Mutter Wei, dem Vater Zhao und ihrem gemeinsamen Sohn Fuling.</p>



<p>Wei und Zhao hatten lange gespart, um ihrem Sohn neue Spielzeuge kaufen zu können. Irgendetwas, das ihn die ganze Nacht lang wachhalten konnte. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen. Kurz vor dem Jahreswechsel wurde ihr Haus von einem furchtbaren Sturm getroffen. Und so mussten sie all das angesparte Geld für die Reparatur ausgeben. Alles, was ihnen noch blieb, waren acht klägliche Münzen – nicht einmal genug für ein schlichtes Holzspielzeug.</p>



<p>Als schließlich die Neujahrsnacht kam, wollten sie jedoch nicht mit leeren Händen dastehen. Nicht nur, dass sie Angst hatten, ihr Sohn könne einschlafen, wenn er keine Beschäftigung hatte, es hätte Wei das Herz gebrochen, wenn sie Fuling nichts hätte schenken können. Sie wusste genau, dass all seine Freunde, die Kinder aus der Nachbarschaft in dieser Nacht die tollsten Spielzeuge geschenkt bekamen.</p>



<p>Und so machten Wei und Zhao einen Plan. Sie nahmen einen roten Zettel – eine Farbe, der man nachsagt, dass sie das Böse fernhalte –, falteten ihn zu einem Umschlag und legten die acht Münzen, ihr letztes Geld, hinein.</p>



<p>„Bitte“, flüsterte Wei ein Gebet an die Götter, als sie den Umschlag auf den Esstisch legte. „Lasst es ausreichen. Schützt meinen Sohn vor Sui. Fuling hat nicht verdient, dass ihm etwas zustößt.“ Anschließend ging sie in die Küche, um Fuling den letzten Rest Suppe aufzufüllen, während ihr Ehemann ihren Sohn zum Essen holte.</p>



<p>Natürlich hatte Fuling den Umschlag neben seiner Schüssel sofort gesehen. Neugierig musterte er das rote Papier. Aber er wusste genau: Die Geschenke gab es erst nach dem Essen. Und so löffelte er brav seine Suppe aus, während seine Eltern ihn mit einem sanften Lächeln beobachteten. Sie selbst aßen nichts – dafür fehlte ihnen das Geld. „Wir essen später“, hatte Zhao gesagt.</p>



<p>Aber Fuling war ein schlauer Junge. Er wusste genau, dass seine Eltern das nur sagten, damit er sich besser fühlte. Also ließ er sich Zeit mit dem Essen. Obwohl er voller angespannter Erwartung fast platzte, schlang er nicht, um seinen Eltern zu zeigen, dass er die leckere Suppe genoss und er danach nicht etwa noch Hunger hatte.</p>



<p>Erst, als er den letzten Löffel Gemüse gegessen, den letzten Schluck Brühe getrunken hatte, sah er seine Eltern erwartungsvoll an. Wei nickte ihm aufmunternd zu. Sie hoffte, dass man ihr nicht ansah, wie nervös sie wegen des eher kläglichen Geschenks war.</p>



<p>Aber zum Glück merkte Fuling nichts davon. Mit strahlenden Kinderaugen griff er nach dem Umschlag. Er faltete ihn hastig auseinander, woraufhin ihm die acht Münzen auch schon entgegenfielen.</p>



<p>Zhao lächelte aufmunternd. „Mit den Münzen kannst du heute Nacht spielen. Und morgen, wenn du geschlafen hast, kannst du dir damit auf dem Markt eine Kleinigkeit holen“, erklärte er.</p>



<p>Fuling strahlte über das ganze Gesicht. „Danke!“, sagte er laut, ehe er die Münzen und den Zettel in die kleinen Händchen nahm und damit in seinem Zimmer verschwand.</p>



<p>Natürlich hätte Fuling sich mehr über ein anderes Spielzeug gefreut. Aber wie gesagt: Er war ein schlauer Junge. Er wusste, dass seine Eltern kein Geld dafür hatten. Außerdem hatte er eine blühende Fantasie. Und so wurden die acht Münzen in dieser Nacht zu einer Familie, einer Gruppe Waldtiere, einer kleinen Soldatentruppe und was immer sonst noch seinem kleinen Köpfchen entsprang.</p>



<p>Trotzdem – denn sonst würde ich diese Geschichte nicht erzählen – wurde Fuling irgendwann müde. Selbst mit seiner Fantasie gab es eben Grenzen, wie lange acht einfache Münzen ein Kind wachhalten konnten. Und so fielen ihm immer wieder die Augen zu.</p>



<p>Zu Anfang weckten ihn seine Eltern noch. Seine Mutter spielte sogar mit ihm zusammen mit den Münzen. Aber auch das gelang ihr nur wenige Minuten, ehe seine Äuglein wieder zufielen. Irgendwann brachten sie es nicht mehr über das Herz, ihren schlafenden Sohn, der so unendlich erschöpft wirkte, noch einmal zu wecken.</p>



<p>Zhao hob ihn vom Boden auf und legte ihn in sein Bett, während Wei die Münzen einsammelte und auf dem roten Papier neben sein Kopfkissen legte.</p>



<p>„Schlaf gut, mein Spatz“, hauchte sie, ehe sie sich auf den Boden neben ihn setzte, um Wache zu halten.</p>



<p>Die erste Schicht übernahm sie. Wenn sie zu müde wurde, sollte sie Zhao wecken, damit er die Wache übernahm, während sie ein wenig Schlaf nachholen konnte. Anschließend weckte er wieder sie, wenn er zu müde wurde und so weiter.</p>



<p>Als gerade wieder Wei an der Reihe war, auf ihren Sohn zu achten, hatte jedoch auch sie Schwierigkeiten, ihre Augen offen zu halten. Ihr müsst verstehen, es war schon spät in der Nacht. Sie und ihr Mann hatten die letzten Tage pausenlos arbeiten müssen, um den Schaden an ihrem Haus zu reparieren. Und jetzt, wo es im Zimmer völlig still war, wo sie nichts als das ruhige Atmen ihres Sohnes hören konnte, übermannte der Schlaf schließlich auch sie.</p>



<p>Der Moment, auf den Sui, der böse Geist, den die Eltern so sehr von ihrem Sohn fernhalten wollten, gewartet hatte, war gekommen. Aus dem Nichts tauchte er in Fulings Zimmer auf, setzte seine Füße leise wie eine Katze auf dem Boden ab.</p>



<p>Er warf Wei, die mit nach vorne gefallenem Kopf auf dem Boden saß, einen verächtlichen Seitenblick zu, ehe er seine Aufmerksamkeit auf Fuling richtete.</p>



<p>Ein Lächeln umspielte die Lippen des Dämons, während er langsam auf das schlafende Kind zutrat. Einen Moment stand er bloß da, betrachtete das friedliche Gesicht von Fuling, ehe er seine klauenbesetzte Hand hob. Langsam, bedrohlich näherte sie sich Fulings Stirn. Seine schwarzen Klauen hatten die weiche Haut jetzt fast erreicht.</p>



<p>Es war jedoch genau dieser Moment, in dem etwas Unerwartetes passierte. Etwas, mit dem weder die Eltern noch der Dämon gerechnet hatten. Die acht Münzen, die neben Fulings Kopf lagen, nur wenige Zentimeter von Suis Hand entfernt, begannen zu leuchten. Sie wurden heller und heller, strahlten ein goldenes Licht aus, so grell und göttlich, dass Sui sich die Hand vor die Augen halten musste. Entsetzt taumelte er zurück, stolperte und ergriff schließlich die Flucht. Alles vor den ungläubigen Augen von Wei. Denn das helle Licht hatte sie geweckt.</p>



<p>Nur einen Moment später, als Sui bereits fort war, erloschen die Münzen wieder. Hätte jemand jetzt das Zimmer betreten, hätte er nicht gewusst, dass dort überhaupt etwas geschehen war.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schnell sich die Nachricht im Land verbreitete. Wei und Zhao waren ehrliche Menschen. Niemand hatte sie je bei einer Lüge ertappt. Und so glaubte man ihnen, ohne zu zögern, jedes Wort. Es dauerte nur Wochen, vielleicht sogar nur Tage, bis sich die Geschichte, wie acht Münzen in einem Umschlag den bösen Dämon vertreiben konnten, bis in den letzten Winkel Chinas verbreitet hatte. Fortan sollte jede Familie ihren Kindern zu Neujahr einen roten Umschlag mit Münzen darin schenken. Auf das Sui nie wieder das Leben eines Menschen forderte.</p>



<p>Was die Leute genauso wie Wei und Zhao jedoch nicht ahnten, war, dass die acht Münzen aus Fulings Umschlag keine gewöhnlichen Münzen waren. Die Götter hatten ihre Gebete nämlich erhört. Sie hatten die Acht Unsterblichen, acht Heilige der chinesischen Mythologie, auf die Erde geschickt, um den Jungen zu beschützen. Dort hatten sie sich in die acht Münzen verwandelt und Sui mit ihrer Macht vertrieben. Wer die Acht Unsterblichen genau sind, ist jedoch eine Geschichte, die ich euch ein andermal erzählen werde.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Legende nach lebte früher in China ein böser <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämon</a> namens Sui. Er erschien immer in der Nacht des chinesischen Neujahrs in den Kinderzimmern, wo er die schlafenden Kinder krank machte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Über das Aussehen von Sui habe ich nicht viel herausfinden können. Es heißt aber, dass er ein schrecklich aussehender Dämon/böser Geist mit langen Klauen sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Der Legende nach erschien Sui in der Nacht des chinesischen Neujahrs in den Kinderzimmern schlafender Kinder. Dort streichelte oder kratzte er dreimal über den Kopf oder die Stirn der Kinder, woraufhin sie Kopfschmerzen, Fieber und/oder eine andere Krankheit bekamen.</p>



<p>Auch wurde dieser Berührung nachgesagt, der Grund für psychische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen der Kinder gewesen zu sein.</p>



<p>Dieses ableistische Narrativ war also – ähnlich wie dämonische Besessenheit oder Berührungen mit dem Feenreich in der westlichen Welt – ein veralteter Erklärungsversuch, wie menschliche Behinderungen entstanden sein sollen.</p>



<p>Jedenfalls haben die Eltern viele Dinge versucht, um ihre Kinder zu schützen. Sie zündeten Kerzen an, beteten zu den Göttern oder schenkten ihren Kindern Spielzeug, damit sie die Nacht über wach blieben. Trotzdem geschah es immer wieder, dass ein Kind Sui zum Opfer fiel.</p>



<p>Eines chinesischen Neujahrs jedoch schenkte eine besonders gläubige Familie ihrem Kind acht Münzen in einem roten Umschlag, damit es mit den Münzen spielen kann. Die Farbe Rot soll laut chinesischer Folklore das Böse fernhalten.</p>



<p>Das Kind spielte lange Zeit mit den Münzen, doch wie es das Schicksal wollte, wurde es schließlich zu müde und schlief ein.</p>



<p>Ob die Eltern selbst eingeschlafen waren, zu sehr mit Beten beschäftigt waren oder das Kind nicht wachbekommen konnten, variiert je nach Erzählung. In allen Versionen taucht kurz darauf der Dämon/böse Geist Sui auf, um den Kopf des Kindes zu streicheln.</p>



<p>In dem Moment jedoch erstrahlten die acht Münzen, die das Kind geschenkt bekommen hatte, in einem goldenen Licht, das Sui in die Flucht trieb.</p>



<p>Wie sich herausstellte, hatten die Götter die Gebete der Eltern erhört. Sie schickten die Acht Unsterblichen (Heilige der chinesischen Mythologie) zu ihnen, die sich in die acht Münzen verwandelt hatten, um das Kind zu beschützen.</p>



<p>Die Eltern, die gesehen hatten, wie die Münzen Sui vertrieben, erzählten es ihren Nachbarn und Freunden. Das Gerücht, dass Münzen in einem roten Umschlag den bösen Dämon vertreiben konnten, breitete sich kurz darauf im ganzen Land aus. Die chinesische Neujahrstradition, Kindern Geld in roten Umschlägen zu schenken, war geboren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Die Legende soll sich in China zugetragen haben. Viel mehr ist über den Ort jedoch nicht bekannt.</p>



<p>Inzwischen hat sich die Tradition, zum neuen Jahr einen roten Umschlag zu verschenken, auch auf andere Teile Asiens ausgebreitet. Sie wird also nicht mehr nur in China praktiziert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die Legende von Sui soll bereits über 2.000 Jahre alt sein. In einer Quelle war davon die Rede war, dass sie eine Geschichte der Qin-Dynastie (221 v. Chr. bis 207 v. Chr.) sei. Die roten Umschläge selbst sollen hingegen erst in der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) entstanden sein.</p>



<p>Genauere Angaben habe ich leider nicht finden können.</p>



<p>Auch weiß ich leider nicht, ob es zuerst die roten Umschläge oder zuerst die Legende gab. Solltet ihr zufälligerweise mehr zu der Thematik wissen, würde ich mich wie immer über eine Nachricht freuen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rote Umschläge in der asiatischen Kultur:</h3>



<p>Wie ihr an dieser Stelle sicherlich ahnt, wurden die roten Umschläge früher besonders als Schutz gegen das Böse verschenkt. Mit der Zeit haben sie sich jedoch von einem Schutzsymbol zu einem Glücksbringer entwickelt. Sie sollen Glück, Erfolg und Gesundheit für das neue Jahr bringen.</p>



<p>Und auch, wenn die Umschläge auch heute noch von Eltern und Großeltern an ihre Kinder bzw. Enkelkinder verschenkt werden, ist es inzwischen ebenfalls üblich, Freunden und Beziehungspartnern rote Umschläge mit Geld darin zu schenken.</p>



<p>Eine Tradition ist es zum Beispiel, dass verheiratete Paare ihren unverheirateten Freunden rote Umschläge schenken, um ihnen Glück bei der Partnersuche zu wünschen.</p>



<p>Außerdem ist es heutzutage üblich, Geldscheine statt Münzen in den Umschlägen zu verschenken, da Münzen in China (ähnlich wie beim Euro) nur einen vergleichsweise geringen Wert haben. Es ist jedoch Tradition, dass die Geldscheine neu und ungenutzt aussehen sollen, um Glück zu bringen. Viele Leute besorgen sich dafür druckfrische Geldscheine von der Bank.</p>



<p>Eine weitere Sache, die beim Verschenken eines roten Umschlags beachtet werden muss, ist, dass niemals die Zahl 4 im Betrag vorkommen darf. 4 klingt auf Mandarin ähnlich wie das Wort für Tod, weshalb die Zahl mit Unglück in Verbindung gebracht wird.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Legende von Sui? Kanntet ihr die Tradition der roten Umschläge bereits? Habt ihr vielleicht selbst schon einmal einen bekommen oder selbst verschenkt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-von-sui-der-ursprung-des-roten-umschlags">Die Legende von Sui – der Ursprung des roten Umschlags</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-von-sui-der-ursprung-des-roten-umschlags/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>3</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wewe Gombel – Sie kommt dein Kind holen!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/wewe-gombel</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/wewe-gombel#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Nov 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Indonesien]]></category>
		<category><![CDATA[indonesische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[indonesische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderschreck]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Pamali]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Wewe Gombel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3106</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zwei dunkle Augen, die tief in den Höhlen saßen, starrten zurück. Auch bemerkte ich jetzt ihre ungesund blasse Haut, die unnatürlich dünnen Gliedmaßen und ihren nackten Oberkörper. Ihre großen, tief hinabhängenden Brüste wurden nur durch den Körper meines Sohnes bedeckt …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/wewe-gombel">Wewe Gombel – Sie kommt dein Kind holen!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/8f6b5eb51b0b4e7588b57d3d27e264da" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Wewe Gombel ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> aus Indonesien, der Kinder entführen soll. Sie ist der Antagonist des Videospiels Pamali 2. Da ich durch die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monster</a> und Geister aus Pamali 1 einige neue Leser gewinnen konnte, habe ich mich also entschieden, auch ihr einen Beitrag zu widmen.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Gewalt gegen Kinder<br>
&#8211; Kindesentführung</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Die Sonne war bereits untergegangen, während ich mit meiner Taschenlampe durch den Urwald stolperte. „Edi! Ediii!“, schrie ich in die Finsternis.</p>



<p>Doch die einzigen Antworten, die ich bekam, waren das entfernte Schreien eines Tieres und das Zirpen der Zikaden. Wo war er nur? Wo war mein Sohn?</p>



<p>Es war bereits über eine Stunde her, seit er zuhause sein sollte. Während des Maghrib, dem frühen Abendgebet, das meine Frau und ich während der Dämmerung vollführt hatten, hatte ich noch gezittert. Nicht aber, weil mein Sohn weg war, sondern weil ich Angst hatte, was Aminah, meine Ehefrau, ihm antun würde, wenn er endlich nach Hause kam.</p>



<p>„Wo steckt der Bengel nur?“, hatte sie nach dem Gebet gefragt.</p>



<p>‚<em>Vielleicht ist er ja weggelaufen, weil er Angst vor dir hat</em>‘, hatte ich gedacht. Aber wie immer hatte ich mich nicht getraut, es auszusprechen, denn ehrlich gesagt, hatte auch ich Angst vor der Reaktion meiner Ehefrau.</p>



<p>Trotzdem hatte ich es geschafft, sie zu überreden, dass sie zu Hause wartete, während ich losgegangen war, um Edi zu suchen.</p>



<p>Zuerst hatte ich die Häuser unserer Nachbarn und seiner Freunde abgeklappert. Leider hatte niemand von ihnen meinen Sohn gesehen. Lediglich Arif, sein bester Freund, konnte mir verraten, dass sie vorhin auf dem Sportplatz bei der Schule gewesen waren.</p>



<p>Ich war seinen Schulweg abgelaufen, hatte mich mit meiner Taschenlampe sorgfältig umgesehen. Aber nichts. Und auch auf dem Sportplatz hatte ich – abgesehen von einem Fußball, der einsam auf dem Platz lag – nichts finden können.</p>



<p>Ich hatte mit meiner Taschenlampe sogar unter die Tribünen gesehen. Erst, als ich bereits fast aufgegeben hatte, war mir eine rote Jacke aufgefallen, die am Waldrand lag. Edis Jacke. Das wiederum hatte mich in den Urwald geführt.</p>



<p>Inzwischen war mein Stolpern in ein Laufen übergegangen. Ich hetzte zwischen den Büschen, Ranken und Wurzeln entlang, während ich wie ein Wahnsinniger den Namen meines Sohnes rief. „Edi! Edi, wo bist du?“, schrie ich.</p>



<p>Was, wenn er in den Wald gegangen war und sich hier draußen verirrt hatte? Er wusste, dass er nicht im Regenwald spielen durfte. Aber welches Kind hielt sich schon an das, was seine Eltern ihm vorschrieben? Vielleicht war er ja auf einen Baum geklettert und hatte sich verletzt. Oder aber, ihm war etwas ganz anderes zugestoßen. Auch wenn ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht traute, meine leise Vorahnung auszuformulieren.</p>



<p>Also rannte ich weiter. Ich war inzwischen so weit in den Dschungel gerannt, dass ich mir nicht einmal mehr sicher war, ob ich selbst wieder hinausfinden würde.</p>



<p>„Edi?“, brüllte ich erneut.</p>



<p>Dann blieb ich abrupt stehen. Ich war mir nicht ganz sicher, aber hatte ich da eben eine Antwort gehört? Wie erstarrt stand ich da, während ich angespannt lauschte. Und tatsächlich: Irgendwo unter dem Zirpen der Zikaden hörte ich ein leises Rufen. „Papa“, rief Edi aus der Ferne. Angst lag in seiner Stimme.</p>



<p>„Edi!“, schrie ich aus voller Lunge. „Bleib, wo du bist! Ich bin sofort bei dir!“</p>



<p>Ich hastete weiter in die Richtung, aus der die Stimme noch immer rief, versuchte dabei, mich an die wenig bewachsenen Wege zu halten. Aber so schnell ich auch rannte, so weit ich auch lief, ich kam seinen Rufen nur langsam näher. Es war, als wenn mein Sohn vor mir weglaufen würde.</p>



<p>Trotzdem gab ich nicht auf. Immerhin war Edi mein ein und alles, mein einziges Kind. Erst, als ich seine Stimme fast erreicht hatte, tauchte in der Ferne plötzlich eine Gestalt im Schein meiner Taschenlampe auf. Ich wurde langsamer.</p>



<p>Es sah aus, wie eine gebückt gehende Frau mit wirren langen Haaren. Als sie mein Licht bemerkte, blieb auch sie stehen. Dann drehte sie sich langsam zu mir um.</p>



<p>Als Erstes bemerkte ich die kleine Gestalt, die sie fest an ihre Brust drückte. „Edi!“, schrie ich entsetzt. Dann jedoch fiel mein Blick auf ihre langen klauenartigen Fingernägel und ich zwang mich, ihr ins Gesicht zu blicken.</p>



<p>Zwei dunkle Augen, die tief in den Höhlen saßen, starrten zurück. Auch bemerkte ich jetzt ihre ungesund blasse Haut, die unnatürlich dünnen Gliedmaßen und ihren nackten Oberkörper. Ihre großen, tief hinabhängenden Brüste wurden nur durch den Körper meines Sohnes bedeckt. Sie sah genauso aus, wie meine Mutter sie früher in ihren Geschichten beschrieben hatte. Für mich bestand kein Zweifel. Diese Frau, dieses Wesen, das da gerade meinen Sohn entführte, war die Wewe Gombel.</p>



<p>Ich merkte erst, wie sehr meine Knie bei dem Anblick zitterten, als ich einen Schritt auf sie, auf meinen Sohn zumachen wollte. Meine Beine bewegten sich keinen Zentimeter.</p>



<p>Plötzlich fühlte ich mich in meine eigene Kindheit zurückversetzt. Wie oft hatte ich Albträume von der Wewe Gombel gehabt, die Kinder entführte, die zu spät noch draußen waren? Wie oft hatte ihr boshaftes Lächeln mich aus unruhigen Träumen gerissen?</p>



<p>„Sei ja vor dem Maghrib zuhause, Wahyudi!“, hatte meine Mutter mich immer gewarnt. „Sonst kommt die Wewe Gombel dich holen!“</p>



<p>Und ob ihr es glaubt oder nicht, sie hatte das nicht bloß gesagt, damit ich rechtzeitig nach Hause kam. Nein. Sie hatte selbst Angst gehabt, dass ich von der Wewe Gombel entführt wurde.</p>



<p>Denn hier auf Java gibt es auch viele Erwachsene, die noch an das Übernatürliche glauben. Tief in meinem Inneren wusste ich schon immer, dass die Wewe Gombel wirklich existiert.</p>



<p>Aber vielleicht sollte ich euch erst erzählen, was die Wewe Gombel überhaupt ist.</p>



<p>Der Legende nach war sie einst selbst ein Mensch gewesen. Sie lebte damals mit ihrem Ehemann zusammen irgendwo hier auf Java.</p>



<p>Sie führten jedoch keine glückliche Ehe. Etwas, das ich inzwischen nur zu gut nachempfinden konnte. Sie konnte keine Kinder gebären, was ihrem Mann alles andere als passte.</p>



<p>Es heißt, dass er eine Affäre einging. Seine Frau, die mit der Zeit etwas ahnte, schlich ihm eines Tages nach und erwischte ihn mit einer anderen Frau im Bett. Die Wewe Gombel soll ihren Ehemann daraufhin im Affekt getötet haben. Auch etwas, dass ich nur zu gut nachempfinden konnte. Nicht, dass meine Frau mir untreu wäre, aber hätte ich vor der Hochzeit gewusst, welches Monster sich hinter der Unschuldsmiene von Aminah verbarg, hätte ich sie wohl nie geheiratet. Wie oft hatte ich mir schon vorgestellt, ihr etwas anzutun, wenn sie Edi mal wieder schlug …</p>



<p>Aber zurück zu der Wewe Gombel. Es heißt, dass die Leute aus ihrer Nachbarschaft bald herausfanden, was sie ihrem Mann angetan hatte. Sie vertrieben sie aus ihrem Dorf und verfolgten sie danach noch weiter. Irgendwann sah die Frau keinen anderen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen.</p>



<p>Ihr Geist jedoch fand auch nach ihrem Tod keine Ruhe. Stattdessen blieb er hier auf der Erde, wandelt seitdem nachts durch die Wälder und Dörfer auf der Suche nach dem Einen, das ihr im Leben verwehrt geblieben war: ein eigenes Kind.</p>



<p>Ganz tief in mir drin hatte ich schon immer an sie geglaubt, aber ich war mir nie 100% sicher gewesen, dass sie wirklich existiert. Bis sie an diesem Abend vor mir stand.</p>



<p>Einen Moment lang starrten wir einander bloß an, während wir reglos dastanden.</p>



<p>Dann jedoch rief Edi erneut nach mir. „Papa! Papa, hilf mir!“, rief er verheult.</p>



<p>Das löste mich endlich aus meiner Schockstarre. Ich setzte mich wieder in Bewegung, stürmte auf Edi, auf die Wewe Gombel zu. Sie drehte sich ruckartig um und rannte mit meinem Sohn weiter ins Unterholz.</p>



<p>Jetzt musste ich auf jeden Fall an ihr dranbleiben. Ich durfte meinen Sohn nicht verlieren. Nicht an sie.</p>



<p>Ich rannte ihr nach, stolperte und kletterte über Ranken und Wurzeln. Aber die Wewe Gombel war ein Wesen des Waldes. Sie wohnte hier, kannte wahrscheinlich jeden Baum, jeden Ast. Außerdem wusste sie jetzt, dass sie verfolgt wurde. Ich hingegen war noch nie durch den Regenwald gerannt – zumindest nie so schnell.</p>



<p>Während ich strauchelte, stürzte, mich zwischen dichten Ranken durchkämpfen musste, hörte ich, wie sich Edis Rufe langsam von mir entfernten. Und dann, von der einen auf die andere Sekunde, verstummten sie.</p>



<p>Verwundert blieb ich stehen. Ich drehte den Kopf, während ich lauschte. Nichts. Mein Sohn hatte aufgehört, nach mir zu rufen.</p>



<p>„Edi? Ediii?“, brüllte ich wieder seinen Namen.</p>



<p>Aber ich bekam keine Antwort mehr. Edi war weg.</p>



<p>„Nein, nein, nein“, jammerte ich. Tränen schossen mir in die Augen. Ich blinzelte sie weg, während ich mich weiter umsah. Aber ich würde jetzt ganz sicher nicht aufgeben!</p>



<p>Was blieb mir also anderes übrig, als weiter in die Richtung zu gehen, aus der ich ihn zuletzt gehört hatte?</p>



<p>&#8212;</p>



<p>Keine Ahnung, wie lange ich weiterging. Ob es fünf Minuten waren oder zehn, ich wusste es nicht. Ich konzentrierte mich nur auf den Weg vor mir, achtete darauf, ja nicht die Richtung zu wechseln.</p>



<p>Trotzdem schwand meine Hoffnung mit jedem Schritt. Edis Stimme kehrte nicht zurück. Ich hatte das Gefühl, meinen Sohn verloren zu haben. Konnte das das Ende sein?</p>



<p>Dann hörte ich jedoch völlig unerwartet einen leisen Gesang. Es war eine Frauenstimme. Sie sang ein Schlaflied, das meine Mutter mir früher auch immer vorgesungen hatte.</p>



<p>Das musste die Wewe Gombel sein. Wer sonst würde um diese Uhrzeit hier singen? Und dann auch noch in völliger Dunkelheit.</p>



<p>Also richtete ich meine Taschenlampe auf dem Boden. Ich wollte möglichst wenig auffallen, während ich voller neu gewonnenem Tatendrang weiterschlich.</p>



<p>Ich kam dem Ursprung des Gesangs näher und näher. Schließlich schaltete ich meine Taschenlampe ganz aus, ehe ich vorsichtig um einen dicken Baum spähte.</p>



<p>Und tatsächlich: In der Dunkelheit konnte ich die Silhouette einer alten Frau erkennen. Sie kauerte am Boden und wog sich vor und zurück, während sie leise sang.</p>



<p>Geräuschlos zog ich jetzt mein kleines Taschenmesser aus meiner Hosentasche. Es war kaum als Waffe zu gebrauchen, dafür war es viel zu kurz und wahrscheinlich auch zu stumpf, aber es war besser als gar nichts.</p>



<p>Als Nächstes schrie ich auf und schaltete meine Taschenlampe wieder ein, während ich mit ausgestrecktem Messer einen Satz nach vorne machte.</p>



<p>Die Wewe Gombel schnappte überrascht nach Luft. Nahezu unnatürlich schnell sprang sie auf ihre Beine, schob Edi hinter ihren Rücken und nahm eine verteidigende Haltung ein. Es sah fast so aus, als ob sie meinen Sohn vor mir schützen wollte.</p>



<p>Ich ignorierte es. „Edi! Alles wird gut!“, sagte ich laut. „Komm her. Komm zu Papa! Ich bring dich nach Hause.“</p>



<p>Doch Edi sah mich bloß an, als ob er mich nicht kennen würde. Die Wewe Gombel musste ihn verhext haben!</p>



<p>Auch erkannte ich jetzt, dass er an irgendetwas knabberte. Ein Stück Mango, wenn ich es richtig sah.</p>



<p>Ehe ich ihn jedoch dazu auffordern konnte, es auszuspucken, unterbrach mich eine Stimme. „Mama!“</p>



<p>Verwundert wirbelte ich herum. Zu meiner Rechten stand ein kleines Mädchen, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Und sie war nicht allein. Im Schein meiner Taschenlampe konnte ich noch weitere Kinder sehen, die ganz in der Nähe standen.</p>



<p>„Was will der Mann von dir?“, fragte das Mädchen die Wewe Gombel. Furcht lag in ihrer Stimme.</p>



<p>Und auch die anderen Kinder, Jungen und Mädchen in verschiedenstem Alter, sahen mich verängstigt an. Als wäre ich das Monster.</p>



<p>„Keine Sorge“, krächzte die Wewe Gombel dem Mädchen zu. „Der Mann wollte gerade gehen. Bevor noch jemand zu Schaden kommt.“ Ihre kratzige Stimme trieb mir einen Schauer über den Rücken.</p>



<p>Ich musste schlucken, zwang mich aber, keinen Zentimeter zurückzuweichen. Stattdessen sagte ich mit möglichst fester Stimme: „Lass die Kinder gehen, die du entführt hast! Lass Edi gehen!“ Vielleicht war das etwas übermütig. Immerhin war sie ein uralter Geist. Aber ich musste an all die Eltern denken, die ihre Kinder sicherlich schrecklich vermissten.</p>



<p>„Entführt?“, blaffte die Wewe Gombel zurück! „Ich habe sie gerettet! Vor ihren Familien! Vor deiner Frau und dir!“</p>



<p>Das brachte mich zum Stutzen. „N-nein!“, protestierte ich. „Ich habe Edi nie etwas angetan!“</p>



<p>Doch die Wewe Gombel kniff ihre Augen zu Schlitzen zusammen. „Nein? Was hast du denn getan, als deine Frau ihn geschlagen hat? Was hast du getan, als sie deinen Sohn verprügelt hat, weil er eine schlechte Note geschrieben hat? Oder das angebrannte Essen nicht essen wollte? Hast du ihn da beschützt?“</p>



<p>Ich öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, die Wewe Gombel anzuschreien, aber die Worte blieben mir im Hals stecken. Sie hatte recht. Was hatte ich je getan, wenn Aminah Edi geschlagen hat? Ich hatte doch selbst viel zu viel Angst vor den Fäusten meiner Frau.</p>



<p>Ich spürte, wie mir Tränen in die Augen stiegen. Wenig später rannen sie über meine Wangen.</p>



<p>„Mama?“, hörte ich Edi plötzlich sagen. „Warum weint der Mann?“</p>



<p>Es dauerte einen Moment, bis ich realisierte, dass er mit der Wewe Gombel sprach. ‚Mama‘ … Wie lange war es her gewesen, dass er dieses Wort nicht geflüstert oder angsterfüllt geschrien hatte? Ich wusste es nicht.</p>



<p>Durch meinen Tränenschleier blickte ich wieder zu der Wewe Gombel. Doch jetzt sah ich sie mit anderen Augen. Sie war nicht das Monster, für das sie alle hielten. Das wahre Monster saß bei mir zuhause. Vor Aminah musste ich Edi schützen, nicht vor der Wewe Gombel.</p>



<p>Dann waren die Gerüchte über die Wewe Gombel also wahr. Nicht, dass sie ein schreckliches Monster war, sondern, dass sie sich um die entführten Kinder kümmerte, als seien es ihre eigenen. Hier würde es Edi gutgehen.</p>



<p>Außerdem hieß es, dass, wenn die Eltern sich bessern sollten, die Wewe Gombel die Kinder zurückgeben würde.</p>



<p>Als ich wieder sprechen wollte, spürte ich einen Kloß in meinem Hals. Mit Mühe schluckte ich ihn hinunter. „Versprichst du, dass du gut auf meinen Sohn achtgeben wirst?“, fragte ich mit brüchiger Stimme.</p>



<p>Jetzt wirkte der Blick der Wewe Gombel fast traurig, während sie mich musterte. Sie ließ sogar ihre klauenbesetzte Hand sinken, die sie mir eben noch verteidigend entgegengestreckt hatte, um damit Edi über den Kopf zu streicheln. „Ich verspreche es“, sagte sie ruhig.</p>



<p>Mein Atem ging jetzt schnell und stoßweise. Ich zwang mich, ruhiger zu atmen. „Werde ich ihn wiedersehen?“</p>



<p>Wieder musterte mich die Wewe Gombel. „Das hängt ganz von dir und deiner Frau ab“, antwortete sie ehrlich.</p>



<p>Ich nickte. Dann sah ich zu meinem Sohn. Er hatte wieder angefangen, an seiner Mango zu knabbern.</p>



<p>Ich schluchzte. Es tut mir so leid, Edi. Aber es ist besser so. „Dann soll mein Sohn bei dir bleiben“, sagte ich und besiegelte damit sein Schicksal.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Die Wewe Gombel ist ein Geist aus dem indonesischen Volksglauben, dem man nachsagt, Kinder zu entführen. Sie ist vor allen auf der indonesischen Insel Java bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> nach war die Wewe Gombel einst eine normale Frau. Sie war verheiratet, führte aber keine glückliche Ehe, da sie keine Kinder bekommen und ihr Ehemann damit nicht umgehen konnte.</p>



<p>Aus dem Grund ging ihr Mann eine Affäre ein. Die Frau bekam es mit und brachte ihren Mann voller Schmerz und Wut um.</p>



<p>Als die Leute jedoch von dem Mord erfuhren, vertrieben sie sie aus ihrem Dorf. Es heißt, dass sie sie anschließend verfolgt haben. Und als die Frau schließlich keinen anderen Ausweg mehr sah, nahm sie sich das Leben.</p>



<p>Seitdem soll ihre ruhelose Seele als Wewe Gombel über die Erde wandeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Auch als Geist ist die Wewe Gombel noch immer als Frau zu erkennen. Sie hat wirres langes Haar, blasse Haut und trägt schlichte Kleidung. Manchmal wird sie auch als nackt oder halbnackt beschrieben.</p>



<p>Ihr wohl bekanntestes Merkmal sind hingegen ihre großen Brüste, die bis zum Bauchnabel oder noch weiter herabhängen sollen.</p>



<p>Darüber hinaus wird ihr oft ein unheimliches Aussehen nachgesagt. Das kann von dünnen Gliedmaßen, über ungewöhnlich große, eingefallene und/oder leuchtende Augen bis hin zu krallenähnlichen Fingernägeln gehen.</p>



<p>Ihr genaues Aussehen kann sich von Erzählung zu Erzählung jedoch stark unterscheiden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die Wewe Gombel ist dafür bekannt Kinder zu entführen. Im Gegensatz zu kinderentführenden Schreckgestalten aus anderen Kulturen ist sie jedoch nicht zwangsläufig bösartig.</p>



<p>Es heißt nämlich, dass sie besonders häufig Kinder entführt, die von ihren Eltern schlecht behandelt werden. Sollten die Eltern daraufhin ihre Fehler einsehen und sich bessern, soll sie die Kinder sogar zurückbringen.</p>



<p>Manchmal heißt es zudem, dass sie die Eltern entführter Kinder heimsucht, um sie dazu zu bringen, an ihren Fehlern zu arbeiten.</p>



<p>Es gibt jedoch auch andere Versionen, in denen sie bösartiger ist. So sagen einige Leute, dass sie die Kinder mit Fäkalien füttern würde. Sie lässt die Kinder dabei auf magische Weise denken, dass sie ihr Lieblingsessen essen würden.</p>



<p>Wieder andere Versionen werden hingegen als Kinderschreck erzählt. Hierbei erzählen Eltern ihren Kindern, dass die Wewe Gombel Kinder holen komme, die sich nachts nach draußen schleichen oder während des Maghrib – dem frühen Abendgebet im Islam – noch nicht zuhause sind.</p>



<p>Während sich die verschiedenen Versionen der Legende stark unterscheiden können, haben sie fast alle eine Gemeinsamkeit: Die Wewe Gombel wird oft mit der Arenga pinnata, der Zuckerpalme, in Verbindung gebracht. Es heißt, dass sie in dem Baum wohnen und in der Nähe des Baumes oder sogar in der Baumkrone die Kinder verstecken soll.</p>



<p>Der Glaube, dass Geister Bäume bewohnen, ist im indonesischen Volksglauben weit verbreitet, wie man z. B. auch an der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/kuntilanak" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kuntilanak</a> sieht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Der Mythos der Wewe Gombel ist in Indonesien weit verbreitet. Am bekanntesten ist ihre Legende aber auf der Insel Java – besonders in der Gegend um Semarang, Zentraljava, wo auch der Bukit Gombel, ein Berg, nach dem der Geist benannt sein soll, steht.</p>



<p>Außerdem soll sie, wie bereits erwähnt, die indonesische Zuckerpalme bewohnen. Die meisten Indonesier meiden es daher, Bäume zu beschädigen oder irgendetwas mit dem Baum zu tun, das den Geist verärgern könnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die Legende der Wewe Gombel wurde lange Zeit nur mündlich überliefert. Das ist auch der Grund, warum es so viele verschiedene Versionen davon gibt.</p>



<p>Besonders als Warnung an Kinder, damit sie sich nicht zu spät noch draußen herumtreiben, ist die Legende viel verbreitet worden. Sie dient aber auch als Warnung an Eltern, dass sie ihre Kinder gut behandeln und niemals als selbstverständlich erachten sollen.</p>



<p>Wie genau die Legende entstanden ist, habe ich hingegen nicht herausfinden können. Es gibt aber die Theorie, dass sie nach dem Bukit Gombel, auf dem es während der niederländischen Kolonialzeit zu viel Leid und Armut gekommen war, benannt wurde. Aufgrund des vielen Leids sollen sich um den Berg einige Geistergeschichten drehen. Die Legende der Wewe Gombel ist eine von ihnen.</p>



<p>Die Legende ist inzwischen so weit in den Volksglauben vorgedrungen, dass auf Java noch immer viele Menschen glauben, dass es die Wewe Gombel wirklich gibt. Das reicht von Furcht über Zeugenaussagen von angeblich zurückgekehrten Kindern bis hin zu Beschuldigungen bei Vermisstenfällen und Erwähnungen in den indonesischen Nachrichten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wewe Gombel in der Popkultur:</h3>



<p>Aufgrund ihrer Bekanntheit hat die Wewe Gombel es außerdem geschafft, in die Popkultur einzugehen. So gibt es diverse Filme, Comics, Videospiele und sogar gleichnamige Lieder über sie.</p>



<p>Zwei der bekanntesten Filme sind wohl der 2024 erschienene Film „Marni: The Story of Wewe Gombel“ und der Film „Wewe Gombel“ von 1988.</p>



<p>Außerdem gibt es das Android Spiel „Wewe Gombel &#8211; Horror Escape“ und sie wird der Antagonist in dem geplanten Horrorspiel Pamali 2 sein.</p>



<p>An dieser Stelle möchte ich ein kleines Update geben, da ich den Film &#8222;Marni: The Story of Wewe Gombel&#8220; inzwischen gesehen habe. Der Anfang war etwas träge, dafür hat mich der Mittelteil voll und ganz in den Bann gezogen, nur um mich mit dem Finale wieder zu verlieren. Insgesamt würde ich den Film nur 6 von 10 Sternen geben, möchte aber trotzdem die Darstellung der Wewe Gombel loben, die mir sehr gefallen hat. Und noch eine kleine Triggerwarnung, da auch dieser Film leider eine kurze Vergewaltigungsszene enthält.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Wewe Gombel? Kanntet ihr die Legende bereits? Und was hättet ihr an Wahyudis Stelle getan? Hättet ihr euren Sohn bei der Wewe Gombel gelassen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/wewe-gombel">Wewe Gombel – Sie kommt dein Kind holen!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/wewe-gombel/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>4</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mongolischer Todeswurm – Allghoi Khorkhoi</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/mongolischer-todeswurm-allghoi-khorkhoi</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/mongolischer-todeswurm-allghoi-khorkhoi#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Aug 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptid]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptide]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Lighthouse]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mongolei]]></category>
		<category><![CDATA[Mongolian Deahtworm]]></category>
		<category><![CDATA[Mongolian Death Worm]]></category>
		<category><![CDATA[mongolische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[mongolische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Mongolischer Todeswurm]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3007</guid>

					<description><![CDATA[<p>Meine Glock noch immer fest umklammernd, wagte ich einen Blick über den schützenden Felsen. Dort lag Bens Leiche bei unseren Zelten. Der Regen hatte den gelben Schleim von seinem Körper bereits fast vollkommen weggespült. Auch sah ich den toten Wurm einige Meter weiter liegen. Dick wie ein menschlicher Arm. Aber das war noch nicht alles. Stefan hatte recht: An diversen Stellen konnte ich Bewegungen unter dem nassen Sand erkennen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mongolischer-todeswurm-allghoi-khorkhoi">Mongolischer Todeswurm – Allghoi Khorkhoi</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/4e4ad1cac8d745068c24720bfba7b56f" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Der Allghoi Khorkhoi, auch Mongolischer Todeswurm genannt, ist das erste <a href="https://geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> aus der Mongolei, über das ich geschrieben habe.</p>



<p>Leider hat sich mein Beitrag etwas verzögert, weil ich gleich zweimal krank geworden bin, zwei Wochen Urlaub hatte und dann auch noch den Anfang insgesamt viermal neuschreiben musste, ehe ich damit zufrieden war. Trotzdem hoffe ich, dass euch die Geschichte gefällt und wie immer …</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Tod mehrerer Tiere (Todeswürmer)</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Wir müssen hier weg!“, brüllte Stefan uns über den Regen an. „In wenigen Minuten wimmelt es hier von diesen Dingern!“</p>



<p>Meine Glock noch immer fest umklammernd, wagte ich einen Blick über den schützenden Felsen. Dort lag Bens Leiche bei unseren Zelten. Der Regen hatte den gelben Schleim von seinem Körper bereits fast vollkommen weggespült. Auch sah ich den toten Wurm einige Meter weiter liegen. Dick wie ein menschlicher Arm. Aber das war noch nicht alles. Stefan hatte recht: An diversen Stellen konnte ich Bewegungen unter dem nassen Sand erkennen.</p>



<p>„Woher weißt du so viel über die Würmer?“, schrie ich, während ich den Kopf wieder einzog. „Ich dachte, sie seien nur ein Mythos!“</p>



<p>„Ich erforsche die Allghoi Khorkhoi seit einigen Monaten. Aber wartet mit den Fragen bitte, bis wir in Sicherheit sind. Jetzt ist nur wichtig, dass ihr die Würmer oder ihren Speichel auf gar keinen Fall berührt!“ Wer auch immer dieser Typ war, er war ganz sicher kein Elektriker!</p>



<p>Aber vielleicht sollte ich euch erst einmal erzählen, wie ich überhaupt in diese Situation gekommen war.</p>



<p>Alles hatte mit einem Anruf von Sandra begonnen. Sie war die Leiterin eines Paläontologenteams und eine ehemalige Schulfreundin von mir.</p>



<p>„Tobias? Bist du das?“, meldete sie sich am Telefon. „Hier ist Sandra. Du weißt schon, aus der Schule? Wir haben uns letztes Jahr beim Klassentreffen gesehen.“</p>



<p>Wir unterhielten uns eine Weile, ehe sie schließlich zum Punkt kam.</p>



<p>„Du arbeitest doch im Personenschutz? Als Bodyguard und sowas?“, hatte sie gefragt.</p>



<p>„Richtig. Du brauchst einen Bodyguard? Einen Türsteher? Vielleicht auch nur einen Nachtwächter oder jemanden, der auf dein Haus aufpasst? Ich bin dein Mann“, sagte ich stolz. „Ich bin ziemlich sicher, dass einer meiner ehemaligen Kunden sogar ein Mafioso war.“ Viele Leute fanden meinen Beruf genauso spannend, wie ich selbst.</p>



<p>Das war jedoch nicht das, worauf Sandra hinauswollte. „Ich könnte deine Hilfe gebrauchen“, unterbrach sie mich. „Arbeitest du auch im Ausland? In der Wüste Gobi in der Mongolei, um genau zu sein? Die Reisekosten würde ich selbstverständlich übernehmen.“</p>



<p>Erst war ich verwirrt. Wozu brauchte ein Paläontologenteam, eine Gruppe gewöhnlicher Dinosaurierforscher, einen Bodyguard? Und dann auch noch in der Mongolei, einem der sichersten Länder in ganz Asien.</p>



<p>Als Sandra mir jedoch von den seltsamen Anrufen und E-Mails erzählte, die sie in den letzten Wochen bekommen hatte, ergab das Ganze allmählich mehr Sinn. Eine der E-Mails leitete sie mir sogar weiter. Der Absender behauptete darin, der Boden bei ihrer geplanten Ausgrabungsstätte sei verseucht und sie solle lieber noch zwei, drei Monate warten, ehe ihr Team dort mit den Ausgrabungen beginne.</p>



<p>Es klang alles ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Und wie sich herausstellte, war es das auch. Weder wussten die örtlichen Behörden davon, noch wies der Boden bei der Ausgrabungsstelle irgendwelche Besonderheiten auf. Sandra hatte selbst Proben entnommen und ihn getestet. Irgendwer schien sie also an den Ausgrabungen hindern zu wollen und sie hatte keine Ahnung, warum.</p>



<p>Als sie mir dann auch noch versprach, mir neben den Reisekosten ein Gehalt zu bezahlen, willigte ich schließlich ein. Und so flog ich, etwas über eine Woche später, in die Mongolei.</p>



<p>Hier habe ich dann auch die drei anderen Forscher aus Sandras Team, Anne, Ben und Chris sowie Stefan, der die Ausgrabung als Tourist begleitete, kennengelernt.</p>



<p>Letzteren beobachtete ich gerade dabei, wie er auf seinem Campingstuhl saß und Sandras Team bei der Arbeit zusah.</p>



<p>„Schaut mal! Schaut mal!“, rief Sandra uns plötzlich zu. Sie deutete auf einen annähernd ovalen Stein, den sie in einer Felswand freigelegt hatte. „Was ihr hier seht, ist nichts anderes als ein waschechtes Dinosaurierei! Wusstet ihr, dass hier in der Wüste Gobi die ersten fossilen Dinosauriereier der Welt gefunden wurden? Der Abenteurer Roy Chapman Andrews hat sie vor etwas über 100 Jahren bei seinen Ausgrabungen entdeckt. Dadurch haben Wissenschaftler überhaupt erst herausgefunden, dass Dinosaurier Eier legen!“</p>



<p>Ich hatte keine Ahnung, wie man sich so sehr für ein paar langweilige Steine begeistern konnte. Für mich war die Gegenwart sehr viel spannender.</p>



<p>Und auch Stefan sah ziemlich gelangweilt aus, während die Paläontologen ihn mit kindlicher Begeisterung zu sich winkten, um ihm das Ei aus der Nähe zu zeigen.</p>



<p>Ich schmunzelte. Zu Anfang fand ich Stefan noch verdächtig. Auch wenn Sandra mir erklärt hatte, dass sie häufiger neugierige Touristen mit zu den Ausgrabungen nahmen, fand ich es auffällig, dass es ausgerechnet bei dieser passieren musste, wo doch die letzten Wochen irgendwer versucht hatte, sie zu sabotieren.</p>



<p>Also hatte ich mich eines Nachts in Stefans Zelt geschlichen. Ich war mehr als nur angespannt gewesen, hatte auf jede seiner Bewegungen, jede noch so kleine Abweichung in seiner Atmung geachtet, während ich systematisch seine Sachen durchsuchte.</p>



<p>Aber tatsächlich fand ich nichts von Bedeutung, abgesehen von einem recht hochwertigen Mitarbeiterausweis und einigen Visitenkarten in seinem Portemonnaie. Sie wiesen ihn als Mitarbeiter einer Elektrikerfirma namens Lighthouse aus – nicht gerade jemand, der irgendein Interesse daran haben könnte, eine Ausgrabung zu verhindern. So dachte ich jedenfalls.</p>



<p>Auf jeden Fall betrachtete ich den Elektriker danach mit deutlich weniger kritischen Augen. Und so amüsierte mich seine Langeweile mehr, als dass sie mich hellhörig machte. Wahrscheinlich hatte er sich auf einen abenteuerreichen Indiana-Jones-Urlaub gefreut und saß jetzt hier, umgeben von nichts als Felsen, Wüste und einer Gruppe Paläontologen, die sich wie kleine Kinder freuten, wenn sie irgendwelche besonderen Steine fanden.</p>



<p>So verlief mein aktueller Auftrag einige Tage fast völlig ereignislos. Ich war bereits kurz davor, meine Reise in die Mongolei als bezahlten Urlaub abzutun, als am fünften Tag der Ausgrabungen plötzlich Wolken aufzogen. Es sah nach ziemlich heftigem Regen aus. Und auch Stefan und die Paläontologen betrachteten die Wolken mit sorgenvollen Blicken.</p>



<p>Vielleicht mag euch das wundern. Starke Regenfälle passten nicht wirklich in die Vorstellung der meisten Menschen von einer Wüste. Aber tatsächlich war das in der Mongolei nichts Ungewöhnliches. Immerhin hatten wir Juli, den regenreichsten Monat des Jahres. Laut Internet sollte es hier im Juli an fünf bis sechs Tagen regnen.</p>



<p>Die Wolken waren jedoch nicht das Einzige, was mir auffiel. In einiger Entfernung konnte ich sehen, wie sich eine Art Welle durch den Sand bewegte, gleichmäßig von links nach rechts, ehe sie wieder verschwand.</p>



<p>„Da drüben ist irgendetwas“, sagte ich laut. Immerhin war es eine meiner Aufgaben, nach ungewöhnlichen Dingen Ausschau zu halten. „Es sah aus, als bewege sich da irgendetwas unter dem Sand. Kann das ein Tier sein?“</p>



<p>Stefan und die Paläontologen folgten meinem Blick in die Richtung.</p>



<p>„Sie spüren den Regen“, murmelte der Elektriker. Er sprach leise zu sich selbst, jedoch nicht so leise, dass ich ihn nicht verstanden hätte.</p>



<p>„Sie?“, hakte ich nach. „Wen meinst du damit?“</p>



<p>Aber Stefan hatte nicht vor, auf meine Frage einzugehen. „Tobias, du hast doch bestimmt eine Waffe dabei, oder? Wenn ja, hol sie! Und die anderen: Lasst alles stehen und liegen. Wir müssen zu den Autos!“</p>



<p>Er hatte einen befehlenden, fast militärischen Tonfall, der Sandra jedoch alles andere als zu passen schien. „Was fällt dir ein?“, wurde Sandra laut. „Das hier ist immer noch meine Ausgrabungsstätte. Wir sitzen den Regen im Gemeinschaftszelt aus!“</p>



<p>Die Paläontologen sahen zwischen ihnen hin und her, unsicher, auf wen sie hören sollten.</p>



<p>Ich hingegen hatte zu oft Krisensituationen erlebt, um Stefans Befehl weiter zu hinterfragen. Es würde schon einen Grund geben, warum ich meine Pistole holen sollte. Und selbst wenn er sich irrte, wollte ich meine Waffe lieber einmal zu oft geholt haben als zu wenig. Also sprintete ich zu meinem Zelt.</p>



<p>Ich riss den Reißverschluss auf, zog meine Glock 19 unter der Luftmatratze hervor und warf mir meinen Regenponcho über, ehe ich wieder nach draußen eilte. Sandra und Stefan waren noch immer am Diskutieren.</p>



<p>„Bitte, wir haben keine Zeit für Erklärungen. Vertraut mir einfach!“, flehte Stefan.</p>



<p>Meine Aufmerksamkeit galt jedoch etwas anderem: Direkt hinter Sandra sah ich Bewegungen im Sand.</p>



<p>„Da kommt etwas“, schrie ich über die Diskussion hinweg.</p>



<p>Sandra wandte sich mir zu, dann sah sie auf den Sand, wohin ich zeigte.</p>



<p>Und tatsächlich schob sich nur einen Augenblick später ein großes fleischrotes Etwas aus dem Boden. Es hatte eine wurstähnliche Form, ohne Gliedmaßen oder Augen.</p>



<p>„Ein Mongolischer Todeswurm“, hauchte Sandra ungläubig.</p>



<p>Und auch ich starrte das Wesen mit offenem Mund an. Natürlich hatte ich mich vor meiner Reise über potentiell gefährliche Tiere informiert, die uns hier begegnen könnten. Auch war ich dabei auf die Allghoi Khorkhoi, die Mongolischen Todeswürmer gestoßen. Jedoch stand im Internet, dass es sie nicht wirklich gab. Sie seien nichts als eine Legende der einheimischen Nomaden.</p>



<p>Stefan ließ uns nicht in unserer Verwunderung dastehen. Er packte Sandra und Chris am Arm und zerrte sie mit sich Richtung Felsen.</p>



<p>Ich entsicherte meine Glock und richtete den Lauf auf das fleischige Tier vor mir. Auf den ‚Todeswurm‘. Krampfhaft versuchte ich, mich an alles zu erinnern, was ich über sie gelesen hatte. Sie waren giftig, oder?</p>



<p>Leider zögerte ich zu lange. Ich blickte immer wieder zu Sandra und Stefan, während ich weiter auf den Wurm zielte. Der Mongolische Todeswurm hingegen richtete sich im Sand auf, zog seinen Körper einige Zentimeter zusammen und spuckte eine schwefelgelbe Flüssigkeit auf die Person, die ihm jetzt am nächsten stand.</p>



<p>Ben schrie für den Bruchteil einer Sekunde auf, während der Schleim ihn traf. Dann brach er lautlos auf dem Sand zusammen.</p>



<p>„Ben!“, hörte ich Sandra entsetzt schreien.</p>



<p>Ich dachte in dem Moment nicht weiter nach und feuerte fünf Kugeln in den Körper des Todeswurms ab. Er zuckte noch einen Moment, ehe er reglos liegenblieb.</p>



<p>Anschließend eilte ich weiter zu dem gefallenen Paläontologen.</p>



<p>„Tobias! Fass seinen Körper nicht an!“, mahnte mich Stefan aus der Ferne. „Es ist eh zu spät. Ben ist schon tot.“</p>



<p>Wieder zögerte ich. Jedoch wusste ich zu wenig, um die Situation weiter einschätzen zu können. Daher packte ich Anne, die vor Schreck wie versteinert dastand, am Oberarm und rannte mit ihr zu den anderen hinter die Felsen.</p>



<p>Das war der Moment, als der Regen einsetzte. Zuerst grummelte es nur kurz, dann öffnete der Himmel alle Schleusen.</p>



<p>Obwohl ich mit starkem Regen gerechnet hatte, unterschätzte ich ihn trotzdem. Innerhalb von Sekunden verwandelte der steinige Sand sich in Schlacke. Wenn ich eben noch kilometerweit gucken konnte, erkannte ich jetzt nur noch wenige Meter um uns herum. Und auch das Rauschen war so laut, dass ich kaum noch etwas hören konnte.</p>



<p>„Wir müssen hier weg!“, brüllte Stefan uns über den Regen an. „In wenigen Minuten wimmelt es hier von diesen Dingern!“</p>



<p>Meine Glock noch immer fest umklammernd, wagte ich einen Blick über den schützenden Felsen. Dort lag Bens Leiche bei unseren Zelten. Der Regen hatte den gelben Schleim von seinem Körper bereits fast vollkommen weggespült. Auch sah ich den toten Wurm einige Meter weiter liegen. Dick wie ein menschlicher Arm. Aber das war noch nicht alles. Stefan hatte recht: An diversen Stellen konnte ich Bewegungen unter dem nassen Sand erkennen.</p>



<p>„Woher weißt du so viel über die Würmer?“, schrie ich, während ich den Kopf wieder einzog. „Ich dachte, sie seien nur ein Mythos!“</p>



<p>„Ich erforsche die Allghoi Khorkhoi seit einigen Monaten. Aber wartet mit den Fragen bitte, bis wir in Sicherheit sind. Jetzt ist nur wichtig, dass ihr die Würmer oder ihren Speichel auf gar keinen Fall berührt!“ Wer auch immer dieser Typ war, er war ganz sicher kein Elektriker!</p>



<p>Trotzdem entschied ich, vorerst keine weiteren Gedanken daran zu verschwenden. Wir mussten dringend zu den Autos.</p>



<p>Hektisch sah ich mich um, versuchte, durch den Regenschleier die bestmögliche Fluchtroute zu erkennen. Ich wusste, dass wir von Felswänden umringt waren. Dort hochzuklettern dürfte so ziemlich unmöglich sein – besonders bei dem Regen. Unser einziger Weg führte also nach Osten. Wir mussten direkt an den Würmern vorbei.</p>



<p>„Wir laufen dort drüben lang!“, schrie ich den anderen zu, während ich nach rechts deutete. „Zwischen den Felsen haben wir den größtmöglichen Schutz!“ Leider war das Terrain dort aber auch am schwierigsten.</p>



<p>Zum Glück gab niemand Widerworte. Selbst Stefan schien anzuerkennen, dass meine Erfahrung unsere beste Möglichkeit auf eine Flucht bot.</p>



<p>Wir liefen nacheinander zur nächsten Deckung, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Stefan lief vor und hielt bei dem nächsten größeren Felsen Ausschau nach Würmern, während ich zurückblieb und die anderen nacheinander zu ihm schickte. Zum Schluss folgte ich der Gruppe.</p>



<p>So bewegten wir uns von Felsen zu Felsen, von Deckung zu Deckung. Und obwohl wir teilweise mehr über den Kies schlitterten, als dass wir liefen und oft genug Würmer umgehen mussten, kamen wir gut voran. Immer, wenn ein Blitz durch den Himmel zuckte, konnte ich erkennen, wie wir uns dem Ende der Felswand näherten.</p>



<p>Ich wollte gerade um unsere Deckung spähen, um den weiteren Weg auszumachen, als Stefan mir plötzlich einen Arm an die Brust presste und mich so zurückhielt. Langsam hob er die andere Hand und zeigte auf eine Bewegung im Schlamm, nur wenige Meter von uns entfernt.</p>



<p>Verdammt! Trotz ihrer grellroten Farbe war der Sand inzwischen so feucht geworden, dass die Todeswürmer sich gut verstecken konnten. Die letzten Meter würden kniffelig werden.</p>



<p>Also änderte ich den Kurs. Wir liefen weiter zur Felswand, wo der Boden zwar noch unebener war, dafür gab es jedoch weniger Fläche, wo die Würmer sich verstecken konnten – so dachte ich jedenfalls. Stefan hatte gerade den halben Weg zum nächsten Felsen zurückgelegt, als ich eine Bewegung im Sand neben ihm sah.</p>



<p>Ich sprintete nach vorne, riss meine Glock hoch und feuerte drei Schüsse in den Wurm ab. Auch er blieb kurz darauf reglos liegen.</p>



<p>„Alles in Ordnung?“, rief ich Stefan zu.</p>



<p>Er nickte.</p>



<p>Wenn ich jedoch dachte, dass ich damit das größte Übel beseitigt hätte, hatte ich mich getäuscht. Irgendetwas, vielleicht der Lärm von den Schüssen, vielleicht die Leiche ihres Artgenossen, hatte die anderen Würmer auf uns aufmerksam gemacht. Dutzende von ihnen kamen jetzt auf uns zugekrochen.</p>



<p>„Scheiße! Lauft! Lauft!“, brüllte ich den anderen zu.</p>



<p>Während sie an mir vorbei Richtung Autos liefen, ließ ich mich zurückfallen. Ich blieb dicht hinter den anderen, während ich mit meiner Glock versuchte, uns die Würmer vom Leib zu halten, die jetzt schnell aufholten. Erfolglos. Es waren einfach zu viele. Wenn ich weiter wahllos jeden Mongolischen Todeswurm abballern würde, der sich uns näherte, hätte ich gleich keine Munition mehr im Magazin. Also hetzte ich den anderen nach. Zum Glück waren wir bereits ganz in der Nähe der Autos.</p>



<p>Als ich das Auto erreichte, sah ich, dass alle sich in einen Wagen gedrängt hatten. Scheinbar hatte niemand von ihnen Lust, die wenigen Meter zum nächsten Auto weiterzulaufen. Zurecht. Ich hatte mich gerade neben Chris auf die Rücksitzbank gequetscht und die Tür hinter mir zu gerissen, als eine Woge gelben Schleims gegen die Autoscheibe klatschte.</p>



<p>Entsetzt musste ich mitansehen, wie sich das Glas mit einem zischenden Geräusch auflöste. Ich drängte mich näher an Chris, als Stefan gerade den Schlüssel von Sandra entgegennahm. Dann endlich startete er den Motor und wir setzten uns in Bewegung.</p>



<p>Zwar kamen wir nur langsam voran – der nasse Sand und der felsige Boden waren nicht die beste Straße und die allmählich beschlagende Windschutzscheibe tat ihr Übriges –, aber zum Glück schienen uns die Würmer nicht sonderlich weit zu verfolgen. Weitere Angriffe blieben aus.</p>



<p>Wir fuhren eine Weile schweigend weiter, ehe Stefan sich zu Sandra, Anne und Chris wandte. „Es tut mir leid um euren Kollegen“, sagte er. „Um euren Freund.“</p>



<p>Sandra saß vor mir und starrte auf ihre Knie. Obwohl ich ihr Gesicht nicht sehen konnte, wirkte sie, als kämpfe sie mit den Tränen. Trotzdem klang ihre Stimme ungewöhnlich ruhig. „Du warst das, oder?“, fragte sie. „Du hast mich angerufen und mir die Mails geschickt.“</p>



<p>Stefan lächelte schief, während er nickte. „Das waren Leute aus meinem Team, ja. Wie gesagt untersuchen wir die Würmer seit einigen Monaten. Ich wünschte nur, uns wäre eine bessere Ausrede eingefallen, als ihr eure Ausgrabung direkt über ihrem Nest geplant habt.“</p>



<p>„Warum habt ihr nicht einfach die Wahrheit gesagt?“, fragte Sandra. Bitterkeit schwang in ihrer Stimme mit.</p>



<p>Stefan warf ihr einen traurigen Blick zu. „Hättest du uns geglaubt?“, fragte er.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Allghoi Khorkhoi, auch Olgoi Khorkhoi oder Mongolischer Todeswurm genannt, ist ein Kryptid aus der Mongolei.</p>



<p>Wörtlich übersetzt, heißt олгой-хорхой (olgoi khorkhoi) übrigens in etwa „Dickdarm-Wurm“, wobei хорхой (Khorkhoi) auch so viel wie „Insekt“ oder „Larve“ heißen kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Über das Aussehen des Allghoi Khorkhoi gibt es verschiedene Aussagen.</p>



<p>Generell sollen die Mongolischen Todeswürmer etwa 50 bis 150 cm lang und dick wie „der Arm eines Mannes“ sein.</p>



<p>Dem amerikanischen Abenteurer und Paläontologen Roy Chapman Andrews beschrieben die einheimischen Nomaden den Wurm als wurstförmig, etwa 60 cm lang und ohne Kopf, Schwanz oder Beine.</p>



<p>Andere Einheimische beschreiben ihn als fleischigen Wurm mit roter Haut, weiß-grauen Wurm, der sich bei Gefahr rot färbt oder gar als schuppig und braun. Gerade Letzteres würde ich jedoch auf Verwechslungen mit einer Schlange zurückführen.</p>



<p>Mein persönlicher Favorit ist hingegen die fleischige rote Variante, da sie als einziges zu dem mongolischen Namen „Dickdarm-Wurm“ passt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Der Allghoi Khorkhoi hat seinen deutschen Namen „Mongolischer Todeswurm“, weil er seine Opfer innerhalb von kürzester Zeit tötet.</p>



<p>Einige sagen, er nutzt hierzu ein tödliches Gift, das er über mehrere Meter versprühen kann, andere sagen, er nutzt elektrische Stöße. Außerdem soll seine Haut so giftig sein, dass man bei Berührung eines Wurms sofort stirbt.</p>



<p>Zusätzlich sagen manche Leute dem Gift eine ätzende Wirkung nach, sodass es sogar Metall innerhalb kürzester Zeit zersetzen soll.</p>



<p>Trotzdem wird der Allghoi Khorkhoi in den Berichten nicht unbedingt als aggressiv beschrieben. Für mich liest es sich eher so, dass er sein Gift versprüht, weil er sich bedroht fühlt oder seltener, um Beute zu jagen.</p>



<p>Gerade Letzteres ist jedoch umstritten, da man nicht genau weiß, was Mongolische Todeswürmer fressen. Während manche Leute sagen, sie würden mit ihrem Gift Tiere und selten sogar Menschen jagen, behaupten andere, sie seien Pflanzenfresser und würden z. B. die giftige Goyo-Pflanze fressen.</p>



<p>Die meiste Zeit sollen die Allghoi Khorkhoi hingegen unterirdisch verbringen. Für gewöhnlich sollen sie fast nur bei Regen oder Feuchtigkeit an die Oberfläche kommen.</p>



<p>Ansonsten kann man sie manchmal entdecken, während sie sich unterirdisch bewegen, indem man kleine Wellen an der Sandoberfläche über ihnen sieht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Der Mongolische Todeswurm soll ausschließlich in der Wüste Gobi im Süden der Mongolei und Norden von China vorkommen. Dort soll er hauptsächlich unter dem Sand in besonders abgelegenen und lebensunfreundlichen Teilen der Wüste leben.</p>



<p>Am häufigsten sollen sie im Juni, Juli und August gesehen werden, der regenreichsten Zeit in der Wüste Gobi.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Zum Ursprung der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> lässt sich leider nichts Genaueres sagen, da die einheimischen Nomaden selbst nicht genau wissen, seit wann es die Legende gibt.</p>



<p>Die erste bekannte schriftliche Erwähnung des Mongolischen Todeswurms findet sich in dem Buch „On the Trail of Ancient Man“ (1926) von Roy Chapman Andrews. Es ist jedoch gut möglich, dass die Nomaden der Wüste Gobi schon seit vielen Generationen Geschichten über Allghoi Khorkhoi erzählen, die sie jedoch nur mündlich weitergegeben haben.</p>



<p>Einige Jahre, bevor Andrews das Buch geschrieben hat, war er selbst in der Wüste. Damals soll ihn der Premierminister der Mongolei darum gebeten haben, Ausschau nach den Allghoi Khorkhoi zu halten und ein Exemplar der legendären Bestie zu fangen.</p>



<p>Andrews selbst gestand zwar, dass er nicht an die Existenz des Mongolischen Todeswurms glaubte, aber er traf viele Einheimische, die ihm Geschichten des Monsters erzählt haben. Und auch heute noch sollen viele Nomaden der Wüste Gobi an Allghoi Khorkhoi glauben, obwohl nur die wenigsten von ihnen ein echtes Exemplar gesehen haben wollen.</p>



<p>Inzwischen gab es viele, teilweise sehr ernste und professionelle Forschungen und Suchen nach dem Mongolischen Todeswurm. Wissenschaftliche Teams aus aller Welt haben mit unterschiedlichsten Methoden nach ihnen gesucht. Sie nutzten Kameras aus Flugzeugen, künstliche Überschwemmungen, Geräte wie in „Dune“, die Geräusche erzeugen, die den Mongolischen Todeswurm anlocken sollten, und sogar Bomben. Trotzdem blieben sämtliche Suchen ohne Erfolg.</p>



<p>Heutzutage gehen viele Forscher davon aus, dass es sich bei den Sichtungen des Todeswurms lediglich um Verwechslungen mit lokalen Schlangen handelt. Der Naturforscher Yuri Gorelov hat einmal eine Östliche Sandboa gefangen, nachdem ein Einheimischer ihm das Nest eines vermeintlichen Allghoi Khorkhoi gezeigt hat. Viele Einheimische, denen Gorelov die Schlange zeigte, identifizierten sie fälschlicherweise als einen Mongolischen Todeswurm.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Mongolische Todeswurm in der Popkultur:</h3>



<p>Natürlich ist auch die Popkultur nicht von dem Mongolischen Todeswurm verschont geblieben. So gibt es nicht nur Spekulationen, ob Frank Herbert sie für seinen weltberühmten Roman „Dune“ bzw. „Der Wüstenplanet“ (1963) als Inspiration für die Sandwürmer genutzt hat, sondern man findet ihre Einflüsse auch in Videospielen wie „Dark Souls III“ oder „Final Fantasy XIV“ sowie in Filmen wie „Tremors – Im Land der Raketenwürmer“ (1990) oder „Monster Worms“ (Originaltitel: „Mongolian Death Worms“) von 2010 wieder.</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Mongolischen Todeswürmern? Kanntet ihr die Legende bereits (egal ob in originaler Form oder aus einem Film/Videospiel)? Und wie hat euch meine Geschichte gefallen? Sie war ja doch etwas anders als meine anderen Geschichten. Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mongolischer-todeswurm-allghoi-khorkhoi">Mongolischer Todeswurm – Allghoi Khorkhoi</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/mongolischer-todeswurm-allghoi-khorkhoi/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>8</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mary-san no Denwa – Telefonanruf von Mary</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/mary-san-no-denwa</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/mary-san-no-denwa#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Jun 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[besessene Puppe]]></category>
		<category><![CDATA[besessene Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselpuppe]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselpuppen]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorpuppe]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorpuppen]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Kettenbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Marry]]></category>
		<category><![CDATA[Marry-san]]></category>
		<category><![CDATA[Mary]]></category>
		<category><![CDATA[Mary-san]]></category>
		<category><![CDATA[Mary-san no Denwa]]></category>
		<category><![CDATA[Merry]]></category>
		<category><![CDATA[Merry-san]]></category>
		<category><![CDATA[Mery]]></category>
		<category><![CDATA[Mery-san]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Puppe]]></category>
		<category><![CDATA[Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=2951</guid>

					<description><![CDATA[<p>Aber das konnte doch nicht sein. Eine Puppe konnte nicht sprechen und schon gar nicht telefonieren. Andererseits hatte ich außer meinen Eltern nie jemandem von Mary-sans Verschwinden erzählt. An meiner neuen Schule wusste niemand von der Puppe …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mary-san-no-denwa">Mary-san no Denwa – Telefonanruf von Mary</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/7c2ff058919f41df852626fe385763f2" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Mary-san no Denwa ist eine japanische Legende, die schon länger auf meiner Liste steht. Da in letzter Zeit einige Male auf meinem Blog nach &#8222;Mary-san&#8220; gesucht wurde, habe ich mich entschieden, die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Horrorpuppe</a> in diesem Beitrag zu behandeln.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich kniete am Wohnzimmertisch vor meinen Hausaufgaben. Frau Nakagawa, unsere Japanischlehrerin, hatte uns einen Zettel mit Schriftzeichen mitgegeben, die wir als Hausaufgabe in unser Schulheft abschreiben sollten.</p>



<p>Meine anderen Hausaufgaben hatte ich schon lange erledigt, aber das Abschreiben machte mir einfach keinen Spaß, weshalb ich mich bis eben davor gedrückt hatte. Jetzt, wo es draußen dunkel wurde, konnte ich es jedoch nicht länger aufschieben. Sollten meine Hausaufgaben immer noch nicht fertig sein, wenn meine Eltern von der Arbeit zurückkamen, würde ich bestimmt wieder Ärger bekommen.</p>



<p>Zum Glück konnte das noch einige Zeit dauern. Wenn Mama mir etwas zu Essen in den Kühlschrank stellte, hieß das meist, dass sie erst spät nach Hause kamen – manchmal sogar erst, wenn ich schon im Bett sein musste.</p>



<p>Und ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt. Viele Kinder aus der Schule fanden es komisch, dass es Tage gab, an denen ich als Drittklässlerin meine Eltern nicht einmal sehe. Aber die Wahrheit ist, ich habe mich daran gewöhnt. Außerdem unternahmen wir meist etwas zusammen an den Wochenenden.</p>



<p>Also saß ich wie so oft ganz allein im Wohnzimmer. Ich war gerade hochkonzentriert dabei, ein besonders kompliziertes Schriftzeichen abzuschreiben, als plötzlich ein vertrauter Klingelton erklang: das Festnetztelefon.</p>



<p>Sofort sprang ich auf und rannte zu dem kleinen Schrank, auf dem unser Telefon stand. Bestimmt waren das Mama oder Papa, die mir sagen wollten, dass es heute wieder später wird und ich ohne sie essen solle.</p>



<p>Als ich das Telefon jedoch erreichte, stutzte ich. ‚Unbekannt‘ leuchtete mir auf dem kleinen Display entgegen.</p>



<p>Irritiert nahm ich das Telefon aus der Ladestation und drückte den kleinen grünen Hörer. „Hallo?“, meldete ich mich.</p>



<p>„Hallo Hina-chan“, ertönte eine hohe, mir unbekannte Stimme. Sie erinnerte mich an eine der Zeichentrickfiguren aus dem Fernsehen. „Hier ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.“</p>



<p>Ich war zu überrascht, um zu antworten. Ehe ich auch nur einen Ton herausgebracht hatte, ertönte bereits das Tuten, das anzeigte, dass der Anrufer aufgelegt hatte.</p>



<p>Was mich am meisten schockierte, war jedoch nicht, dass – wer auch immer das war – meinen Namen kannte, sondern der Inhalt der Nachricht: ‚Mein Name ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.‘</p>



<p>Ich kannte eine Mary-san. Sie war allerdings kein Mensch, sondern eine Puppe. Meine Puppe. Sie war ein Geschenk gewesen, das Mama und Papa mir vor zwei Jahren von einer Geschäftsreise aus Europa mitgebracht hatten. Und sie war vor einigen Wochen, als wir in unser neues Haus gezogen waren, verlorengegangen. Papa hatte die Tüte, in der sie lag, versehentlich in den Müll geworfen …</p>



<p>Aber das konnte doch nicht sein. Eine Puppe konnte nicht sprechen und schon gar nicht telefonieren. Andererseits hatte ich außer meinen Eltern nie jemandem von Mary-sans Verschwinden erzählt. An meiner neuen Schule wusste niemand von der Puppe. Und Aoi, meine beste Freundin, hatte ich seit meinem Umzug nur ein einziges Mal gesehen. Über Mary-san hatten wir jedoch nicht geredet.</p>



<p>Mit einem flauen Gefühl im Magen kniete ich mich wieder an den Wohnzimmertisch. Das Telefon legte ich neben mein Schulheft. Aber obwohl ich versuchte, nicht mehr an das Gespräch zu denken, konnte ich mich nicht auf meine Hausaufgaben konzentrieren. Die ganze Zeit musste ich darüber nachdenken, wer mir wohl einen Telefonstreich spielen konnte. Hatte ich vielleicht doch irgendwem aus meiner neuen Klasse von Mary-san erzählt?</p>



<p>Sehr viel langsamer als vorhin machte ich mich wieder daran, die Schriftzeichen abzuschreiben, während ich mir weiter den Kopf darüber zerbrach, was es mit dem Anruf auf sich haben könnte.</p>



<p>Dann plötzlich klingelte das Telefon erneut. Ich zuckte zusammen, zog dabei einen der Striche falsch, ehe ich vorsichtig Richtung Telefon blickte. ‚Unbekannt‘ leuchtete mir erneut entgegen.</p>



<p>Zögerlich griff ich nach dem Gerät. Aber vielleicht war es ja diesmal jemand anderes. Oder es rief mir gleich jemand ein „Reingelegt!“ entgegen und ich würde wissen, wer mir den Streich gespielt hatte. Also drückte ich erneut auf den grünen Hörer. „Hallo?“</p>



<p>„Hallo Hina-chan.“ Wieder sprach diese seltsam hohe Stimme. „Hier ist Mary-san. Ich bin jetzt an der Ecke vor der Karaoke-Bar.“</p>



<p>Das Tuten ertönte erneut, bevor ich auch nur ein Wort hervorgebracht hatte.</p>



<p>An der Ecke vor der Karaoke-Bar? Es gab hunderte Karaoke-Bars in der Stadt. Viele davon lagen an irgendwelchen Ecken. Und trotzdem beschlich mich das ungute Gefühl, dass ich genau wusste, von welcher Karaoke-Bar die Stimme geredet hatte: Die Karaoke-Bar, in die meine Eltern immer gingen, lag an einer Ecke. Und nicht nur das, sie lag auch noch so nah, dass meine Eltern immer zu Fuß hingingen, wann immer sie Lust auf Karaoke hatten. Kam Mary-san etwa näher?</p>



<p>Nervös stand ich auf. Irgendwie war das ganz schön unheimlich. Ich lief durch das Wohnzimmer, um jedes Licht einzuschalten, das ich finden konnte. Außerdem betätigte ich die Lichtschalter im Flur und in der Küche – beides Räume, die ich vom Wohnzimmer aus sehen konnte. So gab es wenigstens keine dunklen Ecken, vor denen ich mich gruseln konnte.</p>



<p>Aber … warum gruselte ich mich eigentlich? Mary-san war meine Freundin gewesen. Ja, sie war nicht meine Lieblingspuppe, aber ich hatte sie immer gut behandelt. Und trotzdem wurde mir jetzt schlecht bei dem Gedanken, dass Mary-san plötzlich vor mir stehen könnte. Wenn ich nur an die Stimme dachte …</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. „So ein Quatsch!“, sagte ich laut. Puppen konnten gar nicht sprechen. Wer auch immer mich da anrief, es war bloß ein Mensch, der mir Angst machen wollte. Ich wusste nicht, warum er es tat, aber ich erinnerte mich an ein Gespräch, das ich mal mit Mama geführt hatte.</p>



<p>„Wenn jemand etwas macht, dass du nicht möchtest, musst du es ihm sagen“, hatte Mama erklärt. „Dann sagst du laut Stopp! Und dass er es lassen soll. Und falls das alles nicht hilft, möchte ich, dass du uns Bescheid sagst, ja? Egal, worum es auch geht.“</p>



<p>Ich atmete tief ein und aus, während ich eine Entscheidung traf. Sollte die Stimme noch einmal anrufen, würde ich sie nicht ausreden lassen. Ich würde ihr sagen, dass sie mich in Ruhe lassen soll, genau wie Mama es mir erklärt hatte.</p>



<p>In den nächsten Minuten kniete ich wieder an meinen Hausaufgaben. Ich blickte dabei jedoch mehr zu dem Telefon als auf mein Schulheft, wartete darauf, dass es erneut klingelte.</p>



<p>Als das Display wieder aufleuchtete, hatte ich blitzschnell danach gegriffen, noch ehe der erste Ton vom Klingelton erklungen war. Unbekannt. Selbstbewusst drückte ich den grünen Hörer. „Stopp!“, rief ich dann sofort laut ins Telefon.</p>



<p>Aber die Stimme beachtete es gar nicht. „Hallo Hina-chan“, meldete sie sich wieder.</p>



<p>„Das ist nicht lustig“, rief ich. „Wenn du noch einmal anrufst, sag ich es meinen Eltern!“</p>



<p>Aber die Stimme redete unbeirrt weiter. „Hier ist Mary-san. Ich stehe vor deiner Haustür.“</p>



<p>Ich öffnete den Mund, um etwas zu erwidern. Die Worte blieben mir jedoch im Hals stecken, als ich realisierte, was die Stimme da gerade gesagt hatte: Mary-san stand vor meiner Haustür.</p>



<p>Ich hörte das Tuten kaum, während ich den roten Hörer drückte, den Blick dabei stur in unseren Flur gerichtet.</p>



<p>Auf Zehenspitzen schlich ich Richtung Eingangstür. Nicht, dass es etwas bringen würde. Durch das große Fenster beim Eingang hätte man mich von draußen sofort sehen können.</p>



<p>Trotzdem versuchte ich, möglichst keinen Ton von mir zu geben. Schritt für Schritt schlich ich näher zur Tür. Dort angekommen drückte ich mein Gesicht ans Fenster. Unser Eingangsbereich lag dunkel und verlassen vor mir. Ein Mensch hätte sich da jedenfalls nicht verstecken können. Nicht einmal ein Kind. Aber Mary-san war eine kleine Puppe. Wenn sie direkt vor der Haustür lag …</p>



<p>Angespannt biss ich die Zähne zusammen. Wenn ich wirklich sichergehen wollte, dass sie nicht vor unserem Haus war, blieb mir nichts anderes übrig, als die Tür zu öffnen.</p>



<p>Mit zittrigen Fingern griff ich nach der Türklinke. Ich zog sie nach unten und öffnete die Tür einen ganz kleinen Spalt, bereit, sie sofort wieder zuzuschlagen. Vorsichtig spähte ich hindurch. Nichts. Der Boden war leer.</p>



<p>Also öffnete ich die Tür weiter, um alles sehen zu können. Von Mary-san oder sonst etwas Ungewöhnlichem fehlte jede Spur.</p>



<p>Sofort schloss ich die Tür wieder. Eigentlich hätte ich jetzt beruhigt sein müssen. Dass Mary-san nicht da gewesen war, bedeutete doch, dass es wirklich nur ein doofer Telefonstreich gewesen war, oder? Aber warum fühlte ich mich dann nicht besser? Im Gegenteil: Im Moment fühlte ich mich irgendwie beobachtet.</p>



<p>Schnell rannte ich zurück ins Wohnzimmer, weg von dem großen Fenster. Aber auch hier verschwand das Gefühl nicht.</p>



<p>Schließlich tat ich das, was ich schon nach dem zweiten Anruf hätte tun sollen: Ich nahm das Telefon und wählte Papa in den Kontakten aus.</p>



<p><em>Tuut, tuut, tuut</em>.</p>



<p>Komm schon Papa, geh ran.</p>



<p><em>Tuut, tuut</em>.</p>



<p>Dann endlich hörte ich seine Stimme. „Hallo, hier ist die Mailbox von Watanabe. Leider bin ich zurzeit nicht …“</p>



<p>Weiter kam die Tonbandansage nicht. Ich hatte wieder aufgelegt. Dann eben Mama.</p>



<p>Noch während ich ihren Namen in den Kontakten suchte, klingelte jedoch das Telefon. Blitzschnell drückte ich auf den grünen Hörer. Ich dachte gar nicht darüber nach, dass es jemand anderes als Papa sein könnte, der mich zurückrief.</p>



<p>„Papa? Hier ist Hina‘‘, jammerte ich ins Telefon. „Ich hab Angst. Da ist so ein Mädchen, das mich immer wieder anruft. Es lässt mich einfach nicht in Ruhe!“</p>



<p>Aber am anderen Ende war nicht Papa. Stattdessen meldete sich eine mir inzwischen vertraute hohe Stimme. Und nicht nur das. Ich hörte sie nicht nur aus dem Telefon. „Hallo Hina-chan, hier ist Mary-san. Ich stehe jetzt direkt hinter dir.“</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Mary-san no Denwa (メリーさんの電話, Japanisch für „Telefonanruf von Mary“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Japan. Sie handelt von einer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen">Horrorpuppe</a> namens Mary-san und ist ein beliebtes Motiv für Kettenbriefe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mary-san:</h3>



<p>Über das Aussehen von Mary-san wird in den meisten Erzählungen der Legende kein Wort verloren. Es gibt aber Darstellungen von ihr, in denen sie als gruselig aussehende manchmal kaputte Porzellanpuppe dargestellt wird.</p>



<p>In anderen Versionen ist sie eine normal aussehende Puppe oder eine japanische Rika-chan-Puppe, die optisch an eine mädchenhafte Barbie erinnert.</p>



<p>In seltenen Fällen ist Mary-san ein Mensch bzw. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Die Geschichte von Mary-san no Denwa ist meist sehr ähnlich. Zwar werden oft ein paar Details verändert und sie kann auch in der Länge stark variieren, aber die Handlung ist fast immer identisch.</p>



<p>Bei einem Umzug wird Mary-san, die Puppe eines kleinen Mädchens oder einer Teenagerin, versehentlich in den Müll geworfen. Manchmal reagiert das Mädchen sehr traurig, andere Male ist ihr die Puppe relativ egal.</p>



<p>Irgendwann – entweder am gleichen Abend oder einige Tage bis Wochen später – ist das Mädchen schließlich allein in der neuen Wohnung oder dem neuen Haus, weil die Eltern unterwegs sind. Da erhält sie plötzlich einen Anruf. Es meldet sich eine Stimme, die sagt: „Hier ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.“ Anschließend wird das Gespräch beendet.</p>



<p>Kurze Zeit später klingelt das Telefon erneut. Wieder meldet sich jemand mit dem Namen Mary-san und nennt einen anderen Ort, an dem sie jetzt sei. Diesmal ist der Ort näher bei dem Mädchen, z. B. an einer Bushaltestelle, einem Laden oder einem anderen Ort in der Nähe. Wieder wird das Gespräch beendet.</p>



<p>Es folgen noch mindestens zwei weitere Anrufe. Bei dem Vorletzten ist Mary-san aber so gut wie immer angeblich vor der Haustür des Mädchens. Daraufhin nimmt es all seinen Mut zusammen und öffnet die Haustür, um nachzusehen, aber vor der Tür ist niemand.</p>



<p>Dann klingelt das Telefon zum letzten Mal. Wieder meldet sich die Stimme: „Hier ist Mary-san. Ich stehe jetzt hinter dir.“</p>



<p>An dieser Stelle endet die Geschichte meistens. Selten wird erwähnt, dass das Mädchen daraufhin ermordet wurde oder die Eltern später ihre Leiche gefunden haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h3>



<h4 class="wp-block-heading">Mehrstöckiges Gebäude oder Hochhaus:</h4>



<p>In anderen Versionen der Geschichte wohnt die ehemalige Besitzerin von Mary-san in einer Wohnung eines mehrstöckigen Gebäudes oder eines Hochhauses. Darin erklärt Mary-san bei den Anrufen, in welchem Stockwerk sie sich gerade befindet, und kommt dem Mädchen dabei immer näher.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Rika-chan:</h4>



<p>Auch gibt es Versionen, in denen die Puppe eine Rika-chan-Puppe ist. Mehr hierzu erfahrt ihr unter Ursprung.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Taxifahrer:</h4>



<p>Wie bereits erwähnt, gibt es auch Versionen, in denen Mary-san ein Mensch ist. Eine der bekanntesten von ihnen handelt von einem Taxifahrer, der Mary-san überfährt. Hierbei meldet sich Mary-sans Geist über das Funkgerät des Fahrers, während sie sich ihm Stück für Stück nähert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kettenbrief:</h4>



<p>Besonders als Kettenbrief war die Legende Mary-san no Denwa sehr beliebt. Darin ist die Geschichte von Mary-san in Kurzfassung erzählt, ehe die Aufforderung folgt, die Empfänger sollen die Nachricht an X Personen weiterleiten – ansonsten würde Mary-san sie als Nächstes anrufen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Die Legende Mary-san no Denwa spielt in fast allen Versionen in Japan. Der Ort kann jedoch von Geschichte zu Geschichte variieren. Wie bei den meisten urbanen Legenden bietet es sich an, die Geschichte an einen nahegelegenen Ort zu verschieben, damit sie gruseliger wirkt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Zu dem Ursprung von Mary-san no Denwa gibt es viele verschiedene Spekulationen. Zwei von ihnen habe ich besonders häufig gelesen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Rika-chan-Telefon:</h4>



<p>Die erste von ihnen dreht sich um die bereits erwähnten Rika-chan-Puppen. Im Jahr 1968 richtete die Firma Takara Tomy, der Hersteller der Puppen, eine Telefonnummer ein, über die man Rika-chan anrufen kann. Am anderen Ende meldet sich dann eine Aufnahme, in der man von Rika-chan begrüßt wird. Diese Nachricht kann man noch heute hören. Die aktuelle Telefonnummer von Rika-chan findet ihr auf der <a href="https://licca.takaratomy.co.jp/tel/">Website von Takara Tomy</a>.</p>



<p>Laut einer Version der Mary-san no Denwa Legende meldet sich Rika-chan irgendwann zurück und erklärt, wo sie sich gerade befindet, nachdem man diese Nummer angerufen und die automatische Nachricht angehört hat. Ab hier ist die Version identisch mit den Anrufen von Mary-san, die Anrufer werden also von Rika-chan heimgesucht.</p>



<p>Spekulationen zufolge ist dies der Ursprung der urbanen Legende. Laut ihnen wurde der Name der Puppe zu Mary-san umgeändert, um rechtliche Probleme zu vermeiden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Yokohama Mary:</h4>



<p>Eine andere Theorie besagt, dass eine Frau, die unter dem Namen Yokohama Mary bekannt war, die Legende inspiriert hat. Yokohama Mary war eine Prostituierte, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Yokohama gelebt hat. Sie stand dort oft an den Straßen und galt als eine der schönsten Prostituierten ihrer Zeit.</p>



<p>Besonders auffällig waren dabei ihr außergewöhnlicher Kleidungsstil und ihr schneeweiß geschminktes Gesicht, die an eine Puppe erinnert haben sollen.</p>



<p>Genau 50 Jahre lang nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man die auffällig geschminkte Yokohama Mary in den Straßen von Yokohama antreffen, bis sie im Jahr 1995 in ein Altersheim gezogen ist.</p>



<p>Es ist also durchaus denkbar, dass ihr ungewöhnliches Auftreten einige Theorien und Mythen inspiriert hat. Vielleicht war darunter ja auch die Legende von Mary-san no Denwa.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mary-san in der heutigen Pop-Kultur:</h4>



<p>Egal, wie die Legende letztendlich wirklich entstanden ist, Fakt ist, dass sie sich früher großer Beliebtheit erfreut hat. Besonders zu ihrer Hochzeit hat sie sich in Form von Kettenbriefen in ganz Japan verbreitet.</p>



<p>Inzwischen gibt es sogar den gleichnamigen japanischen Horrorfilm „Mary-san no Denwa“ (2011), der sich um die Legende dreht.</p>



<p>Außerdem findet man Anspielungen auf Mary-san in diversen Manga und Anime.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Mary-san no Denwa? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie würdet ihr reagieren, wenn Mary-san euch anrufen würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mary-san-no-denwa">Mary-san no Denwa – Telefonanruf von Mary</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/mary-san-no-denwa/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>4</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-der-chinesischen-tierkreiszeichen</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-der-chinesischen-tierkreiszeichen#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Feb 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[chinesisches Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[chinesische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[chinesische Sternzeichen]]></category>
		<category><![CDATA[chinesische Tierkreiszeichen]]></category>
		<category><![CDATA[Die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen]]></category>
		<category><![CDATA[Drache]]></category>
		<category><![CDATA[Drachen]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Mond Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Mondneujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=2862</guid>

					<description><![CDATA[<p>Als sie jedoch sahen, wie mehrere andere kleinere Tiere von den Stromschnellen fortgerissen wurden, schluckten sie schwer. Sie erkannten sofort, dass sie im Wasser keine Chance hätten. Also sahen sie sich nach anderen Möglichkeiten um, den Fluss zu überqueren …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-der-chinesischen-tierkreiszeichen">Die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/c1795d3afc35446dbed4baee651cee4a" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Den Beitrag über die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen habe ich passend zum Mond-Neujahr diesen Samstag, den 10. Februar 2024, geschrieben, an dem das Jahr des Drachen beginnt.</p>



<p>Die Legende und meine Geschichte dazu sind ausnahmsweise mal nicht gruselig. Solltet ihr auf der Suche nach Horror oder Grusel sein, seht euch also lieber meine Geschichten über <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monster</a>, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a> oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legenden</a> an. Ansonsten wünsche ich euch:</p>



<p>Viel Spaß beim Lesen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Kennt ihr die Legende, wie die chinesischen Tierkreiszeichen entstanden sind? Vor langer Zeit, als die Götter noch auf der Erde wandelten, entschied der Jadekaiser, der höchste Gott der chinesischen Mythologie, dass er eine neue Zeitrechnung für die Menschen erschaffen wolle – einen Kalender bestehend aus zwölf Jahren. Jedes dieser Jahre sollte nach einem Tier benannt werden. Aber wie sollte der Jadekaiser diese zwölf Tiere auswählen?</p>



<p>Der Gott dachte lange darüber nach. Schließlich hatte er eine Idee: Er würde die Tiere selbst entscheiden lassen, wer von ihnen einen Platz in dem neuen Kalender verdiente, indem er ein Wettrennen veranstaltete. Die Tiere, die es als erste über einen reißenden Fluss bis zu den Toren seines Palastes schafften, sollten in den Kalender aufgenommen werden – und zwar in der Reihenfolge, in der sie das Ziel erreichten.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Der Tag, an dem das Rennen schließlich stattfand, hätte kaum schöner sein können. Die Sonne schien, die Luft war warm und erfüllt von dem Gesang der Zikaden, während sich die Tiere am Flussufer versammelten.</p>



<p>Die Nachricht über das Rennen hatte sich schnell verbreitet. Aber obwohl viele Tiere einen Platz im Kalender begehrten, konnten viele von ihnen nicht schwimmen. Oder sie waren zu klein, um gegen die starke Strömung des Flusses anzukommen.</p>



<p>Zwei dieser Tiere waren die Ratte und die Katze. Damals waren die Beiden noch gute Freunde gewesen und hatten entschieden, gemeinsam an dem Rennen teilzunehmen. Als sie jedoch sahen, wie mehrere andere kleinere Tiere von den Stromschnellen fortgerissen wurden, schluckten sie schwer. Sie erkannten sofort, dass sie im Wasser keine Chance hätten. Also sahen sie sich nach anderen Möglichkeiten um, den Fluss zu überqueren.</p>



<p>Sie sahen, wie der Hase auf einen Stein sprang, der aus dem Wasser ragte, wie sich der kräftige Tiger todesmutig in die Stromschnellen warf und wie der Drache sich majestätisch in den Himmel schlängelte. Einen Weg, wie sie unbeschadet über den Fluss kommen sollten, fanden sie jedoch nicht.</p>



<p>Erst, als sich der Büffel mit seinem massigen Körper dem Fluss näherte, hatte die &nbsp;&nbsp; Katze eine Idee. „Komm mit!“, rief sie der Ratte zu, während sie zu dem sanften Riesen rannte.</p>



<p>Die Ratte verstand sofort, wusste sie doch, wie freundlich und hilfsbereit der Büffel war.</p>



<p>„Lieber Büffel, entschuldige bitte“, miaute die Katze. „Würde es dir etwas ausmachen, die Ratte und mich auf deinem Rücken mitzunehmen?“</p>



<p>Der Büffel musterte die beiden ungleichen Freunde für einen Augenblick. Natürlich war ihm schnell klar, dass sie es ohne ihn nicht schaffen konnten. Außerdem waren sie so klein, dass er von ihnen kaum etwas merken würde. Also ging er in die Knie. „Steigt auf“, brummte er mit seiner ruhigen Stimme.</p>



<p>Das ließen sie sich nicht zweimal sagen. Schnell kletterten sie auf seinen muskulösen Rücken und setzten sich zu dritt wieder in Bewegung.</p>



<p>Der Büffel war wie eine Naturgewalt, während er seinen massigen Körper ins Wasser sinken ließ. Wie ein lebendig gewordener Felsen bewegte er sich durch den Fluss, völlig unbeeindruckt von der starken Strömung.</p>



<p>Die Ratte hielt unterdessen Ausschau nach der Konkurrenz. Zu ihrer Überraschung war von dem Drachen nichts mehr zu sehen – weder am gegenüberliegenden Ufer noch im Himmel, in den er sich eben noch so eindrucksvoll erhoben hatte. Dafür fiel ihr Blick jetzt wieder auf den Hasen, der tapfer von Stein zu Stein sprang, aber auch er lag noch weit hinter ihnen.</p>



<p>Die einzig ernsthafte Konkurrenz stellte der Tiger dar. Der war jedoch bereits so weit flussabwärts getrieben, während er mit schnellen Bewegungen gegen den Strom kämpfte, dass er noch ein gutes Stück Fußweg vor sich haben würde, wenn er das Ufer erreicht hatte.</p>



<p>Also blickte die Ratte siegessicher zum Palast des Jadekaisers. Sie hatte einen Entschluss gefasst: Sie würde vom Kopf des Büffels abspringen, sobald er nah genug am Ufer war. Dann würde sie das letzte Stück laufen und als erstes Tier die Ziellinie überqueren.</p>



<p>Noch ehe sie den Gedanken zu Ende gedacht hatte, fiel ihr Blick jedoch auf die Katze. Auch sie blickte siegessicher zum Ufer, während ihr Schwanz aufgeregt hin und her zuckte. Viel schlimmer war jedoch, dass die Katze nicht nur weiter springen konnte als die Ratte, sie konnte auch noch schneller rennen. Selbst wenn sie gleichzeitig loslaufen würden, würde die Ratte nur den zweiten Platz belegen.</p>



<p>&nbsp;Da fasste die Ratte einen Entschluss, den sie noch bitter bereuen würde: Sie lief zu ihrem guten Freund, der Katze, die weiter hinten auf dem Rücken des Büffels saß, murmelte eine stumme Entschuldigung und warf sich mit dem ganzen Körper gegen sie.</p>



<p>Die Katze miaute erschrocken auf. Sie machte einen Satz zur Seite, hatte sie doch nicht mit dem plötzlichen Angriff gerechnet. Dabei verlor sie den Halt und stürzte in den reißenden Fluss.</p>



<p>Die Ratte sah, wie sie wild um sich trat, panisch versuchte, den Kopf über Wasser zu halten, während sie von der Strömung fortgerissen wurde und schnell in der Ferne verschwand.</p>



<p>Der Büffel, der von all dem nichts mitbekommen hatte, setzte seinen Weg durch den Fluss unbeirrt fort und erreichte bald das Ufer. Dort warf die Ratte einen letzten schuldbewussten Blick flussabwärts, sprang dann schnell vom Kopf des Büffels und flitzte voran zum Palast, wo der Jadekönig bereits auf sie wartete.</p>



<p>Und so wurde die Ratte das erste Tier des chinesischen Kalenders. Die Katze hingegen konnte ihr den Verrat nie verzeihen. Ihretwegen wurde sie nicht in den Kalender aufgenommen. Das ist der Grund, warum Katzen auch heute noch Ratten jagen. Außerdem sollen sie bei dem traumatischen Vorfall ihre Angst vor Wasser entwickelt haben.</p>



<p>Als Nächstes erreichte der Büffel das Ziel und kurze Zeit später der Tiger.</p>



<p>Nach den beiden kräftigen Tieren hatte nun der Hase die Führung im Rennen. Er war weiter von Stein zu Stein gesprungen und hatte das andere Ufer fast erreicht. Jetzt stand er jedoch bereits einige Sekunden auf der Stelle, setzte immer wieder zum Sprung an und brachte es dann doch nicht über sich. Der Stein vor ihm war zu weit entfernt, der Hase zu müde von dem bisherigen Weg. Er war sich unsicher, ob er es schaffen würde.</p>



<p>Erst, als der Hase hinter sich das angestrengte Schnaufen des Pferdes hörte, das näher und näher kam, setzte er ein letztes Mal zum Sprung an. Er nahm so viel Anlauf, wie es ihm auf dem kleinen Felsen möglich war, und stieß sich mit voller Kraft ab. Der Wind pfiff in seinen angelegten Ohren, während er seine Augen stur auf den kleinen Felsen vor sich gerichtet hatte. Den reißenden Fluss unter ihm versuchte er, so gut es ging, zu ignorieren.</p>



<p>Dann endlich setzte er auf. Seine Vorderpfoten trafen den harten Stein, doch sein Unterkörper schaffte es nicht ganz auf den Felsen. Mit einem lauten Platschen landeten seine Hinterbeine in dem kalten Nass.</p>



<p>Sofort begann der Hase, panisch um sich zu treten, versuchte auf dem Stein Halt zu finden. Doch die Strömung war zu stark, der feuchte Fels zu rutschig. Der Hase spürte, wie sein kleiner Körper fortgerissen wurde.</p>



<p>Jetzt war er dem Fluss schutzlos ausgeliefert. Während ihn das Wasser wie eine kalte Decke umschloss, wurde er hin und her gewirbelt. Schnell verlor er die Orientierung, wusste nicht mehr, wo oben und unten war, versuchte panisch, die Wasseroberfläche zu erreichen.</p>



<p>Dann plötzlich knallte er mit der Seite gegen etwas Hartes. Schmerz durchfuhr seinen Körper, aber trotzdem klammerte er sich reflexartig daran fest. Jetzt, da die Welt sich um ihn herum nicht mehr drehte, schaffte er es endlich, dem Kopf aus dem Wasser zu strecken. Gierig schnappte er nach Luft.</p>



<p>Nun sah er, was ihn gerettet hatte: Er klammerte sich an einen Baumstamm, der im Wasser trieb. Und nicht nur das, es kam auch noch ein plötzlicher Wind auf, der den Stamm Richtung Ufer trieb. Der Hase wollte seinen Augen kaum trauen, als das Land sich schnell näherte. Sobald der Stamm mit einem dumpfen Laut ans Ufer gestoßen war, zog der Hase sich an Land, hoppelte weiter zum Palast und konnte sich so den vierten Platz sichern.</p>



<p>Der nächste Platz hingegen verwunderte die meisten Anwesenden, als plötzlich der Drache aus dem Himmel herabkam und vor dem göttlichen Palast landete.</p>



<p>Auch der Jadekaiser wunderte sich darüber. „Sag mir, ehrenwerter Drache“, sprach er ihn an. „Wieso bist du jetzt erst hier, wo du doch fliegen kannst?“</p>



<p>Der Drache schüttelte seinen schlanken Körper, ehe er den Kopf senkte. „Verzeiht mir, Jadekaiser, dass ich Euch habe warten lassen, aber von der Luft aus habe ich Rauch gesehen. In einem der Menschendörfer war ein Feuer ausgebrochen und ich musste ihnen helfen, es zu löschen.“ Dann sah er zu dem Hasen, der noch immer beim Eingang stand. „Außerdem habe ich unseren kleinen Freund hier gesehen, wie er sich an einen Baumstamm geklammert hat, als hinge sein Leben davon ab. Da habe ich ihm etwas Wind zugepustet, um ihn an Land zu bringen.“</p>



<p>Der Jadekönig bewunderte die Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft des Drachens, der den fünften Platz belegte – und auch der Hase war ihm zu tiefem Dank verpflichtet.</p>



<p>Plötzlich ertönte Hufgetrappel. Wenn ihr jetzt jedoch denkt, dass das Pferd den sechsten Platz belegt hat, wo es doch so dicht hinter dem Hasen war und sich jetzt schnell dem Palast näherte, irrt ihr euch. Denn wie der Büffel hatte auch das Pferd einen blinden Passagier bei sich, auch wenn dieser nicht vorher um Erlaubnis gebeten hatte. Und so wieherte das Pferd erschrocken auf, als plötzlich die Schlange, die sich im Fluss um sein Bein geschlungen hatte, nach vorne sprang und sich so den sechsten Platz sicherte. Das Pferd belegte daraufhin den siebten Platz.</p>



<p>Aber auch, wenn wir in diesem Wettrennen schon fast alles gesehen haben – von Hilfsbereitschaft über Selbstlosigkeit bis hin zu Verrat und Täuschung – sind meine Lieblingsplätze die drei nun folgenden: Nummer acht, neun und zehn. Und auch der Jadekaiser staunte wohl nicht schlecht, als er sah, wie sich ihm auf dem Fluss ein Floß näherte. Darauf saßen drei Tiere, die kaum unterschiedlicher hätten sein können: die Ziege, der Hahn und der Affe.</p>



<p>Einige sagen, die drei waren schon vor jenem Tag Freunde gewesen, andere behaupten, dass sie es durch das Wettrennen erst geworden sind. Aber egal, welche Version davon stimmt, Fakt ist, dass wahrscheinlich keiner von ihnen den Fluss überquert hätte, hätten sie nicht zusammengearbeitet. Weder der Hahn, der das verlassene Floß im Gestrüpp gefunden hat, noch die Ziege, die es von den Pflanzen befreit hat, noch der Affe, der die Ruder aus Stöckern, Ranken und Rinde gebaut hat. Und auch die Überfahrt wäre ihnen nicht gelungen, wenn der Affe und die Ziege nicht gleichzeitig gerudert hätten, während der Hahn ihre Bewegungen koordinierte.</p>



<p>In Teamarbeit schafften sie es hingegen gemeinsam auf die andere Seite. Auch stritten sie nicht, wer von ihnen als Erstes vor den Jadekaiser treten durfte, sondern entschieden ganz zivil die Reihenfolge. Und so belegte die Ziege den achten Platz, der Hahn den neunten und der Affe den zehnten.</p>



<p>Nachdem die drei Tiere jedoch fröhlich miteinander sprechend im Palast verschwunden waren, blickte der Jadekaiser sorgenvoll den Fluss entlang. Kein einziges Tier kämpfte mehr mit den Fluten, um zu ihm zu gelangen, fast alle Tiere hatten bereits aufgegeben oder wurden vom Fluss fortgespült – alle bis auf den Hund, der, wie der Jadekaiser jetzt sah, fröhlich im Wasser spielte. Erst, als der beste Freund des Menschen seinen Blick bemerkte, machte er sich auf den Weg zu der Gottheit und war nach wenigen Minuten bei ihm.</p>



<p>„Sag mir, treuer Hund, du bist solch ein guter Schwimmer, warum bist du erst jetzt zu mir gekommen?“, fragte der Jadekaiser.</p>



<p>Der Hund wedelte mit dem Schwanz und bellte. „Eigentlich wollte ich sofort zu Euch schwimmen, ehrenwerter Kaiser, aber das Wetter ist so schön und das Wasser so klar, dass ich einfach nicht anders konnte, als eine Weile darin zu planschen. Dabei habe ich wohl die Zeit vergessen.“</p>



<p>Daraufhin lachte der Jadekaiser bloß und kraulte den Hund hinter den Ohren. „Am Ende hast du es ja doch geschafft“, sagte er und erklärte den Hund zu dem elften Tier in seinem neuen Kalender.</p>



<p>Das letzte Tier jedoch sollte noch sehr lange auf sich warten lassen. Der Jadekaiser ließ seinen Blick wieder und wieder über den Fluss schweifen, während die Sonne sich bereits dem Horizont näherte. Tatsächlich wurde es langsam so spät, dass der Gott kurz davor war, das Rennen als beendet zu erklären und in seinem Palast zu verschwinden, als sich plötzlich ein leises Grunzen unter das Rauschen des Flusses mischte.</p>



<p>Neugierig musterte der Gott das Gewässer – und tatsächlich: Dort ragte eine kleine Schnauze aus dem Fluss, die sich dem Palast schnell näherte. Schließlich kletterte das Schwein aus dem Wasser, ehe es als letztes Tier endlich vor den Jadekaiser trat.</p>



<p>„Verzeiht meine Verspätung“, grunzte das Schwein, „aber ich habe auf dem Weg zum Fluss einige wirklich leckere Äpfel gefunden. Nachdem ich sie gegessen hatte, wollte ich mich bloß einen Moment ausruhen, aber ich muss wohl eingeschlafen sein.“ Peinlich berührt senkte das Tier den Kopf. „Bin ich noch rechtzeitig?“</p>



<p>Da lächelte der Kaiser breit. „Das bist du.“</p>



<p>Und so erklärte der Jadekaiser das Schwein zum zwölften und letzten Tier des chinesischen Kalenders. Einem Kalender, nach dem sich die meisten Menschen in Asien noch heute richten.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen ist eine Legende, die beschreibt, wie und in welcher Reihenfolge die Tiere für den chinesischen Kalender angeblich ausgewählt wurden.</p>



<p>Der häufig genutzte Begriff „chinesische Sternzeichen“ ist übrigens falsch, da die chinesischen Tierkreiszeichen nichts mit den Sternen zu tun haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Welches Tier im chinesischen Kalender bin ich?</h3>



<p>Wenn ihr wissen wollt, welches Tier ihr im chinesischen Kalender seid, ist das ganz einfach. Ihr müsst nur nachsehen, welches Tier eurem Geburtsjahr entspricht. (Ich bin laut chinesischem Kalender übrigens eine Ratte.)</p>



<p>Aber Achtung: Der chinesische Kalender richtet sich nach den Mondjahren. Solltest du im Januar oder Anfang Februar Geburtstag haben, kann das Tierkreiszeichen eventuell abweichen!</p>



<p><strong>Ratte</strong>: 1948, 1960, 1972, 1984, 1996, 2008, 2020</p>



<p><strong>Büffel/Ochse:</strong> 1949, 1961, 1973, 1985, 1997, 2009, 2021</p>



<p><strong>Tiger:</strong> 1950, 1962, 1974, 1986, 1998, 2010, 2022</p>



<p><strong>Hase:</strong> 1951, 1963, 1975, 1987, 1999, 2011, 2023</p>



<p><strong>Drache:</strong> 1952, 1964, 1976, 1988, 2000, 2012, 2024</p>



<p><strong>Schlange:</strong> 1941, 1953, 1965, 1977, 1989, 2001, 2013</p>



<p><strong>Pferde:</strong> 1942, 1954, 1966, 1978, 1990, 2002, 2014</p>



<p><strong>Ziege/Schaf:</strong> 1943, 1955, 1967, 1979, 1991, 2003, 2015</p>



<p><strong>Affe:</strong> 1944, 1956, 1968, 1980, 1992, 2004, 2016</p>



<p><strong>Hahn:</strong> 1945, 1957, 1969, 1981, 1993, 2005, 2017</p>



<p><strong>Hund:</strong> 1946, 1958, 1970, 1982, 1994, 2006, 2018</p>



<p><strong>Schwein:</strong> 1947, 1959, 1971, 1983, 1995, 2007, 2019</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Der Legende nach hat entweder Buddha oder Ju Di, der Jadekaiser und eine der höchsten Gottheiten im Daoismus, vor vielen Jahrhunderten ein Wettrennen unter den Tieren veranstaltet: Die zwölf Tiere, die es als erste schafften, einen reißenden Fluss zu überqueren, sollten die Tierkreiszeichen des chinesischen Kalenders werden – und zwar in der Reihenfolge, in der sie das Ziel erreichten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ratte, Büffel und Tiger:</h4>



<p>Den ersten Platz belegte die Ratte – jedoch nur, weil sie zusammen mit der Katze auf dem Rücken des Büffels durch den Fluss geritten ist, die Katze auf halbem Weg in die Stromschnellen gestoßen hat und schließlich vom Kopf des Büffels gesprungen ist, um als Erstes das Ufer zu erreichen.</p>



<p>Der Büffel belegte den zweiten Platz, während die Katze von der Strömung fortgetrieben wurde oder sogar ertrunken sein soll. Das ist übrigens auch der Grund, warum Katzen Ratten und Mäuse jagen sollen – sie haben ihnen den Verrat nie verziehen.</p>



<p>Als Nächstes folgte der Tiger, der zwar mehr Probleme mit dem reißenden Fluss hatte als der Büffel, aber dennoch gut vorangekommen war.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hase und Drache:</h4>



<p>Dann folgte der Hase. Er wählte eine andere Taktik und hüpfte von Stein zu Stein über den Fluss. Leider verfehlte er dabei einen Stein, weil der Abstand zu groß war, schaffte es aber dank eines im Fluss treibenden Baumstamms und eines plötzlichen Windes trotzdem an die andere Seite. So belegte der Hase den vierten Platz.</p>



<p>Den fünften Platz belegte der Drache – sehr zur Überraschung der Anwesenden, die alle damit gerechnet hatten, dass der fliegende Drache den ersten Platz belegen würde. Aber der Drache erklärte, dass er ein Dorf (je nach Version) vor einem Feuer, einer Dürre oder einer Flut gerettet habe, ehe er sich Richtung Ziel begeben hatte. Auf dem Weg dorthin habe er außerdem den Hasen auf dem Baumstamm gesehen und ihm mit einem Windstoß ans Ufer geholfen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Schlange und Pferd:</h4>



<p>Kurz nach dem Drachen näherte sich auch das Pferd der Ziellinie. Was es jedoch nicht wusste: Die Schlange hatte sich um sein Bein geschlungen und sprang im letzten Moment hervor. Dabei erschrak das Pferd, weshalb es erst nach der Schlange die Ziellinie überquerte.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Ziege, der Hahn und der Affe:</h4>



<p>Der achte, neunte und zehnte Platz ging an die Ziege, den Hahn und den Affen. Sie hatten sich als Team zusammengeschlossen und ein Floß genutzt, das sie am Ufer gefunden hatten.</p>



<p>Auf der anderen Seite des Flusses ließen sie die Ziege zuerst ins Ziel. Anschließend folgten der Hahn und schließlich der Affe.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der Hund und das Schwein:</h4>



<p>Nach den Dreien stieg der Hund aus dem Fluss. Obwohl er eigentlich ein hervorragender Schwimmer war, belegte er lediglich den vorletzten Platz. Er hatte das Flusswasser so sehr genossen, dass er entschieden hatte, ein ausgiebiges Bad zu nehmen, statt zum Ziel zu schwimmen.</p>



<p>Und auch das Schwein, das den letzten Platz belegte, hatte die Zeit vertrödelt, da es erst etwas gegessen hatte und dann eingeschlafen war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Erzählungen:</h3>



<p>Natürlich gibt es auch bei dieser Legende alternative Erzählungen. Während das Wettrennen durch den Fluss zwar die häufigste Version ist, gibt es z. B. auch Versionen, in denen das Ziel des Rennens das Tor zum Himmel oder der Ort für ein Festessen ist.</p>



<p>Eine andere häufige Abweichung ist der Verrat der Ratte an der Katze. So wird die Katze in anderen Versionen manchmal gar nicht erwähnt oder die Ratte erzählt ihr, dass das Wettrennen erst einen Tag später stattfände, woraufhin die Katze nicht rechtzeitig teilnimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Informationen darüber, an welchem Fluss das Wettrennen stattgefunden haben soll, habe ich leider keine finden können. Ich weiß lediglich, dass er irgendwo in China liegt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p><em>Hinweis: Zu den Angaben in diesem Abschnitt habe ich nur sehr wenige Quellen im deutsch- und englischsprachigen Internet gefunden, weshalb ich sie nur bedingt auf ihre Richtigkeit prüfen konnte.</em></p>



<p>Der genaue Ursprung der chinesischen Tierkreiszeichen ist nicht bekannt, aber es gibt verschiedene Theorien dazu.</p>



<p>Eine von ihnen besagt, dass sie zur selben Zeit wie der Buddhismus, also in den Jahren von 206 v. Chr. bis 220 n. Chr., von Indien nach China rübergewandert sind.</p>



<p>Dagegen sprechen jedoch einige Funde aus der Zeit der Streitenden Reiche (zwischen 475 v. Chr. und 221 v. Chr.), auf denen die Tiere abgebildet sein sollen. Hier wird argumentiert, dass die Tiere wahrscheinlich schon sehr viel länger Teil des chinesischen Kalenders gewesen seien und noch aus einer Zeit stammen, als in China der Jupiter zur Zeitmessung genommen wurde. Dieser umkreist die Sonne etwa alle 12 Jahre.</p>



<p>Eindeutig identifiziert wurden die Tierkreiszeichen jedoch erst auf Funden aus der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 9 n. Chr.). Es lässt sich daher also keine der beiden Theorien eindeutig be- oder widerlegen.</p>



<p>Eine weite Verbreitung erlangten die zwölf Tierkreiszeichen schließlich von der Nördlichen Zhou Dynastie (557 bis 581 n. Chr.) bis zur Tang-Dynastie (618 bis 907 n. Chr.). Auch heute noch werden die zwölf Tiere zum Benennen der verschiedenen Jahre in China und anderen Teilen Asiens genutzt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Legende der chinesischen Tierkreiszeichen? Welches Tier seid ihr laut chinesischem Kalender? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-der-chinesischen-tierkreiszeichen">Die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-der-chinesischen-tierkreiszeichen/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>5</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
