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	<title>Weihnachten Archiv - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Dec 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wieder dieser besorgte, mitleidgeschwängerte Blick. Ich konnte ihn nicht länger ertragen! Ich war nicht senil. Und vor allem war ich nicht verrückt. Was dachten meine Kinder von mir? Dass ich meinen eigenen Weihnachtsbaum anpissen würde!?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi">Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/5d8849c78b424a94bd9c460c5375c037" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Kallikantzaroi sind eine bekannte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">Weihnachtslegende</a> in Griechenland. Es heißt, dass diese koboldartigen Wesen dort jedes Jahr um die Weihnachtszeit Unruhe stiften.</p>



<p>Außerdem hier noch ein kurzer Hinweis: Auf Wunsch eines Patrons habe ich jetzt eine <a href="https://ko-fi.com/geisterlegenden">Ko-fi Seite</a>, auf der ihr mich – wenn ihr möchtet – mit einer einmaligen oder monatlichen Zahlung unterstützen könnt.</p>



<p>Jetzt will ich euch aber nicht weiter warten lassen. Wir sehen uns nach meiner Winterpause wieder und ich wünsche euch bis dahin frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und …</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Krankheit: Demenz</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Als ich nach Hause kam, merkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Ich hörte Geräusche aus dem Wohnzimmer. Das Problem war: Ich wohnte allein.</p>



<p>Kurz überlegte ich, ob ich nicht bei der Wohnung gegenüber klopfen solle, jemandem Bescheid sagen. Aber nein. Was auch immer das war, ich wollte meine Nachbarn damit nicht bei ihrem Weihnachtsfest stören. Also ging ich mit vorsichtigen Schritten zum Wohnzimmer. „Hallo? Wer ist da?“, rief ich.</p>



<p>„Baba?“, antwortete eine Stimme.</p>



<p>Ich atmete erleichtert auf. Das war Ilias. „Ich dachte, du willst erst heute Abend kommen?“, fragte ich, während ich das Wohnzimmer betrat.</p>



<p>Mein Sohn stand in der Mitte des Raumes vor meinem Fernsehsessel und sah nun in meine Richtung. „Was ist hier passiert?“, fragte er, ohne auf meine Frage einzugehen.</p>



<p>Ich sah mich im Raum um. Dort stand der Weihnachtsbaum, über dem Fernseher hing eine goldfarbene Girlande und auf der Fensterbank standen einige zugeschneite Häuschen mit ausgeschalteter Beleuchtung. „Was ist wo passiert?“, fragte ich. Wie so oft konnte ich seinem Gedankengang nicht ganz folgen.</p>



<p>Ilias nickte Richtung Sessel. „Na hier. Wie hast du das geschafft?“, fragte er.</p>



<p>Noch immer irritiert trat ich nun neben ihn. Jetzt sah ich es auch. Die Fußstütze hing schief. Es musste irgendetwas gebrochen sein.</p>



<p>„Keine Ahnung“, sagte ich. Ich runzelte die Stirn. Wann war das passiert? Gestern Abend war mit dem Sessel doch noch alles in Ordnung gewesen, oder?</p>



<p>Ilias wirkte nicht sehr überzeugt. „Wenn du mich fragst, sieht das aus, als wäre etwas oder <em>jemand</em> auf das Fußteil gestürzt, als es ausgeklappt war.“ Sofort musterte er mich, als suche er nach irgendwelchen Verletzungen.</p>



<p>Ich schnaubte. „Das hätte ich ja wohl mitbekommen. Keine Ahnung, wie das passiert ist.“ Toll. Da sah ich meinen Sohn nach fast einem Jahr zum ersten Mal wieder und das erste, was er machte, waren Vorwürfe. Dabei hätte doch vielmehr <em>ich ihm</em> Vorwürfe machen sollen, dass er mich so selten besuchte, obwohl wir in derselben Stadt wohnten.</p>



<p>Ilias sah mich noch eine Weile unzufrieden an. Dann jedoch wurde seine Miene sanfter. Er nahm mich in den Arm. „Hey Baba. Es tut gut, dich wiederzusehen“, log er.</p>



<p>Ich unterdrückte ein Schnaufen. Stattdessen fiel mein Blick auf das Fenster, vor dem auch die kleinen Häuschen standen. Erst jetzt merkte ich, dass es einen Spalt breit offenstand. „Und was ist mit dem Fenster?“, fragte ich, während ich darauf zuging, um es zu schließen. „Willst du uns krank machen oder warum ist es so kalt hier drinnen?“</p>



<p>Ilias verlagerte das Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Er wich meinem Blick aus. „Na ja, es …“, sagte er dann zögerlich. „Es hat nicht gerade angenehm gerochen, als ich reingekommen bin“, erklärte er. Es war ihm sichtlich unangenehm, mich darauf anzusprechen. Dann jedoch sah er mich an, als verlange er eine Erklärung.</p>



<p>Wieder runzelte ich die Stirn. Es hatte gestunken? Aber in meiner Wohnung stank es nicht. Das wäre mir aufgefallen. Oder?</p>



<p>Jetzt seufzte Ilias. „Tut mir leid. Ich wollte dir nicht zu nahetreten. Ich hätte nichts sagen sollen.“ Bevor ich protestieren konnte, wechselte er jedoch das Thema. „Warum ich aber eigentlich so früh hier bin: Ich dachte, wir können vielleicht zusammen das Weihnachtsessen kochen. Ich weiß doch, wie lange du dafür immer in der Küche stehst.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Während des Kochens blieb die Stimmung angespannt. Ilias gab sich wirklich Mühe, das merkte ich. Aber er war einfach kein guter Koch. Es war mir ein Rätsel, wie er sich das Jahr über allein ernähren konnte.</p>



<p>„Wie sieht es eigentlich mit einer Freundin aus?“, fragte ich. „Hast du inzwischen jemanden kennengelernt? Deine Schwester hat jetzt ja auch endlich geheiratet.“</p>



<p>Ilias schüttelte den Kopf. „Nein. Ich komm so weit ganz gut ohne Frau zurecht. Aber irgendwann treff ich schon die Richtige.“</p>



<p>Ich lächelte ihm aufmunternd zu. „Es gibt da ja auch diese Apps …“, schlug ich vor.</p>



<p>Das hingegen schien ihn zu verärgern. „Können wir bitte über was anderes reden?“, fuhr er mich an. „Ich misch mich ja auch nicht in dein Privatleben ein!“</p>



<p>So ähnlich lief auch das restliche Kochen und sogar das gemeinsame Essen ab. Und so verging ein viel zu langer Abend, an dem mein Sohn und ich kaum ein Wort wechselten. Aber das machte mir nicht allzu viel aus. Trotz allem war es schön, mal nicht allein essen zu müssen. Außerdem hatte ich ja noch genug Tage, an denen ich mich vernünftig mit Ilias unterhalten konnte, ehe er am 06. Januar – dem Ende des 12-tägigen Weihnachtsfestes hier in Griechenland – wieder in der Versenkung verschwand. Noch ahnte ich ja nicht, dass unsere mangelhafte Vater-Sohn-Beziehung nicht mein einziges Problem werden würde.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Tag kam Ilias erst kurz vor dem Abendessen. Ich hatte bereits das Hoirino Prasoselino von gestern auf dem Herd stehen, sodass er nur noch meinen kleinen Esstisch decken musste.</p>



<p>Währenddessen nahm ich mir vor, heute nicht wieder irgendwelche ungemütlichen Themen wie Beziehungen, seinen Job oder gar meinen Wunsch, Enkelkinder zu bekommen, anzusprechen.</p>



<p>Und so wechselten wir kaum ein Wort, bis wir gemeinsam vor unseren dampfenden Tellern saßen.</p>



<p>„Guten Appetit“, sagte Ilias fast sofort, ehe er sich schnell einen Löffel der Suppe in den Mund steckte. Ihm schien die Stille mindestens genauso unangenehm zu sein wie mir.</p>



<p>Das änderte sich jedoch in den nächsten Sekunden. Ich sah, wie er fast sofort das Gesicht verzog. Trotzdem kaute er übertrieben langsam und schluckte den Bissen dann in einem viel zu großen Schluck hinunter.</p>



<p>„Was ist?“, fragte ich. Gestern hatte ihm das Essen noch sehr gut geschmeckt.</p>



<p>Die Frage erübrigte sich jedoch, als ich selbst einen Löffel des Schweine-Sellerie-Eintopfes in den Mund nahm. Sofort breitete sich ein widerwärtiges Aroma in meinem Mund aus. Es war ein viel zu bitterer, leicht salziger Geschmack, von dem gestern noch jede Spur gefehlt hatte.</p>



<p>Ich spuckte das Essen zurück auf meinen Teller. „Das ist ja widerlich“, sagte ich, während ich mir den Mund mit meinem Handrücken abwischte.</p>



<p>„Hast du da noch irgendetwas reingetan?“, fragte Ilias.</p>



<p>Ich zögerte.</p>



<p>„Hast du?“, hakte er nach.</p>



<p>„Na ja, ich habe es ein wenig nachgewürzt. Aber wirklich nur mit etwas Salz und getrockneten Kräutern.“ Und ja, ich hatte es nicht abgeschmeckt. Aber selbst, wenn ich mich bei den Gewürzen vergriffen oder mich bei der Menge geirrt hätte, wäre der Eintopf davon doch niemals derartig verdorben worden!</p>



<p>Trotzdem sah mein Sohn mich wieder mit diesem Blick an. Es war derselbe Blick, den er mir auch bei dem Sessel gestern zugeworfen hatte. Als würde er mir nicht glauben. Als wäre ich schuld an der gebrochenen Fußstütze und dem verdorbenen Essen. Dabei war mir beides ein genauso großes Rätsel wie ihm.</p>



<p>Ich kippte den restlichen Eintopf weg. Kurz darauf saßen wir wieder mit knurrenden Mägen am Esszimmertisch.</p>



<p>„Und jetzt?“, fragte Ilias. „Sollen wir gucken, ob wir noch irgendwo etwas bestellen können?“</p>



<p>Aber ich schüttelte den Kopf. „Ich geh schnell rüber zu Frau Georgiou. Meine Nachbarin macht immer zu viel“, erklärte ich.</p>



<p>Es war Ilias unangenehm, das erkannte ich sofort. Aber er kam aus einer Generation, in der man kaum noch mit seinen Nachbarn sprach. Bei uns alten Hasen war das noch anders. Und so saßen wir kurze Zeit später erneut mit zwei Portionen Hoirino Prasoselino am Esstisch. Es war ein leicht anderes Rezept als meines, aber es schmeckte mir ganz ausgezeichnet. Ich fand sogar, dass es trotz allem ein wirklich netter Abend wurde, an dem Ilias und ich uns hauptsächlich über alte Zeiten und Basketball unterhielten.</p>



<p>Trotzdem dachte ich auch in der Nacht, als Ilias bereits wieder gegangen war, noch die ganze Zeit über den verdorbenen Eintopf nach. Wie zur Hölle konnte mir das nur passiert sein?</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auch die folgenden Tage fühlte ich mich, als wäre ich nicht ganz auf der Höhe. Zwar geschah nichts so Verheerendes wie an den beiden ersten Tagen, aber es passierte mehr als einmal, dass ich irgendetwas verlegte. Ich musste nach der Fernbedienung suchen, die mein Sohn eine Viertelstunde später im Kühlschrank wiederfand. Ilias’ Lieblingspralinen, die ich extra für die Weihnachtszeit geholt hatte, waren unauffindbar. Und sogar das Geschenk für ihn war wie vom Erdboden verschluckt. Wenigstens hatte ich bei Letzterem noch bis zum ersten Januar Zeit, es zu finden – denn hier in Griechenland gab es die Weihnachtsgeschenke immer erst am Neujahrstag.</p>



<p>„Baba?“, fragte Ilias mit einer seltsam belegten Stimme, als ich am Abend des 29. gerade in der Küche stand und uns Schnittchen schmierte.</p>



<p>„Was denn?“, fragte ich. Ich lugte aus der Küche, um Ilias über den Obstteller am Fernsehtisch gebeugt zu sehen.</p>



<p>„Wie lange liegen die Äpfel schon hier?“, fragte er.</p>



<p>Ich dachte einen Moment darüber nach. „Ich hab sie kurz vor Weihnachten geholt. Es kann sein, dass sie schon etwas schrumpelig sind, aber wenn du möchtest, kannst du dir gerne einen nehmen.“</p>



<p>Ilias räusperte sich. „<em>Etwas schrumpelig</em> ist gut. Die Teile sind völlig verschimmelt“, er hob einen der Äpfel mit Daumen und Zeigefinger am Stiel hoch, um ihn mir zu zeigen. Er hatte recht. Der Apfel war braun. Auf ihm hatten sich unzählige weiße Schimmelflecken gebildet.</p>



<p>Ich legte die halbgeschmierte Brotscheibe, die ich in der Hand hielt, beiseite, um zu ihm ins Wohnzimmer zu gehen. „Das ist seltsam“, dachte ich laut. „Wie können die Äpfel so schnell verfault sein?“</p>



<p>Ilias schnupperte leicht daran. Sofort zog er den Kopf zurück. Sein Gesicht war vor ekel verzogen. „Bist du sicher, dass die erst so kurz hier liegen? Ich glaube, es sind die Äpfel, die seit ein paar Tagen so stinken.“</p>



<p>Mit gerunzelter Stirn schnupperte auch ich daran. Ich war nicht zimperlich, also nahm ich einen vollen Zug durch die Nase. Sofort musste ich würgen. Es roch aber nicht nach verfaultem Obst. Es lag keinerlei Süße in dem Gestank. Der Apfel roch vielmehr nach … ja, nach nassem Fell oder etwas Ähnlichem. Sofort kam mir eine Sache in den Kopf, die den Geruch und sogar die seltsamen Vorkommnisse erklären könnte: die Kallikantzaroi.</p>



<p>Ich sprach den Gedanken nicht laut aus. So wie mein Sohn mich gerade ansah, würde er mich wahrscheinlich sofort einweisen lassen, wenn ich meinte, dass die mysteriösen Ereignisse der letzten Tage von koboldartigen Wesen aus der Unterwelt verursacht wurden.</p>



<p>Mein Sohn war noch nie ein gläubiger Mensch gewesen. Verdammt. Ich selbst war alles andere als ein gottesfürchtiger Christ. Also schob ich den Gedanken wieder beiseite. Er wollte mich aber nicht mehr loslassen. Während Ilias die Äpfel entsorgte, während ich die Schnittchen fertigschmierte und sogar als wir sie bei einem Basketballspiel vor dem Fernsehen aßen, schweiften meine Gedanken immer wieder zu den Wesen ab.</p>



<p>Aber wahrscheinlich muss ich mit meiner Erklärung etwas weiter ausholen. Ich bezweifle fast, dass ihr diese Märchengestalten kennt.</p>



<p>Die Kallikantzaroi sind eine beliebte Weihnachtslegende hier in Griechenland. Vor langer Zeit waren sie wohl mal gefürchtet, aber inzwischen kannten die meisten Leute sie nur noch aus den Weihnachtsschauspielstücken in Schulen und von einigen Traditionen um die Weihnachtszeit. Ich selbst kannte sie ansonsten auch nur von den Gruselgeschichten meiner Großmutter.</p>



<p>Der Legende nach lebten diese koboldartigen Wesen das meiste Jahr über in der Unterwelt, wo sie den Lebensbaum zerstören. Aber meine Großmutter meinte immer, sie seien die Diener des Teufels und würden ihm all seine schrecklichen Wünsche erfüllen. Das heißt, bis auf in der kurzen Zeit, in der sie die Unterwelt verließen – die zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 5. Januar, an denen wir in Griechenland Weihnachten feiern.</p>



<p>In dieser Zeit kommen sie in die Städte und Dörfer, wo sie die Menschen terrorisieren und ihnen Streiche spielen. Es heißt, dass sie Gegenstände zerstören, stehlen und verstecken, dass sie Obst und Milch schlecht werden lassen, dass sie in Essen urinieren und noch allen möglichen anderen Schabernack treiben. Kommt euch das bekannt vor? Ich zumindest fand es einen zu großen Zufall, um es zu ignorieren.</p>



<p>Aber zum Glück hatte meine Oma mir nicht bloß von den Wesen erzählt, sie hatte mir auch erklärt, wie man sie loswerden und vom eigenen Haus beziehungsweise der eigenen Wohnung ablenken konnte.</p>



<p>Die wohl einfachste Methode war, ein Sieb vor die Haustür zu legen. Das brachte Kallikantzaroi dazu, die Löcher darin zu zählen. Allerdings waren die Wesen nicht sonderlich schlau. Meine Großmutter hatte gesagt, dass sie nicht einmal bis drei zählen können und sich so immer wieder verzählen, weshalb sie wieder bei eins anfangen mussten, bis die Nacht zu Ende war. Als ich klein war, hatte ich darüber gelacht.</p>



<p>Jetzt, da ich ein erwachsener Mann war, selbst in dem Alter, dass ich bald Enkelkinder erwarten konnte, fand ich es nicht mehr so lustig. Stattdessen stand ich auf und ging in die Küche.</p>



<p>Ilias sah mir nach. Aber da man von der Küche aus in den Flur gehen konnte, von wo aus man ins Bad kam, fragte er nicht, wo ich hinwollte. Ich ging aber nicht auf die Toilette. Nein. Ich holte mein Küchensieb aus dem Schrank, ging damit zur Wohnungstür und legte es nach draußen auf die Fußmatte. Anschließend ging ich zurück zu meinem Sohn, um mit ihm gemeinsam das Basketballspiel weiterzusehen – diesmal trotz all der Vorkommnisse mit einem guten Gefühl im Bauch.</p>



<p>Und was soll ich sagen? Es hätte perfekt sein können. Wahrscheinlich hätte es sogar funktioniert, hätte ich nicht eine Kleinigkeit vergessen.</p>



<p>„Wir sehen uns morgen, Baba“, verabschiedete sich Ilias von mir. „Wieder um die gleiche Zeit?“</p>



<p>Ich nickte. „Gern. Bring ruhig Kuchen mit. Ich geb dir das Geld dafür, wenn du hier bist“, schlug ich vor.</p>



<p>„Mach ich.“ Ilias lächelte mich an. Es war ein ehrliches Lächeln. Als hätte er die verfaulten Äpfel und all die anderen Dinge, wegen denen er sich um mich sorgte, für einen Moment vergessen. „Also dann“, sagte er, während er vor die Tür trat.</p>



<p>Im nächsten Moment folgte ein lautes Scheppern. Ilias konnte sich gerade noch fangen. Fast wäre er gestürzt. Dann bückte er sich nach einem metallenen Gegenstand, der am Boden lag. Er musterte ihn für einen Augenblick.</p>



<p>„Ist das nicht dein Küchensieb?“, fragte er mit tiefen Falten in der Stirn. „Wie ist das in den Flur gekommen? Und jetzt sag mir bitte nicht, dass du es nicht weißt.“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. Peinlich berührt sah ich zu Boden. „Nein. Ich weiß es. Ich hab es selbst dort hingelegt. Es ist eine Art … Vorsichtsmaßnahme“, erklärte ich.</p>



<p>„Eine Vorsichtsmaßnahme?“, wiederholte er. Die Falten in seiner Stirn machten inzwischen der Vikos-Schlucht Konkurrenz.</p>



<p>Kurz überlegte ich, ihn abzuwimmeln und es ihm morgen zu erklären, dann jedoch hielt ich meine Tür auf, um ihn wieder reinzulassen. Das Gespräch würde länger dauern. „Du kennst doch die Kallikantzaroi, oder?“, begann ich.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ilias hatte mir geduldig zugehört, während ich ihm von meiner Theorie erzählt hatte. Er hatte dabei ganz ruhig dagesessen. Zu ruhig, wie ich fand.</p>



<p>„Du denkst also, dass das Sieb dafür sorgt, dass du nichts mehr verlegst? Dass das Essen in deiner Wohnung genießbar bleibt?“, fragte er leise. „Hast du dabei auch nur einmal darüber nachgedacht, was passiert, wenn einer deiner Nachbarn über das Sieb stolpert? So wie ich eben?“ Aber seine Tonlage klang nicht, als würde er sich um meine Nachbarn sorgen. Es klang eher nach: „Es reicht, wenn deine Kinder dich für senil halten. Das müssen nicht auch noch deine Nachbarn tun.“</p>



<p>Ich seufzte schwer. „Ich sage ja nur, dass das Sieb die Probleme lösen könnte. Was ist, wenn es tatsächlich klappt? Wir können das Sieb weiter an den Rand legen, wenn es dich beruhigt.“</p>



<p>„Du willst es nicht wahrhaben, oder?“, fragte Ilias. Seine Stimme klang wieder so seltsam belegt. Und als er mich ansah, hatte ich eher das Gefühl, als sähe er direkt durch mich hindurch. „Du willst nicht wahrhaben, dass du nicht mehr der Jüngste bist. Unsere Familie hat eine Veranlagung für Demenz. Zumindest hat Mama das immer gesagt.“</p>



<p>„Nein!“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Das ist es nicht! Anderes Beispiel: Ich bewahre Geschenke immer an derselben Stelle in meinem Kleiderschrank auf. Schon seit Jahren. Aber als ich neulich ein Hemd aus dem Schrank geholt habe, war dein Geschenk weg. Einfach verschwunden!“</p>



<p>Eine Pause entstand. „Du hast mein Weihnachtsgeschenk verlegt?“, fragte Ilias. Seine Stimme klang aber nicht vorwurfsvoll, sondern vielmehr besorgt.</p>



<p>„Du hörst mir nicht richtig zu!“, protestierte ich. „Das war nicht ich, sondern die Kallikantzaroi! Sie haben das Geschenk geklaut. Sie haben auch die Fernbedienung versteckt, meinen Sessel zerstört, unser Weihnachtsessen verdorben und die Äpfel verschimmeln lassen!“</p>



<p>Jetzt schloss Ilias die Augen. Es sah aus, als wenn es ihn große Anstrengung kostete, ruhig zu bleiben. „Okay. Keine Demenz. Wie du willst. Aber selbst dann gibt es noch so viele Dinge, die wahrscheinlicher sind als irgendwelche mythologischen Kobolde! Kann es vielleicht sein, dass du schlafwandelst?“</p>



<p>So ging das noch eine ganze Weile weiter. Es war ein langes Hin und Her, bei dem wir uns kaum einen Millimeter von unserer eigenen Meinung wegbewegten. Ich erspare euch an dieser Stelle die Details. Am Ende einigten wir uns jedenfalls darauf, dass Ilias bei mir übernachten sollte. Er pumpte eine Luftmatratze auf, um bei mir im Schlafzimmer zu schlafen. Nur für den Fall, dass diese Nacht „wieder etwas passiert“.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auch wenn ich es am Anfang albern fand, war ich Ilias im Nachhinein dankbar. Nicht, weil er mir Gesellschaft leistete oder nur das Beste für mich wollte, sondern weil sein Schnarchen mich wachhielt.</p>



<p>Ansonsten hätte ich die Geräusche wohl gar nicht mitbekommen, die gegen 23 Uhr aus meinem Wohnzimmer ertönten.</p>



<p>Obwohl ich eben noch mit aller Kraft versucht hatte, endlich einzuschlafen, lag ich jetzt mit weit aufgerissenen Augen im Bett.</p>



<p><em>Tapp, tapp, tapp, tapp, tapp.</em> Kein Zweifel. Das waren eindeutig leise Schritte!</p>



<p>Schnell schwang ich die Beine aus dem Bett. Ich schlüpfte in meine Hausschuhe und richtete mich auf. Die Geräusche waren verstummt. Ich durfte keine Zeit verlieren!</p>



<p>Also stürmte ich aus dem Zimmer. Meine Hausschuhe schlappten an meinen Füßen. Als ich das Wohnzimmer erreicht hatte, schaltete ich sofort das Licht an. Hektisch sah ich mich um. Von irgendeinem seltsamen Wesen war nichts zu sehen. Dafür lag ein unverkennbarer Geruch in der Luft. Es war derselbe Gestank, der auch die verfaulten Äpfel umgeben hatte.</p>



<p>„Komm schon!“, rief ich. „Zeig dich, du Mistvieh!“</p>



<p>Keine Reaktion. Natürlich nicht. Dafür fiel mein Blick auf eine gelbliche Pfütze unter dem Weihnachtsbaum. Ich konnte die Pisse bereits riechen, als ich darauf zuging. Das war der Beweis!</p>



<p>„Ilias!“, rief ich. „Ilias, wach auf! Das musst du dir ansehen!“</p>



<p>Kurz darauf kam ein völlig verschlafener Ilias in T-Shirt und Unterhose aus dem Schlafzimmer getorkelt. „Was? Was ist denn?“, nuschelte er. Er rieb sich mit den Händen über die Augen.</p>



<p>„Sieh dir das an!“, schrie ich vor Begeisterung. „Sie haben mir in die Wohnung gepisst. Die Kallikantzaroi haben den Weihnachtsbaum angepisst!“ Vielleicht klang ich etwas zu begeistert dafür, dass ich gerade eine Urinpfütze in meinem Wohnzimmer gefunden hatte.</p>



<p>Ilias hatte mich unterdessen erreicht. Ihm entglitten sämtliche Gesichtszüge, während er zwischen der Pfütze und mir hin und her sah. Danach griff er sich mit Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel. Er schloss die Augen, während er sie massierte.</p>



<p>„Hör mal, Baba“, sagte er leise. „Ich weiß, das ist vielleicht nicht die beste Zeit, um das anzusprechen, aber Anastasia und ich haben neulich telefoniert. Ich hab ihr von deinen … Problemen erzählt. Wir wissen, dass es seit Mamas Tod nicht einfach für dich ist. Vielleicht bist du ja auch einfach überfordert. Aber wir denken, dass du vielleicht nicht mehr allein wohnen solltest. Es gibt da eine sehr schöne Einrichtung ganz in der Nähe, die …“</p>



<p>Weiter kam er nicht. „Ihr wollt mich in ein Heim abschieben?“, fuhr ich ihn an. „Wo ist deine Schwester denn, wenn ich es doch allein nicht hinbekomme? Wo ist sie? Sie lässt sich nicht einmal zu Weihnachten mehr bei mir blicken!“</p>



<p>Ilias ging sofort in Abwehrhaltung. Er hob beschwichtigend die Arme. „So ist das doch gar nicht! Sie ist bei ihren Schwiegereltern. Das weißt du. Außerdem ist es kein Heim, sondern lediglich betreutes Wohnen“, versuchte er, sich herauszureden.</p>



<p>Aber ich wollte davon nichts hören. Ich war bereits auf den Weg ins Schlafzimmer, wo ich nach meiner Hose griff.</p>



<p>Ilias war mir dicht auf den Fersen. „Wohin willst du?“, fragte er.</p>



<p>„Ich geh zur Kirche“, fuhr ich ihn an. „Vielleicht erwische ich ja noch einen Hausmeister oder so, der mich reinlassen kann. Wenn ich in der Wohnung Weihwasser verteile, hat es sich mit den Kallikantzaroi erledigt!“</p>



<p>Wieder dieser besorgte, mitleidgeschwängerte Blick. Ich konnte ihn nicht länger ertragen! Ich war nicht senil. Und vor allem war ich nicht verrückt. Was dachten meine Kinder von mir? Dass ich meinen eigenen Weihnachtsbaum anpissen würde!?</p>



<p>„Warte, Baba“, sagte Ilias.</p>



<p>„Nein! Ich lass mich nicht länger bevormunden!“, fuhr ich ihn an.</p>



<p>Ilias’ Blick wirkte seltsam leer. „So meinte ich das nicht“, sagte er ruhig. „Lass mich zur Kirche gehen. Ich hol dir dein Weihwasser. Aber wenn es danach nicht aufhört, setzen wir uns zusammen hin und reden über das betreute Wohnen, okay?“</p>



<p>Meine Augen verengten sich zu Schlitzen. Dann aber nickte ich. Ich wusste, dass das Weihwasser helfen würde. Und wenn nicht … Wenn nicht, lag es ja vielleicht wirklich an mir. „Abgemacht“, sagte ich.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Wenige Minuten später kniete ich mit Küchenpapier, Lappen und Eimer im Wohnzimmer und war dabei, die stinkende Pfütze aufzuwischen, während Ilias sich auf den Weg zur Kirche gemacht hatte.</p>



<p>Aus der Nähe war der Gestank so intensiv, dass ich durch den Mund atmen musste. Nur einmal machte ich den Fehler, kurz durch die Nase Luft zu holen. Mein Körper dankte es mir sofort mit einem Würgen.</p>



<p>Dann jedoch bemerkte ich eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Ich starrte durch die offene Tür zum Flur, der hell erleuchtet dalag. Dort sah ich nichts Ungewöhnliches. Hatte ich es mir bloß eingebildet?</p>



<p>Nein! Da war es wieder! Es war aber nicht im Flur, sondern es war die Tür selbst. Sie hatte sich minimal bewegt. Jetzt konnte ich auch die dunkle Gestalt dahinter erkennen, die dicht an die Wand gedrängt dastand. Sie war nicht größer als ein Kind.</p>



<p>„Da bist du ja“, murmelte ich, während ich aufstand. Dabei ließ ich den Blick nicht von dem Schatten weichen.</p>



<p>Das versetzte den Kallikantzaros – wie sie in der Einzahl heißen – in Alarmbereitschaft. Ich erhaschte einen Blick auf ihn, während er aus seinem Versteck flitzte. Es war eine kleine graue Gestalt. Er hatte keine Haare am Oberkörper oder auf dem Kopf mit den langen spitzen Ohren. Dafür waren seine Beine umso haariger. Sie waren von braunem Fell überzogen und endeten in zwei dunkelgraue Paarhufe wie bei einer Ziege.</p>



<p>Im nächsten Moment war er auch schon im Flur verschwunden. Ich nahm sofort die Verfolgung auf. Aber mein Körper war wirklich nicht mehr der Jüngste. Als ich den Flur erreichte, fehlte von dem Kallikantzaros jede Spur. Hektisch sah ich mich um. Wo war er hin? Jetzt fiel mir etwas anderes auf: der Gestank. Ich musste nur meiner Nase folgen!</p>



<p>Also lief ich schnuppernd weiter. Zuerst schnupperte ich an der Haustür. Aber nein, hier wurde der Gestank schwächer. Dann in der Küche und im Badezimmer. Auch nichts. Also blieb nur noch das Schlafzimmer!</p>



<p>Aber ich musste nicht einmal Luft holen, um zu merken, dass ich richtig war. Der Kallikantzaros stand mitten im Raum, sah unentschlossen nach links und rechts, als suche er nach einem passenden Versteck.</p>



<p>„Hab ich dich!“, schrie ich. Ich stürmte mit ausgestreckten Händen auf ihn zu, um ihn zu packen.</p>



<p>Der Kallikantzaros versuchte jedoch nicht einmal, auszuweichen. Stattdessen drehte er sich zu mir um. Er ergriff meine Hände, als wolle er mit mir ringen. Dann aber streckte er bloß den einen Arm zur Seite aus, während er mich mit dem anderen an sich zog.</p>



<p>Für einen Moment standen wir nun völlig reglos da. Der Gestank der Kreatur ließ Tränen in mir aufsteigen, während er mich mit gelben Zähnen angrinste. Es musste in etwa so aussehen, als wolle die Kreatur mit mir einen Walzer tanzen.</p>



<p>Plötzlich weiteten sich meine Augen, während mir ein Gedanke in meinen Kopf schoss. Es war eine Erinnerung. Oma hatte mir doch mal erzählt, dass Kallikantzaroi gerne tanzen. Sie suchten Menschen, die zu Weihnachten allein waren und verwickelten sie in einen nahezu endlosen Tanz. Sie hörten erst damit auf, wenn der Mensch vor Erschöpfung zusammenbrach oder sie ihn in den Wahnsinn getrieben hatten.</p>



<p>Sofort versuchte ich, mich von dem Ding zu lösen, meine Hände zurückzuziehen. Aber es war zu spät. Der Kallikantzaros hatte bereits angefangen, nach einer stummen Melodie zu tanzen. Und mein Körper machte einfach mit. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle.</p>



<p>Erst waren es noch langsame Schritte, dann wurde der Tanz hektischer. Schneller und schneller drehten wir uns im Takt umeinander durch mein Schlafzimmer. Es dauerte nicht lange, bis mein gesamter Körper schmerzte. Ich war völlig außer Atem. Mein viel zu schnell pochendes Herz donnerte mir in den Ohren. Solch schnelle Bewegungen war ich nicht mehr gewohnt.</p>



<p>Was sollte ich nur tun? Mein Körper gehorchte mir nicht mehr. Ich konnte bloß mitansehen, wie sich mein Schlafzimmer, der Kleiderschrank, das ungemachte Bett, Ilias’ Luftmatratze um mich drehten.</p>



<p>Dann jedoch hörte ich einen Schlüssel in der Haustür. „Ich bin wieder da!“, sagte Ilias gerade so laut, dass ich es verstehen konnte. „Ich hab dein Weihwasser bekommen.“</p>



<p>Schritte.</p>



<p>„Baba? Baba, wo bist du?“, fragte Ilias.</p>



<p>Ich wollte nach ihm schreien, auf mich aufmerksam machen, ihn um Hilfe bitten. Aber auch meine Stimme wollte mir nicht mehr gehorchen.</p>



<p>Zum Glück hörte ich bereits weitere Schritte aus dem Flur. „Baba?“, rief Ilias wieder. Im nächsten Moment stand er in der Schlafzimmertür. „Baba, was tust du denn!?“ Entsetzen lag in seiner Stimme. Dann musste er die kleine Kreatur in meinen Armen bemerkt haben. „Was zur Hölle …?“</p>



<p>Aber der Kallikantzaros ließ sich von Ilias nicht beunruhigen. Er grinste mich bloß weiter mit an, während er mit mir tanzte.</p>



<p>Mir war inzwischen völlig schwindelig. Ob es an der ständigen Drehung oder meiner Erschöpfung lag, wusste ich nicht. Dafür wusste ich etwas anderes: Lange würde ich das nicht mehr durchhalten!</p>



<p>In den flüchtigen Momenten, in denen ich Ilias sah, merkte ich jetzt, wie er auf uns zukam. Erst versuchte er, die Kreatur zu packen, doch ihr flinker Körper rutschte ihm immer wieder aus den Händen.</p>



<p>Also versuchte Ilias sein Glück bei mir. „Baba. Hör auf!“, flehte er. Ich spürte, wie er mich packte. Kräftige Hände griffen nach meinen Armen. Er rutschte ab und kratzte mir mit einem Fingernagel eine Schramme in die Haut. Dann griff er nach meinem T-Shirt. Ich fühlte, wie er von unserem Tanz mitgerissen wurde. Aber bevor er stürzen konnte, gab der Stoff mit einem ratschenden Geräusch nach.</p>



<p>„Scheiße!“, fluchte Ilias.</p>



<p>Der Kallikantzaros antwortete mit einem dreckigen Lachen.</p>



<p>Aber Ilias gab nicht auf. Ich hörte das Knacken von Plastik. Es klang so, als drehe er hektisch den Deckel von einer Plastikflasche. Im nächsten Moment spürte ich einen Schwall kaltes Wasser, dass mich an der Seite traf und … ich war frei.</p>



<p>Der Boden kam mir entgegen, sodass ich mich auf meinen Knien und Armen auffangen musste. Noch immer drehte sich alles.</p>



<p>Trotzdem zwang ich mich, nach Ilias und dem Kallikantzaros zu sehen. Ilias stand über mir. Er hielt eine halbvolle Flasche in der Hand – das Weihwasser, wie ich vermutete. Der Kallikantzaros hingegen wand und krümmte sich am Boden. Er schrie. Das Weihwasser schien ihm Schmerzen zuzufügen.</p>



<p>Ilias machte einen Schritt auf ihn zu, die Flasche zum Schwung ausgeholt. Da rappelte die Kreatur sich plötzlich auf. Sie schrie ein letztes Mal, stolperte, fing sich dann wieder und rannte Richtung Flur. Ich konnte gerade noch sehen, wie sie sich unter dem viel zu engen Türspalt der Wohnungstür hindurchquetschte und im Flur verschwand. Normalerweise hätte er nicht ansatzweise darunter hindurchpassen dürfen. Aber wer weiß, welchen Gesetzen der Physik diese Wesen mit ihrer Magie folgten.</p>



<p>„Baba?“, wandte sich Ilias an mich. Er streckte mir eine Hand entgegen. „Tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe.“</p>



<p>Ich ließ mir von ihm auf die Beine helfen. Der Raum hatte inzwischen aufgehört, sich zu drehen.</p>



<p>„Komm“, sagte er. „Lass uns diese Wohnung ein für alle Mal vor diesen Dingern schützen.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Die Kallikantzaroi (griechisch Καλικάντζαρος), oder Kallikantzaros (Καλικάντζαρος) in der Einzahl, sind koboldartige Wesen des griechischen Volksglaubens. Sie kommen in der Zeit zwischen Weihnachten und dem 06. Januar in die Städte und Dörfer, um dort Unruhe zu stiften und Chaos zu verbreiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Kallikantzaroi sind kleine, haarige und hässliche humanoide <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>. Außerdem sollen sie allesamt stinken und es soll bei ihnen nicht selten zu körperlichen Verformungen kommen.</p>



<p>Auch werden ihnen oft tierische Eigenschaften wie spitze Ohren oder Ziegenbeine zugeschrieben.</p>



<p>Darüber hinaus sollen sie ausschließlich männlich sein.</p>



<p>Ob jeder Mensch die Kallikantzaroi sehen kann, ist jedoch umstritten. So habe ich in verschiedenen Quellen gelesen, dass entweder jeder sie sehen kann, oder dass nur Menschen, die an einem Samstag oder aber in der Zeit vom 25. Dezember bis 06. Januar geboren wurden, sie sehen und sogar mit ihnen sprechen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die Kallikantzaroi kommen nur in den Dodekaimero (δωδεκαήμερο, griechisch für „zwölf Tage“) zum Vorschein. Das sind die zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 06. Januar, die in anderen Teilen Europas auch als Rauhnächte bekannt sind.</p>



<p>Außerdem heißt es, dass die Kallikantzaroi nachtaktiv sind, da sie das Sonnenlicht scheuen.</p>



<p>Wenn die Wesen herauskommen, muss man sich jedoch auf einiges gefasst machen. Es heißt, dass sie dann versuchen, in die Häuser und Wohnungen der Menschen einzudringen, um Chaos zu stiften. Einige von ihnen gehen dabei vergleichsweise harmlos vor, während andere die Menschen angreifen und sogar töten können. Besonders in der modernen Zeit sollen die Kallikantzaroi aber sehr viel ungefährlicher geworden sein und den Menschen hauptsächlich Streiche spielen.</p>



<p>Typische Streiche sind z. B., dass sie Möbel zerstören, Eigentum stehlen oder verstecken, Obst verschimmeln oder Milch schlecht werden lassen, auf Zimmerpflanzen oder ins Essen urinieren und Speisen und Getränke im Haus verzehren.</p>



<p>Wenn sie hingegen einen Menschen finden, der allein unterwegs ist, zwingen sie ihn manchmal, pausenlos mit ihnen zu tanzen – und zwar so lange, bis er ohnmächtig wird oder den Verstand verliert.</p>



<p>Die restliche Zeit des Jahres, wenn die Kallikantzaroi nicht die Menschenwelt unsicher machen, sollen sie in der Unterwelt leben. Daher sagen einige Leute auch, dass sie <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Diener des Teufels</a> seien.</p>



<p>Wenn sie in der Unterwelt sind, so heißt es, sollen sie dort versuchen, den Baum des Lebens zu zerstören, der unsere Welt im Gleichgewicht hält, indem sie an seinem Stamm sägen. Wenn sie jedoch am 06. Januar dorthin zurückkehren, müssen sie feststellen, dass sich der Baum vollständig regeneriert hat, und sie müssen ihre Arbeit von vorne beginnen.</p>



<p>Dieses Ereignis wiederholt sich der Legende nach jedes Jahr.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wie kann man sich vor den Kallikantzaroi schützen?</h4>



<p>Zum Glück gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie man sich vor den Kallikantzaroi schützen kann. So fürchten sie religiöse Symbole, Weihwasser und Feuer. Man kann also Weihwasser im Haus verteilen, Kreuze an Fenster und/oder Türen hängen, Gebete aufsagen oder ein Feuer anzünden, um die Wesen vom Haus fernzuhalten.</p>



<p>Auch gibt es eine alte Tradition namens Chistoxylo (Χριστόξυλο, griechisch für „Christholz“), bei der ein großes Stück Holz im Kamin angezündet wird, das die ganzen zwölf Tage des Dodekaimero am Brennen gehalten wird.</p>



<p>Außerdem gibt es diverse andere Methoden, wie man die Kallikantzaroi davon abhalten kann, in das Haus einzudringen. So kann man Essen (meist wird Fleisch oder Brot verwendet) oder Süßigkeiten vor die Tür legen, um sie zu besänftigen. Besonders beliebt sollen dabei Loukoumades sein, ein griechisches Gebäck aus frittiertem Teig mit Honig.</p>



<p>Oder man lenkt sie ab, indem man ein Sieb vor die Tür legt. Angeblich versuchen sie dann, die Löcher darin zu zählen. Da sie jedoch nicht bis drei zählen können – entweder, weil sie nicht intelligent genug sind oder weil drei eine heilige Zahl ist, die sie nicht aussprechen können – sitzen sie die ganze Nacht daran.</p>



<p>Andere Leute spannen Fäden im Garten, da die Wesen dann versuchen sollen, daraus etwas zu stricken, wodurch sie abgelenkt sind.</p>



<p>Wie ihr seht, gibt es also vielzählige Methoden, sich gegen die Monster zu schützen. Weitere, die ich im Netz gelesen habe, sind: ein altes Paar Schuhe zu verbrennen, den Unterkieferknochen eines Schweins über die Tür zu hängen, Knoblauch im Haus zu verteilen oder einige Oberflächen mit Salz zu bedecken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt Leben die Kallikantzaroi die meiste Zeit des Jahres in der Unterwelt. Wenn sie zwischen Weihnachten und dem 06. Januar in unsere Welt kommen, sollen sie sich hingegen hauptsächlich in Städten und Dörfern aufhalten und sich nachts in dunklen Höhlen und Löchern verstecken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Es gibt verschiedene Theorien, wie der Glaube an die Kallikantzaroi entstanden sein könnte. Die verbreitetsten sind wohl, dass es sich bei ihnen um eine Verchristlichung von heidnischen Kreaturen handelt, oder aber, dass es Zusammenhänge mit der altgriechischen Mythologie, besonders den Satyrn, geben soll.</p>



<p>Besonders verbreitet (und gefürchtet) soll der Glauben an die Kallikantzaroi übrigens im Mittelalter gewesen sein. Seitdem hat er sich in den Bräuchen vieler griechischer Gemeinden gefestigt. Heutzutage lässt er sich besonders in den ländlichen Regionen finden.</p>



<p>Offiziell ist der Glaube von der Kirche natürlich nicht anerkannt, aber es gibt auch im kirchlichen Kontext viele Zeremonien, die damit verbunden sind. So wird an vielen Orten Griechenlands am 6. Januar das Meer, ein See oder ein Fluss von einem Geistlichen gesegnet, um die Wesen zu vertreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kallikantzaroi in der Popkultur:</h3>



<p>Da die Kallikantzaroi in Griechenland auch heute noch sehr bekannt sind, ist es nicht verwunderlich, dass sie sich auch in der modernen Popkultur finden lassen.</p>



<p>So spielen sie z. B. eine zentrale Rolle in der amerikanischen Paranormal-Krimiserie Grimm Staffel 4 Folge 7 „Die Geister der Weihnacht“.</p>



<p>Und auch in der Horror-Kurzgeschichte „Der Flüsterer im Dunkeln“ (1931) von H. P. Lovecraft werden die Kreaturen zumindest kurz beim Namen genannt.</p>



<p>Ansonsten findet man sie hauptsächlich in griechischen Weihnachtsliedern und Schulaufführungen zur Weihnachtszeit.</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Kallikantzaroi? Wie hat euch meine Geschichte gefallen? Ab welcher Situation hättet ihr die Wesen verdächtigt, statt weiter nach einer logischen Erklärung zu suchen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Phantom Trapper of Labrador – Die Legende von Old Smoker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend. Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/4b74196a71c244f18cab9546f875800a" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>The Phantom Trapper of Labrador ist eine bekannte kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geistergeschichte</a>. Da der Phantom Trapper nur auftauchen soll, wenn es schneit, habe ich mich entschieden, damit die diesjährigen Winter-/<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">Weihnachtsgeschichten</a> einzuleiten. Aber keine Sorge: Der nächste Beitrag handelt von einer tatsächlichen Weihnachtslegende.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Dein Ernst, Olivia?“, fragte mein Bruder. Er sah mich entgeistert an. „Du hast noch nie von The Phantom Trapper of Labrador gehört?“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. „Wieso? Muss ich den etwa kennen?“, fragte ich kleinlaut.</p>



<p>„Ja!“, platzte mein Bruder hervor. „Du kannst nicht in Labrador leben, ohne je von Ol&#8216; Smoker gehört zu haben. Er ist hier fast so berühmt wie der Weihnachtsmann!“</p>



<p>Ich rutschte nervös auf der Bettkante hin und her. Ich hasste Geistergeschichten, doch in dem Moment kam mir die Aussage von meinem Bruder schlüssig vor.</p>



<p>Da ich nicht widersprach, setzte mein Bruder ein Grinsen auf. „Ol&#8216; Smoker, oder Esau Gillingham, wie er eigentlich hieß, war einst ein berüchtigter Verbrecher. Er war ein Trunkenbold, schlug Frauen und auch Kinder, wie dich. Aber er war auch ein begabter Fallensteller und Fellhändler.</p>



<p>Immer, wenn er auf seinem Hundeschlitten in die Städte und Dörfer kam, wandten die Polizisten ihre Blicke ab. Sie taten so, als würden sie ihn nicht erkennen, weil er die feinsten und schönsten Felle mitbrachte.</p>



<p>Erst, wenn er all seine Felle verkauft hatte, begann er, das verdiente Geld in der nächsten Taverne zu versaufen und in seinem betrunkenen Zustand Frauen zu belästigen. Dann vertrieb man ihn mitsamt seinem Hundeschlitten wieder aus der Gemeinde, bis er irgendwann mit seinen schönen Fellen zurückkam.</p>



<p>So ging das die ganze Zeit. Einige Leute sagen auch, er braute nebenbei seinen eigenen Alkohol. Ein billiges Gesöff namens Smoke, das er an die Leute verkaufte. Daher soll auch sein Spitzname Ol&#8216; Smoker kommen.</p>



<p>Der Alkohol war allerdings so schlecht hergestellt, dass er die Menschen vergiften konnte. Einige sollen sogar blind geworden sein. Der Fallensteller war also ein richtiges Ekel. Er kümmerte sich nur um sich selbst. Die anderen waren ihm völlig egal.</p>



<p>Doch während die Leute bei seinen bisherigen Verbrechen beide Augen zudrückten, um nicht auf seine edlen Felle verzichten zu müssen, ging er mit seinem Alkohol zu weit. Sie mochten es nicht, dass er ihre Nachbarn vergiftete. Und so folgten sie ihm eines Tages zu seiner Destille im Wald, wo er seinen Smoke braute. Sie zerstörten sie und nahmen Ol&#8216; Smoker gefangen. Er landete ein ganzes Jahr im Gefängnis.</p>



<p>Aber selbst im Kittchen blieb Ol&#8216; Smoker nicht untätig. Er schmiedete einen neuen Plan, machte sich Gedanken über seine Zukunft. Und so wusste er genau, was er zu tun hatte, als er wieder auf freiem Fuß war.</p>



<p>Zuerst besorgte er sich weiße Huskys. Acht treue Hunde mit schneeweißem Fell. Keine Ahnung, ob er sie gestohlen, mit seinem angesparten Geld gekauft oder sie erbettelt hat. Danach baute er seine Destille wieder auf. Wieder begann er, seinen giftigen Smoke herzustellen, um ihn unter die Leute zu bringen. Diesmal malte er die Destille jedoch weiß an, damit sie im Schnee nahezu unsichtbar war – zumindest während sie nicht in Betrieb war.</p>



<p>Dasselbe tat er mit seinem Schlitten. Und sogar seine Felle, aus denen seine Kleidung bestand, tauschte er Stück für Stück gegen weiße Felle aus.</p>



<p>Wenn er jetzt auf seinem Schlitten durch den Schnee raste, war er fast perfekt getarnt. Wann immer man versuchte, ihn zu verfolgen, verloren die Leute ihn und seine weißen Hunde schnell aus den Augen. Und so soll er noch viele Leute mit seinem Alkohol vergiftet haben, während er ihnen das letzte Geld aus den Taschen zog.“</p>



<p>Mein Bruder machte eine dramatische Pause. Ich sah ihn erleichtert an. Ließ meine baumelnden Füße vor und zurück schwingen. Fast war ich erleichtert. Bisher fand ich die Geschichte nicht wirklich gruselig.</p>



<p>Dann jedoch grinste mein Bruder mich wieder breit an. „Das ist aber noch nicht alles“, fuhr er fort. „Ich hab dir noch gar nicht erzählt, wie Ol&#8216; Smoker zum Phantom Trapper von Labrador wurde. Denn das geschah erst nach seinem Tod.</p>



<p>Niemand weiß genau, wie der alte Fallensteller gestorben ist. Ob die Bewohner ihn doch irgendwann erwischt haben, er mit seinen Hunden im Schnee erfroren ist oder sich an seinem eigenen Smoke vergiftet hat.</p>



<p>Aber eigentlich ist es auch egal. Wichtig ist nur, dass seine verdorbene Seele auch nach seinem Tod die Erde nicht verlassen hat. Es heißt, dass du manchmal im Wind das Bellen von Hunden hören kannst, das Knallen seiner Peitsche. Kurz darauf setzt ein schlimmer Schneesturm ein. Wenn du mich fragst, bringt Ol&#8216; Smoker den Sturm. Er will, dass du dich im Schnee verirrst, damit er dich packen und auf seinen Schlitten ziehen kann.</p>



<p>Wenn du also jemals draußen unterwegs bist und das Bellen seiner Hunde hörst, solltest du rennen. Denn wenn du die weißen Huskys siehst und seinen weißen Schlitten, kann es bereits zu spät sein.“</p>



<p>Jetzt baumelten meine Beine nicht mehr. Meine Erleichterung war zu einem verkrampften Magen geworden. Ich schluckte schwer.</p>



<p>Was ich jedoch nicht wusste, war, dass mein Bruder einige wichtige Details weggelassen hatte. Er hatte mir nicht die ganze Geschichte erzählt, nicht die ganze Wahrheit hinter dem Phantom Trapper of Labrador.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Wirklich vergessen konnte ich die Geschichte nie. Ich hatte fast eine Woche lang Albträume von Ol&#8216; Smoker gehabt, wie er mich auf seinem weißen Schlitten holen wollte. Das war aber auch kein Wunder. Immerhin war ich damals erst sechs Jahre alt gewesen. Seitdem hatte ich die Legende aber, so gut es ging, verdrängt.</p>



<p>Warum sie mir jetzt, über neun Jahre, nachdem mein Bruder sie mir erzählt hatte, wieder in den Sinn kam? Ganz einfach: weil ich in der Ferne das Gebell von Hunden hören konnte. Der Wind trug die Geräusche zu mir rüber. Dann knallte eine Peitsche.</p>



<p>Natürlich wusste ich, dass es nicht der berüchtigte Fallensteller war. Er konnte es nicht sein. Es gab keine Geister. Ich glaubte schon seit Jahren nicht mehr daran.</p>



<p>Trotzdem vergrub ich mein Kinn tiefer in meinem Schal und beschleunigte meine Schritte. Es wurde allmählich spät. Egal ob Geist oder nicht, ich sollte aus dem Wald raus sein, ehe es zu dunkel wurde.</p>



<p>Wieder knallte die Peitsche. Wer auch immer da draußen auf seinem Hundeschlitten saß, schien es mindestens genauso eilig zu haben. Und das aus gutem Grund. Ein kräftiger Windstoß schlug mir ins Gesicht. Schneewehen wirbelten über den Weg vor mir. Sie hüllten alles in einen schwachen weißen Schleier. Es sah ganz danach aus, als wäre ein Schneesturm im Anmarsch.</p>



<p>„Er bringt den Sturm“, murmelte ich. Es war ein alberner Gedanke, aber war es nicht das, was mein Bruder damals gesagt hatte? Dass ein Schneesturm aufkommt, nachdem man Ol&#8216; Smoker in der Ferne gehört hat?</p>



<p>Nun lachte ich nervös. „Jetzt beruhig dich mal, Olivia“, murmelte ich mir zu. „Du bist doch kein Kind mehr.“</p>



<p>Trotzdem beschleunigte ich meine Schritte noch weiter. Ich rannte jetzt durch den knirschenden Schnee. Aber das lag natürlich nur an dem aufkommenden Sturm. Nicht etwa an irgendeiner Geistergeschichte, vor der sich nur Kinder gruselten.</p>



<p>Dann plötzlich wurde ich langsamer. Ich näherte mich einer Weggabelung. Normalerweise wäre das kein Problem für mich. Ich spielte, seit ich laufen kann, in diesem Wald. Sonst hätte ich wahrscheinlich nur anhand der umstehenden Bäume erkannt, wo genau im Wald ich jetzt war. Die Schneewehen waren allerdings inzwischen so stark geworden, dass ich die Stämme nur noch als schemenhafte Umrisse im Weiß erkannte. Auch musste ich die Augen zusammenkneifen, da der eisige Wind inzwischen schmerzhaft in ihnen stach.</p>



<p>Scheiße! Okay. Ruhig bleiben. Wo konnte ich sein? Mir fielen zwei Weggabelungen auf dem Weg nach Hause ein. Bei der ersten führte der linke Weg einige Kilometer tiefer in den Wald, ehe er bei einer verlassenen Sägemühle endete, und der rechte führte nach Hause. Wenn ich an besagter Gabelung allerdings schon vorbei war, würde der Weg links nach Hause führen, und der rechts lediglich zu einem Rundgang durch den Wald.</p>



<p>Ich biss mir auf die Unterlippe. Denk nach, Olivia. Denk nach!</p>



<p>Ich kam jedoch nicht dazu, weiter darüber nachzudenken. Wieder ertönte das Bellen von Hunden. Waren sie nähergekommen? Aus welcher Richtung kamen sie? Ich hatte sie erst wieder gehört, als der Wind gedreht hatte, also kamen sie … Schnell wirbelte ich herum. Das Geräusch kam vom Weg hinter mir!</p>



<p>Wieder knallte die Peitsche. Diesmal war das Geräusch so laut, so nahe, dass es mir einen Schauer über den Rücken trieb. Und das lag nicht nur an der untergehenden Sonne und der zunehmenden Kälte.</p>



<p>Trotzdem zwang ich mich, stehenzubleiben. Ich schluckte den Drang hinunter, wegzulaufen. Wenn das Geräusch aus dem Wald kam, musste der Hundeschlitten dem Weg folgen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er mich erreichte. Bestimmt konnte mir der Schlittenführer den richtigen Weg zeigen.</p>



<p>Also wartete ich. Ich schlang die Arme um meinen zitternden Körper, wippte auf den Füßen vor und zurück, um mich warm zu halten. Die Geräusche kamen näher.</p>



<p>Trotzdem konnte ich außer dem Schneegestöber kaum etwas erkennen. Ich hatte ein paar Mal das Gefühl, Bewegungen in der Ferne zu sehen, aber dort war alles weiß. Es zeichnete sich keine dunkle Silhouette, kein Schlitten darin ab. Die Hunde klangen hingegen, als hätte der Schlitten mich fast erreicht.</p>



<p>Und dann sah ich sie. Sie hatten helles Fell. Weiß auf Weiß. Kein Wunder, dass ich sie nicht erkannt hatte.</p>



<p>Erst war ich wie zu Eis gefroren. Dann jedoch löste ich mich aus meiner Starre und begann mit beiden Armen zu winken. Anfangs zögerlich, dann stärker. „Hallo!“, rief ich. „Der Sturm … Ich hab mich verirrt. Können Sie mir sagen, in welche Richtung es ins Dorf geht?“</p>



<p>Ich hörte, wie ein Mann den Hunden einen Befehl zurief. Sofort wurden sie langsamer. Trotzdem ging ich einige Schritte beiseite, um ihnen nicht im Weg zu stehen.</p>



<p>Jetzt hatten sie mich fast erreicht. Ungläubig sah ich mit an, wie acht weiße Huskys neben mir zum Stehen kamen. Ihr Gespann, das Holz, die Felle und sogar die Seile waren weiß. Oder waren sie nur von Schnee und reif bedeckt?</p>



<p>Mein nächster Blick galt dem Schlitten. Es war einer dieser großen Hundeschlitten für den Transport, auf denen man nicht die ganze Zeit stehen musste. Auch er war weiß gestrichen. Das war jedoch nicht mein Hauptaugenmerk. Nein. Das galt dem Mann, der auf dem Schlitten saß. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Er hielt eine weiße Peitsche in der Hand. Und sogar die Felle, die ihn von Kopf bis Fuß umhüllten, waren reinweiß … Genau wie bei Ol&#8216; Smoker.</p>



<p>Ich schluckte, versuchte, ruhig zu bleiben. Als der Mann jedoch von seinem Schlitten stieg, sich zu seiner vollen Größe aufrichtete, gingen meine Nerven mit mir durch. Ich wirbelte herum und rannte ins Dickicht zwischen den Bäumen.</p>



<p>Hier war der Schnee deutlich tiefer. Fast sofort sackte ich ein. Nun steckte ich bis über die Knie im Schnee. Eisige Kälte fraß sich durch meine Hose. Aber das ließ mich nicht innehalten. Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend.</p>



<p>Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach.</p>



<p>Das war der Moment, als in mir vollends die Panik ausbrach. Ich schrie um Hilfe, kreischte, während ich versuchte, schneller voranzukommen.</p>



<p>Tiefer und tiefer kämpfte ich mich in den Wald vor. Allmählich verlor ich das Gefühl in den Beinen. Der Wind wurde unterdessen immer stärker. Selbst meine dicke Jacke konnte mich nicht mehr gegen seine beißende Kälte schützen. Was ich dafür getan hätte, mich nur einen Augenblick hinzusetzen, mich auszuruhen.</p>



<p>Noch ehe ich jedoch ernsthaft darüber nachdenken konnte, nahmen meine Beine mir die Entscheidung ab. Sie waren inzwischen so kalt, dass sie sich steif und ungelenkig anfühlten. Ich verlor das Gleichgewicht, merkte, wie mein Oberkörper nach vorne kippte. Aber ich schaffte es dank des Schnees nicht, ein Bein vorzureißen, um den Sturz zu verhindern. Mit ausgestreckten Armen kippte ich in die Kälte. Ich spürte, wie sich Schnee zwischen Handschuhen und Jacke in meine Ärmel schob.</p>



<p>Jetzt war ich umgeben von Eis und Kälte. Mein Kopf war unter der Oberfläche. Mein Gesicht brannte vor Schmerz. Ich weiß nicht, ob ich jemals so gefroren hatte. Selbst bei einer kalten Dusche hatte ich mich noch nie so unterkühlt gefühlt.</p>



<p>Trotzdem schaffte ich es nicht, mich aufzurappeln. Es war, als wäre sämtliche Kraft aus meinem Körper gewichen. Vielleicht sollte ich einfach aufgeben. Ich könnte hier liegenbleiben. Nur für eine Minute …</p>



<p>Ich spürte den kräftigen Arm kaum, der mich aus dem Schnee hob, sah nur verschwommen, wie die Welt um mich herum sich bewegte, nahm nur am Rande meines Bewusstseins wahr, wie Ol&#8216; Smoker mich zurück zu seinem Schlitten trug. Er warf mich in einen Haufen aus weißen Fellen. Der Befehl, den er seinen Hunden zurief, kam mir weit entfernt vor. Dann setzte der Schlitten sich in Bewegung.</p>



<p>Ich blieb erschöpft zwischen den Fellen liegen. Fast schämte ich mich dafür, wie geborgen ich mich fühlte. Langsam kehrte die Wärme zurück. Ich spürte sogar meine Beine wieder, auch wenn sie nur aus Schmerz zu bestehen schienen.</p>



<p>Aber so gemütlich es auch war, ich konnte hier nicht bleiben. Das wusste ich. Also rappelte ich mich vorsichtig auf. Es war alles andere als einfach auf dem weichen Untergrund, während der Schlitten unregelmäßig hin und her schaukelte, meine Beine noch immer zitterten. Aber ich schaffte es. Gerade, als ich mich aus dem Schlitten in den Schnee stürzen wollte, packte mich jedoch eine Hand am Oberarm. Ich hatte unterschätzt, wie nahe Ol&#8216; Smoker mir tatsächlich saß.</p>



<p>„Bleib sitzen“, brummte er mit tiefer Stimme, während er mich in die Felle zurückdrückte.</p>



<p>Und das tat ich. Ich fühlte mich völlig hilflos, war mir nicht einmal sicher, ob meine zittrigen Beine es ein zweites Mal geschafft hätten, aufzustehen. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich konnte nichts dagegen tun. Wahrscheinlich waren sie der Grund, warum ich die bunten Lichter nicht gleich erkannte, denen wir uns jetzt schnell näherten.</p>



<p>Erst, als ich mir die Tränen aus den Augen gewischt hatte, bemerkte ich, dass es Weihnachtsdekoration war. Sie hing an den Häusern, über der Straße und an einem großen Weihnachtsbaum, den ich deutlich in der Ferne erkennen konnte. Das war unser Dorf!</p>



<p>Ungläubig sah ich mit an, wie wir ihm näher und näher kamen. Erst, als wir es fast erreicht hatten, rief der Schlittenführer wieder einen Befehl und die Hunde wurden langsamer. Wir blieben neben Miss Walshs Gemischtwarenladen stehen.</p>



<p>Schnell versuchte ich wieder, mich aufzurappeln. Aber der Fremde gab bloß ein Brummen von sich, stieg aus dem Schlitten und hob mich auf seine Arme. Mit schweren Schritten stapfte er Richtung Laden. Er drückte die Tür mit seiner Schulter auf und trat mit mir ein.</p>



<p>„Na das muss ja dringend sein, wenn Sie sich bei dem Wetter nach draußen wagen!“, hörte ich Miss Walshs Stimme. In ihr schwang ein Hauch Belustigung mit. „Also, was kann ich für Sie …“ Sie brach ab. Wahrscheinlich hatte sie mich bemerkt. „Du meine Güte! Olivia!“</p>



<p>„Kümmern Sie sich um sie“, brummte der Fremde. Er trug mich zu einem Stuhl, der eigentlich zum Verkauf stand, und setzte mich auf das dünne Polster.</p>



<p>Halbherzig lächelte ich Miss Walsh an. „Hey“, grüßte ich sie schwach.</p>



<p>Aber sie reagierte gar nicht. Sie starrte bloß mit offenem Mund den Fremden an. Oder besser gesagt den Ort, wo der Fremde hätte sein müssen. Als ich mich zu meinem Retter umdrehte, war er verschwunden.</p>



<p>Vorsichtig richtete ich mich auf, um besser sehen zu können, doch bis auf Walsh und mich war der Gemischtwarenladen menschenleer. Auf dem Boden waren nicht einmal nasse Fußabdrücke.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ihr könnt euch meine Verwirrung sicher vorstellen. Miss Walsh erklärte sogar, dass der Mann sich einfach in Luft aufgelöst habe.</p>



<p>Wie war das möglich? War er tatsächlich Ol&#8216; Smoker gewesen? Der Geist, der zu Lebzeiten so bösartig gewesen war? Aber warum hatte er mich dann ins Dorf zurückgebracht?</p>



<p>Zum Glück hatte Miss Walsh dafür eine Erklärung. Denn wie ich schon sagte, hatte mein Bruder mir nicht die ganze Geschichte vom Phantom Trapper of Labrador erzählt. Nach seinem Tod, so erklärte Miss Walsh, soll Ol&#8216; Smoker nämlich der Zutritt zum Jenseits verwehrt geblieben sein.</p>



<p>Seitdem wandelt seine ruhelose Seele auf unserer Erde, um die Schuld, die er im Leben auf sich geladen hatte, wieder gutzumachen. Er warnt die Menschen vor schlimmen Schneestürmen und bringt sie sogar manchmal zurück in Sicherheit. Ich konnte also von Glück reden, dass der Geist des Verbrechers mich gefunden hatte, sonst wäre ich in jener Nacht wahrscheinlich erfroren.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Phantom Trapper of Labrador (englisch für „Der Phantom-Fallensteller von Labrador“), manchmal auch The Trapper’s Ghost („Der Geist des Fallenstellers“) genannt, ist eine kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> über einen phantomhaften Fallensteller auf einem Hundeschlitten. Sie ist die wahrscheinlich bekannteste Geistergeschichte der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador.</p>



<p>Der Geist ist auch unter den Namen „Smoker“ („Raucher“) und „Ol&#8216; Smoker“ (Kurzform für „Old Smoker“, „alter Raucher“) bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Der Phantom Trapper of Labrador soll wie ein gewöhnlicher Mensch aussehen. Abgesehen von seiner etwas eigenartigen Kleidung, die ausschließlich aus weißen Fellen bestehen soll, sieht man ihm also nicht an, dass es sich bei ihm um einen Geist handelt.</p>



<p>Außerdem soll er auf einem weißen Komatik – dem traditionellen Hundeschlitten der Inuit, der in Kanada auch heute noch oft genutzt wird – sitzen, der von mehreren schneeweißen Huskys gezogen wird. Die Anzahl der Huskys kann je nach Geschichte variieren, es ist jedoch meist von einer geraden Zahl zwischen 8 und 14 die Rede.</p>



<p>Die rein weiße Erscheinung des Fallenstellers soll im Schnee nur schwierig zu erkennen sein – besonders, wenn es dunkel ist und/oder es einen Schneesturm gibt.</p>



<p>Außerdem heißt es, dass weder seine Hunde noch er oder sein Schlitten Spuren im Schnee hinterlassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Hauptsächlich wird der Phantom Trapper of Labrador nur akustisch wahrgenommen. So hört man das Knallen einer Peitsche oder das Bellen von Hunden im Wind. Meist soll dies geschehen, kurz bevor ein Schneesturm aufkommt. Die Erscheinung des Fallenstellers warnt also die Bewohner vor einem bevorstehenden Sturm.</p>



<p>Seltener kommt es vor, dass man den weißen Fallensteller auf seinem Schlitten sehen soll. Oft verlieren die Augenzeugen die im Schnee gut getarnte Gestalt aber schnell wieder aus den Augen. Auch hier soll kurz darauf ein heftiger Schneesturm aufkommen.</p>



<p>Das ist jedoch nicht das Einzige, was der Phantom Trapper of Labrador tut. Er warnt die Leute nicht nur, es gibt auch Erzählungen, in denen er Menschen vor einem Tod im Schnee gerettet hat.</p>



<p>So soll es bereits vorgekommen sein, dass der Fallensteller verirrte Hundeschlittenführer zurück in die Zivilisation geführt hat. In den meisten Fällen sieht hierbei ein Bewohner den Hundeschlitten ankommen. Der Geisterschlitten, dem der Schlittenführer angeblich gefolgt sei, wurde von dem Bewohner hingegen nicht gesehen, obwohl er direkt an ihm vorbeigefahren sei.</p>



<p>Eine andere Version der Legende besagt, dass eine Person – Geschlecht und Alter kann dabei variieren – sich in einem Schneesturm verlaufen hat. Geschwächt und völlig unterkühlt wird sie von einem in weiße Fälle gekleideten Mann auf einem weißen Hundeschlitten aufgelesen und in den nächsten Ort gebracht. Dort habe das Phantom ihn oder sie in ein Wirtshaus o. Ä. getragen und bei dem Kamin auf einen Stuhl gesetzt. Nachdem es den Wirt darum gebeten habe, sich um die Person zu kümmern, soll es sich in Luft aufgelöst haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>The Phantom Trapper of Labrador soll fast ausschließlich in der Provinz Neufundland und Labrador in Kanada gesichtet werden, von wo die Legende stammt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den genauen Ursprung der Legende ist nicht viel bekannt. Es gibt aber einige Theorien darüber, wer der geisterhafte Fallensteller zu Lebzeiten gewesen sein soll.</p>



<p>Die wohl verbreitetste Version besagt, dass er einst ein krimineller Fallensteller mit dem Namen Esau Gillingham gewesen sei. Über Esau Gillinghams Leben gibt es wiederum verschiedene Versionen. Die zwei bekanntesten möchte ich euch hier kurz vorstellen:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der unsympathische Fallensteller:</h4>



<p>Dieser Version zufolge war Gillingham ein talentierter Fallensteller, der bei seinen Besuchen in den Städten und Dörfern die schönsten Felle mitbrachte, um sie den Bewohnern zu verkaufen.</p>



<p>Das war auch der einzige Grund, warum er in den Orten geduldet wurde. Gillingham soll nämlich ein ziemliches Arschloch gewesen sein. U. A. soll er hitzköpfig gewesen sein, keine Manieren gehabt und Frauen schlecht behandelt haben.</p>



<p>Nachdem er seine Felle verkauft und sein Geld in den Tavernen versoffen hat, wurde er deshalb kurz darauf wieder aus den Dörfern vertrieben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der erfolglose Fellhändler:</h4>



<p>Auch in dieser Version soll Gillingham sein Geld mit dem Verkauf von Fellen verdient haben. Er war dabei jedoch bei Weitem nicht so erfolgreich, weshalb er in Armut lebte.</p>



<p>Eines Tages soll er jedoch genug Geld angespart haben, um sich davon eine eigene Destille kaufen zu können. Von dort an – so heißt es – habe er seinen eigenen Alkohol destilliert: Ein scheußliches Gebräu aus Kiefernzapfen, Zucker und Hefe, das unter dem Namen „Smoke“ bekannt geworden sei. Daher stamme auch sein Spitzname „Smoker“ bzw. „Ol&#8216; Smoker“.</p>



<p>Gillingham soll das billige Gesöff illegal an die Bewohner verkauft und so deutlich mehr Geld als mit seinen Fellen verdient haben. Dass der selbstgebraute Alkohol verdammt ungesund war und sogar bei einigen Leuten zu Wahnsinn oder Blindheit geführt haben soll, war Gillingham und seinen Kunden anscheinend egal.</p>



<p>Irgendwann wurde Gillinghams Destille jedoch im Wald gefunden und – entweder von den Behörden oder einigen wütenden Anwohnern – zerstört. Gillingham landete daraufhin ein Jahr lang im Gefängnis.</p>



<p>Das Jahr im Knast hat Gillingham aber keinesfalls zu einem besseren Menschen gemacht. Als er wieder frei ist, besorgt er sich weiße Huskys, streicht seinen Schlitten weiß an und kleidet sich fortan nur noch in weiße Felle, um sich im Schnee zu tarnen.</p>



<p>Auch soll er seine Destille weiß gefärbt und ein weißes Fass voller Smoke an seinem Schlitten befestigt haben, um es unter die Leute zu bringen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Ende des Fallenstellers:</h4>



<p>Die genaue Todesursache von Gillingham ist unbekannt. Es gibt aber auch hier verschiedene Theorien, was geschehen sein könnte.</p>



<p>Manchmal heißt es, der Ehemann einer der schlecht behandelten Frauen habe ihn erschossen. Manchmal sei er in einem Schneesturm umgekommen oder auf andere Weise ermordet worden. Und wieder andere Male sei er an seinem eigenen Alkohol verendet.</p>



<p>Ich habe auch davon gelesen, dass er in der Wildnis gestürzt sein soll, wobei er sich den Rücken brach und qualvoll gestorben sei.</p>



<p>Aber wie er auch gestorben ist, nach seinem Tod wurde ihm der Zugang zu Himmel und Hölle verwehrt. Er soll als Geist auf der Erde bleiben, um von nun an seine schlechten Taten wiedergutzumachen, indem er verirrten Menschen hilft und sie vor Schneestürmen warnt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternativer Ursprung:</h4>



<p>Es gibt aber auch Leute, die behaupten, die Legende von Ol&#8216; Smoker sei bereits vor Esau Gillinghams Tod entstanden. Zwar habe ich keine Hinweise auf einen tatsächlichen Verbrecher mit dem Namen finden können, der im 19. oder 20. Jahrhundert in Kanada gelebt haben soll, ihnen zufolge sei die Geistergeschichte aber erst nach Gillinghams Tod mit ihm in Verbindung gebracht worden.</p>



<p>Ich möchte an dieser Stelle jedoch gestehen, dass mir gerade die Zeit für eine wirklich tiefgreifende Recherche zu diesen Behauptungen fehlt (zumal ich fast nichts dazu finden konnte). Sollte ich den Beitrag in Zukunft überarbeiten, werde ich aber versuchen, mehr darüber in Erfahrung zu bringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Phantom Trapper of Labrador in der Popkultur:</h3>



<p>Obwohl es zu Ol&#8216; Smoker viele Legenden gibt und er in Neufundland und Labrador sehr bekannt sein soll, habe ich nur wenige Auftritte des Geistes in der Popkultur gefunden.</p>



<p>So gibt es den Roman „White Eskimo: A Novel Of Labrador“ (Englisch für „Weißer Eskimo: Ein Roman über Labrador“, 1972), der zwar nicht von dem Geist direkt, dafür aber von einer fiktiven Version von Esau Gillingham handelt.</p>



<p>Außerdem gibt es das Lied „The Labrador Trapper’s Ghost“ („Der Geist des Fallenstellers aus Labrador“) von der Singer Songwriterin Emily Stewart (<a href="https://mondaymorning3ammusicclub.bandcamp.com/track/the-labrador-trappers-ghost" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier der Link zum Lied</a> auf bandcamp.com), das die Legende nacherzählt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von The Phantom Trapper of Labrador? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie hättet ihr an Olivias Stelle reagiert? Hättet ihr versucht, zu fliehen oder den Fremden um Hilfe gebeten? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-phantom-trapper-of-labrador">The Phantom Trapper of Labrador – Die Legende von Old Smoker</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Krampus – Er bestraft die Unartigen! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Krampus legte seinen Kopf in den Nacken und schnupperte. Er sah aus wie ein Hund, der seine Beute witterte. Wolken aus Dampf stiegen aus seinen Nasenlöchern. Dann wandte er seinen Kopf in meine Richtung. Im schwachen Licht konnte ich sehen, wie seine gelben Augen aufblitzten, während sie mich fixierten …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/cfb3f078593c4ab592b04cd9a28ee267" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Krampus war eine der ersten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtslegenden</a>, über die ich geschrieben habe. Daher dachte ich, es wäre eine gute Idee, den Text zu überarbeiten/neuzuschreiben. Gerade bei dieser Geschichte konnte ich sehr gut meine Fortschritte sehen, die ich über die Jahre gemacht habe. Ich hoffe, die neue Version gefällt euch genauso gut wie mir.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Der Winter war hereingebrochen. Seit zwei Tagen schneite es unablässig in unserer kleinen Stadt. Das perfekte Wetter für einen Weihnachtsmarkt.</p>



<p>Aus allen Ecken funkelte, glänzte und blitzte bunte Weihnachtsbeleuchtung. Verschiedenste Weihnachtslieder schallten aus allen Richtungen – von Last Christmas über Fröhliche Weihnacht bis hin zur Weihnachtsbäckerei. Und ich war mittendrin.</p>



<p>Ich war jedoch kein einfacher Besucher. Heute war der 5. Dezember: Krampusnacht. Und dieses Jahr war ich einer der Krampusse.</p>



<p>Ich stand da und genoss den Geruch von Glühwein, süßem Weihnachtsgebäck und einer leichten Zimtnote, als mich eine Rute am Rücken traf.</p>



<p>„Was ist, willst du nicht mitmachen?“, rief mir ein anderer Krampus entgegen. An seinem Kostüm konnte ich einen Zettel mit der Nummer 15 erkennen, aber auch ohne hätte ich meinen besten Freund Philip natürlich sofort erkannt.</p>



<p>Als Antwort stieß ich mein furchteinflößendstes Gebrüll aus, ehe ich ihm in die Menschenmenge nachstürzte.</p>



<p>Falls ihr die Tradition noch nicht kennt: Bei einem Krampuslauf verkleideten sich die Teilnehmer als Krampus. Sie zogen durch die Straßen und über die Weihnachtsmärkte, jagten Passanten einen Schrecken ein und drohten scherzhaft mit ihrer Rute. Manchmal schlugen wir auch sanft zu. Aber auch dabei versuchten wir, niemandem wirklich wehzutun.</p>



<p>Klar, manchmal gab es auch Leute, die zu weit gingen und zum Beispiel wirklich fest mit ihren Ruten zuschlugen – da ging der eine oder andere unschuldige Bürger auch mal mit einem blauen Fleck nach Hause –, aber seit jeder Krampus eine eigene Nummer sichtbar tragen musste, war die Kriminalitätsrate unter uns Krampussen deutlich zurückgegangen.</p>



<p>Ich rannte also über den Weihnachtsmarkt, schrie Passanten an und drohte ihnen mit meiner Rute. Mit einem Schmunzeln musste ich mit ansehen, wie sich ein Kind bei meinem Anblick enger an seine Mama drückte. Das hätte ich sein können. Früher hatte ich auch Angst vor den Krampussen.</p>



<p>Dabei hatte ich als Kind nur selten einen Grund dafür gehabt – zumindest, wenn man nach der Sagengestalt ging, die unartige Kinder bestraft. Ich war nämlich eines der bravsten Kinder gewesen, die ich kannte.</p>



<p>Heutzutage sah das ein wenig anders aus. Erst letzte Woche hatte ich das Portemonnaie von Frau Keller auf der Straße gefunden, in dem noch über 200 Euro steckten. Das Portemonnaie hatte ich noch am selben Tag in ihren Briefkasten geworfen – selbstverständlich ohne Geld. Immerhin hatte Frau Keller nun wirklich mehr als genug davon. Wahrscheinlich wusste sie nicht einmal mehr, wie viel Geld sie dabeigehabt hatte. Ich hingegen würde mir davon, zusammen mit meinem Ersparten und dem Weihnachtsgeld, endlich eine Playstation 5 kaufen können.</p>



<p>Mit einem breiten Grinsen auf den Lippen rannte ich weiter über den Marktplatz. Ich brüllte, schrie und lachte.</p>



<p>Das war genau der Moment, als ich ihn zum ersten Mal hörte: Ein markerschütterndes Gebrüll hallte über den Marktplatz. Es war unglaublich tief und lauter als ein normaler Mensch brüllen konnte. Wahrscheinlich hatte der Verursacher einen Lautsprecher genutzt.</p>



<p>Als ich mich umsah, merkte ich, dass ich nicht der Einzige war, der in seiner Bewegung innegehalten hatte. Die meisten Leute sahen sich verwirrt um, versuchten, den Ursprung des Lärms auszumachen. Einige von ihnen sahen mich an. Ich hingegen blickte zu einem anderen Krampus. Er stand abseits vom Markt und der Menschenmenge auf der gegenüberliegenden Straßenseite.</p>



<p>Neugierig ging ich näher. Sein Kostüm war unfassbar gut gemacht. Das Fell war speckig und schwarz, seine langen klauenartigen Fingernägel glänzten dunkel und auch die vier langen Hörner, die seine realitätsnahe Maske mit den gelben Augen krönten, wirkten, als wären sie ihm tatsächlich aus dem Kopf gewachsen.</p>



<p>Er stand da und schlug sich mit seiner Birkenrute immer wieder langsam in die freie Handfläche, während er mich direkt ansah. Die meisten hätten das wohl als Drohung empfunden, ich hingegen ging auf direktem Weg auf ihn zu.</p>



<p>Ich sah, wie sein Kuhschwanz hin und her schwang, als sei er lebendig. Kurz war ich sogar der Meinung seine Lippen, hinter denen sich spitze Zähne zeigten, zucken zu sehen.</p>



<p>Als ich die Straße erreichte, blieb ich jedoch stehen. Nicht, weil bedrohlicher Dampf aus seinen Nasenlöchern stieg. Auch nicht wegen der supergruseligen Kontaktlinsen mit den viereckigen Pupillen. Nein. Mir war aufgefallen, dass er nirgends am Körper eine Kennnummer trug.</p>



<p>„Du hast deine Nummer vergessen!“, rief ich ihm zu, während ich auf das mit der Nummer 16 bedruckte Papier an meiner Brust deutete.</p>



<p>Er zeigte keine Reaktion.</p>



<p>„Als Krampus musst du eine Nummer tragen!“, rief ich erneut, für den Fall, dass er mich nicht verstanden hatte.</p>



<p>Aber nichts. Er stand nur da und schlug mit der Rute weiter in seine Handfläche, während er mir direkt in die Augen starrte.</p>



<p>‚<em>Komischer Typ</em>‘, dachte ich. Vielleicht hatte er die Nummer ja absichtlich weggelassen. Anstatt also weiter auf ihn zuzugehen, drehte ich wieder um. Ich stürzte mich zurück in die Menschenmenge. Sollte der Typ ein Unruhestifter sein, hatte ich jedenfalls keine Lust, dass er seinen ersten Streit des Abends mit mir anfing.</p>



<p>Schnell war ich wieder dabei, Leute zu erschrecken, mit den Kindern herumzualbern und mit dem ein oder anderen bekannten Gesicht ein Gespräch anzufangen. Ein Freund meiner Eltern spendierte mir sogar einen Glühwein. Ich blieb einige Minuten bei ihm, während ich noch eine zweite und eine dritte Tasse trank, ehe ich mich wieder unter die Leute mischte.</p>



<p>An den nummerlosen Krampus mit dem verdammt guten Kostüm verschwendete ich keine Gedanken mehr. Jedenfalls so lange nicht, bis ich ihn wiedersah. Er stand am Rand des Weihnachtsmarktes, in einer dunklen Ecke neben einem geschlossenen Stand. Wie auch vorhin war sein Blick stur auf mich gerichtet, während er seelenruhig mit seiner Rute in seine freie Handfläche schlug. Wohin ich mich auch bewegte, seine gelben Augen folgten mir bei jedem Schritt. Verfolgte er mich? Wollte er mir drohen?</p>



<p>Obwohl ich sofort wieder in der Menschenmenge untertauchte, hatte ich ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Irgendetwas fühlte sich falsch an. So sehr ich auch versuchte, weiter über den Marktplatz zu laufen und Leute zu erschrecken, es machte keinen Spaß mehr. Der Idiot hatte mir meinen Abend gehörig verdorben.</p>



<p>Also entschloss ich, heute früher nach Hause zu gehen. Vorher ging ich aber in das Toilettenhäuschen, um mich umzuziehen. Ich hatte die Hoffnung, dass der Krampus mich in Zivil nicht mehr erkennen würde. Lediglich meine Butte – der große Korb, in dem Krampus angeblich die Kinder entführte und der jetzt als Versteck für mein Kostüm diente – hatte ich weiterhin auf dem Rücken.</p>



<p>Nachdem ich das Toilettenhäuschen wieder verlassen hatte, machte ich mich sofort auf den Nachhauseweg.</p>



<p>Unser Haus lag am Stadtrand. Wenn ich an das kurze Waldstück dachte, durch das ich gleich noch gehen musste, wurde mir sofort wieder mulmig zu Mute. Aber zum Glück war die Straße gut beleuchtet, und es war wirklich auch nur ein sehr kurzes Stück.</p>



<p>Die dünne Eisschicht, die sich unter dem Schnee gebildet hatte, knackte und knirschte bei jedem meiner Schritte. Mit eingezogenem Kopf lauschte ich dem leisen Echo zwischen den Bäumen, während ich mit den Händen in den Taschen über die Straße ging. Ich rannte nicht, aber ich hatte einen schnellen Gang eingelegt.</p>



<p>Als ich den Waldweg bereits zur Hälfte hinter mir gelassen hatte, mischte sich plötzlich ein beißender Geruch unter die geruchslose Kälte des Winters.</p>



<p>Verwundert blieb ich stehen. Es war eine Mischung aus Rauch und verfaulten Eiern. Als hätte man eine der Stinkbomben angezündet, die man im Scherzartikelladen der Stadt finden konnte.</p>



<p>Als ich den Kopf zur Seite drehte, zuckte ich erschrocken zusammen. Dort stand jemand zwischen den Bäumen. Was mich jedoch noch viel mehr erschreckte, waren die vier Hörner, die sich auf dem Kopf der Silhouette abzeichneten. Das war der Krampus vom Weihnachtsmarkt!</p>



<p>„Was wollen Sie von mir?“, rief ich in die Dunkelheit. „Wieso verfolgen Sie mich?“</p>



<p>Ich hörte ein verächtliches Schnaufen. „Jonathan Schalk“, rief die Gestalt mir entgegen. „Du warst unartig!“</p>



<p>Seine Stimme war wie ein Grollen, das durch den Wald donnerte. Aber was noch viel schlimmer war: Er kannte meinen Namen. Er hatte es also tatsächlich auf mich abgesehen. Nur … wer versteckte sich unter dem Kostüm?</p>



<p>Im nächsten Moment gab der Krampus ein Brüllen von sich. Es war so laut, dass ich mir fast die Ohren zugehalten hätte. Außerdem klang es alles andere als menschlich. Eher wie ein wütendes Tier. Jetzt fixierten mich wieder seine ziegenartigen Augen.</p>



<p>Während ich es bis eben noch geschafft hatte, einigermaßen cool zu bleiben, gab ich jetzt ein Quieken von mir, während ich mich umdrehte und in die entgegengesetzte Richtung in den Wald sprintete.</p>



<p>Mir gefiel die Idee nicht, in den dunklen Wald zu rennen, aber sie war immer noch besser, als herauszufinden, was der Typ von mir wollte.</p>



<p>Schwere Schritte verfolgten mich. Ich mochte es mir einbilden, aber kam mir vor, als würde bei jedem seiner Schritte die Erde erzittern.</p>



<p>Zum Glück kannte ich mich im Wald bestens aus. Ich hatte hier schon gespielt, als ich noch ein kleines Kind war. Und selbst jetzt, wo der Schnee der einzige Grund war, dass ich überhaupt noch etwas sah, erkannte ich gelegentlich Orte wieder, an denen ich mich orientieren konnte.</p>



<p>Trotzdem war es nicht einfach, sich in der Dunkelheit zurechtzufinden. Immer wieder rannte ich durch Äste, die sich in meiner Kleidung verhedderten oder mir schmerzhaft durch mein eisiges Gesicht kratzten. Einmal rannte ich sogar gegen einen Baumstamm, den ich zu spät gesehen hatte.</p>



<p>Ich ließ mich davon nicht beirren. Immer, wenn ich wusste, wo ich war, wechselte ich die Richtung, um meinen Verfolger abzuschütteln. Langsam, aber sicher entfernten sich die schweren Schritte hinter mir, bis ich sie schließlich überhaupt nicht mehr hören konnte. Völlig außer Atem duckte ich mich an die Wurzel eines umgestürzten Baumes und verschmolz mit der Dunkelheit – so hoffte ich zumindest.</p>



<p>Nach Luft ringend hockte ich da, während ich wartete. Ich achtete auf jedes Geräusch. Aber mein schneller Atem und der Wind, der durch die Bäume pfiff, machten es mir nicht gerade leicht. Ab und an hörte ich dumpfe Geräusche, aber ich hatte keine Ahnung, ob sie von dem Krampus kamen, oder von etwas anderem.</p>



<p>Auch zitterte ich inzwischen am ganzen Körper. Ich war völlig durchgefroren, musste meine Zähne fest aufeinanderpressen, damit sie nicht klapperten.</p>



<p>Sollte ich mein Versteck verlassen? Ich wusste genau, in welche Richtung die Straße lag. Wenn ich mich beeilte, konnte ich in fünf Minuten zuhause sein.</p>



<p>Dann jedoch hörte ich wieder das schwere Stapfen im Schnee. Noch war es weit entfernt, aber es kam schnell näher.</p>



<p>Sollte ich wieder weglaufen? Aber nein. Mein Versteck war gut. Im Schatten der Baumwurzel dürfte es nahezu unmöglich sein, mich zu sehen. Ich würde einfach nur warten müssen, bis der Krampus an mir vorbeigegangen war.</p>



<p>‚<em>Stapf, stapf, stapf</em>‘, kamen seine Schritte unaufhaltsam näher. Auch stieg mir jetzt wieder der Gestank nach verfaulten Eiern in die Nase. Was war das für ein Zeug? War das irgendeine Art Parfüm? Oder hatte der Typ sich wirklich eine der Stinkbomben irgendwo unters Kostüm geklemmt?</p>



<p>Ich konnte nicht anders, als den Krampus für seine Bemühungen zu bewundern. Hätte es einen Kostümwettbewerb gegeben, hätte er ihn jedenfalls gewonnen.</p>



<p>Meine Bewunderung verschwand jedoch schlagartig, als der Typ in mein Sichtfeld kam. Wenige Meter vor mir blieb er stehen.</p>



<p>Während mein Herz einen Hüpfer machte, zwang ich mich, möglichst flach zu atmen. Auf keinen Fall wollte ich ihn jetzt auf mich aufmerksam machen.</p>



<p>Der Krampus legte seinen Kopf in den Nacken und schnupperte. Er sah aus wie ein Hund, der seine Beute witterte. Wolken aus Dampf stiegen aus seinen Nasenlöchern. Dann wandte er seinen Kopf in meine Richtung. Im schwachen Licht konnte ich sehen, wie seine gelben Augen aufblitzten, während sie mich fixierten.</p>



<p>Er setzte sich wieder in Bewegung. Ehe ich auch nur daran denken konnte, aufzustehen, stand er auch schon vor mir.</p>



<p>„Du warst unartig“, donnerte seine Stimme mir erneut entgegen. Er holte mit seiner Weidenrute zum Schlag aus.</p>



<p>Ich schaffte es gerade noch, meine Arme schützend vor mein Gesicht zu reißen, da zuckte auch schon ein Schmerz durch meinen rechten Unterarm. Der Krampus hatte eine unglaubliche Kraft. Trotz Jacke spürte ich jeden einzelnen Weidenstrang, während die Rute mit voller Wucht auf meinen Arm klatschte.</p>



<p>Ich war unartig? Worauf wollte er hinaus? Was konnte er gesehen haben?</p>



<p>„Wenn Sie den Glühwein meinen, ich bin schon 16!“, schrie ich panisch. „Ich weiß, ich bin klein für mein Alter, aber …“</p>



<p>„Nein!“, brüllte er mir entgegen. Wut schwang in seiner Stimme mit, während er bereits zum zweiten Schlag ausholte.</p>



<p>Panisch drehte ich ihm den Rücken zu. Aber das bot ihm nur noch mehr Angriffsfläche. Ich konnte förmlich spüren, wie sich rote Striemen auf meiner Haut bildeten, als sein zweiter Schlag mich traf.</p>



<p>Natürlich war es nicht der Glühwein. Er kannte meinen Namen. Sicherlich wusste er, dass ich 16 war. Aber was meinte er dann? Hatte er mich auf dem Schulhof gesehen? Mit Philip und den anderen?</p>



<p>„Ich hab an dem Joint nur ein einziges Mal gezogen!“, wimmerte ich. „Es hat mir nicht einmal gefallen!“</p>



<p>Doch auch damit wollte er sich nicht zufriedengeben. „Du weißt genau, was ich meine!“, keifte er. Dann traf mich auch schon der nächste Schlag am Rücken.</p>



<p>Meinte er etwa das Portemonnaie? Aber nein, davon konnte er nichts wissen. Niemand wusste davon. Nicht einmal Philip.</p>



<p>Ein erneuter Schlag ließ mich aufjaulen. „Okay okay. Ich geb ihr das Geld zurück!“, kreischte ich panisch. Inzwischen liefen mir Tränen über die Wangen.</p>



<p>Ein Knurren ertönte. Ich traute mich jedoch nicht, aufzusehen.</p>



<p>Mein Herz hämmerte laut in meiner Brust. Auch merkte ich jetzt, dass ich leise wimmerte. Wie ein Häufchen Elend kauerte ich unter der Baumwurzel. Doch der nächste Schlag blieb aus.</p>



<p>Stattdessen hörte ich bloß wieder das schwere Stapfen. Es entfernte sich.</p>



<p>Unsicher sah ich auf. Der Krampus war verschwunden. Nur die großen hufartigen Fußstapfen im Schnee verrieten, dass er hier gewesen war.</p>



<p>Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich auf direktem Wege nach Hause gerannt war. Das Geld von Frau Keller warf ich ihr noch am selben Abend in den Briefkasten.</p>



<p>Über den Krampus dachte ich nach jenem Tag noch oft nach. Wer sich unter dem Kostüm versteckt hatte, oder wie er die unmenschlich lauten Töne erzeugt hatte, konnte ich jedoch nie herausfinden. Aber wenn ich ehrlich war, war ich auch nicht sonderlich erpicht darauf. Inzwischen war ich mir nämlich gar nicht mehr so sicher, ob sein Krampuskostüm überhaupt ein Kostüm war.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Krampus, auch Kramperl oder Bartl genannt, ist ein Monster oder Dämon des süd<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutschen</a> und österreichischen Volksglaubens. Er begleitet den Nikolaus und bestraft die unartigen Kinder, während der Nikolaus die artigen belohnt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Krampus ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a>, das der typischen Darstellung des Teufels sehr ähnlichsieht. Er besitzt meist zwei, seltener vier lange ziegenähnliche Hörner, spitze Ohren, scharfe Zähne, Hufe oder Paarhufe statt Füßen, einen kuhähnlichen Schwanz und zottiges Fell.</p>



<p>In den meisten Versionen hat er eine braune, graue oder weiße Gesichtsfarbe und sein Fell ist weiß, grau, braun oder schwarz.</p>



<p>Außerdem wird ihm eine lange Zunge nachgesagt, die in einigen Erzählungen sogar über einen Meter lang sein kann.</p>



<p>In den traditionellen sowie den meisten modernen Darstellungen trägt der Krampus normalerweise keine Kleidung. Selten wird er heutzutage jedoch mit verschiedener altmodischer Gewandung oder einem Weihnachtsmann-Mantel dargestellt.</p>



<p>Im Normalfall hat er eine Rute bei sich und trägt einen großen Sack oder eine Butte auf seinem Rücken.</p>



<p>Auch trägt er manchmal schwere Ketten um Hand- und/oder Fußgelenke.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Krampus taucht der Legende nach in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember zusammen mit dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/la-legende-de-saint-nicolas">Nikolaus</a> auf. Er bestraft, ähnlich wie Knecht Ruprecht in anderen Regionen Deutschlands, die unartigen Kinder.</p>



<p>Wie diese Bestrafung ausfällt, kann sich je nach Version unterscheiden. Im Normalfall schlägt er jedoch die unartigen Kinder mit seiner Rute. Wenn die Kinder besonders unartig waren, kann es sogar vorkommen, dass er sie in seinen Sack oder seine Butte steckt, um sie mitzunehmen. Was anschließend mit den Kindern passiert, ist nicht bekannt.</p>



<p>In einigen Versionen heißt es hingegen, dass Krampus lediglich versucht, die Kinder mitzunehmen, der Nikolaus ihn jedoch daran hindert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Technisch gesehen kann Krampus weltweit auftauchen bzw. überall dort, wo Weihnachten und Nikolaus gefeiert wird.</p>



<p>Verbreitet ist der Volksglaube an Krampus hingegen hauptsächlich in Süddeutschland und Österreich, aber zum Teil auch in Ungarn, Slowenien, Tschechien, Norditalien und inzwischen sogar in den USA.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Was den Namen „Krampus“ angeht, gibt es die Theorie, dass er von dem mittelhochdeutschen Wort „Krampen“ abgeleitet wurde, was so viel wie „Kralle“ bedeutet.</p>



<p>Sein Aussehen hat Krampus hingegen sehr wahrscheinlich den Perchten zu verdanken, die noch aus der vorchristlichen Zeit stammen (aber auch heute noch im deutschsprachigen Alpenraum bekannt sind).</p>



<p>Seine heutige Bekanntheit verdankt er hingegen den Krampusläufen, die – besonders in Bayern und Österreich – jedes Jahr am 5. Dezember stattfinden. Dabei verkleiden sich zahlreiche Personen als Krampusse, um so durch die Straßen und über die Weihnachtsmärkte zu ziehen.</p>



<p>Obwohl man bereits vor Jahrtausenden Krampus-, bzw. Perchten-Läufe kannte, waren sie während des Mittelalters verboten. Damals wurde das Verkleiden als Teufel mit der Todesstrafe bestraft. Die Krampus-Läufe fanden also nur im Geheimen und an abgeschiedenen Orten statt. Sie sollen erst im 17. Jahrhundert wieder allgemeine Beliebtheit gewonnen haben.</p>



<p>In der modernen Zeit haben außerdem diverse Kinofilme dem Krampus eine weltweite Bekanntheit verschafft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Krampus in der Popkultur:</h3>



<p>Es gibt diverse Filme, in denen Krampus eine zentrale Rolle spielt. Die zwei bekanntesten sind wohl die finnische Horror-Komödie „Rare Exports – Eine Weihnachtsgeschichte“ (2010) oder der US-amerikanische Horrorfilm „Krampus“ (2015).</p>



<p>Er ist aber auch für seine Auftritte in Serien wie „Grimm“ oder der Netflix-Serie „Chilling Adventures of Sabrina“ bekannt.</p>



<p>Im deutschen Sprachraum gibt es außerdem das Die drei ??? Adventskalender-Special „O du Finstere“ (2019), in dem Krampus vorkommt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Krampus? Kanntet ihr die Legende bereits? Wird sie bei euch in der Gegend erzählt? Und wenn nicht, welchen bösen Begleiter hat der Nikolaus in eurer Region? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/krampus">Krampus – Er bestraft die Unartigen! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Gloson – Der Jahresgang Teil 2</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Dec 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr Zeit zum Überlegen hatte ich nicht. Gloson setzte bereits zum Angriff an. Sie schnaufte, stieß dabei Wolken aus ihren Nasenlöchern und preschte los. Ich hörte ihren schweren Atem, während sie näherkam …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gloson">Gloson – Der Jahresgang Teil 2</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/e579a3a1026a4488a0ada615cc50c1b6" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Gloson ist ein Wesen, auf dessen Beitrag ich mich schon lange gefreut habe. Immerhin bin ich ein Skandinavien-, Schweine und Geisterfan.</p>



<p>Bevor ich mich also in meine diesjährige Winterpause verabschiede, folgt hier der zweite Teil der diesjährigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachts</a>geschichte „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/arsgang">Der Jahresgang</a>“.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Krankheit: ALS</p>
<p>&#8211; Andeutung an den Tod eines Kindes</details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p><em>Diese Geschichte ist der zweite Teil des diesjährigen Weihnachts-Specials. Wenn ihr den vorherigen Teil noch nicht kennt, könnt ihr ihn <a href="https://www.geister-und-legenden.de/arsgang">Hier</a> nachlesen.</em></p>



<p>Meine Knie zitterten – diesmal wusste ich nicht, ob es an der Kälte oder meiner Nervosität lag – während ich auf die Kirchentür zuging.</p>



<p>Zum Glück brannte in den Fenstern kein Licht mehr. Es verlief lediglich eine Lichterkette einmal um das Kirchendach herum, die mir ein willkommenes, wenn auch schwaches Licht spendete.</p>



<p>Vorsichtig kniete ich mich vor die Tür. Was jetzt folgte, war einer der wichtigsten Momente des Årsgång-Rituals. In meinen Büchern wurde es so beschrieben, dass ich damit meinen Glauben ablegte – und somit auch den einzigen Schutz, den Gott mir vor übernatürlichen Wesen geben würde.</p>



<p>Ich holte tief Luft, während ich hoffte, dass das Ganze eher symbolisch gemeint war, ehe ich den Mund zum Schlüsselloch führte und die eingeatmete Luft zusammen mit meinem Glauben hindurchblies. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass ich alles richtig machte, hörte ich erst auf, als meine Lungen komplett leer waren.</p>



<p>Sicherlich kennt ihr das Schwindelgefühl, wenn ihr zu viel Luft ausgepustet habt. Wie ich herausfinden musste, ist der Schwindel nochmal um einiges intensiver, wenn ihr euch sowieso schon schwach und ausgelaugt fühlt.</p>



<p>Ich musste mich einen Moment an der rauen Steinwand festhalten. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Luft um mich herum plötzlich ein gutes Stück kälter geworden war, hoffte aber, dass ich es mir nur einbildete.</p>



<p>Es folgte das inzwischen vertraute Kichern von Grim an meinem Ohr. „Thorbjörn also. Das ist dein Name. Ich bin ehrlich: Sven gefiel mir besser. Aber man kann sich seinen Namen ja nicht aussuchen.“</p>



<p>Mein Herz rutschte mir in die Hose. Also war es mehr als nur eine symbolische Geste gewesen – das, oder Grim hatte die ganze Zeit nur so getan, als würde er meinen Namen nicht kennen.</p>



<p>Ich atmete einmal tief durch. Das Ritual war fast zu Ende. Alles, was noch fehlte, waren drei kurze Runden gegen den Uhrzeigersinn um die Kirche. Drei kurze Runden, die mich umbringen konnten.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Zu meiner Überraschung begann die erste Runde ruhig. Ich sah mich aufmerksam um, konnte aber nichts Auffälliges entdecken, während ich dicht an die Steinwand des Kirchengebäudes gedrückt durch den knöchelhohen Schnee stapfte.</p>



<p>Bei dem ersten Kirchenfenster hielt ich inne. Allerdings nicht, weil ich etwas gehört hatte, sondern weil das Teil des Årsgångs war. Man sollte durch jedes erreichbare Kirchenfenster sehen, um weitere Visionen zu empfangen.</p>



<p>Ich sah bereits, dass Licht aus dem Fenster schien. Trotzdem musste ich mich auf Zehenspitzen stellen, um mehr zu erkennen. Zum Vorschein kam eine gut gefüllte, prunkvoll mit Blumen dekorierte Kirche. Die Anwesenden trugen allesamt Anzüge und Kleider, während sie auf den Bänken saßen und sich erwartungsvoll zur Eingangstür umdrehten. Als dann auch noch Einar, unser Pfarrer, den Hochzeitsmarsch auf der Orgel anstimmte, wusste ich sofort, was los war. Anja Larsson hatte sich vor wenigen Wochen mit ihrem Freund, einem Norweger, verlobt. Es war seitdem das Klatschthema Nummer 1 gewesen. Als sie wenige Sekunden später tatsächlich in einem weißen Kleid die Kirche betrat, wandte ich mich ab.</p>



<p>Bereits nach wenigen Schritten verstummte die Hochzeitsmusik wieder und ließ mich mit der Kälte, dem Geräusch knirschenden Schnees und meinem knurrenden Magen zurück.</p>



<p>Die nächsten beiden Fenster waren ähnlich unspektakulär. Das zweite blieb dunkel, während ich im dritten Fenster Zeuge von Maja Holmquists Beerdigung wurden. Zwar brach es mir das Herz, Jonna mit einem zerknitterten Zettel in der Hand vor dem viel zu kleinen Sarg ihrer Tochter stehen zu sehen, wie sie weinend versuchte, einige Worte an die anderen Trauernden zu richten, doch auch die Beerdigung von Maja war seit der Vision am Friedhof keine Neuigkeit mehr für mich gewesen.</p>



<p>Das vierte und letzte Fenster blieb wieder dunkel. Aber es bot eh lediglich einen Einblick in einen Anbau mit einer Sofaecke und Küche, die dem Pfarrer und der Kirchengemeinde zur Verfügung standen.</p>



<p>Und so näherte ich mich bereits nach wenigen Minuten wieder der Kirchentür und somit dem Ende meiner ersten Runde. Ich konnte bereits meine eigenen Fußspuren einige Meter vor mir im Schnee sehen, als plötzlich ein Blitz die Nacht erhellte. Fast unmittelbar folgten ein lauter Knall sowie eine heiße Luftwelle, die mich von der Seite traf. Schnell drehte ich mich um.</p>



<p>Das Haus gegenüber der Kirche – soweit ich wusste ein Einfamilienhaus, in dem eine vierköpfige Familie wohnte – hatte wie aus dem Nichts Feuer gefangen.</p>



<p><em>‚Eine Explosion?‘</em>, schoss es mir in den Kopf.</p>



<p>Es dauerte nur Sekunden, bis die Flammen, die an den hölzernen Wänden hochzüngelten, das ganze Haus eingenommen hatten.</p>



<p>Im nächsten Moment öffnete sich die Haustür. Ein brennender Mann kam auf die Straße gerannt, der wild um sich schlug und wie am Spieß kreischte.</p>



<p>Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht fast auf den Trick hereingefallen und ihm zur Hilfe geeilt wäre. Gerade rechtzeitig fiel mir jedoch auf, wie unbekümmert die Bewohner der anderen Häuser zu sein schienen. Niemand trat auf die Straße. Ich konnte nicht einmal neugierige Gesichter an den Fenstern sehen, von Leuten, die die Explosion eindeutig gehört haben mussten.</p>



<p>Schließlich brach der Mann auf der Straße zusammen. Er hörte aber nicht auf, sich zu bewegen. Während noch immer kleine Flammen über seinen inzwischen schwarzgebrannten Körper zuckten, streckte er plötzlich einen Arm nach mir aus. „Wer ist da? Thorbjörn? Bist du das?“, fragte der mir fremde Mann mit erstaunlich fester Stimme.</p>



<p>Jetzt drang auch der Geruch an meine Nase. Es war aber kein abartiger Gestank, wie er manchmal beschrieben wurde, es roch eher nach einem gemütlichen Grillabend. Angewidert wandte ich mich ab.</p>



<p>„Ach komm, das haben wir doch echt gut in Szene gesetzt“, ertönte Grims Stimme wieder aus dem Nichts, während ich hörte, wie der Verbrannte mir mehrfach nachrief, dass ich ein Monster sei.</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. Geister waren echt geschmacklos. Zum Glück musste ich sie nur noch für zwei Runden um die Kirche ertragen. Ich hatte die Tür erreicht.</p>



<p>Wie auch bei der ersten Runde musste ich wieder in das Schlüsselloch pusten. Diesmal blieb ich vorsichtshalber einen Moment länger davor knien, um den Schwindelanfall abklingen zu lassen. Leider half es nur wenig. Wäre mein Magen nicht komplett leer gewesen, hätte ich nach dem Aufstehen wahrscheinlich auf den Boden gekotzt. So würgte ich jedoch nur trocken, während ich versuchte, einigermaßen geradeaus zu gehen. Zur Sicherheit blieb ich mit meiner linken Hand in Kontakt mit der Steinwand, bis ich das erste Fenster erreichte.</p>



<p>Die erste Vision war die einer Taufe. Ich beobachtete gelangweilt, wie der Pfarrer den Kopf eines kleinen Kindes mehrere Male unter Wasser drückte, ehe ich entschied, weiterzugehen.</p>



<p>Als ich mich abwandte, bemerkte ich jedoch eine Bewegung aus dem Augenwinkel, gefolgt von schweren Schritten. Misstrauisch sah ich in Richtung eines sich bewegenden Busches. Erst jetzt wurde mir klar, dass dahinter der Friedhof liegen musste.</p>



<p>Ich entschied, dass es schlauer wäre, nicht abzuwarten, bis ich herausfand, was sich von dort näherte.</p>



<p>Beim nächsten Fenster angekommen konnte ich eine traurige Melodie hören, ich wagte jedoch keinen Blick durch die Scheibe, da in diesem Moment eine Gestalt aus den Büschen trat. Sie hatte eine menschliche Statur – und kam direkt auf mich zu.</p>



<p>Ich wusste nicht, ob ich beim Årsgång rennen durfte. Oder ob ich überhaupt physisch dazu in der Lage wäre. Also beschleunigte ich bloß meine Schritte. Das wiederum schien die Silhouette anzustacheln. Sie gab eine Art Röcheln von sich, ehe sie zu einem Sprint ansetzte.</p>



<p>Mein Magen krampfte sich zusammen, als ich es sah. Aber was konnte ich tun? Ich hatte keine Waffe bei mir, nichts, um mich zu verteidigen, also begann ich zu joggen – schneller schafften es meine Beine in meinem Zustand nicht.</p>



<p>Ich hatte es gerade um die nächste Ecke geschafft, als das Ding mich einholte. Zuerst bemerkte ich einen Geruch nach Verwesung, ehe mich plötzlich eine abgemagerte Hand am Arm packte.</p>



<p>Panisch wirbelte ich herum, um den Angreifer abzuwehren, verlor dabei das Gleichgewicht und fiel mit dem Rücken voran in den Schnee. Gleichzeitig spürte ich, wie etwas Schweres auf mich stürzte. Der Aufprall presste mir mit einem keuchenden Geräusch die Luft aus den Lungen.</p>



<p>Während ich auf dem Rücken lag, sah ich, wie ein bleiches, eingefallenes Gesicht direkt über mir hing. Milchige Augen musterten mich. Und auch der Gestank nach Verwesung hatte deutlich zugenommen. Ein Wiedergänger.</p>



<p>Ihr kennt diese Wesen vielleicht besser als Zombies. Doch während Untote im Fernsehen durchaus gefährlich werden konnten, hatten Wiedergänger eine sehr viel schlimmere Eigenschaft: Ihre bloße Berührung brachte den Tod. Ich hatte Glück, dass der Großteil meines Körpers von dicker Winterkleidung bedeckt war. Würde er mich hingegen im Gesicht berühren …</p>



<p>Ein Röcheln entwich seinen Lippen, als der Mann sich an meinem Körper hochdrückte. Ich sah, dass seine Hand sich meinem Kopf näherte.</p>



<p>Panisch griff ich nach seinem Arm. Ich versuchte, seine Finger von mir fernzuhalten, aber der Untote hatte eine unglaubliche Kraft. Zentimeter für Zentimeter näherten seine abgemagerten Klauen sich meinem Hals.</p>



<p>Ich wühlte unterdessen mit der freien Hand panisch im Schnee neben mir, hoffte, dass ich etwas fand, mit dem ich mich verteidigen konnte – einen Stein, einen Ast, irgendetwas. Aber da war nichts.</p>



<p>Also setzte ich alles auf eine Karte. Als seine Finger meine Haut fast berührten, drehte ich mich leicht nach rechts, um meinen Körper anschließend mit voller Kraft nach links zu werfen.</p>



<p>Es funktionierte nicht ganz wie geplant. Ich hatte gehofft, genug Schwung aufzubringen, um über den Wiedergänger zu gelangen. Aber wenigstens lag er jetzt neben mir.</p>



<p>Ich zögerte keine Sekunde. Hektisch drehte ich mich auf den Bauch und drückte mich hoch. Gerade dachte ich, dass ich es geschafft hätte, als eine knöcherne Hand mein Fußgelenk umschloss.</p>



<p>Ich sah nicht hin, während ich mit dem Fuß wild um mich trat. Mit einem Tritt erwischte ich irgendetwas Hartes, das nach einem widerwärtigen Knacken plötzlich weich nachgab. Wenn ich raten müsste, würde ich auf seinen Brustkorb tippen, auch wenn ich dafür eigentlich schon zu weit weg war. Trotzdem gab die Hand mich schlagartig frei.</p>



<p>Schnell stolperte ich vorwärts. Die Geräusche hinter mir verrieten aber, dass ich den Kampf noch nicht gewonnen hatte. Der Wiedergänger richtete sich ebenfalls auf, also beeilte ich mich, zurück zur Tür zu kommen.</p>



<p>Während die stapfenden Geräusche hinter mir wieder näherkamen, warf ich mich um die Ecke. Ich stolperte, fing mich und stürzte schließlich zur Kirchentür. Gerade noch so schaffte ich es, mich an der Türklinke festzuklammern, knallte mit dem Gesicht schmerzhaft gegen das Holz und schmeckte Blut, ehe ich mehr schlecht als recht einen halben Atemzug in das Schloss hauchte. Trotzdem wusste ich, dass ich zu langsam war. Mir fehlte die Kraft, mich sofort wieder aufzurappeln. Kapitulierend schloss ich die Augen. Der Wiedergänger musste jede Sekunde bei mir sein.</p>



<p>Dann geschah … nichts. Überrascht blinzelnd sah ich mich um. Von dem Wiedergänger fehlte jede Spur. Wo war er hin?</p>



<p>„Er ist abgehauen“, erklärte Grim, als hätte er meine Gedanken gelesen. „Und wenn du schlau bist, machst du das auch. Ob du es glaubst oder nicht, selbst ich habe Angst vor <em>ihr</em>.“</p>



<p>Ich ahnte bereits, von wem er sprach. Es gab nur eine <em>Sie</em>, die laut meinen Büchern am Ende des Årsgångs auftauchen solle: Gloson. Ein fürchterliches Geisterschwein. Es wunderte mich jedoch, dass Grim angeblich Angst vor ihr habe. Was hatte er als Geist noch zu verlieren?</p>



<p>Um etwas Kraft zu tanken, blieb ich einen Moment vor der Kirchentür sitzen. Außerdem nutzte ich die Zeit, um meine gespaltene Unterlippe zu kühlen – eine Verletzung, die ich meiner unsanften Begegnung mit der Kirchentür verdankte. Wie einfach es wäre, jetzt meine Augen zu schließen und mich der süßen Verlockung des Schlafs hinzugeben …</p>



<p>Aber natürlich war das für mich keine Option. Ich war schon so weit gekommen, da konnte ich jetzt nicht einfach aufgeben.</p>



<p>‚<em>Also los, Thorbjörn</em>‘, forderte ich mich in Gedanken auf. ‚<em>Eine letzte Runde, dann darfst du endlich nach Hause gehen.</em>‘</p>



<p>Bereits bei dem Gedanken an ein Glas Wasser, eine Scheibe Brot oder vielleicht ein Müsli und mein kuscheliges Bett wurde mir sofort wärmer ums Herz. Wie sehr ich mich gerade nach der Geborgenheit sehnte. Den Gedanken fest umklammernd rappelte ich mich auf.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Für die letzte Runde hatte ich mir vorgenommen, keine Zeit mehr mit den Visionen zu verschwenden. Stattdessen entschied ich, nur flüchtig durch die Scheiben zu blicken, um möglichst schnell mit der Runde durch zu sein. Die Fenster ganz zu ignorieren, traute ich mich hingegen nicht. Immerhin waren die Visionen ein wichtiger Bestandteil des Årsgångs und ich wollte nicht riskieren, daran jetzt noch zu scheitern.</p>



<p>Beim ersten Fenster klappte mein Plan sehr gut. Ich sah bloß flüchtig irgendeine Konfirmation, die mich auch so nicht wirklich interessiert hätte. Schnell wandte ich den Blick wieder ab, um zum zweiten Fenster weiterzugehen.</p>



<p>Dort erklang dieselbe traurige Musik wie in der letzten Runde. Wieder warf ich einen flüchtigen Blick durch die Scheibe. Eine Beerdigung. Doch auch jetzt wollte ich mich schnell wieder abwenden – bis mein Blick auf das Foto neben dem Sarg fiel: Mama …</p>



<p>Für einen Moment war ich wie erstarrt, als wolle mein Kopf nicht begreifen, was ich da vor mir sah. Aber natürlich begriff ich es. Es war ihre Beerdigung. Meine Mutter würde im kommenden Jahr sterben. Nichts, was ich tat, konnte daran etwas ändern. Meine Recherche, der Årsgång, meine Pläne – alles war umsonst gewesen.</p>



<p>Trotzdem stiegen in mir keine Tränen auf. Es war eine kalte Erkenntnis, die mein Herz gefrieren ließ. In mir fühlte ich nichts als Leere, war wie erstarrt. Es war jedoch in dieser Starre, dass mir eine Frau ins Auge fiel, die ich nicht auf der Beerdigung erwartet hatte: Jonna Holmquist. Sie saß in der ersten Reihe, direkt neben mir, hatte einen Arm um mich gelegt und streichelte sanft meine Schulter, während ich weinte.</p>



<p>Jonna, meine alte Jugendliebe. Was machte sie auf Mamas Beerdigung? War sie meinetwegen gekommen? Ihre Berührung wirkte so zärtlich, so liebevoll. Und genau das war der Funke, der meine Leere wieder füllte. Ich hatte einen Grund, weiterzuleben. In ihrer dunkelsten Stunde, dem Tod ihrer Tochter, würde ich für Jonna da sein – und sie für mich in meiner.</p>



<p>Mit der neu gewonnenen Kraft wollte ich gerade weitergehen, als ich hinter mir ein tiefes Grunzen hörte.</p>



<p>Langsam drehte ich mich um. Sofort sah ich die zwei rot brennenden Augen, die mich aus dem Halbdunkel anstarrten. Der Rest von Glosons weißem Körper, ihr Fell mit den rasiermesserscharfen Borsten am Rücken und der tiefhängende Kopf mit den für eine Wildsau erstaunlich großen Eckzähnen, gingen fast völlig im Schnee unter.</p>



<p>Mein nächster Blick galt dem kleinen Gegenstand, den ich in ihrem Maul entdeckte: eine Schriftrolle. Sie war es, die einem magische Kräfte verleihen sollte. Die Gerüchte waren also real.</p>



<p>Krampfhaft versuchte ich, mich an alles zu erinnern, was ich über Gloson gelesen hatte. Sie würde versuchen, zwischen meinen Beinen hindurchzulaufen, um mich mit ihren scharfen Rückenborsten zu zerteilen. Die beste Möglichkeit, sich dagegen zu schützen, war es, seine Beine zu überkreuzen, sodass sie nicht mehr hindurch konnte. Andererseits musste ich irgendwie an die Schriftrolle gelangen, wenn ich aus dem Årsgång mit magischen Fähigkeiten hinausgehen wollte. Wenn ich also im richtigen Moment die Beine kreuzen würde …</p>



<p>Mehr Zeit zum Überlegen hatte ich nicht. Gloson setzte bereits zum Angriff an. Sie schnaufte, stieß dabei Wolken aus ihren Nasenlöchern und preschte los.</p>



<p>Ich hörte ihren schweren Atem, während sie näherkam. Gleichzeitig spürte ich, wie mein Puls anstieg. Als sie mich fast erreicht hatte, verlagerte ich das Gewicht und trat mit dem linken Fuß nach rechts, sodass meine Beine ein X bildeten.</p>



<p>Gloson rannte nur knapp an mir vorbei, allerdings nicht nah genug, dass ich nach der Schriftrolle hätte greifen können. Hätte ich es versucht, hätte ich wahrscheinlich das Gleichgewicht verloren.</p>



<p>Also brauchte ich einen neuen Plan. Vielleicht, wenn ich rechtzeitig zur Seite sprang …</p>



<p>„Was zur Hölle tust du da?“, drang Grims Stimme an mein Ohr, während ich mich wieder normal hinstellte.</p>



<p>Gleichzeitig behielt ich Gloson genau im Auge. Ich sah, wie sie sich wieder positionierte, zu einem neuen Sprint ansetzte und auf mich zulief.</p>



<p>Erst jetzt merkte ich, wie lückenhaft mein Plan war. Gloson war viel zu schnell. Ich würde es nie schaffen, gleichzeitig die Schriftrolle zu packen und zur Seite zu springen. Nicht mit meinen halb eingefrorenen Gliedern.</p>



<p>Trotzdem versuchte ich es. Ich hatte jedoch zu viel Angst, warf mich zu früh zur Seite, sodass meine Hand nicht einmal in die Nähe der Schriftrolle kam. Ich landete mit dem Gesicht voran im Schnee.</p>



<p>Den Geräuschen nach trampelte Gloson nur knapp an mir vorbei. Sie gab einen quiekenden Schrei von sich.</p>



<p>„Ganz toll, Thorbjörn!“, brüllte Grim mich an. „Wenn du sie wütend machen willst, bist du auf dem besten Weg! Du brauchst die verdammte Schriftrolle doch gar nicht mehr. Deine Mutter ist so gut wie tot!“</p>



<p>Ein Stich fuhr durch mein Herz. Trotzdem hatte Grim recht. Sie war der einzige Grund, warum ich die Schriftrolle haben wollte. Aber seit wann gab er mir Tipps, wie ich überleben konnte? Wollte er nicht die ganze Zeit, dass ich sterbe?</p>



<p>Grim gab ein genervtes Knurren von sich. „Hör zu. Ich weiß, du hast keinen Grund, mir zu vertrauen, aber ich möchte nicht, dass dieses verdammte Biest noch jemanden tötet. Es reicht, dass sie mir damals das Leben genommen hat! Also steh endlich auf und beende die verdammte letzte Runde!“</p>



<p>Mein Hirn raste. Ich wusste nicht, ob das wieder irgendein Trick war. Aber Grim hatte recht. Ich musste hier weg!</p>



<p>Mein ganzer Körper schmerzte, während ich mich aufrappelte. Schnee hing in meinem Bart, klebte an meiner Kleidung.</p>



<p>Gloson ging unterdessen in Kreisen um mich herum, wie ein Hai, der jeden Moment angreifen würde. Jetzt senkte sie wieder den Kopf. Sie schnaufte.</p>



<p>„Beine kreuzen!“, fordere Grim mich auf.</p>



<p>Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Schnell trat ich mit dem linken Bein nach rechts.</p>



<p>Gloson grunzte unzufrieden. Sie hob den Kopf, begann hin und her zu laufen, als warte sie auf den richtigen Moment, um noch einmal zuzuschlagen.</p>



<p>„Gut“, schaltete Grim sich wieder ein. „Ich behalt das Biest im Auge. Kannst du so gehen?“</p>



<p>Ich versuchte es. Meine Beine fühlten sich träge an. Wann immer sie sich berührten, zuckte Schmerz durch meine Schenkel. Aber ich kam voran.</p>



<p>Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich vorwärts, während ich Gloson den Rücken zuwandte. Zwar traute ich Grim noch immer nicht wirklich, aber es war meine beste Chance, voranzukommen.</p>



<p>Als ich die Kirchenwand erreicht hatte und mich abstützen konnte, ging es etwas schneller.</p>



<p>Gloson blieb die ganze Zeit hinter mir. Aber tatsächlich griff sie nicht an. Und so dauerte es nicht lange, bis ich wieder fast bei der Kirchentür war.</p>



<p>„Weißt du, Thorbjörn“, hob Grim wieder die Stimme. „Ich hatte echt gedacht, dass du es nicht schaffst. Aber dann hast du dich in deiner eigenen Vision gesehen. Dein Schicksal stand bereits fest. Egal ob ich dir helfe oder nicht, du wirst nächstes Jahr in dieser verdammten Kirche sitzen.“</p>



<p>Ich blinzelte überrascht. Darüber hatte ich gar nicht nachgedacht. Trotzdem erlaubte ich mir nicht, innezuhalten.</p>



<p>Inzwischen war ich bei der Tür angekommen. Es stellte sich als schwieriger heraus, als gedacht, mich mit überkreuzten Beinen hinzuhocken, aber nach wenigen Versuchen klappte es.</p>



<p>Grim lachte bitter. „Hätte mir jemand vorhin gesagt, dass ich mich einmal freuen würde, dass ein Mensch den Årsgång schafft, hätte ich dir nicht geglaubt.“ Er sprach lauter. „Hörst du das, Gloson? Thorbjörn hat dich überlebt!“ Dann wieder leiser: „Verdammtes Mistvieh. Aber genug geredet. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Also dann: Frohe Weihnachten … Sven.“</p>



<p>Mit diesen Worten blies ich ein letztes Mal in das Schlüsselloch.</p>



<p>Ich spürte die Veränderung bereits in der Luft. Auch ohne mich umzudrehen, wusste ich, dass Gloson und Grim fort waren. Trotzdem kam ich nicht umhin, in die Luft zu lächeln. „Frohe Weihnachten, Grim“, krächzte ich mit trockenem Hals. Dann stand ich auf und machte mich auf den Heimweg.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Gloson ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> der schwedischen Folklore. Es ist ein fürchterliches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a>schwein, das fast ausschließlich im Zusammenhang mit dem Årsgång erwähnt wird.</p>



<p>Der Name „Gloson“ setzt sich aus den schwedischen Wörtern „glo“ (glotzen, blenden) und „son“ (die Sau) zusammen. Wie der Name verrät, ist Gloson also weiblich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Gloson ist ein schneeweißes Schwein oder Wildschwein bzw. eine Sau oder Wildsau. Sie hat große Haken (Bezeichnung der Eckzähne weiblicher Wildschweine) und rotglühende oder brennende Augen.</p>



<p>Auf ihrem Rücken hat sie rasiermesserscharfe Borsten, die an Klingen oder ein Sägeblatt erinnern. Da sie ihre Borsten als Waffe nutzt, rennt sie meist gebückt und hält ihren Kopf dicht am Boden.</p>



<p>In einigen Geschichten hat sie noch weitere Merkmale. So hält sie manchmal etwas im Maul, z. B. eine Sichel, ein Buch oder eine Schriftrolle, hat brennende Borsten, trägt einen kleinen Mann oder Jungen auf dem Rücken, hat unzählige Augen, ist unsichtbar, hat Ferkel bei sich uvm.</p>



<p>Wie ihr seht, kann sich das Aussehen von Gloson also sehr unterscheiden. Trotzdem wird sie in fast jeder Geschichte als eine schneeweiße Sau mit feurigen Augen und messerscharfen Rückenborsten beschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Gloson taucht hauptsächlich in dunklen Winternächten auf. Sie ist Teil des Årsgångs, einer alten schwedischen Weissagungstechnik, und erscheint als letzte Hürde, um jemanden an der Ausführung des Årsgångs zu hindern.</p>



<p>Wenn sie erscheint, versucht sie, zwischen den Beinen ihres Opfers hindurchzurennen, um es mit ihren scharfen Borsten in der Mitte zu zerteilen oder es auf ihren Rücken zu werfen und fortzutragen. Wenn das Opfer fortgetragen wird, stirbt es entweder an den Verletzungen durch die scharfen Borsten, weil es verdurstet oder an Erschöpfung, da der wilde Ritt mehrere Tage bis Wochen dauern kann.</p>



<p>In anderen Geschichten wirft Gloson ihre Opfer nach einiger Zeit ab. Auch hier ist man aufgrund des kalten Winters oder der Verletzungen jedoch oft dem Tode geweiht. Hat man hingegen „Glück“ und überlebt, ist man dank des wilden Ritts dem Wahnsinn verfallen.</p>



<p>Laut einigen Versionen der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> hat Gloson außerdem etwas bei sich, das der Årsgång-Durchführende braucht, um den Årsgång zu beenden oder magische Fähigkeiten zu erlangen. Dabei kann es sich z. B. um ein Buch oder eine Schriftrolle über schwarze Magie oder geheimes Wissen oder um einen anderen magischen Gegenstand handeln.</p>



<p>Wenn man Gloson tatsächlich begegnet, gibt es viele Möglichkeiten, wie man sich gegen sie schützen kann. So ist Silber, besonders, wenn es geweiht wurde, aber auch Stahl oder Eisen eine bewährte Waffe gegen das Übernatürliche. Zudem helfen Gebete, das Kreuzzeichen oder wenn man seine Beine kreuzt. Gerade Letzteres wird oft im Zusammenhang mit Gloson erwähnt, da es nicht nur vor dem Bösen schützen soll, sondern auch verhindert, dass Gloson zwischen den Beinen ihres Opfers hindurchlaufen kann.</p>



<p>Alternativ soll es einige Nahrungsmittel geben, mit denen man Gloson ablenken kann. In einer Quelle habe ich von sieben Jahre alten Nüssen gelesen, die man ihr hinwerfen muss, damit sie sich darauf statt auf ihr Opfer konzentriert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Die Legende von Gloson wurde hauptsächlich im Süden Schwedens verbreitet. Daher soll Gloson hauptsächlich dort vorkommen. Es gibt aber auch Texte aus anderen Orten Schwedens, in denen von ihr die Rede ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>In den ältesten Texten über den Årsgång ist von Gloson noch keine Rede. Stattdessen wird von einem Reiter berichtet, dessen Pferd mit brennender Mähne einen Runenstab im Maul trägt, das dem Årsgång-Durchführenden magische Fähigkeiten verleiht, sofern er ihn dem Pferd entwenden kann.</p>



<p>Erst später wird dieser Reiter samt Pferd durch Gloson abgelöst. Die brennende Mähne wurde zu den brennenden Borsten bzw. Augen Glosons, während andere Motive wie der magische Stab oder der Reiter, wenn auch jetzt in kleinerer Form, in einigen Versionen komplett übernommen wurde.</p>



<p>Wieso für Gloson das Motiv des Schweins gewählt wurde, ist naheliegend: Schweine (auch Hausschweine) sind früher oft in der Wildnis umhergelaufen und konnten eine Gefahr für unschuldige Passanten darstellen. Besonders aggressiv und gefährlich waren sie, wenn sie Junge hatten.</p>



<p>Das Schwein war früher also, auch wenn es als Haustier sehr beliebt war, durchaus gefürchtet. Und auch heute noch haben viele Menschen (zurecht) Angst vor Wildschweinen, da sie schnell aggressiv werden, Menschen angreifen und sie schwer bis tödlich verletzen können.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Gloson? Würdet ihr den Årsgång durchführen, auch wenn ihr wisst, was euch bei der Kirche alles erwarten kann? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gloson">Gloson – Der Jahresgang Teil 2</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<item>
		<title>Årsgång – Der Jahresgang Teil 1</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/arsgang</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Dec 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
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		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein plötzliches Piepen riss mich aus meinen Gedanken. Fast instinktiv griff ich nach meiner Armbanduhr, um den Alarm zu deaktivieren. Mitternacht. Das Ritual konnte endlich beginnen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/arsgang">Årsgång – Der Jahresgang Teil 1</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p>Årsgång ist der erste Teil meines diesjährigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachts</a>-Zweiteilers. Wie vor drei Jahren bei <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads" target="_blank" rel="noreferrer noopener">den Yule Lads</a> habe ich die Weihnachtsgeschichte dieses Jahr also wieder auf mehrere Teile aufgeteilt. Den zweiten Teil findet ihr nächste Woche hier auf meinem Blog oder bereits jetzt auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Krankheit: Erwähnung von ALS</p>
<p>&#8211; Andeutung an den Tod eines Kindes</details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich saß zitternd in meinem Zelt, eine dicke Wolldecke eng um mich gewickelt, während ich meinen knurrenden Bauch hielt und mein Mund sich völlig ausgetrocknet anfühlte. Selten hatte ich mich so schwach gefühlt. Und das an einem Heiligabend, wo die meisten Leute mit ihren Familien in einem warmen Wohnzimmer saßen und mehr aßen und tranken, als sie es sich das restliche Jahr über erlaubten.</p>



<p>Aber bevor ihr euch jetzt Sorgen um mich macht, sollte ich anmerken, dass das hier alles selbstverschuldet war. Und nicht nur das, es war sogar beabsichtigt. Ich war im Begriff ein altes schwedisches Ritual durchzuführen: den Årsgång. Nur hätte ich nicht gedacht, dass ich mich nach einem Tag ohne Essen und Trinken so schwach fühlen würde. Außerdem war da diese unerträgliche Kälte, die mir von Stunde zu Stunde tiefer in die Knochen kroch.</p>



<p>Als Vorbereitung für den Årsgång musste man sich nämlich einen kompletten Tag isolieren. Man musste sich ohne Wasser oder Nahrung tief in den Wald begeben. In meinen Büchern hieß es: so tief, dass man weder Hund noch Hahn hören konnte. Aber ich ging lieber auf Nummer sicher und war so weit gegangen, dass auch keine Geräusche von fahrenden Autos mehr zu mir vordrangen.</p>



<p>Eine weitere Bedingung war, dass ich in dieser Zeit kein einziges Wort sagen, kein Handy oder Laptop bei mir haben und in kein Licht wie ein Feuer oder eine Lampe blicken durfte.</p>



<p>Ich hatte die letzten Stunden also in völliger Stille, Kälte und Dunkelheit verbracht. Die Sonne war schon vor Stunden untergegangen und jetzt wartete ich nur noch darauf, dass es endlich Mitternacht wurde. Dann konnte der Årsgång beginnen.</p>



<p>Aber bis dahin saß ich weiter zitternd in meine Decke gewickelt und dachte über mein Leben nach. Noch vor einem Jahr wäre es für mich undenkbar gewesen, ein Ritual wie den Årsgång durchzuführen. Damals saß ich mit meiner Mama, meiner letzten lebenden Verwandten, am Weihnachtstisch und aß mit ihr eine Gans, die wir gemeinsam zubereitet hatten. Unser Leben war in Ordnung gewesen. Das war jedoch vor ihrer Diagnose.</p>



<p>Wie wir dieses Jahr herausgefunden hatten, litt meine Mutter an amyotropher Lateralsklerose, besser bekannt als ALS. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die Ice Bucket Challenge, die vor einigen Jahren durch das Internet kursiert ist. Sie sollte damals auf ALS aufmerksam machen.</p>



<p>Jedenfalls ist es eine grausame Krankheit, die zu Muskellähmungen und schließlich zum Tod führt. Eine Heilung ist laut unserer Schulmedizin nicht möglich.</p>



<p>Wie so viele Menschen in ähnlichen Situationen hatte ich also das einzige in meiner Macht stehende getan, und angefangen, mich nach alternativen Heilmethoden umzusehen. Aber während andere Menschen sich auf Heilsteine und Homöopathie stürzten, hatte ich mich für einen anderen Weg entschieden: das Übernatürliche. Mein erster Schritt in diese Richtung sollte der Årsgång werden.</p>



<p>Eigentlich war es nicht mehr als ein Wahrsageritual, mit dem man die Zukunft der Gemeinde voraussehen konnte. In einigen Büchern hatte ich jedoch etwas von magischen und sogar heilenden Fähigkeiten gelesen, die man nach einem erfolgreichen Årsgång erhalten solle. Und selbst, wenn das nicht der Fall war, würde das Ritual zumindest mein Gespür für das Paranormale stärken.</p>



<p>So oder so, egal, wie verzweifelt der Versuch auch sein mochte, es war immer noch besser, als zuhause zu sitzen und nichts zu tun.</p>



<p>Ein plötzliches Piepen riss mich aus meinen Gedanken. Fast instinktiv griff ich nach meiner Armbanduhr, um den Alarm zu deaktivieren. Mitternacht. Das Ritual konnte endlich beginnen.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Als ich aus dem Zelt trat, schnitt mir die eisige Winterluft ins Gesicht, stach in meine trockenen Lippen. Nur mein Bart und die dicke Kleidung schützen mich einigermaßen vor der Kälte. Trotzdem hatte ich bereits das meiste Gefühl in meinem Fingern und Zehen verloren – ein Zustand, der hier draußen nicht besser werden würde.</p>



<p>Wenigstens reflektierte der Schnee das wenige Mondlicht, das durch die Bäume schien, sodass ich nicht gegen den nächsten Baum laufen würde.</p>



<p>Schnee knirschte mit jedem Schritt unter meinen Stiefeln. Das Geräusch hallte gespenstisch durch den Wald, als würden viele weitere Beine mir folgen.</p>



<p>Ich beachtete es nicht weiter. Stattdessen ging ich in Gedanken noch einmal meine Route durch. Ich würde den Wald verlassen, über den schmalen Weg zwischen den Feldern ins Dorf zurückwandern, am Friedhof vorbei und auf direktem Weg zur Kirche. Dort würde der größte und wichtigste Teil des Rituales stattfinden.</p>



<p>Alles, was ich bis dahin tun musste, war nicht zu sprechen oder zu lachen, nicht nach hinten zu blicken, auf dem Weg zu bleiben und keine Furcht zu zeigen. Das war allerdings einfacher gesagt als getan. Wenn man den Büchern glauben durfte, würde die paranormale Welt alles daransetzen, mich von meinem Årsgång abzuhalten.</p>



<p>Wieder knurrte mein Magen. Ich versuchte, den Hunger zu ignorieren, konzentrierte mich auf meine Schritte und meine Umgebung. Trotzdem bemerkte ich die Silhouette zwischen den Bäumen erst, als sie mich ansprach.</p>



<p>„Was macht ein einsamer Wanderer hier so spät in der Nacht?“, fragte eine helle Frauenstimme.</p>



<p>Fast hätte ich vor Schreck einen Satz zur Seite gemacht. Ich wusste nicht, ob es meine Erschöpfung oder eine mir bisher unbekannte Selbstkontrolle war, aber ich schaffte es irgendwie, den Instinkt zu unterdrücken und einen neutralen Gesichtsausdruck zu wahren.</p>



<p>Jetzt musterte ich die Gestalt zwischen den Bäumen aufmerksam. Sie hatte so reglos und still dagestanden, dass ihr weißes Kleid mit dem Schnee verschmolzen war. Und ihre blasse Haut war auch nicht viel dunkler. Lediglich ihre eisblauen Augen und das goldene Haar stachen im direkten Mondlicht deutlich hervor, als sie aus den Schatten trat.</p>



<p>„Oh. Du zitterst ja“, bemerkte sie. „Soll ich dich etwas wärmen?“ Sie legte mir ihre Hand auf die Brust und fuhr mir ihr langsam an meinem Körper herunter. Ich packte ihr Handgelenk, als sie meinen Bauchnabel erreichte und noch immer nicht zu stoppen schien.</p>



<p>Das war dann wohl eine Skogsrå, eine übernatürliche Hüterin des Waldes, die in ihrer Freizeit nichts Besseres zu tun hatte, als einsame Wanderer zu verführen, um ihnen die Seelen zu rauben.</p>



<p>Da ich nichts sagen durfte, schüttelte ich bloß den Kopf und schob ihre Hand beiseite. Ich nahm mir vor, sie möglichst sanft abzulehnen, um sie nicht zu verärgern. Trotzdem wollte ich mich nicht aufhalten lassen, also ging ich langsam weiter.</p>



<p>„Oh, hast du noch was vor?“, fragte sie scheinheilig. „Ich verspreche dir, dass es nicht lange dauert. Danach wirst du dich sehr viel besser fühlen.“</p>



<p>Ich hörte, wie ihre leisen Schritte mir folgten. Sie holte auf, um neben mir zu gehen, wo sie meinen Arm ergriff und sanft ihren Kopf an meine Schulter schmiegte. Ich spürte, wie ihre Wärme durch die Jacke hindurch an meinem durchgefrorenen Körper drang. Und auch ihr süßlicher Duft gelangte jetzt an meine Nase. Er war nicht aufdringlich, sondern genauso zart und lieblich wie die Skogsrå selbst. Hätte ich jetzt die Augen geschlossen, würde ich mich wohl in dem Gefühl verlieren.</p>



<p>Also schüttelte ich bloß wieder den Kopf. Ich machte aber keine Anstalten, mich loszureißen. Ich redete mir ein, es läge daran, dass ich die Skogsrå nicht verärgern wolle, aber wenn ich ehrlich war, wollte ich ihre Wärme noch für ein paar Meter mehr genießen.</p>



<p>Den Waldgeist eng an meine Seite gekuschelt, ging ich weiter meines Weges. Sie flüsterte mir Komplimente zu und erzählte mir, wie schrecklich einsam sie sich zu Weihnachten immer fühle. Und auch ich fühlte mich einsam, jetzt, wo meine Mutter im Krankenhaus war und ich das Haus für mich allein hatte.</p>



<p>Die Skogsrå galt als Meisterin der Verführung und unter anderen Bedingungen, hätte ich nicht das Ziel vor Augen gehabt, meine Mutter zu heilen, wäre ich ihr vielleicht verfallen.</p>



<p>Je näher wir jedoch dem Waldrand kamen, desto verzweifelter wurden ihre Versuche. Inzwischen raunte sie mir die verbotensten Versprechungen ins Ohr, streichelte sanft meinen Oberschenkel und versuchte sogar, mir zwischen die Beine zu greifen.</p>



<p>Da ich inzwischen die schneebedeckten Felder hinter den Bäumen sehen konnte, drückte ich die Skogsrå von mir weg und beschleunigte meine Schritte.</p>



<p>In einer letzten Verzweiflungstat griff der Waldgeist nach meinem Handgelenk, versuchte, mich zurückzuhalten, aber ich riss mich wieder los und trat aus dem Wald hinaus. Erleichtert atmete ich auf, als ich ihre Schritte nicht länger hinter mir hören konnte.</p>



<p>„Du wirst es nicht schaffen!“, rief sie mir nach. Jegliche Zärtlichkeit war jetzt aus ihrer Stimme gewichen. „Du gehst in deinen eigenen Untergang!“</p>



<p>Fast hätte ich mich zu ihr umgedreht. Ich erinnerte mich gerade noch rechtzeitig, dass ich während des Årsgångs nicht zurückblicken durfte. Stattdessen atmete ich noch einmal tief durch und ging stur weiter. Ich spürte ihren Blick noch eine ganze Weile in meinem Rücken, während ich das Feld verließ und den schmalen von Fußabdrücken gezeichneten Weg betrat.</p>



<p>Dort strauchelte ich. Es lag aber nicht nur an dem plattgetretenen Schnee, auf dem ich fast wegrutschte, sondern auch an dem Schwindel, der sich langsam in mir ausbreitete.</p>



<p>Sanft schlug ich mir auf die Wangen, suchte mir einen Punkt in der Ferne, auf den ich mich konzentrieren konnte, um mich von meiner eigenen Schwäche abzulenken. Ich entschied mich für die bunten Lichter meines Dorfes. Wie jedes Jahr war es zu dieser Zeit festlich geschmückt.</p>



<p>„Das war aber nicht die feine schwedische Art“, ertönte plötzlich eine hohe, fiepsige Männerstimme hinter mir. „Haben deine Eltern dir beigebracht, so mit einer Frau umzugehen?“</p>



<p>Eine Gänsehaut zog sich über meinen ohnehin schon kalten Rücken. Die Stimme war direkt hinter meinem linken Ohr erklungen. Sehen konnte ich niemanden, aber ich wusste nicht, ob die Stimme keinen dazugehörigen Körper hatte, oder ob sich das Wesen bloß hinter mir aufhielt, da es genau wusste, dass ich mich nicht umdrehen durfte. Ein zweites Paar Füße, die durch den Schnee stapften, konnte ich jedenfalls nicht hören.</p>



<p>„Oh, tut mir leid. Hab ich dich erschreckt?“, fragte die Stimme weiter.</p>



<p>Hatte sie, aber zum Glück hatte ich es auch diesmal geschafft, mir nichts anmerken zu lassen.</p>



<p>„Mein Name ist Grímr, aber du darfst mich Grim nennen. Und wie heißt du?“, fuhr die Stimme unbeirrt fort. Diesmal erklang sie an meinem rechten Ohr.</p>



<p>Es war ein billiger Trick, um mich zum Reden zu bewegen. Aber natürlich war ich auf so etwas eingestellt und antwortete nicht.</p>



<p>„Nicht der redselige Typ, was? Also gut. Lass mich raten. Du heißt … Hmmm … Sven? Ja, Sven! Sven, der Schwede!“, brabbelte die Stimme weiter.</p>



<p>Hieß ich nicht. Mein Name war Thorbjörn. Aber selbst, wenn ich sprechen dürfte, hätte ich aus meinem ausgetrockneten Hals wahrscheinlich kein verständliches Wort herausbringen können, um die Stimme zu korrigieren.</p>



<p>Stattdessen konzentrierte ich mich stur weiter auf die bunten Lichter der Gemeinde. Nur, dass da auf einmal keine bunten Lichter mehr waren. Um mich herum war es plötzlich taghell. Ich ging zwischen zwei üppig bewachsenen Hefefeldern hindurch, auf denen ein Trecker die reiche Ernte einfuhr.</p>



<p>Staunend sah ich mich um, weiter darauf bedacht, nicht zurückzublicken. Solche Visionen waren normal während des Årsgångs. Sie bedeuteten, dass die Ernte nächstes Jahr gut werden würde. Aber ich hätte nie gedacht, dass sie sich so real anfühlen würden. Der Wind ließ das Getreide tanzen. Ich hörte Grillen in den Feldern zirpen. Fast konnte ich das warme Sonnenlicht auf meiner eiskalten Haut spüren.</p>



<p>„A-bab-bab! Sven, behalt deine Augen auf dem Weg!“, mahnte Grim.</p>



<p>Sofort verblasste die Vision um mich herum. Ich sah wieder die dunklen, kalten Felder, hörte wieder Schnee und Eis unter meinen Füßen knirschen.</p>



<p>Überrascht weitete ich die Augen. Die Stimme hatte es geschafft, die Vision zu unterbrechen. Davon hatte nichts in meinen Büchern gestanden. Wenn sie das beim Friedhof auch schaffen würde …</p>



<p>„Vielleicht wird es Zeit für einen Witz“, säuselte die Stimme weiter. „Wir wollen ja nicht, dass du noch einen Einblick in die Zukunft erhältst, oder?“</p>



<p>Die folgenden Minuten fühlten sich wie eine Ewigkeit an. Die ‚Witze‘, die Grim erzählte, bewegten sich alle auf dem Niveau von: „Treffen sich zwei Jäger. Beide tot.“ Um genau zu sein, war das sogar einer der Witze, die er erzählte.</p>



<p>Aber während das ganz und gar nicht meinen Humor traf, waren einige der Witze so bescheuert, dass ich fast lachen musste.</p>



<p>Krampfhaft dachte ich an meine Mutter, wie sie im Rollstuhl neben mir saß. Der Doktor erklärte uns, dass er ALS selten so schnell hatte fortschreiten sehen. Aber es gäbe da Medikamente, die den Verlauf verzögern könnten.</p>



<p>Ich kam erst wieder zurück ins Hier und Jetzt, als ich erneut strauchelte. Ich sah, wie Tränen meine Sicht verschleierten, und blinzelte sie schnell weg. Wenigstens war mir nicht mehr zum Lachen zu Mute, weshalb ich keine Probleme hatte, der weiteren Tirade aus Flachwitzen zu entgehen, bis wir endlich das Dorf erreichten.</p>



<p>Die bunten Lichter, die die Bäume und Häuser schmückten, schienen vor meinen Augen zu flimmern. Ich blinzelte mehrere Male, um den Schwindel zu vertreiben, aber er blieb hartnäckig. Auch bemerkte ich jetzt, wie schwer ich atmete. Obwohl ich nur einen kurzen Spaziergang hinter mir hatte, schnaufte ich wie nach einem Marathon. Blieb nur zu hoffen, dass mir an diesem Abend keine Menschen begegneten, die sich Sorgen um mich machten. Ich sah wahrscheinlich ziemlich scheiße aus.</p>



<p>Zum Glück traf ich bis zum Friedhof lediglich einen Schneemann, der mich bei meinem Gang beobachtete. Als ein Windstoß einen der Fichtenäste, aus denen seine Arme bestanden, zum Schwingen brachte, kam es mir fast so vor, als würde er mir aufmunternd zuwinken. Den längsten Weg hatte ich hinter mir. Bis zur Kirche waren es nur noch ein paar wenige, gut ausgeleuchtete Meter. Nur noch vorbei an dem bereits erwähnten Friedhof.</p>



<p>„Oh, guck mal! Ein Friedhof“, sagte Grim mit der Begeisterung eines Kindes beim Auspacken seiner Geschenke. „Sieh ihn dir genau an. Bald wirst du auch dort liegen!“</p>



<p>Ich kam seiner Aufforderung bereitwillig nach, betrachtete jedes einzelne Grab genauer, das ich finden konnte. Nicht nur, weil ich fürchtete, einer der Toten könne mir einen unerwarteten Besuch abstatten, um mein Ritual aufzuhalten, sondern auch weil der Friedhof einer der wichtigsten Orte beim Årsgång war, an dem man Visionen empfangen konnte. Hier konnte ich sehen, wer aus meiner Gemeinde im kommenden Jahr stirbt. Sollte ich hier irgendwelche Hinweise auf meine Mutter finden, hätte ich wenigstens Gewissheit.</p>



<p>Zuerst bemerkte ich gar nichts. Mir fiel lediglich auf, wie schwierig es war, das Gleichgewicht zu halten, wenn ich mich nicht auf den Weg konzentrierte. Ich war schon kurz davor, die Visionen abzuschreiben, als ich einen Oberkörper sah. Es war Herr Anderson, ein alter Mann, den ich nur vom gelegentlichen Grüßen auf der Straße kannte. Er stand in einem flachen frisch ausgeschaufelten Grab und starrte mich aus emotionslosen Augen an. Würde er mich nicht mit seinen Augen verfolgen, hätte ich ihn bereits für tot halten können.</p>



<p>„Hey! Sven! Wo siehst du wieder hin?“, drang erneut Grims Stimme an mein Ohr. „Du willst doch nicht stolpern und hinfallen, oder? Schau auf deine Füße!“</p>



<p>Aber diesmal ließ ich mich nicht von ihm ablenken. Ich behielt den Blick weiter auf den Friedhof gerichtet, als ich plötzlich stockte. ‚Maja Holmquist 22.07.2017 &#8211; 13.02.2024‘ stand auf einem der Grabsteine. Als ich genauer hinsah, bemerkte ich den kleinen blonden Haarschopf, der kaum über das hüfttiefe Grab daneben hinausragte.</p>



<p>Ein Kloß bildete sich in meinem Hals, während meine Augen wieder feucht wurden. Ich kannte Maja. Aber vor allem kannte ich ihre Mutter, Jonna. Wir waren zusammen zur Schule gegangen. Und jetzt lastete das Wissen auf mir, dass ihre Tochter bald sterben würde. Ein Jahr, nachdem sie sich endlich von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt hatte und es mit ihrem Leben wieder bergauf zu gehen schien.</p>



<p>Ich wischte eine Träne weg, die sich aus meinem Auge gelöst hatte. Erschrocken stellte ich dabei fest, wie sehr die Bewegung wehtat. Das wenige Gefühl, das ich in meinen halb erfrorenen Händen noch hatte, schien nur noch aus Schmerz zu bestehen. Wenn ich mich nicht beeilte, hatte ich bald größere Probleme als die tragische Zukunft eines Mädchens, an der ich nichts ändern konnte.</p>



<p>Außerdem waren da noch immer mein Hunger und der unerträgliche Durst. Ich fühlte mich so schwach, dass ich mich am liebsten auf den Boden gelegt hätte und einfach eingeschlafen wäre. Dann würde es nicht lange dauern und all meine Probleme hätten bald ein Ende …</p>



<p>Nein! Was dachte ich denn da? Das würde niemandem helfen! Weder mir noch meiner Mutter noch sonst wem. Nein. Ich musste weitergehen, hatte es schon so weit geschafft. Die Kirche lag fast direkt vor mir.</p>



<p>Trotzdem wusste ich, dass ich noch lange nicht am Ziel war. Es überraschte mich, wie wenig das Übernatürliche bisher versucht hatte, mich von meinem Årsgång abzuhalten. Andererseits wusste ich, was ich als Nächstes tun musste. Danach lag mein Schicksal nicht mehr in Gottes schützender Hand …</p>



<p><em>Fortsetzung folgt …</em></p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Årsgång (schwedisch für „Jahresgang“) ist eine alte schwedische Weissagungstechnik, die zu Heiligabend oder Silvester, seltener auch zu Midsommar, durchgeführt wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h3>



<p><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<p>Bei dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ritual</a> handelt es sich um eine nächtliche Wanderung unter speziellen Bedingungen. Wenn man dabei alles richtig macht, offenbaren sich den Durchführenden hierbei Ereignisse des kommenden Jahres – man kann also in die Zukunft sehen. Es begegnen einem jedoch auch verschiedenste übernatürliche Wesen, die den Årsgång verhindern wollen.</p>



<p>In einigen Versionen soll das Ritual außerdem magische Kräfte und einen Sinn für das Übernatürliche verleihen. Daher wurden Menschen, die den Årsgång erfolgreich durchgeführt haben, gleichermaßen verehrt und gefürchtet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbereitung:</h4>



<p>Bevor man das eigentliche Ritual des Årsgångs durchführen kann, muss man sich am Vortag komplett isolieren. Man muss tief in den Wald gehen, wo man weder sprechen noch etwas essen oder trinken darf. Außerdem darf man nicht in ein Feuer oder anderes Licht blicken und man darf niemandem von seinem Vorhaben erzählen.</p>



<p>Im modernen Kontext bedeutet das, dass man in der Zeit kein Handy, Tablet, Laptop, Radio o. Ä. benutzen darf und auch Taschenlampen oder andere Lichtquellen sollte man lieber zuhause lassen.</p>



<p>Durch den Tag in Dunkelheit und Isolation soll die durchführende Person zugänglich für die geistige Welt und das Übernatürliche werden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der erste Teil des Årsgångs:</h4>



<p>Um Punkt Mitternacht muss man sich schließlich auf den Rückweg ins Dorf oder in die Stadt machen. Ab jetzt beginnt das eigentliche Ritual:</p>



<p>Man muss zu Fuß zu einer Kirche gehen – entweder auf direktem Weg oder nachdem man vorher einige andere festgelegte Orte mit spiritueller Bedeutung wie z. B. Friedhöfe oder Kreuzungen abgegangen ist. So oder so sollte das Endziel immer die Kirche sein.</p>



<p>Währenddessen darf man weiterhin kein einziges Wort sagen, nicht lachen, keine Angst zeigen und nicht nach hinten Blicken. Auch darf man nicht von seinem zuvor festgelegten Weg abweichen.</p>



<p>Sollte man das nicht schaffen, kann das schwerwiegende Folgen haben. Oft werden die Konsequenzen nicht näher erläutert, aber es gibt Geschichten, in denen die Leute daraufhin wahnsinnig wurden, ein Auge oder ihre Sehkraft verloren, verstümmelt wurden oder für immer verschwunden sind.</p>



<p>Sollte man den Årsgång trotzdem wagen, kann es auf dem Weg zur Kirche bereits zu ersten Visionen, aber auch zu ersten Begegnungen mit dem Übernatürlichen kommen. Wenn der Wandernde z. B. an Feldern vorbeigeht, kann er Visionen empfangen, wie gut oder schlecht die Ernte des kommenden Jahres sein wird. Auch kann er ggf. einen Beerdigungszug sehen, wodurch er von dem Tod einer oder mehrerer Personen erfahren kann.</p>



<p>(Zugegeben: Beerdigungszüge sind in der heutigen Zeit eher ungewöhnlich. Allerdings könnte man, sofern man an einem Friedhof vorbeigeht, von Menschen erfahren, die im kommenden Jahr dort begraben werden.)</p>



<p>Während die Visionen hingegen der gewünschte Effekt sind, kann es bei der Begegnung mit dem Übernatürlichen zu ersten Herausforderungen kommen. Das Übernatürliche soll nämlich alles daransetzen, den Årsgång zu unterbrechen. Hauptsächlich werden die verschiedensten Wesen versuchen, den Wandernden zu erschrecken, ihn zum Lachen zu bringen oder ihn vom Weg abzubringen – alles Dinge, die den Årsgång mit sofortiger Wirkung beenden.</p>



<p>Ein beliebtes Motiv ist, dass man ein brennendes Haus sieht, manchmal sogar das eigene. Rennt man daraufhin los, um das Feuer zu löschen oder zu helfen, erkennt man, dass es nur ein Trick war. Der Årsgång ist gescheitert.</p>



<p>Ein Beispiel für eine lustige Situation, von der ich gelesen habe, beschreibt mehrere Ratten, die einen Karren mit Heu über eine Eisfläche ziehen. Eine der Ratten rutscht dabei auf dem Eis aus, fällt auf den Rücken und furzt dabei so laut, dass das Geräusch widerhallt. In der betreffenden Geschichte brach die Person daraufhin in Gelächter aus, wodurch auch sein Årsgång scheiterte.</p>



<p>Aber es kann auch zu lebensbedrohlichen Begegnungen mit dem Übernatürlichen kommen. So kann man z. B. Wiedergängern, also Untoten, deren bloße Berührung den Tod bringt, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/draugr" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Draugar</a>, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/trolle-mythologie" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trollen</a>, einer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/skogsra" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Skogsrå</a> oder Bäckahästen begegnen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der zweite Teil des Årsgångs:</h4>



<p><em>(Hinweis: Dieser Teil des Årsgång kommt erst im zweiten Teil der Geschichte vor. Solltet ihr ohne Vorwissen an die Geschichte herangehen wollen, empfehle ich euch, diesen Abschnitt vorerst zu überspringen.)</em></p>



<p>Bei der Kirche angekommen hat man die längste Strecke hinter sich, jedoch noch nicht die größte Herausforderung. Die Wandernden müssen hier beginnen, die Kirche dreimal oder siebenmal gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden, während sie einem bestimmten Muster folgen. Z. B. müssen sie jedes Mal in das Schlüsselloch pusten oder hineinspähen, wenn sie an der Kirchentür vorbeikommen, oder durch jedes Kirchenfenster spähen, dass sie erreichen. In einer Quelle war sogar davon die Rede, ein Gebet dreimal rückwärts aufzusagen, ehe man in das Schlüsselloch pustet. Das Pusten in das Schlüsselloch symbolisiert übrigens, dass man seinen Glauben abgibt – wenn auch nur vorübergehend.</p>



<p>Bei den Umrundungen empfängt der Durchführende weitere Visionen – entweder auf dem Kirchgrundstück oder innerhalb der Kirche, wenn er hineinspäht.</p>



<p>So kann er z. B. sehen, welche Leute im kommenden Jahr heiraten oder sterben, wenn er die Hochzeit oder Trauerfeier sieht. Sollte ein Friedhof auf dem Kirchgrundstück liegen, kann es außerdem passieren, dass der Wandernde neue Gräber sieht, in denen entweder eine noch lebende Person liegt, die im kommenden Jahr stirbt oder deren Name auf dem Grabstein steht.</p>



<p>Aber Vorsicht: Viele Årsgång-Legenden erzählen davon, dass die Durchführenden ihren eigenen Tod für das kommende Jahr vorausgesehen haben.</p>



<p>Je mehr Runden man um die Kirche geht, desto klarer und häufiger sollen die Visionen werden, aber auch das Übernatürliche wird immer stärker versuchen, den Årsgång zu unterbrechen. Hierbei kann es auch zu physischer Gewalt und Mordversuchen kommen. Da, wie bereits erwähnt, sogar die bloße Berührung durch Untote und <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a> zu Unglück, Krankheit oder sogar Tod führen kann, muss man sich also sehr in Acht nehmen.</p>



<p>Ist die Person kurz davor, das Ritual zu vollenden, soll schließlich Gloson, ein Geisterschwein, von dem ich im zweiten Teil des Weihnachts-Specials ausführlich berichten werde, als letzte Hürde auftauchen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Nach dem Årsgång:</h4>



<p>Hat man es geschafft, den Årsgång zu beenden, hat man in den Visionen die Zukunft seiner Gemeinde gesehen und dem Übernatürlichen getrotzt.</p>



<p>Aber obwohl man nun nach Hause gehen kann, heißt das nicht, dass man den Årsgång fortan ignorieren darf, denn das Wort „Jahresgang“ kommt nicht von ungefähr. Es ist eine jährliche Tradition, die die meisten Årsgång-Durchführenden jedes Jahr wiederholt haben. Dadurch sollen sie nicht nur mit jedem Jahr ihr Gespür für das Übernatürliche und ggf. ihre neugewonnenen magischen Fähigkeiten verstärkt haben, sondern auch die Gefahren des Årsgång können im Laufe der Jahre zunehmen.</p>



<p>Ob die Personen den Årsgång jedes Jahr freiwillig aufs Neue durchgeführt haben oder es tun mussten, habe ich nicht herausfinden können. Zwar habe ich davon gelesen, dass man sonst seine magischen Fähigkeiten wieder verliert oder einem das Übernatürliche oder der Teufel persönlich einen Hausbesuch abstattet, aber die meisten Texte beschreiben lediglich den Årsgång selbst.</p>



<p>Allerdings gibt es einen Bericht von einem Mann, der das Ritual angeblich viele Jahre in Folge durchgeführt hat. Als er schließlich zu alt und schwach wurde, um sich dem Übernatürlichen zu widersetzen, ist er von seinem letzten Årsgång nie zurückgekehrt – er hat es also selbst dann nicht gewagt, den Årsgång ausfallen zu lassen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Moderne Version:</h4>



<p>Der Årsgång wird inzwischen nicht mehr wirklich praktiziert. Trotzdem habe ich eine moderne Version des Årsgångs gefunden. Sie ist deutlich ungefährlicher, da man keinen ganzen Tag allein im kalten Wald verbringt.</p>



<p>Stattdessen muss sich die durchführende Person am Tag vor dem tatsächlichen Gang, also den Tag vor Heiligabend oder Silvester, komplett isolieren. Sie muss sich in einen abgedunkelten Raum setzen, darf nichts essen, nichts trinken und darf nicht sprechen. Auch hier bedeutet das natürlich, auf Handy, Tablet, PC, Radio, Fernseher usw. zu verzichten. Das Ziel dieser Isolation ist es, in eine Art meditativen Zustand zu gelangen, wodurch die Person zugänglicher für die geistige Welt und das Übernatürliche werden soll.</p>



<p>Sobald es Mitternacht wird, muss die Person schließlich das Haus verlassen und zur nächsten Kirche gehen. Ab hier sind das Ritual und die angeblichen Gefahren identisch.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die erste bekannte Erwähnung des Årsgångs findet sich in dem Manuskript „Småländska Antiqviteter“ (Småländische Antiquitäten). Sie wird auf ca. 1697 bis 1700 datiert und wurde von Petter Rudebeck verfasst.</p>



<p>Rudebeck bezeichnete den Årsgång in seinem Text als altes Ritual, was darauf hindeutet, dass er schon sehr viel älter als das Dokument sein könnte. Andererseits gibt es keinerlei Hinweise, dass bereits vor dem 17. Jahrhundert auch nur ein einziger Årsgång stattgefunden hat. Daher gibt es die Theorie, dass es sich bei dem Årsgång lediglich um eine recht alte urbane Legende handelt, die um die Zeit der ersten Erwähnungen erfunden wurde. Es ist aber auch durchaus möglich, dass er bis dahin hauptsächlich mündlich überliefert wurde und ältere Texte lediglich noch unentdeckt sind oder nicht bis heute überdauert haben.</p>



<p>Im Jahr 2013 ist außerdem ein Videospiel namens „Year Walk“ für iOS-Geräte herausgekommen, das den Årsgång thematisiert. Inzwischen gibt es das Spiel auch für den PC.</p>



<p><em>Was haltet ihr von dem Årsgång? Würdet ihr euch trauen, ein solches Ritual durchzuführen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Killer in the Window – Der Mörder im Fenster (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Dec 2022 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wieso ich mir meine Decke, in die ich gekuschelt war, über den Kopf riss, wusste ich selbst nicht so genau. Vielleicht war es die kindliche Hoffnung, dass mir darunter nichts passieren konnte. Fast gleichzeitig hörte ich ein schepperndes Geräusch ...</p>
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<p>Meine Version von The Killer in the Window war eine der ersten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtsgeschichten</a>, die ich auf meinem Blog veröffentlicht habe. Einen komplett neuen Beitrag habe ich im Vorweihnachtsstress leider zeitlich nicht geschafft, aber ich wollte euch trotzdem noch einen letzten Beitrag in meine Winterpause mitgeben. Mein nächster Beitrag kommt voraussichtlich Ende Januar/Anfang Februar. Bis dahin wünsche ich euch einen schönen zweiten Weihnachtstag, einen guten Rutsch und wie immer:</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Während ich am Fenster stand, beobachtete ich die dicken Schneeflocken, die lautlos im Wind tanzten. In der Dunkelheit sah ich die funkelnden und blinkenden Lichter der Butlers – unserer Nachbarn. Sie waren mit ihren beiden Söhnen über Weihnachten im Ski-Urlaub, ließen ihre Weihnachtsbeleuchtung aber auf Zeitschaltung laufen, damit keine zwielichtigen Gestalten bemerkten, dass niemand im Haus war.</p>



<p>Es gab zwar eigentlich keinen Grund dafür, da es in unserer Gegend noch nie Einbrecher gab, aber trotzdem tat ich es ihnen gleich. Meine Eltern waren beide auf Geschäftsreise, und das ausgerechnet am zweiten Weihnachtstag. Obwohl ich also allein im Haus war, hatte ich am Abend in zwei verschiedenen Zimmern das Licht eingeschaltet. Außerdem hatte ich mir fest vorgenommen, täglich die Post reinzuholen, und ließ den Fernseher ein Stück lauter laufen, als ich es normalerweise tat.</p>



<p>Mir war selbst klar, wie paranoid das klingt, aber dafür würde hier zumindest niemand einsteigen – so dachte ich zumindest.</p>



<p>Ich hatte den Gedanken gerade zu Ende gedacht, als ich plötzlich Gepolter hörte. Ruckartig drehte ich mich um. Kam das aus dem Haus? Oder von draußen?</p>



<p>Angestrengt lauschte ich, aber es blieb ruhig. Dann schlich ich durchs Haus. Ich kontrollierte unsere Haustür, die Fenster im Erdgeschoss und die Hintertür. Alles war fest verschlossen.</p>



<p>Plötzlich musste ich lachen. Das war doch bescheuert! Wieso dachte ich auch über Einbrecher nach? Es war doch klar, dass ich mir jetzt bei jedem kleinsten Geräusch Sorgen machte.</p>



<p>Ich ging in die Küche. Ein beruhigender Tee würde mir jetzt sicher guttun.</p>



<p>Während das Wasser kochte, überkam mich plötzlich das Gefühl, beobachtet zu werden. Unruhig sah ich mich um. Immer wieder fiel mein Blick dabei in den dunklen Flur. Der Durchgang hatte keine Tür. Ich musste mir vorstellen, wie ein Mann aus dem Flur ins Licht trat. Ich wäre völlig wehrlos. Selbst, wenn ich mich mit irgendetwas bewaffnen würde, was könnte ich gegen einen erwachsenen Mann schon ausrichten?</p>



<p>Der Gedanke bereitete mir Unbehagen. Ich merkte, wie sich meine Nackenhaare aufstellten, also wandte ich mich ab und versuchte, mich auf die Küche zu konzentrieren. Auf einmal kam ich mir sehr klein vor. Der Kühlschrank ragte über mich hinaus. Die Wandregale, an denen ich gerade so ankam, wirkten, als würden sie Meter über mir hängen. Dann fiel mein Blick auf den kleinen Plastikweihnachtsmann auf der Fensterbank. Er sah aus, als würde er mich schadenfroh angrinsen. Ich wünschte, Mama und Papa wären im Haus …</p>



<p><em>Pling!</em></p>



<p>Mir entfuhr ein spitzer Aufschrei. Es dauerte einen Moment, bis ich realisierte, dass das Geräusch vom Wasserkocher gekommen war. Wieder musste ich über mich selbst lachen.</p>



<p>„O mein Gott, jetzt beruhig dich mal wieder, Josy“, murmelte ich zu mir selbst.</p>



<p>Meine Eltern waren heute Morgen erst losgefahren. Wie sollte ich die restliche Woche überleben, wenn ich jetzt schon so eine Panik schob?</p>



<p>Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer umklammerte ich meine Teetasse. Ich versuchte, mir nicht zu viele Gedanken zu machen. Trotzdem ließ ich vorsichtshalber das Licht in der Küche brennen.</p>



<p>Aber spätestens, als ich in meiner dicken Wolldecke eingekuschelt vor dem Fernseher saß, weihnachtliche Märchen guckte und meinen Apfel-Zimt-Tee trank, der sein Aroma schnell im Raum verteilte, hatte sich die Stimmung um 180 Grad gedreht. Ich fühlte mich richtig geborgen. Das Märchen im Fernsehen weckte meine Fantasie, der Weihnachtsbaum in unserem Wohnzimmer funkelte mit der Dekoration der Butlers um die Wette und am Fenster flogen noch immer dicke Schneeflocken vorbei. Obwohl meine Eltern nicht da waren, hatte sich unser Wohnzimmer selten so nach Weihnachten angefühlt.</p>



<p>Dann bemerkte ich vor dem Fenster noch etwas anderes. Es war eine Art dunkler Schatten, ein verschwommener Umriss. Stand dort draußen jemand?</p>



<p><em>‚Jetzt hör aber mal auf! Das ist bestimmt irgendetwas völlig anderes! Mach dich nicht verrückt!</em>‘, redete ich in meinen Gedanken auf mich ein.</p>



<p>Ich traute mich jedoch nicht einmal, den Mund zu bewegen, um es vor mich herzumurmeln, so verkrampft saß ich da und starrte aus dem Fenster.</p>



<p>Dann bewegte sich der Umriss plötzlich. Er trat näher ans Fenster heran und starrte zu mir rein. Jetzt war kein Irrtum mehr möglich. Dort draußen Stand ein dunkel gekleideter Mann mit einer schwarzen Mütze und einem blassen Gesicht. Mit einem fast wahnsinnigen Ausdruck im Gesicht hielt er meinem Blick stand.</p>



<p>Aber obwohl ich mich fast zu Tode erschreckte, entfuhr mir kein Schrei. Ich sprang auch nicht auf oder rannte weg. Stattdessen arbeitete mein Hirn auf Hochtouren. Was sollte ich jetzt tun?</p>



<p>Ehe ich jedoch auch nur einen sinnvollen Gedanken fassen konnte, bewegte der Mann sich plötzlich. Er griff in seine Jacke und zog etwas Glänzendes hervor. Es war ein Messer!</p>



<p>Wieso ich mir meine Decke, in die ich gekuschelt war, über den Kopf riss, wusste ich selbst nicht so genau. Vielleicht war es die kindliche Hoffnung, dass mir darunter nichts passieren konnte. Fast gleichzeitig hörte ich ein schepperndes Geräusch, als meine Teetasse auf dem Boden zerschellte und Apfel-Zimt-Tee auf dem Parkett verteilte.</p>



<p>Ich ignorierte es. Stattdessen kramte ich mit möglichst unauffälligen Bewegungen mein Handy aus der Hosentasche. Immerhin wusste ich nicht, wie der Mann reagierte, wenn er sah, dass ich telefonierte. Als ich es endlich in der Hand hatte, rief ich sofort die Polizei.</p>



<p>Erst jetzt merkte ich, dass ich weinte. „Bitte“, jammerte ich ins Telefon. „Sie müssen mir helfen. Da ist ein Mann vor meinem Fenster. Er hat ein Messer!“</p>



<p>An viel mehr erinnerte ich mich nicht mehr. Ich weiß noch, wie ich der Frau am anderen Ende der Leitung meinen Namen und die Adresse mitteilte. Dann erklärte sie mir, wie ich mich zu verhalten hatte. Sie blieb die ganze Zeit am Telefon und redete beruhigend auf mich ein. Doch ich hörte sie kaum. Stattdessen achtete ich auf jedes noch so leise Geräusch im Haus.</p>



<p>Immerhin konnte es sein, dass der Mann nicht länger am Fenster wartete, sondern sich Zugang zum Haus verschaffen wollte.</p>



<p>Plötzlich hörte ich Schritte. Vor Anspannung hielt ich den Atem an. Kamen sie aus dem Wohnzimmer? Oder doch nur aus dem Fernseher? Es knirschte Laub. Also doch nur der Film!</p>



<p>Ich weiß nicht, wie lange ich noch in meinem auffälligen Versteck unter der Decke kauerte, während die Frau am Telefon, deren Namen ich nicht mitbekommen hatte, auf mich einredete. Jedenfalls traute ich mich erst wieder hervor, als ich von draußen Sirenen hörte. Sofort rannte ich zur Tür. Die Polizisten kamen bereits auf mich zu.</p>



<p>„Sind Sie Josy?“, fragte der Kleinere von ihnen.</p>



<p>Ich nickte.</p>



<p>„Wo haben Sie den Mann gesehen?“</p>



<p>Ich erklärte es ihnen, woraufhin der Polizist sofort in meinen Garten lief.</p>



<p>Der andere Polizist beruhigte mich in der Zwischenzeit: „Keine Sorge. Sie sind jetzt in Sicherheit.“</p>



<p>Wenig später kam der zweite Polizist wieder zurück. Er hatte seine Stirn in tiefe Falten gelegt.</p>



<p>„Und?“, erkundigte sich sein Kollege.</p>



<p>„Nichts. Ich war bei dem Fenster, von dem aus man die Couch sieht, aber dort waren keine Fußspuren.“</p>



<p>Jetzt legte auch ich meine Stirn in Falten. Keine Fußspuren? Das war unmöglich! Der Mann stand doch genau vor dem Fenster.</p>



<p>Ehe die Polizisten mich aufhalten konnten, rannte ich los, um selbst nachzusehen.</p>



<p>„Josy, warten Sie!“, rief einer von beiden mir nach.</p>



<p>Ich beachtete ihn nicht. Schnurstracks rannte ich zu meinem Wohnzimmerfenster und starrte den halbdunklen Schnee an. Ich konnte meinen Augen kaum trauen. Nichts. Dort waren nur die Fußspuren des Polizisten!</p>



<p>Einer der Polizisten, die mich inzwischen eingeholt hatten, räusperte sich. „Vielleicht haben Sie sich geirrt?“, fragte er ruhig. „Wenn ich in Ihrem Alter ganz allein in so einem großen Haus wäre …“</p>



<p>„Ich … Ich hab mir das doch nicht eingebildet!“, sagte ich laut. „Der Mann war wirklich da!“</p>



<p>„Josy, bleiben Sie ruhig. Vielleicht war es ja ein anderes Fenster? Zeigen Sie uns das Ganze doch bitte einmal von drinnen.“</p>



<p>Ein anderes Fenster?! Als würde ich mein Haus nicht kennen. Natürlich war das das richtige Fenster! Trotzdem nickte ich. „Ist gut.“</p>



<p>Auf dem Weg nach drinnen wirbelten meine Gedanken durcheinander. Ich hatte den Mann doch deutlich gesehen! Wieso waren da keine Fußspuren im Schnee?</p>



<p>Der Polizist vor mir blieb abrupt stehen. Ich rannte voll in ich hinein. „Oh, sorry!“, sagte ich sofort.</p>



<p>Doch der Polizist reagierte gar nicht darauf. „Josy“, sagte er ruhig. „Ich glaube, Sie haben verdammt viel Glück gehabt!“</p>



<p>„Wieso? Was meinen Sie?“, fragte ich. Ich sah nervös an dem Polizisten vorbei.</p>



<p>„Der Mann, den Sie gesehen haben … Ich glaube nicht, dass er draußen stand. Sie haben seine Reflexion im Fenster gesehen.“</p>



<p>Jetzt sah ich es auch: Nasse Fußspuren führten von der Küche bis zum Sofa.</p>



<p>„O mein Gott“, hauchte ich.</p>



<p>Als ich den Mann mit dem Messer gesehen hatte, musste er direkt hinter mir gestanden haben!</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Mörder im Fenster (engl. „The Killer in the Window“) ist eine bekannte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Amerika.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Täter:</h3>



<p>Über den Täter wird meist nicht viel erzählt. Gelegentlich kommt die klischeehafte Aussage, dass er ein entflohener Sträfling oder Insasse einer Nervenheilanstalt sei, ansonsten ist aber nur bekannt, dass er ein Mann ist.</p>



<p>Was sein Aussehen betrifft, wird er oft als typischer Einbrecher beschrieben: dunkle Kleidung, Handschuhe und eine Ski-Maske oder Mütze.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Wie bei den meisten urbanen Legenden dieser Art gibt es bei „The Killer in the Window“ fast so viele Variationen, wie es Erzählungen gibt. Generell ist der Ablauf jedoch immer sehr ähnlich.</p>



<p>Die Hauptperson der Legende ist meist eine Teenagerin oder junge Erwachsene. In einigen Versionen arbeitet sie als Babysitterin, während das Kind oder die Kinder schon schlafen, in anderen ist sie alleine im Haus.</p>



<p>Es ist spät abends, als die Frau im Wohnzimmer sitzt und fernsieht. Aus dem Augenwinkel bemerkt sie dabei, wie ein Mann an das Fenster tritt und sie beobachtet. Je nach Geschichte steht er nur da oder holt etwas – z. B. ein Messer – aus seiner Tasche.</p>



<p>Die Frau greift sofort nach dem Telefon, versteckt sich unter einer Decke und wählt die 911. Als sie sich unter der Decke hervortraut, ist der Mann verschwunden.</p>



<p>Alternativ versteckt sich die Frau erst und ruft die Polizei an, nachdem sie merkt, dass der Mann verschwunden ist.</p>



<p>Als die Polizisten den Garten durchsuchen, fällt ihnen auf, dass im Schnee vor dem Fenster keine Fußspuren zu sehen sind. Sie gehen zu der Frau, um ihr davon zu berichten. Im Haus stellen sie jedoch entsetzt fest, dass nasse Fußspuren bis zu dem Sofa führen. Sie erzählen der Frau, dass sie Glück gehabt habe, da der Mörder gar nicht vor dem Fenster stand. Sie habe nur seine Reflexion gesehen. Er war also in Wirklichkeit bei ihr im Wohnzimmer.</p>



<p>Häufig endet die Geschichte hier, manchmal wird aber noch erwähnt, dass die Polizei zwar das Haus durchsucht habe, den Einbrecher jedoch nicht finden konnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Der genaue Ort, an dem die Legende spielt, ist nicht beschrieben. Das Haus, in dem die Geschichte sich zuträgt, steht aber oft in einer Kleinstadt oder der Vorstadt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den Ursprung der Legende habe ich nicht viel herausfinden können.</p>



<p>Man erzählt sich die Geschichte bereits seit dem Jahre 2000, es ist aber gut möglich, dass sie noch älter ist.</p>



<p>Ob sie auf einer wahren Begebenheit beruht, ist nicht bekannt. Man konnte es bisher weder beweisen noch widerlegen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p><em>Was haltet ihr von The Killer in the Window? Kanntet ihr die Legende bereits? Kennt ihr vielleicht ähnliche Legenden? Wie hättet ihr in Josys Situation reagiert? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-killer-in-the-window">The Killer in the Window – Der Mörder im Fenster (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>La Légende de Saint Nicolas – Die Legende vom heiligen Nikolaus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Dec 2022 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Metzger sah sich im Halbdunkel des Raumes um. Er spähte in jede Ecke, sah sogar unter seiner Bettdecke nach. Das war Augustus' Chance. Während der Metzger an der Seite des Bettes stand, krabbelte der Junge am Fußende in die Freiheit. Große Hände griffen nach ihm, doch der Metzger erwischte nur den Ärmel seines Oberteils. Der Stoff riss und der Junge war in Freiheit ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/d1bb9abed70e4ecd906d2b24ba704241" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>La Légende de Saint Nicolas ist ein französisches Kinderlied, das vom heiligen Nikolaus (besser bekannt als „der Nikolaus“) handelt. Auch wenn es zahlreiche Legenden über den Nikolaus gibt, eignen sich nur wenige für meinen Blog. Eine von ihnen ist la Légende de Saint Nicolas.</p>



<p>Wenn alles klappt, kommt mein letzter Beitrag des Jahres übrigens am 26. Dezember. Also keine Sorge: Sollte nichts dazwischenkommen, gibt es noch eine weihnachtliche Legende vor meiner Winterpause! </p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; explizite Darstellung körperlicher Gewalt<br>
&#8211; Tod mehrerer Kinder</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Heute erzähle ich euch eine Weihnachtsgeschichte. Oder eher eine Nikolausgeschichte. Sie wird in Frankreich seit Jahrhunderten erzählt und sogar besungen. So gesehen ist die Legende ein beliebtes Kinderlied, obwohl sie eigentlich sehr düster und grausam ist. Ich rede von la Légende de Saint Nicolas – die Legende vom heiligen Nikolaus. Aber lasst mich am Anfang beginnen.</p>



<p>Vor langer Zeit, es muss irgendwann im vierten Jahrhundert nach Christus gewesen sein, lebten drei Jungen. Wie sie hießen, wo genau sie lebten und ob sie Brüder oder bloß Freunde gewesen waren, weiß man nicht so genau. In meiner Geschichte sind sie jedenfalls Freunde. Da sind Augustus, der älteste von ihnen und selbsternannter Anführer, Cassius, der zweitälteste, der alles macht, was Augustus ihm aufträgt, und zu guter Letzt Nero, der schlauste von ihnen. Er hatte immer gute Ideen, doch leider nahmen seine Freunde ihn oft nicht ernst, weil er der Jüngste war.</p>



<p>Trotzdem waren die drei unzertrennlich. Denn obwohl sie bloß Freunde waren, kannten sie einander schon ihr ganzes Leben lang. Für sie war es kaum vorstellbar, auch nur einen Tag getrennt voneinander zu spielen.</p>



<p>Und so war es auch an jenem Spätsommertag, an dem diese Geschichte beginnt. Die drei Jungen rannten den ganzen Tag über die kürzlich abgeernteten Weizenfelder. Sie sammelten am Boden liegende Getreideähren, die bei der Ernte übersehen wurden, lachten und taten so, als seien sie Römer, die gerade eine Schlacht gewannen. Sie hatten dabei so viel Spaß, dass sie gar nicht merkten, wie weit sie sich von ihrer Heimat entfernten.</p>



<p>Als die Sonne sich allmählich dem Horizont näherte und die Schatten länger wurden, mahnte Nero seine Freunde: „Die Sonne geht bald unter. Lasst uns nach Hause gehen.“</p>



<p>Aber Augustus schüttelte bloß den Kopf. „Es ist gerade so lustig. Wir gehen nach Hause, wenn es dunkel wird.“</p>



<p>Und so spielten sie weiter, bis der Horizont sich rot färbte. Wieder mahnte Nero: „Es wird spät. Wir sollten zurückgehen.“</p>



<p>Aber wieder hatte Augustus das letzte Wort: „Nur noch einen kurzen Moment.“</p>



<p>Es kam, wie es kommen musste: Als die Sonne schließlich untergegangen war, wurde es rasch dunkler. Zwar kehrten die Jungen sofort um, machten sich auf den Weg nach Hause, aber sie verirrten sich bald.</p>



<p>Im Hellen hätten sie den Rückweg wahrscheinlich gefunden, doch sie hatten nicht bedacht, wie anders alles im Dunkeln aussah. Außerdem war es zur damaligen Zeit noch nicht wie heute: Es gab keine Straßenlaternen und nur sehr wenige Häuser, an deren Lichtern die Kinder sich orientieren konnten.</p>



<p>Als das letzte Sonnenlicht schließlich verschwunden war, hatten sie keine Hoffnung mehr, vor Tagesanbruch nach Hause zu finden.</p>



<p>„Unsere Eltern machen sich sicher Sorgen“, jammerte Nero.</p>



<p>„Meine Mutter bringt mich um“, ergänzte Augustus.</p>



<p>„Ich habe Hunger“, sagte Cassius.</p>



<p>Wie als Antwort knurrte nun auch der Magen von Augustus. Und das war noch nicht alles: In der Dunkelheit fühlten die Jungs sich bald beobachtet. Sie hörten ein leises Rascheln in der Ferne. Der Wind säuselte um ihre Köpfe und flüsterte ihnen in seiner unbekannten Sprache in die Ohren. Sie entschieden, beim nächstbesten Haus zu klopfen, dessen Lichter sie schon aus der Ferne sehen konnten.</p>



<p>Es entpuppte sich als eine Metzgerei, wie sie an dem großen Schinken auf dem Holzschild über der Tür erkannten.</p>



<p>Mutig klopfte Augustus an. <em>Poch, poch, poch</em>.</p>



<p>Stille.</p>



<p>Wieder klopfte Augustus, diesmal lauter. <em>Poch, poch, poch</em>.</p>



<p>Endlich hörten sie Geräusche von drinnen. „Ich habe geschlossen!“, rief eine raue Männerstimme.</p>



<p>Trotzdem öffnete sich die Tür. Erst nur einen Spalt, durch den ein Mann mit grobkantigem Gesicht, dunklen Haaren und kleinen Augen nach draußen spähte. Als sein Blick nach unten zu den Jungen wanderte, öffnete er die Tür ein Stück weiter. Überrascht sah er sie an.</p>



<p>„Was macht ihr denn so spät noch hier?“, fragte er halb misstrauisch, halb verwirrt.</p>



<p>Als Nero das viele Blut an seiner Schürze sah, drückte er sich ängstlich hinter Augustus. Der wiederum griff nach Cassius&#8216; Schultern und schob seinen Freund ein Stück nach vorne. Ein klares Zeichen, dass er reden sollte.</p>



<p>Cassius räusperte sich. „Bitte Herr Metzger, dürfen wir hier schlafen? Wir haben uns verlaufen und können den Heimweg nicht finden“, sagte er. Seine Stimme klang ruhig, aber innerlich war auch er am Zittern.</p>



<p>Der Metzger musterte sie eine Weile stumm. Dann lächelte er plötzlich breit, fast schon väterlich, und öffnete die Tür ganz. „Natürlich. Ich finde schon einen Platz für drei kleine Kerlchen wie euch.“</p>



<p>Die Jungs zögerten, hatten ihre Eltern sie doch gewarnt, keinen Fremden in ein Haus zu folgen, aber schließlich traten sie ein.</p>



<p>Der Metzger sah flüchtig die Straße rauf und runter, ehe er die Tür gewissenhaft hinter ihnen schloss. Dann schob er mit seinen kräftigen Armen einen großen Holzbalken vor die Tür. Als er sich zu den drei Freunden umdrehte, war von der Freundlichkeit oder dem Lächeln in seinem Gesicht nichts mehr zu sehen.</p>



<p>Ohne ein weiteres Wort zu sagen, ging er zu einem Tisch, auf dem die zerkleinerten Überreste eines Schweins lagen. Doch während die Kinder noch dachten, dass er ihnen wahrscheinlich bloß etwas zu essen geben wolle, griff der Mann nach seinem blutverschmierten Fleischermesser, das in der Tischplatte steckte.</p>



<p>„Keine Angst. Ich sorge dafür, dass es schnell geht“, sagte der Mann, ehe er das Messer mit einem Ruck aus dem Holz zog. Ein metallenes <em>Tsching</em> füllte die Luft.</p>



<p>Jetzt war das Unwohlsein der Kinder in Angst umgeschlagen. Während der Metzger mit erhobenem Messer auf sie zukam, drückten sie sich eng aneinander. Nero rüttelte an der Tür. Aber es war zwecklos. Seine Arme waren zu schwach, um den schweren Türbalken anzuheben.</p>



<p>„Helft mir mal!“, rief er seinen Freunden zu.</p>



<p>Doch die dachten gar nicht daran, noch länger an der Tür zu stehen. Cassius krabbelte unter einen Tisch, während Augustus in den hinteren Teil des Hauses rannte.</p>



<p>Dann war der Metzger auch schon bei Nero. Ehe der Junge wusste, was mit ihm geschah, hatte der Mann mit einem gezielten Schnitt seine Kehle durchtrennt.</p>



<p>Normalerweise hätte er nicht so schlampig gearbeitet, darauf geachtet, dass das Blut des Jungen nicht überall hinspritzte, aber er musste sich beeilen, damit die anderen beiden Jungs nicht entkommen konnten.</p>



<p>Während Nero also röchelnd am Boden zusammenbrach, wandte der Metzger sich Cassius zu. Dieser versuchte, panisch von ihm wegzukrabbeln, während der Mann die Stühle vom Tisch riss. Cassius unterschätzte jedoch die Schnelligkeit und das Geschick des Metzgers. Es dauerte nicht lange, dann lag auch er in einer Blutlache am Boden.</p>



<p>Fehlte nur noch Augustus. Der Metzger wandte sich der Tür zu seinem Schlafzimmer zu, durch die der älteste Junge verschwunden war. Mit schnellen Schritten ging er ihm nach.</p>



<p>Augustus drückte sich unter dem Bett eng an den Boden. Er bemühte sich, langsam zu atmen, um keine Geräusche zu machen.</p>



<p>Der Metzger sah sich im Halbdunkel des Raumes um. Er spähte in jede Ecke, sah sogar unter seiner Bettdecke nach. Das war Augustus&#8216; Chance. Während der Metzger an der Seite des Bettes stand, krabbelte der Junge am Fußende in die Freiheit. Große Hände griffen nach ihm, doch der Metzger erwischte nur den Ärmel seines Oberteils. Der Stoff riss und der Junge war in Freiheit.</p>



<p>Viel Zeit hatte er jedoch nicht. So schnell er konnte, stürmte er zur Tür. Mit aller Kraft drückte der den Holzbalken nach oben. Er bewegte sich. Doch ehe Augustus die Tür ganz öffnen konnte, hatte der Metzger ihn erreicht. Wie auch bei seinen Freunden, machte der Mann mit ihm kurzen Prozess.</p>



<p>&#8212;</p>



<p>Die Nacht verbrachte der Metzger damit, die Kinder fachgerecht zu zerteilen. Er legte ihr Fleisch in ein Salzfass, wie er es sonst mit dem Fleisch von Schweinen, Kühen oder anderen Tieren machte. Anschließend stellte er es zu den anderen Fässern in seinem Vorratsraum.</p>



<p>Verkauft oder selbst gegessen hat er das Fleisch jedoch nie. Vielleicht hatte er Schuldgefühle, oder aber er hatte sich nicht getraut, voller Angst, dass jemand herausfinden könnte, was wirklich in dem Fass war.</p>



<p>Jedenfalls lag das Fleisch der Kinder selbst nach sieben langen Jahren noch in dem Fass. Den Eltern der Kinder kam es aber sicher noch viel länger vor, während sie täglich hofften, dass ihre Jungs endlich heimkehren würden. Sie konnten ja nicht ahnen, was ihren Kindern zugestoßen war.</p>



<p>Das hier könnte das tragische Ende der Legende sein, aber es wäre keine Nikolausgeschichte, wenn der heilige Nikolaus nicht vorkommen würde. Und genau das tut er jetzt: In der Nacht von einem fünften auf den sechsten Dezember, etwas über sieben Jahre nach dem Mord an den Jungen, kam Sankt Nikolaus in das Dorf des Metzgers. Er ging mit im Schnee knirschenden Schritten auf die Tür der Metzgerei zu, über der noch immer das Holzschild mit dem großen Schinken darauf prangte. Ohne zu zögern, klopfte er an.</p>



<p><em>Poch, poch, poch.</em></p>



<p>Diesmal ertönten bereits nach dem ersten Mal Schritte von drinnen. Wieder öffnete der Metzger die Tür nur einen Spalt breit. „Ich habe geschlossen!“ Sein Gesicht war über die Jahre faltig geworden und seine dunklen Haare hatten graue Stellen.</p>



<p>„Bitte, dürfte ich mich hier ausruhen?“, fragte Sankt Nikolaus, der mit seinem Alter den Metzger bei Weitem übertraf. Er trug sein rotes Bischofsgewand, unter dessen hohem Hut seine langen weißen Haare hervorquollen. Durch seinen ebenso langen weißen Bart lächelte er den Metzger gütig an.</p>



<p>Der Metzger stand einen Moment nur mit offenem Mund da, als er Sankt Nikolaus erkannte. Dann öffnete er schnell die Tür und bat ihn ins Warme. „Bitte, bitte. Kommt herein! Einen heiligen Mann würde ich nie im Schnee stehen lassen!“</p>



<p>Das ließ der Nikolaus sich nicht zweimal sagen. Als würde er dort wohnen, betrat er das Haus, ging zu einem Tisch und setzte sich. „Oh, bitte. Ich bin so hungrig von der langen Reise. Könnte ich vielleicht etwas zu essen haben?“</p>



<p>Der Metzger kam sofort angerannt, nachdem er den schweren Holzbalken wieder vor die Tür geschoben hatte. „Natürlich. Darf ich Euch etwas von meinem besten Schinken anbieten?“</p>



<p>Aber der Nikolaus lehnte ab. „Nein, ich habe keinen Appetit auf Schinken.“</p>



<p>„Vielleicht einen Braten?“, bot der Metzger an.</p>



<p>„Der müsste erst gekocht werden. Aber ich würde etwas von dem Pökelfleisch nehmen. Es dürfte bereits über sieben Jahre in dem Salzfass liegen.“</p>



<p>Als der heilige Nikolaus das sagte, entwich dem Gesicht des Metzgers sämtliche Farbe. Er erkannte natürlich sofort, dass der Nikolaus von seiner schändlichen Tat wusste. Sofort nahm er die Beine in die Hand und rannte zur Tür. Ehe er jedoch den schweren Holzbalken aus der Halterung gehoben hatte, war der Nikolaus bereits bei ihm. Er legte seine Hand auf das Holz und drückte es sanft nach unten.</p>



<p>„Flieh nicht, mein Sohn“, sagte er zu dem Metzger. „Bete lieber und bereue, was du getan hast. Dann wird Gott dir vergeben.“</p>



<p>Bei diesen Worten aus dem Mund eines heiligen Mannes begann der Metzger plötzlich zu weinen. Er weinte wie ein Schlosshund, während er sich auf die Knie fallen ließ und die Hände vor der Brust zum Gebet faltete.</p>



<p>Sankt Nikolaus hingegen ging nach hinten in den Vorratsraum. Zielgerichtet ging er zu dem Holzfass, in dem seit sieben Jahren das Fleisch der drei armen Jungen pökelte. Er streckte seine Hand aus und legte drei Finger – den Zeigefinger, den Mittelfinger und den Ringfinger – auf den Rand des Fasses.</p>



<p>Da regte es sich plötzlich in dem Pökelfass. Der Deckel wurde von innen aufgestoßen und Augustus reckte sich daraus hervor. „Ahhh, ich habe gut geschlafen.“</p>



<p>Dann folgte Cassius: „Oh ja, das habe ich auch.“</p>



<p>Und Nero: „Als wäre ich im Himmel gewesen.“</p>



<p>Wie durch ein Wunder – denn genau das war es auch –, wurden die drei Jungen wieder zum Leben erweckt. Sankt Nikolaus begleitete sie noch bis nach Hause, wo ihre Eltern ihren Augen nicht trauen konnten. Sie ließen alles stehen und liegen, bevor sie ihre Kinder fest in die Arme schlossen.</p>



<p>Seit jener Nacht ist der heilige Nikolaus der Schutzpatron der Kinder. Jedes Jahr, in der Nacht von dem fünften auf den sechsten Dezember, streift er um die Häuser, um artige Kinder mit Süßigkeiten und Spielzeug zu belohnen.</p>



<p>Der Metzger hingegen, der ihn seit jenem wunderhaften Tag begleitet, kümmert sich um die unartigen Kinder. Zwar bringt er sie nicht um oder steckt sie gar in ein Pökelfass, aber er sorgt dafür, dass sie eine gerechte Strafe für ihr Fehlverhalten bekommen.</p>



<p>Das ist die Geschichte, wie der Nikolaus zu dem Mann wurde, den heute fast jedes Kind kennt: die Legende vom heiligen Nikolaus.</p>



<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>La Légende de Saint Nicolas (Französisch für „Die Legende vom heiligen Nikolaus“) ist eine französische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> und ein Kinderlied, das besonders zur <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nikolauszeit</a> gesungen wird. Sie handelt von drei Kindern, einem bösartigen Metzger und dem heiligen Nikolaus.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Der Legende nach waren drei Kinder draußen unterwegs – z. B., weil sie auf geernteten Feldern nach Weizenresten suchen –, als sie sich verirren. Sie können den Rückweg nicht finden und als es schließlich dunkel wird, sehen sie in der Ferne Lichter in einer Metzgerei brennen.</p>



<p>Zu dritt klopfen sie an die Tür. Sie bitten den Metzger um etwas zu essen und einen Platz für die Nacht. Der Metzger ist einverstanden.</p>



<p>Sobald die Kinder jedoch das Haus betreten, stürzt der Metzger sich auf sie. Er bringt sie um und zerstückelt sie, um sie – wie man es sonst bei Schweinen tut – in ein Salzfass zu legen. Alternativ gibt der Metzger ihnen Essen und wartet, bis sie eingeschlafen sind, ehe er sie ermordet und in das Pökelfass legt.</p>



<p>Der Grund, warum er die Kinder tötet, ist nicht bekannt. In einigen Versionen überredet ihn seine Frau dazu, da die Kinder Wertsachen oder Geld dabei haben – er entsorgt die Leichen also nur. In anderen Versionen ist von einer Hungersnot die Rede. Aber in den meisten Fällen wird kein Grund genannt.</p>



<p>Eines Wintertages – oft sind seit dem Mord sieben Jahre vergangen – kommt schließlich der heilige Nikolaus in die Gegend. Wie auch die Kinder klopft er an die Tür des Metzgers und bittet um Einlass. Der Metzger, der den heiligen Mann erkennt, lässt ihn sofort herein.</p>



<p>Anschließend bittet Sankt Nikolaus um etwas zu essen. Der Metzger bietet ihm diverse Speisen an, die der heilige Nikolaus jedoch alle ablehnt. Stattdessen bittet er den Metzger um Fleisch, das sieben Jahre in Salz gelegen hat. (In anderen Versionen ist er noch direkter und verlangt sogar genau das betreffende Fass.) Der Metzger erkennt natürlich sofort, dass Sankt Nikolaus von den drei toten Kindern weiß. Er versucht, zu fliehen, doch Sankt Nikolaus hält ihn auf. Der heilige Mann verspricht dem Metzger, dass Gott ihm vergeben wird, wenn er seine Tat bereut.</p>



<p>Anschließend wendet er sich dem Fass zu. Er legt drei Finger darauf und segnet es. Kurz darauf kommen die drei Kinder quietschlebendig aus dem Fass hervor. Sie recken sich und berichten, wie gut sie geschlafen hätten.</p>



<p>In einigen der Legenden wird der Metzger anschließend zu Hans Trapp oder Père Fouettard – beides eine französische Version von Knecht Ruprecht. Er begleitet den Nikolaus also seitdem jedes Jahr in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember und bestraft die unartigen Kinder, während Sankt Nikolaus die artigen Kinder belohnt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Der Ort des Geschehens ist nicht bekannt. Zumindest habe ich bei meiner Recherche nicht eine einzige Ortsangabe finden können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die frühsten Versionen von la Légende de Saint Nicolas existieren seit dem Mittelalter. Damals waren die drei Jungen jedoch noch Jugendliche oder junge Erwachsene, die Metzgerei war ein Gasthaus und der Metzger ein Gastwirt. Ansonsten ist die Geschichte identisch.</p>



<p>Erst in neueren Versionen ist von drei Kindern und einem Metzger die Rede. Der älteste Liedtext über drei Kinder, den ich gefunden habe, stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert.</p>



<p>Wo genau die Legende herkommt, ist nicht bekannt. Sie wird heutzutage jedoch fast ausschließlich in Frankreich erzählt und besungen.</p>



<p><em>Was haltet ihr von la Légende de Saint Nicolas? Ich weiß, dass sie anders als meine meisten Geschichten ist, aber ich hoffe, sie hat euch trotzdem gefallen!</em></p>



<p><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Die Wilde Jagd</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Dec 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Was zur Hölle war das? Panisch sah ich mich um. Schnee, Bäume, noch mehr Schnee. Erst, als ich zu meiner Verlobten sah, bemerkte ich, dass sie wieder in den Himmel starrte. Instinktiv folgte ich ihrem Blick ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a78f6058e0564c188a0d838334cdab4b" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Wilde Jagd ist ein kleiner Ersatz für das diesjährige <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtsspecial</a>. Da ich wegen der Boosterimpfung den Beitrag zu letzter Woche nicht mehr ganz fertig bekommen habe, passt das Thema jedenfalls sehr gut.</p>



<p>Dafür werdet ihr dieses Mal nicht viel von meiner Winterpause merken, da der nächste Beitrag wahrscheinlich schon am 10. oder 17. Januar kommt. Rutscht gut ins neue Jahr!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Wow“, hauchte Lina. „Michelle, das ist fantastisch.“</p>



<p>Es war Nacht. Von hier oben auf der Lichtung am Berghang hatten wir einen großartigen Ausblick auf unser Dorf: Überall hingen Lichterketten. Der große Tannenbaum bei der Feuerwache, der mit bunten Lichtern funkelte, ein leuchtender Rentierschlitten auf einem der Dächer, der glitzernde Schnee und die beleuchtete Kirche, die auf die Entfernung aussah, als käme sie direkt aus einer Schneekugel, verwandelten die kleine Ansammlung an Häusern in ein Winterwunderland. Es war ein magischer Anblick – besonders, wenn man Weihnachten so sehr liebte wie Lina.</p>



<p>Ich hatte hingegen keine Augen für das kleine Paradies, das wir unsere Heimat nannten. Meine ganze Aufmerksamkeit galt Lina. Ihre Augen funkelten, als wäre sie wieder ein Kind, während ihr Mund zu einem begeisterten Lächeln geformt war. Sie sah so glücklich aus. Und das wiederum machte mich glücklich.</p>



<p>‚<em>Meine Verlobte</em>‘, dachte ich. Trotz der kalten Dezembernacht breitete sich eine wohlige Wärme in meiner Magengegend aus. Ein Gefühl, dass ich in letzter Zeit oft gefühlt hatte. Seit Heiligabend, um genau zu sein. Seit sie mir einen Antrag gemacht hatte.</p>



<p>„Was?“, fragte Lina, als sie meinen Blick bemerkte.</p>



<p>„Nichts“, erwiderte ich lächelnd. „Ich bin nur so glücklich.“ Dann beugte ich mich vor, um sie in einen liebevollen Kuss zu ziehen. Ich roch ihr liebliches Rosenparfum. Eine Freudenträne löste sich aus meinem linken Auge und rollte meine Wange hinab, während sich das wohlige Gefühl in meinem ganzen Körper ausbreitete. So lange hatten wir dafür gekämpft, hatten Freunde verloren, Lina sogar Familie, weil wir, zwei Frauen, einander liebten. Und jetzt? Jetzt würden wir endlich heiraten.</p>



<p>Plötzlich löste sich Lina aus dem Kuss – etwas zu ruckartig, wie ich fand. Als ich irritiert die Augen öffnete, sah ich, wie sie sich umsah.</p>



<p>„Ich glaube, ich habe etwas gehört“, erklärte sie.</p>



<p>Ich zuckte mit den Schultern. „Und wenn schon. Im Dorf wissen doch eh alle von unserer Beziehung. Sogar die alte Frau Walters hat uns gratuliert“, erinnerte ich sie und wollte sie wieder zu mir ziehen.</p>



<p>Doch Lina schüttelte den Kopf. „Nein, das meinte ich nicht.“</p>



<p>Ich sah sie fragend an.</p>



<p>Jetzt lächelte sie wieder. „Egal. Lass uns weitergehen.“</p>



<p>Also griff ich nach ihrer Hand und zog sie sanft mit. Es war wahrscheinlich besser so. Zwar waren wir nicht in Eile, aber ich wollte ihr noch die geschmückten Bäume weiter den Berg rauf zeigen. Sie waren fester Teil meiner jährlichen Weihnachtsspaziergänge. Und wärmer wurde es auch nicht.</p>



<p>Schnee knirschte unter unseren Schuhen. Obwohl der Hang nicht sonderlich steil war, überprüfte ich mit jedem Schritt, wie glatt der Boden war. Das Letzte, was ich jetzt wollte, war, meiner Verlobten einen unvergesslichen Spaziergang versprochen zu haben, nur um dann auf halber Strecke abzubrechen, weil ich mich bei einem Sturz verletzt hatte.</p>



<p>An einer besonders steilen Stelle hielt ich mich gerade an einem Baum fest, um erst mich und dann meine Verlobte hochzuziehen, als irgendwo in der Ferne ein Geräusch ertönte. Es klang wie eine Art Jagdhorn. Um ehrlich zu sein, kannte ich solch ein Geräusch bisher nur aus Filmen. Trotzdem schenkte ich ihm keine weitere Beachtung. Lina hingegen blieb wie angewurzelt stehen.</p>



<p>„Hast du das gehört?“, fragte sie.</p>



<p>Ich zuckte mit den Schultern. „Bestimmt nur eine Autohupe oder so“, erwiderte ich knapp und dachte, dass es damit erledigt sei.</p>



<p>Lina hingegen warf den Kopf in den Nacken und blickte nach oben, als würde sie den Himmel nach irgendetwas absuchen.</p>



<p>Belustigt beobachtete ich sie dabei. Mit einem Schmunzeln sagte ich: „Da oben wirst du bestimmt keine Autos finden. Oder suchst du nach dem Weihnachtsmann? Tut mir leid, Schatz, aber da bist du ein paar Tage zu spät.“</p>



<p>Lina sah mich todernst an. „Lass uns nach Hause gehen, ja?“, schlug sie vor.</p>



<p>Ich runzelte sie Stirn. „Es ist nicht mehr weit, versprochen. Oder ist dir kalt?“</p>



<p>Doch sie schüttelte den Kopf. „Vertrau mir einfach, okay?“</p>



<p>Vorsichtig kletterte ich das kurze Stück zu ihr zurück. „Natürlich. Aber was ist denn los? Hat es mit dem Geräusch zu tun?“ Vielleicht hatte es bei ihr unschöne Erinnerungen geweckt.</p>



<p>Lina musterte mich. In ihren Augen lag eine Mischung aus Sorge und einem Ausdruck, als wisse sie nicht, wie sie es erklären solle.</p>



<p>Vorsichtig streichelte ich ihre Wange. Ich wollte ihr sagen, dass es schon in Ordnung sei, ihre erklären, dass sie mir – was auch immer es war – später erklären könne, doch ehe ich auch nur ein Wort hervorbringen konnte, schnitt die seltsame Hupe wieder durch die stille Nacht. Diesmal war sie deutlich näher. Viel näher, als irgendeine Straße sein konnte.</p>



<p>Jetzt kamen auch andere Geräusche dazu, erst leise, dann immer lauter: Ein Donnergrollen wie tausend Pferdehufe, lautes Gebrüll, so wirr, dass man kein einziges Wort verstehen konnte, das Bellen von Hunden und wieder diese Hupe, dieses Jagdhorn.</p>



<p>Was zur Hölle war das? Panisch sah ich mich um. Schnee, Bäume, noch mehr Schnee. Erst, als ich zu meiner Verlobten sah, bemerkte ich, dass sie wieder in den Himmel starrte. Instinktiv folgte ich ihrem Blick.</p>



<p>Zuerst sah ich auch dort nichts Auffälliges – den sichelförmigen Mond, die Sterne, ein paar Wolken –, doch dann kam, wie aus dem Nichts, eine Art leuchtender Nebel über die Bäume hinweg geschossen. Der Lärm war jetzt fast unerträglich, wie hunderte wirre Stimmen, die Geräusche von schnaubenden und galoppierenden Pferden und das Gebell. Und dann erkannte ich es: Das über uns war kein Nebel, es war eine Armee. Ein Heer aus geisterhaften Soldaten, Frauen, Kindern, Hunden und Pferden.</p>



<p>Wie gebannt starrte ich sie an, während sie mit rasendem Tempo über uns hinwegzogen. Ich verstand die Welt nicht mehr. Was passierte hier?</p>



<p>Erst, als Lina an meinem Arm zog, konnte ich meinen Blick von ihnen lösen.</p>



<p>„Das ist die Wilde Jagd!“, schrie sie mir entgegen. Ich hatte noch nie davon gehört, doch die Panik in ihren Augen reichte aus, um mich in Alarmbereitschaft zu versetzen.</p>



<p>„Es sind Geister!“, erklärte sie flüchtig. „Halt den Kopf gesenkt! Du darfst sie nicht ansehen! Wenn du kannst, dann bete mit mir!“</p>



<p>Ich wusste nicht mehr, was ich glauben oder denken sollte. Eigentlich glaubte ich weder an Gott noch an Geister, aber wie sonst sollte man das erklären, was dort über uns tobte? Also kniete ich mich mit Lina in den Schnee und betete. Sie sprach das Vaterunser auf, laut genug, dass ich es verstehen konnte, und ich redete es ihr nach.</p>



<p>Gerade, als wir bei „Und führe uns nicht in Versuchung“ angekommen waren, ertönte ein Jagdhorn direkt über uns. Ohne darüber nachzudenken, riss ich den Kopf nach oben. Dort stand ein Reiter mitten in der Luft, er setzte das Horn vom Mund ab, ehe er mir direkt in die Augen starrte. Erst dann erinnerte ich mich daran, dass ich die Geister nicht ansehen durfte.</p>



<p>„Scheiße, scheiße, scheiße!“, fluchte ich, während ich den Kopf wieder nach unten riss.</p>



<p>Der Mann hatte auf mich gezeigt und mit wütender Stimme irgendetwas Unverständliches gebrüllt.</p>



<p>„Ich hab sie angesehen!“, brüllte ich meiner Verlobten panisch zu.</p>



<p>Sie wagte einen flüchtigen Blick nach oben, riss die Augen auf, packte meine Hand und zog mich wieder auf die Füße. „Wir müssen ins Haus! Da sind wir sicher!“</p>



<p>Wir rannten den Hang hinunter. Immer wieder warf ich einen Blick über die Schulter. Inzwischen hatte das Heer, die Wilde Jagd, wie Lina es nannte, seinen Kurs gewechselt. Es war jetzt deutlich näher am Boden – und steuerte direkt auf uns zu. Wir würden es niemals schaffen!</p>



<p>Ich achtete kaum noch auf meine Schritte, stolperte, rutschte und schlitterte fast mehr, als dass ich rannte. Es dauerte nicht lange, bis ich Lina überholt hatte. Während sie am Anfang noch mich mitgezogen hatte, zerrte ich jetzt an ihrem Arm. Doch je schneller ich wurde, desto unvorsichtiger wurde ich auch. Schließlich rutschte ich weg, verlor Linas Hand, überschlug mich, rollte den Hang hinunter, knallte gegen einen Stamm und blieb einige Meter weiter unten im eiskalten Schnee liegen.</p>



<p>Mein gesamter Körper schmerzte. Alles drehte sich. Meine Lungen fühlten sich an, als würden sie gleich explodieren, während ich panisch nach Luft schnappte. Doch das hielt mich nicht davon ab, mich aufzurappeln. Ich musste weitermachen, durfte nicht aufgeben.</p>



<p>Ich hatte es gerade geschafft, mich auf die Knie zu stützen, als sich von hinten etwas auf mich stürzte. Es riss mich wieder zu Boden. Panisch schrie ich auf, schlug um mich und versuchte, mich zu wehren.</p>



<p>„Michelle! Michelle, ich bin‘s!“, kreischte eine genauso panische Stimme über mir. Dann roch ich ihr Parfum.</p>



<p>„Bleib liegen!“, kreischte Lina über den Lärm hinweg, während sie mich fest zu Boden drückte.</p>



<p>Ich drehte den Kopf zur Seite. Erst jetzt sah ich die Wilde Jagd. Sie preschte über uns hinweg, gerade so weit über dem Boden, dass die Hufe der Pferde uns nicht erwischten. Das Getose war ohrenbetäubend.</p>



<p>Trotzdem kreischte Lina mich weiter an. Ich verstand nicht alles, aber das Wichtigste: „Wenn sie vorbei sind, müssen wir weiter! Sie können nicht ins Haus, wenn alle Fenster und Türen geschlossen sind. Wir &#8230;“</p>



<p>Mit einem plötzlichen Aufschrei verstummte meine Verlobte. Im selben Moment merkte ich, wie das Gewicht von meinem Rücken gerissen wurde.</p>



<p>„Lina?“, kreischte ich. „Linaaa!“</p>



<p>Ich sah, wie sie von einem Reiter mitgerissen wurde. Demselben Reiter, der mir in die Augen gesehen hatte. Er hatte sie an der Jacke gepackt und auf sein Pferd gehoben. Schnell war sie aus meinem Blickfeld verschwunden.</p>



<p>„Lina!“, brüllte ich ihren Namen erneut, doch meine Stimme wurde von dem Bellen eines Hundes wie ein Streichholz im Sand erstickt. Nein! Das durfte nicht sein. Es durfte so nicht zu Ende gehen!</p>



<p>&#8212;</p>



<p>Während die Geisterarmee über mich hinweg zog, hatte ich mein Gesicht in den Schnee gepresst. Meine fest geschlossenen Augen konnten die Tränen nicht zurückhalten, während ich mir die Hände krampfhaft auf die Ohren presste.</p>



<p>Wieder uns wieder hörte ich Linas Schrei in meinem Kopf. Ich sah vor meinem inneren Auge, wie sie von mir weggerissen wurde, mit panisch aufgerissenen Augen ihre Hand nach mir ausstreckte, wie sie in der Ferne kleiner und kleiner wurde.</p>



<p>„Nein. Nein“, murmelte ich weinend vor mich hin.</p>



<p>Mir war eiskalt, wie ich im Schnee lag, doch selbst, als die Wilde Jagd vorbeigezogen und auch das letzte Hundegebell verstummt war, schaffte ich es nicht, mich aufzuraffen. Ich hatte keine Kraft dazu, keine Motivation, keinen Antrieb. Ich hatte den Menschen verloren, der mir am wichtigsten im Leben war. Den Menschen, der mir jeden Tag ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Den Menschen, der meinem Leben einen Sinn gegeben hatte.</p>



<p>Ich weiß nicht, ob ich dort gestorben wäre, wenn mein Handy nicht geklingelt hätte, ob ich mich je wieder bewegt hätte. Doch mein Handy klingelte. Wie in Trance holte ich es aus der Tasche. Ich sah den Namen auf dem Display, ohne ihn wahrzunehmen. Erst, als ich das Handy am Ohr hatte und ihre Stimme hörte, realisierte ich, wer mich da anrief.</p>



<p>„M-Michelle?“, meldete sich Lina mit zittriger Stimme. „Sie haben mich abgesetzt. Kannst du mich abholen?“</p>



<p>Trotzdem mir noch immer alles wehtat, war ich schneller auf den Beinen, als sie mir sagen konnte, wo sie war. Ich rannte nach Hause, stieg ins Auto und fuhr sofort zu ihr. Die Wilde Jagd hatte sie mitten auf einem Feld zurückgelassen, etwa eine Viertelstunde mit dem Auto entfernt.</p>



<p>Als ich ankam, stand sie bereits am Straßenrand. Sie sah aus, als hätte sie geweint.</p>



<p>„Lina! Schatz!“, rief ich, während ich aus dem Auto sprang. „Alles in Ordnung? Was ist passiert?“</p>



<p>Sie brachte kein Wort heraus. Stattdessen schloss sie mich in die Arme und begann bitterlich zu weinen.</p>



<p>Ihr Körper war eiskalt, also brachte ich sie sofort ins Auto und stellte die Heizung auf die höchste Stufe. Sie redete die gesamte Fahrt über kein einziges Wort.</p>



<p>Seitdem sind fünf Jahre vergangen. Inzwischen haben wir geheiratet und eine kleine Tochter adoptiert. Lina geht es wieder gut. Trotzdem weiß ich bis heute nicht, was meine Frau in jener Nacht durchmachen musste. Sie kann noch immer nicht darüber reden.</p>



<p>Also habe ich eine Bitte: Mach nicht denselben Fehler wie ich. Wenn du in den Rauhnächten, das sind die Tage zwischen Heiligabend und dem sechsten Januar, seltsame Geräusche aus dem Himmel hört, senk deinen Kopf und bete. Und egal, was du tust, egal, was du auch hörst, sieh niemals in den Himmel. Es könnte die Wilde Jagd sein.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Die Wilde Jagd, auch Wildes Heer oder Wütendes Heer genannt, ist eine in Europa, also auch <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutschland</a>, und Teilen Kanadas verbreitete <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a>. Dem Volksglauben nach soll in den Rauhnächten – den Tagen und Nächten vom 25. Dezember bis zum 05. Januar – ein Heer aus Geistern durch den Himmel ziehen.</p>



<p>Angeblich soll zu dieser Zeit die Welt der Toten der Welt der Lebenden am nächsten sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Beteiligte:</h3>



<p>Die Wilde Jagd besteht zum Großteil aus <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geistern</a> von Menschen, die auf nicht-natürliche Weise gestorben sind – Mord, Unfälle, Krankheit etc. Also die Art von Toten, denen man häufig nachsagt, als Geist auf der Erde zu wandeln.</p>



<p>Außerdem reiten sie oft auf Pferden und werden von Hunden (meist Jagdhunden) begleitet.</p>



<p>Neben den „normalen“ Geistern sollen aber auch einige Sagengestalten wie z. B. der germanische Gott Wotan/Wodan – besser bekannt unter seinem nordgermanischen Namen „Odin“ –, Frau Perchta, Frau Holle oder Frau Harke der Wilden Jagd beiwohnen.</p>



<p>Sofern das Heer einen Anführer, Wilder Jäger genannt, hat, soll es oft eine dieser Sagengestalten sein. Besonders Odin wird oft nachgesagt, die Wilde Jagd anzuführen.</p>



<p>Andere häufig genannte Anführer sind ein Schimmelreiter oder der Geist eines Jägers, der das Jagen so geliebt haben soll, dass er zu Karfreitag jagen ging – eine schlimme Sünde. Als Strafe soll er dazu verdammt worden sein, die Wilde Jagd anzuführen.</p>



<p>Besonders früher galt das Heer hingegen als führerlos.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die Wilde Jagd kündigt sich meist durch einen tosenden Lärm an, der aus dem Himmel kommt: das Rasseln von Kette, donnernde Hufe, Gebell, das Gebrüll von Kriegern, Jagd- und Kriegshörner, das Wiehern und Schnauben von Pferden, Knallen von Peitschen und das Gejammer von Geistern.</p>



<p>Tatsächlich soll dieser Lärm oft das Einzige sein, was man von dem Wilden Heer mitbekommt. Und das ist wahrscheinlich auch besser so. Die Wilde Jagd zu beobachten soll nämlich ein schlechtes Omen sein: Es bringt Unglück und kündigt Krankheit, Krieg, Dürre oder Tod an.</p>



<p>Solltet ihr die Wilde Jagd hören, wird empfohlen, sich im Haus zu verstecken und zu beten.</p>



<p>Könnt ihr nicht rechtzeitig ins Haus fliehen und ihr seht, wie das Heer durch den Himmel zieht, solltet ihr euch demütig zu Boden werfen, bis es vorübergezogen ist.</p>



<p>Auf gar keinen Fall solltet ihr das Heer verspotten oder absichtlich versuchen, es zu erspähen. Das könnte die Geister verärgern.</p>



<p>Selten soll es auch vorkommen, dass die Geisterarmee sich dem Boden nähert und durch die Straßen oder gar durch Häuser reitet. In diesem Fall muss man ausweichen und dem Heer Platz machen, da es sonst die Betroffenen mitreißen soll. Das kann entweder bedeutet, dass man mitsamt Körper mitgerissen und getötet oder erst mehrere Kilometer entfernt wieder abgesetzt wird. In anderen Versionen soll hingegen die Seele der Betroffenen mitgerissen werden, auf ewig dazu verdammt, der Wilden Jagd beizuwohnen.</p>



<p>Um das zu verhindern, muss man in den Häusern bleiben Türen und Fenster fest geschlossen halten.</p>



<p>Auch wird geraten, in den Rauhnächten keine schwere Arbeit zu verrichten und keine Wäsche zum Trocknen draußen aufzuhängen, da der Tod in dem Stoff hängenbleiben soll.</p>



<p>Aber die Wilde Jagd bringt nicht nur Schlechtes. So heiß es, dass die Ernte dort besonders gut ausfällt, wo das Wilde Heer gesehen oder gehört wurde.</p>



<p>Wenn man Musik hört, während das Heer über einen hinweg zieht, soll es sogar ein gutes Omen sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt, findet man die Wilde Jagd besonders im Volksglauben weiter Teile Europas. Dort soll sie auch am meisten gesichtet werden.</p>



<p>Außerdem gibt es eine Abwandlung der Legende, die Einwanderer nach Kanada gebracht haben: Dort hat sie sich mit dem indianischen Glauben vermischt, weshalb von einem Kanu die Rede ist, das durch den Himmel fährt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Der verbreitete Volksglauben an die Wilde Jagd lässt sich auf das Germanische zurückführen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass die Legende noch älter ist – dafür spricht, dass es sehr alte Sagen über das Wilde Heer gibt, in denen es noch nicht von Wotan/Odin angeführt wurde.</p>



<p>Entstanden ist die Legende mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Angst vor Winterstürmen. Die angeblich gehörten Stimmen lassen sich mit Tierstimmen und dem Wind, der durch die Wälder, Täler und über die Dächer geheult hat, erklären. Außerdem galten Winterstürme damals als besonders schlimm, da sie – im Gegensatz zu Herbststürmen – nicht nur Wind, sondern auch Kälte mit sich brachten, der schon viele Menschen zum Opfer gefallen sind.</p>



<p>Der Name „Die Wilde Jagd“ stammt übrigens von den Gebrüdern Grimm, die die Legende behandelt und so den Namen etabliert haben.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Wilden Jagd? Wie würdet ihr euch verhalten, wenn ihr plötzlich Lärm aus dem Himmel hören würdet? Würdet ihr nachsehen wollen? Oder euch verstecken? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>Die Frau im Wald – 100ste Geschichte!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Dec 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Die Frau im Wald]]></category>
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		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit jedem Schritt bewegen sich die Schatten der tiefhängenden Äste. Überall sah ich aus dem Augenwinkel Bewegungen und es dauerte nicht lange, bis ich mich beobachtet fühlte.<br />
Halt! Was war das? Da war ein Geräusch. Eine Art Kichern. Aber nicht das eines spielenden Kindes, sondern das einer erwachsenen Frau. So schnell, wie es gekommen war, verschwand es aber auch wieder.</p>
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<p>Heute haben wir eine Kleinigkeit zu feiern: Die Frau im Wald ist die 100ste Geschichte, die ich auf meinem Blog hochlade! Daher wird der Beitrag heute etwas anders. Es gibt keine Legende, sondern eine selbst ausgedachte Geschichte von mir. Eine Geschichte, die mir sehr am Herzen liegt. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr weiter unten.</p>



<p>Bevor es mit der Geschichte losgeht, möchte ich mir aber kurz die Zeit nehmen, euch zu danken. Danke, dass ihr meine Geschichten lest! Egal, ob ihr schon lange dabei seid, vor kurzem erst auf meinen Blog gestoßen seid oder sogar das erste Mal durch meine Horror- und Gruselgeschichten stöbert. Ihr seid der Grund, wieso ich es überhaupt geschafft habe, 100 Geschichten für meinen Blog zu schreiben. Dafür danke ich euch von ganzem Herzen. Auf 100 weitere Geschichten!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>– Spinnen</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Es war ein ruhiger Dezemberabend. Müde hielt ich mein Lenkrad mit beiden Händen fest, während aus dem Autoradio laut Jingle Bells schallte. Ich musste gähnen.</p>



<p>„Komm schon, Alex. Nur noch eine halbe Stunde, dann bist du endlich da. Halt die Augen offen!“, murmelte ich.</p>



<p>Ich war auf dem Weg zu meiner Tante, bei der ich die Feiertage verbringen würde.</p>



<p>Normalerweise wäre ich nicht so unverantwortlich gewesen. Ich hätte angehalten, um mich einen Augenblick auszuruhen und wieder wach zu werden. Aber nicht hier.</p>



<p>Zum einen saß ich schon über sieben Stunden im Auto und freute mich auf ein warmes Bett, zum anderen war der restliche Weg gespickt mit kleinen Kuhdörfern, von denen eines düsterer war als das andere. In den meisten hing nicht einmal Weihnachtsdekoration. Irgendwie waren sie mir unheimlich. Keine Gegend, in der ich eine Pause machen wollte.</p>



<p>Also heftete ich meine Augen auf die Straße. Seichte Nebelschwaden lagen über den Feldern zu meiner Linken und meiner Rechten. Sie zogen sich bis über die Straße, waren aber zum Glück nicht dicht genug, um meine Sicht zu behindern.</p>



<p>Umso größer war mein Schreck, als plötzlich eine schattenhafte Gestalt vor meinem Auto auftauchte. Panisch trat ich auf die Bremse und riss das Lenkrad zur Seite.</p>



<p>Mein Auto kam erst quietschend dann rumpelnd im Feld zum Stehen. Wer oder was auch immer da auf der Straße war, ich konnte es nur um Haaresbreite verfehlt haben.</p>



<p>Schnell sprang ich aus dem Auto. Da es hier keine Straßenlaternen gab und mein Rücklicht nur schwaches Licht spendete, schaltete ich meine Handytaschenlampe ein. Die Straße war leer.</p>



<p>„Hallo?“, rief ich in die Dunkelheit. „Ist alles in Ordnung?“</p>



<p>Keine Antwort. Ich hörte nur den Wind, der leise über die Felder strich.</p>



<p>Ich leuchtete die Straße entlang, ging sogar ein kleines Stück, aber außer frischen Bremsspuren und Nebelschwaden war nichts Auffälliges zu sehen.</p>



<p>„Verdammter Nebel!“, fluchte ich. Er musste meinen Augen einen Streich gespielt haben. Dafür war ich jetzt wach.</p>



<p>Noch immer etwas unter Schock steckte ich mein Handy wieder ein. Ich ging schnell zurück zu meinem Auto, um mich wieder ins Warme zu setzen. Bevor ich jedoch dazu kam, fiel mein Blick im Licht der offenen Fahrertür auf meinen Hinterreifen: Ihm fehlte sämtliche Luft.</p>



<p>„So eine Scheiße!“, schrie ich. Natürlich hatte ich weder Werkzeug noch einen Ersatzreifen dabei.</p>



<p>Schnell kramte ich mein Handy wieder hervor. Ich tippte bereits auf Kontakte, um den ADAC anzurufen, als ich das kleine Kreuz am oberen Bildschirmrand bemerkte: Ich hatte keinen Empfang.</p>



<p>Ich irrte eine Weile fluchend umher, den Blick auf mein Handy geheftet. Aber es änderte sich nichts. Ich musste in einem Funkloch sein.</p>



<p>Mit leicht gequältem Gesicht sah ich die Straße entlang. Meine einzige Chance auf Hilfe war wohl eines der Dörfer in der Nähe. Eines derjenigen Dörfer, die so unglaublich ausladend und düster wirkten.</p>



<p>Zum Glück wusste ich genau, wo ich war. Keine fünf Minuten von hier standen einige Häuser – direkt hinter einem kurzen, unheimlichen Waldstück.</p>



<p>Aber was hatte ich für eine andere Wahl? Bis hier ein Auto vorbeikam, konnten Stunden vergehen. Und wer weiß, ob es dann überhaupt anhielt. Ich würde jedenfalls nicht anhalten, wenn mir ein fremder Mann mitten im Nirgendwo bei Nacht und Nebel vom Straßenrand aus zuwinkt.</p>



<p>Mit einem schweren Seufzen und noch schwereren Mutes machte ich mich also auf den Weg ins Dorf.</p>



<p>Als ich bei dem Wald ankam, ragten die Bäume vor mir wie eine Wand in den Himmel. Ich kam mir unglaublich klein und unbedeutend vor. Ich versuchte, es zu ignorieren.</p>



<p>Trotz der fast kahlen Äste hatte das schwache Mondlicht im Wald keine Chance. Während ich bei den Feldern wenigstens noch grobe Umrisse erkannt hatte, wäre ich hier ohne mein Handy fast blind gewesen. Doch die Taschenlampe brachte auch einen Nachteil mit sich: Mit jedem Schritt bewegen sich die Schatten der tiefhängenden Äste. Überall sah ich aus dem Augenwinkel Bewegungen und es dauerte nicht lange, bis ich mich beobachtet fühlte.</p>



<p>Halt! Was war das? Da war ein Geräusch. Eine Art Kichern. Aber nicht das eines spielenden Kindes, sondern das einer erwachsenen Frau. So schnell, wie es gekommen war, verschwand es aber auch wieder.</p>



<p>Hatte ich es mir eingebildet? Ich hielt mich davon ab, ein „Hallo?“ in den dunklen Wald zu rufen. Ich war müde und bekam langsam Panik, natürlich hatte ich es mir eingebildet. Trotzdem sah ich mich kurz um. Aber alles, was ich entdeckte, waren gruselige Bäume, Laub und jede Menge Spinnen. Ich ließ vor Schreck fast das Handy fallen, als ich eine ganze Gruppe von ihnen auf der Straße sah, die wild übereinander krabbelte. Widerliche Biester!</p>



<p>Ich beschleunigte meine Schritte. Als ob das seltsame Kichern nicht schon gereicht hätte. Jetzt mussten es auch noch Spinnen sein. Ich wollte gar nicht wissen, was sonst noch in der Dunkelheit lauerte.</p>



<p>Obwohl ich versuchte, mir klar zu machen, dass das hier nur ein normaler Wald war und ich in Sicherheit sei, wurden meine Schritte bei jedem Knacken oder Rascheln im Unterholz schneller. Als ich die ersten Lichter in der Ferne sah, war ich bereits am Laufen. Die restliche Strecke – bis ins sichere Licht einer Straßenlaterne – sprintete ich sogar.</p>



<p>Völlig außer Atem drehte ich mich noch einmal um. Der dunkle Wald lag endlich hinter mir, aber &#8230; Stand dort eine Frau am Waldrand? Als ich blinzelte, war sie verschwunden. Meine Augen mussten mir einen Streich gespielt haben.</p>



<p>Ich beschloss, nicht weiter darüber nachzudenken. Der Wald hatte mich auch so schon verrückt genug gemacht.</p>



<p>Ein kurzer Blick auf mein Handy verriet mir, dass es auch hier kein Netz gab. Also sah ich zu den Häusern. Nirgends brannte Licht. Das Dorf war wie ausgestorben, während es mich mit dunklen Fenstern beobachtete. Lediglich einige Vorgärten und die Straße waren beleuchtet.</p>



<p>Ich versuchte, abzuwägen, welches Grundstück am freundlichsten aussah, aber ehrlich gesagt, waren sie alle gleich trist. Ich entschied mich für ein Haus mit weißer Fassade und einer Vogeltränke im Garten. Nervös klingelte ich. <em>Ding Dong</em>.</p>



<p>Ich trat einen Schritt zurück und wartete. Im Haus blieb es still. Außer dem Wind, der flüsternd durch die Hecken und Bäume säuselte, konnte ich nichts hören.</p>



<p>Also versuchte ich es noch einmal. <em>Ding Dong</em>. Es tat mir leid, wenn ich jemanden im Haus weckte, aber was blieb mir anderes übrig?</p>



<p>Nachdem ich schließlich ein drittes Mal geklingelt hatte, ging im Flur endlich Licht an. Der Vorhang hinter der Türscheibe bewegte sich und das Gesicht eines Mannes kam zum Vorschein.</p>



<p>Ich lächelte freundlich. „Tut mir wirklich leid, Sie so spät noch zu stören, aber mein Auto hatte eine Panne. Könne ich vielleicht &#8230;“ Weiter kam ich nicht.</p>



<p>„Hauen Sie ab! Verschwinden Sie!“, rief der Mann. Seine Stimme klang gedämpft durch die Scheibe.</p>



<p>„Bitte. Ich müsste doch nur kurz telefonieren!“</p>



<p>Aber der Mann war bereits verschwunden. Kurz darauf erlosch das Licht im Flur wieder.</p>



<p>Ich blieb einen Moment verdutzt stehen und fragte mich, was gerade passiert war, bevor ich mich auf den Weg zum Nachbargrundstück machte. Das fing ja gut an. Hoffentlich hatte ich beim nächsten Haus mehr Glück.</p>



<p>‚Ritter‘ stand auf dem Klingelschild. Nachdem ich die Klingel betätigt hatte, ertönte eine kurze Melodie im Haus. Das klang schon vielversprechender – oder zumindest redete ich mir das ein.</p>



<p>Und tatsächlich ging bereits nach kurzer Zeit das Licht an. Es dauerte einen Moment, bis eine ältere Frau die Haustür einen schmalen Spalt breit öffnete. Sie klammerte sich an die Tür, als wolle sie bereits sein, sie jederzeit zuzuschlagen.</p>



<p>„Ja bitte?“, fragte sie mit leiser, fast ängstlicher Stimme.</p>



<p>Wieder setzte ich mein freundlichstes Lächeln auf. „Frau Ritter? Entschuldigen Sie die Störung, aber mein Auto hat einen Platten und ich müsste kurz telefonieren.“</p>



<p>Die Frau öffnete die Tür ein kleines Stückchen mehr. Jedoch nur, um ihren grauen Schopf hindurch zu stecken und die Straße nervös auf und ab zu spähen. „Ihr Auto?“, fragte sie kleinlaut.</p>



<p>Ich nickte – jedoch nicht so schnell, dass sie meine Bewegung erschrecken könnte. „Ja. Es steht ein paar hundert Meter weiter. Direkt hinter dem Waldstück. Ich bin das kurze Stück zu Fuß gegangen.“</p>



<p>„Durch den Wald? Sie sind durch den Wald gegangen?“ Sie riss gleichzeitig ihre grau-blauen Augen und die Tür auf. Dann zerrte sie mich mit einer Kraft, die ich ihr kaum zugetraut hatte, hinein und schloss die Tür hinter mir.</p>



<p>Nachdem ich den kleinen Schock überwunden hatte, sah ich mich im Haus um. Hier drinnen war die Atmosphäre gleich ganz anders. Es roch nach altem Holz und Blumen, überall hingen Bildchen von Katzen und Vögeln und die Deckenlampe sorgte für ein warmes, gemütliches Licht.</p>



<p>Lediglich Frau Ritter störte das idyllische Bild, das ich mir ausmalte. Nachdem sie ganze drei Schlösser an der Tür verriegelt hatte, sah sie mich mit einem panischen, fast wahnsinnigen Blick an. „Geht es Ihnen gut?“</p>



<p>Ich nickte – jetzt wieder etwas unruhig. „Ich bin nur etwas müde. Wo ist denn das Telefon?“, fragte ich.</p>



<p>Doch Frau Ritter schien mich gar nicht zu hören. „Sie haben es lebend durch den Wald geschafft? Zu Fuß? Das ist gefährlich! Sie mag das nicht!“</p>



<p>Ich merkte, wie mein Mund trocken wurde. „Sie?“, fragte ich. Sofort musste ich an das Kichern und an die Silhouette denken, die ich am Waldrand gesehen hatte. Hatte ich es mir doch nicht nur eingebildet?</p>



<p>Wieder ignorierte Frau Ritter meine Frage. „Bleiben Sie heute Nacht hier. Sie dürfen da nicht mehr raus!“, sagte sie. Ihr Blick wurde immer wahnsinniger. Obwohl sie mich direkt ansah, hatte ich das Gefühl, als starrte sie direkt durch mich hindurch.</p>



<p>Vorsichtig räusperte ich mich. Ich bemerkte ein altmodisches Telefon neben einem Katzenbild und einem Strauß halbvertrockneter Blumen auf einem kleinen Tisch.</p>



<p>„Darf ich?“, fragte ich. Ich wartete jedoch nicht auf eine Antwort und griff bereits nach dem grauen Hörer.</p>



<p>Kurz, bevor meine Finger den alten Apparat erreichten, zuckte ich zurück. Eine große Spinne saß darauf. Ohne weiter darüber nachzudenken, schlug ich sie angewidert vom Hörer auf den Boden.</p>



<p>„Nein!“, kreischte Frau Ritter plötzlich panisch.</p>



<p>Die alte Frau sprang blitzschnell auf mich zu. Erst hatte ich das Gefühl, als wolle sie mich angreifen. Ich tat sogar einen Schritt zurück und hob abwehrend die Hände, doch Frau Ritter stützte sich auf den Boden. Nein, nicht auf den Boden, auf die Spinne. Sie legte beschützend ihre Hände um das haarige Tier, während sie zu mir aufsah. „Sind Sie wahnsinnig?“, schrie sie mich an.</p>



<p>Was war bloß los mit ihr? „T-tut mir leid. Ich kann diese Biester nicht ausstehen“, versuchte ich, mich zu entschuldigen. Es war doch bloß eine Spinne.</p>



<p>&nbsp;Frau Ritters linkes Augenlid zuckte gefährlich. „Sie mag es nicht, wenn man ihren Kleinen wehtut! Sie wird Sie umbringen. Hören Sie? Sie bringt Sie um!“</p>



<p>Die Frau war völlig durchgeknallt. Als sie die Tür geöffnet hatte, kam sie mir noch wie eine unschuldige ältere Dame vor, aber jetzt &#8230;?</p>



<p>„Sie können hier nicht bleiben. Gehen Sie!“, forderte sie mich auf.</p>



<p>Ich hob beschwichtigend die Hände. „Bitte, ich muss wirklich nur kurz telefonieren. Geben Sie mir zwei Minuten.“</p>



<p>Doch die Frau ließ nicht mit sich reden. „Raus!“, schrie sie.</p>



<p>Kurz war ich der Meinung, Angst in ihren Augen zu sehen, doch spätestens, als sie bedrohlich nach einem hölzernen Schuhanzieher griff, den sie schlagbereit in die Hände nahm, ergriff ich die Flucht. Mit zittrigen Fingern entriegelte ich die drei Schlösser an der Tür und stürmte nach draußen.</p>



<p>Im Türrahmen rannte ich durch ein frisch gesponnenes Spinnennetz, das ich mir mit hektischen Bewegungen aus dem Gesicht wischte, während ich Richtung Wald rannte. Ich dachte nicht einmal darüber nach, bei noch einem Haus zu klingeln. Ich wollte bloß weg von hier. Weg, von der komischen Frau, weg von den dunklen Häusern, weg von den Spinnen.</p>



<p>Als ich im Wald war, überkam mich sofort wieder das Gefühl, beobachtet zu werden. In meinem Kopf malten sich Bilder von Augen aus, die zwischen den Bäumen aufblitzten. Dann schossen mir wieder die Worte von Frau Ritter in den Kopf: „Sie wird Sie umbringen. Hören Sie? Sie bringt Sie um!“</p>



<p>So eine durchgeknallte Irre. Hätte sie das nicht gesagt, würde ich mir jetzt nur halb so viele Sorgen machen.</p>



<p>Aber war da nicht wirklich eine Stimme in der Dunkelheit? Ich konnte nicht heraushören, was sie sagte, aber &#8230; Nein! Das war bestimmt nur der Wind. Ich musste hier weg, bevor ich noch völlig durchdrehte!</p>



<p>Mit dem Gedanken hetzte ich weiter die Straße entlang, bis ich endlich wieder die Felder sehen konnte. Ich ließ den verdammten Wald hinter mir. Nicht mehr weit und ich wäre wieder bei meinem Wagen. Es war mir inzwischen egal, dass ich einen Platten hatte. Ich würde trotzdem fahren. Und wenn ich mir die Felge zerfahren würde, Hauptsache ich kam weg von hier.</p>



<p>Endlich konnte ich es sehen: Da auf dem Feld, direkt neben der Straße stand mein Auto im schwachen Mondlicht. Es wartete auf mich, wartete darauf, dass ich einstieg und den Motor startete.</p>



<p>Noch während des Rennens kramte ich meinen Autoschlüssel hervor und entriegelte die Türen. Dann endlich hatte ich es erreicht. Ich griff bereits nach dem Türgriff, als mich etwas von hinten rammte und gegen das Blech meines Autos drückte. Mein Herz setzte aus. Ich versuchte, mich zu wehren, mich vom Auto wegzudrücken, doch ein Paar eiskalter Hände hielten mich eisern fest. Was zur Hölle war das? Als ich den Kopf drehte, konnte ich eine dunkle Gestalt erkennen. Es war eine Frau.</p>



<p>Als sie sprach, erkannte ich ihre Stimme sofort. Ich hatte sie eben im Wald schon gehört, als ich noch keine Worte verstehen konnte. Aber jetzt sprach sie ganz klar:</p>



<p>„Ah. Du bist wohlgenährt. Meine Kleinen werden heute Abend ein Festmahl haben!“</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Hintergrund:</h2>



<p>„Die Frau im Wald“ ist eine Geschichte, dir mir – wie bereits zu Anfang erwähnt – sehr viel bedeutet. Sie ist die erste Gruselgeschichte, die ich je geschrieben habe. Um genau zu sein, ist sie sogar die allererste Kurzgeschichte, die ich (außerhalb der Schule) geschrieben habe. Meine erste abgeschlossene Geschichte sozusagen.</p>



<p>Damals, als ich 2013 mit dem Schreiben angefangen habe, schlug mein Herz übrigens für das Fantasy-Genre. Versteht mich nicht falsch, ich lese noch immer gerne ein gutes Fantasy Buch, aber mit Grusel oder Horror konnte ich damals überhaupt nichts anfangen. Das änderte sich erst mit dem Videospiel Alan Wake, das mich auch dazu inspiriert hat, „Die Frau im Wald“ zu schreiben.</p>



<p>Die Geschichte begleitet mich also seit 2013. Aber das ist noch nicht alles. Während meines Autoren-Fernstudiums bei der Schule des Schreibens hatte ich die Geschichte 2018 bereits einmal wieder entstaubt, um sie neu zu schreiben. Sie hat mir schon damals sehr geholfen, weil sie mir gezeigt hat, welch riesige Fortschritte ich gemacht habe.</p>



<p>Bereits damals wusste ich, dass es nicht die letzte Fassung der Geschichte sein würde. Und welch bessere Gelegenheit gäbe es, als sie jetzt, als 100ste Geschichte auf meinem Blog, mit euch zu teilen?</p>



<p>Ich hoffe jedenfalls, „Die Frau im Wald“ hat euch gefallen. Und keine Sorge: Der nächste Beitrag handelt natürlich wieder von einer Legende.</p>



<p><em><strong>Was haltet ihr von „Die Frau im Wald“? Hat euch dieser kleine Einblick in mein Autorenleben gefallen? Schreibt es in die Kommentare!</strong></em></p>



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		<title>Die Yule-Katze</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Dec 2020 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Während die LKW-große Katze langsam näherkam, krampfte sich mein Magen zusammen. Es sah aus, als würde die Katze durch eine Miniaturstadt wandern. Gegen diese Bestie hätte ich keine Chance …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-katze">Die Yule-Katze</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/73daf957c7f14c818ceb1c5896fefb06" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Yule-Katze ist meine letzte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtslegende</a> für dieses Jahr. Es geht um das grausame Haustier von <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gryla" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grýla</a> und den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yule Lads</a>.</p>



<p>Außerdem werde ich jetzt erst einmal in eine kurze Winterpause gehen. Ich weiß jedoch noch nicht, ob ich den nächsten Beitrag am 04.01 oder erst am 11.01.2021 veröffentlichen werden.</p>



<p>Bis dahin wünsche ich euch auf jeden Fall trotz der Umstände frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! ^^</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p><em>Diese Geschichte ist der dritte und letzte Teil des diesjährigen Weihnachts-Specials. Wenn ihr die vorherigen Teile noch nicht kennt, könnt ihr Teil 1 <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads#Die_Geschichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a> und Teil 2 <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gryla" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a> nachlesen.</em></p>



<p>Hektisch sprintete ich Grýla nach. Sie durfte Björn und Elva nicht haben! Ich würde das nicht zulassen!</p>



<p>Als ich die Haustür erreichte, schlug mir sofort eisige Luft entgegen. Grýla hatte bereits einen großen Vorsprung. Ich konnte sie nur dank des Schnees erkennen, vor dem sich ihre Silhouette trotz der Dunkelheit deutlich abzeichnete. Der Sack auf ihrem Rücken zappelte …</p>



<p>„Björn! Elva!“, kreischte ich ihnen hinterher.</p>



<p>Ohne auch nur daran zu denken, mir meine Schuhe anzuziehen oder eine Jacke überzuwerfen, stürmte ich in meinem Nachthemd nach draußen. Der Schnee unter meinen nackten Füßen war eiskalt. Eine Kälte, die sich schnell in meinen Beinen und dann meinem restlichen Körper ausbreitete. Ich ignorierte es.</p>



<p>Aber obwohl ich so schnell sprintete, wie ich konnte, wurde Grýla in der Ferne kleiner und kleiner. Als sie schließlich den Wald erreichte, der mein Haus und die Farm meines Nachbarn von der Stadt trennte, war ihre Silhouette im Schatten der Bäume verschwunden. Trotzdem gab ich nicht auf. Ich konnte noch immer deutlich ihre Fußabdrücke sehen, die sich vor mir im Schnee abzeichneten!</p>



<p>Normalerweise bereitete mir der Wald nachts ein mulmiges Gefühl. Ich wusste zwar, dass es in Island keine gefährlichen Tiere gab, doch die Bäume, die mit ihren kahlen Ästen nach mir zu greifen schienen und die Dunkelheit, die sich um mich herum ausbreitete, erfüllten mich sonst immer mit Unbehagen. Heute war es jedoch anders. Heute galten all meine Gedanken Björn und Elva.</p>



<p>Was, wenn ich sie nicht einholte? Was, wenn Grýla sie tatsächlich zu Suppe verarbeitete? Wie sollte ich das Stéfan sagen? Ich könnte meinem Bruder nicht mehr in die Augen sehen, wenn seiner Tochter unter meiner Aufsicht etwas zustieß …</p>



<p>„Nein!“, sagte ich laut. Ich durfte so nicht denken! Noch sah ich Grýlas Fußspuren im Schnee – und solange es weiterhin wenig schneite, würde sich das nicht so bald ändern. Wenn es sein musste, würde ich sie bis in ihre Höhle verfolgen!</p>



<p>Als ich das Waldstück verließ, hatte sich ein schmerzhaftes Stechen in meiner Seite ausgebreitet. Ich verlangsamte meine Schritte. Nicht wegen der Schmerzen oder weil mein Herz so schnell raste, dass das Pochen die meisten Geräusche um mich herum übertönte. Nein. Ich stand vor einem ganz anderen Problem …</p>



<p>Geschockt ließ ich meinen Blick über die Häuser vor mir wandern. Grýla war direkt in die Stadt gelaufen. Das wäre an sich kein Problem gewesen – auf den ebenen Gehwegen und Straßen wäre ich sicherlich schneller und besser vorangekommen –, doch in der Stadt wurde gestreut. Während ich bis hier Grýlas Fußabdrücke noch deutlich sehen konnte, lag jetzt nichts als Asphalt und Pflastersteine vor mir.</p>



<p>„Nein … Nein!“, stammelte ich.</p>



<p>Als ich meinen ersten Schritt auf den kalten Stein tat, entfuhrt mir ein leiser Schmerzensschrei. Entsetzt starrte ich auf meine Füße. Sie bluteten – wahrscheinlich hatte ich sie mir im Wald an den Steinen, Wurzeln und spitzen Stöcken aufgerissen. Der Fußnagel meines rechten kleinen Zehs hatte sich halb gelöst …</p>



<p>Wären meine Beine durch die Kälte nicht so gut wie abgestorben, hätte ich wohl keinen weiteren Schritt gehen können, ohne zusammenzubrechen. Aber ich durfte mich nicht von dem Salz auf den Wegen ablenken lassen. Ich hatte wichtigere Probleme: Ich musste Björn und Elva finden. Doch wo sollte ich hingehen? Woher sollte ich wissen, in welche Richtung Grýla gegangen war? Wollte sie noch mehr unartige Kinder entführen oder lag die Stadt bloß auf ihrem Nachhauseweg?</p>



<p>Nachdem ich einige Sekunden ziellos durch die Stadt geirrt war, erreichte ich eine Kreuzung. Drei Straßen, die in völlig unterschiedliche Richtungen führten. Nur eine von ihnen würde mich meinem Sohn und meiner Nichte wieder näher bringen. Doch woher sollte ich wissen, welche?</p>



<p>Hoffnungslosigkeit breitete sich in mir aus.</p>



<p>Ich überlegte, ob ich an einem der Häuser klingeln sollte. Aber selbst, wenn jemand mir mitten in der Nacht die Tür öffnete … Was sollte ich dann sagen? Dass Grýla – eine mythische Trollfrau, an die kein normaler Mensch glaubte – meinen Sohn und meine Nichte entführt hat, weswegen ich in meinem Nachthemd nach draußen gerannt war, um sie im Alleingang zu retten? Ich wusste selbst, wie verrückt das klang. Bevor ich die Bewohner oder die Polizei auch nur ansatzweise von der Wahrheit überzeugen konnte, wäre Grýla über alle Berge.</p>



<p>Aber zu Fuß hatte ich doch auch nicht mehr Chancen. Wenn ich jetzt in die falsche Richtung lief, würde ich mich noch weiter von den Kindern entfernen. Grýla war sowieso schon schneller als ich.</p>



<p>Panisch sah ich mich auf der Kreuzung um. Ich suchte nach irgendeinem Hinweis, der auf Grýla hindeutete. Umgeknickte Äste, ein Stofffetzen, der in einer Hecke oder an einem Gartenzaun hing. Doch da war nichts.</p>



<p>Ich … Ich hatte Björn und Elva verloren. Meinen Sohn. Stéfans Tochter. Unseren Lebenssinn. Meine Sicht begann vor Tränen zu verschwimmen.</p>



<p>„Björn! Elva!“, schrie ich aus voller Lunge.</p>



<p>Während ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand, als mein Kopf bereits auf Leerlauf stellen wollte, hallte plötzlich ein Schrei durch die Luft. Ein wütender Schrei. Fast schon unmenschliches Gebrüll. Grýlas Gebrüll. Es musste ihr Gebrüll sein. Selbst in ihrer Stimme lag etwas Hässliches!</p>



<p>Neue Energie – Adrenalin – schoss durch meinen Körper. Noch hatte ich nicht verloren. Ich wusste genau, aus welcher Richtung der Schrei gekommen war!</p>



<p>Ich ignorierte die Schmerzen, die bei jedem Tritt in das Streusalz durch meine wunden Füße fuhren. Stattdessen achtete ich auf alles in meiner Umgebung. Ich achtete auf jede Bewegung, jedes Geräusch: Salz knirschte unter meinen Füßen auf den Steinen. Straßenlaternen surrten. Aber da war noch etwas. Als ich mich einem kleinen Einfamilienhaus mit einer Steinmauer im Vorgarten näherte, war da ein Flüstern. Ganz leise, sodass ich fast dachte, dass ich es mir bloß eingebildet hätte.</p>



<p>„Da kommt wer!“, zischte eine hohe Stimme fast völlig lautlos.</p>



<p>Ich blieb abrupt stehen. „Ist da jemand?“, fragte ich laut.</p>



<p>Plötzlich bewegte sich etwas auf dem Grundstück neben mir. Hinter der niedrigen Mauer lugte ein kleiner Kopf hervor. Ich konnte meinen Augen kaum trauen …</p>



<p>„Björn?“, hauchte ich ungläubig.</p>



<p>Dann streckte auch Elva ihren Kopf hinter der Mauer hervor. „Tante Freyja!“, rief sie aufgeregt, bevor sie an der Mauer vorbei rannte und sich fest an mich drückte.</p>



<p>Björn folgte ihr.</p>



<p>„Wie … wie seid ihr entkommen?“, fragte ich verwirrt.</p>



<p>Elva ließ von mir ab und griff in ihre Schlafanzugtasche, woraufhin sie ein kleines Taschenmesser hervorzog. Ich machte große Augen. Elva hatte das geplant. Sie wusste, dass Björn Angst davor hatte, von Grýla entführt zu werden, weil er dieses Jahr nicht sonderlich artig war. Deswegen hatte sie sich plötzlich so seltsam verhalten, war auf dem Bett gesprungen und hatte mich beleidigt. Sie <em>wollte</em> von Grýla entführt werden, um Björn das Leben zu retten!</p>



<p>Ich schloss Elva noch einmal fest in den Arm. „Danke!“, hauchte ich ihr zu.</p>



<p>Ich wünschte bloß, dass sie mir vorher von ihrem Plan erzählt hätte. Dann hätte ich mir wohl weniger Sorgen machen müssen. Andererseits hatte ich ihr letzte Woche erst verboten, alleine mit einem scharfen Messer zu hantieren, als wir Laufabrauð gebacken hatten …</p>



<p>„M-Mamma?“, stammelte Björn plötzlich. Ich hörte an seiner Tonlage sofort, dass das Zittern in seiner Stimme nicht nur an der Kälte lag.</p>



<p>„Was ist?“, flüsterte ich schnell.</p>



<p>Björn hob den Finger und deutete in die Richtung, aus der ich gekommen war. Ich rechnete bereits damit, dass Grýla wieder aufgetaucht war, weil sie nach den Kindern suchte, als mein Blick auf etwas deutlich Größeres fiel … Es war eine riesige schwarze Katze – die Yule-Katze. Auch das noch …</p>



<p>Die Yule-Katze war das Haustier Grýlas und der Yule Lads … sofern man ein solches Monster überhaupt als Haustier bezeichnen konnte. Ähnlich wie bei ihren Besitzern drehte sich die Legende der Yule-Katze um die Weihnachtszeit. Es hieß, dass sie jeden verschlingen solle, der zu Weihnachten keine neue Kleidung trug.</p>



<p>Aus diesem Grund war Kleidung in Island ein solch beliebtes Weihnachtsgeschenk. Deswegen hatte ich Björn und Elva die neuen Schlafanzüge geschenkt. Wie auch bei Grýla und den Yule-Lads hätte ich jedoch niemals damit gerechnet, dass die Geschichten stimmten.</p>



<p>„K-keine Sorge. Sie tut euch nichts, solange ihr die neuen Schlafanzüge tragt“, versuchte ich Björn und Elva zu beruhigen, während ich sie langsam im Rückwärtsgang weiter die Straße hinauf schob.</p>



<p>„Und was ist mit dir?“, fragte Björn leise.</p>



<p>Ich weitete die Augen. Er hatte recht. Ich trug nichts außer meinem alten Nachthemd. Mein Bruder Stéfan und ich hatten vereinbart, dass wir uns dieses Jahr gegenseitig neue Kleidung schenkten, doch er hatte sich verspätet und würde erst irgendwann diese Nacht ankommen. Ich trug keine schützende neue Kleidung!</p>



<p>Während die LKW-große Katze langsam näherkam, krampfte sich mein Magen zusammen. Es sah aus, als würde die Katze durch eine Miniaturstadt wandern. Gegen diese Bestie hätte ich keine Chance … Doch noch hatte die Yule-Katze uns nicht bemerkt. Wenn wir weiter langsam rückwärts gingen, könnten wir vielleicht …</p>



<p>Die Yule-Katze stoppte in der Bewegung. Sie hob den Kopf und fixierte uns mit ihren Augen. Es war zu spät …</p>



<p>„Mamma. Die Yule-Katze wird mir nichts tun“, erklärte Björn leise, ohne mich anzusehen.</p>



<p>Wozu sagte er mir das?</p>



<p>„Ich möchte also, dass du wegrennst. Mach dir keine Sorgen um mich!“, fuhr er fort.</p>



<p>Als ich realisierte, was er damit sagen wollte, war es zu spät, um ihn aufzuhalten.</p>



<p>„Björn! Nein!“, rief ich ihm nach, doch er rannte bereits auf das Monster zu.</p>



<p>Die Katze beobachtete ihn jetzt. Sie legte die Ohren flach an, während sie einen Buckel machte und ihn anfauchte.</p>



<p>Björn drehte sich zu mir um. Er machte eine wegscheuchende Handbewegung. „Lauft!“, rief er in einem befehlenden Tonfall. Ich hatte meinen Sohn noch nie so mutig gesehen.</p>



<p>Nachdem ich Elva auf den Arm genommen hatte, sprintete ich los. Ich zwang mich, nach vorne zu blicken, damit ich nicht stolperte. Trotzdem wagte ich einen flüchtigen Blick über die Schulter.</p>



<p>Björn sah aus wie ein Spielzeug, wie er dort vor der gigantischen Katze stand. Doch sie hatte ihn noch nicht angegriffen. Sie stand fast reglos da und fauchte nur.</p>



<p>Schließlich schien sie das Interesse zu verlieren und wandte sich ab. Mir fiel ein Stein vom Herzen – jedoch nur, bis die Katze mich mit ihren Augen fixierte …!</p>



<p>„Nein! Hier bin ich!“, schrie Björn und wedelte mit den Armen. Die Katze beachtete ihn nicht, sondern begann, auf mich zu zu rennen.</p>



<p>Nachdem ich um eine Kurve gesprintet war – ich hoffte, irgendwo ein Versteck zu finden, schnell genug wegrennen konnte ich vor der Katze jedenfalls nicht –, sah ich in einiger Entfernung plötzlich zwei Lichter auf der Straße … Scheinwerfer! Doch das Auto hatte bereits einen Blinker gesetzt.</p>



<p>Mit dem freien Arm, der nicht Elva umklammerte, begann ich wie wild zu winken. „Hier! Hilfe! Ich bin hier!“, schrie ich.</p>



<p>Das Licht des Blinkers erlosch. Stattdessen beschleunigte der Wagen und kam direkt auf mich zu, bis er vor mir zum Stehen kam.</p>



<p>Es war ein dunkelblauer Toyota. Ich kannte das Auto! Die Fahrertür öffnete sich.</p>



<p>„O Gott, Freyja! Was ist passiert!?“, fragte Stéfan, als er auch mich und Elva erkannte.</p>



<p>„Wo ist mein Weihnachtsgeschenk?“, rief ich ihm entgegen.</p>



<p>„Auf … auf dem Beifahrersitz“, antwortete er verwirrt. „Was macht ihr hier? Wo ist eure Kleidung?“</p>



<p>Ich antwortete nicht, sondern setzte Elva ab. „Steigt ins Auto!“, befahl ich.</p>



<p>Sowohl Elva als auch mein Bruder kamen der Bitte sofort nach, während ich die Beifahrertür öffnete. Auf dem Sitz lag ein liebevoll verpacktes Geschenk, das ich jetzt achtlos zerriss und den grünen Schal darin – meine Lieblingsfarbe –, hektisch um meinen Hals schlang.</p>



<p>„Verdammt, Freyja! Rede mit mir! Was ist los?“, flehte Stéfan verzweifelt.</p>



<p>Ich musste ihm die Frage nicht beantworten. Die Yule-Katze hatte unsere Straße erreicht.</p>



<p>„Scheiße!“, stieß Stéfan aus, als er sie bemerkte. Es war wahrscheinlich das erste Mal, dass seine Tochter ihn fluchen hörte.</p>



<p>So langsam ich konnte, stieg ich in den Wagen, während die Yule-Katze bedrohlich, fast schon siegessicher auf uns zukam. Ich wusste, dass das Auto mir keinen Schutz bieten würde – nicht, wenn die Legenden stimmten –, aber ich fühlte mich hier trotzdem sicherer.</p>



<p>Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Stéfan nach dem Autoschlüssel in der Zündung griff.</p>



<p>„Nicht!“, zischte ich ihm zu.</p>



<p>Jetzt, wo ich einen neuen Schal trug, müssten wir eigentlich in Sicherheit sein. Bei Björn, den ich jetzt übrigens aus dem Augenwinkel sehen konnte – er versteckte sich mehr schlecht als recht mit etwas Abstand zur Yule-Katze hinter einer Straßenlaterne –, hatte es schließlich auch geklappt. Sie hatte ihn wegen seines neuen Pyjamas in Ruhe gelassen.</p>



<p>Die Yule-Katze stellte ihre Pfote auf die Motorhaube, sodass sich der Wagen leicht nach vorne neigte. Vier scharfe Krallen bohrten sich in den Lack. Dann senkte sie den Kopf, sodass ich ihre großen Augen direkt durch die Windschutzscheibe sehen konnte. Ihre Pupillen hatten mich noch immer fixiert.</p>



<p>Ich hielt vor Anspannung die Luft an. Wieder begann mein Herzklopfen die Geräusche um mich herum zu übertönen: Bumm bumm, bumm bumm, bumm bumm.</p>



<p>Als die Yule-Katze ein fürchterliches Fauchen von sich gab – ein Speichelfaden zog sich zwischen ihren Zähnen – schloss ich die Augen. Entweder würde es gleich vorbei sein, oder wir waren in Sicherheit.</p>



<p>Doch es passierte nichts. Weder griff die Yule-Katze an, noch merkte ich, dass sie die riesige Pfote wieder von der Motorhaube nahm.</p>



<p>Vorsichtig öffnete ich die Augen. Die Yule-Katze war noch da. Sie starrte noch immer durch die Windschutzscheibe. Doch ihre Augen waren nicht mehr auf mich gerichtet …</p>



<p>„Stéfan?“, fragte ich möglichst ruhig. „Trägst du irgendwelche neue Kleidung?“</p>



<p>Stéfans Atem war kurz und stoßartig, während die Yule-Katze an der Windschutzscheibe schnupperte.</p>



<p>„Stéfan!“, drängte ich etwas energischer.</p>



<p>Mein Bruder hob vorsichtig die Hand und zeigte mir seine Krawatte, die lose um seinen Hals hing.</p>



<p>Erleichtert atmete ich auf. Aber warum verschwand die Yule-Katze dann nicht? Hatte ich irgendetwas nicht bedacht, oder nahm sie sich bloß ihre Zeit, um sicherzugehen, dass es hier nichts mehr zu holen gab?</p>



<p>Als habe sie meine Gedanken gelesen, richtete die Yule-Katze sich auf. Sie nahm die Pfote von der Motorhaube, bevor sie an dem Auto vorbei ging und langsam im Rückspiegel verschwand, als wäre nie etwas gewesen.</p>



<p>Als Björn merkte, dass die Gefahr vorüber war, rannte er zu uns. Doch erst, als er endlich neben Elva auf der Rücksitzbank saß, spürte ich, wie all meine Last von mir abfiel.</p>



<p>Die Schmerzen und die Unterkühlung machten sich langsam bemerkbar. Doch vor allem spürte ich eins: Erleichterung.</p>



<p>Stéfan war hingegen noch immer angespannt. „Was zur Hölle war das?“, fragte er, den Blick weiter in den Rückspiegel gerichtet.</p>



<p>„Das ist eine lange Geschichte …“, erklärte ich. „Ich erzähle dir alles, wenn wir zu Hause sind.“</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Die Yule-Katze, eigentlich Jólakötturinn oder Jólaköttur (isländisch für „(die) Weihnachtskatze“), ist eine riesige Monsterkatze der isländischen Sagenwelt.</p>



<p>Es heißt, dass die Yule-Katze das Haustier Grýlas und der Yule Lads sei.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Meist wird die Yule-Katze als riesige, schwarze Katze bezeichnet, wobei die Farbe in einigen Erzählen auch variieren kann.</p>



<p>Was „riesig“ in diesem Fall bedeutet, ist unklar. So ist sie in manchen Darstellungen nur knapp größer als ein Mensch, während sie andere Male größer als ein Haus oder noch riesiger dargestellt wird.</p>



<p>Abgesehen von der Größe soll sie aber einer normalen Katze relativ ähnlich sehen, wenn auch ihr Blick angsteinflößend sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die Yule-Katze soll in den Weihnachtsnächten in isländischen Dörfern und Städten auf die Jagd nach Kindern und Erwachsene gehen. Zum Glück gibt es jedoch eine einfache Möglichkeit, sich gegen sie zu schützen: Sie verschont jeden, der zu Weihnachten ein neues Kleidungsstück trägt.</p>



<p>Aus diesem Grund ist Kleidung in Island ein beliebtes Weihnachtsgeschenk.</p>



<p>Ist man jedoch zu arm, um sich selbst neue Kleidung zu kaufen, und hat keine geschenkt bekommen, ist man der riesenhaften Katze schutzlos ausgeliefert. Sie spürt einen auf, um einen bei lebendigem Leibe zu fressen oder – laut einigen anderen Erzählungen – zu Grýla zu bringen, damit diese einen in ihre Suppe werfen kann.</p>



<p>Eine verharmloste Variante besagt hingegen, dass man weder gekocht, noch gefressen wird. Stattdessen soll die Yule-Katze einem nur den Weihnachtsbraten bzw. das Weihnachtsessen sowie häufig auch die Süßigkeiten und Weihnachtskekse wegfressen.</p>



<p>Trägt man hingegen neue Kleidung, kann es zwar vorkommen, dass die Yule- Katze einem einen gewaltigen Schrecken einjagt, indem sie einen anfaucht, anschließend zieht sie jedoch weiter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Die Yule-Katze kommt zur Weihnachtszeit in die Dörfer und Städte Islands, um dort Menschen zu jagen.</p>



<p>Wo sie sich die restliche Zeit des Jahres aufhält, ist nicht bekannt. Es wird jedoch vermutet, dass sie zusammen mit Grýla, den Yule-Lads und Leppalúði in Grýlas Höhle lebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die Yule-Katze wurde erstmals im 19. Jahrhundert schriftlich erwähnt und könnte somit das jüngste Mitglied von Grýlas Familie sein. Ob an der Aussage, dass sie mündlich bereits deutlich länger existiert haben soll, etwas dran ist, ist unbekannt.</p>



<p>Es wird jedenfalls vermutet, dass die Legende der Yule-Katze zwei Dinge bezwecken sollte:</p>



<ol class="wp-block-list"><li>Eltern haben ihren Kindern zu Weihnachten oder in der Vorweihnachtszeit damit gedroht, ihnen keine neue Kleidung zu schenken, wenn sie nicht artig waren oder ihre Aufgaben im Haushalt nicht erledigt haben.</li><li>Die Wollarbeiter waren dazu gezwungen, ihre Wolle bis Weihnachten verarbeitet zu haben, damit sie sich aus ihrem Anteil etwas eigenen stricken konnten. Das war zu früheren Zeiten besonders wichtig, weil die Leute auf warme Kleidung angewiesen waren.</li></ol>



<p>Aber auch heute noch ist das Schenken von Kleidung zu Weihnachten eine beliebte Tradition in Island. Auch andere Vorteile – wie z. B., dass in der Zeit häufig Kleidung für Bedürftige gesammelt und gespendet wird, haben sich daraus ergeben.</p>



<p>Der unstillbare Hunger der Yule-Katze hat also auch gute Dinge bewirkt.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><em>So, das war dann auch schon der letzte Teil meines Weihnachts-Specials. Wie hat euch die Geschichte gefallen? Was haltet ihr von der Yule-Katze und der Tradition, zu Weihnachten Kleidung zu verschenken? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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