<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Deutsche Legenden Archiv - Geister und Legenden</title>
	<atom:link href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden</link>
	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Sun, 28 Dec 2025 14:22:54 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>

<image>
	<url>https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2019/03/Icon2-150x150.jpg</url>
	<title>Deutsche Legenden Archiv - Geister und Legenden</title>
	<link>https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Der kopflose Reiter – Er darf dich nicht berühren! (überarbeitet)</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/der-kopflose-reiter</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/der-kopflose-reiter#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Apr 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Der kopflose Reiter]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[kopfloser Reiter]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Untote]]></category>
		<category><![CDATA[Untoter]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
		<category><![CDATA[Wiedergänger]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=397</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ich fuhr herum. Am Anfang sah ich noch gar nichts. Dann jedoch erschien im Licht meines Handys eine Gestalt auf einem Pferd – der kopflose Reiter. Langsam, fast gespenstisch kam er auf mich zu …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-kopflose-reiter">Der kopflose Reiter – Er darf dich nicht berühren! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/493f350e2cec4cf6b41b3f41c59fc521" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der kopflose Reiter war die erste <a href="http://geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden">deutsche Legende</a>, die ich 2019 auf meinem Blog behandelt habe. Sie war auch eine der ersten Geschichten, die von jemandem vertont wurde, auch wenn das YouTube-Video von Johanna Christin leider nicht mehr online ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe, euch gefällt meine überarbeitete Fassung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rümpfte die Nase. Obwohl wir schon eine Woche hier waren, hatte ich mich noch immer nicht an den Geruch nach Kuhdung gewöhnt, der fast durchgehend in der Luft lag. Als Stadtmensch kannte ich so etwas gar nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes, mein Verlobter, war hier hingegen aufgewachsen. Es war seine Idee gewesen, für eine Woche ins Rheinland zu fahren, in das Dorf, wo er seine gesamte Kindheit verbracht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich war das eine ganz neue Erfahrung. In der Stadt waren die Menschen nichts als fremde Gesichter, die an mir vorbeizogen. Klar hatten sie alle ihre eigenen Probleme und Geschichten, aber sie behielten sie für gewöhnlich für sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier auf Land hingegen war das völlig anders. Die Leute waren alle so nett, grüßten Hennes sogar beim Namen, obwohl er schon vor vielen Jahren hier weggezogen war. Wie oft wir stehengeblieben waren, um mit einem alten Bekannten zu quatschen. Und obwohl Hennes mit ihnen viel über seine Kindheit redete, hatte ich nie das Gefühl, das fünfte Rad am Wagen zu sein. Sie banden mich in die Gespräche ein, fragten mich nach meiner Meinung oder erzählten mir Anekdoten aus Hennes‘ Jugend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nie hätte ich gedacht, dass ein schlichter Urlaub auf dem Land so traumhaft werden könnte. Doch wie bei so vielen Dingen sollte auch hier aus einem Traum ein Albtraum werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war der letzte Abend vor der Heimreise. Gleichzeitig war es das erste Mal, dass ich mich in dem kleinen Dorf unwohl fühlte. Es war fast so, als hätte ich etwas geahnt, während wir auf dem Weg zu der Kneipe, in der Hennes immer als Jugendlicher mit seinen Freuden abgehangen hatte, eine Abkürzung über einen kleinen Feldweg nahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Hennes einen Arm um mich gelegt hatte, um mich zu wärmen, fröstelte ich. Schweigend gingen wir nebeneinander her. Unsere Schritte knirschten im Kies, Grillen zirpten in den Feldern. Dann plötzlich mischte sich Hufgetrappel in die Geräuschkulisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes und ich sahen einander fragend an. Wir dachten genau dasselbe: Wer ritt zu so später Stunde noch ein Pferd aus? Die Sonne war längst untergegangen. Das einzige Licht kam von den letzten Momenten der Dämmerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neugierig blickten wir dem Reiter entgegen, der gemächlich auf uns zu getrabt kam. Gerade jedoch, als ich mich an den Wegesrand stellen wollte, um ihn vorbeizulassen, fiel mein Blick auf seinen Kopf – oder eher auf die Stelle, wo sein Kopf hätte sein müssen. Der Platz zwischen seinen Schultern war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein spitzer Schrei entfuhr mir, als ich es bemerkte. Hennes trat sofort schützend vor mich. Der Kopflose ließ sich davon nicht beirren. Stattdessen brachte er sein Pferd direkt vor uns zum Stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes wich einen Schritt zurück, während er zu ihm aufsah. Doch von Angst fehlte in seiner Stimme jede Spur. „Hey!“, sagte er laut. „Findest du es witzig, meine Freundin so zu erschrecken?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast rechnete ich damit, dass der Mann sich entschuldigte, uns erklärte, dass er bloß zu einer Kostümparty unterwegs sei. Es hätte zu meinem Eindruck von den sonstigen Bewohnern des Dorfes gepasst. Er blieb jedoch einfach nur stumm stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte, wie Hennes versuchte, sich möglichst groß zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schatz, lass ihn einfach vorbei“, drängte ich ihn, während ich an seinem Ärmel zupfte. Ich hatte keine Lust auf Streit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes sah das jedoch anders. „Ohne Entschuldigung?“, fragte mein Verlobter. „Na warte, gleich wissen wir, wer sich unter dem Kostüm versteckt. Mal sehen, wie gruselig du dann noch bist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hennes …“, drängte ich erneut. Aber er hörte nicht auf mich. Ich unterdrückte ein Augenrollen. Männer und ihr Machogehabe. Dass sie immer denken mussten, uns Frauen irgendetwas beweisen zu müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er ging einen kleinen Bogen um den Kopf des Pferdes herum und trat seitlich an den noch immer reglosen Reiter heran. Dort griff er nach seiner Jacke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kopflose reagierte blitzschnell. Noch ehe Hennes an dem Stoff zerren konnte, packte der Fremde ihn am Handgelenk. Er hielt ihn eisern fest. Im selben Augenblick stieß mein Verlobter überrascht den Atem aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment bewegte sich niemand von uns. Ich hörte, wie mein Herz raste, während Hennes den Fremden bloß reglos anstarrte. Dann plötzlich ließ der Reiter meinen Verlobten los. Er setzte sich mit seinem Pferd wieder in Bewegung und ritt langsam an uns vorbei. Bald war er wieder in der Dunkelheit verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wandte ich mich zu meinen Verlobten. Er hatte sich noch immer keinen Zentimeter bewegt. „Hennes? Hennes, alles in Ordnung?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das löste ihn aus seiner Starre. Er sah zu mir, sein Blick suchte meinen. „Ich … weiß nicht. Das war seltsam. Seine Berührung war eiskalt.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Weg zur Kneipe legten wir mit schnellen Schritten zurück. Ich war erleichtert, als wir den dunklen Feldweg hinter uns ließen und endlich wieder über beleuchtete Straßen gingen. Trotzdem sprachen Hennes und ich kein einziges Wort, bis wir die Kneipe erreichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gebäude war nicht sonderlich viel los. Zwar gab es einige Grüppchen, die an verschiedenen Tischen zusammensaßen, aber Hennes schien niemanden von ihnen zu erkennen. Also setzten wir uns auf zwei Barhocker und bestellten zwei Bier, die die Gastwirtin sofort für uns abzapfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah zu Hennes. „Du bist immer noch ganz blass.“ Besorgt streichelte ich seinen Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht. Ich muss die ganze Zeit an seine Berührung denken. Sie war so furchtbar kalt. Unnatürlich kalt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zog die Augenbrauen zusammen. „Aber das war doch nur ein Kostüm, oder?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes gab mir ein schwaches Lächeln. Wieder ein Schulterzucken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach Schatz, es gibt keine Kopflosen. Lass dir von dem Idioten doch keine Angst machen!“ Er konnte nicht ernsthaft glauben, dass das ein Geist gewesen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes reagierte nicht. Er starrte bloß gedankenverloren die Theke an, auf die die Gastwirtin jetzt unser Bier stellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür erregten meine Worte die Aufmerksamkeit von jemand anderem: Ein Mann einige Hocker weiter sah zu uns. Er erhob sich und torkelte in unsere Richtung. „Ihr habt ihn gesehen, nicht war?“, lallte er. Ich roch seine Fahne bis hier. „Den kopflosen Reiter?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn mit großen Augen an. „Kennen Sie den Bekloppten etwa? Verkleidet er sich häufiger?“, fragte ich. Ich hoffte, dass es einfach bejahen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber natürlich tat er das nicht. „Verkleidet? Meine Liebe, das ist keine Verkleidung“, lallte er mir entgegen. „Er trägt wirklich keinen Kopf mehr auf seinen Schultern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes, dar gerade sein Bier an die Lippen heben wollte, erstarrte in der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Betrunkene fuhr unbeirrt fort. „Aber keine Sorge. An sich ist er harmlos. Das einzig Wichtige bei Begegnungen mit Wiedergängern wie ihm ist aber, dass ihr sie auf keinen Fall berührt. So eine Berührung kann tödlich enden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt merkte ich, wie auch mein Herz Richtung Hose rutschte. Aber das war doch irrsinnig. Es gab keine Geister. Wen auch immer wir da gesehen hatten, ich war mir sicher, es war bloß irgendein Typ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hennes hingegen schien der Betrunkene gehörig den Abend verdorben zu haben. Ich sah, wie er einen Zehn-Euro-Schein auf die Theke legte und nach seiner Jacke griff. „Komm Anni, wir gehen!“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg zum Gasthof sagte Hennes kein einziges Wort mehr. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass der Betrunkene sicher auch nur irgendein Spinner war, genau wie der kopflose Reiter, aber er hörte mir gar nicht richtig zu. Stattdessen ging er so schnell, dass ich Schwierigkeiten hatte, mit ihm mitzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Verschnaufpause erlaubte er mir erst, als wir sicher auf unserem Zimmer angekommen waren. Dort ging er fast sofort ins Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sah Hennes nicht ähnlich, so still zu sein. Auch war er noch immer ungewöhnlich blass. Ich machte mir Sorgen um ihn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedoch war es erst am nächsten Morgen, dass ich Angst um ihn bekam. Er war eiskalt und zitterte am ganzen Körper. Als ich versuchte, mit ihm zu reden, sah er mich bloß an, gab aber keinen einzigen Laut von sich. Ich fuhr sofort mit ihm ins Krankenhaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Tage waren die schmerzhaftesten meines Lebens. Ich konnte nichts tun, als zuzusehen, wie Hennes von Tag zu Tag schwächer wurde. Und auch die Ärzte waren völlig ratlos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Abends saß ich – wie jeden Tag – bei Hennes am Bett. Ich war eingeschlafen, lag vornübergebeugt, während ich seine Hand hielt. Da weckte mich eine schwache Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Anni?“, fragte Hennes schwach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte schon immer einen sehr leichten Schlaf, weshalb ich sofort davon wach wurde. „Hennes!“, rief ich. „Du bist wach! Wie fühlst du dich? Kann ich irgendetwas …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter kam ich nicht. Hennes hatte seine zittrige Hand gehoben und hielt mir einen Finger an die Lippen. „Bitte. Du musst was für mich erledigen“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alles. Was auch immer du brauchst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann sagte er jedoch etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte. „Hilf dem kopflosen Reiter. Er kann nichts dafür.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlagartig richtete ich mich auf. „Was? Wieso?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ich bekam keine Antwort mehr. Hennes war bereits wieder eingeschlafen.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">An die Hoffnung geklammert, dass ich meinem Verlobten damit auf irgendeine noch so seltsame Weise helfen könne, fuhr ich direkt in das Dorf zurück. Meine erste Anlaufstelle war die Kneipe. So verzweifelt mir der Gedanke auch vorkam, der Betrunkene von neulich war die einzige Person, die auf jeden Fall mehr über den kopflosen Reiter wusste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meinem Glück war der Mann trotz der späten Stunde tatsächlich noch in der Kneipe … an einem Mittwoch. Na toll. Er schien jedenfalls zu den Stammalkis des Dorfes zu gehören. Trotzdem war er noch ansprechbar und beantwortete meine Fragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für deinen Verlobten ist es zu spät“, lallte er. Von seinem Atem wurde ich fast selbst betrunken. „Aber wenn du dem Kopflosen wirklich helfen willst, soll es den Legenden nach ausreichen, wenn du vor ihm ein Gebet aufsagst. Das Vaterunser oder was weiß ich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel mehr konnte er mir zwar nicht verraten, aber ich nahm, was ich kriegen konnte. Sofort lief ich zum Feldweg zurück. Als ich den Pfad erreichte, zögerte ich jedoch. Er lag dunkel vor mir. Irgendwie unheimlich. Aber das würde mich heute nicht aufhalten. Ich musste es tun. Für Hennes. Zwar hatte der Alki gesagt, ich könne meinem Verlobten nicht mehr helfen. Aber woher wollte er das wissen? Anscheinend hatte es ja noch niemand geschafft, den Kopflosen von seinem Schicksal zu erlösen. Sicherlich irrte er sich. Er <em>musste</em> sich irren!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hastig eilte ich den Weg entlang. Ich nutzte mein Handy, um den Pfad zu erleuchten, aber auch das spendete mir kaum Licht. Erst, als ich in etwa den Ort erreicht hatte, wo wir dem Reiter das erste Mal begegnet waren, blieb ich stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war windig. Die Blätter säuselten und flüsterten um mich herum. Und auch die Grillen zirpten heute anders, irgendwie trauriger als letztes Mal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wartete ich. Und wartete. Und wartete. Meine Augen begannen bereits immer wieder zuzufallen. Meine Beine schmerzten. Da trug der Wind ein anderes Geräusch zu mir herüber: Hufgetrappel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fuhr herum. Am Anfang sah ich noch gar nichts. Dann jedoch erschien im Licht meines Handys eine Gestalt auf einem Pferd – der kopflose Reiter. Langsam, fast gespenstisch kam er auf mich zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie sich eine Gänsehaut über meinen Körper zog. Trotzdem blieb ich völlig ruhig stehen, während er näherkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war er direkt vor mir. Sein Pferd bäumte sich auf, gab ein lautes Wiehern von sich. Ich erschrak, kämpfte aber gegen den Drang an, davonzulaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer. Dann endlich begann ich, das Vaterunser aufzusagen, das ich noch gut aus dem Konfirmationsunterricht kannte. „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kopflose Reiter stand jetzt völlig ruhig da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehrfürchtig sah ich zu ihm auf. „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“, fuhr ich fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich schwang der Mann sich von seinem Pferd. Ich trat schnell einen Schritt zurück, um ihm nicht zu nahe zu kommen, sagte das Gebet aber unbeirrt weiter auf. Zum Glück blieb der Mann neben seinem Pferd stehen. Mir fiel auf, wie klein er eigentlich war. Nicht nur, weil sein Kopf fehlte, sondern auch mit musste er noch immer kleiner gewesen sein als ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich das Gebet beendete, schien er mich die ganze Zeit zu beobachten – zumindest soweit jemand ohne Kopf einen beobachten konnte. Erst, als ich den heiligen Text mit dem „Amen“ beendete, bewegte er sich. Oder nein, er bewegte sich nicht, er veränderte sich. Seine dunkle Kleidung verwandelte sich, bis er in ein sauberes weißes Tuch gehüllt vor mir stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment sah es so aus, als würde er seinen Körper betrachten, an sich heruntersehen wollen. Dann trat er einen Schritt auf mich zu. Er streckte die Arme nach mir aus, umfasste meine Hände in einer eiskalten Berührung mit den seinen, drückte sie kurz dankbar und war verschwunden. Jetzt war ich wieder allein. Von dem Mann und seinem Pferd fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsicher, was ich tun oder auch nur denken sollte, blieb ich noch eine Weile reglos stehen. Was war da gerade passiert? Hatte ich ihn tatsächlich erlöst? Ich wusste es nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann, ich hatte keine Ahnung, wie lange ich dort stand, riss mich das Klingeln meines Handys aus den Gedanken. Ich ging ran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Anni Winkler“, meldete ich mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Abend Frau Winkler, hier ist das Krankenhaus“, antwortete eine Frauenstimme. „Es tut mir sehr leid, es ihnen mitteilen zu müssen, aber Ihr Verlobter ist gerade verstorben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau erzählte noch irgendetwas von psychologischer Unterstützung, aber ich hörte ihr gar nicht mehr richtig zu. Hennes war tot. Er würde nie wieder zu mir zurückkehren. Mich nie wieder in seinen sanften Armen halten. Nie wieder meinen Namen rufen. Tränen stiegen mir in die Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel mein Blick auf meine Hände. Auch ich hatte den kopflosen Reiter berührt. Wenn Hennes trotzdem gestorben war, obwohl ich den Reiter gerettet hatte, würde mich dann dasselbe Schicksal ereilen? Würde ich auch sterben müssen? Oder war der Wiedergänger in seinem erlösten Zustand ungefährlich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort auf diese Frage bekam ich bereits am nächsten Morgen. Mir war eiskalt und ich zitterte am ganzen Körper. Es war dasselbe Zittern, das bereits Hennes‘ Tod angekündigt hatte.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der kopflose Reiter ist ein Wiedergänger, also ein Untoter, der deutschen Sagenwelt. Jedoch ist der Name „der“ kopflose Reiter nicht ganz zutreffend, da es nicht nur einen, sondern viele kopflose Reiter geben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der irischen Mythologie gibt es ebenfalls kopflose Reiter, wo sie als Dullahan bezeichnet werden. Sie unterscheiden sich jedoch in ihren Eigenschaften von der deutschen Sagengestalt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Aussehen der kopflosen Reiter ist – von dem fehlenden Kopf und dem Pferd einmal abgesehen – meist nicht genauer beschrieben. Es ist jedoch anzunehmen, dass sie altertümliche Kleidung tragen, da die meisten der Legenden aus dem Mittelalter stammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Sagen haben sie ihren abgetrennten Kopf sogar bei sich, tragen ihn jedoch unter dem Arm oder haben ihn in ihrem Schoß liegen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Kopflose Reiter tauchen ausschließlich nachts auf. Sie sind an sich harmlos, haben keine bösen Absichten und versuchen auch nicht, den Menschen zu schaden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt jedoch, dass ihr Auftauchen eine Warnung sein kann. So ist in einigen Quellen von einem baldigen Tod die Rede, wenn man einen kopflosen Reiter sieht, in anderen erscheinen sie hauptsächlich kriminellen Menschen, um ihnen zu zeigen, dass ihnen dasselbe Schicksal wie ihnen blühen könne und sie so auf den rechten Weg zurückzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem kann die Begegnung mit einem kopflosen Reiter gefährlich sein oder so tödlich ausgehen. Denn obwohl sie nicht versuchen, den Menschen zu schaden, ist die Berührung eines Wiedergängers tödlich. Wenn man den kopflosen Reiter also in irgendeiner Weise berührt, kann das innerhalb weniger Tage zum Tod führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits soll es sehr einfach sein, einen kopflosen Reiter zu erlösen. Laut den Legenden muss man dafür lediglich ein Gebet laut aufsagen oder den Reiter sogar nur mit einem Gruß anreden, in dem Gott oder Christus vorkommt. Daraufhin soll der Reiter in ein weißes Leichentuch gehüllt erscheinen und sich bedanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch dann darf man nicht den Fehler machen und den Wiedergänger berühren, da seine Berührung auch in diesem Zustand noch immer töten soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Legenden und Berichte von kopflosen Reitern gab es im Rheinland. Es ist jedoch möglich, dass Sichtungen an anderen Orten lediglich nicht bis zum heutigen Tag überliefert wurden, die Wiedergänger also deutlich weiter verbreitet waren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der genaue Ursprung des kopflosen Reiters ist nicht bekannt. Es lassen sich jedoch kirchliche Einflüsse in den meisten Berichten finden. Eine weit verbreitete Theorie besagt, dass die Legende als Warnung entstanden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So hieß es z. B. oft, dass die kopflosen Reiter zu Lebzeiten entweder Verbrecher waren, die durch Köpfung hingerichtet wurden, oder Selbstmörder, deren Leichen bis ins 17. Jahrhundert ebenfalls geköpft und anschließend an ungeweihter Stelle begraben wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Entstehungsgeschichte besagt, dass sie Menschen waren, die den Grenzstein ihres Grundstücks versetzt haben. Früher wurden die Grundstücke der einfachen Bürger nämlich nur durch Grenzsteine markiert. Wenn jemand heimlich den Grenzstein versetzt hat, konnte er somit unerlaubt sein eigenes Grundstück vergrößern, während seine Nachbarn darunter gelitten haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine mögliche, wenn auch nur selten durchgeführte Strafe dafür war, dass der Schuldige bis zum Kopf in der Erde begraben wurde. Daraufhin durfte der Geschädigte – dessen Grundstück verkleinert worden wäre – so lange mit seinem Pflug über den Kopf des Schuldigen pflügen, bis von ihm fast nichts mehr übrig war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der kopflose Reiter in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle komme ich wohl nicht um Sleepy Hollow herum. Die Verfilmungen, darunter auch der bekannte Film „Sleepy Hollow“ (1999) mit Johnny Depp, aber auch die Buchvorlage „Die Sage von der schläfrigen Schlucht“ (1820) von Washington Irving beinhalten den kopflosen Reiter als Antagonisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch spielt der Wiedergänger in der Folge „Der kopflose Reiter“ von DiE DR3i eine entscheidende Rolle. (Falls ihr „DiE DR3i“ nicht mehr kennt, dabei handelt es sich um eine Parallelreihe zu „Die drei ???“, die wegen eines Rechtsstreits statt der originalen Hörpielreihe von 2006 bis 2007 erschien.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem findet man den kopflosen Reiter in zahlreichen anderen Filmen, als NPC in Videospielen wie The Elder Scrolls oder World of Warcraft und sogar als eigene Karte des beliebten Sammelkartenspiels Magic: The Gathering.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Legende der kopflosen Reiter? Kanntet ihr sie bereits? Wusstet ihr, dass es eine deutsche Legende ist? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr einem kopflosen Reiter begegnet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-kopflose-reiter">Der kopflose Reiter – Er darf dich nicht berühren! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/der-kopflose-reiter/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>9</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Krampus – Er bestraft die Unartigen! (überarbeitet)</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/krampus</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/krampus#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[Barterl]]></category>
		<category><![CDATA[bayerische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[bayerische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[bayrische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[bayrische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kramperl]]></category>
		<category><![CDATA[Krampus]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Nikolaus]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtslegende]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtslegenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=683</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Krampus legte seinen Kopf in den Nacken und schnupperte. Er sah aus wie ein Hund, der seine Beute witterte. Wolken aus Dampf stiegen aus seinen Nasenlöchern. Dann wandte er seinen Kopf in meine Richtung. Im schwachen Licht konnte ich sehen, wie seine gelben Augen aufblitzten, während sie mich fixierten …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/krampus">Krampus – Er bestraft die Unartigen! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/cfb3f078593c4ab592b04cd9a28ee267" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Krampus war eine der ersten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtslegenden</a>, über die ich geschrieben habe. Daher dachte ich, es wäre eine gute Idee, den Text zu überarbeiten/neuzuschreiben. Gerade bei dieser Geschichte konnte ich sehr gut meine Fortschritte sehen, die ich über die Jahre gemacht habe. Ich hoffe, die neue Version gefällt euch genauso gut wie mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Winter war hereingebrochen. Seit zwei Tagen schneite es unablässig in unserer kleinen Stadt. Das perfekte Wetter für einen Weihnachtsmarkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus allen Ecken funkelte, glänzte und blitzte bunte Weihnachtsbeleuchtung. Verschiedenste Weihnachtslieder schallten aus allen Richtungen – von Last Christmas über Fröhliche Weihnacht bis hin zur Weihnachtsbäckerei. Und ich war mittendrin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war jedoch kein einfacher Besucher. Heute war der 5. Dezember: Krampusnacht. Und dieses Jahr war ich einer der Krampusse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stand da und genoss den Geruch von Glühwein, süßem Weihnachtsgebäck und einer leichten Zimtnote, als mich eine Rute am Rücken traf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist, willst du nicht mitmachen?“, rief mir ein anderer Krampus entgegen. An seinem Kostüm konnte ich einen Zettel mit der Nummer 15 erkennen, aber auch ohne hätte ich meinen besten Freund Philip natürlich sofort erkannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Antwort stieß ich mein furchteinflößendstes Gebrüll aus, ehe ich ihm in die Menschenmenge nachstürzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Falls ihr die Tradition noch nicht kennt: Bei einem Krampuslauf verkleideten sich die Teilnehmer als Krampus. Sie zogen durch die Straßen und über die Weihnachtsmärkte, jagten Passanten einen Schrecken ein und drohten scherzhaft mit ihrer Rute. Manchmal schlugen wir auch sanft zu. Aber auch dabei versuchten wir, niemandem wirklich wehzutun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klar, manchmal gab es auch Leute, die zu weit gingen und zum Beispiel wirklich fest mit ihren Ruten zuschlugen – da ging der eine oder andere unschuldige Bürger auch mal mit einem blauen Fleck nach Hause –, aber seit jeder Krampus eine eigene Nummer sichtbar tragen musste, war die Kriminalitätsrate unter uns Krampussen deutlich zurückgegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rannte also über den Weihnachtsmarkt, schrie Passanten an und drohte ihnen mit meiner Rute. Mit einem Schmunzeln musste ich mit ansehen, wie sich ein Kind bei meinem Anblick enger an seine Mama drückte. Das hätte ich sein können. Früher hatte ich auch Angst vor den Krampussen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hatte ich als Kind nur selten einen Grund dafür gehabt – zumindest, wenn man nach der Sagengestalt ging, die unartige Kinder bestraft. Ich war nämlich eines der bravsten Kinder gewesen, die ich kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage sah das ein wenig anders aus. Erst letzte Woche hatte ich das Portemonnaie von Frau Keller auf der Straße gefunden, in dem noch über 200 Euro steckten. Das Portemonnaie hatte ich noch am selben Tag in ihren Briefkasten geworfen – selbstverständlich ohne Geld. Immerhin hatte Frau Keller nun wirklich mehr als genug davon. Wahrscheinlich wusste sie nicht einmal mehr, wie viel Geld sie dabeigehabt hatte. Ich hingegen würde mir davon, zusammen mit meinem Ersparten und dem Weihnachtsgeld, endlich eine Playstation 5 kaufen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem breiten Grinsen auf den Lippen rannte ich weiter über den Marktplatz. Ich brüllte, schrie und lachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war genau der Moment, als ich ihn zum ersten Mal hörte: Ein markerschütterndes Gebrüll hallte über den Marktplatz. Es war unglaublich tief und lauter als ein normaler Mensch brüllen konnte. Wahrscheinlich hatte der Verursacher einen Lautsprecher genutzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich mich umsah, merkte ich, dass ich nicht der Einzige war, der in seiner Bewegung innegehalten hatte. Die meisten Leute sahen sich verwirrt um, versuchten, den Ursprung des Lärms auszumachen. Einige von ihnen sahen mich an. Ich hingegen blickte zu einem anderen Krampus. Er stand abseits vom Markt und der Menschenmenge auf der gegenüberliegenden Straßenseite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neugierig ging ich näher. Sein Kostüm war unfassbar gut gemacht. Das Fell war speckig und schwarz, seine langen klauenartigen Fingernägel glänzten dunkel und auch die vier langen Hörner, die seine realitätsnahe Maske mit den gelben Augen krönten, wirkten, als wären sie ihm tatsächlich aus dem Kopf gewachsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er stand da und schlug sich mit seiner Birkenrute immer wieder langsam in die freie Handfläche, während er mich direkt ansah. Die meisten hätten das wohl als Drohung empfunden, ich hingegen ging auf direktem Weg auf ihn zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie sein Kuhschwanz hin und her schwang, als sei er lebendig. Kurz war ich sogar der Meinung seine Lippen, hinter denen sich spitze Zähne zeigten, zucken zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich die Straße erreichte, blieb ich jedoch stehen. Nicht, weil bedrohlicher Dampf aus seinen Nasenlöchern stieg. Auch nicht wegen der supergruseligen Kontaktlinsen mit den viereckigen Pupillen. Nein. Mir war aufgefallen, dass er nirgends am Körper eine Kennnummer trug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast deine Nummer vergessen!“, rief ich ihm zu, während ich auf das mit der Nummer 16 bedruckte Papier an meiner Brust deutete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er zeigte keine Reaktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als Krampus musst du eine Nummer tragen!“, rief ich erneut, für den Fall, dass er mich nicht verstanden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber nichts. Er stand nur da und schlug mit der Rute weiter in seine Handfläche, während er mir direkt in die Augen starrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Komischer Typ</em>‘, dachte ich. Vielleicht hatte er die Nummer ja absichtlich weggelassen. Anstatt also weiter auf ihn zuzugehen, drehte ich wieder um. Ich stürzte mich zurück in die Menschenmenge. Sollte der Typ ein Unruhestifter sein, hatte ich jedenfalls keine Lust, dass er seinen ersten Streit des Abends mit mir anfing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell war ich wieder dabei, Leute zu erschrecken, mit den Kindern herumzualbern und mit dem ein oder anderen bekannten Gesicht ein Gespräch anzufangen. Ein Freund meiner Eltern spendierte mir sogar einen Glühwein. Ich blieb einige Minuten bei ihm, während ich noch eine zweite und eine dritte Tasse trank, ehe ich mich wieder unter die Leute mischte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An den nummerlosen Krampus mit dem verdammt guten Kostüm verschwendete ich keine Gedanken mehr. Jedenfalls so lange nicht, bis ich ihn wiedersah. Er stand am Rand des Weihnachtsmarktes, in einer dunklen Ecke neben einem geschlossenen Stand. Wie auch vorhin war sein Blick stur auf mich gerichtet, während er seelenruhig mit seiner Rute in seine freie Handfläche schlug. Wohin ich mich auch bewegte, seine gelben Augen folgten mir bei jedem Schritt. Verfolgte er mich? Wollte er mir drohen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich sofort wieder in der Menschenmenge untertauchte, hatte ich ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Irgendetwas fühlte sich falsch an. So sehr ich auch versuchte, weiter über den Marktplatz zu laufen und Leute zu erschrecken, es machte keinen Spaß mehr. Der Idiot hatte mir meinen Abend gehörig verdorben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also entschloss ich, heute früher nach Hause zu gehen. Vorher ging ich aber in das Toilettenhäuschen, um mich umzuziehen. Ich hatte die Hoffnung, dass der Krampus mich in Zivil nicht mehr erkennen würde. Lediglich meine Butte – der große Korb, in dem Krampus angeblich die Kinder entführte und der jetzt als Versteck für mein Kostüm diente – hatte ich weiterhin auf dem Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich das Toilettenhäuschen wieder verlassen hatte, machte ich mich sofort auf den Nachhauseweg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Haus lag am Stadtrand. Wenn ich an das kurze Waldstück dachte, durch das ich gleich noch gehen musste, wurde mir sofort wieder mulmig zu Mute. Aber zum Glück war die Straße gut beleuchtet, und es war wirklich auch nur ein sehr kurzes Stück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dünne Eisschicht, die sich unter dem Schnee gebildet hatte, knackte und knirschte bei jedem meiner Schritte. Mit eingezogenem Kopf lauschte ich dem leisen Echo zwischen den Bäumen, während ich mit den Händen in den Taschen über die Straße ging. Ich rannte nicht, aber ich hatte einen schnellen Gang eingelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich den Waldweg bereits zur Hälfte hinter mir gelassen hatte, mischte sich plötzlich ein beißender Geruch unter die geruchslose Kälte des Winters.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwundert blieb ich stehen. Es war eine Mischung aus Rauch und verfaulten Eiern. Als hätte man eine der Stinkbomben angezündet, die man im Scherzartikelladen der Stadt finden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich den Kopf zur Seite drehte, zuckte ich erschrocken zusammen. Dort stand jemand zwischen den Bäumen. Was mich jedoch noch viel mehr erschreckte, waren die vier Hörner, die sich auf dem Kopf der Silhouette abzeichneten. Das war der Krampus vom Weihnachtsmarkt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was wollen Sie von mir?“, rief ich in die Dunkelheit. „Wieso verfolgen Sie mich?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte ein verächtliches Schnaufen. „Jonathan Schalk“, rief die Gestalt mir entgegen. „Du warst unartig!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Stimme war wie ein Grollen, das durch den Wald donnerte. Aber was noch viel schlimmer war: Er kannte meinen Namen. Er hatte es also tatsächlich auf mich abgesehen. Nur … wer versteckte sich unter dem Kostüm?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment gab der Krampus ein Brüllen von sich. Es war so laut, dass ich mir fast die Ohren zugehalten hätte. Außerdem klang es alles andere als menschlich. Eher wie ein wütendes Tier. Jetzt fixierten mich wieder seine ziegenartigen Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich es bis eben noch geschafft hatte, einigermaßen cool zu bleiben, gab ich jetzt ein Quieken von mir, während ich mich umdrehte und in die entgegengesetzte Richtung in den Wald sprintete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir gefiel die Idee nicht, in den dunklen Wald zu rennen, aber sie war immer noch besser, als herauszufinden, was der Typ von mir wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwere Schritte verfolgten mich. Ich mochte es mir einbilden, aber kam mir vor, als würde bei jedem seiner Schritte die Erde erzittern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück kannte ich mich im Wald bestens aus. Ich hatte hier schon gespielt, als ich noch ein kleines Kind war. Und selbst jetzt, wo der Schnee der einzige Grund war, dass ich überhaupt noch etwas sah, erkannte ich gelegentlich Orte wieder, an denen ich mich orientieren konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war es nicht einfach, sich in der Dunkelheit zurechtzufinden. Immer wieder rannte ich durch Äste, die sich in meiner Kleidung verhedderten oder mir schmerzhaft durch mein eisiges Gesicht kratzten. Einmal rannte ich sogar gegen einen Baumstamm, den ich zu spät gesehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ mich davon nicht beirren. Immer, wenn ich wusste, wo ich war, wechselte ich die Richtung, um meinen Verfolger abzuschütteln. Langsam, aber sicher entfernten sich die schweren Schritte hinter mir, bis ich sie schließlich überhaupt nicht mehr hören konnte. Völlig außer Atem duckte ich mich an die Wurzel eines umgestürzten Baumes und verschmolz mit der Dunkelheit – so hoffte ich zumindest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Luft ringend hockte ich da, während ich wartete. Ich achtete auf jedes Geräusch. Aber mein schneller Atem und der Wind, der durch die Bäume pfiff, machten es mir nicht gerade leicht. Ab und an hörte ich dumpfe Geräusche, aber ich hatte keine Ahnung, ob sie von dem Krampus kamen, oder von etwas anderem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch zitterte ich inzwischen am ganzen Körper. Ich war völlig durchgefroren, musste meine Zähne fest aufeinanderpressen, damit sie nicht klapperten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte ich mein Versteck verlassen? Ich wusste genau, in welche Richtung die Straße lag. Wenn ich mich beeilte, konnte ich in fünf Minuten zuhause sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch hörte ich wieder das schwere Stapfen im Schnee. Noch war es weit entfernt, aber es kam schnell näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte ich wieder weglaufen? Aber nein. Mein Versteck war gut. Im Schatten der Baumwurzel dürfte es nahezu unmöglich sein, mich zu sehen. Ich würde einfach nur warten müssen, bis der Krampus an mir vorbeigegangen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Stapf, stapf, stapf</em>‘, kamen seine Schritte unaufhaltsam näher. Auch stieg mir jetzt wieder der Gestank nach verfaulten Eiern in die Nase. Was war das für ein Zeug? War das irgendeine Art Parfüm? Oder hatte der Typ sich wirklich eine der Stinkbomben irgendwo unters Kostüm geklemmt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte nicht anders, als den Krampus für seine Bemühungen zu bewundern. Hätte es einen Kostümwettbewerb gegeben, hätte er ihn jedenfalls gewonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Bewunderung verschwand jedoch schlagartig, als der Typ in mein Sichtfeld kam. Wenige Meter vor mir blieb er stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während mein Herz einen Hüpfer machte, zwang ich mich, möglichst flach zu atmen. Auf keinen Fall wollte ich ihn jetzt auf mich aufmerksam machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krampus legte seinen Kopf in den Nacken und schnupperte. Er sah aus wie ein Hund, der seine Beute witterte. Wolken aus Dampf stiegen aus seinen Nasenlöchern. Dann wandte er seinen Kopf in meine Richtung. Im schwachen Licht konnte ich sehen, wie seine gelben Augen aufblitzten, während sie mich fixierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er setzte sich wieder in Bewegung. Ehe ich auch nur daran denken konnte, aufzustehen, stand er auch schon vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du warst unartig“, donnerte seine Stimme mir erneut entgegen. Er holte mit seiner Weidenrute zum Schlag aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schaffte es gerade noch, meine Arme schützend vor mein Gesicht zu reißen, da zuckte auch schon ein Schmerz durch meinen rechten Unterarm. Der Krampus hatte eine unglaubliche Kraft. Trotz Jacke spürte ich jeden einzelnen Weidenstrang, während die Rute mit voller Wucht auf meinen Arm klatschte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war unartig? Worauf wollte er hinaus? Was konnte er gesehen haben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn Sie den Glühwein meinen, ich bin schon 16!“, schrie ich panisch. „Ich weiß, ich bin klein für mein Alter, aber …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“, brüllte er mir entgegen. Wut schwang in seiner Stimme mit, während er bereits zum zweiten Schlag ausholte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch drehte ich ihm den Rücken zu. Aber das bot ihm nur noch mehr Angriffsfläche. Ich konnte förmlich spüren, wie sich rote Striemen auf meiner Haut bildeten, als sein zweiter Schlag mich traf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich war es nicht der Glühwein. Er kannte meinen Namen. Sicherlich wusste er, dass ich 16 war. Aber was meinte er dann? Hatte er mich auf dem Schulhof gesehen? Mit Philip und den anderen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hab an dem Joint nur ein einziges Mal gezogen!“, wimmerte ich. „Es hat mir nicht einmal gefallen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch damit wollte er sich nicht zufriedengeben. „Du weißt genau, was ich meine!“, keifte er. Dann traf mich auch schon der nächste Schlag am Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meinte er etwa das Portemonnaie? Aber nein, davon konnte er nichts wissen. Niemand wusste davon. Nicht einmal Philip.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein erneuter Schlag ließ mich aufjaulen. „Okay okay. Ich geb ihr das Geld zurück!“, kreischte ich panisch. Inzwischen liefen mir Tränen über die Wangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Knurren ertönte. Ich traute mich jedoch nicht, aufzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Herz hämmerte laut in meiner Brust. Auch merkte ich jetzt, dass ich leise wimmerte. Wie ein Häufchen Elend kauerte ich unter der Baumwurzel. Doch der nächste Schlag blieb aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen hörte ich bloß wieder das schwere Stapfen. Es entfernte sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsicher sah ich auf. Der Krampus war verschwunden. Nur die großen hufartigen Fußstapfen im Schnee verrieten, dass er hier gewesen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich auf direktem Wege nach Hause gerannt war. Das Geld von Frau Keller warf ich ihr noch am selben Abend in den Briefkasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Krampus dachte ich nach jenem Tag noch oft nach. Wer sich unter dem Kostüm versteckt hatte, oder wie er die unmenschlich lauten Töne erzeugt hatte, konnte ich jedoch nie herausfinden. Aber wenn ich ehrlich war, war ich auch nicht sonderlich erpicht darauf. Inzwischen war ich mir nämlich gar nicht mehr so sicher, ob sein Krampuskostüm überhaupt ein Kostüm war.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krampus, auch Kramperl oder Bartl genannt, ist ein Monster oder Dämon des süd<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutschen</a> und österreichischen Volksglaubens. Er begleitet den Nikolaus und bestraft die unartigen Kinder, während der Nikolaus die artigen belohnt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Krampus ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a>, das der typischen Darstellung des Teufels sehr ähnlichsieht. Er besitzt meist zwei, seltener vier lange ziegenähnliche Hörner, spitze Ohren, scharfe Zähne, Hufe oder Paarhufe statt Füßen, einen kuhähnlichen Schwanz und zottiges Fell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Versionen hat er eine braune, graue oder weiße Gesichtsfarbe und sein Fell ist weiß, grau, braun oder schwarz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird ihm eine lange Zunge nachgesagt, die in einigen Erzählungen sogar über einen Meter lang sein kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den traditionellen sowie den meisten modernen Darstellungen trägt der Krampus normalerweise keine Kleidung. Selten wird er heutzutage jedoch mit verschiedener altmodischer Gewandung oder einem Weihnachtsmann-Mantel dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall hat er eine Rute bei sich und trägt einen großen Sack oder eine Butte auf seinem Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch trägt er manchmal schwere Ketten um Hand- und/oder Fußgelenke.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Krampus taucht der Legende nach in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember zusammen mit dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/la-legende-de-saint-nicolas">Nikolaus</a> auf. Er bestraft, ähnlich wie Knecht Ruprecht in anderen Regionen Deutschlands, die unartigen Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie diese Bestrafung ausfällt, kann sich je nach Version unterscheiden. Im Normalfall schlägt er jedoch die unartigen Kinder mit seiner Rute. Wenn die Kinder besonders unartig waren, kann es sogar vorkommen, dass er sie in seinen Sack oder seine Butte steckt, um sie mitzunehmen. Was anschließend mit den Kindern passiert, ist nicht bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Versionen heißt es hingegen, dass Krampus lediglich versucht, die Kinder mitzunehmen, der Nikolaus ihn jedoch daran hindert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Technisch gesehen kann Krampus weltweit auftauchen bzw. überall dort, wo Weihnachten und Nikolaus gefeiert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verbreitet ist der Volksglaube an Krampus hingegen hauptsächlich in Süddeutschland und Österreich, aber zum Teil auch in Ungarn, Slowenien, Tschechien, Norditalien und inzwischen sogar in den USA.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Was den Namen „Krampus“ angeht, gibt es die Theorie, dass er von dem mittelhochdeutschen Wort „Krampen“ abgeleitet wurde, was so viel wie „Kralle“ bedeutet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Aussehen hat Krampus hingegen sehr wahrscheinlich den Perchten zu verdanken, die noch aus der vorchristlichen Zeit stammen (aber auch heute noch im deutschsprachigen Alpenraum bekannt sind).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine heutige Bekanntheit verdankt er hingegen den Krampusläufen, die – besonders in Bayern und Österreich – jedes Jahr am 5. Dezember stattfinden. Dabei verkleiden sich zahlreiche Personen als Krampusse, um so durch die Straßen und über die Weihnachtsmärkte zu ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl man bereits vor Jahrtausenden Krampus-, bzw. Perchten-Läufe kannte, waren sie während des Mittelalters verboten. Damals wurde das Verkleiden als Teufel mit der Todesstrafe bestraft. Die Krampus-Läufe fanden also nur im Geheimen und an abgeschiedenen Orten statt. Sie sollen erst im 17. Jahrhundert wieder allgemeine Beliebtheit gewonnen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der modernen Zeit haben außerdem diverse Kinofilme dem Krampus eine weltweite Bekanntheit verschafft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Krampus in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt diverse Filme, in denen Krampus eine zentrale Rolle spielt. Die zwei bekanntesten sind wohl die finnische Horror-Komödie „Rare Exports – Eine Weihnachtsgeschichte“ (2010) oder der US-amerikanische Horrorfilm „Krampus“ (2015).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er ist aber auch für seine Auftritte in Serien wie „Grimm“ oder der Netflix-Serie „Chilling Adventures of Sabrina“ bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im deutschen Sprachraum gibt es außerdem das Die drei ??? Adventskalender-Special „O du Finstere“ (2019), in dem Krampus vorkommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Krampus? Kanntet ihr die Legende bereits? Wird sie bei euch in der Gegend erzählt? Und wenn nicht, welchen bösen Begleiter hat der Nikolaus in eurer Region? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/krampus">Krampus – Er bestraft die Unartigen! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/krampus/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die schwarze Frau – ein blutiger Herbst</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/die-schwarze-frau-ein-blutiger-herbst</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/die-schwarze-frau-ein-blutiger-herbst#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jul 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Anhalter]]></category>
		<category><![CDATA[bayerische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[bayrische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[blutiger Herbst]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Die schwarze Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=2974</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ich nahm es natürlich nicht ernst, dachte nicht daran, dass sie tatsächlich einen Geist sehen würden. Als ich mich jedoch nach vorne beugte und meine Augen zusammenkniff, um besser sehen zu können, konnte ich die Frau auch sehen. Sie hatte eine gebückte Haltung, war komplett in Schwarz gekleidet und gerade im Begriff auf der Beifahrerseite des Autos einzusteigen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-schwarze-frau-ein-blutiger-herbst">Die schwarze Frau – ein blutiger Herbst</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/0690dfa9de5d4a2da6a071ece0ec0597" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die schwarze Frau ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a>, den unzählige Menschen im Jahr 1975 im Bayerischen Wald gesehen haben wollen. Angeblich hat sie eine grausame Prophezeiung verkündet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle möchte ich mich kurz bei Jochen dafür bedanken, dass er mich in einem Kommentar auf die Legende aufmerksam gemacht hat. Außerdem gibt es einen wirklich gut gemachten Podcast, der den Hintergrund zu der Legende beleuchtet. Dazu aber später mehr. Jetzt wünsche ich euch erst einmal:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Habt ihr schon gehört?“, fragte Frank in die Runde. „Im Wald wurde neulich eine Geisterfrau entdeckt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verkniff mir ein Seufzen. Nicht nur, dass ich hier auf dem Spielplatz auf meinen kleinen Bruder Christian und seine beiden Freunde Frank und Katja aufpassen musste, jetzt durfte ich mir auch noch die Gruselgeschichten der drei Grundschüler anhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christian und Katja brachten ihre Begeisterung deutlicher zum Ausdruck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wirklich?“, fragte mein kleiner Bruder mit funkelnden Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo denn?“, ergänzte Katja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier ganz in der Nähe. An der Waldstraße zwischen Freyung und Waldkirchen.“ Frank sah verschwörerisch in die Runde. „Ein LKW-Fahrer hat sie gesehen. Er fuhr wohl abends durch den Wald, als ihm eine alte Frau am Straßenrand aufgefallen ist. Sie trug schwarze Kleidung und ging gebückt. Als sie den LKW bemerkte, hat sie ihm zugewunken, um zu zeigen, dass sie ein Stück mitgenommen werden möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der LKW-Fahrer hatte es nicht eilig, also hielt er an und stieg aus, um der Frau in sein Auto zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst war die Frau sehr still. Sie sagte kein einziges Wort, also ließ der LKW-Fahrer sie in Ruhe. Sie würde schon sagen, wenn sie aussteigen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einigen hundert Metern jedoch, erhob die Frau ihre krächzige Stimme. ‚Es wird einen guadn Frühling geben, und einen schönen Sommer‘, soll sie gesagt haben, ‚aber einen bluadigen Herbst.‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sekunden später war sie verschwunden. Sie hat sich einfach in Luft aufgelöst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder sah Frank verschwörerisch in die Runde, nachdem er seine Geschichte beendet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Einen blutigen Herbst?“, fragte mein kleiner Bruder. „Was meint sie damit?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frank zuckte nur mit den Schultern. „Keine Ahnung. Aber ich denke, dass im Herbst irgendetwas Schlimmes hier in der Gegend passieren wird.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt bemerkte ich die Gänsehaut auf Christians Armen. Hatte mein kleiner Bruder Angst?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist doch Quatsch“, warf ich ein. „Das hast du dir ausgedacht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, Jürgen. Ich sag die Wahrheit. Wirklich!“, protestierte Frank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er hat recht“, schaltete sich Katja ein. „Ich hab auch davon gehört.“ Ihr kleines Gesicht sah mich ernst an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlegte bereits, etwas zu erwidern, als Frank plötzlich in seinem Rucksack kramte. „Wartet“, sagte er. Sekunden später raschelte Papier und er hielt uns eine Seite der Passauer Neuen Presse entgegen. „Lest selbst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neugierig drängten sich Christian und Katja um ihn. Ich beugte mich über meinen kleinen Bruder und las den Artikel leise mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wurde die schwarze Frau von einem Amateurfilmer fotografiert? Ein junger Mann aus Tittlingen hält das für möglich. Bei der Hundedressur auf freiem Gelände fiel ihm und seinen Begleitern eine dunkel gekleidete Frauengestalt auf, die auf einem Bergrücken ging und sich scharf gegen den Himmel abhob. Der Schmalfilmfreund richtete die Kamera auf die seltsame Gestalt. Sekunden später war sie verschwunden.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Artikel ging noch weiter. Ich überflog die Zeilen, die die Aussage des Mannes in mehr Detail wiedergaben. Tatsächlich wollte er die Frau mit einer dieser neuen tragbaren Videokameras gefilmt haben. Die Reporterin hätte das Video selbst gesehen. Und einige der Bilder waren sogar in der Zeitung abgedruckt. Ich fand jedoch nicht, dass man auf den schwarz-weißen Fotos, abgesehen von einer unscharfen dunkel gekleideten Gestalt, irgendetwas sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also gut“, sagte ich. „Die <em>Gerüchte</em> um den Geist sind echt. Das heißt aber noch lange nicht, dass es die Frau wirklich gibt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Kinder wollten davon nichts hören. Sie waren bereits dabei, wilde Spekulationen anzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht möchte die Frau uns warnen. Was meint ihr, was im Herbst passiert?“, fragte Christian.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Weiß nicht. Es muss ja irgendetwas Blutiges sein. Vielleicht wird dann jemand ermordet?“, warf Frank ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oder es gibt einen schlimmen Unfall!“, rief Katja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder es waren ein paar Betrunkene und oder Scherzkekse, die die Geschichte zusammengesponnen haben. Ich behielt den Gedanken jedoch für mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was meint ihr? Sollen wir die Frau suchen und sie selbst fragen?“, fragte Frank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder und Katja nickten begeistert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesmal hielt ich mein schweres Seufzen nicht zurück. „Muss das sein?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja!“, antworteten Christian und Frank wie aus einem Munde. Und auch Katja nickte wieder eifrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Komm schon, Jürgen. Das wird bestimmt lustig“, sagte Christian und sah mich mit seinem besten Hundeblick an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz überlegte ich, den Kindern Vernunft einzureden. Aber was sollte schon passieren? Einem echten Geist würden wir nicht begegnen. Und gegen eine gemütliche Fahrradtour durch den Wald hatte ich ehrlich gesagt auch nichts einzuwenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ließ ich den Dreien ihre kindliche Fantasie. Bis zum Herbst hätten sie das ganze „blutiger Herbst“-Thema bestimmt schon lange wieder vergessen. So dachte ich jedenfalls.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine zehn Minuten später saßen wir auf unseren Rädern und radelten über die Straße. Immer wieder sah ich dabei zu Katja, die auf ihrem Fahrrad gefährlich schwankte. Aber wie durch ein Wunder konnte sie ihr Gleichgewicht irgendwie halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich das Geschaukel für einige unfallfreie Minuten beobachtet hatte, wagte ich es schließlich, den Blick von ihrem Fahrstil abzuwenden und die Gegend zu beobachten. Ich liebte den Wald. Es war immer so still und friedlich hier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Bäumen zwitscherten die Vögel, der Wind rauschte durch die Blätter und immer wieder konnte ich beobachten, wie die Sonne uns durch das Blätterdach entgegenglitzerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen kurzen Moment wagte ich es sogar, in voller Fahrt die Augen zu schließen, während ich die Waldluft tief durch die Nase einatmete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch genoss ich unseren kleinen Ausflug. Das sollte sich jedoch bald ändern. Spätestens, als wir zum vierten, fünften und schließlich zum sechsten Mal die lange Waldstraße entlangfuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Ahnung, wie viele Stunden wir inzwischen unterwegs waren. Meine Beine schmerzten. Wo zur Hölle nahmen die Kinder nur die ganze Energie her? Immer, wenn sie erschöpft waren, machten wir eine kurze Pause, sie alberten herum oder redeten über die schwarze Frau und ihren blutigen Herbst, ehe wir wieder auf die Räder stiegen und weiterfuhren. So ging das schon den ganzen Tag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir mal wieder von einem Auto überholt wurden, merkte ich, dass seine Scheinwerfer eingeschaltet waren. Natürlich lag das daran, dass es im Wald generell dunkler war, aber vielleicht konnte ich die Kinder ja so überzeugen, dass es langsam spät wurde und wir lieber nach Hause fahren sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich legte mir die richtigen Worte bereits zurecht, als vor mir einige Reifen quietschten. Frank hatte angehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Leute?“, fragte er, während er nach vorne auf das Auto zeigte. Es war stehengeblieben. „Seht ihr das auch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hielten ebenfalls an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist das …?“, fragte Christian.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die schwarze Frau“, beendete Katja ungläubig seinen Satz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nahm es natürlich nicht ernst, dachte nicht daran, dass sie tatsächlich einen Geist sehen würden. Als ich mich jedoch nach vorne beugte und meine Augen zusammenkniff, um besser sehen zu können, konnte ich die Frau auch sehen. Sie hatte eine gebückte Haltung, war komplett in Schwarz gekleidet und gerade im Begriff auf der Beifahrerseite des Autos einzusteigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ehe ich etwas sagen konnte, rasten die Kinder bereits los. „Stopp!“ „Warten Sie!“ „Halt!“, riefen sie dem Auto nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Tür war bereits wieder geschlossen. Das Auto fuhr los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich dem Auto nur nachjagte, weil ich den Kindern beweisen wollte, dass die Frau kein Geist, sondern bloß ein normaler Mensch war, der rein zufällig zu der Beschreibung passte. Aber das wäre gelogen. Der Anblick der Frau, die mich so sehr an die Frau von den Fotos erinnert hatte, hatte Zweifel in mir geweckt. Jetzt wollte ich selbst wissen, ob an der Geistergeschichte doch etwas dran war. Und an dem blutigen Herbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so ließ ich die Kinder, die mit ihren kurzen Beinen sehr viel mehr treten mussten als ich, bald hinter mir. So schnell ich konnte, hetzte ich dem Auto nach. Trotzdem musste ich mitansehen, wie es in der Ferne kleiner und kleiner wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich befürchtete, die Rücklichter hinter einer Kurve aus den Augen zu verlieren, bremste das Auto plötzlich. Es war aber kein langsames Bremsen. Der Fahrer ging voll in die Eisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kam ich dem Auto schnell näher. Noch ehe ich es erreicht hatte, sah ich jedoch, wie sich die Fahrertür öffnete und eine Frau mittleren Alters ausstieg. Sie sah sich verwirrt um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich mich näherte, sah sie mit gerunzelter Stirn in meine Richtung. „He, Junge!“, rief sie mir zu. „Hast du hier irgendwo eine alte Frau gesehen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Völlig außer Atem kam ich kurz vor der Frau zum Stehen. „Wieso?“, keuchte ich. „Was ist denn passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau zögerte. „Ich … weiß nicht. Ich hatte sie eben erst mitgenommen, aber dann war sie plötzlich verschwunden. Sie muss aus dem Auto gesprungen sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht genau, wie ich es der Frau erklären sollte. Zumindest, bis sich die Kinder wenige Momente später näherten. Sobald sie in Hörreichweite waren, riefen sie wild durcheinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt ihnen beide Hände entgegen. „Wartet, wartet, wartet“, brachte ich sie zum Schweigen. „Frank. Hast du noch einmal den Zeitungsartikel für mich?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis er ihn aus seinem Rucksack geholt und mir gereicht hatte. Ich gab ihn wortlos an die Frau weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angespanntes Schweigen legte sich über unsere kleine Gruppe. Die Kinder blickten irritiert zwischen einander und mir hin und her, während die Frau las. Dann führte sie entsetzt eine Hand an ihren Mund, ehe sie mich kurze Zeit später wieder ansah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hat die alte Frau irgendetwas zu Ihnen gesagt?“, hakte ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich weiteten sich ihre Augen. „J-ja“, stammelte sie. „Sie sagte, es wird einen guten Frühling geben und einen schönen Sommer, aber einen blutigen Herbst.“</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die schwarze Frau ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus dem Bayerischen Wald. Dort soll im Jahr 1975 der Geist einer schwarz gekleideten Frau eine schreckliche Prophezeiung gemacht haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ihr jedoch weiterlest, möchte ich euch sehr den vierteiligen <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/blutiger-herbst-eine-bayerische-geistergeschichte/66518494/">Podcast „Blutiger Herbst“ des Bayerischen Rundfunks</a> empfehlen. Er ist wirklich gut gemacht und Johannes Nichelmann hat sehr viel gründlicher recherchiert, als es mir mit meiner reinen Online-Recherche möglich ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die schwarze Frau:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Geist der schwarzen Frau selbst ist nur sehr wenig bekannt. Weder kennt man ihren Namen noch ihr näheres Aussehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Erzählungen ist jedoch von einer alten, in schwarz gekleideten Frau die Rede, die am Straßenrand steht oder entlanggeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltener ist von einer jüngeren Frau um die 35 die Rede, die zu Lebzeiten als Kellnerin gearbeitet haben soll. Die Gerüchte sind jedoch erst 1981 entstanden und beziehen sich somit genau genommen auf eine andere Schwarze-Frau-Legende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle sollte ich vielleicht anmerken, dass es sich bei der schwarzen Frau nicht um <em>die</em> schwarze Frau, sondern lediglich eine schwarze Frau handelt. Legenden von schwarzgekleideten Geisterfrauen, die in der jeweiligen Sprache fast immer „die schwarze Frau“ oder „die Frau in Schwarz“ heißen, gibt es nämlich unzählige auf der ganzen Welt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ablauf der typischen Begegnungen mit der schwarzen Frau im Bayerischen Wald dürfte den langjährigen Lesern meines Blogs sehr bekannt vorkommen. Dabei handelt es sich nämlich, genau wie bei der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-weisse-frau-von-ebersberg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weißen Frau von Ebersberg</a>, um eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-verschwundene-anhalter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verschwundener-Anhalter-Legende</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Augenzeugen berichteten davon, dass sie eine alte in Schwarz gekleidete Frau am Straßenrand gesehen haben wollen. Die Frau soll den vorbeifahrenden Autos mit Gesten deutlich gemacht haben, dass sie als Anhalter mitgenommen werden möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofern ein Fahrer angehalten hat, um sie mitzunehmen, soll sie erst einige Zeit lang sehr still im Auto gesessen haben. Irgendwann hat sie dann die Stimme erhoben und in etwa gesagt: „Es wird einen guten Frühling und einen schönen Sommer geben, aber einen blutigen Herbst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald die Mitfahrenden sich jedoch zu ihr umgedreht haben, um sie verwirrt anzusehen oder zu fragen, was sie damit meinte, war die Frau plötzlich, meist in voller Fahrt, aus dem Auto verschwunden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die schwarze Frau soll ausschließlich im Bayerischen Wald aufgetaucht sein. Normalerweise wurde sie an der Waldstraße zwischen Freyung und Waldkirchen gesichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Angefangen hat alles mit der Aussage eines LKW-Fahrers, der die schwarze Frau als Anhalterin mitgenommen haben will. Nachdem die Frau ihre verhängnisvolle Prophezeiung eines blutigen Herbstes geäußert hatte, sei sie von seinem Beifahrersitz verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Story wurde damals von der Reporterin Cornelia Wohlhüter in der Passauer Neuen Presse gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf traten zwei junge Männer an die Reporterin heran, die angeblich ein Video der besagten schwarzen Frau gemacht hätten. Sie konnten am Blümersberg eine unheimliche gebückt gehende Frau in schwarzer Kleidung sehen, ehe sie beim Filmen kurz von ihren Hunden abgelenkt wurden. Nachdem sie wieder aufgeschaut hatten, war die Frau spurlos verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Johannes Nichelmann, der den bereits erwähnten Podcast zu dem Thema gemacht hat, hat bei seiner Recherche herausgefunden, dass die beiden Männer immer für einen Spaß zu haben waren. Es ist also sehr gut möglich, dass das Video von ihnen gestellt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hat der daraufhin erneut von Cornelia Wohlhüter verfasste Zeitungsartikel mit den von den beiden Männern bereitgestellten Fotos den Stein ins Rollen gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb von kürzester Zeit gab es mehr und mehr Augenzeugen, die der schwarzen Frau begegnet seien. Einige von ihnen hätten sie bloß gesehen, andere hätten sie mitgenommen und ihre gruselige Prophezeiung gehört, ehe sie verschwunden sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Hochzeit der Legende soll alle zwei bis drei Tage ein Artikel über sie in der Zeitung gestanden haben. Und als eine 18-jährige Frau mit ihrem Auto tödlich verunglückt ist, wurde sogar behauptet, die schwarze Frau müsse sie abgelenkt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende erregte solch ein Aufsehen, dass sogar einige Wissenschaftler aus Wien anrückten, die mit der schwarzen Frau beweisen wollten, dass Geister existieren – natürlich erfolglos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Aussagen zu viel überhandnahmen, äußerte sich schließlich die Polizei von Freiburg zu dem Thema. Sie erklärten, dass sie jede weitere Person wegen „grobem Unfug“ anzeigen würden, die ihnen eine Sichtung des Geistes meldete. Es war von Strafen bis zu 1.000 D-Mark, Führerscheinentzug und sogar Einweisung in eine psychiatrische Anstalt die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch, wenn diese Äußerung erst für neuen Gesprächsstoff sorgte, nahmen die Sichtungen schließlich schnell wieder ab. Und auch von dem blutigen Herbst, den die Frau angekündigt hatte, sollte jede Spur fehlen. Der Herbst 1975 verlief im Bayerischen Wald zumindest ohne besondere Vorkommnisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der schwarzen Frau? Kennt ihr andere Legenden von schwarzen Frauen? Und wie würdet ihr reagieren, wenn in eurer Gegend Gerüchte von einer Geisterfrau aufkämen, die einen blutigen Herbst prophezeit? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-schwarze-frau-ein-blutiger-herbst">Die schwarze Frau – ein blutiger Herbst</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/die-schwarze-frau-ein-blutiger-herbst/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>6</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Weiße Frau von Ebersberg</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/die-weisse-frau-von-ebersberg</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/die-weisse-frau-von-ebersberg#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jun 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Anhalter]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[bayrische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Die Weiße Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Die Weiße Frau vom Ebersberger Forst]]></category>
		<category><![CDATA[Die Weiße Frau von Ebersberg]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>
		<category><![CDATA[Weiße Frau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=2598</guid>

					<description><![CDATA[<p>Jetzt kam das einzige Licht von den Kerzen in der Kapelle, die Kens Schatten geisterhaft an die Wände warfen. Auch kam es mir vor, als wäre es plötzlich einige Grad kälter geworden, während die Bäume und Büsche um uns herum im Wind raschelten ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-weisse-frau-von-ebersberg">Die Weiße Frau von Ebersberg</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/bc2ae4d0e4ca4b85875bacf06467eecc" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutsche Legende</a>. Wisst ihr, wie ihr euch verhalten müsst, wenn ihr den Geist am Straßenrand stehen seht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor es jedoch mit der Geschichte losgeht, habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die schlechte ist, dass ich es aus beruflichen Gründen die nächsten Wochen nicht schaffe, alle 14 Tage einen neuen Beitrag zu veröffentlichen. Daher wird bis voraussichtlich August erstmal nur jede dritte Woche ein neuer Beitrag kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gute Nachricht ist jedoch: Wenn ihr mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a> unterstützt, bekommt ihr dafür eine <strong>monatliche Live-Lesung</strong> als Ausgleich. Dort halte ich nämlich seit Mai mindestens einmal im Monat eine Live-Lesung auf meinem Discord Server! </p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt möchte ich euch aber nicht länger aufhalten und wünsche euch:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß im Auto. Müde lächelnd bog ich in die Staatsstraße 2080 ein. Wir waren fast am Ziel. Endlich. Nach fünf langen Stunden Autofahrt inklusive Feierabendverkehr und einem gefühlt ewig langen Stau waren wir endlich da. Nur noch ein paar Kilometer, dann würde im Licht der Scheinwerfer die kleine weiße Kapelle am Straßenrand auftauchen, bei der wir uns treffen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Ganz schön unheimlich</em>‘, schoss es mir in den Kopf, während ich mich umsah. An der Waldstraße vor uns gab es keine einzige Straßenlaterne mehr. Die Straße war zwar asphaltiert, aber zu meiner Linken und meiner Rechten sah ich nichts als einige Äste und klaffende Schwärze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war ich voller Vorfreude. In wenigen Minuten würde ich meine besten Freunde treffen. Wir kannten einander aus einem Onlinespiel und waren quer durch Deutschland verteilt. Daher könnt ihr euch sicher vorstellen, wie schwierig es war, das Treffen zu planen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Falls ihr euch fragt, wieso ich dafür in einen dunklen Wald fuhr: Das war Kens Idee gewesen. Die Kurzform für Kenney, wie ihr Charakter hieß. Sie war unser Healer und ein ziemlicher Freak, wenn auch auf die bestmögliche Weise. Sie wohnte ganz in der Nähe und sollte dieses Wochenende unsere Gastgeberin sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber bevor ihr mich jetzt für völlig bescheuert haltet, weil ich nachts in einen dunklen Wald fuhr, um einige Internetbekanntschaften zu treffen, kann ich euch beruhigen: Zum einen war das nicht unser erstes Treffen, ich kannte den verrückten Haufen also schon, und zum anderen saß mein zwei Jahre älterer Bruder, einer unserer Damage Dealer, schlafend auf dem Beifahrersitz. Ich war also nicht alleine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He, Marvin, wir sind fast da“, sagte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort schreckte mein Bruder hoch. Er brauchte einige Sekunden, um sich zu orientieren, dann sah er sich unruhig um. „Ganz schön dunkel hier“, stellte er fest. „Bist du sicher, dass wir hier richtig sind, Linus?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grinste breit. Obwohl mein Bruder ein ziemliches Muskelpaket war, war er ein ganz schöner Schisser. „Wir sind sogar schon auf der richtigen Straße“, erklärte ich nicht ganz ohne Schadenfreude.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marvin machte große Augen. „Wenn wir hier überfallen oder entführt werden, dreh ich Ken den Hals um“, murrte er leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach was“, erwiderte ich grinsend. „Du weißt doch, was Mama immer gesagt hat. Wenn irgendjemand uns entführt, bringt er uns spätestens am nächsten Tag freiwillig zurück.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marvin antwortete mit einem unverständlichen Grummeln. Dann sagte er lauter: „Wir sind fast 30 Minuten zu spät. Wenn die anderen ohne uns irgendwo hingefahren sind, will ich nicht in einem dunklen Wald stehen, während wir das klären!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daran hatte ich noch nicht gedacht, aber zum Glück war seine Sorge unnötig. Wenige Augenblicke später tauchte ein kleines weißes Gebäude am Straßenrand vor uns auf. Das musste die Hubertuskapelle sein. Und direkt davor stand eine kleine Gruppe aus drei mir sehr vertrauten Gestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort wurde ich langsamer. Dann bog ich auf den kleinen ungepflasterten Parkplatz ab, auf dem auch die Autos der anderen standen. Im Scheinwerferlicht sah ich noch eine achtlos weggeworfene Chipstüte auf dem grauen Kies liegen, ehe ich den Motor abschaltete und mit einem breiten Grinsen aus dem Auto stieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es schon spät war, herrschte noch immer eine wohlige Sommerwärme. Ich atmete die angenehme Waldluft tief ein, in der ein Geruch von Erde mitschwang, ehe ich mich den knirschenden Schritten zuwandt, die sich uns näherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Druid, hey Blade“, grüßte uns ein großgewachsener Mann mit Vollbart und auffällig hoher Stimme. Er trug ein orangenes T-Shirt mit der Aufschrift. ‚Do Quests Not Crime!‘. Das war Balrog. Er war unser Tank und der Gründer unserer kleinen Gruppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Druid und Blade hingegen waren die Usernames von mir und meinem Bruder. Natürlich kannten wir auch die richtigen Namen der anderen, aber es fühlte sich irgendwie falsch an, sie untereinander zu benutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem waren da noch Ken, die selbst in unserer bunten Truppe mit ihrem schwarzen Lippenstift, unzähligen Piercings und ihrem schwarzen Nagellack deutlich hervorstach, und Aldur, ein Real Life Freund von Balrog und der Jüngste unserer Gruppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Leute“, grüßte ich zurück. „Sorry für die Verspätung. Blade und ich sind nach dem Stau noch im Berufsverkehr gelandet.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kein Ding“, erwiderte Ken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgte eine kurze Runde aus Begrüßungen und „Wie geht’s“s, ehe Ken uns mit einem breiten Grinsen zurück zur Kapelle führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kleine weiße Gebäude hatte ein rotes Dach und drei türlose Torbögen, durch die man direkt ins Innere treten konnte. Darin empfingen uns ein vergittertes Tor, das zu meiner Überraschung nicht abgeschlossen war, ein kleiner Altar mit allerlei christlichen Dekorationen und Blumen, eine gekreuzigte Jesusfigur und mehrere Kerzen. Bei Letzteren wurde ich das Gefühl nicht los, dass Ken etwas mit ihrer Anwesenheit zu tun hatte. Besonders, da einige von ihnen schwarz waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also Kenney, warum hast du uns mitten in der Nacht zu dieser liebreizenden Kapelle geführt?“, fragte Balrog. Eine Frage, die auch uns andere brennend interessierte. Online hatte sie darauf immer nur mit einem geheimnisvollen „Das werdet ihr dann sehen“ geantwortet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken grinste noch immer breit, während sie mit einer Hand über die weiße Wand strich. Sie war die Einzige, die durch das Gittertor getreten war. Wir anderen warteten davor. „Wisst ihr …?“, begann sie. „Es gibt da eine alte Legende über diesen Ort. Habt ihr schonmal von der Weißen Frau von Ebersberg gehört?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein schweres Seufzen ging durch unsere Runde. Wir alle wussten, wo das hinführte. Ken würde uns gleich eine ihrer Horrorgeschichten erzählen. Wie konnte es auch anders sein? Während wir anderen die Treffen mit einer Einladung nach Hause begonnen hatten, wo wir meist Pizza bestellt, Filme gesehen oder Brettspiele gespielt hatten, musste Ken sich etwas Besonderes überlegen. Alles andere hätte mich aber ehrlich gesagt bei ihr überrascht. Sie war nun einmal ein wenig abgedreht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken hob spielerisch die Augenbrauen. „Ihr kennt doch unsere Abmachung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder seufzte. „Der Gastgeber bestimmt das Programm“, sagte er leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oder die Gastgeberin“, korrigierte Ken ihn. „Also los. Macht eure Handylampen aus. Kommt schon, das wird lustig!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war sofort dabei. Direkt nach Fantasy war Horror mein zweitliebstes Genre. Die anderen hingegen schienen ungewöhnlich lange zu brauchen, bis sie die Taschenlampenfunktion auf ihren Smartphones abgeschaltet hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kam das einzige Licht von den Kerzen in der Kapelle, die Kens Schatten geisterhaft an die Wände warfen. Auch kam es mir vor, als wäre es plötzlich einige Grad kälter geworden, während die Bäume und Büsche um uns herum im Wind raschelten. Ein Auto raste auf der Straße vorbei und hüllte uns kurz in das gleißende Licht seiner Scheinwerfer. Dann begann Ken ihre Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Weiße Frau von Ebersberg ist ein Geist, der nachts auf der Staatsstraße 2080, genau hier bei dieser Kapelle, auftauchen soll. Es heißt, dass sie einst eine junge Frau gewesen sein soll, die in den 40er Jahren hier verunglückt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach war die Frau nachts allein unterwegs gewesen. Sie ist am Straßenrand entlanggegangen und hat vorbeifahrenden Autos mit erhobener Hand symbolisiert, dass sie mitgenommen werden möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hielt jedoch niemand für sie an. Die Autos fuhren einfach nur an ihr vorbei, genau wie die Autos an dieser Kapelle.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie aufs Stichwort raste auch an uns ein Auto vorbei. Der glückliche Zufall entlockte Ken ein zufriedenes Schmunzeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn auch nur eine Person sie mitgenommen hätte oder die Autos wenigstens alle an ihr vorbeigefahren wären, müsste ich diese Geschichte jedoch nicht erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn einer der Fahrer passte für einen kurzen Moment nicht auf. Keine Ahnung, ob er durch irgendetwas abgelenkt war. Vielleicht verfiel er auch in einen Sekundenschlaf oder hatte getrunken. Jedenfalls kam sein Auto von der Straße ab. Er überfuhr die arme Frau. Wobei Überfahren wahrscheinlich nicht das richtige Wort sein dürfte. Ihr seht ja, wie schnell die Autos hier vorbeirasen. Wahrscheinlich wurde ihr Körper wie ein Crashtest-Dummy mehrere Meter durch die Luft geschleudert, ehe sie ein kurzes Stück über den Boden gerollt ist und schließlich reglos liegenblieb.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir alle lauschten gespannt, während Ken eine Spannungspause machte. Dabei hörte ich, wie Aldur schwer schluckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ihr jetzt aber glaubt, dass die Frau sofort tot war, irrt ihr euch. Sie hatte den Aufprall überlebt, war sogar noch bei Bewusstsein. Der Fahrer, der natürlich sofort zu ihr gerannt kam, war entsetzt über den Anblick: Einer ihrer Arme hatte eine unnatürliche Haltung eingenommen, bog sich an einer anderen Stelle als dem Ellenbogen, ihre Wirbelsäule machte am unteren Rücken einen Knick und eines ihrer Augen starrte reglos geradeaus, während das andere den Mann fixierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Hilfe … Hilf mir … Hilfe …‘, wiederholte die Frau wieder und wieder, als wäre sie in Trance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Mann half ihr nicht. Zu entsetzt war er von dem Anblick. Das Bild der sterbenden Frau hatte sich bereits jetzt für den Rest seines Lebens in sein Gedächtnis gebrannt. Auch fürchtete er die Konsequenzen, wenn die Leute herausfanden, was er getan hatte. Also ließ er die Frau zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man einigen Gerüchten glaubt, hat er sie sogar erst vom Straßenrand weggezerrt, sie im Unterholz versteckt, damit ihr regloser Körper nicht direkt vom nächsten Auto gesehen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so, ob er sie erst versteckt hat oder direkt geflohen ist, der Mann – wenn es denn überhaupt ein Mann war – wurde nie gefasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit jenem Tag soll die ruhelose Seele der Frau, in ein weißes Kleid der Unschuld gehüllt, an dieser Straße auftauchen. Bereit, sich an jedem zu rächen, der achtlos an ihr vorbei fährt, sie nicht in sein Auto lässt, obwohl sie ihn mit erhobener Hand darum bittet. Genau wie all die Autofahrer damals, die ihren Tod hätten verhindern können.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Ken den Satz beendet hatte, blickte sie in die Runde. Trauer schimmerte in ihren Augen, auch wenn ich nicht wusste, ob es an ihrem überzeugenden Schauspiel lag, oder ob sie die Geschichte tatsächlich so sehr fühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder und Balrog hingegen, sahen sich verstohlen in der Gegend um, als befürchteten sie, dass die Weiße Frau tatsächlich jeden Moment aus dem Schatten der Bäume trat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen grinste Ken breit an. „Und was macht sie dann? Wenn sie nur am Straßenrand rumsteht, kannst du mich damit jedenfalls nicht gruseln. Vielleicht solltest du die Geschichte noch etwas ausschmücken“, schlug ich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die anderen sahen mich ungläubig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken hingegen schmunzelte. „Das mit dem Ausschmücken haben schon einige Leute versucht. So behaupten manche, dass sie mit ihren Kindern unterwegs gewesen sei, als der Unfall passiert ist. Sie seien alle drei bei dem Unfall gestorben. Aber das ist Quatsch. Jedenfalls hatte sie damals keine Kinder dabeigehabt, als meine Mama und ich sie gesehen hatten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatte sie wieder unsere volle Aufmerksamkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ihr seid ihr begegnet?“, fragte mein Bruder ungläubig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken nickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wehe, du verarschst uns!“, mahnte Balrog. „Wenn hier gleich irgendwo eine verkleidete Frau aus einem Busch springt, suchen wir uns einen neuen Healer!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zwinkerte ihm als Antwort bloß neckisch zu. Dann erzählte sie von ihrer Begegnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist jetzt schon einige Jahre her. Ich war damals noch ein kleines Mädchen gewesen, als wir nachts auf dem Heimweg waren. Mama hatte die Frau zuerst gesehen. Ihr weißes Kleid wirkte im Scheinwerferlicht wie ein Leuchtfeuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da sie wusste, wie gefährlich es für junge Frauen um diese Uhrzeit sein konnte, besonders an einem Ort wie diesem, hielt sie natürlich sofort an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinner mich nicht mehr an den genauen Wortlaut, aber sie hatte mich gebeten, das Fenster runterzukurbeln und die Frau gefragt, wo sie hinwolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau hingegen hatte kein einziges Wort gesagt. Sie stand bloß da und starrte uns eine unbequem lange Zeit durch das offene Fenster an. Ich fand das richtig gruselig. Dann hat sie endlich nach vorne geschaut und Richtung Ebersberg gezeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil das auch unser Weg war, hatte Mama ihr angeboten, dass sie hinten einsteigt, was sie dann auch sofort getan hat. Dabei hat sie weiterhin kein einziges Wort gesagt. Ich weiß aber noch, wie Mama mich damals angemeckert hat, dass ich die Frau nicht so anstarren soll. Ich sage immer gerne, dass ich gespürt hätte, dass mit der Frau etwas nicht stimmt. Aber wahrscheinlich war es nur kindliche Neugierde gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls hatte ich mich nach Mamas Mahnung wieder richtig hingesetzt und die Frau verstohlen durch die Spiegelung im Fenster beobachtet. Trotz der Dunkelheit konnte ich da nämlich ihr weißes Kleid sehr gut erkennen. Bis ich es nicht mehr konnte … Plötzlich sah ich in der Spiegelung nur noch Schwärze. Ich hab mich natürlich sofort umgedreht, aber die Frau war weg. Sie war spurlos aus dem Auto verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama hat sofort angehalten. Wir haben gemeinsam das Auto und die Straße nach ihr abgesucht, aber konnten sie nirgends finden. Es war, als hätte sie sich in Luft aufgelöst. Und wenn ihr mich fragt, hat sie das auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der Legende der Weißen Frau von Ebersberg hatten wir erst kurz danach erfahren, als Mama einem Bekannten von der Begegnung erzählt hat. Ich weiß nicht, ob er uns geglaubt hat, aber er meinte zu uns, dass wir Glück hatten. Hätten wir die Frau nicht mitgenommen, so besagt die Legende, wäre sie wenig später trotzdem in unserem Auto aufgetaucht. Sie hätte das Lenkrad zur Seite gerissen, damit wir in einen Baum rasen. Dann hättet ihr mich vielleicht nie kennengelernt …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte erst, dass ich sie mit offenem Mund anstarrte, als Kenney ihre Geschichte beendet hatte. Jetzt hatte selbst ich eine Gänsehaut. Hatte sie sich das ausgedacht, um uns zu gruseln? Oder war ihr das wirklich passiert? Ich traute ihr beides zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als dann auch noch ein Auto an uns vorbeifuhr, das plötzlich hupte – wahrscheinlich erlaubte sich der Fahrer einen Spaß –, sprang ich meinem Bruder fast auf den Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor lauter Schreck starrten wir alle so entsetzt in die Runde, als wäre uns die Weiße Frau doch noch erschienen. Danach brachen wir in schallendes Gelächter aus. Der Bann war gebrochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hatte ich mich auf dem Weg in die Kneipe, die wir nach dem Treffen bei der Kapelle besucht hatten, mehr als nur einmal im Wald umgesehen, ob ich irgendwo eine weiße Gestalt zwischen den Bäumen sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich hatte mir an jenem Abend fest vorgenommen: Sollte ich jemals Kenneys Mutter kennenlernen, würde ich sie nach der Weißen Frau fragen. Dann würde ich wissen, ob Ken sich die Geschichte bloß ausgedacht hat.</p>



<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter social icons - square - blue.png" height="40" width="40" alt="Twitter" title="Folge mir auf Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f_logo_RGB-Blue_58.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütz mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonnier meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg, manchmal auch „Die Weiße Frau vom Ebersberger Forst“, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Bayern. Sie handelt von dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> einer Frau, der im Ebersberger Forst Autos anhält und darum bittet, als Anhalter mitfahren zu dürfen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viel ist über das Aussehen der Weißen Frau nicht bekannt. Es heißt nur, dass sie eine Frau ist und weiße Kleidung trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beschrieben wird sie fast immer in einem weißen Kleid. Seltener soll sie zusätzlich einen weißen Schleier tragen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt, einigen Quellen zufolge trug sich das Ereignis jedoch in den 1940er Jahren zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals soll eine Frau nachts allein auf der Straße zwischen Ebersberg und Schwaberwegen unterwegs gewesen sein, als sie nahe der Hubertuskapelle von einem Auto angefahren und tödlich verletzt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt der Frau jedoch zu helfen, beging der Fahrer des Autos Fahrerflucht und ließ sie zum Sterben zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem, so heißt es, soll der Geist der Frau als die Weiße Frau von Ebersberg auf der Straße nahe der Hubertuskapelle gesichtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternative Erzählungen berichten außerdem von einem oder zwei Kindern, die bei der Frau waren und ebenfalls gestorben sind, oder davon, dass der Fahrer die Frau sogar ins Unterholz gezerrt haben soll, ehe er geflohen ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg soll sich nachts nahe der Hubertuskapelle am Straßenrand aufhalten und versuchen, als Anhalterin mitgenommen zu werden. Einigen Leuten zufolge brennt in der Kapelle eine flackernde Kerze, wenn der Geist in der Nähe ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hält man an, um sie ein Stück mitzunehmen, merkt man entweder sofort, dass die Begegnung nicht mit rechten Dingen zugeht, da sie durch die Fensterscheibe oder das Schlüsselloch ins Auto kommt oder einfach auf der Rücksitzbank auftaucht, oder sie steigt wie ein normaler Mensch ein. Wenn man anschließend weiterfährt, läuft es ähnlich wie bei der Legende „Der verschwundene Anhalter“ ab: Die Frau verschwindet nach einiger Zeit spurlos aus dem Wagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man sie hingegen nicht ins Auto lässt, sie übersieht oder gar ignoriert, soll sie plötzlich bei voller Fahrt auf dem Beifahrersitz oder der Rücksitzbank auftauchen und einem ins Lenkrad greifen, damit man selbst einen Unfall baut.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg wurde bisher fast ausschließlich nachts auf der Staatsstraße 2080 zwischen Ebersberg und Schwaberwegen in Bayern gesichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders häufig soll sie sich dabei in der Nähe der Hubertuskapelle aufhalten, die an der Straße steht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die Legende der Weißen Frau in der kompletten Region um Ebersberg bekannt ist und sie durchaus einige Leute fürchten, gibt es aus der Gegend keine Zeitungs- oder Polizeiberichte, die von einem tödlichen Unfall oder Leichenfund einer Frau berichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch an dem Gerücht, dass die Frau in den 1940ern verunglückt sein soll, scheint nichts dran zu sein, da die Legende erstmals in den 1970er Jahren aufgekommen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem gab es auf der Staatsstraße 2080 bisher tatsächlich auffällig viele Unfälle. Begründet wird das Ganze mit der schlechten Sicht und vielen Rasern. Nachdem 1985 sogar ein Auto die Hubertuskapelle gerammt hatte, wurde die Straße umgebaut, woraufhin die Unfälle deutlich abgenommen haben. Die Staatsstraße 2080 gilt jedoch weiterhin als Unfallschwerpunkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Legende trotz fehlender Beweise großer Beliebtheit erfreut. So gibt es viele YouTube-Videos zu dem Thema – einige von ihnen sollen angeblich sogar den Geist zeigen –, die deutsche Horrorserie „Ebersberg“ behandelt die Legende und es war sogar einmal ein japanisches Filmteam vor Ort, um einen Bericht über die Legende fürs japanische Fernsehen zu drehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Legende der Weißen Frau von Ebersberg? Sind die vielen Autounfälle bloß Zufall oder ist an der Legende doch etwas dran? Würdet ihr euch trauen, nachts die Straße entlangzufahren? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr regelmäßig solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, unterstützt mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>, abonniert meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-weisse-frau-von-ebersberg">Die Weiße Frau von Ebersberg</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/die-weisse-frau-von-ebersberg/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>9</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Mittagsfrau – Sie wartet auf dem Feld!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/die-mittagsfrau</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/die-mittagsfrau#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 May 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Creepypasta]]></category>
		<category><![CDATA[Der Witcher]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Die Mittagsfrau]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderschreck]]></category>
		<category><![CDATA[Korndämon]]></category>
		<category><![CDATA[Korndämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Mittagsfrau]]></category>
		<category><![CDATA[Mittagsfrauen]]></category>
		<category><![CDATA[Mittagsgespenst]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Naturgeist]]></category>
		<category><![CDATA[Naturgeister]]></category>
		<category><![CDATA[ostslawische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[ostslawische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Polen]]></category>
		<category><![CDATA[polnische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[polnische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[russische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[russische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[slawische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[slawische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[The Witcher]]></category>
		<category><![CDATA[Tschechien]]></category>
		<category><![CDATA[tschechische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[tschechische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[ukrainische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[ukrainische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[westslawische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[westslawische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Witcher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=2573</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ich wischte mir die Schweißtropfen von der Stirn, während ich zurück zu meinen Freunden blickte. Die Luft flimmerte vor Hitze, sodass ich sie auf die Entfernung nur schlecht erkennen konnte. Ich wollte gerade zu ihnen zurückgehen, als ich eine Stimme hinter mir hörte ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-mittagsfrau">Die Mittagsfrau – Sie wartet auf dem Feld!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/6673b63536ee4a05819d547744482567" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Heute habe ich einen Beitrag über die Mittagsfrau für euch. Es ist eine slawische, zu kleinen Teilen aber auch <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutsche Legende</a> über eine Art Korn<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dämon</a>, der manchmal mit der deutschen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-roggenmuhme" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Roggenmuhme</a> verwechselt wird. Dabei haben die beiden Wesen nur wenige Gemeinsamkeiten. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht zu viel verraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem muss ich euch leider mitteilen, dass übernächste Woche kein neuer Beitrag kommt. Der nächste Beitrag kommt also erst am 12.06.2023 bzw. für <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patrons</a> am 05.06.2023.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Andreas, nicht so schnell!“, sagte Bjarne hinter mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drehte mich um. Als ich sah, dass ich meinen Freunden ein gutes Stück voraus war, blieb ich stehen, bis sie mich eingeholt hatten. In der Zwischenzeit fächerte ich mir Luft mit der Hand zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein heißer Sommertag. Einer dieser heißen Sommertage, an denen man am liebsten den ganzen Tag im Freibad verbringen und sich nur von Eis ernähren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zumindest einen Teil davon hatten wir uns fest vorgenommen. Ich hatte mich direkt heute Morgen mit Karin und Bjarne getroffen. Wir waren gemeinsam ins örtliche Freibad gefahren, wo wir drei Tageskarten geholt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lediglich zum Mittagessen, meine Mutter hat meine Freunde zu uns eingeladen, mussten wir wieder zuhause sein. Also schoben wir mit feuchten Haaren, nassen Badesachen und einem Geruch nach Chlor unsere Fahrräder schweigend die Straße zwischen den Feldern entlang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wind gab es fast keinen. Obwohl die Getreideähren – Gerste, wie ich neulich bei einem Schulausflug gelernt hatte – ab und an sanft hin und her wogen, kam von der angenehmen Brise nichts bei uns an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich warf meinem Fahrrad einen flüchtigen Blick zu. Allein der Gedanke, darauf zu fahren, brachte meine Schweißporen zum Arbeiten. Auch wenn ich bestimmt schon zwei Liter Wasser getrunken hatte, würde ich wahrscheinlich augenblicklich tot umfallen, wenn ich auch nur einmal in die Pedale treten müsste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schoben wir unsere Fahrräder gemächlich neben uns her, während wir versuchten, unter den Bäumen am Straßenrand schützenden Schatten zu finden. Mehr als einmal hatte ich mich bereits gefragt, warum wir die Fahrräder nicht beim Freibad gelassen hatten. Immerhin wollten wir nach dem Essen eh so schnell wie möglich wieder ins kalte Nass springen. Wir hätten unsere Fahrräder heute Abend mit nach Hause nehmen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Tageskarten wollten wir jedenfalls voll ausnutzen. Zumindest war das der Plan gewesen. Aber wie das Leben es so wollte, durchkreuzte das Schicksal gerne solche Pläne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Planänderung kam in Form eines alten Mannes auf uns zu, der ein offenes Hawaiihemd, eine kurze Hose, Sandalen und durchgeschwitzte Tennissocken trug. Er schwankte leicht, als sei er betrunken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Freunde und ich machten bereits einen Bogen um ihn, wechselten extra die Straßenseite, doch der Mann schien entschlossen, uns abzufangen. Zumindest kam er weiter auf uns zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He! Ihr!“, rief er mit kratziger Stimme. Entweder war er heiser oder sein Hals völlig ausgetrocknet. „Wartet mal!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir ha’m kein Geld“, erwiderte Bjarne sofort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Genau. Das haben wir alles für Freibadkarten und Eis ausgegeben“, bestätigte Karin. Sie sagte das völlig ernst, auch wenn wir noch mehr als genug Geld für weiteres Eis in unserem Rucksack hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann hingegen winkte ab. „Ich will euer Geld nicht“, krächzte er ruhig. „Ich will euch nur warnen. Um diese Uhrzeit treibt die Mittagsfrau ihr Unwesen. Egal, was ihr tut, ihr dürft nicht aufs Feld gehen. Auch nicht, falls es eine Abkürzung sein sollte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karin, Bjarne und ich warfen einander fragende Blicke zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bjarne fand als Erster die Worte wieder. „Die Mittagsfrau?“, fragte er. „Wenn eine schöne Frau was von mir will, sag ich doch nicht nein!“ Er grinste den Mann schamlos an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann hingegen kam einen Schritt näher. Jetzt erkannte ich den Schweiß, der sich tropfenweise in seinen grauen Haaren, seinem Bart und sogar seinen Brusthaaren gesammelt hatte. Ich versuchte, nicht zu genau hinzusehen, bemerkte aber trotzdem den Sonnenbrand auf seiner Brust und in seinem Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich mein es ernst, Junge!“, rief er plötzlich laut. „Wenn ihr aufs Feld geht, wird die Mittagsfrau euch töten! Ihr müsst mir versprechen, dass ihr auf der Straße bleibt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von seinem plötzlichen Ausbruch völlig überrumpelt, starrte ich den Mann sprachlos an. Und auch Karin und Bjarne fanden keine Worte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Versprecht es mir!“, forderte der Mann erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da keiner meiner Freunde sich zu trauen schien, ergriff ich das Wort. „Ja. Klar. Wir versprechen es. Wir müssen sowieso geradeaus.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt starrte der Mann mich an. Sein linkes Auge zuckte nervös. Es wirkte so, als dachte er nach. Jedenfalls dauerte es einige Sekunden, bis er endlich wieder etwas sagte. Er sprach jetzt wieder ruhiger. „Und der Rest? Versprecht ihr es auch?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karin nickte, während Bjarne ein fast schuldbewusstes „Ja“ nuschelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch einmal musterte der Mann uns. Dann drehte er sich weg und ging weiter seines Weges, als sei nie etwas gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sahen ihm mit offenen Mündern nach. Halb eingeschüchtert, halb verwirrt sah ich Bjarne und Karin an. Plötzlich brach Karin in schallendes Gelächter aus. Es dauerte nicht lange, bis Bjarne und ich uns anschlossen. Wir lachten, als hätten wir ewig nichts so Lustiges erlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was war das denn für ein Vogel?“, fragte Bjarne, als er sich weit genug beruhigt hatte. Dann äffte er die kratzige Stimme nach. „Nehmt euch in Acht vor der Mittagsfrau!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mittagsfrau. Was ist das überhaupt für ein Name?“, warf Karin ein. „Was Kreativeres ist ihm wohl nicht eingefallen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie überrascht an. „Moment. Ihr kennt die Mittagsfrau nicht?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? Nein“, meinte Karin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du veräppelst uns“, sagte Bjarne. „Die gibt’s wirklich?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Meine Mama hat mir als Kind manchmal ein Märchen über sie erzählt. Hauptsächlich, wenn ich mich nicht an das gehalten habe, was sie gesagt hat. Die Mittagsfrau ist ein Wesen, das nur in der Mittagshitze zwischen zwölf und ein Uhr auftaucht. Sie erscheint jedem, der es wagt, allein auf ein Feld zu gehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich machte eine Spannungspause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und dann?“, drängte Bjarne. „Was macht sie mit einem?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grinste. „Sie köpft ihre Opfer mit ihrer Sichel.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karin machte große Augen. „Und so eine Scheiße hat deine Mutter dir als Kind erzählt!?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein“, gestand ich. „Sie hat mir nur erzählt, dass die Mittagsfrau ihre Opfer angreift. Bei ihrer Geschichte ging es vielmehr um ein Mädchen, dass der Mittagsfrau entkommen konnte. Sie greift nämlich nicht an, wenn man sie in ein Gespräch über Feldarbeit verwickeln kann. Das Mädchen hat eine Stunde lang mit der Frau nur über die Flachsernte geredet, bis die Mittagsfrau um ein Uhr verschwunden ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und das hat funktioniert?“, fragte sie überrascht. „Als Erziehungsmaßnahme deiner Mutter, meine ich?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Ja, sie hat mir gesagt, dass ich eine Stunde lang nur über langweilige Dinge reden müsste, ohne das Thema wechseln zu dürfen. Um mir zu beweisen, wie langweilig das ist, hat sie einmal angefangen, mit mir über Kartoffeln zu reden. Ich hatte keine zehn Minuten durchgehalten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karin schmunzelte, während Bjarne wieder sein schamloses Grinsen aufsetzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du und deine Mutter, ihr seid manchmal echt bescheuert!“, sagte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn gespielt entsetzt an. „Wie? Ihr glaubt nicht an die Mittagsfrau?“, fragte ich dramatisch. „Das solltet ihr.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bjarne rollte sofort mit den Augen. Seit wir Halloween von 2018 gesehen hatten, zitierte ich die Szene viel zu häufig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt grinste ich ihn blöd an. „Aber wenn du mir nicht glaubst, geh doch raus ins Feld. Du wolltest die Mittagsfrau doch kennenlernen. Wie meintest du? Da sagst du nicht nein!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, klar“, erwiderte er. „Ich lauf schnell raus in die pralle Sonne. Mir ist ja noch nicht heiß genug.“ Zur Verdeutlichung zog er mehrmals an seinem T-Shirt, um sich Luft zuzuwedeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Awww! Hast du etwa Angst?“, drängte ich ihn. Ich wusste nicht, wieso ich es tat. Vielleicht lag es an der Pubertät. Vielleicht auch an der Hitze, die mir langsam zu Kopf stieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bjarne schnaubte verächtlich. „Ich hab keine Angst. Ich hab nur keinen Bock auf einen Sonnenstich. Aber wenn du schon so große Töne spuckst, geh du doch! Oder hast <em>du</em> Angst?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das saß. Als Kind hatte ich tatsächlich Angst vor der Mittagsfrau gehabt. Besonders, nachdem ich rausgefunden hatte, dass sie ihre Opfer köpft. Aber jetzt war ich älter. Ich glaubte nicht mehr an Geister und Spukgestalten. Und selbst <em>falls</em> noch ein klitzekleines bisschen Restangst aus meiner Kindheit übriggeblieben <em>wäre</em>, würde ich das meinen Freunden ganz bestimmt nicht zeigen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gut“, sagte ich, während ich mein Fahrrad abstellte. „Ich gehe. Wie weit soll ich raus?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jungs, lasst den Quatsch. Wir sind fast da“, warf Karin ein. Wir ignorierten sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„50 Schritte. Normalgroße, nicht so ein Babykram“, forderte Bjarne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Abgemacht“, erwiderte ich. Ich ging sofort los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Andreas, jetzt bleib schon hier!“, forderte Karin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach. Die paar Sekunden Sonne werden mir schon nichts anhaben. Das heißt … solange die Mittagsfrau nicht auftaucht.“ Ich zwinkerte ihr zu, ehe ich begann, ins Feld zu waten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald ich aus dem Schatten der Bäume trat, fühlte ich mich, als wäre ich gegen eine Wand gelaufen. Die Hitze war erdrückend. Ich versuchte, es zu ignorieren. Stattdessen konzentrierte ich mich auf meine Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sieben, acht, neun, zehn Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gerste, die mir bis über die Knie reichte, war schon fast ausgewachsen. Sie war zwar noch immer grünlich, hatte aber schon voll ausgebildete Köpfe mit kratzigen Härchen, die mich an den Beinen kitzelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwanzig Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwo in den Pflanzen hockten Insekten. Ich konnte sie zwar nicht sehen, aber dafür umso deutlicher hören, wie sie mich mit ihrem Gesang anfeuerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dreißig Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich weiter durch das Feld ging, wanderten meine Gedanken zurück zur Mittagsfrau. Ich wollte es gar nicht, aber mein Kopf wollte mir nicht gehorchen. Ich erinnerte mich daran, wie ich sie mir als Kind immer vorgestellt hatte. In den Geschichten meiner Mutter war sie eine große, in weiß gekleidete Frau. Ich hatte sie mir immer wie ein gruseliges Gespenst vorgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vierzig Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und als ich dann erfuhr, dass sie eine Sichel bei sich tragen soll, mit der sie Menschen köpft, war der Stoff meiner Kindheitsalbträume geboren. Inzwischen hatte ich das natürlich überwunden. Ich hatte schon seit Jahre nicht mehr von ihr geträumt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fünfzig Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Grinsen bildete sich auf meinem Gesicht. Ich wischte mir die Schweißtropfen von der Stirn, während ich zurück zu meinen Freunden blickte. Die Luft flimmerte vor Hitze, sodass ich sie auf die Entfernung nur schlecht erkennen konnte. Ich wollte gerade zu ihnen zurückgehen, als ich eine Stimme hinter mir hörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sag mir, Mensch. Welches Getreide wächst auf diesem Feld, das du so achtlos zertrampelst?“ Es war die Stimme einer Frau. Sie klang jung und schön. Sanft wie ein Windhauch, aber trotzdem laut genug, dass ich mir sie nicht eingebildet haben konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Kloß im Hals drehte ich mich um. Das Bild von ihr, das ich als Kind immer im Kopf hatte, das mich bis in meine Träume verfolgte, wurde ihr nicht gerecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte sie mir immer menschlich vorgestellt. Aber dieses … Ding vor mir, war kein Mensch. Sie hatte menschliche Züge, ja, aber alles an ihr wirkte falsch. Ihre Haut war blass, unterschied sich kaum von dem Weiß ihres Kleides. Ähnlich war es mit ihren blonden Haaren. Ihr Gesicht war völlig abgemagert mit eingefallenen Wangen. Ich hatte eher das Gefühl, als würde eine Leiche vor mir stehen statt eines lebendigen Wesens. Wenn da nicht ihre dunklen Augen gewesen wären, die mich jetzt fixierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel mein Blick auf die Sichel, die sie in ihrer rechten Hand hielt. Auch sie war anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Sie wirkte alt, sah stellenweise sogar rostig aus. Trotzdem war ich mir sicher, dass sie noch immer verdammt scharf war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig versuchte ich, einen Schritt zurückzutreten. Meine Beine gehorchten mir nicht. Sie blieben einfach stehen. Ich konnte meinen Körper nicht mehr bewegen. Das Einzige, über das ich noch Kontrolle hatte, waren mein Hals, mein Kopf, meine Augen und mein Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hilfesuchend sah ich zu Karin und Bjarne zurück, aber sie standen nur da. Sie machten keine Anstalten, zu mir zu kommen. Karin hob sogar die Hand, um mir zu winken. Sie beachteten das Monster gar nicht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Blick galt wieder der Mittagsfrau. Sie hatte ihre Sichel zum Schlag erhoben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gerste!“, schrie ich panisch. „Gerste! Auf dem Feld wächst Gerste!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Herz raste. War das noch rechtzeitig gewesen? Oder schnitt mir die Mittagsfrau in wenigen Sekunden den Kopf ab? Was, wenn sie mehrere Anläufe brauchte? Wenn ihre Sichel doch nicht scharf genug war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Frau legte bloß ihren Kopf schief. Sie kniff die Augen zusammen, musterte mich wieder. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie endlich die Sichel sinken ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wann war die Blütezeit der Pflanzen?“, fragte sie weiter. Die Bewegung ihrer Lippen war das Einzige, was halbwegs menschlich wirkte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie der Kloß in meinem Hals wuchs. Er drohte, mich zu ersticken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Juni“, presste ich hervor. „Die Gerste hat Mitte Juni geblüht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Krampfhaft kratzte ich alles zusammen, was wir auf unserem Schulausflug zum örtlichen Bauernhof gelernt hatten. Wir waren genau zur Blütezeit dort gewesen. Aber viel mehr wusste ich nicht über Gerste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mittagsfrau würde mich nicht in Ruhe lassen. Sie würde weiterfragen, bis ich eine ihrer Fragen nicht beantworten konnte. Oder bis es 13 Uhr war … Wie spät war es jetzt? Ich konnte meine Armbanduhr nicht erkennen, den Arm noch immer nicht bewegen. Aber da wir um 13 Uhr zuhause sein wollten, konnte es sich nur noch um Minuten handeln!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie gut sind die Pflanzen dieses Jahr gewachsen?“, stellte sie ihre nächste Frage. Ihre Stimme klang lieblich. Darin lag nicht ein Hauch Böses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Flüchtig spähte ich über das Feld. Die schnelle Kopfbewegung ließ Schwindel in mir aufkommen. Auch wurde mir allmählich übel, während die Sonne weiter unerbittlich mit ihren Strahlen auf meinen Kopf knallte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Die Frage!</em>‘, mahnte ich mich in Gedanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Getreide sah gut aus. Zumindest hoffte ich das. Andererseits war es in den letzten Tagen sehr heiß gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuchte, möglichst langsam und deutlich zu sprechen, um etwas Zeit zu gewinnen. „Die Pflanzen sind gut gewachsen. Es war ein gutes Jahr. Lediglich die letzten Tage waren etwas heiß, aber ich denke nicht, dass das der Ernte groß schaden wird. Ein gutes Jahr.“ Mehr wagte ich nicht zu sagen. Wenn ich etwas Falsches sagte … Ich wollte gar nicht darüber nachdenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgten noch einige weitere Fragen, die ich mehr schlecht als recht beantworten konnte. Trotzdem saß mein Kopf noch immer auf meinen Schultern. Es musste der Mittagsfrau also genügt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn da doch nur nicht diese verdammte Sonne gewesen wäre …! Ich wünschte, ich könnte meinen Arm über meinen Kopf halten, irgendwie auch nur ein kleines bisschen Schatten bekommen, aber die lähmende Magie der Mittagsfrau hatte mich voll im Griff. Wenn mich ihre Fragen nicht dahinrafften, würde die Sonne bald ihr Übriges tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was wird aus dieser Gerste gemacht?“, stellte die Frau ihre nächste Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen war mir speiübel. Ich konzentrierte mich mit aller Kraft darauf, zu antworten. „Bier“, hauchte ich. Ich atmete schwer. Der Schwindel wurde immer schlimmer. Ich konnte kaum noch etwas erkennen. Trotzdem redete ich weiter. „Bier. Das konnte ich mir merken. Die Gerste wird für Bier verwendet. Fast 90 Prozent der Gerste hier wird … wird als Braugerste angebaut. Der Rest wird hauptsächlich zu … Mehl verarbeitet. Der Bauer hat da einen … einen Käufer.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strauchelte. Mehr fiel mir nicht ein. Inzwischen fühlte mein Kopf sich an, als würde er gleich platzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Insekten, die im Feld hockten, zirpten inzwischen so laut, dass ich kaum etwas anderes hören konnte. Konnten sie nicht einfach still sein?! Ich musste die nächste Frage hören!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da noch mein Atem. Er ging kurz und stoßweise. Auch er kam mir viel lauter vor, als er hätte sein dürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Krampfhaft versuchte ich, die Luft anzuhalten, damit ich die nächste Frage nicht verpasste, aber es kostete mich zu viel Anstrengung. Auf meine Augen konnte ich mich bereits nicht mehr verlassen. Ich sah nicht einmal mehr, wie der Boden auf mich zuraste. Dann verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Andreas! Scheiße, Andreas wach auf!“, hörte ich eine entfernte Stimme. Gleichzeitig spürte ich etwas Nasses in meinem Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mühsam stemmte ich die Augen auf. Die Sonne war schwächer geworden. Nein, das war etwas anderes … Bjarne hielt ein Handtuch über mich, um mir schützenden Schatten zu spenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da war auch Karin. Sie hielt eine offene Wasserflasche in der Hand, während sie mit der anderen Hand meine Stirn fühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie spät ist es?“, fragte ich schwach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte die Erleichterung in Karins und Bjarnes Gesichtern fast schmecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße, du hast uns Angst gemacht!“, sagte Bjarne. „Es ist kurz nach eins.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Sorge. Deine Mutter weiß Bescheid. Sie wird jeden Moment hier sein“, ergänzte Karin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte schwach. Dann fiel mir etwas anderes ein. „Warum habt ihr mir nicht geholfen?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was meinst du?“, erwiderte Karin. „Wir sind sofort zu dir gerannt, als du umgefallen bist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. Der Schwindel wurde wieder stärker. „Ich meinte wegen der Frau. Der Mittagsfrau.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karin und Bjarne warfen einander einen fragenden Blick zu. Dann sahen sie mich besorgt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da … Da war keine Frau“, erklärte Karin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bjarne nickte bestätigend. „Du bist rausgegangen, eine Weile stehengeblieben und dann plötzlich umgefallen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber nachzudenken, war mir in dem Moment zu anstrengend. Also ruhte ich mich aus, bis meine Mutter auf dem Feldweg ankam. Gemeinsam brachten sie mich ins Auto und fuhren mit mir ins Krankenhaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar durfte ich noch am selben Tag wieder nach Hause, aber ich hatte mich die nächsten zwei Tage hundeelend gefühlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was die Mittagsfrau anging … Karin, Bjarne und meine Eltern waren sich einig, dass ich sie mir eingebildet haben musste. Die Hitze, dazu das Erlebnis mit dem alten Mann. Das alles habe meine Fantasie angekurbelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen war mir da nicht so sicher. Es erklärte nicht, wieso ich mich nicht mehr bewegen konnte. Oder wieso die Mittagsfrau anders aussah, als ich sie mir vorgestellt hatte. Außerdem hatte ich doch bis genau 13 Uhr durchgehalten, oder?</p>



<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter social icons - square - blue.png" height="40" width="40" alt="Twitter" title="Folge mir auf Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f_logo_RGB-Blue_58.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütz mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonnier meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mittagsfrau ist ein Feld<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">geist</a> der slawischen Mythologie. Die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> ist fast im kompletten slawischen Raum verbreitet – darunter auch die Gegend um den Spreewald in Brandenburg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie im Deutschen leitet sich ihr Name auch in anderen Sprachen vom jeweiligen Wort für „Mittag“ ab – z. B. Południca (von „południe“) im Polnischen, Polednice (von „polední“) im Tschechischen oder полу́дница (Poludnitsa) (von „полдень (polden‘)“) im Russischen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedenste Beschreibungen, wie die Mittagsfrau aussehen soll, generell lassen sie sich aber zu drei verschiedenen Erscheinungen zusammenfassen:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die große Frau:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste und wahrscheinlich am weitesten verbreitete Erscheinung ist das Aussehen einer großen Frau. Während sie manchmal als schön bezeichnet wird, beschreiben andere Quellen sie als abgemagert und fast totenähnlich mit eingefallenen Wangen und blasser Haut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie trägt weiße Kleidung oder ist in ein weißes Tuch gehüllt, das den traditionellen niedersorbischen Trauertüchern ähnelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Haare werden oft als blond oder schwarz beschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal werden ihr zudem animalische Züge wie z. B. Pferdehufe oder Wildschweinhauer nachgesagt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das junge Mädchen:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Erscheinung sieht aus wie ein etwa 12-jähriges Mädchen. Ebenfalls in weiß gekleidet, wirkt sie so besonders harmlos und unschuldig, ist aber genauso gefährlich wie ihre anderen Formen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das alte Weib:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die letzte Erscheinung ist hingegen die einer alten hässlichen Frau mit grauen oder weißen Haaren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie trägt entweder weiße Kleidung oder alte Lumpen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gemeinsamkeiten:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der weißen Kleidung gibt es noch ein paar weitere Gemeinsamkeiten der drei Erscheinungen. So kann die Mittagsfrau je nach Region und Erzählung z. B. eine Bratpfanne, eine Sichel, eine Sense, eine Peitsche oder ein anderes Utensil bei sich haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird sie gelegentlich mit einem kleinen Wirbelwind in Verbindung gebracht, auf dem sie entweder reitet oder der sie selbst ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die wohl bekannteste Eigenschaft der Mittagsfrau findet sich in ihrem Namen: Sie taucht nur in der Mittagszeit auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der genaue Zeitpunkt kann sich je nach Region unterscheiden, aber im Normalfall ist es eine feste Uhrzeit, die eine oder zwei Stunden dauert. Am häufigsten habe ich von der Stunde zwischen 12 und 13 Uhr gelesen. Die Mittagsfrau lauert den Menschen auf, die sich zu dieser Zeit auf dem Feld aufhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig sind das Arbeiter, die ihre Ruhepause ignorieren oder nicht auf die Uhr gesehen haben. Aber sie greift auch Kinder und andere Leute an, die sich aufs Feld verirrt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders häufig handeln die Geschichten von Mädchen oder Frauen, die zur Mittagsstunde auf Flachsfeldern arbeiten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Methoden der Mittagsfrau:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn jemand das Pech hat, der Mittagsfrau zu begegnen, versucht sie im Normalfall, ihn zu töten. Wie sie dabei vorgeht, kann sich ebenfalls je nach Region und Erzählung stark unterscheiden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die redselige Mittagsfrau:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Leute sagen, dass die Mittagsfrau so lange auf ihr Opfer einredet oder es mit Fragen löchert, bis es stirbt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine meiner Meinung nach sinnvollere Version hiervon besagt, dass sie ihr Opfer nur dann tötet, wenn es sich von ihr abwendet, statt ihr weiter zuzuhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternativ lässt sie einen so lange leben, wie man über seine Arbeit auf dem Feld reden oder ihre Fragen beantworten kann – oft stellt sie hierbei Fragen zur Feldarbeit, seltener Rätsel. Auch kann sie spezifische Fragen zu dem Feld fragen, auf dem man sich gerade befindet: Wann wurde ausgesät? Wann war die Blütezeit? Wie gut wachsen die Pflanzen dieses Jahr? Beantwortet man die Frage falsch oder versucht, das Thema zu wechseln, wird man getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die einzige Möglichkeit, der Mittagsfrau in diesen Situationen zu entkommen, ist, wenn man bis 13 Uhr durchhält. Dann verlassen die Mittagsfrau ihre Kräfte und sie verschwindet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die mordlustige Mittagsfrau:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen ist die Mittagsfrau weniger redselig. Sie greift jeden Menschen an, der sich in ihrer Stunde allein aufs Feld wagt. Dafür taucht sie vor ihren Opfern auf und köpft sie mit ihrer Sichel oder Sense.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte sie keine Waffe bei sich haben, bricht sie ihnen das Genick oder tötet mit ihrer bloßen Berührung. Manchmal bewegt sie sich hierbei fort, indem sie auf einem Wirbelwind reitet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Andere Methoden:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Anderen Versionen zufolge löst sie Mittagsfrau bei den Menschen Wahnsinn oder Verwirrung aus. Sie zerrt an ihren Haaren, wodurch sie Kopf- oder Nackenschmerzen verursacht, lässt sie Halluzinieren, verbrennt ihre Haut oder löst Schwindel aus – alles Symptome, die man heutzutage einem Sonnenstich oder Hitzeschlag zuordnen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternativ schlägt die Mittagsfrau ihre Opfer so lange, dass sie mehrere Tage Schmerzen haben, lähmt sie oder sticht ihnen die Augen aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so möchte man der Mittagsfrau also auf keinen Fall begegnen. Das gilt besonders, wenn man ein Kind ist. Kleinkinder und Babys werden von der Mittagsfrau entführt und durch Wechselbälger ausgetauscht. Dabei ist es egal, ob die Eltern das Kind unbeaufsichtigt auf dem Feld lassen, das Kind von sich aus auf das Feld gegangen ist oder die Mittagsfrau es auf das Feld gelockt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Älteren Kindern ergeht es hingegen wie den Erwachsenen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch so grausam die Mittagsfrau auch ist, so ist sie nicht nur schlecht. Sie ist auch eine Beschützerin der Felder. Dabei greift sie nicht nur Menschen an, die sich unrechtmäßig auf das Feld wagen, während die Bauern ihre Mittagspause machen, sondern sie schützt auch die Pflanzen vor der sengenden Mittagshitze.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der regionalen Verbreitung der Legende waren die bisherigen Sichtungen hauptsächlich auf Feldern (meist Getreidefeldern) in den slawischen Regionen, seltener auch in Obstgärten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gesichtet werden kann sie angeblich von der Blütezeit der Felder bis zur Ernte, sie taucht jedoch nur in der Mittagsstunde an sonnigen, besonders heißen Tagen auf.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ich unter „Eigenschaften“ bereits angedeutet habe, ist die Legende der Mittagsfrau wahrscheinlich aus den natürlichen Phänomenen des Sonnenstichs und des Hitzeschlags entstanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher hatten die Menschen keine Erklärung dafür, wie es zu den plötzlichen Toden, Halluzinationen und anderen Symptomen kam. Sie erfanden die Mittagsfrau, um sie zu begründen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gesehen ist die Mittagsfrau eine Mahnung, dass Feldarbeiter ihre Ruhestunde, in der die Sonne meist am höchsten steht und die Hitze am schlimmsten ist, ernstnehmen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig dient sie als Kinderschreckfigur. Dank ihr konnten Eltern ihre Kinder überzeugen, nicht bei der sengenden Hitze auf den Feldern zu spielen, und konnten gleichzeitig verhindern, dass die Kinder dabei versehentlich die Ernte zerstörten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Glaube an die Mittagsfrau war dabei so weit verbreitet, dass viele Menschen selbst Anfang des 20. Jahrhunderts noch glaubten, die Mittagsfrau sei real. Und auch, wenn sie seitdem an Bekanntheit verloren hat, ist sie noch heute kein unbekanntes <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So findet man sie z. B. in der Popkultur wieder – sei es in <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/creepypasta" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Creepypastas</a> oder als ein Wesen mit dem Namen „Mittagserscheinung“ in der Videospielreihe The Witcher.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Mittagsfrau? Kanntet ihr die Legende schon? Und hat Andreas sich die Mittagsfrau eurer Meinung nach bloß eingebildet, oder ist ihm wirklich ein Naturgeist erschienen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr regelmäßig solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, unterstützt mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>, abonniert meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-mittagsfrau">Die Mittagsfrau – Sie wartet auf dem Feld!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/die-mittagsfrau/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Wilde Jagd</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/die-wilde-jagd</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/die-wilde-jagd#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Dec 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Die Wilde Jagd]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Rauhnacht]]></category>
		<category><![CDATA[Rauhnächte]]></category>
		<category><![CDATA[Raunacht]]></category>
		<category><![CDATA[Raunächte]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtslegende]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtslegenden]]></category>
		<category><![CDATA[Wilde Jagd]]></category>
		<category><![CDATA[Wildes Heer]]></category>
		<category><![CDATA[Wütendes Heer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=2032</guid>

					<description><![CDATA[<p>Was zur Hölle war das? Panisch sah ich mich um. Schnee, Bäume, noch mehr Schnee. Erst, als ich zu meiner Verlobten sah, bemerkte ich, dass sie wieder in den Himmel starrte. Instinktiv folgte ich ihrem Blick ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-wilde-jagd">Die Wilde Jagd</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a78f6058e0564c188a0d838334cdab4b" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Wilde Jagd ist ein kleiner Ersatz für das diesjährige <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtsspecial</a>. Da ich wegen der Boosterimpfung den Beitrag zu letzter Woche nicht mehr ganz fertig bekommen habe, passt das Thema jedenfalls sehr gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür werdet ihr dieses Mal nicht viel von meiner Winterpause merken, da der nächste Beitrag wahrscheinlich schon am 10. oder 17. Januar kommt. Rutscht gut ins neue Jahr!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Wow“, hauchte Lina. „Michelle, das ist fantastisch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war Nacht. Von hier oben auf der Lichtung am Berghang hatten wir einen großartigen Ausblick auf unser Dorf: Überall hingen Lichterketten. Der große Tannenbaum bei der Feuerwache, der mit bunten Lichtern funkelte, ein leuchtender Rentierschlitten auf einem der Dächer, der glitzernde Schnee und die beleuchtete Kirche, die auf die Entfernung aussah, als käme sie direkt aus einer Schneekugel, verwandelten die kleine Ansammlung an Häusern in ein Winterwunderland. Es war ein magischer Anblick – besonders, wenn man Weihnachten so sehr liebte wie Lina.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte hingegen keine Augen für das kleine Paradies, das wir unsere Heimat nannten. Meine ganze Aufmerksamkeit galt Lina. Ihre Augen funkelten, als wäre sie wieder ein Kind, während ihr Mund zu einem begeisterten Lächeln geformt war. Sie sah so glücklich aus. Und das wiederum machte mich glücklich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Meine Verlobte</em>‘, dachte ich. Trotz der kalten Dezembernacht breitete sich eine wohlige Wärme in meiner Magengegend aus. Ein Gefühl, dass ich in letzter Zeit oft gefühlt hatte. Seit Heiligabend, um genau zu sein. Seit sie mir einen Antrag gemacht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was?“, fragte Lina, als sie meinen Blick bemerkte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nichts“, erwiderte ich lächelnd. „Ich bin nur so glücklich.“ Dann beugte ich mich vor, um sie in einen liebevollen Kuss zu ziehen. Ich roch ihr liebliches Rosenparfum. Eine Freudenträne löste sich aus meinem linken Auge und rollte meine Wange hinab, während sich das wohlige Gefühl in meinem ganzen Körper ausbreitete. So lange hatten wir dafür gekämpft, hatten Freunde verloren, Lina sogar Familie, weil wir, zwei Frauen, einander liebten. Und jetzt? Jetzt würden wir endlich heiraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich löste sich Lina aus dem Kuss – etwas zu ruckartig, wie ich fand. Als ich irritiert die Augen öffnete, sah ich, wie sie sich umsah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich glaube, ich habe etwas gehört“, erklärte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zuckte mit den Schultern. „Und wenn schon. Im Dorf wissen doch eh alle von unserer Beziehung. Sogar die alte Frau Walters hat uns gratuliert“, erinnerte ich sie und wollte sie wieder zu mir ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Lina schüttelte den Kopf. „Nein, das meinte ich nicht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie fragend an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt lächelte sie wieder. „Egal. Lass uns weitergehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also griff ich nach ihrer Hand und zog sie sanft mit. Es war wahrscheinlich besser so. Zwar waren wir nicht in Eile, aber ich wollte ihr noch die geschmückten Bäume weiter den Berg rauf zeigen. Sie waren fester Teil meiner jährlichen Weihnachtsspaziergänge. Und wärmer wurde es auch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnee knirschte unter unseren Schuhen. Obwohl der Hang nicht sonderlich steil war, überprüfte ich mit jedem Schritt, wie glatt der Boden war. Das Letzte, was ich jetzt wollte, war, meiner Verlobten einen unvergesslichen Spaziergang versprochen zu haben, nur um dann auf halber Strecke abzubrechen, weil ich mich bei einem Sturz verletzt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An einer besonders steilen Stelle hielt ich mich gerade an einem Baum fest, um erst mich und dann meine Verlobte hochzuziehen, als irgendwo in der Ferne ein Geräusch ertönte. Es klang wie eine Art Jagdhorn. Um ehrlich zu sein, kannte ich solch ein Geräusch bisher nur aus Filmen. Trotzdem schenkte ich ihm keine weitere Beachtung. Lina hingegen blieb wie angewurzelt stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du das gehört?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zuckte mit den Schultern. „Bestimmt nur eine Autohupe oder so“, erwiderte ich knapp und dachte, dass es damit erledigt sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lina hingegen warf den Kopf in den Nacken und blickte nach oben, als würde sie den Himmel nach irgendetwas absuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Belustigt beobachtete ich sie dabei. Mit einem Schmunzeln sagte ich: „Da oben wirst du bestimmt keine Autos finden. Oder suchst du nach dem Weihnachtsmann? Tut mir leid, Schatz, aber da bist du ein paar Tage zu spät.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lina sah mich todernst an. „Lass uns nach Hause gehen, ja?“, schlug sie vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich runzelte sie Stirn. „Es ist nicht mehr weit, versprochen. Oder ist dir kalt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch sie schüttelte den Kopf. „Vertrau mir einfach, okay?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig kletterte ich das kurze Stück zu ihr zurück. „Natürlich. Aber was ist denn los? Hat es mit dem Geräusch zu tun?“ Vielleicht hatte es bei ihr unschöne Erinnerungen geweckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lina musterte mich. In ihren Augen lag eine Mischung aus Sorge und einem Ausdruck, als wisse sie nicht, wie sie es erklären solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig streichelte ich ihre Wange. Ich wollte ihr sagen, dass es schon in Ordnung sei, ihre erklären, dass sie mir – was auch immer es war – später erklären könne, doch ehe ich auch nur ein Wort hervorbringen konnte, schnitt die seltsame Hupe wieder durch die stille Nacht. Diesmal war sie deutlich näher. Viel näher, als irgendeine Straße sein konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kamen auch andere Geräusche dazu, erst leise, dann immer lauter: Ein Donnergrollen wie tausend Pferdehufe, lautes Gebrüll, so wirr, dass man kein einziges Wort verstehen konnte, das Bellen von Hunden und wieder diese Hupe, dieses Jagdhorn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was zur Hölle war das? Panisch sah ich mich um. Schnee, Bäume, noch mehr Schnee. Erst, als ich zu meiner Verlobten sah, bemerkte ich, dass sie wieder in den Himmel starrte. Instinktiv folgte ich ihrem Blick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst sah ich auch dort nichts Auffälliges – den sichelförmigen Mond, die Sterne, ein paar Wolken –, doch dann kam, wie aus dem Nichts, eine Art leuchtender Nebel über die Bäume hinweg geschossen. Der Lärm war jetzt fast unerträglich, wie hunderte wirre Stimmen, die Geräusche von schnaubenden und galoppierenden Pferden und das Gebell. Und dann erkannte ich es: Das über uns war kein Nebel, es war eine Armee. Ein Heer aus geisterhaften Soldaten, Frauen, Kindern, Hunden und Pferden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie gebannt starrte ich sie an, während sie mit rasendem Tempo über uns hinwegzogen. Ich verstand die Welt nicht mehr. Was passierte hier?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als Lina an meinem Arm zog, konnte ich meinen Blick von ihnen lösen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist die Wilde Jagd!“, schrie sie mir entgegen. Ich hatte noch nie davon gehört, doch die Panik in ihren Augen reichte aus, um mich in Alarmbereitschaft zu versetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es sind Geister!“, erklärte sie flüchtig. „Halt den Kopf gesenkt! Du darfst sie nicht ansehen! Wenn du kannst, dann bete mit mir!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht mehr, was ich glauben oder denken sollte. Eigentlich glaubte ich weder an Gott noch an Geister, aber wie sonst sollte man das erklären, was dort über uns tobte? Also kniete ich mich mit Lina in den Schnee und betete. Sie sprach das Vaterunser auf, laut genug, dass ich es verstehen konnte, und ich redete es ihr nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als wir bei „Und führe uns nicht in Versuchung“ angekommen waren, ertönte ein Jagdhorn direkt über uns. Ohne darüber nachzudenken, riss ich den Kopf nach oben. Dort stand ein Reiter mitten in der Luft, er setzte das Horn vom Mund ab, ehe er mir direkt in die Augen starrte. Erst dann erinnerte ich mich daran, dass ich die Geister nicht ansehen durfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße, scheiße, scheiße!“, fluchte ich, während ich den Kopf wieder nach unten riss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann hatte auf mich gezeigt und mit wütender Stimme irgendetwas Unverständliches gebrüllt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hab sie angesehen!“, brüllte ich meiner Verlobten panisch zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie wagte einen flüchtigen Blick nach oben, riss die Augen auf, packte meine Hand und zog mich wieder auf die Füße. „Wir müssen ins Haus! Da sind wir sicher!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir rannten den Hang hinunter. Immer wieder warf ich einen Blick über die Schulter. Inzwischen hatte das Heer, die Wilde Jagd, wie Lina es nannte, seinen Kurs gewechselt. Es war jetzt deutlich näher am Boden – und steuerte direkt auf uns zu. Wir würden es niemals schaffen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich achtete kaum noch auf meine Schritte, stolperte, rutschte und schlitterte fast mehr, als dass ich rannte. Es dauerte nicht lange, bis ich Lina überholt hatte. Während sie am Anfang noch mich mitgezogen hatte, zerrte ich jetzt an ihrem Arm. Doch je schneller ich wurde, desto unvorsichtiger wurde ich auch. Schließlich rutschte ich weg, verlor Linas Hand, überschlug mich, rollte den Hang hinunter, knallte gegen einen Stamm und blieb einige Meter weiter unten im eiskalten Schnee liegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein gesamter Körper schmerzte. Alles drehte sich. Meine Lungen fühlten sich an, als würden sie gleich explodieren, während ich panisch nach Luft schnappte. Doch das hielt mich nicht davon ab, mich aufzurappeln. Ich musste weitermachen, durfte nicht aufgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte es gerade geschafft, mich auf die Knie zu stützen, als sich von hinten etwas auf mich stürzte. Es riss mich wieder zu Boden. Panisch schrie ich auf, schlug um mich und versuchte, mich zu wehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Michelle! Michelle, ich bin‘s!“, kreischte eine genauso panische Stimme über mir. Dann roch ich ihr Parfum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bleib liegen!“, kreischte Lina über den Lärm hinweg, während sie mich fest zu Boden drückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drehte den Kopf zur Seite. Erst jetzt sah ich die Wilde Jagd. Sie preschte über uns hinweg, gerade so weit über dem Boden, dass die Hufe der Pferde uns nicht erwischten. Das Getose war ohrenbetäubend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem kreischte Lina mich weiter an. Ich verstand nicht alles, aber das Wichtigste: „Wenn sie vorbei sind, müssen wir weiter! Sie können nicht ins Haus, wenn alle Fenster und Türen geschlossen sind. Wir &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem plötzlichen Aufschrei verstummte meine Verlobte. Im selben Moment merkte ich, wie das Gewicht von meinem Rücken gerissen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lina?“, kreischte ich. „Linaaa!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie sie von einem Reiter mitgerissen wurde. Demselben Reiter, der mir in die Augen gesehen hatte. Er hatte sie an der Jacke gepackt und auf sein Pferd gehoben. Schnell war sie aus meinem Blickfeld verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lina!“, brüllte ich ihren Namen erneut, doch meine Stimme wurde von dem Bellen eines Hundes wie ein Streichholz im Sand erstickt. Nein! Das durfte nicht sein. Es durfte so nicht zu Ende gehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Geisterarmee über mich hinweg zog, hatte ich mein Gesicht in den Schnee gepresst. Meine fest geschlossenen Augen konnten die Tränen nicht zurückhalten, während ich mir die Hände krampfhaft auf die Ohren presste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder uns wieder hörte ich Linas Schrei in meinem Kopf. Ich sah vor meinem inneren Auge, wie sie von mir weggerissen wurde, mit panisch aufgerissenen Augen ihre Hand nach mir ausstreckte, wie sie in der Ferne kleiner und kleiner wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein. Nein“, murmelte ich weinend vor mich hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir war eiskalt, wie ich im Schnee lag, doch selbst, als die Wilde Jagd vorbeigezogen und auch das letzte Hundegebell verstummt war, schaffte ich es nicht, mich aufzuraffen. Ich hatte keine Kraft dazu, keine Motivation, keinen Antrieb. Ich hatte den Menschen verloren, der mir am wichtigsten im Leben war. Den Menschen, der mir jeden Tag ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Den Menschen, der meinem Leben einen Sinn gegeben hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, ob ich dort gestorben wäre, wenn mein Handy nicht geklingelt hätte, ob ich mich je wieder bewegt hätte. Doch mein Handy klingelte. Wie in Trance holte ich es aus der Tasche. Ich sah den Namen auf dem Display, ohne ihn wahrzunehmen. Erst, als ich das Handy am Ohr hatte und ihre Stimme hörte, realisierte ich, wer mich da anrief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„M-Michelle?“, meldete sich Lina mit zittriger Stimme. „Sie haben mich abgesetzt. Kannst du mich abholen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem mir noch immer alles wehtat, war ich schneller auf den Beinen, als sie mir sagen konnte, wo sie war. Ich rannte nach Hause, stieg ins Auto und fuhr sofort zu ihr. Die Wilde Jagd hatte sie mitten auf einem Feld zurückgelassen, etwa eine Viertelstunde mit dem Auto entfernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich ankam, stand sie bereits am Straßenrand. Sie sah aus, als hätte sie geweint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lina! Schatz!“, rief ich, während ich aus dem Auto sprang. „Alles in Ordnung? Was ist passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie brachte kein Wort heraus. Stattdessen schloss sie mich in die Arme und begann bitterlich zu weinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Körper war eiskalt, also brachte ich sie sofort ins Auto und stellte die Heizung auf die höchste Stufe. Sie redete die gesamte Fahrt über kein einziges Wort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem sind fünf Jahre vergangen. Inzwischen haben wir geheiratet und eine kleine Tochter adoptiert. Lina geht es wieder gut. Trotzdem weiß ich bis heute nicht, was meine Frau in jener Nacht durchmachen musste. Sie kann noch immer nicht darüber reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also habe ich eine Bitte: Mach nicht denselben Fehler wie ich. Wenn du in den Rauhnächten, das sind die Tage zwischen Heiligabend und dem sechsten Januar, seltsame Geräusche aus dem Himmel hört, senk deinen Kopf und bete. Und egal, was du tust, egal, was du auch hörst, sieh niemals in den Himmel. Es könnte die Wilde Jagd sein.</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f-ogo_RGB_HEX-58.png" height="40" width="40" alt="Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter_Social_Icon_Square_Color.png" height="40" width="40" alt="Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wilde Jagd, auch Wildes Heer oder Wütendes Heer genannt, ist eine in Europa, also auch <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutschland</a>, und Teilen Kanadas verbreitete <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a>. Dem Volksglauben nach soll in den Rauhnächten – den Tagen und Nächten vom 25. Dezember bis zum 05. Januar – ein Heer aus Geistern durch den Himmel ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich soll zu dieser Zeit die Welt der Toten der Welt der Lebenden am nächsten sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Beteiligte:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wilde Jagd besteht zum Großteil aus <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geistern</a> von Menschen, die auf nicht-natürliche Weise gestorben sind – Mord, Unfälle, Krankheit etc. Also die Art von Toten, denen man häufig nachsagt, als Geist auf der Erde zu wandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem reiten sie oft auf Pferden und werden von Hunden (meist Jagdhunden) begleitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben den „normalen“ Geistern sollen aber auch einige Sagengestalten wie z. B. der germanische Gott Wotan/Wodan – besser bekannt unter seinem nordgermanischen Namen „Odin“ –, Frau Perchta, Frau Holle oder Frau Harke der Wilden Jagd beiwohnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofern das Heer einen Anführer, Wilder Jäger genannt, hat, soll es oft eine dieser Sagengestalten sein. Besonders Odin wird oft nachgesagt, die Wilde Jagd anzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere häufig genannte Anführer sind ein Schimmelreiter oder der Geist eines Jägers, der das Jagen so geliebt haben soll, dass er zu Karfreitag jagen ging – eine schlimme Sünde. Als Strafe soll er dazu verdammt worden sein, die Wilde Jagd anzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders früher galt das Heer hingegen als führerlos.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wilde Jagd kündigt sich meist durch einen tosenden Lärm an, der aus dem Himmel kommt: das Rasseln von Kette, donnernde Hufe, Gebell, das Gebrüll von Kriegern, Jagd- und Kriegshörner, das Wiehern und Schnauben von Pferden, Knallen von Peitschen und das Gejammer von Geistern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich soll dieser Lärm oft das Einzige sein, was man von dem Wilden Heer mitbekommt. Und das ist wahrscheinlich auch besser so. Die Wilde Jagd zu beobachten soll nämlich ein schlechtes Omen sein: Es bringt Unglück und kündigt Krankheit, Krieg, Dürre oder Tod an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solltet ihr die Wilde Jagd hören, wird empfohlen, sich im Haus zu verstecken und zu beten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Könnt ihr nicht rechtzeitig ins Haus fliehen und ihr seht, wie das Heer durch den Himmel zieht, solltet ihr euch demütig zu Boden werfen, bis es vorübergezogen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf gar keinen Fall solltet ihr das Heer verspotten oder absichtlich versuchen, es zu erspähen. Das könnte die Geister verärgern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selten soll es auch vorkommen, dass die Geisterarmee sich dem Boden nähert und durch die Straßen oder gar durch Häuser reitet. In diesem Fall muss man ausweichen und dem Heer Platz machen, da es sonst die Betroffenen mitreißen soll. Das kann entweder bedeutet, dass man mitsamt Körper mitgerissen und getötet oder erst mehrere Kilometer entfernt wieder abgesetzt wird. In anderen Versionen soll hingegen die Seele der Betroffenen mitgerissen werden, auf ewig dazu verdammt, der Wilden Jagd beizuwohnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um das zu verhindern, muss man in den Häusern bleiben Türen und Fenster fest geschlossen halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wird geraten, in den Rauhnächten keine schwere Arbeit zu verrichten und keine Wäsche zum Trocknen draußen aufzuhängen, da der Tod in dem Stoff hängenbleiben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Wilde Jagd bringt nicht nur Schlechtes. So heiß es, dass die Ernte dort besonders gut ausfällt, wo das Wilde Heer gesehen oder gehört wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man Musik hört, während das Heer über einen hinweg zieht, soll es sogar ein gutes Omen sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt, findet man die Wilde Jagd besonders im Volksglauben weiter Teile Europas. Dort soll sie auch am meisten gesichtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es eine Abwandlung der Legende, die Einwanderer nach Kanada gebracht haben: Dort hat sie sich mit dem indianischen Glauben vermischt, weshalb von einem Kanu die Rede ist, das durch den Himmel fährt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der verbreitete Volksglauben an die Wilde Jagd lässt sich auf das Germanische zurückführen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass die Legende noch älter ist – dafür spricht, dass es sehr alte Sagen über das Wilde Heer gibt, in denen es noch nicht von Wotan/Odin angeführt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entstanden ist die Legende mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Angst vor Winterstürmen. Die angeblich gehörten Stimmen lassen sich mit Tierstimmen und dem Wind, der durch die Wälder, Täler und über die Dächer geheult hat, erklären. Außerdem galten Winterstürme damals als besonders schlimm, da sie – im Gegensatz zu Herbststürmen – nicht nur Wind, sondern auch Kälte mit sich brachten, der schon viele Menschen zum Opfer gefallen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Name „Die Wilde Jagd“ stammt übrigens von den Gebrüdern Grimm, die die Legende behandelt und so den Namen etabliert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Wilden Jagd? Wie würdet ihr euch verhalten, wenn ihr plötzlich Lärm aus dem Himmel hören würdet? Würdet ihr nachsehen wollen? Oder euch verstecken? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-wilde-jagd">Die Wilde Jagd</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/die-wilde-jagd/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Gonger – Er kommt aus dem Meer</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/der-gonger</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/der-gonger#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Nov 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Amrum]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Gonger]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Meer]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Ozean]]></category>
		<category><![CDATA[Sylt]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Wiedergänger]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=1954</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ehe ich jedoch den Anrufverlauf überprüfen konnte, klingelte das Telefon erneut. ‚Kim Handy‘ stand auf dem Display. Ich ging sofort ran.<br />
„Schwesterchen, was ist los?“, fragte ich schnell.<br />
Meine Schwester antwortete mit einem Flüstern: „Marcel. Gott sei Dank! Ich glaube, es ist jemand in meinem Haus. Ich höre Schritte. Scheiße, er kommt her!“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-gonger">Der Gonger – Er kommt aus dem Meer</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a2e6bd7729cf43318716923a4ac10624" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Gonger stammt aus deutschen Legenden von Sylt und Amrum. Wie ihr bei der Geschichte sicher merken werdet, ist sie ruhiger geschrieben, als meine anderen Geschichten. Ich muss gestehen, dass sie mir deutlich schwerer fiel, weil ich darin nicht allzuviel Übung habe, hoffe aber, dass sie euch trotzdem gefällt.</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mitten in der Nacht riss mich ein Klingeln aus dem Schlaf. Es war mein Festnetztelefon. Müde, verwirrt und etwas erschrocken sah ich zur Uhr. 00:04 leuchtete mir die kleine Digitaluhr auf meinem Nachttisch in roten Ziffern entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Wecker hätte mich so schnell aus dem Bett scheuchen können, wie ich heute aufstand. Wer rief mich zu so später Stunde noch an? Mein Handy war nachts ausgeschaltet. Wenn mich jemand um diese Uhrzeit so dringend erreichen wollte, dass er mich über Festnetz anrief, musste es wichtig sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine nackten Füße klatschten über die Fliesen und das Laminat, während ich ins Wohnzimmer hetzte. Genau in dem Moment, in dem ich die Tür aufstieß, hörte das Telefon auf zu klingeln. Ich konnte gerade noch sehen, wie das Displaylicht erlosch, als ich es erreichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dunkeln griff ich blind nach dem Telefon. Das Licht einzuschalten hatte ich in der Aufregung vergessen. Meine Hand verfehlte das Telefon knapp, weshalb ich es fast von der Ladestation stieß. Im letzten Moment konnte ich es noch packen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich jedoch den Anrufverlauf überprüfen konnte, klingelte das Telefon erneut. ‚Kim Handy‘ stand auf dem Display. Ich ging sofort ran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schwesterchen, was ist los?“, fragte ich schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Schwester antwortete mit einem Flüstern: „Marcel. Gott sei Dank! Ich glaube, es ist jemand in meinem Haus. Ich höre Schritte. Scheiße, er kommt her!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens jetzt war ich hellwach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Versteck dich! Ich komme rüber!“, rief ich ins Telefon, während ich bereits auf dem Weg zum Flur war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schlüpfte in meine Schuhe, griff nach meinem Schlüsselbund, an dem auch der Schlüssel für Kims Haustür war, und rannte im Schlafanzug nach draußen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kalte Novemberluft schlug mir wie ein Schwall Eiswasser entgegen. Ich ignorierte es und rannte los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nebel hatte sich wie ein weißes Tuch über die Küste gelegt und hüllte Sylt in eine Kulisse, die einem Horrorfilm glich. Sogar das vertraute Rauschen der Wellen und des Windes hatten heute etwas Unheimliches an sich. Es erinnerte mich an ein Geflüster in irgendeiner uralten, längst vergessenen Sprache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Haus meiner Schwester stand nur einige Häuser weiter. Ich brauchte keine Minute zu ihr, wenn ich gemächlich ging. Heute war ich in wenigen Sekunden da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg zur Haustür fiel mir eine nasse Spur am Boden ins Auge. Es hatte in letzter Zeit nicht geregnet und trotzdem war der Boden hier klitschnass. Die Spur glänzte im schwachen Licht der Straßenlaternen, sodass ich ihr leicht folgen konnte. Sie führte direkt in den Garten – zu Kims nicht verschlossener Hintertür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich entschied, dass dies weder der richtige Zeitpunkt war, sich über das Wasser Gedanken zu machen noch darüber, wie oft ich Kim schon gesagt hatte, dass sie die Hintertür abschließen solle. Stattdessen schnappte ich mir einen Spaten, der am Gartenschuppen lehnte und folgte der nassen Spur ins Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Haus war es stockdunkel. Mir schlug sofort der vertraute Geruch nach altem Papier entgegen, der meine Schwester und ihr Haus umgab. Auch wenn er heute nicht die gewohnte Ruhe ausstrahlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Wohnzimmer und Flur brannte kein einziges Licht. Um den Einbrecher nicht auf mich aufmerksam zu machen, beließ ich es dabei. Also tastete ich mich, so leise ich konnte, an der Wand entlang Richtung Kims Schlafzimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich mich näherte, sah ich, dass durch die offene Tür ein schwaches Licht drang. Von der Helligkeit her tippte ich auf die Nachttischlampe. Bei der Tür angekommen, bestätigte sich meine Vermutung, auch wenn die Lampe das letzte war, auf das ich jetzt achtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitten im Raum stand ein fremder Mann. Er trug altmodische Kleidung, die vor Nässe tropfte, und eine braune Lederjacke. Sein schwarzes Haar klebte als wirre Frisur nass an seinem Kopf und seine Haut hatte eine ungesunde, fast weiße Farbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann bemerkte ich Kim. Sie saß auf dem Bett und sah den Mann mit großen Augen an. Hätte ich mir einen Moment Zeit genommen, sie genauer zu betrachten, wäre mir wohl aufgefallen, dass keinerlei Furcht in ihren Augen lag, sondern bloß eine tiefe Besorgnis. Doch ich achtete nicht darauf. Das Wichtigste war, dass es ihr gut ging und sie sich in Sicherheit befand. Für Letzteres würde ich sorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leise wie eine Katze trat ich aus dem Flur. Ich hob den Spaten, um damit auf den Eindringling loszugehen, und machte bereits einen Satz auf ihn zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Marcel! Stopp! Fass ihn nicht an!“, schrie Kim, als sie mich bemerkte. Ihre Tonlage klang, als hätte sie Angst um den Mann – oder besser gesagt um mich, wie ich später herausfinden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stoppte in der Bewegung, konnte den Spaten gerade noch anhalten, bevor er den Mann am Kopf traf, und starrte Kim verwirrt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann hingegen hatte sich keinen Zentimeter bewegt. Er drehte nicht einmal seinen Kopf zu mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich muss mit dir reden“, sagte Kim ruhig. Sie klopfte auf das Bett neben sich, damit ich mich zu ihr setzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb reglos stehen, zu verwirrt, um zu reagieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Marcel, bitte. Der Mann ist &#8230;“, sie zögerte, „Verwandtschaft.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Verwirrung wich Unglauben. Es reichte aber, damit ich den Spaten senkte. Kim und ich hatten keine Verwandten. Seit dem Tod unserer Eltern, als ich gerade erwachsen und Kim eine Jugendliche war, hatten wir niemanden mehr – oder etwa doch?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wortlos ging ich zu ihr. Den Spaten behielt ich in der Hand, während ich mich setzte. Dann betrachtete ich den Mann mit gerunzelter Stirn. Er war etwa in meinem Alter. Vielleicht ein Bruder oder Cousin, von dem wir nichts wussten? Oder ein entfernterer Verwandter vom Festland?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was mir außerdem sofort auffiel, jetzt, wo ich ihn von vorne sah, waren seine Augen. Sie waren bleich, fast völlig farblos. War der Mann blind? Das würde zumindest erklären, wieso er sich so gut im Dunkeln zurechtgefunden hatte, ohne das Haus zu kennen. Auch erklärte es, wieso er mich nicht angesehen hatte. Was es hingegen nicht erklärte, war, wieso er völlig durchnässt war – auf dem Teppich hatte sich bereits eine große Pfütze gebildet –, es ihn aber überhaupt nicht zu stören schien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„H-hallo?“, versuchte ich es unsicher. „Ich bin Marcel.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hilfesuchend sah ich zu Kim. Mir fiel auf, dass sie unruhig hin und her rutschte. Das tat sie sonst nur, wenn sie nervös war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie räusperte sich. „Du kennst doch noch die alten Legenden, von denen Mama uns früher immer erzählt hat“, begann sie. „Erinnerst du dich zufällig noch an die Gonger?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du meinst doch nicht &#8230;?“ Ich glotzte sie mit offenem Mund an. Das konnte nicht ihr Ernst sein. Gonger waren Untote – Zombies, wenn man so will. Sie waren ein Märchen. Eine Gruselgeschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach kehrten Seeleute als Gonger zurück, wenn sie auf hoher See ertranken und ihre Leichen nicht gefunden wurden. Sie stiegen nachts aus dem Meer und suchten ihre Nachfahren heim. Aber sie konnten unmöglich echt sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich weiß, was du jetzt sagen willst“, unterbrach meine Schwester den Schwall an Gedanken, der mir durch den Kopf flutete. „Aber sieh ihn dir doch an. Die nasse Kleidung, die bleiche Haut, die Augen &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte energisch den Kopf. „Das ist doch bloß ein Kostüm!“ Wütend stand ich auf, den Spaten wieder fest in beiden Händen. „Was wollen Sie? Sind Sie ein Perverser? Macht es Ihnen Spaß, Frauen beim Schlafen zu beobachten?“, fuhr ich ihn an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann rührte sich nicht. Er stand bloß da – auch wenn er mich jetzt mit seinen kalten, farblosen Augen musterte. Er war also nicht blind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hören Sie mir mal zu &#8230;!“, begann ich, während ich nach seinem Kragen griff. Ehe ich jedoch zupacken konnte, ging Kim wieder dazwischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Marcel! Lass es! Fass ihn nicht an!“, kreischte sie hysterisch. „Gonger sind Wiedergänger. Hast du das etwa vergessen?! Wenn du ihn berührst, stirbst du!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wirkte. Wie hatte Mama gesagt? Wenn man einen Wiedergänger anfasst, entzieht er einem die Lebensenergie. Er macht es nicht mit Absicht, aber man wurde todkrank. Zumindest, wenn man nicht das Glück hatte, dass einem bloß die Hand abfaulte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar glaubte ich noch immer nicht daran, dass der Mann ein Gonger war, aber war ich bereit, dafür mein Leben zu riskieren? Immerhin war es schon seltsam, dass er klitschnass in ihrem Haus auftauchte. Obwohl es arschkalt draußen war, zitterte er nicht einmal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also zog ich meine Hand zurück und schob stattdessen den Spaten vor. Ich drückte dem Mann das Metall mit der dünnen Kante an den bleichen Hals.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bitte Sie jetzt nur einmal darum: Gehen Sie oder ich rufe die Polizei!“, sagte ich mit fester Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinter mir seufzte Kim laut. „Bruderherz, bitte lass den Quatsch. Ich finde es wirklich lieb, dass du mich beschützen willst, aber wenn wir ihn nicht anfassen, sind wir nicht in Gefahr.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schnaubte verächtlich. „Ja, klar“, sagte ich sarkastisch. „Weil der Mann ein Gonger ist? Verdammt, es gibt keine Gonger!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sieh dir den Mann noch einmal genau an. Und dann sagst du mir, wie du dich dabei fühlst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zögerte, tat dann aber wie geheißen. Ich musterte den Mann von Kopf bis Fuß und Fuß bis Kopf, bis mein Blick wieder an seinen toten Augen hängenblieb. Normalerweise hätte ich wütend sein müssen. Vielleicht auch ängstlich oder angeekelt. Aber ich fühlte mich einfach nur traurig. Ich meine damit kein Mitleid, sondern eine tiefe, einschneidende Traurigkeit – genau wie Mama es in ihren Märchen beschrieben hatte. ‚<em>Gonger strahlen eine unerklärliche Traurigkeit aus</em>‘, hörte ich ihre Stimme in meinem Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsicher ließ ich den Spaten sinken. Aber das &#8230; Das war unmöglich. Dieser Mann, dieses Ding vor mir, es war tatsächlich ein Gonger. Ich spürte es.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich den Schock überwunden hatte, überlegten wir, was wir mit dem Gonger tun sollten. Wenn die Legenden stimmten, wäre heute nicht der letzte Tag, an dem er uns besuchen kommt. Um genau zu sein, würde er fortan jede Nacht bei uns auftauchen. So lange, bis wir herausgefunden haben, wer er zu Lebzeiten war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenigstens wussten wir, dass er ein Vorfahre von uns sein musste. Immerhin suchten Gonger nur ihre Nachfahren heim. Außerdem hieß es, dass sie oft erst zwei oder drei Generationen nach ihrem Tod auftauchten. Wenn das stimmte, musste er also unser Uropa oder Ururopa sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht fragt ihr euch jetzt, wie wir herausfinden sollten, wer er war, wenn wir keine Familie mehr hatten, die wir fragen konnten. Aber Kim und ich hatten einen entscheidenden Vorteil: Seit dem Tod unserer Eltern erforschte meine Schwester unseren Stammbaum, in der Hoffnung, irgendwo noch lebende Verwandte zu finden. Sie hatte über die Jahre viele Unterlagen gesammelt. Bis auf drei Personen – zwei Ururgroßmütter und einem Ururgroßvater – kannte sie den gesamten Stammbaum der letzten vier Generationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kim stand sofort auf, um ihre Aufzeichnungen zu holen. Sie ließ mich einen Moment mit dem Gonger allein. Ich musterte ihn, während ich wartete. Wie er so reglos dastand, sah er tatsächlich aus wie eine Leiche. Lediglich seine Augen verrieten, dass er noch nicht 100%ig tot war. Nicht nur, weil sie sich ab und an bewegten, sondern auch, weil diese tiefe Traurigkeit in ihnen lag. Sie sahen aus, als gehörten sie einem Menschen, der aufgegeben hatte. Voller Schmerz und Leid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich mich in meinen Gedanken verlieren konnte, ertönte ein Drucker aus Kims Arbeitszimmer. Kurz darauf kam sie mit einem frisch gedruckten Stammbaum zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Plan war simpel: Kim las die Namen vor, während ich auf jede noch so kleine Reaktion des Gongers achtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten – wie jeder Mensch – vier leibliche Urgroßväter und acht Ururgroßväter. Einer von ihnen war unbekannt. Also hatten wir elf Namen. Elf Versuche, dem Gonger seinen lang ersehnten Frieden zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Johann Fischer. Gustav Hansen. Richard Baggendorf“, las Kim langsam vor. Sie machte nach jedem Namen eine kurze Pause, doch der Gonger zeigte keine Reaktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem sechsten Namen bekam ich erste Zweifel. Und auch Kim warf dem fremden Mann in ihrem Schlafzimmer nach jedem weiteren Namen nervösere Blicke zu. Er blieb reglos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie schließlich den elften und letzten Namen vorlas, geschah &#8230; nichts. Der Gonger hatte bei keinem einzigen Namen auch nur gezuckt oder irgendwelche Emotionen gezeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ratlos sahen wir einander an, bis Kim schließlich die Stimme erhob. Sie sprach aber nicht zu mir, sondern zu dem Gonger. „Entschuldigen Sie, mein Herr. Ich weiß, wir waren heute keine Hilfe, aber ich verspreche Ihnen, dass wir herausfinden werden, wer Sie sind. Schließlich sind wir Familie. Wir helfen einander. Kommen Sie in einer Woche zurück, dann wissen wir vielleicht mehr.“ Sie lächelte schüchtern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gonger musterte sie. Fast hätte ich damit gerechnet, dass er nickte und sich umdrehte. Aber natürlich blieb er stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kim ignorierte ihn. Stattdessen erklärte sie mir ihren Plan: Wir beide würden uns die nächsten Tage zusammensetzen, um mehr über unsere Ahnen herauszufinden. Sie vermutete, dass es nicht reichte, stumpf die Namen zu sagen. Wir mussten herausfinden, wer der Gonger war, ihm sagen, wie er gestorben war, vielleicht sogar, wie er gelebt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gab es auch die Möglichkeit, dass er unser unbekannter Ururopa war – der einzige Mann der letzten vier Generationen, über den Kim in fast zehn Jahren Recherche nichts herausfinden konnte. Aber über diese Möglichkeit wollten wir lieber nicht nachdenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als alles geklärt war – der Gonger stand noch immer reglos im Zimmer – schickte Kim mich ins Bett. Ich protestierte, muss aber gestehen, dass ich ziemlich müde war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du musst ausgeschlafen sein, wenn wir die Unterlagen durchgehen“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hatte sie recht. Wenigstens erlaubte sie mir, im Gästezimmer zu schlafen. Auch wenn von dem Gonger keine Gefahr auszugehen schien, wollte ich sie mit diesem Ding im Haus auf keinen Fall allein lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen wurde ich von Kim geweckt. Der Gonger war weg, also machten wir uns sofort an die Arbeit. Wir hatten genau eine Woche für unsere Recherche Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam durchforsteten wir die Dokumente und Unterlagen, die Kim über die Jahre gesammelt hatte. Es war eine beachtliche Sammlung aus handschriftlichen Notizen, Briefen, Zeitungsartikeln, Logbüchern, Sterbeurkunden und sogar einem Tagebuch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da das meiste jedoch völlig unsortiert war, verschwendeten wir zwei ganze Tage nur mit Sortieren. Dann begann die richtige Arbeit. Kim nahm sich die väterliche Seite vor, ich mir die mütterliche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu unserer Überraschung fanden wir recht schnell heraus, dass es nur eine einzige Person in unserer Familie gab, die auf dem Meer verschollen war: August Seemann. Die Tode unserer Vorfahren waren erstaunlich gut dokumentiert. Ein Zweiter war zwar ertrunken, aber seine Leiche konnte geborgen werden. Er kam als Gonger also nicht in Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit unserer Recherche waren wir nach nur fünf Tagen fertig. Wenn wir recht behalten sollten, gab es nur eine einzige Möglichkeit, wer der Gonger sein konnte – zumindest wenn man den unbekannten Ururopa nicht bedachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gähnend erhob ich mich aus dem Stuhl. „Alles klar, Schwesterchen. Dann mach ich mich mal auf den Heimweg. Wir haben noch zwei Tage, bis August zurückkommt“, sagte ich zuversichtlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie räusperte ich. „Warte!“ Ich sah, wie die auf ihrem Stuhl hin und her rutsche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, fragte ich misstrauisch. Ich merkte sofort, dass sie mir etwas verheimlicht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja. Du weißt doch, wie ich den Gonger aufgefordert habe, erst nach einer Woche wiederzukommen“, sagte sie kleinlaut. „Er hat sich nicht dran gehalten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was!?“, fuhr ich sie an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er war seitdem jede Nacht hier“, gestand sie. Sie traute sich kaum, mir in die Augen zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber &#8230; Wieso hast du denn nichts gesagt?“, fragte ich. Kim wusste doch, dass sie mir <em>alles</em> sagen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich &#8230;“ Kim schluckte. „Ich wollte nicht, dass du herkommst. Wenn du weit genug von ihm weg bist, kannst du ihn nicht aus Versehen berühren. So warst du in Sicherheit.“ Tränen stiegen ihr in die Augen. „Ich kann dich nicht auch noch verlieren!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Heee“, sagte ich. Ich war sofort bei ihr und nahm sie fest in den Arm. Sie verbarg ihr Gesicht in meinem Pulli.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich machte auch ich mir Sorgen um sie. In meinem Kopf zeichneten sich Bilder ab, wie der Gonger sie versehentlich berührte. Kim hätte in den vergangenen Nächten sterben können. Ich hätte nicht einmal gewusst, was passiert war. Trotzdem schob ich meine Ängste beiseite, um beruhigend auf sie einzureden. „Du wirst mich nicht verlieren, verstanden? Pass auf, wir warten jetzt gemeinsam, bis der Gonger auftaucht. Dann können wir August von seinem Leben erzählen und der Spuk hat endlich ein Ende.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau das taten wir. Zum Glück war es schon spät, weshalb wir nicht lange warten mussten, aber es verging genug Zeit, damit Kim einschlief. Ich dachte darüber nach, wie viel sie wohl die letzten Nächte geschlafen hatte. Sie musste eine riesen Angst gehabt haben, wenn der Gonger bei ihr im Haus war. Und dann war da noch die Zeit, die sie wach war, um heimlich den Boden zu trocknen und die Wasserspur aufzuwischen &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein schmatzendes Geräusch von draußen riss mich aus den Gedanken. Erst war es sehr leise, aber es kam schnell näher: schmatzende Schritte von nassen Schuhen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kim! Hey Kim!“, weckte ich meine Schwester.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie blinzelte mich müde an, dann hörte sie es auch. Sofort saß sie kerzengerade auf ihrem Sessel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Quietschen öffnete sich die Hintertür. Der Gonger trat ein, als gehöre das Haus ihm. Er sah sich mit seinen bleichen Augen kurz um, bevor er zu uns ins Wohnzimmer kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Abend“, begrüßte ich ihn. Ich zwang mich dazu, möglichst freundlich zu lächeln. „Bist du August Seemann? Der Seefahrer?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sah mich an, zeigte ansonsten jedoch keine Reaktion. Aber er hatte ja auch letztes Mal schon nicht reagiert, als wir ihm bloß den Namen genannt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kim und ich gaben unser bestes, das Leben und den Tod von August Seemann chronologisch darzustellen. Er war auf einer christlichen Schule gewesen. Seine Eltern waren streng, aber er hatte sie trotzdem sehr geliebt. Mit 19 hatte er schließlich seine zukünftige Frau kennengelernt, die er mit 22 heiratete. Sie hatten eine gemeinsame Tochter, die er jedoch nicht aufwachsen sah, weil er mit 28, als seine Tochter 4 Jahre alt war, auf hoher See verschwand. Seine Leiche wurde nie geborgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah den Gonger erwartungsvoll an. Irgendetwas musste er doch tun. Aber er bewegte sich keinen Zentimeter. Das hieß &#8230;: Er war nicht August Seemann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wut kochte in mir hoch. Vor meinem inneren Auge malten sich Bilder aus, wie Kim verängstigt im Bett saß und den Gonger beobachtete, der in ihrem Zimmer stand. Nacht für Nacht würde sie dasselbe erleben. Als ich es nicht länger aushielt, sprang ich auf. „Das ist doch alles Scheiße!“, fluchte ich. „Kannst du nicht jemand anderen heimsuchen? Wir haben alles versucht. Wir wissen nicht, wer du bist! Verschwinde einfach!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch darauf reagierte der Gonger nicht. Natürlich reagierte er nicht! Ich begann langsam daran zu zweifeln, ob er überhaupt unsere Sprache sprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kim war inzwischen ebenfalls aufgestanden. Sie legte mir beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Hey, wir schaffen das schon irgendwie. Wir setzen uns morgen wieder hin und gehen die Unterlagen noch einmal komplett durch. Vielleicht finden wir ja doch irgendeinen Hinweis aus unseren fehlenden Ururopa.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und wenn er das gar nicht ist?“, fragte ich noch immer aufgebracht. „Wer sagt dir, dass er nicht bloß irgendeine Affäre war. Dann werden wir seinen Namen nie herausfinden!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kim starrte mich mit offenem Mund an. Zuerst dachte ich, sie sei verwundert, weil sie Pessimismus von mir nicht gewohnt war, doch dann fiel sie mir plötzlich um den Hals. „Marcel, du bist genial!“, rief sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während sie ins Arbeitszimmer rannte, starrte ich ihr ungläubig nach. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Es dauerte nicht lange, bis sie mit einem alten Buch in den Händen zurückkam, das aussah, als würde es jeden Moment auseinanderfallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist das Tagebuch von Margarete Fischer, unserer Ururoma“, erklärte sie. „Ich habe es nicht weiter beachtet, weil ihr Mann, Johann Fischer, an Altersschwäche gestorben ist, aber es gab da noch jemand anderen: einen Jugendfreund namens Kurt Andersen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau in dem Moment, als Kim den Namen aussprach, fixierte der Gonger sie mit seinen Augen. Er gab ein leises Röcheln von sich, als versuche er zu seufzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kurt Andersen war ein Jugendfreund“, wiederholte Kim. „Aber sie waren auch im Erwachsenenalter noch gut befreundet gewesen. Sogar, als Margarete schon verheiratet war. In dem Tagebuch steht zwar nichts von einer Affäre, aber vielleicht hatte sie es bloß nicht erwähnt, aus Angst, dass ihr Mann es lesen könnte. Denn was es auch war, eine Freundschaft oder Beziehung, so wie sie von Kurt schreibt, muss sie ihn sehr geliebt haben. Nachdem sein Schiff mit ihm und seiner gesamten Crew auf hoher See verschollen war, hatte sie lange getrauert.“ Jetzt sah sie dem Gonger fest in die Augen. „Seid ihr &#8230; Bist du Kapitän Kurt Andersen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gonger verzog das Gesicht. Es sah fast aus wie ein Lächeln. Dann schloss er die Augen, als würde er Margarete und seiner Mannschaft für einen Moment gedenken. Als er sie wieder öffnete, lag noch immer diese Traurigkeit in ihnen, aber da war noch etwas anderes. Ein Gefühl, dass er seit Ewigkeiten nicht mehr gefühlt hatte: Dankbarkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich war es unmöglich, zu sagen, bei all dem Wasser, das noch immer aus seinen Haaren tropfte, aber ich glaubte sogar, eine Träne zu sehen, die sich aus seinem Auge löste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig tat er einige Schritte auf Kim zu. Ich war so gebannt von der Veränderung, dass ich zu spät reagierte, als er seine Hand hob. Zum Glück war Kim schneller.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! Nein, nicht!“, sagte sie schnell, während sie sich an die Rückenlehne presste, weg von der erhobenen Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gonger zog seine Hand sofort zurück. Seine Finger waren nur wenige Millimeter von Kims Schulter entfernt gewesen. Sie entging ihrem Tod im wahrsten Sinne des Wortes um eine Haaresbreite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz gewann die Traurigkeit in Kurt Andersens Augen wieder die Oberhand, doch sie machte schnell wieder Dankbarkeit Platz. Vorsichtig trat er einen Schritt zurück, um etwas Abstand zwischen sich und Kim zu bringen. Er nickte ihr kurz zu, sah sie ein letztes Mal mit seinen bleichen Augen an, drehte sich zur Tür und verschwand nach draußen in die Dunkelheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war das letzte Mal, dass wir Kurt Andersen gesehen haben. Aber ich denke noch oft an ihn. Damals war ich noch hauptsächlich verwirrt oder wütend, aber inzwischen bin ich glücklich. Wir hatten seiner ruhelosen Seele geholfen, endlich Frieden zu finden.</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f-ogo_RGB_HEX-58.png" height="40" width="40" alt="Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter_Social_Icon_Square_Color.png" height="40" width="40" alt="Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gonger (im Plural auch „Gongers“) sind Wiedergänger des nordfriesischen Volksglaubens. Sie steigen nachts aus ihren Gräbern oder dem Ozean, um die Lebenden heimzusuchen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als Wiedergänger sind Gonger keine Geister, sondern Untote. Sie besitzen also einen Körper. Aus diesem Grund tragen sie die Kleidung, in der sie gestorben sind oder beerdigt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Handelt es sich um Ertrunkene, die im Meer verschollen sind, sollen sie außerdem nass vom Meerwasser sein, aus dem sie nachts steigen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründe, wieso ein verstorbener Mensch als Gonger zurückkehrt, können sich stark unterscheiden. Zum Beispiel kann es daran liegen, dass er nicht fachgerecht bestattet wurde, er ermordet wurde oder er im Leben gesündigt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wird ertrunkenen Seemännern, deren Leichen nicht geborgen wurden, sie also nicht beerdigt werden konnten, oft nachgesagt, als Gonger zurückzukehren. Aber auch Selbstmörder, Gotteslästerer, Ungläubige und andere Sünder sollen nach ihrem Tod als Strafe Gottes zu einem Dasein als Gonger verdammt worden sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sich ein Gonger verhält, hängt stark davon ab, aus welchem Grund er untot auf der Erde wandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn der Leichnam falsch bestattet wurde, versucht der Gonger darauf aufmerksam zu machen, damit die Beerdigung im Nachhinein berichtigt werden kann und er seine Ruhe findet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Handelt es sich bei ihm um einen Unschuldigen, der ermordet wurde, kommt er zurück, um sich für seinen Tod zu rächen. Manchmal rächen Gonger sich jedoch nicht bei ihrem Mörder selbst, sondern erst bei dessen Nachkommen. So kann die Familie eines Mörders auch zwei oder drei Generationen später noch in Gefahr sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierbei töten die Gonger ihre Opfer meist durch eine Berührung – denn wie auch bei anderen Wiedergängern, entzieht ihre Berührung den Lebenden die Lebensenergie. Wenn man einem Gonger die Hand schüttelt, soll die eigene Hand schwarz werden und abfallen, weil sie augenblicklich verbrennt oder verfault. Was eine solche Berührung am Hals, der Brust oder dem Kopf verursachen würde, kann sich wohl jeder selbst ausmalen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wohl bekannteste Art der Gonger sind hingegen ertrunkene Seeleute. Sie kehren zu ihrer Familie zurück oder besuchen ihre Nachfahren, um ihnen so ihren Tod mitzuteilen. Sie steigen nachts aus dem Meer, gehen zum Haus ihrer Verwandten, wo sie – falls es noch an ist – das Licht löschen und sich zu einem Lebenden auf die Bettdecke legen. Am nächsten Morgen findet man bloß die von Salzwasser Getränke Bettdecke und manchmal nasse Fußabdrücke am Boden vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei näheren Verwandten wie dem Ehepartner, den Eltern oder den Kindern ist der Spuk schnell vorbei: Es reicht aus, wenn sie verstehen, dass der Seemann tot ist und nicht mehr zurückkommen wird, damit der Gonger seine Ruhe findet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwieriger wird es hingegen, wenn er sich erst seinen Nachfahren zeigt, denn die Gonger warten manchmal zwei oder drei Generationen, bevor sie aus dem Meer steigen. In diesem Fall müssen die Betroffenen in der Vergangenheit ihrer Familie forschen und herausfinden, wer der Verstorbene war. Erst, wenn sie seinem Tod gedenken, hört der Gonger auf, sie nachts zu besuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Eigenschaft dieser Art von Gonger ist die Traurigkeit, die sie ausstrahlen. Es heißt, dass man sich grundlos traurig fühlt, wenn man sich in ihrer Nähe aufhält.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sagen um die Gonger sind hauptsächlich auf den norddeutschen Inseln Sylt und Amrum verbreitet. Daher sollen sie auch hauptsächlich dort vorkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprung:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bei den meisten deutschen Legenden findet man im Internet nicht allzu viele Informationen zu den Gonger. Den genauen Ursprung habe ich daher nicht herausfinden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Legenden um Wiedergänger in Deutschland jedoch sehr verbreitet waren, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Gonger-Legende durch die Geschichten der anderen Wiedergänger vom Festland auf die Inseln gelangt ist und sich dort verbreitet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Was haltet ihr von den Gonger? Wie würdet ihr reagieren, wenn plötzlich ein fremder Mann völlig durchnässt in eurem Schlafzimmer auftaucht? Schreibt es in die Kommentare! (Außerdem würde mich ein kurzes Feedback freuen, wie ihr die Geschichte fandet. Seid bitte ehrlich: Ist sie stellenweise langweilig/zu langatmig? ^^&#8216;)</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</strong></em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-gonger">Der Gonger – Er kommt aus dem Meer</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/der-gonger/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>5</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Nöck</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/der-noeck</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/der-noeck#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 May 2021 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Seeungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Neck]]></category>
		<category><![CDATA[Nickert]]></category>
		<category><![CDATA[Nix]]></category>
		<category><![CDATA[Nixe]]></category>
		<category><![CDATA[Nixen]]></category>
		<category><![CDATA[Nöck]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=1791</guid>

					<description><![CDATA[<p>Plötzlich war ein leises Plätschern aus dem Wasser vor uns zu hören.<br />
Noch ehe ich meine Augen öffnen konnte, schrie Mama auf. „Hey! Wir angeln hier. Sie können hier nicht schwimmen!“<br />
Als ich den Mann im Wasser sah, sprang ich auf. Wo war er hergekommen? Wir konnten fast den ganzen See überblicken. Wieso war uns der Mann jetzt erst aufgefallen, als er in der Mitte des Sees war?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-noeck">Der Nöck</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9ab7402ef0fb47ca9515de3dcd00f12f" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Ein Nöck ist eine männliche Nixe. Wie bei meinem Beitrag über <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-nixen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die Nixen</a> versprochen, habe ich dem Nöck einen eigenen Beitrag gewidmet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schweigend saß Mama neben mir. Wir hatten seit fast zwei Stunden kein Wort mehr miteinander gesprochen. Stattdessen blickten wir gedankenverloren über den See, der vor uns lag, und lauschten den Vögeln und dem Rauschen der Bäume, die sich sanft im Wind wiegten. Aber bitte denkt jetzt nicht, dass unser langes Schweigen ungewöhnlich sei. Schließlich musste man beim Angeln leise sein, um die Fische nicht zu verscheuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute schien das Anglerglück jedoch nicht auf unserer Seite zu sein. Seit wir hier saßen, hatten wir gerade einmal einen einzigen Fisch gefangen. Das war das Risiko, wenn man in unbekannten Gewässern fischte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ließen Mama und ich uns unser Angelwochenende dadurch nicht versauen. Wir liebten das Angeln, egal, ob wir viel fingen oder nicht. Schlechte Tage gehörten einfach dazu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht würden wir uns morgen nach einem neuen Gewässer umsehen, aber für heute würden wir hierbleiben, an diesem idyllischen See, umgeben von unberührter Natur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lehnte mich für einen Moment zurück, schloss die Augen und atmete die frische Waldluft tief ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich war ein leises Plätschern aus dem Wasser vor uns zu hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ehe ich meine Augen öffnen konnte, schrie Mama auf. „Hey! Wir angeln hier. Sie können hier nicht schwimmen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich den Mann im Wasser sah, sprang ich auf. Wo war er hergekommen? Wir konnten fast den ganzen See überblicken. Wieso war uns der Mann jetzt erst aufgefallen, als er in der Mitte des Sees war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann hingegen ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Er hob entschuldigend einen Arm. „Oh, Verzeihung. Wartet, ich komme rüber.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann schwamm er ans Seeufer weiter links, wo er zwischen einigen Schilfen verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist der bekloppt?“, fragte ich. „Er muss uns doch gesehen haben. Bestimmt hat er alle Fische vertrieben!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, Jannik, lass nur. Guck mal, da kommt er schon.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatte recht. Der Mann trug ein lockeres, beiges Oberteil und eine braune Stoffhose, als er mit einer kleinen Harfe in den Händen barfuß auf uns zu schlenderte. Seine Kleidung tropfte an den Ärmeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama stand sofort auf. „Entschuldigen Sie. Ich wollte Sie nicht anfahren. Ich habe mich bloß so erschrocken, als ich Sie gesehen habe. Wissen Sie, man hat uns gesagt, dass das hier ein Angelsee sei.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, nein. Es gibt hier viele Angelseen, aber dieser See gehört mir“, erwiderte er mit einem herzlichen Lächeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„P-Privatbesitz?“, stammelte Mama. „Tut uns wirklich leid, das wussten wir nicht.“ Sie machte sich daran, ihre Angel einzuholen, und deutete mir an, dasselbe mit meiner zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wartet. Bitte“, hielt der Mann uns auf. „Ihr könnt hier gerne angeln. Wisst ihr, es ist schön, etwas Gesellschaft zu haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gesellschaft? Der Mann kam doch sicher nicht so weit raus in die Natur, weil er gerne Gesellschaft hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama schien sich keine Gedanken darüber zu machen. „Danke, sehr freundlich“, sagte sie. Dann fiel ihr Blick auf seine Harfe. „Sind Sie Musiker?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, das nicht. Aber ich spiele ganz gerne mal ein, zwei Noten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne auf eine Aufforderung zu warten, begann er an den Saiten zu zupfen. Eine liebliche Melodie erklang. Sie hallte über den gesamten See.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lassen Sie das! Sie verscheuchen noch die ganzen Fische!“, protestierte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama warf mir einen giftigen Blick zu, als wolle sie mir sagen: ‚Der Mann lässt uns in seinem See angeln, also zeig ihm gefälligst etwas Respekt.‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rollte mit den Augen, während ich mich genervt in meinen Stuhl fallen ließ. Es gefiel mir nicht, dass unser Angelausflug eine solche Wendung nahm. Ich wollte doch bloß in Ruhe angeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, keine Sorge, mein Junge. Meine Musik wird die Fische schon nicht stören“, sagte der Mann mit einem liebevollen, fast väterlichen Tonfall. Was glaubte er eigentlich, wer er ist?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ehe ich zu einer schnippischen Antwort ansetzen konnte, fiel mein Blick auf meine Angel. Sie zuckte leicht. Ungläubig sprang ich auf. Tatsächlich. Es hatte ein Fisch angebissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das war nicht alles: Noch ehe ich den Fisch eingeholt hatte, fing auch Mamas Angel an zu zucken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich warf dem Mann, der noch immer seine Harfe spielte, einen ungläubigen Blick zu. Er zwinkerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und es sollte nicht bei den beiden Fischen bleiben. In der nächsten Stunde fingen wir über zehn weitere Fische, während der Mann die ganze Zeit spielte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine anfängliche Begeisterung hatte sich inzwischen zu Unbehagen gewandelt. Ich sah den Mann misstrauisch an. Hatte er etwas damit zu tun?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was soll ich sagen? Die Fische lieben meine Musik“, scherzte er – zumindest hoffte ich, dass es ein Scherz war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das kann man aber auch verstehen. Sie können so wunderbar spielen“, lobte Mama ihn. Kam ihr das gar nicht komisch vor?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, bitte. Bei solch einem tollen und attraktiven Publikum muss man sich doch inspiriert fühlen“, schleimte der Mann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama lachte, als fühle sie sich geschmeichelt. Flirteten die beiden gerade miteinander?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir haben genug Fisch“, erklärte ich. „Die Kühlbox ist randvoll.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama sah erst überrascht mich, dann die Kühlbox an. „Mein Sohn hat recht. Das reicht wohl für heute“, stimmte sie zu. „Aber vielleicht können wir ja morgen wiederkommen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich machte große Augen. „Nein Mama, ich meinte, der Fisch reicht wohl fürs ganze Wochenende.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt warf Mama mir einen leicht genervten Blick zu. „Beachten Sie ihn gar nicht. Wir haben einen netten Mann gefunden, der uns die Fische abkauft. Wenn Sie die Gesellschaft mögen, kommen wir also gerne wieder.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso sagte sie ihm das? Fisch ohne Genehmigung zu verkaufen war nicht erlaubt. Und jetzt erzählte sie einem wildfremden Mann davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann lachte bloß. „Keine Sorge. Euer Geheimnis ist bei mir sicher.“ Wieder zwinkerte er mir zu. „Ich würde mich freuen, wenn ihr Morgen wiederkommt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama strahlte. Dann verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Rückweg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir einige Minuten gegangen waren, erhob ich schließlich das Wort. „Willst du wirklich morgen wieder dahingehen? Irgendwie war mir der Mann unheimlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was meinst du?“, fragte Mama. Es war ihr also nicht aufgefallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja, alles. Wo kam er überhaupt her? Ist er bis in die Mitte des Sees getaucht, bevor er an die Oberfläche gekommen ist? Und hast du seine Kleidung gesehen? Sie hat gar nicht aufgehört zu tropfen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er war halt nass vom Schwimmen“, versuchte sie, mich zu beschwichtigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und der See? Meinst du wirklich, dass er ihm gehört? Welcher Mann besitzt schon einen See mitten im Nirgendwo? Und dann ist da noch die Harfe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Musik war schön, nicht?“, fragte sie verträumt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hörte sie mir überhaupt zu?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich meinte, wie plötzlich so viele Fische angebissen haben, als er angefangen hat, zu spielen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, das lässt sich doch alles erklären. Der See ist bestimmt randvoll mit Fischen, weil er Privatbesitz ist und niemand dort angeln geht. Die Fische haben erst gebissen, als der Mann gespielt hat, weil er vorher im Wasser war. Er hat die Fische vertrieben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für zwei Stunden? Du kannst doch nicht ernsthaft denken, dass er solange im Wasser war, ohne dass wir ihn bemerkt haben?!“, protestierte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Mama zuckte nur mit den Schultern. „Du machst dir zu viele Gedanken. Freu dich doch einfach. Immerhin haben wir heute Abend was Leckeres zu essen und gleichzeitig noch ein paar Euro verdient.“ Damit war das Gespräch für sie beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch obwohl wir den restlichen Tag nicht mehr über den seltsamen Mann sprachen, bekam ich ihn nicht mehr aus dem Kopf. Es waren aber nicht einmal die seltsamen Vorfälle, die mich störten. Vielmehr war es seine übertriebene Freundlichkeit. Vielleicht war es auch bloß der Gedanke, dass Mama mit ihm geflirtet hatte. Die Vorstellung, dass sie Papa untreu werden würde, wollte jedenfalls nicht in meinen Kopf gehen. Zum Glück würden wir übermorgen wieder nach Hause fahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag war Mama vor mir wach. Sie ließ mich ausschlafen, bis wir gegen 11 Uhr schließlich wieder zum Angeln aufbrachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist du sicher, dass wir wieder zu demselben See wollen?“, versuchte ich es ein letztes Mal. „Es gibt hier doch noch genug andere Seen. Wie wäre es mit etwas Abwechslung?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und den netten Mann sollen wir auf uns warten lassen? Nein. Wir haben, gesagt, dass wir heute wieder an seinen See gehen, also gehen wir auch an seinen See.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>‚DU hast gesagt, dass wir wieder an seinen See gehen‘</em>, korrigierte ich sie gedanklich. Ich sprach den Gedanken aber nicht aus. Stattdessen biss ich meine Zähne zusammen und folgte ihr. Spätestens heute Nachmittag hätte ich es hinter mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir uns dem See näherten, hörten wir bereits die Klänge einer Harfe in der Ferne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er ist schon da“, erklärte Mama überflüssigerweise. Sie klang aufgeregt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen war weitaus weniger begeistert. Trotzdem beeilte ich mich, ihrem beschleunigten Schritt zu folgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ah, hallo. Ich dachte mir schon, dass ich dich heute wiedersehe“, begrüßte er Mama. Mich ignorierte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verzog das Gesicht zu einer Fratze. Genau so stellte ich mir einen bösen Stiefvater vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel mein Blick auf seine Kleidung. Genau wie gestern tropfte sie. War er wieder schwimmen gewesen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beachtete es nicht weiter. Um ehrlich zu sein versuchte ich, ihm und seinem Geflirte mit Mama so wenig Aufmerksamkeit zu schenken, wie ich konnte. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis er wieder zu spielen anfing und wir in ein Schweigen übergingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau wie gestern bissen die Fische wie verrückt. Wieder dauerte es nicht lange, bis unsere Kühltruhe voll war. Der Mann erlaubte uns sogar, die Truhe wegzubringen und noch einmal wiederzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist wirklich sehr nett von Ihnen. Jannik, möchtest du die Kühltruhe wegbringen? Ich bleibe solange hier und passe auf die Angeln auf“, schlug Mama vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich würde sie ganz sicher nicht mit diesem fremden Mann allein lassen. „Ich weißt nicht, ob ich den Weg kenne“, log ich. „Kannst du nicht mitkommen? Ich möchte mich nicht verlaufen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sah entschuldigend zu dem Mann, der jetzt aufhörte, zu spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, das ist schon in Ordnung“, sagte er. „Ich bin mir sicher, dass wir noch genug Zeit haben, einander besser kennenzulernen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wut stieg in mir auf, als er das sagte. Als würde er sie anbaggern wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh“, sagte Mama nur. „Habe ich das gar nicht gesagt? Wir fahren morgen wieder nach Hause. Wir sind hier nur im Urlaub.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bisher so übertrieben freundliche Lächeln des Mannes erstarrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast mich also bloß ausgenutzt?“, fragte er kühl. „Ich gebe dir meinen Fisch. Spiele für dich. Erlaube dir, in meinem See zu angeln &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na hören Sie mal“, unterbrach Mama ihn. „Wir haben uns doch bloß nett unterhalten. Sie können doch nicht ernsthaft erwarten, dass das etwas anderes war. Ich habe einen Ehemann. Wo sonst soll ein so fantastischer Sohn herkommen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann erwiderte nichts. Er starrte Mama bloß mit leerem Gesicht an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Okay, Sie können den Fisch behalten. Ich wollte Sie keineswegs beleidigen. Ich gebe Ihnen auch gerne das Geld, das wir für Ihren Fisch bekommen haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama kramte ihr Portemonnaie hervor. Doch als sie dem Mann die Scheine entgegenhielt, starrte er sie bloß an, als würde Mama ihm Müll anbieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte unterdessen unsere Angelausrüstung zusammengeräumt. „Komm Mama, lass uns gehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zögerte noch einen Moment, bis sie das Geld zurücksteckte. Dann hob sie die Kühltruhe und ihre Angel auf. Sie warf dem Mann noch einen flüchtigen Blick zu, bis sie mir schließlich folgte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir kamen jedoch nicht weit. Bereits nach ein paar Metern hörte ich den sanften Klang seiner Harfe. Erst dachte ich, er würde uns ignorieren, bis ich merkte, dass Mama nicht mehr neben mir ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Fump.</em> Ein dumpfer Schlag übertönte das Harfenspiel. Überrascht drehte ich mich um. Mama war stehengeblieben. Sie hatte einen völlig entspannten Gesichtsausdruck. Die Kühltruhe und ihre Angel hatte sie ins Gras fallenlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama?“, fragte ich unruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie reagierte nicht. Stattdessen drehte sie sich zu dem Mann um, der jetzt bis zur Hüfte im Wasser stand. Er trug keine Kleidung mehr, spielte jedoch noch immer auf seiner Harfe. Ein kaltes Lächeln zog sich über seine Lippen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Nöck kann mit seinem Harfenspiel nicht nur Fische anlocken, weißt du?“, sagte er ruhig. Obwohl er dabei Mama eindringlich ansah, hatte ich das Gefühl, dass er mit mir sprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste zwar nicht, was ein Nöck war, sah aber sofort, was er meinte. Als wäre sie verhext worden, begann Mama, auf den Mann zuzugehen. Selbst, als sie sich dem Ufer näherte, machte sie keine Anstalten, langsamer zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama, nicht!“, rief ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ignorierte mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie über den Uferrand trat und mit einem lauten Platschen ins Wasser stürzte, sprintete ich ihr nach. Ich zögerte nicht einmal, bevor ich ihr in den See folgte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wasser war eiskalt. Meine Kleidung sog sich sofort voll, doch ich ignorierte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama! Mama!“, brüllte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch sie schien meine Stimme überhaupt nicht wahrzunehmen. Mein einziger Vorteil war, dass sie recht langsam ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Rennen wirbelte ich Wasser auf, das überall um mich herum aufspritzte und gleichzeitig meine Bewegungen erschwerte. Mama reichte das Wasser schon bis zur Brust.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Mann mit seiner Harfe schien es jedoch nicht zu stören, dass ich ihr näherkam. Im Gegenteil: Es schien ihm völlig egal zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama! Mama!“, brüllte ich erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich hatte ich sie eingeholt. Ich packte sie mit beiden Armen, um sie zurück ans Ufer zu zerren. Doch sie wehrte sich. Mit Händen, Ellenbogen und Füßen versuchte sie, mich abzuschütteln. Als sie es schließlich schaffte, drehte sie sich zu mir und stieß mich mit einer Grobheit, die ich überhaupt nicht von ihr kannte, von sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte mich nicht halten, fiel nach hinten und wurde von der Wucht Unterwasser gedrückt. Hastig kämpfte ich mich zurück an die Oberfläche, schaffte es, mich wieder aufzurichten. Ich wischte mir Seewasser aus dem Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann war inzwischen so tief, dass er schwimmen musste und seine Harfe nicht mehr spielen konnte. Trotzdem war Mama noch immer wie verhext. Sie hatte ihn fast erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ging in ein panisches Schwimmen über, versuchte, sie noch einmal einzuholen, bevor sie bei dem Mann war. Doch ich war nicht schnell genug. Meine nasse Kleidung zog mich nach unten, sodass ich nicht nur Probleme dabei hatte, an der Oberfläche zu bleiben, sondern auch dabei, voranzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment waren Mama und der Mann verschwunden. Nein. Nicht verschwunden, untergetaucht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort tauchte ich hinterher. Mamas gelbe Regenjacke, die sie immer beim Angeln trug, konnte ich im dreckigen Wasser deutlich erkennen. Sie sank schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem versuchte ich, hinterherzukommen. Doch obwohl meine Kleidung mich herunterzog, kam ich nicht so schnell voran, wie Mama von dem Mann in die Tiefe gezogen wurde. Wie tief war dieser verdammte See?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gelb ihrer Jacke wurde zu einem schmutzigen Orange. Dann zu einem Braun. Und dann war es schließlich verschwunden. Tränen mischten sich mit dem Seewasser um meine Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich merkte ich, wie mein Sauerstoff knapp wurde. Panisch begann ich, zurück an die Oberfläche zu schwimmen. Ich konnte das Sonnenlicht sehen, doch nährte mich viel zu langsam. Wasser drang in meine Lungen. Ich zwang mich, weiterzuschwimmen. Ich kämpfte jetzt nicht mehr um Mama, sondern um mein eigenes Überleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich tauchte ich auf. Ich hustete und spuckte Seewasser, während ich in Richtung Ufer schwamm. Endlich bekam ich wieder schlammigen Boden unter den Füßen. Halb schwimmend, halb laufend kämpfe ich mich bis zum Ufer vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit nassen Händen klammerte ich mich in das Gras und den Boden und zog mich an Land, wo ich erschöpft liegenblieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte eine Weile, bis ich mich traute, zurückzublicken. Der See war inzwischen wieder völlig ruhig, als wäre nie etwas geschehen. Mama war mit dem Mann in der Tiefe des Sees verschwunden. Ich konnte nur vermuten, dass sie beide ertrunken waren.</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f-ogo_RGB_HEX-58.png" height="40" width="40" alt="Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter_Social_Icon_Square_Color.png" height="40" width="40" alt="Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Nöck, auch als Nix, Neck oder Nickert bekannt, ist die männliche Form der Nixe. Er gehört zu den Wassermännern der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutschen Mythologie</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ich bei den Nixen beschrieben haben, besitzen sie die Fähigkeit, ihren Fischschwanz in menschliche Beine zu verwandeln, um an Land zu gehen. Hierzu habe ich bei den Nöcken jedoch nichts finden können. Daher weiß ich leider nicht, ob ein Nöck im Wasser einen Fischschwanz besitzt oder nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An Land sehen sie aber auf jeden Fall menschlich aus. Genauso wie bei den Nixen tragen sie hierbei Kleidung, die am Saum immer nass ist – sofern sie nicht nackt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem heißt es manchmal, dass sie grüne Zähne oder Fischzähne hätten und eine rote Mütze tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das generelle Aussehen variiert hingegen je nach Region. So sollen sie mal sehr hässlich aussehen, andere Male recht durchschnittlich und wieder andere Male sollen sie ein schöner Jüngling mit goldenen Locken sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Eigenschaften der Nöcken können von Ort zu Ort variieren. Häufig werden sie aber als bösartig dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Geschichten handeln davon, dass ein Nöck einem oder mehreren Menschen Schaden zufügt – sei es, dass er Leute ertränkt, ein Dorf überflutet oder Schiffe untergehen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders häufig wird davon erzählt, dass Nöck Kinder ins Wasser zerren würden, die zu nahe am Ufer spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sind aber auch für ihre Musik- und Gesangskünste bekannt. So sollen sie wunderschön Harfe spielen und singen können. In einigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legenden</a> können sie damit sogar Menschen – besonders Mädchen und Frauen – betören und ins Wasser locken. Dort sollen sie sie ertränken oder in manchen Fällen sogar vergewaltigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Nöcken sollen Menschen mit Geschenken oder falschen Versprechen ins Wasser locken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ein Nöck ist nicht immer böse. Es gibt auch zahlreiche Sagen über freundliche Nöcken, die z. B. Menschen helfen oder sie vor dem Ertrinken retten. Trotzdem sollen auch die freundlichen Nöcken meist sehr launisch sein. Man sollte daher darauf achten, einen Nöcken nicht zu verärgern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gibt es z. B. eine Legende eines Nöcken, der mit einer menschlichen Frau verheiratet war. Als die Frau ihn verlassen hat, nahm er ihr gemeinsames Kind und riss es entzwei, um mit seiner Hälfte im See zu verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch untereinander können Nixen und Nöcken heiraten. So gibt es zahlreiche Geschichten von Nöcken, die eine Nixenfrau und Kinder haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und natürlich kann sich ein Nöck auch an Land aufhalten. So mischen sie sich manchmal unter die Menschen, um z. B. auf dem Markt Getreide zu verkaufen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnlich wie Nixen leben Nöcken nicht im Meer, sondern hauptsächlich in Flüssen, Seen, Teichen und Tümpeln. Es soll sogar vorkommen, dass ein Nöck in einem Brunnen lebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem besitzen sie – genau wie die Nixen – in manchen Legenden ein eigenes Haus am Grund des Sees.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Legende der Nixen ist auch die Legende der Nöcken schon viele hunderte, wenn nicht tausende Jahre alt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie wurden hauptsächlich als Kinderschreck benutzt, da man den Kindern erzählte, dass ein Nöck sie ins Wasser zerren würde, wenn sie dem Ufer zu nahe kämen. Das hat man hauptsächlich getan, damit die Kinder nicht ins Wasser fallen und im schlimmsten Fall ertrinken, wenn sie sich dem Ufer nähern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hat man Nöcken häufig für Ertrunkene und Überflutungen verantwortlich gemacht. Sie waren u.&nbsp;A. eine Möglichkeit, zu erklären, warum einige Menschen im See oder Fluss untergegangen sind, ihre Leiche jedoch nie an die Wasseroberfläche zurückgekehrt sind – der Nöck habe sie geholt.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Was haltet ihr von dem Nöck? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr einem begegnet? Würdet ihr versuchen, euch mit ihm unterhalten oder würdet ihr euch fernhalten? Schreibt es in die Kommentare!</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</strong></em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-noeck">Der Nöck</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/der-noeck/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>6</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Nixen</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/die-nixen</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/die-nixen#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Mar 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Seeungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Fluss]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptid]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptide]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Meerjungfrau]]></category>
		<category><![CDATA[Meerjungfrauen]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Nixe]]></category>
		<category><![CDATA[Nixen]]></category>
		<category><![CDATA[See]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=1698</guid>

					<description><![CDATA[<p>Als ich zurück beim Lagerfeuer war, war meine Familie bereits am Essen.<br />
„Wieso hat das so lange gedauert?“, fragte Mama. Dann lachte sie plötzlich. „Nein. Halt. Ich brauche keine Details.“<br />
Wieder musste ich breit grinsen. „Ihr werdet es nicht glauben, aber ich habe die Meerjungfrau getroffen.“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-nixen">Die Nixen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/32e3f366612845e6bbbe3242b3d54e61" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Nixen sind eine sehr alte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutsche Legende</a>. Sie ähneln den Meerjungfrauen, leben jedoch nicht im Meer, sondern in Seen und Flüssen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mama und ich saßen am Lagerfeuer, als sich in der Ferne schnelle Schritte näherte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Christoph! Christoph! Da war eine Meerjungfrau!“, rief meine kleine Schwester Lilli aufgeregt, während sie auf mich zu rannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„In der Nähe des Feuers wird nicht gerannt!“, mahnte Mama sie sofort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lilli verlangsamte ihre Schritte – wenn auch nur ein wenig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ sie auf meinen Schoß. „Eine Meerjungfrau, ja?“, fragte ich mit gespielter Begeisterung. Ich mochte Lillis ausgeprägte Fantasie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lilli nickte energisch. „Sie war im Wasser, als Papa und ich geangelt haben. Sie hatte einen Fischschwanz und alles!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa, der inzwischen auch bei unserem kleinen Zeltlager angekommen war, stellte seine Angelausrüstung ab. Er hob entschuldigend die Hände. „Ich hab sie nicht gesehen“, erklärte er mit seiner ruhigen Stimme. „Aber“, stolz zeigte er uns seinen Fang, „wir haben einen guten Fang gemacht. Und Lilli hat fleißig mitgeholfen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist das so? Wie hast du Papa denn geholfen?“, wandte Mama sich an Lilli.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder nickte meine kleine Schwester energisch. „Ich hab die Angel gehalten, bis ein Fisch angebissen hat. Und einen Fisch durfte ich sogar mit einholen!“ Der Stolz stand ihr ins Gesicht geschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann bist du ja eine richtige kleine Anglerin“, erwiderte Mama. „Was ist, hilft du mir mit den Kartoffeln?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh ja“, rief sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wuschelte ihr durch die Haare, bevor ich sie von meinem Schoß ließ. Wie konnte ein so kleiner Mensch nur so voller Energie stecken?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und was ist mit dir?“, fragte Papa an mich. Als ich sein breites Grinsen sah, wusste ich sofort, was er von mir wollte. „Hilfst du mir beim Fisch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte schwer. Das durfte ich mir bereits seit Jahren anhören. Mit sechs oder sieben hatte ich mich fast übergeben, als ich einen Fisch ausgenommen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem schämte ich mich nicht dafür. Es war mir egal, ob es einige als unmännlich sahen, dass ich mir nicht gerne die Hände schmutzig machte. Trotzdem schien es Papa einen riesen Spaß zu machen, mich damit aufzuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich geh lieber noch schnell auf Toilette. Dann muss ich nicht während des Essens“, entschuldigte ich mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa grinste blöd. Ich ignorierte ihn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber beeil dich. Kalt schmeckt der Fisch nicht“, rief Mama mir nach, als ich mich ins Unterholz kämpfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was dachte sie denn, wie lange ich brauchte?! Ich ging zwar etwas in den halbdunklen Wald hinein, aber doch nur, um außer Sichtweite zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich mich erleichterte, schloss ich die Augen und sog die kühle Abendluft ein. Sie war angenehm. Ganz anders, als in der Stadt. Die fehlenden Abgase machten die Luft nahezu geruchslos, mit einer schwachen Note von Erde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso ging ich eigentlich nicht häufiger in die Natur? Ich liebte unsere Campingausflüge. Eigentlich war es schade, dass wir sie nur einmal im Jahr machten. Vielleicht sollte ich Papa fragen, ob ich mal auf einen seiner Angelausflüge mitdürfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Knacken in meiner Nähe riss mich aus meinen Gedanken. Es klang, als wäre jemand auf einen Ast getreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leicht unwohl sah ich mich um. Meine Eltern oder meine Schwester konnten es nicht sein. Niemand von ihnen würde mit dem Kochen aufhören, nur um mich zu ärgern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>‚Wahrscheinlich nur ein Tier oder ein herunterfallender Ast‘</em>, redete ich mir ein. Trotzdem beeilte ich mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich meinen Hosenstall schloss, ertönte noch ein Knacken. Diesmal klang es näher. Dann ein Rascheln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es keine gefährlichen Tiere in der Gegend gab, hatte ich keine Lust, herauszufinden, was es war. Also ging ich schnellen Schrittes zurück in Richtung Camp &#8230; Ich kam nicht weit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das Mädchen wie aus dem Nichts vor mir auftauchte, erschraken wir uns beide gleichzeitig. Sie wich einen Schritt zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammt. Hast du mich erschreckt!“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wunderte mich kurz darüber, dass sie im Wald ein Kleid trug. In der Dämmerung sah es weiß aus. Dafür brachte es ihre braunen Haare zur Geltung, die wiederum ihr bleiches Gesicht betonten. Sie sah wunderschön aus &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was soll ich denn sagen?“ Ich fasste mir etwas zu dramatisch an die Brust, in der mein Herz nicht nur wegen des Schreckens ein klein wenig schneller schlug. „Ich hatte nicht erwartet, hier draußen jemanden zu treffen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatte intelligente Augen, mit denen sie mich jetzt musterte. Im schwachen Licht sahen sie sehr hell aus – vielleicht himmelblau? „Was machst du hier draußen?“, fragte sie. „Ich hab dich hier noch nie gesehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Meine Familie und ich campen ganz in der Nähe. Wir sind vor wenigen Stunden angekommen“, erklärte ich. „Und du? Wohnst du im Dorf oder machst du auch Urlaub?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie schien entschieden zu haben, dass von mir keine Gefahr ausging. Also lächelte sie mich an. Ein süßes Lächeln, das mehr Wärme ausstrahle, als ich einem Lächeln je zugetraut hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja. Ich wohne hier“, sagte sie knapp. „Ich war im See schwimmen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt bemerkte ich, dass ihr helles Kleid leicht feucht war. Besonders an den Stellen, wo es ihre Haut berührte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ah &#8230; Die Meerjungfrau“, sagte ich mit einem breiten Grinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mädchen riss die Augen auf. Überrascht starrte sie mich an. „W-was?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lachte kurz auf. „Ach nichts. Meine Schwester hat vorhin ein Mädchen im See baden sehen und war fest überzeugt, eine Meerjungfrau gesehen zu haben“, erklärte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt lachte auch das Mädchen. Es klang wie kleine Glöckchen, die eine wunderschöne Melodie spielten. „Ach so, na dann. Kinder haben wirklich eine lebhafte Fantasie.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir standen noch einen Moment grinsend da. Wobei es bei ihr eher ein herzliches Lächeln, als ein belustigtes Grinsen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Christoph? Wo bleibst du denn?“, ertönte die Stimme meiner Mutter in der Ferne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Geräusch schien das Mädchen erneut zu erschrecken. „Ich &#8230; Ich sollte gehen“, sagte sie. Dann ging sie schnellen Schrittes davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte!“, rief ich ihr nach. „Wie heißt du eigentlich? Ich bin Chris.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mädchen blieb stehen. „Serena“, stellte sie sich vor, während sie sich zu mir umdrehte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Serena. Ein schöner Name.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein guter Name für eine Meerjungfrau!“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder grinsten wir einander an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal, Chris“, verabschiedete sich Serena.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gerne. Wir sind das ganze Wochenende hier.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Serena lächelte. Dann ging sie weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb noch einen Moment stehen. „Wow“, hauchte ich, während ich mir durch die Haare fuhr. Es wäre schön, sie noch einmal wiederzusehen. Dann ging auch ich weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich zurück beim Lagerfeuer war, war meine Familie bereits am Essen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wieso hat das so lange gedauert?“, fragte Mama. Dann lachte sie plötzlich. „Nein. Halt. Ich brauche keine Details.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder musste ich breit grinsen. „Ihr werdet es nicht glauben, aber ich habe die Meerjungfrau getroffen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama verschluckte sich fast an dem Bissen, den sie gerade in den Mund genommen hatte, Papa zog eine Augenbraue hoch und Lillis Kinnlade klappte herunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hab doch gesagt, dass sie echt ist! Eine echte Meerjungfrau!“, schrie Lilli laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Lärm scheuchte einige Vögel auf, die in der Dunkelheit panisch davonflatterten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja. Nur, dass sie keine Meerjungfrau ist. Ihr Name ist Serena. Und sie hat keinen Fischschwanz, sondern ganz normale Beine“, erklärte ich. „Sie war im See schwimmen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um die Uhrzeit?“, fragte Mama. Sie klang aber nicht skeptisch, sondern eher besorgt. Sie war nun einmal eine Mutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Sorge. Sie wohnt im Dorf hier in der Nähe. Sie ist sicher schon zu Hause“, beruhigte ich sie. „Und es kann sein, dass sie uns das Wochenende mal besuchen kommt“, fügte ich hinzu. Wieder konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, den Blick kenn ich“, meldete sich Papa zu Wort. „Ist sie hübsch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? Nein! Also &#8230; doch, ist sie. A-Aber so ist das nicht!“, stammelte ich. Ich konnte dabei jedoch nicht verhindern, dass ich rot wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann brach völliges Chaos aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? Was ist so nicht?“, fragte Lilli verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich glaube, dein großer Bruder ist in diese Serena verliebt“, erklärte Papa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh &#8230; Christoph ist verlie-hiebt. Christoph ist verlie-hiebt!“, rief sie jetzt wieder und wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa klatschte im Takt, während Mama daneben saß und das Ganze belustigt beobachtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte sicherlich fünf Minuten, bis ich Lilli und Papa wieder beruhigen konnte – fünf Minuten, in denen ich am liebsten im Erdboden versunken wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir aßen, kam Serena noch einige Male zur Sprache. Nachdem ich unsere Begegnung geschildert hatte, wandten wir uns aber endlich anderen Themen zu. Wir planten den nächsten Tag – Papa wollte mit der ganzen Familie eine Wanderung machen, bevor er gegen Mittag wieder angeln ging, während Mama sich einen entspannten Tag machen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Entspannen kannst du dich auch zu Hause“, warf Papa ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stimmt, aber in der Natur ist es viel schöner“, erwiderte Mama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eben. Deswegen sollten wir sie möglichst viel genießen – bei einer Wanderung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ging noch eine Weile so weiter. Ich hörte ihnen jedoch gar nicht mehr zu. Stattdessen starrte ich ins Feuer und lauschte dem Knistern. Wind raschelte in den dunklen Bäumen. Ab und hörte man auch das Geraschel von Tieren. Grillen zirpten in der Dunkelheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Gedanken waren bei Serena. Ich war doch nicht wirklich nach der einen Begegnung bereits in sie verliebt, oder? Klar, sie war nett und sieht wirklich toll aus, aber wir hatten uns nicht einmal fünf Minuten gesehen. Außerdem war es dunkel gewesen. Ich wusste ja nicht einmal, ob ich sie tatsächlich noch einmal wiedersah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fiel mir den gesamten Abend über schwer, an etwas anderes zu denken. Es war, als wäre sie mit Gewalt in meinen Kopf eingebrochen und hätte alle anderen Gedanken vertrieben. Selbst, als es langsam spät wurde und wir in unsere Zelte gingen – Mama, Papa und Lilli in ein großes, ich in ein kleines eigenes –, spukte sie noch durch meinen Kopf. Ihre braunen Haare, die blauen Augen, das Lächeln ihrer makellosen Zähne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gott, was war bloß los mit mir? Sonst dauerte es immer einige Zeit, bis ich Gefühle für jemanden entwickelt hatte. Noch nie hatte ich mich so Hals über Kopf verschossen, wie in Serena. Und so kam es, dass ich an jenem Abend mit einem Lächeln einschlief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das nächste, an das ich mich erinnerte, war, dass jemand mein Zelt von außen öffnete. Das Geräusch des Reißverschlusses war leise, jedoch nicht leise genug, um mich schlafen zu lassen. Verwirrt schaltete ich meine Campinglampe ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte mit vielem gerechnet. Etwa, dass meine Schwester lieber bei mir schlafen wolle oder das Papa eine spontane Nachtwanderung im Sinn habe, aber nicht mit &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Serena?“, fragte ich überrascht. „Was machst du hier?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir fiel nur ein einziger Grund ein, warum sie hier vor mir stehen wurde: <em>‚Na toll &#8230; Jetzt träume ich sogar schon von ihr!‘</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch je länger die Situation andauerte, desto mehr wurde mit bewusst, dass ich wach war. Träume waren seltsam, wirr, oft zusammenhangslos. Das hier war nichts davon. Ich war bei vollem Bewusstsein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Serena kam vorsichtig zu mir ins Zelt. Sie hockte sich neben meinen Schlafsack. Zusammen mit ihr kam ein süßlicher Duft nach Blumen zu mir. Vielleicht ein Parfüm?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hatte Lust, im See schwimmen zu gehen. Und da dachte ich mir, wieso frage ich dich nicht, ob du mitkommst &#8230;?“, flüsterte sie mit ihrer sanften Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Augen weiteten sich. „J-Jetzt? Mitten in der Nacht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Serena zuckte unschuldig mit den Schultern, bevor sie mich mit ihrem warmen Lächeln anstrahlte. „Warum nicht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber ich &#8230; Ich habe keine Schwimmsachen dabei!“, protestierte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Serenas Lächeln wurde ein herausforderndes Grinsen. „Ich auch nicht“, erwiderte sie zwinkernd.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort merkte ich, wie mein Gesicht heiß wurde. Ich musste knallrot geworden sein. Serena schien es nicht zu stören. Im Gegenteil: Es schien ihr zu gefallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens jetzt hatte ich kein Argument mehr im Kopf, das dagegen sprach. Serena hatte mich voll in ihren Bann gezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie nach meiner Hand griff, um mich aus dem Zelt zu ziehen, wehrte ich mich nicht gegen sie. Ich wusste, dass es nicht richtig war. Ich sollte nicht einfach einer fremden Frau folgen. Doch mein Kopf ignoriere die Vernunft. Ich <em>wollte</em> mit ihr gehen. Ich <em>musste</em> mit ihr gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit nichts als meiner Unterhose und meinem T-Shirt folgte ich Serena durch den Wald. Immer wieder piksten mich Stöcker und Steine in die Fußsohlen. Ich stolperte über Wurzeln, trat in weiches Moos. Doch das alles bemerkte ich kaum. Meine Augen waren nur auf Serena gerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im schwachen Mondlicht konnte man kaum mehr als ihre groben Umrisse erkennen, doch trotzdem sah ich, wie wunderschön sie war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir den See erreichten, war er sehr ruhig. Der schwache Wind, den man am Ufer spüren konnte, sorgte kaum für Wellen auf der fast völlig flachen Wasseroberfläche. Man konnte sogar die Spiegelung des Halbmondes deutlich erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Serena machte sie sich nicht einmal die Mühe, ihr Kleid auszuziehen. Sie sprang ins Wasser, ohne meine Hand loszulassen. Ich ließ es geschehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wasser war eiskalt. Es legte sich wie ein feuchter Mantel aus Eis um meinen gesamten Körper. Obwohl ich mir dabei unmännlich vorkam, konnte ich einen kurzen Aufschrei nicht vermeiden. Zum Glück schien Serena es nicht bemerkt zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hielt noch immer meine Hand, während sie weiter und weiter auf den See hinausschwamm. Wäre ich nicht völlig in ihren Bann gezogen gewesen, hätte ich wohl bemerkt, wie unnatürlich schnell sie war. Wie sie fast ohne ihre Arme zu benutzen mehrere Meter pro Sekunde schwimmen konnte. Mir wäre aufgefallen, wie ihre Haare im weißen Mondlicht grünlich schimmerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie schließlich anfing, auf der Stelle zu schwimmen, mussten wir etwa in der Mitte des Sees sein. Sie drehte sich zu mir. Erst jetzt bemerkte ich, dass ihr Kleid verschwunden war. Sie war nackt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte ich einen Moment darüber nachgedacht, hätte ich mich wohl gewundert, wie sie das Kleid ausziehen konnte, ohne meine Hand loszulassen. Aber ich dachte nicht darüber nach. Ich bemerkte nicht einmal, wie ich vor Kälte am ganzen Körper zitterte. Vielleicht bemerkte ich es auch und es war mir bloß egal &#8230; Für mich zählte gerade nur Serena.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebevoll legte sie eine Hand auf meine Wange. Sie streichelte sie vorsichtig mit ihrem Daumen, während sie mich näher zu sich zog.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>‚Sie wird mich gleich küssen‘</em>, dachte ich. Und es gab nichts, was ich gerade lieber tun würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Hand wanderte von meiner Wange an meinen Hinterkopf. Sie fuhr mir sanft durch die Haare. Gott, wie schön sie war!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch sie zog meinen Kopf nicht weiter zu sich heran. Sehnsüchtig wartete ich darauf, dass sie mich in eine liebkosende Umarmung hüllte, ihre Lippen auf meine drückte, ihren Körper gegen meinen. Doch es passierte nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen merkte ich, wie sie mich bei den Haaren packte. Plötzlich war alles Sanfte aus ihrer Bewegung verschwunden. Sie packte so fest zu, dass es wehtat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwirrt blickte ich ihr ins Gesicht. Wo war ihr Lächeln? Das Funkeln in ihren Augen? Das Gesicht, das mir entgegenblickte, war jetzt kalt und grausam. Es fehlte die so vertraute Wärme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie packte meine Haare noch fester. Ich wollte einen Schrei ausstoßen, als sie meinen Kopf plötzlich unter Wasser drückte. Ich wehrte mich, trat um mich, schlug auf ihre Hand ein, um ihren Griff zu lösen. Doch es half nichts. Sie hatte mich fest im Griff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen merkte ich, wie sie sich in Bewegung setzte. Sie zerrte an meinen Haaren, zog mich weiter in die Tiefe. Etwas Schleimiges, Kräftiges streifte mich im Rhythmus ihrer Bewegungen. Ihr Fischschwanz!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war umgeben von endloser Schwärze. Das Wasser hatte sämtliches Mondlicht geschluckt. Schnell hatte ich die Wasseroberfläche aus den Augen verloren. Dass wir tiefer und tiefer schwammen, merkte ich nur an dem immer stärker werdenden Druck auf meinen Ohren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt immer, dein Leben würde an dir vorbeiziehen, wenn du stirbst. Bei mir das nicht der Fall. Meine Gedanken waren auch nicht bei meinen Freunden oder meiner Familie, sie waren bei Serena. Als ich die Luft nicht mehr anhalten konnte, Wasser in meine Lungen strömte, konnte ich nur an Serena denken. Daran, wie sie mich verraten hatte. Wie sie jetzt aber trotzdem bei mir war. Wie ich an ihrer Seite sterben würde &#8230;</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f-ogo_RGB_HEX-58.png" height="40" width="40" alt="Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter_Social_Icon_Square_Color.png" height="40" width="40" alt="Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nixen sind <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/seeungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wasserwesen</a> der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutschen Mythologie</a>. Aufgrund ihres Äußeren werden sie häufig mit den Meerjungfrauen verwechselt. Zwischen ihnen gibt es jedoch entscheidende Unterschiede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Skandinavien sind außerdem sehr ähnliche Wesen bekannt. Darunter z. B. die Nøkken in Dänemark , die Näck in Schweden oder die Nykk in Norwegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Hinweis: Da sich der männlichen Nix in seinen Eigenschaften stark genug von der weiblichen Nixe unterscheiden, sodass ich einen eigenen Beitrag inkl. Geschichte darüber schreiben kann, werde ich den Nix in einem zukünftigen Beitrag separat behandeln.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sich eine Nixe im Wasser aufhält, sieht sie den Meerjungfrauen sehr ähnlich: Sie besitzt den Oberkörper einer Frau und den Unterkörper eines Fisches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal soll ihre Haut leicht grünlich sein oder sie soll grün schimmernde bis grüne Haare besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlässt eine Nixe das Wasser, verschwinden ihre unmenschlichen Eigenschaften jedoch. Sie sieht dann aus, wie eine völlig normale Frau – entweder eine wunderschöne junge Frau oder eine sehr alte Frau. Der einzige Unterschied ist, dass der Saum ihrer Kleidung immer nass sein soll. In anderen Geschichten hat sie auch feuchte Haut, Kleidung oder Haare.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sowohl in ihrer jungen menschlichen Gestalt als auch in ihrer natürlichen Form wird den Nixen eine außergewöhnliche, teilweise betörende Schönheit nachgesagt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nixen sind dafür bekannt, dass sie Menschen – hauptsächlich junge Männer oder Kinder – in das Wasser locken und ertränken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass sie Musik, Tanz und Gesang lieben. Ihr betörender Gesang soll – ähnlich wie bei den Sirenen – die Fähigkeit haben, Männer in seinen Bann zu ziehen, um sie in den See oder Fluss zu locken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der bekanntesten Nixen ist wohl die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/loreley" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Loreley</a>, über die ich bereits einen Beitrag verfasst habe. Sie soll mit ihrem zauberhaften Gesang viele Schiffe im Rhein zum Sinken gebracht haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen Nixen in einigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legenden</a> das Wetter kontrollieren können. So handelt eine Legende von einer Nixe, die sich in eine alte Frau verwandelt hat. Sie ist bei einem Unwetter zu einer Burg geflüchtet, um dort Schutz vor dem Wetter zu suchen. Als ihr der Einlass jedoch verweigert wurde, soll sie starken Regen beschworen haben, der die gesamte Burg überflutet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Nixen sind bösartig. Es gibt aber auch Geschichten von Nixen, die harmlos, freundlich oder hilfsbereit waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige von ihnen sollen z. B. die Zukunft voraussagen können und die Menschen warnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll es Nixen gegeben haben, die sich in Menschen verliebt haben. Manche von ihnen haben sogar geheiratet und Kinder bekommen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu den Meerjungfrauen leben Nixen nicht im Ozean. Sie bevorzugen Flüsse, Seen und Bäche, können sich aber auch an Land aufhalten. Trotzdem kehren sie immer wieder zu ihrem Gewässer zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einigen Legenden besitzen manche Nixen außerdem eine Art Haus am Grund ihres Sees.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Erzählungen von Nixen gibt es schon seit tausenden von Jahren. So wurden z. B. bereits in germanischen Stämmen Geschichten über sie erzählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch werden sie in der Nibelungensage erwähnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider konnte ich nicht sonderlich viel über die frühere Darstellung der Nixen herausfinden. Es ist jedoch bekannt, dass sie in der kulturgeschichtlichen Epoche der Romantik (ca. 1795–1848) einen gewissen Wandel durchgemacht haben. Aus den vorher fast ausschließlich boshaften Nixen wurden in dieser Zeit immer häufiger freundliche und hilfsbereite Wesen.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph">Was haltet ihr von den Nixen? Wusstet ihr, dass es zwischen ihnen und den Meerjungfrauen einen Unterschied gibt? Und was glaubt ihr, treibt die Nixen an? Aus welchem Grund hat Serena Christoph im See ertränkt? Schreibt es in die Kommentare!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-nixen">Die Nixen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/die-nixen/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>11</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Roggenmuhme</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/die-roggenmuhme</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/die-roggenmuhme#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Dämon]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Erntedämon]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Roggenmuhme]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=1465</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das, was dort aus dem Mais heraus trat, war nicht Mimi. Dafür erkannte ich das Wesen sofort – die dunkelgraue, fast schwarze Haut, die genauso dunkle Kleidung, das alte Aussehen mit den vielen Falten und trotzdem die beträchtliche Körpergröße und der aufrechte Gang, dazu das feurige Leuchten, das ihre klauenartigen Finger umschloss …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-roggenmuhme">Die Roggenmuhme</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/e0125cd0656d4c4d8bf23e18b1ea414e" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme hat dieses Jahr die Ehre, meine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Halloween-Legenden</a> einzuleiten. Wie der Name schon sagt, wird sie hauptsächlich mit Roggenfeldern in Verbindung gebracht. Technisch gesehen handelt es sich daher in meiner Geschichte um eine Maismuhme, ich habe mich wegen der Bekanntheit aber trotzdem für den Begriff „Roggenmuhme“ entschieden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sonne begann bereits, das Maisfeld in ein rotgoldenes Licht zu hüllen, als sich mein letzter Aufbauhelfer verabschiedete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Okay Frank, die letzte Deko steht. Ich mach mich dann auf den Heimweg!&#8220;, rief Jonas mir verabschiedend zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Alles klar. Bis morgen!&#8220;, rief ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war ebenfalls gerade fertig geworden, blieb jedoch noch einen Moment stehen und ließ meinen Blick stolz über das Feld schweifen. Nicht nur, dass die Maisernte dieses Jahr besonders gut ausfallen würde, wir waren auch noch einen Tag früher mit dem Maislabyrinth fertig geworden, als geplant, konnten also bereits morgen die ersten Besucher hineinlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Geld hatten wir auch dringend nötig. Die Jahr für Jahr schlimmer werdende Sommerhitze machte den Beruf als Bauer immer erschwerlicher. Deswegen waren die Einnahmen des Maislabyrinths eine große Hilfe – zumal es sich in der Zeit um Halloween einer großen Beliebtheit erfreute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Okay Mimi, wir machen auch Schluss für heute. Pack deine Puppen zusammen“, sagte ich, während ich mich zu meiner Tochter umdrehte. Dann stockte ich. „Mimi?“, sagte ich etwas lauter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor mir lag nur noch die Picknickdecke, die ich ihr hingelegt hatte und eine ihrer beiden Puppen. Von Mimi und Prinzessin Lala – ihre Lieblingspuppe, die sie überall mit hinnahm – fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dieses Gör“, grummelte ich leise. Sie wusste genau, dass sie nicht alleine in das Maislabyrinth gehen durfte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verärgert stapfte ich in Richtung Eingang. Hoffentlich war sie wenigstens an ihrem Lieblingsort – einem freien Platz in der Mitte des Felds, der jedes Jahr gleich war und etwa auf der Hälfte des Labyrinths lag. Dann müsste ich sie wenigstens nicht suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ging durch das Labyrinth und wollte gerade Mimis Namen brüllen, als ich plötzlich ein Rascheln im Mais neben mir hörte. Sofort blieb ich stehen und starrte angestrengt in das Gewirr aus Pflanzenstängeln, Blättern und Ackerboden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi? Mimi, bist du das?“, fragte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Antwort. War es bloß ein Hase oder ein anderes Tier, das jetzt zur Dämmerung aktiv wurde?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi! Wenn du das bist, komm sofort raus. Sonst gibt es eine Woche lang kein Fernsehen!“, forderte ich etwas strenger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es war nicht Mimi. Zumindest schloss ich das aus dem angsterfüllten Gekreische, das jetzt aus der Mitte des Feldes kam … Mimis Gekreische!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi!“, brüllte ich – jetzt mehr panisch, als wütend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar versuchte ich, mich damit zu beruhigen, dass sie sich bei dem immer schwächer werdenden Tageslicht bloß vor einer der Halloweendekorationen erschreckt hatte, aber welcher Vater machte sich keine Sorgen, wenn seine Tochter derartig kreischte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi!“, brüllte ich erneut, während ich die Gänge zwischen dem Mais entlang rannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso antwortete sie denn nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich konnte ich vor mir sehen, wie die Maiswände abrupt aufhörten. Ich hatte die Mitte erreicht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch als ich auf den Platz stolperte, fehlte von Mimi jede Spur. Hier standen nur eine grässliche Vogelscheuche, eine Riesenspinne in einem Plastiknetz und einige Kürbisse herum. Ich ging sogar zu dem Stand, wo wir tagsüber heiße Getränke und Kleinigkeiten zu Essen verkauften und schaute darunter, aber Mimi war nicht hier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür fand ich ihre Puppe Prinzessin Lala. Sie lag am Rand des Platzes bei den Maispflanzen. Mimi hatte Lala noch nie irgendwo liegen lassen. Wenn sie ihr herunterfiel – was äußerst selten vorkam – hob sie sie sofort wieder auf und entschuldigte sich mehrfach bei ihr. Sie hier im Dreck liegen zu lassen, sah Mimi ganz und gar nicht ähnlich!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi, wo bist du?“, brüllte ich jetzt aus voller Lunge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah mich weiter um, kniete mich sogar auf den Boden, um besser zwischen den Maispflanzen hindurchsehen zu können – vielleicht hatte sie sich ja bloß versteckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich raschelte es hinter mir im Mais.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gott sei Dank“, hauchte ich, schlug dann aber einen ernsteren Ton an. „Junge Dame, hab ich dir nicht wieder und wieder gesagt, dass du nicht alleine in das Maisfeld gehen sollst? Ich habe dir schon oft genug erklärt, dass …“ Doch mein nächstes Argument blieb mir im Hals stecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das, was dort aus dem Mais heraus trat, war nicht Mimi. Dafür erkannte ich das Wesen sofort – die dunkelgraue, fast schwarze Haut, die genauso dunkle Kleidung, das alte Aussehen mit den vielen Falten und trotzdem die beträchtliche Körpergröße und der aufrechte Gang, dazu das feurige Leuchten, das ihre klauenartigen Finger umschloss …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Roggenmuhme“, hauchte ich ungläubig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sah genauso aus, wie mein Vater es mir früher in den Schreckgeschichten beschrieben hatte, die dafür sorgen sollten, dass ich nicht in das Feld rannte oder die Pflanzen beschädigte … Jedoch hätte ich niemals gedacht, dass es sie wirklich gibt! Es war eine Geschichte, ein Märchen. Es gab keine Monster! … und doch stand sie hier vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Schock und die Angst meine Beine weich wie Butter werden ließen und meine Stimme brüchig machten, konfrontierte ich sie. Solange ich die Pflanzen nicht beschädigt hatte, sollte ich vor ihr sicher sein – zumindest, falls Vaters Geschichten der Wahrheit entsprachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„W-was wollt Ihr hier?“, stammelte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wandte sie sich zu mir. Sie musterte mich mit ihrem stechenden Blick von Kopf bis Fuß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe kein Problem mit dir, Bauer“, sagte sie mit ihrer krächzigen Stimme, die mir sofort eine Gänsehaut über den Rücken jagte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und mit meiner Tochter?“, hakte ich schnell nach. Gleichzeitig sendete ich ein Stoßgebet zum Himmel, dass Mimi nicht in Gefahr war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie hat meinen Pflanzen weh getan. Du weißt, was das heißt“, antwortete sie und ging weiter, ohne sich auch nur ein zweites Mal nach mir umzudrehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl sie nicht rannte, kam sie sehr schnell voran. Es dauerte keine fünf Sekunden, bis sie den Platz überquert hatte und auf der anderen Seite zwischen den Maispflanzen verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich ihr nachsah und verarbeitete, was ich gerade erlebt hatte, wurde mir bewusst, was die Roggenmuhme da gerade angedeutet hatte … Sie würde Mimi suchen und sie töten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn meine Tochter Glück hatte, würde sie sie lediglich einschlafen und friedlich sterben lassen, doch die meisten Geschichten waren sehr viel grausamer. Ich erinnerte mich daran, wie ich als Kind panische Angst davor hatte, von der Roggenmuhme in einem eisernen Butterfass zerstampft zu werden oder von ihr Gliedmaßen herausgerissen zu bekommen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber egal, was dieses Wesen auch mit meiner Mimi vorhatte, sie würde es nicht überleben. Ich musste meine Tochter vor ihr finden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi! Mimi!“, brüllte ich jetzt, während ich durch die Gänge das Labyrinths hetzte – stets darauf bedacht, keine der Pflanzen zu beschädigen, damit ich nicht auch noch zum Opfer der Roggenmuhme wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann, fast schon unerwartet, ertönte plötzlich eine piepsige, verheulte Stimme. „Papa? Ich bin hier!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb stehen, um zu lauschen. Aus welcher Richtung kam ihre Stimme? Um mich herum raschelten einige Pflanzen, aber kam das von ihr oder von der Roggenmuhme?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Kreischen ließ mich zusammenzucken. Dafür wusste ich jetzt, wo sie war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne zu zögern, rannte ich weiter, bog um eine Ecke und … stieß fast mit der Roggenmuhme zusammen. Sie war kleiner als vorhin … Nein, nicht kleiner, sie kauerte am Boden. Und direkt unter ihr lag …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi!“, schrie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein kleines Mädchen bewegte sich nicht. War sie bloß bewusstlos oder war sie …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte auf zu denken, während meine Instinkte einsetzten. Dass ich der gruseligen Strohpuppe neben mir die Harke aus der Hand gerissen hatte, bemerkte ich erst, als ich sie der Roggenmuhme mit vollem Schwung gegen die Brust donnerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme taumelte zurück, schien jedoch eher überrascht, als verletzt zu sein. Trotzdem ließ ich die Gelegenheit nicht verstreichen, nahm Mimi hastig auf die Arme und sprintete mitten durch den Mais. Ich wusste genau, dass ich in dieser Richtung in nur wenigen Metern aus dem Feld heraussein würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maisstängel, -kolben und -blätter schlugen mir ins Gesicht und verlangsamten meinen Sprint. Ich nahm keine Rücksicht mehr darauf, die Pflanzen nicht zu beschädigen. Wenn die Roggenmuhme mich einholte, würde sie mich jetzt auch töten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig ertönte hinter mir ein grässliches Geschrei, das voller Wut und Schmerz lag – dicht gefolgt von schnellen Schritten und einem starken Geraschel im Mais. Die Roggenmuhme hatte zu einem Sprint angesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Schritte hinter immer lauter wurden und das Geraschel immer näher klang, starrte ich angestrengt durch den Mais vor mir. Wann war das Feld endlich zu Ende?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt konnte ich auch ein wuterfülltes Schnauben und Keuchen hinter mir hören. Die Roggenmuhme hatte uns fast eingeholt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Flüchtig wagte ich einen Blick nach hinten. Eine feurige Kralle schoss genau auf meinen Hals zu. Gleichzeitig stolperte ich jedoch über etwas am Boden, sodass die Hand über mich hinweg schoss … und ich mit dem vollen Schwung des Sturzes aus dem Maisfeld rollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mimi lag neben mir, während ich mich benommen aufsetzte. Als mein Blick auf sie fiel, griff ich instinktiv nach ihr und fühlte ihren Puls. Gott sei Dank! Sie lebte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wanderte mein Blick weiter, auf die große, schwarze Kreatur, die direkt vor mir am Rand des Maisfeldes stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch griff ich nach Mimi und zog sie rückwärts robbend von ihr weg. Doch die Roggenmuhme regte sich nicht mehr. Sie stand einfach nur bedrohlich da und fixierte mich mit ihren Augen. Wie es aussah, konnte oder wollte sie das Maisfeld nicht verlassen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gib sie mir zurück, Bauer“, befahl sie ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Niemals!“, stieß ich aus. „War ich nicht immer gut zu Euch? Habe ich die Pflanzen nicht immer gepflegt?“, versuchte ich, zu verhandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das hast du“, krächzte die Roggenmuhme. „Deswegen bin ich bereit, dein Leben zu verschonen. Nicht aber das, deiner Tochter!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt starrte ich sie an. „Nein! Nein, Ihr könnt sie nicht haben!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sah die Roggenmuhme plötzlich sehr traurig aus. Ich hatte fast Mitleid, wenn es nicht das Leben meiner Tochter gehen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie du willst“, sagte sie mit derselben Traurigkeit in ihrer Stimme, die auch in ihrem Blick lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hob die Arme wie ein Priester, der eine Predigt beginnen möchte, nur dass sie keinen Segen brachte, sondern Tod. Die Pflanzen um sie herum begannen, sich zu verfärben und zu verschrumpeln. Die Blätter wurden schlaff, die Stängel knickten um und legten sich zu Boden, die Maiskolben begann, zu verfaulen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt drehte sich die Roggenmuhme um und ging zurück ins Kornfeld. Sie verschwand in dem Chaos, das sie geschaffen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gestank nach Fäulnis, der mir entgegenschlug, war fast unerträglich. Ich musste mitansehen, wie meine gesamte Lebensgrundlage vor meinen Augen vergammelte. All die Arbeit, all die Zeit, all das Geld waren umsonst gewesen. Doch das war mir gerade nicht wichtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Papa?“, murmelte Mimi schwach. Ihre kleinen Äuglein hatten sich geöffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, Gott sei Dank! Gott sei Dank!“, sagte ich. Ich schloss meine Tochter fest in die Arme. Und auch, wenn ich gerade fast alles verloren hatte, würde ich es jederzeit wieder tun.</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f-ogo_RGB_HEX-58.png" height="40" width="40" alt="Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter_Social_Icon_Square_Color.png" height="40" width="40" alt="Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme (veraltet für „Roggentante“) ist ein Korn<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dämon</a> der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutschen Sagenwelt</a>. Unter anderem Namen wird sie auch mit anderen Getreidearten in Verbindung gebracht, z.B. Kornmuhme, Weizenmuhme oder als etwas modernere Version auch Maismuhme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem trägt sie noch eine Vielzahl anderer Namen, wie altes Weib, Großmutter, alte Hure, große Hure, die Alte, Erntemutter, Feldweib und viele weitere.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen der Roggenmuhme gibt es verschiedenste Aussagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt aber häufig, dass sie eine großgewachsene, hässliche und sehr alte Frau sein soll. Außerdem soll sie sehr große und lange Brüste haben, die eine glühende Eisenspitze besitzen und mit Teer oder giftiger Milch gefüllt sind (daher wird sie im Harzgebiet auch „dat Tittewif“ genannt).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab hier gehen die Aussagen jedoch stark auseinander. Mal trägt sie Kleidung, mal ist sie nackt. In einigen Versionen ist sie völlig weiß, in anderen komplett schwarz. Mal sieht sie menschlich aus oder besteht sie zum Teil aus Eisen, besitzt Krallen und brennende oder glühende Finger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem kann sie sich in einigen Versionen in Tiere wie z. B. einen Wolf, eine Schlange, eine Schildkröte oder einen Frosch verwandeln oder hat Tiere bei sich wie z. B. ein Pferd, kleine Hunde oder Roggenwölfe – eine andere Art von Korndämonen, wegen denen sie manchmal auch als Mutter der Roggenwölfe bezeichnet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme hat in einigen Geschichten außerdem Werkzeuge bei sich, wie eine Rute, eine Peitsche, eine Sichel, eine Sense, Messer, eine Säge oder andere zum Töten oder Foltern geeignete Gegenstände.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<h4 class="wp-block-heading">Volksglaube und Tradition:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme hat von ihren Eigenschaften her viele Gemeinsamkeiten mit anderen Korndämonen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So sind die Bauern auf ihre Gnade angewiesen: Die Anwesenheit der Roggenmuhme macht das Feld fruchtbar, doch wenn der Bauer sie erzürnt oder sein Feld ungepflegter aussieht, als die anderen, kann sie das gesamte Feld verdorren lassen und den Bauern ruinieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher wird in bestimmten Regionen der Roggenmuhme bei der Ernte besondere Aufmerksamkeit geschenkt und es sind viele Rituale mit ihr verbunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielerorts heißt es, dass die Roggenmuhme oder ihr <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> sich in dem letzten Getreide befindet, das bei der Ernte noch auf dem Feld steht. Es wird häufig stehengelassen und zusammengebunden, bis es unter großen Feierlichkeiten abgeschnitten, teilweise sogar als Frau angezogen und feierlich behandelt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Regionen wird es hingegen gar nicht abgeschnitten, sondern als Opfergabe der Roggenmuhme hinterlassen – alternativ können auch Teile der Ernte aufs Feld zurückgelegt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles soll dazu dienen, die Roggenmuhme positiv zu stimmen, damit sie im folgenden Jahr wieder für eine gute Ernte sorgt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Schreckgestalt:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme entscheidet jedoch nicht nur über die Ernte, sondern ist auch seit Jahrhunderten als Kinderschreck bekannt. So erzählen Eltern ihren Kinder noch immer Geschichten über diese Frau, die jeden angreift, der sich unbefugt in einem Feld aufhält oder die Pflanzen zerstört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je nach Region und Erzählung kann sie dies auf verschiedenste Weisen tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So stopft sie die Kinder manchmal in einen Sack oder Korb und entführt sie, um sie später in einem eisernen Butterfass bei lebendigem Leibe zu zerstampfen oder nicht näher erläuterte Dinge mit ihnen zu tun. Manchmal soll sie die Kinder fressen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme kann die Kinder aber auch direkt vor Ort bestrafen oder töten. So kann sie ihnen die Augen auskratzen, ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Augenlicht auspusten, dafür sorgen, dass die Kinder sich verirren, verhungern oder einschlafen und nie wieder aufwachen oder sie mit ihren Werkzeugen foltern, sofern sie welche dabei hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr beliebt sind auch die Varianten, dass sie die Kinder in einer festen Umarmung erdrückt, sie erwürgt oder ihnen den Kopf, die Finger oder die Beine ausreist oder abschneidet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre wohl verstörendsten Methoden sind hingegen, dass sie die Kinder zwingt, den Teer oder die vergiftete Milch aus ihrer Brust zu trinken oder, dass sie sie mit ihren langen Brüsten erschlägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem gibt es noch viele andere <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legenden</a>, denen zufolge sie ihre Opfer an die Roggenwölfe verfüttert oder sie auf andere grausame Weise tötet. Aber ich denke, dass die bisherigen Beispiele mehr als ausreichen, um ihre Grausamkeit zu zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Gedichten heißt es außerdem, dass verirrte Kinder, die von der Roggenmuhme verfolgt werden, nicht mehr aus dem Kornfeld herauskommen, egal, wie lange sie laufen. Ob das als Stilmittel gedacht war, als Übertreibung, um die Dramatik zu verstärken, oder als tatsächliche Eigenschaft der Roggenmuhme, weiß ich jedoch nicht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann die Roggenmuhme hauptsächlich auf Roggenfeldern antreffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manche Leute behaupten, sie tauche besonders häufig zwischen 12 und 13 Uhr auf, um die Feldarbeiten zu beobachten, andere sagen, ihr Erscheinen wäre nicht von der Uhrzeit abhängig.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Korndämonen sind aus dem früheren Glauben über Ernte- und Vegetationsgötter entstanden. Da das Christentum andere Glaubensrichtungen dämonisiert hat, wurden aus den meist gutartigen Göttern mit der Zeit Dämonen und böse Geister.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man erkennt den Bezug zu den altertümlichen Gottheiten jedoch immer noch in den Ritualen wieder, bei denen den Korndämonen Teile der Ernte als Opfergaben dargebracht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später hat sich die Legende der Roggenmuhme hauptsächlich als Kinderschreck und in literarischer Form – als Gedichte und Geschichten, darunter auch eine Geschichte der Gebrüder Grimm, die den Namen „Die Roggenmuhme“ trägt – verbreitet, weswegen sie noch immer bekannt ist.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Roggenmuhme? Bevorzugt ihr eine andere Version der Legende? Wie hättet ihr an Franks Stelle reagiert? Schreibt es mir in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-roggenmuhme">Die Roggenmuhme</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/die-roggenmuhme/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>11</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
