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	<title>Kryptide Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Sun, 10 May 2026 22:23:37 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Biloko – Hör nicht auf seine Glocke!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Mir war so unglaublich schlecht. Wie viel Blut hatte ich bereits verloren? Mein Hinterkopf schmerzte von dem Sturz. Sollte das also das Letzte sein, was ich sah?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/biloko">Biloko – Hör nicht auf seine Glocke!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/3d6c405bc0374f19bcfd758cd89c791e" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Biloko sind eine afrikanische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a>, die tief im Regenwald des Kongo spielt. Daher hat der Beitrag auch so lange gedauert – zum einen, weil die Geschichte recht lang geworden ist, zum anderen, weil ich mich erst ausgiebig über das Kongobecken informieren wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und noch eine kleine Anmerkung: Der nächste Beitrag wird wahrscheinlich etwas auf sich warten lassen, weil ich im Mai kein einziges Wochenende Zeit habe (und unter der Woche schaffe ich die Blogbeiträge nicht). Aber die monatliche Lesung auf Patreon werde ich trotzdem versuchen, unterzubekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun wünsche ich euch aber:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lag auf dem Rücken. Über mir ragten hohe Bäume empor. Alles drehte sich. Ich sah zahlreiche verschiedene Pflanzen und Lianen, starrte in ein dichtes Blätterdach, durch das ich den Himmel kaum sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir war so unglaublich schlecht. Wie viel Blut hatte ich bereits verloren? Mein Hinterkopf schmerzte von dem Sturz. Sollte das also das Letzte sein, was ich sah?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na los, Frau!“, zischte mich eine Kinderstimme an. „Gib mir dein süßes, saftiges Fleisch!“ Dann ertönte wieder das sanfte Klingeln einer Glocke.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß noch gut, wie ich mich gefühlt hatte, als ich in dem kleinen klapprigen Propellerflugzeug ins Kongobecken gesessen hatte. Unter mir hatte sich das scheinbar endlose grüne Blätterdach des Regenwalds erstreckt. Ich hatte eine Mischung aus Ehrfurcht, Bewunderung, aber auch Sorge empfunden. Hier sollte ich die nächsten Wochen leben. Abseits jeglicher Zivilisation zusammen mit völlig fremden Menschen. Noch dazu unter allerlei gefährlichen Tieren mit dem nächsten Krankenhaus in hunderten Kilometern Entfernung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück waren meine Sorgen unbegründet. Klar, es gab hier gefährliche Tiere, aber wenn man wusste, wie man mit ihnen umzugehen hatte und die Augen und Ohren offenhielt, war das alles halb so wild. Zumal ich die meisten gefährlichen Tiere nie zu Gesicht bekommen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch die Leute konnte ich nur als herzlich beschreiben. Bei meiner Landung hatte sich das ganze Dorf an der Landebahn versammelt, um mich zu begrüßen. Die Erwachsenen hatten gelacht, gewunken und mir die Hände geschüttelt, während die Kinder neugierig zu mir gerannt waren, um mir High-Fives zu geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dr. Harrison?“, hatte mich ein Mann begrüßt. Er hatte eine überraschend tiefe Stimme und sprach mit einem starken Akzent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin noch keine Doktorin“, war meine Antwort gewesen. „Aber hoffentlich bald.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin hatte der Mann mich breit angelächelt. „Dann sollten Sie sich an den Klang gewöhnen. Ich bin Bokungu, Ihr Guide. Es freut mich, Sie kennenzulernen, Dr. Harrison.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Guide war es seine Aufgabe, Neuzugänge wie mich im Dorf abzuholen. Immerhin lag der Grund meiner Reise, ein Forschungscamp für Bonobos, etwa zwanzig Kilometer tiefer im Dschungel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein anstrengender Fußweg gewesen. Wir folgten Trampelpfaden, kletterten über umgestürzte Bäume und wateten durch kniehohes Wasser. Zum Glück war das Wasser warm. Trotzdem war es am Anfang höchst ungewohnt, mit Schuhen, Socken und Hose durch den Bach zu wandern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf durfte ich außerdem feststellen, dass die Kleidung wegen der hohen Luftfeuchtigkeit kaum trocknete. Aber man gewöhnt sich ehrlich gesagt daran. Es war ja nicht so, dass meine Kleidung nicht ohnehin schon vor lauter Schweiß völlig durchnässt an meinem Körper klebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einem halben Tagesmarsch und einer kurzen Strecke in einem Holzboot erreichten wir schließlich das Camp. Dort lernte ich den Rest des Teams kennen. Sie hatten mich aufgenommen, als wäre ich Teil ihrer Familie. Denn genau so fühlte es sich inzwischen an: wie eine Familie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hätten viele von uns kaum unterschiedlicher sein können. In unserem Camp wohnte ein bunter Mix aus Einheimischen und Ausländern wie mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da war Brian, der Arzt unserer kleinen Gruppe. Er war Engländer, war aber schon viele Male hier im Dschungel gewesen. Er hatte diverse Gegengifte und Verbandszeug immer griffbereit. Nur für den Fall der Fälle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war da das Forscherteam, das die Bonobos, eine stark gefährdete Primatenart, untersuchte. Beziehungsweise waren es genau genommen zwei Forscherteams.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatten die wohl härteste Arbeit unserer ganzen Gruppe. Jeden Morgen machte sich eins der beiden Teams um etwa 3 Uhr auf den Weg, um zu den Bonobos zu gehen. Sie beobachteten sie, machten Notizen und begleiteten sie den kompletten Tag über, bis die Primaten am späten Abend wieder schlafen gingen. Am nächsten Tag stand schon das zweite Team bereit, um dieselbe Arbeit zu verrichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war wichtig, dass sie die Bonobos nie aus den Augen verloren. Wenn die Primaten nicht schliefen, musste immer ein Forscherteam bei ihnen sein, damit wir die Gruppe nicht verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus gab es einige Leute, die das Camp in Schuss hielten und sich um neue Verpflegung kümmerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Favorit unter ihnen – sagt das aber bitte nicht den anderen – war Bokungu. Er war ein schwarzer Mann, dessen tiefes, lautes Lachen man im ganzen Camp hören konnte. Seine Arbeit als Guide machte er unglaublich gut. Ich kannte niemanden, der sich so im Regenwald auskannte, wie er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war er abergläubisch. Wobei … Ich sollte besser gläubig sagen, immerhin war es seine Religion. Er hatte uns von so vielen Geistern und Monstern erzählt, die im Dschungel hausten. Ich sog all seine Geschichten auf wie ein Schwamm. Nicht, dass ich auch nur an eine davon glauben würde, aber ich liebte es, seine Kultur auf diese Weise kennenzulernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da natürlich noch ich: Mein Name ist Natalia Harrison, hoffentlich bald Dr. Natalia Harrison.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war in die Demokratische Republik Kongo geflogen, um für meine Doktorarbeit Bonobos zu beobachten. Das Kongobecken ist der einzige Ort der Welt, an dem diese Primatenart lebt. Sie sind, zusammen mit den Schimpansen, der nächste Verwandte der Menschen. Sie teilen 98,7% unserer DNA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um genau zu sein, sind wir so nahe miteinander verwandt, dass wir eine medizinische Maske tragen müssen, wann immer wir uns den Bonobos nähern, damit wir keine Krankheiten an sie übertragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich könnte euch jetzt so viel über die Bonobos erzählen. Zum Beispiel, dass sie in einem Matriarchat leben, ihre Anführer also weiblich waren. Im Gegensatz zu den Menschen und Schimpansen waren sie eine sanfte und friedliche Art – ihre Konflikte lösten sie oft mit einvernehmlichem Sex statt mit Gewalt. Das Geschlecht spielte dabei keine Rolle. Außerdem hatten sie eine trüffelartige Delikatesse, die sie im Regenwald suchten, ausgruben und aßen. Und das, obwohl er außer Natrium keinen wichtigen Nährwert für die Tiere brachte. Der trüffelartige Pilz Hysterangium bonobo war sogar nach ihnen benannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Bonobos sind nicht der Grund, warum ich diese Geschichte erzähle, warum ich euch mit in den Regenwald der Demokratischen Republik Kongo nehme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es begann wie ein völlig normaler Tag im Dschungel. Um 3 Uhr klingelte der Wecker, der eines der beiden Forscherteams und mich in unseren regulären Arbeitstag schickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst in der Nacht wurde es nicht kalt im Kongobecken – selten fielen die Temperaturen unter 20 °C –, aber im Vergleich zur schwülen Tageshitze fand ich es angenehm erfrischend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Dschungel begrüßte uns mit seiner nächtlichen Symphonie. Aus allen Richtungen zirpten Insekten, schrien nachtaktive Vögel und brüllten gelegentlich Affen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was nun folgte, war ein dreizig- bis vierzigminütiger Weg durch überwucherten Regenwald. Wir hielten uns an die Trampelpfade, wo wir nur konnten, aber die meiste Zeit mussten wir uns durch dichtestes Dickicht kämpfen. Das hatten wir den Bonobos zu verdanken, die sich vor wenigen Tagen entschieden hatten, tiefer in den Regenwald zu wandern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lianen, gefallene Bäume und allerlei anderes Blattwerk versperrte uns den Weg, als würde es uns mit aller Macht am Durchkommen hindern wollen. Ohne unsere treuen Gartenscheren hätten die meisten von uns sicher schon lange aufgegeben. Ich hätte es jedenfalls.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Müde stolperte ich den anderen nach. Der Vorteil, wenn man so weit hinten lief, war, dass die meisten Lianen auf meinem Weg bereits durchtrennt waren. Trotzdem fand sich immer mal wieder eine Pflanze, in der auch ich mich verhedderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald mischte sich das Quaken unzähliger Frösche unter die wirre Soundkulisse. Wir näherten uns einem kleinen Bach, durch den wir ein gutes Stück hindurchwaten würden. Dort langzugehen war sehr viel weniger anstrengend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem folgte kurz darauf eine alte Elefantenspur, die sich durch das Unterholz zog. Auch hier war das Vorankommen vergleichsweise einfach, bis wir wieder ins Unterholz abbiegen mussten, um zum Schlafplatz der Bonobos zu gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch vor ein paar Wochen hatte ich mich gewundert, wie die Forscher sich hier draußen nicht regelmäßig verirrten. Aber mit der Zeit lernt man die Unterschiede: Man lernt, einen frischen Pfad von unberührter Wildnis zu unterscheiden, erkannte die durchtrennten Lianen unter all den gesunden Pflanzen und hatte seine Wegweiser wie z. B. den Elefantenpfad oder den Bach, an denen man sich orientieren konnte. Auch ich brauchte hier draußen nur noch selten meinen Kompass.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Nachtlager der Bonobos war alles ruhig. Sie schliefen hoch oben in den Bäumen, wo sie sich jeden Abend ein neues Schlafnest aus Ästen und Blättern bauten. Jeder Primat sein eigenes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also machten wir es uns im Unterholz gemütlich. Zumindest so gemütlich, wie es möglich war. Wir packten unsere Ausrüstung aus, während die Bonobos langsam aus ihrem Schlaf erwachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Morgen, Mary-Ann“, hörte ich eine der anderen Forscherinnen sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah auf. Sie hatte recht. Mary-Ann, die Anführerin der kleinen Bonobogruppe, kam gerade einen Baum heruntergeklettert. Schnell setzten wir unsere medizinischen Masken auf, um die Bonobos zu schützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt begann unsere eigentliche Arbeit. Wir machten Notizen zum Verhalten der Bonobos, beobachteten sie, machten gelegentlich Fotos und hielten alles so detailliert fest, wie wir nur konnten. Oder besser gesagt taten das die anderen. Ich half ihnen zwar dabei, so gut ich konnte, aber mein primärer Fokus war meine Doktorarbeit. Ich möchte euch nicht mit den Details langweilen, doch es hatte mit der Ernährung der Bonobos im matriarchalen Hierarchiesystem zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider war heute keiner der angenehmsten Tage für die Bonobobeobachtung. Es gab kein Unwetter oder so etwas, aber dafür bekamen wir Besuch von einer der lästigsten Tierarten hier im Kongobecken: die Ostafrikanische Hochlandbiene. Zumindest, wenn man von meiner Erfahrung der letzten Wochen ausging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Bienenart war hier im Kongobecken fast überall zu finden. Ich hatte schon einige Male die unangenehme Ehre, dieser Honigbienenart zu begegnen. Und wenn man eine von ihnen fand, blieben die anderen oft nicht fern. Sie liebten unseren Schweiß beziehungsweise die Salze darin. Und so besetzten sie oft scharenweise unsere Körper, um an ihre salzige Nahrungsquelle zu gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gab auch einen kleinen Trost: Sie waren nicht aggressiv. Man konnte sie oft problemlos mit Blättern vom Körper schlagen, um sie loszuwerden. Das hieß aber nicht, dass sie nicht innerhalb kürzester Zeit wieder zurückkamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so dauerte es heute nicht lange, bis ich mich auf den Rückweg zum Camp machte. Ihr braucht euch darüber aber nicht wundern. Ich blieb selten den ganzen Tag bei den Forscherteams, da ich es bevorzugte, meine Notizen im Camp zu ordnen, wo ich einen Tisch und einen Stuhl hatte. Außerdem waren die Bienen ein wirklich gutes Argument, meine Untersuchungen heute frühzeitig zu beenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also war ich bereits gegen Mittag auf dem Rückweg ins Camp. Die Luft war drückend schwül. Noch immer lief mir der Schweiß am ganzen Körper hinunter, aber immerhin waren hier keine Bienen mehr. Ich kämpfte mich zurück durchs Unterholz zum Elefantenpfad. Von dort aus ging es weiter, bis ich auf der linken Seite zerschnittene Lianen sah. Dann folgten wieder etwa drei Minuten Unterholz, ehe ich den Bach erreichen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach fünf Minuten blieb ich stehen. Ich hätte den Bach schon lange erreichen müssen. War ich falsch abgebogen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast schon genervt kramte ich meinen Kompass aus der Seitentasche am Rucksack. Ich war mir sicher, dass ich in die richtige Richtung gegangen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war ich nicht. Verdammt nochmal! Heute lief nichts so, wie es sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz überlegte ich, ob ich zurückgehen solle. Aber nein. Ich war nur etwas zu weit nach rechts gegangen. Wenn ich mich jetzt Richtung Osten durch das Unterholz kämpfte, müsste ich so oder so zum Bach gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich wäre mein Plan aufgegangen. Ich war zwar mehr dabei, mich mit meiner Gartenschere durch Lianen zu schneiden, als zu gehen, doch ich kam langsam, aber sicher voran. In der Ferne konnte ich bald das Plätschern des Baches hören. Dann jedoch fiel mir auf, wie ungewöhnlich still es ansonsten war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich kann man überall im Dschungel Lärm hören. Zu jeder Tages- und Nachtzeit war man von einem Gewirr aus Blätterrascheln, Insektenzirpen und Tierstimmen umgeben. Hier jedoch wirkten die Geräusche fast dumpf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war mir unheimlich. Also beeilte ich mich. Ich zog sogar als zusätzliche Hilfe das Messer aus meiner Gürteltasche, um mich schneller durch die Lianen schneiden zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kam nicht weit. Plötzlich erklang ein anderes Geräusch aus dem dichten Grün: das leise Klingeln einer Glocke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort spitzte ich die Ohren. Mit gerunzelter Stirn stand ich da. Hatte ich mich geirrt? Aber nein! Da war es wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo?“, rief ich laut. „Ist da jemand? Bonjour?“ Aber auf meine Rufe kam keine Antwort, außer einem weiteren leisen Klingeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mich überkam ein seltsames Gefühl. Ich konnte es nicht genauer beschreiben. Es war ein abgrundtiefes Verlangen, herauszufinden, was es mit dem Geräusch auf sich hatte. In dem Moment machte ich meine Forschernatur dafür verantwortlich, aber inzwischen weiß ich, dass es etwas anderes war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder arbeitete ich mich mit Messer und Gartenschere durch die Lianen und Blätter, diesmal auf das Geräusch zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis ich eine Lichtung erreichte. Sie war aber nicht von Sonnenlicht erhellt wie unser Camp, sondern lag unter einem dichten Blätterdach. Nur die Baumstämme und anderen Pflanzen wirkten hier unten, als würden sie einen Bogen um das kleine Fleckchen machen. Ich fragte mich, ob es an hartem Stein lag, der hier knapp unter der Oberfläche sein könnte, ähnlich wie in der Savanne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment zog ein Rascheln vor mir meine Aufmerksamkeit auf sich. Die Pflanzen bewegten sich. Dort kam etwas aus dem Unterholz. Oder nein … Es war das Unterholz! Vor mir bewegte sich ein Wesen, das mit Gras und blättern überwuchert war. Es richtete sich auf zwei Beine auf, erreichte dabei eine stolze Höhe von einem Meter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst dachte ich, es sei ein Affe. Aber selbst im Gegensatz zu den Bonobos wirkte es dafür zu menschlich. Es hatte keine Haare an seinem Körper. An der Stelle, wo bei uns Menschen die Kopfhaare wuchsen, wuchs bei ihm Gras. Auch trug es Kleidung, die aus Blättern gefertigt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da noch die kleine Glocke, die es in seiner klauenbesetzten Hand hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste sofort, was es war. Aber nicht aus dem Biologieunterricht oder meinen Recherchen zu der Fauna des Kongobeckens, sondern aus Bokungus Geschichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte mir von den Biloko erzählt. Zwergenhafte Wesen, die im Dschungel wohnen. Sie sollen die Geister der Ahnen von den Einheimischen sein oder irgend so ein Quatsch. Wie hatte er gesagt? Biloko seien böse Geister, die nichts lieber mögen als unser menschliches Fleisch. Der Klang ihrer Glocke könne uns völlig den Kopf verdrehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich also eine Sache aus seinen Erzählungen gelernt hatte, dann, dass ich hier schnellstens wegmusste! Zumindest hatte ich keine Lust, mein Leben zu riskieren, um herauszufinden, ob es stimmte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch drehte ich mich um. „Hilfe!“, schrie ich aus voller Lunge. „Hiiiilfe!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich erreichte nicht einmal das Unterholz. Als ich gerade zwischen den Pflanzen verschwinden wollte, ertönte wieder dieses engelsgleiche Klingeln der Glocke, das mich mindestens so sehr anzog, wie unser Schweiß die afrikanischen Bienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam wandte ich mich dem Eloko – so hießen sie in der Einzahl – zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bleib hier“, sagte er mit einer kindesgleichen Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens jetzt zog sich eine Gänsehaut über meinen gesamten Körper. Ich war gleichermaßen erschrocken wie fasziniert von diesem Wesen, das aus einem mir unerfindlichen Grund Englisch sprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gib mir ein Stück von deinem saftigen Fleisch!“, fuhr es fort. Es untermalte den Befehl mit seiner Glocke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich denkt ihr jetzt, dass niemand solch einem wahnsinnigen Befehl nachgehen würde. Aber ich war von seiner Glocke verzaubert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie in Trance ließ ich meine Schere fallen. Ich setzte das Messer, das ich noch immer in der linken Hand hielt, an meinen rechten Arm. Ich zögerte nicht einmal eine Sekunde, ehe ich tief in mein Fleisch schnitt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blut quoll aus der Wunde hervor. Ich wollte weiterschneiden, aber es gibt da eine Sache, die ich euch noch nicht erzählt hatte: Ich konnte kein Blut sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Statt also dem Befehl des Eloko nachzukommen, erstarrte ich. Ich musste kreidebleich im Gesicht geworden sein. Im nächsten Moment kippte ich rücklings um.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lag auf dem Rücken. Über mir ragten hohe Bäume empor. Alles drehte sich. Ich sah zahlreiche verschiedene Pflanzen und Lianen, starrte in ein dichtes Blätterdach, durch das ich den Himmel kaum sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir war so unglaublich schlecht. Wie viel Blut hatte ich bereits verloren? Mein Hinterkopf schmerzte von dem Sturz. Sollte das also das Letzte sein, was ich sah?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na los, Frau!“, zischte mich eine Kinderstimme an. „Gib mir dein süßes, saftiges Fleisch!“ Dann ertönte wieder das sanfte Klingeln einer Glocke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit aller Kraft versuchte ich, mich aufzurichten. Ich musste mein Messer wiederfinden, das ich fallengelassen hatte, musste seinem Befehl nachkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch in dem Moment, als ich meinen Kopf hob, um mich umzusehen, fiel mein Blick wieder auf den Schnitt in meinem Arm. Das Blut, das daraus hervorquoll, hatte mein Hemd erreicht, das sich langsam vollsog. Warum musste ich heute nur weiß tragen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ meinen Kopf zurückfallen. Nein. So leid es mir tat, wenn der Eloko ein Stück von mir wollte, musste er es sich selbst holen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schloss ich die Augen. Wenn ich ihn schon nicht füttern konnte, wollte ich wenigstens keine Gegenwehr leisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dr. Harrison!“, hörte ich Bokungus Stimme in meinem Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Ahnung, warum ich in meinen letzten Momenten ausgerechnet an ihn dachte. Vielleicht, weil er mir von den Biloko erzählt hatte. Vielleicht, weil wir gute Freunde geworden waren, oder weil er mich an meinen Vater erinnerte. Er war hier draußen so etwas wie meine Bezugsperson geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dr. Harrison!“, erklang seine Stimme erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Moment … Sie kam nicht aus meinem Kopf!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter großer Anstrengung zwang ich mich, wieder die Augen zu öffnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dr. Harrison, können Sie mich hören?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da war Bokungu. Er stand über mir, hatte sein eigenes Messer gezückt und richtete es auf den Eloko. In der anderen Hand hatte er irgendeinen hölzernen Gegenstand, den er mir entgegenhielt. „Nehmen Sie das. Schnell!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kraftlos streckte ich die Hand nach ihm aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tu es nicht!“, rief der Eloko. Er klang wütend, klingelte jetzt wie wild mit seiner Glocke. „Nimm nichts von ihm an!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es war zu spät. Ich hatte den Fetisch bereits mit der Hand umschlossen. Aber bitte denkt jetzt nicht an etwas Versautes. Fetische waren heilige Artefakte aus Afrika. Dieses hier war eine Holzstatue, die einen Menschen mit langem, maskenartigem Gesicht darstellte. Wahrscheinlich war es irgendein Schutzzauber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf einmal war ich wieder klar im Kopf. Ich sah den Eloko, der inzwischen schrie und tobte, nicht länger als Kind, dem ich helfen musste, sondern als das, was er war: ein blutrünstiges Ungeheuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war mir noch immer schwindelig. Es dauerte eine ganze Weile, bis Bokungu mir auf die Beine geholfen hatte. Und auch dann musste er mich stützen, damit ich nicht wieder zusammenklappte, während er die ganze Zeit das Messer auf den Eloko gerichtet hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Überraschung griff das Wesen nicht an. Bokungu hatte erklärt, dass Biloko übermenschlich stark seien, aber anscheinend machte sie das nicht immun vor Messerklingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte unterdessen den Fetisch in meine rechte Hand genommen, um mir mit der linken auf die Wunde zu pressen. Natürlich ohne sie anzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gingen wir langsam rückwärts. Wir verließen die Lichtung, stolperten über Wurzeln, durch Blätter und Lianen. Bald näherten wir uns dem Bach. Aber erst, als wir im Wasser standen, traute Bokungu sich, das Messer sinken zu lassen. Er holte eine verpackte Mullbinde aus seinem Rucksack und band sie mir mit geschickten Griffen um den Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie hast du mich gefunden?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bokungu sah mich an, während er die Wunde weiter verband. „Die Götter müssen mich geführt haben“, erklärte er. „Ich war auf dem Weg zu euch, wollte gerade aus dem Bach steigen, als ich dich rufen gehört habe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Weg bis zum Camp – Bokungu wich dabei nicht mehr von meiner Seite – dachte ich über seine Worte nach. Die Götter … Früher hätte ich ihn für solch eine Aussage belächelt. Aber jetzt? Wenn die Biloko real waren, was von seinem Glauben stimmte dann noch?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück im Camp gingen wir sofort zu Brian, unserem Arzt. Die Anderen bekamen es natürlich mit. Sie waren sofort in hellem Aufruhr, sobald klar wurde, dass Brian meine Wunde nähen musste. Sie wollten wissen, was mir passiert war. Ich erzählte es ihnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten glaubten mir nicht. Sie suchten nach logischeren Erklärungen: Ich sei dehydriert gewesen oder vergiftet, habe halluziniert. Sie waren Forschende, genau wie ich. Wenn ich ehrlich war, hätte ich die Geschichte wahrscheinlich selbst nicht geglaubt, wenn sie mir nicht widerfahren wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An ihrem Verhalten oder der Route zu den Bonobos änderten sie jedenfalls nichts. Es blieb also nur zu hoffen, dass niemand aus dem Forscherteam dem Eloko begegnen würde, bis die Bonobos weitergezogen waren. Denn noch einmal so viel Glück, dass ausgerechnet in dem Moment Bokungu auftauchen würde, hatte sicher niemand von ihnen.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Biloko, in der Einzahl „Eloko“, sind Wesen aus der Folklore der Mongo, einem Volk, das in der Demokratischen Republik Kongo in Afrika lebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir ist dabei nicht ganz klar, ob ich sie als „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Monster</a>“ oder als „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geister</a>“ einordnen soll. Mehr dazu aber weiter unten im Beitrag.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Darstellungen sind Biloko zwergenhafte humanoide Wesen, manchmal mit tierischen Eigenschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie besitzen keinerlei Haare am Körper. Stattdessen wächst ihnen Moos oder Gras aus der Haut, meist an den Stellen, wo man Kopfhaare und/oder einen Bart erwarten würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch ihre Kleidung besteht ausschließlich aus Pflanzen bzw. hauptsächlich aus Blättern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen sie lange scharfe Krallen haben und einen Mund, den sie – ähnlich wie eine Schlange – ausrenken können, sodass sie ihn so weit aufbekommen, dass sie sogar einen ganzen Menschen verschlingen können sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Biloko gelten generell als bösartige Wesen, zumindest uns Menschen gegenüber. Gleichzeitig wird ihnen in einigen Legenden nachgesagt, Besitzer und/oder Beschützer des Regenwaldes zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus sollen sie Jagdtiere und die seltensten Früchte des Dschungels „sammeln“ bzw. schützen, was ihre Lebensräume besonders bei Jägern sehr beliebt machen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade Letzteres könnte auch eine Jagdstrategie der Biloko sein, da ihr Hauptnahrungsmittel, teilweise sogar ihr einziges Nahrungsmittel, Menschenfleisch sein soll. Sie sollen dabei besonders das Fleisch von Frauen mögen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen sie die Stimme eines Kindes haben, mit der sie Menschen in die Irre führen können und dank der sie oft unterschätzt werden, und übermenschlich stark sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre wohl gefürchtetste Jagdmethode ist jedoch eine magische Glocke, die sie immer bei sich tragen. Ihr Klang soll in der Lage sein, Menschen zu betören und zu beeinflussen. Sie soll dabei so mächtig sein, dass die Menschen sich freiwillig von den Biloko essen lassen oder gar ihr eigenes Fleisch abschneiden, um den Eloko damit zu füttern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man soll sich jedoch mit Amuletten, Fetischen und anderen Schutzzaubern vor ihnen und der Wirkung ihrer Glocke schützen können, wodurch man ihren Lebensraum – mehr oder weniger sicher – durchqueren können soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eloko sollen ausschließlich in den tiefsten Regenwäldern im Kongo leben. Dort wohnen sie angeblich in Baumhöhlen und hohlen Bäumen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legenden über die Biloko wurden früher ausschließlich mündlich weitergegeben. Daher ist es heutzutage wahrscheinlich unmöglich, den genauen Ursprung der Wesen zu bestimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber die Theorie, dass sie die Gefahr des Dschungels darstellen sollen. Sie könnten als eine Art Warnung dienen, sich nicht zu tief in den Urwald zu wagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem finde ich eine Sache besonders interessant: Obwohl die Biloko definitiv als physische Wesen bzw. Kryptide angesehen werden, sollen sie gleichzeitig die Geister der Ahnen sein. Der Legende nach sind die Seelen der Verstorbenen, die z. B. einen grausamen Tod oder eine mangelhafte Bestattung erleidet haben, in Form der Biloko als Monster auf die Erde zurückgekehrt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Biloko in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders bekannt dürften Biloko aus der Welt des Pen and Paper Rollenspiels „Pathfinder“ sein, wo sie als bösartige Monster auftreten. Außerdem gibt es sie ebenfalls in dem weniger bekannten Pen and Paper Rollenspiel „White Wolf“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus haben sie Auftritte in diversen Romanen wie z. B. „A Song Below Water“ von Bethany C. Morrow, „Bacchanal“ von Veronica G. Henry oder der „Dark Star“-Trilogie von Marlon James.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem kommen sie in dem Jagd-Videospiel „theHunter: Call of the Wild“ bzw. in der Questreihe des DLC „Vurhonga Savanna“ vor, und es gibt einige Lieder über sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Biloko? Und wie würdet ihr reagieren, wenn ihr im tiefsten Regenwald eine Glocke hört? Würdet ihr versuchen, herauszufinden, wo das Geräusch herkommt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Lake Worth Monster – Das Monster von Lake Worth</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Mar 2026 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Plötzlich knackte es neben uns im Unterholz. Fast hätte ich meine Taschenlampe eingeschaltet, um in die Richtung zu leuchten. Stattdessen starrten Suzanne und ich in die Dunkelheit, versuchten, zwischen den Ästen irgendetwas zu erkennen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-lake-worth-monster">The Lake Worth Monster – Das Monster von Lake Worth</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/e074e20ddcdf4eafb5e4f3166a38b430" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">The Lake Worth Monster ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Kryptid</a>, der in den 1960er seine Bekanntheit erlangt hat, als er mehrere Male auf der Titelseite einer Lokalzeitung auftauchte. Aber was ist im Sommer 1969 in Texas wirklich passiert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Freitag, 10. Juli 1969</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fischige Mann-Ziege terrorisiert parkende Pärchen bei Lake Worth“, las Suzanne vor. Sie, Wesley und ich kannten den Zeitungsartikel bereits auswendig. Trotzdem entschied sie, ihn noch ein letztes Mal zu lesen, während wir gemeinsam im Auto nach Lake Worth saßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich beschwerte mich gar nicht. Es half mir dabei, mich von der Dummheit abzulenken, die wir gleich vorhatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sechs entsetzte Anwohner berichteten heute Morgen der Polizei, dass sie von einem Ding angegriffen wurden, das sie als ‚halb Mann, halb Ziege und bedeckt mit Fell und Schuppen‘ beschrieben“, fuhr sie fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich als Einziger auf dem Rücksitz saß, hatte ich mich zu ihr nach vorne gelehnt, um über ihre Schulter mitzulesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Polizei sagt, dass John Reichert folgende Story erzählte: Reichert hatte, zusammen mit seiner Frau und zwei anderen Pärchen, gegen Mitternacht bei Lake Worth geparkt, als jemand oder etwas von einem nahegelegenen Baum auf ihr Auto sprang. Reichert sagte, dass das Ding versucht hat, seine Frau zu packen, aber er fuhr davon, ehe es sie berühren konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie mit der Polizei zu dem Ort zurückgekehrt sind, zeigte Reichert, wo der Angriff stattgefunden hat, aber von dem Ding fehlte jede Spur. Er zeigte den Polizisten einen achtzehn Zoll langen Kratzer an der Seite seines Autos, den das Ding mit seinen Krallen verursacht haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Wir führten eine gründliche Untersuchung durch‘, sagte Streifenpolizist James S. McGee, ‚weil diese Leute wirklich verängstigt waren.‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem meinte McGee, dass die Pärchen wahrscheinlich die Opfer von Scherzbolden geworden sind, die entweder eine Puppe auf das Auto geworfen oder jemanden in ein Affenkostüm gesteckt haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Suzanne faltete die Zeitung raschelnd zusammen. Danach hörte ich nur noch das Dröhnen des Motors, spürte die Vibration unter meinem Sitz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Meint ihr wirklich, dass das nur ein paar Scherzbolde in einem Kostüm waren?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wesley drehte sich zu mir um. Ein breites Grinsen zog sich über sein Gesicht. „Nein. Wer würde denn sowas tun, Curtis?“, fragte er ironisch, ehe er seinen Blick wieder auf die Straße wandte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf einmal wurde mir sehr warm unter meinem Mantel. Ich spürte, wie Schweiß meinen Rücken hinablief. Und das lag nicht nur an der texanischen Sommerhitze oder dem Gorillakostüm, das ich unter dem langen Mantel verbarg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Verteidigung: Die ganze Sache war Suzannes Idee gewesen. Wir drei waren an der ganzen Schule für unsere Streiche bekannt. Und dann kam jemand anderes daher und zog den Streich des Jahres, vielleicht sogar des Jahrzehnts ab? Und das auch noch in den Sommerferien? Das konnten wir uns nicht gefallen lassen! Also hatten wir entschieden, dass wir uns selbst als das ominöse Monster verkleiden würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meinem Leidwesen war ich der Größte aus unserer Gruppe. Obwohl ich erst sechzehn war, war ich über 1,90 cm groß. Und auch das Gorillakostüm, das Wesley aus der Theatergruppe unserer Schule „ausgeliehen“ hatte, passte mir überraschend gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Scheinwerferlicht vor uns kamen parkende Autos zum Vorschein. Sie standen auf beiden Seiten der ungepflasterten Straße auf dem vertrockneten Gras.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach du scheiße“, sagte Wesley. „Was ist denn hier los?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten den Parkplatz noch nicht einmal ganz erreicht. Trotzdem parkten hier bereits zahlreiche Autos. Menschen standen in Paaren oder Gruppen herum und gingen umher. Ich erkannte, dass einige von ihnen Gewehre geschultert hatten. Ich schluckte schwer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir noch ein kleines Stück gefahren waren, fuhr Wesley schließlich selbst in eine Lücke zwischen zwei parkenden Autos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne ein weiteres Wort zu sagen, stiegen wir aus. Ich schlang dabei den Mantel eng um mich. Trotzdem blitzte noch immer graues Fell an meinen Unterschenkeln hervor. Ich hoffte, dass es niemand bemerken oder ihm Beachtung schenken würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So machten wir uns auf den Weg zum Parkplatz in der Nähe des Sees.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey!“, rief eine Stimme neben uns. Sie kam von einem Mann, vielleicht Mitte 30, der eine Schrotflinte über der Schulter trug. Er saß auf dem Dach seines Pick-ups, ein Bier in der Hand. Zwei andere Männer und eine Frau, die neben ihm standen, sahen zu uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschrocken sah ich sie an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Seid ihr nicht etwas jung, um euch so spät noch hier rumzutreiben?“, fragte der Mann auf dem Pick-up laut. „Habt ihr nicht gehört, dass hier irgendein Wesen lauert? Geht wieder nach Hause!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hätte es liebend gerne als Vorwand genommen, tatsächlich wieder nach Hause zu fahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Suzanne funkelte ihn nur an. „Das ist immer noch ein freies Land. Und wenn wir nach dem Monster suchen wollen, dann machen wir das auch!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wirkte. Der Mann nickte ihr anerkennend zu, ehe er sich wieder abwandte. Und auch die anderen schenkten uns keine weitere Beachtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sobald man solchen Rednecks was von einem freien Land vorschwärmt, knicken sie immer ein“, erklärte Suzanne, als wir außer Hörweite waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht, ob ich ihr dabei zustimmen konnte, aber für den Moment sollte sie zumindest recht behalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der restliche Weg zum Parkplatz verlief ohne besondere Vorkommnisse, was vielleicht auch daran lag, dass wir inzwischen von regelrechten Menschenmassen umgeben waren, in denen wir nicht mehr wirklich auffielen. Es mussten fast hundert, wenn nicht noch mehr Leute sein, die sich auf die Suche nach dem Monster gemacht hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Seid ihr sicher, dass das eine so gute Idee ist?“, fragte ich, als wir uns etwas abseits gestellt hatten. „Habt ihr die ganzen Waffen gesehen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wesley sah sich um, als müsse er noch einmal nachsehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Suzanne hingegen schüttelte den Kopf. „Wir müssen es ja nicht direkt hier machen. Wenn wir uns abseits halten und eine kleine unbewaffnete Gruppe suchen, hast du nichts zu befürchten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte schief. Alles in mir schrie danach, ihr zu widersprechen. Aber ich war noch nie der Mutigste gewesen. Auch wenn Suzanne und Wesley meine Freunde waren, knickte ich bei Gruppenzwang sehr schnell ein.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit nichts als unseren Taschenlampen bewaffnet hielten wir uns an die Wege, während wir langsam in einigem Abstand zum Ufer an Lake Worth entlanggingen. Trotzdem konnte ich das Wasser leise ans Ufer schwappen hören. Ab und an knackte es im Unterholz. Eine Eule schrie irgendwo in der Ferne. Ein Geräusch, das hingegen so präsent war, dass es bereits in den Hintergrund rutschte, war das durchgehende Zirpen von Grillen. Aber das war ich als gebürtiger Texaner bereits gewohnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirklich etwas Erwähnenswertes passierte jedoch nicht. Abgesehen davon, dass wir ganze Schwärme von Mücken abwehren mussten, kamen uns noch immer zahlreiche Leute entgegen, die einen mehr, die anderen weniger bewaffnet. Aber fast in jeder Gruppe konnte ich mindestens ein Gewehr sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht sollten wir an einem anderen Tag zurückkommen, wenn weniger los ist“, versuchte ich es noch einmal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und dann?“, fragte Wesley. „Wenn irgendwer mitbekommt, dass ich das Gorillakostüm ausgeborgt habe, bekomm ich einen Riesenärger! Vielleicht ist das heute unsere einzige Chance. Irgendwo finden wir schon noch ein passendes Opfer.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich biss die Zähne zusammen. Er hatte leicht Reden. Wesley war ja auch nicht derjenige, auf den geschossen wurde, wenn irgendetwas schiefging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hilfesuchend sah ich zu Suzanne. Sie bemerkte meinen Blick, zuckte aber nur mit den Schultern. „Ich bin da ganz bei Wesley“, erklärte sie. „Keine Angst. Wir passen schon auf, dass nichts passiert.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja … Das war wirklich <em>sehr</em> beruhigend …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir noch einige Minuten schweigend weitergegangen waren – langsam stieg meine Hoffnung, dass wir das Ganze doch abbrechen würden –, passierte etwas. Ich konnte aufgeregte Rufe in der Ferne hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich kam uns ein Mann entgegengerannt. Auch er hatte ein Gewehr über der Schulter. „Es wurde beim Pit gesehen!“, rief er. „Das Monster hat beim Pit einen Reifen nach einer Gruppe geworfen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Pit war eine bekannte Grube in der Nähe. Um genau zu sein, gingen wir gerade genau darauf zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment stürmte eine Gruppe Männer an uns vorbei. Sie mussten den Ruf gehört haben und sich Richtung Pit aufmachen. Und auch Suzanne und ich setzten dazu an, in die Richtung zu laufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wartet!“, hielt Wesley uns auf. „Das ist unsere Chance! Wenn alle zum Pit laufen, finden wir vielleicht jemanden, der nicht nach dem Monster sucht. Hier ganz in der Nähe ist ein beliebter Treffpunkt für Pärchen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Suzanne und ich fragten nicht, woher er das wusste. Stattdessen folgten wir ihm ein Stück durchs Unterholz, weg vom Seeufer. Äste knackten, Sträucher raschelten unter unseren Schuhen. Die Mückenschwärme schienen hier dichter zu werden und auch mit dem ein oder anderen Spinnennetz machte mein Gesicht Bekanntschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Bäume vor uns gerade weniger zu werden schienen, ertönte plötzlich ein Schrei aus der Dunkelheit. Es klang aber nicht nach einem menschlichen Schrei. Wir blieben sofort stehen. Mit unseren Taschenlampen leuchteten wir wild um uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was war das?“, fragte ich sofort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Freunde antworteten nicht sofort. „Vielleicht eine Wildkatze?“, sagte Wesley dann. „Ich hab gehört, hier in der Nähe wurde kürzlich eine gesichtet. Wahrscheinlich hat jemand sie ausgesetzt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fand allerdings nicht, dass es wie ein Luchs oder gar ein Puma klang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kommt weiter“, drängte Wesley dann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Suzanne und ich folgten ihm ohne Widerworte. Ehrlich gesagt war ich froh, aus dem undurchsichtigen Dickicht herauszukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenig später stolperten wir auf einem breiten Dreckweg. Wir waren ein gutes Stück Richtung Highway gelaufen, wie ich jetzt erkannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wesley machte aber keine Pause. Er sah sich flüchtig um, ehe er den Weg entlang weiterlief. Suzanne und ich folgten ihm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald wurde der Weg noch breiter. Er erinnerte mich hier an einen kleinen Grandplatz, nur dass in der Mitte Reifenspuren verliefen. Links und rechts parkten einige Autos. Sie lagen dunkel und verlassen vor uns. Ich leuchtete durch die Scheiben, um sicherzugehen, dass niemand darinsaß. Zumindest, bis wir die Rückseite eines fensterlosen Vans ein kleines Stück wieder sahen. Er hielt am linken Wegesrand, sein Motor lief, die Rücklichter leuchteten rot und in der Fahrerkabine brannte Licht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da!“, flüsterte Suzanne. „Das ist die Gelegenheit.“ Sie schob mich sanft in die Richtung, während wir unsere Taschenlampen ausschalteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wesley folgte uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt waren wir darauf bedacht, keine Geräusche zu machen, damit die Leute im Auto nicht auf uns aufmerksam wurden. Trotzdem knirschten Steinchen unter unseren Füßen. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug. Wieder lief Schweiß meinen Rücken hinunter. Vorsichtig näherten wir uns dem Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis wir direkt dahinterstanden. Jetzt waren wir im toten Winkel, sodass die Insassen uns nicht durch die Seitenspiegel sehen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig öffnete ich meinen Mantel. Der Moment der Wahrheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte noch!“, flüsterte Wesley plötzlich. „Ich geh nachsehen, ob sie bewaffnet sind.“ Das war die erste wirklich gute Idee, die er diesen Abend gehabt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er steckte die Hände in die Hosentaschen, während er am Van vorbeiging. Er legte einen lockeren Gang ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„’n Abend“, hörte ich ihn sagen, während er entspannt an dem Wagen vorbeischlenderte. Dann blieb er abrupt stehen. Er wandte sich der Beifahrertür zu. „Wie bitte? Nein. Ich bin mit meinem Dad hier. Ja. Ich war nur kurz austreten. Danke. Ihnen auch.“ Er ging weiter, sodass er bald aus unserem Sichtfeld verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Suzanne und ich warteten gespannt. Als mir auffiel, dass ich dabei die Luft anhielt, zwang ich mich, ruhig weiterzuatmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich knackte es neben uns im Unterholz. Fast hätte ich meine Taschenlampe eingeschaltet, um in die Richtung zu leuchten. Stattdessen starrten Suzanne und ich in die Dunkelheit, versuchten, zwischen den Ästen irgendetwas zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst jetzt fiel mir auf, wie dunkel es wirklich war. Ohne Taschenlampen, die die Gegend erhellten. Irgendetwas bewegte sich da draußen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wesley?“, flüsterte ich in die Dunkelheit. Ich traute mich nicht, lauter zu sprechen, in der Angst, dass die Fahrzeuginsassen mich hören könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder ein Rascheln. „Ja, ich bin es“, kam es zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert atmete ich auf. Bald erkannte ich unseren Freund, wie er langsam aus dem Unterholz zu uns schlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und?“, fragte Suzanne ungeduldig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da drinnen sitzen ein Mann und eine Frau. Vielleicht ein Pärchen“, erklärte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sind sie bewaffnet?“, hakte ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im roten Schein der Rücklichter sah ich, wie Wesley meinem Blick auswich. „Ich glaube nicht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du glaubst?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja, das Fenster ist recht hoch. Ich konnte nicht alles erkennen … Aber es ist ein Pärchen. Wahrscheinlich sind sie hier draußen, um rumzumachen oder sowas. Es wird schon alles gut gehen.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenig später stand ich in voller Gorillamontur an den Van gedrückt. Suzanne hatte mir meinen Mantel und die Taschenlampe abgenommen, während Wesley mir geholfen hatte, die Gorillamaske richtig aufzusetzen. Trotzdem war meine Sicht eingeschränkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spähte an dem Van vorbei. Es war ein Firmenwagen, vermutete ich. Zumindest war an der Seite ein stilisierter Leuchtturm mit dem Schriftzug „Lighthouse“ darunter zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angestrengt starrte ich in den Seitenspiegel. Ich konnte eine junge Frau auf dem Beifahrersitz erkennen. Zum Glück sah sie nicht in meine Richtung. Sie war in ein Gespräch mit dem Fahrer vertieft. „Denken Sie, dass an dem Vorfall mit dem Reifen irgendetwas dran ist?“, fragte sie. Sie hatte einen ausländischen Akzent. Irgendetwas Europäisches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Männerstimme antwortete. Obwohl er mit dem vertrauten texanischen Dialekt sprach, musste ich mich anstrengen, um ihn über den laufenden Motor hinweg zu verstehen. „Ich glaube kaum, dass ein Klasse Zwei einen Reifen werfen würde. Wenn doch, geben die anderen uns Bescheid.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die anderen? Das meiste, was er sagte, ergab für mich keinen Sinn, aber das klang definitiv, als wären sie nicht allein. Und hatte vorhin der eine Mann nicht auch gesagt, dass das Monster einen Reifen geworfen habe?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter darüber nachdenken konnte ich jedoch nicht. „Jetzt mach schon!“, zischte Suzanne. Sie gab mir einen sanften Schubs, der mich aus dem Gleichgewicht brachte. Ich taumelte mehrere Schritte vorwärts, ehe ich mich wieder fangen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich aufsah, starrte die Frau mich durch das offene Fenster direkt an. Ihre Augen hatte sie weit aufgerissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Hirn setzte aus. Ehe ich wusste, was ich tat, hatte ich die Hände hochgerissen und stieß meinen fürchterlichsten Schrei aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hätte ich besser nicht getan. Die Frau reagierte blitzschnell. Innerhalb von Sekunden blickte ich in den Lauf eines Gewehrs. Entschlossenheit blitzte in ihren Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße! Sie hat eine Waffe!“, hörte ich Suzanne rufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schritte meiner Freunde ertönten auf dem Dreckboden, wie sie sich schnell entfernten. So viel zum Thema, dass sie mir helfen würden … Aber ich hatte gerade andere Probleme. Mit noch immer erhobenen Armen stand ich da. Der Schreck hatte mir die Sprache verschlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Agentin Fischer, nehmen Sie die Waffe runter! Das sind nur ein paar Kinder!“, rief der Mann plötzlich. Er hatte bereits um sie herumgegriffen, um den Lauf der Waffe beiseitezureißen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau ließ es geschehen, hielt aber das Gewehr weiter mit verkrampften Armen fest. Ihr Blick blieb unverändert. Erst jetzt erkannte ich, dass das, was ich für Entschlossenheit gehalten hatte, in Wirklichkeit Angst war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und du?“, brüllte der Mann jetzt mich an. „Findest du das etwa lustig? Du hättest verletzt werden können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder stieg Panik in mir auf. Es war nicht dieselbe Angst wie eben. Es war keine Todesangst. Sie lähmte mich nicht. Also nahm ich die Beine in die Hand und rannte. Ich machte einen Bogen um die Rückseite des Vans herum, ehe ich weiter ins Unterholz stürmte. In den Schutz der Dunkelheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider brachte die Dunkelheit nicht nur Schutz mit sich. Suzanne hatte noch immer meine Taschenlampe. Und ohne Licht konnte auch ich kaum etwas erkennen. Das Mondlicht reichte kaum bis unter das Blätterdach. Einige Male schützte mich die Gorillamaske vor Ästen, die mir direkt ins Gesicht geschlagen wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blätter und Laub raschelten. Alte Äste knackten unter meinen Füßen, während ich mehr stolperte, als dass ich rannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei blickte ich mich die ganze Zeit panisch um, suchte nach irgendetwas, das mir bekannt vorkam. Aber natürlich fand ich nichts. Nicht nur, dass es viel zu dunkel war, wenn meine Freunde und ich Lake Worth besuchten, hielten wir uns fast immer an die Wege. Jetzt wusste ich hingegen nicht einmal, in welche Richtung der nächste Weg lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich auf eine kleine Lichtung stolperte, blieb ich stehen. Hier konnte ich etwas besser gucken. Der Mond war eine schmale Sichel über den Baumkronen. Trotzdem reichte sein Licht aus, sodass ich hier den Boden sehen konnte. Es gab mir ein Gefühl von Sicherheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell wandte ich den Kopf hin und her. Ich versuchte, herauszufinden, ob ich verfolgt wurde. Allerdings konnte ich kaum etwas hören. Mein Herz pochte so laut in meinen Ohren, dass es das meiste übertönte. Außerdem wusste ich nicht, ob das leise Geraschel im Unterholz von Menschen oder irgendeinem Tier kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings fiel mir beim Umsehen etwas anderes auf: Das graue Fell meines Kostüms schimmerte silbrig im Mondlicht. Ich stach als haarige Kreatur aus dem dunklen Wald hervor – in einem Gebiet, in dem unzählige bewaffnete Männer nach einem Monster suchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch riss ich mir die Maske vom Kopf. Der Reißverschluss meines Kostüms befand sich jedoch am Rücken. Ich verrenkte mich, versuchte irgendwie, blind an das kleine Metallstück zu gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da durchschnitt wieder ein Schrei die Nacht. Es war derselbe Schrei wie vorhin – die Wildkatze, wie Wesley sie genannt hatte. Nur, dass ich immer noch nicht fand, dass es wie eine Wildkatze klang. Und, dass der Schrei diesmal deutlich näher war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch sah ich mich um. Ich hatte keine Ahnung, aus welcher Richtung der Schrei gekommen war. Also konzentrierte ich mich weiter auf den Reißverschluss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich hatte ich den kleinen Metallgriff zwischen Daumen und Zeigefinger. Er bewegte sich ein paar Zentimeter nach unten, ehe er hängenblieb – wahrscheinlich hatte sich Fell zwischen dem Schieber und den Zähnen verheddert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Moment hörte ich, wie sich Schritte aus dem Unterholz näherten. Es war ein leises, fast vorsichtiges Rascheln, als würde sich jemand anschleichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte!“, rief ich schnell. „Nicht schießen! Es ist nur ein Kostüm!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was sich da näherte, war kein Monsterjäger. Ich erkannte eine große helle Gestalt zwischen den Bäumen, die langsam auf mich zukam. Sie schlich von Baum zu Baum, als wolle sie sich dahinter verstecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie den Rand der Lichtung erreichte, erkannte ich das weiße Fell, das ihren kompletten Körper bedeckte. War das das Monster? Schuppen konnte ich darin kein Entdecken. Aber was sollte es sonst sein? Ich überlegte, ob ich wegrennen solle, doch meine Beine bewegten sich keinen Zentimeter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment trat die Gestalt auf die Lichtung. Sie machte einige vorsichtige Schritte auf mich zu. Dabei erkannte ich, wie riesig sie war. Sie war über zwei Meter groß. Außerdem war sie ungewöhnlich muskulös, hatte breite Schultern. Und an den Händen erkannte ich spitze Krallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich sein Gesicht nicht erkennen konnte – es lag im Schatten –, war ich mir jetzt sicher, dass es das Monster sein musste. Die ganze Art, wie es sich bewegte, mich neugierig musterte. Das waren nicht die Bewegungen eines Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt stand das Wesen direkt vor mir, sah auf mich herab. Ich hörte, wie es leise schnaufte, roch seinem Atem, der mich an den eines Hundes erinnerte. Es beugte seinen Kopf zu mir herab. Mein Körper verkrampfte sich. Es hob eine riesige fellbesetzte Hand in Richtung meines Kostüms.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment wurde es plötzlich hell um mich herum. Das Monster lag jetzt klar und deutlich vor mir. Seine Lippen zitterten, entblößten dabei spitze Eckzähne. Vielmehr erkannte ich in dem kurzen Augenblick aber nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Runter!“, brüllte eine Stimme hinter mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Immerhin war die Frau bewaffnet. Ich erkannte ihren europäischen Akzent sofort wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laub raschelte unter meinen Händen, während ich mich auf den Boden warf. Trockenes Gras pikste mich durch den dünnen Stoff. Ich spürte trockene Blätter an meiner Wange.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Knall, der Schuss, mit dem ich fest gerechnet hatte, blieb jedoch aus. Stattdessen hörte ich bloß, wie etwas über meinen Kopf hinwegsurrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Monster stieß ein erschrockenes Grunzen aus. Als ich aufsah, erkannte ich etwas, das wie rote Federn aussah, das frontal aus seiner rechten Seite ragte. Damals wusste ich noch nicht, was es war, aber inzwischen bin ich mir fast sicher, dass es ein Betäubungspfeil gewesen sein muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment wandte es sich um. Es stürmte in den Wald zurück. Die Europäerin nahm sofort die Verfolgung auf. Sie verschwand hinter dem Monster im Unterholz und mit ihr das Licht, das ihre Taschenlampe gebracht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihr nach, wie sich das Licht schnell entfernte, ehe meine Sicht vor Tränen verschwamm. Kurz darauf kauerte ich wie ein Häuflein Elend am Boden und weinte. Ich hatte die Knie angezogen, umklammerte sie mit meinen Armen, während ich meinen Gefühlen freien Lauf ließ. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viel Angst gehabt wie eben gerade. Nicht einmal, als das Gewehr auf mich gerichtet war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, wie lange ich dort gehockt hatte. Es konnten wenige Minuten, vielleicht auch eine halbe Stunde gewesen sein. Jedenfalls hörte ich irgendwann leise Stimmen in der Ferne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Curtis? Curtis, bist du hier irgendwo?“ Das war Wesleys Stimme. Er sprach dabei in dieser Mischung aus Flüstern und Rufen, die weder sonderlich unauffällig war noch auf weitere Entfernungen gehört werden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin hier!“, rief ich. Der schwache Klang meiner Stimme überraschte mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wurde es wieder hell um mich herum. „Curtis!“, rief Wesley. Dann wandte er sich in den Wald zurück. „Suzanne! Suzanne, ich hab ihn gefunden!“ Von der Vorsicht in seiner Stimme war nichts mehr zu hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß noch, wie meine Freunde mir aufgeholfen haben. Suzanne hatte mir sofort meinen Mantel zurückgegeben, damit ich das Kostüm wieder darunter verstecken konnte. Außerdem haben die beiden sich mindestens einhundertmal bei mir entschuldigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem habe ich bis heute nicht das Gefühl, dass sie mir meine Geschichte von der Begegnung mit dem Lake Worth Monster geglaubt haben. Immerhin waren nicht nur die beiden, sondern auch ich für meine Streiche bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht dachten sie auch nur, die Geschichte sei meine Art gewesen, mich dafür zu rächen, dass sie weggerannt waren. So oder so hatten wir uns an jenem Tag jedenfalls geschworen, niemandem von unserem geplanten Streich bei Lake Worth zu erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch den Van, die beiden Leute, die darinsaßen, oder gar das Monster habe ich nie wieder gesehen. Ich muss jedoch gestehen, dass ich auch nie das Verlangen verspürt hatte, nach ihnen zu suchen.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Lake Worth Monster, auch Lake Worth Creature oder Goatman genannt, ist ein Kryptid aus Texas. Es ist hauptsächlich für seine Sichtungen im Jahr 1969 bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf seinen Namen „Goatman“ hinweisen. Es weist zwar Eigenschaften des <a href="https://www.geister-und-legenden.de/goatman">Maryland Goatman</a> auf, der normalerweise gemeint ist, wenn jemand vom „Goatman“ redet, wird aber als eigenständiges Wesen angesehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Augenzeugenberichte, die das Aussehen des Lake Worth Monsters beschreiben sollen. Viele von ihnen bezeichnen ihn als „halb Mensch, halb Ziege“, ähnlich wie den Maryland Goatman. Er besitzt also den fellbesetzten Körper eines Mannes und den Kopf einer Ziege.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch werden ihm oft klauenbesetzte Finger und eine Körpergröße von über 2 Metern (genau genommen etwa 7 Fuß, also 213 cm) nachgesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Worin sich die Beschreibungen jedoch vom Maryland Goatman völlig unterscheiden, ist die angeblich weiße Farbe seines Fells. Außerdem gab es Augenzeugen, die behaupten, das Lake Worth Monster habe Schuppen zwischen dem Fell oder gar Schuppen statt des Fells am Körper.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob das Lake Worth Monster Hörner (bzw. manchmal auch nur ein Horn) oder Ziegenbeine besitzt, hängt sehr von der Zeugenaussage ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade bei neueren Sichtungen fehlt häufig der ziegenhafte Teil komplett. In diesen Sichtungen ist oft von einem Bigfoot-ähnlichen Wesen die Rede.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Verhalten des Lake Worth Monsters und seine genauen Eigenschaften ist nicht viel bekannt. Es scheint aber angriffslustig zu sein und den Kontakt zu Menschen nicht zu scheuen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zumindest gibt es einen Augenzeugenbericht, bei dem das Lake Worth Monster sich erst aus einem Baum auf ein parkendes Auto gestürzt und anschließend versucht hat, die darin sitzende Frau zu packen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einem weiteren Vorfall soll es einen alten Reifen nach einer Gruppe Leute geworfen haben, nachdem es einen als „bemitleidenswert“ oder „traurig“ klingenden Ruf ausgestoßen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Davon abgesehen gibt es Berichte von übermenschlichgroßen Fußabdrücken, einigen Tierkadavern – besonders bekannt ist ein Schaf, dem angeblich der Kopf zerquetscht wurde – und Blutspuren, die dem Lake Worth Monster zugeschrieben wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Augenzeugen haben außerdem von einem starken Gestank berichtet, wenn das Monster in der Nähe war. Wonach es genau gerochen haben soll, ist mir jedoch nicht bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auffällig ist auch, dass das Lake Worth Monster in späteren Sichtungen sein Verhalten geändert haben soll. Es soll weniger angriffslustig gewesen sein und oft sofort die Flucht ergriffen haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Lake Worth Monster wurde hauptsächlich 1969 auf Greer Island im Lake Worth und der näheren Umgebung um den See in Fort Worth Texas gesichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende des Lake Worth Monsters geht hauptsächlich auf den Sommer 1969 zurück, wo das Lake Worth Monster erstmals gesichtet worden sein soll.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die erste Nacht:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Das Lake Worth Monster soll erstmals am 9. Juli 1969 von sechs Leuten gesehen worden sein. Gegen Mitternacht sei es auf das Auto von John Reichert und seiner Frau gesprungen. Reichert saß dabei am See und hat geangelt, während seine Frau im Auto saß und gelesen hat. Daraufhin habe das Monster versucht, Frau Reichert zu packen. In dem Moment war John Reichert jedoch bereits beim Auto. Er habe das Wesen weggestoßen, sei ins Auto gesprungen und geflohen. Als Beweis diente eine etwa 45 cm lange Schramme im Lack, die von der Kreatur verursacht worden sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reicherts berichteten der Polizei, dass die Kreatur „halb Mensch, halb Ziege und von Fell und Schuppen bedeckt“ gewesen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Lokalzeitung „Fort Worth Star-Telegram“ bereits am nächsten Tag berichtete, sollen einige Polizisten mit John Reichert zum Tatort zurückgekehrt sein, haben dort aber nichts Auffälliges gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gab die Polizei zu, dass sie bereits seit zwei Monaten Berichte über seltsame Vorkommnisse um Lake Worth bekommen haben, sie hatten sie jedoch nicht für voll genommen. Die sechs Augenzeugen am 9. Juli wirkten jedoch sehr verängstigt, weshalb sie der Sache erstmals ernsthaft nachgegangen seien.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die zweite Nacht:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In der darauffolgenden Nacht sollen sich über 200 Leute zum Lake Worth begeben haben, um nach dem Lake Worth Monster zu suchen. Es kam dabei zu mehreren angeblichen Sichtungen, eine von ihnen hat aber die größte Bekanntheit erlangt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Gruppe von Leuten soll einen mitleiderregenden Schrei gehört haben, woraufhin das Lake Worth Monster einen herumliegenden Autoreifen – die Insel wurde viele Jahre als Mülldeponie missbraucht – etwa 150 Meter nach ihnen durch die Luft geworfen habe. Sie sind daraufhin geflohen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Jahre später, im Jahr 2009, soll ein Mann, der sich nur als „Vinzens“ vorgestellt haben soll, zugegeben haben, in dem „Reifenangriff“ involviert gewesen zu sein. Er habe mit einigen Freunden mit dem Reifen herumgealbert und ihn eine Klippe hinunterrollen lassen. Dabei sei der Reifen auf einen kleinen Hügel getroffen, wodurch er in die Luft geschleudert wurde und vom Kurs abgekommen sein soll, ehe er in der Nähe einiger Passanten aufgekommen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Reifen wurde, wenn man der Aussage glaubt, also weder 150 Meter durch die Luft geworfen, noch war die Gruppe das Ziel gewesen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Lake Worth Monster wird fotografiert:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Später im Jahr gab es außerdem einen weiteren bedeutenden Vorfall: Ein Mann namens Allen Plaster hat das Lake Worth Monster mit einer Polaroidkamera fotografiert, während er in einem Auto an ihm vorbeigefahren ist. Das Foto könnt ihr ganz einfach mit einer Suchmaschine eurer Wahl finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man erkennt darauf zwar „lediglich“ den Rücken einer Gestalt aus weißem Fell, die im Unterholz steht, das Foto hat aber seitdem internationale Berühmtheit erlangt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Interview von 2006 meinte Allen Plaster jedoch, dass er inzwischen glaube, dass es sich um einen Streich gehandelt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Looking back, I realize that when we drove by, it stood up. Whatever it was, it wanted to be seen. That was a prank. That was somebody out there waiting for people to drive by. I don’t think an animal would have acted that way.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">(Frei übersetzt: „Wenn ich zurückdenke, fällt mir auf, dass es aufgestanden ist, als wir an ihm vorbeigefahren sind. Was auch immer es war, es wollte gesehen werden. Das war ein Streich. Das war jemand da draußen, der darauf gewartet hat, dass Leute vorbeifahren. Ich denke nicht, dass ein Tier sich so verhalten hätte.“)</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Anmerkungen zum Ursprung:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders die Aufmerksamkeit der Presse und die Polizeieinsätze haben zu der damaligen Bekanntheit des Lake Worth Monsters geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie sind die ersten Gerüchte überhaupt entstanden? Dazu gibt es mehrere Theorien. Zur damaligen Zeit waren die Gerüchte um den Goatman aus Maryland noch immer weit verbreitet. Es gibt daher die Theorie, dass sie sich z. B. durch Summer Camp Gruselgeschichten bis nach Fort Worth verbreitet haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gaben im Nachhinein einige damalige High School Schüler zu, sich im Sommer 1969 ein Gorillakostüm angezogen zu haben, um bei Lake Worth einige Leute zu erschrecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer ehemaliger High School Schüler meldete zudem in einem Brief an das Fort Worth Star-Telegram, dass er mit zwei Mitschülern und einer Maske aus Alufolie im Sommer 1969 einige Passanten erschreckt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch ein Zwingerbesitzer gab noch im Sommer 1969 bekannt, dass ihm ein Makake entlaufen sei, der in der Gegend gesichtet worden sein konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizei hingegen ging davon aus, dass es sich bei den Sichtungen um einen Luchs gehandelt haben könnte, der kurz vor den Sichtungen in dem Wald ausgesetzt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, wieso die Augenzeugen – vielleicht mit dem Maryland Goatman im Hinterkopf – der Meinung waren, das Lake Worth Monster gesehen zu haben. Auch würde es erklären, woher die Beschreibung „halb Ziege halb Mensch“ komme, die auch auf den Maryland Goatman zutrifft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erwähnenswert ist außerdem, dass es sich bei der Gegend früher um eine Lovers Lane gehandelt hat, bei denen es überall auf der Welt durchaus vorkommt, dass einige Schülerinnen und Schüler dort Streiche spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterstützt werden diese Vermutungen durch den Fakt, dass die Sichtungen des Lake Worth Monsters zusammen mit dem Ende der Schulferien abrupt abgenommen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem gibt es noch immer viele Leute – besonders die Menschen, die dem Monster persönlich begegnet sein wollen –, die meinen, es habe sich definitiv nicht um einen Affen, eine Wildkatze oder gar eine kostümierte Person gehandelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Lake Worth Monster in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt in Fort Worth ein ganzes Fest, das dem Lake Worth Monster gewidmet ist: der Lake Worth Monster Bash. Erstmals fand es 2009 statt, woraufhin es jährlich veranstaltet wurde. 2014 entschied man jedoch, das Fest nur noch alle 5 Jahre zu veranstalten. Nachdem das Fest je 2014, 2019 und 2024 stattgefunden hat, wurde entschieden, es wieder etwas häufiger anzusetzen, weshalb der nächste Lake Worth Monster Bash am 24. Oktober 2026 stattfinden soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es zwei durchaus erwähnenswerte Bücher über das Lake Worth Monster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das erste ist „The Lake Worth Monster of Greer Island, Ft. Worth, Texas“ von Sallie Ann Clarke (September 1969), das – in Ergänzung einiger von der Autorin ausgedachten Begegnungen – die Sichtungen von 1969 nacherzählt. Clarke war bis zu ihrem Tod 2009 eine der führenden Experten zu der Kreatur und will das Wesen selbst ganze fünf Mal gesehen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zweite Buch ist „Lake Worth Monster: The True Story of the Greer Island Goatman“ von Lyle Blackburn (2024). Es berichtet mit viel Detail über die zusammengetragenen Informationen zum Lake Worth Monster. Ich habe es selbst für die Recherche gelesen (wobei ich besonders die Nacherzählungen der ersten Sichtungen sowie die Fotos der Zeitungsartikel von 1969 sehr interessant fand).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ansonsten gibt es zahlreiche Podcasts, YouTube-Videos und sogar Folgen verschiedener Dokuserien, die von dem Monster berichten, sowie Zeichnungen, die das Lake Worth Monster darstellen. Die Lakewood Brewing Company hat sogar eine limitierte Edition ihres Biers herausgebracht, dass eine Hommage an das Lake Worth Monster dargestellt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Lake Worth Monster? Glaubt ihr, dass es sich nur um eine Kombination aus Sichtungen von wilden Tieren und Streichen handelt? Oder ist mehr an der Sache dran? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Tokoloshe – Lass ihn nicht aufs Bett!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es hatte kein Fell, sondern dunkle, schrumpelige Haut. Sein Gesicht, die Nase und Ohren, der haarlose Kopf. Es wirkte wie ein Mensch. Und zwischen seinen Lippen sah ich schiefe gelbe Zähne hervorblitzen, die ungewöhnlich spitz aussahen. Ich wusste sofort, was es war: Das war eindeutig ein Tokoloshe …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/d0ef61034e9d4556b2b3d903b13119be" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Tokoloshe ist eines der bekanntesten Wesen des südafrikanischen Volksglaubens. Da ich schon länger vorhabe, mal wieder über eine afrikanische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> zu schreiben, habe ich mich für den Tokoloshe entschieden, ehe es in zwei Wochen mit winterlichen/<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">weihnachtlichen</a> Geschichten weitergeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Gewalt gegen Jugendliche<br>
&#8211; häusliche Gewalt<br>
&#8211; erwähnung Sexueller gewalt (erst unter &#8222;Die Legende&#8220;)</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine dieser Nächte, in denen ich partout nicht einschlafen konnte. Ich wälzte mich im Bett hin und her, drehte mich auf die linke Seite, dann auf die rechte. Aber was ich auch versuchte, wie ich mich auch hinlegte, ich konnte einfach nicht in die Welt der Träume eintauchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem versuchte ich es weiter. Immerhin musste ich morgen in die Schule. Da wollte ich wenigstens einigermaßen ausgeschlafen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte mich gerade wieder mit dem Gesicht zur Wand gedreht, da hörte ich, wie sich meine Zimmertür öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort schlug ich die Augen auf. Außer mir war nur Pa im Haus. Und wenn er um die Uhrzeit in mein Zimmer kam, dann nur, weil er wieder zu viel getrunken hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drehte mich langsam zu ihm um. Aber als ich gerade fragen wollte, was los sei, blieben mir die Worte im Hals stecken. Das war nicht mein Vater. Eine kleine, kindergroße Gestalt stand dort im Halbdunkel bei der geöffneten Tür und sah mich aus seinen kleinen Augen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst dachte ich noch, es wäre vielleicht ein Pavian, der sich irgendwie ins Haus geschlichen hat. Dann jedoch rannte das Wesen auf mich zu. Es war kein Pavian. Seine Bewegungen, wie es auf zwei Beinen lief, wirkten menschlich. Außerdem konnte ich es inzwischen besser erkennen. Es hatte kein Fell, sondern dunkle, schrumpelige Haut. Sein Gesicht, die Nase und Ohren, der haarlose Kopf. Es wirkte wie ein Mensch. Und zwischen seinen Lippen sah ich schiefe gelbe Zähne hervorblitzen, die ungewöhnlich spitz aussahen. Ich wusste sofort, was es war: Das war eindeutig ein Tokoloshe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Pa!“, brachte ich endlich hervor. „Paaa!“, rief ich erneut nach meinem Vater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Haus war ziemlich hellhörig. Wenn er wach war, musste er mich gehört haben. Doch im Haus blieb alles ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatte der Tokoloshe mein Bett fast erreicht. Ich drückte mich mit dem Rücken an die Wand und zog die Knie an die Brust. „Hilfe! Hilfeee!“, schrie ich jetzt aus voller Lunge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich tat sich etwas. Aus dem Flur kam ein Poltern. Dann ein Fluchen. „Scheiß Schrank“, hörte ich Pa lallen. Er war also tatsächlich betrunken. Trotzdem war er mir hundertmal lieber als ein schwarzmagisch beschworenes Wesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilfe!“, schrie ich erneut. Inzwischen war ich dabei, nach dem Tokoloshe zu treten, um ihn daran zu hindern seinen kleinen Körper auf die Matratze zu ziehen. Mein Fuß klatschte gegen kalte Haut, ehe ich ihn schnell wieder zurückzog. Wer wusste schon, was das Ding mit mir anstellen würde, wenn er mich tatsächlich erreichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das versuchte es mit aller Kraft. Die Matratze reichte ihm bis knapp über die Brust. Seine kleinen Augen waren auf mich fixiert, sein Mund leicht geöffnet. Immer wieder versuchte es, sich in den Stoff zu krallen und seinen Körper auf die Matratze zu hieven, während ich panisch nach seinen Armen trat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich ging die Deckenlampe an. „Was ist los?“, lallte Pa in meine Richtung. Er musste sich an der Tür festhalten, lehnte sich daran, während sie unter seinem Gewicht langsam vor und zurück schwang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tokoloshe wandte ihm den Kopf zu. Er gab einen leisen Aufschrei, eher schon ein hohes Keuchen von sich, ehe er auf Pa zurannte. Der jedoch schien das Wesen gar nicht zu bemerken, während es an ihm vorbei in den Flur flitzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwer atmend saß ich auf meinem Bett. Noch immer hatte ich die Knie an die Brust gezogen. Auch merkte ich jetzt, wie ich beide Hände in die Bettdecke gekrallt hatte. Vorsichtig löste ich den Griff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also? Was ist? Wieso störst du mich beim Fernsehen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sah ich wieder Pa an. „Hast du ihn nicht gesehen? Er ist eben an dir vorbeigerannt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wen gesehen?“, fragte er. Er sah sich im Raum um, ohne die Tür loszulassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den Tokoloshe!“, brüllte ich. Es war keine Absicht. Ich wollte Pa nicht anschreien. Aber die Verzweiflung in mir musste raus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pas Augen verengten sich zu schlitzen. Jetzt torkelte er auf mich zu. „Hör zu, Jan. Solange du in meinem Haus wohnst, verbitte ich mir, dass du mich anschreist! Vielleicht muss ich dich dran erinnern, wer hier das Sagen hat …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder presste ich mich gegen die Wand. Ich spürte, wie mir Tränen in die Augen stiegen. „Nein. Bitte“, flehte ich. „Du hast das Sagen. Das weiß ich. Aber da war ein Tokoloshe. Er wollte mich angreifen.“ Ich wollte vor Pa nicht weinen, aber ich konnte nichts dagegen tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pa hingegen blieb nur wenige Schritte vor meinem Bett stehen. Er schüttelte den Kopf, schwankte gefährlich nach links und rechts. „Ich bin froh, dass deine Ma nicht mehr mitbekommen hat, was aus dir geworden ist.“ Er wandte sich ab, ehe er zurück zur Tür torkelte. „Verdammte Teenager“, hörte ich ihn zu sich selbst lallen. „Es wird Zeit, dass er endlich alt genug wird, damit ich ihn rausschmeißen kann.“ Dann war er wieder im Flur verschwunden und schloss die Tür hinter sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer, während ich ihm nachsah. „Nein, Pa“, murmelte ich. „Was ist nur aus dir geworden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tokoloshe kam in dieser Nacht nicht zurück, aber wie ihr euch sicher vorstellen könnt, hatte ich sämtliches Interesse daran verloren, wieder einzuschlafen. Und so dauerte es Stunden, meine Gedanken kreisten um das Wesen und um Pa, bis die Müdigkeit mich endlich einholte und in einen viel zu kurzen Schlaf zog.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen schlürfte ich völlig übermüdet in die Küche. Pa saß bereits da und trank Kaffee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Morgen“, grüßte ich ihn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sah fast genauso beschissen aus, wie ich mich fühlte. Trotzdem sah ich darin eine Gelegenheit, ihn noch einmal auf den Tokoloshe anzusprechen, während er nüchtern war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tut mir leid, wegen letzter Nacht“, begann ich. „Aber ich hab da wirklich etwas gesehen. Da war ein kleiner Mann mit schwarzer schrumpeliger Haut. Er hat versucht, auf mein Bett zu klettern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pa seufzte schwer. „Jan, es gibt keine Tokoloshe. Was auch immer du glaubst, gesehen zu haben, du hast bloß geträumt.“ Es war zwecklos. Pa hatte noch nie an das Übernatürliche geglaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ballte meine Hände zu Fäusten. „Ma hätte mir geglaubt“, sagte ich leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kniff Pa wieder seine Augen zusammen. „Was hast du gesagt?“, fragte er streng.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nichts“, sagte ich schnell. „Sorry, ich bin einfach nur tierisch müde.“ Ich hatte keine Lust auf Streit. Zumal ich wusste, wie es ausgehen konnte. In der Schule hatte ich schon oft genug blaue Flecken unter langer Kleidung verstecken müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pa ging nicht weiter darauf ein. Also machte ich mir mein Frühstück und beeilte mich, aus dem Haus zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tag in der Schule verlief ohne besondere Vorkommnisse. Ich hatte nicht viele Freunde, also verbrachte ich die meiste Zeit allein. Aber das war in Ordnung. Solange die anderen mich in Ruhe ließen, störte mich das nicht. Und für gewöhnlich taten sie das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich nach der Schule auf dem Heimweg war, überkam mich wieder ein mulmiges Gefühl. Was, wenn der Tokoloshe zurückkommen würde? Ich hatte keine Ahnung, was passiert wäre, wenn Pa nicht in mein Zimmer gekommen wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also entschied ich, unserer Sangoma – der Heilerin unseres Dorfes – einen Besuch abzustatten. Sie war eine gute Freundin von Ma gewesen, daher kannte ich sie schon aus Kindertagen. Außerdem lag ihr kleines Geschäft ganz in der Nähe meines Heimwegs.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine kleine Glocke über der Ladentür kündigte mich an, während ich den Laden betrat. Mir schlug ein erdiger Geruch entgegen. An der Decke hingen Blätter und Sträucher zum Trocknen und vor mir, in einem Regal an der Wand standen Flaschen mit allerlei Tinkturen und anderen Flüssigkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab auch eine Apotheke in unserem Dorf, aber für viele Leute war Thandeka noch immer die erste Anlaufstelle für medizinische Probleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ah, Jan“, grüßte mich eine kleine schwarze Frau mit luftiger Kleidung. Sie trug ein rotes Tuch in den Haaren, das oben zu einem eleganten Knoten gebunden war. „Es ist lange her. Wie geht es deinem Vater?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort senkte ich den Kopf zu einem knappen Gruß. „Guten Tag Gogo“, grüßte ich sie mit der förmlichen Anrede für weibliche Sangomas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thandeka lachte. Es erinnerte mich an die Glocke über ihrer Tür. „Ach bitte, Jan, sag doch Thandeka zu mir. Immerhin sind wir alte Freunde.“ Sie zwinkerte mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. Dann jedoch erinnerte ich mich an den Grund meines Besuchs und mein Gesicht wurde wieder ernst. „Ich brauche deine Hilfe. Ich wurde letzte Nacht von einem Tokoloshe besucht, aber Pa glaubt mir nicht. Er meint, dass ich bloß geträumt hätte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thandeka ging um den Tresen, hinter dem sie stand, um sich mir gegenüberzustellen. Obwohl ich erst 15 war, musste ich leicht den Kopf senken, um ihr in die Augen zu sehen. „Und was denkst du?“, fragte sie. „Kann es ein Albtraum gewesen sein?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich war hellwach. Er ist aus dem Zimmer gerannt, als Pa mir zur Hilfe geeilt ist. Aber er hat den Tokoloshe nicht gesehen, obwohl er an ihm vorbeigelaufen ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thandeka nickte wissend. „Manche Tokoloshe können nur von ihren Opfern gesehen werden. Ich möchte dir keine Angst machen, aber wenn du wirklich einen Tokoloshe gesehen hast, kann es sein, dass du verflucht wurdest. Das ist eine ernste Angelegenheit. Am besten sollte ich einige Schutzrituale in eurem Haus durchführen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie mit großen Augen an. „Nein, bitte“, sagte ich schnell. „Pa glaubt nicht an Tokoloshes. Er würde das nicht wollen. Gibt es keine andere Möglichkeit?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thandeka sah mich überrascht an, ehe sie sanft lächelte. „Jan, vielleicht warst du noch zu jung, um dich daran zu erinnern, aber dein Vater war vor vielen Jahren selbst bei mir, damit ich mich um einen Tokoloshe in eurem Haus kümmere. Ich bin sicher, er wird es verstehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt blickte ich zu Boden. Ich erinnerte mich gut daran. Er hatte mich grün und blau geschlagen, mir dabei den Arm gebrochen, und die Tat schließlich einem Tokoloshe angehängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du möchtest“, fuhr Thandeka fort, „bringe ich dich das kurze Stück nach Hause. Dann kann ich mit deinem Vater reden.“ Sie griff sanft nach meinem Arm, um mich zur Tür zu begleiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich blockte ab. „Nein!“, sagte ich ein Stück zu energisch. „Nein“, wiederholte ich dann ruhiger. „Bitte. Das damals war kein Tokoloshe. Nach Mas Tod hat Pa mit dem Trinken angefangen. Er versteckt es gut, aber wenn er betrunken ist, wird er oft gewalttätig. Ich hatte mich nicht benommen und da hat er … Er hat …“ Mehr brachte ich nicht hervor. Noch nie zuvor hatte ich mit irgendwem darüber geredet. Ich hatte nicht gewagt, es laut auszusprechen, also sah ich Thandeka nun mit feuchten Augen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An ihrer entsetzten Miene sah ich, dass sie verstanden hatte. Mein Vater hatte mich krankenhausreif geschlagen. Anschließend brachte er mich zu Thandeka und erzählte, dass ich von einem Tokoloshe angegriffen wurde, damit sie sich um meine Wunden kümmerte, ohne dass er dafür in Schwierigkeiten geriet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, Jan“, sagte Thandeka. Sie legte mir eine Hand auf die Schulter. „Das wusste ich nicht. Tut mir leid. Wenn ich irgendetwas für dich tun kann …?“ Sie sah mich fragend an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schenkte ihr ein schiefes Lächeln und zuckte mit den Schultern. „Kannst du mir irgendwie gegen den Tokoloshe helfen, ohne dass Pa es mitbekommt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell nickte sie. „Natürlich. Das einfachste Mittel gegen einen Tokoloshe ist, das Bett zu erhöhen. Sie können nicht sonderlich gut klettern. Viele Leute legen Ziegelsteine unter die Bettfüße. Aber ein paar dicke Bücher gehen auch. Und wenn ihn das nicht vertreibt, kannst du eine Linie aus Salz auf die Türschwelle und vor die Fenster streuen. Da kommt er nicht vorbei.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strahlte Thandeka an. Damit konnte ich auf jeden Fall arbeiten. „Danke, Tante Thandeka“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun strahlte auch sie. Tante Thandeka. So hatte ich sie als Kind immer genannt, weil sie eine so gute Freundin meiner Ma war. „Lass dich gerne wieder häufiger hier blicken“, sagte sie, während sie sanft meine Schulter drückte. „Und sollte es mit dem Tokoloshe noch irgendwelche Probleme geben, komm gerne jederzeit vorbei.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gespräch mit Thandeka war inzwischen drei Tage her. Und was soll ich sagen? Das Bett mit einigen Büchern zu erhöhen, hatte geholfen. Der Tokoloshe kam so nicht mehr an mich heran. Dafür stand er jetzt nachts in meinem Zimmer und starrte mich an. Eine kleine dunkle Gestalt, die mitten im Raum stand. Manchmal hörte ich ihn leise atmen. Dass meine Nächte seitdem nur noch aus sehr wenig Schlaf bestanden, muss ich euch wohl nicht erklären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst hatte ich noch gehofft, dass das Ding irgendwann das Interesse verlieren würde, wenn es mir nicht mehr schaden konnte. Stattdessen wartete es jedoch Nacht für Nacht geduldig in meinem Zimmer. Was, wenn ich einmal nachts auf Toilette musste? Oder wenn ich einschlief und zu nah an die Bettkante geriet? Wenn es einen Arm oder ein Bein zu packen bekam. Nein. So konnte es nicht weitergehen. Also ging ich zu Thandekas anderer Idee über: dem Salz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich streute damit je eine dünne Linie auf sämtliche Fensterbänke sowie auf die Türschwelle der Haustür und zu meinem Zimmer. Meine Hoffnung war, dass Pa es in seinem berauschten Zustand nicht bemerken oder es zumindest ignorieren würde. Das ging nach hinten los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich im Bett lag – obwohl es schon lange dunkel war, fehlte von dem Tokoloshe noch immer jede Spur – hörte ich plötzlich aus dem Haus ein lautes Poltern. Kurz darauf fluchte mein Vater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammte Scheiße!“, schimpfte er lauthals. „Was ist das für ein Scheiß? Jan!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stapfende Schritte näherten sich meinem Zimmer. Im Flur vor meiner Tür polterte irgendetwas. Erneutes Fluchen. Dann flog meine Zimmertür auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was zum …!?“ Pa musste das Salz auf meiner Türschwelle entdeckt haben. „Ist das auf deinem Mist gewachsen?“, schrie er mich an. Ich konnte seine Fahne bis hier riechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich etwas sagen, mich verteidigen konnte, fuhr er fort. „Findest du das etwa lustig? Ich bin darauf ausgerutscht. Ich hätte sterben können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment flog auch schon seine Bierflasche. Es kam so unerwartet, dass ich nicht ausweichen konnte. Sie traf mich mitten im Gesicht, knapp unter dem rechten Auge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort bedeckte ich die Stelle mit meinen Händen. Mein Gesicht bestand nur noch aus pochenden Schmerzen. Ich kauerte weinend auf dem Bett, während Pa auf mich zukam. Aber während ich noch schützend meinen Kopf von ihm wegdrehte, damit seine Schläge nur meinen Rücken trafen, griff er lediglich nach seiner Bierflasche und verließ damit das Zimmer. Ich blieb zitternd und weinend auf meinem Bett zurück.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag schmerzte meine rechte Gesichtshälfte. Im Badezimmer sah ich, dass ich ein blaues Auge hatte. Ich ging ohne Frühstück noch vor der Schule wieder zu Thandekas Geschäft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jan, was ist passiert?“, fragte sie entsetzt, als ich den Laden betrat. „War das der Tokoloshe?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. In wenigen Worten berichtete ich, was passiert war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thandeka holte sofort ein Kühlpack, das ich mir auf das Auge legen sollte. Sie sah mich mit einer Mischung aus Mitleid und Verzweiflung an. Ich sah ihr an, dass sie mir helfen wollte. „Jan, ich …“ Sie zögerte. „Vielleicht gibt es noch eine andere Möglichkeit. Es wird nicht einfach, aber … Komm nach der Schule noch einmal in den Laden, ja? Gegen 17 Uhr?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das tat ich. Nach der Schule – dort erzählte ich, dass ich unglücklich gestürzt sei – stand ich um Punkt 17 Uhr wieder vor Thandekas Geschäft. An der Tür hing ein Schild, dass Thandeka gleich zurück sei. Ich trat trotzdem ein. Die Ladenglocke klingelte über mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Geschäft selbst war alles wie immer. Von Thandeka fehlte jedoch jede Spur. Stattdessen saß eine Frau auf einem Stuhl in der Ecke. Ihre Haut war dunkel und sie trug offene Dreadlocks, ein weißes T-Shirt und eine Jeans. Irgendwie kam sie mir bekannt vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So“, sprach sie mich an, während sie sich langsam erhob. „Du hast also ein Problem mit einem Tokoloshe?“ Irgendetwas an ihr war mir unheimlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Mund war plötzlich sehr trocken. Ich brachte nur ein Nicken zustande.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und warum denkst du, dass ich ausgerechnet dir helfen sollte?“, fragte sie. „Nach allem, was deine Familie mir angetan hat?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer. „Was … meine Familie Ihnen angetan hat?“, wiederholte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau antwortete nicht. Stattdessen strich sie sich mit einer von langen schwarzen Fingernägeln besetzten Hand ihre Locks über das rechte Ohr. Darunter kam eine längliche Narbe zum Vorschein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da fiel mir wieder ein, woher ich sie kannte. „Oh“, sagte ich knapp. „Sie sind Lindiwe, richtig?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau nickte langsam, während sie mir tief in die Augen starrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatte früher in unserem kleinen Örtchen gewohnt. Das war jedoch, bevor sie von den anderen Bewohnern vertrieben wurde. Es hieß damals, dass sie eine Hexe sei und einen Tokoloshe beschworen hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das Schlimmste: Es war Pas schuld gewesen. Seine Lüge über meine Verletzungen, über den angeblichen Tokoloshe, waren der Grund, warum sie nicht mehr bei uns leben durfte. Ein wütender Mob hatte sie und ihre Tochter bedroht und aus unserem Dorf vertrieben. Wenn ich mich richtig erinnere, kam die Narbe an ihrer Schläfe von einem Stein, den ihr Nachbar nach ihr geworfen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also? Warum sollte ich ausgerechnet dir helfen?“, wiederholte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer. „Es … Es tut mir leid. Was man Ihnen und Ihrer Tochter angetan hat, war nicht richtig. Aber es war nicht meine Schuld. Es war mein Pa. Er … Er hat die Geschichte mit dem Tokoloshe erfunden, um meine Verletzungen zu erklären. Sie müssen wissen, er hat mir den Arm gebrochen. Ich … Bitte, ich kann nichts dafür. Ich möchte doch nur wieder ruhig schlafen können“, sprudelten die Worte nur so aus mir hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lindiwe kniff die Augen zusammen. Sie kam auf mich zu. Ein süßliches Parfum schwang in ihrer Bewegung mit. Ich unterdrückte den Drang, zurückzuweichen, während sie mir ihren Zeigefinger an das Kinn legte und damit vorsichtig meinen Kopf hob, um mir in die Augen zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Sekunden kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Ich merkte, wie mein Atem ungewöhnlich schnell ging, während sie mich eingehend musterte, als wolle sie irgendetwas in meinen Augen lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich ließ sie mein Kinn los und trat einen Schritt zurück. „Also gut. Du hast Recht. Dich trifft keine Schuld. Immerhin warst du noch ein Kind. Mein Tokoloshe wird dir keine nächtlichen Besuche mehr abstatten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ihr</em> Tokoloshe? Also war sie wirklich eine Hexe?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich sie darauf ansprechen konnte, nahm sie jedoch eine schwarze Lederjacke, die mir bisher nicht aufgefallen war, von einem Stuhl und verließ damit den Laden. Das Klingeln der Glocke sollte noch lange in meinem Kopf nachhallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das gerade wirklich passiert? Es kam mir zu einfach vor. Doch die Frau, Lindiwe, sollte recht behalten. Der Tokoloshe ließ mich fortan in Ruhe. In der folgenden Nacht lag ich mehrere Stunden wach, ohne dass irgendwer – oder irgendetwas – mein Zimmer betrat. Neues Salz hatte ich keines gestreut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür weckten mich mitten in der Nacht plötzlich Schreie. Verwirrt sah ich zur Uhr. 02:07 Uhr. Was war da los?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne weiter darüber nachzudenken, sprang ich aus meinem Bett und rannte in den Flur. Die Schreie kamen aus Pas Schlafzimmer. Schnell öffnete ich die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pa saß an die Rückenlehne gepresst, die Beine an seine Brust gezogen. Er atmete schwer und starrte in den leeren Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Pa!“, rief ich. „Was ist? Was ist los?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sah er mich mit weit aufgerissenen Augen an. „Da … Da war ein Tokoloshe! Er wollte mich angreifen!“, sagte er laut. In seiner Stimme schwang Alkohol mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment sah ich ihn nur an. Die Hexe hatte ihr Wort gehalten. Sie hatte mich von ihrem Fluch befreit … und ihn auf Pa übertragen. Meine Gedanken rasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch setzte ich ein Lächeln auf. Ich schüttelte den Kopf. „Pa, du hast geträumt“, sagte ich. „Es gibt keine Tokoloshe.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tokoloshe, auch Tokkelo oder Tikoloshe genannt, ist ein koboldartiges <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a> der Zulu Folklore in Südafrika.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Für das Aussehen der Tokoloshes gibt es sehr verschiedene Beschreibungen. Sie sind aber immer unter einen Meter groß, koboldartig und haben oft tierische Eigenschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Generell sollen sie wie ein kleiner Mensch aussehen mit meist schwarzer, oft verschrumpelter Haut oder Fell sowie manchmal mit langen Ohren und/oder einem Tierschwanz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem habe ich teilweise von spitzen und/oder gelben Zähnen gelesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus haben sie oft einen Nagel oder ein Loch davon in der Stirn, der wohl für ihre Beschwörung genutzt wird. (Über das <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale">Ritual</a>, mit dem man einen Tokoloshe beschwören kann, habe ich jedoch nichts finden können.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Versionen sollen sie auch einen sehr langen Penis haben. In einer Quelle habe ich sogar davon gelesen, dass sie ihn über die Schulter werfen müssen, damit er nicht am Boden schleift.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall muss ein Tokoloshe beschworen werden – meist wird das einer Hexe oder einem Hexendoktor zugeschrieben, seltener den Sangoma, wie in Südafrika die Heiler genannt werden. Die Tokoloshes werden dadurch zu ihren Dienern und machen alles, was die Person, die sie erschaffen hat, von ihnen verlangt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kann je nach Quelle von körperlicher Arbeit über Diebstahl bis hin zu sexuellen Handlungen reichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig werden Tokoloshes jedoch eingesetzt, um anderen Personen zu schaden. In diesen Fällen sucht der Tokoloshe nachts seine Opfer heim. Dabei sind die Tokoloshes oft unsichtbar – inwieweit sie sich unsichtbar machen können, ist aber umstritten. So habe ich davon gelesen, dass sie entweder nur von ihren Opfern oder nur von Kindern gesehen werden können, andere Male davon, dass sie sich nur unsichtbar machen können, indem sie z. B. einen speziellen Stein haben, den sie bei sich tragen oder herunterschlucken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was genau der Tokoloshe mit seinen Opfern macht, kann sehr unterschiedlich sein. So greift er sie manchmal körperlich an, indem er sie z. B. beißt, schlägt oder kratzt, oder er vergewaltigt sie sogar. Dem Tokoloshe kann so ziemlich alles Negative zuschreiben werden, das den Opfern widerfährt – sei es, dass er sie krank macht, für Unglück sorgt, ihre Beziehung ruiniert oder seine Opfer tötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann sich jedoch recht einfach gegen Tokoloshes verteidigen: Aufgrund ihrer Körpergröße haben sie Schwierigkeiten, Menschen auf hohen Betten zu erreichen. Man muss also nur sein Bett höher stellen – oft wird dies gemacht, indem man die Bettfüße auf Ziegelsteine stellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere effektive Methode soll Salz sein, das man auf die Türschwelle und vor die Fenster streuen kann. Ich habe sogar spezielles Tokoloshe-Salz und Tokoloshe-Öl von südafrikanischen Anbietern gefunden, das gegen die Monster helfen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Will man hingegen auf Nummer Sicher gehen und den Tokoloshe endgültig loswerden, wird dazu geraten, dass man sich an einen Sangoma wendet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Legende der Tokoloshes aus Südafrika stammt, sollen sie hauptsächlich in Südafrika sowie seltener in angrenzenden Ländern vorkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Theoretisch wäre ein Tokoloshe aber überall auf der Welt möglich, sofern jemand ihn dort beschwört oder ihn dorthin mitnimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als möglicher Ursprung für den Tokoloshe werden die früheren Lebensbedingungen der Menschen in den ländlichen Regionen Südafrikas genannt. In diesen Regionen sollen die Menschen früher – besonders in kalten Nächten – auf dem Boden (bzw. auf Matratzen auf dem Boden) nahe von Feuerstellen geschlafen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es dabei unzureichende Durchlüftung gab, kann es sein, dass sich in dem Zimmer zu viel Kohlendioxid gesammelt hat. Da Kohlendioxid schwerer ist als Luft, ist es zu Boden gesunken und hat dafür gesorgt, dass die Menschen, die am Boden schliefen, erstickt sind. Da andere Menschen auf erhöhten Betten verschont geblieben waren, ist man wahrscheinlich davon ausgegangen, dass ein kleines Wesen, das nicht auf die Betten klettern kann, an den Toden schuld ist: Die Legende des Tokoloshe war geboren – zumindest, wenn man dieser Theorie glaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie die Legende auch entstanden sein mag, Fakt ist, dass der Glaube an die Tokoloshes in Südafrika noch immer weit verbreitet ist. Sie werden sogar regelmäßig in Zeitungen wie der Daily Sun erwähnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider ist dadurch jedoch ein ganz anderes Problem entstanden: Da die Tokoloshes oft als Grund für unerklärliche Verletzungen, sexuellen Missbrauch oder mysteriöse Schwangerschaften genannt werden, bieten sie den Tätern eine einfache Methode, sich selbst von der Schuld zu befreien, indem sie den Wesen die Schuld zuschieben. So kommt es leider durchaus vor, dass kein gewalttätiger Ehemann, sondern ein Tokoloshe für die Verletzungen einer Ehefrau verantwortlich gemacht wird, oder nicht etwa der Onkel, sondern ein Tokoloshe für eine unerklärliche Schwangerschaft eines Teenagers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem habe ich auf Zoutnet, einer südafrikanischen Nachrichtenseite, von einem Fall gelesen, bei der eine Frau von ihrer Gemeinde beschuldigt wurde, einen Pavian zu einem Tokoloshe gemacht zu haben, der daraufhin mehrere Frauen vergewaltigt habe. Es hat sich so weit zugespitzt, dass eines Tages ein wütender Mob zu ihrem Haus gewandert ist, um sie umzubringen. Dazu kam es zwar nicht, aber ihr Ruf und der ihrer Familie hat auch nach dem Vorfall sehr darunter gelitten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zum Glück bringt der Glaube an das Wesen nicht nur Schattenseiten mit sich. Er kann auch Opfern von körperlicher oder sexueller Gewalt dabei helfen, über ihre Erlebnisse zu sprechen und so die entsprechende medizinische Behandlung zu erhalten, die, wenn sie den Täter beim Namen nennen müssten, nie über den entsprechenden Vorfall geredet hätten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Tokoloshe in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tokoloshe hat diverse Auftritte und Erwähnungen in der Popkultur. So gibt es z. B. den südafrikanisch-französischen Thrillerfilm „A Reasonable Man“ (Englisch für „Ein vernünftiger Mann“, 1999), der auf einem echten Fall basiert, bei dem ein Vater seinen Sohn umgebracht hat, in dem Glauben, dass es sich bei ihm um einen Tokoloshe handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es diverse Horrorfilme über die Kreatur wie z. B. „Blood Tokoloshe“ („Blut Tokoloshe“, 2013), „The Tokoloshe“ (2018) oder „Tokoloshe: The Calling“ („Tokoloshe: Die Berufung“, 2020) sowie diverse Romane wie z. B. den Fantasyroman „Tokoloshe Song“ (2014) von Andrew Salomon oder das Monster-Fighting-Manga „Tokoloshe Hunters“ („Tokoloshe Jäger“, 2026) von Bill Masuku.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Tokoloshe? Wie hättet ihr an Jans Stelle reagiert, als er den Tokoloshe gesehen hat und als sein Vater ihm nicht geglaubt hat? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Baku – Komm und friss meine Träume! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Apr 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich komisch, dass man ausgerechnet diese Kreatur als Talisman gegen Albträume gewählt hatte. Immerhin hätte der Baku selbst, mit seinen Stoßzähnen und den spitzen Krallen, aus einem Albtraum entsprungen sein können …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/2254b9c21c314d979f9a35c6317c4ddf" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Meinen Beitrag über die Baku habe ich auf Wunsch einer meiner <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patrons</a> überarbeitet. Somit ist dies der erste Beitrag, den ich bereits ein zweites Mal überarbeitet habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Passenderweise gehört der Baku zu einer meiner absoluten Lieblingslegenden. Ich hätte 2019 sogar fast eine Comicreihe über einen jungen Baku gestartet, habe mich dann aber stattdessen für den Geister und Legenden Blog entschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Schritte hallten durch die enge Gasse, während ich rannte. Die Wände waren so nah, dass ich kaum Luft bekam. Trotzdem durfte ich nicht langsamer werden. Das Bellen hinter mir machte das sehr deutlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Flüchtig warf ich einen Blick über die Schulter. Der Hund hatte mich fast erreicht. Es war jedoch kein normaler Hund. Er hatte keine Schnauze, sondern trug das Gesicht meines Chefs – eines griesgrämig dreinschauenden Mannes mit Halbglatze in seinen späten 40ern. Schaum bildete sich in seinen Mundwinkeln, während er mich mit gebleckten Zähnen weiter anbellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell sah ich wieder nach vorn. Die Gasse schien jetzt enger und enger zu werden. Bald begannen die Ziegel an meinen Schultern zu kratzen, sodass ich seitwärts rennen musste. Es dauerte nicht lange, bis auch mein Brustkorb schmerzhaft an der Wand scheuerte. Dann blieb ich stecken. Jetzt konnte ich mich weder vor- noch zurückbewegen. Ich schaffte es gerade so, den Kopf zu drehen, da sah ich auch schon ein aufgerissenes Maul mit menschlichen Zähnen direkt auf mein Gesicht zuschnellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß kerzengerade im Bett. Kalter Schweiß rann meinen Körper hinunter. Erst nach einigen Augenblicken realisierte ich, dass ich in meinem Schlafzimmer war. Es war bloß ein Albtraum gewesen. Derselbe, den ich auch die letzten Nächte gehabt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Albträume hatten letzte Woche begonnen. Ich hatte mir bereits letztes Jahr vorgenommen, dass ich bald kündigen würde, um ein eigenes Unternehmen zu gründen. Und mit meinem nächsten Gehalt hatte ich endlich genug finanzielle Mittel dafür zusammen. Das Einzige, was dann noch fehlte, war die Kündigung bei meinem Chef. Das wiederum war jedoch einfacher gesagt als getan. Mein Chef war ein sehr jähzorniger Mann. Um ehrlich zu sein, hatte ich eine Heidenangst vor ihm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch also sicher vorstellen, wie wenig ich mich auf das Kündigungsgespräch freute. Es würde mich nicht einmal wundern, wenn mein Chef bei seiner Schimpftirade Schaum vor dem Mund bekommen würde, genau wie in meinem Albtraum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ließ ich mich mit einem flauen Gefühl im Magen wieder zurück unter die Bettdecke gleiten. Ich wälzte mich hin und her, hatte eigentlich keine Lust zu schlafen, obwohl ich mich so furchtbar müde fühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch hatte ich eine Idee. Es war albern, aber ich erinnerte mich plötzlich an ein Ritual, das ich als Kind immer durchgeführt hatte, wann immer ich schlecht schlief. Meine Mutter hatte es mir beigebracht. Es ging dabei darum, einen Baku zu rufen, ein albtraumfressendes Wesen aus einer alten japanischen Legende. Dazu musste ich lediglich dreimal laut „Baku, komm und friss meine Träume!“ sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da mir nichts Besseres einfiel, legte ich mich also bequem hin, starrte an meine dunkle Zimmerdecke und sagte dann laut: „Baku, komm und friss meine Träume! Baku, komm und friss meine Träume! Baku, komm und friss meine Träume!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast musste ich lachen, so lächerlich kam es mir vor. Trotzdem lenkte es mich von dem bevorstehenden Kündigungsgespräch ab, weshalb ich bald wieder einschlafen konnte.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen riss mich mein Wecker aus dem Schlaf. Müde setzte ich mich auf. Ich rieb mir durchs Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war jedoch nicht, bevor ich in Richtung Küche schlurfte, um mir einen Kaffee zu machen, dass mir mein kleines Ritual von letzter Nacht wieder einfiel. Zu meiner Überraschung hatte ich danach durchgeschlafen. Während ich in den letzten Nächten bestimmt drei- bis viermal wachgeworden war, hatten mich meine Albträume letzte Nacht nur ein einziges Mal heimgesucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte amüsiert den Kopf. Bereits als Kind hatte das Ritual bei mir die Albträume vertrieben. Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass es heutzutage, wo ich nicht mehr an Baku glaubte, noch immer funktionieren würde. Das menschliche Gehirn war schon ein seltsames Organ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so machte ich mich an diesem Morgen vergleichsweise ausgeschlafen auf den Weg zur Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter der Woche liefen meine Tage fast immer gleich ab. Ich arbeite bis zum Nachmittag, machte danach den Haushalt, ging einmal die Woche einkaufen und zweimal die Woche ins Fitnessstudio, kochte mir mein Abendessen und verbrachte den restlichen Abend vorm Fernseher. Anschließend ging ich, meist so gegen 22 Uhr, ins Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute war es nicht anders. Außer, dass ich vor dem Schlafengehen mein kleines Baku-Ritual wiederholte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Überraschung schlief ich auch diese Nacht durch. Also entschied ich, das Ritual auch die folgenden Abende vor dem Schlafengehen zu wiederholen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Morgen für morgen war ich erstaunter. Und so war das Ritual bald zu einem festen Bestandteil meiner Abendroutine geworden. Außerdem rückte der Tag meines Kündigungsgesprächs immer näher. Danach würde ich so oder so Ruhe vor den Albträumen haben.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als zwischen dem Gespräch und mir nur noch zwei Nächte lagen, kam meine Mutter zu Besuch, um mir mit meiner Wäsche zu helfen. Eigentlich brauchte ich keine Hilfe dabei. Und das wusste sie. Aber weil ich wegen meines Jobs nur wenig Zeit hatte, sie zu besuchen, dachte sie sich gerne solch Vorwände aus, um mir einen Besuch abzustatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr müsst wissen, sie und mein Vater waren schon lange geschieden. Und den Rest unserer Familie hatte sie noch vor meiner Geburt in Japan zurückgelassen. Ich war also ihr einziger Verwandter in der näheren Umgebung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei ihrem Besuch kamen wir zufällig auf den Baku zu sprechen. Eigentlich hatte ich ihr nur belustigt erzählen wollen, dass mein Kindheitsritual noch immer funktionierte. Sie war darüber jedoch deutlich weniger begeistert als ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist du verrückt?“, wies sie mich zurecht. Sie hatte nach all den Jahren in Deutschland noch immer einen starken japanischen Akzent, den sie nie ablegen konnte oder es nicht wollte. „Baku sind keine Werkzeuge, die du nach Belieben rufen kannst. Sie kommen zu uns, um unsere Albträume zu fressen, ja. Aber was denkst du passiert, wenn sie von deinen Albträumen nicht mehr satt werden? Sie werden auch deine Wünsche und Träume fressen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach Mama“, erwiderte ich. „Selbst, wenn es die Baku wirklich gibt – was ich übrigens nicht glaube –, brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Ich hab den Albtraum so häufig, dass jeder Albtraumfresser daran satt werden würde.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie musterte mich streng. „Immer den gleichen Traum?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Immer den gleichen Traum“, erwiderte ich. Wenn ich jedoch hoffte, dass die Aussage sie beschwichtigen würde, hatte ich mich geirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und wenn du jeden Tag das gleich essen müsstest?“, fuhr sie mich an. „Glaubst du nicht, dass du dich dann bald nach etwas anderem sehnen würdest? Einem saftigen Lebenstraum vielleicht? Oder einem Herzenswunsch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rollte mit den Augen. Zum Glück sah meine Mutter das nicht. Ich musste zwar gestehen, dass ich selbst überrascht war, wie gut das Ritual funktionierte – fast schon zu gut –, aber das bedeutete noch lange nicht, dass es Baku wirklich gab. Trotzdem musste ich Mama versprechen, dass ich den Baku nie wieder leichtsinnig rufen würde. Besonders nicht die nächsten Tage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend verließ sie meine Wohnung. Es dauerte jedoch keine Stunde, bis sie wieder bei mir klingelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama? Was machst du wieder hier?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie antwortete nicht. Stattdessen hielt sie mir eine hölzerne Figur entgegen. Sie stellte einen Baku dar. Der Elefantenkopf, die Löwenmähne, der kuhartige Schwanz und sogar die Tigerpfoten waren kunstvoll in das Holz eingearbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wow, den hab ich ja ewig nicht gesehen.“ Ich lachte überrascht. „Wo hast du den her?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du denkst doch nicht, dass ich irgendwelche alten Sachen von meinem Sohn wegwerfe, oder?“, fragte sie. „Besonders, wenn sie dir mal so wichtig waren. Als Kind wolltest du keine Nacht schlafen, wenn der Baku nicht auf deinem Nachttisch stand. Er mag nicht so effizient sein, wie die echten, aber die Leute nutzen Abbildungen von Baku schon seit Jahrhunderten, um böse Geister und schlechte Träume fernzuhalten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strahlte sie breit an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir unterhielten uns noch einen Moment über die guten alten Zeiten, wie sie mir damals immer Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen hatte, während ich die Bakufigur wie ein Stofftier an mich gedrückt hatte. In einigen Nächten musste sie meine Finger richtig auseinanderbiegen, obwohl ich bereits schlief, nur um die Figur aus meiner Hand zu bekommen. Wie sich herausstellte, hatte ich auch als Kind schon schwer mit Albträumen zu kämpfen gehabt.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich einige Stunden später im Bett saß, hielt ich die Bakufigur wie früher in der Hand. Diesmal jedoch, um sie näher zu betrachten. Eigentlich komisch, dass man ausgerechnet diese Kreatur als Talisman gegen Albträume gewählt hatte. Immerhin hätte der Baku selbst, mit seinen Stoßzähnen und den spitzen Krallen, aus einem Albtraum entsprungen sein können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich stellte ich die Holzfigur auf meinen Nachttisch, schaltete das Licht aus und rutschte unter die Bettdecke. Das Ritual führte ich an diesem Abend nicht durch, wie ich es meiner Mutter versprochen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider kam der Albtraum zurück. Wie auch die letzten Male rannte ich durch die immer enger werdende Gasse. Der grässliche Hunde-Chef-Mischling war mir wieder dicht auf den Fersen. Und wie auch die letzten Male blieb ich irgendwann stecken, ehe ich schweißgebadet aufwachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lag ich also da, starrte die dunkle Zimmerdecke über mir an. Mein Herz raste, während meine Gedanken kreisten. Kaum rief ich eine Nacht keinen Baku, kehrten meine Albträume schlagartig zurück. Wie war das möglich? Konnte man das wirklich damit erklären, dass ich mit dem Ritual mein Hirn austrickste, oder war doch mehr an der Sache dran?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch überlegte ich, das Ritual einfach noch einmal durchzuführen. Mama würde es nie erfahren. Doch irgendetwas in mir hielt mich davon ab. Es fühlte sich falsch an, sie so zu hintergehen. Also drehte ich mich auf die Seite und versuchte, wieder einzuschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die restliche Nacht verlief ähnlich unruhig, sodass ich am nächsten Morgen müde und unausgeruht meinen Wecker ausschaltete. Kurz funkelte ich die Bakufigur auf meinem Nachttisch wütend an, als wäre sie schuld an meinen schlechten Träumen. Anschließend stand ich auf und machte mich fertig für die Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort war meine Stimmung ähnlich schlecht wie am Morgen. Erst in der Mittagspause hatte ich einen kleinen Lichtblick, als mir plötzlich eine Idee kam. Ich druckte über zwanzig verschiedene Bilder von Baku aus, die ich am Abend überall in meinem Schlafzimmer verteilte: auf dem Boden, an den Wänden, auf dem Nachttisch und sogar unter meinem Kopfkissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich den Baku schon nicht rufen konnte, wollte ich wenigstens alles daransetzen, die letzte Nacht durchschlafen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Nacht wälzte ich mich jedoch wieder in meinem Bett hin und her. Obwohl ich völlig übermüdet war, hatte ich so große Angst vor morgen, dass es mir fast den Hals zuschnürte. Wieder und wieder musste ich an das bevorstehende Gespräch mit meinem Chef denken. Wenn ich jetzt schon solche Probleme hatte, einzuschlafen, wie sollte ich dann die Nacht überstehen? Wäre es nicht besser, das Kündigungsgespräch ausgeruht zu führen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte ernsthaft darüber nach, das Versprechen an meine Mutter zu brechen. Trotzdem entschied ich mich, den Bakubildern in meinem Zimmer eine Chance zu geben. Und so schaffte ich es, nach gefühlten Ewigkeiten endlich einzuschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber natürlich kam es, wie es kommen musste. Sobald ich in das Reich der Träume eingetaucht war, fand ich mich in der inzwischen vertrauten Gasse wieder. Aus der Ferne näherte sich aggressives Hundegebell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur wenige Momente später saß ich wieder im Bett. Mein Atem ging schnell und stoßweise. Schweißtropfen liefen meinen Rücken hinunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es reicht! Genug ist genug! Baku waren nicht echt. Und wenn mir das Ritual half, ruhig zu schlafen, würde ich das ausnutzen. Außerdem war es ja nur noch eine einzige Nacht. Was sollte da schon passieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schluckte ich meine Gewissensbisse herunter und sagte drei letzte Male den Satz: „Baku, komm und friss meine Träume!“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen merkte ich sofort, dass etwas anders war. Ich hatte keine Angst mehr, kein mulmiges Gefühl im Magen, wenn ich an meinen Chef dachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits fühlte ich auch keine Vorfreude mehr, wenn ich an meine Zukunft dachte. Ich spürte kein Kribbeln im Bauch, wie ich es sonst immer getan hatte. Das Gefühl der Freiheit, bald mein eigener Boss zu sein, ließ mich unberührt. Warum fühlte ich nichts?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte ich auf die Warnungen meiner Mutter hören sollen? Hatte der Baku meine Wünsche und Träume gefressen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Morgen blieb ich im Bett liegen. Ich ging nicht einmal zur Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein paar Mal klingelte mein Telefon. Gegen Mittag klingelte es sogar an der Tür. Ich ignorierte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst, als Mama plötzlich in meiner Schlafzimmertür stand, entsetzt die überall verteilten Bilder des Baku anstarrte, war es mir egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um genau zu sein, war mir alles egal. Meine Mutter schaffte es zwar, mich zu überreden, dass ich wieder zur Arbeit ging, aber meine Kündigung reichte ich nie ein. Inzwischen sind einige Jahre vergangen. Noch immer arbeite ich für schlechtes Geld bei meinem jähzornigen Chef – und selbst das ist mir völlig egal.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Baku (獏 oder 貘) sind albtraumfressende Chimären der japanischen Mythologie. Generell gelten sie als heilige und gute Wesen, können laut einigen Versionen der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> jedoch auch Unheil über die Menschen bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Optisch erinnern sie stark an einen Tapir, weshalb 獏 bzw. 貘 (gesprochen „Baku“) auch als „Tapir“ übersetzt werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zählen zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Yōkai</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach haben die Götter einst die Tiere erschaffen. Als sie damit fertig waren, hatten sie jedoch noch einige Teile übrig, aus denen sie schließlich den Baku zusammensetzten. Das ist auch der Grund, warum die Baku als heilig gelten. Außerdem erklärt es ihr merkwürdiges Aussehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt handelt es sich bei den Baku um Chimären, also Mischwesen. Sie setzen sich aus verschiedenen Säugetierteilen zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So sollen sie den Kopf oder auch nur den Rüssel eines Elefanten besitzen, die Mähne eines Löwen, die Augen eines Rhinozerosses, den Körper eines Bären, den Schwanz eines Ochsen und die Beine eines Tigers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Versionen gibt es auch andere Zusammensetzungen, die Ähnlichkeit zu einem Tapir ist allerdings fast immer vorhanden. Das war auch der Grund, warum die Menschen in Japan damals, als sie von Tapiren erfuhren, der Meinung waren, dass es sich dabei um Baku handeln müsse.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die bekannteste Eigenschaft der Baku ist, dass sie Albträume fressen sollen. Außerdem heißt es, dass sie böse <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geister</a> und <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämonen</a> fernhalten, weshalb ihre Anwesenheit gute Gesundheit und Glück verspricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesen Gründen werden in Japan häufig kleine Baku-Talismane in Form von Bildern oder Figuren in oder um die Betten platziert. Besonders beliebt waren dabei früher wohl Kopfkissen, die mit dem Kanji für Baku bestickt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Des Weiteren heißt es, dass man einen Baku gezielt herbeirufen kann, wenn man einen Albtraum hat oder sogar, um Albträume vorzubeugen. Dazu muss man lediglich dreimal laut sagen: „Ich gebe diesen Traum an den Baku.“ (Japanisch: „この夢獏にあげます“, „Kono yume baku ni arimasu.“) Es soll aber auch noch andere Beschwörungsformeln geben, wie z. B. „Baku, komm und friss meine Träume!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man sollte das jedoch niemals achtlos tun. In einigen Legenden heißt es nämlich, dass ein Baku, der von den Albträumen einer Person nicht satt wird, ebenfalls ihre Träume und Wünsche frisst und sie ohne Hoffnungen und Träume zurücklässt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass Baku, wenn sie sich nicht gerade in der Nähe der Menschen aufhalten, tief in den Wäldern Japans leben sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende des Baku kommt ursprünglich aus China, wo eine ähnliche Kreatur namens Mo (貘) existiert. (Anmerkung: Einigen von euch mag hier auffallen, dass das Schriftzeichen 貘 dasselbe ist, wie eines der beiden japanische Kanji für den Baku. Das liegt daran, dass die japanischen Kanji ursprünglich aus dem Chinesischen übernommen wurden, weshalb viele Kanji ähnlich oder sogar identisch wie ihre chinesischen Gegenstücke sind.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mo wurde im alten China jedoch angeblich gejagt und sein Fell als Bettdecke oder Unterlage zum Schlafen genutzt, da man seinem Fell nachsagte, es würde böse Geister und Krankheiten fernhalten. Eine unbestätigte Theorie besagt, dass früher tatsächlich Tapire in China gelebt haben könnten. Sie könnten dort für ihr Fell so lange gejagt worden sein, bis sie ausgestorben seien, weshalb nur die Legenden des Wesens überdauert hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Egal, ob das nun stimmt oder nicht, die Legende des Mo ist jedenfalls etwa im 14. oder 15. Jahrhundert von China nach Japan gelangt, wo man dem Wesen den Namen Baku gab. Erst in Japan entstand auch die Legende, dass Baku Albträume fressen – eine Eigenschaft, die sich bis heute durchsetzen konnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Baku in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das wohl prominenteste Beispiel des Baku in der modernen Popkultur ist das Pokémon Traumato, dass nicht nur optisch dem Baku ähnelt, sondern ebenfalls Träume fressen soll. In dem Pokédex-Eintrag von Pokémon Feuerrot heißt es sogar, dass Traumato ein Nachfahre des Baku sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch in der Videospiel-, Anime- und Mangareihe Yo-Kai Watch ist ein Baku anzutreffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem spielt ein Baku eine Rolle in „Sandman: Traumjäger“ von Neil Gaiman, das sowohl als Novelle (1999) als auch als vierteilige Comicreihe (2008 bis 2009) herausgebracht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Baku? Würdet ihr euch trauen, einen von ihnen zu rufen, wenn ihr Albträume habt? Oder wäre euch das Risiko zu groß? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Tsukumogami – Monster sind real!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Als wir fast mit dem letzten Zimmer fertig waren – es war bereits Sonntagnachmittag – entdeckte ich jedoch den kaputten Papier-Regenschirm wieder. Zumindest dachte ich erst, dass er es sei. Er stand in der hintersten Ecke des Raumes, völlig unscheinbar an die Wand gelehnt.<br />
Langsam, fast schon vorsichtig ging ich auf ihn zu. „Das ist seltsam“, sagte ich. „Ich hätte schwören können, dass ich den Regenschirm letztes Wochenende schon einmal entsorgt habe …"</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/02ea5e58dcfb432fac64b734ec28e975" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Tsukumogami behandelt endlich wieder einen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Yōkai</a>. Mir ist ehrlich gesagt nicht einmal aufgefallen, dass meine letzte japanische Legende schon 9 Monate her war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür hat die heutige Geschichte mit schnuckeligen 4.448 Wörtern deutliche Überlänge. Ich hoffe, sie gefällt euch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß neben Kichiro in dem kleinen weißen Transporter, den wir vorhin in Tokio gemietet hatten. Die Natur war grün, die Sonne schien und unsere Playlist schallte aus den Boxen, während wir die engen und kurvigen Straßen entlangfuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir näherten uns unserer neuen Heimat. Shizuka-Mura war ein kleines Dorf, nur etwa zwei Stunden von Tokio entfernt. Einsam, fast unbedeutend stand es am Fuß eines Berges. Ohne den Arbeitskollegen von Kichiro, der uns auf das verschlafene Örtchen aufmerksam gemacht hatte, hätten wir es wahrscheinlich nie entdeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er wusste jedoch, dass wir gemeinsam ein Haus kaufen wollten. Auch hatte er mitbekommen, dass wir uns bereits nach einigen Akiyas umgesehen hatten. So nennt man die zahlreichen leerstehenden Häuser, die in den ländlichen Gegenden Japans zu finden sind. Meist kann man sie zu spottbilligen Preisen erstehen, da sie langsam am Zerfallen sind. Und wenn ich spottbillig sage, meine ich spottbillig: Die Häuser inklusive Grundstück fangen teilweise schon bei umgerechnet 300 bis 400 Euro an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Haus, für das wir uns dank des Kontakts des Arbeitskollegen letztendlich entschieden hatten, war mit seinen 2,5 Millionen Yen, etwa 15.500 Euro, zwar etwas teurer, aber der Zustand war mehr als nur überzeugend. Klar mussten wir noch einiges an Geld in die Renovierung stecken, zum Beispiel mussten wir die komplette Elektrik sowie die Leitungen erneuern lassen, aber vieles konnten wir tatsächlich selbst erledigen. Immerhin hatte ich in den zehn Jahren, in denen ich in Deutschland als Handwerker gearbeitet hatte, einiges gelernt. Außerdem war das Haus trocken, weder von Schimmel noch von Termiten befallen und selbst die meisten Möbel und Tatami-Matten waren in einem noch durchaus brauchbaren Zustand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ich in Deutschland für den Preis so ein Haus gefunden hätte, hätte ich Angst gehabt, dass es darin spukt“, hatte ich scherzhaft zu Kichiro gesagt, nachdem ein Gutachter uns einen groben Überblick über die anfallenden Kosten gegeben hatte. Dass ich mit der Aussage ins Schwarze getroffen hatte, hätte ich mir jedoch nicht träumen lassen. Wir hatten den Kaufvertrag noch am selben Abend unterzeichnet.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich hatten wir das Dorf erreicht. Wir fuhren durch enge, teilweise baufällige Straßen, sodass wir nur im Schritttempo fahren konnten. Währenddessen begegneten wir einigen Bewohnern, die uns allesamt neugierig nachsahen. Wir begrüßten sie je mit einem freundlichen nicken, bis wir schließlich in unsere Straße einfuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Haus war nicht das erste Akiya, dem wir heute begegneten. Obwohl Shizuka-Mura nur wenige Einwohner hatte, gab es davon in der Gegend einige. Manche von ihnen sahen, genau wie unseres, vergleichsweise gut aus, andere waren völlig zerfallen und überwuchert. Wahrscheinlich waren die meisten jüngeren Leute aus der Gegend in die Städte gezogen und hatten die Häuser leer zurückgelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich fuhren wir auf unsere kleine Auffahrt. Unsere neue Nachbarin, eine ältere Dame, war gerade in ihrem Garten. Auch sie sah neugierig zu uns rüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Tag“, grüßte ich freundlich, während ich ausstieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Tag“, grüßte sie zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind die neuen Nachbarn. Das ist Herr Suzuki und ich bin Berger“, stellte ich uns, wie in Japan üblich, mit unseren Nachnamen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Tag“, grüßte nun auch Kichiro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gotō“, stellte sich die Frau vor. Sie beäugte uns einen Augenblick neugierig. „Sie müssen gute Freunde sein“, stellte sie schließlich fest. Ein anderer Grund, warum zwei Männer sich gemeinsam ein Haus kauften, fiel ihr anscheinend nicht ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind verlobt“, erklärte ich. Leider ein Dauerzustand, da zwei Männer hier in Japan noch nicht heiraten durften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Gotō guckte überrascht, dann aber nickte sie freundlich. „Es ist schön, dass junge Leute wie Sie in unser kleines Dorf ziehen. Ich kann zwar nicht schwer tragen, aber falls Sie Hilfe gebrauchen können, sagen Sie bitte Bescheid.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir bedankten uns, woraufhin sie weiter zu ihrer Haustür ging. Bevor sie sie jedoch öffnete, drehte sie sich noch einmal zu uns um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach so. Bevor ich es vergesse: Ich höre manchmal nachts Geräusche aus Ihrem Haus. Ich weiß nicht, wer oder was das ist, aber passen Sie bitte auf sich auf. Nicht, dass Sie ungewollte Gäste haben.“ Dann war sie auch schon in ihrem Haus verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro und ich sahen einander überrascht an. Ich verzog das Gesicht. „Na das klingt ja vielversprechend“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Verlobter klopfte mir auf die Schulter. „Mach dir nichts draus, Lennart. Wenn das irgendwelche Tiere sind, finden wir sie beim Entrümpeln, und falls es ein Obdachloser ist, zieht er bestimmt weiter ins nächste Akiya. Es ist ja nicht so, dass es nicht genug davon in der Gegend gibt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte mich zum Lachen. Sein Optimismus und seine immer lockere Art, mit Problemen umzugehen, waren zwei der Gründe, warum ich mich damals in ihn verliebt hatte.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Tag passierte nichts Außergewöhnliches. Wir fingen an, die Möbel und Haushaltsgegenstände einen Raum nach dem anderen durchzusehen. Wir sortierten, was wir noch gebrauchen konnten, und was wegsollte. Wie bereits gesagt waren viele der Möbel noch immer in einem guten Zustand, weshalb wir die meisten Stühle, Tische, Schränke und sogar ein Radio, das in der Küche stand, behielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die anderen Dinge – ein kaputter Besen, ein Stuhl mit gebrochener Armlehne, alte Zeitschriften, kaputtes Geschirr, diverse ausgeblichene Bilder und die alten Futons, um nur ein paar Dinge zu nennen – brachten wir nach draußen. Wir stellten sie auf die Auffahrt, von wo aus wir sie später geordnet in den Transporter laden würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am frühen Abend machte uns das schwindende Sonnenlicht jedoch ein Strich durch die Rechnung. Da der Strom nicht funktionierte, konnten wir bald kaum noch etwas erkennen. Die batteriebetriebene Camping-Lampe, die wir extra für diesen Zweck organisiert hatten, spendete zwar genug Licht für eine gemütliche Atmosphäre, aber es war zu schwach, um die Möbel ausreichend zu beleuchten. Daher entschieden wir, es für heute gut sein zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Abendessen gab es Instant-Ramen. Frau Gotō war so freundlich, uns dafür heißes Wasser zu spendieren. Wir aßen die Nudeln bei ihr, während sie uns von der Gegend erzählte. Trotz der bescheidenen Größe hatte Shizuka-Mura einen kleinen Supermarkt, zwei empfehlenswerte Restaurants und einen gut gepflegten Schrein – nur für denn Fall, dass wir uns noch etwas aus den Göttern machten, wie Frau Gotō mit einem Augenzwinkern erzählt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Essen bedankten wir uns bei ihr für das heiße Wasser und die gute Gesellschaft, woraufhin sie uns anbot, dass wir gerne am nächsten Abend wiederkommen könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend gingen wir zufrieden und erschöpft von der vielen Arbeit ins Bett. Dafür hatten wir einen Futon im Gästezimmer ausgebreitet – dem einzigen Raum, der nicht völlig mit Ramsch zugestellt gewesen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir uns hingelegt und unsere Camping-Lampe ausgeschaltet hatten, war es um uns herum stockdunkel. Die Luft roch noch immer nach Staub, auch wenn wir uns größte Mühe gegeben hatten, den Raum zumindest oberflächlich zu putzen. Jetzt lauschte ich Kichiros langsamen Atem neben mir. Und so war ich bald eingeschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitten in der Nacht wurden wir jedoch von seltsamen Geräuschen aus dem Schlaf gerissen. <em>‚Klack. Klack‘</em>, ertönte es leise aus dem Flur. <em>Klack.</em> Es klang fast wie Schritte, nur dass es dafür zu langsam und irgendwie zu aggressiv war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lennart? Was ist das?“, fragte Kichiro, als er merkte, dass ich wach war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Ahnung“, erwiderte ich. Vielleicht waren das die nächtlichen Geräusche, von denen Frau Gotō erzählt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leise, um selbst keinen Lärm zu machen, stand ich auf. Ich tastete nach der Camping-Lampe, schaltete sie aber noch nicht ein, um nicht auf mich aufmerksam zu machen. Anschließend schlich ich auf leisen Sohlen zur Zimmertür. Kichiro war dicht hinter mir. Als ich den Shoji, die japanische Schiebetür, erreicht hatte, schob ich ihn langsam auf. <em>Klack. Klack.</em> Die Geräusche waren jetzt ganz in der Nähe. Vorsichtig hob ich den Arm mit der Camping-Laterne in den Flur hinaus, während ich mit der freien Hand nach den Einschaltknopf tastete.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Klick.</em> Der Flur vor uns war nun in sanftes Licht gehüllt. Ich spähte nach links und rechts. Er war leer. Allerdings hatten jetzt auch die Geräusche aufgehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nichts“, sagte ich zu Kichiro. Ich schob den Shoji weiter auf, damit auch er etwas sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Sicherheit gingen wir die angrenzenden Räume ab. Aber auch hier war alles wie vorher. Zwischen dem Gerümpel schien sich zumindest niemand zu verstecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht sind es die alten Rohre?“, schlug Kichiro vor. „Wenn ich mich richtig erinnere, verlaufen Sie hier genau unter dem Boden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. Das war eine Möglichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Komm Lennart, lass uns zurück ins Bett gehen. Wir haben morgen noch einen anstrengenden Tag vor uns.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist gut“, stimmte ich zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend legten wir uns wieder hin. Die restliche Nacht blieb ruhig.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen wollten wir keine Zeit verlieren. Nach einem knappen Frühstück machten wir uns direkt an die Arbeit. Auch heute kamen wir gut voran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst war das Wohnzimmer dran. Es dauerte anderthalb, vielleicht zwei Stunden, bis wir den meisten Ramsch aussortiert hatten. Kichiro ging bereits weiter in den nächsten Raum, während ich dabei war, den letzten Rest nach draußen zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich jedoch ins Wohnzimmer zurückkam, stockte ich. Am Tisch lehnte ein weißer Regenschirm mit aufwendiger Musterung. Er war mir vorher nicht aufgefallen, obwohl wir mit dem Raum bereits fast fertig waren. Misstrauisch ging ich auf ihm zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war einer dieser Schirme aus gewachstem Papier. Er musste schon sehr alt sein. Sein Weiß ging bereits ins Gelbliche. Trotzdem war er wunderschön verarbeitet. Vorsichtig öffnete ich ihn ein Stück. Äste mit rosa Kirschblüten verzierten seine Oberfläche. Doch leider war er an einigen Stellen bereits gerissen. Also klappte ich ihn wieder zu und brachte ihn zusammen mit einer kaputten Vase zum Transporter. Anschließend folgte ich Kichiro in den hinteren Teil des Hauses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So ein Mist!“, hörte ich Kichiro entsetzt rufen, als ich auf halbem Weg war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beschleunigte meine Schritte. „Was ist?“, fragte ich, bereits auf unerwartete Kosten eingestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro sah mich mit großen Augen an, als hätte er mich nicht erwartet. Dann lachte er plötzlich. „Ach, nichts. Nur ein dummer Aberglaube“, er deutete auf den Shoji neben ihm. Eines der oberen Papierfenster war gerissen. „Wir sollten das möglichst schnell austauschen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lehnte mich an die Wand, den Mund zu einem Schmunzeln verzerrt. „Sonst was? Kommt sonst ein Yōkai vorbei und zerreißt auch die anderen?“, riet ich drauf los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder lachte Kichiro. „Du bist doof. Nein. Es geht um eine Geschichte, die meine Oma mir mal erzählt hat. Wenn man einen kaputten Shoji zu lange ignoriert, kann er zu einem Mokumokuren werden. Dann wachsen ihm ganz viele Augen, mit denen er uns anstarrt.“ Mein Verlobter schüttelte sich übertrieben. „Darauf kann ich gerne verzichten. Ich hab jedenfalls keine Lust, in unserem neuen Haus beobachtet zu werden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grinsend schüttelte ich den Kopf. „Oh. Nein. Darauf kann ich auch verzichten. Also gut. Bis nächstes Wochenende organisieren wir neues Shoji-Papier.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro strahlte mich an. Bei solchen Dingen wusste ich nie, woran ich bei ihm war. An manche von ihnen glaubte er, über andere konnte er genauso lachen wie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schuld daran war seine Oma mütterlicherseits. Sie hatte ihn schon von klein auf mit ihren Geschichten über Yōkai und Geister bei Laune gehalten. Viele davon waren ihr angeblich selbst widerfahren. Und diesen Glauben an das Übernatürliche hatte Kichiro nie verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war da völlig anders. Meine Familie in Deutschland hatte mir seit meiner Geburt klar gemacht, dass es so etwas wie Geister und Monster nur in Geschichten gab. Nichts davon war real – so dachte ich zumindest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem blieb mir Kichiros Satz mit dem Beobachtetwerden im Gedächtnis. Jedes Mal, wenn ich an dem kaputten Shoji vorbeiging, musste ich mir vorstellen, wie tatsächlich Augen aus ihm wuchsen. Über mich selbst belustigt schüttelte ich den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war mit den Gedanken noch immer bei dem Shoji, als mir etwas anderes auffiel: Kichiro und ich trugen einen kaputten Schrank nach draußen, wo wir ihn direkt neben die kaputte Vase aus dem Wohnzimmer stellten. Ich hatte den Schirm vorhin hineingestellt, damit er nicht umfiel. Jetzt war die Vase jedoch leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gerunzelter Stirn sah ich mich um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? Hast du was verloren?“, fragte Kichiro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich hatte vorhin einen kaputten Papierschirm hier in die Vase gestellt. Irgendwer muss ihn wohl mitgenommen haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kräuselte sich auch Kichiros Stirn. „Na ja. Unser Verlust soll es nicht sein. Wir hätten ihn eh nur weggeworfen. Wenn der Schirm irgendwen glücklich macht, soll er ihn doch haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte zögerlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr Erwähnenswertes geschah an dem Wochenende zum Glück nicht. Am Samstag arbeiteten wir wieder so lange weiter, wie es das Sonnenlicht erlaubte. Den Abend verbrachten wir dann bei Frau Gotō. Sie hatte uns wie selbstverständlich gebratenen Fisch mit allerlei Beilagen gemacht. Erst wollte Kichiro es gar nicht annehmen, aber da Frau Gotō darauf bestand, wäre es unhöflich gewesen, das Essen abzulehnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zeit bei der alten Dame kam mir vor, als würden wir einander schon ewig kennen. Sie erzählte uns weiter von der Gegend, während wir von Tokio und Deutschland erzählten. Auch erwähnten wir die nächtlichen Geräusche – die in der folgenden Nacht übrigens wiederkamen – sowie unseren Verdacht, dass es sich dabei um die alten Rohre handeln könne. Das erleichterte Frau Gotō sichtlich. Wir wünschten einander eine gute Nacht, ehe wir zurück in unser Haus gingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Sonntag räumten wir weiter auf, bevor wir gegen Nachmittag den Transporter einräumten. Anschließend verabschiedeten wir uns von unserer Nachbarin und machten uns auf den Rückweg nach Tokio. Shizuka-Mura würden wir erst am nächsten Wochenende wiedersehen.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zweite Wochenende in dem Dorf verlief ähnlich wie das erste – zumindest, nachdem wir direkt am Freitag den kaputten Shoji repariert hatten. Tagsüber räumten wir weiter die Zimmer auf und die Abende verbrachten wir auf Frau Gotōs Wunsch hin wieder bei ihr. Sie hatte selbst keine Kinder, was vielleicht der Grund war, warum sie uns so herzlich aufnahm. Ihre liebenswürdige Art zauberte mir jedenfalls bald ein Lächeln ins Gesicht, wann immer ich sie sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungewöhnliches geschah hingegen kaum etwas. Ja, die nächtlichen Geräusche kamen wieder, aber auch diesmal konnten wir nichts Auffälliges entdecken. In der Nacht von Samstag auf Sonntag machten wir uns nicht einmal mehr die Mühe, aufzustehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir fast mit dem letzten Zimmer fertig waren – es war bereits Sonntagnachmittag – entdeckte ich jedoch den kaputten Papier-Regenschirm wieder. Zumindest dachte ich erst, dass er es sei. Er stand in der hintersten Ecke des Raumes, völlig unscheinbar an die Wand gelehnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam, fast schon vorsichtig ging ich auf ihn zu. „Das ist seltsam“, sagte ich. „Ich hätte schwören können, dass ich den Regenschirm letztes Wochenende schon einmal entsorgt habe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro trat neben mich, um sich das unscheinbare Objekt selbst anzusehen. Aber er zuckte bloß mit den Schultern. „Vielleicht hat er dieselbe Musterung? Ich bin mir sicher, solche Schirme werden zuhauf angefertigt. Vielleicht trugen unsere Vorbesitzer sie im Partnerlook. Oder sie haben einfach mehrere geholt.“ Mehr Gedanken verschwendete er nicht daran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir hingegen wollte der Schirm nicht mehr so recht aus dem Kopf gehen. Ich starrte ihn die ganze Zeit lang an, während ich ihm zum Transporter brachte. Dort schob ich ihn zwischen die anderen Möbel, die wir bereits eingeräumt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So. Das war’s“, sagte ich. Ich schlug die Tür zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro hatte bereits unsere Tasche geschultert. Er stieg auf der Beifahrerseite ein, während ich zur Fahrertür ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich die Tür geöffnet hatte, hörte ich jedoch ein Geräusch von der Rückseite des Autos. Es klang fast wie die Tür. Mit gerunzelter Stirn ging ich die wenigen Schritte zurück. Aber hier hinten sah alles ganz normal aus. Vielleicht war nur irgendetwas im Auto heruntergefallen. Also zuckte ich nur wieder mit den Schultern, stieg endlich ein und startete den Motor. Wir fuhren auf direktem Weg zurück nach Tokio.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Woche über musste ich immer wieder an unser Akiya denken. Wie gut wir vorankamen, wie nett uns Frau Gotō aufgenommen hatte, aber auch an den Papier-Regenschirm. Ich gestand es Kichiro jedoch erst am Freitag, als wir nach der Arbeit im Auto nach Shizuka-Mura saßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist albern. Aber der Regenschirm geht mir einfach nicht aus dem Kopf“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro sah mich ratlos an. „Welcher Regenschirm?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den, von dem ich dachte, dass ich ihn schon einmal entsorgt habe“, half ich ihm auf die Sprünge. „Weißt du, erst verschwindet er spurlos von unserer Auffahrt und dann finden wir einen identischen Schirm in der hintersten Ecke vom Arbeitszimmer. Natürlich hast du recht, dass es nur dasselbe Modell ist. Es muss so sein. Aber das war schon irgendwie unheimlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro schmunzelte. „Und ich dachte immer, du glaubst nicht an Geistergeschichten“, zog er mich auf. Dann starrte er plötzlich aus dem Fenster. „Wobei ich gestehen muss, dass ich abends manchmal Bewegungen aus dem Augenwinkel gesehen habe. Im Haus meine ich. Aber bisher ist ja noch nichts passiert, das auf einen bösen Geist hindeutet.“ Er schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte zurück. Auch wenn mein Lächeln eher halbherzig war. Das war nicht gerade die Art von Kommentar, die mich aufheitern konnte.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Wochenende ging es um den ersten groben Hausputz. Bevor wir die Elektriker und die Sanitärinstallateure in das Haus ließen, wollten wir wenigstens die Wände, den Boden und die Möbel vom gröbsten Schmutz befreien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Putzlappen und Besen bewaffnet, teilten wir uns auf. Ich übernahm das Wohnzimmer, während Kichiro ins Arbeitszimmer ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst fegte ich den kompletten Boden ab und war dabei darauf bedacht, möglichst viel Dreck aus den Tatami-Matten zu schrubben. Ich wirbelte dabei jedoch mehr Staub auf, als dass ich ihn entfernte. Zum Glück würde die Elektrik bereits nächste Woche ausgetauscht werden. Danach hatten wir endlich Licht und konnten auch einen Staubsauger benutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend machte ich mich daran, die Tische und Schränke mit dem Lappen zu reinigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey, Lennart“, hörte ich Kichiro plötzlich aus dem Nachbarzimmer rufen, als ich gerade dabei war, einen besonders hartnäckigen Fleck vom Esstisch zu schrubben. „Ich glaube, ich hab deinen Regenschirm wiedergefunden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erstarrte in der Bewegung. Was? Das war unmöglich! Wir hatten alle Räume bereits durchgesehen. Mein Körper fühlte sich verkrampft an, während ich die Gummihandschuhe auszog. Langsam, fast mechanisch ging ich zu Kichiro ins Arbeitszimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Verlobter stand vor einem Schreibtisch, die oberste Schublade geöffnet, und hielt ein Stück Papier in den Händen. Bei genauerer Betrachtung fiel mir auf, dass es ein Schwarz-Weiß-Foto war. Ich nahm es ihm ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich sah, was darauf abgebildet war, atmete ich erleichtert auf. Es war eine junge Frau in einem Kimono. Sie hatte ein hübsches Gesicht und lächelte in die Kamera, während sie einen aufgespannten Regenschirm an ihre Schulter gelehnt festhielt. <em>Den</em> Regenschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt musste ich lachen. „Und ich dachte schon, der Regenschirm ist auf magische Weise wieder aufgetaucht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro grinste mich frech an. Anscheinend war genau das seine Intention gewesen. „Langsam fürchte ich, du glaubst doch an Geister“, neckte er mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte grinsend den Kopf, ehe ich flüchtig die Rückseite des Bildes ansah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht hätten wir den Schirm doch nicht wegwerfen sollen“, merkte ich an. ‚Mariko 1921‘ stand dort in verblasster Handschrift geschrieben. „Den Schirm gab es schon in den 1920ern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte Kichiro zum Erstarren. Nur für höchstens eine Sekunde, aber ich hatte es bemerkt. „Der Schirm ist über 100 Jahre alt?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Ja. Denkst du, er wäre was wert gewesen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro zögerte. „Vielleicht.“ Dann winkte er jedoch ab. „Aber er war kaputt. Es ist gut, dass wir ihn entsorgt haben. Bei so alten Gegenständen kann man nie wissen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte das Gefühl, dass er noch mehr sagen wollte. Stattdessen widmete er sich jedoch schnell wieder der Schublade und machte damit weiter, sie auszuräumen. Die meisten Sachen landeten in einem Müllsack. Ich warf das Foto dazu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden Wochen dachte ich noch einige Male an den Regenschirm, aber er tauchte nicht mehr auf. Weder im Haus noch auf irgendwelchen Fotos. Und so kam es, dass er langsam, aber sicher aus meinem Gedächtnis verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was hingegen blieb, waren die nächtlichen Geräusche. Mal klangen sie weiter entfernt, mal, als seien sie direkt vor der Tür. Aber wie gesagt schenkten Kichiro und ich ihnen keine wirkliche Aufmerksamkeit mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur ein einziges Mal, nachdem der Strom endlich funktionierte, ging ich erneut nachts auf den Flur. Jetzt war er hell erleuchtet. Wie auch die letzten Male war er leer. Ich muss gestehen, dass ich kurz überlegte, die anderen Räume noch einmal abzulaufen. Nur zur Sicherheit. Aber das wäre bescheuert gewesen. Ganz davon abgesehen, dass ich dort sicherlich nichts gefunden hätte, sollten nächste Woche die alten Rohre ausgetauscht werden. Ab dann waren die Geräusche wahrscheinlich eh vorbei.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am folgenden Wochenende waren Kichiro und ich auf einem gefühlstechnischen Hoch, während wir wieder nach Shizuka-Mura fuhren. Es war bereits dunkel, da wir vorhin noch die Wohnung leergeräumt hatten. Kichiros kleiner Toyota war bis unter das Dach mit unseren Sachen beladen. Heute würden wir endlich vollends umziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klar gab es noch einiges, was wir im Haus zu erledigen hatten, aber das würden wir machen, während wir dort bereits lebten. Das Wichtigste – die Möbel, funktionierender Strom, die neuen Wasserleitungen und die neuen Sanitäranlagen – war immerhin schon dort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir grinsten wie zwei Lottogewinner, während Kichiro auf der Auffahrt parkte. Ich schnappte mir einen Umzugskarton aus dem Auto und betrat dicht hinter Kichiro das Haus. Dort blieb ich einen Moment stehen, schloss die Augen und atmete tief ein. Der inzwischen vertraute Geruch des Hauses stieg mir in die Nase. Es roch nicht länger nach Staub oder abgestandener Luft – die Gerüche hatte die Grundreinigung letztes Wochenende beseitigt –, sondern einfach nur nach Heimat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich brachte den Karton ins Schlafzimmer, ehe ich mit meinem Verlobten zusammen das restliche Auto ausräumte. Im Nachhinein war ich ein wenig überrascht, wie die Kartons, die sich jetzt vor uns stapelten, überhaupt in das kleine Auto gepasst hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro grinste noch immer breit. „Ich weih dann mal die Dusche ein“, sagte er, ehe er mir einen Kuss gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist gut“, erwiderte ich. „Ich räum schonmal unsere Klamotten in den Schrank. Aber lass mir noch heißes Wasser nach!“ Den letzten Satz musste ich rufen, so enthusiastisch war er bereits losgestürmt. Es dauerte nicht lange, da hörte ich auch schon die Dusche. Ich schüttelte schmunzelnd den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann widmete ich mich wieder den Kartons. Ich öffnete sie einen nach dem anderen, bis ich unsere Kleidung gefunden hatte. Vorsichtig hob ich einen Stapel von Kichiros Hemden daraus hervor. So viele würde er im Homeoffice wahrscheinlich gar nicht mehr benötigen, trotzdem gab ich mir alle Mühe, sie nicht zu zerknittern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam balancierte ich sie zu unserem Wandschrank. Es war einer dieser japanischen Schränke, der sich in der Wand verbarg. Ich schob die Tür erst mit dem Ellenbogen, dann mit dem Fuß beiseite. Als ich jedoch gerade die Hemden hineinlegen wollte, fiel mein Blick auf einen Gegenstand, der in der unteren Ecke lehnte: ein mir sehr vertrauter elegant gearbeiteter Papier-Regenschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hemden raschelten, während sie mir aus der Hand glitten. Kichiro wäre wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen, hätte er es gesehen. Aber das war mir in diesem Moment ehrlich gesagt egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Hand zitterte, während ich sie nach dem Schirm ausstreckte. Meine Finger hatten das Papier fast erreicht, da bewegte er sich plötzlich. Zuerst dachte ich, er falle bloß um, bis ein großes Auge mich völlig unerwartet durch das an einer Stelle gerissene Papier anblinzelte. Als Nächstes folgte eine lange Zunge, die sich knapp darunter aus einem weiteren Loch schlängelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unfähig, auch nur einen einzigen Ton von mir zu geben, torkelte ich rückwärts, meinen Mund und meine Augen weit aufgerissen. Mein Fuß verfing sich in einem der Hemden, weshalb ich mit einem leisen <em>‚Fump‘</em> auf den Tatami-Matten landete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt bemerkte ich auch das Bein, das nun statt des Griffs aus dem Regenschirm ragte. Es sah menschlich aus und trug eine japanische Holzsandale.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Sprung setzte der Schirm sich in Bewegung. <em>‚Tock‘</em>, machte seine Sandale einen dumpfen Laut auf der Strohmatte. <em>Tock. Tock.</em> Es war nicht dasselbe Geräusch, das wir nachts vom Flur gehört hatten, aber es hatte eindeutig denselben Rhythmus. Ich war mir sicher, dass es dieses Ding gewesen sein musste, das wir gehört hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam, sein einzelnes Auge stur auf mich gerichtet, kam mir der Schirm näher. Seine Zunge schwang bei jeder Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch krabbelte ich rückwärts. So wie ich dalag, befand sich dieses Wesen genau zwischen der Tür und mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilfe! Kichiro! Hilfe!“, schrie ich. Meine Stimme war so voller Panik, dass ich sie selbst kaum erkannte. Aber was konnte ich anderes tun? Wenn jemand eine Ahnung hatte, was dieses Ding war, was ich jetzt machen musste, dann war das mein Verlobter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tock. Tock.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen spürte ich die Wand in meinem Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tock.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schirm hatte mich fast erreicht. Dann blieb er vor mir stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilfe!“, kreischte ich erneut. Tränen bildeten sich in meinen Augen. Mein Herz raste in meiner Brust, während sich meine Kehle wie zugeschnürt anfühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt streckte der Schirm mir seine Zunge entgegen. Langsam kam sie mir näher und näher. Ich presste mich so eng an die Wand, wie ich nur konnte, traute mich nicht einmal, nach dem Ding zu treten. Die Zunge wischte kalt und schleimig über meinen Arm, während der Schirm mich ableckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich befürchtete bereits, dass er gleich einen kräftigen Bissen von mir nehmen würde, da stürmte plötzlich Kichiro in den Raum. Er trug einen hastig übergeworfenen Bademantel, blieb für eine Sekunde ungläubig in der Tür stehen. Dann trafen sich unsere Blicke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Weg! Weg!“, schrie er den Schirm an, während er auf mich zurannte. Er machte wedelnde Bewegungen mit den Armen, als wenn er ein Hühnchen verscheuchen wolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Zu meiner Überraschung hüpfte der Schirm beiseite. Er drehte sich zu meinem Verlobten um, ehe er einige Sätze zurück Richtung Wandschrank machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro beachtete ihn nicht weiter. Stattdessen hockte er sich vor mich, beäugte mich einen Moment und schloss mich kurz darauf in den Arm. „Alles in Ordnung?“, fragte er mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Ahnung“, schluchzte ich in seinen Bademantel. „Er hat mich abgeleckt. Was ist das für ein Ding?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schhhh“, machte Kichiro, während er meinen Rücken streichelte. „Alles ist gut. Das ist ein Kasa-Obake. Sie spielen gerne Streiche, sind aber nicht gefährlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich antwortete nicht, nahm die Erklärung schweigend hin, als wäre sie in irgendeiner Weise logisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich musste Kichiro lachen. „Ich hätte echt nicht gedacht, dass es sie gibt. Meine Oma hat zwar gesagt, dass sie mal einen Tsukumogami, einen belebten Haushaltsgegenstand gesehen habe, aber wir haben ihr nicht geglaubt.“ Er drückte mich sanft von sich, sah dann in die Luft. „Hörst du, Oma, es tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe“, sagte er, als ob ihr Geist hier wäre und uns hören könnte. Aber vielleicht war er das ja sogar. Der Kasa-Obake hatte mein Weltbild völlig zerstört. Alles, was ich über Monster zu wissen glaubte, war falsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig wagte ich einen Blick Richtung Wandschrank. Der Regenschirm lehnte davor an der Wand, jetzt wieder völlig unscheinbar. „Was machen wir jetzt mit ihm?“, fragte ich. Meine Stimme war immer noch leicht zittrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro sah ebenfalls zum Schirm, dann sah er mir wieder ins Gesicht. „Ich … weiß es nicht“, sagte er ehrlich. „Manchmal sollen Tsukumogami das Haus verlassen, wenn sie sich ignoriert fühlen. Andererseits … Du wolltest doch schon immer ein Haustier, oder?“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tsukumogami (付喪神) sind zum Leben erwachte Haushaltsgegenstände der japanischen Folklore. Sie zählen zu den Yōkai.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wohl bekannteste Tsukumogami ist der Kasa-Obake (傘おばけ, Japanisch für „Schirmgeist“ oder „Schirmmonster“), ein zum Leben erwachter Regen- oder Sonnenschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Name Tsukumogami setzt sich aus den Kanji 付 (haften, befestigen), 喪 (Trauer) und 神 (Geist, Seele, Gott) zusammen. Grob kann man den Namen also mit „Trauer anhaftende Seele“ oder „Trauer anhaftender Geist“ übersetzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tsukumogami ähneln noch immer stark den Haushaltsgegenständen, die sie einst waren – z. B. Regenschirme, Töpfe, Kannen, Kleidung, Futons, Besen oder sogar Schiebetüren. Sie besitzen jedoch häufig menschenähnliche Eigenschaften wie Augen, einen Mund mit meist langer Zunge sowie Arme und Beine inkl. Hände und Füße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem weisen sie oft Gebrauchs- und Altersspuren auf, da ein Tsukumogami erst entsteht, wenn ein Haushaltsgegenstand das Alter von 100 Jahren erreicht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kasa-Obake:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Um beim Beispiel des Kasa-Obake zu bleiben: Sie sehen meist aus wie aufrecht stehende Papierregenschirme, wie sie in Japan früher häufig benutzt wurden. Statt eines Griffs besitzen sie jedoch ein einzelnes, oft menschlich aussehendes Bein mit einem Fuß. In vielen Darstellungen tragen sie eine einzelne Holzsandale.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am auffälligsten dürften hingegen ihr einzelnes großes Auge sowie der Mund mit der ungewöhnlich langen Zunge sein, die aus dem Schirm wachsen oder durch Löcher im Papier hervorlugen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal besitzen sie auch zwei Arme, die aus dem Schirm wachsen, und/oder ein zweites Bein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach entstehen Tsukumogami, wenn ein Haushaltsgegenstand 100 Jahre (oder in einigen Erzählungen 99 Jahre) alt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut den meisten Quellen muss er vernachlässigt oder achtlos weggeworfen worden sein, damit das passiert. In diesen Fällen wollen die Gegenstände oft Rache an ihren ehemaligen Besitzern oder den Menschen generell ausüben. Ein anderes beliebtes Motiv, warum der Gegenstand plötzlich zum Leben erwacht, ist Langeweile, da sie nicht mehr genutzt oder gebraucht werden und sonst nichts mit sich anzufangen wissen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man in modernen Erzählungen von Tsukumogami hört, sind es meist harmlose Wesen, die den Menschen gerne Streiche spielen. Sie erschrecken sie, machen Lärm, wecken sie nachts o. Ä. Das genaue Verhalten kann sich von Tsukumogami zu Tsukumogami stark unterscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann ihre Streiche und Phänomene durchaus mit den westlichen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeistern</a> vergleichen, wenn sie z. B. Gegenstände durch die Gegend bewegen, nachts durch den Flur laufen oder an Wände klopfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch sind sie meist neidisch auf die modernen Haushaltsgeräte, die sie ersetzt haben, weshalb es durchaus vorkommen kann, dass sie das Haus verwüsten oder die Gegenstände zerstören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anders sieht es hingegen bei den Tsukumogami aus älteren Erzählungen aus. Vor 500 bis 1.000 Jahren galten die belebten Haushaltsgegenstände noch als blutrünstig und äußerst gefährlich. So kam es nicht selten vor, dass sich ein Tsukumogami in den damaligen Geschichten an den Menschen gerächt hat, die es weggeworfen haben, indem er sie schwer verletzt oder sogar getötet hat.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kasa-Obake:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich den Kasa-Obake als Tsukumogami für meine Geschichte gewählt und ihn bisher auch beim Aussehen gesondert erwähnt habe, möchte ich euch die spezifischen Eigenschaften der Kasa-Obake natürlich nicht vorenthalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den einbeinigen Schirmen wird nachgesagt, dass sie es lieben, sich an Menschen anzuschleichen, um sie mit ihrer langen Zunge abzulecken. Das kann durchaus erschreckend bis traumatisierend sein, hinterlässt aber keine weiteren Schäden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem macht der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> oft Lärm, während er auf seiner Holzsandale durch die Gegend hüpft, was in einem leeren Haus oder auf verlassener Straße durchaus als beängstigend empfunden werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Davon abgesehen ist er aber völlig harmlos.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da es sich bei den Tsukumogami um eine japanische Legende handelt, sollen sie fast ausschließlich in Japan vorkommen. Weitere Einschränkungen bezüglich ihres Lebensraums gibt es jedoch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar gibt es viele Geschichten, in denen sie in verlassenen Häusern oder Tempeln gesichtet wurden, Tsukumogami können die Häuser jedoch auch verlassen oder außerhalb der Häuser entsorgt worden sein, weshalb sie auch auf offener Straße oder sogar in der Wildnis ihren Schabernack treiben können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die ältesten bekannten Erzählungen von lebendigen Haushaltsobjekten innerhalb Japans stammen aus der Heian-Zeit (794 bis 1185). Damals waren sie jedoch noch nicht unter dem Namen „Tsukumogami“ bekannt. Auch hieß es in damaligen Erzählungen noch häufig, dass der Geist eines <a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni</a> oder ein anderes übernatürliches Wesen Besitz von dem Haushaltsgegenstand ergriffen habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihren Namen erhielten die Tsukumogami erst in der Muromachi-Zeit (1336 bis 1573). Von dort an wurde den Yōkai auch nachgesagt, dass sie ausschließlich von der Seele der tatsächlichen Objekte belebt wurden und nicht länger von bösen Geistern oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Monstern</a>, die Besitz von ihnen ergriffen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Glaube, dass auch Dinge wie Haushaltsgegenstände eine Seele besäßen, geht dabei auf die Lehren des Shingon-shū Buddhismus sowie einigen Ideen des Shintoismus zurück, laut denen man auch Gegenstände stets gut behandeln solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Hochzeit hatten die Tsukumogami hingegen erst in der Edo-Zeit (1603 bis 1868), in der unzählige (meist fiktive) Geschichten über sie erzählt und niedergeschrieben worden. In dieser Zeit waren die beseelten Gegenstände außerdem zumeist zu harmlosen Scherzen statt tatsächlichen Rachefeldzügen übergegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in der späten Edo-Zeit gab es jedoch kaum noch Leute, die an die tatsächliche Existenz dieser Wesen glaubten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hat der Glaube an die Tsukumogami bis heute überdauert, weshalb sie es bis in die moderne Popkultur geschafft haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Tsukumogami in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in der japanischen Popkultur gibt es unzählige Filme, Manga, Anime, Kabuki-Stücke und sogar Videospiele, in denen Tsukumogami zu finden sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich auch nur einen Bruchteil von ihnen hier auflisten wollte, könnte ich wahrscheinlich einen eigenen Blogbeitrag nur darüber schreiben, daher hier nur einige prominente Beispiele:</p>



<p class="wp-block-paragraph">So lassen sich Tsukumogami z. B. in den „Gegege No Kitarō“-Manga und Anime finden, die sich besonders in Japan an großer Beliebtheit erfreuen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus haben die Yōkai diverse Auftritte in dem Manga und Anime sowie der gleichnamigen Videospielreihe „Yo-Kai Watch“, die in Japan kurzzeitig beliebter war als Pokémon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und sie haben es sogar in die westliche Popkultur geschafft, wie z. B. die kleinen Nebenrollen eines Besen- und eines Bambusmatten-Tsukumogami in dem Fantasie-Liebesroman „Mona – verliebt, verlobt, beschworen“ (2022) von I. B. Zimmermann zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es ein japanisches RPG/Puzzle-Videospiel von 2012, das den Namen „Tsukumogami“ (oder „99 Spirits“, wie es im Westen heißt) trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte ich in Zukunft über weitere besonders erwähnenswerte Filme, Videospiele etc. stolpern, werde ich sie an dieser Stelle gerne ergänzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Tsukumogami? Glaubt ihr, dass auch Gegenstände Seelen haben können? Wir würdet ihr reagieren, wenn euch ein Kasa-Obake gegenüberstehen würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Owlman of Mawnan – der Eulenmann von Cornwall</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das „Was ist?“ blieb mir jedoch im Halse stecken. Als ich ihrem Blick folgte, fiel mir fast sofort eine große silbergraue Gestalt auf. Sie war am ganzen Körper mit Federn bedeckt, hatte jedoch keinen Schnabel, sondern einen klaffenden schwarzen Mund …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/a7ffc5f88ebc40deadbe7b3d23e516c6" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">The Owlman of Mawnan ist eine <a href="https://geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>, die ich schon ewig auf meiner Liste habe. Und da ich schon lange nicht mehr über eine Legende aus England (oder Großbritannien generell) geschrieben habe, dachte ich, ist der Zeitpunkt gerade günstig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Margarete, es ist schon fast 9“, jammerte Valerie, während wir die schmale Straße zur Kirche entlanggingen. „Meine Eltern bringen mich um, wenn ich zu spät nach Hause komme.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich blieb stur. „Nein. Wir gehen erst, wenn wir die Eule gefunden haben. Und die kommen nunmal erst raus, wenn es dunkel wird.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den Owlman“, korrigierte mich Valerie. Mehr Widerworte gab sie jedoch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Owlman war eine lokale Legende. Ein Mythos. Angeblich hatten einige Mädchen ihn hier in der Gegend gesehen. Ein graugefiedertes Wesen, halb Mensch, halb Vogel. Ich schnaubte belustigt. Wer’s glaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings hatten Valerie und ich uns deswegen ziemlich in die Haare bekommen. Eine Freundin ihrer Schwester hatte behauptet, den Owlman gesehen zu haben. Seitdem war sie davon überzeugt, dass es die Märchengestalt wirklich geben müsse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und natürlich war es meine Aufgabe als ihre beste Freundin, sie von diesem Irrglauben abzubringen. Also hatte ich sie überredet, an diesem warmen Sommerabend mit mir hier rauszukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatten wir das alte Kirchengebäude der St Mawnan and St Steven’s Church erreicht. Zu unserer Rechten konnte ich einige Grabsteine sehen. Sie waren alt, die Schrift kaum noch leserlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Blick galt dem steinernen Kirchturm. Hier sollte der Owlman das erste Mal gesehen worden sein. Aber wahrscheinlich hatten die beiden Mädchen nur eine Eule gesehen, die über den Kirchturm kreiste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell ging ich weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte auf mich!“, rief Valerie mir nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war offensichtlich, dass sie gerade nicht allein sein wollte, also wartete ich, bis sie weder neben mir war. Gemeinsam gingen wir direkt auf die Grabsteine zu, um um die Kirche herumzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der anderen Seite des alten Gebäudes wurden wir von einem noch größeren Friedhof begrüßt. Zahlreiche Reihen alter Grabsteine standen vor uns, nur unterbrochen von gelegentlichen Bäumen, die aus dem viel zu hohen Gras wuchsen. Es war nicht so hoch, dass wir nicht mehr laufen konnten, aber es hatte nichts mit dem englischen Rasen aus unserem Garten gemein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ den Blick schweifen. Wir waren umringt von Bäumen, die in das Licht der allmählich untergehenden Sonne getaucht waren. Zwischen ihnen hindurch konnte ich den Ärmelkanal sehen. Die Szenerie war untermalt von dem bunten Abendgesang der Vögel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war wunderschön hier, allerdings verliehen das alte Kirchengebäude und der umliegende Friedhof dem Ganzen eine unheimliche Stimmung. Abgerundet mit dem kleinen dunklen Wald, der den Friedhof umgab, war es also kein Wunder, dass einige Kinder eine harmlose Eule für den Owlman gehalten hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war es für mich völlig undenkbar, dass sich in einem so kleinen Waldstück ein menschengroßes Monster unbemerkt verstecken konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angefangen hatte das Gerücht damit, dass Touristen, zwei junge Mädchen im Alter von 9 und 12 Jahren, den Owlman über dem Kirchturm gesehen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es sollte nicht bei dieser einen Sichtung bleiben. Drei Monate später entdeckten zwei 14-jährige Mädchen erneut den Owlman im Wald. Sie berichteten von einem unnormal großen Vogel mit silbergrauem Gefieder und rot leuchtenden Augen, der auf dem Boden gestanden haben soll. Nachdem er die beiden Mädchen bemerkt hatte, soll er sich mit seinen riesigen Schwingen in die Luft erhoben haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sagte es ja bereits: eine Eule. Die Fantasie hatte den vier Mädchen Streiche gespielt. Klar, es musste ein recht großes Tier gewesen sein, aber das war immer noch wahrscheinlicher als irgendein Monster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes wandten wir uns einem kleinen Dreckweg zu, der vom Friedhof in Richtung Ärmelkanal führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er verlief direkt durch ein Waldstück, das aus knorrigen Bäumen bestand. Nachdem wir einige Meter gegangen waren, konnte ich mir gut vorstellen, wie die Umgebung der Fantasie einen Streich spielen konnte. Hätte ich ein Foto des Orts gesehen, hätte ich nicht sagen können, ob es nur ein kleiner oder ein riesiger Wald gewesen wäre. Nichts deutete darauf hin, dass wir uns mitten in der Zivilisation, geschweige denn direkt am Ärmelkanal befanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch davon ließ ich mich nicht verunsichern. Schnell gingen wir den Weg entlang, während ich die Bäume im Auge behielt. Ich suchte nach irgendetwas, das auf eine Eule hinweisen konnte, Kotspuren oder Ähnliches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Enttäuschung fand ich nichts. Wir folgten dem Weg eine schmale Holztreppe hinunter, von wo aus wir den Ärmelkanal hinter einigen Bäumen sehen konnten. Auch hörte ich jetzt das leise Rauschen der Wellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach schlängelte sich der Weg einen kleinen Abhang hinunter, ehe er in beide Richtungen parallel zum Gewässer verlief. Wir gingen nach rechts, wo der Weg nach einigen Dutzend Metern aus dem Waldstück hinaus und an einem Feld vorbeiführte. Wären wir ihm weiter gefolgt, wären wir mit einem kleinen Umweg zurück zur Kirche gelangt. Wir blieben jedoch im Wald und bogen jetzt ins Unterholz ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Müssen wir da langgehen?“, jammerte Valerie wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. „Müssen wir. Oder denkst du, eine Eule – oder dein Owlman – nistet direkt am Wegesrand?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweigend stimmte sie mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laub knirschte unter unseren Füßen, während wir durch das Dickicht den kleinen Abhang wieder nach oben kraxelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier hielt ich weiter Ausschau nach Eulenspuren, aber ich sollte nichts entdecken, bis wir bald wieder beim Kirchengebäude angelangt waren. Wie ich schon sagte, war es nur ein sehr kleines Waldstück.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Minuten verstrichen, irrten wir weiter durch den kleinen Wald. Wir gingen den Weg erneut entlang, bogen diesmal an der Gabelung links ab, irrten kreuz und quer durchs Unterholz – ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch nahmen wir den Friedhof genauer unter die Lupe. Zwar fanden wir einen neueren Abschnitt, auf dem moderne Gräber standen, aber für eine Eule oder den Owlman gab es dort definitiv zu wenig schützende Bäume. In der Ferne sahen wir nichts als einige Häuser und weite Felder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also gingen wir wieder in den Wald zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum passte Valerie überhaupt nicht. „Muss das sein? Die Sonne ist schon untergegangen. Nicht mehr lange und es ist stockdunkel. Lass uns nach Hause gehen, Margarete.“ Es klang mehr nach einer Bitte als nach einem Vorschlag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn ich ehrlich war, verließ auch mich allmählich der Mut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah auf meine Armbanduhr. Wir irrten schon über eine halbe Stunde durch die Gegend, hatten jeden Quadratmeter des Waldes bestimmt schon zweimal gesehen, von einer Eule fehlte aber weiterhin jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also gut“, sagte ich laut. „Es ist kurz nach halb 10. Wir suchen noch eine Viertelstunde weiter. Wenn wir dann gehen, schaffen wir es noch, vor 10 zuhause zu sein. Dann beschweren sich auch unsere Eltern nicht.“ Und wenn das nicht reichte, war morgen auch noch ein Tag. Wenn wir nur oft genug hier waren, ohne dem Owlman zu begegnen, würde Valerie einsehen müssen, dass es ihn nicht gibt. Oder zumindest würde sie erkennen, dass sie keine Angst vor den Gerüchten haben musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Missmutig stimmte Valerie zu. „Aber um Viertel vor gehe ich nach Hause. Mit oder ohne dich“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Unterhaltung wäre jedoch überhaupt nicht nötig gewesen, wie ich nur wenige Momente später herausfinden sollte. Wir waren nur ein paar Meter weit gekommen, als eine Art Fauchen oder ein Zischen die Stille durchschnitt. Es war zu laut für eine Katze oder Ähnliches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort ging Valerie in die Hocke. Und auch ich ging ein wenig in die Knie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was war das?“, zischte Valerie mir zu. „Ist das eine Eule?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht“, erwiderte ich. Aber um ehrlich zu sein, wusste ich es nicht. Zwar hatte ich gelesen, dass Eulen fauchen können, aber ich hatte keine Ahnung, wie es sich anhörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder ein Fauchen. Diesmal kürzer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entschlossen griff ich nach Valeries Hand. Ich zog sie zaghaft wieder auf die Beine. „Komm mit“, forderte ich sie auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesmal tat ich es jedoch nicht, weil ich sie unbedingt überzeugen wollte. Nein. Ich tat es aus Neugierde. Aber auch, weil ich zu viel Angst hatte, um allein nach dem Ursprung des Geräusches zu suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Valerie folgte mir nur widerwillig. Zwar wehrte sie sich nicht, aber ich musste sie mehr hinter mir herziehen, als dass sie mir nachging.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Knirsch, knirsch, knirsch.</em> Ich verfluchte das Laub unter unseren Füßen. Falls es eine Eule war, wollte ich sie auf keinen Fall aufschrecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch spähte ich von Baumkrone zu Baumkrone. Wo war das Fauchen hergekommen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich blieb Valerie stehen. „Margarete“, jammerte sie kaum hörbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ruckartig drehte ich mich zu ihr um. Ihr Blick war stur zur Seite gerichtet. Sie war wie erstarrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das „Was ist?“ blieb mir jedoch im Halse stecken. Als ich ihrem Blick folgte, fiel mir fast sofort eine große silbergraue Gestalt auf. Sie war am ganzen Körper mit Federn bedeckt, hatte jedoch keinen Schnabel, sondern einen klaffenden schwarzen Mund. Das auffälligste waren hingegen die großen roten Augen, die in der Dämmerung fast zu leuchten schienen. Der Owlman.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen Moment, bis ich mich wieder gefangen hatte, meine Schockstarre wieder verlassen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als mein Hirn wieder arbeitete, fiel mir auf, wie klein der Owlman war. Er war vielleicht anderthalb Meter groß. Fast wie ein Kind, das sich verkleidet hatte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ Valeries Hand los und verschränkte die Arme vor der Brust. „Schickes Kostüm. Aber mir jagst du damit keine Angst ein!“, rief ich ihm entgegen. Mawnan Smith war nicht das größte Dorf. Wenn es ein Kind aus der Gegend war, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich es kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein nächstes Fauchen ließ mich nicht einmal zusammenzucken. Ich war mir so sicher, die Oberhand in der Situation zu haben. Dann breitete der Owlman jedoch seine Flügel aus. Seine Flügelspanne war gigantisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich zuerst für einen Einschüchterungsversuch hielt, entpuppte sich schnell als etwas anderes. Er beugte sich nach vorn, begann mit den Flügeln zu schlagen und hob schließlich mit ein paar kräftigen, fast majestätischen Schlägen vom Boden ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit offenem Mund starrte ich ihn an, während er höher und höher stieg. Wieder ein Fauchen. Dann stürzte sich das Wesen auf uns zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war wie erstarrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Valerie stieß mich zur Seite, sodass der Owlman uns knapp verfehlte. Anschließend nahmen wir unsere Beine in die Hand und rannten. Wir rannten um unser Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laub und Äste knirschten unter unseren Füßen. Falls der Owlman uns verfolgte, waren seine Flügelschläge komplett still – genau wie die einer Eule. Ich traute mich jedoch nicht, nach hinten zu schauen, hatte zu viel Angst, über eine Wurzel zu stolpern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst als wir wieder ebenen Boden unter den Füßen hatten, warf ich einen Blick über die Schulter. Von dem Owlman fehlte jede Spur. Trotzdem wurden Valerie und ich nicht langsamer. Wir rannten weiter, um die Kirche herum, über den Parkplatz und die schmale Straße entlang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich erreichten wir die ersten Häuser. Wir wurden langsamer, blieben schließlich stehen, um wieder zu Atem zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo ist er?“, fragte Valerie, die jetzt den Himmel absuchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Ahnung“, schnaufte ich. „Er ist weg.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille, nur unterbrochen von unserem gemeinsamen Schnauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das war eine scheiß Idee“, sagte Valerie schließlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte sie schief an. „Das weiß ich jetzt auch. Kannst du mir verzeihen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie musterte mich einen Moment. Dann nickte sie und hielt mir ihre Hand hin. „Komm. Lass uns nach Hause gehen.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Owlman of Mawnan (Englisch für „Der Eulenmann von Mawnan“), oft nur „Owlman“ oder „Cornish Owlman“ genannt, ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Kryptid</a> aus dem Dorf Mawnan Smith in Cornwall, England.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund seiner äußerlichen Erscheinung wird er oft mit dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mothman">Mothman</a> verglichen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Owlman wird als eine menschengroße, meist grau-, seltener braungefiederte Kreatur beschrieben. Einige Zeugen bezeichneten ihn als halb Mensch halb Vogel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine genaue Größe variiert je nach Augenzeugenbericht von ca. 5 Fuß (~1,5 Meter) bis „groß wie ein Mann“. Ähnlich verhält es sich mit der mal grau, mal braun oder sogar grau-braun beschriebenen Farbe seines Gefieders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Worin die meisten Augenzeugen sich jedoch einig sind, sind seine großen rotleuchtenden Augen sowie seine schwarzen Fußkrallen, die mit den Scheren eines Krebses oder Zangen verglichen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein restliches Gesicht wurde eher selten beschrieben. Ich weiß aber von mindestens zwei unabhängigen Augenzeugenberichten, in denen von einem großen schwarzen Mund oder Maul die Rede war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll er Hörner oder spitz zulaufenden „Ohren“ (ähnlich wie die Federohren eines Uhus) besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">(An dieser Stelle noch eine kleine Randbemerkung: Bei Federohren handelt es sich in Wirklichkeit um lange Kopffedern, die einige Eulen haben. Mit ihren tatsächlichen Ohren haben sie allerdings nichts zu tun.)</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über die Eigenschaften oder das Verhalten des Owlmans ist relativ wenig bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er wurde jedoch häufiger dabei beobachtet, wie er in der Nähe der St Mawnan and St Steven Church (ja, die Kirche wurde nach zwei Heiligen benannt) durch die Luft geflogen ist oder nicht zu weit entfernt auf dem Boden oder auf Ästen stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall ist er nicht aggressiv und ergreift die Flucht, nachdem er entdeckt wurde. Es gab jedoch auch einige Zeugen, die behauptet haben, vom Owlman angegriffen oder verfolgt worden zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant ist hierbei, dass die meisten Augenzeugenberichte am Abend stattgefunden haben, wenn es noch nicht ganz dunkel war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wurde häufig von einer Art Fauchen, Zischen oder einem statischen Rauschen berichtet, das von dem Owlman ausgegangen sein oder in der Luft gelegen haben soll. Einige Augenzeugen berichteten, dass es auch nach seinem Verschwinden weiter zu hören war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt fanden die meisten Owlman-Sichtungen in der Nähe der St Mawnan and St Steven’s Church in Mawnan Smith in Cornwall, England statt. Die Kirche samt Friedhof ist von einem kleinen Waldstück und Feldern umgeben. Außerdem liegt sie fast direkt am Ärmelkanal.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Leute führen die erste Owlman-Sichtung auf einen Bericht von Anthony Nicol „Doc“ Shiels aus dem Jahr 1976 zurück. Shiels war ein paranormal Investigator aus Cornwall, der dafür bekannt war, sich Hoaxes (Falschmeldungen) auszudenken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sichtung 17. April 1976:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Shiels zufolge hat sich der Vater von June (12) und Vicky (9) Melling an ihn gewandt, da seine Töchter am 17. April 1976 einen Vogelmann – den Owlman – über der St Mawnan and St Steven’s Church in der Luft kreisen gesehen hätten. Die Töchter selbst durfte Shiels zwar nicht befragen, Melling übergab ihm jedoch eine Zeichnung des Owlmans, die seine Töchter angefertigt hatten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sichtung 03. Juli 1976:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die nächste Sichtung – im Juli 1976 – machten die beiden 14-jährigen Mädchen Sally Chapman und Barbara Perry, die ebenfalls Shiels davon berichteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich hatten sie bei einem Campingausflug in der Nähe der Kirche am Abend eine Art Fauchen gehört. Als sie es sich näher ansehen wollten, entdeckten sie einen „unnormal großen Vogel mit silbergrauem Gefieder“. Auch berichteten sie von großen rotleuchtenden Augen und schwarzen Klauen statt Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu der Zeit wussten sie bereits von dem Owlman, da nach der ersten Sichtung eine Broschüre veröffentlicht wurde, die über das Wesen berichtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie dachten, es handle sich um ein Kostüm, dass jemand sich für den Owlman ausgäbe, und lachten zuerst über ihn. Dann jedoch soll sich der Owlman in die Luft erhoben haben und davongeflogen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Shiels entschied, die beiden Mädchen getrennt voneinander zu befragen. Auch sie fertigten je eine Zeichnung von dem an, was sie gesehen hatten. Sie ähnelten einander sowie der Zeichnung von Melling, waren aber – so Shiels – „unterschiedlich genug, um eine Verschwörung auszuschließen“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sichtung 04. Juli 1976:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade einmal einen Tag später kam es bereits zu der nächsten Sichtung. Ein weiteres Schwesternpaar berichtete davon, dass sie den Owlman aus nächster Nähe in einem Baum gesehen hätten, ehe er davongeflogen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie beschrieben das Wesen als einen silbergrauen Vogelmann mit roten Augen und schwarzen Krabbenscheren statt Füßen. Außerdem ergänzten sie, dass er einen großen schwarzen Mund gehabt hätte (wie man ihn auch auf den Zeichnungen der anderen Zeuginnen erkennen konnte).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem der Owlman fort war, wollen sie eine Art Knistern in den Baumkronen gehört haben, das eine ganze Weile anhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besonderheit bei dieser Sichtung ist, dass sie nicht von Shiels berichtet wurde, sondern, dass die Mädchen sich damit direkt an die Falmouth Packet – eine lokale Zeitung – gewandt hatten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Sichtungen und Fazit:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin gab es unzählige weitere Sichtungen, besonders in den 70er und 80er Jahren, aber auch vermehrt in den 90ern sowie vereinzelt sogar bis heute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darunter waren Berichte von zufälligen Augenzeugen, aber auch von Erforschern des Paranormalen, die gezielt nach dem Owlman gesucht hatten. In einigen von ihnen wurde davon berichtet, dass der Owlman die Zeugen angegriffen oder verfolgt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auffällig ist auch, dass einige Zeugen statt von dem ursprünglich grauen Gefieder plötzlich von einem grau-braunen oder sogar nur braunen Gefieder berichtet haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man all diese Fakten zusammen betrachtet, gehe ich davon aus, dass Anthony Shiels den Owlman lediglich erfunden hat – wie gesagt war er dafür bekannt, Hoaxes in die Welt zu setzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den ersten Zeugenberichten könnten sich die Gerüchte verselbstständigt haben, woraufhin die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> des Owlman of Mawnan entstanden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Theorie besagt, dass die Augenzeugen lediglich einen Uhu gesehen hätten, den sie in der Dämmerung für ein Monster hielten. Das würde dahingehen Sinn ergeben, dass Uhus durchaus in Kirchtürmen ihre Nester bauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits gibt es in Großbritannien nur sehr wenige freilebende Uhus. Sie sind Nachkommen entflohener Tiere, deren Zahl je nach Quelle auf etwa 2 bis 40 Brutpaare in ganz Großbritannien geschätzt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Uhu sich 1976 nach Mawnan Smith verirrt hat, ist daher sehr gering – es ist aber nicht unmöglich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Owlman in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen ist der Owlman in Mawnan Smith größtenteils in Vergessenheit geraten. Trotzdem erfreut er sich weltweit noch immer großer Beliebtheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wurde im Jahr 1997 das Buch „The Owlman and Others“ von Jonathan Downes veröffentlicht, in dem der Autor den Fall sowie die Zeugenaussagen genau unter die Lupe nimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hatte der Kryptid bereits Auftritte in Fernsehserien wie der Found Footage Serie „Lost Tapes“ (S1 F7: Death Raptor) oder der Kinderabenteuerserie „The Secret Saturdays“ (S1 F9: Der Eulenmann frisst um Mitternacht).</p>



<p class="wp-block-paragraph">2013 erschien der schottischer Low-Budget Horrorfilm „Lord of Tears“, in dem der Owlman den Antagonisten darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen ist sogar das Videospiel „Owlman“ (2023) herausgekommen, in dem man von dem Owlman gejagt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders im Internet lebt die Legende das Owlman außerdem in unzähligen Fanarts und sogar Merchartikeln weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Owlman of Mawnan? Gibt es die Kreatur wirklich, oder handelt es sich nur um einen außer Kontrolle geratenen Hoax oder sogar einen Uhu? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-owlman-of-mawnan">The Owlman of Mawnan – der Eulenmann von Cornwall</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Mahaha – Er kitzelt dich zu Tode!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Feb 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Ich bin von der Polizei. Bitte bleiben Sie stehen!“, rief ich. Die Waffe hielt ich stur zum Boden gerichtet, um die Person nicht zu verschrecken. „Ich habe einige Fragen an Sie!“<br />
Die Silhouette reagierte mit einem erneuten Lachen. Im nächsten Moment setzte sie zu einem Sprint an. Sie raste auf mich zu. Ihre Bewegungen wirkten dabei unnatürlich, fast wie die eines Tieres …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mahaha">Mahaha – Er kitzelt dich zu Tode!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/e8f8d69e4923441fab9b9b8ce407d739" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Mahaha ist die erste Legende der Inuit-Folklore, die ich auf meinem Blog behandle. Es handelt sich um ein menschenähnliches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a>, das seine Opfer angeblich zu Tode kitzeln soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr mehr Inuit-Legenden auf meinem Blog lesen wollt, könnt ihr mir gerne einen Kommentar schreiben. Es stehen auf jeden Fall noch einige auf meiner Liste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hasse den Winter“, murmelte ich, während ich mich zurück ins Auto setzte. Ich pfefferte den Scheibenkratzer nach hinten in den Fußraum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enoki, der auf dem Beifahrersitz saß, schmunzelte. „Soweit ich mich richtig erinnere, hast <em>du</em> um die Versetzung nach Nord-Kanada gebeten, Randy.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, schon“, erwiderte ich. Ich startete den Motor. „Aber eigentlich, um einen Mörder zu fangen. Nicht um zweimal am Tag mein Auto kratzen zu müssen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enokis Grinsen wurde breiter. Er war ein Inuit, oder ein Inuk, wie die Einzahl richtig lautet. Für ihn waren die Wetterbedingungen hier in seiner Heimatstadt völlig normal. „Ach was. Die letzten Tage war es doch gar nicht so kalt. Und mit der Zeit gewöhnst du dich daran“, versuchte er, mich aufzumuntern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte mich aber gar nicht daran gewöhnen. Ich seufzte schwer. Eigentlich sollte das hier ein schneller Einsatz werden. Ich sollte nach Nunavut kommen, der Polizei bei den Ermittlungen helfen und sofort wieder nach Hause fahren, sobald der Mörder geschnappt war. Das war jetzt etwas über einen Monat her. Und wir tappten noch immer völlig im Dunkeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fuck!“ Ich schlug auf das Lenkrad. „Wir haben schon fünf Tote und bei drei Tatorten hab ich selbst ermittelt. Ich war fast zehn Jahre bei der Spurensicherung, verdammt nochmal! Aber alles, was wir an Beweisen sicherstellen konnten, waren die Kratzspuren in den Opfern und ein paar Fotos von vermeintlich nackten Fußabdrücken!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fall war einer der seltsamsten und außergewöhnlichsten Fälle, in denen ich je ermitteln durfte. Die Opfer hatten scheinbar keine Gemeinsamkeiten. Es gab kein Muster, nach dem der oder die Täter sie auswählten. Wir wussten nur, dass sie alle am äußersten Stadtrand, in den unbewohntesten Gegenden gefunden wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch bei der Todesursache standen wir vor einem Rätsel. Zwar wiesen alle Opfer zerfetzte Oberteile mit blutigen Kratzern in ihren Bäuchen und ihren Seiten auf, aber daran waren sie nicht gestorben. Zwei von ihnen erlagen einem Herzinfarkt, während die anderen drei wohl erstickt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Seltsamste waren jedoch die Gesichter der Toten. Ich hatte es selbst gesehen. Ihre Münder waren allesamt zu einem schmerzerfüllten Grinsen verzerrt, was bei den Gerichtsmedizinern wiederum zu noch mehr Ratlosigkeit geführt hatte. Einer von ihnen hatte sogar die Theorie aufgestellt, dass es sich um Muskelkrämpfe aufgrund der Kälte handeln könne. Ungläubig schüttelte ich den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Randy?“, riss mich Enoki aus meinen Gedanken. Er räusperte sich. „Ich weiß, wie du darüber denkst, aber … meinst du nicht, dass an der Mahaha-Theorie doch etwas dran sein könnte?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich unterdrückte ein Augenrollen. Der Mahaha war ein Monster der Inuit-Mythologie. Der Legende nach kitzelte er seine Opfer zu Tode, was zumindest die Gesichter erklären würde. Und zugegeben: Auch die Wunden ließen sich mit seinen langen Fingernägeln begründen. Aber bei dem Mahaha handelte es sich um ein menschenähnliches Monster, das seit Jahrhunderten durch die eisige Kälte ziehen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch, ehe ich antwortete. „Ich möchte dir auf keinen Fall zu nahetreten. Aber denkst du nicht, dass, wenn es so etwas wie Geister oder Monster wirklich gäbe, egal in welcher Kultur, man dafür inzwischen irgendwo auf der Welt einen Beweis hätte finden müssen?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine Zeugin gewesen, eine alte Frau namens Simone Nanuq, die Enoki auf das Vorgehen des Mahaha hingewiesen hatte. Seitdem hatte Enoki sich daran festgebissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Andererseits“, fuhr ich fort, „halte ich es weiterhin für denkbar, dass ein Mensch die Vorgehensweise des Mahaha nachahmt. Kennst du wirklich keinen Inuk oder jemand anderen, der sich mit eurer Kultur gut auskennt, der ein auch noch so kleines Motiv dafür hätte? Irgendwelche noch so kleinen Auffälligkeiten?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Enoki schüttelte entschieden den Kopf. „Randy, bei uns gibt es keine Serienmörder. Sowas gibt es vielleicht bei euch in Toronto. Wahnsinnige, die ihre kranken Fantasien ausleben. Aber das hier ist eine Kleinstadt. Das Spannendste, was hier passiert, ist für gewöhnlich ein Nachbarschaftsstreit oder vielleicht mal ein Einbruch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auch die letzten Male, als ich es angesprochen hatte, traf ich auf eine Mauer. Enoki war felsenfest davon überzeugt, dass, wenn es nicht der mythische Mahaha war, der die Morde beging, es jemand von außerhalb sein musste – eine Einstellung, die das restliche Präsidium mit ihm teilte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise hätte ich jetzt zu einer Diskussion angesetzt, ihm erneut erklärt, dass man es den meisten Tätern im Alltag nicht ansah, dass sie Mörder waren, erklärt wie gering die Wahrscheinlichkeit war, dass ein Tourist in einer fremden Stadt eine Mordserie über vier ganze Wochen hinweg beging. Aber zum Glück musste ich das heute nicht. Wir hatten Enokis Haus erreicht. Ich hielt den Wagen an der Straße vor seinem Grundstück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enoki schnallte sich ab. Er wartete, bis das Auto stand, ehe er nach dem Türöffner griff. „Danke für’s Fahren“, sagte er. „Komm gut nach Hause.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kein Ding. Ich will aber noch schnell zum letzten Tatort. Vielleicht kann ich ja doch noch was finden, was wir bisher übersehen haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enoki hielt mitten beim Aussteigen inne. „Jetzt? Aber es wird gleich dunkel. Soll ich mitkommen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lachte. „Ach was. Deine Frau wartet auf dich. Außerdem ist es noch hell und ich bin bewaffnet. Sollte ich irgendetwas finden, sag ich dir natürlich sofort Bescheid!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enoki wirkte nicht sehr glücklich mit meiner Antwort, gab aber keine Widerworte. „Na gut. Aber meld dich bitte, wenn du zuhause bist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, Mama“, sagte ich grinsend. Ich zwinkerte ihm zu, ehe er die Autotür schloss. Anschließend fuhr ich los. Im Rückspiegel sah ich ihn noch winken, bis er aus meinem Sichtfeld verschwunden war. Dann war ich wieder allein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, welche Art von Menschen ihr seid, aber für einen Stadtmenschen wie mich war die Stille bedrückend. Abgesehen von meinem Motor hörte ich jetzt kein einziges Geräusch mehr, während ich durch die verlassenen Straßen fuhr. In Toronto war immer irgendetwas los gewesen. Ich vermisste den Stadtlärm, der mir zeigte, dass ich nicht völlig allein war in dieser gottverdammten Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht war auch das der Grund, warum ich angeboten hatte, Enoki nach Hause zu fahren. Nicht nur, dass ich meinen neuen Polizeipartner so besser kennenlernen konnte, ich hatte außerdem noch ein paar Minuten mehr, in denen ich nicht allein sein musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schaltete das Radio ein, drehte es ein kleines Stück lauter als gewöhnlich, während ich dem letzten bisschen Sonne entgegenfuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald hatte ich das letzte Haus passiert, das noch zur Stadt gehörte. Aber zum Glück musste ich nicht mehr allzu weit über die stetig schlechter werdenden Straßen fahren. Noch ehe ich das Lied zu Ende gehört hatte, bog ich nach links auf einen zugeschneiten Parkplatz ab, auf dem noch immer das Absperrband der Polizei flatterte. Direkt davor hielt ich an.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wenigen Bäume um mich herum warfen lange Schatten über den Boden. Mit einem leisen Fluchen warf ich einen Blick zur Sonne, von der ich nur noch einen letzten Streifen am Horizont sehen konnte. Sobald sie untergegangen war, würde es rasch dunkel werden. Ich musste mich also beeilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eilig stapfte ich durch den knirschenden Schnee. Ich bückte mich unter dem Absperrband hindurch und ging an die Stelle, wo noch bis vor kurzem das Auto unseres letzten Opfers gestanden hatte. Knapp davor hatten wir seine Leiche gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Gedanken ging ich den Tathergang noch einmal durch: Das Opfer – ich vermied es generell, Mordopfer beim Namen zu nennen – war genau wie ich von der Straße auf den Parkplatz abgebogen. Vielleicht wollte er eine Pause machen, vielleicht musste er auch nur austreten. Wir hatten seine Fußabdrücke jedenfalls zu einem der nahestehenden Bäume verfolgen können. Dort hatten wir auch Spuren von Urin im Schnee gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Erleichtern musste ihn der Täter jedoch unterbrochen haben. Das Opfer war noch mit geöffnetem Gürtel zurück zum Auto gerannt. Auf halber Strecke hatte ihn der Täter erreicht, der den Abdrücken zu Folge Barfuß von der Seite angerannt gekommen war. Es gab einen kurzen Kampf, wie der aufgewühlte Schnee gezeigt hatte. Dabei musste der Täter die Jacke und den Pullover des Opfers zerschnitten haben, was auch zu den blutigen Kratzern im Bauch geführt hatte. Kurz darauf war das Opfer erstickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist hier nur passiert?“, murmelte ich zu mir selbst. Mir fehlten die Zusammenhänge. Ich konnte mir einfach keinen Reim darauf machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann waren da noch die Fußabdrücke des Täters. Sie führten direkt in die Wildnis, weg von der Straße. Das war auch der Grund, warum wir sie nicht sonderlich weit verfolgen konnten. Irgendwo am Ufer des inzwischen wieder vollständig gefrorenen Flusses hatten wir die Spur verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ den Blick über den Parkplatz schweifen, folgte dann den imaginären Spuren des Täters mit meinen Augen bis zum Fluss. Warum war er nicht von der Straße gekommen? Hatte er sein Auto weiter weg geparkt? Oder hatte er vielleicht ein anderes Fortbewegungsmittel? Ein Schneemobil zum Beispiel? Das würde zumindest den Kreis der Täter einschränken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich den Gedanken weiterspinnen wollte, erregte jedoch ein kurzes Geräusch in der Ferne meine Aufmerksamkeit. Es war eine Art Lachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drehte den Kopf, um es wieder einzufangen, schob sogar die Mütze von meinen Ohren, aber nichts. Jetzt hörte ich nur noch den Wind, der über den Parkplatz säuselte. Hatte ich es mir bloß eingebildet?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich mich wieder dem Tatort widmen wollte, erklang das Lachen erneut. Es war aber kein helles Lachen. Vielmehr klang es wahnsinnig, völlig ohne Freude darin. Jetzt hörte es gar nicht mehr auf. Und es kam eindeutig näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort musste ich an den Mahaha denken. Wie war das noch? Hatte Enoki nicht gesagt, dass man ihn oft an seinem Gelächter erkennt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Instinktiv wanderte meine Hand zu meiner Waffe. Ich löste die Schnalle, die sie im Holster hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann erkannte ich neben dem wahnsinnigen Lachen noch ein weiteres Geräusch im Wind: das Rattern eines Schneemobils. Ein freudloses Lächeln umspielte meine Lippen. Dachte ich es mir doch. Wenn das da draußen tatsächlich der Täter war, ahmte er den Mahaha bloß nach. Wahrscheinlich waren auch die Fußabdrücke nichts weiter als speziell angefertigte Schuhe gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gezogener Waffe schlich ich in die Richtung, aus der die Geräusche kamen. Im Halbdunkel erkannte ich eine Bewegung. Sie war jedoch viel näher, als ich erwartet hatte. Eine Gestalt stand vielleicht dreißig Meter vom Parkplatz entfernt. Sie war dünn, hatte helle Haut und strähnige Haare, durch die mich fast weiße Augen anblitzten. Von dem Schneemobil hingegen, das ich immer noch hören konnte, fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin von der Polizei. Bitte bleiben Sie stehen!“, rief ich. Die Waffe hielt ich stur zum Boden gerichtet, um die Person nicht zu verschrecken. „Ich habe einige Fragen an Sie!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Silhouette reagierte mit einem erneuten Lachen. Im nächsten Moment setzte sie zu einem Sprint an. Sie raste auf mich zu. Ihre Bewegungen wirkten dabei unnatürlich, fast wie die eines Tieres.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Anblick jagte einen Schauer durch meinen Körper. Aber zum Glück war ich für solche Situationen trainiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort riss ich meine Waffe hoch. Der erste Schuss ging in den Boden, sollte zur Abschreckung dienen. Ohne Gehörschutz war der Knall so laut, dass meine Ohren klingelten. Aber das Wesen zögerte nicht einmal in seiner Bewegung. Also feuerte ich den zweiten Schuss auf seine Brust ab. Das Wesen zeigte sich jedoch völlig unbeeindruckt. Er zuckte nicht einmal. Hatte ich verfehlt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider hatte ich keine Möglichkeit mehr, es noch einmal zu versuchen. Das Ding hatte mich erreicht. Ehe ich den Abzug erneut betätigen konnte, wurde ich bereits zu Boden gerissen. Schmerzhaft prallte ich in den Schnee, spürte, wie mir die Waffe aus der Hand glitt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mahaha – denn ich war mir jetzt sicher, dass er es tatsächlich war – stand über mir. Er trug nichts außer einer zerschlissenen Hose aus Fell. Seine Haut hatte einen blassblauen Ton. Sein Körper wirkte abgemagert, aber gleichzeitig unglaublich kräftig und muskulös.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am furchteinflößendsten war hingegen sein Gesicht. Sein Mund war zu einem schadenfrohen Grinsen verzerrt, das spitzzulaufende Zähne entblößte. Außerdem waren da seine weißen Augen, die in der Dämmerung fast zu leuchten schienen. Es war, als bohrte sein Blick sich direkt in mein Fleisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich stieß er ein erneutes Gelächter aus. Es war so schrill, dass ich mir am liebsten die Ohren zugehalten hätte. Dazu hatte ich jedoch keine Möglichkeit mehr. Der Mahaha stürzte sich bereits auf mich, während er weiter lachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er schlug meine schützenden Arme mit solcher Leichtigkeit zur Seite, als wäre ich ein Kind. Im nächsten Moment schlitzte er mit seinen erstaunlich scharfen Fingernägeln bereits meine Daunenjacke auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch versuchte ich, seine Handgelenke zu packen, ihn festzuhalten, aber es kümmerte ihn gar nicht. Er war so viel stärker als ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann begann er auch schon, nach meinem freigelegten Bauch zu greifen. Sein Grinsen hing direkt über mir, während er anfing, mich zu kitzeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit aller Kraft versuchte ich, mich dagegen zu wehren. Aber seine eiskalten Finger tanzten mit solch einem Geschick über meine Haut, dass ich schnell merkte, wie mein Körper zu beben begann. Ich konnte nichts dagegen tun. Mit angespannten Bauchmuskeln brach ein freudloses Lachen aus meiner Kehle hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wand und wälzte mich, versuchte, ihm zu entkommen, doch der Mahaha hatte mich fest im Griff. Ich kam mir vor wie ein Spielzeug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig spürte ich immer wieder, wie seine Klauen mir ins Fleisch schnitten. Aber ich konnte nichts tun als Lachen. Ich bekam keine Luft mehr, hatte keinerlei Kraft in den Armen, um mich zu wehren. Und die ganze Zeit sah ich dabei nur dieses schrecklich grinsende Gesicht über mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tränen stiegen mir in die Augen. Mein ganzer Körper schrie nach Sauerstoff, doch während des Lachens hatte ich keine Möglichkeit, einzuatmen. Das war es also, was den anderen Opfern widerfahren war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich wurde mir die Kälte des Schnees unter mir schmerzlich bewusst. Ich lag ganz allein hier draußen, fernab jeglicher Zivilisation. Ich würde einsam sterben, mit keiner Begleitung außer dieses noch immer lachenden Monsters über mir. Das letzte, was ich sehen würde, war sein widerwärtiges Grinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie aus dem Nichts ertönte in genau dem Moment ein Donnern. Der Mahaha ließ von mir ab, wurde zur Seite gerissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rang nach Luft, während ich mich schnell aufrichtete, um mich nach dem Mahaha umzusehen. Er hockte keinen halben Meter neben mir im Schnee. Sein Lachen war zu einem leisen Kichern geworden. Es klang irgendwie wehmütig. Auch konnte ich jetzt rote Flecken auf seiner blauen Haut erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schnell. Steigen Sie auf!“, rief eine Stimme hinter mir. Simone Nanuq saß auf einem Schneemobil, dessen ratterndes Geräusch ich erst jetzt bemerkte. Im Anschlag hatte sie eine Schrotflinte, die sie noch immer auf den Mahaha gerichtet hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Nanuq!“, rief ich überrascht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, ich bin es, Officer Johnson. Enoki hat mich angerufen“, erwiderte sie hastig. „Und jetzt steigen Sie endlich auf! Ich hatte nur einen Schuss!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ ich mir kein drittes Mal sagen. So schnell ich konnte, rappelte ich mich auf. Mein blutender Bauch schmerzte bei jeder Bewegung, aber mein Adrenalin und die Angst trieben mich voran. Ich rannte zu Frau Nanuq und schwang mich hinter ihr aufs Schneemobil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum schien dem Mahaha zu missfallen. Ich sah bereits, wie er wieder auf die Beine kam, um die Verfolgung aufzunehmen. Die Schussverletzung schien ihn nicht sonderlich zu behindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment stürmte er auch schon auf uns zu. Diesmal auf allen vieren. Zum Glück reagierte Frau Nanuq mindestens genauso schnell. Ich konnte mich gerade noch an der viel zu niedrigen Rückenlehne meines Sitzes festhalten, da jaulte der Motor des Schneemobils auch schon auf. Rasch setzten wir uns in Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Nanuq steuerte aber nicht die Straße an. Sie fuhr nicht zurück in die Stadt, wie ich gedacht hätte. Stattdessen bewegten wir uns direkt auf den zugefrorenen Fluss zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was machen Sie denn?“, brüllte ich. „Das Eis ist niemals dick genug, um das Schneemobil zu tragen! Es war die letzten Tage viel zu warm!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnerte mich noch gut daran, dass der Fluss nicht einmal vollständig gefroren war, als das Opfer entdeckt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Frau Nanuq konnte mich entweder nicht hören oder sie ignorierte mich. Ein Blick nach hinten verriet mir jedoch, dass es so oder so egal gewesen wäre. Der Mahaha war näher, als ich befürchtet hatte. Wenn wir jetzt abbogen, würde er uns wahrscheinlich einholen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Panik in mir kochte über. Mein Herz schlug mir bis in die Brust. Ich musste mich mit aller Kraft davon abhalten, meinen Instinkten zu folgen und einfach vom Schneemobil zu springen. Dann hatten wir den Fluss erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ersten Meter glitten wir noch problemlos über das Eis. Hier am Rand war es definitiv dick genug. Dann ertönte jedoch ein lautes Knacken, das ich sogar über den Motor hinweg hören konnte. Eisiges Wasser spritzte auf, wurde von der Raupe des Schneemobils hochgewirbelt. Schmerz zuckte durch meinen Bauch, als die Spritzer meine Wunden trafen, aber ich traute mich nicht, die Rückenlehne loszulassen, um den Arm vor die freie Haut zu halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach ging alles sehr schnell. Es kam mir vor, als würde mein Herz stehenbleiben, während ich darauf wartete, dass das Schneemobil unterging. Doch das tat es nicht. Das Eis brach und splitterte, aber die Kufe des Fahrzeugs schafften es irgendwie, uns auf der Oberfläche zu halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Blick galt dem Mahaha. Er war noch immer hinter uns, musste einen Umweg um das gebrochene Eis herum nehmen. Dann plötzlich sackte sein Bein weg. Das dünne Eis brach unter ihm, riss ihn in die Tiefe. Ich sah, wie er panisch versuchte, sich an dem Eis festzuhalten, sich aus dem Wasser zu ziehen. Aber er brach wieder ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er langte um sich, versuchte, neuen Halt zu finden, aber die Strömung unter der Eisoberfläche musste unglaublich stark sein. In einem Moment war er noch da, unsere Blicke trafen sich, sein Grinsen wirkte jetzt voller Verzweiflung, dann wurde sein Kopf Unterwasser gerissen und das Monster war verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatten wir wieder festes Eis unter dem Schneemobil. Frau Nanuq fuhr aber noch weiter, bis wir das andere Ufer erreichten. Erst dann blieben wir stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam betrachteten wir den Fluss. Im Halbdunkel wirkte die Landschaft jetzt wieder völlig friedlich. Lediglich das Loch im Eis wies darauf hin, dass hier überhaupt etwas geschehen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mistvieh!“, stieß Frau Nanuq neben mir plötzlich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich musterte sie einen Moment. Diese kleine Frau mit den langen grauen Haaren, die ich bis vorhin noch für eine Verrückte gehalten hatte, hatte mir das Leben gerettet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Nanuq. Ich … Es tut mir leid, dass ich Ihnen nicht geglaubt habe. Wie kann ich das je wieder gutmachen?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie winkte ab. „Bitte. Nenn mich Simone“, sagte sie. Sie lächelte mich aufmunternd an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Randy“, stellte auch ich meinen Vornamen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also Randy, was hast du jetzt vor?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah noch einmal zum Fluss. Dann fasste ich mir an den inzwischen blutverschmierten Bauch. „Zuerst muss ich meine Wunden versorgen. Und danach muss ich mich bei Enoki entschuldigen. Es tut mir wirklich leid, dass ich euch beiden nicht geglaubt habe.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mahaha ist ein Monster der Inuit-Mythologie. Er ist dafür bekannt, seine Opfer im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode zu kitzeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den Legenden der Inuit zufolge hat der Mahaha ein menschenähnliches Äußeres mit blasser bis bläulicher Hautfarbe. Sein Körper ist sehr dünn und sehnig, unter seiner Haut sollen sich aber kräftige Muskeln spannen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll er lange scharfe Fingernägel an seinen langen knochigen Fingern haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Augen werden oft als weiß oder blau beschrieben. In einigen Quellen habe ich gelesen, dass er keine Iris habe, in anderen war lediglich von stechenden bis leuchtenden Augen die Rede, die durch sein langes Haar scheinen, das ihm strähnig ins Gesicht hängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was seine Kleidung angeht, sind die Beschreibungen eher schwammig, was aber vor allem daran liegen könnte, dass er nur wenig bis gar keine Kleidung tragen soll. Auf den Bildern hingegen wird er meist mit einer kurzen oder an den Oberschenkeln abgerissenen Hose dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am markantesten dürfte hingegen sein durchgehendes boshaftes Grinsen mit seinen vielen spitzen Zähnen sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mahaha wird oft als eine Art arktischer Dämon beschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er lauert nachts in der Dunkelheit, meist in der Wildnis knapp außerhalb von Gemeinschaften, und gibt sich nur durch sein durchgehendes Kichern und Lachen zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trifft er auf einen Menschen, der in der Wildnis unterwegs ist, greift er ihn an und kitzelt ihn im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode. Dafür zerreißt er ihre Kleidung mit seinen scharfen Fingernägeln. Auch soll er ihm beim Kitzeln blutige Schrammen zufügen. Die Leichen bleiben daraufhin mit einem zu einem schmerzerfüllten Lachen verzerrten Gesicht zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird ihm nachgesagt, dass er übernatürlich stark sei und sehr schnell laufen könne. Dem Buch „Mahahaa“ (2023) zufolge läuft er dabei manchmal auf allen vieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt jedoch auch Möglichkeiten, wie man einen Mahaha austricksen kann. So habe ich diverse Geschichten gelesen, in denen die Protagonisten den Mahaha dazu gebracht haben, sich über ein Wasserloch im Eis zu beugen. Z. B. haben sie ihn dazu gebracht, etwas von dem Wasser trinken zu wollen, woraufhin sie ihn in das Loch gestoßen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Geschichten haben sie ihn auf dünnes Eis gelockt oder mit Gewalt zu dem Loch befördert. Fast alle Geschichten endeten damit, dass der Mahaha von der starken Strömung fortgerissen wurde und ertrunken ist oder zumindest in dem Gewässer eingesperrt wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da es sich um eine Legende der Inuit handelt, kommt der Mahaha hauptsächlich in der nordkanadischen Arktis vor. Dort soll er sich in den Randgebieten um die Gemeinden der Inuit, bzw. in moderneren Erzählungen auch um die Gemeinden der nicht-Inuit herum, aufhalten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der genaue Ursprung des Mahaha ist nicht bekannt, da seine Geschichten über viele Generationen hinweg ausschließlich mündlich weitergegeben wurden. Man weiß nur, dass die Legende von den Inuit stammt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe aber gelesen, dass es bei Leichen von Leuten, die erfroren sind, manchmal zu einer Art Grinsen oder Lächeln kommen kann, das aufgrund der Kontraktion der Gesichtsmuskeln bei extremer Kälte entsteht. Ob diese Behauptung stimmt, konnte ich zwar nicht herausfinden, aber es gibt die Theorie, dass einige Inuit erfrorene Leichen mit diesem verzerrten „Grinsen“ gefunden haben und daraus die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> entstanden sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem dient die Legende als Kinderschreck, damit die Kinder sich nicht zu spät und vor allem nicht allein außerhalb der Gemeinden herumtreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mahaha in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt ein Buch über den Mahaha, das denselben Namen trägt: „Mahahaa“ (2023) von Jeela Palluq-Cloutier und Neil Christopher ist ein zweisprachiger Roman (Englisch und Inuktitut), der das Monster behandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann das Buch jedoch nur Folklore/Mythologie-Nerds und Leuten, die Interesse haben, Inuktitut zu lernen, empfehlen, da es für den wenigen Inhalt (40 Seiten mit sehr wenig Text, dafür aber vielen Illustrationen) leider doch recht teuer ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Mahaha? Kanntet ihr die Legende bereits? Oder kennt ihr vielleicht andere Inuit-Legenden? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Mongolischer Todeswurm – Allghoi Khorkhoi</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Aug 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Meine Glock noch immer fest umklammernd, wagte ich einen Blick über den schützenden Felsen. Dort lag Bens Leiche bei unseren Zelten. Der Regen hatte den gelben Schleim von seinem Körper bereits fast vollkommen weggespült. Auch sah ich den toten Wurm einige Meter weiter liegen. Dick wie ein menschlicher Arm. Aber das war noch nicht alles. Stefan hatte recht: An diversen Stellen konnte ich Bewegungen unter dem nassen Sand erkennen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mongolischer-todeswurm-allghoi-khorkhoi">Mongolischer Todeswurm – Allghoi Khorkhoi</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/4e4ad1cac8d745068c24720bfba7b56f" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Allghoi Khorkhoi, auch Mongolischer Todeswurm genannt, ist das erste <a href="https://geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> aus der Mongolei, über das ich geschrieben habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider hat sich mein Beitrag etwas verzögert, weil ich gleich zweimal krank geworden bin, zwei Wochen Urlaub hatte und dann auch noch den Anfang insgesamt viermal neuschreiben musste, ehe ich damit zufrieden war. Trotzdem hoffe ich, dass euch die Geschichte gefällt und wie immer …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Tod mehrerer Tiere (Todeswürmer)</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssen hier weg!“, brüllte Stefan uns über den Regen an. „In wenigen Minuten wimmelt es hier von diesen Dingern!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Glock noch immer fest umklammernd, wagte ich einen Blick über den schützenden Felsen. Dort lag Bens Leiche bei unseren Zelten. Der Regen hatte den gelben Schleim von seinem Körper bereits fast vollkommen weggespült. Auch sah ich den toten Wurm einige Meter weiter liegen. Dick wie ein menschlicher Arm. Aber das war noch nicht alles. Stefan hatte recht: An diversen Stellen konnte ich Bewegungen unter dem nassen Sand erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Woher weißt du so viel über die Würmer?“, schrie ich, während ich den Kopf wieder einzog. „Ich dachte, sie seien nur ein Mythos!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich erforsche die Allghoi Khorkhoi seit einigen Monaten. Aber wartet mit den Fragen bitte, bis wir in Sicherheit sind. Jetzt ist nur wichtig, dass ihr die Würmer oder ihren Speichel auf gar keinen Fall berührt!“ Wer auch immer dieser Typ war, er war ganz sicher kein Elektriker!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber vielleicht sollte ich euch erst einmal erzählen, wie ich überhaupt in diese Situation gekommen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles hatte mit einem Anruf von Sandra begonnen. Sie war die Leiterin eines Paläontologenteams und eine ehemalige Schulfreundin von mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tobias? Bist du das?“, meldete sie sich am Telefon. „Hier ist Sandra. Du weißt schon, aus der Schule? Wir haben uns letztes Jahr beim Klassentreffen gesehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir unterhielten uns eine Weile, ehe sie schließlich zum Punkt kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du arbeitest doch im Personenschutz? Als Bodyguard und sowas?“, hatte sie gefragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Richtig. Du brauchst einen Bodyguard? Einen Türsteher? Vielleicht auch nur einen Nachtwächter oder jemanden, der auf dein Haus aufpasst? Ich bin dein Mann“, sagte ich stolz. „Ich bin ziemlich sicher, dass einer meiner ehemaligen Kunden sogar ein Mafioso war.“ Viele Leute fanden meinen Beruf genauso spannend, wie ich selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war jedoch nicht das, worauf Sandra hinauswollte. „Ich könnte deine Hilfe gebrauchen“, unterbrach sie mich. „Arbeitest du auch im Ausland? In der Wüste Gobi in der Mongolei, um genau zu sein? Die Reisekosten würde ich selbstverständlich übernehmen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst war ich verwirrt. Wozu brauchte ein Paläontologenteam, eine Gruppe gewöhnlicher Dinosaurierforscher, einen Bodyguard? Und dann auch noch in der Mongolei, einem der sichersten Länder in ganz Asien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Sandra mir jedoch von den seltsamen Anrufen und E-Mails erzählte, die sie in den letzten Wochen bekommen hatte, ergab das Ganze allmählich mehr Sinn. Eine der E-Mails leitete sie mir sogar weiter. Der Absender behauptete darin, der Boden bei ihrer geplanten Ausgrabungsstätte sei verseucht und sie solle lieber noch zwei, drei Monate warten, ehe ihr Team dort mit den Ausgrabungen beginne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es klang alles ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Und wie sich herausstellte, war es das auch. Weder wussten die örtlichen Behörden davon, noch wies der Boden bei der Ausgrabungsstelle irgendwelche Besonderheiten auf. Sandra hatte selbst Proben entnommen und ihn getestet. Irgendwer schien sie also an den Ausgrabungen hindern zu wollen und sie hatte keine Ahnung, warum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie mir dann auch noch versprach, mir neben den Reisekosten ein Gehalt zu bezahlen, willigte ich schließlich ein. Und so flog ich, etwas über eine Woche später, in die Mongolei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier habe ich dann auch die drei anderen Forscher aus Sandras Team, Anne, Ben und Chris sowie Stefan, der die Ausgrabung als Tourist begleitete, kennengelernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letzteren beobachtete ich gerade dabei, wie er auf seinem Campingstuhl saß und Sandras Team bei der Arbeit zusah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schaut mal! Schaut mal!“, rief Sandra uns plötzlich zu. Sie deutete auf einen annähernd ovalen Stein, den sie in einer Felswand freigelegt hatte. „Was ihr hier seht, ist nichts anderes als ein waschechtes Dinosaurierei! Wusstet ihr, dass hier in der Wüste Gobi die ersten fossilen Dinosauriereier der Welt gefunden wurden? Der Abenteurer Roy Chapman Andrews hat sie vor etwas über 100 Jahren bei seinen Ausgrabungen entdeckt. Dadurch haben Wissenschaftler überhaupt erst herausgefunden, dass Dinosaurier Eier legen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Ahnung, wie man sich so sehr für ein paar langweilige Steine begeistern konnte. Für mich war die Gegenwart sehr viel spannender.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch Stefan sah ziemlich gelangweilt aus, während die Paläontologen ihn mit kindlicher Begeisterung zu sich winkten, um ihm das Ei aus der Nähe zu zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schmunzelte. Zu Anfang fand ich Stefan noch verdächtig. Auch wenn Sandra mir erklärt hatte, dass sie häufiger neugierige Touristen mit zu den Ausgrabungen nahmen, fand ich es auffällig, dass es ausgerechnet bei dieser passieren musste, wo doch die letzten Wochen irgendwer versucht hatte, sie zu sabotieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also hatte ich mich eines Nachts in Stefans Zelt geschlichen. Ich war mehr als nur angespannt gewesen, hatte auf jede seiner Bewegungen, jede noch so kleine Abweichung in seiner Atmung geachtet, während ich systematisch seine Sachen durchsuchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber tatsächlich fand ich nichts von Bedeutung, abgesehen von einem recht hochwertigen Mitarbeiterausweis und einigen Visitenkarten in seinem Portemonnaie. Sie wiesen ihn als Mitarbeiter einer Elektrikerfirma namens Lighthouse aus – nicht gerade jemand, der irgendein Interesse daran haben könnte, eine Ausgrabung zu verhindern. So dachte ich jedenfalls.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf jeden Fall betrachtete ich den Elektriker danach mit deutlich weniger kritischen Augen. Und so amüsierte mich seine Langeweile mehr, als dass sie mich hellhörig machte. Wahrscheinlich hatte er sich auf einen abenteuerreichen Indiana-Jones-Urlaub gefreut und saß jetzt hier, umgeben von nichts als Felsen, Wüste und einer Gruppe Paläontologen, die sich wie kleine Kinder freuten, wenn sie irgendwelche besonderen Steine fanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So verlief mein aktueller Auftrag einige Tage fast völlig ereignislos. Ich war bereits kurz davor, meine Reise in die Mongolei als bezahlten Urlaub abzutun, als am fünften Tag der Ausgrabungen plötzlich Wolken aufzogen. Es sah nach ziemlich heftigem Regen aus. Und auch Stefan und die Paläontologen betrachteten die Wolken mit sorgenvollen Blicken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht mag euch das wundern. Starke Regenfälle passten nicht wirklich in die Vorstellung der meisten Menschen von einer Wüste. Aber tatsächlich war das in der Mongolei nichts Ungewöhnliches. Immerhin hatten wir Juli, den regenreichsten Monat des Jahres. Laut Internet sollte es hier im Juli an fünf bis sechs Tagen regnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wolken waren jedoch nicht das Einzige, was mir auffiel. In einiger Entfernung konnte ich sehen, wie sich eine Art Welle durch den Sand bewegte, gleichmäßig von links nach rechts, ehe sie wieder verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da drüben ist irgendetwas“, sagte ich laut. Immerhin war es eine meiner Aufgaben, nach ungewöhnlichen Dingen Ausschau zu halten. „Es sah aus, als bewege sich da irgendetwas unter dem Sand. Kann das ein Tier sein?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stefan und die Paläontologen folgten meinem Blick in die Richtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie spüren den Regen“, murmelte der Elektriker. Er sprach leise zu sich selbst, jedoch nicht so leise, dass ich ihn nicht verstanden hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie?“, hakte ich nach. „Wen meinst du damit?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Stefan hatte nicht vor, auf meine Frage einzugehen. „Tobias, du hast doch bestimmt eine Waffe dabei, oder? Wenn ja, hol sie! Und die anderen: Lasst alles stehen und liegen. Wir müssen zu den Autos!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte einen befehlenden, fast militärischen Tonfall, der Sandra jedoch alles andere als zu passen schien. „Was fällt dir ein?“, wurde Sandra laut. „Das hier ist immer noch meine Ausgrabungsstätte. Wir sitzen den Regen im Gemeinschaftszelt aus!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Paläontologen sahen zwischen ihnen hin und her, unsicher, auf wen sie hören sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen hatte zu oft Krisensituationen erlebt, um Stefans Befehl weiter zu hinterfragen. Es würde schon einen Grund geben, warum ich meine Pistole holen sollte. Und selbst wenn er sich irrte, wollte ich meine Waffe lieber einmal zu oft geholt haben als zu wenig. Also sprintete ich zu meinem Zelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich riss den Reißverschluss auf, zog meine Glock 19 unter der Luftmatratze hervor und warf mir meinen Regenponcho über, ehe ich wieder nach draußen eilte. Sandra und Stefan waren noch immer am Diskutieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte, wir haben keine Zeit für Erklärungen. Vertraut mir einfach!“, flehte Stefan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Aufmerksamkeit galt jedoch etwas anderem: Direkt hinter Sandra sah ich Bewegungen im Sand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da kommt etwas“, schrie ich über die Diskussion hinweg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sandra wandte sich mir zu, dann sah sie auf den Sand, wohin ich zeigte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und tatsächlich schob sich nur einen Augenblick später ein großes fleischrotes Etwas aus dem Boden. Es hatte eine wurstähnliche Form, ohne Gliedmaßen oder Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Mongolischer Todeswurm“, hauchte Sandra ungläubig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch ich starrte das Wesen mit offenem Mund an. Natürlich hatte ich mich vor meiner Reise über potentiell gefährliche Tiere informiert, die uns hier begegnen könnten. Auch war ich dabei auf die Allghoi Khorkhoi, die Mongolischen Todeswürmer gestoßen. Jedoch stand im Internet, dass es sie nicht wirklich gab. Sie seien nichts als eine Legende der einheimischen Nomaden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stefan ließ uns nicht in unserer Verwunderung dastehen. Er packte Sandra und Chris am Arm und zerrte sie mit sich Richtung Felsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich entsicherte meine Glock und richtete den Lauf auf das fleischige Tier vor mir. Auf den ‚Todeswurm‘. Krampfhaft versuchte ich, mich an alles zu erinnern, was ich über sie gelesen hatte. Sie waren giftig, oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider zögerte ich zu lange. Ich blickte immer wieder zu Sandra und Stefan, während ich weiter auf den Wurm zielte. Der Mongolische Todeswurm hingegen richtete sich im Sand auf, zog seinen Körper einige Zentimeter zusammen und spuckte eine schwefelgelbe Flüssigkeit auf die Person, die ihm jetzt am nächsten stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ben schrie für den Bruchteil einer Sekunde auf, während der Schleim ihn traf. Dann brach er lautlos auf dem Sand zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ben!“, hörte ich Sandra entsetzt schreien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte in dem Moment nicht weiter nach und feuerte fünf Kugeln in den Körper des Todeswurms ab. Er zuckte noch einen Moment, ehe er reglos liegenblieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend eilte ich weiter zu dem gefallenen Paläontologen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tobias! Fass seinen Körper nicht an!“, mahnte mich Stefan aus der Ferne. „Es ist eh zu spät. Ben ist schon tot.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder zögerte ich. Jedoch wusste ich zu wenig, um die Situation weiter einschätzen zu können. Daher packte ich Anne, die vor Schreck wie versteinert dastand, am Oberarm und rannte mit ihr zu den anderen hinter die Felsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, als der Regen einsetzte. Zuerst grummelte es nur kurz, dann öffnete der Himmel alle Schleusen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich mit starkem Regen gerechnet hatte, unterschätzte ich ihn trotzdem. Innerhalb von Sekunden verwandelte der steinige Sand sich in Schlacke. Wenn ich eben noch kilometerweit gucken konnte, erkannte ich jetzt nur noch wenige Meter um uns herum. Und auch das Rauschen war so laut, dass ich kaum noch etwas hören konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssen hier weg!“, brüllte Stefan uns über den Regen an. „In wenigen Minuten wimmelt es hier von diesen Dingern!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Glock noch immer fest umklammernd, wagte ich einen Blick über den schützenden Felsen. Dort lag Bens Leiche bei unseren Zelten. Der Regen hatte den gelben Schleim von seinem Körper bereits fast vollkommen weggespült. Auch sah ich den toten Wurm einige Meter weiter liegen. Dick wie ein menschlicher Arm. Aber das war noch nicht alles. Stefan hatte recht: An diversen Stellen konnte ich Bewegungen unter dem nassen Sand erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Woher weißt du so viel über die Würmer?“, schrie ich, während ich den Kopf wieder einzog. „Ich dachte, sie seien nur ein Mythos!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich erforsche die Allghoi Khorkhoi seit einigen Monaten. Aber wartet mit den Fragen bitte, bis wir in Sicherheit sind. Jetzt ist nur wichtig, dass ihr die Würmer oder ihren Speichel auf gar keinen Fall berührt!“ Wer auch immer dieser Typ war, er war ganz sicher kein Elektriker!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem entschied ich, vorerst keine weiteren Gedanken daran zu verschwenden. Wir mussten dringend zu den Autos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch sah ich mich um, versuchte, durch den Regenschleier die bestmögliche Fluchtroute zu erkennen. Ich wusste, dass wir von Felswänden umringt waren. Dort hochzuklettern dürfte so ziemlich unmöglich sein – besonders bei dem Regen. Unser einziger Weg führte also nach Osten. Wir mussten direkt an den Würmern vorbei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir laufen dort drüben lang!“, schrie ich den anderen zu, während ich nach rechts deutete. „Zwischen den Felsen haben wir den größtmöglichen Schutz!“ Leider war das Terrain dort aber auch am schwierigsten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück gab niemand Widerworte. Selbst Stefan schien anzuerkennen, dass meine Erfahrung unsere beste Möglichkeit auf eine Flucht bot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir liefen nacheinander zur nächsten Deckung, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Stefan lief vor und hielt bei dem nächsten größeren Felsen Ausschau nach Würmern, während ich zurückblieb und die anderen nacheinander zu ihm schickte. Zum Schluss folgte ich der Gruppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So bewegten wir uns von Felsen zu Felsen, von Deckung zu Deckung. Und obwohl wir teilweise mehr über den Kies schlitterten, als dass wir liefen und oft genug Würmer umgehen mussten, kamen wir gut voran. Immer, wenn ein Blitz durch den Himmel zuckte, konnte ich erkennen, wie wir uns dem Ende der Felswand näherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte gerade um unsere Deckung spähen, um den weiteren Weg auszumachen, als Stefan mir plötzlich einen Arm an die Brust presste und mich so zurückhielt. Langsam hob er die andere Hand und zeigte auf eine Bewegung im Schlamm, nur wenige Meter von uns entfernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verdammt! Trotz ihrer grellroten Farbe war der Sand inzwischen so feucht geworden, dass die Todeswürmer sich gut verstecken konnten. Die letzten Meter würden kniffelig werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also änderte ich den Kurs. Wir liefen weiter zur Felswand, wo der Boden zwar noch unebener war, dafür gab es jedoch weniger Fläche, wo die Würmer sich verstecken konnten – so dachte ich jedenfalls. Stefan hatte gerade den halben Weg zum nächsten Felsen zurückgelegt, als ich eine Bewegung im Sand neben ihm sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sprintete nach vorne, riss meine Glock hoch und feuerte drei Schüsse in den Wurm ab. Auch er blieb kurz darauf reglos liegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alles in Ordnung?“, rief ich Stefan zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er nickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich jedoch dachte, dass ich damit das größte Übel beseitigt hätte, hatte ich mich getäuscht. Irgendetwas, vielleicht der Lärm von den Schüssen, vielleicht die Leiche ihres Artgenossen, hatte die anderen Würmer auf uns aufmerksam gemacht. Dutzende von ihnen kamen jetzt auf uns zugekrochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße! Lauft! Lauft!“, brüllte ich den anderen zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während sie an mir vorbei Richtung Autos liefen, ließ ich mich zurückfallen. Ich blieb dicht hinter den anderen, während ich mit meiner Glock versuchte, uns die Würmer vom Leib zu halten, die jetzt schnell aufholten. Erfolglos. Es waren einfach zu viele. Wenn ich weiter wahllos jeden Mongolischen Todeswurm abballern würde, der sich uns näherte, hätte ich gleich keine Munition mehr im Magazin. Also hetzte ich den anderen nach. Zum Glück waren wir bereits ganz in der Nähe der Autos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich das Auto erreichte, sah ich, dass alle sich in einen Wagen gedrängt hatten. Scheinbar hatte niemand von ihnen Lust, die wenigen Meter zum nächsten Auto weiterzulaufen. Zurecht. Ich hatte mich gerade neben Chris auf die Rücksitzbank gequetscht und die Tür hinter mir zu gerissen, als eine Woge gelben Schleims gegen die Autoscheibe klatschte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt musste ich mitansehen, wie sich das Glas mit einem zischenden Geräusch auflöste. Ich drängte mich näher an Chris, als Stefan gerade den Schlüssel von Sandra entgegennahm. Dann endlich startete er den Motor und wir setzten uns in Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar kamen wir nur langsam voran – der nasse Sand und der felsige Boden waren nicht die beste Straße und die allmählich beschlagende Windschutzscheibe tat ihr Übriges –, aber zum Glück schienen uns die Würmer nicht sonderlich weit zu verfolgen. Weitere Angriffe blieben aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir fuhren eine Weile schweigend weiter, ehe Stefan sich zu Sandra, Anne und Chris wandte. „Es tut mir leid um euren Kollegen“, sagte er. „Um euren Freund.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sandra saß vor mir und starrte auf ihre Knie. Obwohl ich ihr Gesicht nicht sehen konnte, wirkte sie, als kämpfe sie mit den Tränen. Trotzdem klang ihre Stimme ungewöhnlich ruhig. „Du warst das, oder?“, fragte sie. „Du hast mich angerufen und mir die Mails geschickt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stefan lächelte schief, während er nickte. „Das waren Leute aus meinem Team, ja. Wie gesagt untersuchen wir die Würmer seit einigen Monaten. Ich wünschte nur, uns wäre eine bessere Ausrede eingefallen, als ihr eure Ausgrabung direkt über ihrem Nest geplant habt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warum habt ihr nicht einfach die Wahrheit gesagt?“, fragte Sandra. Bitterkeit schwang in ihrer Stimme mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stefan warf ihr einen traurigen Blick zu. „Hättest du uns geglaubt?“, fragte er.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Allghoi Khorkhoi, auch Olgoi Khorkhoi oder Mongolischer Todeswurm genannt, ist ein Kryptid aus der Mongolei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wörtlich übersetzt, heißt олгой-хорхой (olgoi khorkhoi) übrigens in etwa „Dickdarm-Wurm“, wobei хорхой (Khorkhoi) auch so viel wie „Insekt“ oder „Larve“ heißen kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen des Allghoi Khorkhoi gibt es verschiedene Aussagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Generell sollen die Mongolischen Todeswürmer etwa 50 bis 150 cm lang und dick wie „der Arm eines Mannes“ sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem amerikanischen Abenteurer und Paläontologen Roy Chapman Andrews beschrieben die einheimischen Nomaden den Wurm als wurstförmig, etwa 60 cm lang und ohne Kopf, Schwanz oder Beine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Einheimische beschreiben ihn als fleischigen Wurm mit roter Haut, weiß-grauen Wurm, der sich bei Gefahr rot färbt oder gar als schuppig und braun. Gerade Letzteres würde ich jedoch auf Verwechslungen mit einer Schlange zurückführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein persönlicher Favorit ist hingegen die fleischige rote Variante, da sie als einziges zu dem mongolischen Namen „Dickdarm-Wurm“ passt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Allghoi Khorkhoi hat seinen deutschen Namen „Mongolischer Todeswurm“, weil er seine Opfer innerhalb von kürzester Zeit tötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige sagen, er nutzt hierzu ein tödliches Gift, das er über mehrere Meter versprühen kann, andere sagen, er nutzt elektrische Stöße. Außerdem soll seine Haut so giftig sein, dass man bei Berührung eines Wurms sofort stirbt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich sagen manche Leute dem Gift eine ätzende Wirkung nach, sodass es sogar Metall innerhalb kürzester Zeit zersetzen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wird der Allghoi Khorkhoi in den Berichten nicht unbedingt als aggressiv beschrieben. Für mich liest es sich eher so, dass er sein Gift versprüht, weil er sich bedroht fühlt oder seltener, um Beute zu jagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade Letzteres ist jedoch umstritten, da man nicht genau weiß, was Mongolische Todeswürmer fressen. Während manche Leute sagen, sie würden mit ihrem Gift Tiere und selten sogar Menschen jagen, behaupten andere, sie seien Pflanzenfresser und würden z. B. die giftige Goyo-Pflanze fressen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meiste Zeit sollen die Allghoi Khorkhoi hingegen unterirdisch verbringen. Für gewöhnlich sollen sie fast nur bei Regen oder Feuchtigkeit an die Oberfläche kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ansonsten kann man sie manchmal entdecken, während sie sich unterirdisch bewegen, indem man kleine Wellen an der Sandoberfläche über ihnen sieht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mongolische Todeswurm soll ausschließlich in der Wüste Gobi im Süden der Mongolei und Norden von China vorkommen. Dort soll er hauptsächlich unter dem Sand in besonders abgelegenen und lebensunfreundlichen Teilen der Wüste leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am häufigsten sollen sie im Juni, Juli und August gesehen werden, der regenreichsten Zeit in der Wüste Gobi.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Ursprung der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> lässt sich leider nichts Genaueres sagen, da die einheimischen Nomaden selbst nicht genau wissen, seit wann es die Legende gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste bekannte schriftliche Erwähnung des Mongolischen Todeswurms findet sich in dem Buch „On the Trail of Ancient Man“ (1926) von Roy Chapman Andrews. Es ist jedoch gut möglich, dass die Nomaden der Wüste Gobi schon seit vielen Generationen Geschichten über Allghoi Khorkhoi erzählen, die sie jedoch nur mündlich weitergegeben haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Jahre, bevor Andrews das Buch geschrieben hat, war er selbst in der Wüste. Damals soll ihn der Premierminister der Mongolei darum gebeten haben, Ausschau nach den Allghoi Khorkhoi zu halten und ein Exemplar der legendären Bestie zu fangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andrews selbst gestand zwar, dass er nicht an die Existenz des Mongolischen Todeswurms glaubte, aber er traf viele Einheimische, die ihm Geschichten des Monsters erzählt haben. Und auch heute noch sollen viele Nomaden der Wüste Gobi an Allghoi Khorkhoi glauben, obwohl nur die wenigsten von ihnen ein echtes Exemplar gesehen haben wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen gab es viele, teilweise sehr ernste und professionelle Forschungen und Suchen nach dem Mongolischen Todeswurm. Wissenschaftliche Teams aus aller Welt haben mit unterschiedlichsten Methoden nach ihnen gesucht. Sie nutzten Kameras aus Flugzeugen, künstliche Überschwemmungen, Geräte wie in „Dune“, die Geräusche erzeugen, die den Mongolischen Todeswurm anlocken sollten, und sogar Bomben. Trotzdem blieben sämtliche Suchen ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage gehen viele Forscher davon aus, dass es sich bei den Sichtungen des Todeswurms lediglich um Verwechslungen mit lokalen Schlangen handelt. Der Naturforscher Yuri Gorelov hat einmal eine Östliche Sandboa gefangen, nachdem ein Einheimischer ihm das Nest eines vermeintlichen Allghoi Khorkhoi gezeigt hat. Viele Einheimische, denen Gorelov die Schlange zeigte, identifizierten sie fälschlicherweise als einen Mongolischen Todeswurm.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Mongolische Todeswurm in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich ist auch die Popkultur nicht von dem Mongolischen Todeswurm verschont geblieben. So gibt es nicht nur Spekulationen, ob Frank Herbert sie für seinen weltberühmten Roman „Dune“ bzw. „Der Wüstenplanet“ (1963) als Inspiration für die Sandwürmer genutzt hat, sondern man findet ihre Einflüsse auch in Videospielen wie „Dark Souls III“ oder „Final Fantasy XIV“ sowie in Filmen wie „Tremors – Im Land der Raketenwürmer“ (1990) oder „Monster Worms“ (Originaltitel: „Mongolian Death Worms“) von 2010 wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Mongolischen Todeswürmern? Kanntet ihr die Legende bereits (egal ob in originaler Form oder aus einem Film/Videospiel)? Und wie hat euch meine Geschichte gefallen? Sie war ja doch etwas anders als meine anderen Geschichten. Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mongolischer-todeswurm-allghoi-khorkhoi">Mongolischer Todeswurm – Allghoi Khorkhoi</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Interaktive Geschichte – Es lauert im Wald!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 May 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie versprochen ist hier endlich die erste interaktive Geschichte von Geister und Legenden. Ich hoffe, sie gefällt euch. Falls ihr Kritik, Anmerkungen oder sonst etwas auf dem Herzen habt, schreibt mir gerne einen Kommentar. Außerdem würde mich wahnsinnig interessieren, welches Ende ihr bei eurem ersten Versuch erreicht habt. ^^ Solltet euch die Darstellung unten nicht &#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/interaktive-geschichte-es-lauert-im-wald">Interaktive Geschichte – Es lauert im Wald!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wie versprochen ist hier endlich die erste interaktive Geschichte von Geister und Legenden. Ich hoffe, sie gefällt euch. Falls ihr Kritik, Anmerkungen oder sonst etwas auf dem Herzen habt, schreibt mir gerne einen Kommentar. Außerdem würde mich wahnsinnig interessieren, welches Ende ihr bei eurem ersten Versuch erreicht habt. ^^</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solltet euch die Darstellung unten nicht gefallen (besonders am PC ist es dank der Seitenleiste etwas eng), könnt ihr die Geschichte auch über den folgenden Link spielen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/embed-twine/5.-Bloggeburtstag-Es-lauert-im-Wald.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Interaktive Geschichte in einem separaten Tab spielen</a></p>


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		<title>El Chupacabra (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Feb 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich hatte weder mit dem unmenschlichen Schrei noch mit der Kreatur gerechnet, die ich jetzt sehen konnte. Das Wesen war dünn und haarlos. Es sah fast aus wie ein nackter Mensch, wären seine gebeugte Körperhaltung, die graue Haut und sein tierartiger Kopf nicht gewesen …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/2b5c9cb1d15c48be921f39f07b9d0f7d" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">El Chupacabra ist einer der weltweit bekanntesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kryptide</a> und einer meiner ältesten Blogbeiträge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich es diesmal zeitlich nicht geschafft habe, einen komplett neuen Beitrag zu schreiben, habe ich meine Patrons gefragt, welchen alten Beitrag ich überarbeiten soll. Sie haben sich für diesen entschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Tieres<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bestimmt habt ihr schon einmal von el Chupacabra gehört. Aber wusstet ihr, dass dieses Wesen tatsächlich existiert? Mein Name ist Hectór Carrero und ich bin ein verrückter alter Mann – zumindest, wenn ihr meinen Nachbarn glaubt. Und ja, es mag sein, dass ich manchmal etwas griesgrämig bin. Auch bin ich nicht der sozialste Mensch. Aber das ändert nichts daran, dass ich genau weiß, was ich gesehen habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An jenem Abend war ich gerade meinen Hühnerstall am Ausmisten, als ich plötzlich einen lauten Knall von draußen hörte. Ich war natürlich sofort rausgerannt, um nachzusehen, was los war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst konnte ich nichts Auffälliges entdecken, bis ich bemerkte, dass meine Kühe ungewöhnlich eng beieinanderstanden. Es sah so aus, als würden sie sich ängstlich aneinanderdrücken. Also ging ich zu ihrer Weide, um mich dort näher umzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zusammengekniffenen Augen spähte ich über die Wiese. Meine Sehstärke hat auf das Alter etwas nachgelassen, müsst ihr wissen. Außerdem dämmerte es allmählich. Wahrscheinlich bemerkte ich die drei Kinder daher nicht, wie sie immer wieder verstohlen hinter meinem Kuhstall hervorlugten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich mich näher umsah und dabei zufällig auf sie zuging, kreischten sie plötzlich auf und rannten lachend von meinem Hof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erkannte sie sofort. Das waren die beiden Sánchez-Zwillinge und das Ferrer-Mädchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammte Gören!“, brüllte ich ihnen nach, während ich mit geballter Faust in der Luft fuchtelte. Ich hatte ihnen schon unzählige Male gesagt, dass sie meine Tiere und mich mit ihrem Unfug in Ruhe lassen sollten. Mal sehen, ob sie immer noch lachen würden, wenn ich ihren Eltern von ihrem kleinen Scherz – es war übrigens ein Böller – erzählen würde. Zuerst musste ich mich allerdings um meine Kühe kümmern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hoo, ruhig Mädels, ruhig“, versuchte ich, sie zu beschwichtigen, während ich langsam auf sie zuging, um sie zu streicheln. Es half nur bedingt, also entschied ich, sie heute etwas früher in den Stall zu bringen – dort fühlten sie sich wenigstens sicher.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich endlich den Riegel vor die Stalltür geschoben hatte, atmete ich erleichtert durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich jedoch ins Haus ging – den Hühnerstall würde ich morgen fertig ausmisten –, hob ich die Böllerreste auf, damit mir die Sánchez nicht wieder vorwerfen konnten, ich hätte keine Beweise. Andererseits… Was würde es schon bringen? Heutzutage griffen die Eltern bei der Kindererziehung einfach nicht mehr hart genug durch. Es würde keine Woche dauern, dann wären die Gören mit der nächsten blöden Idee zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir entfuhr ein frustriertes Seufzen, während ich in die Küche ging, um mir etwas zu essen zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa eine Viertelstunde später schlürfte ich einen heißen Teller Bohneneintopf und überlegte, wie ich die Gören endlich loswerden konnte. Früher hatte es gereicht, sie bei ihren Eltern anzuschwärzen, um sie einige Wochen von mir fernzuhalten. Aber inzwischen nahmen selbst die Erwachsenen mich nicht mehr für voll – und die Kinder wussten das. Señora Sánchez hatte mir sogar schon einmal angedroht, sie würden die Polizei rufen, wenn ich ihre Kinder nicht in Ruhe lasse. Dabei war doch eher <em>ich</em> derjenige, der die Polizei rufen sollte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich merkte, wie mein Puls allmählich in eine unangenehme Höhe schoss, ließ ich meinen Löffel in den Eintopf zurücksinken. „Beruhig dich, Hectór“, murmelte ich mir zu. Mein Arzt hatte mir gesagt, ich dürfe mich nicht immer so aufregen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch, bevor ich aufstand, um mir ein Glas Wasser zu holen und versuchte dabei an etwas Schönes zu denken. Das hätte ich mir sparen können. Ich hatte gerade den Wasserhahn aufgedreht, als ich von draußen Geräusche hörte. Irritiert spähte ich aus dem Fenster vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das darf doch nicht wahr sein!“, stieß ich entsetzt aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im schwachen Licht der Dämmerung konnte ich erkennen, wie meine Kühe draußen auf der Weide herumliefen. Dabei hatte ich den Riegel definitiv vor die Stalltür geschoben. Ganz sicher!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na wartet“, grummelte ich. Das musste noch ein dummer Jugendstreich sein. Von allein war die Stalltür jedenfalls noch nie aufgegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie die Ader an meiner Schläfe gefährlich pochte, während ich in den Flur rannte. Dort griff ich nach meinem alten Gewehr. Wenn die Kinder nicht hören wollten, mussten sie eben fühlen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich würde ich den Kindern nichts antun, aber es sprach nichts dagegen, ihnen einen gehörigen Schrecken einzujagen. Vielleicht würden sie mich dann endlich in Ruhe lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Begleitet von dem Quietschen meiner Gummistiefel stapfte ich nach draußen. Mit schnellen Schritten eilte ich auf den Stall zu. Immerhin wollte ich die Kinder nicht so einfach entkommen lassen. Wenn ich Glück hatte, waren sie in das alte Stallgebäude gegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also verlangsamte ich mein Tempo. Ich achtete darauf, möglichst wenig Lärm zu machen, während ich mich dem Eingang näherte. Zum Glück übertönten die aufgeregten Kühe meine Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der offenen Stalltür angekommen, konnte ich schließlich Geräusche von drinnen hören. In etwa so musste ich eben geklungen haben, als ich meinen Eintopf geschlürft habe. Was zur Hölle machten die Kinder da drinnen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schob den Gedanken beiseite – immerhin würde ich es eh gleich erfahren – und trat mit dem Gewehr im Anschlag vor die Stalltür. Dann lud ich es geräuschvoll nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich hatte ich mit einem Aufschrei oder zumindest aufgeregtem Geflüster gerechnet. Stattdessen verstummte bloß das Schlürfen, nur um wenige Momente später wieder einzusetzen – ruhig und in unregelmäßigen Abständen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angestrengt starrte ich nun in die Dunkelheit. Waren das wirklich die Kinder? Ich konnte nichts erkennen. Also tastete ich, jetzt mit einem leicht mulmigen Gefühl im Magen, nach dem Lichtschalter. Meine Hand hatte ihn schnell gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Klick.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte weder mit dem unmenschlichen Schrei noch mit der Kreatur gerechnet, die ich jetzt sehen konnte. Das Wesen war dünn und haarlos. Es sah fast aus wie ein nackter Mensch, wären seine gebeugte Körperhaltung, die graue Haut und sein tierartiger Kopf nicht gewesen. Es hockte über einer meiner Kühe, die reglos unter ihm lag. Blut strömte aus ihrem Hals.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich Zeit hatte, auch nur mein Gewehr auf das Wesen zu richten, sprang es bereits auf mich zu. Ich spürte, wie es seinen knochigen Körper mit voller Kraft gegen mich warf. Ein Schuss löste sich, ehe ich auf dem harten Boden aufschlug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch riss ich meine Arme vor mich, um mein Gesicht zu schützen, die Kreatur abzuwehren. Doch der Angriff blieb aus. Das Wesen ließ von mir ab und rannte weiter. Es bewegte sich dabei seltsam, als sei es verletzt. Der gelöste Schuss hatte es jedoch nicht getroffen. Zumindest war um mich herum nirgendwo Blut zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen kurzen Moment, bis ich mich von dem Schock erholt hatte. Dann lud ich sofort mein Gewehr nach und zielte in die Dunkelheit. Gerade noch so konnte ich die humpelnden Bewegungen in der Ferne erkennen, zielte darauf und schoss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Knall hallte über die Weide, versetzte meine ohnehin schon aufgebrachten Kühe in noch mehr Aufregung. Ansonsten hörte ich nichts. Kein Aufheulen. Kein leiderfülltes Gewimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem rappelte ich mich auf und rannte in die Richtung, in die ich geschossen hatte. Ich wusste genau, wo das Wesen langgelaufen war, aber selbst mit meiner Taschenlampe konnte ich nichts finden. Kein regloser Körper im Sand, kein Blut, gar nichts. Ich hatte es verfehlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also rannte ich in den Stall zurück, um nach der verletzten Kuh zu sehen. Aber auch hier konnte ich nichts mehr ausrichten. Sie atmete bereits nicht mehr. Dafür bemerkte ich die Einstiche in ihrem Hals. Anders konnte man es nicht nennen. Das Wesen hatte die Kuh nicht gefressen. Es sah vielmehr so aus, als hätte es sie ausgesaugt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam dämmerte es mir, was für eine Kreatur ich da gerade gesehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich nicht wusste, was ich anderes tun sollte, lief ich in mein Haus zurück und wählte den Notruf. Ich schilderte dem Mann am anderen Ende der Leitung bis ins kleinste Detail, was ich gesehen hatte. Er schien mir nicht zu glauben, versprach aber trotzdem, jemanden vorbeizuschicken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend ging ich mit meinem Gewehr wieder nach draußen, um auf meine Kühe aufzupassen – nur für den Fall, dass dieses Ding zurückkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach etwa einer Viertelstunde konnte ich in der Ferne endlich einige Autos hören. Ich wurde jedoch stutzig, als ich sah, wie viele es waren: Während ich mit maximal zwei Beamten gerechnet hatte, erschien ein ganzes Team inklusive Spurensicherung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Polizisten kamen zu mir, um meine Aussage aufzunehmen, während mindestens zehn weitere Männer sich daran machten, meinen Stall und die nähere Umgebung genau unter die Lupe zu nehmen. Sie arbeiteten schnell und effizient. Einige von ihnen hatten irgendwelche technischen Geräte in der Hand, die ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach nicht einmal einer halben Stunde, in der ich ihre Arbeiten mehr als skeptisch beobachten konnte, waren sie bereits fertig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der Männer kam schließlich zu den Polizisten und mir. „Señor Carrero, wir haben alles genau untersucht und können sie beruhigen: Bei dem Tier scheint es sich bloß um einen Kojoten gehandelt zu haben“, erklärte er mit ruhiger Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zog eine Augenbraue nach oben. „Ein Kojote? Das Tier hatte nicht einmal Fell.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist gut möglich, dass das Tier krank war. In letzter Zeit sind uns einige Fälle von Kojoten und Wildhunden mit Räude untergekommen. Dabei kann es durchaus zu starkem Haarausfall kommen. Außerdem würde es erklären, wieso es keine wilden Tiere gejagt hat. Es ist sicherlich an Ihrem Stall vorbeigekommen und als es gesehen hat, dass die Tür offen stand …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Tür stand aber nicht offen!“, protestierte ich, aber der Mann ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sehen Sie. Ich kann Ihnen nur sagen, was unsere Untersuchung ergeben hat“, erklärte er gelassen. „Aber wir nehmen die tote Kuh mit. Falls wir im Labor irgendetwas finden sollten, das auf etwas anderes als einen Kojoten hinweist, sind Sie der Erste, der es erfährt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend ließ mich der Mann einfach stehen. Und auch die Polizisten konnten nichts tun als mit den Schultern zu zucken und mir einen schönen Abend zu wünschen. Kurze Zeit später war ich wieder allein auf meinem Hof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hörte ich nie wieder etwas von den Männern. Inzwischen bin ich mir sicher, dass es sich um irgendeine Verschwörung handeln musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste, wie Kojoten aussahen, und selbst ohne Fell hätte er nicht wie dieses Ding ausgesehen. Und nicht nur das, die seltsamen Bissspuren passten zu keinem einzigen Tier, das ich kannte. Besonders nicht zu einem Kojoten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein. Ich wusste genau, was dieses Ding war. Ich hatte an jenem Abend el Chupacabra gesehen!</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">El Chupacabra (Spanisch für „Ziegensauger“), seltener el Chupacabras, ist eine Kreatur aus Lateinamerika. Aber auch, wenn es viele Menschen gibt, die tatsächlich an die Existenz des Wesens glauben, wird es von der Allgemeinheit als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> eingestuft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Aussagen darüber, wie el Chupacabra aussehen soll. Grob lässt sich das Aussehen jedoch auf zwei verschiedene Versionen eingrenzen: ein echsenähnliches Wesen, das auf zwei Beinen läuft, und ein haarloses hundeartiges Tier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der echsenartige Chupacabra wird hauptsächlich als eine 1,5 bis 2 m große Kreatur mit langen Stacheln entlang der Wirbelsäule, großen roten oder schwarzen Augen und grünen Schuppen bezeichnet. Selten soll er sogar Flügel besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die hundeähnliche Variante ist hingegen auf vier Beinen unterwegs und deutlich kleiner. In diesem Fall soll el Chupacabra abgemagert aussehen, hat felllose, teilweise ledrige Haut oder Schuppen und manchmal ebenfalls Stacheln entlang der Wirbelsäule.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">El Chupacabra ist, wie der Name schon sagt, hauptsächlich dafür bekannt, Farmtiere anzugreifen und ihnen das Blut auszusaugen. Angeblich weisen die blutleeren Kadaver oft nur eine Bissverletzung am Hals auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Menschen hingegen scheint das Wesen eher ungefährlich zu sein. So gibt es zwar einige Berichte von Menschen, die behaupten, el Chupacabra habe sie angegriffen, die Fälle sind jedoch nur selten und es sind keine ernsthaften Verletzungen oder gar menschliche Todesfälle durch ihn bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Sichtungen von el Chupacabra gab es in Puerto Rico. Mit der Zeit und Bekanntheit des Wesens kamen jedoch weitere Sichtungen in anderen lateinamerikanischen Ländern und den USA hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem el Chupacabra durch das Internet weltweite Bekanntheit erlangt hat, gab es außerdem Sichtungen auf anderen Kontinenten, wie z. B. in Russland und China.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende von el Chupacabra kam erstmals im Jahr 1995 in Puerto Rico auf, als in einem kurzen Zeitraum mehrere anscheinend blutleere Leichen von Farmtieren aufgetaucht sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste tatsächliche Sichtung der Kreatur gab es ebenfalls 1995 in Canóvanas, Puerto Rico. Damals hat Madelyne Tolentino, eine Einheimische, ein aufrecht gehendes echsenähnliches und etwa zwei Meter großes Wesen gesehen, das Stacheln entlang der Wirbelsäule aufwies.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf gab es weitere Sichtungen desselben und sehr ähnlicher Wesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Skeptiker gehen davon aus, dass der Sci-Fi-Horrorfilm „Species“ (1995), der in der Zeit in Puerto Rico im Kino lief und ein Alien beinhaltet, das den damaligen Beschreibungen des Chupacabra stark ähnelt, zu einer Verwechslung zwischen Fiktion und Realität geführt haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so waren die toten Tiere hingegen durchaus real. Innerhalb eines einzelnen Jahres sollen mehr als 2.000 tote Farmtiere gefunden worden sein, die el Chupacabra zugeschrieben wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist es nur verständlich, dass die Legende schnell zu einer Massenpanik geführt hat. Farmtiere wurden nachts von bewaffneten Wachen beschützt, Kinder wurden von Erwachsenen in die Schule eskortiert und einige Familien entschlossen sogar, ihre Häuser zu verlassen und umzuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich erlangte el Chupacabra die Aufmerksamkeit der Presse und sogar die puerto-ricanische Regierung schaltete sich ein, um bei der Aufklärung der Ereignisse zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald gab es mehrere Theorien, wie die Tiere wirklich ums Leben gekommen waren. Einige von ihnen waren z. B. ein starker Anstieg der Mangustenpopulation, woraufhin die Tiere neue Beutetiere brauchten, und wilde Hunderudel oder Kojoten, die nach Nahrung suchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztenendes konnte jedoch nie eindeutig geklärt werden, wer oder was die Tiere tatsächlich umgebracht hatte, und so lebte die Legende des Chupacabra weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre änderte sich schließlich das Bild von el Chupacabra: Er wurde zu dem hundeähnlichen Wesen, wie man ihn heute hauptsächlich kennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grund dafür sind wahrscheinlich mit Räude, besser bekannt als Krätze, infizierte Kojoten und Hunde gewesen. Die Tiere verlieren oft ihr Fell und sind mit der Zeit zu schwach, um ihre natürliche Beute zu jagen, weshalb sie oft auf Farmtiere zurückgreifen müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und selbst die angeblich blutleeren Kadaver lassen sich wissenschaftlich erklären, da Leichen nach ihrem Tod oft blass werden und ein tatsächliches blutleeres Tier nie medizinisch nachgewiesen werden konnte. Es handelte sich also auch hierbei sehr wahrscheinlich um einen Irrtum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch das hindert die Menschen nicht daran, an el Chupacabra zu glauben – ein Wesen, das inzwischen sogar in die Popkultur eingegangen ist und weltweite Bekanntheit erlangt hat. So findet man el Chupacabra in diversen Filmen wie z. B. dem Netflixfilm „Chupa“ (2023), in Kinderbüchern, mehreren Liedern und es wurde sogar ein Cocktail nach ihm benannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von el Chupacabra? Denkt ihr, dass es dieses Tier wirklich geben könnte? Oder haltet ihr es für eine Verwechslung mit z. B. einem kranken Kojoten? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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