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	<title>Halloween-Geschichten Archiv - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Die Buckley Family</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Oct 2026 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Als für einige Sekunden niemand etwas gesagt hatte, nickte Susan zufrieden. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, hob sie die Axt. Die Schneide blitzte im schwindenden Licht der untergehenden Sonne auf. Dann rammte Susan die Axt in Graces Hals. Es war ein widerliches Geräusch: eine Mischung aus Rascheln und Knacken, als die Klinge das Pappmaché durchdrang …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-buckley-family">Die Buckley Family</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die Buckley Family mag nicht die bekannteste urbane Legende sein, aber sie spielt zu <a href="http://geister-und-legenden.de/geschichten/halloween">Halloween</a>, weshalb ich sie für diesen Blogbeitrag herausgesucht habe. Wisst ihr, wie das grausige Portrait der Buckley Family entstanden ist?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Happy Halloween und viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Erwähnung von Kannibalismus</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Susan und John Buckley. Ja. Ich kannte die beiden. Die Geschwister wohnten bei mir gleich um die Ecke. Sie waren schon immer etwas eigen, aber <em>das</em> hatte ich ihnen nicht zugetraut. Zu Anfang konnte, oder eher wollte, ich gar nicht begreifen, was die beiden getan hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Mein Bruder Clarence und ich spielten oft im Müll. Ganz in der Nähe unseres Hauses war eine Schrottdeponie. Da konnte man wirklich tolle Dinge finden. Zumal unsere Eltern nicht das Geld hatten, um uns teures Spielzeug zu kaufen. Und so suchten wir uns unsere ganz eigenen Schätze auf der Deponie zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neulich erst hatten wir eine Schaufensterpuppe gefunden. Sie bestand aus mit bemaltem Pappmaché bedecktem Draht, wie wir deutlich an einem Loch in ihrer Seite erkennen konnten. Lediglich ihre Augen waren aus Glas, was sie ungewöhnlich menschlich aussehen ließ, und ihre verfilzten Haare wirkten echt. Jedenfalls hatten wir sie voller Stolz von der Deponie geschleppt, um sie unseren Freunden zu präsentieren. Darunter auch Susan und John Buckley.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können. Es war etwa eine Woche vor Halloween. Mit unserer eigenen Schaufensterpuppe waren wir der Mittelpunkt unserer gesamten Nachbarschaft. Zumindest der Kinder. Wir saßen alle auf dem Schulhof versammelt, die Puppe zwischen Clarence und mir, und berieten, was wir am besten mit der lebensgroßen Frauengestalt anfangen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir können sie verkleiden“, schlug Clarence vor. „Irgendetwas Gruseliges. Wir stellen sie an die Straße, damit möglichst viele Leute sie sehen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir anderen waren hellauf begeistert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich kann ein altes Kleid besorgen“, sagte Ethel enthusiastisch. „Meine Mama hat viele alte Kleider. Bestimmt kann sie uns eines davon leihen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort redeten alle durcheinander. Jeder hatte seine eigene Vorstellung, welche Art Kleid am besten zu der Puppe oder Halloween passen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich finde, die Puppe braucht einen Namen“, merkte Bessie zwischen dem wilden Durcheinandergerede an. Sie war die Jüngste von uns, sprach so leise, dass ich sie wahrscheinlich überhört hätte, würde sie nicht direkt neben mir sitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist eine tolle Idee, Bessie“, erklärte ich laut. Die anderen verstummten. Immerhin war es Clarences und meine Puppe, da wollten sie sich wahrscheinlich einschmeicheln. „Wir müssen ihr einen Namen geben!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bessie lächelte mich dankbar an. Aber ob sie noch etwas sagte, bekam ich nicht mehr mit. Immerhin hatte bereits eine neue Diskussion um einen passenden Namen begonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem jeder seine Vorschläge gemacht hatte – unter den Favoriten waren Namen wie Margaret, Grace oder Clara – war es an Clarence und mir, das letzte Wort zu sprechen. Wir entschieden uns für Grace.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Grace. Das gefällt mir“, sagte ich. „Grace, die Halloweenpuppe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sollten Grace köpfen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille. Jetzt sahen alle Susan Buckley an, die den Vorschlag gemacht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie köpfen?“, wiederholte ich ungläubig. Noch war ich mir nicht sicher, ob ich sie nicht falsch verstanden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Denkt doch mal drüber nach,“ das war ihr Bruder John. „Wir können ihren Kopf neben sie legen. Oder vielleicht hält sie ihn auch in der Hand. Das sieht bestimmt gruselig aus!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Zum Fürchten“, bestätigte Susan. „Genau das Richtige für Halloween.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir anderen Kinder sahen einander an. Noch immer hatte keiner von ihnen ein Wort gesagt, aber ich sah einige zustimmend nicken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also gut“, erklärte Clarence, „wenn niemand eine bessere Idee hat, köpfen wir Grace.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber kein Blut!“, mahnte Ethel. „Es gibt Schläge, wenn ich eins von Mamas Kleidern dreckig mache!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir anderen nickten zustimmend. Wir alle wussten, wie es war, von unseren Eltern verprügelt zu werden. So war damals halt die Erziehung. Außerdem wären wir mit fast allem einverstanden, wenn es hieß, dass wir ein passendes Kostüm für die Puppe finden würden.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Tage waren wir voll und ganz mit den Vorbereitungen beschäftigt. Ethel hatte mit ihrer Mutter geredet. Sie war einverstanden, uns an Halloween, sofern es nicht regnete, ein altes schwarzes Kleid zu borgen. Jetzt fehlte nur noch die Enthauptung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich hatten wir vorgehabt, den Kopf der Puppe kurzerhand abzutrennen. Wir wollten keine große Sache daraus machen. Susan und John Buckley hatten jedoch andere Pläne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich so darüber nachdachte, hätte ich schon damals merken müssen, dass mit den beiden etwas nicht stimmte. Sie wollten die Enthauptung ausspielen, ein richtiges Ritual daraus machen. „Das wird sicher lustig!“, hatte Susan gemeint. Außerdem würde es hervorragend zur Halloweenstimmung passen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir Anderen standen ihrem Plan mit gemischten Gefühlen gegenüber. Aber wir waren Kinder. Es war nur ein Spiel, wenn auch etwas makaberer als unsere sonstigen Spiele. Also trafen wir uns zu Sonnenuntergang an einem Feld. Heimlich. Abseits der Blicke irgendwelcher Erwachsener.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch vor einem Monat hatten hier hohe Maisstauden gestanden, aber jetzt waren die Pflanzenstummel auf dem Feld genauso tot und leblos wie Grace, die mir an diesem Abend besonders schwer in den Armen lag. Es fühlte sich seltsam an, eine Puppe, mit der wir die letzten Tage so viel Spaß gehabt hatten, wie eine Verbrecherin hinzurichten. Und auch das graue Wetter passte sich perfekt meiner Gefühlslage an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wind peitschte mir ins Gesicht. Es war kalt und ungemütlich, während Clarence und ich uns mit Grace dem Treffpunkt näherten. In der Ferne sah ich, dass wir nicht die Ersten waren. Obwohl wir fast eine Viertelstunde zu früh waren, warteten Susan und John Buckley bereits auf uns. Susan hielt eine kleine Axt in der Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Albert. Clarence. Da seid ihr ja“, begrüßte sie uns. Sie stand mit geradem Rücken fast reglos da, beobachtete uns mit erhobenem Kinn. „Wie ich sehe, habt ihr die Verurteilte mitgebracht. Gut. Bringt sie zu uns.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen kurzen Augenblick fühlte es sich wirklich so an, als würde ich Susan einen echten Menschen überlassen, als ich ihr die Puppe hinhielt. Sie ergriff sie unter den Armen und legte sie vorsichtig ins Gras, ehe sie sich auf einen flach abgesägten Baumstumpf setzte. Jetzt legte sie Graces Kopf in ihrem Schoß. Graces Glasaugen sahen mich an, als würden sie um Hilfe flehen. Ich sah weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Minuten waren mir und wahrscheinlich auch den anderen höchst unangenehm. Wir hatten nicht viele Gemeinsamkeiten mit den Buckley-Geschwistern. Ihre Familie war deutlich wohlhabender als unsere. Beziehungsweise ihre Mutter, denn ihr Vater war vor vielen Jahren verstorben. Details kannte ich keine. Die Buckleys trugen gepflegte Kleidung, badeten bestimmt zweimal die Woche und hatten eine vornehme Ausdrucksweise. Clarence und ich hingegen spielten in unserer Freizeit im Müll und waren froh, wenn wir warmes Wasser für unser wöchentliches Bad hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schwiegen wir einander an, während Susan geistesabwesend Graces schmuddelige Haare streichelte. Erst, als die anderen Kinder eintrafen, stieg die Stimmung deutlich. Ethel und ein anderes Mädchen kamen bereits lachend angerannt – anscheinend machten sie ein Wettrennen –, Bessie kam im Hopserlauf auf uns zugelaufen und auch die anderen Kinder wirkten ausgelassen und fröhlich. Wir alberten herum, bis schließlich alle da waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also“, erhob John Buckley die Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Augenblicklich wurde es still. Wir setzten uns in Reihen wie in der Schule ins Gras, um die Buckleygeschwister anzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">John ließ den Blick über uns schweifen. „Jetzt, da wir alle hier sind, können wir beginnen. Schwesterherz?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun stand Susan auf. Sie hob dabei Grace auf ihre Füße, hielt sie an ihren Armen fest, ohne die Axt aus der Hand zu legen. „Wir haben uns hier versammelt, um die Hinrichtung von Grace durchzuführen, die wegen Verfehlung ihres Zwecks als Kleidungsmodel verurteilt wurde“, verkündigte sie feierlich. Sie sprach dabei laut, als würde sie zu deutlich mehr Leuten als zu unserer kleinen Gruppe sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend nahm sie Grace und legte sie sanft, fast liebevoll hin. Ihren Kopf bettete sie dabei auf den Baumstumpf, auf dem sie eben noch gesessen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hockte sie über der Puppe. Meine Augen wanderten zu ihrer Axt, die Susan schlagbereit in der Hand hielt. „Hat jemand etwas gegen die Enthauptung der Angeklagten Grace einzuwenden?“, fragte Susan dramatisch in die Runde. „Wenn ja, dann soll er jetzt sprechen, oder für immer schweigen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder wanderte mein Blick zu Graces Augen, die so unheimlich echt aussahen. Sie schien mich anzusehen, mich anzuflehen, etwas zu sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am liebsten wäre ich aufgesprungen, hätte Susan an ihrem grausamen Schauspiel gehindert. Aber auch, wenn ich als Mitbesitzer der Puppe das gute Recht dazu gehabt hätte, tat ich es nicht. Bevor wir Grace gefunden hatten, waren mein Bruder und ich nie die beliebtesten Kinder gewesen. Ich wollte unseren neugewonnenen Status nicht gefährden. Also schwieg ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als für einige Sekunden niemand etwas gesagt hatte, nickte Susan zufrieden. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, hob sie die Axt. Die Schneide blitzte im schwindenden Licht der untergehenden Sonne auf. Dann rammte Susan die Axt in Graces Hals. Es war ein widerliches Geräusch: eine Mischung aus Rascheln und Knacken, als die Klinge das Pappmaché durchdrang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort zog Susan die Axt wieder aus Graces Hals. Dabei bogen sich einige der frisch durchtrennten Drähte nach außen, die unter dem Pappmaché lagen. Aber ehe ich sie näher betrachten konnte, rammte Susan die Axt bereits wieder in die Puppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim dritten Schlag knickte Graces Hals weg. Ihr Körper sackte ab. Der Kopf wurde zur Seite gerissen, hing jetzt fast aufrecht an ihrem letzten Stück Hals.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Susan bog ihn wieder gerade, versuchte mit einem erneuten Schlag, den Hals vollständig zu durchtrennen, aber der Draht war zu hart. Stattdessen knickte ihr Kopf bloß wieder weg. An der Stelle, wo die aufgetrennten Enden aneinanderdrückten, war nun eine deutliche Delle im Pappmaché zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell drehte Susan Grace auf die andere Seite, sodass die noch intakten Stellen ihres Halses oben lagen. Jetzt sah ich nur noch Graces Hinterkopf. Nach zwei weiteren Schlägen war ihr Kopf endlich ab. Er rollte von dem Stumpf, fiel ins Gras, ehe Susan Grace an den Haaren packte und uns ihren Kopf triumphierend entgegenstreckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hielten allesamt den Atem an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist vollbracht“, sagte Susan feierlich. Im nächsten Moment ließ sie Graces Kopf mit einem dumpfen Rascheln zurück ins Gras fallen und ging weiter zu ihrem Bruder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte noch einige Sekunden, bis die Anspannung von uns anderen abfiel. Aber dann redeten wir alle durcheinander. Jeder schien eine andere Idee zu haben, wie und vor allem wo wir Grace an Halloween hinstellen sollten. Ursprünglich war der Plan gewesen, sie möglichst zentral in der Nachbarschaft aufzustellen, sodass möglichst viele Leute sie sehen würden. Aber Ethel hatte eine bessere Idee: „Warum bewegen wir Grace nicht an Halloween? Dann kann jeder sie bei sich an der Straße stehen haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte begeistert. „Gute Idee. Dann sehen sie bestimmt noch mehr Leute!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun mussten wir nur noch die Zeiten einteilen, wann Grace wo stehen sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wann wollt ihr die Puppe bei euch haben?“, wandte sich Clarence an die Buckleygeschwister.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war eine wichtige Frage. Die Buckleys wohnten etwas außerhalb. Am besten sollte Grace bei ihnen als Erstes oder als Letztes stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber John winkte ab. „Macht ihr das unter euch aus. Wir haben schon genug Spaß mit den Vorbereitungen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Seid ihr sicher?“, hakte mein Bruder nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ich war überrascht. So sehr, wie sie das Projekt in den letzten Tagen an sich gerissen hatten, hätte ich gedacht, dass sie mit Fäusten und Zähnen um die besten Zeiten für Grace kämpfen würden. Aber es war, als hätten sie plötzlich das Interesse verloren. Wenn ich so drüber nachdachte, hatten sie sich nicht einmal mehr an unseren Gesprächen beteiligt, seit Graces Kopf ab war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch die nächsten Tage hatten wir anderen Kinder Grace wieder für uns. Ich verstand es nicht. Natürlich war ich froh, dass die Buckleys die Puppe nicht mehr völlig für sich einnahmen und wir auch mal wieder mit ihr spielen konnten, aber bis zur Hinrichtung waren sie doch so Feuer und Flamme für Grace gewesen. Gefiel ihnen vielleicht das zerfetzte, eingedellte Pappmaché an ihrem Hals nicht? Der Draht, der daraus hervorragte? Hatten sie sich vielleicht einen saubereren Schnitt gewünscht? Ich fand ja, dass es ihr einen besonders unheimlichen Flair verlieh.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenige Tage später war es endlich so weit. Der 31. Oktober. Halloween. In der Zwischenzeit hatten wir aus Draht von der Schrottdeponie ein Gestell gebaut, damit Grace auch bei Wind nicht umfiel, und einen genauen Zeitplan ausgearbeitet, wann Grace wo stehen sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt, kurz nach Schulschluss, hatten wir uns wieder verabredet. Sämtliche Kinder aus der Nachbarschaft hatten sich auf dem Spielplatz versammelt. Das heißt … Alle außer Susan und John Buckley. Weiß der Teufel, was mit ihnen los war. Vielleicht hatte ihre Mutter etwas dagegen, wenn sie mit einer Puppe aus dem Müll spielten. War das auch der Grund, warum sie Grace nicht an ihrer Straße stehenhaben wollten? Sollte ihre Mutter es nicht mitbekommen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ehrlich gesagt verschwendete ich nicht allzu viele Gedanken an die beiden. Stattdessen wandte ich meine Aufmerksamkeit Ethel zu, die mit einem breiten Grinsen im Gesicht und dem schwarzen Kleid ihrer Mutter in den Armen über den Bürgersteig auf uns zu geschlendert kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tada!“, präsentierte sie das Kleid stolz. Es bestand aus dickem Stoff, hatte lange Ärmel und war – abgesehen von einigen Rüschen – relativ schlicht. Es war nicht sonderlich hochwertig. Aber ich konnte verstehen, wenn Ethels Mutter uns Kindern nur ein billiges Kleid überlassen wollte. Außerdem würde es für unsere Zwecke voll und ganz ausreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das sieht wirklich toll aus“, lobte ich sie. Jetzt musste es nur noch passen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das tat es. Nachdem wir es vorsichtig über die scharfkantigen Drähte am Hals gefriemelt hatten – wir mussten natürlich darauf achten, dass Ethels Mutter das Kleid unbeschadet zurückbekam –, machten sich die Mädchen aus unserer Gruppe daran, Graces filzige Frisur so gut es ging zurechtzumachen. Wir drapierten sie so, dass sie ihren eigenen Kopf auf den Armen hielt. Das war zwar nicht ganz einfach, aber mit etwas Gewalt ließen sich ihre Arme zum Glück weit genug zurechtbiegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war perfekt. Als Grace nun in voller Pracht vor uns stand, in ihrem schwarzen Kleid, den eigenen Kopf, dessen zu echt aussehenden Augen im Licht funkelten, mit den geflochtenen Haaren wie ein Neugeborenes in ihren Armen, war ich mir sicher, dass dies ein Halloween werden würde, das keiner von uns so schnell vergessen sollte. Damit sollte ich sogar recht behalten. Jedoch nicht auf die Weise, auf die ich es mir vorgestellt oder auch nur gewünscht hätte …</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen war der Abend recht weit fortgeschritten. Die Sonne war schon lange untergegangen und die jüngsten Kinder mussten bereits wieder zuhause sein, weshalb die etwas älteren wie Ethel, mein Bruder und ich unsere letzten Runden ohne sie weiterzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei kamen uns zwei Frauen mit einem Kind entgegen. Ich kannte den Jungen nicht. Er musste aus einem anderen Teil der Stadt sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das sah ja wirklich toll aus“, hörte ich eine der Frauen sagen. „Und dieser Halsstumpf …“ Sie schüttelte sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Grinsen stahl sich auf mein Gesicht. Sie mussten Grace begegnet sein. Ich hab ja gesagt, die Drähte verliehen ihrem Hals etwas Unheimliches! „Wie ich höre, sind Sie unserer kopflosen Freundin begegnet“, wandte ich mich an die drei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau wandte sich zu mir um. Kurz guckte sie überrascht. „Ihr habt bei der Puppe mitgeholfen?“, fragte sie ungläubig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Grinsen wurde breiter. „Mein Bruder Clarence und ich haben die Puppe gefunden. Aber das Köpfen und Zurechtmachen war eine Gemeinschaftsarbeit von allen Kindern aus der Nachbarschaft.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Klasse!“, schaltete sich der kleine Junge ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bestimmt haben eure Eltern dabei geholfen“, erwiderte die Frau. „Die Puppe sieht so echt aus! Und all das Blut!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stockte. Blut? Wir hatten uns doch darauf geeinigt, kein Kunstblut zu verwenden. Ethels Eltern würden sie umbringen, wenn das Kleid dreckig geworden war!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Entschuldigen Sie“, hakte ich nach. „Können Sie mir sagen, wo die Puppe gerade steht?“ Falls jemand die Puppe beschmutzt hatte, musste ich herausfinden, wer das war!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nun“, erklärte die zweite Frau. „Das Haus steht etwas abseits. Wir wären fast nicht hingegangen, aber es brannte Licht und Harry hatte darauf bestanden, dass wir hingehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und es hat sich gelohnt!“, schrie der Junge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das hat es, Spatz“, erwiderte die erste Frau. Sie wuschelte ihm durch die Haare.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich hörte ihrem Gespräch nicht mehr zu. Die Einzigen, die „etwas abseits“ wohnten, waren die Buckleys. Sie hatten Grace also doch zu sich geholt. Es ärgerte mich. Das hätten sie vorher mit uns absprechen müssen! Und was hatte es mit dem Blut auf sich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssen weiter“, verabschiedete ich mich von den dreien. „Ihnen noch einen schönen Abend.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Danke“, erwiderte die Frau. „Das wünsche ich euch auch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war jedoch schon dabei, mit schnellen Schritten Richtung Buckleyhaus zu gehen. Ethel und Clarence hielten sich dicht hinter mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir schafften es aber gerade einmal zwei Straßen weiter, ehe wir wieder stehenblieben. Da stand Grace. An dem ursprünglich verabredeten Standpunkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort rannten wir zu ihr. Es war bereits dunkel. Die Straße war nicht besonders gut beleuchtet. Und ja, Grace wirkte dadurch noch ein gutes Stück gruseliger. Aber Blut war keines zu sehen. Auch keine rote Farbe oder sonst irgendetwas, was die drei für Blut gehalten haben konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Meint ihr, die Frau hat gelogen?“, fragte Ethel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Sie sagte, dass die Puppe abseits steht. Bei einem Haus, zu dem sie fast nicht gegangen seien.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grace hingegen stand zwar am Stadtrand, war aber noch immer umgeben von unzähligen Häusern. Hatten die Buckleys also eine eigene Puppe? Waren sie deswegen nicht länger an Grace interessiert gewesen? Hatten sie unsere Idee geklaut? Es gab nur eine Möglichkeit, das herauszufinden:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssen zu den Buckleys!“, bestimmte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur wenige Momente später näherten wir uns ihrem Haus. Es lag dunkel und verlassen vor uns. Welches Licht die drei auch immer gesehen hatten, jetzt war davon nichts mehr zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht sind sie schon schlafen gegangen?“, dachte Clarence laut. „Sollen wir lieber morgen zurückkommen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Wenn Sarah und John unsere Idee geklaut haben, dann möchte ich das jetzt wissen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück war der Himmel sternenklar. Der Mond spendete uns also ausreichend Licht. Nachdem wir flüchtig das Haus umrundet hatten – von einer kopflosen Puppe war nichts zu sehen –, ging ich weiter zur Haustür. Aber noch ehe ich die Tür erreicht hatte, blieb ich wieder stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Blut“, sagte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte die eingetrocknete Pfütze auf dem Stein zu unseren Füßen deutlich im Mondlicht erkennen. Weitere Spritzer der dunklen Flüssigkeit befanden sich an der Hauswand und der Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bestimmt das Kunstblut, von dem die Frau geredet hat“, erklärte Clarence. Ich hoffte, dass er recht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also trat ich an die Haustür, darauf bedacht, nicht in das Blut zu treten. Es sah eingetrocknet aus, aber ich wollte nichts riskieren. Dann klopfte ich an die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille. Im Haus regte sich nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also klopfte ich noch einmal. Diesmal lauter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz wandte ich mich zu Ethel und Clarence um, die wie erstarrt hinter mir standen, ehe ich die unverschlossene Haustür – das war damals normal in unserer Gegend – öffnete. Im Haus war es dunkel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Susan? John?“, rief ich. „Ich bin es, Albert. Seid ihr zuhause?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer bekam ich keine Antwort. Vielleicht schliefen sie wirklich schon. Oder sie waren noch einmal rausgegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wollte ich noch nicht aufgeben. Ich entdeckte eine Kerosinlampe auf einem Schrank in der Eingangshalle. Ohne zu zögern, ging ich zu ihr und schaltete sie ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ethels Schrei war das Erste, was ich hörte. Erschrocken drehte ich mich zu ihr um. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie auf den Boden in der Eingangshalle. Ich folgte ihrem Blick und …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mrs. Buckley! Ich hatte sie nicht oft gesehen, aber doch oft genug, um sie wiederzuerkennen. Oder besser die Teile von ihr. Ihr Kopf war nicht mehr auf ihren Schultern. Er lag neben ihr, die Augen ausdruckslos, der Halsstumpf blutig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Magen drehte sich um. Ich musste nach draußen rennen, um mich nicht übergeben zu müssen. Mein Atem ging schnell und stoßweise, während ich die kalte Herbstluft einatmete. Alles drehte sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen waren die beiden Frauen und der Junge so begeistert gewesen. „Die Puppe sieht so echt aus! Und das ganze Blut …“ Sie hatten die echte Mrs. Buckley gesehen, ihren kopflosen Körper für eine Puppe gehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das musste auch der Grund gewesen sein, warum die Buckleys an der Enthauptung so interessiert gewesen waren, aber danach völlig das Interesse verloren hatten. Es ging ihnen nie um Grace oder Halloween. Sie wollten bloß ihre kranken Fantasien ausleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss euch wahrscheinlich nicht erzählen, dass wir sofort zur Polizei gerannt waren. Nur von Susan und John fehlte jede Spur. Sie mussten geflohen sein, nachdem sie der armen Mrs. Buckley das angetan hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später berichteten die Zeitungen davon, dass Mrs. Buckleys Leiche halb gegessen gewesen sei. Zum Glück hatte ich sie mir nicht so genau angesehen. Trotzdem fragte ich mich, wie das passiert war. Hatten sie vielleicht einen Hund gehabt, der das getan hatte? Oder hatten Susan und John selbst …?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem erfuhr ich, dass es eine Fotografie von der Leiche gab. Ein Halloweengänger musste sie gemacht haben, als er bei den Buckleys vorbeigekommen war. Ich habe gehört, dass sie John zeigt, wie er den abgetrennten Kopf seiner Mutter hält, während er neben ihrem Körper steht. Susan steht mit ihrer kleinen Axt auf der anderen Seite. Allerdings habe ich mich nie getraut, das Foto anzusehen. Mir reichten die Bilder, die mein Gedächtnis von jener Nacht behalten hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffte nur, dass die Polizei Susan und John bald finden würde …</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Buckley Family ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a>, die eng mit einem alten Sepia-Foto verbunden ist. Es zeigt die Geschwister Susan und John Buckley kurz nach dem Mord an ihrer Mutter, deren geköpfter Körper ebenfalls auf dem Bild zu sehen ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viel ist über Susan und John Buckley nicht bekannt. Sie tragen altmodische Kleidung – John einen Anzug mit Taschenuhr und Susan ein dunkles Kleid –, sind beide weiß und haben braune oder blonde Haare.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Foto hält John den Kopf ihrer Mutter in Richtung Kamera gestreckt, während Susan eine kleine Axt hält. Ihre Gesichtsausdrücke sind dabei völlig emotionslos.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich wurde das Foto gegen 1890 aufgenommen. Außerdem wird zusammen mit dem Foto fast immer folgender Text gepostet (die deutsche Übersetzung findet ihr im darauffolgenden Absatz):</p>



<p class="wp-block-paragraph">„This is the Buckley Family. The children’s names were Susan and John. As a Halloween joke, all the kids in the neighborhood were going to get a dummy and pretend to chop its head off. The Buckley children thought it would be hilarious to actually murder their mother, so when the kids walked up to the door, they got an axe and slaughtered her. Once everyone figured out what they had really done, they called the police, but the kids were long gone by then. The only picture of them was this photo, taken by a Trick or treater. The mother’s body was later found half eaten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Deutsch:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dies ist die Buckley Familie. Die Namen der Kinder waren Susan und John. Als Halloweenscherz wollten alle Kinder aus der Nachbarschaft eine (Schaufenster-)Puppe organisieren und so tun, als würden sie sie köpfen. Die Buckley-Kinder dachten, es wäre lustig, tatsächlich ihre Mutter zu töten, also nahmen sie eine Axt, als sie zu ihrer Tür gingen und schlachteten sie ab. Als die Leute herausfanden, was sie wirklich getan hatten, riefen sie die Polizei, aber die Kinder waren längst fort. Das einzige Bild von ihnen war dieses Foto, das von einem Süßigkeitensammler gemacht wurde. Der Körper der Mutter wurde später halb-gegessen gefunden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr ist über das angebliche Verbrechen nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der genaue Ort, an dem das Verbrechen begangen worden sein soll, wird nicht näher beschrieben. Man weiß nur, dass es irgendwo in den USA gewesen sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr glaubt (oder gehofft habt), dass das Foto hinter der Buckley Family echt ist, muss ich euch an dieser Stelle enttäuschen. Ich habe zwar nicht herausfinden können, von wann das originale Foto ist und wo es genau herkommt, das aus der urbanen Legende bekannte Bild stammt jedoch von dem Künstler Edward Allen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das originale Bild könnt ihr euch <a href="https://www.changingportraits.com/mmle_page.htm">Hier</a> ansehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Midwestern Matricide“ (englisch für „Muttermord im Mittleren Westen“), wie das Bild mit der geköpften Frau heißt, gehört zu der Reihe „Haunted Memories“ („Heimgesuchte Erinnerungen“), in der Allen alte Fotos bearbeitet und ihnen einen makabren Twist wie Zombies, Vampire, Geister oder eben eine geköpfte Mutter verleiht. Auf dem originalen Bild sind alle drei Personen jedenfalls sehr lebendig und auch von der Axt fehlt jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant finde ich auch, dass Edward Allen viele seiner Bilder – darunter auch „Midwestern Matricide“ – so drucken lässt, dass sie je nach Winkel das Original oder seine bearbeitete Version zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zurück zu der Legende. Ich habe leider nicht herausfinden können, wann oder wie die urbane Legende zu dem Foto entstanden ist. Wahrscheinlich hat jemand „Midwestern Matricide“ gesehen und sich selbst eine kleine Gruselgeschichte dazu ausgedacht, die sich in Form einer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/creepypasta">Creepypasta</a> rasant im Internet verbreitet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den ältesten Beitrag, der das Bild mit der erfundenen Geschichte zeigt, den ich gefunden habe, stammt von 2010. Darin ist die Rede, dass der Verfasser die Creepypasta auf Tumblr gefunden habe. Sie muss also irgendwann zwischen 2006, als Edward Allen das Bild geteilt hat, und 2010 entstanden sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem ein kleiner Fun Fact am Rande: Selbst, wenn das Bild echt wäre, könnte der Text dazu nicht stimmen, da darin von einem „Trick or treater“ die Rede ist, also einer Person, die zu Halloween von Haus zu Haus gezogen ist, um Süßigkeiten – oder der Zeit entsprechend eher Nüsse, Obst und Münzen – zu sammeln. Die Tradition des Trick-or-treatens ist jedoch erst 1898 in Kanada und sogar erst im 20. Jahrhundert in den USA aufgekommen, also über ein Jahrzehnt, nachdem das Bild entstanden sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Buckley Family in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der modernen Popkultur habe ich neben Edward Allens Bild (das er auf seiner Website verkauft) keine Erwähnungen der Buckley Family finden können. Wahrscheinlich war die urbane Legende bisher nicht bekannt genug, um es in die moderne Popkultur geschafft zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Falls ihr irgendeinen Film, ein Buch, eine Serie oder Ähnliches kennt, in der die Buckley Family eine Rolle spielt oder die auch nur eine Hommage an das gruselige Bild enthält, würde ich mich wie immer sehr über einen Kommentar freuen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Buckley Family? Kanntet ihr das Bild oder die urbane Legende dahinter? Und habt ihr die Geschichte zuerst geglaubt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>
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		<title>Killer Clowns in Transit Vans – Die Killerclowns im Ford Transit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Natürlich dachte niemand von uns, dass darin tatsächlich Killerclowns saßen. Und für gewöhnlich sollten wir recht behalten: Wann immer wir jemanden in den Lieferwagen erkennen konnten, waren es gewöhnliche Arbeiter, Handwerker oder Paketboten. Bis eines Tages tatsächlich Clowns in einem der Wagen saßen …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/b653722ee463440ca9768d41e95e3d41" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Killer Clowns in Transit Vans ist eine Legende, die der Welle des Killerclown-Hypes nach der Veröffentlichung von „Stephen Kings Es“ folgte. In diesem Beitrag erfahrt ihr, wovor sich unzählige Kinder in den 1990er Jahren in Glasgow, Schottland gefürchtet haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; explizite Darstellung von körperlicher Gewalt<br>
&#8211; Gewalt gegen Kinder<br>
&#8211; Kindesentführung<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Woher kommen deine Narben? Das ist eine Frage, die mich bereits seit meiner Kindheit begleitete. Ich hasste sie. Hasste es, wenn ich an jenen Tag erinnert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine engsten Freunde, meine Frau und natürlich meine Eltern und Großeltern kannten die Antwort auf diese Frage. Sie wussten, was damals passiert war. Aber nach außen hin hielt ich mich bedeckt. Ich hatte mir einen Job gesucht, bei dem der einzige Kundenkontakt über E-Mails lief, ging nur selten zu irgendwelchen Veranstaltungen und auch meine Hobbys konnte ich ausschließlich von zuhause aus verrichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt: Du solltest dich nicht zurückziehen, nur weil du auffällige Narben hast. Und vielleicht habt ihr recht. Aber für mich waren die Narben nicht nur eine schlechte Erinnerung an meine Kindheit, sie standen auch für das Mobbing, das ich in der Schule durchleiden musste, und für die starrenden Blicke, die ich in der Öffentlichkeit bekam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also lebte ich zurückgezogen. So konnte ich der Frage nach meinen Narben wenigstens im Alltag entkommen. Zumindest, bis unser Sohn geboren wurde. Oder besser, bis er etwa zwei oder drei Jahre alt war und angefangen hatte, mir dieselbe Frage zu stellen: „Woher kommen deine Narben?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher hatte ich die Antwort vage gehalten. „Ich wurde überfallen“, hatte ich gesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber natürlich war mir klar, dass ich ihm die Antwort nicht ewig schuldig bleiben konnte. Was mich zum heutigen Tag führt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war dabei, Rory von der Schule abzuholen – eine Sache, auf die ich seit seiner Einschulung vor sechs Jahren täglich bestanden hatte. Ich wollte nicht, dass er die Viertelstunde bis zu unserem Haus zu Fuß gehen musste. Dafür machte ich sogar eine Ausnahme von meiner mich-aus-der-Öffentlichkeit-zurückziehen-Methode.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so saß ich in meinem Auto und sah den Schülerinnen und Schülern dabei zu, wie sie mit ihren schweren Ranzen aus dem Schulgebäude strömten. Es dauerte nicht lange, bis ich Rory entdeckte. Erst jetzt stieg ich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rory war dabei, sich mit seinem besten Freund Harris zu unterhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und du weißt wirklich nicht, woher die Narben kommen?“, fragte Harris.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich biss die Zähne zusammen. Keine Ahnung, warum sie ausgerechnet jetzt darüber sprachen. Wahrscheinlich, weil er mich immer sah, wenn sie Schulschluss hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rory schüttelte den Kopf. „Nein. Meine Eltern wollen es mir nicht sagen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht war dein Dad früher kriminell. Meine Mama hat gesagt, dass Gangmitglieder oft solche Narben haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Ahnung.“ Rory zuckte mit den Schultern. „Vielleicht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, in dem ich mich räusperte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rory und Harris sahen erschrocken auf. Sie waren wie angewurzelt stehengeblieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„D-Dad!“, stammelte mein Sohn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie an jedem anderen Tag lächelte ich ihn an. „Hey, mein Großer“, sagte ich, während ich ihm den Ranzen abnahm. Dabei sah ich, wie Harris ihm einen entschuldigenden Blick zuwarf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo, Harris“, ergänzte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo, Mr. Morrison“, erwiderte er kleinlaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sollen wir dich mitnehmen?“, bot ich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell schüttelte Harris den Kopf. „Keine Zeit. Muss zum Training“, erwiderte er knapp. „Wir sehen uns morgen, Rory.“ Er ging mit schnellen Schritten davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihm einen Moment kopfschüttelnd nach. Und auch Rory, der bereits eingestiegen war, machte sich auf dem Beifahrersitz ungewöhnlich klein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem auch ich mich gesetzt und die Tür geschlossen hatte, sah ich ihn eindringlich an. Den Motor ließ ich aus. „Glaubst du das wirklich?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rory sah nicht einmal auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Glaubst du, dass dein alter Herr ein Verbrecher ist? Dass ich meine Narben daher habe?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„D-Dad, ich … Also … Ich hab keine Ahnung, woher deine Narben kommen!“, fuhr er mich plötzlich an. „Du redest ja nicht darüber!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte schwer. Ich hatte gefürchtet, dass dieser Tag kommen würde. Also wuschelte ich ihm durch die kurzen Haare. „Ich mach dir keine Vorwürfe“, sagte ich ruhig. „Aber du hast recht: Es ist an der Zeit, dass du erfährst, was mir damals widerfahren ist.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Herbst 1992</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Name ist Craig Morrison. Ich bin acht Jahre alt und wohne in Glasgow. Heute war der Tag, der der schlimmste meines Lebens werden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bestimmt kennt ihr das auch: Im Herbst, genau genommen in der Zeit vor Halloween, werden an den Schulen oft irgendwelche gruseligen Geschichten erzählt. Dieses Jahr waren Horrorclowns sehr beliebt. Sie waren in aller Munde. Angeblich fuhr eine Gruppe von ihnen in einem blauen Lieferwagen durch die Straßen von Glasgow und entführte Schüler, die allein draußen unterwegs waren. Ich glaube, ich kannte niemanden, der nicht irgendwen kannte, dem die Clowns angeblich schon einmal begegnet waren. Merkwürdigerweise nur hatte niemand aus meinem Bekanntenkreis die Clowns je persönlich zu Gesicht bekommen. Es waren immer nur Gerüchte. Wirklich an die Clowns glauben tat jedenfalls niemand von uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn du unzählige Geschichten über gewalttätige Clowns in Transportern hörst, die Schulkinder entführen oder sogar umbringen, bekommst du irgendwann mindestens ein mulmiges Gefühl, wenn dir ein Transporter auf der Straße begegnet. Ehrlich gesagt hatte ich verdammt viel Schiss, wann immer ich einen Lieferwagen sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich dachte niemand von uns, dass darin tatsächlich Killerclowns saßen. Und für gewöhnlich sollten wir recht behalten: Wann immer wir jemanden in den Lieferwagen erkennen konnten, waren es gewöhnliche Arbeiter, Handwerker oder Paketboten. Bis eines Tages tatsächlich Clowns in einem der Wagen saßen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ging durch die Straßen Glasgows. Es war ein ungemütlicher Herbstnachmittag. Es nieselte. Der Wind auf meiner feuchten Haut war kalt und schneidend wie Messer. Außerdem waren zu dieser Zeit die meisten Erwachsenen noch bei der Arbeit, weshalb ich heute fast allein auf der Straße war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein bester Freund Kyle, mit dem ich sonst immer zusammen nach Hause ging, hatte sich mit mir gestritten. Mit einem Stock in der Hand hieb ich auf einen Busch ein, an dem ich vorbeiging. Bunte Blätter rieselten zu Boden, begleitet von dicken Wassertropfen. Ich beachtete sie nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kyle ist so ein Vollidiot!“, schimpfte ich leise vor mich hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn meine Eltern mitbekamen, dass ich heute allein nach Hause ging, würde ich sicher Ärger bekommen. Auch daran wäre Kyle dann schuld. Seit unsere Schule Briefe an unsere Eltern geschickt hatte, in denen stand, dass sie auf uns aufpassen und wir möglichst nur in Gruppen unterwegs sein sollten, waren meine Eltern superempfindlich geworden, was sowas anging. Von Clowns stand natürlich nichts in dem Brief, aber wir alle wussten, dass sie der Grund dafür waren. Nicht einmal unsere Lehrer konnten vor der Welle an Gerüchten ihre Augen verschließen. Wenn sie doch nur bei anderen Themen wie zum Beispiel Mobbing genauso aufmerksam wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich machte mir so meine Gedanken, während ich die fast menschenleeren Straßen entlangschlenderte. Gleichzeitig lauschte ich meinen Schritten auf dem Asphalt. Sie waren leise, wurden ab und an von dem Rauschen des Windes oder dem Regen auf meiner Kapuze übertönt. Aber solange ich nur meine eigenen Schritte hörte, war das für mich ein gutes Zeichen. Die Gegend, durch die ich musste, um nach Hause zu kommen, war nicht gerade für ihren guten Ruf bekannt. Zwar war man vor Einbruch der Dunkelheit relativ sicher – sonst hätten meine Eltern mich nicht hier entlanggehen lassen –, aber das hieß nicht, dass sich hier keine zwielichtigen Gestalten herumtreiben konnten. Drogensüchtige, Dealer, Prostituierte und Menschen, die einem ominös nachstarrten, waren keine Seltenheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute begegnete ich keinem von ihnen. Anscheinend scheuten selbst sie das Wetter. Ich ging lediglich an ein oder zwei Bettlern vorbei, die ihre löchrigen Decken eng um sich geschlungen hatten. Ich beachtete sie nicht weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ansonsten fuhr bloß ab und an ein Auto an mir vorbei. Aber auch ihnen schenkte ich keine Beachtung. Bis ich das Quietschen von Reifen hinter mir hörte. Ich wandte mich um, gerade rechtzeitig, dass ich einen königsblauen Lieferwagen um eine Ecke rasen sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Herz setzte für einen Moment aus. Sofort waren meine Gedanken wieder bei den Clowns. Denn, wie gesagt, nur weil ich nicht wirklich an die Clowns glaubte, hieß das nicht, dass ich in den letzten Wochen keine Angst vor Lieferwagen entwickelt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Lieferwagen sich mit auf der nassen Straße rauschenden Reifen näherte, brachte ich ein parkendes Auto zwischen mich und die Fahrbahn. Ich ging dahinter nicht in Deckung, aber ich fühlte mich wohler, wenn etwas zwischen mir und dem Transporter stand. Jetzt erkannte ich, dass es sich um einen Ford Transit handelte. Nicht, dass ich mich mit Autos sonderlich gut auskannte, aber Kyle hatte mir mal die Unterschiede zwischen den Modellen erklärt, als wir über die Clowns geredet hatten. War das nicht das Modell, in dem die Clowns unterwegs sein sollten? Und auch die königsblaue Farbe passte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber nein. Natürlich war das nur Zufall. Es <em>musste</em> Zufall sein. Und auch, dass der Transit zu rasen aufhörte, allmählich langsamer wurde, während er sich mir näherte, war rein zufällig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die darauffolgenden Sekunden kamen mir wie in Zeitlupe vor. Ich stand noch immer da, beobachtete mit einer Mischung aus Anspannung und Angst den Lieferwagen, der auf der Straße neben mir zum Stehen kam. Dann entdeckte ich das weiß geschminkte Gesicht hinter der Beifahrerscheibe. Die rot geschminkten Lippen malten ein breites Lächeln um seinen Mund und der winzige quietschgelbe Hut mit der blauen Blume auf seinem grünen Afro rundeten das Bild ab. Es war eindeutig ein Clown.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam kurbelte er die Scheibe hinunter. „Hallo, du!“, sagte er. Seine Stimme klang übertrieben fröhlich und fast zu hoch für einen Mann. „Möchtest du einen Bonbon?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort streckte er mir eine behandschuhte Hand entgegen. Darin lag eine in ein kleines buntes Papier gewickelte Süßigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen Moment, bis ich meine Sprache wiedergefunden hatte. „Nein, danke“, sagte ich dann. Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Ich habe keinen Hunger.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kam ein zweiter Clown in mein Sichtfeld. Er saß am Steuer, lehnte sich an dem anderen Clown vorbei, um mich anzusehen. Seine Schminke war das genaue Gegenteil seines Mitfahrers: Die aufgemalten Mundwinkel waren zu einer traurigen Fratze nach unten verzogen. Ich erkannte drei blaue Tränen auf seiner rechten Wange. „Sicher?“, fragte er. Auch er verstellte seine Stimme, als wolle er einen Cartooncharakter vertonen. „Die schmecken wirklich lecker.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Lieferwagen saßen also wirklich mehrere Clowns. Es war ein Lieferwagen voller Clowns!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich habe gehört, dass sie dich bei lebendigem Leibe aufessen, sobald sie dich in den Wagen gezerrt haben!</em>“, hörte ich Kyles Stimme in meinem Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte trocken. Was sollte ich jetzt tun? Würden sie mich in Ruhe lassen, wenn ich wieder ablehnte? Aber wenn es wirklich die Horrorclowns aus den Geschichten waren, gab es nur eine logische Sache, die ich machen konnte: Ich musste fliehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wohin? Ich kannte mich hier nicht aus. Ich hielt mich für gewöhnlich an die Hauptstraße. Auch gab es keine Geschäfte in der unmittelbaren Nähe, in die ich flüchten konnte. Und wenn ich bei einem der Wohnblöcke klingelte, wusste ich nicht, ob mir jemand rechtzeitig öffnen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hastig sah ich nach links und rechts. Zu meiner Rechten war eine Seitenstraße. Wenn ich dorthin rannte, mussten die Clowns wenden oder zumindest rückwärts fahren. Damit gewann ich hoffentlich etwas Zeit! Also sprintete ich los. Meine Schuhe klatschten auf den nassen Gehweg. Meine Kapuze flog mir vom Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Ford Transit schrie einer der Clowns auf. Es war ein hohes Kreischen, wie das eines Kindes. „Da! Er flieht!“, erklärte er das Offensichtliche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment heulte der Motor auf. Ein Blick über die Schulter verriet mir, dass der Transporter rückwärts fuhr. Das Heulen wurde zu einem regelmäßigen Brummen. Verdammt! Der Wagen fuhr schneller, als ich gedacht hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück war ich trotzdem schnell genug. Ich stürmte um die Ecke. Wie erwartet war die Straße auch hier wie leergefegt. Außerdem gab es keine Parkmöglichkeiten mehr am Straßenrand, keine Autos, hinter denen ich mich verstecken konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen fiel mein Blick auf ein Schild an einem der Häuser. Eine Kneipe! Ohne an Geschwindigkeit zu verlieren, sprintete ich weiter zur Tür. Sofort rüttelte ich daran. Mist! Verschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilfe!“, schrie ich. Ich hämmerte mit den Händen an die Tür. „Hiiiilfe!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich hatte keine Zeit, auf eine Reaktion zu warten. Das Heulen des Motors hinter mir verriet, dass die Clowns die Straße erreicht hatten. Der Lieferwagen fuhr rückwärts an der Abbiegung vorbei, um im nächsten Moment wieder vorwärts auf mich zuzurasen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also rannte ich weiter. Ein kurzes Stück die Straße runter führte eine Gasse nach rechts. Ich wusste nicht, ob sie in eine Sackgasse führte, aber was blieb mir anderes übrig?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war keine Sackgasse. Ich hoffte, dass sie zu schmal für den Lieferwagen waren, dass die Clowns mir nicht in ihrem Auto folgen konnten. Meine Schuhe platschten durch die Pfützen, während ich rannte. Die Wände um mich waren fensterlos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür konnte ich am Ende der Gasse Autos sehen. Sie standen auf einem asphaltierten Platz – wahrscheinlich ein Parkplatz. Wenn ich Glück hatte, waren dort Menschen oder zumindest irgendein Laden, in den ich fliehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf halbem Weg wagte ich einen Blick nach hinten. Ich stockte. Die Gasse war leer. Am Ende konnte ich die Straße und das Haus auf der gegenüberliegenden Seite erkennen. Aber da war kein Lieferwagen. Keine Clowns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hatten sie aufgegeben? Darauf konnte ich mich nicht verlassen, also rannte ich weiter, hatte das andere Ende der Gasse fast erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da plötzlich rollte ein Auto vor den Durchgang. Es war der blaue Lieferwagen. Er musste um den Häuserblock herumgefahren sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die fensterlose Seitentür stand offen. Darin stand ein dritter Clown, der mich jetzt direkt ansah. Er war hochgewachsen und dünn. Die bunte Kleidung wirkte viel zu groß für seinen Körper, während er gebückt dastand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo willst du denn hin?“, fragte er. Seine Stimme war kratzig, ganz anders als die der beiden anderen. Es klang, als müsse er gleich husten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für eine schreckliche Sekunde passierte gar nichts. Ich starrte ihn bloß mit großen Augen an, während er meinen Blick mit seinen je von einem blau geschminkten Stern umrandeten Augen erwiderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir setzten uns gleichzeitig in Bewegung. Ich machte auf dem Absatz kehrt, während er aus dem Auto sprang, um mir nachzusprinten. Als Kind hatte ich keine Chance gegen einen Erwachsenen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilfe! Hi-“, schrie ich. Aber ich konnte den zweiten Hilferuf nicht einmal beenden, da wurde ich von hinten an der Jacke gepackt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Clown riss mich an sich, drückte mir einen nach Zigaretten stinkenden Handschuh ins Gesicht. „Schhhh!“, flüsterte er mir zu. „Keine Angst. Wir wollen nur ein bisschen Spaß haben!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Erinnerungen an das, was darauf folgte, waren ziemlich verschwommen. Wahrscheinlich hatte ich das meiste verdrängt. Aber ich weiß noch, wie er mich in den Transporter gezerrt hatte. Am Anfang hatte ich mich noch gewehrt, aber der stinkende Clown hatte mir so lange mit der Faust ins Gesicht geschlagen, bis ich benommen liegenblieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem nächsten Erinnerungsfetzen lag ich auf dem Rücken im Wagen. Die Clowns mussten irgendwo gehalten haben, zumindest hielten der traurige Clown und der stinkende Clown meine Arme fest, während der fröhliche Clown mit einem Messer über mir stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er ist so schön jung!“, sagte der traurige Clown begeistert. „Seine Haut ist so weich! So unberührt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das war es jetzt</em>, dachte ich. <em>Kyle hatte recht. Die Clowns würden mich essen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da beugte sich der fröhliche Clown auch schon vor. Sein Kopf war unangenehm nah an meinem Gesicht. Ich roch seinen stinkenden Atem, während er mit seiner übertrieben hohen Stimme kicherte. „Keine Angst“, sagte er. „Wir sind Clowns. Wir lieben es, Kinder zum Lachen zu bringen. Also: Zeig uns dein schönstes Lächeln!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment setzte er das Messer an meinem Mundwinkel an und zog es mit einem langen Schnitt bis zu meinem Ohr.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geistesabwesend fuhr ich mit meiner Hand die Narben nach, während ich neben Rory im Auto saß. Die Clowns hatten mir ein Glasgow Grin verpasst, also einen Schnitt in beiden Wangen, der meinen Mund zu einem permanenten Lächeln verzerrte. Danach hatten sie mich irgendwo außerhalb der Stadt im Wald abgeladen, wo mich ein Spaziergänger durchnässt und völlig unterkühlt gefunden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rory schwieg. Natürlich hatte ich ihm nicht alle Details verraten, sondern nur das Nötigste. Erst hatte ich gedacht, er glaubt mir nicht, aber irgendetwas in meinem Blick musste ihm gezeigt haben, dass ich die Wahrheit sagte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Von den Clowns habe ich auch schon gehört“, erklärte er dann leise. „Angeblich sollen sie manchmal immer noch durch die Straßen fahren.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn einen Moment schweigend an, ehe ich den Kopf schüttelte. „Du brauchst keine Angst haben. Ich denke nicht, dass heutzutage noch irgendwelche Clowns in einem Lieferwagen unterwegs sind“, sagte ich. Andererseits hatte ich das früher auch gedacht. Damals, als es um mein eigenes Leben ging. Was ich davon hatte, konnte ich jeden Tag im Spiegel in meinem Gesicht erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Sache stand für mich jedenfalls fest: Solange mein Sohn sich nicht darüber beschwerte, würde ich ihn von der Schule abholen. Jeden Tag. Nicht ein einziges Mal sollte er allein nach Hause gehen müssen.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Killer Clowns in Transit Vans“, auch „Killer Clowns in Transit Vans in Glasgow“ oder „Killer Clowns in Transit Vans in Scottland“ genannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus Schottland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie der Name bereits andeutet, handelt es sich um eine angebliche Gruppe von <a href="https://www.geister-und-legenden.de/horrorclowns">Killerclowns</a>, die in den 1990er Jahren in einem oder mehreren Ford Transits durch die Straßen von Glasgow gefahren sein sollen, um Kinder zu entführen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Täter sollen mehrere als Clowns verkleidete Erwachsene gewesen sein, die in einem meist königsblauen Ford Transit durch die Straßen und Gassen von Glasgow gefahren seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Versionen war der Ford Transit auch weiß. Außerdem ist oft unklar, ob es sich lediglich um eine Gruppe Clowns in einem Fahrzeug oder mehrere Gruppen in mehreren Fahrzeugen gehandelt haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr Details gibt es kaum über die Täter, außer, dass sie in einigen Erzählungen angeblich aus einer Nervenheilanstalt entflohen seien.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ablauf der Entführungen durch die Clowns war in den meisten Versionen sehr ähnlich. Es kam aber häufig vor, dass kleinere Details verändert oder hinzugedichtet wurden, um die Geschichte möglichst gruselig zu gestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, die Clowns seien Anfang der 1990er Jahre in ihren Vans durch Glasgow gefahren und haben versucht, Schulkinder zu entführen. Oft soll dies auf dem Nachhauseweg oder wenn die Kinder abends noch unterwegs waren, geschehen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Clowns die Kinder entführt haben, kann sich hingegen unterscheiden. Während sie oft ausgestiegen sind, um ihr Opfer ins Auto zu zerren, sollen sie sie andere Male mit Süßigkeiten oder Spielzeug angelockt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sie mit den Kindern gemacht haben, ist ebenfalls nicht eindeutig. Manchmal sollen die Clowns in ihrer Vorgehensweise sogar gewechselt haben, sodass man nie wusste, was auf einen zukommt. So sollen die Clowns die Kinder zum Beispiel getötet oder gegessen haben. Manchmal heißt es auch bloß, dass sie nie wieder gesehen wurden. Besonders häufig findet man im Netz hingegen die Version, dass die Clowns ihren Opfern ein breites Lächeln ins Gesicht geschnitten und sie zurück auf die Straße geworfen haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gerüchte über die Killer Clowns in Transit Vans gab es hauptsächlich zwischen 1991 und 1993 in Glasgow, wo die Legende am verbreitetsten war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch in anderen Teilen Schottlands und dem Vereinigten Königreich gab es ähnliche Gerüchte, wenn auch meist nicht im selben Umfang.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ursprung der Killer Clowns in Transit Vans Legende ist nicht bloß ein Ereignis, sondern eine Kombination aus mehreren Dingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Leute vermuten, dass der zweiteilige Fernsehhorrorfilm „Steven Kings Es“ von 1990 <em>der</em> Ursprung der Killerclownlegende war. Manchmal wird in dem Zusammenhang auch die Sci-Fi-Horror-Komödie „Killer Klowns from Outer Space“ von 1988 genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel wahrscheinlicher ist hingegen eine Kombination der beiden Filme, die eine regelrechte Welle an Coulrophobie, also der Angst vor Clowns, ausgelöst haben, und der schottischen Kriminalkomödie „Die Touristenfalle“ (1985). In Letzterem geht es um zwei Männer, die maskiert Touristen überfallen. Einer der beiden trägt dabei eine Clownsmaske.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll ein realer Mordfall aus Glasgow, der Mord der 10-jährigen Christine Lee, die 1990 auf dem Weg von ihrer Oma nach Hause vergewaltigt und ermordet wurde, die Legende inspiriert haben. Sie diente u. a. als Warnung, dass die Kinder nicht mit Fremden reden und nicht alleine nach Hause gehen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem die Legende aufgekommen war, wurde sie hauptsächlich an Schulen erzählt und hat sich so rasant verbreitet. Einige Schulkinder sollen sich wohl einen Spaß daraus gemacht haben, die urbane Legende zu erzählen. Ich habe einen Kommentar im Netz gelesen, dass es in einigen Freundesgruppen sogar eine Art Wettbewerb gab, wer sich die gruseligste Version der Geschichte ausdenken konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich wussten die meisten Zeitzeugen zwar bereits damals, dass an den Horrorclowns nichts dran war, trotzdem berichten viele, dass sie Angst gehabt hatten – besonders, wenn sie einen Transporter gesehen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ganze ging so weit, dass viele Schulen Briefe an die Eltern geschickt und teilweise sogar Notfallversammlungen einberufen haben, in denen sie davor gewarnt haben, mit Fremden zu reden, und die Kinder gebeten haben, immer mindestens zu zweit durch die Straßen zu gehen. Ironischerweise sollen genau diese „offiziellen“ Warnungen der Erwachsenen dazu geführt haben, dass die Angst vor, aber auch das Interesse an den Killer Clowns in Transit Vans gestiegen ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Killer Clowns in Transit Vans in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Kinder der frühen 1990er Jahre in Glasgow sind die Killer Clowns in Transit Vans fester Bestandteil ihrer Jugend und der Glasgower Kultur. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die vanfahrenden Clowns es auch in die Popkultur geschafft haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So spielen sie eine zentrale Rolle in der schottischen Comicbuchreihe „Sink“ von John Lees. Die Comics haben mich persönlich sehr gut unterhalten, weshalb ich sie euch empfehlen kann, wenn ihr englischsprachige Horrorcomics mögt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem handelt der Kriminalroman „Killer Clowns in Glasgow (the truth behind the myth)“ von P. K. Stein, eine fiktive Handlung, die stark durch den Mordfall Christine Lee inspiriert wurde, von den mörderischen Clowns. Bei dieser Geschichte möchte ich euch jedoch vorwarnen: Ich habe sie zwar nicht selbst gelesen, aber auch wenn die Handlung an sich spannend sein soll, ist die Geschichte den Bewertungen zufolge nicht sonderlich gut geschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Killer Clowns in Transit Vans? Wie hättet ihr reagiert, wenn ihr in der Schule von der Legende erfahren hättet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Interaktive Geschichte – Das Pfeifer-Haus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Oct 2025 17:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Endlich ist es soweit: Rechtzeitig zu Halloween ist die zweite Interaktive Geschichte von mir endlich fertig. Wie auch letztes Mal möchte ich an dieser Stelle um Rückmeldungen bitten, da interaktive Geschichten für mich immer noch sehr neu sind. Was hat euch gefallen? Was hat euch nicht gefallen oder sogar gestört? Schreibt mir also gerne einen &#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/interaktive-geschichte-das-pfeifer-haus">Interaktive Geschichte – Das Pfeifer-Haus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Endlich ist es soweit: Rechtzeitig zu Halloween ist die zweite Interaktive Geschichte von mir endlich fertig. Wie auch letztes Mal möchte ich an dieser Stelle um Rückmeldungen bitten, da interaktive Geschichten für mich immer noch sehr neu sind. Was hat euch gefallen? Was hat euch nicht gefallen oder sogar gestört?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schreibt mir also gerne einen Kommentar, solltet ihr Kritik, Anmerkungen oder sonst etwas auf dem Herzen haben. Außerdem würde mich wieder wahnsinnig interessieren, welches Ende (oder welche Tode, falls ihr auf dem Weg zum ersten Ende sterbt) ihr zuerst erreicht habt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt aber viel Spaß beim Gruseln!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solltet euch die Darstellung unten nicht gefallen (besonders am PC ist es dank der Seitenleiste etwas eng), könnt ihr die Geschichte auch über den folgenden Link spielen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2025/10/Interaktive-Geschichte-–-Spuk-im-Pfeifer-Haus-1.html">Interaktive Geschichte in einem separaten Tab spielen</a></p>


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<div><iframe id="my_iframe" src="/wp-content/uploads/embed-twine/Interaktive-Geschichte-–-Spuk-im-Pfeifer-Haus.html" scrolling="yes" width="100%"></iframe></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


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		<title>Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f553b64606004ffa887facbe453f3bcc" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Hitori Kakurenbo ist ein japanisches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale">Ritual</a>, das besonders in der Zeit vor <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween">Halloween</a> sehr beliebt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann wollen wir mal“, murmelte ich. Ich nahm das Messer und stach dem Teddy damit in den Bauch. Es war schwieriger, als ich gedacht hätte. Der alte Stoff war ziemlich stabil. Trotzdem hatte der Teddy bald einen gut fünf Zentimeter langen Schnitt im Bauch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort machte ich mich daran, die Watte aus seinem Körper zu ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du’s?“, hörte ich Leonies Stimme aus meinem Smartphone. Wir kannten einander von der Arbeit. Unsere Kollegen spekulierten oft, ob wir zusammen seien, aber in Wirklichkeit war sie bloß meine beste Freundin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau wie ich war sie ein Horrorfan. Eigentlich feierten wir Halloween immer zusammen. Es war jedoch das Jahr 2020. Corona hatte uns einen dicken Strich durch unsere Feiertagspläne gemacht. Also hatten wir entschieden, uns an diesem 31. Oktober lediglich telefonisch zu treffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So hatten wir bereits einige Stunden gequatscht, zwei Horrorfilme zusammen geschaut und jede Menge rumgealbert. Das Hauptevent des Abends stand uns aber noch bevor. Wir wollten zusammen das japanische Ritual Hitori Kakurenbo durchführen – „allein Versteckspielen“, wie es auf Deutsch übersetzt heißt. Und dafür brauchte man ein Stofftier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Teddy vor mir wirkte jetzt, wo er keine Watte mehr im Körper hatte, noch kläglicher als ohnehin schon. Sein Stoff war fleckig und abgenutzt, ihm fehlte ein Auge und nun sah er auch noch aus wie ein Ballon, aus dem man die Luft gelassen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So. Ich füll jetzt den Reis in meinen Teddy“, erklärte ich Leonie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin schon dabei, meine Puppe wieder zuzunähen“, erwiderte sie, als sei es ein Wettrennen. Sie hatte sich für eine billige Stoffpuppe entschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du musstest auch keine Watte aus den Ohren pulen“, konterte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach schwiegen wir wieder konzentriert, während sie ihre Puppe zusammennähte und ich meinen Teddy mit dem ungekochten Reis füllte. Jetzt fehlte nur noch eine Zutat. Ich griff nach dem Toilettenpapier, auf das ich meine frisch geschnittenen Fingernägel gelegt hatte. Ich kippte sie zu dem Reis. Das Stofftier brauchte einen Teil der Person, die das Ritual durchführen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes nahm ich die Nadel mit dem roten Faden, die ich bereits vorbereitet hatte. Man musste das Stofftier mit einem roten Faden vernähen und anschließend mit dem restlichen Faden umwickeln. Ich machte mich sofort an die Arbeit. Zugegeben, ich war kein Nähmeister – die Stiche waren alles andere als gleichmäßig, aber sie schienen zu halten. Also wickelte ich den restlichen Faden um den dünnen braunen Körper, ehe ich ihn festknotete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Okay. Ich bin fertig“, erklärte ich. „Bei dir alles klar?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jap. Annabelle ist einsatzbereit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir entfuhr ein Lacher. „Annabelle? Ernsthaft?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja. Ich dachte, der Name passt zu einer besessenen Puppe. Wieso? Wie hast du deinen Teddy genannt?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grinste. „Herr von und zu Flausch“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt musste auch Leonie lachen. „O Mann, Dom, du bist echt bescheuert“, neckte sie mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Grinsen wurde breiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wurde sie wieder ernst. „Als Nächstes müssen wir das Salzwasser vorbereiten und in unser Versteck stellen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte – auch wenn sie das natürlich nicht sehen konnte –, ehe ich in die Küche ging. Dort füllte ich einige Teelöffel Salz in eine Flasche mit warmem Wasser, drehte den Deckel zu und schüttelte sie. Von Leonie hörte ich das Rühren eines Löffels in einem Glas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir fertig waren, brachte ich die Flasche ins Schlafzimmer. Zugegeben, der Wandschrank war nicht unbedingt das beste Versteck, aber ich ging ja auch nicht davon aus, dass <em>wirklich</em> etwas passieren würde.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>03:00 Uhr</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du dein Handy auf stumm gestellt?“, fragte Leonie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Jap. Du hoffentlich auch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Klar. Also dann. Wir hören uns, wenn wir im Versteck sind. Bis gleich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bis gleich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Moment brach die Verbindung ab. Leonie hatte aufgelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete einmal tief durch. „Also dann“, wiederholte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl schon den ganzen Abend niemand außer mir im Haus war, fühlte ich mich jetzt zum ersten Mal allein. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich würde es vor Leonie niemals zugeben, aber jetzt, wo es wirklich ernst wurde, war mir tatsächlich etwas mulmig zu Mute. Trotzdem würde ich sie nicht mit dem Ritual allein lassen. Also griff ich nach Herrn von und zu Flausch. Ich betrachtete sein entstelltes Gesicht, während ich ihn in die gefüllte Badewanne legte. Das Wasser war kalt. Erneutes Durchatmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Saisho no Oni wa Dominik da kara“, sagte ich laut: Weil Dominik zuerst der Oni ist. Ich hatte die japanischen Sprüche für das Ritual extra auswendig gelernt, falls sie auf Deutsch nicht funktionierten. „Saisho no Oni wa Dominik da kara“, wiederholte ich. Und ein drittes Mal: „Saisho no Oni wa Dominik da kara.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin drehte ich mich um, ging durch den Flur und schaltete die Lichter aus. Anschließend machte ich den Fernseher im Wohnzimmer an. Sofort wurde ich von einem lauten Rauschen begrüßt. Aber so musste das sein, wenn ich das Ritual genau befolgen wollte. Nun schaltete ich auch das Licht im Wohnzimmer aus. Die einzigen Lichter im gesamten Haus waren jetzt der rauschende Fernseher und meine Handytaschenlampe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schloss die Augen und zählte laut bis zehn: „Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Sechs. Sieben. Acht. Neun. Zehn. Ich komme!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell ging ich zurück zum Badezimmer. Ich stieß die Tür auf, leuchtete mit dem Handy zur Wanne und ging darauf zu. Der Teddy war auf den Grund gesunken, weshalb ich den Ärmel hochkrempeln musste, ehe ich das tropfende Teil aus dem kalten Wasser zog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kam der nächste Part. „Mitsuketa!“, rief ich lauter als beabsichtigt: Ich habe dich gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“, rief ich. Als Nächstes ist Herr von und zu Flausch der Oni. „Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni! Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete schwer. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wasser lief geräuschvoll aus dem Teddy in die Wanne. Ansonsten war es völlig still.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment war ich wie erstarrt. Dann warf ich das Stofftier zurück in die Wanne, ließ das Messer klappernd auf die Fliesen fallen und rannte auf meinen Socken aus dem Badezimmer. Ich sprintete weiter ins Schlafzimmer, ehe ich mich in den Wandschrank stürzte und die Tür hinter mir zuschob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Atem ging noch immer ungewöhnlich schnell. Ich blieb einige Sekunden völlig regungslos, ehe ich bemerkte, dass meine Handytaschenlampe noch immer an war. Mit unruhigen Fingern schaltete ich das Display ein, wischte hektisch zur Taschenlampenfunktion und schaltete sie ab. Scheiße! Wieso war ich so nervös? Es war doch nur ein Spiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war es völlig dunkel um mich herum. Ich achtete auf jedes Geräusch. Aber abgesehen von dem statischen Rauschen des Fernsehers in der Ferne war da nur noch mein leiser Atem. Langsam beruhigte ich mich wieder. Alles war in Ordnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich leuchtete mein Handydisplay auf. Ich zuckte zusammen. Leonie rief an. Sofort tippte ich auf den grünen Hörer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey“, flüsterte Leonie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hi“, flüsterte ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na? Wie siehts bei dir aus?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin in meinem Versteck.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich auch.“ An ihrer Aussprache konnte ich hören, wie sie grinste. Wie konnte sie nur immer so cool bleiben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also? Was meinst du?“, fragte ich. „Wie lange müssen wir warten, bis etwas passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leonie schien einen Moment zu überlegen. „Weiß nicht. Aber das Spiel darf maximal zwei Stunden dauern. Zuuu lange sollte es also nicht sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt musste auch ich grinsen. „Wir sollten also lieber hoffen, dass Annabelle und Herr von und zu Flausch von der langsamen Sorte sind. Wenn ich zwei Stunden hätte, um das ganze Haus zu durchsuchen, würde ich mich locker finden. Ich hock im Wandschrank. Wo hast du dich versteckt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte ein belustigtes Schnaufen. „Hinter dem Sofa.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wow. Leonie war ja noch unkreativer bei ihrer Versteckwahl gewesen als ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hockten noch eine Weile in unseren Verstecken und alberten im Flüsterton herum, während alles ruhig zu bleiben schien. Dann plötzlich brach Leonie jedoch mitten im Satz ab und sagte leise: „Schh! Ich glaub, da war was!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angespanntes Schweigen. Bei mir im Haus war alles still. Trotzdem traute ich mich nicht, als erster etwas zu sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße! Auf dem Flur ist irgendetwas!“, flüsterte Leonie. Ihre Stimme war jetzt so leise, dass ich sie kaum hören konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meinte sie das ernst? War es vielleicht nur Einbildung? Oder wollte sie mich ärgern?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment hörte ich etwas, das sich nach einem umfallenden Wasserglas anhörte, das kurz darauf über Parkettboden rollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße!“, wiederholte Leonie lauter. Diesmal lag eindeutig Panik in ihrer Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz meinte ich, eine andere Person durch den Lautsprecher zu hören: „Mitsuketa!“ Es war einer der Sprüche, die ich auswendig gelernt hatte. Ich habe dich gefunden. Vorhin hatte ich es noch selbst zu Herrn von und zu Flausch gesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann brach am anderen Ende der Leitung Chaos aus. „Nein!“ Leonie entfuhr ein spitzer Aufschrei. Es folgte das Rascheln von Kleidung, panische bis schmerzerfüllte Rufe von Leonie und schließlich ein dumpfer Aufprall. Dann war wieder alles Still.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Leonie?“, fragte ich. Kurz vergaß ich zu flüstern. „Leonie?“, wiederholte ich dann wieder leiser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es kam keine Antwort. Stattdessen war der Anruf plötzlich beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn das ein Scherz war, ging Leonie definitiv zu weit! Schnell wählte ich sie wieder in meinen Kontakten aus. Es klingelte. Und klingelte. Und klingelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey, hier ist Leonie Siemens. Leider kann ich gerade nicht ans Telefon gehen. Versuchen Sie es später noch einmal oder hinterlassen Sie mir eine Nachricht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell versuchte ich es erneut. Aber wieder nichts. Als ich sie gerade ein drittes Mal anrufen wollte, hörte ich jedoch selbst etwas in meinem Haus. Das statische Rauschen klang irgendwie anders. „Dominik.“ Hatte es gerade meinen Namen gerauscht? Aber nein, das musste ich mir einbilden. „Dominik, Dominik, Dominik.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich unterdrückte den Drang, mir die Ohren zuzuhalten. War das gerade eine Tür gewesen? Wahrscheinlich waren es nur die Nerven, die mit mir durchgingen. Andererseits hatte ich nicht vor, ein Risiko einzugehen. Ich griff nach der Flasche mit dem Salzwasser, drehte sie auf und nahm ein wenig der Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort verzog ich das Gesicht. Ich hatte es mit dem Salz wirklich <em>sehr</em> gut gemeint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem: Wenn man der Anleitung im Internet glauben durfte, sollte ich jetzt vor dem Geist oder Dämon in Sicherheit sein, der Herrn von und zu Flausch besetzt haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast kam ich mir albern vor, während ich die Schranktür aufschob, das Salzwasser im Mund. Aber Leonie war nicht der Typ für solche geschmacklosen Scherze. Auch nicht an Halloween. Ich nahm das Ganze also gerade sehr ernst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf leisen Sohlen schlich ich, die Handytaschenlampe in der einen Hand, die Flasche mit Salzwasser in der anderen, Richtung Badezimmer. Gegen das Licht der Taschenlampe konnte ich wenig tun – ansonsten würde ich wohl überall gegenlaufen. Außerdem wollte ich gerade nicht in völliger Dunkelheit sein. Aber ich war froh, dass ich sämtliche Türen offengelassen hatte. So konnte ich mich wenigstens geräuschlos durch das Haus bewegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz vorm Badezimmer trat ich mit der Socke in etwas Nasses. Ich erstarrte. Vom Badezimmer zog sich eine Pfütze den Flur entlang. Wo kam das Wasser her?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell betrat ich das Badezimmer. Ich leuchtete zur Wanne. Herr von und zu Flausch war weg. Abgesehen vom Wasser und einigen Reiskörnern war die Badewanne leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt setzte in mir Panik ein. Bis eben konnte ich mir noch einreden, dass es eine andere Erklärung für die seltsamen Phänomene gab. Aber ein Stofftier konnte nicht einfach von selbst aus einer Badewanne verschwinden. Zumindest nicht, ohne von einem Geist oder Dämon besessen zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wasser schwappte in meinem Mund hin und her, während ich mich hektisch umsah. Aber natürlich war Herr von&nbsp;und zu Flausch nicht mehr im Badezimmer. Also ging ich weiter in den Flur. Ich musste ihn schnellstens mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, um das Ritual zu beenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich folgte der Spur aus Wasser. Bei näherer Betrachtung sah ich in unregelmäßigen Abständen Reiskörner darin liegen. Herr von und zu Flausch musste einiges an Strecke zurückgelegt haben. Die feuchte Spur führte ins Arbeitszimmer, von dort aus zurück in den Flur, ehe sie schließlich in der Küche so schwach wurde, dass man sie kaum noch erkennen konnte. Bisher hatte ich den Teddy jedenfalls nirgends gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gerunzelter Stirn trat ich zurück in den Flur. Wo konnte er sein? Im Schlafzimmer war er eben jedenfalls noch nicht gewesen. Wenn er also nicht in den Keller gegangen war, blieb nur noch das Wohnzimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spähte zu der offenen Tür. Noch immer hörte ich deutlich das Rauschen des Fernsehers. Zum Glück konnte ich jetzt keine Stimmen mehr darin hören. Mit leisen Schritten ging ich darauf zu. Als ich nahe genug war, schaltete ich vorsichtshalber sogar die Taschenlampe aus und steckte das Handy weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Fernsehbild warf ein schwach flackerndes Licht ins Wohnzimmer. Und direkt davor auf dem Teppich stand eine kleine Gestalt. Herr von und zu Flausch stand auf beiden Beinen, das kleine Küchenmesser am Ende seines linken Arms, wo es auf übernatürliche Weise festhielt. Ich hatte ihn gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment zögerte ich. Dann nahm ich all meinen Mut zusammen und ging auf das Ding zu. Dabei spürte ich, wie mein Magen sich zusammenkrampfte. Alles in mir schrie danach, mich von dem Teddy fernzuhalten. Aber das durfte ich nicht. Ich musste das Ritual beenden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war unmöglich, zu sagen, ob er mich bemerkt hatte. Ich hatte keine Ahnung, wie genau mich das Salzwasser in meinem Mund vor ihm schützen würde. Im Moment stand er jedenfalls völlig reglos da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„DOMINIK!“, schrie plötzlich eine Stimme aus dem Fernseher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stolperte erschrocken zurück, verschluckte mich an dem Salzwasser und … schluckte es versehentlich hinunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit geweiteten Augen starrte ich nun den Teddy an. Noch hatte er sich nicht bewegt. Also griff ich langsam nach dem Deckel der Salzwasserflasche, um sie aufzudrehen. Sobald sich meine Hand jedoch bewegte, brach die Hölle los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mitsuketa!“, schrie plötzlich eine zierliche Stimme. Gleichzeitig setzte sich Herr von und zu Flausch in Bewegung. Er rannte auf mich zu, sprang in die Luft und schnitt mir mit dem Messer ins Schienbein. Das wiederum sorgte dafür, dass ich noch weiter zurückwich. Ich stolperte, kam ins Straucheln und fiel rücklings zu Boden. Mein Kopf knallte auf das Parkett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich gab mir keinen Moment, mich zu erholen. Obwohl sich alles drehte, griff ich wieder nach der Flasche, die ich noch immer in der Hand hielt. Zum Glück hatte ich sie noch nicht aufdrehen können, sodass sie nicht ausgelaufen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch Herr von und zu Flausch zögerte keine Sekunde. Er rannte weiter auf mich zu, sprang auf mein linkes Bein und lief darauf entlang. Dabei hackte er wie in Raserei um sich. Schmerz zuckte durch mein Bein und ich spürte, wie sich die Hose schnell mit einer warmen Flüssigkeit vollsog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück arbeitete mein Hirn auf Hochtouren. Statt zu versuchen, den wahnsinnigen Teddy abzuwehren, drehte ich die Flasche auf. Ich führte sie an die Lippen und nahm einen Schwall der salzigen Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Herr von und zu Flausch hatte inzwischen meinen Bauch erreicht. Mit der Spitze nach unten hob er das Messer und … erstarrte. In dem Moment, wo ich das Salzwasser im Mund hatte, hörte er auf, sich zu bewegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete schwer, musste den Drang unterdrücken, zu schlucken. Stattdessen rappelte ich mich auf, schlug den Teddy von mir, als wäre er eine große Spinne – natürlich darauf bedacht, nicht ins Messer zu fassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er flog einen halben Meter durch den Raum und landete auf dem Rücken, das Messer noch immer über den Kopf erhoben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort schüttete ich die restliche Flüssigkeit aus der Flasche über ihn. Das Stofftier wurde schlaff, ließ sogar das Messer fallen. Zu guter Letzt bespuckte ich ihn mit der Flüssigkeit aus meinem Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Watashi no Kachi!“, rief ich. Ich gewinne. „Watashi no Kachi! Watashi no Kachi!“ Aber ich fühlte mich nicht, als hätte ich gewonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn der Teddy sich daraufhin nicht mehr bewegte, nahm ich ihn und legte ihn in eine Bratpfanne. Ich übergoss ihn mit Brandbeschleuniger und zündete ihn an. Ich sah dabei zu, wie sein kleiner unscheinbarer Körper von den Flammen zerfressen wurde. Erst, als er fast nur noch aus Asche bestand, löschte ich die Glut und kümmerte mich um meine Wunden. Es waren viele, aber zum Glück waren sie nicht sonderlich tief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei wählte ich wieder und wieder Leonies Nummer in meinem Smartphone aus. Sie ging nicht ran. Aber ich wusste bereits, was passiert war. Annabelle hatte sie getötet. Ein Verdacht, der sich bereits am nächsten Tag bestätigte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das war noch nicht alles: Von Annabelle, der Mörderin meiner besten Freundin, fehlte jede Spur.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hitori Kakurenbo (ひとりかくれんぼ, Japanisch für „eine Person Versteckspiel“ oder „allein Versteckspielen“), im westlichen Raum auch unter der englischen Übersetzung „Hide and Seek Alone“ bekannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus Japan. Dabei handelt es sich um ein Ritual, bei dem eine Stoffpuppe oder ein Stofftier von einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> oder einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämon</a> besessen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ritual ist auch in Korea sehr beliebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Anleitung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbereitung:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Du benötigst:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>eine Puppe aus Stoff oder ein Stofftier mit Gliedmaßen</li>



<li>ungekochten Reis</li>



<li>eine Nadel und roten Faden</li>



<li>einen spitzen Gegenstand <em>(es wird empfohlen, einen Bleistift, eine Nadel oder einen Zahnstocher zu nehmen, auch wenn du theoretisch auch ein Messer oder eine Schere nehmen kannst)</em></li>



<li>abgeschnittene Finger- oder Fußnägel von dir selbst (<em>es sind auch andere körpereigene Materialien wie Haare, Blut oder Hautschuppen möglich, aber damit soll das Ritual gefährlicher werden)</em></li>



<li>ein Glas oder eine Flasche mit Salzwasser</li>



<li>eine mit Wasser gefüllte Badewanne oder ein gefülltes Waschbecken (<em>darüber, ob auch ein gefüllter Eimer oder eine Wäscheschüssel funktionieren, habe ich geteilte Meinungen gelesen</em>)</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst musst du dem Stofftier einen Namen geben, falls es noch keinen hat. Ich würde allerdings davon abraten, ein Stofftier zu nehmen, an dem dir etwas liegt, da man das Stofftier nach dem Ritual vernichten muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schneide das Stofftier auf, entferne die Watte und ersetze sie vollständig mit dem ungekochten Reis. Leg die Finger- oder Fußnägel (oder für was auch immer du dich sonst entschieden hast) hinein und vernähe den Schnitt mit dem roten Faden. Wickel den restlichen roten Faden um das Stofftier und knote ihn zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun solltest du dich für ein Versteck entscheiden. Ich empfehle, dass du dort auch bereits das Glas oder die Flasche mit dem Salzwasser deponierst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ablauf:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ritual beginnt um 3 Uhr morgens. Nimm das Stofftier und sag zu ihm dreimal: „最初の鬼は(dein Name)だから“ („Saisho no Oni wa <em>dein Name</em> da kara“, auf Deutsch etwa: „Weil <em>dein Name</em> der erste Oni ist.“ – In Japan werden die Suchenden beim Versteckspielen als „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni</a>“ bezeichnet.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach musst du mit dem Stofftier ins Badezimmer gehen und es in die gefüllte Wanne (oder das gefüllte Waschbecken) legen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schalte nun alle Lichter im Haus aus und den Fernseher ein. Der Fernseher darf allerdings kein Programm anzeigen (im besten Fall sollte er Bildrauschen darstellen).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du damit fertig bist, schließe die Augen und zähle bis zehn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt musst du ins Badezimmer gehen und mit dem spitzen Gegenstand auf das Stofftier in der Wanne einstechen, während du sagst: „見つけた“ („Mitsuketa“, „Ich habe dich gefunden“). Anschließend musst du dreimal „次は(Name des Stofftiers)が鬼“ („Tsugi wa <em>Name des Stofftiers</em> ga Oni“, „Als Nächstes ist <em>Name das Stofftiers</em> der Oni!“) sagen, ehe du dich in deinem Versteck mit dem Salzwasser versteckst. (Was genau du mit dem spitzen Gegenstand machen sollst, nachdem du das Stofftier damit gestochen hast, geht nicht aus der verbreiteten Anleitung hervor. Viele Leute lassen es bei dem Stofftier liegen, damit es nun sie damit sie jagen kann.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab jetzt kann es passieren, dass das Stofftier sich bewegt, um dich zu suchen, während weitere paranormale Phänomene passieren. Um welche Phänomene es sich genau handelt, kann von Erzählung zu Erzählung variieren. Es ist aber u. a. von Poltergeistphänomenen und Geräuschen, Stimmen oder Gesichtern im Fernsehrauschen die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sollte an dieser Stelle natürlich klar sein, dass das Stofftier dich auf keinen Fall finden darf, da du sonst in Lebensgefahr schwebst oder der Geist bzw. Dämon von dir Besitz ergreifen können soll.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo beenden:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Um das Spiel zu beenden, musst du nun einen Schluck Salzwasser in den Mund nehmen. Achte aber darauf, dass du ihn die ganze Zeit im Mund behältst und nicht herunterschluckst oder ausspuckst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun musst du dich auf die Suche nach dem Stofftier machen, das restliche Salzwasser aus dem Becher oder der Flasche darauf gießen und das Wasser aus deinem Mund darüber spucken. Sag nun dreimal laut: „私の勝ち“ („Watashi no Kachi“, „Ich gewinne“).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Geist oder Dämon sollte das Stofftier nun verlassen haben. Da er jedoch zurückkehren könnte, solltest du das Stofftier schnellstmöglich vernichten, indem du es verbrennst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn du alles korrekt durchführst, soll es jedoch passieren können, dass du nach dem Spiel krank wirst oder paranormale Phänomene erlebst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternative Version:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In einer anderen Version dient das Stofftier hauptsächlich als Objekt für die Beschwörung. Der Geist oder Dämon ist zwar in gewisser Weise daran gebunden und es soll trotzdem passieren können, dass das Stofftier sich bewegt, er kann sich aber unabhängig von ihm durch das Haus bewegen. In dieser Version versucht also der Geist oder Dämon in seiner eigenen Gestalt (nicht als Stofftier) die Durchführenden zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um das Ritual zu beenden, musst du auch in dieser Version das Stofftier suchen, mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, dreimal sagen, dass du gewonnen hast, und es anschließend verbrennen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Regeln:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den weiteren Regeln gehören, dass du während des gesamten Rituals allein im Haus sein musst (es sollten auch keine Haustiere da sein). Man darf das Ritual also nicht mit mehreren Personen durchführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lichter müssen die ganze Zeit über ausgeschaltet bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du darfst während des Rituals auf keinen Fall einschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlass nicht das Haus, während das Ritual noch im Gange ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und besonders wichtig: Das Versteckspiel darf niemals länger als 2 Stunden andauern. Ansonsten läufst du Gefahr, dass der Dämon oder Geist zu mächtig wird und sich nicht mehr so leicht vertreiben lässt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die urbane Legende soll ursprünglich aus der Kansai- und der Shikokuregion in Japan stammen. Es gibt Gerüchte, dass Hitori Kakurenbo als Experiment in einer japanischen Universität entstanden sei, mit dem man herausfinden wollte, wie gut sich urbane Legenden verbreiten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt außerdem, dass Hitori Kakurenbo mit dem Kokkuri-san Ritual zusammenhänge, einem alten japanischen Ritual, dass der Geisterbeschwörung mit einem Ouija-Brett ähnelt. Den genauen Zusammenhang habe ich nicht herausfinden können. Ich kann mir aber vorstellen, dass, sollte die Theorie mit dem Universitätsexperiment stimmen, das Kokkuri-san Ritual nur erwähnt wurde, um der Legende mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls wurde am 18. April 2007 erstmals eine detaillierte Anleitung des Hitori-Kakurenbo-Rituals auf der japanischen Website 2chan gepostet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zahlreiche Leute haben das Ritual daraufhin ausprobiert, auf 2chan davon berichtet und es teilweise auch gefilmt. Die anderen Leute, die davon gelesen oder die Videos gesehen haben, haben es wiederum selbst ausprobiert und ihre Erfahrungen ins Netz gestellt, woraufhin weitere Leute diese Erfahrungen gelesen haben usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So hat sich das Ritual recht schnell verbreitet und es bald über die Landesgrenzen geschafft. Bereits im Herbst 2008 soll Hitori Kakurenbo in Amerika angekommen sein. Von dort aus hat es sich schließlich in die weitere westliche Welt verbreitet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auf YouTube und ähnlichen Plattformen gibt es zahlreiche Videos über Leute aus allen möglichen Ländern, die Hitori Kakurenbo durchführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es die japanische Horrorfilmreihe „Hitori Kakurenbo Gekijōban“ (Japanisch für „Allein Versteckspielen: Der Film“, 2009), „Hitori Kakurenbo Shin Gekijōban“ („Allein Versteckspielen: Der neue Film“, 2010) und „Hitori Kakurenbo Gekijōban Shin Toshidensetsu“ (Allein Versteckspielen: Der Film – wahre urbane Legende“, 2012) sowie den alleinstehenden Film „Hitori Kakurenbo“ (2008), die das Ritual aufgreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2010 kam sogar von der berühmten virtuellen Sängerin Hatsune Miku das gleichnamige Lied „ひとりかくれんぼ“ (Hitori Kakurenbo) heraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus gibt es einige Videospiele über die Legende, z. B. das Smartphonegame „Alone Hide and Seek“ für iOS und Android, das Multiplayerhorrorspiel „Hitori Kakurenbo Online“ (es befindet sich jedoch im Early Access und wurde seit 18 Monaten nicht geupdatet) sowie diverse weitere Spiele, die ihr unter den Namen „Hide and Seek Alone“ und „Hitori Kakurenbo“ auf itch.io finden könnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Hitori Kakurenbo? Kanntet ihr das Ritual bereits? Habt ihr es vielleicht schon einmal selbst durchgeführt oder würdet es gerne versuchen? Schreibt es in die Kommentare!</em> </p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>The Roommate&#8217;s Death – Es ist jemand auf dem Flur!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Oct 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Als der Radiosprecher jedoch die Lokalnachrichten verkündete, wurde ich hellhörig. „Wir haben vor wenigen Minuten die Nachricht erhalten, dass ein verurteilter Mörder aus der Sunny-Meadows-Nervenheilanstalt geflohen ist. Achtet auf eure Kinder und haltet Türen und Fenster geschlossen …"</p>
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<p class="wp-block-paragraph">The Roommate&#8217;s Death ist eine klassische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus den USA. Denn was passt besser zu <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Halloween</a> als eine Legende, die man sich regelmäßig um diese Zeit an amerikanischen Universitäten erzählt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem habe ich noch eine kleine Überraschung für Halloween eingeplant. Seht also ab Donnerstag den 31. Oktober 2024 gegen 15 Uhr auf meinem Blog vorbei!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Und du bist sicher, dass du nicht mitwillst, Sharon?“, fragte meine Mitbewohnerin Kimberly, während sie am Spiegel stand und sich einen knallroten Lippenstift auftrug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hintergrund lief leise Popmusik aus meinem Radio auf dem Nachttisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „Nein danke. Ich bin glücklich mit meinem Bett und meinen Büchern“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du Nerd“, sagte Kimberly. Jetzt sah sie mich durch den Spiegel direkt an. Ihr Grinsen entblößte ihre spitzen Eckzähne, die zu ihrem Vampirkostüm gehörten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich unterdrückte ein Seufzen, während auch ich ein Schmunzeln aufsetzte. Die Wahrheit ist, dass ich gerne mit zur Halloweenparty gegangen wäre. Aber ich traute mich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise fanden die Partys hier in der Uni statt. Aber seit einem Vorfall vor einigen Wochen, bei dem eine 19-Jährige mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus gelandet war, herrschte auf dem gesamten Universitätsgelände striktes Alkoholverbot. Es gab sogar Gerüchte, dass eine Studentin von der Uni geflogen sei, weil ein Dozent sie mit einer Dose Bier erwischt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob das nun stimmte oder nicht, bleibt mal dahingestellt. Trotzdem hatte es dazu geführt, dass eine Gruppe Seniors eine Party außerhalb der Uni organisiert hat. Und nicht nur das: Alle Studierenden waren eingeladen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatten eine riesen Sache daraus gemacht, mit echtem Spukhaus, massenhaft Dekoration, Spielen, Horrorfilmen, Gruselgeschichten und natürlich Alkohol. Fast jeder, der nicht über das Wochenende nach Hause fuhr, war hingegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Uni war menschenleer. Ich wusste nur von einem anderen Mädchen, das mit einer heftigen Erkältung im Bett lag. Ansonsten waren nur noch Kimberly und ich hier. Ich, weil ich ein riesen Angsthase war, und Kimberly, weil sie angeblich nicht auf die Uhr gesehen habe. In Wirklichkeit hatte sie sich aber nur so viel Zeit gelassen, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte, ihre beste Freundin und Zimmergenossin allein in der Uni zurückzulassen. Zumindest war ich mir dabei ziemlich sicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als hätte sie meine Gedanken gehört, drehte sie sich zu mir um und strich ihr altmodisches Kleid glatt. „Geht das so?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lachte. „Ja, du siehst super aus. Wie immer. Und jetzt mach, dass du loskommst. Sonst ist die Party vorbei, bevor du überhaupt da bist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kimberly setzte einen Schmollmund auf. Kurz darauf erklang eine leise Stimme aus meinem Radio, die die 8-Uhr Nachrichten ankündigte. „Gleich“, sagte Kimberly plötzlich, während sie sich zu mir aufs Bett setzte. „Mach mal lauter, ich will nur noch hören, wie das Wetter heute wird.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rollte mit den Augen, musste dann aber lachen und drehte das Radio ein Stück lauter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst ging es nur um Politik, irgendeinen iranischen Prinzen und um den Papst. Als der Radiosprecher jedoch die Lokalnachrichten verkündete, wurde ich hellhörig. „Wir haben vor wenigen Minuten die Nachricht erhalten, dass ein verurteilter Mörder aus der Sunny-Meadows-Nervenheilanstalt geflohen ist. Achtet auf eure Kinder und haltet Türen und Fenster geschlossen. Wir halten euch wie immer auf dem Laufenden, sobald es Neuigkeiten gibt. Und nun zum Wetter: Wenn ihr heute Abend noch von Haus zu Haus ziehen wollt, habt ihr Glück. Niederschläge sind nicht zu erwarten. Erst Anfang der Woche kann es wieder vereinzelt zu Schauern kommen, die …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter hörte ich dem Sprecher nicht zu. Stattdessen sah ich Kimberly mit großen Augen an. „Hast du das gehört?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja. Ich brauch meine Jacke nicht mitzunehmen“, sagte sie trocken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du bist blöd!“, erwiderte ich. „Ich meine den entflohenen Irren.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt setzte Kimberly ein breites Grinsen auf. „Gruselig, oder? Bist du sicher, dass du ganz allein hierbleiben willst?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich biss die Zähne zusammen. Damit hatte sie bei mir einen Nerv getroffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach Sharon, mach dir darüber keine Gedanken“, reagierte Kimberly auf mein erschrockenes Gesicht. „Falls es den Typen überhaupt gibt, hat er bestimmt kein Interesse an einer fast leeren Uni. Außerdem halt ich es für wahrscheinlicher, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hat. Vielleicht kam die ‚Meldung‘ ja bloß von einigen vorwitzigen Jugendlichen. Ich meine komm schon? Ein entflohener Wahnsinniger? An Halloween?“ Sie schnaufte amüsiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch. Wahrscheinlich hatte sie recht. Wie immer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber ich sollte wirklich langsam los“, gestand Kimberly sich endlich ein. „Kann ich noch irgendetwas für dich tun, bevor ich dich hier ganz allein zurücklasse?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf, ehe ich sie anlächelte. „Danke, nein. Außer vielleicht möglichst viel Spaß haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte Kimberly zum Lachen. „Das werd ich. Keine Sorge. Andererseits … wie wäre es mit einer Cola? Ich weiß doch, wie gerne du das Zeug magst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hob eine Augenbraue. „Wolltest du nicht gerade los?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Kimberly zuckte bloß mit den Schultern. „Ach, kein Problem. Die Tankstelle ist doch gleich um die Ecke. Außerdem musst du dich dann nicht extra anziehen und ich kann mein schlechtes Gewissen beruhigen, weil ich dich alleinlasse.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder schüttelte ich den Kopf. „Wenn es dir so wichtig ist. Tu, was du nicht lassen kannst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kimberly grinste. „Immer. Bis gleich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bis gleich“, erwiderte ich „Und Kim … Danke.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie schenkte mir noch ein Lächeln, ehe sie zur Tür ging. Die Türscharniere gaben ihr vertrautes Quietschen von sich, dann schloss Kimberly die Tür hinter sich und war verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lauschte noch ihren Schritten, die schnell auf dem Flur verhallten, ehe ich wieder zu meinem Buch griff und die nächste Seite aufschlug.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir fiel erst auf, wie viel Zeit vergangen war, als ich nach dem Wasserglas auf meinem Nachttisch greifen wollte und mein Blick dabei zufällig auf die Uhr fiel. Es war bereits viertel nach 8.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wollte Kimberly nicht nur schnell zur Tankstelle laufen? Dafür musste sie nur über die Straße. Wenn sie sich beeilt hätte, hätte sie fünf Minuten gebraucht, in gemächlichem Tempo vielleicht zehn. Aber 15?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. „Jetzt beruhig dich mal, Sharon“, murmelte ich mir zu. Wahrscheinlich musste sie nur auf Toilette. Oder sie wurde von irgendwem aufgehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber während ich versuchte, weiterzulesen, konnte ich mich nicht konzentrieren. Immer wieder schielte ich zur Uhr. Außerdem wollte mir die Meldung über den entflohenen Mörder nicht aus dem Kopf gehen. Die Sunny-Meadows-Nervenheilanstalt war immerhin gar nicht so weit weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Uhr schließlich 08:20 PM anzeigte, griff ich nach meinem Lesezeichen. Ich sollte Kimberly lieber nachgehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade als ich das Buch jedoch auf meinen Nachttisch gelegt hatte, ertönte ein entfernter Schrei. Ein weiblicher Schrei. Er klang gequält. Voller Panik. Kimberly?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Sekunde später stand ich neben dem Bett. War der Schrei aus der Uni gekommen? Oder von draußen? Ich lauschte angestrengt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt herrschte wieder Stille. Oder … Moment. Waren das Schritte? Sie klangen schwer und unregelmäßig. Aber woher kamen sie?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit leisen Sohlen schlich ich zur Tür. Dort drückte ich mein Ohr vorsichtig an das Holz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Stampf</em>. <em>Chhht</em>. <em>Stampf</em>. <em>Chhht</em>. <em>Stampf</em>. Es klang so, als würde die Person humpeln. Mit einem Bein auftreten und das andere nachziehen. Aber was noch viel schlimmer war: Sie näherte sich eindeutig unserem Zimmer!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fieberhaft dachte ich darüber nach, wer das sein könnte. Aber mir fiel kein einziger Student ein, der humpelte. Und wenn er sich gerade erst verletzt hatte, würde er dann allein in die Uni humpeln?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder war es vielleicht Kimberly? Aber sie hätte sicherlich schon lange auf sich aufmerksam gemacht, nach mir gerufen, wenn sie verletzt wäre. Außerdem war da noch dieser markerschütternde Schrei gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, wer auch immer da draußen war, es musste ein Fremder sein, der hier keinen Zutritt haben sollte. Und wenn es schon ein Fremder war, warum dann nicht gleich ein entflohener Mörder aus einer Nervenheilanstalt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wollte ich so gar nicht denken, aber der Gedanke schoss mir unweigerlich in den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also gut. Nehmen wir an, dort draußen war wirklich eine fremde Person, die sich unerlaubt Zutritt verschafft hatte. Was wollte sie dann hier? Soweit ich es hören konnte, öffnete sie keinerlei Türen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutete, mir blieben genau zwei Möglichkeiten: Entweder, ich blieb mucksmäuschenstill auf unserem Zimmer und hoffte, dass die Person vorbeiging. Oder ich ging auf den Flur, um nachzusehen, wer das war und gegebenenfalls wegzulaufen. Allerdings müsste ich mich dafür zwangsläufig zu erkennen geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich entschied, lieber auf dem Zimmer zu bleiben. Bestimmt würde die Person vorbeigehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit jedem Schritt, mit jedem Schleifen des nachgezogenen Beines bereute ich meine Entscheidung jedoch mehr. Es kam näher und näher und näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Möglichkeit, um mich in dem Zimmer zu verbarrikadieren. Für die Tür gab es keine Schlüssel. Und ich hatte nichts, womit ich die Tür blockieren konnte. Zumindest nichts, was sich auf die Schnelle bewegen ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz überlegte ich, ob ich mich selbst gegen die Tür stemmen, sie zuhalten solle. Aber was konnte ein zierliches Mädchen wie ich schon gegen einen kräftigen Mann ausrichten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen sah ich mich im Zimmer hektisch nach einem Versteck um. Unter dem Bett? Zu auffällig. Hinter dem Vorhang? Nein, er reichte nicht einmal bis ganz auf den Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztendlich fiel mein Blick auf unseren Wandschrank. Er hatte Schiebetüren. Ich erinnerte mich noch genau daran, wie Kimberly und ich ihn versehentlich einmal blockiert hatten, als ein darinstehender Besen umgefallen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne weiter darüber nachzudenken, schlich ich zu ihm. So langsam ich konnte, schob ich die Tür auf. Sie machte kein einziges Geräusch. Anschließend schnappte ich mir den Besen, den wir inzwischen neben dem Schrank aufbewahrten, und verschwand damit im Wandschrank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genauso leise wie eben schob ich die Tür wieder zu. Jetzt in völliger Dunkelheit versuchte ich, den Besen möglichst geräuschlos von innen an die Tür zu klemmen. Das leise Schaben des Holzstiels an der Schrankwand dröhnte wie Donner in meinen Ohren. Dafür gelang es mir, das Stielende genau an den kleinen Absatz zu klemmen, den die Tür am Rand hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig versuchte ich nun, die Tür von innen wieder aufzuschieben. Sie hatte sich tatsächlich am Besenstiel verkeilt. Erleichtert atmete ich auf, während ich mich in die Hocke sinken ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment ergriff eine ungewohnte Klarheit meinen Verstand. Was tat ich hier eigentlich. Hatte ich mich gerade wirklich in unserem Wandschrank verbarrikadiert, nur weil ich Schritte auf dem Universitätsflur gehört hatte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast musste ich lachen, so lächerlich kam ich mir vor. Wer auch immer da draußen war, er oder sie würde am Zimmer vorbeigehen. Nur weil sie in den Nachrichten von einem entlaufenen Mörder berichtet haben, hieß das noch lange nicht, dass er ausgerechnet jetzt in unsere Uni spaziert kommt und zielstrebig mein Zimmer ansteuert, nur weil ich allein …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Quietschen unserer Zimmertür unterbrach meine Gedanken. Für einen kurzen Moment hatte ich noch die Hoffnung, dass es vielleicht doch Kimberly war. Dann hörte ich die Geräusche: ein schnelles Atmen, eine Art Keuchen und Röcheln. Wenn ich es mir so anhörte, war ich mir nicht einmal sicher, ob es überhaupt ein Mensch war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch versuchte ich, eine logische Erklärung zu finden. Wer oder was war das da draußen? Und was wollte er von mir? Wieso hatte er die anderen Zimmer in Ruhe gelassen und nur meine Tür geöffnet? Kannte ich die Person? War das vielleicht irgendein dummer Streich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel mir jedoch eine Sache auf: Im Zimmer brannte Licht. Wer auch immer da draußen war, er hätte nur im Flur das Licht ausschalten müssen und der erleuchtete Türspalt hätte unser Zimmer wie eine Signalleuchte hervorgehoben. Deswegen war er so zielstrebig hergelaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Anspannung hielt ich den Atem an. Ich konnte deutlich hören, wie die Person das Zimmer durchwühlte. Ich hörte Stoff, vielleicht meine Bettdecke, die zur Seite gerissen wurde. Irgendetwas fiel zu Boden. Es klang, als wenn etwas zu Bruch ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich knallte etwas gegen den Schrank. Ein Quieken entfuhr mir, bevor ich mir panisch die Hände auf den Mund pressen konnte. Zu spät. Wer auch immer da draußen war, er hatte mich gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt griff ich nach dem Besen, hielt ihn an Ort und Stelle, während von draußen an der Tür gerüttelt wurde. Es donnerte, klopfte und polterte an dem Holz, als würde die Person den Schrank mit Gewalt aufbrechen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel wieder etwas Schweres zu Boden. Diesmal unmittelbar vor der Schranktür. Jetzt war das Klopfen direkt neben mir. Auch hörte ich eine Art Kratzen, als versuche etwas mit Klauen oder Fingernägeln sich durch das Holz zu graben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was zur Hölle war da draußen los!? Es sollte aufhören! Es sollte einfach nur aufhören!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tränen rannen über meine Wangen. Würde ich nicht krampfhaft den Besenstiel festhalten, hätte ich mir wahrscheinlich die Ohren zugehalten und geschrien. Letzteres tat ich trotzdem. „Hilfe! Hiiiiilfe!“, kreischte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann … war der Spuk plötzlich vorbei. Ich hörte noch ein letztes leises Klopfen, dann herrschte Stille.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Herz raste. Es pochte mir bis in die Ohren. Ich hörte meinen schnellen Atem. Aber draußen vor dem Schrank blieb es jetzt still.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verunsichert sah ich mich um. Nicht, dass es in der Dunkelheit etwas gebracht hätte, aber was sollte ich sonst tun. Die Tür würde ich ganz sicher nicht öffnen. Immerhin hätte ich gehört, wenn die Person da draußen das Zimmer verlassen hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wartete ich. Ich wartete auf irgendein Geräusch, irgendeine Reaktion. Und wartete. Und wartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Zeit verließ das Adrenalin meinen Körper. Ich fühlte mich müde und schwach. Zu verwirrt, um zu verstehen, was hier passierte. Und ehe ich es bemerkte, war ich eingeschlafen.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße. Was ist hier passiert?“, riss mich eine Stimme aus dem Schlaf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssen die Polizei rufen!“, sagte eine andere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß noch immer im Schrank, umgeben von Dunkelheit. Vorsichtig rappelte ich mich auf. Ich kannte die Stimmen. „Jake? Bist du das?“, rief ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sharon? Sharon! Gott sei Dank!“, antwortete Jake.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hätte weinen können vor Freude. Schnell stieß ich den Besen beiseite, riss die Schranktür auf und trat neben die Leiche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem spitzen Aufschrei sprang ich in den Schrank zurück. Erst jetzt realisierte ich, wer dort vor mir lag: Das war Kimberly. Ihre Augen waren weit aufgerissen. Eine Blutlache hatte sich um ihren Hals gebildet. Ihre Fingernägel waren abgebrochen und blutig und ihr linkes Bein lag in einem unnatürlichen Winkel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt fasste ich mir an den Mund. Erst jetzt verstand ich, was letzte Nacht passiert war: Es war die ganze Zeit Kimberly gewesen. Wahrscheinlich wurde sie angegriffen und hatte es gerade so geschafft, sich mit ihren Verletzungen in die Uni zu retten. Deswegen hatte sie gehumpelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schnitt an ihrem Hals hingegen musste irgendetwas durchtrennt haben, weswegen sie nicht mehr sprechen konnte. Sie hatte versucht, bei mir Hilfe zu suchen. Das Klopfen und Kratzen waren ihre verzweifelten Versuche, auf sich aufmerksam zu machen. Und ich … Ich hatte mich feige im Schrank versteckt, während Kimberly langsam verblutet war. Wäre ich nicht so ein Angsthase gewesen, könnte sie jetzt noch leben …</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Roommate’s Death (englisch für „Der Tod des Mitbewohners“) ist eine urbane Legende aus den USA. Dort wird sie besonders häufig in Universitäten erzählt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bei den meisten urbanen Legenden dieser Art, wird in The Roommate&#8217;s Death entweder überhaupt nicht erwähnt, wer der Täter ist, oder es ist von einem entflohenen Straftäter oder Insassen einer Nervenheilanstalt die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltener ist es ein Bekannter des Opfers.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende beginnt fast immer damit, dass zwei Collegestudentinnen allein in der Uni sind. Die meisten anderen Studentinnen und Studenten sind nach Hause gefahren, z. B. weil es Weihnachten, Ostern oder Thanksgiving ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend verlässt eine der beiden Studentinnen das Zimmer. Sie möchte etwas zu Essen holen, auf Toilette gehen, jemandem die Tür öffnen, etwas überprüfen o. Ä., sodass ihre Mitbewohnerin allein auf dem Zimmer zurückbleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann hört die Mitbewohnerin seltsame Geräusche aus dem Flur. Sie traut sich nicht, rauszugehen, um nachzusehen, was los ist, also schließt sie sich in ihrem Zimmer ein. Bald kommen die Geräusche – ein Klopfen und/oder Kratzen – von der Zimmertür, weshalb die Mitbewohnerin die Nacht über völlig verängstigt im Zimmer bleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst am nächsten Morgen, als es draußen hell wird, traut sie sich, das Zimmer zu verlassen. Dort findet sie ihre tote Mitbewohnerin vor. Sie wurde ermordet und dabei so zugerichtet, dass sie nicht mehr sprechen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende der Legende wird oft erwähnt, dass die Studentin ihre Freundin hätte retten können, wenn sie sich aus dem Zimmer getraut hätte. Die Freundin konnte also vor dem Mörder fliehen, mit ihren Verletzungen aber nicht mehr sprechen und ist langsam verblutet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Versionen von The Roommate&#8217;s Death sind es drei statt zwei Studierende, die in der Uni bleiben. In diesen Geschichten bleiben meist zwei auf dem Zimmer, während die dritte Person im Flur stirbt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere beliebte Version ist, dass sich das Mädchen, das auf dem Zimmer bleibt, im Schrank verbarrikadiert (z. B. weil die Zimmertür sich nicht abschließen lässt). In diesen Versionen kratzt oder klopft die verletzte Mitbewohnerin meist direkt am Schrank. Diese Version würde in einem modernen Setting auch erklären, weshalb die Studentin mit ihrem Handy keine Hilfe holt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Aren’t you glad you didn’t turn on the light?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die urbane Legende „Aren’t you glad you didn’t turn on the lights?“ (englisch für „Bist du nicht froh, dass du das Licht nicht eingeschaltet hast?“) wird heutzutage oft unter dem Namen „The Roommate’s Death“ erzählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich handelt es sich hierbei aber um eine andere Geschichte als die ursprüngliche „The Roommate’s Death“-Legende. In „Aren’t you glad you didn’t turn on the light?“ kommt eine Studentin nachts nach Hause oder liegt wach im Bett, während ihre Mitbewohnerin ermordet wird. Sie hört die Geräusche des Todeskampfes, denkt dabei jedoch entweder, dass ihre Mitbewohnerin gerade Sex hat, oder sie hat zu viel Angst, um das Licht einzuschalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen findet sie ihre Mitbewohnerin tot im Bett vor. An der Wand stehen in blutigen Buchstaben die Worte „Aren’t you glad you didn’t turn on the light?“ geschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort, an dem The Roommate’s Death spielt, kann von Geschichte zu Geschichte variieren. Meist spielt es jedoch in einer Universität irgendwo in den USA.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ursprung ist, wie bei den meisten urbanen Legenden dieser Art, nicht bekannt. Ich weiß nur, dass die Legende bereits in den 1960er Jahren in den USA erzählt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt die Theorie, dass diese Art von Universitätslegende entstanden ist, weil die Studierenden in der Universität in einer fremden Umgebung sind. Die meisten von ihnen wohnen zum ersten Mal nicht mehr zuhause. Außerdem sind Universitätsgelände oft frei zugänglich oder zumindest nicht stark überwacht, weshalb sich fremde Menschen leicht Zugang verschaffen könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man dazu bedenkt, dass solche Gruselgeschichten unter Teenagern und junge Erwachsenen sehr beliebt sind und gerade ältere Studierende die Freshmen gerne ärgern, ist es alles andere als ungewöhnlich, dass sich einige Studierende The Roommate’s Death ausgedacht haben könnten, woraufhin sich die Legende dank Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Version „Aren’t you glad you didn’t turn on the light?“ gibt es zudem die Theorie, dass sie sowohl durch „The Roommate’s Death“ als auch durch die urbane Legende „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-doggy-lick">The Doggy Lick</a>“, zu der es viele Überschneidungen gibt, inspiriert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von The Roommate&#8217;s Death? Wie hättet ihr an Sharons Stelle reagiert? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie sieht es mit &#8222;Aren&#8217;t you glad you didn&#8217;t turn on the lights?&#8220; aus? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Halloween Special 2023 Tag 1 &#8211; Podcast</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/halloween-special-2023-1</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Oct 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[Sonstiges]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Morgen ist es auch schon so weit: Halloween. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich freue mich jedes Jahr riesig auf den Tag. 😁 Und dieses Jahr mach ich euch den Tag ganz besonders schmackhaft. Dieses Mal habe ich direkt zwei Halloween Specials für euch. Das erste ist die zweite inoffizielle Folge &#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/halloween-special-2023-1">Halloween Special 2023 Tag 1 &#8211; Podcast</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Morgen ist es auch schon so weit: Halloween. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich freue mich jedes Jahr riesig auf den Tag. 😁</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dieses Jahr mach ich euch den Tag ganz besonders schmackhaft. Dieses Mal habe ich direkt zwei Halloween Specials für euch. Das erste ist die zweite inoffizielle Folge meines Podcasts (den ich hoffentlich irgendwann mal tatsächlich in Angriff nehmen kann 😅), in der ich meine Geschichte über die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/kuchisake-onna">Kuchisake Onna</a> vorlesen. Und ich verrate so viel: Genau wie die Charaktere in meiner Geschichte über <a href="https://www.geister-und-legenden.de/candyman">Candyman</a>, spielen auch die Kuchisake Onna und Svenja eine wichtige Rolle in meinem geplanten ersten Roman. *winkt mit einem Zaunpfahl*</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wünsche ich euch aber viel Spaß beim Zuhören und wie immer …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2023/10/S1E0.2-Kuxhisake-Onna.mp3"></audio></figure>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe natürlich wie immer, dass euch die Geschichte und meine Vertonung gefallen hat. Solltet ihr Anmerkungen, Wünsche oder Kritik haben, schreibt sie gerne in die Kommentare.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ansonsten lest ihr mich morgen wieder und ich wünsche euch bis dahin schonmal ein fröhliches Halloween! 🎃</p>


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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/halloween-special-2023-1">Halloween Special 2023 Tag 1 &#8211; Podcast</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Candyman – sag nicht seinen Namen!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Oct 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Also gingen sie gemeinsam ins Badezimmer und stellten sich vor den Spiegel. Dort sprachen sie seinen Namen. Einmal. Zweimal. Dreimal. Viermal. Ehe sie fortfuhren, sahen sie einander bedeutungsvoll an. Sie wussten alle, dass es kein Zurück mehr gab, wenn sie seinen Namen noch ein letztes Mal sagten …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/candyman">Candyman – sag nicht seinen Namen!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/72e69d8989df4d4f9cd67ca2996e3a1e" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Candyman ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> einer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbanen Legende</a>, den man angeblich durch ein einfaches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ritual</a> rufen kann. Warum ihr das auf keinen Fall tun solltet, erfahrt ihr in diesem Beitrag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem möchte ich noch kurz mitteilen, dass der nächste Beitrag nicht erst in zwei Wochen, sondern in Form des Halloween-Specials bereits nächste Woche kommt. Und ich verrate so viel: Dass ich für diesen Beitrag vier Charaktere aus meinem Roman (darunter die Hauptperson Luna) ausgewählt habe, war nicht ganz zufällig. ^^</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; angedeuteter Rassismus</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es war die Nacht des 31. Oktobers: Halloween. Und obwohl ich mir seit meiner Kindheit nichts mehr aus diesem Datum gemacht hatte, saß ich dieses Jahr zusammen mit drei anderen Mädchen in einem Kreis auf dem Boden und lauschte ihren Gruselgeschichten. Und das, obwohl ich Horror bisher nie wirklich mochte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angefangen hatte alles mit meinem Umzug vor wenigen Monaten. Ich wohnte jetzt in einer neuen Stadt, ging auf eine neue Schule, hatte neue Freunde. Wobei ich dazu sagen sollte, dass es keine „alten Freunde“ gab. Vor dem Umzug war ich eine Außenseiterin gewesen. Ich hatte mit Mobbing zu kämpfen gehabt, hasste die Zeit in der Schule und verbrachte meine Freizeit hauptsächlich allein mit meinem Zeichenblock und allerlei Büchern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach meinem Umzug hatte sich das zum Glück geändert. Natalie, Lisa und Jenny – drei Mädchen aus meiner Klasse – hatten mich aufgenommen, als hätte ich schon immer zu ihrer kleinen Gruppe dazugehört. Früher hätte mich nie jemand gefragt, ob ich mit ihm oder ihr auf eine Halloweenparty gehen möchte. Natalie hingegen hatte mir wie selbstverständlich mitgeteilt, dass wir dieses Halloween bei Lisa gemeinsam einen Horrorabend verbringen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das taten wir auch. Nachdem wir uns gegen 20 Uhr getroffen hatten, hatten wir zuerst Kürbisse geschnitzt, aus ihren Innereien Kürbissuppe gekocht, sie gemütlich bei einem Horrorfilm – der mir überraschend gut gefiel – gegessen und uns schließlich in einen Kreis auf den Boden gesetzt, um um Punkt Mitternacht mit den Gruselgeschichten anzufangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natalie hatte ihre bereits erzählt. Sie handelte von einem Killer, der sich als gruselige Clownspuppe getarnt hatte und völlig reglos in einem Haus stand, während eine ahnungslose Babysitterin auf die Kinder aufgepasst hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen wurde übersprungen. Da es mein erster Horrorabend war und ich keine Ahnung von Gruselgeschichten hatte, erlaubten die anderen mir, diesmal nur zuzuhören. Eine eigene Geschichte könne ich dann beim nächsten Horrorabend erzählen – und wie ich es verstanden hatte, machten sie diese Abende mehrere Male im Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Luna? Alles in Ordnung?“, riss Natalie mich aus meinem Gedanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erstarrte. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich die ganze Zeit gedankenversunken die Kerzen angestarrt hatte, anstatt Jenny bei ihrer Geschichte zuzuhören. Jetzt hielt sie in ihrer Erzählung inne und sah mich besorgt an. „Wenn es dir zu gruselig wird, sagst du Bescheid, ja?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am liebsten hätte ich mich selbst geohrfeigt. Da hatte ich endlich Freunde gefunden, die mir wichtig waren – denen <em>ich</em> wichtig war – und ich schaffte es nicht einmal, ihnen ein paar Minuten zuzuhören. Und das bei einem der Horrorabende, die ihnen so wichtig waren. Das hatten sie mir in den letzten Wochen klar zu verstehen gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schwor ich mir, dass ich es diesen Abend nicht noch einmal verbocken würde, und lächelte sie an. „Danke. Es geht schon“, sagte ich. „Ich bin selbst überrascht, wie sehr mir der Film und die Geschichten gefallen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das entlockte Natalie ein erleichtertes Grinsen. Und auch Jenny lächelte mir aufmunternd zu, ehe sie mit ihrer Geschichte fortfuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, den Anschluss zu finden. Es war eine Geistergeschichte, soweit verstand ich es, aber wer die Hauptpersonen waren und was sie ausgerechnet nachts in ein verlassenes Haus verschlagen hatte, wurde mir aus dem Kontext nicht sofort klar. Trotzdem war sie spannend erzählt und ich merkte bald, wie ich mich mit den anderen gemeinsam wohlig gruselte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nach jener Nacht wurden die drei Jungen nie wieder gesehen“, beendete Jenny ihre Geschichte. „Aber wenn man nachts an dem Haus vorbeigeht, so heißt es, kann man noch immer ihre Schreie hören.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille legte sich über uns. Trotzdem sah ich aus dem Augenwinkel, wie Natalie schmunzelte. „Das ist das alte Petter-Haus, oder?“, fragte sie schließlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jenny grinste. „Vielleicht hab ich mich etwas von den Gerüchten inspirieren lassen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Moment. Das Haus gibt es wirklich?“, fragte ich überrascht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jenny nickte. „Es steht nur zehn Minuten von hier entfernt. Wenn ihr wollt, können wir später hingehen“, schlug sie vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer. Zum ersten Mal diesen Abend fühlte ich mich etwas unwohl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Viele Gruselgeschichten haben einen wahren Kern“, bestätigte Lisa. „Aber wenn man weiß, was daran echt ist und was nicht, nimmt das den Geschichten häufig den Zauber … oft, aber nicht immer. Das müssen auch die Protagonisten aus meiner Geschichte lernen.“ Lisa warf einen Blick in die Runde. Da niemand protestierte, begann sie zu erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jenny und Natalie erinnern sich bestimmt noch an den Film, den wir beim letzten Horrorabend gesehen haben: Candyman’s Fluch. Und genau davon handelt meine Geschichte – von Candyman. Aber keine Sorge, Luna, du musst den Film nicht kennen, um die Geschichte zu verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war an einem Halloweenabend wie heute, an dem die vier Protagonistinnen sich getroffen hatten, um zusammen Candyman’s Fluch zu sehen. Worum es in dem Film geht, ist nicht wichtig. Ich kann ihn zwar sehr empfehlen, wenn du heute auf den Geschmack gekommen sein solltest, aber das Wichtige ist gerade nur der berüchtigte Candyman. Er ist ein Wesen, der Geist eines schwarzen Mannes, der vor vielen Jahren brutal ermordet wurde, weil er den damals schweren Fehler beging, sich in eine weiße Frau zu verlieben. Man sägte ihm die Hand ab und hetzte einen Schwarm wütender Bienen auf ihn. Er musste völlig zerstochen gewesen sein, als die Insekten ihn tot zurückließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute, so heißt es, wandelt sein Geist umher. Ganz dem Klischee entsprechend hat er jetzt einen rostigen Haken statt seiner abgesägten rechten Hand. Außerdem ist er immer von den Bienen umgeben, die jetzt in seinem Körper leben. Man sagt, dass er sie nach eigenem Willen kontrollieren kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie dem auch sei, genau wie in dem Film gibt es auch in der echten Welt ein Ritual, mit dem man den Candyman rufen kann. Man muss sich nur vor einen Spiegel stellen und fünfmal seinen Namen sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber keine Sorge, dabei kann überhaupt nichts passieren. Es ist bekannt, dass er nie wirklich existiert hat. Er und seine Hintergrundgeschichte sind reine Fiktion. Und das wussten auch die vier Schülerinnen Nina, Vanessa, Michelle und Luisa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie versprachen sich an ihrem Halloweenabend einen schnellen Kick, einen Adrenalinschub, ohne wirklich in Gefahr zu sein. Es konnte schließlich nicht wirklich etwas passieren, wenn man den Candyman rief. Zumindest dachten sie das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also gingen sie gemeinsam ins Badezimmer und stellten sich vor den Spiegel. Sie hielten einander an den Händen, gaben einander ein Gefühl von Sicherheit, das Gewissen, nicht allein zu sein. Dann sprachen sie seinen Namen. Einmal. Zweimal. Dreimal. Viermal. Ehe sie fortfuhren, sahen sie einander bedeutungsvoll an. Sie wussten alle, dass es kein Zurück mehr gab, wenn sie seinen Namen noch ein letztes Mal sagten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hatte niemand von ihnen wirklich Lust, aufzuhören, also wandten sie ihren Blick wieder zum Spiegel und sagten seinen Namen das fünfte Mal: ‚Candyman.‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man konnte die Spannung in dem kleinen Badezimmer förmlich schmecken. Voller angespannter Erwartung standen die vier Mädchen da und starrten erwartungsvoll in den Spiegel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich fing die Jüngste von ihnen, Nina, schallend an zu lachen. Das war doch albern. Sie hatte tatsächlich Angst gehabt, dass irgendetwas passieren würde. Aber natürlich geschah nichts. Und so stimmten auch die anderen Mädchen in ihr Gelächter ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, ob es wirklich der Candyman war oder etwas anderes. Ein dunkles Wesen, das das Ritual der Mädchen als Tor in unsere Welt genutzt hatte. Jedenfalls ahnten die vier Freundinnen noch nichts von der Präsenz, die fortan im Spiegel auf sie lauerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie feierten ihre kleine Party weiter, als wäre nichts gewesen. Und für sie wirkte es ja auch so. Bald vergaßen sie, dass sie das Ritual überhaupt durchgeführt hatten. Zumindest, bis am Montag in der Schule eine von ihnen fehlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Hey, wo ist Luisa?‘, fragte Nina Vanessa, die neben ihr saß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vanessa zuckte mit den Schultern. ‚Weiß nicht. Vielleicht ist sie krank geworden?‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch brachte niemand von ihnen den Candyman mit Luisas Verschwinden in Verbindung. Niemand außer Nina. Sie hatte schon immer ein gutes Bauchgefühl gehabt. Und als Luisa nicht auf ihre Nachrichten antwortete, entschuldigte Nina sich bei der Lehrerin und verzog sich auf die Toilette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort nahm sie sofort ihr Handy heraus und wählte die Festnetznummer von Luisa. Quälend lange dauerte es, bis das Freizeichen endlich verstummte. Es meldete sich jedoch nicht Luisa oder einer ihrer Eltern, sondern lediglich die Mailbox.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell versuchte Nina es noch einmal. Dann auf dem Handy von Luisa, aber nichts. Nirgends konnte sie jemanden erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie wollte gerade aufgeben, das Handy in ihre Tasche zurückstecken und zurück in die Klasse gehen, als eine Bewegung aus dem Augenwinkel ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Ihre Augen weiteten sich, als sie den Mann im Spiegel bemerkte. Er war groß, hatte eine dunkle Hautfarbe und trug einen altmodischen Mantel. An seinem rechten Arm blitzte etwas Metallenes, aber Nina sah nicht lange genug hin, um die Hakenhand zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell drehte sie sich um. ‚Was wollen Sie hier?‘, fragte sie noch in der Bewegung, aber als sie die Tür ansah, vor der der Mann eben noch gestanden hatte, erstarrte sie. Der kleine Raum war leer. Außer ihr war niemand da. Es hatte niemand die Tür geöffnet oder geschlossen und der einzige Weg zu den Kabinen hätte an Nina vorbeigeführt. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen machte sie sich schnell auf den Weg zurück zur Klasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich berichtete sie Vanessa und Michelle von ihrer Begegnung. Aber wie es im echten Leben nun einmal so ist, wenn einem etwas Unerklärliches passiert, glaubten sie ihr nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Wie sah er denn aus?‘, fragte Vanessa. ‚So wie der Candyman aus dem Film?‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nina wusste es nicht. ‚Ich hab ihn wirklich nicht lange gesehen. Außerdem war es nicht gerade hell in den Toiletten und &#8230;‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Du hast ihn dir eingebildet‘, erklärte Michelle. ‚Komm schon? Der Candyman? Du hast dir den Film etwas zu sehr zu Herzen genommen und jetzt, wo Luisa nicht in die Schule gekommen ist, machst du dir natürlich Sorgen. Ich versteh das. Wirklich. Aber sie liegt bestimmt nur im Bett und schläft. Deswegen antwortet sie nicht. Spätestens heute Abend hat sie uns geschrieben, du wirst schon sehen.‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr wisst, wie das ist. Nina war sich 100 Prozent sicher gewesen, jemanden gesehen zu haben, aber jetzt, wo ihre Freunde es ihr ausredeten, war sie es plötzlich nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also kam es, wie es kommen musste. Die drei Mädchen machten weiter, als wäre alles wie immer. Am nächsten Tag jedoch, als Nina und Vanessa wieder nebeneinander in der Schule saßen, fielen ihre Blicke auf den leeren Stuhl von Michelle. Und nicht nur das … Noch in der ersten Stunde bat sie ihre Klassenlehrerin nach draußen. Sie erklärte ihnen, dass bei Luisa am Wochenende eingebrochen wurde. Sie und ihre Eltern hätten es nicht überlebt. Details konnte oder wollte sie jedoch keine verraten – wahrscheinlich, weil die Morde zu grausam gewesen waren. Zumindest dachten sich das Nina und Vanessa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem weigerten sich die beiden Mädchen, nach Hause zu gehen. Im Gegenteil: Sie bestanden darauf, weiter am Unterricht teilzunehmen. Sie wussten, dass sie einander nur beschützen konnten, wenn sie zusammenblieben. Wer würde ihnen zuhause schon glauben? Und so hatten sie wenigstens eine geringe Chance. Sollte der Candyman tatsächlich auftauchen, wären sie wenigstens zwei gegen einen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also machten die beiden Schülerinnen weiter. Sie erlaubten sich nicht, zu trauern, zu groß war ihre Angst um das eigene Leben. Und so bemühten sie sich den ganzen Tag lang, von jeglichen Spiegeln fernzubleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es war ein langer Schultag. Einer dieser Schultage, die man nicht unbedingt durchhielt, ohne auf Toilette zu gehen. Nach der fünften Stunde war es schließlich so weit. Vanessa hielt es nicht länger aus und so begleitete Nina sie auf die Toilette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Raum war größtenteils leer. Es stand nur ein Mädchen vorne bei den Waschbecken, das wild auf ihrem Handy herumtippte. Nina und Vanessa ignorierten sie. Sie richteten ihre Blicke auf den Boden, um nicht in die Spiegel zu sehen, und gingen sofort weiter zu den Kabinen. Dort schloss sich Vanessa ein, während Nina ein Stück abseits wartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst wirkte alles ruhig. Nina hörte, wie das Mädchen bei den Waschbecken eine Sprachnachricht aufnahm, in der sie sich über irgendeine Mitschülerin aufregte. Ansonsten blieb es in dem Raum still. Zumindest, bis das Summen einsetzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Scheiße, was ist …‘, hörte Nina Vanessa murmeln. Dann begann ihre Freundin plötzlich zu schreien. ‚Nein! Hilfe! Nein!‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Poltern ertönte aus der Kabine. Das Summen schwoll zu einem ohrenbetäubenden Lärm an. Nina hörte, wie Vanessa gegen die Tür rempelte. Es klang so, als würde sie panisch versuchen, das Schloss zu öffnen, während ihre Schreie von dem Summen übertönt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Alles in Ordnung?‘, hörte Nina eine Stimme über das Summen hinwegrufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war die Schülerin beim Eingang. Aber als Nina zu ihr sah, weiteten sich ihre Augen vor Schrecken. Sie war nicht allein. Direkt hinter ihr stand der Mann, den sie erst gestern im Spiegel gesehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ging alles sehr schnell. Ehe Nina auch nur reagieren konnte, riss die Schülerin plötzlich die Augen auf. Sie begann zu wimmern, starrte Nina voller Entsetzen an, während ihre Füße sich langsam vom Boden hoben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen kurzen Moment sah es tatsächlich so aus, als würde sie schweben. Doch dann warf der Candyman sie zur Seite und schüttelte sie von seinem Haken ab. Sie landete auf den kalten Fliesen. Eine blutige Wunde klaffte in ihrem Rücken. Der Candyman hatte sie von hinten mit seiner Hakenhand aufgespießt und langsam in die Luft gehoben. Voller Panik wich Nina zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment hörte sie, wie sich hinter ihr eine Kabinentür öffnete. Das Summen schien jetzt noch lauter zu werden. Gerade so sah Nina noch, wie Vanessas Körper regungslos aus der Kabine kippte. Sie war über und über mit Bienen übersät. Die wenigen Stellen Haut, die man noch sehen konnte, waren völlig zerstochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt wandte Nina sich wieder dem Candyman zu. Er kam bedrohlich auf sie zu. ‚Nein! Bitte!‘, flehte sie. ‚Es war doch nur ein Spiel!‘ Tränen strömten über ihr Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Candyman hielt nicht inne. Als er sie erreicht hatte, legte er seinen rechten Arm auf ihre Schulter. Fast schon liebevoll sah er ihr in die Augen, während er seinen Haken tief in ihren Nacken bohrte. Nina war auf der Stelle tot. Denn wer den Candyman ruft, kann nicht mehr gerettet werden. Er lässt niemanden am Leben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder senkte sich Stille über unsere kleine Gruppe, nachdem Lisa ihre Geschichte beendet hatte. Ohne es zu merken, hatte ich mein Gesicht verzogen, so bildlich hatte ich mir die Tode vorgestellt. Das wiederum entlockte Lisa ein Grinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Meinst du …“, begann Jenny. Sie zögerte. Dann fuhr sie fort. „Meinst du, das könnte wirklich passieren? Dass ein Dämon oder was weiß ich das Ritual ausnutzt, um als Candyman in unsere Welt zu kommen? Dass es den Candyman nicht gibt, darüber sind wir uns ja wohl einig, oder?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natalie nickte stumm, während Lisa ihr Grinsen verbreiterte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht“, sagte Lisa. Dann sah ich, wie sie einen Spiegel aus ihrer Handtasche zog. „Also? Wer von euch hat Lust, es mit mir zusammen herauszufinden? Lasst uns den Candyman rufen.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Candyman (Englisch für „Süßigkeitenmann“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>, die auf der gleichnamigen Filmreihe basiert. Bei ihr geht es um ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/bloody-mary" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bloody Mary</a> ähnliches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ritual</a>, mit dem man den berüchtigten Candyman rufen kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt ist das Candyman-Ritual dem Bloody-Mary-Ritual sehr ähnlich. Um ihn zu beschwören, muss man sich lediglich vor einen Spiegel stellen und seinen Namen fünfmal sagen. Anschließend soll der Candyman erscheinen und versuchen, dich umzubringen – entweder sofort oder irgendwann in den kommenden Stunden bis Tagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch gibt es in einigen Versionen weitere Bedingungen. So müsse es angeblich nachts sein, man müsse das Licht ausschalten oder eine Kerze vor den Spiegel stellen. In dem originalen Candyman-Ritual spielen diese Bedingungen jedoch keine Rolle.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Candyman sieht aus wie ein großgewachsener schwarzer Mann mit kurzen schwarzen Haaren, einem langen fellbesetzten Mantel und einem Haken statt seiner rechten Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter seinem Mantel hat er einen blutigen Brustkorb mit freigelegten Rippen, in dem sich unzählige Bienen tummeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald man Candyman einmal beschworen hat, gibt es kein Entkommen mehr. Während es anfangs oft heißt, dass er durch den Spiegel in unsere Welt kommt, kann er anschließend überall aus dem Nichts auftauchen und geht mit präziser Grausamkeit vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den meisten Opfern nutzt er seine Hakenhand, um sie aufzuschlitzen oder zu erstechen. Seltener soll er auch seinen Schwarm Bienen, den er nach Belieben kontrollieren kann, auf seine Opfer hetzen und sie zu Tode stechen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wann er dies tut, ist jedoch nicht ganz eindeutig. Mal terrorisiert er seine Opfer erst, indem er sich ihnen gelegentlich zeigt, mal tötet er sie sofort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ihn außerdem von anderen Legenden dieser Art unterscheidet, sind seine Opfer. Zwar hört er erst auf, wenn die Person oder die Personen tot sind, die ihn beschworen haben, in der Zwischenzeit hat er aber keine Probleme damit, weitere Menschen zu ermorden, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solltet ihr also vorhaben, den Candyman zu rufen, denkt daran, dass ihr nicht nur euer eigenes Leben in Gefahr bringt …</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Candyman hat keinen festen Ort, an dem er beschworen werden kann. Aufgrund der Filme wird er zwar gelegentlich mit Cabrini-Green, einem ehemaligen Wohnviertel in Chicago, Illinois, USA in Verbindung gebracht, man soll ihn aber überall auf der Welt rufen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn man gelegentlich Menschen finden kann, die das Gegenteil behaupten, stammt die Candyman-Legende aus dem Film Candyman’s Fluch (1992). Sie basiert auf keiner wahren Begebenheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hat es der Filmantagonist geschafft, zu einer urbanen Legende zu werden. So gab und gibt es unzählige Menschen, die eine Mutprobe daraus machen, den Candyman zu beschwören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Candyman ist daher neben Slenderman oder Kayako (aus „The Grudge“) eine der wenigen urbanen Legenden, die zwar erst vor wenigen Jahren aus einem fiktiven Werk entstanden sind, aber trotzdem von vielen Menschen als real angesehen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Grund dafür ist – neben der Vertrautheit aufgrund der Bloody Mary Legende –&nbsp; wahrscheinlich die realitätsnahe Hintergrundgeschichte, die der Candyman in Candyman’s Fluch bekommen hat.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorgeschichte:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor er zum Candyman wurde, so heißt es im Film, war er ein schwarzer Mann namens Daniel Robitaille.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Robitaille war der Sohn eines Sklaven und ein begnadeter Künstler. Er war so gut in seinem Handwerk, dass viele Reiche ihn beauftragten, Porträts für sie anzufertigen. Einer dieser reichen Männer war ein weißer Landbesitzer, der Robitaille auftrug, seine Tochter zu porträtieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während Robitaille die junge Frau malte, kamen die beiden ins Gespräch und verliebten sich ineinander – in einer Zeit, als Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen noch verboten waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich führte eins zum anderen und die Tochter wurde schwanger. Als der Landbesitzer es bemerkte, kam die Beziehung der beiden ans Licht und er hetzte einen wütenden Mob auf den nun fliehenden Robitaille. Als sie ihn erwischten, sägten sie ihm zuerst seine rechte Hand mit einer rostigen Säge ab, ehe sie ihn mit Honig einschmierten und von einem Schwarm Bienen, den sie zuvor provoziert hatten, zu Tode stechen ließen – Grausamkeiten, die man den Menschen leider auch im echten Leben mehr als zutraut.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Inspiration des Films:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt ist die urbane Legende also der Candyman-Filmreihe entsprungen. Candyman selbst – und auch das Handlungsgerüst des ersten Films – stammt jedoch aus der Feder von Clive Barker, der hauptsächlich als Erfinder von Hellraiser bekannt ist. Candyman entspringt seiner Kurzgeschichte „The Forbidden“ (1985), auch wenn er in seiner Geschichte noch weiß ist und nicht durch das fünfmalige Aufsagen seines Namens beschworen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bloody-Mary-Touch, der Candyman schließlich zu einer beliebten Mutprobe gemacht hat, sowie seine Hintergrundgeschichte waren hingegen Neuerfindungen der Filmadaptation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so kann ich euch sowohl die Kurzgeschichte „The Forbidden“ (Deutsch „Das Verbotene: Die Geschichte von Candyman“) als auch den Film „Candyman’s Fluch“ (1992) wirklich sehr empfehlen. Zumindest haben beide mich gut unterhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Candyman? Würdet ihr euch trauen, ihn zu beschwören, da seine Legende lediglich einem Film entspringt oder hättet ihr trotzdem zu viel Respekt vor dem Ritual? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Mall Slasher – Der Einkaufszentrum Schlitzer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Oct 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die beiden Mädchen sahen erst einander und dann mich ungläubig an, als hätte ich verpasst, dass plötzlich der Himmel grün geworden wäre.<br />
„Du weißt es nicht?“, fragte Olivia. „Sie ist angeblich schon das vierte Opfer in nur zwei Wochen. Der Mall Slasher soll sie erwischt haben!“</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/8314cdc2bd73454493e00ba65ca4c580" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Den diesjährigen Oktober leite ich mit The Mall Slasher, einer klassischen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbanen Legende</a> aus Amerika, ein. Wie jeden Oktober, werde ich versuchen, bei den Beiträgen einen mal mehr mal weniger direkten Bezug zu <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Halloween</a> herzustellen, ehe es am letzten Oktobermontag ein Halloweenspecial gibt. Dieses Jahr habe ich zwar noch absolut keine Ahnung, was ich als Special machen möchte, aber ich lass mir schon irgendwas enfallen. ^^</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kam gerade von der Essensvergabe in der Schulmensa und beäugte misstrauisch eine gelbliche Pampe auf meinem Tablett, von der ich nicht wusste, ob es Ei oder Kartoffel war, als jemand meinen Namen rief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey! Hannah! Hier drüben!“ Das war Olivia, meine beste Freundin. Obwohl wir in unterschiedlichen Klassen waren, verbrachten wir fast immer die Pausen miteinander und aßen gemeinsam in der Mensa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also drehte ich ab und steuerte ihren Tisch an. Samantha, ein Mädchen aus ihrer Klasse, saß neben ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey ihr zwei“, begrüßte ich sie, während ich mich setzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Naa?“, erwiderte Samantha. „Hast du schon das Neuste gehört? Es wurde schon wieder eine Frau auf einem Parkplatz angegriffen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich runzelte die Stirn. „Schon wieder?“, fragte ich verwirrt. „Ist das was, das ich wissen sollte?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden Mädchen sahen erst einander und dann mich ungläubig an, als hätte ich verpasst, dass plötzlich der Himmel grün geworden wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du weißt es nicht?“, fragte Olivia. „Sie ist angeblich schon das vierte Opfer in nur zwei Wochen. Der Mall Slasher soll sie erwischt haben!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wanderte meine Augenbraue nach oben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da es mir immer noch nichts sagte, setzte Samantha zu einer Erklärung an. „Das alles hat vor einigen Wochen angefangen. Das erste Opfer war wohl eine junge Frau, die in der Emerald Mall einkaufen war. Es war schon dunkel, als sie aus der Mall kam, daher war auf dem Parkplatz nichts mehr los. In dem Moment muss sie dort ganz allein gewesen sein – oder zumindest dachte sie das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sie jedoch nicht wusste, war, dass sich ein Mann unter ihrem Auto versteckt hatte. Der Typ hat es wohl nur auf Frauen abgesehen. Oder es war Zufall. Jedenfalls war ihr Wagen rot. Die Wahrscheinlichkeit, dass er einer Frau gehörte, war also ziemlich groß.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer. Ich hatte selbst ein rotes Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jedenfalls lag der Typ völlig still unter ihrem Auto, während sie sich nichts ahnend näherte“, fuhr Samantha fort. „Sie räumte ihren Kram in den Kofferraum und ging weiter zur Fahrertür. Als sie jedoch gerade einsteigen wollte, ZACK, schnellte eine Hand unter dem Auto hervor und schnitt ihr mit einem Messer beide Fersen durch!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie stürzte. Danach war sie fast völlig wehrlos. Der Typ konnte mit ihr machen, was auch immer er wollte, weil sie ja nicht mehr weglaufen konnte. Ich hoffe wirklich, er hat sie nur ausgeraubt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte den Bissen, den ich gerade im Mund hatte – es war übrigens Ei –, schwer herunter. „Und woher wisst ihr das? Kam es in den Nachrichten?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„N-nein“, gestand Samantha. Sie wirkte verunsichert. „Aber Stella hat es mir erzählt. Und sie war nicht die Einzige, die davon wusste.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber es gibt keine offiziellen Quellen dazu? Nur der Freund eines Freundes und so weiter?“, hakte ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das betretene Schweigen der beiden genügte mir als Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert atmete ich auf. Ich war die nächsten zwei Wochen allein zuhause, weil meine Eltern auf Geschäftsreise waren. Da konnte ich es nicht gebrauchten, bei jedem Knarren der alten Dielen ängstlich zusammenzuzucken, weil irgendwer sich Horrorszenarien ausdachte. „Oh, Leute kommt schon. Wir haben Oktober“, sagte ich. „Kurz vor Halloween kommen ständig solche Gerüchte auf. Denkt doch nur an die Horrorclowns von letztem Jahr. Kennt ihr irgendwen, der tatsächlich einen gesehen hat?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder schwiegen die beiden. Dafür schüttelte Olivia mit dem Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den kommenden Tagen wurde der berüchtigte Mall Slasher das Gesprächsthema Nummer eins in unserer Schule. Das Gerücht breitete sich aus wie ein Lauffeuer. Jeder wusste von ihm. Ich hörte unzählige Geschichten, von Leuten, die jemanden kannten, der jemanden kannte, der jemanden kannte … Ihr kennt das bestimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber obwohl ich die urbane Legende – denn das war es für mich – bereits als Schwachsinn abgetan hatte, konnte ich mich nicht vollends gegen die Paranoia wehren, die mit jeder neuen Erzählung, jeder neuen Version über den Mall Slasher in mein Hirn kroch. Bald ertappte ich mich dabei, aus der Ferne unter mein Auto zu spähen, wann immer ich in der Nähe der Mall war. Schließlich passierte es mir auch an anderen Orten. Eines Abends musste ich sogar erst unter mein Bett sehen, ehe ich mich traute, mich ihm zu nähern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war zum Verzweifeln. Ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich die Gerüchte an mich heranließ, obwohl ich <em>wusste</em>, dass an ihnen nichts dran war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Tage später sollte ich jedoch erfahren, wie sehr ich mich darin irrte. Meine Eltern würden morgen von ihrer Geschäftsreise zurückkommen, also hatte ich entschieden, einen letzten Einkauf zu machen, damit sie mit ihrem Jetlag nicht noch in den Supermarkt mussten. Da ich nicht allzu viel brauchte, fuhr ich in die näher gelegene Emerald Mall. Das Sortiment des kleinen Lebensmittelgeschäfts dort war zwar deutlich kleiner als bei Walmart, aber für meine Zwecke würde es reichen. Außerdem konnte ich so vorher noch bei den Videospielen vorbeischauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich schließlich, vollbepackt mit Einkaufstüten, die Mall verließ, erschrak ich. Es war bereits dunkel. Der Parkplatz lag verlassen vor mir. Dass hier um diese Uhrzeit nicht mehr viel los war, war nichts Ungewöhnliches, nur hatte ich nicht gemerkt, wie viel Zeit vergangen war. Verdammt! Wieso hatte ich auch so viel Zeit im GameStop verplempern müssen, ehe ich in das Lebensmittelgeschäft gegangen war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem schweren Gewicht auf meinem Herzen machte ich mich auf den Weg zu meinem Auto. Ich versuchte dabei, so selbstbewusst, wie möglich aufzutreten – als Frau hatte ich darin Übung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu allem Überdruss bemerkte ich, dass ausgerechnet die Laterne, unter der ich geparkt hatte, defekt war. Egal, wie sehr ich es auch versuchte: Ohne die Einkaufstaschen auf den dreckigen Boden zu stellen, konnte ich nur Schwärze unter meinem Auto sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie mein Puls sich beschleunigte. Mein Atem ging mit jedem Schritt schneller, den ich auf mein Auto zutat. Trotzdem zwang ich mich, langsam zu gehen, keine Schwäche zu zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einer Balancekunst, mit der ich mich wahrscheinlich im Zirkus bewerben könnte, schaffte ich es irgendwie, trotz vollgepackter Arme den Autoschlüssel aus meiner Handtasche zu ziehen. Jetzt war ich nur noch wenige Meter von meinem Kofferraum entfernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie automatisch wurden meine Schritte kleiner. Ich konnte mich gar nicht dagegen wehren. Auch wenn ich normalerweise ein „Augen zu und durch“-Mensch war, spielte sich in meinem Kopf wieder und wieder ab, wie plötzlich ein Arm unter dem Auto hervorschnellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt stand ich direkt bei meinem Kofferraum. Mit ungewohnt zittriger Hand führte ich den Autoschlüssel zum Schloss. Er rastete ein. Als ich ihn drehte, ertönte das vertraute <em>Klack</em>. Der Kofferraum war offen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war ich noch nicht in Sicherheit. Ohne darauf zu achten, ob ich irgendwelche empfindlichen Einkäufe zerquetschte, warf ich die Taschen in den Kofferraum. Ich schloss ihn nicht einmal, machte sofort einen Satz nach hinten, brachte eine sichere Entfernung zwischen mich und mein Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hörte ich meinen Puls deutlich in meinen Ohren pochen. Langsam hockte ich mich auf den Boden. Ich stützte mich auf meine Hände, während ich den Kopf noch weiter senkte. Endlich konnte ich die Unterseite meines Autos sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein selbstironisches Lachen verließ meine Lippen. Ich schüttelte den Kopf, während ich wieder aufstand. Dort war niemand unter meinem Auto. Natürlich nicht. Wie konnte ich nur so bescheuert sein? Es gab keinen Mall Slasher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Gefühl, als wäre mein Herz mehrere Kilo leichter, ging ich zu meinem Kofferraum zurück. Langsam, fast schon ruhig, drückte ich ihn zu. Dann ging ich weiter zur Fahrertür. Dort griff ich ohne Umschweife nach dem Türgriff. Ich wollte die Tür gerade öffnen, als plötzlich ein markerschütternder Schrei durch die Luft schnitt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erstarrte. Das war die Stimme einer Frau. Sie kreischte wie am Spieß, bis ihre Schreie plötzlich durch irgendetwas erstickt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fieberhaft dachte ich nach. Was sollte ich tun? Sollte ich losfahren, mich in Sicherheit bringen? Oder sollte ich nachsehen, was da los war? Der Frau helfen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für maximal eine Sekunde schloss ich meine Augen, wägte meine Chancen ab, auch wenn ich mich bereits entschieden hatte. Ich würde sicher bereuen, was ich gleich tat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment rannte ich los. Die erstickten Schreie kamen von einem anderen Teil des Parkplatzes. Ich musste um eine Ecke biegen, um ihn einzusehen. Dort sah ich eine Gestalt am Boden neben einem der Autos kauern. Als sie meine Schritte bemerkte, riss sie den Kopf hoch, sprang auf und rannte in die entgegengesetzte Richtung davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast sofort wurden die Schreie wieder lauter. „Hilfe! Hilf mir!“, kreischte die Frau panisch, die dort am Boden lag, wo die Gestalt eben gehockt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rannte sofort zu ihr. „Was ist passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie brauchte gar nicht antworten. Ich wusste Bescheid, sobald ich das Blut an ihren Beinen sah. Der Mann hatte ihre Fersen zerschnitten. Der Mall Slasher war real. Und wer weiß, was er der Frau angetan hätte, wenn ich nicht da gewesen wäre …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hatte ich sofort den Notruf gewählt und mich um die Frau gekümmert, bis die Polizei und der Krankenwagen da gewesen waren. Aber während die Frau sofort ins Krankenhaus gebracht wurde – ihre Wunden verheilten in den kommenden Wochen übrigens gut –, hatte die Polizei weniger Erfolg mit ihrer Arbeit. Man nahm zwar meine Zeugenaussage auf und durchsuchte die komplette Gegend, einen Verdächtigen oder sonstige Hinweise fanden sie jedoch keine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den kommenden Tagen war ich das neue Gesprächsthema Nummer eins in der Schule. Olivia und Samantha taten ihr Bestes, um die neugierigen Fragen der anderen Schüler von mir fernzuhalten. Trotzdem hatte ich von meinem Erlebnis inzwischen Dutzende Male erzählen müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber während die anderen das „cool“ und „aufregend“ fanden, hatte ich nur einen Gedanken im Kopf: Ich hatte verdammt viel Glück gehabt, dass der Mann sich nicht unter meinem Auto versteckt hatte.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Mall Slasher (Englisch für „Der Einkaufszentrum Schlitzer“) ist eine urbane Legende aus den USA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist ebenfalls bekannt unter den Namen „The Man Under The Car“ („Der Mann unter dem Auto“) und „The Ankle Slasher“ („Der Knöchel Schlitzer“).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusammen fassen die drei Titel den Inhalt der Geschichte bereits sehr gut zusammen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Täter aus den „The Mall Slasher“-Legenden ist in fast allen Fällen ein Mann, seltener sind es mehrere Männer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Aussehen kann von Geschichte zu Geschichte stark variieren, oft wird jedoch gar nicht darauf eingegangen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ablauf der verschiedenen Versionen ist oft sehr ähnlich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Opfer, meist eine junge Frau, ist einkaufen. Es kann je nach Erzählung entweder abends oder auch mitten am Tag sein. Auf dem Rückweg zum Auto ist die Frau scheinbar allein auf dem Parkplatz, während sich der Täter unter ihrem Auto versteckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald sie völlig ahnungslos ihr Auto erreicht, schnellt plötzlich eine Hand mit einem Messer unter dem Auto hervor und zerschneidet ihr entweder eine oder beide Fersen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun, da die Frau nicht mehr weglaufen kann, hat der Täter mit ihr leichtes Spiel. Entweder raubt er sie aus, stiehlt ihr Auto, er vergewaltigt sie, entführt sie oder verstümmelt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade Letzteres ist besonders bei einer Version der Legende beliebt, in der es heißt, dass der Täter ein Anwerber einer Gang sei. Als Aufnahmeritual muss er der Frau z. B. einen Finger abschneiden, um ihn als Beweis zu präsentieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofern in einer Version zwei oder mehrere Täter involviert sind, versteckt sich nur einer der Männer unter dem Auto. Die anderen warten abseits oder verstecken sich woanders.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort des Geschehens ist meist der Parkplatz oder die Tiefgarage eines Einkaufszentrums, Supermarkts, einer Einkaufsstraße o. Ä. in den Vereinigten Staaten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber natürlich auch andere Versionen der Legende, die an anderen Orten wie z. B. einer abgeschiedenen Raststätte, einer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/lovers-lane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lovers Lane</a> oder einem Waldparkplatz spielen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bei dem Ursprung dieser urbanen Legende kann ich euch beruhigen: Sie beruht auf keiner wahren Begebenheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der urban legend Experte Jan Harold Brunvand hat die Legende auf das Jahr 1978 zurückverfolgt, wo sie ihm zufolge erstmals in Fargo, North Dakota aufgekommen sei. Obwohl sie nichts weiter als ein Gerücht war, hat sie sich von dort aus schnell in andere Staaten ausgebreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wen wundert das? Besonders nachts fühlen sich viele Leute unwohl, wenn sie allein unterwegs sind. Und wer hat nicht ab und an das Gefühl, beobachtet zu werden, wenn man nachts allein auf dem Weg zu seinem Auto ist? Da erscheint einem die Vorstellung, dass sich ein Mann unter dem Auto verstecken könnte, gar nicht mehr so abwegig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1970er Jahren löste die Mall Slasher Legende sogar eine regelrechte Panik aus. Es gab unzählige Gerüchte über verschiedenste Parkplätze von Einkaufszentren, die angeblich betroffen waren. Einen tatsächlichen Polizeibericht über einen solchen Fall gab es jedoch nirgends.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem ist das Gerücht immer wieder aufgekommen. Ihre Blütezeit hatte die Legende in den 1970er bis 1990er Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch auf TikTok kursieren Gerüchte über einen oder mehrere berüchtigte Ankle Slasher („Knöchel Schlitzer“), seit eine TikTokerin das Gerücht 2020 erneut aufgebracht hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen wurde die urbane Legende außerdem in dem Slasher-Film „Düstere Legenden“ (1998) aufgegriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von the Mall Slasher? Habt ihr selbst schon einmal Angst gehabt, dass sich jemand unter einem Auto verstecken könnte? Wird sich das in Zukunft ändern? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>Halloween Special 2022 &#8211; Podcast</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Oct 2022 14:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[Sonstiges]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich weiß, die meisten von euch erwarten heute wahrscheinlich eine neue Geschichte, aber ich habe lange darüber nachgedacht und mich dazu entschieden, dieses Halloween etwas Anderes auszuprobieren: Ich habe meine Geschichte zu den „Halloween Campus Murders“ für euch vertont.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/halloween-special-2022">Halloween Special 2022 &#8211; Podcast</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß, die meisten von euch erwarten heute wahrscheinlich eine neue Geschichte, aber ich habe lange darüber nachgedacht und mich dazu entschieden, dieses Halloween etwas Anderes auszuprobieren: Ich habe meine Geschichte zu den „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/halloween-campus-murders" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Halloween Campus Murders</a>“ für euch vertont.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige von euch wissen sicherlich noch, dass ich vor Monaten mal überlegt hatte, einen Podcast zu starten. Die Idee hat mich bis heute nicht losgelassen. Seht meinen heutigen Beitrag also gerne als eine Art Probelauf für meinen Podcast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das heißt: Ich würde mich sehr über eure Rückmeldungen freuen. Was kann ich besser machen? Spreche ich zu schnell oder zu langsam? Zu emotionslos? Mache ich zu lange, zu kurze, zu viele oder zu wenige Sprechpausen? Ist die Hintergrundmusik zu laut, zu leise oder soll sie lieber ganz weg? Ist die Musik (für den Anfang) abwechslungsreich genug?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was auch immer euch auf- und einfällt, konstruktive Kritik kann mir nur helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wünsche ich euch aber viel Spaß bei meiner überarbeiteten und vertonten Version von den Halloween Campus Murders und ein frohes <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Halloween</a>!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Explizite Darstellung körperlicher Gewalt<br>
&#8211; Tod</p></details>



<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2022/10/S1E0-Halloween-Campus-Murders.mp3"></audio><figcaption>Halloween Campus Murders &#8211; Geister und Legenden Podcast</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe, euch hat die Folge gefallen. An dieser Stelle möchte ich euch noch einmal um eure Kritik bitten. Denn nur so kann ich es in Zukunft besser machen. Schreibt eure Meinungen und Wünsche in die Kommentare, als PN bei <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a> oder <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden">Facebook</a> oder schreibt mir eine E-Mail.</p>
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		<title>Die Halloween Campus Murders (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Oct 2022 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Campus Killer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Ja ja, sehr witzig“, erwiderte Jeffrey genervt. „Das Gerücht ist doch scheiße!“<br />
Mary und Angela sahen jedoch nicht aus, als würden sie scherzen. Während ich eindeutig Angst in Marys Augen sehen konnte, starrte Angela nur verstört zu Boden.<br />
„Das ist kein Gerücht“, jammerte Mary. „Irgendwer hat sie zerstückelt. O Gott, da war überall Blut.“</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/09ffd31f45304d5697ee86fc62eceec7" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Halloween Campus Murders sind ein beliebtes Gerücht, das immer mal wieder in der Zeit vor <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Halloween</a> an amerikanischen Universitäten verbreitet wird. Als Teil meines Halloween-Specials 2022 habe ich die Geschichte für euch vertont und überarbeitet. Wenn sie euch also lieber anhören wollt, findet ihr das Audio <a href="https://www.geister-und-legenden.de/halloween-special-2022" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Explizite Darstellung körperlicher Gewalt<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey, Eric. Meinst du, dass heute Abend wirklich was passiert?“, fragte Jeffrey. Ich sah, dass er unruhig mit dem Bein wippte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du glaubst doch nicht ernsthaft an Wahrsagerei oder so einen Quatsch? Das sind nur Spukgeschichten“, erwiderte ich skeptisch. Ich würde ihm nicht gestehen, dass ich einen Baseballschläger unter meiner Decke versteckt hatte, nur für den Fall, dass tatsächlich ein Axt schwingender Mörder in unser Zimmer stürmen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich sollte euch wohl erst einmal erzählen, was genau los war: Alles hatte vor einigen Wochen angefangen. Damals war das Gerücht aufgekommen, dass ein berühmtes Medium in einer Talkshow ein schreckliches Verbrechen an einer Universität vorausgesagt haben soll. Komisch nur, dass mir bisher niemand auch nur einen Ausschnitt aus der vermeintlichen Talkshow zeigen konnte. Gerade einmal eine Handvoll Studenten behauptete, das Interview selbst gehört zu haben. Einer von ihnen war Jonathan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Ich sehe es vor mir … Am Halloweenabend wird ein fürchterliches Verbrechen geschehen. Ich sehe eine blutige Axt. Acht Menschen werden sterben. Der Ort … ich kann ihn nicht genau erkennen. Es ist eine Universität, aber ich weiß nicht, welche. Ganz in der Nähe ist ein Friedhof und … ja … ihr Name beginnt mit einem W. Nein. Nein! Mit einem M!</em>‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so ähnlich hatte Jonathan es uns unter dramatischen Handgesten vorgetragen. Und obwohl ich nicht an so einen Schwachsinn wie Wahrsagerei oder ein Medium glaubte, hatten sich seine Worte in mein Gedächtnis eingebrannt. Besonders, da Jonathan letzte Nacht abgereist war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und sogar die Universität hatte eine offizielle Warnung an die Eltern geschickt. In der Mail stand natürlich nichts von dem Medium, aber den Eltern wurde empfohlen, die Studenten über Halloween nach Hause zu holen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige meiner Freunde hingegen hatten die tolle Idee, hierzubleiben. Sie redeten davon, dass es sicher lustig sei, die ganze Uni nur für uns zu haben. Außerdem würde das Gerücht wunderbar zur Halloweenstimmung beitragen. Und so hatte ich mich überreden lassen, mich ihnen anzuschließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte ich jedoch gewusst, dass ich den halben Tag mit einem flauen Gefühl im Magen paranoid auf dem Bett sitzen würde, wäre ich wohl zu meinen Eltern gefahren. Ich fragte mich, ob es der Gruppe Freshman-Studenten ähnlich ging, die ebenfalls hier geblieben waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich hörten wir Schritte aus dem Flur – schnelle Schritte. Jeffrey und ich warfen einander ängstliche Blicke zu. Gleichzeitig griff ich nach dem Baseballschläger. Als die Tür aufschwang, sprang ich auf, bereit, jedem den Kopf einzuschlagen, der uns bedrohte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch vor mir stand kein Killer. Dort waren nur Mary und Angela, die in unser Zimmer huschten und hastig die Tür hinter sich schlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich dachte, wir wollten uns erst um acht treffen?“, fragte ich möglichst gelassen. Ich war schon dabei, den Baseballschläger zurück aufs Bett zu legen, als ich Marys verstörten Blick bemerkte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie sind tot!“, sagte sie panisch. Sie sprach dabei leise, als traue sie sich nicht, die Stimme zu heben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja ja, sehr witzig“, erwiderte Jeffrey genervt. „Das Gerücht ist doch scheiße!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mary und Angela sahen jedoch nicht aus, als würden sie scherzen. Während ich eindeutig Angst in Marys Augen sehen konnte, starrte Angela nur verstört zu Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist kein Gerücht“, jammerte Mary. „Irgendwer hat sie zerstückelt. O Gott, da war überall Blut.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Satz war ich bei ihr. „Wer? Wer ist tot? Geht es June gut?“, fragte ich entsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">June, meine Freundin, war eine der wenigen Studenten, die hier geblieben waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich … Ich weiß es nicht“, sagte sie den Tränen nahe. „Gesehen habe ich nur Zack und Owen, aber da lag noch jemand. Fuck!“ Sie hatte Schwierigkeiten, ihren Atem unter Kontrolle zu halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeffrey hingegen war von all dem völlig unbeeindruckt. „Du glaubst den Scheiß doch nicht etwa?“, fragte er genervt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Gedanken überschlugen sich. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Mary uns verarschen wollte, aber ich musste auf Nummer sicher gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schwör es!“, befahl ich. „Schwöre bei Gott!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mary war streng gläubig. Bei so etwas konnte sie nicht lügen – und das wusste auch Jeffrey.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch so sehr ich auch hoffe, dass sie jetzt verärgert schnauben, mit den Augen rollen und mich einen Spielverderber nennen würde, sie tat es nicht. Ihr Blick blieb voller Furcht. „Ich schwöre!“, wimmerte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bedrohliche Stimmung, die ihre Worte auslösten, legten sich wie eine dunkle Wolke über uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Waren Zack und Owen wirklich tot? Wie konnte das sein? Und was war mit June? Was war mit meiner Freundin?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Konntest du erkennen, wer die dritte Leiche war?“, fragte ich jetzt Angela.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch sie starrte nur vor sich hin und schüttelte in Zeitlupe den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir hätten ja nachgesehen, aber da war ein Mann … Wir … Wir sind weggerannt“, verteidigte Mary ihre Mitbewohnerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte, warte, warte“, ging Jeffrey dazwischen. Auch er war inzwischen aufgestanden. „Der Mörder hat euch gesehen?!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne eine Antwort abzuwarten, schob er Mary beiseite, öffnete vorsichtig die Tür und spähte in den Flur. Als er scheinbar niemanden sehen konnte, schloss er sie fast geräuschlos wieder, nahm den klapprigen Holzstuhl von unserem Schreibtisch und klemmte ihn unter den Türknauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ruft sofort die Polizei an!“, befahl er in den Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mary kramte ihr Handy hervor. Und auch ich nahm meins vom Nachttisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich ruf June an“, sagte ich entschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand widersprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Augenwinkel beobachtete ich, wie Mary die 911 wählte. Mein letztes Bisschen Hoffnung klammerte sich noch immer an den Gedanken, dass es sich um irgendeinen übertriebenen Scherz handelte. Doch als Mary nicht einmal eine Millisekunde zögerte, ehe sie auf den grünen Hörer tippte, stürzte meine Hoffnung den Abgrund hinunter, um kurz darauf am Boden zu zerschellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir war leicht schwindelig, während ich durch die Kontakte auf meinem Smartphone scrollte. Gleichzeitig versuchte ich, zu begreifen, was hier gerade passierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tuuut</em>. Hier war ein Mann, der uns umbringen wollte. <em>Tuuut</em>. Eine Wahrsagerin hatte es im Fernsehen vorausgesagt. <em>Tuuut</em>. Es könnte sein, dass meine Freundin tot war. <em>Tuuut</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey, hier ist June. Leider bin ich im Moment nicht zu erreichen. Hinterlass mir eine Nachricht und ich ruf dich vielleicht zurück“, drang die vertraute Stimme aus dem Telefon. Dann ertönte das Freizeichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„June? June, hier ist Eric. Irgendein Mann hat Zack und Owen umgebracht. Wenn du das hier hörst, versteck dich irgendwo! Ich versuche, zu dir zu kommen. Hörst du? Ich komme zu dir!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich mein Handy mit zittriger Hand wegsteckte, war Mary wild am Diskutieren. „Bitte Sie müssen mir glauben. Irgendein Wahnsinniger möchte uns umbringen!“, kreischte sie panisch ins Telefon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Person am anderen Ende antwortete, bemerkte ich jedoch noch etwas anderes: Schwere Schritte kamen leise aus dem Flur … und sie wurden von Schritt zu Schritt lauter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, das ist kein Kostüm!“, fuhr Mary fort. „Sie müssen …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schhht!“, unterbrach ich Mary. Sie hörte sofort auf zu reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweigend standen wir da, den Blick ängstlich auf die Tür gerichtet. Jetzt hatten die anderen es auch gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo? Hallo, sind sie noch da?“, war leise aus dem Telefon zu hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann drehte sich plötzlich der Türknauf. Irgendjemand drückte von außen gegen die Tür. Es war ein dumpfes Geräusch zu hören, als hätte sich jemand halbherzig gegen die Tür geworfen, doch der Stuhl hielt stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann klopfte es. „Mädels, seid ihr da drinnen? Macht doch bitte die Tür auf“, ertönte eine gedämpfte Männerstimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand antwortete. Stattdessen hielten wir kollektiv den Atem an und warfen einander ängstliche Blicke zu. Ich kannte die Stimme, konnte sie jedoch nicht direkt zuordnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Rums</em>. Irgendetwas wurde mit voller Wucht gegen die Tür gedonnert. Mary, Angela, Jeffrey und ich zuckten gleichzeitig zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Rums</em>. Eine Delle bildete sich in der Tür. <em>Rums</em>. Holz splittert, während die Spitze eines Axtkopfes durch den neu entstandenen Spalt in der Tür ragte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Axt! Eine verdammte Axt! Genau, wie es das Medium vorausgesagt hatte!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Knack</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt schrien wir alle durcheinander, während wir uns möglichst weit von der Tür wegbewegten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Rums</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Doch anstatt noch weiter in Panik zu verfallen, zwang ich mich, tief durchzuatmen und nachzudenken. Wenn ich jetzt durchdrehte, konnte das meinen Tod bedeuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Rums</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir waren im zweiten Stock. Der einzige Eingang war die Tür, die gerade von einem Irren zerhackstückelt wurde. Wir waren eingesperrt, außer …</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Rums</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Fenster!“, brüllte ich, über das Knirschen der Tür hinweg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Augenpaare waren auf mich gerichtet. Sie blickten panisch zwischen mir und der Tür hin und her.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind im zweiten Stock. Alleine der Fall könnte uns umbringen!“, schrie Angela mich an. Dann fiel ihr Blick auf meinen Baseballschläger. „Wenn du schnell genug zuschlägst, könntest du …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ sie nicht ausreden. „Neben dem Fenster verläuft ein Fallrohr von der Regenrinne!“, unterbrach ich sie. „Daran können wir nach unten klettern!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich das Fenster geöffnet hatte, sahen die anderen mich erwartungsvoll an. Sie waren sofort mit mir gekommen, aber ich wusste, dass ich nicht drumherum kommen würde, als Erster hinauszuklettern. Immerhin war es meine Idee gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein letzter Blick zur Tür verriet mir, dass sie nicht mehr lange standhalten würde. Bald wäre das Loch groß genug, dass jemand hindurchgreifen und den Stuhl wegstoßen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch, während ich den Baseballschläger in meinen Gürtel schob. Dann hielt ich mich am Fensterrahmen fest. Der Weg nach unten wirkte höher als nur zwei Stockwerke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, scheiß drauf!“, fluchte ich, während ich mein Bein über das Fensterbrett schwang. Ich zwang mich, den Kopf gerade zu halten und nicht noch einmal nach unten zu sehen. Mit beiden Händen griff ich nach dem Fallrohr. Ich klammerte mich mit aller Kraft daran fest. Es war eiskalt. Dann zog ich mein zweites Bein aus dem Fenster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment dachte ich, ich würde abrutschen. Doch ich schaffte es, meine Füße von beiden Seiten gegen das Rohr zu pressen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell und trotzdem vorsichtig begann ich, am Rohr hinunterzurutschen – Stück für Stück, Meter für Meter –, bis ich endlich festen Boden unter den Füßen hatte. Auch wenn mein Herz raste, als hätte ich einen Marathon hinter mir, musste ich zugeben, dass es einfacher war, als erwartet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Okay, es ist sicher!“, rief ich den anderen zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange bis auch Mary und Angela unten waren. Jetzt fehlte nur noch Jeffrey. Er saß auf dem Fensterbrett und starrte zu uns herunter, dann zum Rohr, dann wieder zu uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Denk nicht darüber nach!“, brüllte ich ihm zu. „Greif einfach nach dem Rohr und klammer dich fest! Du schaffst das!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich griff er nach dem Rohr. Ich sah sogar auf die Entfernung, dass seine Hand zitterte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich starrte er ins Zimmer zurück. „Scheiße!“, hörte ich ihn fluchen. Er packte hastig mit der zweiten Hand nach dem Fallrohr, bevor er sich mit voller Wucht nach draußen schwang – mit zu viel Wucht. Seine Hand rutschte ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jeff!“, schaffte ich es noch, zu brüllen, während ich auf ihn zu rannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der Fall war zu kurz. Sein Körper fiel zu schnell. Ehe ich auch nur versuchen konnte, ihn aufzufangen, klatschte Jeffrey mit einem ekelhaften Klatschen vor mir auf den Steinboden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mary und Angela kreischten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch mir entfuhr ein spitzer Schrei. „Jeff! Jeffrey! Kannst du mich hören?“, schrie ich, während ich zu ihm stürzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch er antwortet er nicht. Stattdessen bildete sich eine Pfütze aus Blut um seinen Kopf herum. Ich spürte die warme Flüssigkeit an meinem Knie, wie sich meine Jeans langsam vollsog …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell fasste ich an Jeffs Hals, um seinen Puls zu fühlen. Nichts. Ich hielt meine Hand unter seine Nase. Kein Atem. Jeffrey war tot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich aufstand, sahen die beiden Mädchen mich wie gebannt an. Ich schüttelte den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mary brach in Tränen aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer im Schock starrte ich zurück zu dem Fenster, aus dem er gestürzt war und erschrak. Dort stand ein Mann! Obwohl er fast sofort seinen Kopf zurückgezogen hatte, hatten wir ihn erkannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„War das …?“, fragte Angela fassungslos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mr. Willson“, vervollständigte ich ihre Vermutung. Der axtschwingende Irre war unser liebenswürdiger Hausmeister.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich rannte Mary los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte! Wo willst du hin?“, rief Angela, während wir ihr nachrannten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wohin wohl? Hier weg und dann direkt zur Polizei!“, erwiderte Mary.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und was ist mit den anderen?“, warf Angela ein. „Sie wissen von nichts. Willst du, dass ihr Blut an deinen Händen klebt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mary war hin- und hergerissen. Man sah ihr an, dass in ihr ein Kampf zwischen ihrem Glauben und ihrer Angst tobte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch ich musste Angela zustimmen. Nicht, weil ich mich für das Leben einiger Freshman-Studenten interessierte, sondern weil es eine geringe Chance gab, dass June noch lebte. Wenn sie sterben würde, weil ich sie zurückgelassen hatte, könnte ich mir das nie verzeihen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir entschieden, den Umweg über den Westeingang zu nehmen – für den Fall, dass Mr. Willson bereits auf dem Weg zu uns war. Wir hatten keine Lust, ihm in die Arme zu laufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zögerte erst, als wir drinnen am Fuß der Treppe standen. Zwiegespalten sah ich nach oben. Sollten wir wirklich wieder hochlaufen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist mit dem Feueralarm?“, schlug ich vor. „Wenn wir den auslösen, rennen die anderen schon nach draußen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mary schüttelte energisch den Kopf. „Mr. Willson weiß, wo wir uns bei Brandschutzübungen versammeln sollen. Sie würden ihm direkt in die Arme rennen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich knirschte mit den Zähnen. Uns blieb wohl nichts anderes übrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Shit!“, fluchte ich leise. Dann rannte ich die Treppen rauf. Mary und Angela waren mir dicht auf den Fersen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im zweiten Stock nahm ich sofort den Gang zu unserer Linken. Junes Zimmer war auf der anderen Seite des Gebäudes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eric!“, zischte Angela mir nach. „Eric, wo willst du hin? Die Freshman-Studenten sind im dritten Stock!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich geh zu June!“, flüsterte ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir wissen nicht einmal, ob sie noch lebt. Und die Freshmen sind völlig ahnungslos!“, erwiderte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da hatte sie recht … Verdammt! Aber June war mir wichtiger!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Okay. Ihr rennt nach oben und ich hole June. Wir treffen uns beim …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“, zische Angela mir zu. „Wir teilen uns ganz sicher nicht auf! Außerdem ist June auch unsere Freundin. Aber wenn sie nicht in ihrem Zimmer ist, gehen wir sofort nach oben!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte gar nicht sagen, wie dankbar ich den beiden war, dass mitkommen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich knallte ganz in der Nähe eine Tür. Ohne einen Laut von uns zu geben, schlichen wir um eine Ecke und drückten uns an die Wand. Meinen Baseballschläger hielt ich mit beiden Händen fest umklammert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwere Schritte ertönten von der Treppe. „Scheiß Kinder!“, hörte ich Mr. Willson grummeln. „Sagen, sie seien Erwachsene, haben aber keinerlei Anstand! Immer nur feiern, saufen, kotzen. Und wer darf es saubermachen? Aber es reicht. Es reicht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Stimme hatte eine Tonlage, wie ich es bisher nur von Verrückten aus irgendwelchen Filmen kannte. Ich erkannte ihn gar nicht wieder. Sonst war er immer so ein netter Mann gewesen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während er weiter vor sich hin grummelte, schloss ich die Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Komm nicht hier lang. Geh einfach weiter. Einfach weiter!</em>‘, dachte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wenn dieser Abend mich eine Sache gelehrt hatte, dann, dass das Glück nicht auf unserer Seite war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er kommt!“, zischte Mary, während sie mich sanft schubste und nach Angelas Handgelenk griff. „Er kommt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ ich mir kein drittes Mal sagen. Sofort nahm ich meine Beine in die Hand und rannte. Mary und Angela waren dicht hinter mir – direkt gefolgt von den schweren Schritten unseres Hausmeisters.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hab ich euch!“, schrie er. „Bleibt stehen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich rannte, dachte ich fieberhaft nach. Wir mussten irgendwie Abstand gewinnen. Aber wo sollten wir lang? Durch den Computerraum? Er hatte zwei Eingänge. Wenn wir die erste Tür blockieren konnten …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marys Aufschrei riss mich aus den Gedanken. Sie war gestürzt! Mr. Willson hatte sie fast eingeholt! Obwohl er humpelte – eine alte Kriegsverletzung –, hatte er eine wahnsinnige Geschwindigkeit drauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße! Steh auf. Steh auf!“, kreischte Angela.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mary versuchte, sich an ihrem Handgelenk hochzuziehen, das sie noch immer umklammert hielt, doch sie schien sich am Fuß verletzt zu haben. Sie schaffte nur einen Schritt, bevor sie wieder umknickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mary, Vorsicht!“, schrie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch meine Warnung kam zu spät. Mr. Willson hatte sie bereits eingeholt. In einer flüssigen Bewegung hob er seine Axt und ließ die Klinge in Marys Rücken krachen. Eine widerwärtige Mischung aus Schmatzen und Knacken war zu hören, bevor Mary wie am Spieß zu Kreischen begann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich sie an. Es war, als hätte ich die Kontrolle über meinen Körper verloren, als würde ich bloß einen Film gucken und könnte selbst nichts tun, mich nicht mehr bewegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mr. Willson stemmte sich mit einem Fuß an Marys Rücken ab und zog die Axt mit einem Ruck heraus. Blut spritzte in alle Richtungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel mein Blick auf Angela. Sie zerrte noch immer an Marys Arm!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lass sie los! Lass sie los!“, brüllte ich. Für Mary war es zu spät.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich kann nicht. Sie hält mein Handgelenk fest!“, kreischte Angela zurück. Ich hatte noch nie so viel Panik in einer Stimme gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen meinen Fluchtreflex ankämpfend, rannte ich auf sie zu. Ich musste ihr helfen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war gerade bei ihr, griff schon nach Marys verkrampfter Hand, als mich plötzlich ein Schwall Blut genau im Gesicht traf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwirrt taumelte ich rückwärts. Ich blinzelte, um das Blut aus meinen Augen zu bekommen. Was war passiert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich Angela ansah, wurde mir schwindelig. Mr. Willson hatte sie mit der Axt am Hals erwischt. Angelas und mein Blick trafen sich. In ihren Augen schimmerten Tränen. Sie röchelte, als wolle sie etwas sagen. Doch aus ihrem Mund und ihrem Hals spritze bloß Blut. Dann brach sie zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah nicht mehr, wie ihr Körper auf den Boden aufschlug. In dem Moment, wo sie zu fallen begann, hatte ich mich umgedreht und war losgesprintet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich es bis zum Computerraum schaffte, könnte ich genug Zeit gewinnen, um in Junes Zimmer zu sprinten. Wenn ich sie gefunden hatte, würden wir sofort fliehen. Scheiß auf die Freshman-Studenten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und tatsächlich schaffte ich es in den Computerraum – wahrscheinlich, weil Mr. Willson mir nicht sofort hinterhergelaufen war. Er war zurückgeblieben und hatte weiter auf Mary und Angela eingehackt – zumindest den Geräuschen nach zu urteilen. Ich versuchte, nicht weiter darüber nachzudenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Computerraum griff ich sofort nach einem der Stühle. Ich klemmte ihn unter die Tür, woraufhin er sofort wegrutschte. Ich versuchte es noch einmal, aber keine Chance, die Rollen fanden auf dem glatten Boden keinen Halt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen packte ich einen Tisch, auf dem ein Computer stand, und kippte ihn und lautem Gepolter und Geschepper vor die Tür. Hoffentlich würde es reichen. Ich wartete jedoch nicht ab, um es herauszufinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine dreißig Sekunden später, rannte ich auf der anderen Seite wieder durch die Gänge. Zimmer 314. 313. 312. Da! Ich hatte Junes Zimmer erreicht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich nach ihrem Türknauf griff, hoffte ich, dass der Raum abgeschlossen sei. Doch als ich ihn drehte, sprang die Tür sofort auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte. „June?“, fragte ich leise, während ich mich langsam in den Raum schob. „June, bist du da?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zittriger Hand tastete ich nach dem Lichtschalter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich fast damit gerechnet hatte, war ich auf den Anblick nicht vorbereitet gewesen: Meine Freundin lag direkt vor mir am Boden. Ihre Augen starrten leer und ausdruckslos an die Decke. In ihrer Brust klafften mehrere tiefe Wunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich hatte Mr. Willson an die Tür geklopft, bevor er zugeschlagen hatte. Sie wurde von ihm völlig überrascht …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel mein Blick auf ihr Handy, das neben ihrer schlaffen Hand lag. Hätte ich das Display eingeschaltet, hätte mir ein verpasster Anruf entgegengeleuchtet. Ein Anruf, den ich getätigt hatte, als June schon tot war. Ein Anruf, den sie nicht einmal mehr gehört hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich schwere Schritte hinter mir hörte, erstarrte ich. Acht Tote. Hatte das Medium das nicht gesagt? All die anderen Voraussagen waren eingetroffen, warum also nicht auch diese letzte? Zack, Owen, der Unbekannte, Jeffrey, Mary, Angela und June. Bisher waren es sieben Opfer und ich hatte keine Kraft mehr, wegzulaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch stattdessen war da etwas anderes. Ein Funke, den ich zuvor nicht gespürt hatte. Eine Mischung aus Trauer und Wut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Hand schloss sich fester um den Baseballschläger, während ich den Schritten zuhörte, wie sie näher und näher kamen. Als sie schließlich fast bei mir waren, stieß ich einen lauten Schrei aus. Ich riss die Tür auf, sprang auf den Flur und donnerte den Schläger mit voller Wucht gegen Mr. Willsons Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war Zufall, dass ich ihn so gut getroffen hatte. Mit demselben dumpfen Geräusch, das der Baseballschläger machte, als er seine Schläfe traf, fiel Mr. Wilson zu Boden. Die Axt landete scheppernd neben ihm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam stellte ich mich über ihn. Er atmete schwer, sah mich aus entsetzten Augen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„E-Eric, bitte!“, flehte er. Seine Stimme klang wieder wie früher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es ließ mich kalt. Es war nicht fair, dass er überleben sollte, wenn meine Freunde tot waren. Der Funke in mir war inzwischen zu einem Feuer angeschwollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Kopf sah ich meine Freunde vor mir. Ich erinnerte mich an ihr Lächeln, an ihr Lachen, das ich nie wieder hören würde. Mit leerem Blick hob ich den Baseballschläger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Acht Tote. Hatte das Medium das nicht gesagt? All ihre Voraussagen waren eingetroffen. Warum also nicht auch diese letzte?</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Halloween Campus Murders (Englisch für „Halloween Campus Morde“), auch „Halloween Campus Killer“ oder „Halloween Campus Massacre“, sind eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>, die in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder in Amerika aufgekommen ist. Es löste bereits regelrechte Paniken an verschiedenen Universitäten in den USA aus.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Gerücht:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die Gerüchte sich in den verschiedenen Regionen und Jahren immer leicht unterschieden haben, war die Grundaussage fast immer gleich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein berühmtes Medium soll in einer bekannten Fernsehshow vorausgesagt haben, dass es an Halloween an einer Uni, deren Standort häufig nur durch schwammige Details eingegrenzt wurde, einen Massenmord geben soll. Oft heißt es, dass die Morde in einem Studentenwohnheim stattfinden sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor ihrem Tod 1997 wurde hierbei meist das berühmten Medium Jeane Dixon, der nachgesagt wird, das Attentat an John F. Kennedy vorausgesagt zu haben, als Medium genannt. Seit ihrem Tod ist meist nur noch von einem „berühmten Medium“ die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Fernsehshow wird häufig beim Namen genannt und soll oft eine bekannte Talkshow wie beispielsweise die Oprah Winfrey Show sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die schwammigen Informationen, die das Medium angeblich über die betroffene Universität nennt, sind z.&nbsp;B., dass sie in einer bestimmten Region stehe, dass sich ein Friedhof, ein Gefängnis, ein Fluss, Bahnschienen o.&nbsp;Ä. in der Nähe des Studentenwohnheims befänden, dass der Name der Universität mit einem M oder W beginnen solle oder, dass der Grundriss des Studentenwohnheims H- oder U-förmig sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird oft eine genaue Opferzahl genannt, die das Medium angeblich voraussehen würde. Beliebte Zahlen hierbei sind 8, 9, 10, 12 oder 20 Opfer.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Täter wird mal mehr mal weniger spezifisch beschrieben. Eine beliebte Version ist ein als Little Bo Peep verkleideter Killer. Es gibt aber auch Versionen in denen der Täter in Alltagskleidung auftreten oder ein anderes Kostüm tragen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber, wer genau der Täter sein soll, gibt es ebenfalls verschiedene Gerüchte. So soll es sich mal um einen Studenten handeln, oder aber um einen Professor, einen Angestellten oder einen Entflohenen einer Nervenheilanstalt oder eines Gefängnisses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofern eine Tatwaffe erwähnt wird, handelt es sich fast immer um eine Axt oder ein Messer.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Typischer Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sich das Gerücht erst einmal verbreitet hat, haben sich bisher immer mehrere Unis gefunden, zu denen die schwammige Ortsbeschreibung gepasst hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesen Unis hat sich dann über Tage und Wochen hinweg das Gerücht dank Mund zu Mund Propaganda gefestigt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mal habe ein Student oder der Freund eines Studenten die Show gesehen oder es wird verbreitet, dass – wenn jemand genauer nachforscht und herausfindet, dass es besagte Folge der Talkshow nie gegeben hat – die Folge für die Talkshow zwar aufgenommen, sie aber nie ausgestrahlt wurde, um eine Panik zu vermeiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studenten verschärfen das Gerücht also selbst, bis die Leute tatsächlich anfangen, daran zu glauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ging bereits häufig so weit, dass (Ent-)Warnungen an die Eltern und Studenten geschickt wurden, viele Studenten über Halloween nach Hause gefahren sind oder sich zu Halloween im Wohnheim verbarrikadiert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächliche Halloween Campus Murders, die das Gerücht bestätigt hätten, hat es in all den Jahren jedoch nie gegeben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die ersten bekannten Gerüchte der Halloween Campus Murders kommen aus dem Jahre 1968, wo sie sich im Mittleren Westen der USA verbreitet haben. Wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat oder aus welchem Grund, ist nicht bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem gab es in späteren Jahren immer wieder ähnliche Gerüchte über Halloween Campus Murders, die sich wie ein Lauffeuer im Land verbreitet haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und selbst heute noch kommt das Gerücht immer mal wieder auf. Trotz Internet und der Möglichkeit, schnell herauszufinden, dass es bereits in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr als eine urbane Legende war, kommt es in der Zeit um Halloween regelmäßig zu Paniken wegen eines angeblichen Killers in amerikanischen Universitäten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Halloween Campus Murders? Mögt ihr diese Art von Halloweengerüchten oder lehnt ihr sie ab? Wie würdet ihr reagieren, wenn eure Uni wegen so etwas plötzlich in Panik verfallen würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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