<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Dämonen-Geschichten Archiv - Geister und Legenden</title>
	<atom:link href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen</link>
	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Sun, 01 Feb 2026 14:02:06 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2019/03/Icon2-150x150.jpg</url>
	<title>Dämonen-Geschichten Archiv - Geister und Legenden</title>
	<link>https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Dec 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[christliche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[christliche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Dämon]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[griechische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[griechische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kallikantzaroi]]></category>
		<category><![CDATA[Kallikantzaros]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtslegende]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtslegenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3333</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wieder dieser besorgte, mitleidgeschwängerte Blick. Ich konnte ihn nicht länger ertragen! Ich war nicht senil. Und vor allem war ich nicht verrückt. Was dachten meine Kinder von mir? Dass ich meinen eigenen Weihnachtsbaum anpissen würde!?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi">Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/5d8849c78b424a94bd9c460c5375c037" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Kallikantzaroi sind eine bekannte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">Weihnachtslegende</a> in Griechenland. Es heißt, dass diese koboldartigen Wesen dort jedes Jahr um die Weihnachtszeit Unruhe stiften.</p>



<p>Außerdem hier noch ein kurzer Hinweis: Auf Wunsch eines Patrons habe ich jetzt eine <a href="https://ko-fi.com/geisterlegenden">Ko-fi Seite</a>, auf der ihr mich – wenn ihr möchtet – mit einer einmaligen oder monatlichen Zahlung unterstützen könnt.</p>



<p>Jetzt will ich euch aber nicht weiter warten lassen. Wir sehen uns nach meiner Winterpause wieder und ich wünsche euch bis dahin frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und …</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Krankheit: Demenz</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Als ich nach Hause kam, merkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Ich hörte Geräusche aus dem Wohnzimmer. Das Problem war: Ich wohnte allein.</p>



<p>Kurz überlegte ich, ob ich nicht bei der Wohnung gegenüber klopfen solle, jemandem Bescheid sagen. Aber nein. Was auch immer das war, ich wollte meine Nachbarn damit nicht bei ihrem Weihnachtsfest stören. Also ging ich mit vorsichtigen Schritten zum Wohnzimmer. „Hallo? Wer ist da?“, rief ich.</p>



<p>„Baba?“, antwortete eine Stimme.</p>



<p>Ich atmete erleichtert auf. Das war Ilias. „Ich dachte, du willst erst heute Abend kommen?“, fragte ich, während ich das Wohnzimmer betrat.</p>



<p>Mein Sohn stand in der Mitte des Raumes vor meinem Fernsehsessel und sah nun in meine Richtung. „Was ist hier passiert?“, fragte er, ohne auf meine Frage einzugehen.</p>



<p>Ich sah mich im Raum um. Dort stand der Weihnachtsbaum, über dem Fernseher hing eine goldfarbene Girlande und auf der Fensterbank standen einige zugeschneite Häuschen mit ausgeschalteter Beleuchtung. „Was ist wo passiert?“, fragte ich. Wie so oft konnte ich seinem Gedankengang nicht ganz folgen.</p>



<p>Ilias nickte Richtung Sessel. „Na hier. Wie hast du das geschafft?“, fragte er.</p>



<p>Noch immer irritiert trat ich nun neben ihn. Jetzt sah ich es auch. Die Fußstütze hing schief. Es musste irgendetwas gebrochen sein.</p>



<p>„Keine Ahnung“, sagte ich. Ich runzelte die Stirn. Wann war das passiert? Gestern Abend war mit dem Sessel doch noch alles in Ordnung gewesen, oder?</p>



<p>Ilias wirkte nicht sehr überzeugt. „Wenn du mich fragst, sieht das aus, als wäre etwas oder <em>jemand</em> auf das Fußteil gestürzt, als es ausgeklappt war.“ Sofort musterte er mich, als suche er nach irgendwelchen Verletzungen.</p>



<p>Ich schnaubte. „Das hätte ich ja wohl mitbekommen. Keine Ahnung, wie das passiert ist.“ Toll. Da sah ich meinen Sohn nach fast einem Jahr zum ersten Mal wieder und das erste, was er machte, waren Vorwürfe. Dabei hätte doch vielmehr <em>ich ihm</em> Vorwürfe machen sollen, dass er mich so selten besuchte, obwohl wir in derselben Stadt wohnten.</p>



<p>Ilias sah mich noch eine Weile unzufrieden an. Dann jedoch wurde seine Miene sanfter. Er nahm mich in den Arm. „Hey Baba. Es tut gut, dich wiederzusehen“, log er.</p>



<p>Ich unterdrückte ein Schnaufen. Stattdessen fiel mein Blick auf das Fenster, vor dem auch die kleinen Häuschen standen. Erst jetzt merkte ich, dass es einen Spalt breit offenstand. „Und was ist mit dem Fenster?“, fragte ich, während ich darauf zuging, um es zu schließen. „Willst du uns krank machen oder warum ist es so kalt hier drinnen?“</p>



<p>Ilias verlagerte das Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Er wich meinem Blick aus. „Na ja, es …“, sagte er dann zögerlich. „Es hat nicht gerade angenehm gerochen, als ich reingekommen bin“, erklärte er. Es war ihm sichtlich unangenehm, mich darauf anzusprechen. Dann jedoch sah er mich an, als verlange er eine Erklärung.</p>



<p>Wieder runzelte ich die Stirn. Es hatte gestunken? Aber in meiner Wohnung stank es nicht. Das wäre mir aufgefallen. Oder?</p>



<p>Jetzt seufzte Ilias. „Tut mir leid. Ich wollte dir nicht zu nahetreten. Ich hätte nichts sagen sollen.“ Bevor ich protestieren konnte, wechselte er jedoch das Thema. „Warum ich aber eigentlich so früh hier bin: Ich dachte, wir können vielleicht zusammen das Weihnachtsessen kochen. Ich weiß doch, wie lange du dafür immer in der Küche stehst.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Während des Kochens blieb die Stimmung angespannt. Ilias gab sich wirklich Mühe, das merkte ich. Aber er war einfach kein guter Koch. Es war mir ein Rätsel, wie er sich das Jahr über allein ernähren konnte.</p>



<p>„Wie sieht es eigentlich mit einer Freundin aus?“, fragte ich. „Hast du inzwischen jemanden kennengelernt? Deine Schwester hat jetzt ja auch endlich geheiratet.“</p>



<p>Ilias schüttelte den Kopf. „Nein. Ich komm so weit ganz gut ohne Frau zurecht. Aber irgendwann treff ich schon die Richtige.“</p>



<p>Ich lächelte ihm aufmunternd zu. „Es gibt da ja auch diese Apps …“, schlug ich vor.</p>



<p>Das hingegen schien ihn zu verärgern. „Können wir bitte über was anderes reden?“, fuhr er mich an. „Ich misch mich ja auch nicht in dein Privatleben ein!“</p>



<p>So ähnlich lief auch das restliche Kochen und sogar das gemeinsame Essen ab. Und so verging ein viel zu langer Abend, an dem mein Sohn und ich kaum ein Wort wechselten. Aber das machte mir nicht allzu viel aus. Trotz allem war es schön, mal nicht allein essen zu müssen. Außerdem hatte ich ja noch genug Tage, an denen ich mich vernünftig mit Ilias unterhalten konnte, ehe er am 06. Januar – dem Ende des 12-tägigen Weihnachtsfestes hier in Griechenland – wieder in der Versenkung verschwand. Noch ahnte ich ja nicht, dass unsere mangelhafte Vater-Sohn-Beziehung nicht mein einziges Problem werden würde.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Tag kam Ilias erst kurz vor dem Abendessen. Ich hatte bereits das Hoirino Prasoselino von gestern auf dem Herd stehen, sodass er nur noch meinen kleinen Esstisch decken musste.</p>



<p>Währenddessen nahm ich mir vor, heute nicht wieder irgendwelche ungemütlichen Themen wie Beziehungen, seinen Job oder gar meinen Wunsch, Enkelkinder zu bekommen, anzusprechen.</p>



<p>Und so wechselten wir kaum ein Wort, bis wir gemeinsam vor unseren dampfenden Tellern saßen.</p>



<p>„Guten Appetit“, sagte Ilias fast sofort, ehe er sich schnell einen Löffel der Suppe in den Mund steckte. Ihm schien die Stille mindestens genauso unangenehm zu sein wie mir.</p>



<p>Das änderte sich jedoch in den nächsten Sekunden. Ich sah, wie er fast sofort das Gesicht verzog. Trotzdem kaute er übertrieben langsam und schluckte den Bissen dann in einem viel zu großen Schluck hinunter.</p>



<p>„Was ist?“, fragte ich. Gestern hatte ihm das Essen noch sehr gut geschmeckt.</p>



<p>Die Frage erübrigte sich jedoch, als ich selbst einen Löffel des Schweine-Sellerie-Eintopfes in den Mund nahm. Sofort breitete sich ein widerwärtiges Aroma in meinem Mund aus. Es war ein viel zu bitterer, leicht salziger Geschmack, von dem gestern noch jede Spur gefehlt hatte.</p>



<p>Ich spuckte das Essen zurück auf meinen Teller. „Das ist ja widerlich“, sagte ich, während ich mir den Mund mit meinem Handrücken abwischte.</p>



<p>„Hast du da noch irgendetwas reingetan?“, fragte Ilias.</p>



<p>Ich zögerte.</p>



<p>„Hast du?“, hakte er nach.</p>



<p>„Na ja, ich habe es ein wenig nachgewürzt. Aber wirklich nur mit etwas Salz und getrockneten Kräutern.“ Und ja, ich hatte es nicht abgeschmeckt. Aber selbst, wenn ich mich bei den Gewürzen vergriffen oder mich bei der Menge geirrt hätte, wäre der Eintopf davon doch niemals derartig verdorben worden!</p>



<p>Trotzdem sah mein Sohn mich wieder mit diesem Blick an. Es war derselbe Blick, den er mir auch bei dem Sessel gestern zugeworfen hatte. Als würde er mir nicht glauben. Als wäre ich schuld an der gebrochenen Fußstütze und dem verdorbenen Essen. Dabei war mir beides ein genauso großes Rätsel wie ihm.</p>



<p>Ich kippte den restlichen Eintopf weg. Kurz darauf saßen wir wieder mit knurrenden Mägen am Esszimmertisch.</p>



<p>„Und jetzt?“, fragte Ilias. „Sollen wir gucken, ob wir noch irgendwo etwas bestellen können?“</p>



<p>Aber ich schüttelte den Kopf. „Ich geh schnell rüber zu Frau Georgiou. Meine Nachbarin macht immer zu viel“, erklärte ich.</p>



<p>Es war Ilias unangenehm, das erkannte ich sofort. Aber er kam aus einer Generation, in der man kaum noch mit seinen Nachbarn sprach. Bei uns alten Hasen war das noch anders. Und so saßen wir kurze Zeit später erneut mit zwei Portionen Hoirino Prasoselino am Esstisch. Es war ein leicht anderes Rezept als meines, aber es schmeckte mir ganz ausgezeichnet. Ich fand sogar, dass es trotz allem ein wirklich netter Abend wurde, an dem Ilias und ich uns hauptsächlich über alte Zeiten und Basketball unterhielten.</p>



<p>Trotzdem dachte ich auch in der Nacht, als Ilias bereits wieder gegangen war, noch die ganze Zeit über den verdorbenen Eintopf nach. Wie zur Hölle konnte mir das nur passiert sein?</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auch die folgenden Tage fühlte ich mich, als wäre ich nicht ganz auf der Höhe. Zwar geschah nichts so Verheerendes wie an den beiden ersten Tagen, aber es passierte mehr als einmal, dass ich irgendetwas verlegte. Ich musste nach der Fernbedienung suchen, die mein Sohn eine Viertelstunde später im Kühlschrank wiederfand. Ilias’ Lieblingspralinen, die ich extra für die Weihnachtszeit geholt hatte, waren unauffindbar. Und sogar das Geschenk für ihn war wie vom Erdboden verschluckt. Wenigstens hatte ich bei Letzterem noch bis zum ersten Januar Zeit, es zu finden – denn hier in Griechenland gab es die Weihnachtsgeschenke immer erst am Neujahrstag.</p>



<p>„Baba?“, fragte Ilias mit einer seltsam belegten Stimme, als ich am Abend des 29. gerade in der Küche stand und uns Schnittchen schmierte.</p>



<p>„Was denn?“, fragte ich. Ich lugte aus der Küche, um Ilias über den Obstteller am Fernsehtisch gebeugt zu sehen.</p>



<p>„Wie lange liegen die Äpfel schon hier?“, fragte er.</p>



<p>Ich dachte einen Moment darüber nach. „Ich hab sie kurz vor Weihnachten geholt. Es kann sein, dass sie schon etwas schrumpelig sind, aber wenn du möchtest, kannst du dir gerne einen nehmen.“</p>



<p>Ilias räusperte sich. „<em>Etwas schrumpelig</em> ist gut. Die Teile sind völlig verschimmelt“, er hob einen der Äpfel mit Daumen und Zeigefinger am Stiel hoch, um ihn mir zu zeigen. Er hatte recht. Der Apfel war braun. Auf ihm hatten sich unzählige weiße Schimmelflecken gebildet.</p>



<p>Ich legte die halbgeschmierte Brotscheibe, die ich in der Hand hielt, beiseite, um zu ihm ins Wohnzimmer zu gehen. „Das ist seltsam“, dachte ich laut. „Wie können die Äpfel so schnell verfault sein?“</p>



<p>Ilias schnupperte leicht daran. Sofort zog er den Kopf zurück. Sein Gesicht war vor ekel verzogen. „Bist du sicher, dass die erst so kurz hier liegen? Ich glaube, es sind die Äpfel, die seit ein paar Tagen so stinken.“</p>



<p>Mit gerunzelter Stirn schnupperte auch ich daran. Ich war nicht zimperlich, also nahm ich einen vollen Zug durch die Nase. Sofort musste ich würgen. Es roch aber nicht nach verfaultem Obst. Es lag keinerlei Süße in dem Gestank. Der Apfel roch vielmehr nach … ja, nach nassem Fell oder etwas Ähnlichem. Sofort kam mir eine Sache in den Kopf, die den Geruch und sogar die seltsamen Vorkommnisse erklären könnte: die Kallikantzaroi.</p>



<p>Ich sprach den Gedanken nicht laut aus. So wie mein Sohn mich gerade ansah, würde er mich wahrscheinlich sofort einweisen lassen, wenn ich meinte, dass die mysteriösen Ereignisse der letzten Tage von koboldartigen Wesen aus der Unterwelt verursacht wurden.</p>



<p>Mein Sohn war noch nie ein gläubiger Mensch gewesen. Verdammt. Ich selbst war alles andere als ein gottesfürchtiger Christ. Also schob ich den Gedanken wieder beiseite. Er wollte mich aber nicht mehr loslassen. Während Ilias die Äpfel entsorgte, während ich die Schnittchen fertigschmierte und sogar als wir sie bei einem Basketballspiel vor dem Fernsehen aßen, schweiften meine Gedanken immer wieder zu den Wesen ab.</p>



<p>Aber wahrscheinlich muss ich mit meiner Erklärung etwas weiter ausholen. Ich bezweifle fast, dass ihr diese Märchengestalten kennt.</p>



<p>Die Kallikantzaroi sind eine beliebte Weihnachtslegende hier in Griechenland. Vor langer Zeit waren sie wohl mal gefürchtet, aber inzwischen kannten die meisten Leute sie nur noch aus den Weihnachtsschauspielstücken in Schulen und von einigen Traditionen um die Weihnachtszeit. Ich selbst kannte sie ansonsten auch nur von den Gruselgeschichten meiner Großmutter.</p>



<p>Der Legende nach lebten diese koboldartigen Wesen das meiste Jahr über in der Unterwelt, wo sie den Lebensbaum zerstören. Aber meine Großmutter meinte immer, sie seien die Diener des Teufels und würden ihm all seine schrecklichen Wünsche erfüllen. Das heißt, bis auf in der kurzen Zeit, in der sie die Unterwelt verließen – die zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 5. Januar, an denen wir in Griechenland Weihnachten feiern.</p>



<p>In dieser Zeit kommen sie in die Städte und Dörfer, wo sie die Menschen terrorisieren und ihnen Streiche spielen. Es heißt, dass sie Gegenstände zerstören, stehlen und verstecken, dass sie Obst und Milch schlecht werden lassen, dass sie in Essen urinieren und noch allen möglichen anderen Schabernack treiben. Kommt euch das bekannt vor? Ich zumindest fand es einen zu großen Zufall, um es zu ignorieren.</p>



<p>Aber zum Glück hatte meine Oma mir nicht bloß von den Wesen erzählt, sie hatte mir auch erklärt, wie man sie loswerden und vom eigenen Haus beziehungsweise der eigenen Wohnung ablenken konnte.</p>



<p>Die wohl einfachste Methode war, ein Sieb vor die Haustür zu legen. Das brachte Kallikantzaroi dazu, die Löcher darin zu zählen. Allerdings waren die Wesen nicht sonderlich schlau. Meine Großmutter hatte gesagt, dass sie nicht einmal bis drei zählen können und sich so immer wieder verzählen, weshalb sie wieder bei eins anfangen mussten, bis die Nacht zu Ende war. Als ich klein war, hatte ich darüber gelacht.</p>



<p>Jetzt, da ich ein erwachsener Mann war, selbst in dem Alter, dass ich bald Enkelkinder erwarten konnte, fand ich es nicht mehr so lustig. Stattdessen stand ich auf und ging in die Küche.</p>



<p>Ilias sah mir nach. Aber da man von der Küche aus in den Flur gehen konnte, von wo aus man ins Bad kam, fragte er nicht, wo ich hinwollte. Ich ging aber nicht auf die Toilette. Nein. Ich holte mein Küchensieb aus dem Schrank, ging damit zur Wohnungstür und legte es nach draußen auf die Fußmatte. Anschließend ging ich zurück zu meinem Sohn, um mit ihm gemeinsam das Basketballspiel weiterzusehen – diesmal trotz all der Vorkommnisse mit einem guten Gefühl im Bauch.</p>



<p>Und was soll ich sagen? Es hätte perfekt sein können. Wahrscheinlich hätte es sogar funktioniert, hätte ich nicht eine Kleinigkeit vergessen.</p>



<p>„Wir sehen uns morgen, Baba“, verabschiedete sich Ilias von mir. „Wieder um die gleiche Zeit?“</p>



<p>Ich nickte. „Gern. Bring ruhig Kuchen mit. Ich geb dir das Geld dafür, wenn du hier bist“, schlug ich vor.</p>



<p>„Mach ich.“ Ilias lächelte mich an. Es war ein ehrliches Lächeln. Als hätte er die verfaulten Äpfel und all die anderen Dinge, wegen denen er sich um mich sorgte, für einen Moment vergessen. „Also dann“, sagte er, während er vor die Tür trat.</p>



<p>Im nächsten Moment folgte ein lautes Scheppern. Ilias konnte sich gerade noch fangen. Fast wäre er gestürzt. Dann bückte er sich nach einem metallenen Gegenstand, der am Boden lag. Er musterte ihn für einen Augenblick.</p>



<p>„Ist das nicht dein Küchensieb?“, fragte er mit tiefen Falten in der Stirn. „Wie ist das in den Flur gekommen? Und jetzt sag mir bitte nicht, dass du es nicht weißt.“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. Peinlich berührt sah ich zu Boden. „Nein. Ich weiß es. Ich hab es selbst dort hingelegt. Es ist eine Art … Vorsichtsmaßnahme“, erklärte ich.</p>



<p>„Eine Vorsichtsmaßnahme?“, wiederholte er. Die Falten in seiner Stirn machten inzwischen der Vikos-Schlucht Konkurrenz.</p>



<p>Kurz überlegte ich, ihn abzuwimmeln und es ihm morgen zu erklären, dann jedoch hielt ich meine Tür auf, um ihn wieder reinzulassen. Das Gespräch würde länger dauern. „Du kennst doch die Kallikantzaroi, oder?“, begann ich.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ilias hatte mir geduldig zugehört, während ich ihm von meiner Theorie erzählt hatte. Er hatte dabei ganz ruhig dagesessen. Zu ruhig, wie ich fand.</p>



<p>„Du denkst also, dass das Sieb dafür sorgt, dass du nichts mehr verlegst? Dass das Essen in deiner Wohnung genießbar bleibt?“, fragte er leise. „Hast du dabei auch nur einmal darüber nachgedacht, was passiert, wenn einer deiner Nachbarn über das Sieb stolpert? So wie ich eben?“ Aber seine Tonlage klang nicht, als würde er sich um meine Nachbarn sorgen. Es klang eher nach: „Es reicht, wenn deine Kinder dich für senil halten. Das müssen nicht auch noch deine Nachbarn tun.“</p>



<p>Ich seufzte schwer. „Ich sage ja nur, dass das Sieb die Probleme lösen könnte. Was ist, wenn es tatsächlich klappt? Wir können das Sieb weiter an den Rand legen, wenn es dich beruhigt.“</p>



<p>„Du willst es nicht wahrhaben, oder?“, fragte Ilias. Seine Stimme klang wieder so seltsam belegt. Und als er mich ansah, hatte ich eher das Gefühl, als sähe er direkt durch mich hindurch. „Du willst nicht wahrhaben, dass du nicht mehr der Jüngste bist. Unsere Familie hat eine Veranlagung für Demenz. Zumindest hat Mama das immer gesagt.“</p>



<p>„Nein!“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Das ist es nicht! Anderes Beispiel: Ich bewahre Geschenke immer an derselben Stelle in meinem Kleiderschrank auf. Schon seit Jahren. Aber als ich neulich ein Hemd aus dem Schrank geholt habe, war dein Geschenk weg. Einfach verschwunden!“</p>



<p>Eine Pause entstand. „Du hast mein Weihnachtsgeschenk verlegt?“, fragte Ilias. Seine Stimme klang aber nicht vorwurfsvoll, sondern vielmehr besorgt.</p>



<p>„Du hörst mir nicht richtig zu!“, protestierte ich. „Das war nicht ich, sondern die Kallikantzaroi! Sie haben das Geschenk geklaut. Sie haben auch die Fernbedienung versteckt, meinen Sessel zerstört, unser Weihnachtsessen verdorben und die Äpfel verschimmeln lassen!“</p>



<p>Jetzt schloss Ilias die Augen. Es sah aus, als wenn es ihn große Anstrengung kostete, ruhig zu bleiben. „Okay. Keine Demenz. Wie du willst. Aber selbst dann gibt es noch so viele Dinge, die wahrscheinlicher sind als irgendwelche mythologischen Kobolde! Kann es vielleicht sein, dass du schlafwandelst?“</p>



<p>So ging das noch eine ganze Weile weiter. Es war ein langes Hin und Her, bei dem wir uns kaum einen Millimeter von unserer eigenen Meinung wegbewegten. Ich erspare euch an dieser Stelle die Details. Am Ende einigten wir uns jedenfalls darauf, dass Ilias bei mir übernachten sollte. Er pumpte eine Luftmatratze auf, um bei mir im Schlafzimmer zu schlafen. Nur für den Fall, dass diese Nacht „wieder etwas passiert“.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auch wenn ich es am Anfang albern fand, war ich Ilias im Nachhinein dankbar. Nicht, weil er mir Gesellschaft leistete oder nur das Beste für mich wollte, sondern weil sein Schnarchen mich wachhielt.</p>



<p>Ansonsten hätte ich die Geräusche wohl gar nicht mitbekommen, die gegen 23 Uhr aus meinem Wohnzimmer ertönten.</p>



<p>Obwohl ich eben noch mit aller Kraft versucht hatte, endlich einzuschlafen, lag ich jetzt mit weit aufgerissenen Augen im Bett.</p>



<p><em>Tapp, tapp, tapp, tapp, tapp.</em> Kein Zweifel. Das waren eindeutig leise Schritte!</p>



<p>Schnell schwang ich die Beine aus dem Bett. Ich schlüpfte in meine Hausschuhe und richtete mich auf. Die Geräusche waren verstummt. Ich durfte keine Zeit verlieren!</p>



<p>Also stürmte ich aus dem Zimmer. Meine Hausschuhe schlappten an meinen Füßen. Als ich das Wohnzimmer erreicht hatte, schaltete ich sofort das Licht an. Hektisch sah ich mich um. Von irgendeinem seltsamen Wesen war nichts zu sehen. Dafür lag ein unverkennbarer Geruch in der Luft. Es war derselbe Gestank, der auch die verfaulten Äpfel umgeben hatte.</p>



<p>„Komm schon!“, rief ich. „Zeig dich, du Mistvieh!“</p>



<p>Keine Reaktion. Natürlich nicht. Dafür fiel mein Blick auf eine gelbliche Pfütze unter dem Weihnachtsbaum. Ich konnte die Pisse bereits riechen, als ich darauf zuging. Das war der Beweis!</p>



<p>„Ilias!“, rief ich. „Ilias, wach auf! Das musst du dir ansehen!“</p>



<p>Kurz darauf kam ein völlig verschlafener Ilias in T-Shirt und Unterhose aus dem Schlafzimmer getorkelt. „Was? Was ist denn?“, nuschelte er. Er rieb sich mit den Händen über die Augen.</p>



<p>„Sieh dir das an!“, schrie ich vor Begeisterung. „Sie haben mir in die Wohnung gepisst. Die Kallikantzaroi haben den Weihnachtsbaum angepisst!“ Vielleicht klang ich etwas zu begeistert dafür, dass ich gerade eine Urinpfütze in meinem Wohnzimmer gefunden hatte.</p>



<p>Ilias hatte mich unterdessen erreicht. Ihm entglitten sämtliche Gesichtszüge, während er zwischen der Pfütze und mir hin und her sah. Danach griff er sich mit Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel. Er schloss die Augen, während er sie massierte.</p>



<p>„Hör mal, Baba“, sagte er leise. „Ich weiß, das ist vielleicht nicht die beste Zeit, um das anzusprechen, aber Anastasia und ich haben neulich telefoniert. Ich hab ihr von deinen … Problemen erzählt. Wir wissen, dass es seit Mamas Tod nicht einfach für dich ist. Vielleicht bist du ja auch einfach überfordert. Aber wir denken, dass du vielleicht nicht mehr allein wohnen solltest. Es gibt da eine sehr schöne Einrichtung ganz in der Nähe, die …“</p>



<p>Weiter kam er nicht. „Ihr wollt mich in ein Heim abschieben?“, fuhr ich ihn an. „Wo ist deine Schwester denn, wenn ich es doch allein nicht hinbekomme? Wo ist sie? Sie lässt sich nicht einmal zu Weihnachten mehr bei mir blicken!“</p>



<p>Ilias ging sofort in Abwehrhaltung. Er hob beschwichtigend die Arme. „So ist das doch gar nicht! Sie ist bei ihren Schwiegereltern. Das weißt du. Außerdem ist es kein Heim, sondern lediglich betreutes Wohnen“, versuchte er, sich herauszureden.</p>



<p>Aber ich wollte davon nichts hören. Ich war bereits auf den Weg ins Schlafzimmer, wo ich nach meiner Hose griff.</p>



<p>Ilias war mir dicht auf den Fersen. „Wohin willst du?“, fragte er.</p>



<p>„Ich geh zur Kirche“, fuhr ich ihn an. „Vielleicht erwische ich ja noch einen Hausmeister oder so, der mich reinlassen kann. Wenn ich in der Wohnung Weihwasser verteile, hat es sich mit den Kallikantzaroi erledigt!“</p>



<p>Wieder dieser besorgte, mitleidgeschwängerte Blick. Ich konnte ihn nicht länger ertragen! Ich war nicht senil. Und vor allem war ich nicht verrückt. Was dachten meine Kinder von mir? Dass ich meinen eigenen Weihnachtsbaum anpissen würde!?</p>



<p>„Warte, Baba“, sagte Ilias.</p>



<p>„Nein! Ich lass mich nicht länger bevormunden!“, fuhr ich ihn an.</p>



<p>Ilias’ Blick wirkte seltsam leer. „So meinte ich das nicht“, sagte er ruhig. „Lass mich zur Kirche gehen. Ich hol dir dein Weihwasser. Aber wenn es danach nicht aufhört, setzen wir uns zusammen hin und reden über das betreute Wohnen, okay?“</p>



<p>Meine Augen verengten sich zu Schlitzen. Dann aber nickte ich. Ich wusste, dass das Weihwasser helfen würde. Und wenn nicht … Wenn nicht, lag es ja vielleicht wirklich an mir. „Abgemacht“, sagte ich.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Wenige Minuten später kniete ich mit Küchenpapier, Lappen und Eimer im Wohnzimmer und war dabei, die stinkende Pfütze aufzuwischen, während Ilias sich auf den Weg zur Kirche gemacht hatte.</p>



<p>Aus der Nähe war der Gestank so intensiv, dass ich durch den Mund atmen musste. Nur einmal machte ich den Fehler, kurz durch die Nase Luft zu holen. Mein Körper dankte es mir sofort mit einem Würgen.</p>



<p>Dann jedoch bemerkte ich eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Ich starrte durch die offene Tür zum Flur, der hell erleuchtet dalag. Dort sah ich nichts Ungewöhnliches. Hatte ich es mir bloß eingebildet?</p>



<p>Nein! Da war es wieder! Es war aber nicht im Flur, sondern es war die Tür selbst. Sie hatte sich minimal bewegt. Jetzt konnte ich auch die dunkle Gestalt dahinter erkennen, die dicht an die Wand gedrängt dastand. Sie war nicht größer als ein Kind.</p>



<p>„Da bist du ja“, murmelte ich, während ich aufstand. Dabei ließ ich den Blick nicht von dem Schatten weichen.</p>



<p>Das versetzte den Kallikantzaros – wie sie in der Einzahl heißen – in Alarmbereitschaft. Ich erhaschte einen Blick auf ihn, während er aus seinem Versteck flitzte. Es war eine kleine graue Gestalt. Er hatte keine Haare am Oberkörper oder auf dem Kopf mit den langen spitzen Ohren. Dafür waren seine Beine umso haariger. Sie waren von braunem Fell überzogen und endeten in zwei dunkelgraue Paarhufe wie bei einer Ziege.</p>



<p>Im nächsten Moment war er auch schon im Flur verschwunden. Ich nahm sofort die Verfolgung auf. Aber mein Körper war wirklich nicht mehr der Jüngste. Als ich den Flur erreichte, fehlte von dem Kallikantzaros jede Spur. Hektisch sah ich mich um. Wo war er hin? Jetzt fiel mir etwas anderes auf: der Gestank. Ich musste nur meiner Nase folgen!</p>



<p>Also lief ich schnuppernd weiter. Zuerst schnupperte ich an der Haustür. Aber nein, hier wurde der Gestank schwächer. Dann in der Küche und im Badezimmer. Auch nichts. Also blieb nur noch das Schlafzimmer!</p>



<p>Aber ich musste nicht einmal Luft holen, um zu merken, dass ich richtig war. Der Kallikantzaros stand mitten im Raum, sah unentschlossen nach links und rechts, als suche er nach einem passenden Versteck.</p>



<p>„Hab ich dich!“, schrie ich. Ich stürmte mit ausgestreckten Händen auf ihn zu, um ihn zu packen.</p>



<p>Der Kallikantzaros versuchte jedoch nicht einmal, auszuweichen. Stattdessen drehte er sich zu mir um. Er ergriff meine Hände, als wolle er mit mir ringen. Dann aber streckte er bloß den einen Arm zur Seite aus, während er mich mit dem anderen an sich zog.</p>



<p>Für einen Moment standen wir nun völlig reglos da. Der Gestank der Kreatur ließ Tränen in mir aufsteigen, während er mich mit gelben Zähnen angrinste. Es musste in etwa so aussehen, als wolle die Kreatur mit mir einen Walzer tanzen.</p>



<p>Plötzlich weiteten sich meine Augen, während mir ein Gedanke in meinen Kopf schoss. Es war eine Erinnerung. Oma hatte mir doch mal erzählt, dass Kallikantzaroi gerne tanzen. Sie suchten Menschen, die zu Weihnachten allein waren und verwickelten sie in einen nahezu endlosen Tanz. Sie hörten erst damit auf, wenn der Mensch vor Erschöpfung zusammenbrach oder sie ihn in den Wahnsinn getrieben hatten.</p>



<p>Sofort versuchte ich, mich von dem Ding zu lösen, meine Hände zurückzuziehen. Aber es war zu spät. Der Kallikantzaros hatte bereits angefangen, nach einer stummen Melodie zu tanzen. Und mein Körper machte einfach mit. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle.</p>



<p>Erst waren es noch langsame Schritte, dann wurde der Tanz hektischer. Schneller und schneller drehten wir uns im Takt umeinander durch mein Schlafzimmer. Es dauerte nicht lange, bis mein gesamter Körper schmerzte. Ich war völlig außer Atem. Mein viel zu schnell pochendes Herz donnerte mir in den Ohren. Solch schnelle Bewegungen war ich nicht mehr gewohnt.</p>



<p>Was sollte ich nur tun? Mein Körper gehorchte mir nicht mehr. Ich konnte bloß mitansehen, wie sich mein Schlafzimmer, der Kleiderschrank, das ungemachte Bett, Ilias’ Luftmatratze um mich drehten.</p>



<p>Dann jedoch hörte ich einen Schlüssel in der Haustür. „Ich bin wieder da!“, sagte Ilias gerade so laut, dass ich es verstehen konnte. „Ich hab dein Weihwasser bekommen.“</p>



<p>Schritte.</p>



<p>„Baba? Baba, wo bist du?“, fragte Ilias.</p>



<p>Ich wollte nach ihm schreien, auf mich aufmerksam machen, ihn um Hilfe bitten. Aber auch meine Stimme wollte mir nicht mehr gehorchen.</p>



<p>Zum Glück hörte ich bereits weitere Schritte aus dem Flur. „Baba?“, rief Ilias wieder. Im nächsten Moment stand er in der Schlafzimmertür. „Baba, was tust du denn!?“ Entsetzen lag in seiner Stimme. Dann musste er die kleine Kreatur in meinen Armen bemerkt haben. „Was zur Hölle …?“</p>



<p>Aber der Kallikantzaros ließ sich von Ilias nicht beunruhigen. Er grinste mich bloß weiter mit an, während er mit mir tanzte.</p>



<p>Mir war inzwischen völlig schwindelig. Ob es an der ständigen Drehung oder meiner Erschöpfung lag, wusste ich nicht. Dafür wusste ich etwas anderes: Lange würde ich das nicht mehr durchhalten!</p>



<p>In den flüchtigen Momenten, in denen ich Ilias sah, merkte ich jetzt, wie er auf uns zukam. Erst versuchte er, die Kreatur zu packen, doch ihr flinker Körper rutschte ihm immer wieder aus den Händen.</p>



<p>Also versuchte Ilias sein Glück bei mir. „Baba. Hör auf!“, flehte er. Ich spürte, wie er mich packte. Kräftige Hände griffen nach meinen Armen. Er rutschte ab und kratzte mir mit einem Fingernagel eine Schramme in die Haut. Dann griff er nach meinem T-Shirt. Ich fühlte, wie er von unserem Tanz mitgerissen wurde. Aber bevor er stürzen konnte, gab der Stoff mit einem ratschenden Geräusch nach.</p>



<p>„Scheiße!“, fluchte Ilias.</p>



<p>Der Kallikantzaros antwortete mit einem dreckigen Lachen.</p>



<p>Aber Ilias gab nicht auf. Ich hörte das Knacken von Plastik. Es klang so, als drehe er hektisch den Deckel von einer Plastikflasche. Im nächsten Moment spürte ich einen Schwall kaltes Wasser, dass mich an der Seite traf und … ich war frei.</p>



<p>Der Boden kam mir entgegen, sodass ich mich auf meinen Knien und Armen auffangen musste. Noch immer drehte sich alles.</p>



<p>Trotzdem zwang ich mich, nach Ilias und dem Kallikantzaros zu sehen. Ilias stand über mir. Er hielt eine halbvolle Flasche in der Hand – das Weihwasser, wie ich vermutete. Der Kallikantzaros hingegen wand und krümmte sich am Boden. Er schrie. Das Weihwasser schien ihm Schmerzen zuzufügen.</p>



<p>Ilias machte einen Schritt auf ihn zu, die Flasche zum Schwung ausgeholt. Da rappelte die Kreatur sich plötzlich auf. Sie schrie ein letztes Mal, stolperte, fing sich dann wieder und rannte Richtung Flur. Ich konnte gerade noch sehen, wie sie sich unter dem viel zu engen Türspalt der Wohnungstür hindurchquetschte und im Flur verschwand. Normalerweise hätte er nicht ansatzweise darunter hindurchpassen dürfen. Aber wer weiß, welchen Gesetzen der Physik diese Wesen mit ihrer Magie folgten.</p>



<p>„Baba?“, wandte sich Ilias an mich. Er streckte mir eine Hand entgegen. „Tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe.“</p>



<p>Ich ließ mir von ihm auf die Beine helfen. Der Raum hatte inzwischen aufgehört, sich zu drehen.</p>



<p>„Komm“, sagte er. „Lass uns diese Wohnung ein für alle Mal vor diesen Dingern schützen.“</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Die Kallikantzaroi (griechisch Καλικάντζαρος), oder Kallikantzaros (Καλικάντζαρος) in der Einzahl, sind koboldartige Wesen des griechischen Volksglaubens. Sie kommen in der Zeit zwischen Weihnachten und dem 06. Januar in die Städte und Dörfer, um dort Unruhe zu stiften und Chaos zu verbreiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Kallikantzaroi sind kleine, haarige und hässliche humanoide <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>. Außerdem sollen sie allesamt stinken und es soll bei ihnen nicht selten zu körperlichen Verformungen kommen.</p>



<p>Auch werden ihnen oft tierische Eigenschaften wie spitze Ohren oder Ziegenbeine zugeschrieben.</p>



<p>Darüber hinaus sollen sie ausschließlich männlich sein.</p>



<p>Ob jeder Mensch die Kallikantzaroi sehen kann, ist jedoch umstritten. So habe ich in verschiedenen Quellen gelesen, dass entweder jeder sie sehen kann, oder dass nur Menschen, die an einem Samstag oder aber in der Zeit vom 25. Dezember bis 06. Januar geboren wurden, sie sehen und sogar mit ihnen sprechen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die Kallikantzaroi kommen nur in den Dodekaimero (δωδεκαήμερο, griechisch für „zwölf Tage“) zum Vorschein. Das sind die zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 06. Januar, die in anderen Teilen Europas auch als Rauhnächte bekannt sind.</p>



<p>Außerdem heißt es, dass die Kallikantzaroi nachtaktiv sind, da sie das Sonnenlicht scheuen.</p>



<p>Wenn die Wesen herauskommen, muss man sich jedoch auf einiges gefasst machen. Es heißt, dass sie dann versuchen, in die Häuser und Wohnungen der Menschen einzudringen, um Chaos zu stiften. Einige von ihnen gehen dabei vergleichsweise harmlos vor, während andere die Menschen angreifen und sogar töten können. Besonders in der modernen Zeit sollen die Kallikantzaroi aber sehr viel ungefährlicher geworden sein und den Menschen hauptsächlich Streiche spielen.</p>



<p>Typische Streiche sind z. B., dass sie Möbel zerstören, Eigentum stehlen oder verstecken, Obst verschimmeln oder Milch schlecht werden lassen, auf Zimmerpflanzen oder ins Essen urinieren und Speisen und Getränke im Haus verzehren.</p>



<p>Wenn sie hingegen einen Menschen finden, der allein unterwegs ist, zwingen sie ihn manchmal, pausenlos mit ihnen zu tanzen – und zwar so lange, bis er ohnmächtig wird oder den Verstand verliert.</p>



<p>Die restliche Zeit des Jahres, wenn die Kallikantzaroi nicht die Menschenwelt unsicher machen, sollen sie in der Unterwelt leben. Daher sagen einige Leute auch, dass sie <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Diener des Teufels</a> seien.</p>



<p>Wenn sie in der Unterwelt sind, so heißt es, sollen sie dort versuchen, den Baum des Lebens zu zerstören, der unsere Welt im Gleichgewicht hält, indem sie an seinem Stamm sägen. Wenn sie jedoch am 06. Januar dorthin zurückkehren, müssen sie feststellen, dass sich der Baum vollständig regeneriert hat, und sie müssen ihre Arbeit von vorne beginnen.</p>



<p>Dieses Ereignis wiederholt sich der Legende nach jedes Jahr.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wie kann man sich vor den Kallikantzaroi schützen?</h4>



<p>Zum Glück gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie man sich vor den Kallikantzaroi schützen kann. So fürchten sie religiöse Symbole, Weihwasser und Feuer. Man kann also Weihwasser im Haus verteilen, Kreuze an Fenster und/oder Türen hängen, Gebete aufsagen oder ein Feuer anzünden, um die Wesen vom Haus fernzuhalten.</p>



<p>Auch gibt es eine alte Tradition namens Chistoxylo (Χριστόξυλο, griechisch für „Christholz“), bei der ein großes Stück Holz im Kamin angezündet wird, das die ganzen zwölf Tage des Dodekaimero am Brennen gehalten wird.</p>



<p>Außerdem gibt es diverse andere Methoden, wie man die Kallikantzaroi davon abhalten kann, in das Haus einzudringen. So kann man Essen (meist wird Fleisch oder Brot verwendet) oder Süßigkeiten vor die Tür legen, um sie zu besänftigen. Besonders beliebt sollen dabei Loukoumades sein, ein griechisches Gebäck aus frittiertem Teig mit Honig.</p>



<p>Oder man lenkt sie ab, indem man ein Sieb vor die Tür legt. Angeblich versuchen sie dann, die Löcher darin zu zählen. Da sie jedoch nicht bis drei zählen können – entweder, weil sie nicht intelligent genug sind oder weil drei eine heilige Zahl ist, die sie nicht aussprechen können – sitzen sie die ganze Nacht daran.</p>



<p>Andere Leute spannen Fäden im Garten, da die Wesen dann versuchen sollen, daraus etwas zu stricken, wodurch sie abgelenkt sind.</p>



<p>Wie ihr seht, gibt es also vielzählige Methoden, sich gegen die Monster zu schützen. Weitere, die ich im Netz gelesen habe, sind: ein altes Paar Schuhe zu verbrennen, den Unterkieferknochen eines Schweins über die Tür zu hängen, Knoblauch im Haus zu verteilen oder einige Oberflächen mit Salz zu bedecken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt Leben die Kallikantzaroi die meiste Zeit des Jahres in der Unterwelt. Wenn sie zwischen Weihnachten und dem 06. Januar in unsere Welt kommen, sollen sie sich hingegen hauptsächlich in Städten und Dörfern aufhalten und sich nachts in dunklen Höhlen und Löchern verstecken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Es gibt verschiedene Theorien, wie der Glaube an die Kallikantzaroi entstanden sein könnte. Die verbreitetsten sind wohl, dass es sich bei ihnen um eine Verchristlichung von heidnischen Kreaturen handelt, oder aber, dass es Zusammenhänge mit der altgriechischen Mythologie, besonders den Satyrn, geben soll.</p>



<p>Besonders verbreitet (und gefürchtet) soll der Glauben an die Kallikantzaroi übrigens im Mittelalter gewesen sein. Seitdem hat er sich in den Bräuchen vieler griechischer Gemeinden gefestigt. Heutzutage lässt er sich besonders in den ländlichen Regionen finden.</p>



<p>Offiziell ist der Glaube von der Kirche natürlich nicht anerkannt, aber es gibt auch im kirchlichen Kontext viele Zeremonien, die damit verbunden sind. So wird an vielen Orten Griechenlands am 6. Januar das Meer, ein See oder ein Fluss von einem Geistlichen gesegnet, um die Wesen zu vertreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kallikantzaroi in der Popkultur:</h3>



<p>Da die Kallikantzaroi in Griechenland auch heute noch sehr bekannt sind, ist es nicht verwunderlich, dass sie sich auch in der modernen Popkultur finden lassen.</p>



<p>So spielen sie z. B. eine zentrale Rolle in der amerikanischen Paranormal-Krimiserie Grimm Staffel 4 Folge 7 „Die Geister der Weihnacht“.</p>



<p>Und auch in der Horror-Kurzgeschichte „Der Flüsterer im Dunkeln“ (1931) von H. P. Lovecraft werden die Kreaturen zumindest kurz beim Namen genannt.</p>



<p>Ansonsten findet man sie hauptsächlich in griechischen Weihnachtsliedern und Schulaufführungen zur Weihnachtszeit.</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Kallikantzaroi? Wie hat euch meine Geschichte gefallen? Ab welcher Situation hättet ihr die Wesen verdächtigt, statt weiter nach einer logischen Erklärung zu suchen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi">Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>8</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[besessene Puppe]]></category>
		<category><![CDATA[besessene Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselpuppe]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselpuppen]]></category>
		<category><![CDATA[Hide and Seek Alone]]></category>
		<category><![CDATA[Hitori Kakurenbo]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorpuppe]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorpuppen]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Puppe]]></category>
		<category><![CDATA[Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3285</guid>

					<description><![CDATA[<p>Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo">Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f553b64606004ffa887facbe453f3bcc" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Hitori Kakurenbo ist ein japanisches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale">Ritual</a>, das besonders in der Zeit vor <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween">Halloween</a> sehr beliebt ist.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Dann wollen wir mal“, murmelte ich. Ich nahm das Messer und stach dem Teddy damit in den Bauch. Es war schwieriger, als ich gedacht hätte. Der alte Stoff war ziemlich stabil. Trotzdem hatte der Teddy bald einen gut fünf Zentimeter langen Schnitt im Bauch.</p>



<p>Sofort machte ich mich daran, die Watte aus seinem Körper zu ziehen.</p>



<p>„Hast du’s?“, hörte ich Leonies Stimme aus meinem Smartphone. Wir kannten einander von der Arbeit. Unsere Kollegen spekulierten oft, ob wir zusammen seien, aber in Wirklichkeit war sie bloß meine beste Freundin.</p>



<p>Genau wie ich war sie ein Horrorfan. Eigentlich feierten wir Halloween immer zusammen. Es war jedoch das Jahr 2020. Corona hatte uns einen dicken Strich durch unsere Feiertagspläne gemacht. Also hatten wir entschieden, uns an diesem 31. Oktober lediglich telefonisch zu treffen.</p>



<p>So hatten wir bereits einige Stunden gequatscht, zwei Horrorfilme zusammen geschaut und jede Menge rumgealbert. Das Hauptevent des Abends stand uns aber noch bevor. Wir wollten zusammen das japanische Ritual Hitori Kakurenbo durchführen – „allein Versteckspielen“, wie es auf Deutsch übersetzt heißt. Und dafür brauchte man ein Stofftier.</p>



<p>Der Teddy vor mir wirkte jetzt, wo er keine Watte mehr im Körper hatte, noch kläglicher als ohnehin schon. Sein Stoff war fleckig und abgenutzt, ihm fehlte ein Auge und nun sah er auch noch aus wie ein Ballon, aus dem man die Luft gelassen hatte.</p>



<p>„So. Ich füll jetzt den Reis in meinen Teddy“, erklärte ich Leonie.</p>



<p>„Ich bin schon dabei, meine Puppe wieder zuzunähen“, erwiderte sie, als sei es ein Wettrennen. Sie hatte sich für eine billige Stoffpuppe entschieden.</p>



<p>„Du musstest auch keine Watte aus den Ohren pulen“, konterte ich.</p>



<p>Danach schwiegen wir wieder konzentriert, während sie ihre Puppe zusammennähte und ich meinen Teddy mit dem ungekochten Reis füllte. Jetzt fehlte nur noch eine Zutat. Ich griff nach dem Toilettenpapier, auf das ich meine frisch geschnittenen Fingernägel gelegt hatte. Ich kippte sie zu dem Reis. Das Stofftier brauchte einen Teil der Person, die das Ritual durchführen wollte.</p>



<p>Als Nächstes nahm ich die Nadel mit dem roten Faden, die ich bereits vorbereitet hatte. Man musste das Stofftier mit einem roten Faden vernähen und anschließend mit dem restlichen Faden umwickeln. Ich machte mich sofort an die Arbeit. Zugegeben, ich war kein Nähmeister – die Stiche waren alles andere als gleichmäßig, aber sie schienen zu halten. Also wickelte ich den restlichen Faden um den dünnen braunen Körper, ehe ich ihn festknotete.</p>



<p>„Okay. Ich bin fertig“, erklärte ich. „Bei dir alles klar?“</p>



<p>„Jap. Annabelle ist einsatzbereit.“</p>



<p>Mir entfuhr ein Lacher. „Annabelle? Ernsthaft?“</p>



<p>„Ja. Ich dachte, der Name passt zu einer besessenen Puppe. Wieso? Wie hast du deinen Teddy genannt?“, fragte sie.</p>



<p>Ich grinste. „Herr von und zu Flausch“, sagte ich.</p>



<p>Jetzt musste auch Leonie lachen. „O Mann, Dom, du bist echt bescheuert“, neckte sie mich.</p>



<p>Mein Grinsen wurde breiter.</p>



<p>Dann wurde sie wieder ernst. „Als Nächstes müssen wir das Salzwasser vorbereiten und in unser Versteck stellen.“</p>



<p>Ich nickte – auch wenn sie das natürlich nicht sehen konnte –, ehe ich in die Küche ging. Dort füllte ich einige Teelöffel Salz in eine Flasche mit warmem Wasser, drehte den Deckel zu und schüttelte sie. Von Leonie hörte ich das Rühren eines Löffels in einem Glas.</p>



<p>Nachdem wir fertig waren, brachte ich die Flasche ins Schlafzimmer. Zugegeben, der Wandschrank war nicht unbedingt das beste Versteck, aber ich ging ja auch nicht davon aus, dass <em>wirklich</em> etwas passieren würde.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p><em>03:00 Uhr</em></p>



<p>„Hast du dein Handy auf stumm gestellt?“, fragte Leonie.</p>



<p>Ich nickte. „Jap. Du hoffentlich auch?“</p>



<p>„Klar. Also dann. Wir hören uns, wenn wir im Versteck sind. Bis gleich.“</p>



<p>„Bis gleich.“</p>



<p>In dem Moment brach die Verbindung ab. Leonie hatte aufgelegt.</p>



<p>Ich atmete einmal tief durch. „Also dann“, wiederholte ich.</p>



<p>Obwohl schon den ganzen Abend niemand außer mir im Haus war, fühlte ich mich jetzt zum ersten Mal allein. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich würde es vor Leonie niemals zugeben, aber jetzt, wo es wirklich ernst wurde, war mir tatsächlich etwas mulmig zu Mute. Trotzdem würde ich sie nicht mit dem Ritual allein lassen. Also griff ich nach Herrn von und zu Flausch. Ich betrachtete sein entstelltes Gesicht, während ich ihn in die gefüllte Badewanne legte. Das Wasser war kalt. Erneutes Durchatmen.</p>



<p>„Saisho no Oni wa Dominik da kara“, sagte ich laut: Weil Dominik zuerst der Oni ist. Ich hatte die japanischen Sprüche für das Ritual extra auswendig gelernt, falls sie auf Deutsch nicht funktionierten. „Saisho no Oni wa Dominik da kara“, wiederholte ich. Und ein drittes Mal: „Saisho no Oni wa Dominik da kara.“</p>



<p>Daraufhin drehte ich mich um, ging durch den Flur und schaltete die Lichter aus. Anschließend machte ich den Fernseher im Wohnzimmer an. Sofort wurde ich von einem lauten Rauschen begrüßt. Aber so musste das sein, wenn ich das Ritual genau befolgen wollte. Nun schaltete ich auch das Licht im Wohnzimmer aus. Die einzigen Lichter im gesamten Haus waren jetzt der rauschende Fernseher und meine Handytaschenlampe.</p>



<p>Ich schloss die Augen und zählte laut bis zehn: „Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Sechs. Sieben. Acht. Neun. Zehn. Ich komme!“</p>



<p>Schnell ging ich zurück zum Badezimmer. Ich stieß die Tür auf, leuchtete mit dem Handy zur Wanne und ging darauf zu. Der Teddy war auf den Grund gesunken, weshalb ich den Ärmel hochkrempeln musste, ehe ich das tropfende Teil aus dem kalten Wasser zog.</p>



<p>Jetzt kam der nächste Part. „Mitsuketa!“, rief ich lauter als beabsichtigt: Ich habe dich gefunden.</p>



<p>Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll.</p>



<p>„Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“, rief ich. Als Nächstes ist Herr von und zu Flausch der Oni. „Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni! Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“</p>



<p>Ich atmete schwer. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wasser lief geräuschvoll aus dem Teddy in die Wanne. Ansonsten war es völlig still.</p>



<p>Für einen Moment war ich wie erstarrt. Dann warf ich das Stofftier zurück in die Wanne, ließ das Messer klappernd auf die Fliesen fallen und rannte auf meinen Socken aus dem Badezimmer. Ich sprintete weiter ins Schlafzimmer, ehe ich mich in den Wandschrank stürzte und die Tür hinter mir zuschob.</p>



<p>Mein Atem ging noch immer ungewöhnlich schnell. Ich blieb einige Sekunden völlig regungslos, ehe ich bemerkte, dass meine Handytaschenlampe noch immer an war. Mit unruhigen Fingern schaltete ich das Display ein, wischte hektisch zur Taschenlampenfunktion und schaltete sie ab. Scheiße! Wieso war ich so nervös? Es war doch nur ein Spiel.</p>



<p>Jetzt war es völlig dunkel um mich herum. Ich achtete auf jedes Geräusch. Aber abgesehen von dem statischen Rauschen des Fernsehers in der Ferne war da nur noch mein leiser Atem. Langsam beruhigte ich mich wieder. Alles war in Ordnung.</p>



<p>Plötzlich leuchtete mein Handydisplay auf. Ich zuckte zusammen. Leonie rief an. Sofort tippte ich auf den grünen Hörer.</p>



<p>„Hey“, flüsterte Leonie.</p>



<p>„Hi“, flüsterte ich zurück.</p>



<p>„Na? Wie siehts bei dir aus?“, fragte sie.</p>



<p>„Ich bin in meinem Versteck.“</p>



<p>„Ich auch.“ An ihrer Aussprache konnte ich hören, wie sie grinste. Wie konnte sie nur immer so cool bleiben?</p>



<p>„Also? Was meinst du?“, fragte ich. „Wie lange müssen wir warten, bis etwas passiert?“</p>



<p>Leonie schien einen Moment zu überlegen. „Weiß nicht. Aber das Spiel darf maximal zwei Stunden dauern. Zuuu lange sollte es also nicht sein.“</p>



<p>Jetzt musste auch ich grinsen. „Wir sollten also lieber hoffen, dass Annabelle und Herr von und zu Flausch von der langsamen Sorte sind. Wenn ich zwei Stunden hätte, um das ganze Haus zu durchsuchen, würde ich mich locker finden. Ich hock im Wandschrank. Wo hast du dich versteckt?“</p>



<p>Ich hörte ein belustigtes Schnaufen. „Hinter dem Sofa.“</p>



<p>Wow. Leonie war ja noch unkreativer bei ihrer Versteckwahl gewesen als ich.</p>



<p>Wir hockten noch eine Weile in unseren Verstecken und alberten im Flüsterton herum, während alles ruhig zu bleiben schien. Dann plötzlich brach Leonie jedoch mitten im Satz ab und sagte leise: „Schh! Ich glaub, da war was!“</p>



<p>Angespanntes Schweigen. Bei mir im Haus war alles still. Trotzdem traute ich mich nicht, als erster etwas zu sagen.</p>



<p>„Scheiße! Auf dem Flur ist irgendetwas!“, flüsterte Leonie. Ihre Stimme war jetzt so leise, dass ich sie kaum hören konnte.</p>



<p>Meinte sie das ernst? War es vielleicht nur Einbildung? Oder wollte sie mich ärgern?</p>



<p>Im nächsten Moment hörte ich etwas, das sich nach einem umfallenden Wasserglas anhörte, das kurz darauf über Parkettboden rollte.</p>



<p>„Scheiße!“, wiederholte Leonie lauter. Diesmal lag eindeutig Panik in ihrer Stimme.</p>



<p>Kurz meinte ich, eine andere Person durch den Lautsprecher zu hören: „Mitsuketa!“ Es war einer der Sprüche, die ich auswendig gelernt hatte. Ich habe dich gefunden. Vorhin hatte ich es noch selbst zu Herrn von und zu Flausch gesagt.</p>



<p>Dann brach am anderen Ende der Leitung Chaos aus. „Nein!“ Leonie entfuhr ein spitzer Aufschrei. Es folgte das Rascheln von Kleidung, panische bis schmerzerfüllte Rufe von Leonie und schließlich ein dumpfer Aufprall. Dann war wieder alles Still.</p>



<p>„Leonie?“, fragte ich. Kurz vergaß ich zu flüstern. „Leonie?“, wiederholte ich dann wieder leiser.</p>



<p>Aber es kam keine Antwort. Stattdessen war der Anruf plötzlich beendet.</p>



<p>Wenn das ein Scherz war, ging Leonie definitiv zu weit! Schnell wählte ich sie wieder in meinen Kontakten aus. Es klingelte. Und klingelte. Und klingelte.</p>



<p>„Hey, hier ist Leonie Siemens. Leider kann ich gerade nicht ans Telefon gehen. Versuchen Sie es später noch einmal oder hinterlassen Sie mir eine Nachricht.“</p>



<p>Schnell versuchte ich es erneut. Aber wieder nichts. Als ich sie gerade ein drittes Mal anrufen wollte, hörte ich jedoch selbst etwas in meinem Haus. Das statische Rauschen klang irgendwie anders. „Dominik.“ Hatte es gerade meinen Namen gerauscht? Aber nein, das musste ich mir einbilden. „Dominik, Dominik, Dominik.“</p>



<p>Ich unterdrückte den Drang, mir die Ohren zuzuhalten. War das gerade eine Tür gewesen? Wahrscheinlich waren es nur die Nerven, die mit mir durchgingen. Andererseits hatte ich nicht vor, ein Risiko einzugehen. Ich griff nach der Flasche mit dem Salzwasser, drehte sie auf und nahm ein wenig der Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p>Sofort verzog ich das Gesicht. Ich hatte es mit dem Salz wirklich <em>sehr</em> gut gemeint.</p>



<p>Trotzdem: Wenn man der Anleitung im Internet glauben durfte, sollte ich jetzt vor dem Geist oder Dämon in Sicherheit sein, der Herrn von und zu Flausch besetzt haben könnte.</p>



<p>Fast kam ich mir albern vor, während ich die Schranktür aufschob, das Salzwasser im Mund. Aber Leonie war nicht der Typ für solche geschmacklosen Scherze. Auch nicht an Halloween. Ich nahm das Ganze also gerade sehr ernst.</p>



<p>Auf leisen Sohlen schlich ich, die Handytaschenlampe in der einen Hand, die Flasche mit Salzwasser in der anderen, Richtung Badezimmer. Gegen das Licht der Taschenlampe konnte ich wenig tun – ansonsten würde ich wohl überall gegenlaufen. Außerdem wollte ich gerade nicht in völliger Dunkelheit sein. Aber ich war froh, dass ich sämtliche Türen offengelassen hatte. So konnte ich mich wenigstens geräuschlos durch das Haus bewegen.</p>



<p>Kurz vorm Badezimmer trat ich mit der Socke in etwas Nasses. Ich erstarrte. Vom Badezimmer zog sich eine Pfütze den Flur entlang. Wo kam das Wasser her?</p>



<p>Schnell betrat ich das Badezimmer. Ich leuchtete zur Wanne. Herr von und zu Flausch war weg. Abgesehen vom Wasser und einigen Reiskörnern war die Badewanne leer.</p>



<p>Jetzt setzte in mir Panik ein. Bis eben konnte ich mir noch einreden, dass es eine andere Erklärung für die seltsamen Phänomene gab. Aber ein Stofftier konnte nicht einfach von selbst aus einer Badewanne verschwinden. Zumindest nicht, ohne von einem Geist oder Dämon besessen zu sein.</p>



<p>Das Wasser schwappte in meinem Mund hin und her, während ich mich hektisch umsah. Aber natürlich war Herr von&nbsp;und zu Flausch nicht mehr im Badezimmer. Also ging ich weiter in den Flur. Ich musste ihn schnellstens mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, um das Ritual zu beenden.</p>



<p>Ich folgte der Spur aus Wasser. Bei näherer Betrachtung sah ich in unregelmäßigen Abständen Reiskörner darin liegen. Herr von und zu Flausch musste einiges an Strecke zurückgelegt haben. Die feuchte Spur führte ins Arbeitszimmer, von dort aus zurück in den Flur, ehe sie schließlich in der Küche so schwach wurde, dass man sie kaum noch erkennen konnte. Bisher hatte ich den Teddy jedenfalls nirgends gesehen.</p>



<p>Mit gerunzelter Stirn trat ich zurück in den Flur. Wo konnte er sein? Im Schlafzimmer war er eben jedenfalls noch nicht gewesen. Wenn er also nicht in den Keller gegangen war, blieb nur noch das Wohnzimmer.</p>



<p>Ich spähte zu der offenen Tür. Noch immer hörte ich deutlich das Rauschen des Fernsehers. Zum Glück konnte ich jetzt keine Stimmen mehr darin hören. Mit leisen Schritten ging ich darauf zu. Als ich nahe genug war, schaltete ich vorsichtshalber sogar die Taschenlampe aus und steckte das Handy weg.</p>



<p>Das Fernsehbild warf ein schwach flackerndes Licht ins Wohnzimmer. Und direkt davor auf dem Teppich stand eine kleine Gestalt. Herr von und zu Flausch stand auf beiden Beinen, das kleine Küchenmesser am Ende seines linken Arms, wo es auf übernatürliche Weise festhielt. Ich hatte ihn gefunden.</p>



<p>Für einen Moment zögerte ich. Dann nahm ich all meinen Mut zusammen und ging auf das Ding zu. Dabei spürte ich, wie mein Magen sich zusammenkrampfte. Alles in mir schrie danach, mich von dem Teddy fernzuhalten. Aber das durfte ich nicht. Ich musste das Ritual beenden!</p>



<p>Es war unmöglich, zu sagen, ob er mich bemerkt hatte. Ich hatte keine Ahnung, wie genau mich das Salzwasser in meinem Mund vor ihm schützen würde. Im Moment stand er jedenfalls völlig reglos da.</p>



<p>„DOMINIK!“, schrie plötzlich eine Stimme aus dem Fernseher.</p>



<p>Ich stolperte erschrocken zurück, verschluckte mich an dem Salzwasser und … schluckte es versehentlich hinunter.</p>



<p>Mit geweiteten Augen starrte ich nun den Teddy an. Noch hatte er sich nicht bewegt. Also griff ich langsam nach dem Deckel der Salzwasserflasche, um sie aufzudrehen. Sobald sich meine Hand jedoch bewegte, brach die Hölle los.</p>



<p>„Mitsuketa!“, schrie plötzlich eine zierliche Stimme. Gleichzeitig setzte sich Herr von und zu Flausch in Bewegung. Er rannte auf mich zu, sprang in die Luft und schnitt mir mit dem Messer ins Schienbein. Das wiederum sorgte dafür, dass ich noch weiter zurückwich. Ich stolperte, kam ins Straucheln und fiel rücklings zu Boden. Mein Kopf knallte auf das Parkett.</p>



<p>Aber ich gab mir keinen Moment, mich zu erholen. Obwohl sich alles drehte, griff ich wieder nach der Flasche, die ich noch immer in der Hand hielt. Zum Glück hatte ich sie noch nicht aufdrehen können, sodass sie nicht ausgelaufen war.</p>



<p>Doch auch Herr von und zu Flausch zögerte keine Sekunde. Er rannte weiter auf mich zu, sprang auf mein linkes Bein und lief darauf entlang. Dabei hackte er wie in Raserei um sich. Schmerz zuckte durch mein Bein und ich spürte, wie sich die Hose schnell mit einer warmen Flüssigkeit vollsog.</p>



<p>Zum Glück arbeitete mein Hirn auf Hochtouren. Statt zu versuchen, den wahnsinnigen Teddy abzuwehren, drehte ich die Flasche auf. Ich führte sie an die Lippen und nahm einen Schwall der salzigen Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p>Herr von und zu Flausch hatte inzwischen meinen Bauch erreicht. Mit der Spitze nach unten hob er das Messer und … erstarrte. In dem Moment, wo ich das Salzwasser im Mund hatte, hörte er auf, sich zu bewegen.</p>



<p>Ich atmete schwer, musste den Drang unterdrücken, zu schlucken. Stattdessen rappelte ich mich auf, schlug den Teddy von mir, als wäre er eine große Spinne – natürlich darauf bedacht, nicht ins Messer zu fassen.</p>



<p>Er flog einen halben Meter durch den Raum und landete auf dem Rücken, das Messer noch immer über den Kopf erhoben.</p>



<p>Sofort schüttete ich die restliche Flüssigkeit aus der Flasche über ihn. Das Stofftier wurde schlaff, ließ sogar das Messer fallen. Zu guter Letzt bespuckte ich ihn mit der Flüssigkeit aus meinem Mund.</p>



<p>„Watashi no Kachi!“, rief ich. Ich gewinne. „Watashi no Kachi! Watashi no Kachi!“ Aber ich fühlte mich nicht, als hätte ich gewonnen.</p>



<p>Auch wenn der Teddy sich daraufhin nicht mehr bewegte, nahm ich ihn und legte ihn in eine Bratpfanne. Ich übergoss ihn mit Brandbeschleuniger und zündete ihn an. Ich sah dabei zu, wie sein kleiner unscheinbarer Körper von den Flammen zerfressen wurde. Erst, als er fast nur noch aus Asche bestand, löschte ich die Glut und kümmerte mich um meine Wunden. Es waren viele, aber zum Glück waren sie nicht sonderlich tief.</p>



<p>Dabei wählte ich wieder und wieder Leonies Nummer in meinem Smartphone aus. Sie ging nicht ran. Aber ich wusste bereits, was passiert war. Annabelle hatte sie getötet. Ein Verdacht, der sich bereits am nächsten Tag bestätigte.</p>



<p>Aber das war noch nicht alles: Von Annabelle, der Mörderin meiner besten Freundin, fehlte jede Spur.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h2>



<p>Hitori Kakurenbo (ひとりかくれんぼ, Japanisch für „eine Person Versteckspiel“ oder „allein Versteckspielen“), im westlichen Raum auch unter der englischen Übersetzung „Hide and Seek Alone“ bekannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus Japan. Dabei handelt es sich um ein Ritual, bei dem eine Stoffpuppe oder ein Stofftier von einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> oder einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämon</a> besessen wird.</p>



<p>Das Ritual ist auch in Korea sehr beliebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Anleitung:</h3>



<p><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbereitung:</h4>



<p>Du benötigst:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>eine Puppe aus Stoff oder ein Stofftier mit Gliedmaßen</li>



<li>ungekochten Reis</li>



<li>eine Nadel und roten Faden</li>



<li>einen spitzen Gegenstand <em>(es wird empfohlen, einen Bleistift, eine Nadel oder einen Zahnstocher zu nehmen, auch wenn du theoretisch auch ein Messer oder eine Schere nehmen kannst)</em></li>



<li>abgeschnittene Finger- oder Fußnägel von dir selbst (<em>es sind auch andere körpereigene Materialien wie Haare, Blut oder Hautschuppen möglich, aber damit soll das Ritual gefährlicher werden)</em></li>



<li>ein Glas oder eine Flasche mit Salzwasser</li>



<li>eine mit Wasser gefüllte Badewanne oder ein gefülltes Waschbecken (<em>darüber, ob auch ein gefüllter Eimer oder eine Wäscheschüssel funktionieren, habe ich geteilte Meinungen gelesen</em>)</li>
</ul>



<p>Zuerst musst du dem Stofftier einen Namen geben, falls es noch keinen hat. Ich würde allerdings davon abraten, ein Stofftier zu nehmen, an dem dir etwas liegt, da man das Stofftier nach dem Ritual vernichten muss.</p>



<p>Schneide das Stofftier auf, entferne die Watte und ersetze sie vollständig mit dem ungekochten Reis. Leg die Finger- oder Fußnägel (oder für was auch immer du dich sonst entschieden hast) hinein und vernähe den Schnitt mit dem roten Faden. Wickel den restlichen roten Faden um das Stofftier und knote ihn zusammen.</p>



<p>Nun solltest du dich für ein Versteck entscheiden. Ich empfehle, dass du dort auch bereits das Glas oder die Flasche mit dem Salzwasser deponierst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ablauf:</h4>



<p>Das Ritual beginnt um 3 Uhr morgens. Nimm das Stofftier und sag zu ihm dreimal: „最初の鬼は(dein Name)だから“ („Saisho no Oni wa <em>dein Name</em> da kara“, auf Deutsch etwa: „Weil <em>dein Name</em> der erste Oni ist.“ – In Japan werden die Suchenden beim Versteckspielen als „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni</a>“ bezeichnet.)</p>



<p>Danach musst du mit dem Stofftier ins Badezimmer gehen und es in die gefüllte Wanne (oder das gefüllte Waschbecken) legen.</p>



<p>Schalte nun alle Lichter im Haus aus und den Fernseher ein. Der Fernseher darf allerdings kein Programm anzeigen (im besten Fall sollte er Bildrauschen darstellen).</p>



<p>Wenn du damit fertig bist, schließe die Augen und zähle bis zehn.</p>



<p>Jetzt musst du ins Badezimmer gehen und mit dem spitzen Gegenstand auf das Stofftier in der Wanne einstechen, während du sagst: „見つけた“ („Mitsuketa“, „Ich habe dich gefunden“). Anschließend musst du dreimal „次は(Name des Stofftiers)が鬼“ („Tsugi wa <em>Name des Stofftiers</em> ga Oni“, „Als Nächstes ist <em>Name das Stofftiers</em> der Oni!“) sagen, ehe du dich in deinem Versteck mit dem Salzwasser versteckst. (Was genau du mit dem spitzen Gegenstand machen sollst, nachdem du das Stofftier damit gestochen hast, geht nicht aus der verbreiteten Anleitung hervor. Viele Leute lassen es bei dem Stofftier liegen, damit es nun sie damit sie jagen kann.)</p>



<p>Ab jetzt kann es passieren, dass das Stofftier sich bewegt, um dich zu suchen, während weitere paranormale Phänomene passieren. Um welche Phänomene es sich genau handelt, kann von Erzählung zu Erzählung variieren. Es ist aber u. a. von Poltergeistphänomenen und Geräuschen, Stimmen oder Gesichtern im Fernsehrauschen die Rede.</p>



<p>Es sollte an dieser Stelle natürlich klar sein, dass das Stofftier dich auf keinen Fall finden darf, da du sonst in Lebensgefahr schwebst oder der Geist bzw. Dämon von dir Besitz ergreifen können soll.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo beenden:</h4>



<p>Um das Spiel zu beenden, musst du nun einen Schluck Salzwasser in den Mund nehmen. Achte aber darauf, dass du ihn die ganze Zeit im Mund behältst und nicht herunterschluckst oder ausspuckst.</p>



<p>Nun musst du dich auf die Suche nach dem Stofftier machen, das restliche Salzwasser aus dem Becher oder der Flasche darauf gießen und das Wasser aus deinem Mund darüber spucken. Sag nun dreimal laut: „私の勝ち“ („Watashi no Kachi“, „Ich gewinne“).</p>



<p>Der Geist oder Dämon sollte das Stofftier nun verlassen haben. Da er jedoch zurückkehren könnte, solltest du das Stofftier schnellstmöglich vernichten, indem du es verbrennst.</p>



<p>Auch wenn du alles korrekt durchführst, soll es jedoch passieren können, dass du nach dem Spiel krank wirst oder paranormale Phänomene erlebst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternative Version:</h4>



<p>In einer anderen Version dient das Stofftier hauptsächlich als Objekt für die Beschwörung. Der Geist oder Dämon ist zwar in gewisser Weise daran gebunden und es soll trotzdem passieren können, dass das Stofftier sich bewegt, er kann sich aber unabhängig von ihm durch das Haus bewegen. In dieser Version versucht also der Geist oder Dämon in seiner eigenen Gestalt (nicht als Stofftier) die Durchführenden zu finden.</p>



<p>Um das Ritual zu beenden, musst du auch in dieser Version das Stofftier suchen, mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, dreimal sagen, dass du gewonnen hast, und es anschließend verbrennen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Regeln:</h4>



<p>Zu den weiteren Regeln gehören, dass du während des gesamten Rituals allein im Haus sein musst (es sollten auch keine Haustiere da sein). Man darf das Ritual also nicht mit mehreren Personen durchführen.</p>



<p>Die Lichter müssen die ganze Zeit über ausgeschaltet bleiben.</p>



<p>Du darfst während des Rituals auf keinen Fall einschlafen.</p>



<p>Verlass nicht das Haus, während das Ritual noch im Gange ist.</p>



<p>Und besonders wichtig: Das Versteckspiel darf niemals länger als 2 Stunden andauern. Ansonsten läufst du Gefahr, dass der Dämon oder Geist zu mächtig wird und sich nicht mehr so leicht vertreiben lässt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die urbane Legende soll ursprünglich aus der Kansai- und der Shikokuregion in Japan stammen. Es gibt Gerüchte, dass Hitori Kakurenbo als Experiment in einer japanischen Universität entstanden sei, mit dem man herausfinden wollte, wie gut sich urbane Legenden verbreiten können.</p>



<p>Es heißt außerdem, dass Hitori Kakurenbo mit dem Kokkuri-san Ritual zusammenhänge, einem alten japanischen Ritual, dass der Geisterbeschwörung mit einem Ouija-Brett ähnelt. Den genauen Zusammenhang habe ich nicht herausfinden können. Ich kann mir aber vorstellen, dass, sollte die Theorie mit dem Universitätsexperiment stimmen, das Kokkuri-san Ritual nur erwähnt wurde, um der Legende mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.</p>



<p>Jedenfalls wurde am 18. April 2007 erstmals eine detaillierte Anleitung des Hitori-Kakurenbo-Rituals auf der japanischen Website 2chan gepostet.</p>



<p>Zahlreiche Leute haben das Ritual daraufhin ausprobiert, auf 2chan davon berichtet und es teilweise auch gefilmt. Die anderen Leute, die davon gelesen oder die Videos gesehen haben, haben es wiederum selbst ausprobiert und ihre Erfahrungen ins Netz gestellt, woraufhin weitere Leute diese Erfahrungen gelesen haben usw.</p>



<p>So hat sich das Ritual recht schnell verbreitet und es bald über die Landesgrenzen geschafft. Bereits im Herbst 2008 soll Hitori Kakurenbo in Amerika angekommen sein. Von dort aus hat es sich schließlich in die weitere westliche Welt verbreitet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo in der Popkultur:</h3>



<p>Auf YouTube und ähnlichen Plattformen gibt es zahlreiche Videos über Leute aus allen möglichen Ländern, die Hitori Kakurenbo durchführen.</p>



<p>Außerdem gibt es die japanische Horrorfilmreihe „Hitori Kakurenbo Gekijōban“ (Japanisch für „Allein Versteckspielen: Der Film“, 2009), „Hitori Kakurenbo Shin Gekijōban“ („Allein Versteckspielen: Der neue Film“, 2010) und „Hitori Kakurenbo Gekijōban Shin Toshidensetsu“ (Allein Versteckspielen: Der Film – wahre urbane Legende“, 2012) sowie den alleinstehenden Film „Hitori Kakurenbo“ (2008), die das Ritual aufgreifen.</p>



<p>2010 kam sogar von der berühmten virtuellen Sängerin Hatsune Miku das gleichnamige Lied „ひとりかくれんぼ“ (Hitori Kakurenbo) heraus.</p>



<p>Darüber hinaus gibt es einige Videospiele über die Legende, z. B. das Smartphonegame „Alone Hide and Seek“ für iOS und Android, das Multiplayerhorrorspiel „Hitori Kakurenbo Online“ (es befindet sich jedoch im Early Access und wurde seit 18 Monaten nicht geupdatet) sowie diverse weitere Spiele, die ihr unter den Namen „Hide and Seek Alone“ und „Hitori Kakurenbo“ auf itch.io finden könnt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Hitori Kakurenbo? Kanntet ihr das Ritual bereits? Habt ihr es vielleicht schon einmal selbst durchgeführt oder würdet es gerne versuchen? Schreibt es in die Kommentare!</em> </p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo">Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Dämon]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Poltergeist]]></category>
		<category><![CDATA[Poltergeister]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Spuk]]></category>
		<category><![CDATA[Spukhaus]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=994</guid>

					<description><![CDATA[<p>Einige Tage später hingegen sollte ich merken, dass die Ereignisse vielleicht doch keinen so natürlichen Ursprung hatten. Es war mitten in der Nacht. Ich lag im Bett und war fest am Schlafen, als mich Stimmen weckten …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/c45ee185287846f594dcb1e69ba274d2" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Poltergeister gehören zu einer der wohl bekanntesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geisterarten</a> der Welt. Dabei sind echte Berichte von dem Phänomen vergleichsweise selten.</p>



<p>Eigentlich wollte ich heute meine interaktive Geschichte veröffentlichen. Aber da ich leider wieder ein wenig übertreiben musste und die Geschichte jetzt schon deutlich länger als die interaktive Geschichte von letztem Jahr geworden ist, muss ich sie leider noch etwas verschieben. Stattdessen habe ich einen alten Beitrag für euch überarbeitet.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Also dann, Ms. Harris. Hier haben Sie die Schlüssel und hier meine Visitenkarte. Nur für den Fall, dass Sie das Haus wieder verkaufen möchten.“</p>



<p>Ich weiß noch, wie ich mich über die Formulierung der Maklerin gewundert hatte. <em>Falls Sie das Haus wieder verkaufen möchten.</em> Vielleicht sollte es nur Werbung sein. Vielleicht hoffte sie, dass ich jemanden kenne, der eine Immobilie zu verkaufen hat. Aber warum hatte sie es dann nicht so formuliert?</p>



<p>„Danke“, nahm ich die Schlüssel entgegen. Die Karte hingegen lehnte ich ab. „Ich denke nicht, dass ich das Haus so schnell wieder loswerden möchte. Es ist einfach perfekt. Die Lage, der Garten, und dann auch noch der Preis.“</p>



<p>Die Maklerin nickte, schenkte mir aber ein gequält aussehendes Lächeln. „Nur für den Fall“, sagte sie dann und steckte die Karte in meinen Briefkasten.</p>



<p>Ich sah der kleinen Frau mit gerunzelter Stirn nach, zuckte jedoch nur mit den Schultern, ehe ich mich meinem neuen Zuhause zuwandte.</p>



<p>Es sollte aber nur ein paar Wochen dauern, bis ich anfing zu verstehen, warum die Maklerin ihre Karte dagelassen hatte.</p>



<p>Zu Beginn waren die Vorfälle noch harmlos. Einige Male stand eine Schublade oder Schranktür plötzlich offen. Da dachte ich noch, dass sie vielleicht defekt seien oder ich sie lediglich vergessen hatte. Und auch, als einige Türen von allein zuknallten, machte ich noch einen unbemerkten Durchzug dafür verantwortlich. Das Haus war halt alt. Da konnte es schonmal ziehen.</p>



<p>Einige Tage später hingegen sollte ich merken, dass die Ereignisse vielleicht doch keinen so natürlichen Ursprung hatten. Es war mitten in der Nacht. Ich lag im Bett und war fest am Schlafen, als mich Stimmen weckten.</p>



<p>Es dauerte einen Moment, bis ich merkte, dass sie nicht aus meinem Traum, sondern aus der Wirklichkeit kamen. Schlagartig war ich wach. Ich setzte mich auf und sah erschrocken ins Zimmer. Da sah ich, dass es mein Fernseher war. Er war angegangen, zeigte irgendeinen alten Westernstreifen.</p>



<p>Irritiert griff ich nach der Fernbedienung auf meinem Nachttisch und schaltete ihn aus. Jetzt wieder in Dunkelheit gehüllt, rutschte ich langsam wieder unter die Bettdecke. Ich starrte die dunkle Zimmerdecke an. Wieso war der Fernseher mitten in der Nacht einfach angesprungen?</p>



<p>Dann plötzlich tanzten Lichter über die Decke. Die Stimme von John Wayne drang an meine Ohren.</p>



<p>„Was zum …?“, fragte ich in den Raum, während ich mich wieder aufsetzte.</p>



<p>Der Fernseher war wieder an. Erneut griff ich nach der Fernbedienung, diesmal ohne die Augen von dem Gerät zu nehmen. Ich drückte den Ausschalter.</p>



<p>Wieder war ich in Schwärze gehüllt. Diesmal legte ich mich jedoch nicht wieder hin. Ich blieb verwundert im Bett sitzen und starrte in die Dunkelheit Richtung Fernseher, unfähig, eine logische Erklärung für das spontane Einschalten zu finden.</p>



<p>Und dann, noch ehe ich die Augen von dem Gerät genommen hatte, war er plötzlich wieder an. Und nicht nur das: Ich sah die Lautstärkeanzeige, wie sie langsam nach oben stieg. Wayne brüllte jetzt seine Worte. Ein Revolverknall hallte durch das Zimmer, als wäre wirklich eine Waffe abgefeuert worden.</p>



<p>Da ich nicht wusste, was ich anderes tun soll, sprang ich aus dem Bett. Ich rannte zum Fernseher, griff nach dem Kabel und riss es aus der Wand. Jetzt war wieder alles still.</p>



<p>Anschließend ging ich zurück ins Bett. Ich zermarterte mir das Hirn, was hier gerade passiert war. Und so dauerte es eine ganze Weile, bis ich endlich einschlief. Die restliche Nacht blieb es ruhig.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Tag musste ich noch immer an die seltsamen Vorkommnisse aus der Nacht denken. Zuerst dachte ich, ich hätte es vielleicht nur geträumt, aber nein. Der Fernseher war wirklich nicht mehr angeschlossen. Ich hatte keine Ahnung, was da passiert war.</p>



<p>Also tat ich, was ich in solchen Situationen immer tue. Ich nahm mein Handy zur Hand und rief meinen Vater an. Er hatte immer für alles eine Erklärung.</p>



<p>„Sophia, wie geht es dir?“, meldete sich die vertraute Stimme. „Hast du dich gut eingelebt?“</p>



<p>„Hey Pops“, begrüßte ich ihn. „Es geht so. Letzte Nacht ist was Komisches passiert. Mein Fernseher ist ein paarmal angegangen.“ Ich schilderte ihm die Situation.</p>



<p>Mein Vater überlegte einen Augenblick. „Es gibt Universalfernbedienungen“, erklärte er mir. „Wenn man die richtige Frequenz kennt, kann man damit fast jedes Gerät einschalten. Kann es sein, dass ein Nachbar dich nicht leiden kann? Vielleicht gefällt jemandem nicht, dass eine schwarze Frau in die Gegend gezogen ist. Es gibt rassistische Arschlöcher, die zu allen Mitteln greifen würden, um uns loszuwerden.“</p>



<p>Ich versuchte, meinem Vater zu erklären, dass meine Nachbarn mit meiner Hautfarbe kein Problem hatten, auch die mexikanische Familie gegenüber sich gut mit allen verstand, aber es war zu spät. Pops hatte bereits zu seinem Vortrag angesetzt, dass ich mich davon nicht unterkriegen lassen dürfe.</p>



<p>Aber darüber wunderte ich mich nicht. Mein Vater war nicht mehr der Jüngste. Während ich mich hauptsächlich mit Alltagsrassismus rumschlagen musste und hier und da einen blöden Spruch abbekam, hatte er noch ganz andere Zeiten kennengelernt. Und so ließ ich seinen Vortrag über mich ergehen, versprach ihm, dass ich mich nicht vertreiben lassen würde, ergänzte, dass ich ihn liebhabe, und legte schließlich auf.</p>



<p>Dafür hatte ich jetzt meine Antwort: Es könnte eine Universalfernbedienung gewesen sein. Und nur, weil meine Nachbarn keine Rassisten waren, hieß das ja nicht, dass die Nachbarsjungen mir keine Streiche spielen würden. Fürs Erste gab ich mich also mit der Theorie zufrieden.</p>



<p>Und so ignorierte ich weiterhin die Schranktüren, die sich wie von Geisterhand öffneten, die Türen, die von allein auf- oder zugingen und sogar das Licht, das gelegentlich flackerte. Zumindest tat ich das, bis ich eines Abends in der Küche stand und mir eine Scheibe Brot schmierte. Ich war gerade dabei, Margarine auf dem Brot zu verstreichen, da hörte ich ein leises Quietschen hinter mir: <em>Iiieeeek.</em></p>



<p>Schnell drehte ich mich um. Dabei konnte ich gerade noch sehen, wie sich das Regal, in dem meine Teller standen, langsam öffnete. Als ich jedoch darauf zuging, um es wieder zu schließen, ließ mich ein leises Schaben in der Bewegung innehalten. Es klang völlig gleichmäßig. Und dann sah ich es: Einer der Teller schob sich langsam, als würde ihn jemand herausziehen, aus dem Schrank heraus.</p>



<p>Mit offenem Mund stand ich da, während der Teller aus dem Schrank stürzte, zu Boden fiel und dort in unzählige Scherben zerbarst. Erst bei dem Aufprall machte ich einen Satz zurück.</p>



<p>Ungläubig starrte ich auf die Scherben. Was zur Hölle war da gerade passiert? Das war nicht möglich.</p>



<p>Da ich nicht wusste, was ich anderes tun sollte, holte ich einen Besen. Ich fegte die Scherben mühsam auf eine Kehrschaufel, ehe ich damit nach draußen ging, um sie dort im Müll zu entsorgen. Ich kam jedoch nicht weiter als bis vor die Haustür. Dort angekommen blieb ich abrupt stehen. Fast hätte ich die Schaufel mitsamt Scherben fallengelassen.</p>



<p>Achtzehn Augen starrten mich aus meinem Garten heraus eindringlich an. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Gartenzwerge. Die kleinen Kerlchen waren einfach zu drollig. In diesem Moment jedoch war sämtliche Sympathie für sie gewichen. Normalerweise standen sie im Vorgarten verteilt, sodass sie aussahen, als würden sie sich unterhalten oder der Gartenarbeit nachgehen. Jetzt jedoch standen alle neun Zwerge so, dass sie jede Person anstarrten, die das Haus verließ – in diesem Moment also mich.</p>



<p>Ich war schneller wieder drinnen, als ich zugeben möchte. Die Scherben würde ich morgen entsorgen, wenn es draußen wieder hell war. Für alles andere lagen meine Nerven gerade zu blank.</p>



<p>Als ich nach dem Abendbrot im Bett lag, konnte ich mal wieder nicht schlafen. Ich nahm mein Handy zur Hand und durchforstete das Internet nach irgendeiner Erklärung für das alles. Klar, mit einer Universalfernbedienung konnte man den Fernseher erklären und auch die Gartenzwerge hätte jede beliebige Person in meinem Vorgarten umstellen können, aber die Türen? Und der Teller? Es musste dafür irgendeine Erklärung geben!</p>



<p>Leider ergab meine Suche nicht viel. Jedenfalls ging ich nicht davon aus, dass ein Erdbeben den Teller bewegt haben konnte. Einen vorbeifahrenden Zug gab es in der Region auch nicht. Und von den wirren Poltergeist-Theorien, über die ich las, wollte ich gar nicht erst anfangen. Ich glaubte nicht an das Paranormale. Zumindest noch nicht.</p>



<p>Also ließ ich mit einem frustrierten Seufzen den Kopf aufs Kissen fallen. In dieser Nacht verfiel ich in unruhige Träume.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Inzwischen verging kein einziger Tag mehr, an dem nichts Merkwürdiges in meinem neuen Haus geschah. Aber das Problem war nicht, dass diese Dinge passierten. Ob ihr es glaubt oder nicht irgendwann gewöhnt man sich daran, dass Sachen plötzlich woanders liegen, dass Türen sich von allein öffnen und schließen, dass das Licht an- oder ausgeht. Das Problem war nicht einmal, dass die Phänomene häufiger wurden. Nein, das Problem war, dass sie immer intensiver wurden.</p>



<p>Ich weiß noch, wie ich einen Tag aus der Dusche kam und das Wort „LEAVE!“ auf meinem beschlagenen Badezimmerspiegel geschrieben sah. Zwar gibt es eine einfache Möglichkeit, solche Worte auf Spiegeln zu erzeugen, wie ich im Internet herausfand – es reichte zum Beispiel aus, sie mit Reinigungsalkohol auf den unbeschlagenen Spiegel zu schreiben, damit die Worte nach der nächsten heißen Dusche auftauchten –, aber außer mir war niemand in meinem Haus gewesen.</p>



<p>Und dann war da noch die Visitenkarte. Als ich den Spiegel mit meinem Handtuch abwischen wollte, entdeckte ich die Karte der Maklerin auf dem Waschbeckenrand. Ich war mir sicher, dass sie vor meiner Dusche noch nicht dagelegen hatte.</p>



<p>Vielleicht hatte mein Vater ja recht. Vielleicht war es wirklich ein Nachbar, der mich loswerden wollte. Aber in mein Haus einbrechen? Sich in mein Badezimmer schleichen, während ich duschte? Das ging nun wirklich zu weit.</p>



<p>Vielleicht sollte ich mir Überwachungskameras für das Haus holen. So wüsste ich nicht nur, wer in meinem Haus hier sein Unwesen trieb, ich hätte auch noch Beweise, die ich der Polizei vorlegen konnte. Wer auch immer das war, würde bald schon lernen, dass er sich mit der Falschen angelegt hatte!</p>



<p>So weit kam es jedoch nie. Ich hatte den Gedanken gerade zu Ende gedacht, da hörte ich plötzlich ein lautes Schaben aus dem Stockwerk über mir – dem Dachboden. Es klang so, als ob jemand einen schweren Gegenstand über den Boden rücken würde.</p>



<p>„Oh nein! So nicht, Freundchen!“, schimpfte ich, während ich zur Treppe rannte. Ich nahm zwei Stufen auf einmal. Das Holz knarrte unter meinen Füßen, während ich dem schabenden Geräusch immer näherkam.</p>



<p>Ich merkte, dass meine Hand zitterte, während ich nach dem metallenen Türknauf griff. Ich nahm all meinen Mut zusammen. Dann drehte ich den Knauf und stieß die Tür mit aller Kraft auf.</p>



<p>Wie schon so oft die letzten Wochen, erstarrte ich jetzt. Ich sah, wie einige Umzugskartons wie von Geisterhand über den Boden schleiften.</p>



<p>In einem letzten verzweifelten Versuch, eine logische Erklärung für all das zu finden, rannte ich zu einem der Kartons. Ich kippte ihn auf die Seite, untersuchte seine Unterseite und den Fußboden, öffnete ihn und leerte seinen Inhalt vor mir aus. Aber da war nichts – nichts, das den Karton hätte bewegen können. Das war physikalisch unmöglich!</p>



<p>Mein Mundwinkel zuckte. Ich richtete mich auf. „Wer oder was auch immer du bist, das ist mein Haus!“, rief ich. „Und ich will, dass du mich auf der Stelle in Ruhe lässt!“</p>



<p>War es nicht das, was man mit Geistern machen sollte? Sie zum Gehen auffordern? Oder würde ich ihn damit nur provozieren?</p>



<p>Zu meiner Überraschung war es plötzlich um mich herum still. Kein schleifendes Geräusch mehr, keine sich bewegenden Kisten. Hatte es funktioniert?</p>



<p>Doch es war nur die Ruhe vor dem Sturm. Ein plötzliches Klappern hinter mir ließ mich herumfahren. Ein Stuhl, der in einer Ecke stand, zitterte wie verrückt. Dann, völlig unerwartet, hob er vom Boden ab. Er schwebte in der Luft, nur wenige Zentimeter über dem Boden, als würde eine unsichtbare Person ihn hochheben.</p>



<p>Im nächsten Moment flog der Stuhl in meine Richtung. Normalerweise hatte ich gute Reflexe, doch in diesem Moment war ich zu überfordert, um überhaupt zu reagieren. Der Stuhl traf mich mit voller Wucht. Das Holz der Rückenlehne schlug an meinen Kopf, ehe die gepolsterte Sitzfläche mich an der Brust traf und zu Boden schleuderte.</p>



<p>Für einen kurzen Moment wurde mir schwarz vor Augen. Ich lag benommen da, als ich plötzlich ein Knarren vernahm. Die schwere Kommode über mir kippte in meine Richtung. Ich riss schützend die Arme hoch. Aber auch das würde nichts bringen. Die Kommode war so schwer, dass selbst die beiden Männer vom Umzugsunternehmen Schwierigkeiten gehabt hatten, sie die Treppen hinauf zu bekommen.</p>



<p>„Warte! Warte!“, kreischte ich panisch. „Du hast gewonnen!“ Was auch immer hier passierte, ich hatte nicht vor, heute von einer Kommode zerquetscht zu werden. „Du hast gewonnen“, wiederholte ich. „Ich ziehe aus. Das möchtest du doch, oder?“</p>



<p>Die Kommode hielt in der Bewegung inne. Sie stand jetzt nur noch auf zwei Beinen, schwebte bedrohlich über mir.</p>



<p>„Ich such mir noch heute ein Motel. Direkt morgen ruf ich die Maklerin an. Dann bist du mich los!“, flehte ich.</p>



<p>Ich spürte mein Herz bis in meinen Hals pochen. Mit noch immer weit aufgerissenen Augen starrte ich die Kommode an. Wenn der Poltergeist, oder was auch immer es war, sie jetzt losließ, würde ich das nicht überleben.</p>



<p>Dann kippte die Kommode. Sie kippte jedoch nicht in meine Richtung. Nein. Sie kippte von mir weg. Mit einem lauten Knall landete sie wieder auf ihren vier Beinen. Danach war es ruhig. Der Spuk war zu Ende. Ich hatte verloren, aber ich lebte. Jetzt musste die Maklerin nur noch einen neuen Käufer finden.</p>



<p>Ich erinnerte mich an ihre Worte. „Nur für den Fall, dass Sie das Haus wieder verkaufen möchten.“ Sie wusste es. Sie hatte es die ganze Zeit gewusst. Und auch beim nächsten Käufer würde sie es wieder wissen …</p>



<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Poltergeister sind eine Art Geist oder Spukerscheinung. Aber obwohl sie eine der bekanntesten Geisterarten sind, sind Berichte von Poltergeistphänomenen relativ selten – sofern man von den zahlreichen gefakten Videos einmal absieht, die im Internet kursieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Im Normalfall manifestieren sich Poltergeister nicht in einer sichtbaren Gestalt. Sie sind somit eines der wenigen übernatürlichen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>, das kein eigenes Aussehen besitzen soll.</p>



<p>Eine Ausnahme besteht, sofern die Poltergeistphänomene mit anderen Geistererscheinungen, Telepathie oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämonen</a> in Verbindung gebracht werden. In diesen Fällen wird dem „Poltergeist“ das Aussehen des anderen Wesens oder der telepathisch begabten Person zugeschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Es gibt verschiedene Theorien bzw. Arten, wie ein Poltergeist entstehen kann.</p>



<p>So gibt es den „klassischen“ Poltergeist, der als Geist oder Dämon ein Haus oder eine Person heimsucht und die paranormalen Phänomene verursacht. Der Grund hierfür kann u. a. eine starke emotionale Bindung zwischen dem Geist und dem Ort/der Person sein, eine aus dem Ruder geratene Séance oder schwarze Magie.</p>



<p>Anders verhält es sich hingegen mit der Theorie, dass Poltergeistphänomene durch einen Menschen verursacht werden. Ich meine hierbei nicht, dass ein Mensch die Phänomene faket – das kommt natürlich auch sehr oft vor –, sondern dass er die Objekte unbewusst bewegt, z. B. durch telekinetische Kräfte. Tatsächlich war diese meist von sexistischen Motiven geprägte Theorie besonders früher sehr verbreitet. Ihr zufolge wird die unbewusste Telekinese durch eine Mischung aus Stress und Hysterie von meist jungen Frauen oder weiblichen Teenagern ausgelöst.</p>



<p>Wie plausibel Letzteres in euren Ohren klingt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich bin aber ein größerer Fan der Geist/Dämon-Theorie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Poltergeister können auf sehr verschiedene Weisen in Erscheinung treten.</p>



<p>Häufig beginnen die Phänomene sehr harmlos – ein kleiner Gegenstand, der plötzlich woanders liegt, ein leises Klopfen, flackernde Lichter oder Lichtschalter, die sich von selbst betätigen.</p>



<p>In seltenen Fällen bleibt es bei diesen kleineren Ereignissen, im Normalfall steigern sich die paranormalen Phänomene jedoch mit der Zeit.</p>



<p>So kann es im weiteren Verlauf zum Beispiel dazu kommen, dass auch größere Gegenstände oder Möbel bewegt werden oder umkippen.</p>



<p>Normal sind auch Tassen oder Teller, die plötzlich durch die Luft fliegen, als wären sie geworfen worden, oder Schubladen und Türen, die sich von selbst öffnen oder schließen.</p>



<p>Außerdem gibt es Berichte von lautem durchgehendem Klopfen, Lichtflackern, elektronischen Geräten, die plötzlich an oder ausgehen, von selbst wechselnden Fernsehprogrammen und Geräuschen wie Stimmen, undeutlichem Geflüster oder unmenschlichen Schreien.</p>



<p>In besonders schweren Fällen soll es sogar zu plötzlichem Feuer ohne erkennbare Ursache oder schwebenden Möbeln und Personen gekommen sein.</p>



<p>Genau wie die Art der Ereignisse kann auch die Zeitspanne, über die sie passieren, sich von Fall zu Fall stark unterscheiden. In einigen Fällen dauert es nur wenige Wochen, bis sie wieder aufhören, in anderen mehrere Monate bis hin zu Jahren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Poltergeister sind fast immer innerhalb von Gebäuden anzutreffen. Davon abgesehen können sie überall auf der Welt vorkommen.</p>



<p>In einigen Kulturen sind sie unter anderem anderem Namen bekannt und auch die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legenden</a> um die Ereignisse können verschieden sein, aber das Grundprinzip bleibt immer dasselbe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den genauen Ursprung der Poltergeister lässt sich nur schwierig etwas sagen. Es gibt verschiedenste Poltergeister in allen möglichen Kulturen – mal sind es Geister, mal Kobolde, Hexen, Menschen mit telekinetischen Kräften, Dämonen, Yōkai oder völlig andere Wesen.</p>



<p>Die Poltergeister, wie wir sie aus europäischen und amerikanischen Erzählungen kennen, könnten hingegen ihren Ursprung in Deutschland haben, worauf die Tatsache hindeutet, dass „poltergeist“ als Wort für die Phänomene auch in anderen Sprachen übernommen wurde – so ist im Englischen z. B. von „poltergeists“ die Rede.</p>



<p>Aber egal, aus welcher Region der Glaube an „unsere“ Poltergeister ursprünglich kommen mag, so ist der Ursprung doch relativ eindeutig: Die Menschen haben sich früher alle möglichen Dinge ausgedacht, um scheinbar unerklärliche Vorkommnisse zu erklären. Götter, die den Sonnenwagen über den Himmel ziehen, Geister, die in den Polarlichtern tanzen oder eben Poltergeister, die Geräusche ohne erkennbaren Ursprung erklären sollen – ein Glaube, der sich bis heute hartnäckig gehalten hat.</p>



<p>In der Realität kommen die Geräusche oft bloß von arbeitendem Holz, Tieren, die sich in oder hinter der Wand befinden oder alten Rohren, aber auch das tut der Fantasie der meisten Menschen keinen Abbruch.</p>



<p>Und auch, wenn sich die meisten Poltergeistaktivitäten auf ebensolche natürliche Ursachen oder schlichten Betrug, um Aufmerksamkeit zu erregen, zurückführen lassen, so gibt es doch einige historische Fälle von Poltergeistern, die sich bis heute nicht logisch erklären lassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Poltergeister in der Popkultur:</h3>



<p>An dieser Stelle komme ich natürlich nicht drum herum, die Poltergeist-Filmreihe, bestehend aus „Poltergeist“ (1982), „Poltergeist 2 – Die andere Seite“ (1986), „Poltergeist 3 – Die dunkle Seite des Bösen“ (1988) sowie der Neuauflage „Poltergeist“ (2015), zu erwähnen.</p>



<p>Außerdem gibt es eine Die drei ???-Folge namens „Poltergeist“ von 1997, die von vermeintlichen Poltergeistphänomenen im Haus einer älteren Dame handelt. (Dabei handelt es sich übrigens um eine meiner Lieblingsfolgen. :D)</p>



<p>Und natürlich gibt es den bekannten Horrorfilm „Conjuring 2“ (2016), der den berühmten echten Fall des Enfield-Poltergeists behandelt.</p>



<p>Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Fernsehserien und Filme wie z. B. die Horrerserie „Poltergeist – die unheimliche Macht“ (1996-1999), den Dokumentarfilm „Enfield Poltergeist“ (2023) oder die 11-teilige Trash-Horrorfilmreihe „American Poltergeist“.</p>



<p><em>Was denkt ihr über Poltergeister? Glaubt ihr, dass diese Phänomene übernatürlich sein können? Oder gibt es für euch immer eine logische Erklärung? Wie würdet ihr die Phänomene erklären? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>52</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Legende von Sui – der Ursprung des roten Umschlags</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-von-sui-der-ursprung-des-roten-umschlags</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-von-sui-der-ursprung-des-roten-umschlags#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jan 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[chinesisches Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[chinesische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[chinesische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Die Legende von Sui]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Mond Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Mondneujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Umschläge]]></category>
		<category><![CDATA[Roter Umschlag]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Sui]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3135</guid>

					<description><![CDATA[<p>Sobald Sui seine Hand zurückzog, bekamen die Kinder ein furchtbares Fieber. Damals, als es noch nicht unsere moderne Medizin gab, war das oft ein Todesurteil. Unzählige Kinder starben durch Suis Hand. Aber auch, wenn die Kinder wieder gesund wurden, sollen sie bleibende Schäden davongetragen haben. Es heißt, dass sie von jenem Tag an nie wieder dieselben waren …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-von-sui-der-ursprung-des-roten-umschlags">Die Legende von Sui – der Ursprung des roten Umschlags</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/c44af8b6e56341e98789e20e8dccb855" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Legende von Sui handelt von den roten Umschlägen, die traditionell zum chinesischen Neujahr verschenkt werden. Dieses Jahr fällt das Mondneujahr auf Mittwoch, den 27. Januar, weshalb ich passend dazu diesen Beitrag für euch geschrieben habe.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich habe euch bereits die Geschichte von dem Monster Nian erzählt, wie der Brauch, zu Neujahr Feuerwerkskörper zu zünden, entstanden ist. Heute erzähle ich euch eine ähnliche Geschichte. Die Geschichte über den Ursprung der Hongbao, der roten Umschläge, die zum Mondneujahr verschenkt werden.</p>



<p>Falls ihr die Tradition noch nicht kennt: In Teilen Asiens ist es Brauch, zum Neujahr einen roten Umschlag mit Geld zu verschenken. Meist sind die Umschläge mit goldenen Schriftzeichen oder Zeichnungen dekoriert.</p>



<p>Während es früher ausschließlich ein Geschenk an Kinder war, werden die roten Umschläge heutzutage auch an Partner, Freunde, Mitarbeiter und sogar Stars verschenkt. Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Heute möchte ich euch erzählen, wie dieser Brauch entstanden sein soll.</p>



<p>Vor langer Zeit, so heißt es, war das Neujahr in China nämlich kein Feiertag gewesen. Es war ein Tag der Furcht. Eltern mussten in der Neujahrsnacht um die Gesundheit ihrer Kinder fürchten.</p>



<p>Denn in der Neumondnacht zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar, in der in China das neue Mondjahr beginnt, trieb dort ein Dämon sein Unwesen. Ein Monster namens Sui.</p>



<p>Es heißt, dass Sui nachts in den Kinderzimmern erschien, wenn die Kinder bereits schliefen. Er schlich zu ihren Betten, streckte seine klauenbesetzte Hand nach ihnen aus und streichelte ihnen damit über die Stirn. Einmal. Zweimal. Dreimal.</p>



<p>Oft wurden die Kinder dabei wach. Aber anstatt zu schreien, waren sie zu entsetzt von dem Anblick des Dämons, um auch nur einen einzigen Ton über ihre Lippen zu bringen.</p>



<p>Sobald Sui seine Hand zurückzog, bekamen die Kinder ein furchtbares Fieber. Damals, als es noch nicht unsere moderne Medizin gab, war das oft ein Todesurteil. Unzählige Kinder starben durch Suis Hand. Aber auch, wenn die Kinder wieder gesund wurden, sollen sie bleibende Schäden davongetragen haben. Es heißt, dass sie von jenem Tag an nie wieder dieselben waren.</p>



<p>Ich denke, ihr versteht jetzt, warum Sui so gefürchtet war. Es gab jedoch einen Trick, wie man die Kinder vor ihm schützen konnte. Sui suchte nur Kinder auf, die in der Neujahrsnacht schliefen. Wenn die Eltern ihr Kind bis Sonnenaufgang wachhalten konnten, war es in Sicherheit. Sie taten also alles in ihrer Macht stehende, dass die Kinder in der Neujahrsnacht kein einziges Auge zutaten. Sie schenkten ihnen Spielzeug, auf dass sie die ganze Nacht damit spielen würden, zündeten Kerzen an, damit das Zimmer hell erleuchtet war, und natürlich beteten sie zu den Göttern.</p>



<p>Besonders schwierig war es jedoch für die Familien, die nicht so viel Geld besaßen. Sie konnten sich all das Spielzeug und die vielen Kerzen oft nicht leisten.</p>



<p>So erging es auch der Familie, von der diese Geschichte handelt. Sie bestand aus der Mutter Wei, dem Vater Zhao und ihrem gemeinsamen Sohn Fuling.</p>



<p>Wei und Zhao hatten lange gespart, um ihrem Sohn neue Spielzeuge kaufen zu können. Irgendetwas, das ihn die ganze Nacht lang wachhalten konnte. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen. Kurz vor dem Jahreswechsel wurde ihr Haus von einem furchtbaren Sturm getroffen. Und so mussten sie all das angesparte Geld für die Reparatur ausgeben. Alles, was ihnen noch blieb, waren acht klägliche Münzen – nicht einmal genug für ein schlichtes Holzspielzeug.</p>



<p>Als schließlich die Neujahrsnacht kam, wollten sie jedoch nicht mit leeren Händen dastehen. Nicht nur, dass sie Angst hatten, ihr Sohn könne einschlafen, wenn er keine Beschäftigung hatte, es hätte Wei das Herz gebrochen, wenn sie Fuling nichts hätte schenken können. Sie wusste genau, dass all seine Freunde, die Kinder aus der Nachbarschaft in dieser Nacht die tollsten Spielzeuge geschenkt bekamen.</p>



<p>Und so machten Wei und Zhao einen Plan. Sie nahmen einen roten Zettel – eine Farbe, der man nachsagt, dass sie das Böse fernhalte –, falteten ihn zu einem Umschlag und legten die acht Münzen, ihr letztes Geld, hinein.</p>



<p>„Bitte“, flüsterte Wei ein Gebet an die Götter, als sie den Umschlag auf den Esstisch legte. „Lasst es ausreichen. Schützt meinen Sohn vor Sui. Fuling hat nicht verdient, dass ihm etwas zustößt.“ Anschließend ging sie in die Küche, um Fuling den letzten Rest Suppe aufzufüllen, während ihr Ehemann ihren Sohn zum Essen holte.</p>



<p>Natürlich hatte Fuling den Umschlag neben seiner Schüssel sofort gesehen. Neugierig musterte er das rote Papier. Aber er wusste genau: Die Geschenke gab es erst nach dem Essen. Und so löffelte er brav seine Suppe aus, während seine Eltern ihn mit einem sanften Lächeln beobachteten. Sie selbst aßen nichts – dafür fehlte ihnen das Geld. „Wir essen später“, hatte Zhao gesagt.</p>



<p>Aber Fuling war ein schlauer Junge. Er wusste genau, dass seine Eltern das nur sagten, damit er sich besser fühlte. Also ließ er sich Zeit mit dem Essen. Obwohl er voller angespannter Erwartung fast platzte, schlang er nicht, um seinen Eltern zu zeigen, dass er die leckere Suppe genoss und er danach nicht etwa noch Hunger hatte.</p>



<p>Erst, als er den letzten Löffel Gemüse gegessen, den letzten Schluck Brühe getrunken hatte, sah er seine Eltern erwartungsvoll an. Wei nickte ihm aufmunternd zu. Sie hoffte, dass man ihr nicht ansah, wie nervös sie wegen des eher kläglichen Geschenks war.</p>



<p>Aber zum Glück merkte Fuling nichts davon. Mit strahlenden Kinderaugen griff er nach dem Umschlag. Er faltete ihn hastig auseinander, woraufhin ihm die acht Münzen auch schon entgegenfielen.</p>



<p>Zhao lächelte aufmunternd. „Mit den Münzen kannst du heute Nacht spielen. Und morgen, wenn du geschlafen hast, kannst du dir damit auf dem Markt eine Kleinigkeit holen“, erklärte er.</p>



<p>Fuling strahlte über das ganze Gesicht. „Danke!“, sagte er laut, ehe er die Münzen und den Zettel in die kleinen Händchen nahm und damit in seinem Zimmer verschwand.</p>



<p>Natürlich hätte Fuling sich mehr über ein anderes Spielzeug gefreut. Aber wie gesagt: Er war ein schlauer Junge. Er wusste, dass seine Eltern kein Geld dafür hatten. Außerdem hatte er eine blühende Fantasie. Und so wurden die acht Münzen in dieser Nacht zu einer Familie, einer Gruppe Waldtiere, einer kleinen Soldatentruppe und was immer sonst noch seinem kleinen Köpfchen entsprang.</p>



<p>Trotzdem – denn sonst würde ich diese Geschichte nicht erzählen – wurde Fuling irgendwann müde. Selbst mit seiner Fantasie gab es eben Grenzen, wie lange acht einfache Münzen ein Kind wachhalten konnten. Und so fielen ihm immer wieder die Augen zu.</p>



<p>Zu Anfang weckten ihn seine Eltern noch. Seine Mutter spielte sogar mit ihm zusammen mit den Münzen. Aber auch das gelang ihr nur wenige Minuten, ehe seine Äuglein wieder zufielen. Irgendwann brachten sie es nicht mehr über das Herz, ihren schlafenden Sohn, der so unendlich erschöpft wirkte, noch einmal zu wecken.</p>



<p>Zhao hob ihn vom Boden auf und legte ihn in sein Bett, während Wei die Münzen einsammelte und auf dem roten Papier neben sein Kopfkissen legte.</p>



<p>„Schlaf gut, mein Spatz“, hauchte sie, ehe sie sich auf den Boden neben ihn setzte, um Wache zu halten.</p>



<p>Die erste Schicht übernahm sie. Wenn sie zu müde wurde, sollte sie Zhao wecken, damit er die Wache übernahm, während sie ein wenig Schlaf nachholen konnte. Anschließend weckte er wieder sie, wenn er zu müde wurde und so weiter.</p>



<p>Als gerade wieder Wei an der Reihe war, auf ihren Sohn zu achten, hatte jedoch auch sie Schwierigkeiten, ihre Augen offen zu halten. Ihr müsst verstehen, es war schon spät in der Nacht. Sie und ihr Mann hatten die letzten Tage pausenlos arbeiten müssen, um den Schaden an ihrem Haus zu reparieren. Und jetzt, wo es im Zimmer völlig still war, wo sie nichts als das ruhige Atmen ihres Sohnes hören konnte, übermannte der Schlaf schließlich auch sie.</p>



<p>Der Moment, auf den Sui, der böse Geist, den die Eltern so sehr von ihrem Sohn fernhalten wollten, gewartet hatte, war gekommen. Aus dem Nichts tauchte er in Fulings Zimmer auf, setzte seine Füße leise wie eine Katze auf dem Boden ab.</p>



<p>Er warf Wei, die mit nach vorne gefallenem Kopf auf dem Boden saß, einen verächtlichen Seitenblick zu, ehe er seine Aufmerksamkeit auf Fuling richtete.</p>



<p>Ein Lächeln umspielte die Lippen des Dämons, während er langsam auf das schlafende Kind zutrat. Einen Moment stand er bloß da, betrachtete das friedliche Gesicht von Fuling, ehe er seine klauenbesetzte Hand hob. Langsam, bedrohlich näherte sie sich Fulings Stirn. Seine schwarzen Klauen hatten die weiche Haut jetzt fast erreicht.</p>



<p>Es war jedoch genau dieser Moment, in dem etwas Unerwartetes passierte. Etwas, mit dem weder die Eltern noch der Dämon gerechnet hatten. Die acht Münzen, die neben Fulings Kopf lagen, nur wenige Zentimeter von Suis Hand entfernt, begannen zu leuchten. Sie wurden heller und heller, strahlten ein goldenes Licht aus, so grell und göttlich, dass Sui sich die Hand vor die Augen halten musste. Entsetzt taumelte er zurück, stolperte und ergriff schließlich die Flucht. Alles vor den ungläubigen Augen von Wei. Denn das helle Licht hatte sie geweckt.</p>



<p>Nur einen Moment später, als Sui bereits fort war, erloschen die Münzen wieder. Hätte jemand jetzt das Zimmer betreten, hätte er nicht gewusst, dass dort überhaupt etwas geschehen war.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schnell sich die Nachricht im Land verbreitete. Wei und Zhao waren ehrliche Menschen. Niemand hatte sie je bei einer Lüge ertappt. Und so glaubte man ihnen, ohne zu zögern, jedes Wort. Es dauerte nur Wochen, vielleicht sogar nur Tage, bis sich die Geschichte, wie acht Münzen in einem Umschlag den bösen Dämon vertreiben konnten, bis in den letzten Winkel Chinas verbreitet hatte. Fortan sollte jede Familie ihren Kindern zu Neujahr einen roten Umschlag mit Münzen darin schenken. Auf das Sui nie wieder das Leben eines Menschen forderte.</p>



<p>Was die Leute genauso wie Wei und Zhao jedoch nicht ahnten, war, dass die acht Münzen aus Fulings Umschlag keine gewöhnlichen Münzen waren. Die Götter hatten ihre Gebete nämlich erhört. Sie hatten die Acht Unsterblichen, acht Heilige der chinesischen Mythologie, auf die Erde geschickt, um den Jungen zu beschützen. Dort hatten sie sich in die acht Münzen verwandelt und Sui mit ihrer Macht vertrieben. Wer die Acht Unsterblichen genau sind, ist jedoch eine Geschichte, die ich euch ein andermal erzählen werde.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Legende nach lebte früher in China ein böser <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämon</a> namens Sui. Er erschien immer in der Nacht des chinesischen Neujahrs in den Kinderzimmern, wo er die schlafenden Kinder krank machte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Über das Aussehen von Sui habe ich nicht viel herausfinden können. Es heißt aber, dass er ein schrecklich aussehender Dämon/böser Geist mit langen Klauen sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Der Legende nach erschien Sui in der Nacht des chinesischen Neujahrs in den Kinderzimmern schlafender Kinder. Dort streichelte oder kratzte er dreimal über den Kopf oder die Stirn der Kinder, woraufhin sie Kopfschmerzen, Fieber und/oder eine andere Krankheit bekamen.</p>



<p>Auch wurde dieser Berührung nachgesagt, der Grund für psychische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen der Kinder gewesen zu sein.</p>



<p>Dieses ableistische Narrativ war also – ähnlich wie dämonische Besessenheit oder Berührungen mit dem Feenreich in der westlichen Welt – ein veralteter Erklärungsversuch, wie menschliche Behinderungen entstanden sein sollen.</p>



<p>Jedenfalls haben die Eltern viele Dinge versucht, um ihre Kinder zu schützen. Sie zündeten Kerzen an, beteten zu den Göttern oder schenkten ihren Kindern Spielzeug, damit sie die Nacht über wach blieben. Trotzdem geschah es immer wieder, dass ein Kind Sui zum Opfer fiel.</p>



<p>Eines chinesischen Neujahrs jedoch schenkte eine besonders gläubige Familie ihrem Kind acht Münzen in einem roten Umschlag, damit es mit den Münzen spielen kann. Die Farbe Rot soll laut chinesischer Folklore das Böse fernhalten.</p>



<p>Das Kind spielte lange Zeit mit den Münzen, doch wie es das Schicksal wollte, wurde es schließlich zu müde und schlief ein.</p>



<p>Ob die Eltern selbst eingeschlafen waren, zu sehr mit Beten beschäftigt waren oder das Kind nicht wachbekommen konnten, variiert je nach Erzählung. In allen Versionen taucht kurz darauf der Dämon/böse Geist Sui auf, um den Kopf des Kindes zu streicheln.</p>



<p>In dem Moment jedoch erstrahlten die acht Münzen, die das Kind geschenkt bekommen hatte, in einem goldenen Licht, das Sui in die Flucht trieb.</p>



<p>Wie sich herausstellte, hatten die Götter die Gebete der Eltern erhört. Sie schickten die Acht Unsterblichen (Heilige der chinesischen Mythologie) zu ihnen, die sich in die acht Münzen verwandelt hatten, um das Kind zu beschützen.</p>



<p>Die Eltern, die gesehen hatten, wie die Münzen Sui vertrieben, erzählten es ihren Nachbarn und Freunden. Das Gerücht, dass Münzen in einem roten Umschlag den bösen Dämon vertreiben konnten, breitete sich kurz darauf im ganzen Land aus. Die chinesische Neujahrstradition, Kindern Geld in roten Umschlägen zu schenken, war geboren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Die Legende soll sich in China zugetragen haben. Viel mehr ist über den Ort jedoch nicht bekannt.</p>



<p>Inzwischen hat sich die Tradition, zum neuen Jahr einen roten Umschlag zu verschenken, auch auf andere Teile Asiens ausgebreitet. Sie wird also nicht mehr nur in China praktiziert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die Legende von Sui soll bereits über 2.000 Jahre alt sein. In einer Quelle war davon die Rede war, dass sie eine Geschichte der Qin-Dynastie (221 v. Chr. bis 207 v. Chr.) sei. Die roten Umschläge selbst sollen hingegen erst in der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) entstanden sein.</p>



<p>Genauere Angaben habe ich leider nicht finden können.</p>



<p>Auch weiß ich leider nicht, ob es zuerst die roten Umschläge oder zuerst die Legende gab. Solltet ihr zufälligerweise mehr zu der Thematik wissen, würde ich mich wie immer über eine Nachricht freuen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rote Umschläge in der asiatischen Kultur:</h3>



<p>Wie ihr an dieser Stelle sicherlich ahnt, wurden die roten Umschläge früher besonders als Schutz gegen das Böse verschenkt. Mit der Zeit haben sie sich jedoch von einem Schutzsymbol zu einem Glücksbringer entwickelt. Sie sollen Glück, Erfolg und Gesundheit für das neue Jahr bringen.</p>



<p>Und auch, wenn die Umschläge auch heute noch von Eltern und Großeltern an ihre Kinder bzw. Enkelkinder verschenkt werden, ist es inzwischen ebenfalls üblich, Freunden und Beziehungspartnern rote Umschläge mit Geld darin zu schenken.</p>



<p>Eine Tradition ist es zum Beispiel, dass verheiratete Paare ihren unverheirateten Freunden rote Umschläge schenken, um ihnen Glück bei der Partnersuche zu wünschen.</p>



<p>Außerdem ist es heutzutage üblich, Geldscheine statt Münzen in den Umschlägen zu verschenken, da Münzen in China (ähnlich wie beim Euro) nur einen vergleichsweise geringen Wert haben. Es ist jedoch Tradition, dass die Geldscheine neu und ungenutzt aussehen sollen, um Glück zu bringen. Viele Leute besorgen sich dafür druckfrische Geldscheine von der Bank.</p>



<p>Eine weitere Sache, die beim Verschenken eines roten Umschlags beachtet werden muss, ist, dass niemals die Zahl 4 im Betrag vorkommen darf. 4 klingt auf Mandarin ähnlich wie das Wort für Tod, weshalb die Zahl mit Unglück in Verbindung gebracht wird.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Legende von Sui? Kanntet ihr die Tradition der roten Umschläge bereits? Habt ihr vielleicht selbst schon einmal einen bekommen oder selbst verschenkt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-von-sui-der-ursprung-des-roten-umschlags">Die Legende von Sui – der Ursprung des roten Umschlags</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/die-legende-von-sui-der-ursprung-des-roten-umschlags/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>3</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Krampus – Er bestraft die Unartigen! (überarbeitet)</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/krampus</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/krampus#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[Barterl]]></category>
		<category><![CDATA[bayerische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[bayerische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[bayrische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[bayrische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kramperl]]></category>
		<category><![CDATA[Krampus]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Nikolaus]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtslegende]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtslegenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=683</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Krampus legte seinen Kopf in den Nacken und schnupperte. Er sah aus wie ein Hund, der seine Beute witterte. Wolken aus Dampf stiegen aus seinen Nasenlöchern. Dann wandte er seinen Kopf in meine Richtung. Im schwachen Licht konnte ich sehen, wie seine gelben Augen aufblitzten, während sie mich fixierten …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/krampus">Krampus – Er bestraft die Unartigen! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/cfb3f078593c4ab592b04cd9a28ee267" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Krampus war eine der ersten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtslegenden</a>, über die ich geschrieben habe. Daher dachte ich, es wäre eine gute Idee, den Text zu überarbeiten/neuzuschreiben. Gerade bei dieser Geschichte konnte ich sehr gut meine Fortschritte sehen, die ich über die Jahre gemacht habe. Ich hoffe, die neue Version gefällt euch genauso gut wie mir.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Der Winter war hereingebrochen. Seit zwei Tagen schneite es unablässig in unserer kleinen Stadt. Das perfekte Wetter für einen Weihnachtsmarkt.</p>



<p>Aus allen Ecken funkelte, glänzte und blitzte bunte Weihnachtsbeleuchtung. Verschiedenste Weihnachtslieder schallten aus allen Richtungen – von Last Christmas über Fröhliche Weihnacht bis hin zur Weihnachtsbäckerei. Und ich war mittendrin.</p>



<p>Ich war jedoch kein einfacher Besucher. Heute war der 5. Dezember: Krampusnacht. Und dieses Jahr war ich einer der Krampusse.</p>



<p>Ich stand da und genoss den Geruch von Glühwein, süßem Weihnachtsgebäck und einer leichten Zimtnote, als mich eine Rute am Rücken traf.</p>



<p>„Was ist, willst du nicht mitmachen?“, rief mir ein anderer Krampus entgegen. An seinem Kostüm konnte ich einen Zettel mit der Nummer 15 erkennen, aber auch ohne hätte ich meinen besten Freund Philip natürlich sofort erkannt.</p>



<p>Als Antwort stieß ich mein furchteinflößendstes Gebrüll aus, ehe ich ihm in die Menschenmenge nachstürzte.</p>



<p>Falls ihr die Tradition noch nicht kennt: Bei einem Krampuslauf verkleideten sich die Teilnehmer als Krampus. Sie zogen durch die Straßen und über die Weihnachtsmärkte, jagten Passanten einen Schrecken ein und drohten scherzhaft mit ihrer Rute. Manchmal schlugen wir auch sanft zu. Aber auch dabei versuchten wir, niemandem wirklich wehzutun.</p>



<p>Klar, manchmal gab es auch Leute, die zu weit gingen und zum Beispiel wirklich fest mit ihren Ruten zuschlugen – da ging der eine oder andere unschuldige Bürger auch mal mit einem blauen Fleck nach Hause –, aber seit jeder Krampus eine eigene Nummer sichtbar tragen musste, war die Kriminalitätsrate unter uns Krampussen deutlich zurückgegangen.</p>



<p>Ich rannte also über den Weihnachtsmarkt, schrie Passanten an und drohte ihnen mit meiner Rute. Mit einem Schmunzeln musste ich mit ansehen, wie sich ein Kind bei meinem Anblick enger an seine Mama drückte. Das hätte ich sein können. Früher hatte ich auch Angst vor den Krampussen.</p>



<p>Dabei hatte ich als Kind nur selten einen Grund dafür gehabt – zumindest, wenn man nach der Sagengestalt ging, die unartige Kinder bestraft. Ich war nämlich eines der bravsten Kinder gewesen, die ich kannte.</p>



<p>Heutzutage sah das ein wenig anders aus. Erst letzte Woche hatte ich das Portemonnaie von Frau Keller auf der Straße gefunden, in dem noch über 200 Euro steckten. Das Portemonnaie hatte ich noch am selben Tag in ihren Briefkasten geworfen – selbstverständlich ohne Geld. Immerhin hatte Frau Keller nun wirklich mehr als genug davon. Wahrscheinlich wusste sie nicht einmal mehr, wie viel Geld sie dabeigehabt hatte. Ich hingegen würde mir davon, zusammen mit meinem Ersparten und dem Weihnachtsgeld, endlich eine Playstation 5 kaufen können.</p>



<p>Mit einem breiten Grinsen auf den Lippen rannte ich weiter über den Marktplatz. Ich brüllte, schrie und lachte.</p>



<p>Das war genau der Moment, als ich ihn zum ersten Mal hörte: Ein markerschütterndes Gebrüll hallte über den Marktplatz. Es war unglaublich tief und lauter als ein normaler Mensch brüllen konnte. Wahrscheinlich hatte der Verursacher einen Lautsprecher genutzt.</p>



<p>Als ich mich umsah, merkte ich, dass ich nicht der Einzige war, der in seiner Bewegung innegehalten hatte. Die meisten Leute sahen sich verwirrt um, versuchten, den Ursprung des Lärms auszumachen. Einige von ihnen sahen mich an. Ich hingegen blickte zu einem anderen Krampus. Er stand abseits vom Markt und der Menschenmenge auf der gegenüberliegenden Straßenseite.</p>



<p>Neugierig ging ich näher. Sein Kostüm war unfassbar gut gemacht. Das Fell war speckig und schwarz, seine langen klauenartigen Fingernägel glänzten dunkel und auch die vier langen Hörner, die seine realitätsnahe Maske mit den gelben Augen krönten, wirkten, als wären sie ihm tatsächlich aus dem Kopf gewachsen.</p>



<p>Er stand da und schlug sich mit seiner Birkenrute immer wieder langsam in die freie Handfläche, während er mich direkt ansah. Die meisten hätten das wohl als Drohung empfunden, ich hingegen ging auf direktem Weg auf ihn zu.</p>



<p>Ich sah, wie sein Kuhschwanz hin und her schwang, als sei er lebendig. Kurz war ich sogar der Meinung seine Lippen, hinter denen sich spitze Zähne zeigten, zucken zu sehen.</p>



<p>Als ich die Straße erreichte, blieb ich jedoch stehen. Nicht, weil bedrohlicher Dampf aus seinen Nasenlöchern stieg. Auch nicht wegen der supergruseligen Kontaktlinsen mit den viereckigen Pupillen. Nein. Mir war aufgefallen, dass er nirgends am Körper eine Kennnummer trug.</p>



<p>„Du hast deine Nummer vergessen!“, rief ich ihm zu, während ich auf das mit der Nummer 16 bedruckte Papier an meiner Brust deutete.</p>



<p>Er zeigte keine Reaktion.</p>



<p>„Als Krampus musst du eine Nummer tragen!“, rief ich erneut, für den Fall, dass er mich nicht verstanden hatte.</p>



<p>Aber nichts. Er stand nur da und schlug mit der Rute weiter in seine Handfläche, während er mir direkt in die Augen starrte.</p>



<p>‚<em>Komischer Typ</em>‘, dachte ich. Vielleicht hatte er die Nummer ja absichtlich weggelassen. Anstatt also weiter auf ihn zuzugehen, drehte ich wieder um. Ich stürzte mich zurück in die Menschenmenge. Sollte der Typ ein Unruhestifter sein, hatte ich jedenfalls keine Lust, dass er seinen ersten Streit des Abends mit mir anfing.</p>



<p>Schnell war ich wieder dabei, Leute zu erschrecken, mit den Kindern herumzualbern und mit dem ein oder anderen bekannten Gesicht ein Gespräch anzufangen. Ein Freund meiner Eltern spendierte mir sogar einen Glühwein. Ich blieb einige Minuten bei ihm, während ich noch eine zweite und eine dritte Tasse trank, ehe ich mich wieder unter die Leute mischte.</p>



<p>An den nummerlosen Krampus mit dem verdammt guten Kostüm verschwendete ich keine Gedanken mehr. Jedenfalls so lange nicht, bis ich ihn wiedersah. Er stand am Rand des Weihnachtsmarktes, in einer dunklen Ecke neben einem geschlossenen Stand. Wie auch vorhin war sein Blick stur auf mich gerichtet, während er seelenruhig mit seiner Rute in seine freie Handfläche schlug. Wohin ich mich auch bewegte, seine gelben Augen folgten mir bei jedem Schritt. Verfolgte er mich? Wollte er mir drohen?</p>



<p>Obwohl ich sofort wieder in der Menschenmenge untertauchte, hatte ich ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Irgendetwas fühlte sich falsch an. So sehr ich auch versuchte, weiter über den Marktplatz zu laufen und Leute zu erschrecken, es machte keinen Spaß mehr. Der Idiot hatte mir meinen Abend gehörig verdorben.</p>



<p>Also entschloss ich, heute früher nach Hause zu gehen. Vorher ging ich aber in das Toilettenhäuschen, um mich umzuziehen. Ich hatte die Hoffnung, dass der Krampus mich in Zivil nicht mehr erkennen würde. Lediglich meine Butte – der große Korb, in dem Krampus angeblich die Kinder entführte und der jetzt als Versteck für mein Kostüm diente – hatte ich weiterhin auf dem Rücken.</p>



<p>Nachdem ich das Toilettenhäuschen wieder verlassen hatte, machte ich mich sofort auf den Nachhauseweg.</p>



<p>Unser Haus lag am Stadtrand. Wenn ich an das kurze Waldstück dachte, durch das ich gleich noch gehen musste, wurde mir sofort wieder mulmig zu Mute. Aber zum Glück war die Straße gut beleuchtet, und es war wirklich auch nur ein sehr kurzes Stück.</p>



<p>Die dünne Eisschicht, die sich unter dem Schnee gebildet hatte, knackte und knirschte bei jedem meiner Schritte. Mit eingezogenem Kopf lauschte ich dem leisen Echo zwischen den Bäumen, während ich mit den Händen in den Taschen über die Straße ging. Ich rannte nicht, aber ich hatte einen schnellen Gang eingelegt.</p>



<p>Als ich den Waldweg bereits zur Hälfte hinter mir gelassen hatte, mischte sich plötzlich ein beißender Geruch unter die geruchslose Kälte des Winters.</p>



<p>Verwundert blieb ich stehen. Es war eine Mischung aus Rauch und verfaulten Eiern. Als hätte man eine der Stinkbomben angezündet, die man im Scherzartikelladen der Stadt finden konnte.</p>



<p>Als ich den Kopf zur Seite drehte, zuckte ich erschrocken zusammen. Dort stand jemand zwischen den Bäumen. Was mich jedoch noch viel mehr erschreckte, waren die vier Hörner, die sich auf dem Kopf der Silhouette abzeichneten. Das war der Krampus vom Weihnachtsmarkt!</p>



<p>„Was wollen Sie von mir?“, rief ich in die Dunkelheit. „Wieso verfolgen Sie mich?“</p>



<p>Ich hörte ein verächtliches Schnaufen. „Jonathan Schalk“, rief die Gestalt mir entgegen. „Du warst unartig!“</p>



<p>Seine Stimme war wie ein Grollen, das durch den Wald donnerte. Aber was noch viel schlimmer war: Er kannte meinen Namen. Er hatte es also tatsächlich auf mich abgesehen. Nur … wer versteckte sich unter dem Kostüm?</p>



<p>Im nächsten Moment gab der Krampus ein Brüllen von sich. Es war so laut, dass ich mir fast die Ohren zugehalten hätte. Außerdem klang es alles andere als menschlich. Eher wie ein wütendes Tier. Jetzt fixierten mich wieder seine ziegenartigen Augen.</p>



<p>Während ich es bis eben noch geschafft hatte, einigermaßen cool zu bleiben, gab ich jetzt ein Quieken von mir, während ich mich umdrehte und in die entgegengesetzte Richtung in den Wald sprintete.</p>



<p>Mir gefiel die Idee nicht, in den dunklen Wald zu rennen, aber sie war immer noch besser, als herauszufinden, was der Typ von mir wollte.</p>



<p>Schwere Schritte verfolgten mich. Ich mochte es mir einbilden, aber kam mir vor, als würde bei jedem seiner Schritte die Erde erzittern.</p>



<p>Zum Glück kannte ich mich im Wald bestens aus. Ich hatte hier schon gespielt, als ich noch ein kleines Kind war. Und selbst jetzt, wo der Schnee der einzige Grund war, dass ich überhaupt noch etwas sah, erkannte ich gelegentlich Orte wieder, an denen ich mich orientieren konnte.</p>



<p>Trotzdem war es nicht einfach, sich in der Dunkelheit zurechtzufinden. Immer wieder rannte ich durch Äste, die sich in meiner Kleidung verhedderten oder mir schmerzhaft durch mein eisiges Gesicht kratzten. Einmal rannte ich sogar gegen einen Baumstamm, den ich zu spät gesehen hatte.</p>



<p>Ich ließ mich davon nicht beirren. Immer, wenn ich wusste, wo ich war, wechselte ich die Richtung, um meinen Verfolger abzuschütteln. Langsam, aber sicher entfernten sich die schweren Schritte hinter mir, bis ich sie schließlich überhaupt nicht mehr hören konnte. Völlig außer Atem duckte ich mich an die Wurzel eines umgestürzten Baumes und verschmolz mit der Dunkelheit – so hoffte ich zumindest.</p>



<p>Nach Luft ringend hockte ich da, während ich wartete. Ich achtete auf jedes Geräusch. Aber mein schneller Atem und der Wind, der durch die Bäume pfiff, machten es mir nicht gerade leicht. Ab und an hörte ich dumpfe Geräusche, aber ich hatte keine Ahnung, ob sie von dem Krampus kamen, oder von etwas anderem.</p>



<p>Auch zitterte ich inzwischen am ganzen Körper. Ich war völlig durchgefroren, musste meine Zähne fest aufeinanderpressen, damit sie nicht klapperten.</p>



<p>Sollte ich mein Versteck verlassen? Ich wusste genau, in welche Richtung die Straße lag. Wenn ich mich beeilte, konnte ich in fünf Minuten zuhause sein.</p>



<p>Dann jedoch hörte ich wieder das schwere Stapfen im Schnee. Noch war es weit entfernt, aber es kam schnell näher.</p>



<p>Sollte ich wieder weglaufen? Aber nein. Mein Versteck war gut. Im Schatten der Baumwurzel dürfte es nahezu unmöglich sein, mich zu sehen. Ich würde einfach nur warten müssen, bis der Krampus an mir vorbeigegangen war.</p>



<p>‚<em>Stapf, stapf, stapf</em>‘, kamen seine Schritte unaufhaltsam näher. Auch stieg mir jetzt wieder der Gestank nach verfaulten Eiern in die Nase. Was war das für ein Zeug? War das irgendeine Art Parfüm? Oder hatte der Typ sich wirklich eine der Stinkbomben irgendwo unters Kostüm geklemmt?</p>



<p>Ich konnte nicht anders, als den Krampus für seine Bemühungen zu bewundern. Hätte es einen Kostümwettbewerb gegeben, hätte er ihn jedenfalls gewonnen.</p>



<p>Meine Bewunderung verschwand jedoch schlagartig, als der Typ in mein Sichtfeld kam. Wenige Meter vor mir blieb er stehen.</p>



<p>Während mein Herz einen Hüpfer machte, zwang ich mich, möglichst flach zu atmen. Auf keinen Fall wollte ich ihn jetzt auf mich aufmerksam machen.</p>



<p>Der Krampus legte seinen Kopf in den Nacken und schnupperte. Er sah aus wie ein Hund, der seine Beute witterte. Wolken aus Dampf stiegen aus seinen Nasenlöchern. Dann wandte er seinen Kopf in meine Richtung. Im schwachen Licht konnte ich sehen, wie seine gelben Augen aufblitzten, während sie mich fixierten.</p>



<p>Er setzte sich wieder in Bewegung. Ehe ich auch nur daran denken konnte, aufzustehen, stand er auch schon vor mir.</p>



<p>„Du warst unartig“, donnerte seine Stimme mir erneut entgegen. Er holte mit seiner Weidenrute zum Schlag aus.</p>



<p>Ich schaffte es gerade noch, meine Arme schützend vor mein Gesicht zu reißen, da zuckte auch schon ein Schmerz durch meinen rechten Unterarm. Der Krampus hatte eine unglaubliche Kraft. Trotz Jacke spürte ich jeden einzelnen Weidenstrang, während die Rute mit voller Wucht auf meinen Arm klatschte.</p>



<p>Ich war unartig? Worauf wollte er hinaus? Was konnte er gesehen haben?</p>



<p>„Wenn Sie den Glühwein meinen, ich bin schon 16!“, schrie ich panisch. „Ich weiß, ich bin klein für mein Alter, aber …“</p>



<p>„Nein!“, brüllte er mir entgegen. Wut schwang in seiner Stimme mit, während er bereits zum zweiten Schlag ausholte.</p>



<p>Panisch drehte ich ihm den Rücken zu. Aber das bot ihm nur noch mehr Angriffsfläche. Ich konnte förmlich spüren, wie sich rote Striemen auf meiner Haut bildeten, als sein zweiter Schlag mich traf.</p>



<p>Natürlich war es nicht der Glühwein. Er kannte meinen Namen. Sicherlich wusste er, dass ich 16 war. Aber was meinte er dann? Hatte er mich auf dem Schulhof gesehen? Mit Philip und den anderen?</p>



<p>„Ich hab an dem Joint nur ein einziges Mal gezogen!“, wimmerte ich. „Es hat mir nicht einmal gefallen!“</p>



<p>Doch auch damit wollte er sich nicht zufriedengeben. „Du weißt genau, was ich meine!“, keifte er. Dann traf mich auch schon der nächste Schlag am Rücken.</p>



<p>Meinte er etwa das Portemonnaie? Aber nein, davon konnte er nichts wissen. Niemand wusste davon. Nicht einmal Philip.</p>



<p>Ein erneuter Schlag ließ mich aufjaulen. „Okay okay. Ich geb ihr das Geld zurück!“, kreischte ich panisch. Inzwischen liefen mir Tränen über die Wangen.</p>



<p>Ein Knurren ertönte. Ich traute mich jedoch nicht, aufzusehen.</p>



<p>Mein Herz hämmerte laut in meiner Brust. Auch merkte ich jetzt, dass ich leise wimmerte. Wie ein Häufchen Elend kauerte ich unter der Baumwurzel. Doch der nächste Schlag blieb aus.</p>



<p>Stattdessen hörte ich bloß wieder das schwere Stapfen. Es entfernte sich.</p>



<p>Unsicher sah ich auf. Der Krampus war verschwunden. Nur die großen hufartigen Fußstapfen im Schnee verrieten, dass er hier gewesen war.</p>



<p>Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich auf direktem Wege nach Hause gerannt war. Das Geld von Frau Keller warf ich ihr noch am selben Abend in den Briefkasten.</p>



<p>Über den Krampus dachte ich nach jenem Tag noch oft nach. Wer sich unter dem Kostüm versteckt hatte, oder wie er die unmenschlich lauten Töne erzeugt hatte, konnte ich jedoch nie herausfinden. Aber wenn ich ehrlich war, war ich auch nicht sonderlich erpicht darauf. Inzwischen war ich mir nämlich gar nicht mehr so sicher, ob sein Krampuskostüm überhaupt ein Kostüm war.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Krampus, auch Kramperl oder Bartl genannt, ist ein Monster oder Dämon des süd<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutschen</a> und österreichischen Volksglaubens. Er begleitet den Nikolaus und bestraft die unartigen Kinder, während der Nikolaus die artigen belohnt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Krampus ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a>, das der typischen Darstellung des Teufels sehr ähnlichsieht. Er besitzt meist zwei, seltener vier lange ziegenähnliche Hörner, spitze Ohren, scharfe Zähne, Hufe oder Paarhufe statt Füßen, einen kuhähnlichen Schwanz und zottiges Fell.</p>



<p>In den meisten Versionen hat er eine braune, graue oder weiße Gesichtsfarbe und sein Fell ist weiß, grau, braun oder schwarz.</p>



<p>Außerdem wird ihm eine lange Zunge nachgesagt, die in einigen Erzählungen sogar über einen Meter lang sein kann.</p>



<p>In den traditionellen sowie den meisten modernen Darstellungen trägt der Krampus normalerweise keine Kleidung. Selten wird er heutzutage jedoch mit verschiedener altmodischer Gewandung oder einem Weihnachtsmann-Mantel dargestellt.</p>



<p>Im Normalfall hat er eine Rute bei sich und trägt einen großen Sack oder eine Butte auf seinem Rücken.</p>



<p>Auch trägt er manchmal schwere Ketten um Hand- und/oder Fußgelenke.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Krampus taucht der Legende nach in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember zusammen mit dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/la-legende-de-saint-nicolas">Nikolaus</a> auf. Er bestraft, ähnlich wie Knecht Ruprecht in anderen Regionen Deutschlands, die unartigen Kinder.</p>



<p>Wie diese Bestrafung ausfällt, kann sich je nach Version unterscheiden. Im Normalfall schlägt er jedoch die unartigen Kinder mit seiner Rute. Wenn die Kinder besonders unartig waren, kann es sogar vorkommen, dass er sie in seinen Sack oder seine Butte steckt, um sie mitzunehmen. Was anschließend mit den Kindern passiert, ist nicht bekannt.</p>



<p>In einigen Versionen heißt es hingegen, dass Krampus lediglich versucht, die Kinder mitzunehmen, der Nikolaus ihn jedoch daran hindert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Technisch gesehen kann Krampus weltweit auftauchen bzw. überall dort, wo Weihnachten und Nikolaus gefeiert wird.</p>



<p>Verbreitet ist der Volksglaube an Krampus hingegen hauptsächlich in Süddeutschland und Österreich, aber zum Teil auch in Ungarn, Slowenien, Tschechien, Norditalien und inzwischen sogar in den USA.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Was den Namen „Krampus“ angeht, gibt es die Theorie, dass er von dem mittelhochdeutschen Wort „Krampen“ abgeleitet wurde, was so viel wie „Kralle“ bedeutet.</p>



<p>Sein Aussehen hat Krampus hingegen sehr wahrscheinlich den Perchten zu verdanken, die noch aus der vorchristlichen Zeit stammen (aber auch heute noch im deutschsprachigen Alpenraum bekannt sind).</p>



<p>Seine heutige Bekanntheit verdankt er hingegen den Krampusläufen, die – besonders in Bayern und Österreich – jedes Jahr am 5. Dezember stattfinden. Dabei verkleiden sich zahlreiche Personen als Krampusse, um so durch die Straßen und über die Weihnachtsmärkte zu ziehen.</p>



<p>Obwohl man bereits vor Jahrtausenden Krampus-, bzw. Perchten-Läufe kannte, waren sie während des Mittelalters verboten. Damals wurde das Verkleiden als Teufel mit der Todesstrafe bestraft. Die Krampus-Läufe fanden also nur im Geheimen und an abgeschiedenen Orten statt. Sie sollen erst im 17. Jahrhundert wieder allgemeine Beliebtheit gewonnen haben.</p>



<p>In der modernen Zeit haben außerdem diverse Kinofilme dem Krampus eine weltweite Bekanntheit verschafft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Krampus in der Popkultur:</h3>



<p>Es gibt diverse Filme, in denen Krampus eine zentrale Rolle spielt. Die zwei bekanntesten sind wohl die finnische Horror-Komödie „Rare Exports – Eine Weihnachtsgeschichte“ (2010) oder der US-amerikanische Horrorfilm „Krampus“ (2015).</p>



<p>Er ist aber auch für seine Auftritte in Serien wie „Grimm“ oder der Netflix-Serie „Chilling Adventures of Sabrina“ bekannt.</p>



<p>Im deutschen Sprachraum gibt es außerdem das Die drei ??? Adventskalender-Special „O du Finstere“ (2019), in dem Krampus vorkommt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Krampus? Kanntet ihr die Legende bereits? Wird sie bei euch in der Gegend erzählt? Und wenn nicht, welchen bösen Begleiter hat der Nikolaus in eurer Region? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/krampus">Krampus – Er bestraft die Unartigen! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/krampus/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Babi Ngepet &#8211; Gefährliche Gier</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/babi-ngepet</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/babi-ngepet#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Jul 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Babi Ngepet]]></category>
		<category><![CDATA[Dämon]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Indonesien]]></category>
		<category><![CDATA[indonesische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[indonesische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Schweinedämon]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=2613</guid>

					<description><![CDATA[<p>Hieß das, dass sie das Babi Ngepet bereits gefunden hatten? Dass sie Adi bereits gefunden hatten? Verfolgten sie ihn schon?<br />
Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte ich, ihnen nachzulaufen. Aber wie sollte ich sie davon abhalten, meinen Freund zu erschießen?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/babi-ngepet">Babi Ngepet &#8211; Gefährliche Gier</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/392a9828478f4f5f90467ef31b35b0f0" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Das indonesische Babi Ngepet <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ritual</a> verspricht jedem, der es ausführt, eine Menge Geld. Trotzdem kann es, gerade in Indonesien, ein sehr gefährliches Unterfangen sein. Warum das so ist und was es mit dem Ritual auf sich hat, erfahrt ihr in diesem Beitrag.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod</p>
<p>&#8211; Tod eines Tieres</details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Indonesien ist ein Land mit vielen Legenden. Obwohl ich eine gläubige Muslima bin, haben meine Eltern und Großeltern mir oft Geschichten von übernatürlichen Wesen und Ritualen erzählt, an die die Menschen in Indonesien seit Jahrhunderten glauben. Und auch, wenn ich neben Allah eher den wissenschaftlichen Ansatz verfolgte, hatte ich schon immer das Gefühl, dass es mehr da draußen geben musste.</p>



<p>Trotzdem hatten mich weder mein Glaube noch mein Aberglaube auf jenen Tag vorbereiten können, als ich dem Übernatürlichen das erste Mal begegnete.</p>



<p>Es war ein Tag wie jeder andere. Nichts deutete darauf hin, dass gerade irgendwo in der Nachbarschaft ein schwarzmagisches Ritual durchgeführt wurde.</p>



<p>Ich war im Anwesen von Mulyadi, erledigte den Haushalt und brachte ihm und seinen Gästen gelegentlich Tee, einen Snack oder was auch immer sie sonst von mir verlangten. Als Dienstmädchen war das meine Pflicht.</p>



<p>„He, Annisa, sei so gut und bring uns die Zigarren“, forderte Mulyadi mich auf. „Der Kasten steht auf dem kleinen Tisch im Esszimmer.“</p>



<p>„Natürlich, Bapak Mulyadi“, erwiderte ich höflich, ehe ich mich mit gesenktem Haupt in den Flur begab. Ich hörte noch, wie er bei seinen Freunden damit angab, wie teuer die Zigarren gewesen waren.</p>



<p>Im Flur entfuhr mir ein schweres Seufzen. Wie konnte ein Mensch nur so verdorben sein? Mulyadi hatte mehr Geld, als er im Leben ausgeben konnte. Er ließ sich keine Gelegenheit entgehen, damit anzugeben. Daran, mit dem Geld etwas Gutes oder Sinnvolles zu tun, dachte er hingegen nie.</p>



<p>Zum Beispiel wusste er, dass ich mit meinem Lohn nicht nur mich versorgen, sondern seit Papas Unfall auch meine Eltern unterstützen musste. Anstatt mir aber als langjähriger Angestellten unter die Arme zu greifen oder mir wenigstens ein faires Gehalt für meine Arbeit zu zahlen, nutzte er aus, dass er der einzig passende Arbeitgeber in der Nähe meiner Eltern war. Er hatte mir unter einem Vorwand den Lohn gekürzt, als er gemerkt hatte, dass ich auf die Stelle angewiesen war.</p>



<p>Während ich weiterging, schüttelte ich den Kopf. Nein. Ich sollte mich nicht beschweren. Ich klang schon fast wie Adi, mein fester Freund. Allah hatte mir ein gutes Leben geschenkt. Auch wenn mein Lohn etwas zu niedrig war, kam ich immer über die Runden. Außerdem bekam ich bei Mulyadi immer gutes Essen, war gesund und hatte einen tollen Freund, der mich sehr liebte. Was wollte ich mehr?</p>



<p>Im Esszimmer angekommen, schaltete ich das Licht ein. Sofort sprangen mir die hellen Wände, der edle Holztisch und ein lebensgroßes Porträt von Mulyadi ins Auge. Auf den zweiten Blick sah ich auch das Zigarrenkästchen. Es lag auf dem ebenfalls hölzernen Beistelltisch. Direkt daneben stand ein kleiner, goldener und &#8211; wenn ihr mich fragt – potthässlicher Kerzenhalter. Mulyadi hatte ihn sich nur geholt, weil er so unverschämt teuer gewesen war.</p>



<p>Mit gemächlichen Schritten ging ich weiter. Ich ließ den Blick durch den Raum schweifen, überprüfte flüchtig, ob alle Stühle ordentlich am Tisch standen, und trat schließlich an den Beistelltisch.</p>



<p>Plötzlich stockte ich. Ich hatte gerade nach dem Zigarrenkästchen greifen wollen, als mein Blick auf den goldenen Kerzenhalter fiel. Oder genauer gesagt den Ort, an dem der Kerzenhalter eben noch gestanden hatte. Der Platz neben dem Zigarrenkästchen war leer. Wie … wie war das möglich?</p>



<p>Während ich mich verwirrt im Zimmer umsah, arbeitete mein Hirn auf Hochtouren. Kurz überlegte ich, ob er die ganze Zeit schon weg gewesen war und ich ihn mir bloß eingebildet hatte. Aber nein, dazu hatte ich ihn eben zu genau angesehen.</p>



<p>Andererseits lag er nicht auf dem Boden. Auch konnte sich niemand an mir vorbeigeschlichen haben. Das hätte ich bemerkt. Mir fiel keine logische Erklärung ein, wo der Kerzenhalter hin verschwunden sein könnte.</p>



<p>Dann kam mir ein anderer Gedanke. Ein Gedanke, der mir so lächerlich vorkam, dass er gar nicht stimmen konnte. Es gibt im indonesischen Volksglauben eine Magie namens Pesugihan. Angeblich konnte man mit dieser Magie über Nacht reich werden – wenn auch nicht unbedingt auf legale Weise. Und rein zufällig hatte ich mit meinem Freund erst vor ein paar Wochen über ein Pesugihan-Ritual gesprochen: dem Babi Ngepet Ritual.</p>



<p>Auf der Insel Java weiß wahrscheinlich jeder, was ein Babi Ngepet ist. Durch ein Ritual kann sich ein dunkler Magier in eine Art Wildschwein, das Babi Ngepet, verwandeln. Wenn sich der Magier nun in Schweinegestalt an einer Hauswand rieb, verschwanden auf magische Weise Wertgegenstände und Geld aus dem Haus. Genau wie der Kerzenhalter vor mir.</p>



<p>Ich wäre wahrscheinlich nicht einmal auf die Idee gekommen, wäre mir nicht das Gespräch eingefallen, das Adi und ich geführt hatten. Er hatte mich gefragt, ob wir es nicht einfach einmal versuchen sollten. Er kenne da einen Dukun, einen Schamanen, der auf so etwas spezialisiert sei. Wenn ich so drüber nachdachte, war er erstaunlich gut über das Ritual informiert gewesen, auch wenn ich ihn damals nicht ernstgenommen hatte.</p>



<p>Ich hatte ihn abgewiesen, ihm erklärt, dass Allah solche Magie nicht gutheißen würde. Auch hatten wir rumgealbert. Ich hatte gemeint, dass er bestimmt selbst als Wildschwein unverschämt gutaussehen würde. Er hatte daraufhin Grunzgeräusche gemacht und ich hatte das Ganze als Scherz, als fixe Idee abgetan, die wir beide schnell wieder vergessen würden.</p>



<p>Und trotzdem … Trotzdem wurde ich das unwohle Gefühl nicht los, dass Adi etwas mit dem verschwundenen Kerzenhalter zu tun haben könnte.</p>



<p>Ohne weiter darüber nachzudenken, griff ich nach meinem Portemonnaie. Ich holte einen 50.000 Rupiah-Schein heraus und legte ihn vor mir auf den Beistelltisch.</p>



<p>In den nächsten Sekunden kam ich mir völlig bescheuert vor, während ich den Schein nicht aus den Augen ließ. Das war jedoch, bevor er sich in Luft auflöste.</p>



<p>Meine Kinnlade klappte herunter. Als würde ich noch immer nicht begreifen, was gerade passiert war, starrte ich das nackte Holz vor mir an.</p>



<p>Gleichzeitig gab es in mir eine Explosion aus Emotionen. Ich war entsetzt darüber, dass der Schein wirklich verschwunden war, an den Ritualen also wirklich etwas dran zu sein schien. Auch überlegte ich kurz, ob ich vielleicht den Verstand verlor oder halluzinierte. Aber vor allem hatte ich Angst. Ich hatte Angst davor, dass Adi das Ritual tatsächlich durchgeführt hatte.</p>



<p>Wusste er nicht, wie gefährlich es sein konnte? Wenn nachts im Dorf irgendwo ein Wildschwein gesehen wurde, wurde es sofort vertrieben, oder schlimmer noch, gejagt. Es war in der Vergangenheit oft genug vorgekommen. Und wenn jetzt auch noch jemand den Diebstahl bemerkte …</p>



<p>Ein plötzlicher Tumult im Haus riss mich aus meiner Starre. Männerstimmen riefen aufgeregt durcheinander. Schritte erklangen aus dem Flur. Türen schlugen.</p>



<p>Hastig rannte ich zurück in den Flur. Ich sah, wie Mulyadis Gäste wild durcheinander rannten. Die Haustür stand offen.</p>



<p>Dann entdeckte ich Bernard, den Koch, wie er völlig verwirrt dastand. Ich wich einem aufgeregten Mann aus, während ich zu ihm eilte.</p>



<p>„Bernard? Was ist passiert?“, fragte ich schnell.</p>



<p>„Isch weiß es nischt“, erwiderte er mit seinem französischen Akzent. Er wirkte erleichtert, dass jemand mit ihm redete. „Es wurde wohl irgendeine Uhr gestohlen, die auf dem Tisch lag. Danach ‘at irgendwer draußen ein Schwein gesehen. Bapak Mulyadi ‘olt gerade seine Waffe. Annisa, die Männer ‘aben ihren Verstand verloren!“</p>



<p>Bernards Worte klangen in meinen Ohren nach. Mulyadi holte gerade seine Waffe?!</p>



<p>Auch entging mir Bernards hoffnungsvoller Gesichtsausdruck nicht, dass ich ihm das Ganze irgendwie erklären konnte. Er wohnte noch nicht lange in Indonesien und kannte sich schon gar nicht mit unseren Legenden aus. Aber so gerne ich ihm auch geholfen hätte, hatte ich dafür keine Zeit. Nicht jetzt. Ich musste Mulyadi und seine Freunde aufhalten!</p>



<p>Im nächsten Moment sah ich Mulyadi aus dem Wohnzimmer kommen. Der Anblick seiner Pistole, die er fest in der Hand hielt, trieb mir einen eiskalten Schauer den Rücken hinunter. Er hatte sie vor einigen Jahren illegal gekauft, um sich gegen Einbrecher schützen zu können.</p>



<p>Ich musste sämtliche Instinkte und meine komplette Ausbildung ignorieren, um mich ihm in den Weg zu stellen. Er sah mich irritiert an.</p>



<p>„Bapak Mulyadi, was ist los?“, fragte ich hastig.</p>



<p>Er runzelte die Stirn, war es nicht gewohnt, dass ich ohne vorherige Aufforderung oder dringendes Anliegen mit ihm sprach. „Vor meinem Haus treibt sich ein Babi Ngepet rum. Ich habe keine Zeit, zu reden!“, erwiderte er schroff, ehe er sich an mir vorbeidrängelte.</p>



<p>„Ein Babi Ngepet?“, fragte ich gespielt überrascht.</p>



<p>Mulyadi ignorierte mich. Er war im Begriff, nach draußen zu rennen, also griff ich nach seinem Handgelenk – eine Geste, die mich meinen Job kosten konnte. Er blieb verdattert stehen.</p>



<p>„Bapak Mulyadi. Warten Sie“, versuchte ich, Zeit zu gewinnen. „Sie wissen nicht, wie gefährlich das Tier ist. Wildschweine können ziemlich aggressiv werden, wenn sie sich bedroht fühlen. Und wenn das wirklich ein Babi Ngepet ist …“</p>



<p>Weiter kam ich nicht. Mulyadi hatte sich mir wieder zugewandt und packte mich mit der freien Hand fest an der Schulter. „Vergiss nicht deinen Platz, Annisa!“, fauchte er mich an. Er sah tatsächlich aus, als wäre er kurz davor, mir zu kündigen.</p>



<p>Ich hingegen verengte die Augen. In all den Jahren, die ich für ihn gearbeitet hatte, habe ich einiges über ihn in Erfahrung bringen können. Ich war die wahrscheinlich einzige Person im Dorf, die den wahren Mulyadi kannte. Den Mulyadi, den er vor den anderen Bewohnern und seinen Freunden verbarg. Ich kannte all seine schmutzigen Geheimnisse.</p>



<p>Wie gerne würde ich ihm das an den Kopf werfen. Ich könnte Zeit für Adi gewinnen, falls das Babi Ngepet tatsächlich er war.</p>



<p>Als ich jedoch in Mulyadis Augen sah, merkte ich, wie sinnlos das wäre. Die Gier in ihnen war zu groß. Er würde sich bloß unsanft losreißen und mir zu verstehen geben, dass wir das später klären würden.</p>



<p>Also ließ ich sein Handgelenk los. Ich zog leicht den Kopf ein, wollte ihm mit allen Mitteln zu verstehen geben, dass mein Verhalten mir leidtäte, und nuschelte eine Entschuldigung.</p>



<p>Mulyadi ging nicht weiter darauf ein. Schnell rannte er nach draußen zu seinen Freunden. „Ich werde dieses Mistvieh töten!“, hörte ich ihn schreien, ehe er die Tür hinter sich zuzog.</p>



<p>Meine Augen weiteten sich. Ich hatte ihn falsch eingeschätzt. Mulyadi war nicht getrieben von Gier, sondern von Wut. Wenn er das Babi Ngepet tötete, war sein Geld verloren. Aber das kümmerte ihn gar nicht. Er fühlte sich in seinem Stolz verletzt, in seiner Ehre, weil jemand es gewagt hatte, ihn zu bestehlen!</p>



<p>„Annisa? Was ist ’ier los? Was ist dieses Babi Ngepet, von dem ihr gesprochen ’abt?“, fragte Bernard.</p>



<p>Mit der Situation völlig überfordert, starrte ich ihn an. „Ich erklär dir alles später. Vorher muss ich erst was erledigen“, rief ich ihm eine halbherzige Entschuldigung zu, während ich bereits auf dem Weg nach draußen war.</p>



<p>„Annisa! Warte!“, rief Bernard mir nach.</p>



<p>Ich ignorierte ihn. Adi schwebte in Lebensgefahr!</p>



<p>Das Letzte, was ich hörte, war ein genervtes „’at denn ’ier jeder den Verstand verloren?“, ehe die Tür auch hinter mir ins Schloss fiel.</p>



<p>Draußen sah ich mich flüchtig um. Zu meiner Überraschung war von Mulyadi und seinen Freunden bereits nichts mehr zu sehen. Obwohl es dunkel war, konnte ich nirgends die Lichter ihrer Taschenlampen oder Handys erkennen. Das Einzige, was noch auf sie hindeutete, waren aufgeregte Rufe in der Ferne. Sie hatten in der kurzen Zeit eine beachtliche Strecke zurückgelegt.</p>



<p>Hieß das, dass sie das Babi Ngepet bereits gefunden hatten? Dass sie Adi bereits gefunden hatten? Verfolgten sie ihn schon?</p>



<p>Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte ich, ihnen nachzulaufen. Aber wie sollte ich sie davon abhalten, meinen Freund zu erschießen? Was konnte ich schon ausrichten?</p>



<p>Wo ich hingegen etwas ausrichten konnte, war Adis Haus. Er hatte mir damals erklärt, dass es bei dem Ritual einen Notfallplan gäbe, eine Reißleine, die ich ziehen konnte, falls es für ihn brenzlich wurde. Es sei idiotensicher.</p>



<p>Seiner Erklärung nach, brauchte man zwei Menschen für das Ritual. Eine Person, die sich in das Babi Ngepet verwandelt, und eine andere Person, die eine brennende Kerze in ein Wasserbecken legt und sie nicht aus den Augen lässt. Sollte die Kerze zu flackern beginnen, war das Babi Ngepet in Gefahr. In dem Fall hätte ich sofort die Kerze auspusten sollen, um Adi in Sicherheit zu bringen.</p>



<p>Wie genau das funktionierte, wusste ich nicht. Aber ich vertraute Adi. Normalerweise wusste er, was er tat.</p>



<p>Nur gab es ein Problem: Wen hatte Adi damit beauftragt, auf die Kerze aufzupassen, nachdem ich abgelehnt hatte? War es jemand, dem er sein Leben anvertrauen konnte, oder war es ein geldgieriger Schamane, dem er nichts bedeutete?</p>



<p>&#8212;</p>



<p>Als ich endlich Adis Haus im Halbdunkel erkennen konnte, legte ich einen Endspurt ein. Im Inneren brannte kein einziges Licht. Trotzdem klingelte ich Sturm und hämmerte gegen die verschlossene Haustür, während ich völlig aus der Puste nach Luft rang.</p>



<p>„Bitte, wer auch immer da drin ist, Sie müssen die Kerze auspusten!“, rief ich, als ich endlich wieder halbwegs atmen konnte.</p>



<p>Einen Moment stand ich schweigend da, betete zu Allah, dass die Tür sich öffnete. Im Haus blieb es still.</p>



<p>Wieder klingelte ich mehrmals. „Bitte! Ein Mann hat eine Waffe! Sie werden ihn umbringen!“</p>



<p>Noch einmal hielt ich inne, hielt sogar den Atem an, um besser zu hören. Nichts. Wer auch immer da drinnen war, hatte keine Intentionen, die Tür zu öffnen.</p>



<p>Also rannte ich zum nächsten Fenster. Es war das Küchenfenster. Ich presste mein Gesicht an die Scheibe, versuchte, etwas zu erkennen. Aber drinnen war nichts als Schwärze.</p>



<p>Kurz machte ich mir Hoffnung. Vielleicht war das Babi Ngepet ja gar nicht Adi. Vielleicht war es jemand anderes aus unserem Dorf!</p>



<p>Im nächsten Moment hallte jedoch ein Knall durch die Luft. Trotz der Entfernung konnte ich ihn deutlich hören. Natürlich hätte das alles Mögliche sein können. Ein Motor, zum Beispiel. Aber nein, ich war mir sicher, dass Mulyadi gerade geschossen hatte.</p>



<p>All meine Hoffnung, dass Adi vielleicht gar nicht in Gefahr war, bröckelte vor meinem geistigen Auge weg. Ich sah nur noch eine Zukunft vor mir, die ich ohne ihn verbringen musste. Bilder einer Beerdigung kamen mir in den Kopf.</p>



<p>Das war der Moment, als mein Hirn aussetzte. Wie eine Wahnsinnige hämmerte ich gegen das Glas. Ich warf mich dagegen, aber es half nichts. Also nahm ich den erstbesten größeren Stein, den ich am Boden finden konnte, und versuchte es damit.</p>



<p><em>Knack!</em> Risse bildeten sich in dem Fenster. Beim zweiten Schlag zersprang die Scheibe. Ich schnitt mir dabei in die Finger, aber ignorierte die Wunden und den Schmerz.</p>



<p>Mit einem letzten Funken Geistesgegenwärtigkeit schlug ich die gröbsten Scherben aus dem Rahmen, ehe ich mich am Fensterbrett hochzog und mir dabei weiter die Hände zerschnitt. Schnell kletterte ich über die Arbeitsplatte. Ich hatte es ins Haus geschafft.</p>



<p>Die Hände fest zu Fäusten ballend, um die Blutungen zu stoppen, eilte ich Richtung Wohnzimmer. Ich hämmerte mit der Faust auf den Lichtschalter, konnte mich gerade noch bremsen, bevor ich in die geschlossene Wohnzimmertür rannte. Seltsam. Die Tür stand sonst immer offen.</p>



<p>Nachdem ich die Klinke heruntergedrückt hatte, erkannte ich, warum die Tür geschlossen war. Dort auf dem Boden, wo sonst die so gemütliche Couch stand, war jetzt eine große Schüssel mit Wasser. In dem Wasser schwamm eine Kerze. Adi hatte das Ritual also wirklich durchgeführt. Aber was viel wichtiger war: Die Kerze brannte noch. Er war am Leben! Und ich würde alles daransetzen, dass es so blieb.</p>



<p>Während ich also zur Kerze lief, fiel mir auf, dass außer mir niemand hier war. Von der zweiten Person, die die Kerze bewachen sollte, fehlte jede Spur. Das Wohnzimmer war menschenleer.</p>



<p>‚<em>Oh, Adi, du Dummkopf!</em>‘, dachte ich, während ich Luft holte und mich zur Kerze bückte.</p>



<p>Er war noch leichtsinniger, als ich gedacht hatte: Nachdem ich angedeutet hatte, das Ritual nicht zu unterstützen, musste er entschieden haben, es allein durchzuziehen. Adi hatte nicht den Dukun um Hilfe gebeten, der ihm bei den Vorbereitungen geholfen haben musste. Er hatte niemanden um Hilfe gebeten. Zum Glück war ich jetzt da.</p>



<p>Während ich jedoch im Begriff war, die Kerze auszupusten – ich musste nur noch kräftig ausatmen –, hallte ein zweiter Schuss durch die Nacht.</p>



<p>Die kleine Flamme flackerte vor meinen Augen, ehe sie sich geräuschlos in einen dünnen Faden aus Rauch verwandelte. Es war zu spät. Ich hatte es nicht rechtzeitig geschafft. Die Kerze war erloschen. Adi war tot.</p>



<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter social icons - square - blue.png" height="40" width="40" alt="Twitter" title="Folge mir auf Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f_logo_RGB-Blue_58.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütz mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonnier meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Das Babi Ngepet ist ein Wildschwein der indonesischen Mythologie. Um genau zu sein, ist es ein Mensch, der sich während eines speziellen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rituals</a> in ein Wildschwein verwandelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h3>



<p>Das Babi Ngepet Ritual ist eine Form von Pesugihan – dunkle Magie, die den Anwendern schnelles Geld bringen soll. Das Wort kommt von dem javanischen Wort „sugih“, was „wohlhabend“ bedeutet.</p>



<p>Wie das Ritual genau abläuft, habe ich nicht herausfinden können, aber man benötigt dazu zwei Personen, eine schwarze Robe oder einen schwarzen Umhang, eine schwimmfähige Kerze, ein kleines Wasserbecken und passende Opfergaben.</p>



<p>Außerdem muss man ggf. den Kontakt zu einem Schweine<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dämon</a> oder Satan herstellen können, weshalb die Leute, die das Ritual durchführen wollen, oft zu einem Dukun, einem indonesischen Schamanen, gehen.</p>



<p>Was die Opfergaben betrifft, habe ich verschiedenste Dinge gelesen. Mal soll es ausreichen, dass man während des Rituals seinen Körper und seine Menschlichkeit aufgibt, andere Male muss einer der Ausführenden Schweinekot essen und wieder andere Male wird sogar das Leben eines geliebten Menschen oder Blutsverwandten als Opfer gefordert.</p>



<p>Nachdem das Ritual entsprechend vorbereitet und die Opfergaben erbracht wurden, müssen die beiden Ausführenden sich nachts treffen. Einer von ihnen zieht die schwarze Robe bzw. den schwarzen Umhang an, während der andere die Kerze in das gefüllte Wasserbecken legt und sie anzündet.</p>



<p>Anschließend verwandelt sich die Person in der schwarzen Robe in das Babi Ngepet. Es begibt sich nach draußen, um durch die Straßen zu ziehen und die Wertsachen der Anwohner zu stehlen. Ob der Mensch dabei die Kontrolle über seinen verwandelten Körper behält, ist nicht bekannt.</p>



<p>Während das Babi Ngepet fort ist, muss die zweite Person die gesamte Zeit wachsam die Kerze im Auge behalten. Sollte die Flamme anfangen, zu flackern oder zu schrumpfen, ist das Babi Ngepet und somit auch die verwandelte Person in Gefahr, da es z. B. entdeckt wurde oder gejagt wird.</p>



<p>Wird die Kerze nun so klein oder flackert so sehr, dass sie fast erlischt, sollte sie sofort ausgeblasen werden, da sich die verwandelte Person in Lebensgefahr befindet. Daraufhin verwandelt sie sich zurück in einen Menschen und kehrt – wenn man einigen Versionen glaubt – zum Verwandlungsort zurück.</p>



<p>Ohne Fremdeinwirkung erlischt die Kerze hingegen nur dann, wenn das Ritual beendet wurde, das Babi Ngepet sich also selbstständig zurückverwandelt hat, oder wenn es stirbt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Das Babi Ngepet sieht wie ein Wildschwein aus. Manchmal wird es als ungewöhnlich groß beschrieben, aber ansonsten lässt es sich optisch nicht von einem völlig normalen Wildschwein unterscheiden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Nachdem der Mensch sich in das Babi Ngepet verwandelt hat, läuft es im Schutz der Dunkelheit durch die Nachbarschaft. Es reibt sich an den Hauswänden und Haustüren, woraufhin Geld, Schmuck und andere Wertsachen aus dem Haus oder der Wohnung auf magische Weise verschwinden sollen.</p>



<p>Selten ist auch davon die Rede, dass sich das Babi Ngepet in die Häuser schleichen muss, um sich dort an den Schränken und Zimmertüren zu reiben, woraufhin die Wertsachen verschwinden.</p>



<p>Sobald die Nacht sich dem Ende nähert oder das Babi Ngepet entscheidet, dass es genügend Leute bestohlen hat, kehrt es an den Verwandlungsort zurück, wo es sich wieder in einen Menschen verwandelt. Die gestohlenen Wertsachen befinden sich nun in seinem schwarzen Umhang.</p>



<p>Das alles klingt jedoch einfacher, als es tatsächlich ist. In Indonesien ist der Glaube an die Babi Ngepet nämlich noch immer weit verbreitet. Wird dort also nachts ein Wildschwein gesichtet, das um die Häuser streift, wird es oft gejagt. Nicht selten werden die Tiere dabei, oder nachdem sie gefangen genommen wurden, getötet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Berichte von Babi Ngepet kommen meist, wahrscheinlich aufgrund der lokalen Bekanntheit, von der indonesischen Insel Java. Auf den anderen indonesischen Inseln sind sie weniger bekannt und werden daher seltener gesichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> der Babi Ngepet ist wahrscheinlich im Zeitraum zwischen 1830 und 1870 entstanden. Damals wurde in Indonesien das System Tanam Paksa (die Pflanzpflicht) eingeführt. Bauern mussten fortan, statt Pachtgebühren zu zahlen, auf 20% ihres Landes Pflanzen für den Staat anbauen oder 60 Tage im Jahr auf staatlichen Plantagen arbeiten. Außerdem wurde ihnen teilweise vorgegeben, welche Pflanzen sie anzubauen hatten.</p>



<p>Was darauf folgte, war eine Zeit der Hungersnöte und Armut, während die niederländischen Kolonialherren in kurzer Zeit sehr reich wurden.</p>



<p>Um den plötzlichen Reichtum zu erklären, wurde den Kolonialherren daher schwarze Magie vorgeworfen. Darunter fielen zahlreiche Pesugihan-Rituale wie auch das Babi Ngepet Ritual.</p>



<p>Aber auch, wenn sich an der Gesellschaftsstruktur in Indonesien seitdem einiges geändert hat, blieben die Legenden über die Rituale erhalten. So findet man ein Babi Ngepet z. B. in dem indonesischen Videospiel DreadOut. Und auch im sonstigen Volksglauben haben Babi Ngepet noch immer einen festen Platz.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kürzliche Sichtungen:</h4>



<p>Noch heute gibt es zahlreiche Gerüchte über die übernatürlichen Schweine. So sorgte Ende April 2021 ein Fall für nationale Aufregung, als in dem kleinen Dorf Badahan ein vermeintliches Babi Ngepet gesichtet wurde. Am Montag, den 26. April trafen sich zwölf Männer, zogen sich nackt aus – aus irgendeinem Grund waren sie der Meinung, dass sie nur so das übernatürliche Schwein sehen könnten – und machten Jagd auf ein Wildschwein. Sie erlegten es, schnitten ihm den Kopf ab und begruben beides an separaten Orten. Der Fall erfreute sich bei der Presse solch großer Beliebtheit, dass das Lembaga Ilmu Pengetahuan Indonesia (Indonesisches Institut für Wissenschaft) öffentlich verkündet hat, dass es keine Babi Ngepet gäbe, um eine Menschenansammlung zu Coronazeiten zu vermeiden.</p>



<p>Ein weiterer Fall ist gerade einmal zwei Monate alt. Ebenfalls Ende April, diesmal jedoch 2023, kam es in Pondok Aren, South Tangerang City, zu einem Aufschrei, als in einer WhatsApp-Gruppe ein Video eines vermeintlichen Babi Ngepet geteilt wurde. Die Bewohner vereinbarten daraufhin, nachts in der Straße wache zu halten und es herrschte eine Menge Aufruhr. Später stellte sich heraus, dass das Tier auf dem Video nichts weiter als ein streunender Hund war. Auch dieser Fall erlangte nationale Bekanntheit.</p>



<p>Ihr seht also: Auch wenn es keinerlei Beweise für ihre Existenz gibt, sind die Babi Ngepet in den Köpfen zahlreicher Menschen aus Indonesien noch immer mehr als real.</p>



<p><em>Was haltet ihr von dem Babi Ngepet Ritual? Würdet ihr ein solches Ritual durchführen, um reich zu werden? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p><em>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütz mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> oder folg mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/babi-ngepet">Babi Ngepet &#8211; Gefährliche Gier</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/babi-ngepet/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>3</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Annabelle – die wahre Geschichte:</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/annabelle</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/annabelle#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Oct 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Annabelle]]></category>
		<category><![CDATA[besessene Puppe]]></category>
		<category><![CDATA[besessene Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[Dämon]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselpuppe]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselpuppen]]></category>
		<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorpuppe]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorpuppen]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Puppe]]></category>
		<category><![CDATA[Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=1942</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dann hatte Annabelle mich erreicht. Sie stand direkt vor meinem Gesicht. Ihre kalten emotionslosen Augen starrten mich direkt an, während sie sich langsam auf die Knie fallen ließ. Ihr starres, sonst so niedliches Lächeln wirkte jetzt hinterhältig und fies. Ich sah, wie sie ihre Ärmchen hob, und spürte ihre kalten, weichen Hände an meinem Hals ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/annabelle">Annabelle – die wahre Geschichte:</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/61b5c224b36e4ae4a80ab7ea62192b51" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Horrorpuppe Annabelle ist eine der bekanntesten besessenen Puppen aus dem Kino. Aber wusstet ihr, dass die Filme auf einer echten Puppe basieren? Passend zu Halloween gibt es daher von mir die wahre Geschichte von Annabelle. Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Kindes</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Wer kennt sie nicht? Annabelle. Die Horrorpuppe, die viele Kinobesucher das Fürchten gelehrt hat. Doch was ist, wenn ich euch sage, dass an Annabelle mehr dran ist, als bloß ein paar Kinofilme? Wenn ich euch erzähle, dass ich damals bei den Ereignissen dabei gewesen war, die später die Filme inspiriert haben?</p>



<p>Mein Name ist Lou. Annabelle gehörte früher einer guten Freundin von mir – der ehemaligen Mitbewohnerin meiner Frau. Lasst mich euch also die wahre Geschichte von Annabelle erzählen:</p>



<p>Zum ersten Mal sah ich die Puppe im Jahr 1970 am 28. Geburtstag von besagter Freundin, Donna. Sie, meine Frau Angie – damals noch meine Verlobte – und ich saßen am Abend zusammen und tranken auf unsere Gesundheit, während Donna die paar Geschenke auspackte, die sie bekommen hatte. Darunter war eine große Stoffpuppe – ein Geschenk von Donnas Mom.</p>



<p>„Das ist Raggedy Ann“, erklärte Donna begeistert. „Sie stammt aus einem Kinderbuch, in dem die Puppe lebendig wird, wenn keine Menschen da sind.“</p>



<p>Donna erzählte uns von Raggedy Ann und wie ihre Mutter ihr früher immer aus den Büchern vorgelesen hatte. An das meiste kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, wie begeistert Angie von dem Buchcharakter und der Puppe war.</p>



<p>Ich hingegen schenkte der Puppe wenig Beachtung. Nachdem Donna sie in ihr Zimmer gebracht und auf ihr Bett gesetzt hatte, hatte ich sie ehrlich gesagt bald wieder vergessen. Zumindest, bis Donna eines Nachmittags – wir drei waren gerade erst nach Hause gekommen – aufgeregt ins Wohnzimmer gerannt kam.</p>



<p>„Leute. Das glaubt ihr mir nie: Ann hat sich bewegt!“, sage sie und verhaspelte sich vor Aufregung fast.</p>



<p>„Wer?“, fragte ich verwirrt.</p>



<p>Angie verstand schneller: „Die Puppe? Was meinst du mit: Sie hat sich bewegt? Von selbst?“</p>



<p>„Ja, natürlich von selbst. Wie Raggedy Ann aus dem Buch. Sonst würde ich es euch doch nicht erzählen!“</p>



<p>Donna erzählte uns, dass sie es schon länger beobachtet hatte. Zuerst hatte sie Angie verdächtigt, die Puppe bewegt zu haben. Aber selbst bei abgeschlossener Zimmertür habe Ann die Position geändert. Donna habe sie am Morgen auf das Kopfkissen gelegt und nun säße sie mit dem Rücken an der Wand.</p>



<p>Natürlich waren Angie und ich zuerst skeptisch. Doch während ich weiter daran festhielt, dass Donna eine lebhafte Fantasie habe, begann Angie, ihr zu glauben. Es dauerte nur einige Tage, bis Ann ein fester Teil unserer kleinen Clique geworden war. Wir nahmen sie mit auf Radtouren, setzten sie abends zu uns aufs Sofa und hatten ihr sogar einen Kinderstuhl besorgt, damit sie am Esstisch dabei sein konnte.</p>



<p>Damals schüttelte ich bloß den Kopf. Trotzdem fand ich die Fürsorge niedlich, die sie der Puppe schenkten – zumindest, solange ich noch glaubte, dass sie es sich einbildeten oder mich auf den Arm nehmen wollten.</p>



<p>Es war ein Wochenende. Ich hatte entschieden, dass ich diese Nacht bei Angie übernachten würde, also saßen wir am Abend gemeinsam am Esstisch: Angie, Donna, Ann und ich.</p>



<p>Normalerweise schenkte ich Ann wenig Beachtung, doch bei jenem Abendessen war es anders. Mir fiel auf, wie lieblos Donna sie auf den Kinderstuhl gesetzt hatte. Ihre Arme hingen schlaff nach unten und ihr überdimensionaler Kopf war zur Seite gekippt. Ich sagte nichts, erinnerte mich aber daran, wie ich während des Essens immer wieder zu der Puppe hinübersah und überlegte, ob ich sie vernünftig hinsetzen solle.</p>



<p>Als ich das vierte oder fünfte Mal zu ihr sah, erschrak ich: Ann saß komplett aufrecht. Ihr Kopf war gerade und ihre Arme lagen auf dem Tischchen, das zum Kinderstuhl gehörte. Weder Donna noch Angie hätten sie bewegen können, ohne aufzustehen, aber sie hatten die ganze Zeit auf ihren Stühlen gesessen.</p>



<p>Mein Hirn arbeitete wie verrückt. Wie war das möglich? Puppen bewegten sich nicht von allein. Konnte es sein &#8230;? Hatten Angie und Donna also nicht bloß rumgealbert?</p>



<p>Mit einem schabenden Geräusch schob ich meinen Stuhl zurück. Donna sah mich irritiert an, während ich die paar Schritte zu Ann hinüberging.</p>



<p>„Was machst du?“, fragte Angie belustigt, als ich die Puppe in die Hände nahm.</p>



<p>Vielleicht war sie ja keine normale Puppe. Bei der ganzen neuen Technik, die in den letzten Jahren herausgekommen war, konnte man nie wissen. Vielleicht steckte eine Art Roboter in dem Stoff.</p>



<p>Ann fühlte sich weich und kuschlig an, während ich auf ihr herumdrückte. Ich hatte kein Problem damit, ihr Innenleben zu erfühlen oder ihre Gliedmaßen zu dehnen, doch alles, was ich zwischen den Fingern hatte, war Stoff und Watte. Keine Kabel, keine Metallstäbe, keine Elektroteile.</p>



<p>„He! Geh nicht so grob mit ihr um!“, fuhr Donna mich an. Sie sprang auf und riss mir Ann aus den Händen, um sie behutsam wieder auf ihren Stuhl zu setzen.</p>



<p>„Sie &#8230; sie hat sich bewegt“, stammelte ich halb entschuldigend, halb erklärend.</p>



<p>„Echt?“, fragte Angie begeistert. „Das hat sie noch nie gemacht, wenn jemand im selben Raum war!“</p>



<p>Ich starrte sie ungläubig an. Noch nie in meinem Leben hatte ich ihre Begeisterung so wenig verstanden, wie in diesem Moment.</p>



<p>Wir drei blieben die halbe Nacht wach und redeten über Ann. Jetzt, wo ich den beiden Frauen endlich zuhörte, erzählten sie mir alles.</p>



<p>Am Anfang hatte sich Ann kaum bewegt. Sie hatte mal die Arme verschränkt oder sich anders hingesetzt, war aber auf Donnas Bett geblieben. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie sich weiter weg traute. Sie saß auf dem Boden, auf dem Stuhl, lag auf dem Schreibtisch und befand sich schließlich nicht einmal mehr im gleichen Zimmer, wenn Donna und Angie von der Schwesternschule nach Hause kamen.</p>



<p>So sehr sich die beiden für Anns übernatürliche Fähigkeiten begeisterten, so sehr ängstigten sie mich. Sie war ein unbelebtes Objekt aus Stoff. Den Gesetzen der Wissenschaft folgend, hätte sie sich nicht bewegen dürfen!</p>



<p>Für Donna und Angie änderte sich natürlich nichts. Sie liebten die Puppe und wollten sie am liebsten überall dabei haben. Für mich begann jedoch eine Zeit, in der ich wieder und wieder versuchte, die Mädchen davon zu überzeugen, dass sie der Puppe nicht trauen konnten.</p>



<p>Bei jeder sich bietenden Gelegenheit bat ich sie darum, die Puppe zuhause zu lassen, oder sie nicht neben uns aufs Sofa zu setzen. Da es bei diesen Gesprächen aber immer zwei gegen eins stand, hatte ich nie gute Karten.</p>



<p>Was mich umso mehr beunruhigte, war, dass Ann stärker zu werden schien. Je länger sie bei uns war, desto häufiger und weiter bewegte sie sich. War es nicht auch das, was Donna und Angie gesagt hatten? Dass die Puppe sich anfangs nur auf dem Bett bewegt hatte und inzwischen sogar in anderen Räumen saß? Es passierte jedenfalls mehr als einmal, dass Ann nicht mehr auf dem Sofa, sondern wieder auf Donnas Bett saß, wenn wir nach Hause kamen.</p>



<p>Angie und Donna sahen das ganz locker. Sie machten sich einen Spaß daraus, die Puppe zu suchen, wann immer sie nach Hause kamen. Eines Tages machten sie dabei eine merkwürdige Entdeckung.</p>



<p>„Lou?“, rief Angie aus Donnas Zimmer.</p>



<p>„Was ist? Habt ihr Ann gefunden?“, rief ich gespielt interessiert. In Wahrheit hatte ich bloß keine Lust auf Stress. „Wo hat sie sich diesmal versteckt?“</p>



<p>Bevor ich jedoch aufstehen konnte, um zu ihnen zu gehen, kamen die beiden ins Wohnzimmer. Donna hielt einen kleinen Zettel in den Händen, von dem sie ihren Blick kaum lösen konnte.</p>



<p>„Was habt ihr da?“, fragte ich. Diesmal musste ich mein Interesse nicht vortäuschen.</p>



<p>Wortlos reichte Donna mir den Zettel. Er bestand aus alt aussehendem Pergamentpapier, auf dem krakelige Buchstaben standen, die aussahen, als hätte sie ein Kind geschrieben.</p>



<p>„Hilf uns“, las ich vor. Mehr stand nicht darauf. Stirnrunzelnd sah ich zu Donna. „Ist das von &#8230;?“</p>



<p>Sie nickte bloß. Ich brauchte den Satz nicht zu beenden. Wir alle wussten sofort, dass Ann den Zettel geschrieben haben musste.</p>



<p>„Was meint sie wohl damit? Wobei braucht sie Hilfe?“, fragte Angie in den Raum.</p>



<p>„Und wer ist ‚uns‘?“, ergänzte ich.</p>



<p>Aber so sehr wir auch überlegten, so viele Theorien wir auch aufstellten, wir kamen zu keiner zufriedenstellenden Antwort. Was blieb uns also anderes übrig, als auf einen weiteren Zettel zu warten? Und der Zettel sollte kommen.</p>



<p>Keine drei Tage später saßen Donna, Angie und ich am Küchentisch. Nachdem Angie angerufen hatte, war ich sofort vorbei gekommen. Ich starrte den Zettel an. ‚Helft Lou‘ stand in derselben krakeligen Kinderschrift darauf.</p>



<p>„Was soll das?“, murmelte ich leise.</p>



<p>Angie räusperte sich verlegen. „Vielleicht meint Ann, dass wir euch beiden helfen sollen, Freunde zu werden? Ich weiß, du magst sie nicht, aber gib ihr doch eine Chance. Tu es für mich.“</p>



<p>Ich starrte sie halb ungläubig halb wütend an. Hörte sie sich selbst überhaupt zu? „Ann ist eine Puppe, verdammt!“, sagte ich etwas zu laut. „Mit Puppen kann man nicht befreundet sein! Sie sollten sich auch nicht bewegen! Ich hab keine Ahnung, was mit dem verdammten Ding nicht stimmt, aber ich will nichts mit ihr zu tun haben!“</p>



<p>Auch wenn ich es damals niemals zugegeben hätte, hatte ich panische Angst vor ihr. Sie hatte etwas Dunkles an sich, dass Donna und Angie entweder nicht sehen konnten oder nicht sehen wollten.</p>



<p>Zu wissen, dass dieses Wesen meinen Namen auf einen Zettel geschrieben hatte, hatte etwas unglaublich Bedrohliches an sich. Es war nicht bloß eine Puppe, die sich bewegte. Nein. Sie wusste, wer wir sind, kannte unsere Namen und verstand wahrscheinlich alles, was wir sagten. Je weiter ich von Ann weg war, desto besser. Also stand ich auf und ging.</p>



<p>Meine Beziehung zu der wundervollsten Frau der Welt wäre damals fast an einer Puppe zerbrochen. Zwar einigten Angie und Donna sich nach einem langen Gespräch darauf, dass Ann nicht mehr bei uns sitzen würde, wenn ich zu Besuch war, aber trotzdem mied ich ihre Wohnung, so gut es ging.</p>



<p>Das war auch der Grund, warum ich nichts von dem Blut mitbekam. Donna entdeckte eines Nachmittags einige Tropfen einer roten Flüssigkeit auf Anns Brust und ihrem Handrücken. Weil sie nicht wollten, dass ich mir noch mehr Sorgen machte, verheimlichten sie es vor mir. Ich erfuhr nur von dem Medium, das Donna daraufhin einschaltete.</p>



<p>Mich wollten sie bei der Séance nicht dabei haben, damit ich Ann nicht verärgerte. Daher erzählten sie mir bloß, was sie gemeinsam mit dem Medium herausgefunden hatten: Die Puppe war von dem Geist eines kleinen Mädchens namens Annabelle Higgins besessen – zumindest behauptete das das Wesen, das sie erreichten.</p>



<p>Annabelle erklärte, dass sie seit ihrem Tod furchtbar einsam sei, und bat Donna darum, weiterhin in ihrer Puppe wohnen zu dürfen. Donna stimmte sofort zu.</p>



<p>Wie ihr euch vielleicht denken könnt, war ich alles andere als begeistert. Sie behandelten Annabelle, wie sie die Puppe jetzt nannten, noch mehr wie einen Menschen als ohnehin schon und weigerten sich sogar, sie in Donnas Zimmer zu setzen, wenn ich zu Besuch kam. Könnt ihr euch das Vorstellen? Ich, ein langjähriger Freund und der Verlobte Angies, wurde mit einer blöden Stoffpuppe gleichgestellt. Und weil ich Angie nicht verlieren wollte, musste ich zustimmen.</p>



<p>Während meiner Zeit in ihrer Wohnung versuchte ich, Annabelle so gut es ging zu ignorieren. Ein nicht sonderlich einfaches Unterfangen, weil Donna sie überall mit hinschleppte und sie wie ein echtes Kind behandelte. Aus diesem Grund schlug ich möglichst oft vor, in Diskotheken oder Kneipen zu gehen. Orte, an die Annabelle als Kind nicht mitdurfte. Mit der Begründung, Annabelle müsse schon längst im Bett sein, kam ich damit sogar ausgesprochen häufig durch.</p>



<p>Nachts versuchte ich hingegen, nicht mehr bei Angie zu schlafen. Entweder kam sie mit zu mir oder wir schliefen getrennt. Ich dachte mir immer neue Ausreden aus, bin mir jedoch sicher, dass sie mich schnell durchschaut hatte. Sie wusste, wie wenig ich Annabelle mochte. Sicherlich ahnte sie auch, dass ich Angst vor ihr hatte.</p>



<p>Eines Abends war ich allerdings zu betrunken, um nach Hause zu fahren. Wir hatten ganz schön gefeiert und ich meinen letzten Bus verpasst. Also blieb mir nichts anderes übrig, als bei Angie und Donna zu schlafen. Das war die Nacht, in der Annabelle angriff.</p>



<p>Ich lag neben Angie im Bett. Ein merkwürdig beklemmendes Gefühl hatte mich aufgeweckt und ich merkte schnell, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Es war, als würde mein gesamter Körper von einer dunklen Macht festgehalten. Ich konnte weder zusammenzucken noch schreien, als ich sah, wie Annabelle am Fußende des Bettes auftauchte. Zuerst konnte ich kaum mehr als eine schwache Bewegung in der Dunkelheit erkennen, aber ich wusste sofort, dass sie es war. Ich spürte es.</p>



<p>Sie zog sich mit ihren kleinen Ärmchen aufs Bett. Dann stand sie da, bedrohlich aufgerichtet zu ihrem vollen Meter, bevor sie langsam auf mich zuging. Ich konnte ihre kleinen Füße spüren, während sie über die Decke schlich, die über mir lag.</p>



<p>Wieder versuchte ich zu schreien, aber es wollte mir nicht gelingen. Ich schaffe es nur, meine Augen so zu bewegen, dass ich Angie ansehen konnte, wie sie friedlich und völlig unbekümmert neben mir schlief. Sie lag auf der Seite und umklammerte sanft meinen Arm.</p>



<p>Dann hatte Annabelle mich erreicht. Sie stand direkt vor meinem Gesicht. Ihre kalten emotionslosen Augen starrten mich direkt an, während sie sich langsam auf die Knie fallen ließ. Ihr starres, sonst so niedliches Lächeln wirkte jetzt hinterhältig und fies. Ich sah, wie sie ihre Ärmchen hob, und spürte ihre kalten, weichen Hände an meinem Hals. Nie hätte ich geglaubt, dass ein solch zierliches Wesen so zudrücken könne. Dass diese kleinen Stoffhände eine solche Kraft hatten.</p>



<p>Annabelle schnürte mir die Luft ab. Ich hatte Todesangst. Mein Hirn schrie danach, sich zu wehren, mich zu bewegen, zu schreien, zu atmen, doch ich konnte es nicht. Bald machte sich Schwindel in mir breit. Das angestaute Blut in meinem Kopf fühlte sich an, als müssten meine Adern jeden Moment bersten. Dann verlor ich das Bewusstsein. Ich war mir sicher, dass ich nie wieder aufwachen würde. Doch am nächsten Morgen kam alles anders.</p>



<p>„Guten Morgen, Schatz“, weckte Angie mich sanft. Sie gab mir einen Kuss auf den Mund. „Aufwachen.“</p>



<p>An anderen Tagen hätte ich mich zur Seite gedreht, mir die Decke über den Kopf gezogen und etwas wie „Nur noch fünf Minuten“ gegrummelt. Besonders bei dem ganzen Alkohol, den ich getrunken hatte. Aber nicht heute. Heute konnte ich gar nicht schnell genug aus dem Bett springen.</p>



<p>Ich sah mich hektisch um, ließ den Blick durch das Zimmer streifen, um sicherzugehen, dass dieses Ding nicht bei uns war.</p>



<p>„Was ist? Was hast du?“, fragte Angie besorgt, während ich bereits dabei war, mir meine Hose und mein T-Shirt anzuziehen.</p>



<p>Wortlos verließ ich das Schlafzimmer. Ich machte mich auf den Weg in Donnas Zimmer. Hinter mir hörte ich, wie Angie mir folgte.</p>



<p>Ohne vorher zu klopfen, riss ich die Tür auf.</p>



<p>Donna riss erschrocken den Kopf herum. „Sag mal, spinnst du?“ Sie saß bereits am Schreibtisch. „Ich hätte nackt sein können!“</p>



<p>Ich beachtete sie nicht. Stattdessen ging ich schnurstracks zu ihrem Bett und packte Annabelle beim Kleid.</p>



<p>Das wiederum versetzt Donna in Alarmbereitschaft. „Lou, ich warne dich. Setz sie wieder hin!“</p>



<p>Ich schnaubte verächtlich. „Du warnst mich?“ Wütend tat ich einen Schritt auf sie zu. „Dieses Scheißteil hat letzte Nacht versucht, mich zu erwürgen!“</p>



<p>„Du bist doch verrückt. So etwas würde sie nie tun!“, verteidigte Angie die Puppe sofort. Sie stellte sich zu Donna.</p>



<p>„<em>Ich</em> bin verrückt?! Ich bin nicht derjenige, der seit Wochen mit einer Puppe redet und so tut, als wäre es völlig normal, dass sie nachts versucht, meinen Verlobten zu ermorden! Aber wisst ihr was? Ich habe genug. Ich kann das nicht mehr. Entweder verschwindet Annabelle aus eurem Leben oder ich!“</p>



<p>Mit diesen Worten pfefferte ich die Stoffpuppe mit voller Kraft durchs Zimmer. Ich bereitete mich bereits auf einen dramatischen Abgang vor, als plötzlich ein Schmerz in meiner Brust explodierte, der meine Beine in Wackelpudding verwandelte. Erschrocken sank ich auf die Knie, meine rechte Hand auf meine schmerzende Brust gepresst.</p>



<p>„O Gott, Lou!“, kreischte Angie panisch.</p>



<p>Am Boden kauernd starrte ich meine Hand an. Auf ihr glänzte eine rote Flüssigkeit. Mein Blick streifte mein T-Shirt. Obwohl mir Tränen in die Augen schossen und meine Sicht verschleierten, konnte ich erkennen, wie der weiße Stoff sich langsam mit Blut vollsog.</p>



<p>Angie war sofort bei mir. Und auch Donna schien recht schnell bemerkt zu haben, was passiert war. Sie ließ Annabelle links liegen, um mich zusammen mit Angie aus der Wohnung zu bringen. Im Vorbeigehen schnappte sie sich den Erste Hilfe Koffer aus dem Wohnungsflur.</p>



<p>Erst, als die Tür hinter uns ins Schloss gefallen war, setzten sie mich ab. Die Wunde – vier horizontale und drei vertikale Kratzer, die mein T-Shirt auf magische Weise nicht einmal berührt hatten – blutete zwar recht stark, war aber nicht sonderlich tief, sodass die beiden als angehenden Krankenschwestern keine Probleme hatten, mich zu verarzten. Anschließend beeilten wir uns, aus dem Haus zu kommen.</p>



<p>Über Annabelle sprachen wir an dem Tag kein einziges Wort mehr, zu tief saß der Schock. Aber das mussten wir auch gar nicht. Es reichte mir völlig, dass die beiden bei mir übernachteten, bis wir zwei Paranormalforscher – das Ehepaar Ed und Lorraine Warren – überreden konnten, sich Annabelle anzunehmen.</p>



<p>Sie hörten sich unsere Schilderungen der Ereignisse an, organisierten einen Priester, der in Donnas und Angies Wohnung einen Exorzismus durchführte und nahmen die verfluchte Puppe mit. Sie erklärten uns, dass sie von einem Dämon besessen sei, der vorgetäuscht habe, der Geist der verstorbenen Annabelle Higgins zu sein. Ich weiß nicht, ob ich das glauben kann &#8230; Dämonen oder Gott waren noch nie etwas, für das ich mich interessierte. Aber an besessene Puppen hatte ich früher auch nicht geglaubt, also wer weiß &#8230;?</p>



<p>Aber was es auch war, ob nun ein Geist, ein Dämon oder etwas völlig anderes, der Spuk war in dem Moment zu Ende, als die Warrens Annabelle mitgenommen hatten. Und ich war froh, dass in unser Leben endlich wieder Normalität einkehrte.</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f-ogo_RGB_HEX-58.png" height="40" width="40" alt="Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter_Social_Icon_Square_Color.png" height="40" width="40" alt="Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Annabelle ist neben Chucky die wohl bekannteste Filmhorrorpuppe, die es gibt. Wusstet ihr jedoch, dass die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">besessene Puppe</a> aus dem Conjuring-Universum auf einer realen Puppe basiert?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Im Gegensatz zu der gruseligen Porzellanpuppe aus den Filmen ist die echte Annabelle eine eher niedliche Stoffpuppe, die den Kinderbuchcharakter Raggedy Ann darstellt.</p>



<p>Annabelle hat einen großen Kopf, rote Haare aus dicken Strähnen und ein flaches Gesicht mit großen Augen. Ihre große dreieckige Nase und der breite Mund mit den kleinen roten Lippen sind aufgestickt. Als Kleidung trägt sie ein weißes Kleid mit kurzen Ärmeln und Blumenmuster, eine rot-weiße Strumpfhose und schwarze Schuhe.</p>



<p>Genaue Angaben zu der Größe habe ich leider nicht finden können, von den Bildern und Beschreibungen her gehe ich aber von einer Körpergröße von etwa einem Meter aus.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Seltsame Vorkommnisse:</h3>



<p>Die wahre Geschichte um Annabelle soll sich im Jahr 1970 zugetragen haben. Alles begann als die 28-jährige Deirdre „Donna“ Bernard von ihrer Mutter eine Raggedy-Ann-Puppe als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachts</a>&#8211; oder Geburtstagsgeschenk bekam.</p>



<p>Donna und ihre Mitbewohnerin Angie, die zu der Zeit zusammen eine Ausbildung zur Krankenschwester machten, bemerkten schnell, dass mit der Puppe etwas nicht stimmte: Sie schien sich wie von selbst zu bewegen und saß oder lag oft anders, als Donna sie zurückgelassen hatte.</p>



<p>Lou – entweder ein Freund der beiden oder sogar der Verlobte von Angie, der die beiden oft besuchen kam – fand die Puppe regelrecht unheimlich und schlug vor, sie loszuwerden, was die Frauen jedoch ignorierten.</p>



<p>Zuerst waren Annabelles Bewegungen recht unauffällig: Sie änderte bloß die Pose oder lag an anderer Stelle auf dem Bett, als dort, wo Donna sie hingesetzt hatte. Die Bewegungen wurden jedoch mit der Zeit immer auffälliger. So fanden sie die Puppe teilweise in völlig anderen Räumen wieder – oft fand Donna sie z. B. auf ihrem Bett, obwohl sie Annabelle zuletzt im Wohnzimmer auf die Couch gesetzt hatte.</p>



<p>Bald tauchten außerdem kleine Zettel mit Nachrichten auf, auf denen in Kinderschrift z. B. „Help us“ (Hilf uns) oder „Help Lou“ (Hilf Lou) stand.</p>



<p>Als Donna dann auch noch seltsame rote Punkte, die wie Bluttropen aussahen, auf dem Handrücken und der Brust der Puppe fand, wurde es Donna und Angie zu viel. Sie beschlossen, sich professionelle Hilfe in Form eines Mediums zu holen.</p>



<p>Und tatsächlich schaffte das Medium es, Kontakt zu dem Wesen aufzunehmen, das Besitz von der Puppe ergriffen hat. Es stellt sich als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> eines kleinen Mädchens namens Annabelle Higgins vor. Sie bittet Donna und Angie darum, bei ihnen bleiben und weiter in der Puppe wohnen zu dürfen. Die Studentinnen glauben dem Wesen und willigen ein.</p>



<p>Als sie jedoch Lou davon erzählen, war er alles andere als begeistert. Er hält weiter daran fest, dass sie die Puppe loswerden sollten. Das hingegen schien Annabelle nicht zu gefallen und so wurde Lou bald mehrfach von der Puppe angegriffen:</p>



<p>Beim ersten Angriff wurde Lou nachts von der Puppe gewürgt. Er ist aufgewacht, weil er sich unwohl gefühlt hat, woraufhin Annabelle auf sein Bett geklettert ist und ihn so lange gewürgt hat, bis er das Bewusstsein verlor.</p>



<p>Doch während dieser erste Angriff noch als Albtraum oder Schlafparalyse abgetan werden konnte, sah es bei dem zweiten ganz anders aus. Während Lou allein mit der Puppe im Zimmer war, spürte er plötzlich einen starken Schmerz in der Brust und stellte mit entsetzen fest, dass er sieben blutige Kratzer auf der Haut unter seinem Shirt hatte.</p>



<p>Das war der Punkt, als auch Donna und Angie einsahen, dass Annabelle wegmusste. Sie setzten sich mit den Paranormalforschern Ed und Lorraine Warren in Kontakt, die ihnen halfen, einen Exorzismus im Haus durchführen zu lassen und die Puppe an sich nahmen. Sie erklärten ihnen außerdem, dass Annabelle keineswegs der Geist eines kleinen Mädchens sei, sondern ein gefährlicher <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämon</a> Besitz von der Puppe ergriffen hatte.</p>



<p>Seitdem Annabelle im Besitz der Warrens ist, wo sie in ihrem Museum ausgestellt wird, soll es dort weitere Vorkommnisse gegeben haben. Inzwischen sitzt die unscheinbare Puppe in einem Schaukasten mit verschlossener Glastür und einer Warnung, dass sie nicht herausgenommen werden darf.</p>



<p>Wenn ich die Vorkommnisse im Museum jetzt auch noch ausführen würde, würde ich den Beitrag jedoch unnötig in die Länge ziehen. Trotzdem möchte ich noch erwähnen, dass es sogar einen angeblichen Todesfall gab, bei dem ein Museumsbesucher mit seinem Motorrad verunglückt sei, nachdem er die Puppe provoziert habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Viel ist über Donna, Angie und Lou nicht bekannt. Auch nicht, wo sie gelebt haben, als Annabelle in ihr Leben trat. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass es in den USA war.</p>



<p>Inzwischen befindet sich Annabelle im „The Warren’s Occult Museum“ in Monroe, Connecticut in einem Schaukasten mit Glastür. Das Museum ist jedoch seit 2019 für die Öffentlichkeit geschlossen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Dass die Puppe der Warrens der Ursprung für die Horrorpuppe aus dem Conjuring-Universum ist, ist unumstritten. Anders sieht es jedoch mit der „wahren Geschichte“ hinter der echten Annabelle Puppe aus.</p>



<p>Es gibt viele offene Fragen und Unstimmigkeiten in den Erzählungen. Auch habe ich – abgesehen von den Aussagen der Warrens – keine einzige Quelle gefunden, die bestätigt, dass es Donna, Angie und Lou überhaupt gab.</p>



<p>Natürlich lässt sich das damit begründen, dass sie bloß keine öffentliche Aufmerksamkeit wollen. Anders sieht es jedoch mit den zahlreichen Unstimmigkeiten in den verschiedenen Erzählungen der Warrens selbst aus.</p>



<p>In einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=iBTaY-hsRLI&amp;ab_channel=OfficialEdandLorraineWarrenChannel" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Video</a>, in dem Ed Warren persönlich von Annabelles Ursprung erzählt, macht er z. B. völlig andere Aussagen, als in dem <a href="https://web.archive.org/web/20140103211020/http://www.warrens.net/Annabelle.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Text</a>, der auf der offiziellen Website der Warrens veröffentlicht wurde.</p>



<p>Um einige Beispiele zu nennen, sagte Warren im Video, dass Annabelle Higgins 6 Jahre alt war, als sie bei einem Autounfall starb, während es im Text heißt, sie sei 7 gewesen, als man ihre Leiche in einem Feld fand. Im Video war die Puppe ein Weihnachtsgeschenk, im Text bekam Donna sie zum 28. Geburtstag.</p>



<p>Aber auch der Ablauf ist nicht überall derselbe. Während Warren im Video sagt, dass Lou am selben Tag von der Puppe im Bett gewürgt würde, an dem er auch die Kratzer auf der Brust bekam, waren es laut Text völlig unterschiedliche Tage.</p>



<p>Und das sind bei Weitem nicht alle Unstimmigkeiten. Aber vielleicht liegt es bloß daran, dass viele Jahre zwischen dem Video und dem Text auf der Website lagen. Vielleicht hatte Warren sich vertan oder falsch erinnert, als er den Vortrag hielt oder der Text verfasst wurde. Oder aber die „wahre“ Geschichte von Annabelle ist genau das: bloß eine Geschichte.</p>



<p><strong><em>Was denkt ihr? Ist die Geschichte &#8222;wahre Geschichte&#8220; um Annabelle echt? Oder bloß eine Erfidnung, um das Museumsstück interessanter zu machen? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr eine Puppe geschenkt bekommt, die sich plötzlich von selbst bewegt? Schreibt es in die Kommentare!</em></strong></p>



<p><em><strong>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</strong></em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/annabelle">Annabelle – die wahre Geschichte:</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/annabelle/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Oni &#8211; die japanischen Oger</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/oni</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/oni#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Feb 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
		<category><![CDATA[chinesisches Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Dämon]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Mond Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Mondneujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Oni]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Yokai]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=1635</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die gelben Augen starrten mich weiterhin an, während eine Mischung aus Hunger und Wut in ihnen funkelte.<br />
„Jetzt schieß endlich!“, flehte ich Ryu an. Wenn er nicht bald etwas unternahm, würde der Oni angreifen ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni &#8211; die japanischen Oger</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/12b2863238cb4c90abaecfbc29d9e206" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Oni sind sind wohl einer der bekanntesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a>, die es gibt. Passend zum Mond-Neujahr am 12.02. und dem Setsubun-Fest am 02.02., bei dem Oni eine wesentliche Rolle spielen, habe ich mich entschieden, über die japanischen Oger zu schreiben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Wir kommen langsam näher“, erklärte mein Bruder Ryu überflüssigerweise, während er den umgeknickten Baum vor uns mit seiner Taschenlampe ableuchtete.</p>



<p>Ich schluckte. Der Baum war nicht gerade dünn. Was auch immer ihn umgestoßen hatte, musste eine unglaubliche Kraft besitzen.</p>



<p>Und es sollte nicht der einzige Baum bleiben. Je weiter wir den Berg hinaufstiegen, desto mehr umgeknickte oder sogar ausgerissene Bäume fanden wir. Einige sahen aus, als wären sie aus dem Boden gerissen und mehrere Meter weit geworfen worden.</p>



<p>„Sicher, dass das hier eine gute Idee ist? Vielleicht sollten wir lieber umkehren und den anderen Bescheid sagen“, schlug ich vor.</p>



<p>Mein Bruder drehte sich zu mir um. „Und was soll das bringen? Wenn jemand anderes den Oni tötet, bringt uns das gar nichts!“</p>



<p>„Reicht es dir nicht, dass wir wieder sicher sind? Dass keine Menschen mehr sterben?“, erwiderte ich.</p>



<p>Ryu seufzte schwer. „Kenji, merkst du nicht, wie die anderen uns ansehen? Wie sie hinter unserem Rücken über uns reden? Ich will nicht mehr nur der Sohn eines Mörders sein, dem niemand trauen kann. Ich will nicht mehr, dass die Leute uns behandeln, als wären wir unser Vater!“</p>



<p>Jetzt musste auch ich seufzen. Ich sah über meine Schulter. Irgendwo dort unten, am Fuß des Berges, lag Shizuka-Mura, unsere Heimat. Ein Dorf, das so klein und unbedeutend war, dass es auch heute noch auf den meisten Landkarten fehlte. Ein Dorf, das ich über alles liebte.</p>



<p>Aber in letzter Zeit hatte sich so viel verändert &#8230; Ryu hatte recht. Seit vor anderthalb Jahren eine Gruppe Polizisten ins Dorf gekommen war, um Vater festzunehmen, sahen die Leute uns mit anderen Augen an. Sie glaubten uns nicht, dass wir genauso überrascht und schockiert waren, wie sie, zu erfahren, dass unser Vater ein gesuchter Mörder sei. Wie sich herausstellte, waren wir damals nur nach Shizuka-Mura gezogen, damit er untertauchen konnte &#8230;</p>



<p>Und dann war da noch der Oni. Die Kreatur ist vor etwa vier Monaten das erste Mal in unserem Dorf aufgetaucht.</p>



<p>Habt ihr schon einmal einen Oni gesehen? Die Geschichten und Zeichnungen werden ihnen nicht gerecht. Sie alle können nicht die Angst beschreiben, die man verspürt, wenn einem eine solche Kreatur tatsächlich gegenübersteht.</p>



<p>Ich hatte miterlebt, mit welcher Leichtigkeit ein Oni ganze Häuser niederreißen konnte, um an die Menschen zu kommen, die darin wohnten.</p>



<p>Er hatte schon so viele Menschen auf dem Gewissen. Freunde. Nachbarn. Nicht nur die, die er entführt hatte, sondern auch die, die losgezogen sind, um ihn zu töten. Keiner von ihnen war zurückgekehrt &#8230;</p>



<p>„Mach dir keine Sorgen“, riss Ryu mich aus meinen Gedanken. Er schien meine Bedenken bemerkt zu haben. „Der Oni schläft bestimmt. Wir müssen nur nahe genug herankommen.“</p>



<p>Um seine Aussage zu untermalen, zog Ryu eine Pistole aus seiner Tasche. Wir hatten sie damals in Vaters Zimmer gefunden – der Moment in unserem Leben, an dem wir uns eingestehen mussten, dass Vater nicht zu Unrecht beschuldigt wurde. Nie hätte ich gedacht, dass wir die Waffe eines Tages brauchen würden.</p>



<p>Es war Ryus Idee gewesen. Wenn wir den Oni besiegten, wären wir endlich mehr als nur die Söhne eines Mörders. Wir wären Helden. Und mit der Pistole hatten wir tatsächlich eine Chance. Wir mussten uns bloß anschleichen, ohne den Oni zu wecken, um ihm aus nächster Nähe direkt in den Kopf schießen zu können – so zumindest der Plan.</p>



<p>Doch wie es so häufig mit Plänen der Fall war, kam etwas dazwischen. Wir näherten uns gerade einer Höhle, in der wir als Kinder manchmal gespielt hatten – wir vermuteten, dass der Oni darin schlief –, als plötzlich ein lautes Knacken ganz in unserer Nähe ertönte.</p>



<p>Ryu und ich fuhren erschrocken herum. Unsere Taschenlampen erhellten etwas Rotes, das zwischen den Bäumen hervorblitzte. Es bewegte sich.</p>



<p>„Mach die Taschenlampe aus!“, zischten Ryu mir zu.</p>



<p>Doch es war zu spät. Der Oni hatte uns bemerkt. Während ich in meiner Panik den Ausschalter der Taschenlampe nicht fand, kam der Oni mit großen Schritten auf uns zu. Er trat einen Baum um, der wegbrach, als wäre es ein Zahnstocher.</p>



<p>Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Ryu die Pistole hob, also entschied ich, die Taschenlampe stattdessen auf den Oni zu richten, damit mein Bruder sehen konnte, wohin er zielte.</p>



<p>Als der Oni vor uns stehenblieb, richtete er sich zu voller Größe auf, als wolle er uns einschüchtern. Noch nie hatte ich ihn aus solcher Nähe gesehen. Seinen Kanabō – einen mit Eisen beschlagenen Streitkobeln – hielt er lässig mit einer Hand auf seine Schulter gelehnt. Dabei wäre er ohne Waffe schon eindrucksvoll genug gewesen.</p>



<p>Er war sicherlich vier oder fünf Meter groß. Ausgeprägte Muskeln zeichneten sich unter der roten Haut ab. Lediglich sein Bauch war gewölbt. Ich konnte nur ahnen, dass sich unter dem Fett ein Sixpack versteckte, das mindestens genauso eindrucksvoll war, wie seine restliche Muskulatur.</p>



<p>Dafür gab seine massige Brust eine perfekte Zielscheibe ab.</p>



<p>Ich sah, wie die Hand meines Bruders zitterte.</p>



<p>„Schieß!“, befahl ich.</p>



<p>Das wiederum erregte die Aufmerksamkeit des Oni. Er starrte mich mit seinen gelben Augen eindringlich an. Erst jetzt fiel mir auf, wie furchteinflößend sein Kopf wirklich war.</p>



<p>Zerzauste, schwarze Haare rahmten sein grässliches Gesicht ein. Zwei spitze Hörner wuchsen aus seiner Stirn. Die großen Zähne, die aus seinem Mund ragten, erinnerten mich an ein Wildschwein. Sie blockierten seine Lippen, sodass sein Mund einen Spalt offen stand. Die gelben Augen starrten mich weiterhin an, während eine Mischung aus Hunger und Wut in ihnen funkelte.</p>



<p>„Jetzt schieß endlich!“, flehte ich Ryu an. Wenn er nicht bald etwas unternahm, würde der Oni angreifen.</p>



<p>Entsetzt blickte ich zu meinem Bruder. Seine Hand zitterte jetzt völlig unkontrolliert. Stand er unter Schock?</p>



<p><em>Rums!</em> Ein lauter Knall ertönte, als der Oni seinen Kanabō von der Schulter nahm und das Ende auf den Boden donnern ließ.</p>



<p>Endlich reagierte mein Bruder. Doch ich freute mich zu früh. Statt zu schießen, fiel die Waffe aus seiner Hand. In der derselben Bewegung drehte sich Ryu auf der Stelle um und rannte in die Dunkelheit. Der Oni, dessen Jagdinstinkt sofort einsetzte, stürmte mit schnellen, viel größeren Schritten hinterher.</p>



<p>„Was tust du?“, brüllte ich meinem Bruder schockiert nach. Er würde niemals vor dem Oni davonlaufen können!</p>



<p>Während die schweren Schritte, das gleichmäßige Grunzen und das Splittern von Bäumen sich langsam entfernte, suchte ich panisch den Waldboden ab. Hier irgendwo musste sie doch liegen!</p>



<p>Im Schein meiner Taschenlampe blitze plötzlich etwas auf. Die Pistole! Schnell stürzte ich mich darauf.</p>



<p>Mit der Pistole in der Hand stand ich da. Während ich noch darüber nachdachte, ob ich mich verstecken, weglaufen oder dem Oni hinterhersprinten sollte, schnitt plötzlich ein Schrei durch die Luft.</p>



<p>„Ryu!“, brüllte ich in die Dunkelheit. Er schrie wie am Spieß.</p>



<p>Ein knackendes Geräusch ertönte. Es klang anders, als das Knacken der Bäume, erschütterte mich bis ins Mark. Waren das brechende Knochen?</p>



<p>Das Geschrei verstummte. Die jetzt einkehrende Stille war nur von einem gelegentlichen weiteren Knacken und einer Art Schmatzen erfüllt.</p>



<p>In meinem Kopf entstanden grässliche Bilder, wie der Oni meinen Bruder in Fetzen riss, bevor er ihn sich Stück für Stück in seinen mit den Wildschweinhauern besetzten Mund stopfte.</p>



<p>Tränen füllten meine Augen. Natürlich hätte ich damit rechnen müssen, dass einem von uns etwas zustieß. Aber jetzt, wo es tatsächlich passiert war &#8230; Ryu war tot. Und es war meine Schuld. Ich &#8230; Ich hätte ihn aufhalten sollen. Ihn von seinem Plan abbringen müssen.</p>



<p>Doch statt zu trauern, verspürte ich bloß Wut. Wie ein unaufhaltsamer Waldbrand wuchs sie in meinem Körper heran. Ich war wütend auf mich selbst, weil ich Ryu nicht aufgehalten hatte. Wütend auf die anderen Dorfbewohner, weil sie uns wie Dreck behandelt hatten. Wütend auf den Oni, weil er mir den letzten Menschen genommen hatte, der mir noch wichtig war &#8230;</p>



<p>Ich merkte erst, dass ich auf den Oni zu rannte, als meine Schritte von einem schnellen Gang zu einem Sprint wechselten.</p>



<p>Das Schmatzen wurde immer lauter. Ich hatte meine Taschenlampe auf die Bäume vor mich gerichtet, um mich orientieren zu können. Inzwischen konnte ich ab und an ein zufriedenes Grunzen vernehmen, als wäre mein Bruder das köstlichste, was der Oni je gegessen hatte. Meine Wut wuchs weiter. Dann endlich sah ich ihn:</p>



<p>Der Oni saß mit dem Rücken zu mir auf der Lichtung. Der Schein meiner Taschenlampe schien ihn nicht zu beirren. Vielleicht war er auch zu abgelenkt von meinem Bruder, um es zu bemerken. Jedenfalls zeigte er keinerlei Reaktion.</p>



<p>Ich hob die Pistole, um auf ihn zu zielen. Für einen Moment überlegte ich, ihm in den Rücken zu schießen, doch er bewegte sich zu sehr, als dass ich auf irgendwelche lebenswichtigen Organe zielen konnte.</p>



<p>Als der Oni sich bückte, leuchtete ich auf das, was vor ihm lag. Mein Bruder war völlig zerfetzt. Der Oni hatte ihm beide Arme und den Kopf ausgerissen. Hätte ich die Kleidung nicht wiedererkannt, wäre ich mir nicht einmal sicher gewesen, dass es sich bei dem blutigen Bündel um Ryu handelte.</p>



<p>Plötzlich riss der Oni den Kopf herum. Er schien das Licht meiner Taschenlampe bemerkt zu haben.</p>



<p>Die Brust des Onis glänzte, während er aufstand. Das Blut verschmolz fast perfekt mit dem Rot seiner Haut. Man erkannte es nur an dem feuchten Glanz.</p>



<p>Als der Oni mich ansah, richtete ich die Taschenlampe direkt auf sein Gesicht. Er schrie wütend auf und riss sofort die Hände vor die Augen. Es schien ihm überhaupt nicht gefallen zu haben, dass ich ihn geblendet hatte.</p>



<p>Der Oni griff geschickt nach seiner Waffe. Mit einer schnellen Bewegung hob er seinen Kanabō vom Boden auf.</p>



<p>Ich bekam Panik. Noch ehe ich richtig gezielt hatte, betätigte ich den Abzug der Pistole. Ein Schuss löste sich, dicht gefolgt von einem wuterfüllten Schrei des Oni.</p>



<p>Bevor ich reagieren konnte, sah ich, wie der Oni seinen Kanabō nach mir schwang. Der Aufprall brach mir mit einem scheußlichen Knacken die Wirbelsäule und schleuderte mich einige Meter durch die Luft, bis ich in weichem Moos liegen blieb.</p>



<p>Obwohl meine Seite, wo der Kanabō mich erwischt hatte, völlig zerschmettert sein musste, spürte ich keinen Schmerz. Um genau zu sein, spürte ich von der Brust abwärts überhaupt nichts mehr. Trotzdem hielt mich das Adrenalin bei Bewusstsein.</p>



<p>Schnell orientierte ich mich. Die Taschenlampe lag vielleicht fünf Meter von mir entfernt. Irgendwo dort musste auch die Pistole liegen. Wenn ich sie erreichte, hatte ich noch eine Chance. Mein Bruder und ich waren nicht mehr zu retten, aber wenn der Oni starb, wären wir wenigstens als Helden gestorben.</p>



<p>Besagter Oni stand leicht irritiert in der Gegend herum. Er schien sich unsicher zu sein, ob er sich mir oder wieder meinem Bruder zuwenden sollte. Das war meine Gelegenheit!</p>



<p>Ich versuchte, mich aufzurappeln, um zur Taschenlampe zu sprinten. Zu meinem Entsetzen bewegten sich nur meine Arme. Meine Beine gehorchten mir nicht mehr. Wie abgestorben lagen sie da.</p>



<p>Trotzdem wollte ich mich nicht geschlagen geben. Ich stemmte meine Arme in den Boden, um mich langsam vorwärts zu ziehen. Meine Augen waren auf die Taschenlampe gerichtet. Zentimeter für Zentimeter robbte ich meinem Ziel näher. Jetzt gab es nur noch mich und das kleine Licht vor mir.</p>



<p>Ich hörte nicht einmal, wie der Oni auf mich zukam. Erst, als er mich wie ein Spielzeug vom Boden aufhob, merkte ich, dass ich versagt hatte. Gleichgültigkeit breitete sich in mir aus. Wir hatten verloren. Mein Bruder und ich waren nicht besser als die anderen Leute, die losgezogen waren, um den Oni zu besiegen, und nie zurückgekehrt sind.</p>



<p>Gerade, als ich schon mit allem abgeschlossen hatte, blitze im schwachen Taschenlampenlicht etwas auf. Blut quoll aus einer Stelle an seinem Bauch. Eine Wunde.</p>



<p>Meine Augen weiteten sich. Konnte das sein? Hatte mein Schuss ihn tatsächlich getroffen? Wenn er die Kugel nicht entfernen konnte – und das bezweifelte ich – gab es noch immer die Möglichkeit, dass die Wunde sich entzündete.</p>



<p>Ich klammerte mich an dieses letzte Bisschen Hoffnung. Als der Oni mir gerade meinen rechten Arm ausriss, breitet sich ein Lächeln auf meinem Gesicht aus. Der Oni könnte an der Verletzung sterben. Mein Bruder und ich konnten noch immer Helden werden! Dann verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f-ogo_RGB_HEX-58.png" height="40" width="40" alt="Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter_Social_Icon_Square_Color.png" height="40" width="40" alt="Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Oni sind japanische Dämonen, die den Ogern recht ähnlich sind. Das Wort Oni lässt sich daher mit Oger, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämon</a> oder böser <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> übersetzen. Sie zählen zu den Yōkai.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Oni erinnern an eine Mischung aus wildem Menschen und Dämon. Ihr Körperbau ist menschenähnlich, obwohl einige Merkmale abweichen können. So sollen manche Oni sechs Finger und/oder Zehen pro Hand bzw. Fuß besitzen. Auch kann es vorkommen, dass ein Oni ein drittes Auge auf seiner Stirn hat.</p>



<p>Ihre wilden, ungekämmten Haare waren in früheren Erzählungen und Bildern fast ausschließlich schwarz, werden heutzutage – besonders in Videospielen und Anime – aber auch manchmal weiß dargestellt.</p>



<p>Außerdem besitzen sie häufig ein oder zwei Hörner, scharfe, krallenähnliche Fingernägel und spitze Reißzähne oder Hauer.</p>



<p>Oni sollen sehr muskulös und häufig nicht gerade dünn sein. Auch sind sie größer als normale Menschen. In einigen Fällen sollen Oni sogar mehrere Meter groß gewesen sein, sodass sie die meisten Baumkronen überragen.</p>



<p>Eines ihrer auffälligsten Merkmale ist jedoch ihre Hautfarbe. Sie soll meist rot, blau oder grün sein, kann aber in einigen Geschichten auch andere Farben haben. In Europa ist die rote Variante wohl die bekannteste.</p>



<p>Was ihre Kleidung angeht, tragen Oni – sofern sie nicht nackt sind – häufig einen Lendenschurz aus Tigerfell oder dem Fell eines anderen, als mächtig geltenden Tieres.</p>



<p>Außerdem haben sie häufig ihren ikonischen, mit Eisen beschlagenen Streitkolben bei sich – einen Kanabō. Die Waffe wurde ursprünglich von den Samurai geführt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Es heißt, dass Oni hauptsächlich in der Hölle vorkommen. Wenn ein besonders grausamer Mensch stirbt, verwandelt seine Seele sich in einen Oni, um in der Hölle die Seelen anderer Menschen zu foltern.</p>



<p>Wenn ein Mensch jedoch so grausam ist, dass seine Seele bereits zu Lebzeiten nicht mehr gerettet werden kann, kann es passieren, dass er sich bereits vor seinem Tod verwandelt und als Oni in unserer Welt lebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die in der Hölle lebenden Oni sind den christlichen Dämonen sehr ähnlich: Sie sind die Folterknechte der Hölle, foltern also böse Menschen nach ihrem Tod aufs Grausamste.</p>



<p>Aber auch die Oni, die in unserer Welt leben und gelebt haben sollen, werden oft als böse und grausam angesehen.</p>



<p>Sie leben in der Wildnis, überfallen Dörfer, fressen Menschenfleisch, vergewaltigen Frauen und sind übernatürlich stark.</p>



<p>Außerdem sollen einige Oni über Magie verfügen, mit der sie z.&nbsp;B. Krankheiten bringen können.</p>



<p>Trotzdem sollen Oni – zumindest in den Erzählungen ab dem 13. Jahrhundert – nicht unbedingt die intelligentesten Wesen sein. In vielen Geschichten werden sie daher als dumm und tollpatschig dargestellt. Häufig führt die mangelnde Intelligenz auch dazu, dass der Oni besiegt werden kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Die Oni, die nicht in der Hölle leben, wohnen meist allein in den Bergen oder auf Inseln. Häufig heißt es, dass sie in Höhlen hausen, es soll aber auch Oni geben, die in Hütten oder gar verlassenen Festungen wohnen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Der Begriff „Oni“ wurde früher – bevor der heute bekannte Oni entstanden ist – für allerlei böse Geister und Yōkai gebraucht.</p>



<p>Das Wesen selbst stammt hingegen wahrscheinlich aus dem Hindu-Buddhismus und wurde durch die indischen Yaksha und Rashaka inspiriert, als sich der Buddhismus in Asien ausgebreitet hat.</p>



<p>Schon während er Heian-Zeit (ca. 794–1192) waren Oni als gefürchtete, menschenfressende <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monster</a> bekannt.</p>



<p>Im 13. Jahrhundert kam schließlich ihre leicht dümmliche und tollpatschige Art hinzu – wodurch sie jedoch nicht weniger gefährlich wurden.</p>



<p>Diese Art der Oni hat sich über die Jahre dank unzähliger Darstellungen in Geschichten und Kunst gefestigt, weswegen sie auch heutzutage in der japanischen Kultur noch eine wichtige Rolle spielen.</p>



<p>So sind sie z.&nbsp;B. ein fester Bestandteil des jährlichen Setsubun-Fests, bei dem Sojabohnen nach als Oni verkleideten Menschen geworden werden. Diese Tradition soll dazu dienen, das Böse zu vertreiben.</p>



<p>Aber auch in den modernen Medien, wie Manga, Anime und Videospielen haben die Oni einen Platz gefunden, wodurch sie schließlich ihre weltweite Bekanntheit erlangt haben.</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p><em>Was haltet ihr von den Oni? Kanntet ihr sie bereits? Wie hättet ihr an Kenjis oder Ryus Stelle auf ein solches Monster reagiert? Schreibt es in die Kommentare.</em></p>



<p><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni &#8211; die japanischen Oger</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/oni/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>12</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bloody Mary (überarbeitet)</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/bloody-mary</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/bloody-mary#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Nov 2020 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Bloody Mary]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hexe]]></category>
		<category><![CDATA[Hexen]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://geister-und-legenden.de/?p=169</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nach einem letzten tiefen Atemzug gab ich mir einen Ruck.<br />
„Bloody Mary, Bloody Mary, Bloody Mary“, presste ich Wort für Wort hervor, während mein Herz mir in die Hose rutschte.<br />
Dann wartete ich. Stille. Vorsichtig öffnete ich die Augen ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/bloody-mary">Bloody Mary (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/2457979d8d28491baf8e9c3796a9d697" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Bloody Mary war einer der vier Beiträge, mit denen ich meinen Blog gestartet habe. Daher habe ich mich entschieden, den Beitrag zu überarbeiten, bevor ich mich nächste Woche den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtslegenden</a> für dieses Jahr zuwende.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Es war ein warmer Sommerabend. Mein Freund Theo und ich saßen im Wohnzimmer in einer der Ferienwohnungen, die unser Abiturjahrgang für die Abschlussfahrt gebucht hatte.</p>



<p>Die anderen waren draußen beim Pool, in den anderen Wohnungen oder trieben sich sonst wo herum. Jedenfalls waren wir alleine, was wohl auch der Grund dafür war, dass Theo immer wieder versuchte, mir mein Top auszuziehen. Ich hielt ihn davon ab.</p>



<p>„Theo, lass das. Du bist betrunken!“, mahnte ich ihn.</p>



<p>Ich selbst trank nur selten Alkohol und muss gestehen, dass ich mir seit Beginn der Abschlussreise ziemlich fehl am Platz vorkam. Während die anderen tranken, kifften und teilweise noch härtere Drogen nahmen, saß ich nur daneben und sah zu. Dass Lilly – meine beste Freundin und das einzige Mädchen der Klasse, das Alkohol noch weniger mochte, als ich – krank Zuhause geblieben war, machte das Ganze nicht besser.</p>



<p>Plötzlich ertönte lautes Jubeln und Gegröle aus dem Flur. Ich wandte mich um, um zu sehen, wer es war. Lukas und seine Jungs – die „Coolen“ der Klasse – betraten das Wohnzimmer, dicht gefolgt von Laura, der größten Schlampe der Schule.</p>



<p>„Ah, Julia. Da bist du ja!“, sagte sie gespielt freundlich.</p>



<p>„Was willst du?“, fragte ich genervt. Ich konnte sie nicht ausstehen – und das beruhte auf Gegenseitigkeit.</p>



<p>„Ach nichts. Jakob hat uns da nur ein interessantes Video gezeigt“, erwiderte sie.</p>



<p>Ich erstarrte. Jakob? Er wird doch nicht …!?</p>



<p>„Du bist ja ganz schön rangegangen“, meldete sich Lukas zu Wort.</p>



<p>Jakob war mein Ex. Ich hatte damals mit ihm Schluss gemacht, als ich herausgefunden hatte, dass er uns heimlich im Bett gefilmt hat. Ich dachte jedoch, dass er alle Videos gelöscht hätte!</p>



<p>„Aber eins muss man dir lassen: Du hast geile Titten“, redete Lukas weiter, während er dämlich grinste.</p>



<p>Ich war wie gelähmt. Mir war heiß und kalt gleichzeitig. Ich konnte nicht einmal sagen, ob ich knallrot wurde oder meinem Gesicht sämtliche Farbe entwich.</p>



<p>Theo hob mich von seinem Schoß, damit er aufstehen konnte. Er schob seine Ärmel hoch, während er bedrohlich auf Lukas zuging. Doch obwohl Theo einen Kopf größer war, blieb Lukas völlig gelassen. Er hob warnend den Zeigefinger.</p>



<p>„Na, na, na. Wir wollen doch nicht, dass das Video im Internet landet.“</p>



<p>Das wirkte, Theo blieb wie angewurzelt stehen. Er sah mich an, als wollte er fragen, ob er zuschlagen solle. Ich schüttelte den Kopf.</p>



<p>„Was wollt ihr?“, wandte ich mich jetzt an Lukas. Meine Kehle fühlte sich ausgetrocknet an.</p>



<p>„Vielleicht können wir deine Brüste ja mal in echt sehen?“, antwortete er, während er mich von Kopf bis Fuß musterte. Sein Grinsen wurde breiter.</p>



<p>Ich sah, wie Theo seine Fäuste ballte.</p>



<p>Laura beachtete ihn nicht, während sie einen Schritt nach vorne tat. „Ich hab da eine bessere Idee“, sagte sie gehässig. „Erinnerst du dich noch an die achte Klasse?“</p>



<p>Ich starrte sie mit großen Augen an. Es gab nur eine Sache, auf die sie anspielen konnte:</p>



<p>In der achten Klasse waren Laura und ich beste Freundinnen gewesen. Wir hatten alles zusammen gemacht. Zumindest bis zu einem Wahrheit oder Pflicht Spiel, das wir bei einer Hausparty in Haus meiner Eltern gefeiert hatten. Ich war an der Reihe gewesen und Laura durfte mir eine Pflicht zuteilen. Sie befahl mir, das Bloody Mary Ritual durchzuführen.</p>



<p>Bis heute habe ich nicht verstanden, wieso sie das getan hatte. Sie wusste genau, dass ich an solche Dinge glaubte. Und so geben wir uns bis heute gegenseitig die Schuld daran, dass wir uns fürchterlich gestritten und ich alle Gäste nach Hause geschickt hatte.</p>



<p>„Du hast noch zehn Minuten.“ Lauras Worte rissen mich aus meiner Starre.</p>



<p>Panisch sah ich zur Uhr. Es war zehn Minuten vor Mitternacht. Sie wollet also tatsächlich, dass ich Bloody Mary beschwor.</p>



<p>„W-wir haben keine Kerzen!“, log ich.</p>



<p>Doch Laura grinste nur, während sie eine lange, weiße Kerze aus ihrer Handtasche zog. Ich spürte, wie mein Puls schneller wurde.</p>



<p>„Was ist los? Was soll Julia machen?“, fragte Theo verwirrt. Noch immer klang Wut in seiner Stimme mit.</p>



<p>„Bloody Mary, Bloody Mary, Bloody Mary“, antwortete Laura sie mit einem teuflischen Grinsen.</p>



<p>Das verwirrte Theo noch mehr. „Was?“, fragte er. „Das ist alles? Bloody Mary gibt es doch gar nicht. Das ist nur eine urbane Legende!“</p>



<p>„Sag das mal ihr“, erwiderte Laura und nickte in meine Richtung.</p>



<p>Theo sah mich kurz an, dann wieder Laura. „Mehr nicht? Wenn Julia bei eurer bescheuerten Mutprobe mitmacht, löscht ihr das Video?“</p>



<p>Ich war weniger erleichtert. Was, wenn Bloody Mary tatsächlich auftauchte? Andererseits hatte ich noch nie von jemandem gehört, dem bei dem Ritual tatsächlich etwas passiert ist. Und das Video durfte auf keinen Fall hochgeladen werden. Die Macht, die Laura dann über mich hätte …</p>



<p>„Okay, ich machs!“, sagte ich entschlossen. „Aber das Video wird danach gelöscht! Damit das klar ist!“</p>



<p>Meine Entschlossenheit schien Laura zu amüsieren. Sie lächelte mich an, als wolle sie sagen: „Du traust dich das eh nicht!“</p>



<p>Wenige Minuten später stand ich im Badezimmer. Die Kerze stand auf dem Waschbecken und ließ Lichter und Schatten über mein Gesicht tanzen.</p>



<p>Unwohl sah ich zu Theo hinüber, der mit den anderen vor der offenen Tür im Flur stand. Im schwachen Licht konnte ich ihn kaum erkennen.</p>



<p>„Noch eine Minute“, sagte Laura.</p>



<p>Sie stand direkt neben ihm. Lukas und die anderen Jungs standen hinter ihr und reckten die Hälse, um alles gut sehen zu können.</p>



<p>Ich schluckte. Kalter Schweiß klebte mir im Nacken.</p>



<p>Zweifel stiegen in mir auf. Sollte ich es wirklich riskieren? Wenn sie das Video veröffentlichte, könnte das nur mein Leben ruinieren. Wenn Bloody Mary hingegen real war, könnte es meinen Tod bedeuten. ‚<em>Sie ist nicht real. Sie ist nicht real!</em>‘, versuchte ich mir einzureden.</p>



<p>„Dreißig Sekunden!“</p>



<p>Ich spürte, wie mir schwindlig wurde. Ich war so angespannt, dass ich mich sogar daran erinnern musste, zu atmen. Gleichzeitig hämmerte mein Herz so laut in meiner Brust, dass ich kaum etwas anderes hörte. Bumm bumm, bumm bumm, bumm bumm.</p>



<p>„Zehn, neun, acht“, begann Laura herunterzuzählen. Alle außer Theo stimmten mit ein. „Sieben, sechs, fünf, …“ Mein Herz schien aus meiner Brust ausbrechen zu wollen. „Vier, drei, zwei, eins.“</p>



<p>Ich schloss meine Augen und merkte, wie mir Tränen über die Wangen rollte. Nach einem letzten tiefen Atemzug gab ich mir einen Ruck.</p>



<p>„Bloody Mary, Bloody Mary, Bloody Mary“, presste ich Wort für Wort hervor, während mein Herz mir in die Hose rutschte.</p>



<p>Dann wartete ich. Stille. Vorsichtig öffnete ich die Augen. Ich rechnete fest damit, dass jemand hinter mir stehen würde … doch da war niemand. Im flackernden Licht der Kerze blickten mir nur meine eigenen feuchten Augen entgegen.</p>



<p>Erleichtert sah ich zu den anderen.</p>



<p>„Pff, hätte ja nicht gedacht, dass du dich traust“, warf Laura ein. Sie klang enttäuscht.</p>



<p>Stolz stieg in mir auf, während ich mich vorbeugte, um die Kerze auszupusten.</p>



<p>„Ihr löscht das Video auf der Stelle. Damit das klar ist!“, forderte Theo.</p>



<p>„Ughhh, was auch immer. Deal ist Deal“, erwiderte Laura genervt.</p>



<p>Ich hörte den beiden jedoch nicht einmal zu. Als ich die Kerze auspusten wollte, hatte ich eine Bewegung im Spiegel wahrgenommen.</p>



<p>Langsam richtete ich mich auf, während ich ungläubig die Stelle im Spiegel anstarrte. Es war eine junge Frau. Ihr blutverschmiertes Gesicht und die langen dunklen Haare waren in der Dunkelheit kaum zu erkennen.</p>



<p>Gelähmt vor Angst sah ich, wie sie ihre Hände mit völlig gleichgültigem Gesichtsausdruck um meinen Kopf legte. Sie brachte ihre Fingernägel näher und näher an meine Augen. Jetzt hätten ihre Finger meine Sicht blockieren müssen, doch da war nichts. Ich sah die Frau nur im Spiegel.</p>



<p>Während ich den markerschütternsten Schrei meines Lebens ausstieß, machte die Frau eine ruckartige Bewegung mit ihren Händen. Das Kerzenlicht erlosch.</p>



<p>Gleichzeitig explodierte ein Schmerz in meinen Augen, der sich über mein gesamtes Gesicht ausbreitete – ein pochender, brennender Schmerz. Etwas Warmes lief meine Wangen hinunter.</p>



<p>Panisch trat ich in Richtung Tür, stolperet jedoch über den Badvorleger und klatsche schmerzhaft auf die kalten Fliesen.</p>



<p>„Licht! Schaltet das Licht an!“, flehte ich panisch, während ich weiterkroch. Ich musste aus dem Badezimmer raus!</p>



<p>Doch es blieb dunkel.</p>



<p>„Wo bleibt das Licht?“, kreischte ich noch panischer. Endlich hatte ich den Türrahmen erreicht.</p>



<p>„Das Licht ist doch an!“, sagte Theo laut. Auch in seiner Stimme klang Panik mit.</p>



<p>Um mich herum blieb es jedoch weiter dunkel.</p>



<p>Ich spürte, wie mich zwei kräftige Hände an den Armen packten und mich hochzogen, während mir Theos vertrauter Geruch in die Nase stieg.</p>



<p>Entsetztes Gemurmel wurde laut. Dann hörte ich ganz deutlich Lukas‘ Stimme: „O Gott, was ist mit ihren Augen passiert! Da ist überall Blut!“</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f-ogo_RGB_HEX-58.png" height="40" width="40" alt="Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter_Social_Icon_Square_Color.png" height="40" width="40" alt="Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Bloody Mary (englisch für „Blutige Mary“) ist eine sehr bekannte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> und Mutprobe. Es heißt, dass Bloody Mary einem erscheinen solle, wenn man ihr <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ritual</a> vor einem Spiegel ausführt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h3>



<p><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<p>Es gibt viele verschiedene Varianten des Bloody Mary Rituals. Die bekannteste Variante besagt, dass man sich um Mitternacht im Licht einer einzigen Kerze vor einen dunklen Spiegel stellen und dreimal hintereinander den Namen „Bloody Mary“ sagen muss.</p>



<p>Andere Versionen besagen, dass man den Namen 13-mal, 99-mal oder 100-mal sagen, die Kerze auspusten oder sich während des Sprechens im Kreis drehen soll.</p>



<p>Manchmal heißt es auch, dass man nicht den Namen, sondern Sätze wie „Bloody Mary, ich habe dein Kind gestohlen!“, „Bloody Mary, ich habe dein Kind getötet!“ oder „Ich glaube an Mary Worth!“ sagen muss.</p>



<p>Hat man das Ritual richtig durchgeführt, soll Bloody Mary im Spiegel erscheinen. Entweder soll sie hinter einem stehen, oder aber das eigene Gesicht soll aussehen, wie das der Bloody Mary oder blutverschmiert sein.</p>



<p>Weniger bekannt als das Ritual sind hingegen die Folgen. Die meisten Leute, die Bloody Mary erfolgreich beschworen haben, reden davon, dass sie lediglich im Spiegel aufgetaucht sei und sie beobachtet habe.</p>



<p>Andere Theorien und Berichte besagen hingegen, dass Bloody Mary einen angreife. So soll sie einem die Augen auskratzen, den gesamten Körper mit Kratzspuren übersähen, einen umbringen oder sogar in das Innere des Spiegels zerren, wo man auf Ewigkeit gefangen sei.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Dafür, dass so viele Leute Bloody Mary gesehen haben wollen, gibt es erstaunlich wenige Aussagen über ihr Aussehen.</p>



<p>Häufig ist von dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> eines Mädchen oder einer jungen Frau mit langen, meist dunklen Haaren und bleicher Haut die Rede. Es heißt oft – wenn auch nicht immer –, dass die Bloody Mary ein blutverschmiertes Gesicht habe. Das Blut kommt dabei entweder von einer oder mehrerer Wunden in ihrem Gesicht oder läuft aus ihren Augen wie Tränen.</p>



<p>Manchmal ist auch die Rede davon, dass ihre Kleidung blutverschmiert oder ihr Körper mit Kratzern übersäht sei.</p>



<p>Von der Art ihrer Kleidung, ihrer genauen Haarfarbe oder sonstigen Merkmalen wird hingegen fast nie gesprochen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Darüber, woher die Bloody Mary Legende kommt, ranken sich viele Gerüchte. Seit sie zu einer beliebten Mutprobe geworden ist, hat sie sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda, verschiedene Legenden und mehrere Filme auf der ganzen Welt verbreitet.</p>



<p>Der meiner Meinung nach wahrscheinlichste Ursprung ist eine alte Wahrsagetechnik, bei der eine Frau angeblich ihren zukünftigen Ehemann in einem Spiegel sehen konnte. Wenn die Frau jedoch unverheiratet sterben würde, sei statt ihrem Kopf im Spiegel ein Totenkopf erschienen. Bei der Wahrsagetechnik musste die einzige Lichtquelle ebenfalls eine Kerze sein.</p>



<p>Ein weiterer möglicher Ursprung ist Königin Maria I. von England (engl. Queen Mary I.), unter deren Herrschaft 300 Protestanten hingerichtet wurden. Daher verlieh man ihr den Spitznamen „Bloody Mary“. Abgesehen von dem Namen gibt es jedoch keine Gemeinsamkeiten mit dem Ritual.</p>



<p>Andere Leute behaupten, dass Bloody Mary zu Lebzeiten eine Frau gewesen sei, die auf grausame Weise ermordet wurde oder gar eine Hexe, die bei einer Hinrichtung starb. Da ihr Name jedoch je nach Version anders lautet – z. B. Mary Worth, Mary Wothington, Mary Jane oder Mary Lou – und es hierfür keine historischen Belege gibt, ist es wahrscheinlicher, dass dieser angebliche Ursprung erst nach der Entstehung der Legende erfunden wurde.</p>



<p>Aber auch wenn man nicht weiß, wer oder was Bloody Mary tatsächlich war, ändert es nichts daran, dass das Ritual noch heute eine beliebte Mutprobe Gruselgeschichte ist.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><em>Was haltet ihr von Bloody Mary? Würdet ihr euch trauen, das Ritual durchzuführen? Habt ihr es vielleicht schon einmal getan und tatsächlich etwas gesehen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/bloody-mary">Bloody Mary (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/bloody-mary/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>18</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Sallie House</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/sallie-house</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/sallie-house#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Oct 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Dämon]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Sallie House]]></category>
		<category><![CDATA[Spuk]]></category>
		<category><![CDATA[Spukhaus]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=1486</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Kennt ihr eigentlich die Geschichte dieses Hauses?“, fragte ich mit möglichst bedrohlicher Stimme.<br />
Ich war mir sicher, dass die beiden sie kannten. Trotzdem schwiegen sie und ließen mich die Legende erzählen ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/sallie-house">Das Sallie House</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/ca2646e4229244019a2fd2d0a998a96b" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Das Sallie House ist ein bekanntes Spukhaus in Amerika. Es soll, im Gegensatz zu vielen anderen bekannten Spukhäusern, wie z. B. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/das-blutende-haus" target="_blank" rel="noreferrer noopener">la maison qui saigne</a> in Frankreich, noch heute Schauplatz vieler paranormaler Ereignisse sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Nachdem ich die Haustür des Sallie Houses aufgeschlossen hatte, schlug mir sofort ein muffiger Geruch entgegen. Es roch nicht unangenehm, sondern einfach nur … alt.</p>



<p>„Wenigstens ist es drinnen warm“, wandte ich mich Grace und Aaron zu.</p>



<p>Dann betraten wir das Haus.</p>



<p>Nachdem wir unsere Rucksäcke und die Kühlbox neben die Treppe gestellt hatten, sahen wir uns um.</p>



<p>Obwohl ich es im Halbdunkel bereits erahnen konnte, pfiff ich laut aus, nachdem ich das Licht im Wohnzimmer eingeschaltet hatte. „Das sieht ja aus, wie in einem Horrorfilm!“</p>



<p>Die Wände waren mit weißer Tapete tapeziert, während der Boden mit einem dunklen grün-blauen Teppich ausgelegt war. Im Wohnzimmer standen einige alte Lampen mit hässlichen Stoffschirmen, ein Tisch mit Stühlen und ein abgenutztes Sofa herum. Durch einen großen Durchgang gelangte man ins Esszimmer, wo um einen leeren Holztisch vier alt aussehende Holzstühle mit dunklem Sitzpolster standen und direkt darüber eine kleine, helle Holzuhr an der Wand hing. Sie war stehengeblieben. Die einzigen Lampen im Raum waren eine kitschige Deckenlampe und eine weitere Stehlampe mit hässlichem Stoffschirm.</p>



<p>Und auch die anderen Räume sahen nicht besser aus: Die Küche und sogar das Badezimmer waren alt und völlig aus der Mode gekommen. Lediglich den Keller durfte man nicht betreten, weil es angeblich ‚zu gefährlich‘ war.</p>



<p>„Wie in einem Horrorfilm? Es sieht eher aus, wie bei meiner Oma“, warf Aaron ein.</p>



<p>Ich seufzte. Konnte er nicht einmal mitmachen?</p>



<p>„Lasst uns nachsehen, ob es oben genauso aussieht!“, schlug Grace aufgeregt vor. Meine Freundin hatte sich von Anfang an von meiner Idee begeistern lassen, eine Nacht in dem Haus zu verbringen.</p>



<p>Am unteren Treppenabsatz drückte sich Grace hinter mich.</p>



<p>„Hast du Angst?“, fragte ich mit einem breiten Grinsen.</p>



<p>Sie streckte mir die Zunge entgegen. „Jetzt geh schon, Joshua!“</p>



<p>Mein Grinsen wurde noch breiter.</p>



<p>Um für etwas Dramatik zu sorgen, ging ich die Treppe bewusst langsam hinauf. Fast jede Stufe knarrte bedrohlich unter meinen Füßen.</p>



<p>Ich hatte fast erwartet, dass es oben nicht sonderlich anders aussah, als unten, doch als ich über den oberen Treppenabsatz hinweggucken konnte, leuchteten meine Augen auf. Ich beschleunigte meine Schritte, bis ich oben war.</p>



<p>„Was ist?“, fragte Grace leicht irritiert.</p>



<p>Doch ich musste es nicht einmal beantworten.</p>



<p>„Oh!“, entfuhr es ihr.</p>



<p>Sie hielt sich zwar weiter hinter mir, schob mich aber ungeduldig nach vorne. Wir hatten das Kinderzimmer entdeckt.</p>



<p>Die Besitzer des Hauses hatten sich ganz schön ins Zeug gelegt: Überall auf dem Boden lagen Stofftiere, Puppen und Gummibälle verteilt, an einer Wand stand ein hölzerner Kinderwagen, in dem eine Babypuppe lag und in einer Ecke des Raumes standen mehrere Schaukelpferde herum. Zusammen mit einigen Kindermöbeln ergab sich der perfekte Schauplatz für das Spukhaus.</p>



<p>Ich konnte es immer noch nicht fassen. Wir waren im Sallie House – einem der bekanntesten Spukhäuser des Landes. Und das zu Halloween!</p>



<p>Doch meine Freude hielt nicht lange an. Unsere kleine Tour durchs Haus hatte maximal eine halbe Stunde gedauert und auch wenn die Atmosphäre gut war, hatten wir nichts Außergewöhnliches erlebt. Also setzten wir uns im Esszimmer an den Tisch und warteten … und warteten … und warteten.</p>



<p>Das Spannendste, was passierte, war, dass Aaron sich vor einigen Jugendlichen erschreckte, die schaulustig durch eines der Fenster starrten. Keine unerklärlichen Geräusche, keine seltsamen Stimmen, keine übernatürlichen Erscheinungen. Das war nicht das, was ich mir von dem ‚Haus, in dem es in den gesamten Vereinigten Staaten den meisten Spuk gibt‘, wie das Sallie House beworben wurde, erwartet hatte. Wofür hatten wir bitte die Verzichtserklärung unterschrieben, falls uns im Haus etwas passieren sollte?</p>



<p>Ich merkte, wie ich mit der Zeit immer genervter wurde. Hierauf hatten wir uns ein ganzes Jahr gefreut? Hatten pro Person 150 $ ausgegeben?</p>



<p>Aber ich versuchte, mich nicht so schnell entmutigen zu lassen. Zumindest wollte ich nicht sowohl schuld daran sein, dass wir viel Geld aus dem Fenster geworfen hatten, als auch daran, dass der Abend ruiniert war.</p>



<p>„Kennt ihr eigentlich die Geschichte dieses Hauses?“, fragte ich also mit möglichst bedrohlicher Stimme.</p>



<p>Ich war mir sicher, dass die beiden sie kannten. Trotzdem schwiegen sie und ließen mich die Legende erzählen.</p>



<p>„Es heißt, dass vor über 100 Jahren ein Doktor in diesem Haus gelebt haben soll. In einer regnerischen Nacht klopfte unerwartet eine Frau an seine Tür, da ihre Tochter Sallie plötzlich mit starken Schmerzen zusammengebrochen sei – ihr Blinddarm war geplatzt. Der Doktor wusste, dass sie keine Zeit hatten, sie in ein Krankenhaus zu bringen und trug sie schließlich in einen kleinen Operationsraum genau in diesem Haus. Da er jedoch kein Narkosemittel zur Hand hatte, zwang er die Mutter dazu, ihre Tochter festzuhalten. Er operierte sie bei lebendigem Leibe. Doch Sallie überlebte die Operation nicht. Das letzte, was sie in ihrem kurzen Leben erlebte, war, wie ein fremder Mann sie auf einen Tisch gelegt und zu Tode gefoltert hatte. Und es heißt, dass Sallies Geist noch heute in diesem Haus ihr Unwesen treibt.“</p>



<p>Als ich fertig war, sah ich, dass sich Grace unauffällig im Haus umsah. Meine Stimmung hob sich etwas. Sie kannte die Geschichte noch nicht!</p>



<p>Aaron hingegen sah weniger überrascht, sondern eher nachdenklich aus.</p>



<p>„Was?“, fragte ich neugierig. Hatte er eine Theorie zu der Geschichte?</p>



<p>Doch er sollte mir bloß die nächste Enttäuschung des Abends bringen. „Nun, das ist so nicht ganz richtig. Man hat sehr detaillierte Aufzeichnungen über das Haus. Und obwohl im 19. Jahrhundert tatsächlich ein Doktor in diesem Haus gewohnt hat, gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass er im Haus Operationen durchgeführt hat, geschweige denn unter seiner Hand ein kleines Mädchen hier gestorben sei. Um genau zu sein, ließ sich kein einziges Mädchen namens Sallie finden, deren Tod man mit diesem Haus in Verbindung bringen konnte.“</p>



<p>Ich sah ihn verwirrt an. „Aber die Geschichte stand auf der Seite, wo ich das Haus für die Nacht heute gemietet habe!“, widersprach ich.</p>



<p>Aaron zuckte mit den Schultern. „Eine Marketingstrategie. Ein Spukhaus mit einer solchen Hintergrundgeschichte verkauft sich halt besser …“</p>



<p>„Das ist doch scheiße!“, fluchte ich und sprang auf. „Am Ende spukt es hier nicht einmal. Aber selbst wenn: So langweilig, wie der Geist hier ist, ist es eher ein alter Sack, der den ganzen Tag nichts tut, als ein junges Mädchen!“ Ich sprach bewusst laut, in der Hoffnung, irgendeine Reaktion zu bekommen. Als es jedoch im gesamten Haus ruhig blieb, stapfte ich durch das Wohnzimmer zurück in den Flur, wo ich durch die Eingangstür nach draußen verschwand.</p>



<p>Ich lehnte mich an eine Backsteinsäule und zündete mir eine Zigarette an. Dann sah ich die Straße entlang. Fast alle anderen Häuser waren irgendwie dekoriert. Kürbislaternen, Skelette, künstliche Spinnweben, Hexen und Grabsteine zierten die Vorgärten und Hauswände. Im Vergleich sah das Sallie House trostlos, fast schon langweilig aus.</p>



<p>Auch waren überall Eltern mit ihren Kindern unterwegs, die von Tür zu Tür gingen. Ein Kind war sogar schon auf dem Weg zu mir, bis die Mutter es panisch am Arm packte und von dem Haus wegzerrte, als würde hier ein Kinderschänder wohnen. Hier in der Gegend schien jedenfalls jeder die Geschichte des Sallie Houses zu kennen.</p>



<p>Ich hörte, wie sich hinter mir die Tür öffnete.</p>



<p>„Hey“, sagte Grace.</p>



<p>„Hey“, erwiderte ich.</p>



<p>„Bist du sicher, dass das eben eine gute Idee war?“, fragte sie.</p>



<p>Ich sah sie fragend an.</p>



<p>„Den Geist zu beleidigen …“, fügte sie hinzu.</p>



<p>„Welchen Geist?“, erwiderte ich verärgert. „Mir ist heute noch keiner über den Weg gelaufen. Man hat uns um unser Geld betrogen. Das ist alles, was passiert ist!“</p>



<p>Sie kuschelte sich an mich. „Jetzt schmoll doch nicht gleich. Die Nacht ist noch jung.“</p>



<p>Ich grummelte nur und gab ihr den Rest meiner Zigarette.</p>



<p>Nachdem sie einige Züge genommen hatte, trat sie sie am Boden aus. „Komm. Lass uns wieder reingehen. Selbst wenn nichts mehr passieren sollte, können wir uns trotzdem einen schönen Abend machen!“</p>



<p>Sie hatte recht. Ich durfte mich davon nicht unterkriegen lassen!</p>



<p>Händchenhaltend schlenderten wir zurück ins Wohnzimmer, wo Aaron uns sofort mit einem erhobenen Finger andeutete, leise zu sein. Er stand leicht gebückt und lauschte an der Wand.</p>



<p>„Was ist?“, flüsterte ich ihm zu.</p>



<p>Er stand noch einen Moment regungslos da, bis er sich schließlich wieder aufrichtete. „Ich habe eben ein Kratzen in der Wand gehört!“</p>



<p>„Echt?“, fragte Grace begeistert. Sie strahlte mich an.</p>



<p>Ich war jedoch weniger optimistisch. Selbst wenn Aaron das nicht nur sagen sollte, um mich aufzumuntern, gab es noch viele andere logische Erklärungen. „Das ist eine Außenwand. Vielleicht war es nur irgendein Tier oder was weiß ich. Ein Kratzen reicht jedenfalls nicht aus, um mich von dem Spuk zu überzeugen.“ Ich ging zu unserer Kühlbox. „Jemand ein Bier?“</p>



<p>Das war der Punkt, an dem der bisher doch eher enttäuschende Abend endlich eine Wendung nahm. Von irgendwelchen Geistern war zwar weiterhin nichts zu sehen, doch der Alkohol, die schaurige Atmosphäre und unsere Unterhaltungen hoben meine Stimmung immens. Auch, wenn ich hierfür am liebsten keine 150 $ ausgegeben hätte, rückte der Gedanke daran immer weiter in den Hintergrund, je später es wurde.</p>



<p>Wir waren gerade in ein Gespräch über seltsame Halloweenkostüme vertieft – Grace erzählte davon, wie eine Bekannte von ihr sich einmal als menschengroße Damenbinde verkleidet hatte –, als ich aufstand.</p>



<p>„Ich geh mal schnell für kleine Joshuas“, sagte ich. Dann wandte ich mich dem Raum zu und breitete herausfordernd die Arme aus. „Hörst du, Geist? Ich markiere mein Revier. In deinem Haus!“ Anschließend ging ich, leise über meinen kleinen Scherz lachend, weiter zur Toilette.</p>



<p>Ich war gerade dabei, mich zu erleichtern, als plötzlich ein Klopfen von der Tür hinter mir kam.</p>



<p>„Was denn?“, fragte ich laut.</p>



<p>Doch ich bekam keine Antwort, stattdessen ging das Klopfen weiter.</p>



<p>„Wenn du mal musst, geh nach oben oder warte zehn Sekunden!“, sagte ich leicht genervt.</p>



<p>Doch selbst, als ich meine Hose geschlossen und die Spülung betätigt hatte, ging das Klopfen weiter.</p>



<p>„Versteh schon, der Geist. Ha-ha, sehr witzig!“, sagte ich sarkastisch, während ich die Türklinke runter drückte. Als ich die Tür öffnete, stand Grace vor mir.</p>



<p>„Alles in Ordnung? Mit wem redest du?“, fragte sie.</p>



<p>„Mit dir, wie es aussieht“, erwiderte ich.</p>



<p>„Nein“, widersprach sie. „Wir haben dich reden gehört, also bin ich hergekommen, um nachzusehen, ob alles gut ist.“</p>



<p>„Du hast nicht an der Tür geklopft?“, fragte ich überrascht.</p>



<p>Grace schüttelte den Kopf. „Nein.“</p>



<p>Verunsichert sah ich zurück zur Tür. Ich schloss sie und rüttelte leicht daran, doch das Geräusch war anders, als eben.</p>



<p>Jetzt wandte ich meinen Blick der Kellertür zu. Konnte es sein …? Aber nein. Wahrscheinlich hatte Grace an die Tür geklopft und dann auf unschuldig getan. Sie hatte gemerkt, wie sehr ich mich geärgert hatte, und wollte mich etwas aufmuntern!</p>



<p>Ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren, ging ich zurück zu Aaron. Grace folgte mir, woraufhin wir unsere Unterhaltung bald fortsetzten.</p>



<p>Als wir langsam müde wurden, breiteten wir unsere Schlafsäcke im Wohnzimmer aus. Aaron legte seinen Schlafsack auf das Sofa und Grace und ich unseren Doppelschlafsack auf den Boden daneben. Es war nicht sonderlich bequem, aber definitiv aushaltbar.</p>



<p>Da die Fenster in Richtung Straße keine Vorhänge oder Jalousie hatten, schienen die Straßenlaternen schwach zu uns herein. Das wenige Licht, die ungewohnte Umgebung und die altmodische Einrichtung, trieben mir einen Schauer über den Rücken.</p>



<p>Während ich leicht fröstelte, musste ich wieder an das Kratzen und das Klopfen denken. Was, wenn das doch nicht bloß Aufmunterungsversuche waren? Hätten Grace und Aaron überhaupt versucht, mich auf die Weise aufzumuntern? Was, wenn …</p>



<p>„Au!“, schrie ich auf. „Pass mit deinen Fingernägeln auf!“</p>



<p>„Huh? Ich hab dich nicht einmal berührt“, erwiderte Grace verwirrt.</p>



<p>Im Halbdunkel sah ich, wie sich kleine Blutstropfen entlang der Schramme an meinem Unterarm bildeten.</p>



<p>„Es blutet sogar!“, sagte ich.</p>



<p>Jetzt schaltete Aaron die Stehlampe neben seinem Sofa ein. „Was ist los?“</p>



<p>„Nichts. Grace hat mich nur gekratzt.“</p>



<p>„Hab ich nicht!“, protestierte sie.</p>



<p>Ich hielt meinen Arm so, dass die beiden es sehen konnten. „Und wer war das dann? Der Geist?“, scherzte ich.</p>



<p>Doch mein dämliches Grinsen sollte mir sofort wieder vergehen, als ein zweiter, stärkerer Schmerz durch meinen Unterarm fuhr.</p>



<p>Ungläubig beobachtete ich, wie sich ein zweiter Kratzer nur wenige Zentimeter von dem ersten entfernt, wie durch Geisterhand an meinem Arm bildete … Wobei das Wort „Geisterhand“ wahrscheinlich mehr als nur zutreffend war! Blut lief sofort aus der Wunde.</p>



<p>„Scheiße! Das habt ihr doch auch gesehen, oder?“, fragte ich panisch, während ich die mit der Hand versuchte, die Blutung zu stoppen und mich panisch aus dem Schlafsack wühlte.</p>



<p>Ich zog mir meine Hose über, griff nach meinen anderen Sachen und rannte aus dem Haus. Es dauerte nicht einmal eine Minute, bis Grace und Aaron mir mit den restlichen Sachen folgten.</p>



<p>„Fuck! Was war das?“, fluchte Grace.</p>



<p>Keiner von uns antwortete.</p>



<p>Während wir auf der anderen Straßenseite standen und die Schlafsäcke zusammenrollten, sah ich ängstlich zu dem Sallie House zurück. Es kam mir vor, als würde es mich mit seinen dunklen Fenstern beobachten.</p>



<p>„Lasst uns den Schlüssel zurückgeben und dann nichts wie weg hier!“, beschloss ich.</p>



<p>Eines war jedenfalls klar: Ein Spukhaus würde ich so schnell nicht mehr betreten!</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f-ogo_RGB_HEX-58.png" height="40" width="40" alt="Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter_Social_Icon_Square_Color.png" height="40" width="40" alt="Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Das Spukhaus:</h2>



<p>The Sallie House (Englisch für „Das Sallie Haus“) ist ein bekanntes und sehr umstrittenes Spukhaus in Kansas, USA. Es ist nach einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> benannt, der im 20. Jahrhundert dort gesichtet worden sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Haus:</h3>



<p>Das Sallie House steht an der 508 North 2nd Street in Kansas, USA.</p>



<p>Obwohl es häufig heißt, dass das Haus um die Jahrhundertwende von 1899 auf 1900 gebaut worden sei, weisen Aufzeichnungen darauf hin, dass das Haus tatsächlich im Jahre 1867 gebaut wurde.</p>



<p>Seit 2004 steht das Haus außerdem leer, wurde jedoch Paranormalforschern zugänglich gemacht. Außerdem werden Rundführungen angeboten und Leute können sogar für 125 bis 150 $ pro Person eine Nacht in dem Haus verbringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Legende:</h3>



<p>Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> nach, soll in dem Haus früher ein Doktor gewohnt haben, der – je nach Version – seine eigene Tochter oder die Tochter eines Hilfesuchenden wegen eines geplatzten Blinddarms im Haus operiert haben soll.</p>



<p>Das Mädchen soll die Operation jedoch nicht überlebt haben und auf dem Operationstisch gestorben sein.</p>



<p>Einige Versionen gehen sogar so weit, zu behaupten, dass das Mädchen während der Operation aufgewacht und unter schlimmen Schmerzen verstorben sei oder der Doktor bei ihr gar kein Narkosemittel verwendet habe.</p>



<p>In der Legende hieß das Mädchen Sallie.</p>



<p>Doch obwohl es allerlei Aufzeichnungen über das Haus, deren Besitzer und die Vergangenheit gibt und sogar einige Doktoren dort gelebt haben, hat sich diese Geschichte nie bestätigen lassen. Es scheint also tatsächlich nichts anderes, als eine Legende zu sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sallie:</h3>



<p>Bekanntheit erlangte das Sallie House erst Mitte der 1990er Jahre, als das Ehepaar Debra und Tony Pickman mehrere übernatürliche Phänomene erlebt haben – darunter auch die Erscheinung eines 7-jährigen Mädchens.</p>



<p>Als sie ein Medium zur Hilfe riefen, erklärte sie, dass der Geist Sallie heiße.</p>



<p>Im Laufe ihrer Nachforschungen sind die Pickmans schließlich auf die vor ihnen in dem Haus lebende Familie Humbard gestoßen. Heather, die Tochter der Humbards, hatte zu der Zeit, in der sie in dem Haus lebte, eine imaginäre Freundin, die ebenfalls Sallie hieß. Als die Pickmans ihr eine Zeichnung des Mädchens zeigten, bestätigte Heather, dass es sich um ihre imaginäre Freundin handle.</p>



<p>Wie sich später herausstellte, gab es in dem Haus tatsächlich einmal ein Mädchen, das den Spitznamen Sallie trug: Sarah „Sallie“ Margaret Mize, die 1948 in dem Haus gelebt hat. Dass es sich bei ihr um den Geist des kleinen Mädchens handelt, ist jedoch sehr unwahrscheinlich, da sie heute noch lebt.</p>



<p>Eine andere Theorie besagt, dass es sich bei dem Mädchen um Sallie Isabel Hall handele, die im Jahre 1905 verstorben ist. Da sie jedoch schwarz war und als erwachsene Frau gestorben ist, dürfte sie als Kandidatin für den von Heather Humbard und den Pickmans als weißes Mädchen beschriebenen Geist ebenfalls nicht in Frage kommen.</p>



<p>Eine andere Sallie, die jung gestorben ist und mit dem Haus in Verbindung gebracht werden kann, ist nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Weitere Zwischenfälle:</h3>



<p>Neben dem harmlosen – wenn auch manchmal Streiche spielenden – Geistermädchen namens Sallie, gab und gibt es jedoch noch andere Vorkommnisse in dem Haus.</p>



<p>Dazu gehören andere, weniger harmlose Erscheinungen von Geistern und <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämonen</a>, unerklärliche Stimmen oder Geräusche (z. B. ein Kratzen oder ein Klopfen) oder das Gefühl, nicht alleine zu sein. Viele dieser Vorkommnisse sind jedoch erst nach der Eröffnung des Hauses als Touristenattraktion entstanden – wobei man immer bedenken muss, dass einige Leute eine lebhaftere Fantasie haben, als andere.</p>



<p>Aber es gibt auch einige Vorkommnisse, die sich nicht mit der bloßen Fantasie der Besucher erklären lassen. So sollen Fotoapparate und Handykameras sich manchmal von selbst auflösen oder Akkus sich unnatürlich schnell entladen.</p>



<p>Wesentlich interessanter finde ich hingegen die – meiner Meinung nach glaubwürdigeren – Zwischenfälle vor 2004, wo man über die Jahre einige Zusammenhänge erkennt:</p>



<p>So gab es einige mysteriöse Brände, die keine natürliche Ursache zu haben schienen. Die meisten von ihnen sind zwar lediglich von den Erzählungen der Pickmans bekannt, es gab jedoch auch vorher bereits ein Feuer ohne erkennbare Ursache im Kinderzimmer im Jahr 1958, sowie einen angeblich unerklärlichen Brand einiger Vorhänge. Interessant ist hierbei auch, dass die meisten Brände mit Kinderspielzeug oder dem Kinderzimmer zu tun hatten.</p>



<p>Neben Sallie soll es außerdem noch den Geist einer Frau in dem Haus geben, den Tony Pickman gesehen haben will. Sie soll sehr viel aggressiver als Sallie gewesen sein und ihm sogar sichtbare Kratzer zugefügt haben. Außerdem war sie einer der Gründe, warum die Pickmans nach nur zwei Jahren wieder aus dem Sallie House ausgezogen sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Anmerkung:</h3>



<p>Die enorme Bekanntheit und die inzwischen eher fragwürdige Nutzung des Hauses als überteuerte Touristenattraktion, haben dem Ruf des Sallie Houses einiges an Schaden zugefügt. Hinzu kommt, dass der 2009 gedrehte Dokumentarfilm <em>The Sallie House – Gateway to the Paranormal</em> mit allerlei Spekulation, Gerüchten und bewiesenen Falschaussagen (wie z. B. der Geschichte über dem Doktor) um sich wirft.</p>



<p>Das alles hat – zusätzlich zu der generellen Skepsis am Paranormalen – dazu geführt, dass sowohl Leute, die an das Paranormale glauben, als auch Leute, die davon nicht überzeugt sind, das Haus für eine reine Touristenattraktion halten und die Forschungen in dem Haus nicht mehr ernst nehmen.</p>



<p>Ich persönlich finde das sehr schade, weil ich zwar der Meinung bin, dass Skepsis im paranormalen Bereich durchaus sinnvoll ist und man nach logischen Erklärungen suchen sollte, die eventuellen tatsächlichen paranormalen Aktivitäten im Haus jedoch durch den geschädigten Ruf bei vielen Leuten kaum bis gar keine Beachtung mehr finden.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><em>Was haltet ihr vom Sallie House? Denkt ihr, dass es dort wirklich spukt oder glaubt ihr nicht an so etwas? Würdet ihr eine Nacht dort verbringen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/sallie-house">Das Sallie House</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/sallie-house/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>8</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
