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	<title>Spuk Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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	<title>Spuk Archive - Geister und Legenden</title>
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		<title>The Hairy Hands of Dartmoor – Sie sind in deinem Auto!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Dann plötzlich schnallte Samuel sich bei voller Fahrt ab. Er rollte das Fenster runter. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände!“, schrie er in die Dunkelheit. „Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-hairy-hands-of-dartmoor">The Hairy Hands of Dartmoor – Sie sind in deinem Auto!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f43959949ce843a69b5e6769e0e4fd82" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">The Hairy Hands of Dartmoor ist eine Legende aus England. Sie handelt von einem Phänomen, das bereits zu diversen Auto- und Motorradunfällen auf der B3212 geführt haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sonne näherte sich bereits dem Horizont, als wir durch Dartmoor fuhren. Mein Mann Samuel war früher oft hier gewesen. Er hatte in der Nähe in einer Autowerkstatt gearbeitet. Für mich hingegen war es mein erster Besuch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Beifahrerfenster war halb heruntergelassen. Ich hielt mein Gesicht in den Fahrtwind. Gleichzeitig beobachtete ich einige Schafe, die auf den grünen Wiesen herumtollten, sich in die Schatten der wenigen Bäume drängten oder genüsslich am Grasen waren. Es war ein wirklich schöner Sommertag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war aber nicht der Grund, warum wir hier waren. Zumindest war es nicht der Grund, warum Samuel hier war. Er wollte mir oder vielleicht auch sich selbst etwas beweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor er damals aus der Gegend weggezogen war, hatte er einen Autounfall gehabt. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen – ihm war nichts passiert und die Versicherung sprang für den größten Schaden ein –, hätte es sich nicht um das Auto eines Kunden gehandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie eine Autowerkstatt darauf reagiert, wenn ein Angestellter bei einer Testfahrt ein Kundenauto zu Schrott fährt. Und wenn besagter Angestellter dann auch noch behauptet, es sei ein paranormales Phänomen gewesen, das ihn von der Straße gedrängt habe …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Läuft die Kamera, Katie?“, fragte Samuel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. Dann drehte ich mich zum Rücksitz, um die Kamera einzuschalten. Wir hatten sie so angebracht, dass sowohl mein Mann als auch das Lenkrad gut auf dem Bild zu sehen waren. Gerade das Lenkrad war Samuel sehr wichtig gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kamera läuft“, erklärte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was darauf folgte, waren die wohl langweiligsten Stunden meines Lebens. Am Anfang genoss ich es noch, beobachtete weiter die Felder, sah dem Himmel dabei zu, wie er sich langsam rot färbte und dann allmählich dunkel wurde. Aber wenn man mehrere Stunden dieselben 4 Meilen auf der B3212 zwischen Postbridge und Two Bridges hin und her und hin und her und hin und her fuhr, wurde selbst die schönste Natur irgendwann langweilig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch unser Gesprächsstoff war uns schon lange ausgegangen, weshalb wir nur noch schweigend nebeneinandersaßen und um die Wette gähnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht sollten wir langsam in den Gasthof fahren“, schlug ich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Samuel blieb stur. „Bitte, Katie, nur noch ein paar Mal. Irgendwann müssen diese verdammten Hände doch auftauchen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oh. Stimmt. Das hatte ich ja noch gar nicht erzählt. Der Grund, warum mein Mann hier war. Es geht um die sogenannten Hairy Hands of Dartmoor. Sie sollen auf der B3212, auf der wir nun schon seit Stunden auf und abfuhren, ihr Unwesen treiben. Dabei handelt es sich um zwei geisterhafte Hände, die angeblich plötzlich an den Lenkrädern von Autos oder den Lenkstangen von Motorrädern auftauchen, die die B3212 entlangfuhren. Sie kämpften mit den Fahrzeugführenden um die Kontrolle über den Lenker, bis das Fahrzeug in den meisten Fällen verunglückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch das Gesicht von Samuels Chef also sicher vorstellen, als er das als „Ausrede“ für seinen Unfall nannte. Und auch mein Gesicht war wohl nicht besser gewesen. Aber Samuel beharrte seit dem Vorfall darauf, dass er die Wahrheit gesagt habe.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schafe waren inzwischen in ihre Nachtruhe übergegangen. Sie schreckten nicht einmal auf, wenn wir mit dem Auto direkt an ihnen vorbeifuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss schon sagen, dass die Straße sehr eng war. Und auch die zahlreichen Hügel, wie der, den wir gerade hinauffuhren, schränkten deutlich die Sicht ein. Bis man an der Spitze war, hatte man keinerlei Einblicke auf eventuelle Hindernisse oder den Gegenverkehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders hinterlistig war die Stelle, der wir uns jetzt näherten. Direkt hinter dem Hügel war eine scharfe Linkskurve, die auf eine einspurige Brücke führte. Wenn man hier nicht aufpasste, konnte das sicher schnell zu einem Unfall führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn man die Gegend kannte, aufmerksam blieb und sich an die 40 Meilen pro Stunde – etwa 64 km/h –, hielt, war die Strecke eigentlich unbedenklich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Moment achtete ich aber gar nicht mehr auf die Straße. Ich hatte meinen Kopf an die Scheibe gelehnt und betrachtete gelangweilt den Sternenhimmel, den ich vorhin noch als atemberaubend bezeichnet hatte. Aber auch ihm wurde ich inzwischen überdrüssig. Gerade würde ich auf jeden Fall nichts lieber tun, als mir die Beine zu vertreten, ehe ich mich mit einer Tasse Tee oder vielleicht einem kalten Bier in irgendein gemütliches Etablissement setzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warum passiert denn nichts?“, schimpfte Samuel leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das</em> fragte ich mich allerdings auch. Wieso gab er es nicht endlich auf?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich schnallte Samuel sich bei voller Fahrt ab. Er rollte das Fenster runter. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände!“, schrie er in die Dunkelheit. „Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu allem Überdruss trat er auch noch das Gaspedal voll durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wurde nach hinten in den Sitz gedrückt. „Samuel! Fahr langsamer!“, schrie ich ihn an, während ich mich mit der linken Hand an der Autotür und der rechten im Sitz festkrallte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber mein Mann dachte gar nicht daran. Er donnerte mit über 150 Sachen über den Asphalt. Bei einigen Hügeln kam es mir sogar so vor, als würden die Reifen den Boden verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte Todesangst. Und auch ein Auto, das uns entgegenkam, fuhr fast in den Graben. Es war wie wild am Hupen, während wir daran vorbeirasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei jedem Hügel und jeder kleinsten Kurve sah ich mein Leben an mir vorbeiziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zum Glück dauern 4 Meilen mit 150 km/h nicht sonderlich lange. Nach etwa zwei Minuten purem Adrenalinrausch wurde Samuel endlich langsamer. An der gewohnten Stelle setzte er zum Wenden an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Halt an!“, kreischte ich jetzt. „Halt sofort den Wagen an!“ Ich klammerte mich noch immer im Auto fest. Mein Herz raste. Meine Atmung ging so stoßweise, dass ich Angst hatte, nicht genug Sauerstoff zu bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück hörte Samuel diesmal auf mich. Noch bevor er den Wagen ganz gehalten hatte, schnallte ich mich ab, öffnete die Autotür und stieg mit zittrigen Knien aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was machst du?“, fragte Samuel laut. „Katie, wo willst du hin?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich geh zurück zum Hotel!“, schrie ich ihn an. „Aber zuerst brauch ich ein kaltes Bier, um meine Nerven zu beruhigen!“ Mit noch immer zittrigen Beinen stapfte ich am Wegesrand entlang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Samuel holte mich ein. Er fuhr in Schrittgeschwindigkeit neben mir her. „Katie, es tut mir leid“, entschuldigte er sich. „Bitte. Steig wieder ein. Wir fahren zusammen zurück zum Hotel. In einer normalen Geschwindigkeit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur zögerlich stieg ich zurück in sein Auto. Aber tatsächlich hielt er sich daran. Es dauerte nicht lange, bis wir mit je einem kühlen Bier im Barbereich unseres Hotels saßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was hast du dir dabei eigentlich erhofft?“, fragte ich. „Wie ein Wahnsinniger über die Straße zu brettern. Selbst, wenn wir mal annehmen, dass die Hände echt wären …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie sind echt!“, unterbrach er mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gut. Selbst, wenn die Hände echt sind, was hättest du dann getan, wenn sie dir ins Lenkrad gegriffen hätten? Den Unfall hätten wir beide nicht überlebt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin wurde Samuel sehr still. „Tut mir leid“, sagte er leise. „Ich hab nicht nachgedacht.“ Er nahm einen großen Schluck von seinem Bier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber während unsere Stimmung am Anfang noch angespannt war, wurden wir mit steigendem Alkoholpegel immer lockerer. Wir waren nicht wirklich betrunken, aber das Bier half uns, zumindest etwas besser drauf zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hättest damals dabei sein müssen!“, erklärte er. „Ich hab mega Schiss gehabt, als da plötzlich diese Hände an dem Lenkrad waren!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste allerdings noch immer nicht, ob ich ihm glauben sollte. Normalerweise schwieg ich darüber, aber heute machte mich das Bier etwas leichtsinniger. „Und das hatte sicher nichts damit zu tun, dass du eine Testfahrt in einem Sportwagen machen solltest und etwas schnell gefahren bist?“, hakte ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was willst du damit sagen?“ Samuel sah fast wütend aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja … wäre es nicht vielleicht … ganz eventuell … theoretisch möglich, dass du dich geirrt hast?“, fragte ich. „Vielleicht war es auch ein Sekundenschlaf. Kann man dabei träumen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Samuel wollte davon nichts hören. „Sag mal, spinnst du jetzt?“, fuhr er mich an. „Bisher konnte ich mich wenigstens immer auf dich verlassen. Auf meine eigene Frau. Wieso fällst du mir jetzt in den Rücken?“ Wütend sprang er auf und ging Richtung Ausgang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Baby! So war das nicht gemein!“, rief ich ihm nach. „Warte doch!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber er wurde nicht einmal langsamer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch kramte ich einige Scheine aus meinem Portemonnaie und drückte sie dem verdutzten Mann an der Bar in die Hand. Dass ich dabei ein etwas zu großzügiges Trinkgeld gab, war mir im Moment egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell rannte ich Samuel nach. Er war aber nicht auf dem Weg in unser Zimmer, wie ich erst gedacht hatte, sondern ging nach draußen zu den Parkplätzen. Er wird doch nicht …?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sprintete ihm hinterher nach draußen. Tatsache: Samuel saß wieder am Steuer seines Autos. Der Motor lief bereits.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Samuel, Stopp!“, schrie ich ihn an. „Du bist betrunken! So darfst du nicht fahren!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gut. Betrunken war vielleicht das falsche Wort. Aber er war auf alle Fälle angetrunken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch entweder hörte mein Mann mich nicht, oder er wollte mich nicht hören. Er warf mir bloß einen fast schon genervten Blick zu, ehe er mit quietschenden Reifen zurück Richtung B3212 losraste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war das letzte Mal, dass ich Samuel lebend gesehen hatte. Wir waren in einem Streit auseinandergegangen. Innerhalb der nächsten Minuten baute er einen tödlichen Unfall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht, woran es lag. Daran, dass er aufgebracht Auto fuhr, oder am Alkohol. Vielleicht sogar eine Mischung aus beidem. Ich gab mir die Schuld. Und es sollte noch viele Jahre dauern, bis ich mir verzeihen konnte. Warum hatte ich damals nicht einfach die Klappe gehalten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war zumindest, bis ich mir die Aufnahmen von jenem Abend noch einmal ansah. Es war ein sentimentaler Moment. Ich wollte meinen Ehemann wiedersehen. Also sichtete ich diverse Stunden Filmmaterial und unzählige SD-Karten, die ich je während der Fahrt ausgetauscht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tränen rannen mir über die Wangen, als ich den Moment noch einmal erleben musste, als Samuel die Beherrschung verlor. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände! Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ die folgenden Minuten im Schnelldurchlauf über den Monitor laufen, wollte nicht noch einmal sehen, wie wir uns stritten, ehe er uns zur Kneipe fuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich gerade dachte, die Aufnahme sei zu Ende, folgte völlig unerwartet ein weiteres Bild. Es zeigte Samuel, der die Kamera einschaltete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammtes Drecksding, geh an!“, grummelte er. Er klang angetrunken. „Geht doch.“ Dann wandte er sich wieder der Straße zu. Ohne sich anzuschnallen – diesmal hatte er es wahrscheinlich wirklich vergessen – fuhr er los. Es folgte die vertraute Strecke, die ich heute bereits unzählige Male gesehen hatte. Obwohl … Bei der Dunkelheit sah ich die Straße kaum. Es gab dort keine Straßenlaternen, weshalb das einzige Licht Samuels Scheinwerfer waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Auto fuhr viel zu schnell. Irgendwann geriet Samuel von der Straße ab. Kurz darauf überschlug sich das Auto mehrere Male. Die Kamera löste sich aus der Halterung und die Aufnahme brach ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte jetzt jedoch mit gerunzelter Stirn auf den Bildschirm, hatte nicht einmal weggesehen, als mein Mann den tödlichen Unfall baute. War da gerade …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell spulte ich zurück bis kurz vor dem Unfall. Ich drückte auf Play. Diesmal pausierte ich aber, kurz bevor Samuel von der Straße abkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig starrte ich das Standbild an. Dort, direkt neben Samuels eigener, befand sich eine zweite linke Hand am Lenkrad. Sie hatte keinen Arm, an dem sie befestigt war. Außerdem war sie unglaublich haarig.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Hairy Hands of Dartmoor (Englisch für „Die Haarigen Hände von Dartmoor“), manchmal auch „The Hairy Hands of Devon“ oder nur „Hairy Hands“ genannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> aus Dartmoor, einem Nationalpark in Devon, England.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende zufolge soll, besonders im 20. Jahrhundert, ein Paar haarige körperlose Hände zu mehreren Auto- und Motorradunfällen in der Gegend geführt haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt zwei Arten von Begegnungen mit den Hairy Hands of Dartmoor. Bei der einen sind die Hände unsichtbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sind die Hairy Hands hingegen sichtbar, so soll es sich laut Augenzeugen um eine oder zwei große haarige Hände handeln, die körperlos an dem Lenker, Lenkrad oder der Scheibe erscheinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall werden sie als menschlich oder menschenähnlich beschrieben, ich habe aber auch einen Augenzeugenbericht gelesen, in dem es hieß, dass sich zwei haarige Pfoten um den Lenker gelegt hätten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Hairy Hands of Dartmoor entstanden sein sollen, unterscheidet sich je nach Version der Legende. Bei meiner Recherche habe ich drei Versionen gefunden, die wohl sehr geläufig sein sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Version sollen die Hairy Hands selbst der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> eines Verunglückten sein, der auf derselben Straße, wo sie erscheinen, gestorben sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der zweiten Version handele es sich bei ihnen um den Geist eines (meist geisteskranken) Häftlings, der im nahegelegenen His Majesty’s Prison Dartmoor gestorben sein soll. Das HMP Dartmoor war eine der ältesten Haftanstalten Englands, ehe es im Jahr 2024 geschlossen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dritte Version der Legende bezieht sich hingegen auf eine Pulverfabrik, von denen es einige in Dartmoor gab. Angeblich sei es darin eines Tages zu einer Explosion gekommen, bei der einer der Arbeiter gestorben sei. Es seien nur seine großen haarigen Hände übriggeblieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hairy Hands of Dartmoor tauchen fast ausschließlich während der Fahrt in einem Auto oder auf einem Motorrad auf. Es gibt aber auch zwei Berichte, bei denen sie bei einem stehenden Fahrzeug gesehen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie während der Fahrt auftauchen, sollen sie jedenfalls dem Fahrenden ins Lenkrad bzw. den Lenker greifen und versuchen, ihn von der Straße abzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei gab es verschiedene Berichte von unsichtbaren Händen, die am Lenker gezerrt haben, aber auch von sichtbaren haarigen Händen, die plötzlich am Lenkrad oder über den Händen der Fahrenden aufgetaucht sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald man es schafft, das Fahrzeug anzuhalten, oder einen Unfall baut, sollen die Hände wieder spurlos verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll es vorkommen können, dass das Fahrzeug beim Erscheinen der Hände plötzlich beschleunigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt gibt es darüber hinaus mindestens zwei Berichte, in denen die Hände bei einem stehenden Fahrzeug aufgetaucht sind. Mehr dazu erfahrt ihr unter Ursprung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">The Hairy Hands of Dartmoor sollen ausschließlich im Nationalpark Dartmoor auftauchen. Fast alle Berichte erzählen davon, dass sich die Vorfälle auf der B3212 zugetragen haben sollen, besonders im Abschnitt zwischen Postbridge und Two Bridges.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste bekannte Begegnung mit den Hairy Hands of Dartmoor passierte im Juni 1921. Damals fuhr Dr. Ernest Hasler Helby, ein Doktor im nahegelegenen Gefängnis HMP Dartmoor, am Abend mit seinem Motorrad die B3212 entlang, als er plötzlich von der Straße abgekommen ist. Im Beiwagen des Motorrads saßen seine beiden jungen Töchter. Seinen Töchtern zufolge habe er auf einmal angefangen, über die Kontrolle mit dem Lenker zu kämpfen, woraufhin er sie anschrie, dass sie abspringen sollen. Dr. Helby hat den Unfall nicht überlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch im selben Jahr gab es zwei weitere unerklärliche Unfälle. Bei einem hat ein Busfahrer die Kontrolle über seinen Bus verloren – angeblich habe es sich so angefühlt, als würde jemand den Lenker beiseite reißen –, bei dem anderen soll ein Motorradfahrer die Kontrolle verloren haben. Die Person auf dem Soziussitz (dem „Rücksitz“ eines Motorrads) berichtete, dass sie eine große haarige Hand am Lenker gesehen habe, während der Fahrer um die Kontrolle kämpfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend sollen mehrere Zeitungsartikel über die Vorfälle veröffentlicht worden sein. Es soll sogar einen Artikel in einer Londoner Zeitung gegeben haben. So haben die Hairy Hands of Dartmoor schließlich nationale Bekanntheit erreicht. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis es weitere angebliche Vorfälle gab. Die meisten von ihnen liefen ähnlich ab, wie die bisherigen Unfälle. Auch heutzutage soll es noch zu solchen Vorfällen kommen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zwei Fälle bei stehenden Autos:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Ereignisse stechen jedoch hervor: 1924 soll ein campendes Ehepaar in der Gegend eine Begegnung mit den Hairy Hands gehabt haben, jedoch nicht während der Fahrt. Die Ehefrau ist nachts wach geworden, soll eine haarige Hand am Wohnwagenfenster gesehen haben, die laut ihrer Aussage, ihr und ihrem Mann etwas Böses antun wollte. Sie machte ein Kreuzzeichen mit den Fingern und die Hand sei verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein ähnlicher Fall trug sich 1962 zu, als eine Frau auf der Straße anhielt, um auf die Karte zu sehen. Als sie von der Karte aufsah, habe sie zwei haarige Hände gesehen, die sich von außen an ihre Windschutzscheibe gepresst hätten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Erklärungsversuche:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gibt es auch viele nicht-übernatürliche Erklärungsversuche, wieso es zu den zahlreichen Unfällen auf der B3212 gekommen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum einen hat die Straße zwei scharfe Kurven, die gerade Touristen und ortsfremde Personen häufig unterschätzen (es ist sogar möglich, dass es früher noch mehr Kurven gab, bis die Straße irgendwann ausgebessert wurde). Sie fahren zu schnell auf der engen, nicht beleuchteten Straße, weshalb es zu den zahlreichen Unfällen käme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Erklärungsversuch hat mit dem Zustand der Straße zu tun, der nicht an allen Stellen optimal sei. Straßenschäden, Hubbel und Absenkungen im Asphalt sollen auf der B3212 keine Seltenheit gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschwerend kommt zu diesen beiden Erklärungen hinzu, dass es aufgrund der Landschaft in Dartmoor oft Nebel gibt, der die Sicht auf die Straße beeinträchtigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Hinweis, dass einer oder wahrscheinlich eine Kombination dieser Faktoren tatsächlich Schuld an den vermehrten Unfällen sein dürfte, ist, dass die Unfälle nach einigen Reparaturen und Ausbesserungen der Straße deutlich abgenommen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings erklärt natürlich nichts hiervon die optische Erscheinung der haarigen Hände, von denen viele Verunglückte berichtet haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Hairy Hands of Dartmoor in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt einen 12-minütigen Kurzfilm namens „The Hairy Hands“ (2010), geschrieben und produziert von Ashley Thorpe, der von der Legende handelt. Ich würde ihn allerdings fast schon als Kunstfilm einordnen, aufgrund der Art, wie er gedreht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus gibt es die „Audio Experience“ Hairy Hands FM, die ihr selbst mit eurem Smartphone und einem Paar Kopfhörer erleben könnt. Ich würde jedoch nicht unbedingt sagen, dass ich sie empfehlen kann, da sie meiner Meinung nach weder sonderlich gut gemacht noch in irgendeiner Weise akkurat in Bezug auf die tatsächliche Legende ist. Falls ihr trotzdem etwa 20 Minuten eurer Zeit dafür opfern wollt, findet ihr sie <a href="https://chronicinsanity.itch.io/hairy-hands-fm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es diverse YouTube-Videos und Podcasts, die sich mit der Legende beschäftigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Auftritte der Hairy Hands of Dartmoor in Filmen, Serien oder Videospielen sind mir jedoch nicht bekannt. Solltest du irgendetwas in die Richtung kennen, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Hairy Hands of Dartmoor? Glaubt ihr, an der Legende könnte etwas dran sein? Oder sind eher die Straßenlage und Fehler von den Fahrzeugführenden schuld? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Einige Tage später hingegen sollte ich merken, dass die Ereignisse vielleicht doch keinen so natürlichen Ursprung hatten. Es war mitten in der Nacht. Ich lag im Bett und war fest am Schlafen, als mich Stimmen weckten …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/c45ee185287846f594dcb1e69ba274d2" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Poltergeister gehören zu einer der wohl bekanntesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geisterarten</a> der Welt. Dabei sind echte Berichte von dem Phänomen vergleichsweise selten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich wollte ich heute meine interaktive Geschichte veröffentlichen. Aber da ich leider wieder ein wenig übertreiben musste und die Geschichte jetzt schon deutlich länger als die interaktive Geschichte von letztem Jahr geworden ist, muss ich sie leider noch etwas verschieben. Stattdessen habe ich einen alten Beitrag für euch überarbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Also dann, Ms. Harris. Hier haben Sie die Schlüssel und hier meine Visitenkarte. Nur für den Fall, dass Sie das Haus wieder verkaufen möchten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß noch, wie ich mich über die Formulierung der Maklerin gewundert hatte. <em>Falls Sie das Haus wieder verkaufen möchten.</em> Vielleicht sollte es nur Werbung sein. Vielleicht hoffte sie, dass ich jemanden kenne, der eine Immobilie zu verkaufen hat. Aber warum hatte sie es dann nicht so formuliert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Danke“, nahm ich die Schlüssel entgegen. Die Karte hingegen lehnte ich ab. „Ich denke nicht, dass ich das Haus so schnell wieder loswerden möchte. Es ist einfach perfekt. Die Lage, der Garten, und dann auch noch der Preis.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Maklerin nickte, schenkte mir aber ein gequält aussehendes Lächeln. „Nur für den Fall“, sagte sie dann und steckte die Karte in meinen Briefkasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah der kleinen Frau mit gerunzelter Stirn nach, zuckte jedoch nur mit den Schultern, ehe ich mich meinem neuen Zuhause zuwandte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sollte aber nur ein paar Wochen dauern, bis ich anfing zu verstehen, warum die Maklerin ihre Karte dagelassen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn waren die Vorfälle noch harmlos. Einige Male stand eine Schublade oder Schranktür plötzlich offen. Da dachte ich noch, dass sie vielleicht defekt seien oder ich sie lediglich vergessen hatte. Und auch, als einige Türen von allein zuknallten, machte ich noch einen unbemerkten Durchzug dafür verantwortlich. Das Haus war halt alt. Da konnte es schonmal ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Tage später hingegen sollte ich merken, dass die Ereignisse vielleicht doch keinen so natürlichen Ursprung hatten. Es war mitten in der Nacht. Ich lag im Bett und war fest am Schlafen, als mich Stimmen weckten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen Moment, bis ich merkte, dass sie nicht aus meinem Traum, sondern aus der Wirklichkeit kamen. Schlagartig war ich wach. Ich setzte mich auf und sah erschrocken ins Zimmer. Da sah ich, dass es mein Fernseher war. Er war angegangen, zeigte irgendeinen alten Westernstreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irritiert griff ich nach der Fernbedienung auf meinem Nachttisch und schaltete ihn aus. Jetzt wieder in Dunkelheit gehüllt, rutschte ich langsam wieder unter die Bettdecke. Ich starrte die dunkle Zimmerdecke an. Wieso war der Fernseher mitten in der Nacht einfach angesprungen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich tanzten Lichter über die Decke. Die Stimme von John Wayne drang an meine Ohren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was zum …?“, fragte ich in den Raum, während ich mich wieder aufsetzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fernseher war wieder an. Erneut griff ich nach der Fernbedienung, diesmal ohne die Augen von dem Gerät zu nehmen. Ich drückte den Ausschalter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder war ich in Schwärze gehüllt. Diesmal legte ich mich jedoch nicht wieder hin. Ich blieb verwundert im Bett sitzen und starrte in die Dunkelheit Richtung Fernseher, unfähig, eine logische Erklärung für das spontane Einschalten zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann, noch ehe ich die Augen von dem Gerät genommen hatte, war er plötzlich wieder an. Und nicht nur das: Ich sah die Lautstärkeanzeige, wie sie langsam nach oben stieg. Wayne brüllte jetzt seine Worte. Ein Revolverknall hallte durch das Zimmer, als wäre wirklich eine Waffe abgefeuert worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich nicht wusste, was ich anderes tun soll, sprang ich aus dem Bett. Ich rannte zum Fernseher, griff nach dem Kabel und riss es aus der Wand. Jetzt war wieder alles still.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend ging ich zurück ins Bett. Ich zermarterte mir das Hirn, was hier gerade passiert war. Und so dauerte es eine ganze Weile, bis ich endlich einschlief. Die restliche Nacht blieb es ruhig.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag musste ich noch immer an die seltsamen Vorkommnisse aus der Nacht denken. Zuerst dachte ich, ich hätte es vielleicht nur geträumt, aber nein. Der Fernseher war wirklich nicht mehr angeschlossen. Ich hatte keine Ahnung, was da passiert war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also tat ich, was ich in solchen Situationen immer tue. Ich nahm mein Handy zur Hand und rief meinen Vater an. Er hatte immer für alles eine Erklärung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sophia, wie geht es dir?“, meldete sich die vertraute Stimme. „Hast du dich gut eingelebt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Pops“, begrüßte ich ihn. „Es geht so. Letzte Nacht ist was Komisches passiert. Mein Fernseher ist ein paarmal angegangen.“ Ich schilderte ihm die Situation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Vater überlegte einen Augenblick. „Es gibt Universalfernbedienungen“, erklärte er mir. „Wenn man die richtige Frequenz kennt, kann man damit fast jedes Gerät einschalten. Kann es sein, dass ein Nachbar dich nicht leiden kann? Vielleicht gefällt jemandem nicht, dass eine schwarze Frau in die Gegend gezogen ist. Es gibt rassistische Arschlöcher, die zu allen Mitteln greifen würden, um uns loszuwerden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuchte, meinem Vater zu erklären, dass meine Nachbarn mit meiner Hautfarbe kein Problem hatten, auch die mexikanische Familie gegenüber sich gut mit allen verstand, aber es war zu spät. Pops hatte bereits zu seinem Vortrag angesetzt, dass ich mich davon nicht unterkriegen lassen dürfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber darüber wunderte ich mich nicht. Mein Vater war nicht mehr der Jüngste. Während ich mich hauptsächlich mit Alltagsrassismus rumschlagen musste und hier und da einen blöden Spruch abbekam, hatte er noch ganz andere Zeiten kennengelernt. Und so ließ ich seinen Vortrag über mich ergehen, versprach ihm, dass ich mich nicht vertreiben lassen würde, ergänzte, dass ich ihn liebhabe, und legte schließlich auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür hatte ich jetzt meine Antwort: Es könnte eine Universalfernbedienung gewesen sein. Und nur, weil meine Nachbarn keine Rassisten waren, hieß das ja nicht, dass die Nachbarsjungen mir keine Streiche spielen würden. Fürs Erste gab ich mich also mit der Theorie zufrieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so ignorierte ich weiterhin die Schranktüren, die sich wie von Geisterhand öffneten, die Türen, die von allein auf- oder zugingen und sogar das Licht, das gelegentlich flackerte. Zumindest tat ich das, bis ich eines Abends in der Küche stand und mir eine Scheibe Brot schmierte. Ich war gerade dabei, Margarine auf dem Brot zu verstreichen, da hörte ich ein leises Quietschen hinter mir: <em>Iiieeeek.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell drehte ich mich um. Dabei konnte ich gerade noch sehen, wie sich das Regal, in dem meine Teller standen, langsam öffnete. Als ich jedoch darauf zuging, um es wieder zu schließen, ließ mich ein leises Schaben in der Bewegung innehalten. Es klang völlig gleichmäßig. Und dann sah ich es: Einer der Teller schob sich langsam, als würde ihn jemand herausziehen, aus dem Schrank heraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit offenem Mund stand ich da, während der Teller aus dem Schrank stürzte, zu Boden fiel und dort in unzählige Scherben zerbarst. Erst bei dem Aufprall machte ich einen Satz zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig starrte ich auf die Scherben. Was zur Hölle war da gerade passiert? Das war nicht möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich nicht wusste, was ich anderes tun sollte, holte ich einen Besen. Ich fegte die Scherben mühsam auf eine Kehrschaufel, ehe ich damit nach draußen ging, um sie dort im Müll zu entsorgen. Ich kam jedoch nicht weiter als bis vor die Haustür. Dort angekommen blieb ich abrupt stehen. Fast hätte ich die Schaufel mitsamt Scherben fallengelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Achtzehn Augen starrten mich aus meinem Garten heraus eindringlich an. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Gartenzwerge. Die kleinen Kerlchen waren einfach zu drollig. In diesem Moment jedoch war sämtliche Sympathie für sie gewichen. Normalerweise standen sie im Vorgarten verteilt, sodass sie aussahen, als würden sie sich unterhalten oder der Gartenarbeit nachgehen. Jetzt jedoch standen alle neun Zwerge so, dass sie jede Person anstarrten, die das Haus verließ – in diesem Moment also mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war schneller wieder drinnen, als ich zugeben möchte. Die Scherben würde ich morgen entsorgen, wenn es draußen wieder hell war. Für alles andere lagen meine Nerven gerade zu blank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich nach dem Abendbrot im Bett lag, konnte ich mal wieder nicht schlafen. Ich nahm mein Handy zur Hand und durchforstete das Internet nach irgendeiner Erklärung für das alles. Klar, mit einer Universalfernbedienung konnte man den Fernseher erklären und auch die Gartenzwerge hätte jede beliebige Person in meinem Vorgarten umstellen können, aber die Türen? Und der Teller? Es musste dafür irgendeine Erklärung geben!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider ergab meine Suche nicht viel. Jedenfalls ging ich nicht davon aus, dass ein Erdbeben den Teller bewegt haben konnte. Einen vorbeifahrenden Zug gab es in der Region auch nicht. Und von den wirren Poltergeist-Theorien, über die ich las, wollte ich gar nicht erst anfangen. Ich glaubte nicht an das Paranormale. Zumindest noch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ließ ich mit einem frustrierten Seufzen den Kopf aufs Kissen fallen. In dieser Nacht verfiel ich in unruhige Träume.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen verging kein einziger Tag mehr, an dem nichts Merkwürdiges in meinem neuen Haus geschah. Aber das Problem war nicht, dass diese Dinge passierten. Ob ihr es glaubt oder nicht irgendwann gewöhnt man sich daran, dass Sachen plötzlich woanders liegen, dass Türen sich von allein öffnen und schließen, dass das Licht an- oder ausgeht. Das Problem war nicht einmal, dass die Phänomene häufiger wurden. Nein, das Problem war, dass sie immer intensiver wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß noch, wie ich einen Tag aus der Dusche kam und das Wort „LEAVE!“ auf meinem beschlagenen Badezimmerspiegel geschrieben sah. Zwar gibt es eine einfache Möglichkeit, solche Worte auf Spiegeln zu erzeugen, wie ich im Internet herausfand – es reichte zum Beispiel aus, sie mit Reinigungsalkohol auf den unbeschlagenen Spiegel zu schreiben, damit die Worte nach der nächsten heißen Dusche auftauchten –, aber außer mir war niemand in meinem Haus gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da noch die Visitenkarte. Als ich den Spiegel mit meinem Handtuch abwischen wollte, entdeckte ich die Karte der Maklerin auf dem Waschbeckenrand. Ich war mir sicher, dass sie vor meiner Dusche noch nicht dagelegen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht hatte mein Vater ja recht. Vielleicht war es wirklich ein Nachbar, der mich loswerden wollte. Aber in mein Haus einbrechen? Sich in mein Badezimmer schleichen, während ich duschte? Das ging nun wirklich zu weit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht sollte ich mir Überwachungskameras für das Haus holen. So wüsste ich nicht nur, wer in meinem Haus hier sein Unwesen trieb, ich hätte auch noch Beweise, die ich der Polizei vorlegen konnte. Wer auch immer das war, würde bald schon lernen, dass er sich mit der Falschen angelegt hatte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">So weit kam es jedoch nie. Ich hatte den Gedanken gerade zu Ende gedacht, da hörte ich plötzlich ein lautes Schaben aus dem Stockwerk über mir – dem Dachboden. Es klang so, als ob jemand einen schweren Gegenstand über den Boden rücken würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh nein! So nicht, Freundchen!“, schimpfte ich, während ich zur Treppe rannte. Ich nahm zwei Stufen auf einmal. Das Holz knarrte unter meinen Füßen, während ich dem schabenden Geräusch immer näherkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte, dass meine Hand zitterte, während ich nach dem metallenen Türknauf griff. Ich nahm all meinen Mut zusammen. Dann drehte ich den Knauf und stieß die Tür mit aller Kraft auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie schon so oft die letzten Wochen, erstarrte ich jetzt. Ich sah, wie einige Umzugskartons wie von Geisterhand über den Boden schleiften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem letzten verzweifelten Versuch, eine logische Erklärung für all das zu finden, rannte ich zu einem der Kartons. Ich kippte ihn auf die Seite, untersuchte seine Unterseite und den Fußboden, öffnete ihn und leerte seinen Inhalt vor mir aus. Aber da war nichts – nichts, das den Karton hätte bewegen können. Das war physikalisch unmöglich!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Mundwinkel zuckte. Ich richtete mich auf. „Wer oder was auch immer du bist, das ist mein Haus!“, rief ich. „Und ich will, dass du mich auf der Stelle in Ruhe lässt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">War es nicht das, was man mit Geistern machen sollte? Sie zum Gehen auffordern? Oder würde ich ihn damit nur provozieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Überraschung war es plötzlich um mich herum still. Kein schleifendes Geräusch mehr, keine sich bewegenden Kisten. Hatte es funktioniert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es war nur die Ruhe vor dem Sturm. Ein plötzliches Klappern hinter mir ließ mich herumfahren. Ein Stuhl, der in einer Ecke stand, zitterte wie verrückt. Dann, völlig unerwartet, hob er vom Boden ab. Er schwebte in der Luft, nur wenige Zentimeter über dem Boden, als würde eine unsichtbare Person ihn hochheben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment flog der Stuhl in meine Richtung. Normalerweise hatte ich gute Reflexe, doch in diesem Moment war ich zu überfordert, um überhaupt zu reagieren. Der Stuhl traf mich mit voller Wucht. Das Holz der Rückenlehne schlug an meinen Kopf, ehe die gepolsterte Sitzfläche mich an der Brust traf und zu Boden schleuderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen kurzen Moment wurde mir schwarz vor Augen. Ich lag benommen da, als ich plötzlich ein Knarren vernahm. Die schwere Kommode über mir kippte in meine Richtung. Ich riss schützend die Arme hoch. Aber auch das würde nichts bringen. Die Kommode war so schwer, dass selbst die beiden Männer vom Umzugsunternehmen Schwierigkeiten gehabt hatten, sie die Treppen hinauf zu bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte! Warte!“, kreischte ich panisch. „Du hast gewonnen!“ Was auch immer hier passierte, ich hatte nicht vor, heute von einer Kommode zerquetscht zu werden. „Du hast gewonnen“, wiederholte ich. „Ich ziehe aus. Das möchtest du doch, oder?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kommode hielt in der Bewegung inne. Sie stand jetzt nur noch auf zwei Beinen, schwebte bedrohlich über mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich such mir noch heute ein Motel. Direkt morgen ruf ich die Maklerin an. Dann bist du mich los!“, flehte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte mein Herz bis in meinen Hals pochen. Mit noch immer weit aufgerissenen Augen starrte ich die Kommode an. Wenn der Poltergeist, oder was auch immer es war, sie jetzt losließ, würde ich das nicht überleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann kippte die Kommode. Sie kippte jedoch nicht in meine Richtung. Nein. Sie kippte von mir weg. Mit einem lauten Knall landete sie wieder auf ihren vier Beinen. Danach war es ruhig. Der Spuk war zu Ende. Ich hatte verloren, aber ich lebte. Jetzt musste die Maklerin nur noch einen neuen Käufer finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnerte mich an ihre Worte. „Nur für den Fall, dass Sie das Haus wieder verkaufen möchten.“ Sie wusste es. Sie hatte es die ganze Zeit gewusst. Und auch beim nächsten Käufer würde sie es wieder wissen …</p>



<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Poltergeister sind eine Art Geist oder Spukerscheinung. Aber obwohl sie eine der bekanntesten Geisterarten sind, sind Berichte von Poltergeistphänomenen relativ selten – sofern man von den zahlreichen gefakten Videos einmal absieht, die im Internet kursieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall manifestieren sich Poltergeister nicht in einer sichtbaren Gestalt. Sie sind somit eines der wenigen übernatürlichen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>, das kein eigenes Aussehen besitzen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Ausnahme besteht, sofern die Poltergeistphänomene mit anderen Geistererscheinungen, Telepathie oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämonen</a> in Verbindung gebracht werden. In diesen Fällen wird dem „Poltergeist“ das Aussehen des anderen Wesens oder der telepathisch begabten Person zugeschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Theorien bzw. Arten, wie ein Poltergeist entstehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gibt es den „klassischen“ Poltergeist, der als Geist oder Dämon ein Haus oder eine Person heimsucht und die paranormalen Phänomene verursacht. Der Grund hierfür kann u. a. eine starke emotionale Bindung zwischen dem Geist und dem Ort/der Person sein, eine aus dem Ruder geratene Séance oder schwarze Magie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anders verhält es sich hingegen mit der Theorie, dass Poltergeistphänomene durch einen Menschen verursacht werden. Ich meine hierbei nicht, dass ein Mensch die Phänomene faket – das kommt natürlich auch sehr oft vor –, sondern dass er die Objekte unbewusst bewegt, z. B. durch telekinetische Kräfte. Tatsächlich war diese meist von sexistischen Motiven geprägte Theorie besonders früher sehr verbreitet. Ihr zufolge wird die unbewusste Telekinese durch eine Mischung aus Stress und Hysterie von meist jungen Frauen oder weiblichen Teenagern ausgelöst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie plausibel Letzteres in euren Ohren klingt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich bin aber ein größerer Fan der Geist/Dämon-Theorie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Poltergeister können auf sehr verschiedene Weisen in Erscheinung treten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig beginnen die Phänomene sehr harmlos – ein kleiner Gegenstand, der plötzlich woanders liegt, ein leises Klopfen, flackernde Lichter oder Lichtschalter, die sich von selbst betätigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seltenen Fällen bleibt es bei diesen kleineren Ereignissen, im Normalfall steigern sich die paranormalen Phänomene jedoch mit der Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So kann es im weiteren Verlauf zum Beispiel dazu kommen, dass auch größere Gegenstände oder Möbel bewegt werden oder umkippen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normal sind auch Tassen oder Teller, die plötzlich durch die Luft fliegen, als wären sie geworfen worden, oder Schubladen und Türen, die sich von selbst öffnen oder schließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es Berichte von lautem durchgehendem Klopfen, Lichtflackern, elektronischen Geräten, die plötzlich an oder ausgehen, von selbst wechselnden Fernsehprogrammen und Geräuschen wie Stimmen, undeutlichem Geflüster oder unmenschlichen Schreien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In besonders schweren Fällen soll es sogar zu plötzlichem Feuer ohne erkennbare Ursache oder schwebenden Möbeln und Personen gekommen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau wie die Art der Ereignisse kann auch die Zeitspanne, über die sie passieren, sich von Fall zu Fall stark unterscheiden. In einigen Fällen dauert es nur wenige Wochen, bis sie wieder aufhören, in anderen mehrere Monate bis hin zu Jahren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Poltergeister sind fast immer innerhalb von Gebäuden anzutreffen. Davon abgesehen können sie überall auf der Welt vorkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Kulturen sind sie unter anderem anderem Namen bekannt und auch die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legenden</a> um die Ereignisse können verschieden sein, aber das Grundprinzip bleibt immer dasselbe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den genauen Ursprung der Poltergeister lässt sich nur schwierig etwas sagen. Es gibt verschiedenste Poltergeister in allen möglichen Kulturen – mal sind es Geister, mal Kobolde, Hexen, Menschen mit telekinetischen Kräften, Dämonen, Yōkai oder völlig andere Wesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Poltergeister, wie wir sie aus europäischen und amerikanischen Erzählungen kennen, könnten hingegen ihren Ursprung in Deutschland haben, worauf die Tatsache hindeutet, dass „poltergeist“ als Wort für die Phänomene auch in anderen Sprachen übernommen wurde – so ist im Englischen z. B. von „poltergeists“ die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber egal, aus welcher Region der Glaube an „unsere“ Poltergeister ursprünglich kommen mag, so ist der Ursprung doch relativ eindeutig: Die Menschen haben sich früher alle möglichen Dinge ausgedacht, um scheinbar unerklärliche Vorkommnisse zu erklären. Götter, die den Sonnenwagen über den Himmel ziehen, Geister, die in den Polarlichtern tanzen oder eben Poltergeister, die Geräusche ohne erkennbaren Ursprung erklären sollen – ein Glaube, der sich bis heute hartnäckig gehalten hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Realität kommen die Geräusche oft bloß von arbeitendem Holz, Tieren, die sich in oder hinter der Wand befinden oder alten Rohren, aber auch das tut der Fantasie der meisten Menschen keinen Abbruch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch, wenn sich die meisten Poltergeistaktivitäten auf ebensolche natürliche Ursachen oder schlichten Betrug, um Aufmerksamkeit zu erregen, zurückführen lassen, so gibt es doch einige historische Fälle von Poltergeistern, die sich bis heute nicht logisch erklären lassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Poltergeister in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle komme ich natürlich nicht drum herum, die Poltergeist-Filmreihe, bestehend aus „Poltergeist“ (1982), „Poltergeist 2 – Die andere Seite“ (1986), „Poltergeist 3 – Die dunkle Seite des Bösen“ (1988) sowie der Neuauflage „Poltergeist“ (2015), zu erwähnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es eine Die drei ???-Folge namens „Poltergeist“ von 1997, die von vermeintlichen Poltergeistphänomenen im Haus einer älteren Dame handelt. (Dabei handelt es sich übrigens um eine meiner Lieblingsfolgen. :D)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und natürlich gibt es den bekannten Horrorfilm „Conjuring 2“ (2016), der den berühmten echten Fall des Enfield-Poltergeists behandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Fernsehserien und Filme wie z. B. die Horrerserie „Poltergeist – die unheimliche Macht“ (1996-1999), den Dokumentarfilm „Enfield Poltergeist“ (2023) oder die 11-teilige Trash-Horrorfilmreihe „American Poltergeist“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was denkt ihr über Poltergeister? Glaubt ihr, dass diese Phänomene übernatürlich sein können? Oder gibt es für euch immer eine logische Erklärung? Wie würdet ihr die Phänomene erklären? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>Tsukumogami – Monster sind real!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als wir fast mit dem letzten Zimmer fertig waren – es war bereits Sonntagnachmittag – entdeckte ich jedoch den kaputten Papier-Regenschirm wieder. Zumindest dachte ich erst, dass er es sei. Er stand in der hintersten Ecke des Raumes, völlig unscheinbar an die Wand gelehnt.<br />
Langsam, fast schon vorsichtig ging ich auf ihn zu. „Das ist seltsam“, sagte ich. „Ich hätte schwören können, dass ich den Regenschirm letztes Wochenende schon einmal entsorgt habe …"</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/02ea5e58dcfb432fac64b734ec28e975" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Tsukumogami behandelt endlich wieder einen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Yōkai</a>. Mir ist ehrlich gesagt nicht einmal aufgefallen, dass meine letzte japanische Legende schon 9 Monate her war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür hat die heutige Geschichte mit schnuckeligen 4.448 Wörtern deutliche Überlänge. Ich hoffe, sie gefällt euch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß neben Kichiro in dem kleinen weißen Transporter, den wir vorhin in Tokio gemietet hatten. Die Natur war grün, die Sonne schien und unsere Playlist schallte aus den Boxen, während wir die engen und kurvigen Straßen entlangfuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir näherten uns unserer neuen Heimat. Shizuka-Mura war ein kleines Dorf, nur etwa zwei Stunden von Tokio entfernt. Einsam, fast unbedeutend stand es am Fuß eines Berges. Ohne den Arbeitskollegen von Kichiro, der uns auf das verschlafene Örtchen aufmerksam gemacht hatte, hätten wir es wahrscheinlich nie entdeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er wusste jedoch, dass wir gemeinsam ein Haus kaufen wollten. Auch hatte er mitbekommen, dass wir uns bereits nach einigen Akiyas umgesehen hatten. So nennt man die zahlreichen leerstehenden Häuser, die in den ländlichen Gegenden Japans zu finden sind. Meist kann man sie zu spottbilligen Preisen erstehen, da sie langsam am Zerfallen sind. Und wenn ich spottbillig sage, meine ich spottbillig: Die Häuser inklusive Grundstück fangen teilweise schon bei umgerechnet 300 bis 400 Euro an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Haus, für das wir uns dank des Kontakts des Arbeitskollegen letztendlich entschieden hatten, war mit seinen 2,5 Millionen Yen, etwa 15.500 Euro, zwar etwas teurer, aber der Zustand war mehr als nur überzeugend. Klar mussten wir noch einiges an Geld in die Renovierung stecken, zum Beispiel mussten wir die komplette Elektrik sowie die Leitungen erneuern lassen, aber vieles konnten wir tatsächlich selbst erledigen. Immerhin hatte ich in den zehn Jahren, in denen ich in Deutschland als Handwerker gearbeitet hatte, einiges gelernt. Außerdem war das Haus trocken, weder von Schimmel noch von Termiten befallen und selbst die meisten Möbel und Tatami-Matten waren in einem noch durchaus brauchbaren Zustand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ich in Deutschland für den Preis so ein Haus gefunden hätte, hätte ich Angst gehabt, dass es darin spukt“, hatte ich scherzhaft zu Kichiro gesagt, nachdem ein Gutachter uns einen groben Überblick über die anfallenden Kosten gegeben hatte. Dass ich mit der Aussage ins Schwarze getroffen hatte, hätte ich mir jedoch nicht träumen lassen. Wir hatten den Kaufvertrag noch am selben Abend unterzeichnet.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich hatten wir das Dorf erreicht. Wir fuhren durch enge, teilweise baufällige Straßen, sodass wir nur im Schritttempo fahren konnten. Währenddessen begegneten wir einigen Bewohnern, die uns allesamt neugierig nachsahen. Wir begrüßten sie je mit einem freundlichen nicken, bis wir schließlich in unsere Straße einfuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Haus war nicht das erste Akiya, dem wir heute begegneten. Obwohl Shizuka-Mura nur wenige Einwohner hatte, gab es davon in der Gegend einige. Manche von ihnen sahen, genau wie unseres, vergleichsweise gut aus, andere waren völlig zerfallen und überwuchert. Wahrscheinlich waren die meisten jüngeren Leute aus der Gegend in die Städte gezogen und hatten die Häuser leer zurückgelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich fuhren wir auf unsere kleine Auffahrt. Unsere neue Nachbarin, eine ältere Dame, war gerade in ihrem Garten. Auch sie sah neugierig zu uns rüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Tag“, grüßte ich freundlich, während ich ausstieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Tag“, grüßte sie zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind die neuen Nachbarn. Das ist Herr Suzuki und ich bin Berger“, stellte ich uns, wie in Japan üblich, mit unseren Nachnamen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Tag“, grüßte nun auch Kichiro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gotō“, stellte sich die Frau vor. Sie beäugte uns einen Augenblick neugierig. „Sie müssen gute Freunde sein“, stellte sie schließlich fest. Ein anderer Grund, warum zwei Männer sich gemeinsam ein Haus kauften, fiel ihr anscheinend nicht ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind verlobt“, erklärte ich. Leider ein Dauerzustand, da zwei Männer hier in Japan noch nicht heiraten durften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Gotō guckte überrascht, dann aber nickte sie freundlich. „Es ist schön, dass junge Leute wie Sie in unser kleines Dorf ziehen. Ich kann zwar nicht schwer tragen, aber falls Sie Hilfe gebrauchen können, sagen Sie bitte Bescheid.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir bedankten uns, woraufhin sie weiter zu ihrer Haustür ging. Bevor sie sie jedoch öffnete, drehte sie sich noch einmal zu uns um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach so. Bevor ich es vergesse: Ich höre manchmal nachts Geräusche aus Ihrem Haus. Ich weiß nicht, wer oder was das ist, aber passen Sie bitte auf sich auf. Nicht, dass Sie ungewollte Gäste haben.“ Dann war sie auch schon in ihrem Haus verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro und ich sahen einander überrascht an. Ich verzog das Gesicht. „Na das klingt ja vielversprechend“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Verlobter klopfte mir auf die Schulter. „Mach dir nichts draus, Lennart. Wenn das irgendwelche Tiere sind, finden wir sie beim Entrümpeln, und falls es ein Obdachloser ist, zieht er bestimmt weiter ins nächste Akiya. Es ist ja nicht so, dass es nicht genug davon in der Gegend gibt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte mich zum Lachen. Sein Optimismus und seine immer lockere Art, mit Problemen umzugehen, waren zwei der Gründe, warum ich mich damals in ihn verliebt hatte.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Tag passierte nichts Außergewöhnliches. Wir fingen an, die Möbel und Haushaltsgegenstände einen Raum nach dem anderen durchzusehen. Wir sortierten, was wir noch gebrauchen konnten, und was wegsollte. Wie bereits gesagt waren viele der Möbel noch immer in einem guten Zustand, weshalb wir die meisten Stühle, Tische, Schränke und sogar ein Radio, das in der Küche stand, behielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die anderen Dinge – ein kaputter Besen, ein Stuhl mit gebrochener Armlehne, alte Zeitschriften, kaputtes Geschirr, diverse ausgeblichene Bilder und die alten Futons, um nur ein paar Dinge zu nennen – brachten wir nach draußen. Wir stellten sie auf die Auffahrt, von wo aus wir sie später geordnet in den Transporter laden würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am frühen Abend machte uns das schwindende Sonnenlicht jedoch ein Strich durch die Rechnung. Da der Strom nicht funktionierte, konnten wir bald kaum noch etwas erkennen. Die batteriebetriebene Camping-Lampe, die wir extra für diesen Zweck organisiert hatten, spendete zwar genug Licht für eine gemütliche Atmosphäre, aber es war zu schwach, um die Möbel ausreichend zu beleuchten. Daher entschieden wir, es für heute gut sein zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Abendessen gab es Instant-Ramen. Frau Gotō war so freundlich, uns dafür heißes Wasser zu spendieren. Wir aßen die Nudeln bei ihr, während sie uns von der Gegend erzählte. Trotz der bescheidenen Größe hatte Shizuka-Mura einen kleinen Supermarkt, zwei empfehlenswerte Restaurants und einen gut gepflegten Schrein – nur für denn Fall, dass wir uns noch etwas aus den Göttern machten, wie Frau Gotō mit einem Augenzwinkern erzählt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Essen bedankten wir uns bei ihr für das heiße Wasser und die gute Gesellschaft, woraufhin sie uns anbot, dass wir gerne am nächsten Abend wiederkommen könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend gingen wir zufrieden und erschöpft von der vielen Arbeit ins Bett. Dafür hatten wir einen Futon im Gästezimmer ausgebreitet – dem einzigen Raum, der nicht völlig mit Ramsch zugestellt gewesen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir uns hingelegt und unsere Camping-Lampe ausgeschaltet hatten, war es um uns herum stockdunkel. Die Luft roch noch immer nach Staub, auch wenn wir uns größte Mühe gegeben hatten, den Raum zumindest oberflächlich zu putzen. Jetzt lauschte ich Kichiros langsamen Atem neben mir. Und so war ich bald eingeschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitten in der Nacht wurden wir jedoch von seltsamen Geräuschen aus dem Schlaf gerissen. <em>‚Klack. Klack‘</em>, ertönte es leise aus dem Flur. <em>Klack.</em> Es klang fast wie Schritte, nur dass es dafür zu langsam und irgendwie zu aggressiv war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lennart? Was ist das?“, fragte Kichiro, als er merkte, dass ich wach war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Ahnung“, erwiderte ich. Vielleicht waren das die nächtlichen Geräusche, von denen Frau Gotō erzählt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leise, um selbst keinen Lärm zu machen, stand ich auf. Ich tastete nach der Camping-Lampe, schaltete sie aber noch nicht ein, um nicht auf mich aufmerksam zu machen. Anschließend schlich ich auf leisen Sohlen zur Zimmertür. Kichiro war dicht hinter mir. Als ich den Shoji, die japanische Schiebetür, erreicht hatte, schob ich ihn langsam auf. <em>Klack. Klack.</em> Die Geräusche waren jetzt ganz in der Nähe. Vorsichtig hob ich den Arm mit der Camping-Laterne in den Flur hinaus, während ich mit der freien Hand nach den Einschaltknopf tastete.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Klick.</em> Der Flur vor uns war nun in sanftes Licht gehüllt. Ich spähte nach links und rechts. Er war leer. Allerdings hatten jetzt auch die Geräusche aufgehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nichts“, sagte ich zu Kichiro. Ich schob den Shoji weiter auf, damit auch er etwas sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Sicherheit gingen wir die angrenzenden Räume ab. Aber auch hier war alles wie vorher. Zwischen dem Gerümpel schien sich zumindest niemand zu verstecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht sind es die alten Rohre?“, schlug Kichiro vor. „Wenn ich mich richtig erinnere, verlaufen Sie hier genau unter dem Boden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. Das war eine Möglichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Komm Lennart, lass uns zurück ins Bett gehen. Wir haben morgen noch einen anstrengenden Tag vor uns.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist gut“, stimmte ich zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend legten wir uns wieder hin. Die restliche Nacht blieb ruhig.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen wollten wir keine Zeit verlieren. Nach einem knappen Frühstück machten wir uns direkt an die Arbeit. Auch heute kamen wir gut voran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst war das Wohnzimmer dran. Es dauerte anderthalb, vielleicht zwei Stunden, bis wir den meisten Ramsch aussortiert hatten. Kichiro ging bereits weiter in den nächsten Raum, während ich dabei war, den letzten Rest nach draußen zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich jedoch ins Wohnzimmer zurückkam, stockte ich. Am Tisch lehnte ein weißer Regenschirm mit aufwendiger Musterung. Er war mir vorher nicht aufgefallen, obwohl wir mit dem Raum bereits fast fertig waren. Misstrauisch ging ich auf ihm zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war einer dieser Schirme aus gewachstem Papier. Er musste schon sehr alt sein. Sein Weiß ging bereits ins Gelbliche. Trotzdem war er wunderschön verarbeitet. Vorsichtig öffnete ich ihn ein Stück. Äste mit rosa Kirschblüten verzierten seine Oberfläche. Doch leider war er an einigen Stellen bereits gerissen. Also klappte ich ihn wieder zu und brachte ihn zusammen mit einer kaputten Vase zum Transporter. Anschließend folgte ich Kichiro in den hinteren Teil des Hauses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So ein Mist!“, hörte ich Kichiro entsetzt rufen, als ich auf halbem Weg war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beschleunigte meine Schritte. „Was ist?“, fragte ich, bereits auf unerwartete Kosten eingestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro sah mich mit großen Augen an, als hätte er mich nicht erwartet. Dann lachte er plötzlich. „Ach, nichts. Nur ein dummer Aberglaube“, er deutete auf den Shoji neben ihm. Eines der oberen Papierfenster war gerissen. „Wir sollten das möglichst schnell austauschen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lehnte mich an die Wand, den Mund zu einem Schmunzeln verzerrt. „Sonst was? Kommt sonst ein Yōkai vorbei und zerreißt auch die anderen?“, riet ich drauf los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder lachte Kichiro. „Du bist doof. Nein. Es geht um eine Geschichte, die meine Oma mir mal erzählt hat. Wenn man einen kaputten Shoji zu lange ignoriert, kann er zu einem Mokumokuren werden. Dann wachsen ihm ganz viele Augen, mit denen er uns anstarrt.“ Mein Verlobter schüttelte sich übertrieben. „Darauf kann ich gerne verzichten. Ich hab jedenfalls keine Lust, in unserem neuen Haus beobachtet zu werden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grinsend schüttelte ich den Kopf. „Oh. Nein. Darauf kann ich auch verzichten. Also gut. Bis nächstes Wochenende organisieren wir neues Shoji-Papier.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro strahlte mich an. Bei solchen Dingen wusste ich nie, woran ich bei ihm war. An manche von ihnen glaubte er, über andere konnte er genauso lachen wie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schuld daran war seine Oma mütterlicherseits. Sie hatte ihn schon von klein auf mit ihren Geschichten über Yōkai und Geister bei Laune gehalten. Viele davon waren ihr angeblich selbst widerfahren. Und diesen Glauben an das Übernatürliche hatte Kichiro nie verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war da völlig anders. Meine Familie in Deutschland hatte mir seit meiner Geburt klar gemacht, dass es so etwas wie Geister und Monster nur in Geschichten gab. Nichts davon war real – so dachte ich zumindest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem blieb mir Kichiros Satz mit dem Beobachtetwerden im Gedächtnis. Jedes Mal, wenn ich an dem kaputten Shoji vorbeiging, musste ich mir vorstellen, wie tatsächlich Augen aus ihm wuchsen. Über mich selbst belustigt schüttelte ich den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war mit den Gedanken noch immer bei dem Shoji, als mir etwas anderes auffiel: Kichiro und ich trugen einen kaputten Schrank nach draußen, wo wir ihn direkt neben die kaputte Vase aus dem Wohnzimmer stellten. Ich hatte den Schirm vorhin hineingestellt, damit er nicht umfiel. Jetzt war die Vase jedoch leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gerunzelter Stirn sah ich mich um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? Hast du was verloren?“, fragte Kichiro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich hatte vorhin einen kaputten Papierschirm hier in die Vase gestellt. Irgendwer muss ihn wohl mitgenommen haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kräuselte sich auch Kichiros Stirn. „Na ja. Unser Verlust soll es nicht sein. Wir hätten ihn eh nur weggeworfen. Wenn der Schirm irgendwen glücklich macht, soll er ihn doch haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte zögerlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr Erwähnenswertes geschah an dem Wochenende zum Glück nicht. Am Samstag arbeiteten wir wieder so lange weiter, wie es das Sonnenlicht erlaubte. Den Abend verbrachten wir dann bei Frau Gotō. Sie hatte uns wie selbstverständlich gebratenen Fisch mit allerlei Beilagen gemacht. Erst wollte Kichiro es gar nicht annehmen, aber da Frau Gotō darauf bestand, wäre es unhöflich gewesen, das Essen abzulehnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zeit bei der alten Dame kam mir vor, als würden wir einander schon ewig kennen. Sie erzählte uns weiter von der Gegend, während wir von Tokio und Deutschland erzählten. Auch erwähnten wir die nächtlichen Geräusche – die in der folgenden Nacht übrigens wiederkamen – sowie unseren Verdacht, dass es sich dabei um die alten Rohre handeln könne. Das erleichterte Frau Gotō sichtlich. Wir wünschten einander eine gute Nacht, ehe wir zurück in unser Haus gingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Sonntag räumten wir weiter auf, bevor wir gegen Nachmittag den Transporter einräumten. Anschließend verabschiedeten wir uns von unserer Nachbarin und machten uns auf den Rückweg nach Tokio. Shizuka-Mura würden wir erst am nächsten Wochenende wiedersehen.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zweite Wochenende in dem Dorf verlief ähnlich wie das erste – zumindest, nachdem wir direkt am Freitag den kaputten Shoji repariert hatten. Tagsüber räumten wir weiter die Zimmer auf und die Abende verbrachten wir auf Frau Gotōs Wunsch hin wieder bei ihr. Sie hatte selbst keine Kinder, was vielleicht der Grund war, warum sie uns so herzlich aufnahm. Ihre liebenswürdige Art zauberte mir jedenfalls bald ein Lächeln ins Gesicht, wann immer ich sie sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungewöhnliches geschah hingegen kaum etwas. Ja, die nächtlichen Geräusche kamen wieder, aber auch diesmal konnten wir nichts Auffälliges entdecken. In der Nacht von Samstag auf Sonntag machten wir uns nicht einmal mehr die Mühe, aufzustehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir fast mit dem letzten Zimmer fertig waren – es war bereits Sonntagnachmittag – entdeckte ich jedoch den kaputten Papier-Regenschirm wieder. Zumindest dachte ich erst, dass er es sei. Er stand in der hintersten Ecke des Raumes, völlig unscheinbar an die Wand gelehnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam, fast schon vorsichtig ging ich auf ihn zu. „Das ist seltsam“, sagte ich. „Ich hätte schwören können, dass ich den Regenschirm letztes Wochenende schon einmal entsorgt habe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro trat neben mich, um sich das unscheinbare Objekt selbst anzusehen. Aber er zuckte bloß mit den Schultern. „Vielleicht hat er dieselbe Musterung? Ich bin mir sicher, solche Schirme werden zuhauf angefertigt. Vielleicht trugen unsere Vorbesitzer sie im Partnerlook. Oder sie haben einfach mehrere geholt.“ Mehr Gedanken verschwendete er nicht daran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir hingegen wollte der Schirm nicht mehr so recht aus dem Kopf gehen. Ich starrte ihn die ganze Zeit lang an, während ich ihm zum Transporter brachte. Dort schob ich ihn zwischen die anderen Möbel, die wir bereits eingeräumt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So. Das war’s“, sagte ich. Ich schlug die Tür zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro hatte bereits unsere Tasche geschultert. Er stieg auf der Beifahrerseite ein, während ich zur Fahrertür ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich die Tür geöffnet hatte, hörte ich jedoch ein Geräusch von der Rückseite des Autos. Es klang fast wie die Tür. Mit gerunzelter Stirn ging ich die wenigen Schritte zurück. Aber hier hinten sah alles ganz normal aus. Vielleicht war nur irgendetwas im Auto heruntergefallen. Also zuckte ich nur wieder mit den Schultern, stieg endlich ein und startete den Motor. Wir fuhren auf direktem Weg zurück nach Tokio.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Woche über musste ich immer wieder an unser Akiya denken. Wie gut wir vorankamen, wie nett uns Frau Gotō aufgenommen hatte, aber auch an den Papier-Regenschirm. Ich gestand es Kichiro jedoch erst am Freitag, als wir nach der Arbeit im Auto nach Shizuka-Mura saßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist albern. Aber der Regenschirm geht mir einfach nicht aus dem Kopf“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro sah mich ratlos an. „Welcher Regenschirm?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den, von dem ich dachte, dass ich ihn schon einmal entsorgt habe“, half ich ihm auf die Sprünge. „Weißt du, erst verschwindet er spurlos von unserer Auffahrt und dann finden wir einen identischen Schirm in der hintersten Ecke vom Arbeitszimmer. Natürlich hast du recht, dass es nur dasselbe Modell ist. Es muss so sein. Aber das war schon irgendwie unheimlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro schmunzelte. „Und ich dachte immer, du glaubst nicht an Geistergeschichten“, zog er mich auf. Dann starrte er plötzlich aus dem Fenster. „Wobei ich gestehen muss, dass ich abends manchmal Bewegungen aus dem Augenwinkel gesehen habe. Im Haus meine ich. Aber bisher ist ja noch nichts passiert, das auf einen bösen Geist hindeutet.“ Er schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte zurück. Auch wenn mein Lächeln eher halbherzig war. Das war nicht gerade die Art von Kommentar, die mich aufheitern konnte.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Wochenende ging es um den ersten groben Hausputz. Bevor wir die Elektriker und die Sanitärinstallateure in das Haus ließen, wollten wir wenigstens die Wände, den Boden und die Möbel vom gröbsten Schmutz befreien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Putzlappen und Besen bewaffnet, teilten wir uns auf. Ich übernahm das Wohnzimmer, während Kichiro ins Arbeitszimmer ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst fegte ich den kompletten Boden ab und war dabei darauf bedacht, möglichst viel Dreck aus den Tatami-Matten zu schrubben. Ich wirbelte dabei jedoch mehr Staub auf, als dass ich ihn entfernte. Zum Glück würde die Elektrik bereits nächste Woche ausgetauscht werden. Danach hatten wir endlich Licht und konnten auch einen Staubsauger benutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend machte ich mich daran, die Tische und Schränke mit dem Lappen zu reinigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey, Lennart“, hörte ich Kichiro plötzlich aus dem Nachbarzimmer rufen, als ich gerade dabei war, einen besonders hartnäckigen Fleck vom Esstisch zu schrubben. „Ich glaube, ich hab deinen Regenschirm wiedergefunden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erstarrte in der Bewegung. Was? Das war unmöglich! Wir hatten alle Räume bereits durchgesehen. Mein Körper fühlte sich verkrampft an, während ich die Gummihandschuhe auszog. Langsam, fast mechanisch ging ich zu Kichiro ins Arbeitszimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Verlobter stand vor einem Schreibtisch, die oberste Schublade geöffnet, und hielt ein Stück Papier in den Händen. Bei genauerer Betrachtung fiel mir auf, dass es ein Schwarz-Weiß-Foto war. Ich nahm es ihm ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich sah, was darauf abgebildet war, atmete ich erleichtert auf. Es war eine junge Frau in einem Kimono. Sie hatte ein hübsches Gesicht und lächelte in die Kamera, während sie einen aufgespannten Regenschirm an ihre Schulter gelehnt festhielt. <em>Den</em> Regenschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt musste ich lachen. „Und ich dachte schon, der Regenschirm ist auf magische Weise wieder aufgetaucht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro grinste mich frech an. Anscheinend war genau das seine Intention gewesen. „Langsam fürchte ich, du glaubst doch an Geister“, neckte er mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte grinsend den Kopf, ehe ich flüchtig die Rückseite des Bildes ansah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht hätten wir den Schirm doch nicht wegwerfen sollen“, merkte ich an. ‚Mariko 1921‘ stand dort in verblasster Handschrift geschrieben. „Den Schirm gab es schon in den 1920ern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte Kichiro zum Erstarren. Nur für höchstens eine Sekunde, aber ich hatte es bemerkt. „Der Schirm ist über 100 Jahre alt?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Ja. Denkst du, er wäre was wert gewesen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro zögerte. „Vielleicht.“ Dann winkte er jedoch ab. „Aber er war kaputt. Es ist gut, dass wir ihn entsorgt haben. Bei so alten Gegenständen kann man nie wissen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte das Gefühl, dass er noch mehr sagen wollte. Stattdessen widmete er sich jedoch schnell wieder der Schublade und machte damit weiter, sie auszuräumen. Die meisten Sachen landeten in einem Müllsack. Ich warf das Foto dazu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden Wochen dachte ich noch einige Male an den Regenschirm, aber er tauchte nicht mehr auf. Weder im Haus noch auf irgendwelchen Fotos. Und so kam es, dass er langsam, aber sicher aus meinem Gedächtnis verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was hingegen blieb, waren die nächtlichen Geräusche. Mal klangen sie weiter entfernt, mal, als seien sie direkt vor der Tür. Aber wie gesagt schenkten Kichiro und ich ihnen keine wirkliche Aufmerksamkeit mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur ein einziges Mal, nachdem der Strom endlich funktionierte, ging ich erneut nachts auf den Flur. Jetzt war er hell erleuchtet. Wie auch die letzten Male war er leer. Ich muss gestehen, dass ich kurz überlegte, die anderen Räume noch einmal abzulaufen. Nur zur Sicherheit. Aber das wäre bescheuert gewesen. Ganz davon abgesehen, dass ich dort sicherlich nichts gefunden hätte, sollten nächste Woche die alten Rohre ausgetauscht werden. Ab dann waren die Geräusche wahrscheinlich eh vorbei.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am folgenden Wochenende waren Kichiro und ich auf einem gefühlstechnischen Hoch, während wir wieder nach Shizuka-Mura fuhren. Es war bereits dunkel, da wir vorhin noch die Wohnung leergeräumt hatten. Kichiros kleiner Toyota war bis unter das Dach mit unseren Sachen beladen. Heute würden wir endlich vollends umziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klar gab es noch einiges, was wir im Haus zu erledigen hatten, aber das würden wir machen, während wir dort bereits lebten. Das Wichtigste – die Möbel, funktionierender Strom, die neuen Wasserleitungen und die neuen Sanitäranlagen – war immerhin schon dort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir grinsten wie zwei Lottogewinner, während Kichiro auf der Auffahrt parkte. Ich schnappte mir einen Umzugskarton aus dem Auto und betrat dicht hinter Kichiro das Haus. Dort blieb ich einen Moment stehen, schloss die Augen und atmete tief ein. Der inzwischen vertraute Geruch des Hauses stieg mir in die Nase. Es roch nicht länger nach Staub oder abgestandener Luft – die Gerüche hatte die Grundreinigung letztes Wochenende beseitigt –, sondern einfach nur nach Heimat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich brachte den Karton ins Schlafzimmer, ehe ich mit meinem Verlobten zusammen das restliche Auto ausräumte. Im Nachhinein war ich ein wenig überrascht, wie die Kartons, die sich jetzt vor uns stapelten, überhaupt in das kleine Auto gepasst hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro grinste noch immer breit. „Ich weih dann mal die Dusche ein“, sagte er, ehe er mir einen Kuss gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist gut“, erwiderte ich. „Ich räum schonmal unsere Klamotten in den Schrank. Aber lass mir noch heißes Wasser nach!“ Den letzten Satz musste ich rufen, so enthusiastisch war er bereits losgestürmt. Es dauerte nicht lange, da hörte ich auch schon die Dusche. Ich schüttelte schmunzelnd den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann widmete ich mich wieder den Kartons. Ich öffnete sie einen nach dem anderen, bis ich unsere Kleidung gefunden hatte. Vorsichtig hob ich einen Stapel von Kichiros Hemden daraus hervor. So viele würde er im Homeoffice wahrscheinlich gar nicht mehr benötigen, trotzdem gab ich mir alle Mühe, sie nicht zu zerknittern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam balancierte ich sie zu unserem Wandschrank. Es war einer dieser japanischen Schränke, der sich in der Wand verbarg. Ich schob die Tür erst mit dem Ellenbogen, dann mit dem Fuß beiseite. Als ich jedoch gerade die Hemden hineinlegen wollte, fiel mein Blick auf einen Gegenstand, der in der unteren Ecke lehnte: ein mir sehr vertrauter elegant gearbeiteter Papier-Regenschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hemden raschelten, während sie mir aus der Hand glitten. Kichiro wäre wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen, hätte er es gesehen. Aber das war mir in diesem Moment ehrlich gesagt egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Hand zitterte, während ich sie nach dem Schirm ausstreckte. Meine Finger hatten das Papier fast erreicht, da bewegte er sich plötzlich. Zuerst dachte ich, er falle bloß um, bis ein großes Auge mich völlig unerwartet durch das an einer Stelle gerissene Papier anblinzelte. Als Nächstes folgte eine lange Zunge, die sich knapp darunter aus einem weiteren Loch schlängelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unfähig, auch nur einen einzigen Ton von mir zu geben, torkelte ich rückwärts, meinen Mund und meine Augen weit aufgerissen. Mein Fuß verfing sich in einem der Hemden, weshalb ich mit einem leisen <em>‚Fump‘</em> auf den Tatami-Matten landete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt bemerkte ich auch das Bein, das nun statt des Griffs aus dem Regenschirm ragte. Es sah menschlich aus und trug eine japanische Holzsandale.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Sprung setzte der Schirm sich in Bewegung. <em>‚Tock‘</em>, machte seine Sandale einen dumpfen Laut auf der Strohmatte. <em>Tock. Tock.</em> Es war nicht dasselbe Geräusch, das wir nachts vom Flur gehört hatten, aber es hatte eindeutig denselben Rhythmus. Ich war mir sicher, dass es dieses Ding gewesen sein musste, das wir gehört hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam, sein einzelnes Auge stur auf mich gerichtet, kam mir der Schirm näher. Seine Zunge schwang bei jeder Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch krabbelte ich rückwärts. So wie ich dalag, befand sich dieses Wesen genau zwischen der Tür und mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilfe! Kichiro! Hilfe!“, schrie ich. Meine Stimme war so voller Panik, dass ich sie selbst kaum erkannte. Aber was konnte ich anderes tun? Wenn jemand eine Ahnung hatte, was dieses Ding war, was ich jetzt machen musste, dann war das mein Verlobter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tock. Tock.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen spürte ich die Wand in meinem Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tock.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schirm hatte mich fast erreicht. Dann blieb er vor mir stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilfe!“, kreischte ich erneut. Tränen bildeten sich in meinen Augen. Mein Herz raste in meiner Brust, während sich meine Kehle wie zugeschnürt anfühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt streckte der Schirm mir seine Zunge entgegen. Langsam kam sie mir näher und näher. Ich presste mich so eng an die Wand, wie ich nur konnte, traute mich nicht einmal, nach dem Ding zu treten. Die Zunge wischte kalt und schleimig über meinen Arm, während der Schirm mich ableckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich befürchtete bereits, dass er gleich einen kräftigen Bissen von mir nehmen würde, da stürmte plötzlich Kichiro in den Raum. Er trug einen hastig übergeworfenen Bademantel, blieb für eine Sekunde ungläubig in der Tür stehen. Dann trafen sich unsere Blicke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Weg! Weg!“, schrie er den Schirm an, während er auf mich zurannte. Er machte wedelnde Bewegungen mit den Armen, als wenn er ein Hühnchen verscheuchen wolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Zu meiner Überraschung hüpfte der Schirm beiseite. Er drehte sich zu meinem Verlobten um, ehe er einige Sätze zurück Richtung Wandschrank machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro beachtete ihn nicht weiter. Stattdessen hockte er sich vor mich, beäugte mich einen Moment und schloss mich kurz darauf in den Arm. „Alles in Ordnung?“, fragte er mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Ahnung“, schluchzte ich in seinen Bademantel. „Er hat mich abgeleckt. Was ist das für ein Ding?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schhhh“, machte Kichiro, während er meinen Rücken streichelte. „Alles ist gut. Das ist ein Kasa-Obake. Sie spielen gerne Streiche, sind aber nicht gefährlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich antwortete nicht, nahm die Erklärung schweigend hin, als wäre sie in irgendeiner Weise logisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich musste Kichiro lachen. „Ich hätte echt nicht gedacht, dass es sie gibt. Meine Oma hat zwar gesagt, dass sie mal einen Tsukumogami, einen belebten Haushaltsgegenstand gesehen habe, aber wir haben ihr nicht geglaubt.“ Er drückte mich sanft von sich, sah dann in die Luft. „Hörst du, Oma, es tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe“, sagte er, als ob ihr Geist hier wäre und uns hören könnte. Aber vielleicht war er das ja sogar. Der Kasa-Obake hatte mein Weltbild völlig zerstört. Alles, was ich über Monster zu wissen glaubte, war falsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig wagte ich einen Blick Richtung Wandschrank. Der Regenschirm lehnte davor an der Wand, jetzt wieder völlig unscheinbar. „Was machen wir jetzt mit ihm?“, fragte ich. Meine Stimme war immer noch leicht zittrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro sah ebenfalls zum Schirm, dann sah er mir wieder ins Gesicht. „Ich … weiß es nicht“, sagte er ehrlich. „Manchmal sollen Tsukumogami das Haus verlassen, wenn sie sich ignoriert fühlen. Andererseits … Du wolltest doch schon immer ein Haustier, oder?“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tsukumogami (付喪神) sind zum Leben erwachte Haushaltsgegenstände der japanischen Folklore. Sie zählen zu den Yōkai.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wohl bekannteste Tsukumogami ist der Kasa-Obake (傘おばけ, Japanisch für „Schirmgeist“ oder „Schirmmonster“), ein zum Leben erwachter Regen- oder Sonnenschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Name Tsukumogami setzt sich aus den Kanji 付 (haften, befestigen), 喪 (Trauer) und 神 (Geist, Seele, Gott) zusammen. Grob kann man den Namen also mit „Trauer anhaftende Seele“ oder „Trauer anhaftender Geist“ übersetzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tsukumogami ähneln noch immer stark den Haushaltsgegenständen, die sie einst waren – z. B. Regenschirme, Töpfe, Kannen, Kleidung, Futons, Besen oder sogar Schiebetüren. Sie besitzen jedoch häufig menschenähnliche Eigenschaften wie Augen, einen Mund mit meist langer Zunge sowie Arme und Beine inkl. Hände und Füße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem weisen sie oft Gebrauchs- und Altersspuren auf, da ein Tsukumogami erst entsteht, wenn ein Haushaltsgegenstand das Alter von 100 Jahren erreicht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kasa-Obake:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Um beim Beispiel des Kasa-Obake zu bleiben: Sie sehen meist aus wie aufrecht stehende Papierregenschirme, wie sie in Japan früher häufig benutzt wurden. Statt eines Griffs besitzen sie jedoch ein einzelnes, oft menschlich aussehendes Bein mit einem Fuß. In vielen Darstellungen tragen sie eine einzelne Holzsandale.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am auffälligsten dürften hingegen ihr einzelnes großes Auge sowie der Mund mit der ungewöhnlich langen Zunge sein, die aus dem Schirm wachsen oder durch Löcher im Papier hervorlugen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal besitzen sie auch zwei Arme, die aus dem Schirm wachsen, und/oder ein zweites Bein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach entstehen Tsukumogami, wenn ein Haushaltsgegenstand 100 Jahre (oder in einigen Erzählungen 99 Jahre) alt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut den meisten Quellen muss er vernachlässigt oder achtlos weggeworfen worden sein, damit das passiert. In diesen Fällen wollen die Gegenstände oft Rache an ihren ehemaligen Besitzern oder den Menschen generell ausüben. Ein anderes beliebtes Motiv, warum der Gegenstand plötzlich zum Leben erwacht, ist Langeweile, da sie nicht mehr genutzt oder gebraucht werden und sonst nichts mit sich anzufangen wissen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man in modernen Erzählungen von Tsukumogami hört, sind es meist harmlose Wesen, die den Menschen gerne Streiche spielen. Sie erschrecken sie, machen Lärm, wecken sie nachts o. Ä. Das genaue Verhalten kann sich von Tsukumogami zu Tsukumogami stark unterscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann ihre Streiche und Phänomene durchaus mit den westlichen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeistern</a> vergleichen, wenn sie z. B. Gegenstände durch die Gegend bewegen, nachts durch den Flur laufen oder an Wände klopfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch sind sie meist neidisch auf die modernen Haushaltsgeräte, die sie ersetzt haben, weshalb es durchaus vorkommen kann, dass sie das Haus verwüsten oder die Gegenstände zerstören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anders sieht es hingegen bei den Tsukumogami aus älteren Erzählungen aus. Vor 500 bis 1.000 Jahren galten die belebten Haushaltsgegenstände noch als blutrünstig und äußerst gefährlich. So kam es nicht selten vor, dass sich ein Tsukumogami in den damaligen Geschichten an den Menschen gerächt hat, die es weggeworfen haben, indem er sie schwer verletzt oder sogar getötet hat.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kasa-Obake:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich den Kasa-Obake als Tsukumogami für meine Geschichte gewählt und ihn bisher auch beim Aussehen gesondert erwähnt habe, möchte ich euch die spezifischen Eigenschaften der Kasa-Obake natürlich nicht vorenthalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den einbeinigen Schirmen wird nachgesagt, dass sie es lieben, sich an Menschen anzuschleichen, um sie mit ihrer langen Zunge abzulecken. Das kann durchaus erschreckend bis traumatisierend sein, hinterlässt aber keine weiteren Schäden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem macht der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> oft Lärm, während er auf seiner Holzsandale durch die Gegend hüpft, was in einem leeren Haus oder auf verlassener Straße durchaus als beängstigend empfunden werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Davon abgesehen ist er aber völlig harmlos.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da es sich bei den Tsukumogami um eine japanische Legende handelt, sollen sie fast ausschließlich in Japan vorkommen. Weitere Einschränkungen bezüglich ihres Lebensraums gibt es jedoch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar gibt es viele Geschichten, in denen sie in verlassenen Häusern oder Tempeln gesichtet wurden, Tsukumogami können die Häuser jedoch auch verlassen oder außerhalb der Häuser entsorgt worden sein, weshalb sie auch auf offener Straße oder sogar in der Wildnis ihren Schabernack treiben können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die ältesten bekannten Erzählungen von lebendigen Haushaltsobjekten innerhalb Japans stammen aus der Heian-Zeit (794 bis 1185). Damals waren sie jedoch noch nicht unter dem Namen „Tsukumogami“ bekannt. Auch hieß es in damaligen Erzählungen noch häufig, dass der Geist eines <a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni</a> oder ein anderes übernatürliches Wesen Besitz von dem Haushaltsgegenstand ergriffen habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihren Namen erhielten die Tsukumogami erst in der Muromachi-Zeit (1336 bis 1573). Von dort an wurde den Yōkai auch nachgesagt, dass sie ausschließlich von der Seele der tatsächlichen Objekte belebt wurden und nicht länger von bösen Geistern oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Monstern</a>, die Besitz von ihnen ergriffen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Glaube, dass auch Dinge wie Haushaltsgegenstände eine Seele besäßen, geht dabei auf die Lehren des Shingon-shū Buddhismus sowie einigen Ideen des Shintoismus zurück, laut denen man auch Gegenstände stets gut behandeln solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Hochzeit hatten die Tsukumogami hingegen erst in der Edo-Zeit (1603 bis 1868), in der unzählige (meist fiktive) Geschichten über sie erzählt und niedergeschrieben worden. In dieser Zeit waren die beseelten Gegenstände außerdem zumeist zu harmlosen Scherzen statt tatsächlichen Rachefeldzügen übergegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in der späten Edo-Zeit gab es jedoch kaum noch Leute, die an die tatsächliche Existenz dieser Wesen glaubten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hat der Glaube an die Tsukumogami bis heute überdauert, weshalb sie es bis in die moderne Popkultur geschafft haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Tsukumogami in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in der japanischen Popkultur gibt es unzählige Filme, Manga, Anime, Kabuki-Stücke und sogar Videospiele, in denen Tsukumogami zu finden sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich auch nur einen Bruchteil von ihnen hier auflisten wollte, könnte ich wahrscheinlich einen eigenen Blogbeitrag nur darüber schreiben, daher hier nur einige prominente Beispiele:</p>



<p class="wp-block-paragraph">So lassen sich Tsukumogami z. B. in den „Gegege No Kitarō“-Manga und Anime finden, die sich besonders in Japan an großer Beliebtheit erfreuen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus haben die Yōkai diverse Auftritte in dem Manga und Anime sowie der gleichnamigen Videospielreihe „Yo-Kai Watch“, die in Japan kurzzeitig beliebter war als Pokémon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und sie haben es sogar in die westliche Popkultur geschafft, wie z. B. die kleinen Nebenrollen eines Besen- und eines Bambusmatten-Tsukumogami in dem Fantasie-Liebesroman „Mona – verliebt, verlobt, beschworen“ (2022) von I. B. Zimmermann zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es ein japanisches RPG/Puzzle-Videospiel von 2012, das den Namen „Tsukumogami“ (oder „99 Spirits“, wie es im Westen heißt) trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte ich in Zukunft über weitere besonders erwähnenswerte Filme, Videospiele etc. stolpern, werde ich sie an dieser Stelle gerne ergänzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Tsukumogami? Glaubt ihr, dass auch Gegenstände Seelen haben können? Wir würdet ihr reagieren, wenn euch ein Kasa-Obake gegenüberstehen würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Das Hans Muller House – die Legende des Sausage Man</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Oct 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Und Herr Muller hat sich die Tage nach Frau Mullers verschwinden ja auch so komisch benommen. Eines Nachts ist er schreiend auf die Straße gelaufen. Schreiend. Er klang, als wenn man ihn gerade abstach …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/c8062f17325a4ed68dde0dd1cd99c936" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Das Hans Muller House ist ein beliebter Ort bei <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a>touren in New Orleans. Es heißt, dass dort einst ein wahnsinniger Metzger gelebt haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Kannibalismus<br>
&#8211; Tod<br>
&#8211; Erwähnung von Suizid</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier muss es irgendwo sein“, sagte ich zu Nellie, die sich bei mir untergehakt hatte, während wir durch die dunklen Gassen zogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser einziges Licht war eine alte Gaslaterne, die ich vor uns hielt. Und natürlich der Mond, der sein Antlitz ab und an zwischen den Wolken durchscheinen ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Frau und ich gingen schweigend weiter, die Augen auf die Häuserreihe zu unserer Linken gerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier“, sagte Nellie plötzlich. Sie blieb stehen und brachte damit auch mich zum Anhalten. „Das passt zu der Beschreibung, findest du nicht?“ Sie deutete auf das Haus, neben dem wir jetzt standen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt die Laterne höher, um möglichst viel von der Fassade ausleuchten zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Haus selbst war nur wenige Meter breit. Es hatte zwei Stockwerke und ging in beide Richtungen fließend in die angrenzenden Häuser über. Lediglich der mit dunklen verschnörkelten Metallelementen verzierte Balkon, der auf drei schmale Säulen gestützt stand, hob das kleine Häuschen von den benachbarten Häusern ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war mir jedoch erst sicher, dass es sich tatsächlich um das richtige Haus handeln musste, als mein Blick auf das kleine „Zu verkaufen“-Schild an der Tür fiel. Das also war das Haus, das bald uns gehören könnte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was treibt ihr hier?“, ertönte eine krächzige Frauenstimme zu unserer Rechten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nellie entfuhr ein leiser Aufschrei, während wir herumwirbelten. Dabei schlug ich die ältere Dame, die sich ungemütlich nahe an uns herangeschlichen hatte, fast mit meiner Laterne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ihr glaubt, dass es hier etwas zu holen gibt, lasst es bleiben. Die Leute hier haben nicht viel Geld“, fuhr sie unbeirrt fort. „Außerdem steht das Haus leer. Ihr werdet da drinnen kein einziges Möbelstück finden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ah. Darum ging es ihr also. Auf jeden Fall war es beruhigend, dass es in der Nachbarschaft jemanden gab, der ein Auge auf die Dinge hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich räusperte mich verlegen. „Verzeihung. Wir wollten Sie nicht erschrecken. Wir sind keineswegs Diebe. Mein Name ist Edward und das hier ist meine geliebte Ehefrau Nellie. Wir suchen nach einem neuen Zuhause für uns und unser ungeborenes Kind“, erklärte ich unser nächtliches Erscheinen, während ich Nellie meine freie Hand auf den Bauch legte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin entspannte sich die alte Dame sichtlich. Ihre eben noch strengen Gesichtszüge nahmen eine sanfte, fast schon fürsorgliche Form an. „Ah. Ich verstehe. Verzeiht meine Anschuldigungen. In den heutigen Zeiten kann man ja nie wissen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte zustimmend und wollte gerade etwas erwidern, als die alte Frau erneut ihre Stimme erhob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber … ihr wollt doch nicht ernsthaft in diesem gottlosen Haus einziehen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Doch. Morgen ist die Besichtigung“, antwortete meine Frau für uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die alte Dame wurde plötzlich blass im Gesicht. Mit großen Augen sah sie uns an. „Wisst ihr denn nicht, was hier geschehen ist?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Frau und ich warfen einander ratlose Blicke zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein“, erwiderte ich. „Stimmt etwas mit dem Haus nicht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau erzitterte. „Das ist das Haus des Teufels!“, sagte sie dramatisch. „Er ist zusammen mit den letzten Besitzern hier eingezogen. Eine deutsche Familie mit dem Namen Muller. Ich hab ja nichts gegen Ausländern, aber bei den beiden wusste ich sofort, dass etwas nicht stimmt. Besonders bei ihm.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nellie sah hilflos zu mir, aber es war zu spät. Die alte Dame war bereits in einen Monolog übergegangen. Es wirkte nicht so, als hätte sie vor, einen von uns zu Wort kommen zu lassen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als uns ihre Geschichte anzuhören, wenn wir es uns nicht noch vor unserem Umzug der neuen Nachbarin verscherzen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Mullers waren Metzger. Nicht nur er, sondern auch sie. Sie hatten beide eine sehr kräftige Statur, müsst ihr wissen. Aber so grob sie auch aussahen, sie haben einen immer freundlich gegrüßt und uns Nachbarn gerne mal einen Rabatt auf ihre Würste gegeben. Und lasst mich euch eines sagen: Die Deutschen verstehen was von ihrer Wurst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Qualität der Würstchen und auch ihre freundliche Art hatte sich hier in der Gegend schnell herumgesprochen. Die beiden sind richtig beliebt geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber mich täuschten ihre freundlichen Gesichter nicht, konnte ich doch jeden Abend durch die Wand hören, wie sie miteinander stritten. Nicht, dass ich sie belauscht hätte, aber mein Bett steht direkt an der Wand und ich habe einen leichten Schlaf, müsst ihr wissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soweit ich es mitbekommen hatte, verdächtigte Frau Muller ihren Mann, dass er sich mit einer anderen Frau treffe. Irgendein junges Ding aus der Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verübeln konnte man es ihm eigentlich nicht. Frau Muller war nun wirklich keine Augenweide. Bei unserer ersten Begegnung hatte ich sie fast für einen Kerl gehalten, aber nichtsdestotrotz hatten die beiden das heilige Gelübde der Ehe geschlossen. Herr Muller hatte vor Gott geschworen, dass nur der Tod ihn von seiner Frau scheiden könne. Aber ich hätte niemals erwartet, dass er es so wörtlich nehmen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls war Frau Muller eines Tages plötzlich verschwunden. Erst behauptete Herr Muller, sie sei krank. Das war natürlich Schwachsinn. Das hätte ich gehört. Ich ging hingegen davon aus, sie sei weggelaufen, vielleicht zu Verwandtschaft geflüchtet. Was weiß ich, wie die Deutschen ihre Eheprobleme klären. Und als sie nach einigen Tagen immer noch nicht gesehen wurde, erklärte Herr Muller sogar, sie sei zur Verwandtschaft gereist. Für mich war die Sache damit klar. Ich hätte ja niemals ahnen können, was wirklich geschehen war …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch war mir natürlich aufgefallen, dass Herr Mullers Wurst irgendwie anders schmeckte. Aber ich dachte lediglich, dass Frau Muller sich sonst um die Wurstherstellung gekümmert hat. Jetzt, wo sie nicht da war, hatte die Wurst eben schlechtere Qualität. Dass einige Leute lange Haare in ihren Würstchen gefunden hatten, war für mich nur eine weitere Bestätigung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">O Gott. Mir wird immer noch ganz anders bei der Vorstellung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Herr Muller hat sich die Tage nach Frau Mullers verschwinden ja auch so komisch benommen. Eines Nachts ist er schreiend auf die Straße gelaufen. Schreiend. Er klang, als wenn man ihn gerade abstach. Als besorgte Nachbarin war ich natürlich sofort auf die Straße gelaufen, um zu sehen, was da los war und Herrn Muller zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Herr Muller, was ist mit ihnen? Ist alles in Ordnung?‘, hatte ich gefragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann war völlig neben sich. Er sah verängstigt aus. Trotzdem sagte er nur: ‚Tut … Tut mir leid. Ich wollte Sie nicht beunruhigen. Bitte. Sie können wieder zu Bett gehen. Ich habe bloß schlecht geträumt. Es ist alles in Ordnung.‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hatte ich ihm angeboten, ihn ins Haus zu begleiten, um dort nach dem Rechten zu sehen. Aber das lehnte er ab. Was blieb mir also anderes übrig, als selbst zurück in mein Haus zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wusste ich seit jener Nacht, dass da irgendetwas nicht stimmte. Kein Mann hatte solche Angstzustände, nur weil seine Frau allein zu Verwandten verreist war. Auch sah Herr Muller von Tag zu Tag schlechter aus. Er wurde dünner, hatte blutunterlaufene Augen, eingefallene Wangen. Ich überlegte bereits, mich an einen Arzt zu wenden, als Herr Mullers schreckliches Geheimnis endlich ans Licht kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr müsst wissen. Ich schäme mich dafür, aber ich wusste ja nicht, was ich da aß. Mir wird wieder richtig schlecht, wenn ich nur daran denke. Aber als gute Nachbarin musste ich Herrn Muller natürlich unterstützen. Auch wenn seine Würstchen bei weitem nicht mehr so gut schmeckten, wie früher, kaufte ich sie weiterhin. Nur, dass ich eines Abends plötzlich auf etwas Hartes biss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte erst, es sei nur ein Stück Knochen. Sowas kann ja mal vorkommen. Als ich es jedoch ausspuckte, glänzte mir etwas Goldenes entgegen. In meiner Hand hielt ich nichts anderes als einen goldenen Ring. Frau Mullers Ehering. Ich hatte ihn schon oft genug an ihrer Hand gesehen, sodass ich ihn sofort wiedererkannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst konnte ich mir gar nicht erklären, wie er in die Wurst gekommen war. Aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb hatte man lange Haare in den Würsten gefunden. Deshalb war Frau Muller so spurlos verschwunden. Und deshalb hatte Herr Muller diese Panikanfälle. Er hatte seine eigene Frau ermordet. Und um ihre Leiche zu entsorgen, hatte er sie in die Wurstmaschine geworfen. Er hat Frau Muller zu Würstchen verarbeitet und sie an uns unschuldige, brave Bürger verkauft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich mich einige Male übergeben hatte, war ich sofort zu Hugh gelaufen. Er ist Polizist, müsst ihr wissen. Nachdem ich ihm den Ring gezeigt und meinen Verdacht geschildert hatte, holte er einige Kollegen und wir rannten weiter zu dem Haus der Mullers. Die Polizisten stürmten sofort hinein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir brauchten nicht lange suchen. Herr Muller lag zusammengekauert in seinem Hinterzimmer. Direkt neben der Wurstmaschine, einem riesigen Apparat, in den er seine Frau gestopft haben musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er jammerte und winselte, während er auf die Maschine zeigte. ‚Meine Frau … Ihr Geist … Sie möchte mich töten. Bitte! Oh bitte, erlöst mich von meiner Schuld!‘, hatte er gewinselt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war ein Häuflein Elend. Fast hätte man Mitleid mit ihm haben können, wenn ich nicht gewusst hätte, was er getan hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizisten nahmen ihn sofort mit. Angeblich wurde er seit dem Mord an seiner Frau – es war tatsächlich so abgelaufen, wie ich es vermutet hatte – von ihrem Geist heimgesucht. Sie erschien ihm wohl jede Nacht. Ich brauche nicht zu erklären, dass man Herrn Muller kurz darauf in die Irrenanstalt brachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr mich fragt, war es der Teufel, der Besitz von Herrn Muller ergriffen hatte. Wie sonst soll ein Mensch solche Grausamkeiten begehen? Und der Teufel lenkte auch Herrn Mullers Hand, als er sich in der Irrenanstalt das Leben nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte, damit wäre die Sache vorbei gewesen, aber nein. Die Seelen der Mullers haben seitdem keine Ruhe gefunden. Nachts höre ich manchmal Geräusche aus dem Nachbarhaus, als würden die Mullers dort noch wohnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeden Abend bete ich zu Gott, dass sie endlich ihren Frieden finden mögen. Daher bitte ich euch – inständig – sucht euch ein anderes Haus. Zieht euer Kind nicht in dieser Kammer des Teufels auf!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau sah uns aus großen, fast wahnsinnigen Augen an. Sie hatte meine Laternenhand ergriffen, um ihre Bitte zu unterstreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich räusperte mich, versuchte, den Ekel und das Unbehagen zu verbergen, den ihre Geschichte in mir ausgelöst hatte. „Das klingt ja wirklich furchtbar“, erwiderte ich. „Und das alles ist wirklich so passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum schien die Frau zu kränken. Sie zog ihre Hände zurück, während sie die Nase rümpfte. „Ich muss doch sehr bitten! Natürlich ist das so passiert! Ich bin doch keine Lügnerin!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verzeihung“, sagte ich schnell. „So war das nicht gemeint. Ich wollte Sie nicht kränken.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Schaden war bereits angerichtet. Sie ging mit schnellen Schritten davon, während sie etwas von „Frechheit!“ und „Natürlich ist das wirklich passiert!“ murmelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah zu, wie sie im Nachbarhaushaus verschwand. Dann sah ich beschämt zu meiner Frau. Erst jetzt bemerkte ich, wie blass sie um die Nase geworden war. „Hee!“, sagte ich schnell. „Liebste. Nimm dir die Geschichte nicht so zu Herzen. Das war doch nur eine verwirrte alte Frau. Außerdem ist das hier New Orleans. Da gehören Geistergeschichten zum guten Ton.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber meine Frau nahm es sich zu Herzen. Nach einem Moment des Schweigens sagte sie: „Und wenn die Sache mit dem Mord wahr ist? Ich weiß nicht, ob ich unser Kind in solch einem Haus großziehen möchte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte schief. „Wir können uns ja mal umhören. Vielleicht kann uns der Verkäufer morgen mehr dazu sagen.“ Anschließend trat ich näher an das Haus heran und spähte durch eines der beiden Fenster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drinnen standen tatsächlich keine Möbel mehr. Damit hatte die Alte also schonmal recht gehabt. Leider konnte ich im schwachen Licht meiner Laterne jedoch kaum etwas erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sieht eigentlich ganz friedlich aus“, sagte ich trotzdem, um meine Frau ein wenig zu beruhigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie drängte sich dicht an mich, während auch sie durch das Fenster spähte. „Geister sehe ich zumindest keine“, merkte sie an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zauberte mir ein Schmunzeln auf die Lippen. Zumindest, bis aus dem Haus plötzlich ein lautes Rattern ertönte. Es klang, als wäre eine große Maschine angesprungen. Eine Wurstmaschine zum Beispiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nellie und ich machten einen Satz rückwärts, ehe wir einander mit großen Augen ansahen. Jetzt musste auch mir die Angst ins Gesicht geschrieben stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lass uns zurück zum Gasthaus gehen“, schlug sie vor. Ich nickte nur, ehe wir uns mit schnellen Schritten von dem leerstehenden Haus entfernten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wussten wir nicht, ob es sich bei dem Lärm tatsächlich um eine Geistererscheinung gehandelt hatte. Ich wusste ja nicht einmal, ob so wirklich eine Würstchenmaschine klang. Trotzdem konnten wir herausfinden, dass die Geschichte mit dem Mord und sogar mit der zu Würstchen verarbeiteten Ehefrau stimmte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztendlich gingen wir nicht zu der Besichtigung. Dafür fanden wir wenige Tage später ein kleines gemütliches Haus am anderen Ende der Stadt. Es war deutlich teurer, aber dafür erzählte man sich darüber keine Geistergeschichten.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hans Muller House ist ein Spukhaus in New Orleans, Louisiana in den USA. Es ist bekannt für die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> des Sausage Man (englisch für „Würstchenmann“), einem Geist, der in dem Haus spuken soll. Die Legende handelt davon, dass er zu Lebzeiten seine Frau ermordet und zu Würstchen verarbeitet haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Namen der Legende, die ich bei meiner Recherche gefunden habe, sind „The Mad Butcher“ (der wahnsinnige Metzger), „The Sausage Factory“ (die Wurstfabrik), „The Sausage Ghost“ (der Wurstgeist) oder „The Ghost that walked the Sausage Factory“ (Der Geist, der durch die Würstchenfabrik wanderte).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Täter in der Legende soll ein Mann namens Hans Muller gewesen sein, der mit seiner Frau von Deutschland in die USA ausgewandert ist. Genaueres ist zu ihm nicht bekannt, außer, dass er sehr freundlich und beliebt gewesen sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zugetragen haben soll sich das Ganze im späten 19. Jahrhundert. Eine Quelle sprach auch vom 18. Jahrhundert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Herr und Frau Muller, zwei deutsche Einwanderer, sollen in New Orleans eine Metzgerei eröffnet haben. Es mag etwas gedauert haben, aber mit der Zeit wurden die beiden in der Gegend sehr beliebt – was zum einen an ihrer freundlichen Art und zum anderen an ihren unübertroffenen Würstchen gelegen haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Privat ging es bei den beiden jedoch deutlich weniger rosig zu. Es heißt, dass sie oft stritten und Hans Muller seiner Frau bald überdrüssig wurde. Sie war nicht mehr die Jüngste, ihr Körper war gezeichnet von der harten Arbeit und so soll Hans Muller sich bald in eine andere Frau verliebt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da es damals so etwas wie Scheidung jedoch noch nicht gab, hatte Muller nur eine Möglichkeit, seine Ehefrau loszuwerden: Er erwürgte sie eines Abends im Hinterzimmer ihrer Metzgerei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend soll er die Leiche seiner Frau in ihre Wurstmaschine, einen riesigen Fleischwolf, geworfen haben. Er verarbeitete ihre Überreste zu Würstchen und verkaufte sie an nichtsahnende Kunden, um sie unbemerkt zu entsorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Leute daraufhin jedoch anfingen, Haare und andere merkwürdige Dinge in ihren Würstchen zu finden, kamen erste Gerüchte auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch blieb natürlich nicht unbemerkt, dass Frau Muller schon länger nicht mehr gesehen wurde – wobei Hans Muller sehr kreativ mit den Ausreden gewesen sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verdächtigungen waren jedoch noch nicht alles, was den Mörder plagte: Es heißt, dass ihm seit dem Mord jede Nacht der Geist seiner Frau erschienen sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Muller soll daher unter Schlafstörungen gelitten haben und allmählich dem Wahnsinn verfallen sein. Und auch die Qualität seiner einst hoch angesehenen Würstchen soll gelitten haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem soll der Mord an Frau Muller erst ans Licht gekommen sein, als einer der Kunden einen goldenen Ehering in seinem Würstchen fand. Er benachrichtigte die Polizei, die Herrn Muller sofort aufsuchte. Sie fanden ihn völlig verstört auf dem Boden zusammengekauert auf seine Wurstmaschine zeigen und schreien, dass der Geist seiner Frau ihn holen komme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hans Muller wurde daraufhin in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Aber auch dort soll ihm weiterhin der Geist seiner Frau erschienen sein, weshalb er sich eines Tages das Leben nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem sollen die Geister von Herrn und Frau Muller in ihrem ehemaligen Haus spuken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen der Legende soll Hans Muller nicht nur seine Frau, sondern noch weitere Menschen und sogar Hunde und Katzen umgebracht und zu Wurst verarbeitet haben. Auch gibt es Versionen, in denen diese Wurst besonders beliebt war, bis die grausame Wahrheit herausgekommen ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort des Geschehens war angeblich das inzwischen als Hans Muller House bekannte Haus in der 725 Ursulines Avenue in New Orleans, Louisiana, USA. Es steht auch heute noch da, ist jedoch für die Öffentlichkeit nur von außen zu besichtigen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste mir bekannte schriftliche Fassung der Legende vom Hans Muller House wurde in dem 1945 veröffentlichten Buch „Gumbo Ya-Ya“ abgedruckt, einer Sammlung lokaler Legenden aus Louisiana, die von der Louisiana State Library gesponsort wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es zahlreiche andere Geschichten und Legenden, in denen ein menschenfleischverarbeitender Schlachter eine Rolle spielt. Ob und inwiefern einige von ihnen die Legende des Sausage Man inspiriert haben (oder davon inspiriert wurden), ist mir jedoch nicht bekannt. Darunter sind z. B. urbane Legenden, die von Menschenfleisch in Fast Food berichten oder Eltern, die unwissentlich ihre zu Fleischprodukten verarbeiteten Kinder gegessen haben, nachdem diese verschwunden waren. In den meisten Legenden kommt es – genau wie bei the Sausage Man – dadurch heraus, dass ein Ring, Haare, menschliche Zähne o. Ä. im Fleisch gefunden werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist aber wahrscheinlich, dass ein realer, am 26. Oktober 1927 in New Orleans begangener Doppelmord, der als „The Trunk Murders“ bekannt ist, die Legende inspiriert hat. Dabei hat Henry Moity seine und die Ehefrau seines Bruders ermordet, nach Fleischermanier in Stücke zerlegt (er hatte eine Zeit lang als Metzger gearbeitet) und in zwei große Koffer gepackt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Geliebten seiner Ehefrau soll Moity im Gefängnis gesagt haben, dass er ihn zu Wurst verarbeiten würde, wenn er ihn in die Finger bekäme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Doppelmord geschah in der 715 Ursulines Avenue, nur 10 Hausnummern weiter in derselben Straße, in der das Hans Muller House steht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Hans Muller House und the Sausage Man? Kanntet ihr die Legende bereits? Oder kanntet ihr vielleicht eine ähnliche? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Myling – Folge nicht seinen Schreien!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Mar 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/003c326817c64c0ea42664b2384dc5e4" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Meine Geschichte über den Myling spielt an einem Ort, der euch bereits von einer anderen Geschichte bekannt sein dürfte. Es war zwar nicht geplant, hatte aber zu gut gepasst, damit ich es nicht dort spielen lasse. Und wer weiß, vielleicht erwarten euch ja noch weitere Geschichten aus diesem kleinen schwedischen Dörfchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Kindes<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schnee knirschte unter meinen Füßen, während ich von Kalle, meinem treuen braunen Labrador, an seiner Leine durch den Wald gezogen wurde. Es war bereits März. Trotzdem lagen die Temperaturen hier in Schweden häufig noch unter 0 °C.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte die Kälte jedoch kaum. Wie so oft, wenn ich mit Kalle allein Gassi ging, wanderten meine Gedanken zu meiner Tochter Maja. Ich hatte sie letzten Monat bei einem Autounfall verloren. Den Fahrer traf keine Schuld. Er war ins Schlittern gekommen und hatte die Kontrolle über sein Auto verloren. Aber natürlich änderte das nichts an der Leere, die ich seit jenem Tag spürte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wäre Thorbjörn, ein alter Schulfreund, den ich letztes Silvester zufällig wiedergetroffen hatte, nicht gewesen, weiß ich nicht, wie ich nach dem Unfall hätte weiterleben sollen. Es war Glück im Unglück, dass er an dem Tag, als Maja starb, bei mir gewesen war, sodass er mich wenigstens etwas hatte auffangen können. Aber auch er konnte das Loch in meinem Herzen nicht füllen, dass der Tod meiner Tochter hineingerissen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein plötzliches Knurren vor mir riss mich aus meinen Gedanken. Kalle stand am Wegesrand und bellte ins Unterholz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell wischte ich die Tränen aus meinen Augen und ging zu ihm. „Was ist? Was hast du gesehen, mein Junge?“, fragte ich, während ich selbst in den dunklen Wald spähte. Ich konnte nichts Auffälliges entdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich war es bloß ein Reh oder ein Hase. Andererseits verirrten sich manchmal Wölfe und Bären in diese Gegend. Ich selbst war zwar noch nie einem von ihnen begegnet, entschied aber, es nicht darauf ankommen zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich Kalle jedoch zaghaft an seiner Leine weiterziehen wollte, stemmte er sich mit seinem gesamten Gewicht dagegen. Auch das war noch nie vorher vorgekommen. War es also wirklich ein potenziell gefährliches Tier?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch ging ich im Kopf alles durch, was ich über Begegnungen mit Wölfen und Bären erinnerte: Das Wichtigste war, dass ich mich groß machte, Lärm machen sollte und auf keinen Fall weglaufen oder mich umdrehen durfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also stand ich da, neben meinem bellenden Hund, hob die Arme über den Kopf und rief in den Wald hinein. „Hej Bär, hej Wölfe. Falls ihr da draußen seid, haut ab. Wir wollen euch nichts Böses!“ Vorsichtshalber zog ich sogar die Handschuhe aus und klatschte einige Male in die Hände, ehe ich sie wieder über den Kopf hob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es rauschte ein sanfter Wind durch die Bäume. Ansonsten hörte ich nichts. Kein Knirschen im Schnee, kein Geraschel oder Knacken im Unterholz. Nichts, das auf ein wildes Tier hindeutete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich ertönte eine leise Stimme. „Hallo?“ Es klang wie ein Kind, das den Tränen nahe war. „Mama?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Maja!</em>‘, schoss es mir sofort in den Kopf. Aber natürlich war sie es nicht. Meine Tochter war tot. Außerdem war das eindeutig eine Jungenstimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer ist da?“, rief ich in den Wald hinein. Ich ließ die Hände sinken und zog meine Handschuhe wieder an. „Hast du dich verirrt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kind antwortete nicht. Stattdessen ertönte ein leises Schluchzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hee, alles wird gut“, erwiderte ich, während ich einige vorsichtige Schritte ins Unterholz tat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle hielt sich eng an mich, während er mir mit eingeklemmtem Schwanz folgte. Wenigstens bellte er nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mein Name ist Jonna“, fuhr ich fort. Mit Glück kannte ich den Jungen aus Majas Schule. Oder von früher aus ihrem Kindergarten. „Kommst du aus dem Dorf?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das Kind antwortete mir nicht mehr. Durch sein lautes Geschluchze hatte ich es trotzdem schnell ausfindig gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um Himmels willen!“, stieß ich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein kleiner blonder Junge hockte vor mir im Schnee. Er trug dünne, abgenutzte Kleidung, hatte bleiche, dreckverschmierte Haut und sah abgemagert aus. Wenn es dafür nicht viel zu kalt gewesen wäre, hätte ich fast gedacht, dass er bereits einige Tage durch den Wald geirrt sein muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist passiert? Wo sind deine Eltern?“, fragte ich besorgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein kleiner Körper zitterte zwar nicht, aber ich war mir trotzdem sicher, dass er völlig durchgefroren sein musste. Also machte ich mich daran, meine Daunenjacke auszuziehen, während ich auf ihn zuging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle blieb hingegen in einigem Abstand stehen. Er kauerte sich zusammen und knurrte das Kind an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschrocken drehte ich mich zu ihm um. „Kalle! Aus! Du machst dem Jungen noch Angst!“, schimpfte ich, nichtahnend, dass er mich bloß beschützen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ging alles sehr schnell: In dem kurzen Moment, in dem ich ihm den Rücken zugedreht hatte, schrie der Junge plötzlich auf und stürzte sich auf mich. Er sprang auf meinen Rücken und klammerte sich an mich, indem er fest die Arme um mich legte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? He … Du tust mir weh!“, schrie ich, während ich panisch versuchte, seine Arme von meinem Hals zu entfernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kind war ungewöhnlich stark. Besonders für seinen Zustand. Trotzdem tat ich mein Möglichstes, ihn so sanft ich konnte von meinem Rücken zu entfernen – ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle war dabei die ganze Zeit am Bellen. Trotzdem versuchte er nicht, das Kind anzugreifen, fast als hätte er Angst vor ihm. Und so langsam verstand ich, warum: Was auch immer dieses Ding auf meinem Rücken war, es war kein normaler Junge. Wie sonst konnte man erklären, dass ich, eine erwachsene Frau, seine Arme nicht einen Zentimeter bewegen konnte, egal wie sehr ich daran zerrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bring mich zu einem Friedhof!“, zischte der Junge mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte mich zum Innehalten. „W-was?“, fragte ich irritiert. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Begrab mich in geweihtem Boden, damit ich endlich Frieden finden kann!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment hatte ich das Gefühl, als würde mein Gehirn aufhören zu funktionieren. Es ergab für mich keinen Sinn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das alles vielleicht nur ein kranker Scherz? Aber wie könnte ein Scherz meinen Hund dazu bringen, den Jungen zu fürchten? Außerdem konnte kein Scherz der Welt einem Kind solche Muskelkraft verleihen, dass ich seine Arme nicht ansatzweise bewegen konnte. Nicht einmal mit all dem Adrenalin, das gerade durch meinen Körper schoss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn das hier kein Scherz war, meinte der Junge die Aufforderung ernst. Er wollte lebendig begraben werden. Oder war er vielleicht gar nicht lebendig?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das befreite mich endlich aus meiner Starre. „Okay! Okay“, erwiderte ich, während ich mich in Bewegung setzte. Kalle folgte mir in einigem Abstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte zwar keine Ahnung, was hier vor sich ging, aber wenn sich ein anscheinend übermenschlich starkes Wesen an meinen Rücken klammerte, das mir wahrscheinlich mit Leichtigkeit den Kopf abreißen konnte, wollte ich es bestimmt nicht wütend machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg versuchte ich weiter, meine Gedanken zu sortieren. Es gelang mir nicht wirklich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen fiel mir bald auf, dass meine Beine schwächer wurden. Zuerst dachte ich, es wäre bloß der Adrenalinschub, der allmählich nachließ, aber je näher ich meinem Auto kam, desto schwerer lastete der Junge auf meinen Schultern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch merkte ich, wie mein Atem vor Anstrengung immer schwerfälliger wurde. Eine Art Müdigkeit machte sich in mir breit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Anfang versuchte ich noch, mich mit der Natur um mich herum abzulenken. Aber obwohl es mir sonst nie sonderlich schwerfiel, die Schönheit der Natur wahrzunehmen, wirkte sie jetzt fast schon erdrückend. Die Bäume ragten hoch über mich hinaus, als würden sie auf mich herabblicken. Die Dunkelheit zwischen den Bäumen kam mir vor, als würde sie mich beobachten. Ein Gefühl der Enge machte sich in meinem Brustkorb breit. So ähnlich hatte ich mich auch gefühlt, als ich Maja verloren hatte. Als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strauchelte. Erst jetzt fiel mir auf, dass es nicht die Natur war, die mich fast erdrückte, sondern das Gewicht auf meinem Rücken. Der Junge war inzwischen so schwer geworden, dass ich Probleme hatte, geradeaus zu gehen. Mühsam setzte ich einen Fuß vor den anderen, bis ich endlich den Parkplatz erreichte. Selbst das Herauskramen meines Autoschlüssels aus der Jackentasche kam mir wie eine nahezu unschaffbare Aufgabe vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einigen Anläufen hatte ich es endlich geschafft. Ich öffnete die Autotür und ließ Kalle auf den Rücksitz springen, ehe ich mich selbst auf den Fahrersitz fallenließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum schien dem Jungen zu missfallen. „Keine Pause machen! Steh auf und bring mich zum Friedhof!“, schrie er mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich …“, presste ich hervor. Erschrocken stellte ich fest, dass mir selbst das Sprechen inzwischen schwerfiel. „Ich mach keine Pause. Wir fahren das letzte Stück. Geht … schneller …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Junge antwortete nicht, aber ich merkte genau, wie er hibbelig wurde, spürte seinen misstrauischen Blick in meinem Nacken. Wusste er nicht, was ein Auto war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald ich den Motor gestartet hatte und wir uns in Bewegung setzten, entspannte er sich schnell wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem merkte ich, wie ich weiter schwächer wurde. Ich hatte gehofft, dass das Sitzen helfen würde, ich hier wieder zu Kräften kommen könnte. Stattdessen verschwamm meine Sicht allmählich. Kalles Gebell auf dem Rücksitz klang ungewöhnlich weit weg. Ich hatte Probleme, die Spur zu halten, musste mich mehr und mehr auf die Straße konzentrieren, geriet immer wieder auf die Gegenfahrbahn. Zum Glück war ich um diese Uhrzeit allein auf der Straße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich kamen die Lichter meines Heimatdorfes in Sicht. Die Fahrt war nicht sonderlich lang, immerhin ging ich mit Kalle immer nur knapp außerhalb der Gemeinde spazieren, wenn wir eine größere Runde planten. Und so hatte ich die Straße, in der die Kirche und der Friedhof lagen, bald erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort angekommen betätigte ich wieder und wieder die Hupe. Das schien den Jungen, der sich noch immer fest an mich klammerte, zu verwirren. Ich merkte, wie er sich ruckartig umsah. Aber entweder wusste er nicht, dass ich den Lärm machte, oder er hinterfragte es nicht weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich hielt ich an. Ich fuhr jedoch nicht bis zur Kirche oder dem Friedhof ein Grundstück weiter. Ich wusste genau, dass ich es in meinem Zustand niemals schaffen würde, den Jungen zu begraben. Stattdessen hielt ich meinen Wagen bei dem Haus davor. Es gehörte Einar, unserem Pfarrer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort angekommen betätigte ich noch einige Male die Hupe, ehe ich schließlich die Fahrertür aufstieß. Ich versuchte, auszusteigen, aber meinen Beinen fehlte die Kraft. Stattdessen landete ich mit meinen Handflächen auf dem kalten Bürgersteig, schaffte es nur mühsam, meine Beine aus dem Auto zu ziehen, während die Welt um mich mehr und mehr verschwamm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Letzte, was ich sah, war, wie sich die Haustür des Pfarrers öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer ist da? Um Gottes willen, Jonna!“, hörte ich Einar meinen Namen rufen. Seine Stimme klang weit entfernt. Trotzdem konnte ich noch hören, wie er zu uns rannte. „Lass sie los, Myling!“, schrie Einar. „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufe ich dich auf den Namen Jon!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr bekam ich nicht mehr mit. Im nächsten Moment verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich wieder zu mir kam, lag ich, zugedeckt mit einer Wolldecke, auf einem Sofa. Von dem Jungen fehlte jede Spur. Dafür lag Kalle dicht an mich gekuschelt bei mir. Sobald er merkte, dass ich wach war, bellte er freudig, wedelte mit dem Schwanz und schlabberte mir durchs Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He! Ist ja gut. Ist ja gut mein Junge, ich bin wach“, sagte ich, während ich mich halbherzig gegen seinen Angriff wehrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment ging eine Tür auf. Einar kam mit besorgter Miene auf mich zu. „Jonna. Gott sei Dank, du bist wach. Wie geht’s dir?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um ehrlich zu sein, ziemlich beschissen“, gestand ich. „Was ist passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pfarrer zögerte. „Ich … Ich weiß nicht, wie sehr du dich mit den alten schwedischen Sagen auskennst“, begann er. „Aber dieses Wesen, das du auf dem Rücken hattest, nennt man einen Myling.“ Er musterte mich einen Moment, als wolle er abschätzen, ob ich ihm glaubte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Myling?“, wiederholte ich. Vor wenigen Stunden noch hätte ich unseren Pfarrer für solch eine Aussage wahrscheinlich als verrückt bezeichnet, aber nach dem, was mir widerfahren war, war mir jede Erklärung recht, die mir eine Antwort lieferte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Myling ist ein Wiedergänger. Ein Untoter. Den Legenden nach entstehen sie, wenn ein ungetauftes Kind getötet oder im Wald ausgesetzt wird. Sie können nur ihren Frieden finden, wenn sie in heiligem Boden begraben werden oder wenn sie …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„… wenn sie getauft werden“, beendete ich seinen Satz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einar nickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen hatte er den Jungen also Jon getauft. Er hatte mir damit das Leben gerettet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pfarrer legte mir eine Hand auf den Arm. „Es tut mir leid, dass das ausgerechnet dir widerfahren ist, Jonna. Nach allem, was du durchgemacht hast.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte schief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du kannst jedenfalls hierbleiben, solange du willst“, bot er mir an. „Nur die Nacht oder bis du dich besser fühlst.“ Dann lächelte er noch einmal, ehe er seine Hand von meinem Arm löste. Nach einem kurzen Zögern drehte er sich schließlich um und wollte gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte“, hielt ich ihn auf. „Du siehst aus, als wenn du noch etwas sagen wolltest.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einar seufzte schwer. „Es ist nur … Ich hatte schon damit gerechnet, dass so etwas passiert. Zu Weihnachten hatte irgendein Verrückter den Årsgång durchgeführt. Das ist ein unchristliches Ritual, mit dem man angeblich die Zukunft voraussehen kann. Ich hatte bereits befürchtet, dass dadurch übernatürliche Wesen auf unser Dorf aufmerksam geworden sind. Wir können nur hoffen, dass dem Myling keine Weiteren folgen.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Myling, auch Myrding (Schwedisch für „Ermordetes“), ist ein Wiedergänger des skandinavischen Volksglaubens. In Norwegen wird das <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> Utburd genannt, in Island Útburður und bei den Samen u. a. Ihtiriekko.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> nach entsteht ein Myling, wenn ein Kind, oft ein Neugeborenes, ungetauft stirbt – meist, weil es von den Eltern ermordet oder im Wald ausgesetzt wurde     – und anschließend nicht ordnungsgemäß bestattet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist besonders früher oft vorgekommen, als Abtreibung noch verboten und uneheliche Kinder als Schande angesehen oder sogar kirchlich bestraft wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderer häufig genannter Grund ist, dass die Eltern keine finanziellen Mittel besaßen, um das Kind zu ernähren, und keinen anderen Ausweg sahen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltener sind Mylingar die Wiedergänger von Totgeburten, die nicht ordnungsgemäß bestattet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Svenska Akademiens Ordbok (Schwedisch für „Wörterbuch der Schwedischen Akademie“) ist außerdem aufgeführt, dass ein Myling auch der Wiedergänger eines ermordeten Erwachsenen sein kann, der nicht ordnungsgemäß bestattet und dessen Mörder nicht bestraft wurde. Hierzu habe ich jedoch keine historischen Belege gefunden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Mylingar im Normalfall Wiedergänger von Neugeborenen sind, nehmen sie das Aussehen von sechs- bis 12-jährigen Kindern an. Sie haben blasse Haut und sind oft abgemagert und verdreckt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als Wiedergänger, also Untote, halten sich Mylingar für gewöhnlich in der Nähe des Ortes auf, an dem sie begraben oder ihre Leiche versteckt wurde. Dort soll man nachts außerdem oft das Geschrei eines Kindes oder Babys hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte sich jemand auf die Suche nach dem Ursprung des Geschreis machen oder zufällig dem Myling begegnen, so springt der Myling den meisten Geschichten nach auf den Rücken der Person und klammert sich dort fest. Anschließend verlangt er, zu einem Friedhof oder geweihtem Boden gebracht und dort begraben zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da man sie nicht abschütteln kann, folgen die meisten Betroffenen der Bitte. Auf dem Weg zum Friedhof bzw. geweihtem Boden wird der Myling jedoch immer schwerer und schwerer. Sollte man es nicht rechtzeitig schaffen, den Ort zu erreichen, können sie angeblich so schwer werden, dass die Füße des Menschen im Boden versinken oder er unter der Last zusammenbricht, woraufhin der Myling wütend wird und den Menschen ermordet und sich auf die Suche nach seinem nächsten Opfer macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen entzieht ein Myling einem die Lebensenergie, während man ihn trägt. Irgendwann ist man schließlich so schwach, dass man zusammenbricht und stirbt. Diese Version würde auch zu anderen Wiedergängerlegenden passen, da die Berührung eines Wiedergängers den Menschen im Normalfall das Leben entzieht. So kann man daraufhin beispielsweise todkrank werden, die berührte Stelle kann abfallen, verbrennen oder verfaulen oder der Mensch kann sterben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte man es hingegen schaffen, den geweihten Boden zu erreichen, lässt der Myling von einem ab, woraufhin man ihn begraben und somit seine Seele befreien kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Legenden verlangt der Myling einen Namen und es reicht aus, ihm einen zu geben, oder der Myling muss sich an seiner Mutter rächen, um Frieden zu finden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mylingar wurden hauptsächlich in Skandinavien gesichtet. Dort können sie überall auftauchen, wo ein ungetauftes Kind gestorben ist bzw. sein Leichnam versteckt oder begraben wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Geschichten kommen sie in Wäldern oder auf dem Grundstück der Eltern vor.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Glaube an Mylingar geht wahrscheinlich auf den früher oft begangenen Kindsmord zurück. Die häufigsten Gründe hierfür waren, wie bereits erwähnt, dass die Eltern keine finanziellen Möglichkeiten hatten, das Kind zu ernähren, oder das Kind unehelich war und die Eltern somit von der Kirche bestraft und gesellschaftlich missachtet worden wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war die Aufklärung früher nicht so weit wie heute, Verhütungsmittel waren deutlich weniger verbreitet und Abtreibungen waren verboten. Ungewünschte Kinder kamen also sehr viel häufiger vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie alt der Glaube an die Mylingar ist, habe ich hingegen nicht herausfinden können. Im Svenska Akademiens Ordboka ist eine Quelle aus dem frühen 17. Jahrhundert aufgelistet, die Legende kann aber natürlich noch deutlich älter sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Myling? Hat euch meine Geschichte gefallen? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr nachts Kinderschreie aus dem Wald hört? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/myling">Myling – Folge nicht seinen Schreien!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Slaughterhouse Canyon – Kannst du ihre Schreie hören?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Mar 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Okay. Du willst, dass wir dich bespaßen?“, wandte ich mich an meinen kleinen Bruder. „Dann bespaßen wir dich. Wie wäre es mit einer kleinen Geschichte? Weißt du, wie der Slaughterhouse Canyon zu seinem Namen gekommen ist?“</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/1635cec87dc445d7aea6e1cc6f2a126d" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Slaughterhouse Canyon ist ein Canyon in den USA, in dem unerklärliche Dinge geschehen sollen. Sie begannen mit der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a>, die dem Canyon seinen Namen gegeben haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Tod mehrerer Kinder</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Mom, kann Liam nicht allein zuhause bleiben?“, flehte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Mom ließ sich nicht überreden. „Auf gar keinen Fall!“, erwiderte sie, während sie dabei war, einen Ohrring in ihr Ohr zu friemeln. „Dein kleiner Bruder ist viel zu jung. Was, wenn etwas passiert? Nimm ihn einfach mit zu Jeffrey und setz ihn vor den Fernseher. Was anderes würde er zuhause auch nicht machen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte schwer. Immerhin durfte Mom nicht wissen, dass ich gar nicht vorhatte, zu Jeff zu fahren. Also gab ich nach. „Ist gut. Ich nehm Liam mit“, grummelte ich. Trotzdem würde ich mir von ihm nicht den Abend ruinieren lassen, nur weil seine Babysitterin in letzter Minute abgesagt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mom kam zu mir, um mich zu drücken. „Du bist der Beste. Danke Nate“, flüsterte sie mir zu, ehe sie sich verabschiedete und nach draußen zu Dad eilte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurze Zeit später hörte ich, wie sie mit dem Auto losfuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder seufzte ich schwer, ehe ich nach meinem Bruder rief. „Liam! Zieh deine Schuhe an, wir wollen los!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Noch fünf Minuten“, kam die Antwort aus dem Wohnzimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rollte mit den Augen. „Nein, keine fünf Minuten. Wenn Mom und Dad weg sind, bin ich der Boss, und ich sage, dass wir jetzt fahren!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgte ein genervter Ausruf, trotzdem konnte ich fast sofort leise Schritte hören. Geht doch.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir in meinem Auto saßen, starrte Liam aus dem Fenster und tat so, als ob er beleidigt sei. Er mochte es nicht, wenn ich ihn herumkommandiere. Allerdings war seine Bockigkeit nicht sonderlich überzeugend, da ich genau sehen konnte, wie er seinen Kopf rhythmisch zur Rockmusik aus dem Radio bewegte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens als wir an Jeffs Straße vorbeifuhren, konnte er nicht länger so tun, als wolle er nicht mehr mit mir reden. „Nate? Hätten wir zu Jeffrey nicht eben nach rechts gemusst?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grinste. „Es gibt eine kleine Planänderung. Wir treffen uns mit Jeff woanders.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo denn?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das wirst du gleich sehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also starrte Liam angestrengt nach draußen – wahrscheinlich, um zu erraten, wo wir hinfuhren. Zum Glück war es schon dunkel, sodass in der steppigen Gegend von Arizona fast alles gleich aussah. Sogar ich, der schon 17 Jahre hier wohnte, hatte nachts Probleme, mich zwischen all dem Sand, dem immergleich aussehenden vertrockneten Gras und den Felsen zurechtzufinden, sobald wir Kingman, unsere Heimatstadt, verließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so gab Liam keinen Mucks von sich, während wir die Lichter und Straßenlaternen hinter uns ließen. Wir fuhren, nur erleuchtet von unseren eigenen Scheinwerfern, einige dunkle Straßen entlang, ehe endlich ein parkendes Auto vor uns auftauchte. Ich hielt direkt dahinter, schaltete den Motor aus und wandte mich meinem Bruder zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da sind wir. Willkommen im Slaughterhouse Canyon, kleiner Bruder“, erklärte ich mit möglichst dramatischer Stimmlage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liam sah mich mit großen Augen an. „Mom und Dad haben uns verboten, allein hierherzukommen!“, protestierte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen blieb gelassen. „Ach, mach dir nicht gleich ins Hemd. Außerdem sind wir nicht allein.“ Ich deutete auf das Auto vor uns. „Mia, Jeff und Tyler sind auch da. Also was ist? Kommst du mit oder möchtest du allein im dunklen Auto bleiben?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne eine Antwort abzuwarten, schaltete ich das Scheinwerferlicht aus, schnallte mich ab und begann, aus dem Auto zu steigen. Liam folgte mir zögerlich.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Freunde warteten bereits an einem Lagerfeuer auf uns. Als sie mich sahen, hoben sie ihre Bierdosen zur Begrüßung. „Wow, Nate. Du hast es ja doch noch geschafft“, sprach Jeff aus, was wohl auch die anderen dachten. Sie kommentierten es mit einem kleinen Beifall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Liam jedoch hinter mir ins Licht stolperte, verstummten sie schlagartig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alter, du hast deinen kleinen Bruder mitgebracht? Das hier ist doch kein Kindergarten“, sagte Tyler lautstark.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte, wie mein Mund trocken wurde. Mit solch einer Reaktion hatte ich bereits gerechnet. „Sorry, es ging nicht anders. Seine Babysitterin hat spontan abgesagt. Also hieß es ihn entweder mitnehmen oder mit ihm zuhause bleiben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeff und Tyler warfen einander ungläubige Blicke zu. Sie taten ja fast so, als hätte ich meine Eltern mitgebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einzige, der es nichts auszumachen schien, war Mia. Sie stellte sofort ihre Bierdose in den Sand und stand auf, um meinen Bruder zu begrüßen. „Hey Liam. Das ist ja schon ewig her. Wie alt bist du jetzt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Neun“, erwiderte er kleinlaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wow, dann bist du ja schon in der vierten Klasse. Kommt, setzt euch zu uns. Das wird bestimmt lustig.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zwinkerte mir zu, woraufhin ich ein stummes ‚Danke‘ mit dem Mund formte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenige Sekunden später saßen Liam und ich zwischen Mia und Jeff auf einem flachen Felsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mia griff sofort nach einer neuen Dose Bier, um sie mir zu reichen. Danach sah sie zögerlich zu Liam. Sie räusperte sich. „Tut mir leid, Großer. Wir haben leider nur Bier. Aber wenn du willst, kann ich schnell zur nächsten Tankstelle flitzen, um dir eine Sprite oder Cola zu holen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liam schüttelte nur den Kopf. Dann lehnte er sich jedoch zu mir. „Ihr seid noch gar nicht alt genug. Ihr dürft noch gar kein Bier trinken.“ Er flüsterte zwar, sprach dabei aber so laut, dass auch die anderen ihn problemlos verstehen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tyler warf die Arme hoch, als wolle er sagen: „Ich hab’s euch ja gesagt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen winkte ab. „Und du darfst nicht nachts unter deiner Decke heimlich lesen oder von deinen Klassenkameraden die Hausaufgaben abschreiben. Betrachte es einfach als unser kleines Geheimnis.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liam machte sich klein, als fühle er sich ertappt. Trotzdem nickte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grinsend wuschelte ich ihm durch die Haare. Die anderen wirkten jedoch weniger überzeugt. Ich sah, wie Tyler und Jeff den Kopf schüttelten. Und sogar Mia musterte meinen kleinen Bruder jetzt besorgt, wägte wahrscheinlich ab, ob er uns verpfeifen würde. Wenn ich nicht aufpasste, würde ich in Zukunft nicht mehr zu unseren kleinen Treffen eingeladen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück beruhigte sich die Situation bald. Und so saßen wir einige Minuten später entspannt am Lagerfeuer, redeten über die Schule und unser Leben, während Mia und ich uns nebenbei um Liam kümmerten, damit ihm nicht zu schnell langweilig wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ging auch einige Zeit gut. Aber wir wissen alle, wie kleine Kinder sind: Wenn sie nicht durchgehend Aufmerksamkeit bekamen oder einen Fernseher oder Videospiele in der Nähe hatten, langweilten sie sich trotzdem irgendwann. Und dann startete das Rumgequengel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Können wir nicht irgendetwas spielen?“, war einer seiner ersten Kommentare. Bald folgte ein „Mir ist kalt“ und schließlich merkte er sogar an, dass Mom ihm erlaubt habe, fernzusehen, und er daher lieber nach Hause wolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterdessen merkte ich, wie meine Freunde – insbesondere Tyler – immer genervter wurden. Sogar Mia wirkte langsam überfragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also entschied ich, sie etwas zu unterhalten. Nicht, dass sie wirklich auf die Idee kamen, mir bei ihren zukünftigen Ausflügen hierher nicht mehr Bescheid zu sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Okay. Du willst, dass wir dich bespaßen?“, wandte ich mich an Liam. „Dann bespaßen wir dich. Wie wäre es mit einer kleinen Geschichte? Weißt du, wie der Slaughterhouse Canyon zu seinem Namen gekommen ist?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das erregte die Aufmerksamkeit von Jeff und Tyler. Jeff setzte sich sogar gerade hin, um mich besser ansehen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mia hingegen wirkte nicht begeistert. „Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist? Liam ist noch etwas jung für Geistergeschichten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, das passt schon. Mein kleiner Bruder ist immerhin kein Feigling, oder Liam?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liam schüttelte wie erwartet den Kopf, obwohl er keineswegs der Mutigste war. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, wie er auf die Geschichte reagieren würde, aber für Gewissensbisse war es jetzt zu spät.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Slaughterhouse Canyon wird auch Luana’s Canyon genannt, benannt nach einer Frau, die hier einst gelebt hat“, begann ich. „Damals, zur Zeit des letzten großen Goldrauschs, hatte sie hier ganz in der Nähe in einem kleinen Haus gewohnt. Zusammen mit ihrem Ehemann und ihren drei kleinen Kindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Goldgräberfamilie hatten sie es jedoch nicht immer leicht. Wenn ihr Ehemann zur Arbeit ging, waren Luana und die Kinder manchmal tagelang allein. Auch hatten sie nicht viel Geld, weshalb sie nie zu viele Vorräte im Haus hatten. Also musste Luana das Essen immer gut einteilen, während sie sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Mannes wartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie und die Kinder waren voll und ganz auf ihn angewiesen. Ihr könnt euch daher Luanas Sorge sicher gut vorstellen, als ihr auffiel, dass ihr geliebter Ehemann bereits ungewöhnlich lang fort war. Es war schon über eine Woche her, dass er seinen Maulesel geschnappt und sich mit ihm auf den Weg gemacht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen neigten sich ihre Vorräte dem Ende zu. Und ohne Geld konnte Luana nichts Neues zu Essen organisieren – zumal die Stadt ein gutes Stück entfernt lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher aß sie nur noch kleine Portionen, bis sie schließlich ganz auf das Essen verzichtete. Sie hungerte, damit ihre Kinder essen konnten. Aber irgendwann war auch der letzte Rest aufgebraucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem gab Luana die Hoffnung nicht auf. Sie betete zu Gott, flehte, dass ihr Mann zur Tür reinkommen und seiner Frau einen Kuss geben solle, wie er es schon so viele Male zuvor getan hatte. Doch ihre Gebete wurden nicht erhört. Ihr Mann kam nie zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann soll Luana das Geschrei ihrer Kinder nach Essen und ihren eigenen Hunger nicht mehr ausgehalten haben. Es heißt, sie sei dem Wahnsinn verfallen, woraufhin sie ihr Hochzeitskleid angezogen und ihre Kinder mit einer Axt zerstückelt haben soll, um ihr Leid zu beenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend trug sie ihre Überreste zu einem nahegelegenen Fluss und warf sie in die Strömung. Erst in dem Moment soll sie, noch immer in ihr blutüberströmtes Hochzeitskleid gekleidet, wieder zur Besinnung gekommen sein. Sie bereute sofort, was sie getan hatte und brach weinend am Flussufer zusammen, wo sie schließlich starb. Einige Leute sagen, es war der Hunger, der sie letztendlich hingerichtet hatte, andere sagen es war ihr Herz, das vor lauter Schuld aufgehört hatte zu schlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber egal, wie sie auch starb, ihr Geist konnte nie seinen Frieden finden. Und so heißt es, dass man nachts hier im Slaughterhouse Canyon, benannt nach Luanas blutüberströmter Hütte, noch immer ihre wehklagenden Schreie hören soll.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille legte sich über uns, nachdem ich die Geschichte beendet hatte, nur unterbrochen vom Knistern des Lagerfeuers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst jetzt bemerkte ich, dass Liam neben mir zitterte. Fuck. Ich hatte es wieder zu weit getrieben. Ich wollte doch nur meine Freunde unterhalten, nicht meinen Bruder in Todesangst versetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„I-ist das wahr?“, fragte Liam schließlich. Die Frage schien ihn einiges an Überwindung gekostet zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja“, erwiderte Tyler. „Und nachts kommt sie manchmal her, um sich auf die Suche nach neuen Kindern zu machen, die sie …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tyler!“, fiel Mia ihm ins Wort. „Das ist nicht witzig! In Wirklichkeit heißt die Gegend nur Slaughterhouse Canyon, weil hier früher ein Schlachthof stand. Und da wurden keine Kinder geschlachtet, sondern nur ganz normale Kühe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Spielverderberin“, sagte Tyler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch das schien Liam nur wenig zu beruhigen, also legte ich ihm vorsichtig einen Arm um die Schultern, um ihm zu zeigen, dass ich für ihn da war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück wechselten wir bald die Gesprächsthemen. Jetzt ging es nicht mehr um gruselige Geisterfrauen, sondern um die Schule, Mädchen, unsere Familien und was uns sonst noch so in den Sinn kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem blieb Liam die ganze Zeit ungewöhnlich ruhig. Und auch, wenn es mich eigentlich freuen müsste, dass er nicht mehr rumquengelte, hatte ich ziemliche Gewissensbisse. Mit Angst wollte ich ihn ganz sicher nicht zum Schweigen bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich sah ich, wie Liam sich mit großen Augen umsah. „Habt ihr das gehört?“, fragte er leise und unterbrach damit Jeff, der gerade von seinem letzten Angelausflug erzählte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte schwer. „Liam, da ist nichts. Es gibt keine Geister. Wir waren schon unzählige Male hier draußen und haben noch nie …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, pscht. Ich hab auch was gehört!“, unterbrach mich Mia im Flüsterton.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte auch die anderen zum Schweigen. Wir saßen mucksmäuschenstill da und lauschten angestrengt. Und tatsächlich: In der Ferne konnte ich etwas hören, das mich ein wenig an wehklagendes Gejammer erinnerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist das?“, fragte Liam panisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bestimmt nur irgendein Tier“, versuchte ich, ihn zu beruhigen. Ich merkte aber selbst, wie Zweifel in meiner Stimme mitschwang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hockten wir alle stocksteif da. Sogar Jeff, der sonst immer so locker war, sah völlig angespannt aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kommt … Kommt das Geschrei näher?“, fragte Tyler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und tatsächlich: Während das Gejammer eben noch sehr weit entfernt klang, war es jetzt deutlich lauter geworden – und es klang eindeutig menschlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mir reichts. Ich hau ab“, erklärte Mia. Sie sprang auf und rannte los in Richtung Autos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tyler, Jeff, Liam und ich zögerten keine weitere Sekunde und taten es ihr nach. Gemeinsam stolperten wir durch Sand und Geröll. Das Geschrei wurde unterdessen immer lauter. Als wir die Autos erreicht hatten, kam es mir vor, als wäre die Frau, die da so schmerzlich weinte, nur noch wenige Meter entfernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fuck! Steig ein! Steig ein!“, schrie ich Liam zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die anderen achtete ich in dem Moment gar nicht mehr. Es zählten nur noch mein kleiner Bruder und ich. Dass Jeff, der vorhin bei Mia mitgefahren war, auf der Rücksitzbank saß, merkte ich erst bei einem Blick in den Rückspiegel. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte ich sein blasses Gesicht sogar für das von Luana gehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich mich von dem Schock erholt hatte, startete ich sofort den Motor. Mia war bereits dabei, ihren Wagen zu wenden, ehe sie mit Vollgas die Straße entlang preschte. Ich tat es ihr nach. Um ehrlich zu sein, wurde ich erst langsamer, als wir endlich die Stadt erreichten. Wir waren in Sicherheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis heute habe ich keine Ahnung, wen oder was wir im Slaughterhouse Canyon gehört hatten. Manchmal versuche ich, mir einzureden, dass es bloß ein verletzter Kojote war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Und Liam … Vom anfänglichen Schock abgesehen, hat er es erstaunlich gut weggesteckt. Natürlich hatte er sofort alles panisch Mom und Dad erzählt, sobald sie zuhause waren, woraufhin ich einen saftigen Hausarrest bekam. Einige Jahre später ertappte ich ihn jedoch dabei, wie er selbst mit einigen Freunden einen nächtlichen Ausflug in den Canyon plante.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Ahnung, wie er den Mut oder auch nur den Willen dazu aufbringen konnte. Ich wusste nur eins: Mich würden nach Anbruch der Dunkelheit keine zehn Pferde mehr in den gottverdammten Slaughterhouse Canyon bewegen können.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Slaughterhouse Canyon (englisch für „Schlachthaus Canyon“), auch Luana’s Canyon genannt, ist eine Schlucht in Arizona, USA, um die sich eine schreckliche urbane Legende dreht. Nachts soll man dort geisterhafte Schreie hören können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende wird häufig mit der lateinamerikanischen Legende La Llorona verglichen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach hat während der Zeit des Goldrauschs im 19. Jahrhundert eine Frau namens Luana zusammen mit ihrem Ehemann und ihren Kindern in einer kleinen abgeschiedenen Holzhütte in der Schlucht, die man heute Slaughterhouse Canyon nennt, gelebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ihr Mann Goldgräber war, kam es häufig vor, dass er für mehrere Tage fortging, um zu arbeiten und Essen zu organisieren. Daher teilte Luana sich und ihren Kindern die Lebensmittel immer gut ein, während sie auf ihren Ehemann warteten. Irgendwann kehrte ihr Mann jedoch nicht zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war wie sonst auch auf seinem treuen Maulesel losgeritten, aber selbst eine Woche später fehlte von ihm noch immer jede Spur. Es wird vermutet, dass er einen Unfall hatte oder von wilden Tieren oder Räubern überfallen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während Luana also voller Sorge auf ihn wartete, begann das Essen für sie und ihre Kinder knapp zu werden, bis es schließlich vollständig aufgebraucht war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tagelang musste Luana ihren eigenen Hunger und das Geschrei ihrer hungernden Kinder aushalten, weshalb sie bald den Verstand verlor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während eines heftigen Gewitters, so besagt es die Legende, zog sie sich ihr Hochzeitskleid an und ermordete ihre Kinder, damit sie nicht länger leiden mussten. Anschließend zerstückelte sie sie und warf ihre Körperteile in einen nahegelegenen Fluss, wo sie letztendlich in ihrem blutgetränkten Hochzeitskleid weinend am Ufer zusammenbrach und starb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Geschichte gab dem Slaughterhouse Canyon angeblich seinen Namen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen der Legende soll Luana ihre Kinder ertränkt und/oder sich selbst das Leben genommen haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vorkommnisse:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der Nacht soll man noch heute Schreie im Slaughterhouse Canyon hören können. Einige Leute behaupten, es wären die Schreie von Luanas Kindern, andere sagen, es ist das klagevolle Schreien von Luana selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es einige Augenzeugen, die angeblich Luanas <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> in der Schlucht gesehen haben wollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende soll sich, wie bereits erwähnt, im Slaughterhouse Canyon zugetragen haben, einer Schlucht, die nur wenige Kilometer südlich von der Stadt Kingman in Arizona, USA liegt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">So spektakulär und grausam die Legende klingt, desto unspektakulärer ist die Erklärung dahinter. Und zwar hat der Slaughterhouse Canyon seinen Namen in Wirklichkeit von einem Schlachthaus, das früher in der Schlucht gestanden hat. Die Legende um Luana und ihre ermordeten Kinder wurde erst im Nachhinein hinzugedichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gängigste Theorie besagt dabei, dass jemand den Namen Slaughterhouse Canyon gehört und sich eine gruselige Geschichte dazu ausgedacht hat. Wahrscheinlich wurde diese Geschichte stark von La Llorona inspiriert, was die Ähnlichkeit zu der lateinamerikanischen Legende erklären würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ist der Slaughterhouse Canyon in den letzten Jahrzehnten zu einem beliebten Treffpunkt für Jugendliche geworden, die dorthin kommen um zu trinken und sich gegenseitig zu gruseln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das dürfte auch die Sichtungen erklären, die es in der Gegend geben soll. Sowohl Angst als auch der Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen kann schnell dazu führen, dass die Schreie von Tieren wie z. B. Kojoten zu den Schreien von Geistern werden oder vom Mond beschiene Felsen zu geisterhaften Gestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr vom Slaughterhouse Canyon und seiner Legende? Würdet ihr euch nachts in einen Canyon trauen, in dem es Spuken soll? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Zashiki Warashi – Sie darf niemals gehen!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Sep 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Habt ihr schonmal einen Geist gesehen? Ein Junge aus meiner Schule hatte mir mal erklärt, dass Geister böse Wesen seien, die unsichtbar durch alte Häuser schleichen und Leute erschrecken – oder Schlimmeres. Auch wenn ich damals noch nicht wusste, was er mit ‚Schlimmeres‘ meinte.<br />
Was ich ebenfalls nicht wusste, war, dass ich damals schon viele Jahre mit einem Geist zusammengelebt hatte ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/ddf7152f6bad4a2ebd49f6d85366471c" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Zashiki Warashi sind japanische Haus<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">geister</a>, die ich Anfang des Jahres erstmals in dem Videospiel „Ghostwire: Tokyo“ kennengelernt habe. Seitdem hatte ich mir fest vorgenommen, einen Beitrag über sie zu schreiben. Sogar die Grundidee für die Geschichte steht schon seit einigen Monaten, auch wenn ich sie damals noch aus Sicht der Eltern erzählen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem möchte ich an dieser Stelle vorwarnen, dass es diesmal eine traurige statt einer gruseligen Geschichte wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Lesen!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Habt ihr schonmal einen Geist gesehen? Ein Junge aus meiner Schule hatte mir mal erklärt, dass Geister böse Wesen seien, die unsichtbar durch alte Häuser schleichen und Leute erschrecken – oder Schlimmeres. Auch wenn ich damals noch nicht wusste, was er mit ‚Schlimmeres‘ meinte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich ebenfalls nicht wusste, war, dass ich damals schon viele Jahre mit einem Geist zusammengelebt hatte. Aber lasst mich meine Geschichte am Anfang beginnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Name ist Haruto und ich lebe in Japan. Als die Ereignisse sich überschlugen, war ich gerade 7 Jahre alt gewesen. Ich hatte zusammen mit Papa in einem uralten Haus in der Präfektur Iwate gewohnt. Meine Mama sah ich hingegen nur alle paar Wochen. Papa und sie waren geschieden. Aber das machte mir nichts, weil Papa mich wirklich sehr liebte. Er hat mir jedes Spielzeug gekauft, das ich haben wollte, konnte nur selten ‚nein‘ zu mir sagen – vielleicht lag das aber auch an seinem schlechten Gewissen, weil er oft lange arbeiten musste und ich meist allein zuhause war. Nur, dass ich nicht allein war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab da ein Mädchen, das mit uns in unserem Haus wohnte. Wobei sie mir mal gesagt hatte, dass sie schon viel länger als wir dagewesen war. So gesehen lebten wir also in ihrem Haus. Jedenfalls spielte das Mädchen, das weder einen Namen noch einen Geburtstag hatte, oft mit mir. Sie brachte mir Lieder und Gedichte bei, zeigte mir Spiele, die ich selbst aus der Schule nicht kannte, und war immer für mich da, wenn ich sie brauchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa wusste natürlich von ihr, auch wenn er sie nicht sehen konnte. Ich hatte ihm aber gesagt, dass sie etwa in meinem Alter war, einen roten Kimono trug und mittellange schwarze Haare hatte. Papa meinte, man nenne die Frisur einen Pagenschnitt, nachdem ich sie ihm genauer beschrieben hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls hatte Papa das Mädchen immer meine imaginäre Freundin genannt. Und was soll ich sagen? Mein Leben war gut gewesen, als er sie noch so genannt hatte. Zumindest meistens. Denn das Mädchen spielte gerne Streiche. Und weil Papa sie nicht sehen konnte, gab er oft mir die Schuld daran. Manchmal war ich deswegen richtig wütend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal zum Beispiel, war das Mädchen barfuß durch unsere Feuerstelle, wie man sie in fast allen alten japanischen Häusern findet, gerannt. Sie war danach mit ihren vor Ruß schwarzen Füßen quer durchs Wohnzimmer gelaufen und hat überall auf den teuren Tatami-Matten ihre rußigen Fußabdrücke hinterlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa hat getobt, als er es gesehen hat. Wie immer hatte er mir die Schuld daran gegeben. Es war eines der wenigen Male, dass er mich angeschrien hat. Er hat mir gedroht, mir einen Monat lang keine Süßigkeiten mehr zu kaufen, und ich durfte eine ganze Woche kein Fernsehen. Tagelang habe ich kein einziges Wort mehr mit dem Mädchen geredet. Aber wie es nun einmal bei besten Freunden ist, haben wir einander am Ende doch wieder verziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten anderen ihrer Streiche waren harmloser. Zum Beispiel stellte sie gerne den Fernseher aus, wenn Papa Nachrichten sah. Die fanden wir beide immer so langweilig. Oder sie machte Geräusche im Nebenzimmer, wenn ich allein zuhause war. Das war nachts manchmal ganz schön gruselig. Trotzdem war ich glücklich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles änderte sich jedoch an einem einzigen Abend. Papa hatte wichtige Männer von der Arbeit zu Besuch und mich darum gebeten, nicht zu laut zu sein. Also saßen das Mädchen und ich im Nebenzimmer und sahen gemeinsam fern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst war alles ruhig. Ihr gefiel die Serie, die wir schauten – bis eine Folge kam, die sie schon kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verfolgte sie mit meinen Augen, wie sie aufstand und verträumt durch den Raum wanderte. Sie ging weg vom Sofa, vorbei am Esstisch und stand schließlich direkt vor Papas Bücherregal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst sah es so aus, als würde sie die Bücher durchsehen und überlegen, welches sie als Nächstes lesen wolle – auch wenn ich sie noch nie etwas lesen gesehen habe. Als sie sich scheinbar für ein Buch entschieden hatte, griff sie danach. Auf halber Strecke drehte sie jedoch ihren Kopf zu mir. Jetzt bemerkte ich ihr verschmitztes Grinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! Nicht!“, flüsterte ich in den Raum, gerade so laut, dass sie mich hoffentlich verstehen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es brachte nichts. Entweder hatte sie mich tatsächlich nicht gehört, oder aber entschlossen, mich zu ignorieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Wumm!</em>‘, ertönte es laut, als der schwere Wälzer auf eine der Tatami-Matten fiel. Zwar dämpfte die Matte das Geräusch, durch die dünnen Papierwände dürften Papa und seine Gäste es aber trotzdem deutlich gehört haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel auch schon das zweite Buch: <em>Wumm!</em> Und das dritte: <em>Wumm!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte, hör auf!“, flehte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber aus dem Nebenzimmer waren bereits schwere Schritte zu hören. Dann schob Papa die Schiebetür auf. „Alles in Ordnung, Haruto?“, fragte er sofort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich etwas erwidern konnte, fiel sein Blick jedoch auf die drei am Boden liegenden Bücher. Das Mädchen stand wie ein Unschuldsengel daneben. Papa sah einfach durch sie hindurch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hatte dich doch gebeten, ruhig zu sein“, mahnte er, während er zum Bücherregal ging, um die Bücher zurückzulegen. Dass ich noch immer auf dem Sofa saß und mich keinen Zentimeter davon wegbewegt hatte, schien er zu ignorieren. „Was wolltest du überhaupt mit den Büchern?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gar nichts!“, protestierte ich. „Ich hab die Bücher nicht einmal angefasst. Das war das Mädchen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa seufzte schwer. „Alles klar“, sagte er. „Dann sag deiner Freundin bitte, dass sie die Bücher im Regal lassen soll. Dein Papa muss ein wirklich wichtiges Gespräch führen. Es geht um die Zukunft der Firma.“ Dann war er auch schon wieder im anderen Raum verschwunden. „Tut mir leid. Meinem Sohn ist nur etwas heruntergefallen“, hörte ich ihn noch sagen, ehe er die Tür schloss und seine Stimme in einem dumpfen Gemurmel unterging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nie glaubte Papa mir! Aber das war ich ehrlich gesagt schon gewohnt. Daher war ich bereits dabei, es zu ignorieren, mich wieder dem Fernseher zu widmen, als ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung sah: Das Mädchen kam mit einem frechen Grinsen auf mich zugerannt. Moment. Sie rannte nicht auf mich zu, sondern an dem Sofa vorbei. Erst jetzt bemerkte ich, dass sie die Tür ansteuerte, durch die Papa eben verschwunden war. Ich sprang entsetzt auf. Ihr breites Grinsen verhieß nichts Gutes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte!“, sagte ich leise, während ich auf sie zulief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es war zu spät. Mit einem Kichern riss sie die Schiebetür auf und schlug sie dann mit voller Wucht zu. Der Knall hallte durch das ganze Haus. Auf der anderen Seite der Papierwand war es plötzlich totenstill geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Entschuldigen Sie mich kurz“, hörte ich Papas gedämpfte Stimme. Dann erklangen wieder seine Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stand wie erstarrt nur wenige Meter von der Tür entfernt, während Papa sie aufschob. Er sagte jedoch nichts, ehe er die Tür wieder hinter sich geschlossen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was hab ich dir gesagt?“, fragte er mit gesenkter Stimme. Ich konnte deutlich hören, dass er böse mit mir war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dass ich ruhig sein soll …“, erwiderte ich kleinlaut. Obwohl ich mich daran gehalten hatte, musterte ich schuldbewusst den Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und was hast du dann getan?“, drängte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn mit großen Augen an. „Gar nichts!“, protestierte ich laut. „Ich hab gar nichts gemacht! Das war das Mädchen! Sie hat die Bücher runtergeworfen und die Tür zugeschlagen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kicherte frech, Papa schien es jedoch nicht zu hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen bildete sich ein Ausdruck der Enttäuschung auf seinem Gesicht. „Haruto, du kannst nicht immer deiner Freundin die Schuld an allem geben! Sei wenigstens Mannes genug und gib zu, dass du den Unfug angestellt hast!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber ich war das nicht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Einen Tag Fernsehverbot!“, drohte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Papa, nein! Das war das Mädchen! Wirklich!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also gut: Zwei Tage!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen standen mir Tränen in den Augen. Das war so unfair! Ich hatte doch gar nichts gemacht! Also wandte ich mich an meine Freundin. „Bitte, du musst es ihm sagen! Sag ihm, dass du das warst!“, flehte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa schüttelte enttäuscht den Kopf. „Haruto, es reicht! Ich finde das langsam nicht mehr witzig! Du musst endlich aufhören, deine Schuld immer … deine … deine Schuld …“ Papa stammelte plötzlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich wieder zu ihm sah, starrte er das Mädchen direkt an, als könne er sie plötzlich sehen. Seine Kinnlade klappte herunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Haruto hat recht. Ich war das“, erklärte das Mädchen Papa seelenruhig. „Erst war das ganz lustig, aber wenn Sie so böse werden, macht das keinen Spaß.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig starrte ich zwischen Papa und meiner Freundin hin und her. Es war das erste Mal, dass Papa sie sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß noch genau, wie Papa zu uns gesagt hatte, dass wir später darüber reden würden. Er ist dann, ohne ein weiteres Wort zu sagen, zu seinen Gästen zurückgegangen. Ich hatte ihn noch nie so überfordert gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war am selben Abend, nachdem die Männer weg waren, als Papa mich gebeten hatte, einen Spaziergang mit ihm zu machen. Meine Freundin, die er immer noch sehen konnte, blieb zuhause. Sie verließ nie das Haus. Draußen erklärte mir Papa dann, was es mit dem Mädchen auf sich hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir haben wirklich Glück, weißt du das?“, hatte er gefragt. „Deine Freundin ist eine Zashiki Warashi. Das sind Kinder, die den Bewohnern ihrer Häuser Glück bringen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte, auch wenn er mir das gar nicht sagen musste. Das Mädchen hatte mich schließlich schon seit Jahren glücklich gemacht! Bei dem Gespräch ahnte ich jedoch noch nicht, dass Papa eine andere Art von Glück im Sinn hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber da ist noch etwas“, fuhr er fort. „Wenn Zashiki Warashi ein Haus verlassen, verliert man das Glück. Es heißt, dass dann großes Unheil über das Haus und die Bewohner kommt. Dann kann etwas wirklich Schlimmes passieren. Das bedeutet, wir müssen deine Freundin immer gut behandeln und du darfst nie mit ihr streiten, verstehst du?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verstand nicht. Sie war meine beste Freundin, natürlich kam es da mal vor, dass man sich stritt. Trotzdem nickte ich. Ich wusste, dass es sinnlos war, Papa zu widersprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um ehrlich zu sein, hatte ich das Gespräch mit Papa schnell wieder vergessen. Es war mir egal, was das Mädchen war oder was man über diese Zashiki Warashi sagte. In dem Moment war ich einfach nur glücklich, dass Papa sie jetzt auch sehen und wir von da an zu dritt spielen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sehr ich mich darin geirrt hatte … Papa wollte überhaupt nicht mit ihr spielen, auch wenn ich das anfangs geglaubt hatte, als er am nächsten Tag ihr statt mir neue Spielsachen kaufte. Zu meiner Überraschung verbot er mir jedoch, mit ihnen zu spielen, wenn das Mädchen nicht dabei war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch die Süßigkeiten, die er sonst immer mir mitgebracht hat, bekam jetzt meine Freundin. Zum Glück teilte sie gerne und viel mit mir, aber trotzdem verstand ich Papas Verhalten nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht liegt es daran, dass ich das Wort ‚Gier‘ damals noch nicht kannte. Oder ich wollte nicht erkennen, dass Papa einer Art Wahnsinn verfallen war. Seit er das Mädchen sehen konnte und sie nur noch ‚Zashiki Warashi‘ nannte, war er wie ausgetauscht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum einen wirkte er oft glücklich, wenn er von der Arbeit kam, und er hatte seit seiner Beförderung sogar mehr Freizeit, zum anderen schien er mir kaum noch Beachtung zu schenken. Immer nur ging es um seine Zashiki Warashi. Zashiki Warashi hier, Zashiki Warashi da. Sei nicht so gemein zu ihr, Haruto! Sprich nicht so mit der Zashiki Warashi! Es ist mir egal, wer von euch angefangen hat, ich gebe dir die Schuld!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar beschuldigte er mich nicht mehr für die Streiche, die das Mädchen weiterhin gerne spielte, aber das war nur ein geringer Trost für mich. Obwohl Papa viel öfter zuhause war, hatte ich mich noch nie so einsam gefühlt. Manchmal kam ich mir vor, als würde ich für Papa gar nicht mehr existieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Freundin hatte das natürlich auch bemerkt. Über Wochen hinweg hatten wir gemeinsam versucht, ihn dazu zu bringen, mich wieder mehr zu beachten. Aber auch, wenn er zu dem Mädchen immer Ja und Amen sagte, wenn sie ihn darum bat, änderte er am Ende doch nichts an seinem Verhalten. Sie blieb weiterhin der Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte mich inzwischen nicht einmal mehr für ihn freuen, als er sich ein neues Auto leisten konnte, das er schon wirklich lange haben wollte, oder er mir – oder viel mehr der Zashiki Warashi, während ich daneben saß – erzählte, dass er wahrscheinlich bald der neue Chef seiner Firma sein würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war nach einem unserer Gespräche mit Papa, dass er mich zu wenig beachte, dass meine Freundin mir einen neuen Vorschlag machte. Das Gespräch war nicht gut geendet. Das Mädchen hatte geweint, weil Papa einfach nicht einsehen wollte, dass er mich anders behandelte als früher. Sie gab sich die Schuld daran. Und zu allem Überdruss hatte Papa mich dann auch noch vor ihr angeschrien, dass ich sie zum Weinen gebracht hätte. Er hat mich sofort auf mein Zimmer geschickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort saß ich nun mit an die Brust gezogenen Knien auf meinen Futon. Ich sah nicht einmal auf, als das Mädchen mein Zimmer betrat und sich zu mir setzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe nachgedacht“, begann sie. „Vielleicht ist es besser, wenn ich gehe. Dann können du und dein Papa wieder Freunde sein, so wie früher.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie mit großen Augen an. „Wie ‚gehen‘? Wohin gehst du denn?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Aber es gibt da draußen noch so viele andere Häuser. Bestimmt gibt es da auch irgendwo einen netten Jungen oder ein nettes Mädchen, mit dem ich spielen kann. Und du hättest deinen Papa zurück.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer. „Nein. Du darfst nicht gehen! Ich brauch dich doch!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie lächelte traurig. „Aber du brauchst deinen Papa mehr als mich. Ich sehe doch, wie es dir geht. Und was ist mit den Kindern aus deiner Schule? Ich bin sicher, du findest einen neuen besten Freund.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir redeten noch eine ganze Weile darüber, aber in meinem Herzen wusste ich, dass sie recht hatte. Seit er meine Freundin sehen konnte, war Papa ein anderer Mensch geworden. Wir hatten alles versucht, ihn umzustimmen, aber es war, als würde er uns überhaupt nicht zuhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mädchen und ich lagen einander in den Armen und weinten. Es dauerte bestimmt eine halbe Stunde, ehe wir uns endlich voneinander lösten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich werde dich vermissen“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich vermiss dich mehr!“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr entkam ein kurzes Lachen. Sie blinzelte eine letzte Träne aus ihrem Auge, die über ihre Wange lief, ehe sie aufstand und mich hochzog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam gingen wir in den Flur. Meine Schritte fühlten sich schwer und unendlich langsam an, während wir uns der Haustür näherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort nahm sie mich noch einmal fest in den Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was wird das?“, fragte Papa, der plötzlich in der Tür Richtung Wohnzimmer stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist besser so, Herr Satō“, erklärte das Mädchen ihm. „Jetzt könnt ihr endlich wieder eine Familie sein. Nur Sie und Haruto. Alles wird wieder wie früher werden.“ Dann wandte sie sich wieder mir zu. „Leb wohl, Haruto.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hob bloß die Hand, um ihr zu winken. Der Klos in meinem Hals war so groß geworden, dass er mich am Sprechen hinderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! Warte!“, schrie Papa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er stürmte auf sie zu, während sie die Haustür öffnete. Hektisch griff er nach ihrer Schulter, aber seine Hand fasste ins Leere. Meine beste Freundin hatte sich in genau dem Moment in Luft aufgelöst, als ihr Fuß die hölzerne Treppenstufe vor unserer Haustür berührt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa war am Boden zerstört. Er weinte, tobte und schrie. Natürlich versuchte ich, ihn zu beruhigen, aber egal, was ich sagte, es half nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du verstehst das nicht!“, schrie er mich an. „Ich hab dir doch gesagt, dass sie niemals gehen darf. Dass dann etwas wirklich Schlimmes passieren wird!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte recht. Ich verstand ihn nicht. Was konnte denn so schlimm sein, dass wir es nicht gemeinsam durchstehen würden? Nachdem Mama uns verlassen hatte, Papas Welt untergegangen war, hatten wir es doch auch geschafft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie schlimm es wirklich sein würde, erkannte ich wenige Tage später. Ich denke nicht, dass die Zashiki Warashi es absichtlich getan hatte. Hätte sie gewusst, was passiert, wäre sie bei uns geblieben. Trotzdem bin ich im Nachhinein froh, dass Mama nicht mehr bei uns gelebt hatte, sonst hätte ich bei dem Hausbrand wahrscheinlich beide Eltern verloren.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zashiki Warashi (座敷童子; Japanisch für „Zashiki Kind“) sind Hausgeister der japanischen Mythologie. Sie zählen zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Zashiki ist ein Zimmer in japanischen Häusern, in dem hauptsächlich Gäste empfangen werden – eine Art Gästezimmer sozusagen. Traditionell ist der Boden mit Tatami-Matten ausgelegt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Zashiki Warashi sehen wie kleine japanische Mädchen oder Jungen im Alter von 5 bis 6 Jahren aus. Sie können aber auch wie Kleinkinder oder Jugendliche aussehen. Oft heißt es, dass sie gerötete Wangen oder Gesichter haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Männliche Zashiki Warashi haben im Normalfall kurze Haare und tragen einen schwarzen Kimono. Ich habe aber auch von Zashiki Warashi gelesen, die wie junge Krieger gekleidet sein sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mädchen hingegen tragen meist rote Kimonos, rote Chanchankos oder andere traditionelle Kleidung und haben einen Pagenschnitt oder lange zusammengebundene Haare.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine direkte Sichtung eines Zashiki Warashi ist jedoch nur sehr selten. Die meisten Augenzeugen berichten lediglich von einer vagen kinderähnlichen Gestalt, die sie aus dem Augenwinkel sehen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt außerdem, dass die Geister nur von Kindern und/oder den Bewohnern des Hauses gesehen werden können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt sind Zashiki Warashi Hausgeister. Sie leben hauptsächlich in alten japanischen Häusern, seltener in moderneren. Da sie sich jedoch an die Bewohner und nicht an das Haus binden, kann es durchaus vorkommen, dass sie den Menschen im Falle eines Umzugs in ihr neues Haus folgen, sofern sie sie mögen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofern man sie nicht sieht, erkennt man die Anwesenheit eines Zashiki Warashi daran, dass im Haus mehrere harmlose, wenn auch unerklärliche Streiche geschehen. Dazu gehören unter anderem rußige Fußabdrücke, weil das Zashiki Warashi durch Asche geht und anschließend durch das Haus läuft, Kinderstimmen oder Gelächter aus dem Nebenzimmer, das Rascheln von Papier, obwohl niemand da ist, das Geräusch eines Spinnrades usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ärgern sie gerne Gäste und halten sie vom Schlafen ab, indem sie z. B. mitten in der Nacht ihr Kissen umdrehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wegen ihrer Streiche werden sie häufig mit <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Poltergeistern</a> verglichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem werden Zashiki Warashi nicht vertrieben, ganz im Gegenteil: Sie werden verehrt. Wenn ein Zashiki Warashi in einem Haus lebt, soll das den Bewohnern Glück und Reichtum bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch kümmern die Hausgeister sich um alte Menschen, die alleine leben, oder um unfruchtbare Eltern. Im Gegenzug sollen sie die Zashiki Warashi wie ihre eigenen Kinder behandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollten die Bewohner hingegen eigene Kinder haben, wird oft davon berichtet, dass die Zashiki Warashi mit ihnen spielen und ihnen neue Spiele, Lieder und Kinderreime beibringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher werden die gelegentlichen Scherze gerne in Kauf genommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anders sieht es allerdings aus, wenn die Bewohner das Zashiki Warashi verärgern. Sollte ein Zashiki Warashi nämlich einen Haushalt verlassen, soll Unglück über die Bewohner und ihr Haus kommen. So kann das Haus verfallen, die Bewohner plötzlich ihr Geld verlieren, sie können krank werden oder sogar sterben. In einer Geschichte z. B. stirbt eine gesamte Familie an einer Lebensmittelvergiftung, nachdem das Zashiki Warashi sie verlassen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund werden die Zashiki Warashi oft verehrt und ihnen werden Opfergaben in Form von Essen, Süßigkeiten oder Spielzeug dargeboten. Einige Familien richten ihnen sogar eine eigene Spielecke in ihrem Zashiki, dem Gästezimmer, ein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zashiki Warashi kommen hauptsächlich in alten traditionellen Häusern der Präfektur Iwate in Japan vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie wohnen hauptsächlich im Zashiki, können sich aber frei im Haus und im Garten bewegen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt mehrere Theorien über den Ursprung des Zashiki Warashi. So kam es zu früheren Zeiten in Japan häufig vor, dass Familien zu viele Kinder hatten, um sie alle zu ernähren, und eines oder mehrere von ihnen weggaben oder manchmal sogar umbrachten. Es gibt sogar ein japanisches Wort dafür: Kuchiwarashi (口減らし). Wörtlich übersetzt bedeutet es so viel wie „die Anzahl der Münder reduzieren“. Auffällig ist hierbei die Ähnlichkeit zu dem veralteten Wort Warashi (童子; Kind), das sich in Zashiki Warashi findet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Theorie ist der alte Brauch, ungewünschte Kinder zu verstecken. So soll es in einigen Regionen Japans Kinder gegeben haben, die selbst vor Freunden und Verwandten versteckt wurden und nur selten oder gar nicht nach draußen durften. Nach außen hin könnte es in den Fällen so gewirkt haben, als lebe ein Kindergeist bei der Familie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Theorien beinhalten Flüche, Kappa, Geister usw. Da diese Theorien jedoch hauptsächlich auf japanischsprachigen Seiten zu finden sind, bei denen digitale Übersetzer oft versagen, möchte ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr seht also, es ist nicht eindeutig geklärt, woher die Zashiki-Warashi-Legende stammt. Trotzdem erfreut sich der kindliche Hausgeist in Japan großer Beliebtheit. Er ist so beliebt, dass er sich neben traditionellen Bräuchen inzwischen in diversen Anime, Manga, Fernsehserien und Videospielen finden lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was haltet ihr von den Zashiki Warashi? Hättet ihr an Harutos Stelle ähnlich gehandelt und die Zashiki Warashi gehenlassen, oder hättet ihr die Warnung eures Vaters ernster genommen? Schreibt es in die Kommentare!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Zashiki Warashi? Hättet ihr an Harutos Stelle ähnlich gehandelt und die Zashiki Warashi fortgeschickt, oder hättet ihr die Warnung eures Vaters ernster genommen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>Aka Manto – rotes Papier oder blaues Papier?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Feb 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zuerst war alles normal, doch dann hat die Schwester plötzlich eine Männerstimme aus der Toilette gehört: "Willst du rotes Papier oder blaues Papier?"<br />
"Rotes Papier, bitte", soll ihr Bruder geantwortet haben. Und dann plötzlich hat er wie am Spieß geschrien ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/ec48880ad47144c1b8b5f933d0d56a32" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Heute geht es um Aka Manto, einen berühmten japanischen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a>, der sich angeblich auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/flueche" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verfluchten</a> Toiletten herumtreibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Kindes<br>
&#8211; explizite Darstellung körperlicher Gewalt<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich geh schnell auf die Toilette“, sagte ich an niemanden Spezielles gerichtet, während ich gemeinsam mit meiner Klasse die Sporthalle verließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Haruki! Warte!“, rief mir ein Junge nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war Sōta. Er und einige andere Jungen hatten mich in ihrer kleinen Gruppe aufgenommen, nachdem ich hergezogen war. Ich mochte ihn, auch wenn ich ihn noch nicht sonderlich gut kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du wirklich dringend musst, lauf zurück in die Schule. Aber geh nicht in der Sporthalle auf die Toilette“, sagte er zu mir, als er aufgeholt hatte. Er hielt mich sogar am Arm fest, damit ich nicht weiterging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn fragend an. „Warum nicht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sōta sah auf seine Schuhe. Er wirkte auf einmal sehr unsicher. Er druckste eine Weile herum, bis er kleinlaut sagte: „Die Jungstoilette ist verflucht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie bitte?“ Ich war mir unsicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sah Sōta auf. Die Unsicherheit war deutlich in seinen Augen zu erkennen, während er seine Worte einen Tick zu laut wiederholte: „Die Toilette ist verflucht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich wurde es um uns herum still. Einige andere Schüler blieben stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was hast du da gerade gesagt?“, fragte eine Stimme hinter mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschrocken fuhr ich herum. Ich erkannte die Stimme sofort: Es war Ryō. Er war ziemlich groß und kräftig. Einmal hatte ich gesehen, wie er ein Mädchen dazu gezwungen hatte, ihm ein Reisbällchen abzugeben, weil er noch Hunger hatte. Normalerweise hielt ich mich von ihm fern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Blick wanderte von Sōta zu mir. „Du willst doch nicht auf die Sporttoilette gehen, oder Haruki?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„D-doch. Nein. I-ich weiß nicht“, stammelte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ryō sah flüchtig rüber zu den Toiletten, ehe er mir eine große Hand auf die Schulter legte. Mein ganzer Körper versteifte sich. Aber die Falten, die sich jetzt auf Ryōs Stirn bildeten, wirkten vielmehr besorgt als wütend. „Wenn du auf Toilette musst, geh nicht auf die Sporttoilette. Geh niemals auf die Sporttoilette!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne mehr dazu zu sagen, schob er mich an meiner Schulter an den Toiletten vorbei Richtung Umkleide. Ich hatte zu viel Angst, um etwas zu erwidern, und ließ es geschehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was es mit all dem auf sich hatte, erfuhr ich jedoch erst in der nächsten Pause. Sōta und ich saßen mit Kanata und Ren an unseren Tischen im Klassenraum und aßen gerade unser Curry, als ich es nicht länger aushielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was war das eigentlich heute Morgen?“, fragte ich in die Runde. „Sōta meinte, dass die Sporttoilette verflucht sei. Und dann hat sich Ryō so komisch benommen. Als hätte er Angst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auch schon vorhin wurde es plötzlich sehr still um mich herum. An den Nachbartischen aßen und quatschten die anderen Schüler weiter, aber Sōta, Kanata und Ren gefroren allesamt in ihren Bewegungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war Sōta, der als Erstes seine Worte wiederfand. „Es bringt Unglück, darüber zu reden“, erklärte er mit gesenkter Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht genau, wieso, aber auch ich sprach automatisch leiser. „Unglück? Wieso? Was ist denn passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sōta, Kanata und Ren warfen einander mehrere Blicke zu, als würden sie stumm beraten, was sie als Nächstes sagen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also gut. Wir erzählen es dir“, ergriff jetzt Kanata das Wort. Er war der Kleinste von uns. Trotzdem war er so etwas, wie unser Anführer. „Aber nur, weil du der Neue bist. Und danach wollen wir nie wieder darüber reden. Ist das klar?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt lag es an mir, Sōta und Ren verwirrte Blicke zuzuwerfen, aber die beiden sahen mich ernst an. Also nickte ich. „Okay. Ist klar.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist schon einige Jahre her“, erklärte Kanata. „Wir waren damals noch nicht eingeschult, aber … alle wissen davon. Sogar die Lehrer. Damals ist in unserer Schule ein Mord passiert. Wie im Fernsehen, aber ein echter. Und der Mörder wurde nie gefasst. Es heißt nämlich, dass es ein böser Geist war.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder warf ich Sōta und Ren verstohlene Blicke zu. Ihre versteinerten Mienen ließen mich jedoch keine Sekunde daran zweifeln, dass Kanata glaubte, was er da sagte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es heißt, dass damals ein Bruder und seine Schwester hier zur Schule gegangen sind. Viel wissen wir nicht über die beiden, aber sie haben wohl alles zusammen gemacht. Sogar, wenn sie auf Toilette gingen, sind sie entweder gleichzeitig gegangen oder haben auf dem Flur gewartet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So war es auch an jenem Tag, als der Bruder auf die Sporttoilette gegangen war und seine Schwester vor der Tür gewartet hat. Zuerst war alles normal, doch dann hat die Schwester plötzlich eine Stimme aus der Toilette gehört: ‚Willst du rotes Papier oder blaues Papier?‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kam ihr komisch vor, denn die Stimme war eine Männerstimme. Und die Lehrer haben doch eine eigene Toilette. Trotzdem hat sie sich nicht getraut, als Mädchen ins Jungsklo zu gehen. Also hörte sie bloß weiter zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Rotes Papier, bitte‘, soll ihr Bruder geantwortet haben. Und dann plötzlich hat er wie am Spieß geschrien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist natürlich sofort reingerannt. Aber da war es schon zu spät. Ihr Bruder lag tot in der Kabine. Das weiße T-Shirt seiner Sportuniform soll völlig rot vor lauter Blut gewesen sein. Aber was noch viel unheimlicher ist: Der Mann, der mit dem Bruder in der Toilette gewesen sein musste, war verschwunden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte Kanata entsetzt an. Über meinen Körper hatte sich eine Gänsehaut gezogen. Für gewöhnlich gruselte ich mich nicht so schnell. Mein Opa erzählte mir häufig Gruselgeschichten, aber in ihnen ging es fast nie um Blut. Von den Bildern, die ich gerade im Kopf hatte, wurde mir hingegen richtig schlecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„S-so ein Blödsinn“, erwiderte ich. „So viel Blut hat ein Mensch gar nicht. Ich hab mir mal in den Finger geschnitten und das musste sogar genäht werden. Danach hatte ich auch nur ein paar kleine Flecken auf meiner Hose!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Doch. Es stimmt wirklich. Alle wissen davon!“, meldete sich Ren zu Wort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen blieb skeptisch. Ehe meine Freunde mich daran hindern konnten, sah ich mich nach unserer Lehrerin um. „Nakagawa Sensei? Nakagawa Sensei?“, fragte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Nakagawa kam sofort zu uns. „Was ist denn Endō-kun?“, fragte sie mich mit einem warmen Lächeln. Hier in Japan war es normal, dass uns die Lehrer mit unserem Nachnamen ansprachen. „Stimmt etwas mit dem Essen nicht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein. Mit dem Essen ist alles in Ordnung. Ich wollte wissen, wie viel Blut ein Mensch im Körper hat“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sah mich kurz mit großen Augen an, als hätte sie nicht mit der Frage gerechnet. Dann lächelte sie sofort wieder. „Das kommt auf den Menschen an. Bei einem Erwachsenen wie mir sind es etwa 5 bis 7 Liter. Wieso möchtest du das wissen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte sie an. 5 bis 7 Liter?! Meine Mutter hatte damals bei meinem Finger so reagiert, als würde ich jede Sekunde verbluten. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass ein Mensch so viel Blut im Körper hatte. Damit konnte man locker ein T-Shirt rot färben!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Endō-kun?“, riss mich Frau Nakagawa aus den Gedanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„A-ach nichts“, stammelte ich. Dann fügte ich schnell hinzu: „Ich hab nur Gerüchte über die Sporttoilette gehört.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Nakagawas Gesicht wurde plötzlich schneeweiß. Sie sah mich streng an. „Du solltest nicht alles glauben, was man dir erzählt!“, sagte sie schnell. Dann drehte sie sich auf der Stelle um und ging mit großen Schritten zurück zu ihrem Lehrerpult.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte ihr mit offenem Mund nach. Sie hingegen schien meinem Blick regelrecht auszuweichen, während sie angespannt ihr Mittagessen weiteraß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Siehst du, Haruki?“, sagte Ren. „Ich hab doch gesagt, sie weiß davon!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt gab es auch für mich keinen Zweifel mehr daran. Sie hatte so komisch reagiert, dass sie irgendetwas wissen musste. Die Frage war nur: Wie viel war an der Geschichte wirklich dran?</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles ist bereits über ein halbes Jahr her. Inzwischen hatte ich mich eingelebt. Ich kannte die ungeschriebenen Regeln der Schule. Ich wusste, dass die Schüler sich auf dem Pausenhof mit dem Klettergerüst abwechselten. Dass die Tische bei der Ausgangstür für die Schüler waren, die in der Pause mit ihren Pokémonkarten spielen oder tauschen wollten. Und auch, dass die Jungentoilette in der Sporthalle nicht benutzt werden durfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel mehr hatte ich über die Toilette in den sechs Monaten jedoch nicht herausfinden können. Niemand wollte mit mir darüber reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab nicht einmal Mutproben, wer sich auf die Toilette traute. Ich hatte es einmal vorgeschlagen, aber die anderen hatten mich behandelt, als sei ich verrückt geworden. Sie hatten wirklich Angst vor der Toilette. Und auch sonst hatte ich noch nie einen Jungen gesehen, der in der Sporthalle auf Klo gegangen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ihr fragt euch sicherlich, wieso ich ausgerechnet jetzt so intensiv über die Sporttoilette nachdachte. Nun, ich stand in genau diesem Moment vor der Toilettentür und wägte meine Möglichkeiten ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich könnte ich zum Schulgebäude rennen, aber ich musste wirklich dringen. Und wenn ich eine Sache nicht wollte, dann war es, mir in die Hose zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach draußen gehen war auch keine Möglichkeit. Zum einen gehörte es sich nicht, zum anderen musste ich mal groß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mädchentoilette hingegen … Nein, da könnte ich mir genauso gut in die Hose machen. Die Anderen würden mich noch Jahre damit aufziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Einzige, was übrigblieb, war die angeblich verfluchte Jungstoilette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch, ehe ich die Tür langsam aufdrückte. ‚<em>Iiiieeeeek!</em>‘, schrien die Türscharniere mich an, als ob sie mich vertreiben wollten. Dann ertönte ein klackendes Geräusch und das automatische Licht ging an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es funktionierten nicht mehr alle Lampen, aber das, was ich in dem schwachen Licht sah, reichte aus, um mir einen Schauer über den Rücken zu jagen. Die Toilette war zwar nicht dreckig – auch stank sie nicht –, aber es musste ewig her gewesen sein, seit hier jemand gründlich geputzt hatte: Auf den Spiegeln waren Streifen, als hätte man sie bloß flüchtig abgewischt, auf den Waschbecken lag Staub und der Boden wirkte so, als hätte sich jemand beim letzten Saubermachen sehr beeilt und dabei die Hälfte übersehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hatten also sogar die Erwachsenen Angst, die Toilette zu betreten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Ach, so ein Quatsch</em>‘, redete ich mir ins Gewissen. Dreckige Klos gab es an vielen Schulen. Bestimmt sah die Mädchentoilette ähnlich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Sorge beiseiteschiebend – immerhin musste ich ziemlich dringend – ging ich mit zittrigen Beinen einige Schritte in den Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder schrie mir die Tür ihr ‚<em>Iiiieeeeek</em>‘ entgegen, ehe sie mit einem unerwartet lauten Krachen ins Schloss fiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaubte nicht an den Fluch. Ich <em>wollte</em> nicht an den Fluch glauben. Und trotzdem ertappte ich mich dabei, wie ich mich unruhig in dem Raum umsah. Das Licht war nicht sonderlich hell, aber es reichte aus, um zu sehen, dass ich allein war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da noch dieser Geruch. Er erinnerte mich an Opas Dachboden. Irgendwie alt und staubig, aber ohne den vertrauten Geruch von Opa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell ging ich zur ersten Kabine. Darin begegnete mir eine Hocktoilette, wie sie in Japan häufig zu finden waren. Das war jedoch nicht alles: Die Wände und sogar die Bodenfliesen waren über und über mit Edding beschmiert. Ich erkannte unanständige Schriftzeichen und Symbole. Und auf dem Boden lag abgewickeltes Toilettenpapier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gerümpfter Nase ging ich weiter. Andererseits hieß das auch, dass zumindest einige Schüler hier gewesen waren, um die Kabinen zu beschmieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite Kabine war sauberer, aber in einem ähnlich miserablen Zustand: Die Tür war aus dem oberen Scharnier gebrochen und hielt nur, weil sie halb an der Wand lehnte. Ansonsten war die Kabine leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ging ich zur nächsten Kabine. Während ich vorsichtig die Tür aufstieß, gab auch sie ein leises Quietschen von sich. Ich spähte hinein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert atmete ich auf. Die dritte und letzte Kabine war in einem vergleichsweise guten Zustand. Zwar gab es auch hier ab und an eine Schmiererei, aber dafür lag nicht überall Toilettenpapier verteilt und auch die Tür schien noch zu halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell trat ich ein, schloss die Kabinentür hastiger hinter mir, als ich es zugeben würde, zog meine Hose runter und hockte mich über die Toilette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Moment spürte ich, wie alle Anspannung von mir abfiel. Ich spürte nichts mehr von der Unruhe, die mich eben noch bedrängt hatte. Ich war einfach nur erleichtert, dass ich es rechtzeitig aufs Klo geschafft hatte. Und vielleicht war ich auch ein bisschen stolz. Ich würde meinen Freunden erzählen können, wie ich todesmutig auf die verfluchte Toilette gegangen war. Die würden Augen machen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ganze Weile lang passierte gar nichts mehr. Ich ging in Ruhe meinem Geschäft nach, während ich in Gedanken versunken dahockte und mich fühlte, als könne nichts auf der Welt mir etwas anhaben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich fertig war und nach dem Toilettenpapier greifen wollte, fiel mein Blick jedoch auf die leere Klorolle zu meiner Rechten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So ein Mist!“, fluchte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war drauf und dran aufzustehen, um in den anderen Kabinen nach Klopapier zu suchen, als mein Blick auf etwas Rotes vor mir fiel. Es war eine Art roter Vorhang oder anderer Stoff, der direkt vor der Kabine bis auf den Boden hing. Von draußen hatte ich nichts dergleichen gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Willst du rotes Papier oder blaues Papier?“, fragte plötzlich eine tiefe Männerstimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Sofort musste ich wieder an die Geschichte mit dem toten Bruder denken. Ihm wurde damals dieselbe Frage gestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel mein Blick auf die leere Klopapierrolle. Wahrscheinlich war es ihm genauso wie mir ergangen. Aber ich hatte nicht vor, dass meine Geschichte genauso wie seine endete. Er hatte sich damals für Rot entschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Blaues Papier!“, sagte ich schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei starrte ich wie gebannt den roten Stoff vor der Kabine an. Ich achtete auf jede Bewegung. Aber das wäre gar nicht nötig gewesen: Keine Sekunde, nachdem der Stoff zurückgewichen war, polterte plötzlich die ganze Kabine. Es kam mir vor, als würde irgendjemand oder irgendetwas von draußen an der Tür rütteln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann auf einmal hörte es auf. Dafür ertönte ein anderes Geräusch: <em>Klick!</em> Entsetzt sah ich, wie das Türschloss sich wie von Geisterhand bewegte. Die Kabine war offen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Moment herrschte vollkommene Stille. Ich hörte, wie mein Herz in meiner Brust hämmerte. Dann sprang ich auf, um die Tür wieder zu verschließen. Aber es war zu spät. In dem Moment, als ich nach dem Schloss griff, wurde die Tür von außen aufgestoßen. Sie hatte so eine Wucht, dass ich zurückgeschleudert wurde und nur knapp neben der Toilette auf den harten Boden prallte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein stechender Schmerz fuhr durch mein Steißbein, aber das war mir gerade egal. Entsetzt starrte ich den Mann an, der jetzt in die Kabine trat. Er trug einen roten Umhang, der seinen kompletten Körper verdeckte. Sein Gesicht konnte ich im Gegenlicht nicht erkennen. Was ich hingegen deutlich sehen konnte, waren seine Arme, die er nach meinem Hals ausstreckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch krabbelte ich rückwärts, bis ich die kalten Wandfliesen an meinem Rücken spürte. Ich konnte nirgendwo hin. Die Kabinenwände reichten bis auf den Boden. Der einzige Ausgang wurde von dem Mann blockiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatte er mich erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich nach seinen Händen schlug und trat, schrie ich aus voller Lunge: „Hilfe! Hilf…“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter kam ich nicht. Der Mann presste seine Hände an meinen Hals. Sie waren eiskalt. Er drückte mit voller Kraft zu. Mein Kopf fühlte sich an, als würde er gleich platzen. Mir wurde schwindelig. Aber so sehr ich auch versuchte, mich zu wehren, es war sinnlos. Der Mann war zu stark.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich hörte ich ein Geräusch: <em>Iiiiiieeeeek</em>. Die Toilettentür!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Haruki? Bist du da drin?“ Das war Sōta!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt versuchte ich gar nicht mehr, den Mann mit dem roten Umhang abzuwehren. Stattdessen hämmerte ich mit der Faust gegen die Kabinenwand, um möglichst viel Lärm zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist das?“, hörte ich jetzt Ren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lasst uns von hier abhauen!“, erwiderte Kanata.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“, fuhr Sōta dazwischen. „Ihr habt doch auch gehört, wie Haruki um Hilfe gerufen hat!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was diskutierten sie denn so lange?! Die Panik in mir war unbeschreiblich. Ich versuchte, meine Freunde zu rufen, aber meiner zusammengedrückten Kehle entwich kein einziger Ton. Auch ließ der Mann sich durch meine Freunde nicht aus der Ruhe bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Schläge hingegen wurden schwächer und schwächer. Ich hatte kaum noch Kraft in meinen Armen, während es um mich herum immer dunkler wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hörte ich zaghafte Schritte gefolgt von Sōtas Stimme: „Harukiii? Bist du da?“ Doch etwas stimmte nicht. Seine Stimme klang weit entfernt. Viel weiter als von der Toilettentür. Meine kraftlosen Arme konnte ich jetzt überhaupt nicht mehr heben. „Haruki?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war das letzte Mal, dass ich meinen Namen hörte. Das letzte Mal, dass ich irgendetwas hörte. Meine Freunde waren zu langsam gewesen. Sie würden nur noch meine Leiche entdecken.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aka Manto (japanisch für „roter Umhang“), manchmal auch Aoi Manto („blauer Umhang“) oder Akai Kami Aoi Kami („rotes Papier, blaues Papier“) genannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Japan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie handelt von einem Geist, der sich in verfluchten Schultoiletten herumtreiben soll. Er zählt zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aka Manto soll, wie der Name schon sagt, einen roten Umhang tragen. In den meisten Geschichten ist er männlich. Die „Aoi Manto“-Variante unterscheidet sich lediglich darin, dass sein Umhang blau ist. Ansonsten sind die Geschichten identisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sein weiteres Aussehen angeht, ist über ihn nicht viel bekannt. Ich habe aber einige Versionen finden können, in denen er entweder eine Maske trägt oder ein blau angelaufenes Gesicht hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal ist er auch unsichtbar und man hört nur seine Stimme.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aka Manto sucht hauptsächlich öffentliche Toiletten heim. In den meisten Geschichten ist es die Toilette einer Grundschule. Im Netz habe ich oft gelesen, dass er hierbei Frauentoiletten bevorzugt, in japanischen Texten habe ich darüber jedoch nichts finden können. Im Gegenteil: Die bekannteste japanische Version scheint von einer Männertoilette zu handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Toilette, die von Aka Manto heimgesucht wird, ist meist eine alte Hocktoilette. Außerdem soll in der Kabine kein Klopapier zu finden sein. Sobald man fertig mit seinem Geschäft ist und das fehlende Klopapier bemerkt, tritt Aka Manto in Erscheinung. Mal hört man hierbei nur seine Stimme, mal taucht Aka Manto vor der Kabine auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Geist fragt sein Opfer: „Willst du rotes Papier oder blaues Papier?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab hier gibt es verschiedenste Variationen der Geschichte. Für eine bessere Übersicht habe ich den Beitrag daher ab hier unterteilt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Rotes Papier:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidet man sich für das rote Papier, wird man von Aka Manto mit einem Messer oder einem anderen scharfen Gegenstand angegriffen. Er schneidet einem die Kehle durch, fügt einem mehrere tödliche Schnitte zu oder köpft seine Opfer sogar. Dabei soll so viel Blut aus dem Körper strömen, dass die Kleidung vor Blut rot wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternativ schneidet er einem die Haut ab, sodass sie wie ein blutiger Umhang von seinen Opfern hängt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Blaues Papier:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidet man sich hingegen für das blaue Papier, lässt Aka Manto das Blut aus den Körpern seiner Opfer verschwinden oder er erwürgt sie. Anschließend soll entweder der ganze Körper, weil er blutleer ist, oder nur der Kopf, da man erwürgt wurde, blau wirken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Andere Farben:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man eine andere Farbe wie z. B. weißes oder lila Papier verlangt, um ihn auszutricksen, kann das unterschiedlich ausgehen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entweder man schafft es damit, Aka Manto zu verwirren und so genug Zeit zum Fliehen zu gewinnen, der Geist zerrt einen direkt in die Unterwelt oder aber er wird kreativ, was seine Methoden angeht. So gibt es z. B. Versionen, in denen sein Opfer „gelbes Papier“ verlangt haben soll, woraufhin es in seinem eigenen Urin ertränkt wurde.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Methoden:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man eine bessere Alternative sucht, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man lehnt das Papier ab und sagt, dass man keines braucht, oder man ignoriert die Frage komplett und antwortet nicht. Daraufhin soll Aka Manto verschwinden oder man soll genug Zeit gewinnen, um zu fliehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits habe ich auch hier Versionen gelesen, in denen Aka Manto seinem Opfer den Ausgang blockiert, bis es sich für eine Farbe entschieden hat. Wie ihr also seht, ist die Sache ziemlich kompliziert und man kann nicht pauschal sagen, wie man dem Geist entkommen kann.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Andere Versionen:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch Versionen, in denen Aka Manto nicht wirklich gefährlich ist. Hierbei färbt er oft bloß die Haut seiner Opfer in der Farbe ein, in der sie das Papier verlangen. Oder aber es kommen Hände in der jeweiligen Farbe aus der Toilette oder der angrenzenden Kabine und berühren das Opfer am nackten Hintern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aka Manto kommt fast ausschließlich in öffentlichen Toiletten, meist denen von Grundschulen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am häufigsten soll sein Geist in der letzten oder in der vierten Kabine auftauchen, da die Zahl 4 in Ost- und Südostjapan für den Tod steht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aka Manto ist seit den 1930ern ein beliebtes Gerücht in vielen japanischen Grundschulen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo das Gerücht herkommt, ist hingegen etwas komplizierter:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der Mann mit der blauen Decke:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Angefangen hat alles mit einem bis heute ungelösten Mordfall im Jahr 1906 in der Präfektur Fukui in Japan. Damals wurden drei Menschen von einem Mann, der in eine blaue Decke gehüllt war, unter einem Vorwand, dass einer ihrer Verwandten krank sei, nach draußen in einen Schneesturm gelockt: ein Vater aus seinem Laden und seine Mutter und seine Ehefrau je aus ihren Häusern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend soll der Mann dasselbe mit der Tochter versucht haben, die gerade bei einer Nachbarin war. Die Nachbarin weigerte sich jedoch, das Kind ohne Erlaubnis der Eltern an einen Fremden zu geben, und konnte den Mann so abwimmeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf fand man die Leichen der Ehefrau und der Mutter. Die Leiche des Vaters wurde nie gefunden. Lediglich die Angestellten, die mit dem Vater im Laden waren, und die Nachbarin, die auf das Kind aufgepasst hatten, erzählten von dem seltsamen Mann mit der blauen Decke.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Erste Gerüchte:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Mordfall sind diverse Gerüchte entstanden, die sich hauptsächlich in Grundschulen verbreitet haben. Darunter waren Gerüchte von einem Mann mit einem blauen Umhang, der sich in einem schwach beleuchteten Schulkeller herumgetrieben haben soll. In einigen Versionen war der Mann ein Vampir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über mehrere Monate bis Jahre hinweg verbreitete sich die Geschichte auf die umliegenden Städte. Dabei wurde aus dem blauen Umhang ein roter Umhang.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Roter Umhang, blauer Umhang?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich entstand daraus eine Version, die Aka Manto nicht unähnlich ist: Dem Gerücht zufolge, sollte sich ein Geist oder Mörder in einer Schultoilette herumtreiben und seine Opfer fragen, ob sie lieber einen roten oder einen blauen Umhang haben wollen. Wenn man mit einer der entsprechenden Farben antwortet, hatte man dieselben Folgen zu erwarten, wie bei dem roten oder blauen Toilettenpapier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Variante wird sogar noch heute erzählt, auch wenn sich eine neue Version bald größerer Beliebtheit erfreute.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Aka Manto – rotes Papier, blaues Papier?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis erste Geschichten auftauchten, in denen der Geist oder Mörder statt nach farbigen Umhängen nach farbigem Toilettenpapier gefragt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über die Jahre kamen schließlich noch weitere Varianten hinzu. Zum Teil kamen auch Einflüsse anderer Toilettengeister wie z. B. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hanako-san" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hanako-san</a> hinzu. So gab es verschiedenste Todesarten, einige Umstände veränderten sich minimal und Aka Manto bekam gelegentlich weitere Eigenschaften wie ein blaues Gesicht oder (auch wenn ich diese Version bisher nur in westlichen Texten gefunden habe) eine Maske.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Aka Manto? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie würdet ihr reagieren, um ihm zu entkommen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, unterstützt mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>, abonniert meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Der Fremde auf dem Dachboden – Er ist in deinem Haus!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Oct 2022 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aber ihr seid wahrscheinlich nicht hier, damit ich euch von einer gelungenen Halloweenparty erzähle. Ihr seid hier, um mehr über die seltsamen Vorkommnisse in meinem Haus zu erfahren – genau wie meine Freunde ...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Hattet ihr schon einmal das Gefühl, nicht allein in eurem Haus zu sein? Der Fremde auf dem Dachboden entführt euch auf eine kleine, gemütliche Halloweenparty, die eine unerwarte Wendung nimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Beitrag wird übrigens das diesjährige Halloween-Special werden. Ich weiß zwar noch nicht, was ich dieses Jahr machen werde, des Datums wegen werde ich es aber um eine Woche verschieben und erst am 31. Oktober veröffentlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stellte gerade die prall mit Snacks, Cola und Bier gefüllte Einkaufstasche auf den Küchentisch, als mein Blick auf die Spüle fiel. Dort, direkt neben dem Waschbecken, stand ein benutztes Glas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Komisch</em>‘, dachte ich. Mit gerunzelter Stirn ging ich näher. Ich nahm es in die Hand und betrachtete es von allen Seiten, als wollte ich mir sicher sein, dass es echt ist. Ich hatte die Küche doch gerade erst saubergemacht, direkt bevor ich Einkaufen gefahren war. Wie konnte ich da ein Glas übersehen haben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich es mit Wasser und Spüli abwusch, wanderten meine Gedanken zu den zahlreichen anderen unerklärlichen Phänomenen, die in den letzten Monaten in meinem Haus passiert waren: Türen standen plötzlich offen, obwohl ich sie eigentlich geschlossen hatte. Stühle waren nicht mehr am Tisch, wenn ich nach Hause kam. Einmal hatte ich nachts sogar Schritte auf dem Flur gehört, aber als ich hingerannt war, um nachzusehen, war niemand da gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht genau, wann der ganze Spuk angefangen hatte, aber es musste irgendwann Anfang des Jahres gewesen sein. Vielleicht im Februar. Zu Anfang dachte ich noch, ich bildete es mir bloß ein, aber nein: Es spukte tatsächlich in meinem Haus. Dessen war ich mir inzwischen sicher. Und genau das war der Grund, warum die Halloweenparty dieses Jahr bei mir stattfand. Ich hatte keinen teuren Beamer wie Alice oder ein riesiges Wohnzimmer wie Karsten, aber meine Freunde wollten unbedingt einmal in einem Haus übernachten, in dem es spukte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Nachmittag verbrachte ich mit Vorbereitungen. Ich dekorierte das Wohnzimmer, stellte überall Kerzen auf, mixte einen meiner berühmten Cocktails, füllte Schalen mit Chips, Mini-Schokoriegeln und Popcorn, machte Käsehäppchen mit Weintrauben fertig und stellte eine Playlist mit gruseliger Ambientemusik zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich schon unsere jährliche Halloweenparty veranstalten durfte, wollte ich dafür sorgen, dass alles perfekt wird – eine unvergessliche Nacht sozusagen. Wie unvergesslich die Nacht tatsächlich werden würde, hätte jedoch niemand von uns ahnen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann war es endlich so weit. Als es an der Tür klingelte, ging ich mit einer großen Schale voller Süßigkeiten hin. Statt der erwarteten Kinder standen mir jedoch ein breit grinsender Peer und eine lächelnde Alice gegenüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Süßes oder Saures!“, sagte Peer laut. Er streckte sofort seine Hand aus, um nach den Süßigkeiten zu greifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt die Schale schnell außer Reichweite. „He! Die sind für die Kinder“, sagte ich. „Für uns hab ich genug Kram im Haus. Kommt rein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließen die beiden sich nicht zweimal sagen. Ich konnte die Süßigkeitenschale gerade noch wegstellen, als Peer mich im Flur mit einer festen Umarmung begrüßte, wobei er so tat, als ob er mich zerquetschen wolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alice hingegen boxte mir zum Gruß sanft gegen die Schulter. „Schön dich wiederzusehen, Marc“, sagte sie, während ihr Nasenpiercing im Licht aufblitzte. „Ich hoffe, ihr habt mich im Laden nicht zu sehr vermisst?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, es war wie immer ruhig. DVDs kauft eh kaum noch jemand. Wie war dein Urlaub?“, fragte ich. Dann sah ich neugierig nach draußen. „Kommt deine Freundin nicht mit?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alice schnaubte abwertend. „Die blöde Kuh hat sich ‘ne Neue gesucht“, erwiderte sie. „Der Urlaub war trotzdem geil.“ Mehr wollte sie zu dem Thema nicht sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wartete ich, bis meine Freunde Schuhe und Jacken ausgezogen hatten, bevor wir gemeinsam ins Wohnzimmer gingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort angekommen pfiff Peer anerkennend. „Alle Achtung“, sagte er. „Du hast dich ja ganz schön ins Zeug gelegt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er bestaunte die Zierkürbisse auf meinem Tisch, ehe er die Girlanden musterte und probehalber in eines der künstlichen Spinnnetze griff. Es blieb natürlich <em>nicht</em> an seiner Hand kleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Karsten kommt übrigens etwas später“, erklärte er, während er sich aufs Sofa fallenließ. „Er meinte, wir sollen ruhig schon mit dem Film anfangen. Halloween gucken wir ja eh jedes Jahr.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und jedes Jahr ist er gut“, erwiderte Alice mit hochgezogener Augenbraue. „Hier werden keine halben Filme geguckt. John Carpenters Halloween ist ein Klassiker!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schmunzelte. Bei Filmen verstand sie keinen Spaß. Trotzdem mussten wir ihr zustimmen. Mit unseren Halloweentraditionen zu brechen fühlte sich nicht richtig an. Also entschieden wir, gemeinsam auf Karsten zu warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Zwischenzeit erzählte Alice uns schließlich doch von ihrer Trennung: Jasmin, ihre Ex-Freundin, hatte sich kurz vor dem Urlaub unter dem Vorwand von ihr getrennt, dass ihr eine Beziehung neben zwei Jobs zu anstrengend sei, nur um einen Tag später von Alice mit einer anderen Frau händchenhaltend im Kino erwischt zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war natürlich ziemlich scheiße. Wir regten uns gemeinsam eine Weile darüber auf, bis es endlich an der Tür klingelte. Ich rannte sofort hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst stand nur eine Gruppe Kinder vor mir, die davon sangen, dass sie kleisteressende Geister seien, ehe ich ihnen ihre Süßigkeiten gab. Gerade als ich die Tür wieder schließen wollte, drang jedoch eine vertraute Stimme an mein Ohr: „Marc, warte!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karsten joggte die Auffahrt rauf, bis er völlig aus der Puste vor mir stand. Er war in vollem Michael Myers Kostüm mit Overall und Maske, auch wenn er Letztere nur in der Hand hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich dachte, wir wollten keine Kostüme anziehen?“, stellte ich mehr fest, als dass ich es fragte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karsten holte tief Luft. „Sorry. Meine Schwester sollte mit einer Freundin und deren Mutter gehen, aber die Mutter ist krank geworden. Und weil unsere Eltern schon andere Pläne hatten &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„&#8230; bist du mit den beiden gegangen“, beendete ich seinen Satz, als er erneut nach Luft schnappte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er nickte, bevor sein Blick an mir vorbei wanderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Yooooo!“, hörte ich Peers Stimme hinter mir. Er trat vor die Tür und machte mit Karsten einen dieser super-komplizierten Handschläge, wie man sie sonst nur aus irgendwelchen Teenie-Comedyserien im Fernsehen kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alice beäugte das Ganze genauso skeptisch wie ich. Unsere beiden Verrückten waren wieder vereint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich unsere kleine Truppe beschreiben müsste, würde mir das nicht schwerfallen: Wir hatten Peer, meinen besten Freund aus Kindertagen, der nie etwas ernstnehmen konnte und immer für einen Scherz zu haben war, Karsten, der mindestens ein genausogroßer Kindskopf war, aber ein Herz hatte, das größer war, als ihm guttat, Alice, eine der toughsten Frauen, die ich kannte, die sich selbst von unserem sexistischen Boss nicht die Stirn bieten ließ und irgendwie damit durchkam, und zu guter Letzt ich, der wohl durchschnittlichste Normalo, den man sich vorstellen konnte, der keine Ahnung hatte, womit er diese wundervollen Freunde verdiente. Wenn wir zusammen waren, konnte es gar nicht langweilig werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was soll ich sagen? Die Halloweenparty war da nicht anders. Trotz des kuschlig-kleinen Wohnzimmers und einem Fernseher, für den man fast ein Fernglas brauchte, genossen wir die Filme, unterhielten uns, tranken unsere Cocktails und das Bier, knabberten Süßkram und verschenkten Süßigkeiten an verkleidete Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ihr seid wahrscheinlich nicht hier, damit ich euch von einer gelungenen Halloweenparty erzähle. Ihr seid hier, um mehr über die seltsamen Vorkommnisse in meinem Haus zu erfahren – genau wie meine Freunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war bereits spät geworden, die letzten Kinder hatten vor über einer Stunde geklingelt und der Alkoholpegel unserer kleinen Gruppe hatte ein fortgeschrittenes Level erreicht. Wir waren nicht völlig betrunken – so viel tranken wir fast nie –, aber es trug durchaus zu unserer heiteren Stimmung bei. Wir lachten über die einfachsten Dinge und alberten rum, bis wir uns schließlich in einem Kreis auf den Boden setzten und meine drei Freunde mich erwartungsvoll ansahen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also gut, also gut“, sagte ich. „Ihr wollt wissen, warum ich denke, dass es in meinem Haus spukt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Freunde nickten. Aber das wäre gar nicht nötig gewesen. Ich konnte ihnen die Antwort an ihren neugierigen Gesichtern ablesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ihr wisst ja, ich glaube eigentlich nicht an sowas“, begann ich. „Erst war ich selbst superskeptisch gewesen. Mir fiel immer wieder auf, dass Dinge plötzlich anders standen, als ich sie hinterlassen hatte: Geschlossene Türen waren plötzlich offen, Esszimmerstühle standen nicht mehr am Tisch, obwohl ich sie nicht benutzt hatte. Sowas halt. Heute Mittag stand sogar plötzlich ein Glas auf der Spüle, obwohl ich gerade erst den Abwasch gemacht hatte. Trotzdem dachte ich mir noch vor ein paar Monaten nichts weiter dabei. Ich vermutete, dass ich bloß zu müde oder zu abgelenkt gewesen war, um mich daran zu erinnern. Dann stand jedoch eines Tages mein Lieblingssessel anders. Und ihr wisst, wie empfindlich ich bin, wenn ihn jemand umstellt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auf Kommando drehten Alice, Peer und Karsten ihre Köpfe zu dem Sessel, auf dem gerade eine halbleere Schale mit Chips stand. Er hatte eine hohe Lehne, war völlig durchgesessen und war in einem verblassten Rot. Aber was soll ich sagen? Ich liebte das hässliche Teil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und du hast ihn wirklich nicht selbst bewegt? Vielleicht bist du geschlafwandelt?“, warf Peer ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn mit ernstem Blick an. „Während ich einkaufen war? Der Sessel wurde tagsüber bewegt. Außerdem erklärt das nicht die anderen seltsamen Ereignisse. Die Schritte auf dem Flur zum Beispiel, die ich nachts einmal gehört habe. Als ich jedoch nachgesehen hatte, war niemand zu sehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alice und Karsten tauschten flüchtige Blicke aus, ich glaubte sogar, Gänsehaut auf Karstens inzwischen freien Armen zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lediglich Peer blieb skeptisch. „Du weißt, ich steh total auf so gruseliges Zeug, aber bist du sicher, dass das kein Einbrecher war?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt ergriff Karsten das Wort: „Über Monate hinweg? Für mich klingt das eher nach einem Poltergeist. Bei meiner Oma hat so einer früher auch gespukt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun war er an der Reihe mit erzählen. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass er mir die Bühne klauen wollte, es war viel mehr ein lockeres Gespräch unter Freunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Damals haben auch Dinge auf unerklärliche Weise ihre Position geändert“, erklärte er. „Stühle, Tische, Tassen. Einmal hatte ich sogar gesehen, wie meine Holzeisenbahn wie von Geisterhand quer durch das Wohnzimmer geschoben wurde. Ich war sofort zu Mama gerannt, um es ihr zu erzählen, aber natürlich glaubte sie mir nicht. Niemand tat das. Sie alle dachten, es lag nur an meiner kindlichen Fantasie. Alle bis auf Oma, heißt das. Sie wusste von dem Geist. Das konnte ich an ihrer Reaktion sehen, auch wenn sie es niemals zugegeben hatte. Wenn Marc also sagt, dass es in seinem Haus spukt, dann glaube ich ihm.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sagte auch Peer nichts mehr. Spätestens, als wir Karsten löcherten und die Erlebnisse mit meinen verglichen, dachte niemand von uns mehr an einen Einbrecher. Poltergeister passten nun einmal viel besser zu unserem heutigen Abend, als die Vorstellung irgendeines menschlichen Einbrechers. Zumal meines Wissens nach nie etwas gestohlen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so unterhielten wir uns noch eine ganze Weile. Irgendwann wechselten wir das Thema zu Kinofilmen, unseren liebsten Horrorgeschichten und was uns auch sonst noch in den Sinn kam. Erst, als gegen vier Uhr morgens die Kerzen schon fast alle runtergebrannt waren und wir mehr gähnten, als dass wir sprachen, entschieden wir uns, diesen großartigen Abend zu beenden und ins Bett zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wider Erwarten schliefen wir am nächsten Tag jedoch nicht bis in die Puppen. Bereits früh am Morgen, eigentlich viel zu früh, um überhaupt ansprechbar zu sein, weckte mich ein aufgeregtes Flüstern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Marc. Marc!“, flüsterte eine Stimme, während jemand an mir rüttelte. „Wach endlich auf, du verdammte Schlafmütze!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? Wie?“, murmelte ich verschlafen. Ich wurde aus einem Traum gerissen, in dem ich gerade mit Jason Vorhees einen überdimensionierten Schokoriegel gegessen hatte. Jasons Maske, die er trotz Schokoriegel nicht abgenommen hatte, verschwamm und wurde von dem aufgeregten Gesicht von Peer abgelöst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Augen waren weit aufgerissen und er wirkte hellwach. „Wir müssen hier weg. Da ist ein fremder Typ im ersten Stock!“, flüsterte er aufgeregt. Noch immer rüttelte er an mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mhnn. Lass mich schlafen!“, grummelte ich, während ich versuchte, mich von ihm wegzudrehen. Ich hatte keine Lust auf seine schlechten Scherze. Schon gar nicht so früh am Morgen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Peer ließ nicht locker. „Ich mein es ernst! Es ist jemand mit uns im Haus!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er machte so lange weiter, bis ich schließlich aufgab. Grimmig pellte ich mich aus dem warmen und gemütlichen Bett, warf eine Hose und meinen Pulli über und folgte Peer in den Flur. Alice und Karsten waren ebenfalls da. Sie sahen keinen Deut wacher aus als ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also? Was soll das alles?“, maulte Alice, als wir vor ihnen standen. „Bring deinen blöden Scherz hinter dich und lass uns weiterpennen, Peer.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Peer sah nicht aus, als wäre ihm nach einem Scherz zumute. „Ihr müsst mit rauskommen. Jetzt!“, sagte er todernst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir drei waren zu perplex, um zu widersprechen. Zwar murrte Alice noch ein wenig, aber trotzdem standen wir nur wenige Sekunden später draußen bei Peers Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich klärte er uns auf. „Ich wollte es drinnen nicht so direkt sagen, falls er uns hört, aber da ist ein fremder Mann im Haus. Ich musste vorhin dringend zur Toilette und da hab ich einen halbnackten Typ in der Küche gesehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sahen ihn ungläubig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein halbnackter Typ?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du uns jetzt wirklich für einen deiner blöden Scherze in aller früh aus dem Bett geholt hast, nur um uns in die Kälte zu scheuchen &#8230;“, drohte Alice ihm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und selbst Karsten, der sonst so leichtgläubig war, kaufte es ihm nicht ab: „Das hast du bestimmt nur geträumt“, warf er ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du glaubst doch nicht, dass ich danach weitergeschlafen habe!“, erwiderte Peer scharf. „Ich stand die ganze Zeit reglos im Badezimmer und hab beobachtet, wie der Typ aus der Küche gegangen und die Treppe raufgegangen ist. Er ist die restliche Nacht nicht mehr runtergekommen, bis ich mich endlich getraut habe, mich wieder zu bewegen. Ich hab euch sofort geweckt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alice hob skeptisch eine Augenbraue. Und auch Karsten und ich glaubten es ihm nicht so wirklich. Als er jedoch sein Handy herausholte und für uns alle sichtbar die 110 wählte, wurde mir schließlich doch mulmig zumute. Er erzählte dem Mann am anderen Ende der Leitung haargenau das, was er uns auch gesagt hatte, während Alice, Karsten und ich einander entsetzte Blick zuwarfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Viertelstunde später waren die Beamten da. Peer erklärte auch ihnen die Situation, woraufhin ich ihnen den Haustürschlüssel gab und sie im Haus verschwanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die nächsten Minuten, in denen die Polizisten das Haus durchsuchten, kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Meine Gedanken überschlugen sich, aber keiner von uns sagte ein Wort, während wir gebannt auf die Haustür starrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich tat sich etwas. Die Tür öffnete sich wieder und die Beamten kamen zurück. Einer von ihnen hielt einen alten Mann am Arm gepackt, um den halbherzig eine Wolldecke geschlungen war. Darunter trug der Fremde nur eine Unterhose, die seinen abgemagerten Körper mit der schlaffen Haut kaum bedeckte. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann sah mit seinen dünnen grauen Haaren, die so lang waren, dass sie ihm bis ins Gesicht hingen, völlig verwirrt aus. Seine Unterlippe zitterte, während er wie ein Wahnsinniger hin und her starrte. Sein Blick blieb nicht eine Sekunde auf irgendetwas ruhen. Trotzdem ging er mit den Beamten, ohne sich großartig zu wehren. Er sprach kein einziges Wort, während die Polizisten ihn in ihr Auto brachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sich herausstellte, hatte sich der Mann auf meinem Dachboden eingenistet. Wir fanden mit Urin gefüllte Flaschen, Essensreste vom Vortag, Süßigkeitenpapier und einen Eimer, den er wohl als Toilette benutzt hatte. Seit Monaten hatte der Mann sich heimlich durchs Haus bewegt. Wann immer ich unterwegs gewesen war oder geschlafen hatte, hatte er sich an meinem Kühlschrank bedient, die Dusche benutzt, ferngesehen und wer weiß was noch alles getan. Wirklich übel wurde mir, als er gestand, dass er sogar meine Zahnbürste benutzt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss es wahrscheinlich nicht extra erwähnen, aber die seltsamen Vorkommnisse verschwanden gemeinsam mit dem Mann. Doch obwohl ich jetzt endlich meine Ruhe hatte, fühlte ich mich in meinen eigenen vier Wänden nie wieder wohl. Ich sah mich bald nach einem neuen Haus um. Diesmal eins ohne Dachboden.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Fremde auf dem Dachboden“, in anderen Versionen auch z. B. „Die Frau im Schrank“, „Der Mann in der Wand“ oder „Der Mann in der Decke“, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>, die eigentlich gar keine ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht um das Phänomen, dass eine fremde Person im eigenen Haus, der eigenen Wohnung oder dem eigenen Zimmer lebt, ohne dass man etwas davon weiß. Tatsächlich gibt es mehrere solcher Fälle, die wirklich passiert sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Täter können völlig verschiedene Menschen sein und unterschiedlichste Motive haben. Ich habe Berichte und Erzählungen von jungen und alten Männern und Frauen gefunden. Einige davon waren Stalker, andere Obdachlose, einige früher mit den Opfern befreundet und bei anderen sind die Motive unbekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die Fälle und Geschichten, in denen eine fremde Person heimlich in einem Haus oder einer Wohnung lebt, sich stark unterscheiden können, folgen sie oft einem ähnlichen Muster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meist beginnt es damit, dass einer der Bewohner feststellt, dass seltsame Dinge im Haus passieren: Türen stehen offen, die eigentlich geschlossen waren, Lichter sind plötzlich an, wenn jemand nach Hause kommt, Essen verschwindet aus dem Kühlschrank usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierüber wundern sich die Betroffenen zwar meistens, denken sich aber nichts weiter dabei. Erst, wenn die Dinge auffälliger werden, zu lange andauern oder sie eine fremde Person in ihrem Haus erwischen, merken sie, dass sie es sich nicht nur eingebildet hatten. Wobei es auch hier schon Fälle gab, in denen die Leute überzeugt waren, dass es in dem Haus <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">spukt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal wundern sich die Personen auch, woraufhin sie Kameras aufstellen und den Eindringling auf frischer Tat ertappen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie es weitergeht, kann sich stark unterscheiden. Mal flieht die fremde Person, mal greift sie die Bewohner an und wieder andere Male ergibt sie sich, wenn die Polizei gerufen wird.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort des Geschehens kann genauso unterschiedlich sein, wie der Täter. Meist sind es Einfamilienhäuser, ich habe aber auch von Wohnungen, Villen, Poolhäusern oder sogar einem Studentenzimmer in einem College gelesen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr mögt jetzt vielleicht denken, dass, wenn so ein Fall überhaupt schon einmal vorgekommen ist, es sich um Einzelfälle handelt. Wenn man sich über die Thematik informiert, muss man aber schnell feststellen, wie viele Zeitungsartikel und andere seriöse Berichte es über Menschen gibt, die sich heimlich in fremden Häusern eingenistet haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der bekanntesten Fälle ist wohl der von Tatsuko Horikawa, einer 58-jährigen Japanerin, die 2008 heimlich im Haus eines 57-jährigen Mannes gelebt hat. Sie hat sich nur im Haus bewegt, wenn der Bewohner weg war, und sich die restliche Zeit in einem Regal über dem Kleiderschrank aufgehalten. Dort soll sie über ein Jahr unbemerkt gewohnt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt auch andere Berichte über ähnliche Fälle. Eine geistig verwirrte Frau, die mehrere Tage heimlich in einem Haus in Österreich gewohnt hat, ein Ex-Freund, der ohne ihr Wissen auf dem Dachboden seiner Ex-Freundin von vor 12 Jahren eingezogen ist, ein Stalker, der eine Woche im Poolhaus von Jennifer Lopez gewohnt hat usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz: Es gibt Dutzende ähnliche Fälle, die sich überall in der Welt zugetragen haben sollen. Natürlich sind darunter auch viele tatsächliche urbane Legenden und ausgedachte Geschichten, aber es ist in der Realität deutlich häufiger vorgekommen, als ich es erwartet hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte euch also das nächste Mal etwas seltsam vorkommen, wenn ihr allein zuhause seid, denkt lieber zweimal nach, ehe ihr es als bloße Einbildung abtut &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von &#8222;Der Fremde auf dem Dachboden&#8220;? Wie hättet ihr euch an Marcs Stelle verhalten? Wärt ihr auch von einem Spuk ausgegangen oder hättet ihr vermutet, dass außer euch jemand im Haus ist? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Das Sallie House</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Oct 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Kennt ihr eigentlich die Geschichte dieses Hauses?“, fragte ich mit möglichst bedrohlicher Stimme.<br />
Ich war mir sicher, dass die beiden sie kannten. Trotzdem schwiegen sie und ließen mich die Legende erzählen ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/sallie-house">Das Sallie House</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/ca2646e4229244019a2fd2d0a998a96b" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Das Sallie House ist ein bekanntes Spukhaus in Amerika. Es soll, im Gegensatz zu vielen anderen bekannten Spukhäusern, wie z. B. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/das-blutende-haus" target="_blank" rel="noreferrer noopener">la maison qui saigne</a> in Frankreich, noch heute Schauplatz vieler paranormaler Ereignisse sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich die Haustür des Sallie Houses aufgeschlossen hatte, schlug mir sofort ein muffiger Geruch entgegen. Es roch nicht unangenehm, sondern einfach nur … alt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenigstens ist es drinnen warm“, wandte ich mich Grace und Aaron zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann betraten wir das Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir unsere Rucksäcke und die Kühlbox neben die Treppe gestellt hatten, sahen wir uns um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich es im Halbdunkel bereits erahnen konnte, pfiff ich laut aus, nachdem ich das Licht im Wohnzimmer eingeschaltet hatte. „Das sieht ja aus, wie in einem Horrorfilm!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wände waren mit weißer Tapete tapeziert, während der Boden mit einem dunklen grün-blauen Teppich ausgelegt war. Im Wohnzimmer standen einige alte Lampen mit hässlichen Stoffschirmen, ein Tisch mit Stühlen und ein abgenutztes Sofa herum. Durch einen großen Durchgang gelangte man ins Esszimmer, wo um einen leeren Holztisch vier alt aussehende Holzstühle mit dunklem Sitzpolster standen und direkt darüber eine kleine, helle Holzuhr an der Wand hing. Sie war stehengeblieben. Die einzigen Lampen im Raum waren eine kitschige Deckenlampe und eine weitere Stehlampe mit hässlichem Stoffschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch die anderen Räume sahen nicht besser aus: Die Küche und sogar das Badezimmer waren alt und völlig aus der Mode gekommen. Lediglich den Keller durfte man nicht betreten, weil es angeblich ‚zu gefährlich‘ war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie in einem Horrorfilm? Es sieht eher aus, wie bei meiner Oma“, warf Aaron ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. Konnte er nicht einmal mitmachen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lasst uns nachsehen, ob es oben genauso aussieht!“, schlug Grace aufgeregt vor. Meine Freundin hatte sich von Anfang an von meiner Idee begeistern lassen, eine Nacht in dem Haus zu verbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am unteren Treppenabsatz drückte sich Grace hinter mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du Angst?“, fragte ich mit einem breiten Grinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie streckte mir die Zunge entgegen. „Jetzt geh schon, Joshua!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Grinsen wurde noch breiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um für etwas Dramatik zu sorgen, ging ich die Treppe bewusst langsam hinauf. Fast jede Stufe knarrte bedrohlich unter meinen Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte fast erwartet, dass es oben nicht sonderlich anders aussah, als unten, doch als ich über den oberen Treppenabsatz hinweggucken konnte, leuchteten meine Augen auf. Ich beschleunigte meine Schritte, bis ich oben war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, fragte Grace leicht irritiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ich musste es nicht einmal beantworten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh!“, entfuhr es ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hielt sich zwar weiter hinter mir, schob mich aber ungeduldig nach vorne. Wir hatten das Kinderzimmer entdeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besitzer des Hauses hatten sich ganz schön ins Zeug gelegt: Überall auf dem Boden lagen Stofftiere, Puppen und Gummibälle verteilt, an einer Wand stand ein hölzerner Kinderwagen, in dem eine Babypuppe lag und in einer Ecke des Raumes standen mehrere Schaukelpferde herum. Zusammen mit einigen Kindermöbeln ergab sich der perfekte Schauplatz für das Spukhaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte es immer noch nicht fassen. Wir waren im Sallie House – einem der bekanntesten Spukhäuser des Landes. Und das zu Halloween!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch meine Freude hielt nicht lange an. Unsere kleine Tour durchs Haus hatte maximal eine halbe Stunde gedauert und auch wenn die Atmosphäre gut war, hatten wir nichts Außergewöhnliches erlebt. Also setzten wir uns im Esszimmer an den Tisch und warteten … und warteten … und warteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Spannendste, was passierte, war, dass Aaron sich vor einigen Jugendlichen erschreckte, die schaulustig durch eines der Fenster starrten. Keine unerklärlichen Geräusche, keine seltsamen Stimmen, keine übernatürlichen Erscheinungen. Das war nicht das, was ich mir von dem ‚Haus, in dem es in den gesamten Vereinigten Staaten den meisten Spuk gibt‘, wie das Sallie House beworben wurde, erwartet hatte. Wofür hatten wir bitte die Verzichtserklärung unterschrieben, falls uns im Haus etwas passieren sollte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte, wie ich mit der Zeit immer genervter wurde. Hierauf hatten wir uns ein ganzes Jahr gefreut? Hatten pro Person 150 $ ausgegeben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich versuchte, mich nicht so schnell entmutigen zu lassen. Zumindest wollte ich nicht sowohl schuld daran sein, dass wir viel Geld aus dem Fenster geworfen hatten, als auch daran, dass der Abend ruiniert war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kennt ihr eigentlich die Geschichte dieses Hauses?“, fragte ich also mit möglichst bedrohlicher Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war mir sicher, dass die beiden sie kannten. Trotzdem schwiegen sie und ließen mich die Legende erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es heißt, dass vor über 100 Jahren ein Doktor in diesem Haus gelebt haben soll. In einer regnerischen Nacht klopfte unerwartet eine Frau an seine Tür, da ihre Tochter Sallie plötzlich mit starken Schmerzen zusammengebrochen sei – ihr Blinddarm war geplatzt. Der Doktor wusste, dass sie keine Zeit hatten, sie in ein Krankenhaus zu bringen und trug sie schließlich in einen kleinen Operationsraum genau in diesem Haus. Da er jedoch kein Narkosemittel zur Hand hatte, zwang er die Mutter dazu, ihre Tochter festzuhalten. Er operierte sie bei lebendigem Leibe. Doch Sallie überlebte die Operation nicht. Das letzte, was sie in ihrem kurzen Leben erlebte, war, wie ein fremder Mann sie auf einen Tisch gelegt und zu Tode gefoltert hatte. Und es heißt, dass Sallies Geist noch heute in diesem Haus ihr Unwesen treibt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich fertig war, sah ich, dass sich Grace unauffällig im Haus umsah. Meine Stimmung hob sich etwas. Sie kannte die Geschichte noch nicht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aaron hingegen sah weniger überrascht, sondern eher nachdenklich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was?“, fragte ich neugierig. Hatte er eine Theorie zu der Geschichte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch er sollte mir bloß die nächste Enttäuschung des Abends bringen. „Nun, das ist so nicht ganz richtig. Man hat sehr detaillierte Aufzeichnungen über das Haus. Und obwohl im 19. Jahrhundert tatsächlich ein Doktor in diesem Haus gewohnt hat, gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass er im Haus Operationen durchgeführt hat, geschweige denn unter seiner Hand ein kleines Mädchen hier gestorben sei. Um genau zu sein, ließ sich kein einziges Mädchen namens Sallie finden, deren Tod man mit diesem Haus in Verbindung bringen konnte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn verwirrt an. „Aber die Geschichte stand auf der Seite, wo ich das Haus für die Nacht heute gemietet habe!“, widersprach ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aaron zuckte mit den Schultern. „Eine Marketingstrategie. Ein Spukhaus mit einer solchen Hintergrundgeschichte verkauft sich halt besser …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist doch scheiße!“, fluchte ich und sprang auf. „Am Ende spukt es hier nicht einmal. Aber selbst wenn: So langweilig, wie der Geist hier ist, ist es eher ein alter Sack, der den ganzen Tag nichts tut, als ein junges Mädchen!“ Ich sprach bewusst laut, in der Hoffnung, irgendeine Reaktion zu bekommen. Als es jedoch im gesamten Haus ruhig blieb, stapfte ich durch das Wohnzimmer zurück in den Flur, wo ich durch die Eingangstür nach draußen verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lehnte mich an eine Backsteinsäule und zündete mir eine Zigarette an. Dann sah ich die Straße entlang. Fast alle anderen Häuser waren irgendwie dekoriert. Kürbislaternen, Skelette, künstliche Spinnweben, Hexen und Grabsteine zierten die Vorgärten und Hauswände. Im Vergleich sah das Sallie House trostlos, fast schon langweilig aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch waren überall Eltern mit ihren Kindern unterwegs, die von Tür zu Tür gingen. Ein Kind war sogar schon auf dem Weg zu mir, bis die Mutter es panisch am Arm packte und von dem Haus wegzerrte, als würde hier ein Kinderschänder wohnen. Hier in der Gegend schien jedenfalls jeder die Geschichte des Sallie Houses zu kennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte, wie sich hinter mir die Tür öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey“, sagte Grace.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist du sicher, dass das eben eine gute Idee war?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie fragend an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den Geist zu beleidigen …“, fügte sie hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Welchen Geist?“, erwiderte ich verärgert. „Mir ist heute noch keiner über den Weg gelaufen. Man hat uns um unser Geld betrogen. Das ist alles, was passiert ist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kuschelte sich an mich. „Jetzt schmoll doch nicht gleich. Die Nacht ist noch jung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grummelte nur und gab ihr den Rest meiner Zigarette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie einige Züge genommen hatte, trat sie sie am Boden aus. „Komm. Lass uns wieder reingehen. Selbst wenn nichts mehr passieren sollte, können wir uns trotzdem einen schönen Abend machen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatte recht. Ich durfte mich davon nicht unterkriegen lassen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Händchenhaltend schlenderten wir zurück ins Wohnzimmer, wo Aaron uns sofort mit einem erhobenen Finger andeutete, leise zu sein. Er stand leicht gebückt und lauschte an der Wand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, flüsterte ich ihm zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er stand noch einen Moment regungslos da, bis er sich schließlich wieder aufrichtete. „Ich habe eben ein Kratzen in der Wand gehört!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Echt?“, fragte Grace begeistert. Sie strahlte mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war jedoch weniger optimistisch. Selbst wenn Aaron das nicht nur sagen sollte, um mich aufzumuntern, gab es noch viele andere logische Erklärungen. „Das ist eine Außenwand. Vielleicht war es nur irgendein Tier oder was weiß ich. Ein Kratzen reicht jedenfalls nicht aus, um mich von dem Spuk zu überzeugen.“ Ich ging zu unserer Kühlbox. „Jemand ein Bier?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Punkt, an dem der bisher doch eher enttäuschende Abend endlich eine Wendung nahm. Von irgendwelchen Geistern war zwar weiterhin nichts zu sehen, doch der Alkohol, die schaurige Atmosphäre und unsere Unterhaltungen hoben meine Stimmung immens. Auch, wenn ich hierfür am liebsten keine 150 $ ausgegeben hätte, rückte der Gedanke daran immer weiter in den Hintergrund, je später es wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir waren gerade in ein Gespräch über seltsame Halloweenkostüme vertieft – Grace erzählte davon, wie eine Bekannte von ihr sich einmal als menschengroße Damenbinde verkleidet hatte –, als ich aufstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich geh mal schnell für kleine Joshuas“, sagte ich. Dann wandte ich mich dem Raum zu und breitete herausfordernd die Arme aus. „Hörst du, Geist? Ich markiere mein Revier. In deinem Haus!“ Anschließend ging ich, leise über meinen kleinen Scherz lachend, weiter zur Toilette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war gerade dabei, mich zu erleichtern, als plötzlich ein Klopfen von der Tür hinter mir kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was denn?“, fragte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ich bekam keine Antwort, stattdessen ging das Klopfen weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du mal musst, geh nach oben oder warte zehn Sekunden!“, sagte ich leicht genervt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch selbst, als ich meine Hose geschlossen und die Spülung betätigt hatte, ging das Klopfen weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Versteh schon, der Geist. Ha-ha, sehr witzig!“, sagte ich sarkastisch, während ich die Türklinke runter drückte. Als ich die Tür öffnete, stand Grace vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alles in Ordnung? Mit wem redest du?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mit dir, wie es aussieht“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein“, widersprach sie. „Wir haben dich reden gehört, also bin ich hergekommen, um nachzusehen, ob alles gut ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast nicht an der Tür geklopft?“, fragte ich überrascht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grace schüttelte den Kopf. „Nein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verunsichert sah ich zurück zur Tür. Ich schloss sie und rüttelte leicht daran, doch das Geräusch war anders, als eben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wandte ich meinen Blick der Kellertür zu. Konnte es sein …? Aber nein. Wahrscheinlich hatte Grace an die Tür geklopft und dann auf unschuldig getan. Sie hatte gemerkt, wie sehr ich mich geärgert hatte, und wollte mich etwas aufmuntern!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren, ging ich zurück zu Aaron. Grace folgte mir, woraufhin wir unsere Unterhaltung bald fortsetzten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir langsam müde wurden, breiteten wir unsere Schlafsäcke im Wohnzimmer aus. Aaron legte seinen Schlafsack auf das Sofa und Grace und ich unseren Doppelschlafsack auf den Boden daneben. Es war nicht sonderlich bequem, aber definitiv aushaltbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Fenster in Richtung Straße keine Vorhänge oder Jalousie hatten, schienen die Straßenlaternen schwach zu uns herein. Das wenige Licht, die ungewohnte Umgebung und die altmodische Einrichtung, trieben mir einen Schauer über den Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich leicht fröstelte, musste ich wieder an das Kratzen und das Klopfen denken. Was, wenn das doch nicht bloß Aufmunterungsversuche waren? Hätten Grace und Aaron überhaupt versucht, mich auf die Weise aufzumuntern? Was, wenn …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Au!“, schrie ich auf. „Pass mit deinen Fingernägeln auf!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Huh? Ich hab dich nicht einmal berührt“, erwiderte Grace verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Halbdunkel sah ich, wie sich kleine Blutstropfen entlang der Schramme an meinem Unterarm bildeten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es blutet sogar!“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt schaltete Aaron die Stehlampe neben seinem Sofa ein. „Was ist los?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nichts. Grace hat mich nur gekratzt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hab ich nicht!“, protestierte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt meinen Arm so, dass die beiden es sehen konnten. „Und wer war das dann? Der Geist?“, scherzte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch mein dämliches Grinsen sollte mir sofort wieder vergehen, als ein zweiter, stärkerer Schmerz durch meinen Unterarm fuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig beobachtete ich, wie sich ein zweiter Kratzer nur wenige Zentimeter von dem ersten entfernt, wie durch Geisterhand an meinem Arm bildete … Wobei das Wort „Geisterhand“ wahrscheinlich mehr als nur zutreffend war! Blut lief sofort aus der Wunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße! Das habt ihr doch auch gesehen, oder?“, fragte ich panisch, während ich die mit der Hand versuchte, die Blutung zu stoppen und mich panisch aus dem Schlafsack wühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zog mir meine Hose über, griff nach meinen anderen Sachen und rannte aus dem Haus. Es dauerte nicht einmal eine Minute, bis Grace und Aaron mir mit den restlichen Sachen folgten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fuck! Was war das?“, fluchte Grace.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keiner von uns antwortete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir auf der anderen Straßenseite standen und die Schlafsäcke zusammenrollten, sah ich ängstlich zu dem Sallie House zurück. Es kam mir vor, als würde es mich mit seinen dunklen Fenstern beobachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lasst uns den Schlüssel zurückgeben und dann nichts wie weg hier!“, beschloss ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines war jedenfalls klar: Ein Spukhaus würde ich so schnell nicht mehr betreten!</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Das Spukhaus:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Sallie House (Englisch für „Das Sallie Haus“) ist ein bekanntes und sehr umstrittenes Spukhaus in Kansas, USA. Es ist nach einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> benannt, der im 20. Jahrhundert dort gesichtet worden sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Haus:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Sallie House steht an der 508 North 2nd Street in Kansas, USA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es häufig heißt, dass das Haus um die Jahrhundertwende von 1899 auf 1900 gebaut worden sei, weisen Aufzeichnungen darauf hin, dass das Haus tatsächlich im Jahre 1867 gebaut wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2004 steht das Haus außerdem leer, wurde jedoch Paranormalforschern zugänglich gemacht. Außerdem werden Rundführungen angeboten und Leute können sogar für 125 bis 150 $ pro Person eine Nacht in dem Haus verbringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Legende:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> nach, soll in dem Haus früher ein Doktor gewohnt haben, der – je nach Version – seine eigene Tochter oder die Tochter eines Hilfesuchenden wegen eines geplatzten Blinddarms im Haus operiert haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mädchen soll die Operation jedoch nicht überlebt haben und auf dem Operationstisch gestorben sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Versionen gehen sogar so weit, zu behaupten, dass das Mädchen während der Operation aufgewacht und unter schlimmen Schmerzen verstorben sei oder der Doktor bei ihr gar kein Narkosemittel verwendet habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Legende hieß das Mädchen Sallie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch obwohl es allerlei Aufzeichnungen über das Haus, deren Besitzer und die Vergangenheit gibt und sogar einige Doktoren dort gelebt haben, hat sich diese Geschichte nie bestätigen lassen. Es scheint also tatsächlich nichts anderes, als eine Legende zu sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sallie:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bekanntheit erlangte das Sallie House erst Mitte der 1990er Jahre, als das Ehepaar Debra und Tony Pickman mehrere übernatürliche Phänomene erlebt haben – darunter auch die Erscheinung eines 7-jährigen Mädchens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie ein Medium zur Hilfe riefen, erklärte sie, dass der Geist Sallie heiße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe ihrer Nachforschungen sind die Pickmans schließlich auf die vor ihnen in dem Haus lebende Familie Humbard gestoßen. Heather, die Tochter der Humbards, hatte zu der Zeit, in der sie in dem Haus lebte, eine imaginäre Freundin, die ebenfalls Sallie hieß. Als die Pickmans ihr eine Zeichnung des Mädchens zeigten, bestätigte Heather, dass es sich um ihre imaginäre Freundin handle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sich später herausstellte, gab es in dem Haus tatsächlich einmal ein Mädchen, das den Spitznamen Sallie trug: Sarah „Sallie“ Margaret Mize, die 1948 in dem Haus gelebt hat. Dass es sich bei ihr um den Geist des kleinen Mädchens handelt, ist jedoch sehr unwahrscheinlich, da sie heute noch lebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Theorie besagt, dass es sich bei dem Mädchen um Sallie Isabel Hall handele, die im Jahre 1905 verstorben ist. Da sie jedoch schwarz war und als erwachsene Frau gestorben ist, dürfte sie als Kandidatin für den von Heather Humbard und den Pickmans als weißes Mädchen beschriebenen Geist ebenfalls nicht in Frage kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Sallie, die jung gestorben ist und mit dem Haus in Verbindung gebracht werden kann, ist nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Weitere Zwischenfälle:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem harmlosen – wenn auch manchmal Streiche spielenden – Geistermädchen namens Sallie, gab und gibt es jedoch noch andere Vorkommnisse in dem Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu gehören andere, weniger harmlose Erscheinungen von Geistern und <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämonen</a>, unerklärliche Stimmen oder Geräusche (z. B. ein Kratzen oder ein Klopfen) oder das Gefühl, nicht alleine zu sein. Viele dieser Vorkommnisse sind jedoch erst nach der Eröffnung des Hauses als Touristenattraktion entstanden – wobei man immer bedenken muss, dass einige Leute eine lebhaftere Fantasie haben, als andere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt auch einige Vorkommnisse, die sich nicht mit der bloßen Fantasie der Besucher erklären lassen. So sollen Fotoapparate und Handykameras sich manchmal von selbst auflösen oder Akkus sich unnatürlich schnell entladen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wesentlich interessanter finde ich hingegen die – meiner Meinung nach glaubwürdigeren – Zwischenfälle vor 2004, wo man über die Jahre einige Zusammenhänge erkennt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gab es einige mysteriöse Brände, die keine natürliche Ursache zu haben schienen. Die meisten von ihnen sind zwar lediglich von den Erzählungen der Pickmans bekannt, es gab jedoch auch vorher bereits ein Feuer ohne erkennbare Ursache im Kinderzimmer im Jahr 1958, sowie einen angeblich unerklärlichen Brand einiger Vorhänge. Interessant ist hierbei auch, dass die meisten Brände mit Kinderspielzeug oder dem Kinderzimmer zu tun hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Sallie soll es außerdem noch den Geist einer Frau in dem Haus geben, den Tony Pickman gesehen haben will. Sie soll sehr viel aggressiver als Sallie gewesen sein und ihm sogar sichtbare Kratzer zugefügt haben. Außerdem war sie einer der Gründe, warum die Pickmans nach nur zwei Jahren wieder aus dem Sallie House ausgezogen sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Anmerkung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die enorme Bekanntheit und die inzwischen eher fragwürdige Nutzung des Hauses als überteuerte Touristenattraktion, haben dem Ruf des Sallie Houses einiges an Schaden zugefügt. Hinzu kommt, dass der 2009 gedrehte Dokumentarfilm <em>The Sallie House – Gateway to the Paranormal</em> mit allerlei Spekulation, Gerüchten und bewiesenen Falschaussagen (wie z. B. der Geschichte über dem Doktor) um sich wirft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles hat – zusätzlich zu der generellen Skepsis am Paranormalen – dazu geführt, dass sowohl Leute, die an das Paranormale glauben, als auch Leute, die davon nicht überzeugt sind, das Haus für eine reine Touristenattraktion halten und die Forschungen in dem Haus nicht mehr ernst nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich persönlich finde das sehr schade, weil ich zwar der Meinung bin, dass Skepsis im paranormalen Bereich durchaus sinnvoll ist und man nach logischen Erklärungen suchen sollte, die eventuellen tatsächlichen paranormalen Aktivitäten im Haus jedoch durch den geschädigten Ruf bei vielen Leuten kaum bis gar keine Beachtung mehr finden.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr vom Sallie House? Denkt ihr, dass es dort wirklich spukt oder glaubt ihr nicht an so etwas? Würdet ihr eine Nacht dort verbringen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/sallie-house">Das Sallie House</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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