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	<title>Dämonen Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Dec 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wieder dieser besorgte, mitleidgeschwängerte Blick. Ich konnte ihn nicht länger ertragen! Ich war nicht senil. Und vor allem war ich nicht verrückt. Was dachten meine Kinder von mir? Dass ich meinen eigenen Weihnachtsbaum anpissen würde!?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi">Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/5d8849c78b424a94bd9c460c5375c037" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Kallikantzaroi sind eine bekannte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">Weihnachtslegende</a> in Griechenland. Es heißt, dass diese koboldartigen Wesen dort jedes Jahr um die Weihnachtszeit Unruhe stiften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hier noch ein kurzer Hinweis: Auf Wunsch eines Patrons habe ich jetzt eine <a href="https://ko-fi.com/geisterlegenden">Ko-fi Seite</a>, auf der ihr mich – wenn ihr möchtet – mit einer einmaligen oder monatlichen Zahlung unterstützen könnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt will ich euch aber nicht weiter warten lassen. Wir sehen uns nach meiner Winterpause wieder und ich wünsche euch bis dahin frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Krankheit: Demenz</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich nach Hause kam, merkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Ich hörte Geräusche aus dem Wohnzimmer. Das Problem war: Ich wohnte allein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz überlegte ich, ob ich nicht bei der Wohnung gegenüber klopfen solle, jemandem Bescheid sagen. Aber nein. Was auch immer das war, ich wollte meine Nachbarn damit nicht bei ihrem Weihnachtsfest stören. Also ging ich mit vorsichtigen Schritten zum Wohnzimmer. „Hallo? Wer ist da?“, rief ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Baba?“, antwortete eine Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete erleichtert auf. Das war Ilias. „Ich dachte, du willst erst heute Abend kommen?“, fragte ich, während ich das Wohnzimmer betrat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Sohn stand in der Mitte des Raumes vor meinem Fernsehsessel und sah nun in meine Richtung. „Was ist hier passiert?“, fragte er, ohne auf meine Frage einzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah mich im Raum um. Dort stand der Weihnachtsbaum, über dem Fernseher hing eine goldfarbene Girlande und auf der Fensterbank standen einige zugeschneite Häuschen mit ausgeschalteter Beleuchtung. „Was ist wo passiert?“, fragte ich. Wie so oft konnte ich seinem Gedankengang nicht ganz folgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias nickte Richtung Sessel. „Na hier. Wie hast du das geschafft?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer irritiert trat ich nun neben ihn. Jetzt sah ich es auch. Die Fußstütze hing schief. Es musste irgendetwas gebrochen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Ahnung“, sagte ich. Ich runzelte die Stirn. Wann war das passiert? Gestern Abend war mit dem Sessel doch noch alles in Ordnung gewesen, oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias wirkte nicht sehr überzeugt. „Wenn du mich fragst, sieht das aus, als wäre etwas oder <em>jemand</em> auf das Fußteil gestürzt, als es ausgeklappt war.“ Sofort musterte er mich, als suche er nach irgendwelchen Verletzungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schnaubte. „Das hätte ich ja wohl mitbekommen. Keine Ahnung, wie das passiert ist.“ Toll. Da sah ich meinen Sohn nach fast einem Jahr zum ersten Mal wieder und das erste, was er machte, waren Vorwürfe. Dabei hätte doch vielmehr <em>ich ihm</em> Vorwürfe machen sollen, dass er mich so selten besuchte, obwohl wir in derselben Stadt wohnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias sah mich noch eine Weile unzufrieden an. Dann jedoch wurde seine Miene sanfter. Er nahm mich in den Arm. „Hey Baba. Es tut gut, dich wiederzusehen“, log er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich unterdrückte ein Schnaufen. Stattdessen fiel mein Blick auf das Fenster, vor dem auch die kleinen Häuschen standen. Erst jetzt merkte ich, dass es einen Spalt breit offenstand. „Und was ist mit dem Fenster?“, fragte ich, während ich darauf zuging, um es zu schließen. „Willst du uns krank machen oder warum ist es so kalt hier drinnen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias verlagerte das Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Er wich meinem Blick aus. „Na ja, es …“, sagte er dann zögerlich. „Es hat nicht gerade angenehm gerochen, als ich reingekommen bin“, erklärte er. Es war ihm sichtlich unangenehm, mich darauf anzusprechen. Dann jedoch sah er mich an, als verlange er eine Erklärung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder runzelte ich die Stirn. Es hatte gestunken? Aber in meiner Wohnung stank es nicht. Das wäre mir aufgefallen. Oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt seufzte Ilias. „Tut mir leid. Ich wollte dir nicht zu nahetreten. Ich hätte nichts sagen sollen.“ Bevor ich protestieren konnte, wechselte er jedoch das Thema. „Warum ich aber eigentlich so früh hier bin: Ich dachte, wir können vielleicht zusammen das Weihnachtsessen kochen. Ich weiß doch, wie lange du dafür immer in der Küche stehst.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während des Kochens blieb die Stimmung angespannt. Ilias gab sich wirklich Mühe, das merkte ich. Aber er war einfach kein guter Koch. Es war mir ein Rätsel, wie er sich das Jahr über allein ernähren konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie sieht es eigentlich mit einer Freundin aus?“, fragte ich. „Hast du inzwischen jemanden kennengelernt? Deine Schwester hat jetzt ja auch endlich geheiratet.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias schüttelte den Kopf. „Nein. Ich komm so weit ganz gut ohne Frau zurecht. Aber irgendwann treff ich schon die Richtige.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte ihm aufmunternd zu. „Es gibt da ja auch diese Apps …“, schlug ich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hingegen schien ihn zu verärgern. „Können wir bitte über was anderes reden?“, fuhr er mich an. „Ich misch mich ja auch nicht in dein Privatleben ein!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ähnlich lief auch das restliche Kochen und sogar das gemeinsame Essen ab. Und so verging ein viel zu langer Abend, an dem mein Sohn und ich kaum ein Wort wechselten. Aber das machte mir nicht allzu viel aus. Trotz allem war es schön, mal nicht allein essen zu müssen. Außerdem hatte ich ja noch genug Tage, an denen ich mich vernünftig mit Ilias unterhalten konnte, ehe er am 06. Januar – dem Ende des 12-tägigen Weihnachtsfestes hier in Griechenland – wieder in der Versenkung verschwand. Noch ahnte ich ja nicht, dass unsere mangelhafte Vater-Sohn-Beziehung nicht mein einziges Problem werden würde.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag kam Ilias erst kurz vor dem Abendessen. Ich hatte bereits das Hoirino Prasoselino von gestern auf dem Herd stehen, sodass er nur noch meinen kleinen Esstisch decken musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Währenddessen nahm ich mir vor, heute nicht wieder irgendwelche ungemütlichen Themen wie Beziehungen, seinen Job oder gar meinen Wunsch, Enkelkinder zu bekommen, anzusprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so wechselten wir kaum ein Wort, bis wir gemeinsam vor unseren dampfenden Tellern saßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Appetit“, sagte Ilias fast sofort, ehe er sich schnell einen Löffel der Suppe in den Mund steckte. Ihm schien die Stille mindestens genauso unangenehm zu sein wie mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das änderte sich jedoch in den nächsten Sekunden. Ich sah, wie er fast sofort das Gesicht verzog. Trotzdem kaute er übertrieben langsam und schluckte den Bissen dann in einem viel zu großen Schluck hinunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, fragte ich. Gestern hatte ihm das Essen noch sehr gut geschmeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage erübrigte sich jedoch, als ich selbst einen Löffel des Schweine-Sellerie-Eintopfes in den Mund nahm. Sofort breitete sich ein widerwärtiges Aroma in meinem Mund aus. Es war ein viel zu bitterer, leicht salziger Geschmack, von dem gestern noch jede Spur gefehlt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spuckte das Essen zurück auf meinen Teller. „Das ist ja widerlich“, sagte ich, während ich mir den Mund mit meinem Handrücken abwischte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du da noch irgendetwas reingetan?“, fragte Ilias.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zögerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du?“, hakte er nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja, ich habe es ein wenig nachgewürzt. Aber wirklich nur mit etwas Salz und getrockneten Kräutern.“ Und ja, ich hatte es nicht abgeschmeckt. Aber selbst, wenn ich mich bei den Gewürzen vergriffen oder mich bei der Menge geirrt hätte, wäre der Eintopf davon doch niemals derartig verdorben worden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem sah mein Sohn mich wieder mit diesem Blick an. Es war derselbe Blick, den er mir auch bei dem Sessel gestern zugeworfen hatte. Als würde er mir nicht glauben. Als wäre ich schuld an der gebrochenen Fußstütze und dem verdorbenen Essen. Dabei war mir beides ein genauso großes Rätsel wie ihm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kippte den restlichen Eintopf weg. Kurz darauf saßen wir wieder mit knurrenden Mägen am Esszimmertisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und jetzt?“, fragte Ilias. „Sollen wir gucken, ob wir noch irgendwo etwas bestellen können?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich schüttelte den Kopf. „Ich geh schnell rüber zu Frau Georgiou. Meine Nachbarin macht immer zu viel“, erklärte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war Ilias unangenehm, das erkannte ich sofort. Aber er kam aus einer Generation, in der man kaum noch mit seinen Nachbarn sprach. Bei uns alten Hasen war das noch anders. Und so saßen wir kurze Zeit später erneut mit zwei Portionen Hoirino Prasoselino am Esstisch. Es war ein leicht anderes Rezept als meines, aber es schmeckte mir ganz ausgezeichnet. Ich fand sogar, dass es trotz allem ein wirklich netter Abend wurde, an dem Ilias und ich uns hauptsächlich über alte Zeiten und Basketball unterhielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem dachte ich auch in der Nacht, als Ilias bereits wieder gegangen war, noch die ganze Zeit über den verdorbenen Eintopf nach. Wie zur Hölle konnte mir das nur passiert sein?</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die folgenden Tage fühlte ich mich, als wäre ich nicht ganz auf der Höhe. Zwar geschah nichts so Verheerendes wie an den beiden ersten Tagen, aber es passierte mehr als einmal, dass ich irgendetwas verlegte. Ich musste nach der Fernbedienung suchen, die mein Sohn eine Viertelstunde später im Kühlschrank wiederfand. Ilias’ Lieblingspralinen, die ich extra für die Weihnachtszeit geholt hatte, waren unauffindbar. Und sogar das Geschenk für ihn war wie vom Erdboden verschluckt. Wenigstens hatte ich bei Letzterem noch bis zum ersten Januar Zeit, es zu finden – denn hier in Griechenland gab es die Weihnachtsgeschenke immer erst am Neujahrstag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Baba?“, fragte Ilias mit einer seltsam belegten Stimme, als ich am Abend des 29. gerade in der Küche stand und uns Schnittchen schmierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was denn?“, fragte ich. Ich lugte aus der Küche, um Ilias über den Obstteller am Fernsehtisch gebeugt zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie lange liegen die Äpfel schon hier?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte einen Moment darüber nach. „Ich hab sie kurz vor Weihnachten geholt. Es kann sein, dass sie schon etwas schrumpelig sind, aber wenn du möchtest, kannst du dir gerne einen nehmen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias räusperte sich. „<em>Etwas schrumpelig</em> ist gut. Die Teile sind völlig verschimmelt“, er hob einen der Äpfel mit Daumen und Zeigefinger am Stiel hoch, um ihn mir zu zeigen. Er hatte recht. Der Apfel war braun. Auf ihm hatten sich unzählige weiße Schimmelflecken gebildet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich legte die halbgeschmierte Brotscheibe, die ich in der Hand hielt, beiseite, um zu ihm ins Wohnzimmer zu gehen. „Das ist seltsam“, dachte ich laut. „Wie können die Äpfel so schnell verfault sein?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias schnupperte leicht daran. Sofort zog er den Kopf zurück. Sein Gesicht war vor ekel verzogen. „Bist du sicher, dass die erst so kurz hier liegen? Ich glaube, es sind die Äpfel, die seit ein paar Tagen so stinken.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gerunzelter Stirn schnupperte auch ich daran. Ich war nicht zimperlich, also nahm ich einen vollen Zug durch die Nase. Sofort musste ich würgen. Es roch aber nicht nach verfaultem Obst. Es lag keinerlei Süße in dem Gestank. Der Apfel roch vielmehr nach … ja, nach nassem Fell oder etwas Ähnlichem. Sofort kam mir eine Sache in den Kopf, die den Geruch und sogar die seltsamen Vorkommnisse erklären könnte: die Kallikantzaroi.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sprach den Gedanken nicht laut aus. So wie mein Sohn mich gerade ansah, würde er mich wahrscheinlich sofort einweisen lassen, wenn ich meinte, dass die mysteriösen Ereignisse der letzten Tage von koboldartigen Wesen aus der Unterwelt verursacht wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Sohn war noch nie ein gläubiger Mensch gewesen. Verdammt. Ich selbst war alles andere als ein gottesfürchtiger Christ. Also schob ich den Gedanken wieder beiseite. Er wollte mich aber nicht mehr loslassen. Während Ilias die Äpfel entsorgte, während ich die Schnittchen fertigschmierte und sogar als wir sie bei einem Basketballspiel vor dem Fernsehen aßen, schweiften meine Gedanken immer wieder zu den Wesen ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wahrscheinlich muss ich mit meiner Erklärung etwas weiter ausholen. Ich bezweifle fast, dass ihr diese Märchengestalten kennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kallikantzaroi sind eine beliebte Weihnachtslegende hier in Griechenland. Vor langer Zeit waren sie wohl mal gefürchtet, aber inzwischen kannten die meisten Leute sie nur noch aus den Weihnachtsschauspielstücken in Schulen und von einigen Traditionen um die Weihnachtszeit. Ich selbst kannte sie ansonsten auch nur von den Gruselgeschichten meiner Großmutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach lebten diese koboldartigen Wesen das meiste Jahr über in der Unterwelt, wo sie den Lebensbaum zerstören. Aber meine Großmutter meinte immer, sie seien die Diener des Teufels und würden ihm all seine schrecklichen Wünsche erfüllen. Das heißt, bis auf in der kurzen Zeit, in der sie die Unterwelt verließen – die zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 5. Januar, an denen wir in Griechenland Weihnachten feiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Zeit kommen sie in die Städte und Dörfer, wo sie die Menschen terrorisieren und ihnen Streiche spielen. Es heißt, dass sie Gegenstände zerstören, stehlen und verstecken, dass sie Obst und Milch schlecht werden lassen, dass sie in Essen urinieren und noch allen möglichen anderen Schabernack treiben. Kommt euch das bekannt vor? Ich zumindest fand es einen zu großen Zufall, um es zu ignorieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zum Glück hatte meine Oma mir nicht bloß von den Wesen erzählt, sie hatte mir auch erklärt, wie man sie loswerden und vom eigenen Haus beziehungsweise der eigenen Wohnung ablenken konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wohl einfachste Methode war, ein Sieb vor die Haustür zu legen. Das brachte Kallikantzaroi dazu, die Löcher darin zu zählen. Allerdings waren die Wesen nicht sonderlich schlau. Meine Großmutter hatte gesagt, dass sie nicht einmal bis drei zählen können und sich so immer wieder verzählen, weshalb sie wieder bei eins anfangen mussten, bis die Nacht zu Ende war. Als ich klein war, hatte ich darüber gelacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt, da ich ein erwachsener Mann war, selbst in dem Alter, dass ich bald Enkelkinder erwarten konnte, fand ich es nicht mehr so lustig. Stattdessen stand ich auf und ging in die Küche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias sah mir nach. Aber da man von der Küche aus in den Flur gehen konnte, von wo aus man ins Bad kam, fragte er nicht, wo ich hinwollte. Ich ging aber nicht auf die Toilette. Nein. Ich holte mein Küchensieb aus dem Schrank, ging damit zur Wohnungstür und legte es nach draußen auf die Fußmatte. Anschließend ging ich zurück zu meinem Sohn, um mit ihm gemeinsam das Basketballspiel weiterzusehen – diesmal trotz all der Vorkommnisse mit einem guten Gefühl im Bauch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was soll ich sagen? Es hätte perfekt sein können. Wahrscheinlich hätte es sogar funktioniert, hätte ich nicht eine Kleinigkeit vergessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sehen uns morgen, Baba“, verabschiedete sich Ilias von mir. „Wieder um die gleiche Zeit?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Gern. Bring ruhig Kuchen mit. Ich geb dir das Geld dafür, wenn du hier bist“, schlug ich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mach ich.“ Ilias lächelte mich an. Es war ein ehrliches Lächeln. Als hätte er die verfaulten Äpfel und all die anderen Dinge, wegen denen er sich um mich sorgte, für einen Moment vergessen. „Also dann“, sagte er, während er vor die Tür trat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment folgte ein lautes Scheppern. Ilias konnte sich gerade noch fangen. Fast wäre er gestürzt. Dann bückte er sich nach einem metallenen Gegenstand, der am Boden lag. Er musterte ihn für einen Augenblick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist das nicht dein Küchensieb?“, fragte er mit tiefen Falten in der Stirn. „Wie ist das in den Flur gekommen? Und jetzt sag mir bitte nicht, dass du es nicht weißt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. Peinlich berührt sah ich zu Boden. „Nein. Ich weiß es. Ich hab es selbst dort hingelegt. Es ist eine Art … Vorsichtsmaßnahme“, erklärte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eine Vorsichtsmaßnahme?“, wiederholte er. Die Falten in seiner Stirn machten inzwischen der Vikos-Schlucht Konkurrenz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz überlegte ich, ihn abzuwimmeln und es ihm morgen zu erklären, dann jedoch hielt ich meine Tür auf, um ihn wieder reinzulassen. Das Gespräch würde länger dauern. „Du kennst doch die Kallikantzaroi, oder?“, begann ich.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias hatte mir geduldig zugehört, während ich ihm von meiner Theorie erzählt hatte. Er hatte dabei ganz ruhig dagesessen. Zu ruhig, wie ich fand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du denkst also, dass das Sieb dafür sorgt, dass du nichts mehr verlegst? Dass das Essen in deiner Wohnung genießbar bleibt?“, fragte er leise. „Hast du dabei auch nur einmal darüber nachgedacht, was passiert, wenn einer deiner Nachbarn über das Sieb stolpert? So wie ich eben?“ Aber seine Tonlage klang nicht, als würde er sich um meine Nachbarn sorgen. Es klang eher nach: „Es reicht, wenn deine Kinder dich für senil halten. Das müssen nicht auch noch deine Nachbarn tun.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte schwer. „Ich sage ja nur, dass das Sieb die Probleme lösen könnte. Was ist, wenn es tatsächlich klappt? Wir können das Sieb weiter an den Rand legen, wenn es dich beruhigt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du willst es nicht wahrhaben, oder?“, fragte Ilias. Seine Stimme klang wieder so seltsam belegt. Und als er mich ansah, hatte ich eher das Gefühl, als sähe er direkt durch mich hindurch. „Du willst nicht wahrhaben, dass du nicht mehr der Jüngste bist. Unsere Familie hat eine Veranlagung für Demenz. Zumindest hat Mama das immer gesagt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Das ist es nicht! Anderes Beispiel: Ich bewahre Geschenke immer an derselben Stelle in meinem Kleiderschrank auf. Schon seit Jahren. Aber als ich neulich ein Hemd aus dem Schrank geholt habe, war dein Geschenk weg. Einfach verschwunden!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Pause entstand. „Du hast mein Weihnachtsgeschenk verlegt?“, fragte Ilias. Seine Stimme klang aber nicht vorwurfsvoll, sondern vielmehr besorgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hörst mir nicht richtig zu!“, protestierte ich. „Das war nicht ich, sondern die Kallikantzaroi! Sie haben das Geschenk geklaut. Sie haben auch die Fernbedienung versteckt, meinen Sessel zerstört, unser Weihnachtsessen verdorben und die Äpfel verschimmeln lassen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt schloss Ilias die Augen. Es sah aus, als wenn es ihn große Anstrengung kostete, ruhig zu bleiben. „Okay. Keine Demenz. Wie du willst. Aber selbst dann gibt es noch so viele Dinge, die wahrscheinlicher sind als irgendwelche mythologischen Kobolde! Kann es vielleicht sein, dass du schlafwandelst?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ging das noch eine ganze Weile weiter. Es war ein langes Hin und Her, bei dem wir uns kaum einen Millimeter von unserer eigenen Meinung wegbewegten. Ich erspare euch an dieser Stelle die Details. Am Ende einigten wir uns jedenfalls darauf, dass Ilias bei mir übernachten sollte. Er pumpte eine Luftmatratze auf, um bei mir im Schlafzimmer zu schlafen. Nur für den Fall, dass diese Nacht „wieder etwas passiert“.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn ich es am Anfang albern fand, war ich Ilias im Nachhinein dankbar. Nicht, weil er mir Gesellschaft leistete oder nur das Beste für mich wollte, sondern weil sein Schnarchen mich wachhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ansonsten hätte ich die Geräusche wohl gar nicht mitbekommen, die gegen 23 Uhr aus meinem Wohnzimmer ertönten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich eben noch mit aller Kraft versucht hatte, endlich einzuschlafen, lag ich jetzt mit weit aufgerissenen Augen im Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tapp, tapp, tapp, tapp, tapp.</em> Kein Zweifel. Das waren eindeutig leise Schritte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell schwang ich die Beine aus dem Bett. Ich schlüpfte in meine Hausschuhe und richtete mich auf. Die Geräusche waren verstummt. Ich durfte keine Zeit verlieren!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also stürmte ich aus dem Zimmer. Meine Hausschuhe schlappten an meinen Füßen. Als ich das Wohnzimmer erreicht hatte, schaltete ich sofort das Licht an. Hektisch sah ich mich um. Von irgendeinem seltsamen Wesen war nichts zu sehen. Dafür lag ein unverkennbarer Geruch in der Luft. Es war derselbe Gestank, der auch die verfaulten Äpfel umgeben hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Komm schon!“, rief ich. „Zeig dich, du Mistvieh!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Reaktion. Natürlich nicht. Dafür fiel mein Blick auf eine gelbliche Pfütze unter dem Weihnachtsbaum. Ich konnte die Pisse bereits riechen, als ich darauf zuging. Das war der Beweis!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ilias!“, rief ich. „Ilias, wach auf! Das musst du dir ansehen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf kam ein völlig verschlafener Ilias in T-Shirt und Unterhose aus dem Schlafzimmer getorkelt. „Was? Was ist denn?“, nuschelte er. Er rieb sich mit den Händen über die Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sieh dir das an!“, schrie ich vor Begeisterung. „Sie haben mir in die Wohnung gepisst. Die Kallikantzaroi haben den Weihnachtsbaum angepisst!“ Vielleicht klang ich etwas zu begeistert dafür, dass ich gerade eine Urinpfütze in meinem Wohnzimmer gefunden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias hatte mich unterdessen erreicht. Ihm entglitten sämtliche Gesichtszüge, während er zwischen der Pfütze und mir hin und her sah. Danach griff er sich mit Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel. Er schloss die Augen, während er sie massierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hör mal, Baba“, sagte er leise. „Ich weiß, das ist vielleicht nicht die beste Zeit, um das anzusprechen, aber Anastasia und ich haben neulich telefoniert. Ich hab ihr von deinen … Problemen erzählt. Wir wissen, dass es seit Mamas Tod nicht einfach für dich ist. Vielleicht bist du ja auch einfach überfordert. Aber wir denken, dass du vielleicht nicht mehr allein wohnen solltest. Es gibt da eine sehr schöne Einrichtung ganz in der Nähe, die …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter kam er nicht. „Ihr wollt mich in ein Heim abschieben?“, fuhr ich ihn an. „Wo ist deine Schwester denn, wenn ich es doch allein nicht hinbekomme? Wo ist sie? Sie lässt sich nicht einmal zu Weihnachten mehr bei mir blicken!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias ging sofort in Abwehrhaltung. Er hob beschwichtigend die Arme. „So ist das doch gar nicht! Sie ist bei ihren Schwiegereltern. Das weißt du. Außerdem ist es kein Heim, sondern lediglich betreutes Wohnen“, versuchte er, sich herauszureden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich wollte davon nichts hören. Ich war bereits auf den Weg ins Schlafzimmer, wo ich nach meiner Hose griff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias war mir dicht auf den Fersen. „Wohin willst du?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich geh zur Kirche“, fuhr ich ihn an. „Vielleicht erwische ich ja noch einen Hausmeister oder so, der mich reinlassen kann. Wenn ich in der Wohnung Weihwasser verteile, hat es sich mit den Kallikantzaroi erledigt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder dieser besorgte, mitleidgeschwängerte Blick. Ich konnte ihn nicht länger ertragen! Ich war nicht senil. Und vor allem war ich nicht verrückt. Was dachten meine Kinder von mir? Dass ich meinen eigenen Weihnachtsbaum anpissen würde!?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte, Baba“, sagte Ilias.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! Ich lass mich nicht länger bevormunden!“, fuhr ich ihn an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias’ Blick wirkte seltsam leer. „So meinte ich das nicht“, sagte er ruhig. „Lass mich zur Kirche gehen. Ich hol dir dein Weihwasser. Aber wenn es danach nicht aufhört, setzen wir uns zusammen hin und reden über das betreute Wohnen, okay?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Augen verengten sich zu Schlitzen. Dann aber nickte ich. Ich wusste, dass das Weihwasser helfen würde. Und wenn nicht … Wenn nicht, lag es ja vielleicht wirklich an mir. „Abgemacht“, sagte ich.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenige Minuten später kniete ich mit Küchenpapier, Lappen und Eimer im Wohnzimmer und war dabei, die stinkende Pfütze aufzuwischen, während Ilias sich auf den Weg zur Kirche gemacht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der Nähe war der Gestank so intensiv, dass ich durch den Mund atmen musste. Nur einmal machte ich den Fehler, kurz durch die Nase Luft zu holen. Mein Körper dankte es mir sofort mit einem Würgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch bemerkte ich eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Ich starrte durch die offene Tür zum Flur, der hell erleuchtet dalag. Dort sah ich nichts Ungewöhnliches. Hatte ich es mir bloß eingebildet?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein! Da war es wieder! Es war aber nicht im Flur, sondern es war die Tür selbst. Sie hatte sich minimal bewegt. Jetzt konnte ich auch die dunkle Gestalt dahinter erkennen, die dicht an die Wand gedrängt dastand. Sie war nicht größer als ein Kind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da bist du ja“, murmelte ich, während ich aufstand. Dabei ließ ich den Blick nicht von dem Schatten weichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das versetzte den Kallikantzaros – wie sie in der Einzahl heißen – in Alarmbereitschaft. Ich erhaschte einen Blick auf ihn, während er aus seinem Versteck flitzte. Es war eine kleine graue Gestalt. Er hatte keine Haare am Oberkörper oder auf dem Kopf mit den langen spitzen Ohren. Dafür waren seine Beine umso haariger. Sie waren von braunem Fell überzogen und endeten in zwei dunkelgraue Paarhufe wie bei einer Ziege.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment war er auch schon im Flur verschwunden. Ich nahm sofort die Verfolgung auf. Aber mein Körper war wirklich nicht mehr der Jüngste. Als ich den Flur erreichte, fehlte von dem Kallikantzaros jede Spur. Hektisch sah ich mich um. Wo war er hin? Jetzt fiel mir etwas anderes auf: der Gestank. Ich musste nur meiner Nase folgen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also lief ich schnuppernd weiter. Zuerst schnupperte ich an der Haustür. Aber nein, hier wurde der Gestank schwächer. Dann in der Küche und im Badezimmer. Auch nichts. Also blieb nur noch das Schlafzimmer!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich musste nicht einmal Luft holen, um zu merken, dass ich richtig war. Der Kallikantzaros stand mitten im Raum, sah unentschlossen nach links und rechts, als suche er nach einem passenden Versteck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hab ich dich!“, schrie ich. Ich stürmte mit ausgestreckten Händen auf ihn zu, um ihn zu packen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kallikantzaros versuchte jedoch nicht einmal, auszuweichen. Stattdessen drehte er sich zu mir um. Er ergriff meine Hände, als wolle er mit mir ringen. Dann aber streckte er bloß den einen Arm zur Seite aus, während er mich mit dem anderen an sich zog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment standen wir nun völlig reglos da. Der Gestank der Kreatur ließ Tränen in mir aufsteigen, während er mich mit gelben Zähnen angrinste. Es musste in etwa so aussehen, als wolle die Kreatur mit mir einen Walzer tanzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich weiteten sich meine Augen, während mir ein Gedanke in meinen Kopf schoss. Es war eine Erinnerung. Oma hatte mir doch mal erzählt, dass Kallikantzaroi gerne tanzen. Sie suchten Menschen, die zu Weihnachten allein waren und verwickelten sie in einen nahezu endlosen Tanz. Sie hörten erst damit auf, wenn der Mensch vor Erschöpfung zusammenbrach oder sie ihn in den Wahnsinn getrieben hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort versuchte ich, mich von dem Ding zu lösen, meine Hände zurückzuziehen. Aber es war zu spät. Der Kallikantzaros hatte bereits angefangen, nach einer stummen Melodie zu tanzen. Und mein Körper machte einfach mit. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst waren es noch langsame Schritte, dann wurde der Tanz hektischer. Schneller und schneller drehten wir uns im Takt umeinander durch mein Schlafzimmer. Es dauerte nicht lange, bis mein gesamter Körper schmerzte. Ich war völlig außer Atem. Mein viel zu schnell pochendes Herz donnerte mir in den Ohren. Solch schnelle Bewegungen war ich nicht mehr gewohnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sollte ich nur tun? Mein Körper gehorchte mir nicht mehr. Ich konnte bloß mitansehen, wie sich mein Schlafzimmer, der Kleiderschrank, das ungemachte Bett, Ilias’ Luftmatratze um mich drehten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch hörte ich einen Schlüssel in der Haustür. „Ich bin wieder da!“, sagte Ilias gerade so laut, dass ich es verstehen konnte. „Ich hab dein Weihwasser bekommen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Baba? Baba, wo bist du?“, fragte Ilias.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte nach ihm schreien, auf mich aufmerksam machen, ihn um Hilfe bitten. Aber auch meine Stimme wollte mir nicht mehr gehorchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück hörte ich bereits weitere Schritte aus dem Flur. „Baba?“, rief Ilias wieder. Im nächsten Moment stand er in der Schlafzimmertür. „Baba, was tust du denn!?“ Entsetzen lag in seiner Stimme. Dann musste er die kleine Kreatur in meinen Armen bemerkt haben. „Was zur Hölle …?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Kallikantzaros ließ sich von Ilias nicht beunruhigen. Er grinste mich bloß weiter mit an, während er mit mir tanzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir war inzwischen völlig schwindelig. Ob es an der ständigen Drehung oder meiner Erschöpfung lag, wusste ich nicht. Dafür wusste ich etwas anderes: Lange würde ich das nicht mehr durchhalten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den flüchtigen Momenten, in denen ich Ilias sah, merkte ich jetzt, wie er auf uns zukam. Erst versuchte er, die Kreatur zu packen, doch ihr flinker Körper rutschte ihm immer wieder aus den Händen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also versuchte Ilias sein Glück bei mir. „Baba. Hör auf!“, flehte er. Ich spürte, wie er mich packte. Kräftige Hände griffen nach meinen Armen. Er rutschte ab und kratzte mir mit einem Fingernagel eine Schramme in die Haut. Dann griff er nach meinem T-Shirt. Ich fühlte, wie er von unserem Tanz mitgerissen wurde. Aber bevor er stürzen konnte, gab der Stoff mit einem ratschenden Geräusch nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße!“, fluchte Ilias.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kallikantzaros antwortete mit einem dreckigen Lachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Ilias gab nicht auf. Ich hörte das Knacken von Plastik. Es klang so, als drehe er hektisch den Deckel von einer Plastikflasche. Im nächsten Moment spürte ich einen Schwall kaltes Wasser, dass mich an der Seite traf und … ich war frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Boden kam mir entgegen, sodass ich mich auf meinen Knien und Armen auffangen musste. Noch immer drehte sich alles.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem zwang ich mich, nach Ilias und dem Kallikantzaros zu sehen. Ilias stand über mir. Er hielt eine halbvolle Flasche in der Hand – das Weihwasser, wie ich vermutete. Der Kallikantzaros hingegen wand und krümmte sich am Boden. Er schrie. Das Weihwasser schien ihm Schmerzen zuzufügen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ilias machte einen Schritt auf ihn zu, die Flasche zum Schwung ausgeholt. Da rappelte die Kreatur sich plötzlich auf. Sie schrie ein letztes Mal, stolperte, fing sich dann wieder und rannte Richtung Flur. Ich konnte gerade noch sehen, wie sie sich unter dem viel zu engen Türspalt der Wohnungstür hindurchquetschte und im Flur verschwand. Normalerweise hätte er nicht ansatzweise darunter hindurchpassen dürfen. Aber wer weiß, welchen Gesetzen der Physik diese Wesen mit ihrer Magie folgten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Baba?“, wandte sich Ilias an mich. Er streckte mir eine Hand entgegen. „Tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ mir von ihm auf die Beine helfen. Der Raum hatte inzwischen aufgehört, sich zu drehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Komm“, sagte er. „Lass uns diese Wohnung ein für alle Mal vor diesen Dingern schützen.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kallikantzaroi (griechisch Καλικάντζαρος), oder Kallikantzaros (Καλικάντζαρος) in der Einzahl, sind koboldartige Wesen des griechischen Volksglaubens. Sie kommen in der Zeit zwischen Weihnachten und dem 06. Januar in die Städte und Dörfer, um dort Unruhe zu stiften und Chaos zu verbreiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Kallikantzaroi sind kleine, haarige und hässliche humanoide <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>. Außerdem sollen sie allesamt stinken und es soll bei ihnen nicht selten zu körperlichen Verformungen kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch werden ihnen oft tierische Eigenschaften wie spitze Ohren oder Ziegenbeine zugeschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus sollen sie ausschließlich männlich sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob jeder Mensch die Kallikantzaroi sehen kann, ist jedoch umstritten. So habe ich in verschiedenen Quellen gelesen, dass entweder jeder sie sehen kann, oder dass nur Menschen, die an einem Samstag oder aber in der Zeit vom 25. Dezember bis 06. Januar geboren wurden, sie sehen und sogar mit ihnen sprechen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kallikantzaroi kommen nur in den Dodekaimero (δωδεκαήμερο, griechisch für „zwölf Tage“) zum Vorschein. Das sind die zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 06. Januar, die in anderen Teilen Europas auch als Rauhnächte bekannt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem heißt es, dass die Kallikantzaroi nachtaktiv sind, da sie das Sonnenlicht scheuen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Wesen herauskommen, muss man sich jedoch auf einiges gefasst machen. Es heißt, dass sie dann versuchen, in die Häuser und Wohnungen der Menschen einzudringen, um Chaos zu stiften. Einige von ihnen gehen dabei vergleichsweise harmlos vor, während andere die Menschen angreifen und sogar töten können. Besonders in der modernen Zeit sollen die Kallikantzaroi aber sehr viel ungefährlicher geworden sein und den Menschen hauptsächlich Streiche spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Typische Streiche sind z. B., dass sie Möbel zerstören, Eigentum stehlen oder verstecken, Obst verschimmeln oder Milch schlecht werden lassen, auf Zimmerpflanzen oder ins Essen urinieren und Speisen und Getränke im Haus verzehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie hingegen einen Menschen finden, der allein unterwegs ist, zwingen sie ihn manchmal, pausenlos mit ihnen zu tanzen – und zwar so lange, bis er ohnmächtig wird oder den Verstand verliert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die restliche Zeit des Jahres, wenn die Kallikantzaroi nicht die Menschenwelt unsicher machen, sollen sie in der Unterwelt leben. Daher sagen einige Leute auch, dass sie <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Diener des Teufels</a> seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie in der Unterwelt sind, so heißt es, sollen sie dort versuchen, den Baum des Lebens zu zerstören, der unsere Welt im Gleichgewicht hält, indem sie an seinem Stamm sägen. Wenn sie jedoch am 06. Januar dorthin zurückkehren, müssen sie feststellen, dass sich der Baum vollständig regeneriert hat, und sie müssen ihre Arbeit von vorne beginnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Ereignis wiederholt sich der Legende nach jedes Jahr.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wie kann man sich vor den Kallikantzaroi schützen?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie man sich vor den Kallikantzaroi schützen kann. So fürchten sie religiöse Symbole, Weihwasser und Feuer. Man kann also Weihwasser im Haus verteilen, Kreuze an Fenster und/oder Türen hängen, Gebete aufsagen oder ein Feuer anzünden, um die Wesen vom Haus fernzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch gibt es eine alte Tradition namens Chistoxylo (Χριστόξυλο, griechisch für „Christholz“), bei der ein großes Stück Holz im Kamin angezündet wird, das die ganzen zwölf Tage des Dodekaimero am Brennen gehalten wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es diverse andere Methoden, wie man die Kallikantzaroi davon abhalten kann, in das Haus einzudringen. So kann man Essen (meist wird Fleisch oder Brot verwendet) oder Süßigkeiten vor die Tür legen, um sie zu besänftigen. Besonders beliebt sollen dabei Loukoumades sein, ein griechisches Gebäck aus frittiertem Teig mit Honig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder man lenkt sie ab, indem man ein Sieb vor die Tür legt. Angeblich versuchen sie dann, die Löcher darin zu zählen. Da sie jedoch nicht bis drei zählen können – entweder, weil sie nicht intelligent genug sind oder weil drei eine heilige Zahl ist, die sie nicht aussprechen können – sitzen sie die ganze Nacht daran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Leute spannen Fäden im Garten, da die Wesen dann versuchen sollen, daraus etwas zu stricken, wodurch sie abgelenkt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ihr seht, gibt es also vielzählige Methoden, sich gegen die Monster zu schützen. Weitere, die ich im Netz gelesen habe, sind: ein altes Paar Schuhe zu verbrennen, den Unterkieferknochen eines Schweins über die Tür zu hängen, Knoblauch im Haus zu verteilen oder einige Oberflächen mit Salz zu bedecken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt Leben die Kallikantzaroi die meiste Zeit des Jahres in der Unterwelt. Wenn sie zwischen Weihnachten und dem 06. Januar in unsere Welt kommen, sollen sie sich hingegen hauptsächlich in Städten und Dörfern aufhalten und sich nachts in dunklen Höhlen und Löchern verstecken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Theorien, wie der Glaube an die Kallikantzaroi entstanden sein könnte. Die verbreitetsten sind wohl, dass es sich bei ihnen um eine Verchristlichung von heidnischen Kreaturen handelt, oder aber, dass es Zusammenhänge mit der altgriechischen Mythologie, besonders den Satyrn, geben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders verbreitet (und gefürchtet) soll der Glauben an die Kallikantzaroi übrigens im Mittelalter gewesen sein. Seitdem hat er sich in den Bräuchen vieler griechischer Gemeinden gefestigt. Heutzutage lässt er sich besonders in den ländlichen Regionen finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Offiziell ist der Glaube von der Kirche natürlich nicht anerkannt, aber es gibt auch im kirchlichen Kontext viele Zeremonien, die damit verbunden sind. So wird an vielen Orten Griechenlands am 6. Januar das Meer, ein See oder ein Fluss von einem Geistlichen gesegnet, um die Wesen zu vertreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kallikantzaroi in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Kallikantzaroi in Griechenland auch heute noch sehr bekannt sind, ist es nicht verwunderlich, dass sie sich auch in der modernen Popkultur finden lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So spielen sie z. B. eine zentrale Rolle in der amerikanischen Paranormal-Krimiserie Grimm Staffel 4 Folge 7 „Die Geister der Weihnacht“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch in der Horror-Kurzgeschichte „Der Flüsterer im Dunkeln“ (1931) von H. P. Lovecraft werden die Kreaturen zumindest kurz beim Namen genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ansonsten findet man sie hauptsächlich in griechischen Weihnachtsliedern und Schulaufführungen zur Weihnachtszeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Kallikantzaroi? Wie hat euch meine Geschichte gefallen? Ab welcher Situation hättet ihr die Wesen verdächtigt, statt weiter nach einer logischen Erklärung zu suchen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Babi Ngepet &#8211; Gefährliche Gier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Jul 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Hieß das, dass sie das Babi Ngepet bereits gefunden hatten? Dass sie Adi bereits gefunden hatten? Verfolgten sie ihn schon?<br />
Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte ich, ihnen nachzulaufen. Aber wie sollte ich sie davon abhalten, meinen Freund zu erschießen?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/392a9828478f4f5f90467ef31b35b0f0" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Das indonesische Babi Ngepet <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ritual</a> verspricht jedem, der es ausführt, eine Menge Geld. Trotzdem kann es, gerade in Indonesien, ein sehr gefährliches Unterfangen sein. Warum das so ist und was es mit dem Ritual auf sich hat, erfahrt ihr in diesem Beitrag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod</p>
<p>&#8211; Tod eines Tieres</details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Indonesien ist ein Land mit vielen Legenden. Obwohl ich eine gläubige Muslima bin, haben meine Eltern und Großeltern mir oft Geschichten von übernatürlichen Wesen und Ritualen erzählt, an die die Menschen in Indonesien seit Jahrhunderten glauben. Und auch, wenn ich neben Allah eher den wissenschaftlichen Ansatz verfolgte, hatte ich schon immer das Gefühl, dass es mehr da draußen geben musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hatten mich weder mein Glaube noch mein Aberglaube auf jenen Tag vorbereiten können, als ich dem Übernatürlichen das erste Mal begegnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein Tag wie jeder andere. Nichts deutete darauf hin, dass gerade irgendwo in der Nachbarschaft ein schwarzmagisches Ritual durchgeführt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war im Anwesen von Mulyadi, erledigte den Haushalt und brachte ihm und seinen Gästen gelegentlich Tee, einen Snack oder was auch immer sie sonst von mir verlangten. Als Dienstmädchen war das meine Pflicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He, Annisa, sei so gut und bring uns die Zigarren“, forderte Mulyadi mich auf. „Der Kasten steht auf dem kleinen Tisch im Esszimmer.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Natürlich, Bapak Mulyadi“, erwiderte ich höflich, ehe ich mich mit gesenktem Haupt in den Flur begab. Ich hörte noch, wie er bei seinen Freunden damit angab, wie teuer die Zigarren gewesen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Flur entfuhr mir ein schweres Seufzen. Wie konnte ein Mensch nur so verdorben sein? Mulyadi hatte mehr Geld, als er im Leben ausgeben konnte. Er ließ sich keine Gelegenheit entgehen, damit anzugeben. Daran, mit dem Geld etwas Gutes oder Sinnvolles zu tun, dachte er hingegen nie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Beispiel wusste er, dass ich mit meinem Lohn nicht nur mich versorgen, sondern seit Papas Unfall auch meine Eltern unterstützen musste. Anstatt mir aber als langjähriger Angestellten unter die Arme zu greifen oder mir wenigstens ein faires Gehalt für meine Arbeit zu zahlen, nutzte er aus, dass er der einzig passende Arbeitgeber in der Nähe meiner Eltern war. Er hatte mir unter einem Vorwand den Lohn gekürzt, als er gemerkt hatte, dass ich auf die Stelle angewiesen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich weiterging, schüttelte ich den Kopf. Nein. Ich sollte mich nicht beschweren. Ich klang schon fast wie Adi, mein fester Freund. Allah hatte mir ein gutes Leben geschenkt. Auch wenn mein Lohn etwas zu niedrig war, kam ich immer über die Runden. Außerdem bekam ich bei Mulyadi immer gutes Essen, war gesund und hatte einen tollen Freund, der mich sehr liebte. Was wollte ich mehr?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Esszimmer angekommen, schaltete ich das Licht ein. Sofort sprangen mir die hellen Wände, der edle Holztisch und ein lebensgroßes Porträt von Mulyadi ins Auge. Auf den zweiten Blick sah ich auch das Zigarrenkästchen. Es lag auf dem ebenfalls hölzernen Beistelltisch. Direkt daneben stand ein kleiner, goldener und &#8211; wenn ihr mich fragt – potthässlicher Kerzenhalter. Mulyadi hatte ihn sich nur geholt, weil er so unverschämt teuer gewesen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gemächlichen Schritten ging ich weiter. Ich ließ den Blick durch den Raum schweifen, überprüfte flüchtig, ob alle Stühle ordentlich am Tisch standen, und trat schließlich an den Beistelltisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich stockte ich. Ich hatte gerade nach dem Zigarrenkästchen greifen wollen, als mein Blick auf den goldenen Kerzenhalter fiel. Oder genauer gesagt den Ort, an dem der Kerzenhalter eben noch gestanden hatte. Der Platz neben dem Zigarrenkästchen war leer. Wie … wie war das möglich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich mich verwirrt im Zimmer umsah, arbeitete mein Hirn auf Hochtouren. Kurz überlegte ich, ob er die ganze Zeit schon weg gewesen war und ich ihn mir bloß eingebildet hatte. Aber nein, dazu hatte ich ihn eben zu genau angesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits lag er nicht auf dem Boden. Auch konnte sich niemand an mir vorbeigeschlichen haben. Das hätte ich bemerkt. Mir fiel keine logische Erklärung ein, wo der Kerzenhalter hin verschwunden sein könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann kam mir ein anderer Gedanke. Ein Gedanke, der mir so lächerlich vorkam, dass er gar nicht stimmen konnte. Es gibt im indonesischen Volksglauben eine Magie namens Pesugihan. Angeblich konnte man mit dieser Magie über Nacht reich werden – wenn auch nicht unbedingt auf legale Weise. Und rein zufällig hatte ich mit meinem Freund erst vor ein paar Wochen über ein Pesugihan-Ritual gesprochen: dem Babi Ngepet Ritual.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Insel Java weiß wahrscheinlich jeder, was ein Babi Ngepet ist. Durch ein Ritual kann sich ein dunkler Magier in eine Art Wildschwein, das Babi Ngepet, verwandeln. Wenn sich der Magier nun in Schweinegestalt an einer Hauswand rieb, verschwanden auf magische Weise Wertgegenstände und Geld aus dem Haus. Genau wie der Kerzenhalter vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wäre wahrscheinlich nicht einmal auf die Idee gekommen, wäre mir nicht das Gespräch eingefallen, das Adi und ich geführt hatten. Er hatte mich gefragt, ob wir es nicht einfach einmal versuchen sollten. Er kenne da einen Dukun, einen Schamanen, der auf so etwas spezialisiert sei. Wenn ich so drüber nachdachte, war er erstaunlich gut über das Ritual informiert gewesen, auch wenn ich ihn damals nicht ernstgenommen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte ihn abgewiesen, ihm erklärt, dass Allah solche Magie nicht gutheißen würde. Auch hatten wir rumgealbert. Ich hatte gemeint, dass er bestimmt selbst als Wildschwein unverschämt gutaussehen würde. Er hatte daraufhin Grunzgeräusche gemacht und ich hatte das Ganze als Scherz, als fixe Idee abgetan, die wir beide schnell wieder vergessen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und trotzdem … Trotzdem wurde ich das unwohle Gefühl nicht los, dass Adi etwas mit dem verschwundenen Kerzenhalter zu tun haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne weiter darüber nachzudenken, griff ich nach meinem Portemonnaie. Ich holte einen 50.000 Rupiah-Schein heraus und legte ihn vor mir auf den Beistelltisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den nächsten Sekunden kam ich mir völlig bescheuert vor, während ich den Schein nicht aus den Augen ließ. Das war jedoch, bevor er sich in Luft auflöste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Kinnlade klappte herunter. Als würde ich noch immer nicht begreifen, was gerade passiert war, starrte ich das nackte Holz vor mir an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig gab es in mir eine Explosion aus Emotionen. Ich war entsetzt darüber, dass der Schein wirklich verschwunden war, an den Ritualen also wirklich etwas dran zu sein schien. Auch überlegte ich kurz, ob ich vielleicht den Verstand verlor oder halluzinierte. Aber vor allem hatte ich Angst. Ich hatte Angst davor, dass Adi das Ritual tatsächlich durchgeführt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wusste er nicht, wie gefährlich es sein konnte? Wenn nachts im Dorf irgendwo ein Wildschwein gesehen wurde, wurde es sofort vertrieben, oder schlimmer noch, gejagt. Es war in der Vergangenheit oft genug vorgekommen. Und wenn jetzt auch noch jemand den Diebstahl bemerkte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein plötzlicher Tumult im Haus riss mich aus meiner Starre. Männerstimmen riefen aufgeregt durcheinander. Schritte erklangen aus dem Flur. Türen schlugen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hastig rannte ich zurück in den Flur. Ich sah, wie Mulyadis Gäste wild durcheinander rannten. Die Haustür stand offen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann entdeckte ich Bernard, den Koch, wie er völlig verwirrt dastand. Ich wich einem aufgeregten Mann aus, während ich zu ihm eilte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bernard? Was ist passiert?“, fragte ich schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Isch weiß es nischt“, erwiderte er mit seinem französischen Akzent. Er wirkte erleichtert, dass jemand mit ihm redete. „Es wurde wohl irgendeine Uhr gestohlen, die auf dem Tisch lag. Danach ‘at irgendwer draußen ein Schwein gesehen. Bapak Mulyadi ‘olt gerade seine Waffe. Annisa, die Männer ‘aben ihren Verstand verloren!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bernards Worte klangen in meinen Ohren nach. Mulyadi holte gerade seine Waffe?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch entging mir Bernards hoffnungsvoller Gesichtsausdruck nicht, dass ich ihm das Ganze irgendwie erklären konnte. Er wohnte noch nicht lange in Indonesien und kannte sich schon gar nicht mit unseren Legenden aus. Aber so gerne ich ihm auch geholfen hätte, hatte ich dafür keine Zeit. Nicht jetzt. Ich musste Mulyadi und seine Freunde aufhalten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment sah ich Mulyadi aus dem Wohnzimmer kommen. Der Anblick seiner Pistole, die er fest in der Hand hielt, trieb mir einen eiskalten Schauer den Rücken hinunter. Er hatte sie vor einigen Jahren illegal gekauft, um sich gegen Einbrecher schützen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich musste sämtliche Instinkte und meine komplette Ausbildung ignorieren, um mich ihm in den Weg zu stellen. Er sah mich irritiert an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bapak Mulyadi, was ist los?“, fragte ich hastig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er runzelte die Stirn, war es nicht gewohnt, dass ich ohne vorherige Aufforderung oder dringendes Anliegen mit ihm sprach. „Vor meinem Haus treibt sich ein Babi Ngepet rum. Ich habe keine Zeit, zu reden!“, erwiderte er schroff, ehe er sich an mir vorbeidrängelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Babi Ngepet?“, fragte ich gespielt überrascht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mulyadi ignorierte mich. Er war im Begriff, nach draußen zu rennen, also griff ich nach seinem Handgelenk – eine Geste, die mich meinen Job kosten konnte. Er blieb verdattert stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bapak Mulyadi. Warten Sie“, versuchte ich, Zeit zu gewinnen. „Sie wissen nicht, wie gefährlich das Tier ist. Wildschweine können ziemlich aggressiv werden, wenn sie sich bedroht fühlen. Und wenn das wirklich ein Babi Ngepet ist …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter kam ich nicht. Mulyadi hatte sich mir wieder zugewandt und packte mich mit der freien Hand fest an der Schulter. „Vergiss nicht deinen Platz, Annisa!“, fauchte er mich an. Er sah tatsächlich aus, als wäre er kurz davor, mir zu kündigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen verengte die Augen. In all den Jahren, die ich für ihn gearbeitet hatte, habe ich einiges über ihn in Erfahrung bringen können. Ich war die wahrscheinlich einzige Person im Dorf, die den wahren Mulyadi kannte. Den Mulyadi, den er vor den anderen Bewohnern und seinen Freunden verbarg. Ich kannte all seine schmutzigen Geheimnisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie gerne würde ich ihm das an den Kopf werfen. Ich könnte Zeit für Adi gewinnen, falls das Babi Ngepet tatsächlich er war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich jedoch in Mulyadis Augen sah, merkte ich, wie sinnlos das wäre. Die Gier in ihnen war zu groß. Er würde sich bloß unsanft losreißen und mir zu verstehen geben, dass wir das später klären würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ließ ich sein Handgelenk los. Ich zog leicht den Kopf ein, wollte ihm mit allen Mitteln zu verstehen geben, dass mein Verhalten mir leidtäte, und nuschelte eine Entschuldigung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mulyadi ging nicht weiter darauf ein. Schnell rannte er nach draußen zu seinen Freunden. „Ich werde dieses Mistvieh töten!“, hörte ich ihn schreien, ehe er die Tür hinter sich zuzog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Augen weiteten sich. Ich hatte ihn falsch eingeschätzt. Mulyadi war nicht getrieben von Gier, sondern von Wut. Wenn er das Babi Ngepet tötete, war sein Geld verloren. Aber das kümmerte ihn gar nicht. Er fühlte sich in seinem Stolz verletzt, in seiner Ehre, weil jemand es gewagt hatte, ihn zu bestehlen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Annisa? Was ist ’ier los? Was ist dieses Babi Ngepet, von dem ihr gesprochen ’abt?“, fragte Bernard.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Situation völlig überfordert, starrte ich ihn an. „Ich erklär dir alles später. Vorher muss ich erst was erledigen“, rief ich ihm eine halbherzige Entschuldigung zu, während ich bereits auf dem Weg nach draußen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Annisa! Warte!“, rief Bernard mir nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ignorierte ihn. Adi schwebte in Lebensgefahr!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Letzte, was ich hörte, war ein genervtes „’at denn ’ier jeder den Verstand verloren?“, ehe die Tür auch hinter mir ins Schloss fiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Draußen sah ich mich flüchtig um. Zu meiner Überraschung war von Mulyadi und seinen Freunden bereits nichts mehr zu sehen. Obwohl es dunkel war, konnte ich nirgends die Lichter ihrer Taschenlampen oder Handys erkennen. Das Einzige, was noch auf sie hindeutete, waren aufgeregte Rufe in der Ferne. Sie hatten in der kurzen Zeit eine beachtliche Strecke zurückgelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hieß das, dass sie das Babi Ngepet bereits gefunden hatten? Dass sie Adi bereits gefunden hatten? Verfolgten sie ihn schon?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte ich, ihnen nachzulaufen. Aber wie sollte ich sie davon abhalten, meinen Freund zu erschießen? Was konnte ich schon ausrichten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo ich hingegen etwas ausrichten konnte, war Adis Haus. Er hatte mir damals erklärt, dass es bei dem Ritual einen Notfallplan gäbe, eine Reißleine, die ich ziehen konnte, falls es für ihn brenzlich wurde. Es sei idiotensicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seiner Erklärung nach, brauchte man zwei Menschen für das Ritual. Eine Person, die sich in das Babi Ngepet verwandelt, und eine andere Person, die eine brennende Kerze in ein Wasserbecken legt und sie nicht aus den Augen lässt. Sollte die Kerze zu flackern beginnen, war das Babi Ngepet in Gefahr. In dem Fall hätte ich sofort die Kerze auspusten sollen, um Adi in Sicherheit zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie genau das funktionierte, wusste ich nicht. Aber ich vertraute Adi. Normalerweise wusste er, was er tat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur gab es ein Problem: Wen hatte Adi damit beauftragt, auf die Kerze aufzupassen, nachdem ich abgelehnt hatte? War es jemand, dem er sein Leben anvertrauen konnte, oder war es ein geldgieriger Schamane, dem er nichts bedeutete?</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich endlich Adis Haus im Halbdunkel erkennen konnte, legte ich einen Endspurt ein. Im Inneren brannte kein einziges Licht. Trotzdem klingelte ich Sturm und hämmerte gegen die verschlossene Haustür, während ich völlig aus der Puste nach Luft rang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte, wer auch immer da drin ist, Sie müssen die Kerze auspusten!“, rief ich, als ich endlich wieder halbwegs atmen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Moment stand ich schweigend da, betete zu Allah, dass die Tür sich öffnete. Im Haus blieb es still.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder klingelte ich mehrmals. „Bitte! Ein Mann hat eine Waffe! Sie werden ihn umbringen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch einmal hielt ich inne, hielt sogar den Atem an, um besser zu hören. Nichts. Wer auch immer da drinnen war, hatte keine Intentionen, die Tür zu öffnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also rannte ich zum nächsten Fenster. Es war das Küchenfenster. Ich presste mein Gesicht an die Scheibe, versuchte, etwas zu erkennen. Aber drinnen war nichts als Schwärze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz machte ich mir Hoffnung. Vielleicht war das Babi Ngepet ja gar nicht Adi. Vielleicht war es jemand anderes aus unserem Dorf!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment hallte jedoch ein Knall durch die Luft. Trotz der Entfernung konnte ich ihn deutlich hören. Natürlich hätte das alles Mögliche sein können. Ein Motor, zum Beispiel. Aber nein, ich war mir sicher, dass Mulyadi gerade geschossen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All meine Hoffnung, dass Adi vielleicht gar nicht in Gefahr war, bröckelte vor meinem geistigen Auge weg. Ich sah nur noch eine Zukunft vor mir, die ich ohne ihn verbringen musste. Bilder einer Beerdigung kamen mir in den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, als mein Hirn aussetzte. Wie eine Wahnsinnige hämmerte ich gegen das Glas. Ich warf mich dagegen, aber es half nichts. Also nahm ich den erstbesten größeren Stein, den ich am Boden finden konnte, und versuchte es damit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Knack!</em> Risse bildeten sich in dem Fenster. Beim zweiten Schlag zersprang die Scheibe. Ich schnitt mir dabei in die Finger, aber ignorierte die Wunden und den Schmerz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem letzten Funken Geistesgegenwärtigkeit schlug ich die gröbsten Scherben aus dem Rahmen, ehe ich mich am Fensterbrett hochzog und mir dabei weiter die Hände zerschnitt. Schnell kletterte ich über die Arbeitsplatte. Ich hatte es ins Haus geschafft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hände fest zu Fäusten ballend, um die Blutungen zu stoppen, eilte ich Richtung Wohnzimmer. Ich hämmerte mit der Faust auf den Lichtschalter, konnte mich gerade noch bremsen, bevor ich in die geschlossene Wohnzimmertür rannte. Seltsam. Die Tür stand sonst immer offen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich die Klinke heruntergedrückt hatte, erkannte ich, warum die Tür geschlossen war. Dort auf dem Boden, wo sonst die so gemütliche Couch stand, war jetzt eine große Schüssel mit Wasser. In dem Wasser schwamm eine Kerze. Adi hatte das Ritual also wirklich durchgeführt. Aber was viel wichtiger war: Die Kerze brannte noch. Er war am Leben! Und ich würde alles daransetzen, dass es so blieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich also zur Kerze lief, fiel mir auf, dass außer mir niemand hier war. Von der zweiten Person, die die Kerze bewachen sollte, fehlte jede Spur. Das Wohnzimmer war menschenleer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Oh, Adi, du Dummkopf!</em>‘, dachte ich, während ich Luft holte und mich zur Kerze bückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war noch leichtsinniger, als ich gedacht hatte: Nachdem ich angedeutet hatte, das Ritual nicht zu unterstützen, musste er entschieden haben, es allein durchzuziehen. Adi hatte nicht den Dukun um Hilfe gebeten, der ihm bei den Vorbereitungen geholfen haben musste. Er hatte niemanden um Hilfe gebeten. Zum Glück war ich jetzt da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich jedoch im Begriff war, die Kerze auszupusten – ich musste nur noch kräftig ausatmen –, hallte ein zweiter Schuss durch die Nacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kleine Flamme flackerte vor meinen Augen, ehe sie sich geräuschlos in einen dünnen Faden aus Rauch verwandelte. Es war zu spät. Ich hatte es nicht rechtzeitig geschafft. Die Kerze war erloschen. Adi war tot.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Babi Ngepet ist ein Wildschwein der indonesischen Mythologie. Um genau zu sein, ist es ein Mensch, der sich während eines speziellen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rituals</a> in ein Wildschwein verwandelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Babi Ngepet Ritual ist eine Form von Pesugihan – dunkle Magie, die den Anwendern schnelles Geld bringen soll. Das Wort kommt von dem javanischen Wort „sugih“, was „wohlhabend“ bedeutet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie das Ritual genau abläuft, habe ich nicht herausfinden können, aber man benötigt dazu zwei Personen, eine schwarze Robe oder einen schwarzen Umhang, eine schwimmfähige Kerze, ein kleines Wasserbecken und passende Opfergaben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem muss man ggf. den Kontakt zu einem Schweine<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dämon</a> oder Satan herstellen können, weshalb die Leute, die das Ritual durchführen wollen, oft zu einem Dukun, einem indonesischen Schamanen, gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Opfergaben betrifft, habe ich verschiedenste Dinge gelesen. Mal soll es ausreichen, dass man während des Rituals seinen Körper und seine Menschlichkeit aufgibt, andere Male muss einer der Ausführenden Schweinekot essen und wieder andere Male wird sogar das Leben eines geliebten Menschen oder Blutsverwandten als Opfer gefordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem das Ritual entsprechend vorbereitet und die Opfergaben erbracht wurden, müssen die beiden Ausführenden sich nachts treffen. Einer von ihnen zieht die schwarze Robe bzw. den schwarzen Umhang an, während der andere die Kerze in das gefüllte Wasserbecken legt und sie anzündet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend verwandelt sich die Person in der schwarzen Robe in das Babi Ngepet. Es begibt sich nach draußen, um durch die Straßen zu ziehen und die Wertsachen der Anwohner zu stehlen. Ob der Mensch dabei die Kontrolle über seinen verwandelten Körper behält, ist nicht bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während das Babi Ngepet fort ist, muss die zweite Person die gesamte Zeit wachsam die Kerze im Auge behalten. Sollte die Flamme anfangen, zu flackern oder zu schrumpfen, ist das Babi Ngepet und somit auch die verwandelte Person in Gefahr, da es z. B. entdeckt wurde oder gejagt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wird die Kerze nun so klein oder flackert so sehr, dass sie fast erlischt, sollte sie sofort ausgeblasen werden, da sich die verwandelte Person in Lebensgefahr befindet. Daraufhin verwandelt sie sich zurück in einen Menschen und kehrt – wenn man einigen Versionen glaubt – zum Verwandlungsort zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne Fremdeinwirkung erlischt die Kerze hingegen nur dann, wenn das Ritual beendet wurde, das Babi Ngepet sich also selbstständig zurückverwandelt hat, oder wenn es stirbt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Babi Ngepet sieht wie ein Wildschwein aus. Manchmal wird es als ungewöhnlich groß beschrieben, aber ansonsten lässt es sich optisch nicht von einem völlig normalen Wildschwein unterscheiden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem der Mensch sich in das Babi Ngepet verwandelt hat, läuft es im Schutz der Dunkelheit durch die Nachbarschaft. Es reibt sich an den Hauswänden und Haustüren, woraufhin Geld, Schmuck und andere Wertsachen aus dem Haus oder der Wohnung auf magische Weise verschwinden sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selten ist auch davon die Rede, dass sich das Babi Ngepet in die Häuser schleichen muss, um sich dort an den Schränken und Zimmertüren zu reiben, woraufhin die Wertsachen verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald die Nacht sich dem Ende nähert oder das Babi Ngepet entscheidet, dass es genügend Leute bestohlen hat, kehrt es an den Verwandlungsort zurück, wo es sich wieder in einen Menschen verwandelt. Die gestohlenen Wertsachen befinden sich nun in seinem schwarzen Umhang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles klingt jedoch einfacher, als es tatsächlich ist. In Indonesien ist der Glaube an die Babi Ngepet nämlich noch immer weit verbreitet. Wird dort also nachts ein Wildschwein gesichtet, das um die Häuser streift, wird es oft gejagt. Nicht selten werden die Tiere dabei, oder nachdem sie gefangen genommen wurden, getötet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Berichte von Babi Ngepet kommen meist, wahrscheinlich aufgrund der lokalen Bekanntheit, von der indonesischen Insel Java. Auf den anderen indonesischen Inseln sind sie weniger bekannt und werden daher seltener gesichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> der Babi Ngepet ist wahrscheinlich im Zeitraum zwischen 1830 und 1870 entstanden. Damals wurde in Indonesien das System Tanam Paksa (die Pflanzpflicht) eingeführt. Bauern mussten fortan, statt Pachtgebühren zu zahlen, auf 20% ihres Landes Pflanzen für den Staat anbauen oder 60 Tage im Jahr auf staatlichen Plantagen arbeiten. Außerdem wurde ihnen teilweise vorgegeben, welche Pflanzen sie anzubauen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was darauf folgte, war eine Zeit der Hungersnöte und Armut, während die niederländischen Kolonialherren in kurzer Zeit sehr reich wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den plötzlichen Reichtum zu erklären, wurde den Kolonialherren daher schwarze Magie vorgeworfen. Darunter fielen zahlreiche Pesugihan-Rituale wie auch das Babi Ngepet Ritual.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch, wenn sich an der Gesellschaftsstruktur in Indonesien seitdem einiges geändert hat, blieben die Legenden über die Rituale erhalten. So findet man ein Babi Ngepet z. B. in dem indonesischen Videospiel DreadOut. Und auch im sonstigen Volksglauben haben Babi Ngepet noch immer einen festen Platz.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kürzliche Sichtungen:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Noch heute gibt es zahlreiche Gerüchte über die übernatürlichen Schweine. So sorgte Ende April 2021 ein Fall für nationale Aufregung, als in dem kleinen Dorf Badahan ein vermeintliches Babi Ngepet gesichtet wurde. Am Montag, den 26. April trafen sich zwölf Männer, zogen sich nackt aus – aus irgendeinem Grund waren sie der Meinung, dass sie nur so das übernatürliche Schwein sehen könnten – und machten Jagd auf ein Wildschwein. Sie erlegten es, schnitten ihm den Kopf ab und begruben beides an separaten Orten. Der Fall erfreute sich bei der Presse solch großer Beliebtheit, dass das Lembaga Ilmu Pengetahuan Indonesia (Indonesisches Institut für Wissenschaft) öffentlich verkündet hat, dass es keine Babi Ngepet gäbe, um eine Menschenansammlung zu Coronazeiten zu vermeiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Fall ist gerade einmal zwei Monate alt. Ebenfalls Ende April, diesmal jedoch 2023, kam es in Pondok Aren, South Tangerang City, zu einem Aufschrei, als in einer WhatsApp-Gruppe ein Video eines vermeintlichen Babi Ngepet geteilt wurde. Die Bewohner vereinbarten daraufhin, nachts in der Straße wache zu halten und es herrschte eine Menge Aufruhr. Später stellte sich heraus, dass das Tier auf dem Video nichts weiter als ein streunender Hund war. Auch dieser Fall erlangte nationale Bekanntheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr seht also: Auch wenn es keinerlei Beweise für ihre Existenz gibt, sind die Babi Ngepet in den Köpfen zahlreicher Menschen aus Indonesien noch immer mehr als real.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Babi Ngepet Ritual? Würdet ihr ein solches Ritual durchführen, um reich zu werden? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>Annabelle – die wahre Geschichte:</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Oct 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Dann hatte Annabelle mich erreicht. Sie stand direkt vor meinem Gesicht. Ihre kalten emotionslosen Augen starrten mich direkt an, während sie sich langsam auf die Knie fallen ließ. Ihr starres, sonst so niedliches Lächeln wirkte jetzt hinterhältig und fies. Ich sah, wie sie ihre Ärmchen hob, und spürte ihre kalten, weichen Hände an meinem Hals ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/61b5c224b36e4ae4a80ab7ea62192b51" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Horrorpuppe Annabelle ist eine der bekanntesten besessenen Puppen aus dem Kino. Aber wusstet ihr, dass die Filme auf einer echten Puppe basieren? Passend zu Halloween gibt es daher von mir die wahre Geschichte von Annabelle. Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Kindes</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer kennt sie nicht? Annabelle. Die Horrorpuppe, die viele Kinobesucher das Fürchten gelehrt hat. Doch was ist, wenn ich euch sage, dass an Annabelle mehr dran ist, als bloß ein paar Kinofilme? Wenn ich euch erzähle, dass ich damals bei den Ereignissen dabei gewesen war, die später die Filme inspiriert haben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Name ist Lou. Annabelle gehörte früher einer guten Freundin von mir – der ehemaligen Mitbewohnerin meiner Frau. Lasst mich euch also die wahre Geschichte von Annabelle erzählen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum ersten Mal sah ich die Puppe im Jahr 1970 am 28. Geburtstag von besagter Freundin, Donna. Sie, meine Frau Angie – damals noch meine Verlobte – und ich saßen am Abend zusammen und tranken auf unsere Gesundheit, während Donna die paar Geschenke auspackte, die sie bekommen hatte. Darunter war eine große Stoffpuppe – ein Geschenk von Donnas Mom.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist Raggedy Ann“, erklärte Donna begeistert. „Sie stammt aus einem Kinderbuch, in dem die Puppe lebendig wird, wenn keine Menschen da sind.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Donna erzählte uns von Raggedy Ann und wie ihre Mutter ihr früher immer aus den Büchern vorgelesen hatte. An das meiste kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, wie begeistert Angie von dem Buchcharakter und der Puppe war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen schenkte der Puppe wenig Beachtung. Nachdem Donna sie in ihr Zimmer gebracht und auf ihr Bett gesetzt hatte, hatte ich sie ehrlich gesagt bald wieder vergessen. Zumindest, bis Donna eines Nachmittags – wir drei waren gerade erst nach Hause gekommen – aufgeregt ins Wohnzimmer gerannt kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Leute. Das glaubt ihr mir nie: Ann hat sich bewegt!“, sage sie und verhaspelte sich vor Aufregung fast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer?“, fragte ich verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angie verstand schneller: „Die Puppe? Was meinst du mit: Sie hat sich bewegt? Von selbst?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, natürlich von selbst. Wie Raggedy Ann aus dem Buch. Sonst würde ich es euch doch nicht erzählen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Donna erzählte uns, dass sie es schon länger beobachtet hatte. Zuerst hatte sie Angie verdächtigt, die Puppe bewegt zu haben. Aber selbst bei abgeschlossener Zimmertür habe Ann die Position geändert. Donna habe sie am Morgen auf das Kopfkissen gelegt und nun säße sie mit dem Rücken an der Wand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich waren Angie und ich zuerst skeptisch. Doch während ich weiter daran festhielt, dass Donna eine lebhafte Fantasie habe, begann Angie, ihr zu glauben. Es dauerte nur einige Tage, bis Ann ein fester Teil unserer kleinen Clique geworden war. Wir nahmen sie mit auf Radtouren, setzten sie abends zu uns aufs Sofa und hatten ihr sogar einen Kinderstuhl besorgt, damit sie am Esstisch dabei sein konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals schüttelte ich bloß den Kopf. Trotzdem fand ich die Fürsorge niedlich, die sie der Puppe schenkten – zumindest, solange ich noch glaubte, dass sie es sich einbildeten oder mich auf den Arm nehmen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein Wochenende. Ich hatte entschieden, dass ich diese Nacht bei Angie übernachten würde, also saßen wir am Abend gemeinsam am Esstisch: Angie, Donna, Ann und ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise schenkte ich Ann wenig Beachtung, doch bei jenem Abendessen war es anders. Mir fiel auf, wie lieblos Donna sie auf den Kinderstuhl gesetzt hatte. Ihre Arme hingen schlaff nach unten und ihr überdimensionaler Kopf war zur Seite gekippt. Ich sagte nichts, erinnerte mich aber daran, wie ich während des Essens immer wieder zu der Puppe hinübersah und überlegte, ob ich sie vernünftig hinsetzen solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich das vierte oder fünfte Mal zu ihr sah, erschrak ich: Ann saß komplett aufrecht. Ihr Kopf war gerade und ihre Arme lagen auf dem Tischchen, das zum Kinderstuhl gehörte. Weder Donna noch Angie hätten sie bewegen können, ohne aufzustehen, aber sie hatten die ganze Zeit auf ihren Stühlen gesessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Hirn arbeitete wie verrückt. Wie war das möglich? Puppen bewegten sich nicht von allein. Konnte es sein &#8230;? Hatten Angie und Donna also nicht bloß rumgealbert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem schabenden Geräusch schob ich meinen Stuhl zurück. Donna sah mich irritiert an, während ich die paar Schritte zu Ann hinüberging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was machst du?“, fragte Angie belustigt, als ich die Puppe in die Hände nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht war sie ja keine normale Puppe. Bei der ganzen neuen Technik, die in den letzten Jahren herausgekommen war, konnte man nie wissen. Vielleicht steckte eine Art Roboter in dem Stoff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ann fühlte sich weich und kuschlig an, während ich auf ihr herumdrückte. Ich hatte kein Problem damit, ihr Innenleben zu erfühlen oder ihre Gliedmaßen zu dehnen, doch alles, was ich zwischen den Fingern hatte, war Stoff und Watte. Keine Kabel, keine Metallstäbe, keine Elektroteile.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He! Geh nicht so grob mit ihr um!“, fuhr Donna mich an. Sie sprang auf und riss mir Ann aus den Händen, um sie behutsam wieder auf ihren Stuhl zu setzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie &#8230; sie hat sich bewegt“, stammelte ich halb entschuldigend, halb erklärend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Echt?“, fragte Angie begeistert. „Das hat sie noch nie gemacht, wenn jemand im selben Raum war!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte sie ungläubig an. Noch nie in meinem Leben hatte ich ihre Begeisterung so wenig verstanden, wie in diesem Moment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir drei blieben die halbe Nacht wach und redeten über Ann. Jetzt, wo ich den beiden Frauen endlich zuhörte, erzählten sie mir alles.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Anfang hatte sich Ann kaum bewegt. Sie hatte mal die Arme verschränkt oder sich anders hingesetzt, war aber auf Donnas Bett geblieben. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie sich weiter weg traute. Sie saß auf dem Boden, auf dem Stuhl, lag auf dem Schreibtisch und befand sich schließlich nicht einmal mehr im gleichen Zimmer, wenn Donna und Angie von der Schwesternschule nach Hause kamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So sehr sich die beiden für Anns übernatürliche Fähigkeiten begeisterten, so sehr ängstigten sie mich. Sie war ein unbelebtes Objekt aus Stoff. Den Gesetzen der Wissenschaft folgend, hätte sie sich nicht bewegen dürfen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Donna und Angie änderte sich natürlich nichts. Sie liebten die Puppe und wollten sie am liebsten überall dabei haben. Für mich begann jedoch eine Zeit, in der ich wieder und wieder versuchte, die Mädchen davon zu überzeugen, dass sie der Puppe nicht trauen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei jeder sich bietenden Gelegenheit bat ich sie darum, die Puppe zuhause zu lassen, oder sie nicht neben uns aufs Sofa zu setzen. Da es bei diesen Gesprächen aber immer zwei gegen eins stand, hatte ich nie gute Karten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was mich umso mehr beunruhigte, war, dass Ann stärker zu werden schien. Je länger sie bei uns war, desto häufiger und weiter bewegte sie sich. War es nicht auch das, was Donna und Angie gesagt hatten? Dass die Puppe sich anfangs nur auf dem Bett bewegt hatte und inzwischen sogar in anderen Räumen saß? Es passierte jedenfalls mehr als einmal, dass Ann nicht mehr auf dem Sofa, sondern wieder auf Donnas Bett saß, wenn wir nach Hause kamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angie und Donna sahen das ganz locker. Sie machten sich einen Spaß daraus, die Puppe zu suchen, wann immer sie nach Hause kamen. Eines Tages machten sie dabei eine merkwürdige Entdeckung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lou?“, rief Angie aus Donnas Zimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist? Habt ihr Ann gefunden?“, rief ich gespielt interessiert. In Wahrheit hatte ich bloß keine Lust auf Stress. „Wo hat sie sich diesmal versteckt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich jedoch aufstehen konnte, um zu ihnen zu gehen, kamen die beiden ins Wohnzimmer. Donna hielt einen kleinen Zettel in den Händen, von dem sie ihren Blick kaum lösen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was habt ihr da?“, fragte ich. Diesmal musste ich mein Interesse nicht vortäuschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wortlos reichte Donna mir den Zettel. Er bestand aus alt aussehendem Pergamentpapier, auf dem krakelige Buchstaben standen, die aussahen, als hätte sie ein Kind geschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilf uns“, las ich vor. Mehr stand nicht darauf. Stirnrunzelnd sah ich zu Donna. „Ist das von &#8230;?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie nickte bloß. Ich brauchte den Satz nicht zu beenden. Wir alle wussten sofort, dass Ann den Zettel geschrieben haben musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was meint sie wohl damit? Wobei braucht sie Hilfe?“, fragte Angie in den Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und wer ist ‚uns‘?“, ergänzte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber so sehr wir auch überlegten, so viele Theorien wir auch aufstellten, wir kamen zu keiner zufriedenstellenden Antwort. Was blieb uns also anderes übrig, als auf einen weiteren Zettel zu warten? Und der Zettel sollte kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine drei Tage später saßen Donna, Angie und ich am Küchentisch. Nachdem Angie angerufen hatte, war ich sofort vorbei gekommen. Ich starrte den Zettel an. ‚Helft Lou‘ stand in derselben krakeligen Kinderschrift darauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was soll das?“, murmelte ich leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angie räusperte sich verlegen. „Vielleicht meint Ann, dass wir euch beiden helfen sollen, Freunde zu werden? Ich weiß, du magst sie nicht, aber gib ihr doch eine Chance. Tu es für mich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte sie halb ungläubig halb wütend an. Hörte sie sich selbst überhaupt zu? „Ann ist eine Puppe, verdammt!“, sagte ich etwas zu laut. „Mit Puppen kann man nicht befreundet sein! Sie sollten sich auch nicht bewegen! Ich hab keine Ahnung, was mit dem verdammten Ding nicht stimmt, aber ich will nichts mit ihr zu tun haben!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn ich es damals niemals zugegeben hätte, hatte ich panische Angst vor ihr. Sie hatte etwas Dunkles an sich, dass Donna und Angie entweder nicht sehen konnten oder nicht sehen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu wissen, dass dieses Wesen meinen Namen auf einen Zettel geschrieben hatte, hatte etwas unglaublich Bedrohliches an sich. Es war nicht bloß eine Puppe, die sich bewegte. Nein. Sie wusste, wer wir sind, kannte unsere Namen und verstand wahrscheinlich alles, was wir sagten. Je weiter ich von Ann weg war, desto besser. Also stand ich auf und ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Beziehung zu der wundervollsten Frau der Welt wäre damals fast an einer Puppe zerbrochen. Zwar einigten Angie und Donna sich nach einem langen Gespräch darauf, dass Ann nicht mehr bei uns sitzen würde, wenn ich zu Besuch war, aber trotzdem mied ich ihre Wohnung, so gut es ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war auch der Grund, warum ich nichts von dem Blut mitbekam. Donna entdeckte eines Nachmittags einige Tropfen einer roten Flüssigkeit auf Anns Brust und ihrem Handrücken. Weil sie nicht wollten, dass ich mir noch mehr Sorgen machte, verheimlichten sie es vor mir. Ich erfuhr nur von dem Medium, das Donna daraufhin einschaltete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mich wollten sie bei der Séance nicht dabei haben, damit ich Ann nicht verärgerte. Daher erzählten sie mir bloß, was sie gemeinsam mit dem Medium herausgefunden hatten: Die Puppe war von dem Geist eines kleinen Mädchens namens Annabelle Higgins besessen – zumindest behauptete das das Wesen, das sie erreichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Annabelle erklärte, dass sie seit ihrem Tod furchtbar einsam sei, und bat Donna darum, weiterhin in ihrer Puppe wohnen zu dürfen. Donna stimmte sofort zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ihr euch vielleicht denken könnt, war ich alles andere als begeistert. Sie behandelten Annabelle, wie sie die Puppe jetzt nannten, noch mehr wie einen Menschen als ohnehin schon und weigerten sich sogar, sie in Donnas Zimmer zu setzen, wenn ich zu Besuch kam. Könnt ihr euch das Vorstellen? Ich, ein langjähriger Freund und der Verlobte Angies, wurde mit einer blöden Stoffpuppe gleichgestellt. Und weil ich Angie nicht verlieren wollte, musste ich zustimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während meiner Zeit in ihrer Wohnung versuchte ich, Annabelle so gut es ging zu ignorieren. Ein nicht sonderlich einfaches Unterfangen, weil Donna sie überall mit hinschleppte und sie wie ein echtes Kind behandelte. Aus diesem Grund schlug ich möglichst oft vor, in Diskotheken oder Kneipen zu gehen. Orte, an die Annabelle als Kind nicht mitdurfte. Mit der Begründung, Annabelle müsse schon längst im Bett sein, kam ich damit sogar ausgesprochen häufig durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachts versuchte ich hingegen, nicht mehr bei Angie zu schlafen. Entweder kam sie mit zu mir oder wir schliefen getrennt. Ich dachte mir immer neue Ausreden aus, bin mir jedoch sicher, dass sie mich schnell durchschaut hatte. Sie wusste, wie wenig ich Annabelle mochte. Sicherlich ahnte sie auch, dass ich Angst vor ihr hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Abends war ich allerdings zu betrunken, um nach Hause zu fahren. Wir hatten ganz schön gefeiert und ich meinen letzten Bus verpasst. Also blieb mir nichts anderes übrig, als bei Angie und Donna zu schlafen. Das war die Nacht, in der Annabelle angriff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lag neben Angie im Bett. Ein merkwürdig beklemmendes Gefühl hatte mich aufgeweckt und ich merkte schnell, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Es war, als würde mein gesamter Körper von einer dunklen Macht festgehalten. Ich konnte weder zusammenzucken noch schreien, als ich sah, wie Annabelle am Fußende des Bettes auftauchte. Zuerst konnte ich kaum mehr als eine schwache Bewegung in der Dunkelheit erkennen, aber ich wusste sofort, dass sie es war. Ich spürte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zog sich mit ihren kleinen Ärmchen aufs Bett. Dann stand sie da, bedrohlich aufgerichtet zu ihrem vollen Meter, bevor sie langsam auf mich zuging. Ich konnte ihre kleinen Füße spüren, während sie über die Decke schlich, die über mir lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder versuchte ich zu schreien, aber es wollte mir nicht gelingen. Ich schaffe es nur, meine Augen so zu bewegen, dass ich Angie ansehen konnte, wie sie friedlich und völlig unbekümmert neben mir schlief. Sie lag auf der Seite und umklammerte sanft meinen Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hatte Annabelle mich erreicht. Sie stand direkt vor meinem Gesicht. Ihre kalten emotionslosen Augen starrten mich direkt an, während sie sich langsam auf die Knie fallen ließ. Ihr starres, sonst so niedliches Lächeln wirkte jetzt hinterhältig und fies. Ich sah, wie sie ihre Ärmchen hob, und spürte ihre kalten, weichen Hände an meinem Hals. Nie hätte ich geglaubt, dass ein solch zierliches Wesen so zudrücken könne. Dass diese kleinen Stoffhände eine solche Kraft hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Annabelle schnürte mir die Luft ab. Ich hatte Todesangst. Mein Hirn schrie danach, sich zu wehren, mich zu bewegen, zu schreien, zu atmen, doch ich konnte es nicht. Bald machte sich Schwindel in mir breit. Das angestaute Blut in meinem Kopf fühlte sich an, als müssten meine Adern jeden Moment bersten. Dann verlor ich das Bewusstsein. Ich war mir sicher, dass ich nie wieder aufwachen würde. Doch am nächsten Morgen kam alles anders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Morgen, Schatz“, weckte Angie mich sanft. Sie gab mir einen Kuss auf den Mund. „Aufwachen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">An anderen Tagen hätte ich mich zur Seite gedreht, mir die Decke über den Kopf gezogen und etwas wie „Nur noch fünf Minuten“ gegrummelt. Besonders bei dem ganzen Alkohol, den ich getrunken hatte. Aber nicht heute. Heute konnte ich gar nicht schnell genug aus dem Bett springen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah mich hektisch um, ließ den Blick durch das Zimmer streifen, um sicherzugehen, dass dieses Ding nicht bei uns war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist? Was hast du?“, fragte Angie besorgt, während ich bereits dabei war, mir meine Hose und mein T-Shirt anzuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wortlos verließ ich das Schlafzimmer. Ich machte mich auf den Weg in Donnas Zimmer. Hinter mir hörte ich, wie Angie mir folgte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne vorher zu klopfen, riss ich die Tür auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Donna riss erschrocken den Kopf herum. „Sag mal, spinnst du?“ Sie saß bereits am Schreibtisch. „Ich hätte nackt sein können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beachtete sie nicht. Stattdessen ging ich schnurstracks zu ihrem Bett und packte Annabelle beim Kleid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum versetzt Donna in Alarmbereitschaft. „Lou, ich warne dich. Setz sie wieder hin!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schnaubte verächtlich. „Du warnst mich?“ Wütend tat ich einen Schritt auf sie zu. „Dieses Scheißteil hat letzte Nacht versucht, mich zu erwürgen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du bist doch verrückt. So etwas würde sie nie tun!“, verteidigte Angie die Puppe sofort. Sie stellte sich zu Donna.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich</em> bin verrückt?! Ich bin nicht derjenige, der seit Wochen mit einer Puppe redet und so tut, als wäre es völlig normal, dass sie nachts versucht, meinen Verlobten zu ermorden! Aber wisst ihr was? Ich habe genug. Ich kann das nicht mehr. Entweder verschwindet Annabelle aus eurem Leben oder ich!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesen Worten pfefferte ich die Stoffpuppe mit voller Kraft durchs Zimmer. Ich bereitete mich bereits auf einen dramatischen Abgang vor, als plötzlich ein Schmerz in meiner Brust explodierte, der meine Beine in Wackelpudding verwandelte. Erschrocken sank ich auf die Knie, meine rechte Hand auf meine schmerzende Brust gepresst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„O Gott, Lou!“, kreischte Angie panisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Boden kauernd starrte ich meine Hand an. Auf ihr glänzte eine rote Flüssigkeit. Mein Blick streifte mein T-Shirt. Obwohl mir Tränen in die Augen schossen und meine Sicht verschleierten, konnte ich erkennen, wie der weiße Stoff sich langsam mit Blut vollsog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angie war sofort bei mir. Und auch Donna schien recht schnell bemerkt zu haben, was passiert war. Sie ließ Annabelle links liegen, um mich zusammen mit Angie aus der Wohnung zu bringen. Im Vorbeigehen schnappte sie sich den Erste Hilfe Koffer aus dem Wohnungsflur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als die Tür hinter uns ins Schloss gefallen war, setzten sie mich ab. Die Wunde – vier horizontale und drei vertikale Kratzer, die mein T-Shirt auf magische Weise nicht einmal berührt hatten – blutete zwar recht stark, war aber nicht sonderlich tief, sodass die beiden als angehenden Krankenschwestern keine Probleme hatten, mich zu verarzten. Anschließend beeilten wir uns, aus dem Haus zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über Annabelle sprachen wir an dem Tag kein einziges Wort mehr, zu tief saß der Schock. Aber das mussten wir auch gar nicht. Es reichte mir völlig, dass die beiden bei mir übernachteten, bis wir zwei Paranormalforscher – das Ehepaar Ed und Lorraine Warren – überreden konnten, sich Annabelle anzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hörten sich unsere Schilderungen der Ereignisse an, organisierten einen Priester, der in Donnas und Angies Wohnung einen Exorzismus durchführte und nahmen die verfluchte Puppe mit. Sie erklärten uns, dass sie von einem Dämon besessen sei, der vorgetäuscht habe, der Geist der verstorbenen Annabelle Higgins zu sein. Ich weiß nicht, ob ich das glauben kann &#8230; Dämonen oder Gott waren noch nie etwas, für das ich mich interessierte. Aber an besessene Puppen hatte ich früher auch nicht geglaubt, also wer weiß &#8230;?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was es auch war, ob nun ein Geist, ein Dämon oder etwas völlig anderes, der Spuk war in dem Moment zu Ende, als die Warrens Annabelle mitgenommen hatten. Und ich war froh, dass in unser Leben endlich wieder Normalität einkehrte.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Annabelle ist neben Chucky die wohl bekannteste Filmhorrorpuppe, die es gibt. Wusstet ihr jedoch, dass die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">besessene Puppe</a> aus dem Conjuring-Universum auf einer realen Puppe basiert?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu der gruseligen Porzellanpuppe aus den Filmen ist die echte Annabelle eine eher niedliche Stoffpuppe, die den Kinderbuchcharakter Raggedy Ann darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Annabelle hat einen großen Kopf, rote Haare aus dicken Strähnen und ein flaches Gesicht mit großen Augen. Ihre große dreieckige Nase und der breite Mund mit den kleinen roten Lippen sind aufgestickt. Als Kleidung trägt sie ein weißes Kleid mit kurzen Ärmeln und Blumenmuster, eine rot-weiße Strumpfhose und schwarze Schuhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genaue Angaben zu der Größe habe ich leider nicht finden können, von den Bildern und Beschreibungen her gehe ich aber von einer Körpergröße von etwa einem Meter aus.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Seltsame Vorkommnisse:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die wahre Geschichte um Annabelle soll sich im Jahr 1970 zugetragen haben. Alles begann als die 28-jährige Deirdre „Donna“ Bernard von ihrer Mutter eine Raggedy-Ann-Puppe als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachts</a>&#8211; oder Geburtstagsgeschenk bekam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Donna und ihre Mitbewohnerin Angie, die zu der Zeit zusammen eine Ausbildung zur Krankenschwester machten, bemerkten schnell, dass mit der Puppe etwas nicht stimmte: Sie schien sich wie von selbst zu bewegen und saß oder lag oft anders, als Donna sie zurückgelassen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lou – entweder ein Freund der beiden oder sogar der Verlobte von Angie, der die beiden oft besuchen kam – fand die Puppe regelrecht unheimlich und schlug vor, sie loszuwerden, was die Frauen jedoch ignorierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst waren Annabelles Bewegungen recht unauffällig: Sie änderte bloß die Pose oder lag an anderer Stelle auf dem Bett, als dort, wo Donna sie hingesetzt hatte. Die Bewegungen wurden jedoch mit der Zeit immer auffälliger. So fanden sie die Puppe teilweise in völlig anderen Räumen wieder – oft fand Donna sie z. B. auf ihrem Bett, obwohl sie Annabelle zuletzt im Wohnzimmer auf die Couch gesetzt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald tauchten außerdem kleine Zettel mit Nachrichten auf, auf denen in Kinderschrift z. B. „Help us“ (Hilf uns) oder „Help Lou“ (Hilf Lou) stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Donna dann auch noch seltsame rote Punkte, die wie Bluttropen aussahen, auf dem Handrücken und der Brust der Puppe fand, wurde es Donna und Angie zu viel. Sie beschlossen, sich professionelle Hilfe in Form eines Mediums zu holen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und tatsächlich schaffte das Medium es, Kontakt zu dem Wesen aufzunehmen, das Besitz von der Puppe ergriffen hat. Es stellt sich als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> eines kleinen Mädchens namens Annabelle Higgins vor. Sie bittet Donna und Angie darum, bei ihnen bleiben und weiter in der Puppe wohnen zu dürfen. Die Studentinnen glauben dem Wesen und willigen ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie jedoch Lou davon erzählen, war er alles andere als begeistert. Er hält weiter daran fest, dass sie die Puppe loswerden sollten. Das hingegen schien Annabelle nicht zu gefallen und so wurde Lou bald mehrfach von der Puppe angegriffen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim ersten Angriff wurde Lou nachts von der Puppe gewürgt. Er ist aufgewacht, weil er sich unwohl gefühlt hat, woraufhin Annabelle auf sein Bett geklettert ist und ihn so lange gewürgt hat, bis er das Bewusstsein verlor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch während dieser erste Angriff noch als Albtraum oder Schlafparalyse abgetan werden konnte, sah es bei dem zweiten ganz anders aus. Während Lou allein mit der Puppe im Zimmer war, spürte er plötzlich einen starken Schmerz in der Brust und stellte mit entsetzen fest, dass er sieben blutige Kratzer auf der Haut unter seinem Shirt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Punkt, als auch Donna und Angie einsahen, dass Annabelle wegmusste. Sie setzten sich mit den Paranormalforschern Ed und Lorraine Warren in Kontakt, die ihnen halfen, einen Exorzismus im Haus durchführen zu lassen und die Puppe an sich nahmen. Sie erklärten ihnen außerdem, dass Annabelle keineswegs der Geist eines kleinen Mädchens sei, sondern ein gefährlicher <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämon</a> Besitz von der Puppe ergriffen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem Annabelle im Besitz der Warrens ist, wo sie in ihrem Museum ausgestellt wird, soll es dort weitere Vorkommnisse gegeben haben. Inzwischen sitzt die unscheinbare Puppe in einem Schaukasten mit verschlossener Glastür und einer Warnung, dass sie nicht herausgenommen werden darf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich die Vorkommnisse im Museum jetzt auch noch ausführen würde, würde ich den Beitrag jedoch unnötig in die Länge ziehen. Trotzdem möchte ich noch erwähnen, dass es sogar einen angeblichen Todesfall gab, bei dem ein Museumsbesucher mit seinem Motorrad verunglückt sei, nachdem er die Puppe provoziert habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viel ist über Donna, Angie und Lou nicht bekannt. Auch nicht, wo sie gelebt haben, als Annabelle in ihr Leben trat. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass es in den USA war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen befindet sich Annabelle im „The Warren’s Occult Museum“ in Monroe, Connecticut in einem Schaukasten mit Glastür. Das Museum ist jedoch seit 2019 für die Öffentlichkeit geschlossen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Puppe der Warrens der Ursprung für die Horrorpuppe aus dem Conjuring-Universum ist, ist unumstritten. Anders sieht es jedoch mit der „wahren Geschichte“ hinter der echten Annabelle Puppe aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt viele offene Fragen und Unstimmigkeiten in den Erzählungen. Auch habe ich – abgesehen von den Aussagen der Warrens – keine einzige Quelle gefunden, die bestätigt, dass es Donna, Angie und Lou überhaupt gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich lässt sich das damit begründen, dass sie bloß keine öffentliche Aufmerksamkeit wollen. Anders sieht es jedoch mit den zahlreichen Unstimmigkeiten in den verschiedenen Erzählungen der Warrens selbst aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=iBTaY-hsRLI&amp;ab_channel=OfficialEdandLorraineWarrenChannel" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Video</a>, in dem Ed Warren persönlich von Annabelles Ursprung erzählt, macht er z. B. völlig andere Aussagen, als in dem <a href="https://web.archive.org/web/20140103211020/http://www.warrens.net/Annabelle.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Text</a>, der auf der offiziellen Website der Warrens veröffentlicht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um einige Beispiele zu nennen, sagte Warren im Video, dass Annabelle Higgins 6 Jahre alt war, als sie bei einem Autounfall starb, während es im Text heißt, sie sei 7 gewesen, als man ihre Leiche in einem Feld fand. Im Video war die Puppe ein Weihnachtsgeschenk, im Text bekam Donna sie zum 28. Geburtstag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch der Ablauf ist nicht überall derselbe. Während Warren im Video sagt, dass Lou am selben Tag von der Puppe im Bett gewürgt würde, an dem er auch die Kratzer auf der Brust bekam, waren es laut Text völlig unterschiedliche Tage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das sind bei Weitem nicht alle Unstimmigkeiten. Aber vielleicht liegt es bloß daran, dass viele Jahre zwischen dem Video und dem Text auf der Website lagen. Vielleicht hatte Warren sich vertan oder falsch erinnert, als er den Vortrag hielt oder der Text verfasst wurde. Oder aber die „wahre“ Geschichte von Annabelle ist genau das: bloß eine Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Was denkt ihr? Ist die Geschichte &#8222;wahre Geschichte&#8220; um Annabelle echt? Oder bloß eine Erfidnung, um das Museumsstück interessanter zu machen? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr eine Puppe geschenkt bekommt, die sich plötzlich von selbst bewegt? Schreibt es in die Kommentare!</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</strong></em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/annabelle">Annabelle – die wahre Geschichte:</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Oni &#8211; die japanischen Oger</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/oni</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Feb 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
		<category><![CDATA[chinesisches Neujahr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die gelben Augen starrten mich weiterhin an, während eine Mischung aus Hunger und Wut in ihnen funkelte.<br />
„Jetzt schieß endlich!“, flehte ich Ryu an. Wenn er nicht bald etwas unternahm, würde der Oni angreifen ...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Oni sind sind wohl einer der bekanntesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a>, die es gibt. Passend zum Mond-Neujahr am 12.02. und dem Setsubun-Fest am 02.02., bei dem Oni eine wesentliche Rolle spielen, habe ich mich entschieden, über die japanischen Oger zu schreiben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir kommen langsam näher“, erklärte mein Bruder Ryu überflüssigerweise, während er den umgeknickten Baum vor uns mit seiner Taschenlampe ableuchtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte. Der Baum war nicht gerade dünn. Was auch immer ihn umgestoßen hatte, musste eine unglaubliche Kraft besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und es sollte nicht der einzige Baum bleiben. Je weiter wir den Berg hinaufstiegen, desto mehr umgeknickte oder sogar ausgerissene Bäume fanden wir. Einige sahen aus, als wären sie aus dem Boden gerissen und mehrere Meter weit geworfen worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sicher, dass das hier eine gute Idee ist? Vielleicht sollten wir lieber umkehren und den anderen Bescheid sagen“, schlug ich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder drehte sich zu mir um. „Und was soll das bringen? Wenn jemand anderes den Oni tötet, bringt uns das gar nichts!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Reicht es dir nicht, dass wir wieder sicher sind? Dass keine Menschen mehr sterben?“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ryu seufzte schwer. „Kenji, merkst du nicht, wie die anderen uns ansehen? Wie sie hinter unserem Rücken über uns reden? Ich will nicht mehr nur der Sohn eines Mörders sein, dem niemand trauen kann. Ich will nicht mehr, dass die Leute uns behandeln, als wären wir unser Vater!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt musste auch ich seufzen. Ich sah über meine Schulter. Irgendwo dort unten, am Fuß des Berges, lag Shizuka-Mura, unsere Heimat. Ein Dorf, das so klein und unbedeutend war, dass es auch heute noch auf den meisten Landkarten fehlte. Ein Dorf, das ich über alles liebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber in letzter Zeit hatte sich so viel verändert &#8230; Ryu hatte recht. Seit vor anderthalb Jahren eine Gruppe Polizisten ins Dorf gekommen war, um Vater festzunehmen, sahen die Leute uns mit anderen Augen an. Sie glaubten uns nicht, dass wir genauso überrascht und schockiert waren, wie sie, zu erfahren, dass unser Vater ein gesuchter Mörder sei. Wie sich herausstellte, waren wir damals nur nach Shizuka-Mura gezogen, damit er untertauchen konnte &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da noch der Oni. Die Kreatur ist vor etwa vier Monaten das erste Mal in unserem Dorf aufgetaucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Habt ihr schon einmal einen Oni gesehen? Die Geschichten und Zeichnungen werden ihnen nicht gerecht. Sie alle können nicht die Angst beschreiben, die man verspürt, wenn einem eine solche Kreatur tatsächlich gegenübersteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte miterlebt, mit welcher Leichtigkeit ein Oni ganze Häuser niederreißen konnte, um an die Menschen zu kommen, die darin wohnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte schon so viele Menschen auf dem Gewissen. Freunde. Nachbarn. Nicht nur die, die er entführt hatte, sondern auch die, die losgezogen sind, um ihn zu töten. Keiner von ihnen war zurückgekehrt &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mach dir keine Sorgen“, riss Ryu mich aus meinen Gedanken. Er schien meine Bedenken bemerkt zu haben. „Der Oni schläft bestimmt. Wir müssen nur nahe genug herankommen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um seine Aussage zu untermalen, zog Ryu eine Pistole aus seiner Tasche. Wir hatten sie damals in Vaters Zimmer gefunden – der Moment in unserem Leben, an dem wir uns eingestehen mussten, dass Vater nicht zu Unrecht beschuldigt wurde. Nie hätte ich gedacht, dass wir die Waffe eines Tages brauchen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war Ryus Idee gewesen. Wenn wir den Oni besiegten, wären wir endlich mehr als nur die Söhne eines Mörders. Wir wären Helden. Und mit der Pistole hatten wir tatsächlich eine Chance. Wir mussten uns bloß anschleichen, ohne den Oni zu wecken, um ihm aus nächster Nähe direkt in den Kopf schießen zu können – so zumindest der Plan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wie es so häufig mit Plänen der Fall war, kam etwas dazwischen. Wir näherten uns gerade einer Höhle, in der wir als Kinder manchmal gespielt hatten – wir vermuteten, dass der Oni darin schlief –, als plötzlich ein lautes Knacken ganz in unserer Nähe ertönte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ryu und ich fuhren erschrocken herum. Unsere Taschenlampen erhellten etwas Rotes, das zwischen den Bäumen hervorblitzte. Es bewegte sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mach die Taschenlampe aus!“, zischten Ryu mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es war zu spät. Der Oni hatte uns bemerkt. Während ich in meiner Panik den Ausschalter der Taschenlampe nicht fand, kam der Oni mit großen Schritten auf uns zu. Er trat einen Baum um, der wegbrach, als wäre es ein Zahnstocher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Ryu die Pistole hob, also entschied ich, die Taschenlampe stattdessen auf den Oni zu richten, damit mein Bruder sehen konnte, wohin er zielte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Oni vor uns stehenblieb, richtete er sich zu voller Größe auf, als wolle er uns einschüchtern. Noch nie hatte ich ihn aus solcher Nähe gesehen. Seinen Kanabō – einen mit Eisen beschlagenen Streitkobeln – hielt er lässig mit einer Hand auf seine Schulter gelehnt. Dabei wäre er ohne Waffe schon eindrucksvoll genug gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war sicherlich vier oder fünf Meter groß. Ausgeprägte Muskeln zeichneten sich unter der roten Haut ab. Lediglich sein Bauch war gewölbt. Ich konnte nur ahnen, dass sich unter dem Fett ein Sixpack versteckte, das mindestens genauso eindrucksvoll war, wie seine restliche Muskulatur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür gab seine massige Brust eine perfekte Zielscheibe ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie die Hand meines Bruders zitterte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schieß!“, befahl ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum erregte die Aufmerksamkeit des Oni. Er starrte mich mit seinen gelben Augen eindringlich an. Erst jetzt fiel mir auf, wie furchteinflößend sein Kopf wirklich war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zerzauste, schwarze Haare rahmten sein grässliches Gesicht ein. Zwei spitze Hörner wuchsen aus seiner Stirn. Die großen Zähne, die aus seinem Mund ragten, erinnerten mich an ein Wildschwein. Sie blockierten seine Lippen, sodass sein Mund einen Spalt offen stand. Die gelben Augen starrten mich weiterhin an, während eine Mischung aus Hunger und Wut in ihnen funkelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt schieß endlich!“, flehte ich Ryu an. Wenn er nicht bald etwas unternahm, würde der Oni angreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt blickte ich zu meinem Bruder. Seine Hand zitterte jetzt völlig unkontrolliert. Stand er unter Schock?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Rums!</em> Ein lauter Knall ertönte, als der Oni seinen Kanabō von der Schulter nahm und das Ende auf den Boden donnern ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich reagierte mein Bruder. Doch ich freute mich zu früh. Statt zu schießen, fiel die Waffe aus seiner Hand. In der derselben Bewegung drehte sich Ryu auf der Stelle um und rannte in die Dunkelheit. Der Oni, dessen Jagdinstinkt sofort einsetzte, stürmte mit schnellen, viel größeren Schritten hinterher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was tust du?“, brüllte ich meinem Bruder schockiert nach. Er würde niemals vor dem Oni davonlaufen können!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die schweren Schritte, das gleichmäßige Grunzen und das Splittern von Bäumen sich langsam entfernte, suchte ich panisch den Waldboden ab. Hier irgendwo musste sie doch liegen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Schein meiner Taschenlampe blitze plötzlich etwas auf. Die Pistole! Schnell stürzte ich mich darauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Pistole in der Hand stand ich da. Während ich noch darüber nachdachte, ob ich mich verstecken, weglaufen oder dem Oni hinterhersprinten sollte, schnitt plötzlich ein Schrei durch die Luft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ryu!“, brüllte ich in die Dunkelheit. Er schrie wie am Spieß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein knackendes Geräusch ertönte. Es klang anders, als das Knacken der Bäume, erschütterte mich bis ins Mark. Waren das brechende Knochen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Geschrei verstummte. Die jetzt einkehrende Stille war nur von einem gelegentlichen weiteren Knacken und einer Art Schmatzen erfüllt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Kopf entstanden grässliche Bilder, wie der Oni meinen Bruder in Fetzen riss, bevor er ihn sich Stück für Stück in seinen mit den Wildschweinhauern besetzten Mund stopfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tränen füllten meine Augen. Natürlich hätte ich damit rechnen müssen, dass einem von uns etwas zustieß. Aber jetzt, wo es tatsächlich passiert war &#8230; Ryu war tot. Und es war meine Schuld. Ich &#8230; Ich hätte ihn aufhalten sollen. Ihn von seinem Plan abbringen müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch statt zu trauern, verspürte ich bloß Wut. Wie ein unaufhaltsamer Waldbrand wuchs sie in meinem Körper heran. Ich war wütend auf mich selbst, weil ich Ryu nicht aufgehalten hatte. Wütend auf die anderen Dorfbewohner, weil sie uns wie Dreck behandelt hatten. Wütend auf den Oni, weil er mir den letzten Menschen genommen hatte, der mir noch wichtig war &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte erst, dass ich auf den Oni zu rannte, als meine Schritte von einem schnellen Gang zu einem Sprint wechselten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schmatzen wurde immer lauter. Ich hatte meine Taschenlampe auf die Bäume vor mich gerichtet, um mich orientieren zu können. Inzwischen konnte ich ab und an ein zufriedenes Grunzen vernehmen, als wäre mein Bruder das köstlichste, was der Oni je gegessen hatte. Meine Wut wuchs weiter. Dann endlich sah ich ihn:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Oni saß mit dem Rücken zu mir auf der Lichtung. Der Schein meiner Taschenlampe schien ihn nicht zu beirren. Vielleicht war er auch zu abgelenkt von meinem Bruder, um es zu bemerken. Jedenfalls zeigte er keinerlei Reaktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hob die Pistole, um auf ihn zu zielen. Für einen Moment überlegte ich, ihm in den Rücken zu schießen, doch er bewegte sich zu sehr, als dass ich auf irgendwelche lebenswichtigen Organe zielen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Oni sich bückte, leuchtete ich auf das, was vor ihm lag. Mein Bruder war völlig zerfetzt. Der Oni hatte ihm beide Arme und den Kopf ausgerissen. Hätte ich die Kleidung nicht wiedererkannt, wäre ich mir nicht einmal sicher gewesen, dass es sich bei dem blutigen Bündel um Ryu handelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich riss der Oni den Kopf herum. Er schien das Licht meiner Taschenlampe bemerkt zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Brust des Onis glänzte, während er aufstand. Das Blut verschmolz fast perfekt mit dem Rot seiner Haut. Man erkannte es nur an dem feuchten Glanz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Oni mich ansah, richtete ich die Taschenlampe direkt auf sein Gesicht. Er schrie wütend auf und riss sofort die Hände vor die Augen. Es schien ihm überhaupt nicht gefallen zu haben, dass ich ihn geblendet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Oni griff geschickt nach seiner Waffe. Mit einer schnellen Bewegung hob er seinen Kanabō vom Boden auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bekam Panik. Noch ehe ich richtig gezielt hatte, betätigte ich den Abzug der Pistole. Ein Schuss löste sich, dicht gefolgt von einem wuterfüllten Schrei des Oni.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich reagieren konnte, sah ich, wie der Oni seinen Kanabō nach mir schwang. Der Aufprall brach mir mit einem scheußlichen Knacken die Wirbelsäule und schleuderte mich einige Meter durch die Luft, bis ich in weichem Moos liegen blieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl meine Seite, wo der Kanabō mich erwischt hatte, völlig zerschmettert sein musste, spürte ich keinen Schmerz. Um genau zu sein, spürte ich von der Brust abwärts überhaupt nichts mehr. Trotzdem hielt mich das Adrenalin bei Bewusstsein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell orientierte ich mich. Die Taschenlampe lag vielleicht fünf Meter von mir entfernt. Irgendwo dort musste auch die Pistole liegen. Wenn ich sie erreichte, hatte ich noch eine Chance. Mein Bruder und ich waren nicht mehr zu retten, aber wenn der Oni starb, wären wir wenigstens als Helden gestorben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besagter Oni stand leicht irritiert in der Gegend herum. Er schien sich unsicher zu sein, ob er sich mir oder wieder meinem Bruder zuwenden sollte. Das war meine Gelegenheit!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuchte, mich aufzurappeln, um zur Taschenlampe zu sprinten. Zu meinem Entsetzen bewegten sich nur meine Arme. Meine Beine gehorchten mir nicht mehr. Wie abgestorben lagen sie da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wollte ich mich nicht geschlagen geben. Ich stemmte meine Arme in den Boden, um mich langsam vorwärts zu ziehen. Meine Augen waren auf die Taschenlampe gerichtet. Zentimeter für Zentimeter robbte ich meinem Ziel näher. Jetzt gab es nur noch mich und das kleine Licht vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte nicht einmal, wie der Oni auf mich zukam. Erst, als er mich wie ein Spielzeug vom Boden aufhob, merkte ich, dass ich versagt hatte. Gleichgültigkeit breitete sich in mir aus. Wir hatten verloren. Mein Bruder und ich waren nicht besser als die anderen Leute, die losgezogen waren, um den Oni zu besiegen, und nie zurückgekehrt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich schon mit allem abgeschlossen hatte, blitze im schwachen Taschenlampenlicht etwas auf. Blut quoll aus einer Stelle an seinem Bauch. Eine Wunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Augen weiteten sich. Konnte das sein? Hatte mein Schuss ihn tatsächlich getroffen? Wenn er die Kugel nicht entfernen konnte – und das bezweifelte ich – gab es noch immer die Möglichkeit, dass die Wunde sich entzündete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich klammerte mich an dieses letzte Bisschen Hoffnung. Als der Oni mir gerade meinen rechten Arm ausriss, breitet sich ein Lächeln auf meinem Gesicht aus. Der Oni könnte an der Verletzung sterben. Mein Bruder und ich konnten noch immer Helden werden! Dann verlor ich das Bewusstsein.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Oni sind japanische Dämonen, die den Ogern recht ähnlich sind. Das Wort Oni lässt sich daher mit Oger, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämon</a> oder böser <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> übersetzen. Sie zählen zu den Yōkai.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Oni erinnern an eine Mischung aus wildem Menschen und Dämon. Ihr Körperbau ist menschenähnlich, obwohl einige Merkmale abweichen können. So sollen manche Oni sechs Finger und/oder Zehen pro Hand bzw. Fuß besitzen. Auch kann es vorkommen, dass ein Oni ein drittes Auge auf seiner Stirn hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre wilden, ungekämmten Haare waren in früheren Erzählungen und Bildern fast ausschließlich schwarz, werden heutzutage – besonders in Videospielen und Anime – aber auch manchmal weiß dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem besitzen sie häufig ein oder zwei Hörner, scharfe, krallenähnliche Fingernägel und spitze Reißzähne oder Hauer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oni sollen sehr muskulös und häufig nicht gerade dünn sein. Auch sind sie größer als normale Menschen. In einigen Fällen sollen Oni sogar mehrere Meter groß gewesen sein, sodass sie die meisten Baumkronen überragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines ihrer auffälligsten Merkmale ist jedoch ihre Hautfarbe. Sie soll meist rot, blau oder grün sein, kann aber in einigen Geschichten auch andere Farben haben. In Europa ist die rote Variante wohl die bekannteste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ihre Kleidung angeht, tragen Oni – sofern sie nicht nackt sind – häufig einen Lendenschurz aus Tigerfell oder dem Fell eines anderen, als mächtig geltenden Tieres.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem haben sie häufig ihren ikonischen, mit Eisen beschlagenen Streitkolben bei sich – einen Kanabō. Die Waffe wurde ursprünglich von den Samurai geführt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass Oni hauptsächlich in der Hölle vorkommen. Wenn ein besonders grausamer Mensch stirbt, verwandelt seine Seele sich in einen Oni, um in der Hölle die Seelen anderer Menschen zu foltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ein Mensch jedoch so grausam ist, dass seine Seele bereits zu Lebzeiten nicht mehr gerettet werden kann, kann es passieren, dass er sich bereits vor seinem Tod verwandelt und als Oni in unserer Welt lebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die in der Hölle lebenden Oni sind den christlichen Dämonen sehr ähnlich: Sie sind die Folterknechte der Hölle, foltern also böse Menschen nach ihrem Tod aufs Grausamste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch die Oni, die in unserer Welt leben und gelebt haben sollen, werden oft als böse und grausam angesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie leben in der Wildnis, überfallen Dörfer, fressen Menschenfleisch, vergewaltigen Frauen und sind übernatürlich stark.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen einige Oni über Magie verfügen, mit der sie z.&nbsp;B. Krankheiten bringen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem sollen Oni – zumindest in den Erzählungen ab dem 13. Jahrhundert – nicht unbedingt die intelligentesten Wesen sein. In vielen Geschichten werden sie daher als dumm und tollpatschig dargestellt. Häufig führt die mangelnde Intelligenz auch dazu, dass der Oni besiegt werden kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Oni, die nicht in der Hölle leben, wohnen meist allein in den Bergen oder auf Inseln. Häufig heißt es, dass sie in Höhlen hausen, es soll aber auch Oni geben, die in Hütten oder gar verlassenen Festungen wohnen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff „Oni“ wurde früher – bevor der heute bekannte Oni entstanden ist – für allerlei böse Geister und Yōkai gebraucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wesen selbst stammt hingegen wahrscheinlich aus dem Hindu-Buddhismus und wurde durch die indischen Yaksha und Rashaka inspiriert, als sich der Buddhismus in Asien ausgebreitet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon während er Heian-Zeit (ca. 794–1192) waren Oni als gefürchtete, menschenfressende <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monster</a> bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 13. Jahrhundert kam schließlich ihre leicht dümmliche und tollpatschige Art hinzu – wodurch sie jedoch nicht weniger gefährlich wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Art der Oni hat sich über die Jahre dank unzähliger Darstellungen in Geschichten und Kunst gefestigt, weswegen sie auch heutzutage in der japanischen Kultur noch eine wichtige Rolle spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So sind sie z.&nbsp;B. ein fester Bestandteil des jährlichen Setsubun-Fests, bei dem Sojabohnen nach als Oni verkleideten Menschen geworden werden. Diese Tradition soll dazu dienen, das Böse zu vertreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch in den modernen Medien, wie Manga, Anime und Videospielen haben die Oni einen Platz gefunden, wodurch sie schließlich ihre weltweite Bekanntheit erlangt haben.</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Oni? Kanntet ihr sie bereits? Wie hättet ihr an Kenjis oder Ryus Stelle auf ein solches Monster reagiert? Schreibt es in die Kommentare.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Das Sallie House</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Oct 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
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		<category><![CDATA[Halloween]]></category>
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		<category><![CDATA[Legende]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Kennt ihr eigentlich die Geschichte dieses Hauses?“, fragte ich mit möglichst bedrohlicher Stimme.<br />
Ich war mir sicher, dass die beiden sie kannten. Trotzdem schwiegen sie und ließen mich die Legende erzählen ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/ca2646e4229244019a2fd2d0a998a96b" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Das Sallie House ist ein bekanntes Spukhaus in Amerika. Es soll, im Gegensatz zu vielen anderen bekannten Spukhäusern, wie z. B. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/das-blutende-haus" target="_blank" rel="noreferrer noopener">la maison qui saigne</a> in Frankreich, noch heute Schauplatz vieler paranormaler Ereignisse sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich die Haustür des Sallie Houses aufgeschlossen hatte, schlug mir sofort ein muffiger Geruch entgegen. Es roch nicht unangenehm, sondern einfach nur … alt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenigstens ist es drinnen warm“, wandte ich mich Grace und Aaron zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann betraten wir das Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir unsere Rucksäcke und die Kühlbox neben die Treppe gestellt hatten, sahen wir uns um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich es im Halbdunkel bereits erahnen konnte, pfiff ich laut aus, nachdem ich das Licht im Wohnzimmer eingeschaltet hatte. „Das sieht ja aus, wie in einem Horrorfilm!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wände waren mit weißer Tapete tapeziert, während der Boden mit einem dunklen grün-blauen Teppich ausgelegt war. Im Wohnzimmer standen einige alte Lampen mit hässlichen Stoffschirmen, ein Tisch mit Stühlen und ein abgenutztes Sofa herum. Durch einen großen Durchgang gelangte man ins Esszimmer, wo um einen leeren Holztisch vier alt aussehende Holzstühle mit dunklem Sitzpolster standen und direkt darüber eine kleine, helle Holzuhr an der Wand hing. Sie war stehengeblieben. Die einzigen Lampen im Raum waren eine kitschige Deckenlampe und eine weitere Stehlampe mit hässlichem Stoffschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch die anderen Räume sahen nicht besser aus: Die Küche und sogar das Badezimmer waren alt und völlig aus der Mode gekommen. Lediglich den Keller durfte man nicht betreten, weil es angeblich ‚zu gefährlich‘ war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie in einem Horrorfilm? Es sieht eher aus, wie bei meiner Oma“, warf Aaron ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. Konnte er nicht einmal mitmachen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lasst uns nachsehen, ob es oben genauso aussieht!“, schlug Grace aufgeregt vor. Meine Freundin hatte sich von Anfang an von meiner Idee begeistern lassen, eine Nacht in dem Haus zu verbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am unteren Treppenabsatz drückte sich Grace hinter mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du Angst?“, fragte ich mit einem breiten Grinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie streckte mir die Zunge entgegen. „Jetzt geh schon, Joshua!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Grinsen wurde noch breiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um für etwas Dramatik zu sorgen, ging ich die Treppe bewusst langsam hinauf. Fast jede Stufe knarrte bedrohlich unter meinen Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte fast erwartet, dass es oben nicht sonderlich anders aussah, als unten, doch als ich über den oberen Treppenabsatz hinweggucken konnte, leuchteten meine Augen auf. Ich beschleunigte meine Schritte, bis ich oben war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, fragte Grace leicht irritiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ich musste es nicht einmal beantworten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh!“, entfuhr es ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hielt sich zwar weiter hinter mir, schob mich aber ungeduldig nach vorne. Wir hatten das Kinderzimmer entdeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besitzer des Hauses hatten sich ganz schön ins Zeug gelegt: Überall auf dem Boden lagen Stofftiere, Puppen und Gummibälle verteilt, an einer Wand stand ein hölzerner Kinderwagen, in dem eine Babypuppe lag und in einer Ecke des Raumes standen mehrere Schaukelpferde herum. Zusammen mit einigen Kindermöbeln ergab sich der perfekte Schauplatz für das Spukhaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte es immer noch nicht fassen. Wir waren im Sallie House – einem der bekanntesten Spukhäuser des Landes. Und das zu Halloween!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch meine Freude hielt nicht lange an. Unsere kleine Tour durchs Haus hatte maximal eine halbe Stunde gedauert und auch wenn die Atmosphäre gut war, hatten wir nichts Außergewöhnliches erlebt. Also setzten wir uns im Esszimmer an den Tisch und warteten … und warteten … und warteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Spannendste, was passierte, war, dass Aaron sich vor einigen Jugendlichen erschreckte, die schaulustig durch eines der Fenster starrten. Keine unerklärlichen Geräusche, keine seltsamen Stimmen, keine übernatürlichen Erscheinungen. Das war nicht das, was ich mir von dem ‚Haus, in dem es in den gesamten Vereinigten Staaten den meisten Spuk gibt‘, wie das Sallie House beworben wurde, erwartet hatte. Wofür hatten wir bitte die Verzichtserklärung unterschrieben, falls uns im Haus etwas passieren sollte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte, wie ich mit der Zeit immer genervter wurde. Hierauf hatten wir uns ein ganzes Jahr gefreut? Hatten pro Person 150 $ ausgegeben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich versuchte, mich nicht so schnell entmutigen zu lassen. Zumindest wollte ich nicht sowohl schuld daran sein, dass wir viel Geld aus dem Fenster geworfen hatten, als auch daran, dass der Abend ruiniert war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kennt ihr eigentlich die Geschichte dieses Hauses?“, fragte ich also mit möglichst bedrohlicher Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war mir sicher, dass die beiden sie kannten. Trotzdem schwiegen sie und ließen mich die Legende erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es heißt, dass vor über 100 Jahren ein Doktor in diesem Haus gelebt haben soll. In einer regnerischen Nacht klopfte unerwartet eine Frau an seine Tür, da ihre Tochter Sallie plötzlich mit starken Schmerzen zusammengebrochen sei – ihr Blinddarm war geplatzt. Der Doktor wusste, dass sie keine Zeit hatten, sie in ein Krankenhaus zu bringen und trug sie schließlich in einen kleinen Operationsraum genau in diesem Haus. Da er jedoch kein Narkosemittel zur Hand hatte, zwang er die Mutter dazu, ihre Tochter festzuhalten. Er operierte sie bei lebendigem Leibe. Doch Sallie überlebte die Operation nicht. Das letzte, was sie in ihrem kurzen Leben erlebte, war, wie ein fremder Mann sie auf einen Tisch gelegt und zu Tode gefoltert hatte. Und es heißt, dass Sallies Geist noch heute in diesem Haus ihr Unwesen treibt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich fertig war, sah ich, dass sich Grace unauffällig im Haus umsah. Meine Stimmung hob sich etwas. Sie kannte die Geschichte noch nicht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aaron hingegen sah weniger überrascht, sondern eher nachdenklich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was?“, fragte ich neugierig. Hatte er eine Theorie zu der Geschichte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch er sollte mir bloß die nächste Enttäuschung des Abends bringen. „Nun, das ist so nicht ganz richtig. Man hat sehr detaillierte Aufzeichnungen über das Haus. Und obwohl im 19. Jahrhundert tatsächlich ein Doktor in diesem Haus gewohnt hat, gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass er im Haus Operationen durchgeführt hat, geschweige denn unter seiner Hand ein kleines Mädchen hier gestorben sei. Um genau zu sein, ließ sich kein einziges Mädchen namens Sallie finden, deren Tod man mit diesem Haus in Verbindung bringen konnte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn verwirrt an. „Aber die Geschichte stand auf der Seite, wo ich das Haus für die Nacht heute gemietet habe!“, widersprach ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aaron zuckte mit den Schultern. „Eine Marketingstrategie. Ein Spukhaus mit einer solchen Hintergrundgeschichte verkauft sich halt besser …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist doch scheiße!“, fluchte ich und sprang auf. „Am Ende spukt es hier nicht einmal. Aber selbst wenn: So langweilig, wie der Geist hier ist, ist es eher ein alter Sack, der den ganzen Tag nichts tut, als ein junges Mädchen!“ Ich sprach bewusst laut, in der Hoffnung, irgendeine Reaktion zu bekommen. Als es jedoch im gesamten Haus ruhig blieb, stapfte ich durch das Wohnzimmer zurück in den Flur, wo ich durch die Eingangstür nach draußen verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lehnte mich an eine Backsteinsäule und zündete mir eine Zigarette an. Dann sah ich die Straße entlang. Fast alle anderen Häuser waren irgendwie dekoriert. Kürbislaternen, Skelette, künstliche Spinnweben, Hexen und Grabsteine zierten die Vorgärten und Hauswände. Im Vergleich sah das Sallie House trostlos, fast schon langweilig aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch waren überall Eltern mit ihren Kindern unterwegs, die von Tür zu Tür gingen. Ein Kind war sogar schon auf dem Weg zu mir, bis die Mutter es panisch am Arm packte und von dem Haus wegzerrte, als würde hier ein Kinderschänder wohnen. Hier in der Gegend schien jedenfalls jeder die Geschichte des Sallie Houses zu kennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte, wie sich hinter mir die Tür öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey“, sagte Grace.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist du sicher, dass das eben eine gute Idee war?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie fragend an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den Geist zu beleidigen …“, fügte sie hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Welchen Geist?“, erwiderte ich verärgert. „Mir ist heute noch keiner über den Weg gelaufen. Man hat uns um unser Geld betrogen. Das ist alles, was passiert ist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kuschelte sich an mich. „Jetzt schmoll doch nicht gleich. Die Nacht ist noch jung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grummelte nur und gab ihr den Rest meiner Zigarette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie einige Züge genommen hatte, trat sie sie am Boden aus. „Komm. Lass uns wieder reingehen. Selbst wenn nichts mehr passieren sollte, können wir uns trotzdem einen schönen Abend machen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatte recht. Ich durfte mich davon nicht unterkriegen lassen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Händchenhaltend schlenderten wir zurück ins Wohnzimmer, wo Aaron uns sofort mit einem erhobenen Finger andeutete, leise zu sein. Er stand leicht gebückt und lauschte an der Wand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, flüsterte ich ihm zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er stand noch einen Moment regungslos da, bis er sich schließlich wieder aufrichtete. „Ich habe eben ein Kratzen in der Wand gehört!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Echt?“, fragte Grace begeistert. Sie strahlte mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war jedoch weniger optimistisch. Selbst wenn Aaron das nicht nur sagen sollte, um mich aufzumuntern, gab es noch viele andere logische Erklärungen. „Das ist eine Außenwand. Vielleicht war es nur irgendein Tier oder was weiß ich. Ein Kratzen reicht jedenfalls nicht aus, um mich von dem Spuk zu überzeugen.“ Ich ging zu unserer Kühlbox. „Jemand ein Bier?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Punkt, an dem der bisher doch eher enttäuschende Abend endlich eine Wendung nahm. Von irgendwelchen Geistern war zwar weiterhin nichts zu sehen, doch der Alkohol, die schaurige Atmosphäre und unsere Unterhaltungen hoben meine Stimmung immens. Auch, wenn ich hierfür am liebsten keine 150 $ ausgegeben hätte, rückte der Gedanke daran immer weiter in den Hintergrund, je später es wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir waren gerade in ein Gespräch über seltsame Halloweenkostüme vertieft – Grace erzählte davon, wie eine Bekannte von ihr sich einmal als menschengroße Damenbinde verkleidet hatte –, als ich aufstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich geh mal schnell für kleine Joshuas“, sagte ich. Dann wandte ich mich dem Raum zu und breitete herausfordernd die Arme aus. „Hörst du, Geist? Ich markiere mein Revier. In deinem Haus!“ Anschließend ging ich, leise über meinen kleinen Scherz lachend, weiter zur Toilette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war gerade dabei, mich zu erleichtern, als plötzlich ein Klopfen von der Tür hinter mir kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was denn?“, fragte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ich bekam keine Antwort, stattdessen ging das Klopfen weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du mal musst, geh nach oben oder warte zehn Sekunden!“, sagte ich leicht genervt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch selbst, als ich meine Hose geschlossen und die Spülung betätigt hatte, ging das Klopfen weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Versteh schon, der Geist. Ha-ha, sehr witzig!“, sagte ich sarkastisch, während ich die Türklinke runter drückte. Als ich die Tür öffnete, stand Grace vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alles in Ordnung? Mit wem redest du?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mit dir, wie es aussieht“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein“, widersprach sie. „Wir haben dich reden gehört, also bin ich hergekommen, um nachzusehen, ob alles gut ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast nicht an der Tür geklopft?“, fragte ich überrascht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grace schüttelte den Kopf. „Nein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verunsichert sah ich zurück zur Tür. Ich schloss sie und rüttelte leicht daran, doch das Geräusch war anders, als eben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wandte ich meinen Blick der Kellertür zu. Konnte es sein …? Aber nein. Wahrscheinlich hatte Grace an die Tür geklopft und dann auf unschuldig getan. Sie hatte gemerkt, wie sehr ich mich geärgert hatte, und wollte mich etwas aufmuntern!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren, ging ich zurück zu Aaron. Grace folgte mir, woraufhin wir unsere Unterhaltung bald fortsetzten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir langsam müde wurden, breiteten wir unsere Schlafsäcke im Wohnzimmer aus. Aaron legte seinen Schlafsack auf das Sofa und Grace und ich unseren Doppelschlafsack auf den Boden daneben. Es war nicht sonderlich bequem, aber definitiv aushaltbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Fenster in Richtung Straße keine Vorhänge oder Jalousie hatten, schienen die Straßenlaternen schwach zu uns herein. Das wenige Licht, die ungewohnte Umgebung und die altmodische Einrichtung, trieben mir einen Schauer über den Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich leicht fröstelte, musste ich wieder an das Kratzen und das Klopfen denken. Was, wenn das doch nicht bloß Aufmunterungsversuche waren? Hätten Grace und Aaron überhaupt versucht, mich auf die Weise aufzumuntern? Was, wenn …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Au!“, schrie ich auf. „Pass mit deinen Fingernägeln auf!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Huh? Ich hab dich nicht einmal berührt“, erwiderte Grace verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Halbdunkel sah ich, wie sich kleine Blutstropfen entlang der Schramme an meinem Unterarm bildeten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es blutet sogar!“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt schaltete Aaron die Stehlampe neben seinem Sofa ein. „Was ist los?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nichts. Grace hat mich nur gekratzt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hab ich nicht!“, protestierte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt meinen Arm so, dass die beiden es sehen konnten. „Und wer war das dann? Der Geist?“, scherzte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch mein dämliches Grinsen sollte mir sofort wieder vergehen, als ein zweiter, stärkerer Schmerz durch meinen Unterarm fuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig beobachtete ich, wie sich ein zweiter Kratzer nur wenige Zentimeter von dem ersten entfernt, wie durch Geisterhand an meinem Arm bildete … Wobei das Wort „Geisterhand“ wahrscheinlich mehr als nur zutreffend war! Blut lief sofort aus der Wunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße! Das habt ihr doch auch gesehen, oder?“, fragte ich panisch, während ich die mit der Hand versuchte, die Blutung zu stoppen und mich panisch aus dem Schlafsack wühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zog mir meine Hose über, griff nach meinen anderen Sachen und rannte aus dem Haus. Es dauerte nicht einmal eine Minute, bis Grace und Aaron mir mit den restlichen Sachen folgten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fuck! Was war das?“, fluchte Grace.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keiner von uns antwortete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir auf der anderen Straßenseite standen und die Schlafsäcke zusammenrollten, sah ich ängstlich zu dem Sallie House zurück. Es kam mir vor, als würde es mich mit seinen dunklen Fenstern beobachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lasst uns den Schlüssel zurückgeben und dann nichts wie weg hier!“, beschloss ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines war jedenfalls klar: Ein Spukhaus würde ich so schnell nicht mehr betreten!</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Das Spukhaus:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Sallie House (Englisch für „Das Sallie Haus“) ist ein bekanntes und sehr umstrittenes Spukhaus in Kansas, USA. Es ist nach einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> benannt, der im 20. Jahrhundert dort gesichtet worden sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Haus:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Sallie House steht an der 508 North 2nd Street in Kansas, USA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es häufig heißt, dass das Haus um die Jahrhundertwende von 1899 auf 1900 gebaut worden sei, weisen Aufzeichnungen darauf hin, dass das Haus tatsächlich im Jahre 1867 gebaut wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2004 steht das Haus außerdem leer, wurde jedoch Paranormalforschern zugänglich gemacht. Außerdem werden Rundführungen angeboten und Leute können sogar für 125 bis 150 $ pro Person eine Nacht in dem Haus verbringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Legende:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> nach, soll in dem Haus früher ein Doktor gewohnt haben, der – je nach Version – seine eigene Tochter oder die Tochter eines Hilfesuchenden wegen eines geplatzten Blinddarms im Haus operiert haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mädchen soll die Operation jedoch nicht überlebt haben und auf dem Operationstisch gestorben sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Versionen gehen sogar so weit, zu behaupten, dass das Mädchen während der Operation aufgewacht und unter schlimmen Schmerzen verstorben sei oder der Doktor bei ihr gar kein Narkosemittel verwendet habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Legende hieß das Mädchen Sallie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch obwohl es allerlei Aufzeichnungen über das Haus, deren Besitzer und die Vergangenheit gibt und sogar einige Doktoren dort gelebt haben, hat sich diese Geschichte nie bestätigen lassen. Es scheint also tatsächlich nichts anderes, als eine Legende zu sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sallie:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bekanntheit erlangte das Sallie House erst Mitte der 1990er Jahre, als das Ehepaar Debra und Tony Pickman mehrere übernatürliche Phänomene erlebt haben – darunter auch die Erscheinung eines 7-jährigen Mädchens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie ein Medium zur Hilfe riefen, erklärte sie, dass der Geist Sallie heiße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe ihrer Nachforschungen sind die Pickmans schließlich auf die vor ihnen in dem Haus lebende Familie Humbard gestoßen. Heather, die Tochter der Humbards, hatte zu der Zeit, in der sie in dem Haus lebte, eine imaginäre Freundin, die ebenfalls Sallie hieß. Als die Pickmans ihr eine Zeichnung des Mädchens zeigten, bestätigte Heather, dass es sich um ihre imaginäre Freundin handle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sich später herausstellte, gab es in dem Haus tatsächlich einmal ein Mädchen, das den Spitznamen Sallie trug: Sarah „Sallie“ Margaret Mize, die 1948 in dem Haus gelebt hat. Dass es sich bei ihr um den Geist des kleinen Mädchens handelt, ist jedoch sehr unwahrscheinlich, da sie heute noch lebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Theorie besagt, dass es sich bei dem Mädchen um Sallie Isabel Hall handele, die im Jahre 1905 verstorben ist. Da sie jedoch schwarz war und als erwachsene Frau gestorben ist, dürfte sie als Kandidatin für den von Heather Humbard und den Pickmans als weißes Mädchen beschriebenen Geist ebenfalls nicht in Frage kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Sallie, die jung gestorben ist und mit dem Haus in Verbindung gebracht werden kann, ist nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Weitere Zwischenfälle:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem harmlosen – wenn auch manchmal Streiche spielenden – Geistermädchen namens Sallie, gab und gibt es jedoch noch andere Vorkommnisse in dem Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu gehören andere, weniger harmlose Erscheinungen von Geistern und <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämonen</a>, unerklärliche Stimmen oder Geräusche (z. B. ein Kratzen oder ein Klopfen) oder das Gefühl, nicht alleine zu sein. Viele dieser Vorkommnisse sind jedoch erst nach der Eröffnung des Hauses als Touristenattraktion entstanden – wobei man immer bedenken muss, dass einige Leute eine lebhaftere Fantasie haben, als andere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt auch einige Vorkommnisse, die sich nicht mit der bloßen Fantasie der Besucher erklären lassen. So sollen Fotoapparate und Handykameras sich manchmal von selbst auflösen oder Akkus sich unnatürlich schnell entladen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wesentlich interessanter finde ich hingegen die – meiner Meinung nach glaubwürdigeren – Zwischenfälle vor 2004, wo man über die Jahre einige Zusammenhänge erkennt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gab es einige mysteriöse Brände, die keine natürliche Ursache zu haben schienen. Die meisten von ihnen sind zwar lediglich von den Erzählungen der Pickmans bekannt, es gab jedoch auch vorher bereits ein Feuer ohne erkennbare Ursache im Kinderzimmer im Jahr 1958, sowie einen angeblich unerklärlichen Brand einiger Vorhänge. Interessant ist hierbei auch, dass die meisten Brände mit Kinderspielzeug oder dem Kinderzimmer zu tun hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Sallie soll es außerdem noch den Geist einer Frau in dem Haus geben, den Tony Pickman gesehen haben will. Sie soll sehr viel aggressiver als Sallie gewesen sein und ihm sogar sichtbare Kratzer zugefügt haben. Außerdem war sie einer der Gründe, warum die Pickmans nach nur zwei Jahren wieder aus dem Sallie House ausgezogen sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Anmerkung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die enorme Bekanntheit und die inzwischen eher fragwürdige Nutzung des Hauses als überteuerte Touristenattraktion, haben dem Ruf des Sallie Houses einiges an Schaden zugefügt. Hinzu kommt, dass der 2009 gedrehte Dokumentarfilm <em>The Sallie House – Gateway to the Paranormal</em> mit allerlei Spekulation, Gerüchten und bewiesenen Falschaussagen (wie z. B. der Geschichte über dem Doktor) um sich wirft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles hat – zusätzlich zu der generellen Skepsis am Paranormalen – dazu geführt, dass sowohl Leute, die an das Paranormale glauben, als auch Leute, die davon nicht überzeugt sind, das Haus für eine reine Touristenattraktion halten und die Forschungen in dem Haus nicht mehr ernst nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich persönlich finde das sehr schade, weil ich zwar der Meinung bin, dass Skepsis im paranormalen Bereich durchaus sinnvoll ist und man nach logischen Erklärungen suchen sollte, die eventuellen tatsächlichen paranormalen Aktivitäten im Haus jedoch durch den geschädigten Ruf bei vielen Leuten kaum bis gar keine Beachtung mehr finden.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr vom Sallie House? Denkt ihr, dass es dort wirklich spukt oder glaubt ihr nicht an so etwas? Würdet ihr eine Nacht dort verbringen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Die Roggenmuhme</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das, was dort aus dem Mais heraus trat, war nicht Mimi. Dafür erkannte ich das Wesen sofort – die dunkelgraue, fast schwarze Haut, die genauso dunkle Kleidung, das alte Aussehen mit den vielen Falten und trotzdem die beträchtliche Körpergröße und der aufrechte Gang, dazu das feurige Leuchten, das ihre klauenartigen Finger umschloss …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-roggenmuhme">Die Roggenmuhme</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/e0125cd0656d4c4d8bf23e18b1ea414e" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme hat dieses Jahr die Ehre, meine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Halloween-Legenden</a> einzuleiten. Wie der Name schon sagt, wird sie hauptsächlich mit Roggenfeldern in Verbindung gebracht. Technisch gesehen handelt es sich daher in meiner Geschichte um eine Maismuhme, ich habe mich wegen der Bekanntheit aber trotzdem für den Begriff „Roggenmuhme“ entschieden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sonne begann bereits, das Maisfeld in ein rotgoldenes Licht zu hüllen, als sich mein letzter Aufbauhelfer verabschiedete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Okay Frank, die letzte Deko steht. Ich mach mich dann auf den Heimweg!&#8220;, rief Jonas mir verabschiedend zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Alles klar. Bis morgen!&#8220;, rief ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war ebenfalls gerade fertig geworden, blieb jedoch noch einen Moment stehen und ließ meinen Blick stolz über das Feld schweifen. Nicht nur, dass die Maisernte dieses Jahr besonders gut ausfallen würde, wir waren auch noch einen Tag früher mit dem Maislabyrinth fertig geworden, als geplant, konnten also bereits morgen die ersten Besucher hineinlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Geld hatten wir auch dringend nötig. Die Jahr für Jahr schlimmer werdende Sommerhitze machte den Beruf als Bauer immer erschwerlicher. Deswegen waren die Einnahmen des Maislabyrinths eine große Hilfe – zumal es sich in der Zeit um Halloween einer großen Beliebtheit erfreute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Okay Mimi, wir machen auch Schluss für heute. Pack deine Puppen zusammen“, sagte ich, während ich mich zu meiner Tochter umdrehte. Dann stockte ich. „Mimi?“, sagte ich etwas lauter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor mir lag nur noch die Picknickdecke, die ich ihr hingelegt hatte und eine ihrer beiden Puppen. Von Mimi und Prinzessin Lala – ihre Lieblingspuppe, die sie überall mit hinnahm – fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dieses Gör“, grummelte ich leise. Sie wusste genau, dass sie nicht alleine in das Maislabyrinth gehen durfte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verärgert stapfte ich in Richtung Eingang. Hoffentlich war sie wenigstens an ihrem Lieblingsort – einem freien Platz in der Mitte des Felds, der jedes Jahr gleich war und etwa auf der Hälfte des Labyrinths lag. Dann müsste ich sie wenigstens nicht suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ging durch das Labyrinth und wollte gerade Mimis Namen brüllen, als ich plötzlich ein Rascheln im Mais neben mir hörte. Sofort blieb ich stehen und starrte angestrengt in das Gewirr aus Pflanzenstängeln, Blättern und Ackerboden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi? Mimi, bist du das?“, fragte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Antwort. War es bloß ein Hase oder ein anderes Tier, das jetzt zur Dämmerung aktiv wurde?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi! Wenn du das bist, komm sofort raus. Sonst gibt es eine Woche lang kein Fernsehen!“, forderte ich etwas strenger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es war nicht Mimi. Zumindest schloss ich das aus dem angsterfüllten Gekreische, das jetzt aus der Mitte des Feldes kam … Mimis Gekreische!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi!“, brüllte ich – jetzt mehr panisch, als wütend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar versuchte ich, mich damit zu beruhigen, dass sie sich bei dem immer schwächer werdenden Tageslicht bloß vor einer der Halloweendekorationen erschreckt hatte, aber welcher Vater machte sich keine Sorgen, wenn seine Tochter derartig kreischte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi!“, brüllte ich erneut, während ich die Gänge zwischen dem Mais entlang rannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso antwortete sie denn nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich konnte ich vor mir sehen, wie die Maiswände abrupt aufhörten. Ich hatte die Mitte erreicht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch als ich auf den Platz stolperte, fehlte von Mimi jede Spur. Hier standen nur eine grässliche Vogelscheuche, eine Riesenspinne in einem Plastiknetz und einige Kürbisse herum. Ich ging sogar zu dem Stand, wo wir tagsüber heiße Getränke und Kleinigkeiten zu Essen verkauften und schaute darunter, aber Mimi war nicht hier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür fand ich ihre Puppe Prinzessin Lala. Sie lag am Rand des Platzes bei den Maispflanzen. Mimi hatte Lala noch nie irgendwo liegen lassen. Wenn sie ihr herunterfiel – was äußerst selten vorkam – hob sie sie sofort wieder auf und entschuldigte sich mehrfach bei ihr. Sie hier im Dreck liegen zu lassen, sah Mimi ganz und gar nicht ähnlich!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi, wo bist du?“, brüllte ich jetzt aus voller Lunge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah mich weiter um, kniete mich sogar auf den Boden, um besser zwischen den Maispflanzen hindurchsehen zu können – vielleicht hatte sie sich ja bloß versteckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich raschelte es hinter mir im Mais.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gott sei Dank“, hauchte ich, schlug dann aber einen ernsteren Ton an. „Junge Dame, hab ich dir nicht wieder und wieder gesagt, dass du nicht alleine in das Maisfeld gehen sollst? Ich habe dir schon oft genug erklärt, dass …“ Doch mein nächstes Argument blieb mir im Hals stecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das, was dort aus dem Mais heraus trat, war nicht Mimi. Dafür erkannte ich das Wesen sofort – die dunkelgraue, fast schwarze Haut, die genauso dunkle Kleidung, das alte Aussehen mit den vielen Falten und trotzdem die beträchtliche Körpergröße und der aufrechte Gang, dazu das feurige Leuchten, das ihre klauenartigen Finger umschloss …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Roggenmuhme“, hauchte ich ungläubig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sah genauso aus, wie mein Vater es mir früher in den Schreckgeschichten beschrieben hatte, die dafür sorgen sollten, dass ich nicht in das Feld rannte oder die Pflanzen beschädigte … Jedoch hätte ich niemals gedacht, dass es sie wirklich gibt! Es war eine Geschichte, ein Märchen. Es gab keine Monster! … und doch stand sie hier vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Schock und die Angst meine Beine weich wie Butter werden ließen und meine Stimme brüchig machten, konfrontierte ich sie. Solange ich die Pflanzen nicht beschädigt hatte, sollte ich vor ihr sicher sein – zumindest, falls Vaters Geschichten der Wahrheit entsprachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„W-was wollt Ihr hier?“, stammelte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wandte sie sich zu mir. Sie musterte mich mit ihrem stechenden Blick von Kopf bis Fuß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe kein Problem mit dir, Bauer“, sagte sie mit ihrer krächzigen Stimme, die mir sofort eine Gänsehaut über den Rücken jagte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und mit meiner Tochter?“, hakte ich schnell nach. Gleichzeitig sendete ich ein Stoßgebet zum Himmel, dass Mimi nicht in Gefahr war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie hat meinen Pflanzen weh getan. Du weißt, was das heißt“, antwortete sie und ging weiter, ohne sich auch nur ein zweites Mal nach mir umzudrehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl sie nicht rannte, kam sie sehr schnell voran. Es dauerte keine fünf Sekunden, bis sie den Platz überquert hatte und auf der anderen Seite zwischen den Maispflanzen verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich ihr nachsah und verarbeitete, was ich gerade erlebt hatte, wurde mir bewusst, was die Roggenmuhme da gerade angedeutet hatte … Sie würde Mimi suchen und sie töten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn meine Tochter Glück hatte, würde sie sie lediglich einschlafen und friedlich sterben lassen, doch die meisten Geschichten waren sehr viel grausamer. Ich erinnerte mich daran, wie ich als Kind panische Angst davor hatte, von der Roggenmuhme in einem eisernen Butterfass zerstampft zu werden oder von ihr Gliedmaßen herausgerissen zu bekommen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber egal, was dieses Wesen auch mit meiner Mimi vorhatte, sie würde es nicht überleben. Ich musste meine Tochter vor ihr finden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi! Mimi!“, brüllte ich jetzt, während ich durch die Gänge das Labyrinths hetzte – stets darauf bedacht, keine der Pflanzen zu beschädigen, damit ich nicht auch noch zum Opfer der Roggenmuhme wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann, fast schon unerwartet, ertönte plötzlich eine piepsige, verheulte Stimme. „Papa? Ich bin hier!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb stehen, um zu lauschen. Aus welcher Richtung kam ihre Stimme? Um mich herum raschelten einige Pflanzen, aber kam das von ihr oder von der Roggenmuhme?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Kreischen ließ mich zusammenzucken. Dafür wusste ich jetzt, wo sie war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne zu zögern, rannte ich weiter, bog um eine Ecke und … stieß fast mit der Roggenmuhme zusammen. Sie war kleiner als vorhin … Nein, nicht kleiner, sie kauerte am Boden. Und direkt unter ihr lag …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mimi!“, schrie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein kleines Mädchen bewegte sich nicht. War sie bloß bewusstlos oder war sie …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte auf zu denken, während meine Instinkte einsetzten. Dass ich der gruseligen Strohpuppe neben mir die Harke aus der Hand gerissen hatte, bemerkte ich erst, als ich sie der Roggenmuhme mit vollem Schwung gegen die Brust donnerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme taumelte zurück, schien jedoch eher überrascht, als verletzt zu sein. Trotzdem ließ ich die Gelegenheit nicht verstreichen, nahm Mimi hastig auf die Arme und sprintete mitten durch den Mais. Ich wusste genau, dass ich in dieser Richtung in nur wenigen Metern aus dem Feld heraussein würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maisstängel, -kolben und -blätter schlugen mir ins Gesicht und verlangsamten meinen Sprint. Ich nahm keine Rücksicht mehr darauf, die Pflanzen nicht zu beschädigen. Wenn die Roggenmuhme mich einholte, würde sie mich jetzt auch töten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig ertönte hinter mir ein grässliches Geschrei, das voller Wut und Schmerz lag – dicht gefolgt von schnellen Schritten und einem starken Geraschel im Mais. Die Roggenmuhme hatte zu einem Sprint angesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Schritte hinter immer lauter wurden und das Geraschel immer näher klang, starrte ich angestrengt durch den Mais vor mir. Wann war das Feld endlich zu Ende?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt konnte ich auch ein wuterfülltes Schnauben und Keuchen hinter mir hören. Die Roggenmuhme hatte uns fast eingeholt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Flüchtig wagte ich einen Blick nach hinten. Eine feurige Kralle schoss genau auf meinen Hals zu. Gleichzeitig stolperte ich jedoch über etwas am Boden, sodass die Hand über mich hinweg schoss … und ich mit dem vollen Schwung des Sturzes aus dem Maisfeld rollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mimi lag neben mir, während ich mich benommen aufsetzte. Als mein Blick auf sie fiel, griff ich instinktiv nach ihr und fühlte ihren Puls. Gott sei Dank! Sie lebte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wanderte mein Blick weiter, auf die große, schwarze Kreatur, die direkt vor mir am Rand des Maisfeldes stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch griff ich nach Mimi und zog sie rückwärts robbend von ihr weg. Doch die Roggenmuhme regte sich nicht mehr. Sie stand einfach nur bedrohlich da und fixierte mich mit ihren Augen. Wie es aussah, konnte oder wollte sie das Maisfeld nicht verlassen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gib sie mir zurück, Bauer“, befahl sie ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Niemals!“, stieß ich aus. „War ich nicht immer gut zu Euch? Habe ich die Pflanzen nicht immer gepflegt?“, versuchte ich, zu verhandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das hast du“, krächzte die Roggenmuhme. „Deswegen bin ich bereit, dein Leben zu verschonen. Nicht aber das, deiner Tochter!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt starrte ich sie an. „Nein! Nein, Ihr könnt sie nicht haben!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sah die Roggenmuhme plötzlich sehr traurig aus. Ich hatte fast Mitleid, wenn es nicht das Leben meiner Tochter gehen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie du willst“, sagte sie mit derselben Traurigkeit in ihrer Stimme, die auch in ihrem Blick lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hob die Arme wie ein Priester, der eine Predigt beginnen möchte, nur dass sie keinen Segen brachte, sondern Tod. Die Pflanzen um sie herum begannen, sich zu verfärben und zu verschrumpeln. Die Blätter wurden schlaff, die Stängel knickten um und legten sich zu Boden, die Maiskolben begann, zu verfaulen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt drehte sich die Roggenmuhme um und ging zurück ins Kornfeld. Sie verschwand in dem Chaos, das sie geschaffen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gestank nach Fäulnis, der mir entgegenschlug, war fast unerträglich. Ich musste mitansehen, wie meine gesamte Lebensgrundlage vor meinen Augen vergammelte. All die Arbeit, all die Zeit, all das Geld waren umsonst gewesen. Doch das war mir gerade nicht wichtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Papa?“, murmelte Mimi schwach. Ihre kleinen Äuglein hatten sich geöffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, Gott sei Dank! Gott sei Dank!“, sagte ich. Ich schloss meine Tochter fest in die Arme. Und auch, wenn ich gerade fast alles verloren hatte, würde ich es jederzeit wieder tun.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme (veraltet für „Roggentante“) ist ein Korn<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dämon</a> der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutschen Sagenwelt</a>. Unter anderem Namen wird sie auch mit anderen Getreidearten in Verbindung gebracht, z.B. Kornmuhme, Weizenmuhme oder als etwas modernere Version auch Maismuhme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem trägt sie noch eine Vielzahl anderer Namen, wie altes Weib, Großmutter, alte Hure, große Hure, die Alte, Erntemutter, Feldweib und viele weitere.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen der Roggenmuhme gibt es verschiedenste Aussagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt aber häufig, dass sie eine großgewachsene, hässliche und sehr alte Frau sein soll. Außerdem soll sie sehr große und lange Brüste haben, die eine glühende Eisenspitze besitzen und mit Teer oder giftiger Milch gefüllt sind (daher wird sie im Harzgebiet auch „dat Tittewif“ genannt).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab hier gehen die Aussagen jedoch stark auseinander. Mal trägt sie Kleidung, mal ist sie nackt. In einigen Versionen ist sie völlig weiß, in anderen komplett schwarz. Mal sieht sie menschlich aus oder besteht sie zum Teil aus Eisen, besitzt Krallen und brennende oder glühende Finger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem kann sie sich in einigen Versionen in Tiere wie z. B. einen Wolf, eine Schlange, eine Schildkröte oder einen Frosch verwandeln oder hat Tiere bei sich wie z. B. ein Pferd, kleine Hunde oder Roggenwölfe – eine andere Art von Korndämonen, wegen denen sie manchmal auch als Mutter der Roggenwölfe bezeichnet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme hat in einigen Geschichten außerdem Werkzeuge bei sich, wie eine Rute, eine Peitsche, eine Sichel, eine Sense, Messer, eine Säge oder andere zum Töten oder Foltern geeignete Gegenstände.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<h4 class="wp-block-heading">Volksglaube und Tradition:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme hat von ihren Eigenschaften her viele Gemeinsamkeiten mit anderen Korndämonen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So sind die Bauern auf ihre Gnade angewiesen: Die Anwesenheit der Roggenmuhme macht das Feld fruchtbar, doch wenn der Bauer sie erzürnt oder sein Feld ungepflegter aussieht, als die anderen, kann sie das gesamte Feld verdorren lassen und den Bauern ruinieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher wird in bestimmten Regionen der Roggenmuhme bei der Ernte besondere Aufmerksamkeit geschenkt und es sind viele Rituale mit ihr verbunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielerorts heißt es, dass die Roggenmuhme oder ihr <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> sich in dem letzten Getreide befindet, das bei der Ernte noch auf dem Feld steht. Es wird häufig stehengelassen und zusammengebunden, bis es unter großen Feierlichkeiten abgeschnitten, teilweise sogar als Frau angezogen und feierlich behandelt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Regionen wird es hingegen gar nicht abgeschnitten, sondern als Opfergabe der Roggenmuhme hinterlassen – alternativ können auch Teile der Ernte aufs Feld zurückgelegt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles soll dazu dienen, die Roggenmuhme positiv zu stimmen, damit sie im folgenden Jahr wieder für eine gute Ernte sorgt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Schreckgestalt:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme entscheidet jedoch nicht nur über die Ernte, sondern ist auch seit Jahrhunderten als Kinderschreck bekannt. So erzählen Eltern ihren Kinder noch immer Geschichten über diese Frau, die jeden angreift, der sich unbefugt in einem Feld aufhält oder die Pflanzen zerstört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je nach Region und Erzählung kann sie dies auf verschiedenste Weisen tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So stopft sie die Kinder manchmal in einen Sack oder Korb und entführt sie, um sie später in einem eisernen Butterfass bei lebendigem Leibe zu zerstampfen oder nicht näher erläuterte Dinge mit ihnen zu tun. Manchmal soll sie die Kinder fressen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roggenmuhme kann die Kinder aber auch direkt vor Ort bestrafen oder töten. So kann sie ihnen die Augen auskratzen, ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Augenlicht auspusten, dafür sorgen, dass die Kinder sich verirren, verhungern oder einschlafen und nie wieder aufwachen oder sie mit ihren Werkzeugen foltern, sofern sie welche dabei hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr beliebt sind auch die Varianten, dass sie die Kinder in einer festen Umarmung erdrückt, sie erwürgt oder ihnen den Kopf, die Finger oder die Beine ausreist oder abschneidet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre wohl verstörendsten Methoden sind hingegen, dass sie die Kinder zwingt, den Teer oder die vergiftete Milch aus ihrer Brust zu trinken oder, dass sie sie mit ihren langen Brüsten erschlägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem gibt es noch viele andere <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legenden</a>, denen zufolge sie ihre Opfer an die Roggenwölfe verfüttert oder sie auf andere grausame Weise tötet. Aber ich denke, dass die bisherigen Beispiele mehr als ausreichen, um ihre Grausamkeit zu zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Gedichten heißt es außerdem, dass verirrte Kinder, die von der Roggenmuhme verfolgt werden, nicht mehr aus dem Kornfeld herauskommen, egal, wie lange sie laufen. Ob das als Stilmittel gedacht war, als Übertreibung, um die Dramatik zu verstärken, oder als tatsächliche Eigenschaft der Roggenmuhme, weiß ich jedoch nicht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann die Roggenmuhme hauptsächlich auf Roggenfeldern antreffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manche Leute behaupten, sie tauche besonders häufig zwischen 12 und 13 Uhr auf, um die Feldarbeiten zu beobachten, andere sagen, ihr Erscheinen wäre nicht von der Uhrzeit abhängig.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Korndämonen sind aus dem früheren Glauben über Ernte- und Vegetationsgötter entstanden. Da das Christentum andere Glaubensrichtungen dämonisiert hat, wurden aus den meist gutartigen Göttern mit der Zeit Dämonen und böse Geister.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man erkennt den Bezug zu den altertümlichen Gottheiten jedoch immer noch in den Ritualen wieder, bei denen den Korndämonen Teile der Ernte als Opfergaben dargebracht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später hat sich die Legende der Roggenmuhme hauptsächlich als Kinderschreck und in literarischer Form – als Gedichte und Geschichten, darunter auch eine Geschichte der Gebrüder Grimm, die den Namen „Die Roggenmuhme“ trägt – verbreitet, weswegen sie noch immer bekannt ist.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Roggenmuhme? Bevorzugt ihr eine andere Version der Legende? Wie hättet ihr an Franks Stelle reagiert? Schreibt es mir in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-roggenmuhme">Die Roggenmuhme</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Black Eyed Children – Die schwarzäugigen Kinder (überarbeitet)</title>
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					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/black-eyed-children#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Creepypasta]]></category>
		<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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		<category><![CDATA[Black Eyed Children]]></category>
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		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Jetzt lassen Sie uns rein!“, befahl das Mädchen sehr aufdringlich.<br />
In diesem Moment sahen beide Kinder gleichzeitig auf. Erschrocken taumelte ich zurück.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/black-eyed-children">Black Eyed Children – Die schwarzäugigen Kinder (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Black Eyed Children waren mein aller erster Beitrag auf diesem Blog, der zusammen mit drei anderen Beiträgen am 01. April 2019 von mir veröffentlicht wurde. Daher habe ich mich entschieden, diesen Artikel zu überarbeiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein regnerischer Herbstabend – aber keiner von den gemütlichen, an denen man sich wohl und geborgen fühlt. Ganz im Gegenteil: Ich war noch immer angespannt von meinem anstrengenden Tag auf der Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Einzige, auf das ich mich heute gefreut hatte, war, mich am Abend mit meinem Mann aufs Sofa zu legen und bei einem mittelmäßigen Krimi in seinen Armen einzuschlafen. Als ich ankam, war er jedoch noch nicht da. Dafür müsste er jeden Moment hier sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war gerade dabei, mir einen Tee aufzusetzen, als ich plötzlich Schritte vor dem Küchenfenster hörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Na endlich’, dachte ich. Dann zögerte ich. Es klang nach mehr als einer Person – zwei, vielleicht drei Leute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte aus dem Küchenfenster in Richtung Straße, konnte in der Dunkelheit in unserem Vorgarten jedoch nichts erkennen. Wenn es nicht mein Mann war, wer war es dann? Hoffentlich waren es keine Einbrecher!</p>



<p class="wp-block-paragraph">So leise ich konnte, schlich ich in den Flur. Ich nahm den Baseballschläger, den mein Mann zur Selbstverteidigung dort hingestellt hatte, und ging weiter zur Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig legte ich meine Hand auf die kalte Türklinke, als es plötzlich klingelte. Das Geräusch war so laut und unerwartet, dass ich meine Hand erschrocken wegzog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer würde bitte um kurz nach elf noch bei uns klingeln? Und das bei dem Regen? War es vielleicht ein Mörder? Ich hatte schon häufiger davon gehört, dass Mörder und Vergewaltiger nachts an Türen klingelten, einen Grund nannten, warum sie ins Haus wollten – etwa weil sie dringend auf die Toilette müssten oder ihr Handy Akku leer sei – und dann zuschlugen, wenn die Tür hinter ihnen geschlossen war …</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Ach Susy, du bist wieder zu paranoid‘, dachte ich. Aber was, wenn nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein erneutes Klingeln ließ zusammenzucken. Sollte ich die Tür öffnen? War es vielleicht etwas Wichtiges?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich umschloss den Baseballschläger fester mit meiner Hand und gab mir einen Ruck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch einen schmalen Spalt geöffneter Tür spähte ich nach draußen. „Ja bitte?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann erstarrte ich. Dort standen tatsächlich zwei Personen vor der Haustür. Es waren aber keine Mörder und ganz sicher keine Vergewaltiger. Es waren zwei Kinder. Ein Junge und ein Mädchen, sicherlich nicht älter als zwölf. Das Mädchen weinte. Sie waren völlig durchnässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Können Sie uns bitte hereinlassen? Wir würden gerne kurz telefonieren“, sagte der Jung ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn verwundert an. Ein Unwohlsein breitete sich in mir aus. Irgendetwas an den Kindern war seltsam. Trotzdem öffnete ich die Tür ganz und stellte den Baseballschläger beiseite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist denn los? Wieso seid ihr nachts bei dem Wetter ganz alleine unterwegs? Wo sind eure Eltern?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die wollen wir ja anrufen. Ein fremder Mann hat uns verfolgt“, antwortete der Junge. In seiner Stimme lag jedoch keinerlei Panik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich ungewöhnlich für so einen schüchternen Jungen. Er hielt die ganze Zeit den Kopf gesenkt, sprach aber völlig normal. Das Mädchen weinte noch immer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne weiter darüber nachzudenken, zog ich mein Handy aus der Tasche. „Wie ist denn eure Telefonnummer?“, fragte ich, während ich in die Hocke ging, damit die Kinder sich nicht eingeschüchtert fühlten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Junge senkte seinen Kopf noch weiter, als wolle er meinem Blick ausweichen. Dann schüttelte er den Kopf. „Wir wollen unsere Eltern selbst anrufen!“, sagte er mit entschlossener, fast schon befehlender Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwas irritiert hielt ich dem Jungen mein Handy hin, doch er machte keine Anstalten, es an sich zu nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! Das Festnetztelefon!“, sagte das Mädchen plötzlich. Es hatte aufgehört zu weinen, sah aber ebenfalls zu Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kennt ihr die Vorwahl nicht? Die kann ich euch sagen, dann müsst ihr nur die Nummer eingeben“, erwiderte ich verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lassen Sie uns einfach rein!“, sagte der Junge streng.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ungute Gefühl in mir wurde stärker.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dürfen wir vielleicht kurz die Toilette benutzen?“, fragte der Junge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oder einen Schluck trinken?“, ergänzte das Mädchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso wollten die beiden Kinder so unbedingt in mein Haus kommen? Froren sie bloß? Oder war das irgendeine Art Trick?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verstohlen sag ich die Straße entlang. Dort war nichts Ungewöhnliches zu sehen. Keine einzige Menschenseele, die im Regen stand oder ging. Nicht einmal ein Auto, das ich nicht kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ihr kurz wartet, kann ich euch etwas zu Trinken bringen. Aber ich kann euch wirklich nicht ins Haus lassen“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt lassen Sie uns rein!“, befahl das Mädchen sehr aufdringlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Moment sahen beide Kinder gleichzeitig auf. Erschrocken taumelte ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort, wo die Augen der Kinder hätten sein müssen, waren pechschwarze Löcher. Auf einen zweiten Blick bemerkte ich, dass die Löcher in Wirklichkeit die Augenwaren. Ihnen fehlte jeder Glanz, jede Farbe. Keine Reflexion, nicht einmal ein kleines bisschen Weiß war zu sehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne ein weiteres Wort zu sagen, schlug ich die Tür zu. Dann Schoss ich ab und griff nach dem Baseballschläger. Ich setzte mich mit dem Rücken an die Tür, als könne mein Körper die Tür zusätzlich daran hindern, geöffnet zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Kinder – oder was auch immer sie waren – würde ich niemals in das Haus lassen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Klingeln traf mich wie ein Schlag. Hatte ich den Kindern nicht klar gemacht, dass ich sie nicht hereinlassen würde!? Doch sie beließen es nicht dabei. Nein. Es begann ein regelrechtes Sturmklingeln!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß wie versteinert da, den Baseballschläger so fest in den Händen, dass meine Knöchel weiß hervortraten. Wieso gingen die Kinder nicht weg?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als hätten sie meine Gedanken gelesen, hörte das Klingeln plötzlich auf. Verunsichert drehte ich mich zur Tür. Ich lauschte. Von draußen waren keine Schritte zu hören. Standen die Kinder noch dort?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig stand ich auf. Dann blockierte ich die Tür mit dem Fuß, sodass sie sich nur einen Spalt breit öffnen ließ, und spähte nach draußen. Die Kinder waren verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert atmete ich auf. Jetzt musste nur noch mein Mann nach Hause kommen und ich konnte das alles vergessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer recht aufgewühlt, schlenderte ich zurück in die Küche. Mein Tee war inzwischen nur noch lauwarm. Ich trank ihn trotzdem, während ich versuchte, mich zu beruhigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nervös sah ich zur Uhr. Es war inzwischen halb zwölf. Langsam musste mein Mann doch hier sein!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte bereits darüber nach, ins Bett zu gehen, wusste aber genau, dass ich alleine kein Auge zubekommen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hörte ich plötzlich ein Geräusch aus dem Flur. Ich bewegte mich keinen Zentimeter, hielt sogar den Atem an. Wenn das jemand anderes als mein Mann war …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schatz, ich bin wieder zu Hause!“, erklang eine vertraute Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert sprang ich auf. Ich war bereits im Flur, als ich in der Bewegung erstarrte. Mein Mann war nicht alleine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die beiden haben auf der Auffahrt rumgelungert. Kannst du dir das vorstellen? Bei dem Regen? Sie wollen jedenfalls kurz unser Telefon benutzen“, sagte er und deutete auf die beiden Kinder.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die urbane Legende der schwarzäugigen Kinder, auch Black Eyed Children oder Black Eyed Kids genannt, ist vor allem in Amerika weit verbreitet. Dort gibt es immer wieder Leute, die behaupten, die seltsamen Kinder gesehen zu haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Black Eyed Children sehen wie normale sechs bis sechzehnjährige Kinder aus. Die einzigen Unterschiede sind, dass sie komplett schwarze, glanzlose Augen und eine sehr helle Haut haben sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berichte über sie variieren meist zwischen einzelnen Kindern und Zweierpaaren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass die Black Eyed Children nachts Leute besuchen. Sie klingeln an Haustüren oder klopfen an Autoscheiben und bitten darum, hereingelassen zu werden. Häufig nennen sie hierbei einen Vorwand: Sie müssten auf Toilette, fragen, on sie kurz telefonieren könnten, würden gerne im Auto mitgenommen werden o.Ä.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sollen jedoch eine so unheimliche Ausstrahlung haben, dass die meisten Leute sie nicht hereinlassen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen die Kinder Augenkontakt meiden und mit ihren Forderungen, in das Haus oder Auto gelassen zu werden, immer aufdringlicher werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Fällen sehen die Black Eyed Children schließlich auf, wodurch man ihre schwarzen Augen sieht. Sie fordern weiterhin, dass man sie hereinlässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn dies immer noch nicht geschieht, sollen sie nach einiger Zeit aufgeben und weggehen, woraufhin sie spurlos verschwinden sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt viele Theorien darüber, wer oder was die Black Eyed Children wirklich sind. Einige Leute behaupten, es seien Geister, andere sagen, es seien Dämonen oder von Dämonen besessene Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sogar Leute, die davon ausgehen, dass es sich bei den schwarzäugigen Kindern um Vampire handelt. Als Anlass dafür werden die bleiche Haut, die fast ausschließlichen Sichtungen bei Nacht, sowie die Aufdringlichkeit der Kinder genannt, in das Haus gelassen zu werden, da Vampire Häuser ohne vorherige Einladung nicht betreten können sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wer oder was die schwarzäugigen Kinder auch sind, es gibt niemanden, der je glaubwürdig davon berichtet hat, was passiert, wenn man die Kinder hereinlässt – es heißt, das liege daran, dass sie es nicht mehr berichtet können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wo genau die schwarzäugigen Kinder herkommen oder die meiste Zeit über leben, ist nicht bekannt. Man weiß nur, dass sie nachts auftauchen und es die meisten Sichtungen in Amerika gibt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Ursprung der urbanen Legende der Black Eyed Children ist nur wenig bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird vermutet, dass die ersten Sichtungen in den 1980er Jahren in Cannock Chase, England waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte jedoch bis 1996, dass die Legende an Popularität gewann, als der amerikanische Journalist Brian Bethel von seiner Begegnung mit zwei Black Eyed Children berichtet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend soll sich die Legende dann im Internet – in Form von angeblichen Zeugenberichten und später Creepypastas – wie ein Lauffeuer verbreitet haben, wodurch die Legende der schwarzäugigen Kinder ihre heutige Beliebtheit erlangte.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Black Eyed Children? Wie würdet ihr reagieren, wenn die schwarzäugigen Kinder vor eurer Tür stehen oder an euer Autofenster klopfen würde? Seid ihr vielleicht sogar schonmal einem begegnet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em> </p>
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		<title>Yamauba</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/yamauba</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Sep 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
		<category><![CDATA[Berghexe]]></category>
		<category><![CDATA[Dämon]]></category>
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		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Yokai]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Und Yōko traute ihr. Obwohl sie die Frau nicht kannte, war sie sich sicher, dass sie ihr nichts Böses wollte. Dafür war sie viel zu nett, zu fürsorglich. Doch das war die eine Sache, bei der Yōko sich irrte ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/61c584a33f9042ba9287a738e26efec4" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Yamauba sind <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> des japanischen Volksglaubens, die in den Bergen leben und auf verirrte Wanderer hoffen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich muss dich warnen“, begann ich. „Was ich dir jetzt erzähle, ist keine schöne Geschichte. Sie ist sogar etwas gruselig, aber ich denke, du solltest sie hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist bereits viele, viele Jahre her, dass ein Mädchen sich in den Bergen verlaufen hat. Nennen wir sie Yōko. Das ist nicht ihr richtiger Name, aber der ist auch nicht so wichtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yōko war nur knapp älter als dein großer Bruder. Fünfzehn, um genau zu sein – sie war also größer und kräftiger als du. Doch trotzdem ist sie in Gefahr geraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einem Klassenausflug in den Bergen wurde Yōko von einigen anderen Mädchen geärgert, weswegen sie in den Wald gelaufen ist. Eigentlich wollte sie nur einen Moment alleine sein, doch weil sie ein Stadtkind war, das nie gelernt hatte, sich in Wäldern zu orientieren, hatte sie sich bald verirrt. Nicht einmal die Steigung des Berges half ihr dabei, zum Weg zurückzufinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie brüllte die Namen ihrer Freunde, den Namen ihrer Lehrerin, sie schrie sogar um Hilfe. Doch niemand konnte sie hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je mehr sie versuchte, zu ihrer Klasse zurückzufinden, desto weiter verirrte sie sich. Als es dann zu allem Überdruss auch noch zu Regnen begann, setzte Yōko sich unter einen Baum und weinte. Sie weinte, weil ihre Freundinnen sie geärgert hatten, weinte, weil sie ihre Klasse verloren hatte, und sie weinte, weil sie jetzt völlig durchnässt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann tauchte plötzlich – wie aus dem Nichts – diese Frau auf, während es wie durch ein Wunder schlagartig zu regnen aufhörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Aber Kleines, wieso weinst du denn?‘, hatte die Frau gefragt. Sie hatte die wärmste und freundlichste Stimme, die du dir nur vorstellen kannst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie wirkte sehr alt und ich fühlte … <em>Yōko</em> fühlte sich sofort geborgen. Sie erinnerte sie an ihre Oma.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Ich wurde von meiner Klasse getrennt‘, jammerte Yōko.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Und du bist ja auch völlig durchnässt‘, merkte die alte Frau an. ‚Komm mit. Ich hab hier in der Nähe eine Hütte. Da kannst du dich aufwärmen!‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yōko zögerte nicht lange. Sie wusste, dass sie nicht mit Fremden gehen sollte, aber die Frau wirkte so unschuldig. Außerdem war sie so alt, dass Yōko bezweifelte, dass von ihr eine Gefahr ausging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Frau hatte nicht gelogen: Sie hatte eine Hütte in der Nähe. Es war eine schöne Holzhütte, in deren warmen und trockenen Inneren man sich sofort geborgen fühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die alte Frau gab Yōko eine warme Decke, in die sie sich einwickeln konnte. Es war eine beige Wolldecke, die mit kleinen, niedlichen Häschen bestickt war. Dann hängte sie Yōkos nasse Kleidung über den Kamin und machte ihr einen Tee. Gemeinsam warteten sie, bis die Kleidung trocken war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Kleidung wurde nicht trocken. Es war, als würde ein dunkler Zauber auf ihr liegen, der sie gegen das Feuer immun machte. Normalerweise hätte es über dem warmen Kamin nur Minuten dauern dürfen, doch in diesem Fall war es anders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen erzählte die alte Frau Geschichten aus ihrem Leben und fragte Yōko nach der Schule, ihren Freunden, ihren Eltern, sodass sie völlig das Zeitgefühl verlor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst als es langsam dämmerte, sprang Yōko erschrocken auf. ‚Ich sollte jetzt wirklich los‘, sagte sie. ‚Meine Eltern machen sich bestimmt schon Sorgen!‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die alte Frau hinderte sie nicht daran, doch als Yōko ihre Kleidung von Kamin nehmen wollte, war sie noch immer nass – zu nass, um sie anzuziehen, ohne eine Erkältung zu riskieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau schien genau so verwundert zu sein, wie Yōko. Sie konnten sich nicht erklären, wieso die Kleidung nicht trocknen wollte – zumindest tat sie so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Wie wäre es, wenn du hier übernachtest und ich dich morgen bei Tagesanbruch zu den Miethütten bringe, die hier in der Nähe stehen? Der Verwalter dort hat ein Telefon‘, schlug die Frau vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Yōko traute ihr. Obwohl sie die Frau nicht kannte, war sie sich sicher, dass sie ihr nichts Böses wollte. Dafür war sie viel zu nett, zu fürsorglich. Doch das war die eine Sache, bei der Yōko sich irrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du musst wissen, die alte Frau war keine normale alte Frau. Sie war eine Yamauba – eine Berghexe. Ein Wesen, das dafür bekannt ist, Menschen zu fressen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tagsüber verwandeln sie sich mit ihrer Magie in eine unschuldige alte Frau. Doch des Nachts, wenn sie ihre Tarnung nicht mehr brauchen, werden zu einer Bestie. Ihre grauen Haare werden wirr und weiß, ihre Haut blass und schlaff, ihre Augen verlieren ihren Glanz und ihre Kleidung wird ausgebleicht und lumpig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das Schlimmste an ihnen ist wohl der Mund. Er wird riesig und zieht sich fast von einem Ohr zum anderen. Ich denke, das ist, damit sie ihre Opfer leichter fressen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yōko lag also auf der Couch in die beige Decke mit den kleinen Häschen gewickelt, während sie versuchte, zu schlafen. Doch sie war zu tief in ihren Gedanken versunken. Was würden ihre Eltern denken? Wie würden sie regieren, wenn sie zurück nach Hause kam? Wären sie erleichtert oder wären sie wütend, weil Yōko weggelaufen war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich hörte Yōko ein Geräusch aus dem Schlafzimmer. Es war eine Art Grunzen oder Stöhnen. Jedenfalls klang es nicht menschlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Barfuß schlich sie zu der Tür, die einen Spalt breit offen stand. Als sie hinein spähte, erschrak sie: Was dort auf dem Boden hockte, war nicht die alte Frau von vorhin. Es war ein Bündel aus wirren Haaren, die über ihre Schultern fielen und zerfetzter Kleidung. Ihr Blick war völlig wahnsinnig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Vielleicht sollte ich sie roh essen‘, murmelte die Yamauba vor sich hin. ‚Aber ich hatte schon so lange keinen frischen … saftigen … Menschen mehr. Ich sollte es genießen. Vielleicht sollte ich sie kochen?‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann sprang die Yamauba plötzlich auf und kam in Richtung Tür. Yōko wusste nicht, wo sie hinsollte. Sie durfte keinen Lärm machen. Also rannte sie auf Zehenspitzen zurück zum Sofa und legte sich hin. Gerade noch rechtzeitig. Bereits im nächsten Moment hatte die Frau die Tür erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie stapfte ins Wohnzimmer, blieb neben Yōko stehen. Mit einem langen, dünnen Finger fuhr sie über die Haut von Yōkos Schulter, während Yōko darauf achtete, keinen Mucks von sich zu geben. Sie bemühte sich, langsam zu atmen und so zu tun, als würde sie schlafen, machte sich aber gleichzeitig dazu bereit, sich mit allen Kräften zu wehren, falls die Hexe sie angreifen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch zum Glück entschied sie, Yōko nicht sofort zu fressen. Sie ging weiter zur Eingangstür und verschwand draußen in der Dunkelheit der Nacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yōko wartete angespannt, achtete auf jedes Geräusch. Erst, als sie die Schritte nicht mehr hören konnte, sprang sie schließlich auf. Sie schlich zur Tür. Doch als sie sie öffnen wollte, konnte sie sie nicht öffnen. Merkwürdig. Dabei hatte Yōko doch gar nicht gehört, wie die Frau die Tür abgeschlossen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Yōko hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Sie musste aus der Hütte raus, bevor die Frau wiederkam. Leider konnte man die Fenster nicht öffnen, doch sie bestanden nur aus Holz und Glas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yōko zögerte nicht lange, nahm einen Stuhl, der vor einem Fenster stand und zerschmetterte das Glas. Sorgfältig schlug sie die Scherben aus dem Rahmen, um sich nicht zu verletzen, und kletterte nach draußen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne sich umzusehen, rannte sie in die kalte Nacht – mit nichts bekleidet, als der beigen Decke mit den Häschen darauf. Sie rannte, bis ihre Füße wund waren, und hielt erst an, als sie in der Ferne Lichter sehen konnte. Es waren die Miethütten, von denen die Yamauba geredet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenigstens hatte die alte Frau dabei nicht gelogen. Aber sie hatte bei etwas anderem gelogen: Sie hatte alles in ihrer Macht Stehende getan, damit Yōko ihr vertraut hatte und bei ihr blieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und deshalb, solltest du nie, wirklich niemals einem Fremden vertrauen, egal, wie freundlich oder harmlos er wirkt. Deshalb hat Mama dich vorhin angeschrien, als du mit dem fremden Mann auf dem Parkplatz gesprochen hast, als sie dich abgeholt hat. Sie war nicht böse auf dich. Sie hatte Angst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kleine Hiro sah mich mit großen Augen an. Er hatte kein einziges Wort gesagt, da seine Eltern im beigebracht hatten, andere nicht zu unterbrechen. Also ließ ich ihm jetzt eine Pause für seine Fragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du, Oma?“, fragte er. „Hat man die böse Frau verhaftet?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte, während ich in Gedanken schwelgte. Die Polizisten und einige Freiwillige hatten den gesamten Wald nach ihr abgesucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein“, sagte ich. „Die Yamauba war wie vom Erdboden verschluckt. Nicht einmal ihre Hütte hat man gefunden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hiro schwieg. Er schien nachzudenken. Dann öffnete er wieder den Mund. „Also ist die Hexe immer noch da draußen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich weiß es nicht“, gestand ich. „Aber keine Sorge. Wenn du nicht mit ihr gehst, kann sie dir nichts anhaben. Und jetzt schlaf. Ich habe dich schon viel zu lange wach gehalten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hiro leistete keine Widerrede. Er legte sich hin und sog die Bettdecke bis zum Kinn. „Gute Nacht, Oma“, sagte er. Dann zögerte er. „Kannst du das Licht im Flur anlassen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber natürlich mein Schatz. Gute Nacht!“, erwiderte ich. Dann ging ich auf den Flur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte diese Nacht noch häufiger an meine Nacht in der Waldhütte. Wie die Erwachsenen nach und nach aufgehört hatten, meine verrückte Geschichte zu glauben, bis sie die Suche nach der Yamauba schließlich aufgaben. Doch ich hatte den Beweis: Meine Kleidung von jenem Tag war nie wieder aufgetaucht. Stattdessen besaß ich seither jedoch eine beige Wolldecke, die mit kleinen Hasen bestickt war. Ich hatte mich in all den Jahren nie getraut, sie wegzuwerfen …</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Yamauba (Japanisch für „Berghexe“) sind als unschuldige alte Frau getarnte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a>, die in den Bergen leben und unwissende Wanderer in ihre Hütten oder ihr Häuser locken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird vermutet, dass sie zu den weiblichen Oni gehören.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass Yamauba entstehen können, wenn eine kriminelle Frau in die Wälder oder Berge flieht, um sich dort über längere Zeit zu verstecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Versionen besagen, dass Yamauba früher alte Frauen waren, die in die Berge geführt und dort zum Sterben zurückgelassen wurden. Dies soll z.B. während der Hungersnöte der Edo-Periode (1603 bis 1868) häufiger vorgekommen sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meiste Zeit über sehen Yamauba wie gewöhnliche alte Frauen aus. Sie werden hierbei oft als freundlich und warmherzig beschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Aussehen ist jedoch lediglich eine Täuschung, um Leute dazu zu bringen, der Frau zu vertrauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr wahres Aussehen soll das einer hässlichen alten Frau sein. Sie soll zerlumpte, dreckige Kleidung tragen und ihre langen weißen Haare sollen wirr und ungepflegt sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen sie einen sehr großen bzw. breiten Mund haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In selteneren Fällen soll sich die Yamauba auch als junge hübsche Frau tarnen oder Hörner und Reißzähne besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem habe ich zwei Seiten gefunden, die davon berichten, dass die Yamauba ähnlich die wie die Futakuchi-Onna einen Mund unter ihren Haaren am Hinterkopf hätten. Ich habe jedoch nichts Genaueres hierzu gefunden, was diese Aussage belegen konnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Yamauba können sehr vielseitig sein. Meistens werden sie als böse dargestellt, sie können jedoch auch eine gute Seite haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gibt es Geschichten von einer Yamauba, die ein verwaistes Kind großzieht oder einer Yamauba, die eine Theatertruppe verschont, nachdem diese ihr Stück über eine Yamauba vorführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da diese Ausführungen meinen Beitrag jedoch sprengen würden, beziehe ich mich hier nur auf die bösartigen Yamauba, die verirrte und erschöpfte Wanderer in ihre Hütte locken und angreifen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie tarnen sich meist als alte, harmlose und häufig sehr freundliche alte Frau, die den Wanderern eine Unterkunft für die Nacht und etwas zu Essen anbietet. Wenn man ihr Angebot annimmt und tatsächlich in ihrer Hütte schläft, zeigen sie des Nachts jedoch ihr wahres Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entweder sollen sie ihre Gäste töten und verspeisen, oder aber sie sollen – wahrscheinlich ist diese Version erst mit den westlichen Einflüssen entstanden – ihre Gäste gefangen halten, mästen und dann erst verspeisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig heißt es außerdem, dass sie starke Magie beherrschen. Abgesehen davon, dass ihre Magie dunkel sein soll, habe ich jedoch nichts darüber herausfinden können, welche Kräfte sie neben ihrer Gestaltwandlung beherrschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem soll es nicht unmöglich sein, die Begegnung mit einer Yamauba zu überleben. So gibt es Geschichten, in denen sich ihre potentiellen Opfer aus dem Haus schleichen konnten oder die Hexe gar mit kochendem Wasser überschüttet haben, um zu fliehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Yamauba leben meist in einer einsamen Hütte in den Bergen, wo sie erschöpften oder verirrten Wanderern leicht Unterschlupf bieten können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legenden</a> und Geschichten über Yamauba existieren bereits mindestens seit dem 12. Jahrhundert. Wodurch genau ihre Legende entstanden ist, konnte ich jedoch nicht herausfinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt im Internet häufiger, dass die Yamauba entstanden seien, als man bei den Hungersnöten in der Edo-Periode alte Menschen in die Berge gelockt und dort zum sterben zurückgelassen hat. Die Menschen sollen dies angeblich getan haben, da sie sonst nicht genau Essen für alle gehabt hätten. Andere Aussagen gehen sogar so weit, dass die Menschen die älteren Menschen getötet und gegessen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Edo-Periode jedoch erst einige hundert Jahre nach den ersten bekannten Erwähnungen der Yamauba begann, kann diese Theorie nicht stimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage werden Yamauba übrigens gerne als Kinderschreck genutzt und sind noch immer in der Kultur beliebt.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Yamauba? Wie hättet ihr reagiert, wenn ihr euch in den Bergen verirrt hättet und eine alte Frau euch ihre Hilfe angeboten hätte? Schreibt es mir in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Mothman &#8211; der Mottenmann (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2020 13:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich mich ihr wieder zuwandte, erschrak ich. Sofort stellten sich mir sämtliche Haare auf. Zwei große, rot leuchtende Augen starrten mich direkt an ...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Mothman ist einer meiner ältesten und meist geklicktesten Beiträge, die ich bisher veröffentlich habe. Daher habe ich mich entschieden, die Geschichte und die Hintergrundinformationen zu überarbeiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir die Waldstraße entlangfuhren, konnte ich aus dem Augenwinkel sehen, wie Leah – meine Freundin – gedankenverloren in den sternenbesetzten Himmel starrte. Ihre Augen funkelten wie die Sterne. Doch ich konnte die Atmosphäre nicht genießen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unruhig wippte ich mit dem Bein, während ich zur Uhr sah. Ich würde es nicht mehr schaffen, bis wir Zuhause in Point Pleasant waren …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich fast eine Vollbremsung einlegte, bemerkte ich Leahs verwirrten Blick von der Seite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, fragte sie, während ich mich abschnallte und aus dem Auto sprang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hab gehofft, dass ich bis Zuhause durchhalte, aber ich mach mir gleich in die Hose!“, sagte ich, bevor ich zu den Bäumen rannte, um mich zu erleichtern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte, wie auch Leah ausstieg. Sie lehnte sich ans Auto und zündete sich eine Zigarette an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hörst du das?“, fragte sie plötzlich, als ich gerade dabei war, meinen Reißverschluss zu schließen. Ich hielt in der Bewegung inne, um zu lauschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bleib beim Wagen. Ich seh mal nach“, sagte ich, traute mich aber nicht, Leah anzusehen. Ich befürchtete, dass sie mein breites Grinsen sehen würde. Gehört hatte ich nämlich nur den Wind, der durch die Bäume peitschte und die Blätter zum Rascheln brachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lass gut sein. Das sind sicher nur Hot Rods“, rief Leah mir nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Hot Rods bezeichneten wir Fans der gleichnamigen Autos aus den 20er bis 40er Jahren. Es war kein Geheimnis, dass hier in der Nähe einer ihrer Treffpunkte war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um die Uhrzeit?“, rief ich zurück. Ich würde mir meinen kleinen Scherz nicht verderben lassen. „Ich seh lieber mal nach.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leah rollte mit den Augen. Ahnte sie etwas? Egal, jetzt würde ich es durchziehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mond leuchtete so hell, dass ich selbst ohne Taschenlampe den Waldboden vor mir problemlos erkennen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trockene Blätter und Äste knackten unter meinen Schuhen, während ich mich immer wieder verstohlen zu Leah umsah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich sie schließlich nicht mehr sehen konnte, drehte ich mich um. Mit einem breiten Grinsen legte ich die Hände wie einen Trichter an den Mund. Der markerschütternde Schrei blieb mir jedoch in der Kehle stecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Direkt hinter mir ertönte ein merkwürdiges Geräusch: <em>Woooosh, woooosh, woooosh</em>. Wie die Schwingen eines riesigen Vogels.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beunruhigt sah ich mich um. Bewegte sich dort etwas zwischen den Baumkronen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da! Es war ein gigantischer Vogel, der über die Bäume glitt. Neugierig beobachtete ich, wie er sich einer Lichtung näherte und langsam zu Boden sank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er auf dem Boden stand, erkannte ich, wie riesig er war: Sein Körper war bestimmt zwei Meter hoch, seine Flügelspanne war noch größer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann bemerkte ich etwas, das sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlte: Das war kein Vogel!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mondeslicht konnte ich deutlich seine kräftigen Arme und Beine erkennen. Die Flügel hingegen ragten wie bei einem Engel aus seinem Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Proportionen waren irgendwie … falsch. Seine Finger waren zu lang, erinnerten eher an Klauen. Und seine Arme und Beine waren extrem muskulös.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während das Wesen am Boden kauerte, bewegte ich mich keinen Zentimeter. Mein Herz raste so laut in meiner Brust, dass ich befürchtete, dass es mich verriet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„John? John, komm zurück. Ich will nach Hause!“, rief Leah in der Ferne meinen Namen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drehte mich instinktiv um, ließ die Kreatur für einen Moment aus den Augen. Als ich mich ihr wieder zuwandte, erschrak ich. Sofort stellten sich mir sämtliche Haare auf. Zwei große, rot leuchtende Augen starrten mich direkt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einige Sekunden waren wir beide komplett reglos. Dann machte das Wesen eine ruckartige Bewegung und ich ergriff die Flucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Äste peitschten mir ins Gesicht, sodass ich schützend die Arme vor mich halten musste, während ich wieder die tiefen, langsamen Flügelschläge hörte – diesmal waren sie direkt über mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Steig in den Wagen!“, schrie ich, als ich Leah sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sah mich verdutzt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Steig in den Wagen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich riss sie die Augen auf und starrte in den Himmel über mir. Panisch öffnete sie ihre Autotür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rannte, so schnell ich konnte. In meinen Adern floss pures Adrenalin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich beim Auto war, stieß Leah von innen die Fahrertür auf. Ich sprang sofort hinein. Ohne zu zögern, griff ich nach dem Zündschlüssel und drehte ihn ihm Schloss. Die Zündung ratterte, doch nichts passierte. Ich versuchte es noch einmal. Wieder nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein lautes Knallen war vom Autodach zu hören. Leah und ich schrien gleichzeitig auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Starte den Wagen!“, kreischte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich versuch es ja!“, brüllte ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich startete der Motor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich trat so fest aufs Gas, wie ich nur konnte. Der Motor heulte auf und ich sah im Rückspiegel, wie die Kreatur vom Dach geschleudert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie breitete die kräftigen Flügel aus und kam schnell wieder näher. Panisch trat ich auf die Kupplung und schaltete die Gänge rauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im fünften Gang mit durchgetretenem Gaspedal raste ich über die Straße. Bei zwei engen, dicht aufeinanderfolgenden Kurven kam ich fast von der Fahrbahn ab, riss aber im letzten Moment das Lenkrad rum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Kopf wurde mit voller Wucht gegen die Scheibe geschleudert, doch ich spürte den Schmerz nicht einmal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt starrte ich wieder in den Rückspiegel. Wo war die die Kreatur hin? Hatten wir sie abgehängt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da! Sie hatte gerade erst die Kurve erreicht und flog uns in einiger Entfernung hinterher, wurde jetzt jedoch langsamer. Schließlich landete sie auf der Straße und sah uns mit ihren roten Augen nach, während sie im Rückspiegel kleiner und kleiner wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten es geschafft. Wir waren entkommen.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mothman, im Deutschen auch Mottenmann genannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kreatur</a>, die erstmals in den 1960er Jahren in West Virgina, USA gesichtet worden sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mothman wurde in den meisten Augenzeugenberichten als menschenähnliche Kreatur mit zwei großen Flügeln beschrieben. Hierbei wird teilweise ein Vergleich zu Engeln gemacht, was sich in den meisten Fällen jedoch eher auf die Position der Flügel bezieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kreatur soll etwa 2 Meter groß sein und eine Flügelspannweite von über 3 Metern besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wohl bekannteste Merkmal des Mothman sind jedoch seine großen, runden, rot-leuchtenden Augen. Entweder sollen sie von sich aus leuchten oder Licht ähnlich den Reflektoren von Rücklichtern rötlich reflektieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere häufig genannte Merkmale sind sehr muskulöse Arme und Beine, Klauen, sowie ein halsloser Kopf, der direkt auf den Schultern sitzt. Andere Behauptungen gingen sogar so weit, dass der Mothman so aussähe, als habe er gar keinen Kopf und die Augen befänden sich an seinem Oberkörper.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr ist über sein Aussehen nicht wirklich bekannt, was wahrscheinlich daran liegt, dass fast alle Augenzeugen behaupten, nur seine Silhouette und die rot leuchtenden Augen gesehen zu haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sichtungen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste nachweislich bekannte Sichtung des Mothman war am 15. November 1966. Man kann zwar immer wieder von Sichtungen vor dem Datum – häufig am 12. November – lesen, diese weichen jedoch stark voneinander ab und lassen sich nicht – wie die Sichtung vom 15. November – durch Zeitungsartikel nachweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 15. November 1966 wurde der Mothman kurz vor Mitternacht von den zwei Paaren Roger und Linda Scarberry und Steve und Mary Mallette in der Nähe von Point Pleasant, West Virginia gesichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden Paare fuhren in einem PKW, als der Mothman plötzlich im Licht der Scheinwerfer auftauchte. Er bemerkte sie sofort und erhob sich in die Lüfte, woraufhin er die Verfolgung aufnahm. Die beiden Paare flohen unterdessen panisch. Sie berichteten, dass man das Schlagen der Flügel sogar im Auto gehört habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vier Zeugen meldeten den Vorfall sofort der Polizei, woraufhin der Sheriff keine drei Stunden später das Gelände absuchte, jedoch nichts Auffälliges finden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits am nächsten Tag erschien sogar ein Artikel in der Zeitung, der die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> des Mothman – damals teilweise noch Birdman oder Birdmonster genannt – ins Rollen brachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin gab es in der Gegend viele angebliche Sichtungen des Mothman. Selbst eine der vier ursprünglichen Zeugen, Linda Scarberry, berichtete noch von mehreren Sichtungen. Einmal will sie ihn sogar auf ihrem Apartmentdach gesehen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Point Pleasant damals noch ein relativ kleiner Ort war, in dem es viele Sichtungen gab, entstand bald die Situation, dass wohl jeder Einwohner den Mothman entweder selbst gesehen haben will, oder jemanden kannte, der angeblich eine Begegnung mit der Kreatur hatte. Die Legende war daher damals umso glaubwürdiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Höhepunkt der Mothman-Legende in der Gegend gab es am 15. Dezember 1967, exakt 13 Monate nach der ersten Sichtung. An jenem Tag stürzte die Silver Bridge (offiziell Ohio River Bridge) ein und 46 Menschen ertranken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wegen des Datums brachten viele Menschen den Einsturz der Brücke mit dem Mothman in Verbindung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Menschen sind fest davon überzeugt, dass es sich bei dem Mothman um einen Außerirdischen, einen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> oder sogar um einen Dämon handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2002 erschien außerdem der Film „Die Mothman Prophezeiungen“ (original: „The Mothman Prophecies“), der in den gesamten Vereinigten Staaten zu angeblichen Mothman Sichtungen führte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich wurde der Mothman hauptsächlich in West Virginia in der Nähe von Point Pleasant gesichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit die Legende weltbekannt geworden ist, soll er jedoch auch an anderen Orten, vereinzelt sogar auf anderen Kontinenten, gesichtet worden sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der Sichtungen haben sich einige Eigenschaften des Mothman herauskristallisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum einen scheint der Mothman nicht zwangsläufig gefährlich zu sein. Obwohl er viele angebliche Augenzeugen verfolgt hat und diese ggf. große Angst hatten, hat der Mothman nur in den wenigsten Geschichten tatsächlich angegriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird der Mothman als Vorbote eines großen Unglücks angesehen – wie z.B. dem Einsturz der Silver Bridge. So soll er angeblich auch an anderen Orten, wo er gesichtet wurde, vor einem Unglück gewarnt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ist es unklar, was genau der Mothman eigentlich will. Möchte er die Leute bloß warnen? Wird er von einem nahenden Unglück bloß angezogen? Oder verfolgt er völlig andere Absichten?</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was denkt ihr über den Mothman? Glaubt ihr, an der Legende der Ureinwohner ist etwas dran und der Mothman steht wirklich mit dem Einsturz der Brücke in Verbindung? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr den Mothman sehen würdet?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>La maison qui saigne &#8211; das blutende Haus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Flüche]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dies ist keine urbane Legende. Keine Geschichte, die sich die Leute ausgedacht haben. Nein. Es ist real. Es sind Ereignisse, die mir tatsächlich widerfahren sind.<br />
Mein Name ist Lucie Belmer und ich habe mit meinem Mann Jean-Marc in jenem Haus gelebt, das heute nur noch „la maison qui saigne“ genannt wird – das blutende Haus ...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das blutende Haus (la maison qui saigne) ist ein Haus in Frankreich, in dem sich in den 80er Jahren seltsame Dinge ereignet haben. Den Namen des Hundes der Familie, die zu der Zeit in dem Haus lebte, habe ich leider nicht herausgefunden, weswegen ich ihn in der Geschichte nur als „Hund“ bezeichne.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist keine urbane Legende. Keine Geschichte, die sich die Leute ausgedacht haben. Nein. Es ist real. Es sind Ereignisse, die mir tatsächlich widerfahren sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Name ist Lucie Belmer und ich habe mit meinem Mann Jean-Marc in jenem Haus gelebt, das heute nur noch „la maison qui saigne“ genannt wird – das blutende Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war das Jahr 1986. Wir waren gerade erst nach Saint-Quentin gezogen, als es zu den ersten Zwischenfällen kam – als das Haus das erste Mal blutete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst entdeckte ich die roten Flecken nur auf dem Küchentisch. Sie waren eingetrocknet. Ich dachte mir nichts dabei, vermutete, dass sie beim Umzug entstanden waren oder der Tisch nicht ganz sauber war. Ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, wischte ich sie mit einem feuchten Lappen weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann tauchten jedoch noch weitere seltsame Flecken im Haus auf. Noch am selben Abend fand ich welche auf unserer Bettwäsche. Sie waren in einem ähnlichen Muster angeordnet wie die Flecken in der Küche. Es erinnerte mich an Schlammspritzer, die entstanden, wenn man durch eine Pfütze fuhr. Nur, dass sie rot waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Beinahe wie Blut …</em>‘, schoss es mir in den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leichtes Unbehagen breitete sich in mir aus. Aber wo sollte hier schon Blut herkommen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich suchte die Decke ab. War es heruntergetropft? Nein, die Decke sah völlig normal aus. Ich sah mich im Zimmer um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was zum …“, stieß ich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der Wand waren noch mehr der seltsamen Punkte. An der frisch gestrichenen Wand!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt schaltete ich Jean-Marc ein. Er hatte sofort eine Erklärung dafür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das liegt wahrscheinlich an der Farbe. Wir hätten für das Streichen eine bessere Qualität nehmen sollen“, erklärte mein Mann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Flecken auf den Küchentisch oder das Bettzeug kommen konnte, wusste er jedoch auch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Uns blieb also nichts anderes übrig, als die Flecken zu entfernen, das Bett neu zu beziehen und den Vorfall zu vergessen. Was hätten wir auch anderes tun sollen? Es waren schließlich nur Flecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das nächste seltsame Ereignis ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Wenige Stunden später wurden Jean-Marc und ich plötzlich von einem furchtbaren Lärm geweckt. Es klang, als wäre ein Regal am Zusammenbrechen. Ein fürchterliches Scheppern und Klappern, als würden Töpfe und Pfannen gegeneinanderschlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst verdächtigten wir unseren gemeinsamen Hund. Der schlief jedoch völlig ruhig in seinem Körbchen. Der Lärm weckte ihn nicht einmal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Komm, wir gehen nachsehen“, schlug mein Mann vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist du verrückt? Was, wenn das ein Einbrecher ist?“, zischte ich ihm zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann werden wir schon mit ihm fertig. Außerdem würde ein Einbrecher eher vermeiden, so viel Lärm zu machen. Denkst du nicht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das klang logisch. Da ich keine Gegenargumente hatte, blieb ich dicht hinter ihm, während wir nach unten gingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei jeder knarrenden Diele, jeder Treppenstufe, die unter unseren Füßen ächzte, zuckte ich zusammen. Jedes Mal, wenn Jean-Marc das Licht zum nächsten Raum einschaltete, rechnete ich damit, eine fremde Gestalt zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich war ich kein ängstlicher Mensch. Ich war nicht einmal schreckhaft. Doch dieses Haus war mir zu fremd. Das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit fehlte noch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als im Erdgeschoss schließlich alle Lichter eingeschaltet waren und wir die wenigen Räume mehrfach untersucht hatten, gaben wir auf. Wir konnten nicht herausfinden, woher die Geräusche gekommen waren. Sogar in unseren Regalen, in denen die Töpfe und Teller standen, war noch alles so, wie wir es hinterlassen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich fasste sich Jean-Marc an die Stirn. „Schatz, wir wohnen in einem Reihenhaus! Wahrscheinlich kam der Lärm von einem Nachbarn.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber natürlich! Früher hatten wir immer alleine gewohnt. Wenn es ein Geräusch im Haus gab, kam es aus <em>unserem</em> Haus. Hier hingegen hätte es von überall kommen können …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Jean-Marcs Theorie zufrieden gingen wir wieder ins Bett. Die restliche Nacht schlief ich wie ein Stein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch meine Ruhe hielt nicht lange an. Bereits am nächsten Tag waren die seltsamen roten Flecken wieder da. Sie waren wieder an der Schlafzimmerwand, als hätten wir sie nie weggewischt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jean-Marc hatte natürlich wieder eine Erklärung parat. Die frische Farbe an der Wand könne Rückstände absondern. Vielleicht sähe die Wand im feuchten Zustand auch nur sauber aus. Sobald sie trocken war, wären die Flecken wieder zum Vorschein gekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hätte die Erklärungen anzweifeln können. Was für Rückstände hätten das schon sein sollen? Auch war ich mir sicher, dass ich die Wand gründlich abgeschrubbt hatte, sodass die Flecken nicht nur wegen der Feuchtigkeit nicht mehr sichtbar gewesen sein konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ich glaubte ihm. Ich wollte ihm glauben. Immerhin würde er noch heute losfahren. Mein Mann arbeitete als LKW-Fahrer. Ich würde fünf Tage alleine in dem Haus verbringen müssen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was für fünf Tage das waren …! Einer war schlimmer als der Andere. Nicht nur, dass die blutroten Flecken immer wieder kamen, sich in neuen Räumen zeigten, auf der Kleidung auftauchten, die im Schrank verstaut war, der nächtliche Lärm kam auch noch jede Nacht zurück – und er wurde schlimmer!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was zuerst nur ein Scheppern und Klappern war, mischte sich jetzt mit Geschrei. Später kam sogar ein geisterhaftes Geflüster hinzu. Es klang, als säße jemand direkt neben meinem Bett und flüstere Worte in einer mir unbekannten Sprache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der ersten schlaflosen Nacht konnte ich nur halbwegs meine Ruhe finden, indem ich einen Stuhl unter die Türklinke klemmte und meinem Hund erlaubte, im Bett zu schlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war da noch die Kellertür, die ein Eigenleben zu führen schien. Sie öffnete sich von alleine, stand teilweise spontan sperrangelweit offen, oder schloss sich von selbst, während ich im Keller war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war zum Verzweifeln. Das Einzige, was mich bei Verstand hielt, war der Gedanke daran, dass Jean-Marc bald wieder bei mir wäre. Trotzdem war ich kurz davor, mir ein Hotelzimmer zu nehmen, als es endlich so weit war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich ihm die Tür öffnete, kam er gut gelaunt auf mich zu geschlendert. Er pfiff sogar dabei. Als er mich bemerkte, entglitten ihm sämtliche Gesichtszüge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh Gott, Lucie. Was ist passiert?“, fragte er erschrocken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Tränen erklärte ich ihm, was geschehen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er spielte es herunter, dachte, ich würde übertreiben. „Wenn die Nachbarn nächste Nacht wieder so laut sind, reichen wir Beschwerde ein!“, versuchte er, mich zu beruhigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, du verstehst nicht. Es sind nicht die Nachbarn!“, schluchzte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Jean-Marc wollte mir nicht glauben. Er schob es auf die Einsamkeit und die noch ungewohnte Umgebung. Ich wäre wegen der seltsamen Farbflecken zu paranoid. Würde mir die Dinge nur einbilden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der folgenden Nacht sah er es jedoch anders. Wir beide taten nicht ein einziges Auge zu. Mein Mann stimmte sogar zu, dass wir die Tür wieder mit dem Stuhl blockieren sollten. Das sah ihm ganz und gar nicht ähnlich …!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Direkt am nächsten Morgen gingen wir zur Polizei. Die Beamten glaubten uns genauso wenig, wie Jean-Marc mir am Vortag. Sie sahen nur zwei völlig übermüdete Menschen. Eine von ihnen trug kein Make-up, hatte Augenringe und zerzauste Haare. Vernünftig auszusehen war das Letzte, was mich derzeit kümmerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beamter begleitete uns zwar, befragte kurz die Nachbarn, die meinten, dass sie nichts gehört oder gesehen hatten, begutachtete die Flecken an unseren Wänden und meinten, dass unser Hund vielleicht eine Schwanzverletzung habe, wegen der er das Blut an die Wand wedeln würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gingen wir der Sache nach. Doch selbst der Tierarzt, zu dem wir gingen, konnte nicht einen einzigen Kratzer an unserem Hund finden – geschweige denn eine blutige Wunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Polizei uns nicht helfen wollte, Jean-Marc sich jedoch weiterhin weigerte, an einen übernatürlichen Vorfall zu glauben, unternahmen wir einen letzten verzweifelten Versuch: Wir kauften mehrere Kilo Mehl, die wir überall im Erdgeschoss auf dem Boden verteilten. Zuvor hatten wir sämtliche Wände gründlich gereinigt. Wenn jetzt irgendjemand oder irgendetwas im Haus war, würde es im Mehl Spuren hinterlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend fuhren wir in ein Hotel. Es war die erste Nacht, in der ich endlich in Ruhe schlafen konnte. Selbst die Spannung, die in der Luft lag, die Erwartung, die Angst vor dem, was der nächste Tag bringen könnte, hielt mich nicht davon ab. Ich war zum ersten Mal seit einer Woche endlich wieder ausgeruht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir uns unserem Haus näherten, spürte ich jedoch, wie die Anspannung wieder zunahm. Mir wurde leicht übel. Was, wenn wir nichts fanden? Was, wenn sich im Haus nichts mehr getan hatte? Ich wollte doch bloß ein normales Leben führen. In einem normalen Haus wohnen. Mich dort zu Hause fühlen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Schaulustige hatten sich versammelt – hauptsächlich Nachbarn von uns. Sie hatten scheinbar Wind von unserer kleinen Aktion bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte ihre neugierigen Blicke im Nacken, während wir uns der Tür näherten. Ich kam mir leicht beschämt vor. Was dachten sie wohl über uns?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hörte ich, wie Jean-Marc den Schlüssel ins Schloss steckte. Es rasselte einige Male. Dann öffnete er die Tür mit einem leisen Quietschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neugierig warf ich einen Blick ins Haus … Und erstarrte. Ich hatte mit einigem gerechnet: Spuren ihm Mehl, unzähligen roten Punkten an der Wand, keiner Veränderung. Doch was ich vor mir sah, traf mich wie ein Schlag gegen Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überall klebte rote Flüssigkeit an den Wänden. Sie zog dunkelrote Spuren über die Tapete. Es sah aus, als würde Blut aus tiefen Wunden fließen. Doch das Schlimmste war, dass wir nicht eine einzige Spur im Mehl finden konnten …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizei war fast sofort vor Ort. Wir erfuhren noch am selben Tag, dass es sich bei der Flüssigkeit um Blut handelte. Einige Tage später kamen die Laborergebnisse. Es war eindeutig Menschenblut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bleibt noch zu sagen, dass wir das Haus insgesamt nur noch dreimal betreten hatten: Einmal, um ein Medium erfolglos nach einer Ursache suchen zu lassen, ein anderes Mal, um einen Priester das Haus erfolglos reinigen zu lassen und ein letztes Mal, um endlich auszuziehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">La maison qui saigne (französisch für „das Haus, das blutet“) – im Deutschen häufig „Das blutende Haus“ genannt – ist ein Haus in Saint Quentin, Frankreich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischenfälle:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das blutende Haus hat seinen Namen aufgrund mehrerer scheinbar übernatürlicher Ereignisse aus dem Jahr 1986.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles begann, als ein junges Paar – Lucie und Jean-Marc Belmer – gemeinsam mit ihrem Hund in dem Haus eingezogen sind. Jean-Marc war LKW-Fahrer, weswegen Lucie häufig mit ihrem Hund alleine war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst fand Lucie lediglich einige eingetrocknete rote Flecken auf dem Küchentisch. Sie dachte sich nichts weiter dabei, weswegen sie die Flecken entfernte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf tauchten jedoch weitere unerklärliche rote Flecken auf – an den Wänden, auf der Bettwäsche, auf der Kleidung. Immer, wenn man sie entfernte, waren sie am nächsten Tag wieder da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Paar blieb aber weiterhin ruhig und erklärte sich, dass es wahrscheinlich mit den frisch gestrichenen Wänden zusammenhing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann kamen jedoch weitere unerklärliche Phänomene hinzu. So gab es nachts laute Geräusche. Je nach Aussage reichen diese Geräusche von scheppernden Töpfen über zerbrechendes Porzellan und seltsames Flüstern bis hin zu Schreien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch hier suchte das Paar nach einer logischen Erklärung und schob die Geräusche auf die Nachbarn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem öffnete und schloss sich die Kellertür scheinbar von selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Phänomene nicht aufhörten, soll Lucie schließlich Angst bekommen haben. Es ging so weit, dass das Paar die Polizei einschaltete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben weiteren Vermutungen – z.B. dass der Hund eine Verletzung am Schwanz haben könne, die beim Wedeln die Flecken erzeugen würde – konnte die Polizei jedoch nichts tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Familie Belmer beschloss schließlich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie reinigten sämtliche rote Flecken im Haus und verteilten über all Mehl auf dem Boden. Anschließend verließen sie das Haus und übernachteten auswärts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie am nächsten Tag zurückkamen, sollen die Wände jedoch voller roter Flüssigkeit gewesen sein, als würde Blut aus einer frischen Wunde laufen. Das Mehl hingegen war völlig unverändert und wies keine Spuren eines Eindringlings aus. Die Polizei wurde erneut eingeschaltet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier kommt der einzig bestätigte gruselige Fakt ins Spiel: Als die Polizei die Flüssigkeit untersuchte, stellten sie fest, dass es sich um menschliches Blut handelte – wenn auch kein frisches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Folge hierauf haben Lucie und Jean-Mark Belmer ein Medium und einen Priester zu Rate gezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber, ob der Priester helfen konnte, sind sich die Leute im Internet uneinig. Fakt ist, dass die Belmers irgendwann aus dem Haus ausgezogen sind und bis heute von den neuen Bewohnern keine weiteren Phänomene gemeldet wurden. Im Gegenteil: Einer der Bewohner hat explizit gesagt, dass ihm in dem Haus nie etwas Unerklärliches widerfahren sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man findet im Internet außerdem allerlei falsche Gerüchte. Das bekannteste von ihnen – dass das Haus auf Empfehlung des Priesters abgerissen wurde, woraufhin man Überreste von über 50 deutschen Soldaten aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg gefunden habe – ist zwar inzwischen weiter verbreitet, als die Wahrheit, jedoch reine Fiktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das blutende Haus steht noch heute – nur, dass es nicht mehr blutet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das blutende Haus steht in der französischen Gemeinde Saint Quentin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die genaue Adresse werde ich hier nicht bekannt geben, da die neuen Besitzer bereits mehrfach über unerwünschten, teilweise nächtlichen Besuch von Schaulustigen beschwert hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Erklärung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine wirkliche Erklärung für das blutende Haus gibt es keine. Man weiß nicht, wer das Blut an den Wänden, auf der Wäsche, dem Küchentisch oder der Kleidung verteilt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch weiß man nicht, wieso sich die Kellertür so seltsam verhalten hat oder wie die nächtlichen Geräusche entstanden sind (oder ob es sie überhaupt gab).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ranken sich viele Theorien um das blutende Haus und seine Ereignisse. So gibt es Leute, die von <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a>, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/flueche" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Flüchen</a> oder gar <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämonen</a> ausgehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die am weitesten verbreitete Theorie ist jedoch, dass die Familie Belmer selbst für den Spuk gesorgt hat, um Aufmerksamkeit zu bekommen – vielleicht war Frau Belmer alleine mit ihrem Hund auch einfach nur langweilig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was wirklich in dem blutenden Haus passiert ist, wird wahrscheinlich ewig ein Rätsel bleiben.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr davon? War das blutende Haus real oder hat die Familie Belmer es sich ausgedacht? Wie würdet ihre reagieren, wenn solche Ereignisse plötzlich in eurem Haus passieren? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>,&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a>&nbsp;oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a></em>.</p>
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