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	<title>Geister-Geschichten Archiv - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Mon, 30 Mar 2026 10:43:15 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Geister-Geschichten Archiv - Geister und Legenden</title>
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		<title>Hone-Onna – Ihre Liebe bringt dich um!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich warf den Kopf nach links und rechts. Wo war ich hier? Ich stand in einer Gasse. In beide Richtungen sah ich Reihen von altmodischen Häuschen und Mauern, die vom warmen Licht mehrerer Laternen beleuchtet wurden. Ich hatte keine Ahnung, wie ich hergekommen war. Was passierte nur mit mir …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna">Hone-Onna – Ihre Liebe bringt dich um!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/37e39f7454054e94ac03577dbaaea142" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Hone-Onna ist ein japanischer Geist. Tatsächlich ist auf meinem Blog in einer anderen Geschichte schon einmal eine Hone-Onna vorgekommen. Um welche Geschichte es sich dabei handelt, erfahrt ihr in diesem Beitrag.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod einer geliebten Person<br>
&#8211; Krankheit: MS</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich warf den Kopf nach links und rechts. Wo war ich hier? Ich stand in einer Gasse. In beide Richtungen sah ich Reihen von altmodischen Häuschen und Mauern, die vom warmen Licht mehrerer Laternen beleuchtet wurden. Zwischen ihnen gab es fast keine Gassen.</p>



<p>Es war eine typische japanische Altstadt. Alles kam mir seltsam vertraut vor, aber ich wusste beim besten Willen nicht, woher. Ich konnte mich an fast nichts erinnern.</p>



<p>Verunsichert sah ich an mir hinab. Ich trug einen traditionellen Kimono. Es war mein Kimono. So viel wusste ich. Aber normalerweise trug ich ihn nur zu feierlichen Anlässen. Ansonsten hatte ich … ja, ich erinnerte mich an einen grauen Pulli, den ich oft getragen hatte. Er brachte noch eine weitere Erinnerung mit sich, aber als ich mich darauf konzentrierte, war sie bereits wieder verschwunden. Was passierte nur mit mir?</p>



<p>Da mir nichts anderes übrigblieb, entschied ich, die Gasse entlangzugehen. Zum Glück spendeten die Laternen genügend Licht, sodass die nächtliche Straße ausreichend beleuchtet war.</p>



<p>Schnell setzte ich einen Fuß vor den anderen. Meine Geta – die Holzsandalen, die man traditionell zum Kimono trug – klackten mit jedem Schritt über die Pflastersteine.</p>



<p>Während ich die Straße entlangging, versuchte ich krampfhaft, mich an irgendetwas zu erinnern. Aber ich wusste nicht einmal meinen eigenen Namen. Und auch die Umgebung weckte keinerlei Erinnerungen. Zumindest, bis ich an eine Kreuzung kam. Ich stockte. Zwar wusste ich immer noch nicht, wo ich war, aber irgendetwas in mir wollte, dass ich links abbog. Es war mehr ein Gefühl. Als wäre ich diese Straße irgendwann schon einmal entlanggegangen.</p>



<p>Es dauerte nicht lange, bis ich die Altstadt hinter mir gelassen hatte. Jetzt wurden die traditionellen Häuser durch moderne Gebäude und gelegentliche Neonschilder abgelöst. Das Gute war: Die Gegend kam mir mehr und mehr bekannt vor.</p>



<p>Ich beschleunigte meine Schritte, merkte es aber erst, als ich in ein Joggen übergegangen war. Ich wusste, wo ich war! Die Straße runter, hinter dem kleinen Ramenrestaurant rechts, dann an dem Konbini vorbei und weiter in die Wohngegend.</p>



<p>Auf dem gesamten Weg begegneten mir nur eine Handvoll Leute. Ich kannte sie nicht, also ignorierte ich sie. Und auch sie schenkten mir keine weitere Beachtung.</p>



<p>Dann endlich stand ich vor einem zweistöckigen Haus. Ich hatte keine Ahnung, warum mir das Gebäude so vertraut vorkam. Meine Füße trugen mich wie von selbst die außen liegende Treppe hinauf. Ich ging einen schmalen Gang entlang, zu meiner Linken mehrere Wohnungen, zu meiner Rechten nur ein Geländer. Ich war hier schon oft gewesen.</p>



<p>Als ich eine Frau erblickte, die gerade aus einer Tür kam, blieb ich stehen. Und auch sie hielt mitten in der Bewegung inne. Sie war alt, hatte ein faltiges, wenn auch freundliches Gesicht. Ihre grauen Haare trug sie zu einem Dutt gebunden. Ich kannte die Frau! Aber woher? Und wie war ihr Name?</p>



<p>Da es mir nicht einfiel, versuchte ich es mit einem einfachen: „Guten Abend.“ Dabei tat ich einen Schritt auf sie zu.</p>



<p>Das hingegen schien der Frau nicht zu passen. Mit einer Geschwindigkeit, die ich ihr in ihrem Alter kaum zugetraut hätte, sprintete sie in ihre Wohnung zurück. Die Tür schloss sie hastig hinter sich. Ich hörte das mechanische Klicken eines Schlosses, das abgeschlossen wurde.</p>



<p>Jetzt stand ich mit offenem Mund da. Was war gerade passiert? Aber als mein Blick auf die Wohnung eine Tür weiter fiel, war das alles nicht mehr wichtig. Ich kannte die Wohnung. Ein plötzliches Gefühl von Wärme stieg in mir auf. Es war so überwältigend, dass es mich zu erdrücken drohte.</p>



<p>Mein Atem ging jetzt schnell und stoßweise, während ich auf die Wohnungstür zuging. Wie oft ich schon hier gewesen war … Es kam mir vor wie mein zweites Zuhause. Ohne zu zögern, betätigte ich die Klingel. Ich brauchte nicht einmal hinzusehen, um zu wissen, dass „Osaki“ auf dem Schild darunter stand. Anschließend klopfte ich ungeduldig an der Tür.</p>



<p>„Ist gut“, kam eine Stimme von drinnen. „Ich komm ja schon. Ich komm ja schon!“ Es war <em>seine</em> Stimme.</p>



<p>Im nächsten Moment öffnete er die Tür.</p>



<p>Er sah mich mit offenem Mund an, erstarrte dabei genauso wie die Frau eben auf dem Flur. Erst runzelte er die Stirn, dann wurde seine Miene weicher.</p>



<p>Ich hingegen spürte, wie mir jetzt Tränen in die Augen stiegen. „Hey, Taro“, sagte ich. Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.</p>



<p>„Masami?“, kam es von ihm zurück.</p>



<p>Im nächsten Augenblick lagen wir einander in den Armen. Jetzt weinten wir beide. Kurz drückte Taro mich weg, um mich anzusehen, dann schloss er mich wieder fest in die Arme. „Ich versteh das nicht“, schluchzte er. „Ich dachte, du bist tot.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Einige Minuten später saßen wir aneinandergekuschelt in seinem Wohnzimmer. Je mehr ich mich umsah, desto mehr erinnerte ich mich an alles. Taro und ich waren seit über drei Jahren ein Paar, aber wir kannten uns schon sehr viel länger. Wir waren sogar zur selben Schule gegangen. Alles war perfekt gewesen, bis …</p>



<p>„Ich hatte einen Unfall“, dachte ich laut.</p>



<p>Taro nickte. „Als man dein Auto gefunden hat, war es völlig ausgebrannt“, erklärte er. „Die Person am Steuer war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Wir dachten, du seist tot. Was ist passiert?“</p>



<p>Ich versuchte, mich zu erinnern. Da war ein helles Licht. Scheinwerfer aus dem Gegenverkehr. Aber danach? „Ich erinnere mich nicht.“ Ich fasste mir an den Kopf. Darüber nachzudenken bereitete mir Kopfschmerzen.</p>



<p>Taro drückte mich fest an sich. „He“, sagte er. „Alles wird gut. Wir finden das schon heraus. Gemeinsam. Dafür haben wir jetzt alle Zeit der Welt. Im Moment ist erstmal wichtig, dass es dir gutgeht.“ Er lehnte sich zu mir, um mir einen leidenschaftlichen Kuss zu geben.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Morgen wachte ich neben Taro im Bett auf. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, weshalb ich seine Umrisse nur im Halbdunkel einer Straßenlaterne erahnen konnte, deren Licht durchs Fenster fiel. Dafür spürte ich seine Wärme, roch seine Haut. Es fühlte sich alles so verdammt richtig an.</p>



<p>Trotzdem musste ich aufstehen. Ich konnte es nicht erklären, aber es war ein Gefühl, eher schon ein tiefsitzender Instinkt, dass ich irgendwo sein musste. Also löste ich mich vorsichtig von ihm.</p>



<p>Ich ging zu unserem Kleiderschrank. Zu meiner Überraschung waren meine Sachen, die ich damals bei ihm gelassen hatte, noch immer hier. Frische Unterwäsche, eine Jeans, mehrere T-Shirts und … mein Pullover!</p>



<p>Ungläubig griff ich danach. Er hatte in abgeblätterten weißen Lettern den Namen meiner Uni aufgedruckt. Ich versenkte mein Gesicht in dem grauen Stoff. Er roch nach Taro. Natürlich tat er das. Seit meinem Unfall hatte er in seiner Wohnung gelegen.</p>



<p>Gut gelaunt zog ich mich an. Als ich in den Pullover schlüpfte, hatte ich ein breites Lächeln auf dem Gesicht.</p>



<p>Plötzlich ging hinter mir das Licht an. „Musst du weg?“, fragte Taro verschlafen.</p>



<p>Ich fuhr herum. Mein Freund lag noch im Bett. Seine schwarzen Haare standen wirr in alle Richtungen. Er rieb sich Schlaf aus den Augen.</p>



<p>„Ja“, sagte ich. „Ich hab noch was zu erledigen. Aber heute Abend bin ich wieder hier. Versprochen.“</p>



<p>Taro fragte nicht weiter nach. Also ging ich zu ihm und gab ihm einen Kuss. Er erwiderte ihn. „Ich werde auf dich warten“, sagte er.</p>



<p>Ich lächelte. Dann drehte ich mich um und ging wieder aus der Wohnung. Ich ging denselben Weg zurück, den ich gekommen war. Dabei musste ich nicht einmal nachdenken. Meine Füße bewegten sich wie von selbst. Ich folgte meinen Instinkten zurück in die Altstadt. Doch während die Sonne langsam aufging, umgab mich allmählich Dunkelheit. Ich hatte keine Ahnung, was mit mir passierte, aber ich spürte keine Angst. Dann war da nur noch Schwärze.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Als ich wieder zu mir kam, war die Sonne bereits untergegangen. Es war Abend. Ich hatte keine Ahnung, was in der Zwischenzeit passiert war.</p>



<p>Wie auch am Tag zuvor stand ich wieder in der Altstadt, nur, dass ich diesmal wusste, wo ich hinwollte. Ich rannte durch die Straßen, konnte es gar nicht erwarten, Taro wiederzusehen. Bald hatte ich die Altstadt hinter mir gelassen, eilte zwischen den mit Neonschildern behangenen Läden hindurch und war bereits nach wenigen Minuten wieder bei Taros Wohnhaus angekommen.</p>



<p>Dort ging ich mit schnellen Schritten die Treppen rauf. Ich rannte den vertrauten Gang zwischen Geländer und Wohnungstüren entlang. Bei der Wohnung der alten Frau, die gestern so komisch reagiert hatte, blieb ich stehen. Verwundert sah ich zu ihrer Tür. Sie war nicht ganz geschlossen. Stattdessen konnte ich erkennen, wie ihr faltiges Gesicht mich durch den mit einer Türkette gesicherten Spalt anstarrte.</p>



<p>Sobald sie meinen Blick bemerkte, knallte sie die Tür zu. Wieder hörte ich, wie ein Schlüssel im Schloss herumgedreht wurde.</p>



<p>Warum verhielt sie sich so? Hatte ich ihr etwas getan? Ich konnte mich nicht erinnern. In meinem Gedächtnis war sie eine liebenswerte ältere Dame gewesen, der Taro und ich oft bei den Einkäufen geholfen hatten.</p>



<p>Kopfschüttelnd ging ich weiter zu Taros Wohnung. Dort erwartete mich bereits die nächste Überraschung: Als Taro mir öffnete, hielt er mir einen bunten Blumenstrauß entgegen.</p>



<p>„Für dich“, sagte er, ehe er mich mit einem Kuss begrüßte.</p>



<p>Dabei bemerkte ich, dass er humpelte. „Alles in Ordnung?“, fragte ich schnell.</p>



<p>Aber Taro schüttelte nur den Kopf. „Mach dir keine Sorgen“, versuchte er, mich zu beruhigen. „Meine MS meldet sich nur mal wieder zu Wort.“</p>



<p>Seine Multiple Sklerose. Ich erinnerte mich. Aber eigentlich hatte er die Schübe doch mit seinen Medikamenten in den Griff bekommen.</p>



<p>Besorgt half ich ihm zum Sofa, wo wir die Blumen in eine Vase stellten. Meine Sorge war jedoch nur von kurzer Dauer. Nicht nur, dass Taro sich nicht wirklich darüber Gedanken machte, ich war bereits wieder von einem Gefühl der Glückseligkeit umgeben, während ich in seinen Armen lag. Bei ihm zu sein, mit ihm die Nächte zu verbringen war das schönste Gefühl, das ich mir vorstellen konnte.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Morgen schlich ich mich wieder aus dem Bett. Anscheinend hatte Taro einen leichten Schlaf entwickelt, denn auch an diesem Morgen ging hinter mir das Licht an, während ich mich anzog.</p>



<p>„Musst du wieder arbeiten?“, fragte Taro.</p>



<p>Ich hielt in der Bewegung inne. Ich hatte nie behauptet, dass ich arbeiten müsste. Aber … was tat ich eigentlich den ganzen Tag? Ich wusste es nicht. Also nickte ich. „Ja“, sagte ich knapp. Anschließend verabschiedete ich mich mit einem langen Kuss. „Wir sehen uns heute Abend“, sagte ich, ehe ich mit schlechtem Gewissen zurück Richtung Altstadt ging.</p>



<p>Warum hatte ich gelogen, hatte ihm nicht gesagt, dass ich nicht arbeiten ging? Es gab keinen Grund dazu. Andererseits wollte ich nicht, dass sich irgendetwas änderte. Wie es gerade zwischen uns lief, war perfekt. Ich wollte nicht, dass er mir nachspioniert. Auch spürte ich keinerlei Verlangen, herauszufinden, was mit mir los war. Ich war glücklich, wollte einfach nur bei Taro sein.</p>



<p>Was konnte eine kleine Notlüge da also schaden?</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Die folgenden Tage verliefen sehr ähnlich. Während ich tagsüber völlige Blackouts hatte, verbrachte ich die Nächte bei Taro. Seine Nachbarin traf ich dabei nicht mehr, obwohl ich gestehen muss, dass ich mich beobachtet fühlte, wann immer ich an ihrem Türspion vorbeiging.</p>



<p>Eine andere Sache war Taros Gesundheitszustand. Seine Beine schienen immer schwächer zu werden. Inzwischen hatte er sogar seine alte Gehhilfe wieder herausgekramt, um sich einfacher durchs Haus bewegen zu können.</p>



<p>Normalerweise hätte ich ihn deswegen schon lange zum Arzt geschickt. Aber ich wollte nicht, dass er ins Krankenhaus ging. Es war egoistisch, ich weiß, aber es gab dort keine nächtlichen Besuchszeiten. Und ihn tagsüber zu besuchen, würde mir bei meinen Blackouts wahrscheinlich nicht gelingen. Ich wollte ihn nicht noch einmal verlieren!</p>



<p>Aber leider tat ich das. Es war die fünfte Nacht seit meiner Rückkehr. Taro und ich lagen gemeinsam im Bett. Er streichelte meinen Arm, während er neben mir lag.</p>



<p>Plötzlich klopfte es an der Tür. Es war kein kräftiges, dafür aber ein sehr eindringliches Klopfen.</p>



<p>„Erwartest du jemanden?“, fragte ich.</p>



<p>Taro schüttelte den Kopf. „Nein. Schon gar nicht um die Uhrzeit.“ Er hievte die Beine aus dem Bett, um mit seiner Gehhilfe zum Eingang zu humpeln. „Ich komm ja schon!“, rief er.</p>



<p>Am liebsten hätte ich ihm meine Hilfe angeboten, ihm den Weg abgenommen, aber wie ich meinen kleinen Sturkopf kannte, hätte er es sowieso abgelehnt. Also blieb ich mit gespitzten Ohren im Bett liegen.</p>



<p>„Frau Tanaka?“, hörte ich Taro fragen.</p>



<p>Das war die alte Nachbarin. „Ist sie hier?“, fragte sie mit gebrechlicher Stimme. „Du musst sie loswerden. Sofort. Sie wird dich umbringen!“</p>



<p>„Frau Tanaka, bitte. Beruhigen Sie sich. Ist etwas passiert?“</p>



<p>„Nein! Du hörst mir nicht zu“, schrie sie. „Es geht um die Frau. Sie ist nicht die, für die du sie hältst!“</p>



<p>Das ließ mich aufhorchen. Natürlich war ich die, für die er mich hielt. Ich war Masami, seine feste Freundin. Ich sprang aus dem Bett, warf mir meinen Pulli über und ging mit schnellen Schritten zur Tür.</p>



<p>„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich scheinheilig.</p>



<p>„Ahhh!“, schrie Frau Tanaka. Sofort zückte sie ein Feuerzeug. Ihre dürren Hände zitterten, während sie hastig etwas in ihrer anderen Hand anzündete. Es sah nach einem Bündel aus zusammengebundenem Gestrüpp aus.</p>



<p>Anschließend drängelte sie sich an Taro vorbei. Er war zu überrascht, um sie aufzuhalten. Dann fuchtelte sie mit dem brennenden Gestrüpp Rauch in meine Richtung.</p>



<p>Taro wedelte sich mit der Hand vor dem Gesicht herum, als wolle er den Geruch loswerden. „Bah. Was ist das für ein Zeug?“, fragte er.</p>



<p>Ich hingegen wich sofort zurück. Dort, wo der Rauch meine Haut berührte, entstand ein brennender Schmerz. Es fühlte sich an, als stünde ich in Flammen!</p>



<p>„Scheiße! Was ist das? Was ist das!?“, schrie ich.</p>



<p>Frau Tanaka fuchtelte nur weiter in meine Richtung. „Zurück mit dir! Zurück!“</p>



<p>Da packte Taro sie endlich am Handgelenk. Er zog sie von mir weg. „Jetzt beruhigen Sie sich! Das ist Masami, meine totgeglaubte Freundin!“</p>



<p>Frau Tanaka sah flüchtig zu mir. Zum Glück hatte sie aufgehört, mit dem Rauch um sich zu wedeln. „Du verstehst nicht. Sie ist nicht bloß totgeglaubt“, erklärte sie dann. „Masami ist eine Hone-Onna.“</p>



<p>„Eine Knochenfrau?“, fragte er. Er ließ sie los, stand nun aber mit verschränkten Armen vor ihr. „Was soll das sein?“</p>



<p>Ich wusste es genauso wenig.</p>



<p>„Hone-Onna“, erklärte Frau Tanaka ruhig, „sind ruhelose Geister, die nachts zurückkehren, um ihre Geliebten zu besuchen. Leider entziehen sie ihnen dabei auch ihre Lebensenergie.“</p>



<p>Taro und ich sahen sie fassungslos an.</p>



<p>„Das ist doch verrückt“, sagte er dann. „Es ist besser, wenn Sie jetzt gehen!“</p>



<p>„Nein!“, protestierte Frau Tanaka. „Verrückt ist nur, dass du es nicht erkennst. Setz deine rosarote Brille ab! Sieh dir Masami doch einmal an! Sie hat nicht einmal mehr Haut an ihrem Schädel. Sie ist ein wandelndes Skelett.“</p>



<p>Wie automatisch fasste ich mir ins Gesicht. Und tatsächlich. Ich spürte keinerlei Haut. Meine Finger trafen auf etwas Hartes.</p>



<p>Dann fiel mein Blick auf meine Hände. Sie waren schwarz, bestanden nur aus Knochen. Wie war mir das vorher nie aufgefallen? Und auch Taro sah mich jetzt mit großen, vor Schreck geweiteten Augen an.</p>



<p>Entsetzt rannte ich ins Badezimmer, um mich im Spiegel anzusehen. Leere Augenhöhlen starrten zurück. Mein Schädel, denn mehr war es nicht, war rußgeschwärzt. Frau Tanaka sagte die Wahrheit.</p>



<p>„Du wusstest es also auch nicht?“, krächzte eine Stimme hinter mir. Frau Tanaka war mir ins Bad gefolgt. „Sieh dir Taro doch einmal an!“, zischte sie mir zu. „Ist dir nicht aufgefallen, dass er Tag für Tag schwächer wird? Du entziehst ihm seine Kraft. Wenn ihr noch eine Nacht zusammen verbringt, wird er das nicht überleben!“</p>



<p>„Aber …“, protestierte ich. „Ich möchte das nicht. Ich würde Taro niemals schaden!“</p>



<p>Frau Tanaka nickte langsam. Mitleid lag in ihrem Blick. „Das glaube ich dir sogar. Wenn du ihn wirklich liebst, dann gehst du jetzt. Kehr nie wieder hierher zurück.“</p>



<p>Ich weiß nicht, ob Skelette weinen können, aber es fühlte sich zumindest so an, als würden Tränen meine Wangenknochen hinablaufen, während ich aus der Wohnung stürmte.</p>



<p>„Masami! Warte!“, rief Taro mir nach.</p>



<p>Aber Frau Tanaka hinderte ihn daran, mir zu folgen. „Schließ die Tür, Taro. Wir müssen uns unterhalten.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Die restliche Nacht irrte ich durch die Straßen. Ich wusste nicht, was ich denken oder fühlen sollte, kam mir verloren vor. Dafür wusste ich jetzt, wo ich jeden Tag hin verschwand. In der Altstadt gab es einen Friedhof. Im Laufe der Nacht hatte ich dort mein Grab entdeckt. Ich blieb bei dem gepflegten Grabstein, bis mich bei Sonnenaufgang die bittersüße Schwärze empfing.</p>



<p>Aber zu meiner Überraschung stand ich bereits am nächsten Abend wieder in der inzwischen vertrauten Straße in der Altstadt. Warum? Warum war ich noch immer hier? Hatte ich nicht im Leben schon genug Pech gehabt?</p>



<p>Für einen Moment versuchte ich, mich dagegen zu wehren, aber schließlich trugen mich meine Füße wieder in die Richtung von Taros Wohnung. Mein Verlangen, ihn wiederzusehen, war zu mächtig.</p>



<p>Und so dauerte es nicht lang, bis ich wieder vor seiner Wohnung stand. Ich hatte Gewissensbisse. Sollte unsere gemeinsame Zeit ihm wirklich schaden? Warum fühlte es sich dann so richtig an? Andererseits könnte es erklären, wieso sein Zustand so schlecht war. Es lag nicht an seiner MS. Oder vielleicht doch?</p>



<p>Hin- und hergerissen betätigte ich die Klingel. Kurz darauf stand Taro vor mir. Seine Augen waren eingefallen, seine Wangen hohl. War das schon immer so? Warum war es mir die ganze Zeit nicht aufgefallen? War wirklich ich daran schuld? Unsere gemeinsamen Nächte?</p>



<p>„Masami“, sagte er mit einem Lächeln. Sogar seine Stimme klang schwach. „Komm rein. Es ist mir egal, was du bist. Mit dir zusammen bin ich glücklich.“ Er hielt mir die Tür auf, um mich reinzulassen.</p>



<p>Ich trat einen Schritt auf ihn zu. Wenn ich jetzt mit ihm ging, könnte das seine letzte Nacht sein. Aber wäre das so schlimm? Dann wären wir im Tod vereint. Er würde für immer bei mir bleiben.</p>



<p>Als ich die Türschwelle erreichte, zögerte ich. „Nein“, sagte ich dann. Was dachte ich denn da? Ich liebte Taro. Da würde ich ihm doch niemals den Tod wünschen! „Es tut mir leid“, sagte ich leise. „Taro, ich kann nicht.“ Ich taumelte zurück. „Ich kann dich nicht mit mir in den Tod reißen. Aber ich werde auf dich warten. Leb dein Leben! Werde glücklich! Irgendwann werden wir wieder vereint sein.“</p>



<p>Mit den Worten machte ich auf dem Absatz kehrt und rannte zurück in die Dunkelheit. Es war die letzte Nacht, in der meine ruhelose Seele auf die Erde zurückgekehrt war.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Hone-Onna (骨女, Japanisch für „Knochenfrau“) ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" type="link" id="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> der japanischen Mythologie. Sie zählt zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Yōkai</a>.</p>



<p>Eine der bekanntesten Geschichten über eine Hone-Onna ist die japanische Geistergeschichte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/botan-doro">Botan Dōrō</a>, über die ich bereits 2020 einen Beitrag geschrieben habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Hone-Onna haben zwei verschiedene Formen, in denen sie erscheinen können.</p>



<p>Für gewöhnlich sehen sie wie völlig normale Frauen aus. Meist werden sie als jung und schön beschrieben. Außerdem handelt es sich bei ihnen im Normalfall um Japanerinnen, da die Legende aus Japan stammt.</p>



<p>Es gibt jedoch Menschen, die durch diese Fassade hindurchsehen können. Sie sehen die Hone-Onna als ein Skelett, manchmal inklusive verwesendem Fleisch. Besonders häufig ist dabei von ihrem Gesicht die Rede, das nur noch aus einem Schädel besteht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Es gibt zwei verbreitete Versionen der Hone-Onna. In einer ist sie ein von Liebe getriebener Geist, in der anderen ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/onryo">Rachegeist</a>.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der von Liebe getriebene Geist:</h4>



<p>Diese Version ist der Geschichte von Botan Dōrō sehr ähnlich. Es geht darin um einen Mann, dessen Geliebte verstorben ist.</p>



<p>Eines Tages begegnet er ihr jedoch plötzlich wieder. Von seiner Liebe geblendet glaubt er, dass seine Geliebte in Wirklichkeit noch lebt. Manchmal gibt es eine Erklärung hierfür, dass ihr Tod vorgetäuscht war o. Ä., andere Male hinterfragt der Mann es nicht.</p>



<p>Während sie sich also fortan wieder regelmäßig treffen, entzieht sie ihm – oft unwissentlich – Stück für Stück die Lebensenergie. Mit der Zeit wird er schwächer und schwächer.</p>



<p>Meist ist es ein Freund oder Angestellter des Mannes, der nicht von seinen Gefühlen geblendet wird und die wahre Gestalt der Hone-Onna sehen kann.</p>



<p>Er erzählt dem Mann davon, der entweder entsetzt reagiert und sich von der Frau distanziert oder ihm nicht glaubt.</p>



<p>So oder so endet die Geschichte häufig damit, dass der Mann – entweder weil er sich weiter mit ihr trifft oder weil seine Sehnsucht zu groß wird – bei einem letzten Treffen mit der Frau selbst sein Leben lässt. Anschließend sind sie auf Ewig im Tode vereint.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der Rachegeist:</h4>



<p>In anderen Versionen sucht die Hone-Onna nicht ihren ehemaligen Geliebten heim, sondern ist hinter Männern generell her. Sie verführt sie mit ihrer Schönheit, um ihnen bei einer oder mehreren gemeinsamen Nächten die Lebensenergie zu entziehen.</p>



<p>In diesen Geschichten kommt es oft gegen Ende zu einem Schockmoment, wenn die Hone-Onna dem Mann ihren Schädel zeigt. Manchmal mit Absicht, andere Male, weil einfallendes Licht ihr Skelettgesicht zum Vorschein bringt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Die Legenden der Hone-Onna kommen fast ausschließlich aus Japan. Dort soll sie sich in Städten und Dörfern, aber insbesondere auf Friedhöfen, in dunklen Gassen oder auch in Rotlichtvierteln herumtreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den Ursprung der Hone-Onna habe ich nicht viel herausfinden können. Laut <a href="https://yokai.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">yokai.com</a> (eine sehr verlässliche Quelle, was Yōkai angeht und eine große Empfehlung von mir) ist aber davon die Rede, dass die Hone-Onna mindestens seit dem 17. Jahrhundert in Japan bekannt sei, wo sie in Form der Botan-Dōrō-Legende aus einer alten chinesischen Geistergeschichte entstanden ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hone-Onna in der Popkultur:</h3>



<p>In der Manga- und Animereihe „Hell Girl“ tritt eine Hone-Onna regelmäßig auf.</p>



<p>Außerdem gibt es eine Hone-Onna in dem von NetEase Games entwickelten Gacha-Game Onmyoji, das für Pc, Android und iOS erschienen ist.</p>



<p>Ansonsten gibt es zu Botan Dōro, wo die weibliche Hauptperson eine Hone-Onna ist, zahlreiche Theaterstücke und Puppenspiele, die heute noch aufgeführt werden, sowie diverse Filme.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Hone-Onna? Mögt ihr sie als die zurückkehrende Geliebte oder als Rachegeist lieber? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Phantom Trapper of Labrador – Die Legende von Old Smoker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend. Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach …</p>
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<p>The Phantom Trapper of Labrador ist eine bekannte kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geistergeschichte</a>. Da der Phantom Trapper nur auftauchen soll, wenn es schneit, habe ich mich entschieden, damit die diesjährigen Winter-/<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">Weihnachtsgeschichten</a> einzuleiten. Aber keine Sorge: Der nächste Beitrag handelt von einer tatsächlichen Weihnachtslegende.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Dein Ernst, Olivia?“, fragte mein Bruder. Er sah mich entgeistert an. „Du hast noch nie von The Phantom Trapper of Labrador gehört?“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. „Wieso? Muss ich den etwa kennen?“, fragte ich kleinlaut.</p>



<p>„Ja!“, platzte mein Bruder hervor. „Du kannst nicht in Labrador leben, ohne je von Ol&#8216; Smoker gehört zu haben. Er ist hier fast so berühmt wie der Weihnachtsmann!“</p>



<p>Ich rutschte nervös auf der Bettkante hin und her. Ich hasste Geistergeschichten, doch in dem Moment kam mir die Aussage von meinem Bruder schlüssig vor.</p>



<p>Da ich nicht widersprach, setzte mein Bruder ein Grinsen auf. „Ol&#8216; Smoker, oder Esau Gillingham, wie er eigentlich hieß, war einst ein berüchtigter Verbrecher. Er war ein Trunkenbold, schlug Frauen und auch Kinder, wie dich. Aber er war auch ein begabter Fallensteller und Fellhändler.</p>



<p>Immer, wenn er auf seinem Hundeschlitten in die Städte und Dörfer kam, wandten die Polizisten ihre Blicke ab. Sie taten so, als würden sie ihn nicht erkennen, weil er die feinsten und schönsten Felle mitbrachte.</p>



<p>Erst, wenn er all seine Felle verkauft hatte, begann er, das verdiente Geld in der nächsten Taverne zu versaufen und in seinem betrunkenen Zustand Frauen zu belästigen. Dann vertrieb man ihn mitsamt seinem Hundeschlitten wieder aus der Gemeinde, bis er irgendwann mit seinen schönen Fellen zurückkam.</p>



<p>So ging das die ganze Zeit. Einige Leute sagen auch, er braute nebenbei seinen eigenen Alkohol. Ein billiges Gesöff namens Smoke, das er an die Leute verkaufte. Daher soll auch sein Spitzname Ol&#8216; Smoker kommen.</p>



<p>Der Alkohol war allerdings so schlecht hergestellt, dass er die Menschen vergiften konnte. Einige sollen sogar blind geworden sein. Der Fallensteller war also ein richtiges Ekel. Er kümmerte sich nur um sich selbst. Die anderen waren ihm völlig egal.</p>



<p>Doch während die Leute bei seinen bisherigen Verbrechen beide Augen zudrückten, um nicht auf seine edlen Felle verzichten zu müssen, ging er mit seinem Alkohol zu weit. Sie mochten es nicht, dass er ihre Nachbarn vergiftete. Und so folgten sie ihm eines Tages zu seiner Destille im Wald, wo er seinen Smoke braute. Sie zerstörten sie und nahmen Ol&#8216; Smoker gefangen. Er landete ein ganzes Jahr im Gefängnis.</p>



<p>Aber selbst im Kittchen blieb Ol&#8216; Smoker nicht untätig. Er schmiedete einen neuen Plan, machte sich Gedanken über seine Zukunft. Und so wusste er genau, was er zu tun hatte, als er wieder auf freiem Fuß war.</p>



<p>Zuerst besorgte er sich weiße Huskys. Acht treue Hunde mit schneeweißem Fell. Keine Ahnung, ob er sie gestohlen, mit seinem angesparten Geld gekauft oder sie erbettelt hat. Danach baute er seine Destille wieder auf. Wieder begann er, seinen giftigen Smoke herzustellen, um ihn unter die Leute zu bringen. Diesmal malte er die Destille jedoch weiß an, damit sie im Schnee nahezu unsichtbar war – zumindest während sie nicht in Betrieb war.</p>



<p>Dasselbe tat er mit seinem Schlitten. Und sogar seine Felle, aus denen seine Kleidung bestand, tauschte er Stück für Stück gegen weiße Felle aus.</p>



<p>Wenn er jetzt auf seinem Schlitten durch den Schnee raste, war er fast perfekt getarnt. Wann immer man versuchte, ihn zu verfolgen, verloren die Leute ihn und seine weißen Hunde schnell aus den Augen. Und so soll er noch viele Leute mit seinem Alkohol vergiftet haben, während er ihnen das letzte Geld aus den Taschen zog.“</p>



<p>Mein Bruder machte eine dramatische Pause. Ich sah ihn erleichtert an. Ließ meine baumelnden Füße vor und zurück schwingen. Fast war ich erleichtert. Bisher fand ich die Geschichte nicht wirklich gruselig.</p>



<p>Dann jedoch grinste mein Bruder mich wieder breit an. „Das ist aber noch nicht alles“, fuhr er fort. „Ich hab dir noch gar nicht erzählt, wie Ol&#8216; Smoker zum Phantom Trapper von Labrador wurde. Denn das geschah erst nach seinem Tod.</p>



<p>Niemand weiß genau, wie der alte Fallensteller gestorben ist. Ob die Bewohner ihn doch irgendwann erwischt haben, er mit seinen Hunden im Schnee erfroren ist oder sich an seinem eigenen Smoke vergiftet hat.</p>



<p>Aber eigentlich ist es auch egal. Wichtig ist nur, dass seine verdorbene Seele auch nach seinem Tod die Erde nicht verlassen hat. Es heißt, dass du manchmal im Wind das Bellen von Hunden hören kannst, das Knallen seiner Peitsche. Kurz darauf setzt ein schlimmer Schneesturm ein. Wenn du mich fragst, bringt Ol&#8216; Smoker den Sturm. Er will, dass du dich im Schnee verirrst, damit er dich packen und auf seinen Schlitten ziehen kann.</p>



<p>Wenn du also jemals draußen unterwegs bist und das Bellen seiner Hunde hörst, solltest du rennen. Denn wenn du die weißen Huskys siehst und seinen weißen Schlitten, kann es bereits zu spät sein.“</p>



<p>Jetzt baumelten meine Beine nicht mehr. Meine Erleichterung war zu einem verkrampften Magen geworden. Ich schluckte schwer.</p>



<p>Was ich jedoch nicht wusste, war, dass mein Bruder einige wichtige Details weggelassen hatte. Er hatte mir nicht die ganze Geschichte erzählt, nicht die ganze Wahrheit hinter dem Phantom Trapper of Labrador.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Wirklich vergessen konnte ich die Geschichte nie. Ich hatte fast eine Woche lang Albträume von Ol&#8216; Smoker gehabt, wie er mich auf seinem weißen Schlitten holen wollte. Das war aber auch kein Wunder. Immerhin war ich damals erst sechs Jahre alt gewesen. Seitdem hatte ich die Legende aber, so gut es ging, verdrängt.</p>



<p>Warum sie mir jetzt, über neun Jahre, nachdem mein Bruder sie mir erzählt hatte, wieder in den Sinn kam? Ganz einfach: weil ich in der Ferne das Gebell von Hunden hören konnte. Der Wind trug die Geräusche zu mir rüber. Dann knallte eine Peitsche.</p>



<p>Natürlich wusste ich, dass es nicht der berüchtigte Fallensteller war. Er konnte es nicht sein. Es gab keine Geister. Ich glaubte schon seit Jahren nicht mehr daran.</p>



<p>Trotzdem vergrub ich mein Kinn tiefer in meinem Schal und beschleunigte meine Schritte. Es wurde allmählich spät. Egal ob Geist oder nicht, ich sollte aus dem Wald raus sein, ehe es zu dunkel wurde.</p>



<p>Wieder knallte die Peitsche. Wer auch immer da draußen auf seinem Hundeschlitten saß, schien es mindestens genauso eilig zu haben. Und das aus gutem Grund. Ein kräftiger Windstoß schlug mir ins Gesicht. Schneewehen wirbelten über den Weg vor mir. Sie hüllten alles in einen schwachen weißen Schleier. Es sah ganz danach aus, als wäre ein Schneesturm im Anmarsch.</p>



<p>„Er bringt den Sturm“, murmelte ich. Es war ein alberner Gedanke, aber war es nicht das, was mein Bruder damals gesagt hatte? Dass ein Schneesturm aufkommt, nachdem man Ol&#8216; Smoker in der Ferne gehört hat?</p>



<p>Nun lachte ich nervös. „Jetzt beruhig dich mal, Olivia“, murmelte ich mir zu. „Du bist doch kein Kind mehr.“</p>



<p>Trotzdem beschleunigte ich meine Schritte noch weiter. Ich rannte jetzt durch den knirschenden Schnee. Aber das lag natürlich nur an dem aufkommenden Sturm. Nicht etwa an irgendeiner Geistergeschichte, vor der sich nur Kinder gruselten.</p>



<p>Dann plötzlich wurde ich langsamer. Ich näherte mich einer Weggabelung. Normalerweise wäre das kein Problem für mich. Ich spielte, seit ich laufen kann, in diesem Wald. Sonst hätte ich wahrscheinlich nur anhand der umstehenden Bäume erkannt, wo genau im Wald ich jetzt war. Die Schneewehen waren allerdings inzwischen so stark geworden, dass ich die Stämme nur noch als schemenhafte Umrisse im Weiß erkannte. Auch musste ich die Augen zusammenkneifen, da der eisige Wind inzwischen schmerzhaft in ihnen stach.</p>



<p>Scheiße! Okay. Ruhig bleiben. Wo konnte ich sein? Mir fielen zwei Weggabelungen auf dem Weg nach Hause ein. Bei der ersten führte der linke Weg einige Kilometer tiefer in den Wald, ehe er bei einer verlassenen Sägemühle endete, und der rechte führte nach Hause. Wenn ich an besagter Gabelung allerdings schon vorbei war, würde der Weg links nach Hause führen, und der rechts lediglich zu einem Rundgang durch den Wald.</p>



<p>Ich biss mir auf die Unterlippe. Denk nach, Olivia. Denk nach!</p>



<p>Ich kam jedoch nicht dazu, weiter darüber nachzudenken. Wieder ertönte das Bellen von Hunden. Waren sie nähergekommen? Aus welcher Richtung kamen sie? Ich hatte sie erst wieder gehört, als der Wind gedreht hatte, also kamen sie … Schnell wirbelte ich herum. Das Geräusch kam vom Weg hinter mir!</p>



<p>Wieder knallte die Peitsche. Diesmal war das Geräusch so laut, so nahe, dass es mir einen Schauer über den Rücken trieb. Und das lag nicht nur an der untergehenden Sonne und der zunehmenden Kälte.</p>



<p>Trotzdem zwang ich mich, stehenzubleiben. Ich schluckte den Drang hinunter, wegzulaufen. Wenn das Geräusch aus dem Wald kam, musste der Hundeschlitten dem Weg folgen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er mich erreichte. Bestimmt konnte mir der Schlittenführer den richtigen Weg zeigen.</p>



<p>Also wartete ich. Ich schlang die Arme um meinen zitternden Körper, wippte auf den Füßen vor und zurück, um mich warm zu halten. Die Geräusche kamen näher.</p>



<p>Trotzdem konnte ich außer dem Schneegestöber kaum etwas erkennen. Ich hatte ein paar Mal das Gefühl, Bewegungen in der Ferne zu sehen, aber dort war alles weiß. Es zeichnete sich keine dunkle Silhouette, kein Schlitten darin ab. Die Hunde klangen hingegen, als hätte der Schlitten mich fast erreicht.</p>



<p>Und dann sah ich sie. Sie hatten helles Fell. Weiß auf Weiß. Kein Wunder, dass ich sie nicht erkannt hatte.</p>



<p>Erst war ich wie zu Eis gefroren. Dann jedoch löste ich mich aus meiner Starre und begann mit beiden Armen zu winken. Anfangs zögerlich, dann stärker. „Hallo!“, rief ich. „Der Sturm … Ich hab mich verirrt. Können Sie mir sagen, in welche Richtung es ins Dorf geht?“</p>



<p>Ich hörte, wie ein Mann den Hunden einen Befehl zurief. Sofort wurden sie langsamer. Trotzdem ging ich einige Schritte beiseite, um ihnen nicht im Weg zu stehen.</p>



<p>Jetzt hatten sie mich fast erreicht. Ungläubig sah ich mit an, wie acht weiße Huskys neben mir zum Stehen kamen. Ihr Gespann, das Holz, die Felle und sogar die Seile waren weiß. Oder waren sie nur von Schnee und reif bedeckt?</p>



<p>Mein nächster Blick galt dem Schlitten. Es war einer dieser großen Hundeschlitten für den Transport, auf denen man nicht die ganze Zeit stehen musste. Auch er war weiß gestrichen. Das war jedoch nicht mein Hauptaugenmerk. Nein. Das galt dem Mann, der auf dem Schlitten saß. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Er hielt eine weiße Peitsche in der Hand. Und sogar die Felle, die ihn von Kopf bis Fuß umhüllten, waren reinweiß … Genau wie bei Ol&#8216; Smoker.</p>



<p>Ich schluckte, versuchte, ruhig zu bleiben. Als der Mann jedoch von seinem Schlitten stieg, sich zu seiner vollen Größe aufrichtete, gingen meine Nerven mit mir durch. Ich wirbelte herum und rannte ins Dickicht zwischen den Bäumen.</p>



<p>Hier war der Schnee deutlich tiefer. Fast sofort sackte ich ein. Nun steckte ich bis über die Knie im Schnee. Eisige Kälte fraß sich durch meine Hose. Aber das ließ mich nicht innehalten. Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend.</p>



<p>Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach.</p>



<p>Das war der Moment, als in mir vollends die Panik ausbrach. Ich schrie um Hilfe, kreischte, während ich versuchte, schneller voranzukommen.</p>



<p>Tiefer und tiefer kämpfte ich mich in den Wald vor. Allmählich verlor ich das Gefühl in den Beinen. Der Wind wurde unterdessen immer stärker. Selbst meine dicke Jacke konnte mich nicht mehr gegen seine beißende Kälte schützen. Was ich dafür getan hätte, mich nur einen Augenblick hinzusetzen, mich auszuruhen.</p>



<p>Noch ehe ich jedoch ernsthaft darüber nachdenken konnte, nahmen meine Beine mir die Entscheidung ab. Sie waren inzwischen so kalt, dass sie sich steif und ungelenkig anfühlten. Ich verlor das Gleichgewicht, merkte, wie mein Oberkörper nach vorne kippte. Aber ich schaffte es dank des Schnees nicht, ein Bein vorzureißen, um den Sturz zu verhindern. Mit ausgestreckten Armen kippte ich in die Kälte. Ich spürte, wie sich Schnee zwischen Handschuhen und Jacke in meine Ärmel schob.</p>



<p>Jetzt war ich umgeben von Eis und Kälte. Mein Kopf war unter der Oberfläche. Mein Gesicht brannte vor Schmerz. Ich weiß nicht, ob ich jemals so gefroren hatte. Selbst bei einer kalten Dusche hatte ich mich noch nie so unterkühlt gefühlt.</p>



<p>Trotzdem schaffte ich es nicht, mich aufzurappeln. Es war, als wäre sämtliche Kraft aus meinem Körper gewichen. Vielleicht sollte ich einfach aufgeben. Ich könnte hier liegenbleiben. Nur für eine Minute …</p>



<p>Ich spürte den kräftigen Arm kaum, der mich aus dem Schnee hob, sah nur verschwommen, wie die Welt um mich herum sich bewegte, nahm nur am Rande meines Bewusstseins wahr, wie Ol&#8216; Smoker mich zurück zu seinem Schlitten trug. Er warf mich in einen Haufen aus weißen Fellen. Der Befehl, den er seinen Hunden zurief, kam mir weit entfernt vor. Dann setzte der Schlitten sich in Bewegung.</p>



<p>Ich blieb erschöpft zwischen den Fellen liegen. Fast schämte ich mich dafür, wie geborgen ich mich fühlte. Langsam kehrte die Wärme zurück. Ich spürte sogar meine Beine wieder, auch wenn sie nur aus Schmerz zu bestehen schienen.</p>



<p>Aber so gemütlich es auch war, ich konnte hier nicht bleiben. Das wusste ich. Also rappelte ich mich vorsichtig auf. Es war alles andere als einfach auf dem weichen Untergrund, während der Schlitten unregelmäßig hin und her schaukelte, meine Beine noch immer zitterten. Aber ich schaffte es. Gerade, als ich mich aus dem Schlitten in den Schnee stürzen wollte, packte mich jedoch eine Hand am Oberarm. Ich hatte unterschätzt, wie nahe Ol&#8216; Smoker mir tatsächlich saß.</p>



<p>„Bleib sitzen“, brummte er mit tiefer Stimme, während er mich in die Felle zurückdrückte.</p>



<p>Und das tat ich. Ich fühlte mich völlig hilflos, war mir nicht einmal sicher, ob meine zittrigen Beine es ein zweites Mal geschafft hätten, aufzustehen. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich konnte nichts dagegen tun. Wahrscheinlich waren sie der Grund, warum ich die bunten Lichter nicht gleich erkannte, denen wir uns jetzt schnell näherten.</p>



<p>Erst, als ich mir die Tränen aus den Augen gewischt hatte, bemerkte ich, dass es Weihnachtsdekoration war. Sie hing an den Häusern, über der Straße und an einem großen Weihnachtsbaum, den ich deutlich in der Ferne erkennen konnte. Das war unser Dorf!</p>



<p>Ungläubig sah ich mit an, wie wir ihm näher und näher kamen. Erst, als wir es fast erreicht hatten, rief der Schlittenführer wieder einen Befehl und die Hunde wurden langsamer. Wir blieben neben Miss Walshs Gemischtwarenladen stehen.</p>



<p>Schnell versuchte ich wieder, mich aufzurappeln. Aber der Fremde gab bloß ein Brummen von sich, stieg aus dem Schlitten und hob mich auf seine Arme. Mit schweren Schritten stapfte er Richtung Laden. Er drückte die Tür mit seiner Schulter auf und trat mit mir ein.</p>



<p>„Na das muss ja dringend sein, wenn Sie sich bei dem Wetter nach draußen wagen!“, hörte ich Miss Walshs Stimme. In ihr schwang ein Hauch Belustigung mit. „Also, was kann ich für Sie …“ Sie brach ab. Wahrscheinlich hatte sie mich bemerkt. „Du meine Güte! Olivia!“</p>



<p>„Kümmern Sie sich um sie“, brummte der Fremde. Er trug mich zu einem Stuhl, der eigentlich zum Verkauf stand, und setzte mich auf das dünne Polster.</p>



<p>Halbherzig lächelte ich Miss Walsh an. „Hey“, grüßte ich sie schwach.</p>



<p>Aber sie reagierte gar nicht. Sie starrte bloß mit offenem Mund den Fremden an. Oder besser gesagt den Ort, wo der Fremde hätte sein müssen. Als ich mich zu meinem Retter umdrehte, war er verschwunden.</p>



<p>Vorsichtig richtete ich mich auf, um besser sehen zu können, doch bis auf Walsh und mich war der Gemischtwarenladen menschenleer. Auf dem Boden waren nicht einmal nasse Fußabdrücke.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ihr könnt euch meine Verwirrung sicher vorstellen. Miss Walsh erklärte sogar, dass der Mann sich einfach in Luft aufgelöst habe.</p>



<p>Wie war das möglich? War er tatsächlich Ol&#8216; Smoker gewesen? Der Geist, der zu Lebzeiten so bösartig gewesen war? Aber warum hatte er mich dann ins Dorf zurückgebracht?</p>



<p>Zum Glück hatte Miss Walsh dafür eine Erklärung. Denn wie ich schon sagte, hatte mein Bruder mir nicht die ganze Geschichte vom Phantom Trapper of Labrador erzählt. Nach seinem Tod, so erklärte Miss Walsh, soll Ol&#8216; Smoker nämlich der Zutritt zum Jenseits verwehrt geblieben sein.</p>



<p>Seitdem wandelt seine ruhelose Seele auf unserer Erde, um die Schuld, die er im Leben auf sich geladen hatte, wieder gutzumachen. Er warnt die Menschen vor schlimmen Schneestürmen und bringt sie sogar manchmal zurück in Sicherheit. Ich konnte also von Glück reden, dass der Geist des Verbrechers mich gefunden hatte, sonst wäre ich in jener Nacht wahrscheinlich erfroren.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Phantom Trapper of Labrador (englisch für „Der Phantom-Fallensteller von Labrador“), manchmal auch The Trapper’s Ghost („Der Geist des Fallenstellers“) genannt, ist eine kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> über einen phantomhaften Fallensteller auf einem Hundeschlitten. Sie ist die wahrscheinlich bekannteste Geistergeschichte der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador.</p>



<p>Der Geist ist auch unter den Namen „Smoker“ („Raucher“) und „Ol&#8216; Smoker“ (Kurzform für „Old Smoker“, „alter Raucher“) bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Der Phantom Trapper of Labrador soll wie ein gewöhnlicher Mensch aussehen. Abgesehen von seiner etwas eigenartigen Kleidung, die ausschließlich aus weißen Fellen bestehen soll, sieht man ihm also nicht an, dass es sich bei ihm um einen Geist handelt.</p>



<p>Außerdem soll er auf einem weißen Komatik – dem traditionellen Hundeschlitten der Inuit, der in Kanada auch heute noch oft genutzt wird – sitzen, der von mehreren schneeweißen Huskys gezogen wird. Die Anzahl der Huskys kann je nach Geschichte variieren, es ist jedoch meist von einer geraden Zahl zwischen 8 und 14 die Rede.</p>



<p>Die rein weiße Erscheinung des Fallenstellers soll im Schnee nur schwierig zu erkennen sein – besonders, wenn es dunkel ist und/oder es einen Schneesturm gibt.</p>



<p>Außerdem heißt es, dass weder seine Hunde noch er oder sein Schlitten Spuren im Schnee hinterlassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Hauptsächlich wird der Phantom Trapper of Labrador nur akustisch wahrgenommen. So hört man das Knallen einer Peitsche oder das Bellen von Hunden im Wind. Meist soll dies geschehen, kurz bevor ein Schneesturm aufkommt. Die Erscheinung des Fallenstellers warnt also die Bewohner vor einem bevorstehenden Sturm.</p>



<p>Seltener kommt es vor, dass man den weißen Fallensteller auf seinem Schlitten sehen soll. Oft verlieren die Augenzeugen die im Schnee gut getarnte Gestalt aber schnell wieder aus den Augen. Auch hier soll kurz darauf ein heftiger Schneesturm aufkommen.</p>



<p>Das ist jedoch nicht das Einzige, was der Phantom Trapper of Labrador tut. Er warnt die Leute nicht nur, es gibt auch Erzählungen, in denen er Menschen vor einem Tod im Schnee gerettet hat.</p>



<p>So soll es bereits vorgekommen sein, dass der Fallensteller verirrte Hundeschlittenführer zurück in die Zivilisation geführt hat. In den meisten Fällen sieht hierbei ein Bewohner den Hundeschlitten ankommen. Der Geisterschlitten, dem der Schlittenführer angeblich gefolgt sei, wurde von dem Bewohner hingegen nicht gesehen, obwohl er direkt an ihm vorbeigefahren sei.</p>



<p>Eine andere Version der Legende besagt, dass eine Person – Geschlecht und Alter kann dabei variieren – sich in einem Schneesturm verlaufen hat. Geschwächt und völlig unterkühlt wird sie von einem in weiße Fälle gekleideten Mann auf einem weißen Hundeschlitten aufgelesen und in den nächsten Ort gebracht. Dort habe das Phantom ihn oder sie in ein Wirtshaus o. Ä. getragen und bei dem Kamin auf einen Stuhl gesetzt. Nachdem es den Wirt darum gebeten habe, sich um die Person zu kümmern, soll es sich in Luft aufgelöst haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>The Phantom Trapper of Labrador soll fast ausschließlich in der Provinz Neufundland und Labrador in Kanada gesichtet werden, von wo die Legende stammt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den genauen Ursprung der Legende ist nicht viel bekannt. Es gibt aber einige Theorien darüber, wer der geisterhafte Fallensteller zu Lebzeiten gewesen sein soll.</p>



<p>Die wohl verbreitetste Version besagt, dass er einst ein krimineller Fallensteller mit dem Namen Esau Gillingham gewesen sei. Über Esau Gillinghams Leben gibt es wiederum verschiedene Versionen. Die zwei bekanntesten möchte ich euch hier kurz vorstellen:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der unsympathische Fallensteller:</h4>



<p>Dieser Version zufolge war Gillingham ein talentierter Fallensteller, der bei seinen Besuchen in den Städten und Dörfern die schönsten Felle mitbrachte, um sie den Bewohnern zu verkaufen.</p>



<p>Das war auch der einzige Grund, warum er in den Orten geduldet wurde. Gillingham soll nämlich ein ziemliches Arschloch gewesen sein. U. A. soll er hitzköpfig gewesen sein, keine Manieren gehabt und Frauen schlecht behandelt haben.</p>



<p>Nachdem er seine Felle verkauft und sein Geld in den Tavernen versoffen hat, wurde er deshalb kurz darauf wieder aus den Dörfern vertrieben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der erfolglose Fellhändler:</h4>



<p>Auch in dieser Version soll Gillingham sein Geld mit dem Verkauf von Fellen verdient haben. Er war dabei jedoch bei Weitem nicht so erfolgreich, weshalb er in Armut lebte.</p>



<p>Eines Tages soll er jedoch genug Geld angespart haben, um sich davon eine eigene Destille kaufen zu können. Von dort an – so heißt es – habe er seinen eigenen Alkohol destilliert: Ein scheußliches Gebräu aus Kiefernzapfen, Zucker und Hefe, das unter dem Namen „Smoke“ bekannt geworden sei. Daher stamme auch sein Spitzname „Smoker“ bzw. „Ol&#8216; Smoker“.</p>



<p>Gillingham soll das billige Gesöff illegal an die Bewohner verkauft und so deutlich mehr Geld als mit seinen Fellen verdient haben. Dass der selbstgebraute Alkohol verdammt ungesund war und sogar bei einigen Leuten zu Wahnsinn oder Blindheit geführt haben soll, war Gillingham und seinen Kunden anscheinend egal.</p>



<p>Irgendwann wurde Gillinghams Destille jedoch im Wald gefunden und – entweder von den Behörden oder einigen wütenden Anwohnern – zerstört. Gillingham landete daraufhin ein Jahr lang im Gefängnis.</p>



<p>Das Jahr im Knast hat Gillingham aber keinesfalls zu einem besseren Menschen gemacht. Als er wieder frei ist, besorgt er sich weiße Huskys, streicht seinen Schlitten weiß an und kleidet sich fortan nur noch in weiße Felle, um sich im Schnee zu tarnen.</p>



<p>Auch soll er seine Destille weiß gefärbt und ein weißes Fass voller Smoke an seinem Schlitten befestigt haben, um es unter die Leute zu bringen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Ende des Fallenstellers:</h4>



<p>Die genaue Todesursache von Gillingham ist unbekannt. Es gibt aber auch hier verschiedene Theorien, was geschehen sein könnte.</p>



<p>Manchmal heißt es, der Ehemann einer der schlecht behandelten Frauen habe ihn erschossen. Manchmal sei er in einem Schneesturm umgekommen oder auf andere Weise ermordet worden. Und wieder andere Male sei er an seinem eigenen Alkohol verendet.</p>



<p>Ich habe auch davon gelesen, dass er in der Wildnis gestürzt sein soll, wobei er sich den Rücken brach und qualvoll gestorben sei.</p>



<p>Aber wie er auch gestorben ist, nach seinem Tod wurde ihm der Zugang zu Himmel und Hölle verwehrt. Er soll als Geist auf der Erde bleiben, um von nun an seine schlechten Taten wiedergutzumachen, indem er verirrten Menschen hilft und sie vor Schneestürmen warnt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternativer Ursprung:</h4>



<p>Es gibt aber auch Leute, die behaupten, die Legende von Ol&#8216; Smoker sei bereits vor Esau Gillinghams Tod entstanden. Zwar habe ich keine Hinweise auf einen tatsächlichen Verbrecher mit dem Namen finden können, der im 19. oder 20. Jahrhundert in Kanada gelebt haben soll, ihnen zufolge sei die Geistergeschichte aber erst nach Gillinghams Tod mit ihm in Verbindung gebracht worden.</p>



<p>Ich möchte an dieser Stelle jedoch gestehen, dass mir gerade die Zeit für eine wirklich tiefgreifende Recherche zu diesen Behauptungen fehlt (zumal ich fast nichts dazu finden konnte). Sollte ich den Beitrag in Zukunft überarbeiten, werde ich aber versuchen, mehr darüber in Erfahrung zu bringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Phantom Trapper of Labrador in der Popkultur:</h3>



<p>Obwohl es zu Ol&#8216; Smoker viele Legenden gibt und er in Neufundland und Labrador sehr bekannt sein soll, habe ich nur wenige Auftritte des Geistes in der Popkultur gefunden.</p>



<p>So gibt es den Roman „White Eskimo: A Novel Of Labrador“ (Englisch für „Weißer Eskimo: Ein Roman über Labrador“, 1972), der zwar nicht von dem Geist direkt, dafür aber von einer fiktiven Version von Esau Gillingham handelt.</p>



<p>Außerdem gibt es das Lied „The Labrador Trapper’s Ghost“ („Der Geist des Fallenstellers aus Labrador“) von der Singer Songwriterin Emily Stewart (<a href="https://mondaymorning3ammusicclub.bandcamp.com/track/the-labrador-trappers-ghost" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier der Link zum Lied</a> auf bandcamp.com), das die Legende nacherzählt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von The Phantom Trapper of Labrador? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie hättet ihr an Olivias Stelle reagiert? Hättet ihr versucht, zu fliehen oder den Fremden um Hilfe gebeten? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Interaktive Geschichte – Das Pfeifer-Haus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Oct 2025 17:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Endlich ist es soweit: Rechtzeitig zu Halloween ist die zweite Interaktive Geschichte von mir endlich fertig. Wie auch letztes Mal möchte ich an dieser Stelle um Rückmeldungen bitten, da interaktive Geschichten für mich immer noch sehr neu sind. Was hat euch gefallen? Was hat euch nicht gefallen oder sogar gestört? Schreibt mir also gerne einen &#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/interaktive-geschichte-das-pfeifer-haus">Interaktive Geschichte – Das Pfeifer-Haus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p>Endlich ist es soweit: Rechtzeitig zu Halloween ist die zweite Interaktive Geschichte von mir endlich fertig. Wie auch letztes Mal möchte ich an dieser Stelle um Rückmeldungen bitten, da interaktive Geschichten für mich immer noch sehr neu sind. Was hat euch gefallen? Was hat euch nicht gefallen oder sogar gestört?</p>



<p>Schreibt mir also gerne einen Kommentar, solltet ihr Kritik, Anmerkungen oder sonst etwas auf dem Herzen haben. Außerdem würde mich wieder wahnsinnig interessieren, welches Ende (oder welche Tode, falls ihr auf dem Weg zum ersten Ende sterbt) ihr zuerst erreicht habt.</p>



<p>Jetzt aber viel Spaß beim Gruseln!</p>



<p>Solltet euch die Darstellung unten nicht gefallen (besonders am PC ist es dank der Seitenleiste etwas eng), könnt ihr die Geschichte auch über den folgenden Link spielen:</p>



<p><a href="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2025/10/Interaktive-Geschichte-–-Spuk-im-Pfeifer-Haus-1.html">Interaktive Geschichte in einem separaten Tab spielen</a></p>


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		<title>Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f553b64606004ffa887facbe453f3bcc" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Hitori Kakurenbo ist ein japanisches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale">Ritual</a>, das besonders in der Zeit vor <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween">Halloween</a> sehr beliebt ist.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Dann wollen wir mal“, murmelte ich. Ich nahm das Messer und stach dem Teddy damit in den Bauch. Es war schwieriger, als ich gedacht hätte. Der alte Stoff war ziemlich stabil. Trotzdem hatte der Teddy bald einen gut fünf Zentimeter langen Schnitt im Bauch.</p>



<p>Sofort machte ich mich daran, die Watte aus seinem Körper zu ziehen.</p>



<p>„Hast du’s?“, hörte ich Leonies Stimme aus meinem Smartphone. Wir kannten einander von der Arbeit. Unsere Kollegen spekulierten oft, ob wir zusammen seien, aber in Wirklichkeit war sie bloß meine beste Freundin.</p>



<p>Genau wie ich war sie ein Horrorfan. Eigentlich feierten wir Halloween immer zusammen. Es war jedoch das Jahr 2020. Corona hatte uns einen dicken Strich durch unsere Feiertagspläne gemacht. Also hatten wir entschieden, uns an diesem 31. Oktober lediglich telefonisch zu treffen.</p>



<p>So hatten wir bereits einige Stunden gequatscht, zwei Horrorfilme zusammen geschaut und jede Menge rumgealbert. Das Hauptevent des Abends stand uns aber noch bevor. Wir wollten zusammen das japanische Ritual Hitori Kakurenbo durchführen – „allein Versteckspielen“, wie es auf Deutsch übersetzt heißt. Und dafür brauchte man ein Stofftier.</p>



<p>Der Teddy vor mir wirkte jetzt, wo er keine Watte mehr im Körper hatte, noch kläglicher als ohnehin schon. Sein Stoff war fleckig und abgenutzt, ihm fehlte ein Auge und nun sah er auch noch aus wie ein Ballon, aus dem man die Luft gelassen hatte.</p>



<p>„So. Ich füll jetzt den Reis in meinen Teddy“, erklärte ich Leonie.</p>



<p>„Ich bin schon dabei, meine Puppe wieder zuzunähen“, erwiderte sie, als sei es ein Wettrennen. Sie hatte sich für eine billige Stoffpuppe entschieden.</p>



<p>„Du musstest auch keine Watte aus den Ohren pulen“, konterte ich.</p>



<p>Danach schwiegen wir wieder konzentriert, während sie ihre Puppe zusammennähte und ich meinen Teddy mit dem ungekochten Reis füllte. Jetzt fehlte nur noch eine Zutat. Ich griff nach dem Toilettenpapier, auf das ich meine frisch geschnittenen Fingernägel gelegt hatte. Ich kippte sie zu dem Reis. Das Stofftier brauchte einen Teil der Person, die das Ritual durchführen wollte.</p>



<p>Als Nächstes nahm ich die Nadel mit dem roten Faden, die ich bereits vorbereitet hatte. Man musste das Stofftier mit einem roten Faden vernähen und anschließend mit dem restlichen Faden umwickeln. Ich machte mich sofort an die Arbeit. Zugegeben, ich war kein Nähmeister – die Stiche waren alles andere als gleichmäßig, aber sie schienen zu halten. Also wickelte ich den restlichen Faden um den dünnen braunen Körper, ehe ich ihn festknotete.</p>



<p>„Okay. Ich bin fertig“, erklärte ich. „Bei dir alles klar?“</p>



<p>„Jap. Annabelle ist einsatzbereit.“</p>



<p>Mir entfuhr ein Lacher. „Annabelle? Ernsthaft?“</p>



<p>„Ja. Ich dachte, der Name passt zu einer besessenen Puppe. Wieso? Wie hast du deinen Teddy genannt?“, fragte sie.</p>



<p>Ich grinste. „Herr von und zu Flausch“, sagte ich.</p>



<p>Jetzt musste auch Leonie lachen. „O Mann, Dom, du bist echt bescheuert“, neckte sie mich.</p>



<p>Mein Grinsen wurde breiter.</p>



<p>Dann wurde sie wieder ernst. „Als Nächstes müssen wir das Salzwasser vorbereiten und in unser Versteck stellen.“</p>



<p>Ich nickte – auch wenn sie das natürlich nicht sehen konnte –, ehe ich in die Küche ging. Dort füllte ich einige Teelöffel Salz in eine Flasche mit warmem Wasser, drehte den Deckel zu und schüttelte sie. Von Leonie hörte ich das Rühren eines Löffels in einem Glas.</p>



<p>Nachdem wir fertig waren, brachte ich die Flasche ins Schlafzimmer. Zugegeben, der Wandschrank war nicht unbedingt das beste Versteck, aber ich ging ja auch nicht davon aus, dass <em>wirklich</em> etwas passieren würde.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p><em>03:00 Uhr</em></p>



<p>„Hast du dein Handy auf stumm gestellt?“, fragte Leonie.</p>



<p>Ich nickte. „Jap. Du hoffentlich auch?“</p>



<p>„Klar. Also dann. Wir hören uns, wenn wir im Versteck sind. Bis gleich.“</p>



<p>„Bis gleich.“</p>



<p>In dem Moment brach die Verbindung ab. Leonie hatte aufgelegt.</p>



<p>Ich atmete einmal tief durch. „Also dann“, wiederholte ich.</p>



<p>Obwohl schon den ganzen Abend niemand außer mir im Haus war, fühlte ich mich jetzt zum ersten Mal allein. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich würde es vor Leonie niemals zugeben, aber jetzt, wo es wirklich ernst wurde, war mir tatsächlich etwas mulmig zu Mute. Trotzdem würde ich sie nicht mit dem Ritual allein lassen. Also griff ich nach Herrn von und zu Flausch. Ich betrachtete sein entstelltes Gesicht, während ich ihn in die gefüllte Badewanne legte. Das Wasser war kalt. Erneutes Durchatmen.</p>



<p>„Saisho no Oni wa Dominik da kara“, sagte ich laut: Weil Dominik zuerst der Oni ist. Ich hatte die japanischen Sprüche für das Ritual extra auswendig gelernt, falls sie auf Deutsch nicht funktionierten. „Saisho no Oni wa Dominik da kara“, wiederholte ich. Und ein drittes Mal: „Saisho no Oni wa Dominik da kara.“</p>



<p>Daraufhin drehte ich mich um, ging durch den Flur und schaltete die Lichter aus. Anschließend machte ich den Fernseher im Wohnzimmer an. Sofort wurde ich von einem lauten Rauschen begrüßt. Aber so musste das sein, wenn ich das Ritual genau befolgen wollte. Nun schaltete ich auch das Licht im Wohnzimmer aus. Die einzigen Lichter im gesamten Haus waren jetzt der rauschende Fernseher und meine Handytaschenlampe.</p>



<p>Ich schloss die Augen und zählte laut bis zehn: „Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Sechs. Sieben. Acht. Neun. Zehn. Ich komme!“</p>



<p>Schnell ging ich zurück zum Badezimmer. Ich stieß die Tür auf, leuchtete mit dem Handy zur Wanne und ging darauf zu. Der Teddy war auf den Grund gesunken, weshalb ich den Ärmel hochkrempeln musste, ehe ich das tropfende Teil aus dem kalten Wasser zog.</p>



<p>Jetzt kam der nächste Part. „Mitsuketa!“, rief ich lauter als beabsichtigt: Ich habe dich gefunden.</p>



<p>Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll.</p>



<p>„Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“, rief ich. Als Nächstes ist Herr von und zu Flausch der Oni. „Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni! Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“</p>



<p>Ich atmete schwer. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wasser lief geräuschvoll aus dem Teddy in die Wanne. Ansonsten war es völlig still.</p>



<p>Für einen Moment war ich wie erstarrt. Dann warf ich das Stofftier zurück in die Wanne, ließ das Messer klappernd auf die Fliesen fallen und rannte auf meinen Socken aus dem Badezimmer. Ich sprintete weiter ins Schlafzimmer, ehe ich mich in den Wandschrank stürzte und die Tür hinter mir zuschob.</p>



<p>Mein Atem ging noch immer ungewöhnlich schnell. Ich blieb einige Sekunden völlig regungslos, ehe ich bemerkte, dass meine Handytaschenlampe noch immer an war. Mit unruhigen Fingern schaltete ich das Display ein, wischte hektisch zur Taschenlampenfunktion und schaltete sie ab. Scheiße! Wieso war ich so nervös? Es war doch nur ein Spiel.</p>



<p>Jetzt war es völlig dunkel um mich herum. Ich achtete auf jedes Geräusch. Aber abgesehen von dem statischen Rauschen des Fernsehers in der Ferne war da nur noch mein leiser Atem. Langsam beruhigte ich mich wieder. Alles war in Ordnung.</p>



<p>Plötzlich leuchtete mein Handydisplay auf. Ich zuckte zusammen. Leonie rief an. Sofort tippte ich auf den grünen Hörer.</p>



<p>„Hey“, flüsterte Leonie.</p>



<p>„Hi“, flüsterte ich zurück.</p>



<p>„Na? Wie siehts bei dir aus?“, fragte sie.</p>



<p>„Ich bin in meinem Versteck.“</p>



<p>„Ich auch.“ An ihrer Aussprache konnte ich hören, wie sie grinste. Wie konnte sie nur immer so cool bleiben?</p>



<p>„Also? Was meinst du?“, fragte ich. „Wie lange müssen wir warten, bis etwas passiert?“</p>



<p>Leonie schien einen Moment zu überlegen. „Weiß nicht. Aber das Spiel darf maximal zwei Stunden dauern. Zuuu lange sollte es also nicht sein.“</p>



<p>Jetzt musste auch ich grinsen. „Wir sollten also lieber hoffen, dass Annabelle und Herr von und zu Flausch von der langsamen Sorte sind. Wenn ich zwei Stunden hätte, um das ganze Haus zu durchsuchen, würde ich mich locker finden. Ich hock im Wandschrank. Wo hast du dich versteckt?“</p>



<p>Ich hörte ein belustigtes Schnaufen. „Hinter dem Sofa.“</p>



<p>Wow. Leonie war ja noch unkreativer bei ihrer Versteckwahl gewesen als ich.</p>



<p>Wir hockten noch eine Weile in unseren Verstecken und alberten im Flüsterton herum, während alles ruhig zu bleiben schien. Dann plötzlich brach Leonie jedoch mitten im Satz ab und sagte leise: „Schh! Ich glaub, da war was!“</p>



<p>Angespanntes Schweigen. Bei mir im Haus war alles still. Trotzdem traute ich mich nicht, als erster etwas zu sagen.</p>



<p>„Scheiße! Auf dem Flur ist irgendetwas!“, flüsterte Leonie. Ihre Stimme war jetzt so leise, dass ich sie kaum hören konnte.</p>



<p>Meinte sie das ernst? War es vielleicht nur Einbildung? Oder wollte sie mich ärgern?</p>



<p>Im nächsten Moment hörte ich etwas, das sich nach einem umfallenden Wasserglas anhörte, das kurz darauf über Parkettboden rollte.</p>



<p>„Scheiße!“, wiederholte Leonie lauter. Diesmal lag eindeutig Panik in ihrer Stimme.</p>



<p>Kurz meinte ich, eine andere Person durch den Lautsprecher zu hören: „Mitsuketa!“ Es war einer der Sprüche, die ich auswendig gelernt hatte. Ich habe dich gefunden. Vorhin hatte ich es noch selbst zu Herrn von und zu Flausch gesagt.</p>



<p>Dann brach am anderen Ende der Leitung Chaos aus. „Nein!“ Leonie entfuhr ein spitzer Aufschrei. Es folgte das Rascheln von Kleidung, panische bis schmerzerfüllte Rufe von Leonie und schließlich ein dumpfer Aufprall. Dann war wieder alles Still.</p>



<p>„Leonie?“, fragte ich. Kurz vergaß ich zu flüstern. „Leonie?“, wiederholte ich dann wieder leiser.</p>



<p>Aber es kam keine Antwort. Stattdessen war der Anruf plötzlich beendet.</p>



<p>Wenn das ein Scherz war, ging Leonie definitiv zu weit! Schnell wählte ich sie wieder in meinen Kontakten aus. Es klingelte. Und klingelte. Und klingelte.</p>



<p>„Hey, hier ist Leonie Siemens. Leider kann ich gerade nicht ans Telefon gehen. Versuchen Sie es später noch einmal oder hinterlassen Sie mir eine Nachricht.“</p>



<p>Schnell versuchte ich es erneut. Aber wieder nichts. Als ich sie gerade ein drittes Mal anrufen wollte, hörte ich jedoch selbst etwas in meinem Haus. Das statische Rauschen klang irgendwie anders. „Dominik.“ Hatte es gerade meinen Namen gerauscht? Aber nein, das musste ich mir einbilden. „Dominik, Dominik, Dominik.“</p>



<p>Ich unterdrückte den Drang, mir die Ohren zuzuhalten. War das gerade eine Tür gewesen? Wahrscheinlich waren es nur die Nerven, die mit mir durchgingen. Andererseits hatte ich nicht vor, ein Risiko einzugehen. Ich griff nach der Flasche mit dem Salzwasser, drehte sie auf und nahm ein wenig der Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p>Sofort verzog ich das Gesicht. Ich hatte es mit dem Salz wirklich <em>sehr</em> gut gemeint.</p>



<p>Trotzdem: Wenn man der Anleitung im Internet glauben durfte, sollte ich jetzt vor dem Geist oder Dämon in Sicherheit sein, der Herrn von und zu Flausch besetzt haben könnte.</p>



<p>Fast kam ich mir albern vor, während ich die Schranktür aufschob, das Salzwasser im Mund. Aber Leonie war nicht der Typ für solche geschmacklosen Scherze. Auch nicht an Halloween. Ich nahm das Ganze also gerade sehr ernst.</p>



<p>Auf leisen Sohlen schlich ich, die Handytaschenlampe in der einen Hand, die Flasche mit Salzwasser in der anderen, Richtung Badezimmer. Gegen das Licht der Taschenlampe konnte ich wenig tun – ansonsten würde ich wohl überall gegenlaufen. Außerdem wollte ich gerade nicht in völliger Dunkelheit sein. Aber ich war froh, dass ich sämtliche Türen offengelassen hatte. So konnte ich mich wenigstens geräuschlos durch das Haus bewegen.</p>



<p>Kurz vorm Badezimmer trat ich mit der Socke in etwas Nasses. Ich erstarrte. Vom Badezimmer zog sich eine Pfütze den Flur entlang. Wo kam das Wasser her?</p>



<p>Schnell betrat ich das Badezimmer. Ich leuchtete zur Wanne. Herr von und zu Flausch war weg. Abgesehen vom Wasser und einigen Reiskörnern war die Badewanne leer.</p>



<p>Jetzt setzte in mir Panik ein. Bis eben konnte ich mir noch einreden, dass es eine andere Erklärung für die seltsamen Phänomene gab. Aber ein Stofftier konnte nicht einfach von selbst aus einer Badewanne verschwinden. Zumindest nicht, ohne von einem Geist oder Dämon besessen zu sein.</p>



<p>Das Wasser schwappte in meinem Mund hin und her, während ich mich hektisch umsah. Aber natürlich war Herr von&nbsp;und zu Flausch nicht mehr im Badezimmer. Also ging ich weiter in den Flur. Ich musste ihn schnellstens mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, um das Ritual zu beenden.</p>



<p>Ich folgte der Spur aus Wasser. Bei näherer Betrachtung sah ich in unregelmäßigen Abständen Reiskörner darin liegen. Herr von und zu Flausch musste einiges an Strecke zurückgelegt haben. Die feuchte Spur führte ins Arbeitszimmer, von dort aus zurück in den Flur, ehe sie schließlich in der Küche so schwach wurde, dass man sie kaum noch erkennen konnte. Bisher hatte ich den Teddy jedenfalls nirgends gesehen.</p>



<p>Mit gerunzelter Stirn trat ich zurück in den Flur. Wo konnte er sein? Im Schlafzimmer war er eben jedenfalls noch nicht gewesen. Wenn er also nicht in den Keller gegangen war, blieb nur noch das Wohnzimmer.</p>



<p>Ich spähte zu der offenen Tür. Noch immer hörte ich deutlich das Rauschen des Fernsehers. Zum Glück konnte ich jetzt keine Stimmen mehr darin hören. Mit leisen Schritten ging ich darauf zu. Als ich nahe genug war, schaltete ich vorsichtshalber sogar die Taschenlampe aus und steckte das Handy weg.</p>



<p>Das Fernsehbild warf ein schwach flackerndes Licht ins Wohnzimmer. Und direkt davor auf dem Teppich stand eine kleine Gestalt. Herr von und zu Flausch stand auf beiden Beinen, das kleine Küchenmesser am Ende seines linken Arms, wo es auf übernatürliche Weise festhielt. Ich hatte ihn gefunden.</p>



<p>Für einen Moment zögerte ich. Dann nahm ich all meinen Mut zusammen und ging auf das Ding zu. Dabei spürte ich, wie mein Magen sich zusammenkrampfte. Alles in mir schrie danach, mich von dem Teddy fernzuhalten. Aber das durfte ich nicht. Ich musste das Ritual beenden!</p>



<p>Es war unmöglich, zu sagen, ob er mich bemerkt hatte. Ich hatte keine Ahnung, wie genau mich das Salzwasser in meinem Mund vor ihm schützen würde. Im Moment stand er jedenfalls völlig reglos da.</p>



<p>„DOMINIK!“, schrie plötzlich eine Stimme aus dem Fernseher.</p>



<p>Ich stolperte erschrocken zurück, verschluckte mich an dem Salzwasser und … schluckte es versehentlich hinunter.</p>



<p>Mit geweiteten Augen starrte ich nun den Teddy an. Noch hatte er sich nicht bewegt. Also griff ich langsam nach dem Deckel der Salzwasserflasche, um sie aufzudrehen. Sobald sich meine Hand jedoch bewegte, brach die Hölle los.</p>



<p>„Mitsuketa!“, schrie plötzlich eine zierliche Stimme. Gleichzeitig setzte sich Herr von und zu Flausch in Bewegung. Er rannte auf mich zu, sprang in die Luft und schnitt mir mit dem Messer ins Schienbein. Das wiederum sorgte dafür, dass ich noch weiter zurückwich. Ich stolperte, kam ins Straucheln und fiel rücklings zu Boden. Mein Kopf knallte auf das Parkett.</p>



<p>Aber ich gab mir keinen Moment, mich zu erholen. Obwohl sich alles drehte, griff ich wieder nach der Flasche, die ich noch immer in der Hand hielt. Zum Glück hatte ich sie noch nicht aufdrehen können, sodass sie nicht ausgelaufen war.</p>



<p>Doch auch Herr von und zu Flausch zögerte keine Sekunde. Er rannte weiter auf mich zu, sprang auf mein linkes Bein und lief darauf entlang. Dabei hackte er wie in Raserei um sich. Schmerz zuckte durch mein Bein und ich spürte, wie sich die Hose schnell mit einer warmen Flüssigkeit vollsog.</p>



<p>Zum Glück arbeitete mein Hirn auf Hochtouren. Statt zu versuchen, den wahnsinnigen Teddy abzuwehren, drehte ich die Flasche auf. Ich führte sie an die Lippen und nahm einen Schwall der salzigen Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p>Herr von und zu Flausch hatte inzwischen meinen Bauch erreicht. Mit der Spitze nach unten hob er das Messer und … erstarrte. In dem Moment, wo ich das Salzwasser im Mund hatte, hörte er auf, sich zu bewegen.</p>



<p>Ich atmete schwer, musste den Drang unterdrücken, zu schlucken. Stattdessen rappelte ich mich auf, schlug den Teddy von mir, als wäre er eine große Spinne – natürlich darauf bedacht, nicht ins Messer zu fassen.</p>



<p>Er flog einen halben Meter durch den Raum und landete auf dem Rücken, das Messer noch immer über den Kopf erhoben.</p>



<p>Sofort schüttete ich die restliche Flüssigkeit aus der Flasche über ihn. Das Stofftier wurde schlaff, ließ sogar das Messer fallen. Zu guter Letzt bespuckte ich ihn mit der Flüssigkeit aus meinem Mund.</p>



<p>„Watashi no Kachi!“, rief ich. Ich gewinne. „Watashi no Kachi! Watashi no Kachi!“ Aber ich fühlte mich nicht, als hätte ich gewonnen.</p>



<p>Auch wenn der Teddy sich daraufhin nicht mehr bewegte, nahm ich ihn und legte ihn in eine Bratpfanne. Ich übergoss ihn mit Brandbeschleuniger und zündete ihn an. Ich sah dabei zu, wie sein kleiner unscheinbarer Körper von den Flammen zerfressen wurde. Erst, als er fast nur noch aus Asche bestand, löschte ich die Glut und kümmerte mich um meine Wunden. Es waren viele, aber zum Glück waren sie nicht sonderlich tief.</p>



<p>Dabei wählte ich wieder und wieder Leonies Nummer in meinem Smartphone aus. Sie ging nicht ran. Aber ich wusste bereits, was passiert war. Annabelle hatte sie getötet. Ein Verdacht, der sich bereits am nächsten Tag bestätigte.</p>



<p>Aber das war noch nicht alles: Von Annabelle, der Mörderin meiner besten Freundin, fehlte jede Spur.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h2>



<p>Hitori Kakurenbo (ひとりかくれんぼ, Japanisch für „eine Person Versteckspiel“ oder „allein Versteckspielen“), im westlichen Raum auch unter der englischen Übersetzung „Hide and Seek Alone“ bekannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus Japan. Dabei handelt es sich um ein Ritual, bei dem eine Stoffpuppe oder ein Stofftier von einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> oder einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämon</a> besessen wird.</p>



<p>Das Ritual ist auch in Korea sehr beliebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Anleitung:</h3>



<p><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbereitung:</h4>



<p>Du benötigst:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>eine Puppe aus Stoff oder ein Stofftier mit Gliedmaßen</li>



<li>ungekochten Reis</li>



<li>eine Nadel und roten Faden</li>



<li>einen spitzen Gegenstand <em>(es wird empfohlen, einen Bleistift, eine Nadel oder einen Zahnstocher zu nehmen, auch wenn du theoretisch auch ein Messer oder eine Schere nehmen kannst)</em></li>



<li>abgeschnittene Finger- oder Fußnägel von dir selbst (<em>es sind auch andere körpereigene Materialien wie Haare, Blut oder Hautschuppen möglich, aber damit soll das Ritual gefährlicher werden)</em></li>



<li>ein Glas oder eine Flasche mit Salzwasser</li>



<li>eine mit Wasser gefüllte Badewanne oder ein gefülltes Waschbecken (<em>darüber, ob auch ein gefüllter Eimer oder eine Wäscheschüssel funktionieren, habe ich geteilte Meinungen gelesen</em>)</li>
</ul>



<p>Zuerst musst du dem Stofftier einen Namen geben, falls es noch keinen hat. Ich würde allerdings davon abraten, ein Stofftier zu nehmen, an dem dir etwas liegt, da man das Stofftier nach dem Ritual vernichten muss.</p>



<p>Schneide das Stofftier auf, entferne die Watte und ersetze sie vollständig mit dem ungekochten Reis. Leg die Finger- oder Fußnägel (oder für was auch immer du dich sonst entschieden hast) hinein und vernähe den Schnitt mit dem roten Faden. Wickel den restlichen roten Faden um das Stofftier und knote ihn zusammen.</p>



<p>Nun solltest du dich für ein Versteck entscheiden. Ich empfehle, dass du dort auch bereits das Glas oder die Flasche mit dem Salzwasser deponierst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ablauf:</h4>



<p>Das Ritual beginnt um 3 Uhr morgens. Nimm das Stofftier und sag zu ihm dreimal: „最初の鬼は(dein Name)だから“ („Saisho no Oni wa <em>dein Name</em> da kara“, auf Deutsch etwa: „Weil <em>dein Name</em> der erste Oni ist.“ – In Japan werden die Suchenden beim Versteckspielen als „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni</a>“ bezeichnet.)</p>



<p>Danach musst du mit dem Stofftier ins Badezimmer gehen und es in die gefüllte Wanne (oder das gefüllte Waschbecken) legen.</p>



<p>Schalte nun alle Lichter im Haus aus und den Fernseher ein. Der Fernseher darf allerdings kein Programm anzeigen (im besten Fall sollte er Bildrauschen darstellen).</p>



<p>Wenn du damit fertig bist, schließe die Augen und zähle bis zehn.</p>



<p>Jetzt musst du ins Badezimmer gehen und mit dem spitzen Gegenstand auf das Stofftier in der Wanne einstechen, während du sagst: „見つけた“ („Mitsuketa“, „Ich habe dich gefunden“). Anschließend musst du dreimal „次は(Name des Stofftiers)が鬼“ („Tsugi wa <em>Name des Stofftiers</em> ga Oni“, „Als Nächstes ist <em>Name das Stofftiers</em> der Oni!“) sagen, ehe du dich in deinem Versteck mit dem Salzwasser versteckst. (Was genau du mit dem spitzen Gegenstand machen sollst, nachdem du das Stofftier damit gestochen hast, geht nicht aus der verbreiteten Anleitung hervor. Viele Leute lassen es bei dem Stofftier liegen, damit es nun sie damit sie jagen kann.)</p>



<p>Ab jetzt kann es passieren, dass das Stofftier sich bewegt, um dich zu suchen, während weitere paranormale Phänomene passieren. Um welche Phänomene es sich genau handelt, kann von Erzählung zu Erzählung variieren. Es ist aber u. a. von Poltergeistphänomenen und Geräuschen, Stimmen oder Gesichtern im Fernsehrauschen die Rede.</p>



<p>Es sollte an dieser Stelle natürlich klar sein, dass das Stofftier dich auf keinen Fall finden darf, da du sonst in Lebensgefahr schwebst oder der Geist bzw. Dämon von dir Besitz ergreifen können soll.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo beenden:</h4>



<p>Um das Spiel zu beenden, musst du nun einen Schluck Salzwasser in den Mund nehmen. Achte aber darauf, dass du ihn die ganze Zeit im Mund behältst und nicht herunterschluckst oder ausspuckst.</p>



<p>Nun musst du dich auf die Suche nach dem Stofftier machen, das restliche Salzwasser aus dem Becher oder der Flasche darauf gießen und das Wasser aus deinem Mund darüber spucken. Sag nun dreimal laut: „私の勝ち“ („Watashi no Kachi“, „Ich gewinne“).</p>



<p>Der Geist oder Dämon sollte das Stofftier nun verlassen haben. Da er jedoch zurückkehren könnte, solltest du das Stofftier schnellstmöglich vernichten, indem du es verbrennst.</p>



<p>Auch wenn du alles korrekt durchführst, soll es jedoch passieren können, dass du nach dem Spiel krank wirst oder paranormale Phänomene erlebst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternative Version:</h4>



<p>In einer anderen Version dient das Stofftier hauptsächlich als Objekt für die Beschwörung. Der Geist oder Dämon ist zwar in gewisser Weise daran gebunden und es soll trotzdem passieren können, dass das Stofftier sich bewegt, er kann sich aber unabhängig von ihm durch das Haus bewegen. In dieser Version versucht also der Geist oder Dämon in seiner eigenen Gestalt (nicht als Stofftier) die Durchführenden zu finden.</p>



<p>Um das Ritual zu beenden, musst du auch in dieser Version das Stofftier suchen, mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, dreimal sagen, dass du gewonnen hast, und es anschließend verbrennen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Regeln:</h4>



<p>Zu den weiteren Regeln gehören, dass du während des gesamten Rituals allein im Haus sein musst (es sollten auch keine Haustiere da sein). Man darf das Ritual also nicht mit mehreren Personen durchführen.</p>



<p>Die Lichter müssen die ganze Zeit über ausgeschaltet bleiben.</p>



<p>Du darfst während des Rituals auf keinen Fall einschlafen.</p>



<p>Verlass nicht das Haus, während das Ritual noch im Gange ist.</p>



<p>Und besonders wichtig: Das Versteckspiel darf niemals länger als 2 Stunden andauern. Ansonsten läufst du Gefahr, dass der Dämon oder Geist zu mächtig wird und sich nicht mehr so leicht vertreiben lässt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die urbane Legende soll ursprünglich aus der Kansai- und der Shikokuregion in Japan stammen. Es gibt Gerüchte, dass Hitori Kakurenbo als Experiment in einer japanischen Universität entstanden sei, mit dem man herausfinden wollte, wie gut sich urbane Legenden verbreiten können.</p>



<p>Es heißt außerdem, dass Hitori Kakurenbo mit dem Kokkuri-san Ritual zusammenhänge, einem alten japanischen Ritual, dass der Geisterbeschwörung mit einem Ouija-Brett ähnelt. Den genauen Zusammenhang habe ich nicht herausfinden können. Ich kann mir aber vorstellen, dass, sollte die Theorie mit dem Universitätsexperiment stimmen, das Kokkuri-san Ritual nur erwähnt wurde, um der Legende mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.</p>



<p>Jedenfalls wurde am 18. April 2007 erstmals eine detaillierte Anleitung des Hitori-Kakurenbo-Rituals auf der japanischen Website 2chan gepostet.</p>



<p>Zahlreiche Leute haben das Ritual daraufhin ausprobiert, auf 2chan davon berichtet und es teilweise auch gefilmt. Die anderen Leute, die davon gelesen oder die Videos gesehen haben, haben es wiederum selbst ausprobiert und ihre Erfahrungen ins Netz gestellt, woraufhin weitere Leute diese Erfahrungen gelesen haben usw.</p>



<p>So hat sich das Ritual recht schnell verbreitet und es bald über die Landesgrenzen geschafft. Bereits im Herbst 2008 soll Hitori Kakurenbo in Amerika angekommen sein. Von dort aus hat es sich schließlich in die weitere westliche Welt verbreitet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo in der Popkultur:</h3>



<p>Auf YouTube und ähnlichen Plattformen gibt es zahlreiche Videos über Leute aus allen möglichen Ländern, die Hitori Kakurenbo durchführen.</p>



<p>Außerdem gibt es die japanische Horrorfilmreihe „Hitori Kakurenbo Gekijōban“ (Japanisch für „Allein Versteckspielen: Der Film“, 2009), „Hitori Kakurenbo Shin Gekijōban“ („Allein Versteckspielen: Der neue Film“, 2010) und „Hitori Kakurenbo Gekijōban Shin Toshidensetsu“ (Allein Versteckspielen: Der Film – wahre urbane Legende“, 2012) sowie den alleinstehenden Film „Hitori Kakurenbo“ (2008), die das Ritual aufgreifen.</p>



<p>2010 kam sogar von der berühmten virtuellen Sängerin Hatsune Miku das gleichnamige Lied „ひとりかくれんぼ“ (Hitori Kakurenbo) heraus.</p>



<p>Darüber hinaus gibt es einige Videospiele über die Legende, z. B. das Smartphonegame „Alone Hide and Seek“ für iOS und Android, das Multiplayerhorrorspiel „Hitori Kakurenbo Online“ (es befindet sich jedoch im Early Access und wurde seit 18 Monaten nicht geupdatet) sowie diverse weitere Spiele, die ihr unter den Namen „Hide and Seek Alone“ und „Hitori Kakurenbo“ auf itch.io finden könnt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Hitori Kakurenbo? Kanntet ihr das Ritual bereits? Habt ihr es vielleicht schon einmal selbst durchgeführt oder würdet es gerne versuchen? Schreibt es in die Kommentare!</em> </p>


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<p></p>
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		<title>The Green Ribbon – die grüne Schleife</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Jul 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Louise? Was hat es damit auf sich?“, fragte ich. „Mit der grünen Schleife meine ich. Seit wir uns kennen, hab ich dich nicht einmal ohne das Band um den Hals gesehen …“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-green-ribbon-die-gruene-schleife">The Green Ribbon – die grüne Schleife</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/37dfe619132749b1b150e55490af65d6" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>The Green Ribbon war für viele Leute in den USA und Kanada der erste Einstieg in die Genres Grusel und Horror. Daher war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis ich diese berühmte Legende auf meinem Blog behandle.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Paris. Die Stadt der Liebe. Zumindest wenn es nach mir geht, ist diese Bezeichnung durchaus zutreffend. Immerhin habe ich hier die Liebe meines Lebens kennengelernt. Aber an sich war das nicht anders zu erwarten, wenn man seit Jahren in dieser Millionenstadt lebt.</p>



<p>Es war ein warmer Sommerabend. Die Luft war schwül, aber in den Abendstunden nicht mehr so drückend, dass es unangenehm war. Ich saß an einem Tisch vor einem kleinen Café nahe des Place de la Concorde, aß ein Erdbeertörtchen und trank einen überteuerten Cappuccino. Wenn ihr mich gefragt hättet, hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass es ein perfekter Sommerabend war. Und dann kam <em>sie</em> und machte ihn noch besser.</p>



<p>Sie trug ein grünes Sommerkleid, dazu einen breitkrempigen Strohhut und ein grünes Band mit Schleife um den Hals. In der Hand hielt sie einige Einkaufstüten. Wahrscheinlich war sie gerade von einem Einkaufsbummel durch die Stadt gekommen.</p>



<p>Während sie an dem Café vorbeiging, trafen sich wie zufällig unsere Blicke und ich spürte, wie mein Herz einen Hüpfer machte. Die Frau schien es auch zu spüren. Zumindest hielt sie mitten in der Bewegung inne.</p>



<p>Ich weiß nicht, ob ihr an Liebe auf den ersten Blick glaubt, aber seit jenem Tag tue ich es. Für einen Moment kam es mir vor, als würde die Zeit um uns herum stehenbleiben. In diesem Moment gab es nur Louise und mich.</p>



<p>Dann setzte sie sich wieder in Bewegung. Sie änderte die Richtung und kam direkt auf mich zu. „Bonjour. Mein Name ist Louise“, stellte sie sich vor.</p>



<p>„Gerard“, stellte auch ich mich vor.</p>



<p>Ich deute auf den Stuhl mir gegenüber, um ihr zu zeigen, dass sie sich gerne setzen dürfe. Und das tat sie auch.</p>



<p>Ich erinnere mich nicht mehr, worüber wir uns alles unterhalten hatten. Auf jeden Fall redeten wir viel über uns, unsere Jobs, unsere Hobbys, sogar unsere Familien. Louise lebte allein. Ihre Eltern waren gestorben, als sie noch ein junges Mädchen war. Seitdem hatte sie sich allein durchgekämpft und hangelte sich jetzt von einem Job zum nächsten. Aber es reichte aus, um sich die Miete für eine Wohnung in der Stadt leisten zu können.</p>



<p>Ich hingegen hatte mehr Glück im Leben gehabt. Ich hatte zwei mich liebende Eltern, die mir auch zu meinem Studium und später zu meinem Job verholfen hatten. Deshalb konnte ich mir als einigermaßen erfolgreicher Ingenieur ein schönes Leben machen.</p>



<p>Aber natürlich unterhielten wir uns nicht nur über die großen Dinge. Wir sprachen auch über allerlei Belangloses. Jedenfalls saßen wir noch immer auf unseren Stühlen, als eine Kellnerin zu uns kam und uns freundlich darauf hinwies, dass sie bald schließen würden. Mir war gar nicht aufgefallen, wie spät es inzwischen war.</p>



<p>Also bezahlte ich unsere Rechnung – Louise hatte sich in der Zwischenzeit natürlich auch etwas bestellt –, ehe wir unsere Handynummern austauschten und ich mich glücklich auf den Heimweg machte. Ich hätte Luftsprünge machen können vor Freude. Um ehrlich zu sein, tat ich das sogar ein- oder zweimal. Louise hatte mich bereits bei unserem ersten Treffen in ihren Bann gezogen.</p>



<p>Und wie ihr euch sicher denken könnt, blieb es nicht bei diesem ersten Treffen. Innerhalb von einer Woche gingen wir gemeinsam Eis essen, ins Kino, in ein schickes Restaurant und sogar ins Musée du Louvre.</p>



<p>Louise sah dabei jedes Mal umwerfender aus. Sie hatte einen großartigen Modegeschmack und trug die verschiedensten Kleider und Accessoires. Was mir jedoch auffiel, war, dass sie hauptsächlich Grün trug. Und eine Sache, die sie immer umhatte, war das grüne Halsband mit der Schleife.</p>



<p>Versteht mich nicht falsch: Es war ein wunderschöner Stoff. Aber verglichen mit ihrer sonstigen Kleidung wirkte es fast ein wenig schlicht. Ich sprach sie das erste Mal darauf an, als wir gerade im Louvre waren. Seit unserer Ankunft hatte ich ihr fast mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den Gemälden.</p>



<p>„Louise? Was hat es damit auf sich?“, fragte ich. „Mit der grünen Schleife meine ich. Seit wir uns kennen, hab ich dich nicht einmal ohne das Band um den Hals gesehen.“</p>



<p>Louise verkrampfte sich. Sie richtete sich ruckartig auf, als habe meine Frage sie erschreckt. Für einen kurzen Moment dachte ich sogar, dass sie gleich weglaufen würde.</p>



<p>Dann entspannte sie sich jedoch wieder. Sie lächelte mich an. „Ich lege das Band niemals ab“, sagte sie geheimnisvoll.</p>



<p>Mehr schien sie dazu nicht sagen zu wollen. Und ich drängte sie nicht weiter. Wir kannten einander kaum eine Woche. Da konnte ich nicht erwarten, dass sie mir all ihre Geheimnisse verraten würde. Also ließ ich es darauf beruhen.</p>



<p>In den folgenden Wochen und Monaten wurden wir beide schließlich ein Paar. Und in all der Zeit legte Louise das Band tatsächlich nie ab. Nicht ein einziges Mal.</p>



<p>Ich sprach sie auch nicht mehr darauf an. Zumindest nicht, bis sie mit der grünen Schleife an ihrem Hals in die Dusche steigen wollte. Wir hatten einen Punkt in unserer Beziehung erreicht, in dem es uns nichts mehr ausmachte, wenn der andere mit uns im Badezimmer war.</p>



<p>„Warte, Schatz! Du hast das Band noch um“, wies ich sie darauf hin.</p>



<p>Wieder sah Louise mich mit großen Augen an. Sie legte sanft ihre Finger an den Stoff. Dann lächelte sie wieder. „Ach, Gerard. Ich sagte doch, dass ich das Band nicht abnehme.“</p>



<p>„Oh?“, sagte ich überrascht. Ich wusste ja nicht, dass sie es so wörtlich meinte. Trotzdem kannten wir einander jetzt etwas besser, weshalb ich mutiger war als damals im Louvre. „Aber warum nicht? Was hat das Band für eine Bedeutung?“, fragte ich also.</p>



<p>Louises Lächeln wirkte jetzt gequält, fast schon traurig. „Ich … Ich kann es dir nicht sagen“, erwiderte sie. „Tut mir leid.“</p>



<p>Ich musterte sie und ihr Band einen Augenblick, ehe auch ich lächelte. „Ich verstehe“, sagte ich. „Du musst es mir nicht verraten. Wenn wir Glück haben, sind wir noch viele Jahre zusammen. Irgendwann komme ich deinen Geheimnissen schon auf die Schliche.“ Ich zwinkerte ihr zu.</p>



<p>Anschließend ging sie mit ihrem Band in die Dusche.</p>



<p>Heutzutage wünschte ich jedoch, ich hätte mit meinen Worten Unrecht gehabt. Ich wünschte, ich hätte das Geheimnis ihrer grünen Schleife nie gelüftet.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ein weiterer Moment, der mir lebhaft in Erinnerung geblieben ist, war ein gemeinsamer Strandbesuch. Ich lag in der Sonne, während Louise schwimmen gehen wollte.</p>



<p>Als ich sah, dass sie mit ihrer grünen Schleife um den Hals Richtung Meer losging, hielt ich sie zurück. „Schatz! Dein grünes Band!“, sagte ich knapp.</p>



<p>Louise lächelte mich an. Wenigstens wirkte sie diesmal nicht erschrocken oder traurig. „Das ist schon in Ordnung“, sagte sie. „Ich nehme das Band nicht ab.“ Sie wandte sich wieder zum Meer, ehe sie mit ihrem grünen Band und einem farblich dazu passenden Bikini weiter ins kühle Nass ging.</p>



<p>Verwundert sah ich ihr nach. Ich akzeptierte, dass Louise ein Geheimnis vor mir hatte. Ich hatte mir lediglich Sorgen um den teuren Stoff gemacht. Wenn das Band Louise so wichtig war, warum nahm sie es dann mit in das salzige Meerwasser?</p>



<p>Hatte es damit etwa mehr auf sich als ein rein emotionaler Wert? Vielleicht versteckte es eine Narbe oder etwas anderes an ihrem Hals, das ihr unangenehm war? Aber warum wechselte sie es dann nicht in einem ungesehenen Moment? Warum trug sie immer dasselbe grüne Band?</p>



<p>Ich wusste es nicht. Und es sollte noch einige Zeit dauern, bis ich es endlich herausbekam.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Selbst bei unserer Hochzeit machte Louise keine Ausnahme. Die grüne Schleife war das Erste, was mir auffiel, während sie langsam den Gang entlang auf mich zuschritt. Nicht ihr weißes Kleid, nicht das Funkeln in ihren Augen, ihr glückliches Gesicht, sondern dieses verdammte grüne Band um ihren Hals. Es ärgerte mich, dass das Band mich so sehr beschäftigte, auch wenn ich es mir in diesem Moment nicht anmerken ließ.</p>



<p>Stattdessen strahlte ich Louise an. Immerhin sollte dieser Tag der schönste unseres Lebens werden, wenn man anderen Ehepaaren glaubt.</p>



<p>Dann endlich stand sie vor mir. Meine wunderschöne Verlobte. Und trotzdem konnte ich den Blick kaum von dem Band lösen.</p>



<p>„Nicht einmal heute?“, fragte ich leise. Ich tippte mir an den Hals, um anzudeuten, dass ich die grüne Schleife meinte.</p>



<p>„Nicht einmal heute“, erwiderte Louise nur, während sie mir weiter verliebt in die Augen sah.</p>



<p>Anschließend wandten wir uns dem Pastor zu, ehe wir uns kurze Zeit später das Ja-Wort gaben. Band hin oder her, ich hätte in diesem Moment nicht glücklicher sein können. Also versuchte ich, das Band den restlichen Tag zu ignorieren.</p>



<p>Tatsächlich gelang es mir ziemlich gut. Es gab alle möglichen Dinge, die mir an diesem Tag wichtiger waren. Zumindest, bis wir am Abend allein in unserer gemeinsamen Wohnung standen. Wieder fiel mein Blick auf die grüne Schleife.</p>



<p>„Schatz“, begann ich. „Jetzt, wo wir verheiratet sind, möchtest du es mir nicht endlich sagen? Möchtest du mir nicht sagen, warum du das grüne Band nie ablegst?“</p>



<p>Louises Blick wurde traurig. „Es tut mir leid. Ich will es dir ja sagen, aber es geht nicht“, erwiderte sie.</p>



<p>Ich biss mir auf die Zunge. Fast wünschte ich, ich hätte sie nicht danach gefragt. Ich wollte ihr nicht unseren Hochzeitstag verderben. Andererseits würden wir unser gesamtes restliches Leben miteinander verbringen. Es gefiel mir nicht, dass sie da noch immer ein Geheimnis vor mir hatte. Und so tat ich etwas, was ich für den Rest meines Lebens bereuen würde. Ich entschied, ihr heimlich die Schleife abzunehmen.</p>



<p>Über die Konsequenzen machte ich mir in dem Moment keine Gedanken. Aber selbst wenn, hätte ich mir niemals auch nur ansatzweise ausmalen können, wie schlimm es wirklich werden würde.</p>



<p>Am Abend lagen Louise und ich gemeinsam im Bett. Ich wartete, bis sie tief und fest schlief, ehe ich mich langsam aufrichtete.</p>



<p>Für einen kurzen Moment betrachtete ich Louise bloß. Ich bewunderte, wie schön meine Frau war. Wie friedlich sie dalag. Dann jedoch gab ich mir einen Ruck und griff vorsichtig nach der Schleife. Mit zittrigen Fingern zog ich an einem der losen Bänder, um die Schleife zu lösen, währende ich sie mit der anderen Hand festhielt.</p>



<p>Stück für Stück, Zentimeter für Zentimeter ließ sich das Band aus dem Knoten ziehen, während eine der Schlaufen immer kleiner wurde. Jetzt war sie kaum noch erkennbar. Plötzlich stoppte das Band jedoch. Das letzte Stück der Schlaufe verharrte vor dem Knoten. Mit einem sanften Ruck zog ich daran und die Schleife ging auf.</p>



<p>Im selben Moment wurde Louise wach. Erst sah sie mich bloß verschlafen an, riss dann aber weit die Augen auf, als sie realisierte, was geschehen war. Ich sah, wie ihre Augen feucht wurden und sich eine einsame Träne aus ihrem linken Auge löste. Sie rollte ihre Schläfe hinab, während Louise mich reglos anstarrte. Sie sagte kein einziges Wort. Stattdessen drehte sie bloß ihren Kopf zur Seite, um meinem Blick auszuweichen. Nein. Sie drehte ihn nicht, sondern er rollte.</p>



<p>Mit jetzt selbst vor Schreck geweiteten Augen musste ich mit ansehen, wie der Kopf meiner Ehefrau vom Kissen rollte. Er landete mit einem dumpfen <em>Bump</em> auf dem Boden.</p>



<p>Ich sah wieder zu ihrem Körper, der noch immer reglos auf dem Bett lag. Und jetzt erst erkannte ich, dass das Band mit der grünen Schleife das Einzige war, was Louises Kopf auf ihren Schultern gehalten hatte.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Green Ribbon (Englisch für „Die grüne Schleife“), unter anderem auch „The Red Ribbon“ (Die rote Schleife) oder „The Velvet Ribbon“ (Die Samtschleife) genannt, ist eine ursprünglich französische Legende, die wahrscheinlich in der Zeit der Französischen Revolution entstanden ist.</p>



<p>Außerhalb von Frankreich ist sie hauptsächlich durch die Adaptationen von Washington Irving, dem Autor von „Sleepy Hollow“, sowie Alvin Schwartz, dem Autor der „Scary Stories to Tell in The Dark“-Reihe, bekannt geworden.</p>



<p>Inzwischen wird „The Green Ribbon“ oft in verschiedensten Versionen als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> erzählt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Es gibt verschiedene, teilweise sehr unterschiedliche Versionen von „The Green Ribbon“. Die Haupthandlung ist aber immer ähnlich.</p>



<p>Der Protagonist, im Normalfall ein Junge oder junger Mann lernt ein Mädchen bzw. eine junge Frau kennen. Sie trägt eine Schleife, ein Band, eine Kette, einen Choker oder Ähnliches um den Hals, den sie nie ablegt. Die Farbe des Accessoires ist im Normalfall grün, rot oder schwarz.</p>



<p>Der Mann und die Frau verlieben sich ineinander. Die Länge ihrer Beziehung kann variieren, es kommt währenddessen aber immer wieder vor, dass der Mann die Frau nach der grünen Schleife (oder was auch immer sie um den Hals trägt) fragt. Sie weicht seiner Frage jedoch jedes Mal aus und sagt bloß, dass sie die Schleife niemals ablegen darf.</p>



<p>Ab diesem Punkt gibt es zwei verschiedene Versionen.</p>



<p>Entweder wird der Mann zu neugierig und entscheidet irgendwann, das Band ohne Erlaubnis von ihrem Hals zu nehmen – z. B. als sie schläft.</p>



<p>Oder aber der Mann akzeptiert ihren Wunsch und nimmt das Band nie ab. In dieser Version werden die beiden oft gemeinsam alt, bis die Frau irgendwann sterbenskrank wird. Im Sterbebett erlaubt sie ihm schließlich, die grüne Schleife zu lösen und das Band zu entfernen.</p>



<p>Sobald das Band ab ist, fällt ihr der Kopf von den Schultern, der nur von dem Band gehalten wurde. Je nach Version ist sie daraufhin tot, es stellt sich heraus, dass sie ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> war, ihr Kopf kann noch sprechen oder es wird nicht weiter erwähnt, was genau mit ihr los ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h3>



<p>Es gibt außerdem eine ältere Version, wie sie z. B. auch Washington Irving erzählt hat, die sich etwas mehr unterscheidet.</p>



<p>In diesen Versionen lernen der Mann und die Frau einander kennen und verbringen die Nacht miteinander. Am nächsten Tag liegt die Frau jedoch tot im Bett.</p>



<p>Als der Mann daraufhin die Polizei ruft, entfernen die Beamten das Band und ihr Kopf fällt von den Schultern. Es stellt sich heraus, dass sie am Vortag hingerichtet wurde und bereits tot war, als sie den Mann kennengelernt hat.</p>



<p>Eine weitere, wenn auch deutlich seltenere Alternative, ist, dass die Frau nicht geköpft, sondern erhängt wurde oder sich selbst erhängt hat. In diesen Versionen versteckt das Band um ihren Hals die Würgemale des Seils.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>In den modernen Versionen spielt The Green Ribbon meist in dem Land, in dem die Geschichte erzählt wird – oft also in den USA und Kanada. In älteren Versionen spielt die Legende hingegen meist in Frankreich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>„The Green Ribbon“ bzw. die Legende dahinter stammt aus Frankreich zur Zeit der Französischen Revolution (1789 bis 1799) als unzählige Menschen mit der Guillotine hingerichtet wurden.</p>



<p>Zu damaliger Zeit war es in Mode, dass Frauen ein rotes Band oder eine rote Schleife um den Hals trugen. Es soll sogar einen Kleidungsstil namens „costume à la victime“ (Französisch für „Kostüm an das Opfer“) gegeben haben, der auf den „Bals des victimes“ (Französisch für „Opferbälle“) getragen wurde. Dazu gehörte oft ein rotes Band oder eine rote Schleife, die an die mit der Guillotine geköpften Opfer erinnern sollte.</p>



<p>Wahrscheinlich ist die Legende aus dieser Mode in Kombination mit den unzähligen Geköpften entstanden.</p>



<p>Außerhalb von Frankreich hat die Legende jedoch erst im nächsten Jahrhundert Anklang gefunden, als der US-amerikanische Schriftsteller Washington Irving die Legende 1824 in seiner Geschichte „Die Abenteuer eines deutschen Studenten“ adaptiert hat. Vier Jahre zuvor hatte Irving die weltberühmte Geschichte „Die Legende von Sleepy Hollow“ veröffentlicht.</p>



<p>Seitdem wurde die Legende noch von zahlreichen weiteren Personen publiziert – darunter Alexandre Dumas, dem Autor von „Die drei Musketiere“ und „Der Graf von Monte Christo“, als „Die Dame mit dem Samthalsband“ (1849) sowie von Gaston Leroux, dem Autor von „Das Phantom der Oper“ unter demselben Namen „La femme au collier de velours“ (Französisch für „Die Dame mit dem Samthalsband“, 1924).</p>



<p>Die grüne Farbe und die heutige Bekanntheit in Amerika erlangte die Legende jedoch erst durch die Kurzgeschichte „The Green Ribbon“ (1984) von Alvin Schwartz. Die Geschichte erschien in dem sich an Zweitklässler richtenden Bilderbuch „In a Dark, Dark Room and Other Scary Stories“ (Englisch für „In einem dunklen, dunklen Raum und andere unheimliche Geschichten“) und wurde in vielen Schulen als Lehrmaterial genutzt.</p>



<p>Daraus entstand schließlich auch die moderne urbane Legende „The Green Ribbon“, die sich heutzutage besonders gern unter Kindern erzählt wird.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Green Ribbon in der Popkultur:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt wurde die Legende „The Green Ribbon“ in vielen Kurzgeschichten aufgegriffen. Darunter z. B. „The Velvet Ribbon“ (Englisch für „Die Samtschleife“, 1970) von Ann McGovern in „Ghostly Fun“ („Geisterhafter Spaß“), „The Black Velvet Ribbon („Die schwarze Samtschleife“, 1977) von Judith Bauer Stamper in „Tales for the Midnight Hour“ („Geschichten für die Mitternachtsstunde“) und das bereits erwähnte „The Green Ribbon“ (1984) von Alvin Schwartz in „In a Dark, Dark Room and Other Scary Stories“.</p>



<p>Darüber hinaus gibt es diverse Kurzfilme über die Legende, sie wurde in dem US-amerikanischen Horrorfilm „Campfire Tales“ („Lagerfeuergeschichten“, 1997) aufgegriffen und spielt eine Rolle in der Comicreihe sowie dem gleichnamigen Videospiel „The Wolf Among Us“ („Der Wolf unter uns“).</p>



<p><em>Wie sieht es mit euch aus? Was haltet ihr von „The Green Ribbon“? Kanntet ihr die Geschichte bereits? Und wenn ja, wo habt ihr sie kennengelernt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Banchō Sarayashiki – Die Legende von Okiku</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jun 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Er besaß eine alte Sammlung von zehn Tellern. Sie waren ein Geschenk, kamen ursprünglich aus den Niederlanden in Europa und waren fast unbezahlbar. Wenn jemand einen von ihnen zerbrach oder stahl, war das mit dem Tode strafbar. Und es war Okikus Aufgabe, auf die Teller aufzupassen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/bancho-sarayashiki-die-legende-von-okiku">Banchō Sarayashiki – Die Legende von Okiku</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p>Banchō Sarayashiki, die Legende von Okiku, ist eine berühmte japanische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geistergeschichte</a>. Ich selbst habe erst durch meine Japanischlehrerin davon erfahren, was mich bei der Recherche wirklich überrascht hat, da sie zu den bekanntesten Geistergeschichten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Japans</a> gehört.</p>



<p>Es ist eine Geschichte von einseitiger Liebe, Besessenheit und dem Unrecht an einer unschuldigen Frau.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Mein Name ist Aguri. Ich war Angestellte bei dem ehrenwerten Aoyama Tessan, einem Samurai in der Edo-Zeit hier in Japan. Wobei „ehrenwert“ kein Wort ist, mit dem <em>ich</em> Aoyama bezeichnet hätte. Und ich denke, nach dieser Geschichte werdet ihr das auch so sehen.</p>



<p>Dies ist aber keine Geschichte über meinen Herrn. Es ist auch keine Geschichte über mich. Nein, in dieser Geschichte geht es um Okiku, ein Dienstmädchen bei Aoyama. Sie war jung und hübsch. Es war kein Geheimnis, dass Aoyama sie begehrte. Doch so oft er sie auch fragte, so sehr er ihr versprach, sie mit Reichtümern zu überhäufen, sollte sie seine Frau oder auch nur seine Geliebte werden, Okiku lehnte seine Angebote stets ab.</p>



<p>Aoyama gab sich wirklich Mühe. Er machte ihr Geschenke, gab ihr die schönsten Kimonos, das beste Essen. Und auch, wenn es übergriffig von ihm war, ihr nein nicht zu akzeptieren, er manchmal eine Linie übertrat, so gab es doch das eine oder andere Dienstmädchen, das liebend gerne den Platz mit Okiku getauscht hätte.</p>



<p>Aber Aoyama wollte kein anderes Dienstmädchen. Er wollte nur die junge schöne Okiku. Und so wurden seine Pläne, sie endlich für sich zu gewinnen, immer hinterlistiger.</p>



<p>Eines Morgens, ich erinnere es noch gut, gab es einen Aufruhr in Aoyamas Anwesen. Er besaß eine alte Sammlung von zehn Tellern. Sie waren ein Geschenk, kamen ursprünglich aus den Niederlanden in Europa und waren fast unbezahlbar. Wenn jemand einen von ihnen zerbrach oder stahl, war das mit dem Tode strafbar. Und es war Okikus Aufgabe, auf die Teller aufzupassen, sie staubfrei zu halten, damit sie immer im besten Licht erstrahlten. Neben Aoyama war sie die Einzige im gesamten Haus, die die Teller auch nur anfassen durfte.</p>



<p>Doch an jenem schicksalhaften Morgen war einer der Teller verschwunden.</p>



<p>„Eins, zwei, drei, vier“, hörte ich Okiku panisch zählen, als ich zu ihr ins Zimmer stürzte. „Fünf, sechs, sieben, acht.“</p>



<p>Ich sah, wie die anderen Angestellten einen Halbkreis gebildet hatten. In ihrer Mitte stand Aoyama, der mit strengem Blick auf Okiku hinabstarrte, die vor ihm auf dem Boden kniete. Die wertvollen Teller lagen vor ihr ausgebreitet.</p>



<p>„Neun“, beendete Okiku ihr Zählen. „Neun. Das kann nicht sein. Einer fehlt. Eins, zwei, drei, …“ Sie zählte die Teller erneut, als hoffe sie, sich bloß verzählt zu haben. Die junge Frau war den Tränen nahe. Es brach mein Herz. Noch nie zuvor hatte ich Okiku so verzweifelt gesehen.</p>



<p>„Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“, fragte Aoyama erbarmungslos. „Was hast du mit dem zehnten Teller gemacht?“</p>



<p>Okiku sah mit großen Augen zu ihm auf. „Bitte, Herr Aoyama“, flehte sie. „Das muss ein Irrtum sein! Ich weiß nicht, was mit dem Teller passiert ist!“</p>



<p>„Ist er dir zerbrochen und du hast die Beweise vernichtet? Oder hast du ihn gestohlen?“, schrie er sie unnachgiebig weiter an.</p>



<p>Schnell tat ich einige Schritte auf die beiden zu. „Verzeihung, Herr Aoyama“, sagte ich mit gesenktem Blick. „Aber wäre es nicht möglich, dass jemand anderes den Teller …“ Weiter kam ich nicht.</p>



<p>„Wer hat dir erlaubt, die Stimme zu erheben, Aguri?“, schrie er nun mich an. „Raus hier! Alle außer Okiku! Nehmt euch den Tag frei! Ich brauche meine Ruhe, während ich über Okikus Bestrafung nachdenke!“</p>



<p>Ich sah Aoyama fassungslos an. Noch nie in all den Jahren, die ich für ihn oder für seinen Vater vor ihm gearbeitet hatte, wurde in diesem Haus so mit mir gesprochen. Trotzdem nickte ich nur knapp, ehe ich den anderen Angestellten aus dem Raum folgte. Aoyama war kein Mann, mit dem eine Bedienstete diskutieren durfte.</p>



<p>„Du weißt, welche Strafe auf deinem Vergehen liegt“, hörte ich Aoyama sagen, während ich die Tür hinter den anderen Angestellten und mir schloss. Noch immer drang seine Stimme gedämpft aus dem Raum. „Wenn du doch bloß meine Frau wärst, dann könnte ich darüber hinwegsehen …“</p>



<p>Mehr hörte ich von dem Gespräch jedoch nicht. Ich war bereits auf dem Weg zur Haustür.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Als ich am späten Nachmittag in das Anwesen zurückkehrte, fehlte von Okiku jede Spur. Und Aoyama machte keine Anstalten ihre Abwesenheit zu erklären.</p>



<p>Ich hörte zwei junge Bedienstete darüber reden, dass Okiku wahrscheinlich aus dem Haus verbannt wurde. Andere Gerüchte besagten, dass sie geflohen sei, um ihrer Strafe zu entkommen.</p>



<p>Auch ich hatte das anfangs geglaubt. Es gab keinen Grund, irgendetwas anderes zu vermuten. Aber die Wahrheit war sehr viel schrecklicher. Ohne Okiku selbst, wäre sie jedoch wahrscheinlich nie ans Licht gekommen.</p>



<p>Es begann in der folgenden Nacht. Ich lag gerade auf meinem Futon, versuchte einzuschlafen, während ich über die Ereignisse nachdachte, da hörte ich plötzlich etwas.</p>



<p>„Eins.“ Das war Okikus Stimme! „Zwei“, zählte sie langsam.</p>



<p>Schnell stand ich auf. Ich schlich in meiner Nachtwäsche zur Tür, um zu ihr zu eilen, sie zu fragen, was passiert war.</p>



<p>„Drei.“ Ihre Stimme war leise, und doch konnte ich sie ganz deutlich hören.</p>



<p>Ich rannte zu ihrem Zimmer. Es war leer.</p>



<p>„Vier.“</p>



<p>Mein nächster Anlaufpunkt war das Wohnzimmer, wo Aoyama seine teuren Teller zur Schau stellte. Doch auch hier war niemand.</p>



<p>„Fünf.“</p>



<p>Also konzentrierte ich mich auf ihre Stimme. Ich versuchte, ihren Ursprung auszumachen, drehte den Kopf nach rechts und links.</p>



<p>„Sechs.“</p>



<p>Schnell folgte ich der Stimme weiter in den Flur. Erst jetzt realisierte ich, dass sie nicht aus dem Haus kam. Sie kam aus dem Innenhof!</p>



<p>„Sieben.“</p>



<p>Ich zog die Tür auf und stürzte nach draußen. „Okiku!“ Meine Schritte wurden langsamer. Der Innenhof war leer.</p>



<p>„Acht.“</p>



<p>Ihre Stimme war so nahe. Wo konnte sie nur sein?</p>



<p>„Neun.“</p>



<p>Mein Blick fiel auf den alten Brunnen. Sie wird doch nicht …</p>



<p>„Einer fehlt!“, sagte sie dann plötzlich.</p>



<p>Ich war in der Zwischenzeit zum Brunnen geeilt und starrte hinein. Meine Augen waren weit aufgerissen.</p>



<p>Dort unten war Okiku, knapp unter der Wasseroberfläche. Ich konnte sie nur sehen, weil ihr Körper in einen weißen Kimono gehüllt war, wie ihn Leichen bei einer Beerdigung trugen. Aber ich wusste, dass sie keine vernünftige Beerdigung bekommen hatte. Genauso wie ich wusste, dass ich gerade ihren Geist sah.</p>



<p>Dann plötzlich stieß sie ein ohrenbetäubendes Geschrei aus. Ich musste mir die Hände auf die Ohren pressen. Es waren Klagelaute, so voller Leid, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte.</p>



<p>Während ich also dasaß, die Hände fest auf meinen Ohren, wusste ich nur, dass Okikus Leiche im Brunnen liegen muss. Wie sonst hätte ihr ruheloser Geist dorthin gelangen können? Hatte Aoyama sie dort hineingeworfen? Oder war Okiku selbst gesprungen?</p>



<p>Die Wahrheit sollte ich erst kurz vor Aoyamas Tod erfahren.</p>



<p>Er gestand mir, dass er Okiku erpresst hatte. Er selbst hatte den Teller entwendet, um ein Druckmittel zu haben, sie „zu ihrem Glück zu zwingen“, wie er es formuliert hatte.</p>



<p>Nachdem sie ihn jedoch erneut zurückwies, beteuerte, dass sie nichts mit dem verschwundenen Teller zu tun habe, hatte sein Kopf ausgesetzt. Er war in blinde Wut verfallen, hatte ein hölzernes Übungsschwert von der Wand gerissen und Okiku damit verprügelt.</p>



<p>„Willst du nun endlich meine Frau werden?!“, hatte er gebrüllt, seine Tonlage mehr ein Befehl als eine Frage.</p>



<p>„Nein!“, hatte Okiku gekreischt. Tränen rannen über ihre hübschen Wangen. „Herr Aoyama, bitte! Ich war es nicht!“</p>



<p>Doch das war nicht das, was Aoyama hören wollte. Er hatte die von den Schlägen geschwächte Okiku gepackt und sie nach draußen zum Brunnen gezerrt. Dort hatte er ihren Körper mit dem Kopf zuerst über den Brunnenrand gehängt und sie erneut aufgefordert: „Willst du nun endlich meine Frau werden?!“</p>



<p>Doch Okiku ließ sich nicht erpressen. Sie war sich keiner Schuld bewusst. „Bitte, Herr Aoyama! Ich habe nichts damit zu tun. Lassen sie mich gehen!“, schrie sie. Der Widerhall des Brunnens verstärkte die Panik in ihrer Stimme, die Angst, die sie in dem Moment vor Aoyama gehabt hatte.</p>



<p>Da erkannte Aoyama, dass Okiku ihn niemals lieben würde. Er zögerte nicht länger und ließ sie einfach los. Sie stürzte kopfüber in den Brunnen.</p>



<p>Er sagte, dass es nicht lange gedauert hätte, bis ihre Hilferufe verstummt waren. Anschließend sei er mit einer Mischung aus Wut, Trauer und Schuldgefühlen in sein Anwesen zurückgegangen. Er sagte, dass er den Tag fortgesetzt habe, als sei nie etwas passiert.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ich blieb so lange vor dem Brunnen sitzen, bis das Geschrei von Okikus Geist irgendwann verstummte. Anschließend stand ich auf und ging zurück in mein Zimmer. Dabei begegnete ich vielen anderen Angestellten, die ebenfalls aufgestanden waren, um dem Lärm nachzugehen, aber ich wechselte kein Wort mit ihnen.</p>



<p>Mein Kopf war voll, meine Gedanken lauter als Okikus Schreie. Noch wusste ich ja nicht, was passiert war. Ob Aoyama wirklich für ihren Tod verantwortlich war oder sie sich selbst das Leben genommen hat, um seiner Strafe zu entgehen. Oder aus Verzweiflung, weil sie doch für den verschwundenen Teller verantwortlich gewesen war.</p>



<p>Ich fand in jener Nacht keinen Schlaf mehr. Und auch in den folgenden Nächten wurde Schlaf zu einem seltenen Luxus. Denn Okikus Geist kehrte fortan jede Nacht zurück, um die Teller zu zählen und anschließend in klagevolles Geheule zu verfallen. Es zerbrach mir das Herz, aber es gab nicht viel, was ich dagegen tun konnte.</p>



<p>Trotzdem machte ich mich heimlich auf die Suche nach dem Teller – nur für den Fall, dass sich mein Verdacht bestätigte und Aoyama den Teller tatsächlich selbst entwendet hatte, um Okiku zu erpressen. Aber ich konnte das Geschirr nie finden.</p>



<p>Bald litt auch der Rest des Hauses unter den ruhelosen Nächten. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Angestellten kündigten. Erst waren es hauptsächlich meine jüngeren Kollegen. Die älteren, wie ich, harrten länger aus. Einige schliefen auswärts, verließen das Haus jeden Tag bei Sonnenuntergang und kehrten nicht vor der Morgendämmerung zurück. Andere taten es mir gleich und ließen Okikus Klagelaute Nacht für Nacht über sich ergehen.</p>



<p>Und so wurde das Haus Woche für Woche, Tag für Tag leerer. Bald waren neben Aoyama und mir nur noch eine Handvoll von uns übrig.</p>



<p>Wem es allerdings am schlimmsten erging – mal einmal von Okiku abgesehen – war Aoyama selbst.</p>



<p>Es hatte nur einige Wochen gedauert und er war kaum noch mehr als eine wandelnde Leiche. Sein Gesicht war eingefallen, seine Augenringe dunkel, sein Körper dünn und knochig.</p>



<p>Eines Morgens ging ich in sein Zimmer, um seinen Futon wegzuräumen, da saß er am Boden vor mir. Sein Katana vor ihm ausgebreitet.</p>



<p>Das war der Moment, in dem er mir seine Tat gestand. Dass er den Teller selbst verschwinden ließ, wie er Okiku verprügelt hatte und sie schließlich in den Brunnen fallenließ.</p>



<p>„Was habe ich nur getan?“, fragte er mehr sich selbst als mich. „Ich habe Okiku geliebt. Früher konnte ich sie wenigstens jeden Tag sehen, mich an ihrer Schönheit erfreuen. Und jetzt? Jetzt bleibt mir nur ihr Geist, der mich jede Nacht quält.“ Er setzte das Schwert mit der Klinge an seinem Bauch an. „Okiku. Es tut mir leid“, hauchte er.</p>



<p>Aber das half der armen Frau jetzt auch nicht mehr. Ich sah auf Aoyama hinab, wie er auf Okiku hinabgeblickt hatte, als sie vor seinen Augen die Teller gezählt hatte. Die Wahrheit über Okikus Tod hatte mich ziemlich aufgewühlt. Ich war kein kaltblütiger Mensch. Trotzdem sah ich bloß mit verächtlichem Blick dabei zu, wie Aoyama sich sein Schwert in den Bauch stieß. Wie ich schon sagte, war er in meinen Augen kein ehrenwerter Mensch. Und so hatte ich in seinen letzten Sekunden auch keinerlei Ehrgefühl mehr für ihn übrig. Aoyama starb vor meinen Augen.</p>



<p>Was jedoch Okiku anging, so fand ihr Geist auch nach Aoyamas Tod keine Ruhe, wie ich zuerst hoffte. Ich durchsuchte das gesamte Haus, jetzt wo Aoyama fort war, durchwühlte schamlos seine Sachen, doch den fehlenden Teller konnte ich nie finden. Wissen die Götter, was Aoyama damit gemacht hatte. Vielleicht hatte er ihn zerstört oder weggeworfen.</p>



<p>Und so kehrt Okikus Geist auch heute noch jede Nacht zurück und zählt die neun Teller. Ich kann nur hoffen, dass bald jemand kommen wird, der Okikus unschuldige Seele von ihrem grausamen Schicksal befreien kann.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Banchō Sarayashiki (番町皿屋敷, Japanisch für „Das Teller-Anwesen von Banchō“), auch bekannt unter den Namen „Sarayashiki“ oder „Die Legende von Okiku“, ist eine bekannte Geistergeschichte aus Japan.</p>



<p>Sie handelt von einem Dienstmädchen, das die romantische und/oder sexuelle Begierde ihres Herren nicht erwidert, woraufhin er erfolglos versucht, sie in die Beziehung zu erpressen, ehe er sie ermordet.</p>



<p>Die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> von Banchō Sarayashiki ist eine der „Nihon san dai Kaidan“ (日本三大怪談, Japanisch für „die drei großen japanischen Geistergeschichten“). Die anderen beiden sind „Die Legende von Oiwa“ (einen Beitrag über diese Geschichte habe ich schon länger auf meiner Liste) und „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/botan-doro">Botan Dōrō</a>“ (meinen Beitrag darüber findet ihr Hier).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Es gibt zahlreiche Versionen von Banchō Sarayashiki, die ich weiter unten näher erläutern werde. An dieser Stelle möchte ich euch die Version vorstellen, von der meine Japanischlehrerin mir erzählt hat und um die sich auch meine Geschichte dreht.</p>



<p>Okiku war ein Dienstmädchen, das dem Samurai Aoyama Tessan unterstellt war. Aoyama hatte schon lange ein Auge auf Okiku geworfen, aber all seine Annäherungsversuche wurden von ihr abgelehnt. Das erfüllte den Samurai mit Wut. Er wollte Okiku unbedingt zu seiner Frau haben.</p>



<p>Daher fasste er einen Entschluss: Er hatte ein Set aus zehn wertvollen Tellern – in einigen Versionen ist von Delfter Blau aus den Niederlanden die Rede – die ihm oder seinem Herrn sehr wichtig waren. Wenn einer der Teller gestohlen wurde oder zerbrach, konnte das mit dem Tode bestraft werden. Und Okiku war für diese Teller verantwortlich.</p>



<p>Also versteckte Aoyama einen der Teller. Er beschuldigte Okiku, den Teller zerstört oder gestohlen zu haben. Sie rannte daraufhin entsetzt zu den Tellern und zählte sie wieder und wieder, kam aber immer nur auf neun.</p>



<p>Aoyama, der sie dabei beobachtet hatte, versprach, ihre Bestrafung auszusetzen oder sie nicht zu verraten, wenn er sie dafür zur Frau nehmen dürfe.</p>



<p>Doch Okiku lehnte erneut ab. Das wiederum versetzte Aoyama so in Rage, dass er das Dienstmädchen mit einem hölzernen Schwert verprügelte. Er schleifte sie nach draußen zum Brunnen des Anwesens und folterte sie dort weiter, ehe er sie erneut fragte, ob sie ihn heiraten wolle.</p>



<p>Nachdem sie jedoch erneut ablehnte, warf er sie in den Brunnen, wo Okiku schließlich starb.</p>



<p>Wenn Aoyama jedoch dachte, dass er Okiku daraufhin los sei, hatte er sich geirrt. Bereits in der nächsten Nacht erklang ihre Stimme aus dem Brunnen. Sie zählte von eins bis neun, ehe sie einen furchtbaren Schrei ausstieß. Wieder und wieder.</p>



<p>Ihr Geist kehrte fortan jede Nacht zurück, zählte die neun Teller und stieß Klagelaute aus. Mit der Zeit verlor Aoyama deshalb den Verstand, bis er sich selbst das Leben nahm.</p>



<p>Doch auch nach seinem Tod sollte Okiku keine Ruhe finden. Erst, als ein Nachbar, ein neuer Besitzer oder ein Mönch, der beauftragt wurde, den Geist zu bannen, die Zahl Zehn rief, nachdem Okiku die neun erreicht hatte, soll sie gesagt haben: „Endlich.“ Ihr Geist ist seitdem nie zurückgekehrt.</p>



<p>Das ist zumindest eine Variante der Legende, laut anderen Erzählungen, konnte ihr Geist bis heute keine Ruhe finden und zählt noch immer jede Nacht die neun Teller.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt, gibt es noch zahlreiche weitere Versionen von Banchō Sarayashiki. In einigen stürzt sich Okiku aus Verzweiflung selbst in den Brunnen, um der Strafe zu entgehen. Manchmal ist ihr darin der Teller sogar selbst heruntergefallen.</p>



<p>In anderen Versionen ist die Frau von Aoyama Tessan die Übeltäterin, da sie befürchtet, ihr Mann könne Gefühle für Okiku haben. Sie zerbricht oder versteckt den Teller und beschuldigt Okiku, woraufhin Aoyama das Dienstmädchen ermordet und in den Brunnen wirft. In diesen Versionen treibt Okiku meist die Frau von Aoyama Tessan in den Wahnsinn.</p>



<p>Es gibt sogar eine Version, in der Okiku tatsächlich die Geliebte von Aoyama ist. In dieser Version zerstört sie den Teller, der Aoyama so wichtig ist, um seine Liebe zu testen. Er verzeiht ihr, jedoch nur, bis er später erfährt, dass sie den Teller mit Absicht zerstört hat, woraufhin er sie aus Wut tötet und in den Brunnen wirft.</p>



<p>Außerdem können andere Kleinigkeiten abweichen. Z. B. kann der Name von Aoyama ein anderer sein oder Okikus Geist streift durch das Haus, statt in dem Brunnen zu bleiben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Politischer Konflikt:</h4>



<p>Es gibt eine Version von Banchō Sarayashiki, die ich hier noch einmal gesondert erwähnen möchte. Sie spielt in der Himeji-Burg in Himeji, Japan. In dieser Version wird Okiku in einen politischen Konflikt verwickelt.</p>



<p>Sie erfährt, dass Aoyama Tessan seinen Regenten Lord Norimoto ermorden und seinen Platz einnehmen möchte. Sie dient daher als Spitzel und erzählt Norimoto (oder einem Vertrauten) von dem Putsch, woraufhin Norimoto lebend aus der Burg entkommt.</p>



<p>Daraufhin erkennt Aoyama, dass es einen Verräter unter seinen Dienstleuten geben muss. Er befiehlt seinem Komplizen Danshiro, den Verräter ausfindig zu machen.</p>



<p>Als Danshiro jedoch herausfindet, dass Okiku, in die er schon lange verliebt ist, die Verräterin ist, sieht er darin eine Chance, sie zur Frau zu bekommen. Von hier an ist die Geschichte sehr ähnlich, nur, dass Okiku von Danshiro erpresst wird statt von Aoyama.</p>



<p>Erst verspricht Danshiro, sie nicht zu verraten, wenn sie ihn zum Mann nimmt. Als sie ablehnt, versteckt er den Teller und gibt ihr die Schuld dafür, um ein weiteres Druckmittel zu haben. Als sie trotzdem weiter ablehnt, tötet er sie und wirft sie in den Brunnen.</p>



<p>Ihr Geist treibt anschließend Danshiro in den Wahnsinn, der daraufhin aus der Burg verbannt wird oder sich das Leben nimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Okikus Fluch:</h3>



<p>Auch wenn Okikus Geist in den meisten Versionen von Banchō Sarayashiki vergleichsweise harmlos sein soll – mal abgesehen von ihrem Verhalten gegenüber ihren Mördern, die sie ihn den Wahnsinn treibt –, gibt es andere Erzählungen, in denen Okiku auch unbeteiligten Menschen schaden kann.</p>



<p>So besagen einige Legenden, dass Leute, die Okiku zählen hören, den Verstand verlieren können. Es gibt sogar Versionen, in denen alle, die Okiku bis zur Zahl Neun zählen hören, kurze Zeit später sterben sollen – entweder durch Okikus Hand oder durch eine scheinbar unzusammenhängende Ursache.</p>



<p>Es soll aber auch eine Möglichkeit geben, diesem Fluch zu entkommen. Sobald sie die Zahl Neun sagt, soll man schnell „Zehn!“ rufen. Daraufhin soll Okikus Geist wieder verschwinden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Wie der Name „Banchō Sarayashiki“ bereits sagt, soll die Legende sich angeblich in Banchō, einem Stadtteil des damaligen Edo, also des heutigen Tokio, zugetragen haben.</p>



<p>Es gibt aber auch Versionen, die die Geschichte an einen anderen Ort verlagern, so zum Beispiel die Version mit dem politischen Putsch, die sich in der Himeji-Burg in Himeji zugetragen haben soll. Dort gibt es auch einen Brunnen, in dem Okiku gestorben sein soll. Der Okiku-Brunnen der Himeji-Burg ist heute eine beliebte Touristenattraktion.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Den genauen Ursprung der Banchō-Sarayashiki-Legende habe ich leider nicht herausfinden können.</p>



<p>Aber die Legende wurde bereits 1741 als Bunraku, einem Puppenspiel, vorgeführt, auch wenn es wahrscheinlich ist, dass es sie bereits deutlich länger gab und sie lediglich als Bunraku adaptiert wurde.</p>



<p>Seitdem wurde sie außerdem viele Male als Kabuki-Stück vorgeführt, was zu ihrer großen Bekanntheit beigetragen haben könnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Banchō Sarayashiki in der Popkultur:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt, gibt es zahlreiche Theaterstücke bzw. Kabukistücke, die die Legende behandeln.</p>



<p>Außerdem wurden einige Filme über die Geistergeschichte gedreht, wie z. B. „Kaidan Banchô sara-yashiki“ (1957).</p>



<p>Und auch in einigen Manga und Anime existieren Anspielungen oder sogar direkte Auftritte von Okiku. So z. B. in „Gegege no Kitarō“ oder „Sadako at the End of the World“ (2019).</p>



<p>Darüber hinaus wird Okiku häufig als die Inspiration für den berühmten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/onryo">Onryō</a> Sadako aus „The Ring“ (sowohl den Filmen als auch den Romanen) genannt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Banchō Sarayashiki? Kanntet ihr die Geschichte bereits? Was würdet ihr tun, wenn ihr nachts eine gespenstische Stimme zählen hört? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/bancho-sarayashiki-die-legende-von-okiku">Banchō Sarayashiki – Die Legende von Okiku</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Einige Tage später hingegen sollte ich merken, dass die Ereignisse vielleicht doch keinen so natürlichen Ursprung hatten. Es war mitten in der Nacht. Ich lag im Bett und war fest am Schlafen, als mich Stimmen weckten …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/c45ee185287846f594dcb1e69ba274d2" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Poltergeister gehören zu einer der wohl bekanntesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geisterarten</a> der Welt. Dabei sind echte Berichte von dem Phänomen vergleichsweise selten.</p>



<p>Eigentlich wollte ich heute meine interaktive Geschichte veröffentlichen. Aber da ich leider wieder ein wenig übertreiben musste und die Geschichte jetzt schon deutlich länger als die interaktive Geschichte von letztem Jahr geworden ist, muss ich sie leider noch etwas verschieben. Stattdessen habe ich einen alten Beitrag für euch überarbeitet.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Also dann, Ms. Harris. Hier haben Sie die Schlüssel und hier meine Visitenkarte. Nur für den Fall, dass Sie das Haus wieder verkaufen möchten.“</p>



<p>Ich weiß noch, wie ich mich über die Formulierung der Maklerin gewundert hatte. <em>Falls Sie das Haus wieder verkaufen möchten.</em> Vielleicht sollte es nur Werbung sein. Vielleicht hoffte sie, dass ich jemanden kenne, der eine Immobilie zu verkaufen hat. Aber warum hatte sie es dann nicht so formuliert?</p>



<p>„Danke“, nahm ich die Schlüssel entgegen. Die Karte hingegen lehnte ich ab. „Ich denke nicht, dass ich das Haus so schnell wieder loswerden möchte. Es ist einfach perfekt. Die Lage, der Garten, und dann auch noch der Preis.“</p>



<p>Die Maklerin nickte, schenkte mir aber ein gequält aussehendes Lächeln. „Nur für den Fall“, sagte sie dann und steckte die Karte in meinen Briefkasten.</p>



<p>Ich sah der kleinen Frau mit gerunzelter Stirn nach, zuckte jedoch nur mit den Schultern, ehe ich mich meinem neuen Zuhause zuwandte.</p>



<p>Es sollte aber nur ein paar Wochen dauern, bis ich anfing zu verstehen, warum die Maklerin ihre Karte dagelassen hatte.</p>



<p>Zu Beginn waren die Vorfälle noch harmlos. Einige Male stand eine Schublade oder Schranktür plötzlich offen. Da dachte ich noch, dass sie vielleicht defekt seien oder ich sie lediglich vergessen hatte. Und auch, als einige Türen von allein zuknallten, machte ich noch einen unbemerkten Durchzug dafür verantwortlich. Das Haus war halt alt. Da konnte es schonmal ziehen.</p>



<p>Einige Tage später hingegen sollte ich merken, dass die Ereignisse vielleicht doch keinen so natürlichen Ursprung hatten. Es war mitten in der Nacht. Ich lag im Bett und war fest am Schlafen, als mich Stimmen weckten.</p>



<p>Es dauerte einen Moment, bis ich merkte, dass sie nicht aus meinem Traum, sondern aus der Wirklichkeit kamen. Schlagartig war ich wach. Ich setzte mich auf und sah erschrocken ins Zimmer. Da sah ich, dass es mein Fernseher war. Er war angegangen, zeigte irgendeinen alten Westernstreifen.</p>



<p>Irritiert griff ich nach der Fernbedienung auf meinem Nachttisch und schaltete ihn aus. Jetzt wieder in Dunkelheit gehüllt, rutschte ich langsam wieder unter die Bettdecke. Ich starrte die dunkle Zimmerdecke an. Wieso war der Fernseher mitten in der Nacht einfach angesprungen?</p>



<p>Dann plötzlich tanzten Lichter über die Decke. Die Stimme von John Wayne drang an meine Ohren.</p>



<p>„Was zum …?“, fragte ich in den Raum, während ich mich wieder aufsetzte.</p>



<p>Der Fernseher war wieder an. Erneut griff ich nach der Fernbedienung, diesmal ohne die Augen von dem Gerät zu nehmen. Ich drückte den Ausschalter.</p>



<p>Wieder war ich in Schwärze gehüllt. Diesmal legte ich mich jedoch nicht wieder hin. Ich blieb verwundert im Bett sitzen und starrte in die Dunkelheit Richtung Fernseher, unfähig, eine logische Erklärung für das spontane Einschalten zu finden.</p>



<p>Und dann, noch ehe ich die Augen von dem Gerät genommen hatte, war er plötzlich wieder an. Und nicht nur das: Ich sah die Lautstärkeanzeige, wie sie langsam nach oben stieg. Wayne brüllte jetzt seine Worte. Ein Revolverknall hallte durch das Zimmer, als wäre wirklich eine Waffe abgefeuert worden.</p>



<p>Da ich nicht wusste, was ich anderes tun soll, sprang ich aus dem Bett. Ich rannte zum Fernseher, griff nach dem Kabel und riss es aus der Wand. Jetzt war wieder alles still.</p>



<p>Anschließend ging ich zurück ins Bett. Ich zermarterte mir das Hirn, was hier gerade passiert war. Und so dauerte es eine ganze Weile, bis ich endlich einschlief. Die restliche Nacht blieb es ruhig.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Tag musste ich noch immer an die seltsamen Vorkommnisse aus der Nacht denken. Zuerst dachte ich, ich hätte es vielleicht nur geträumt, aber nein. Der Fernseher war wirklich nicht mehr angeschlossen. Ich hatte keine Ahnung, was da passiert war.</p>



<p>Also tat ich, was ich in solchen Situationen immer tue. Ich nahm mein Handy zur Hand und rief meinen Vater an. Er hatte immer für alles eine Erklärung.</p>



<p>„Sophia, wie geht es dir?“, meldete sich die vertraute Stimme. „Hast du dich gut eingelebt?“</p>



<p>„Hey Pops“, begrüßte ich ihn. „Es geht so. Letzte Nacht ist was Komisches passiert. Mein Fernseher ist ein paarmal angegangen.“ Ich schilderte ihm die Situation.</p>



<p>Mein Vater überlegte einen Augenblick. „Es gibt Universalfernbedienungen“, erklärte er mir. „Wenn man die richtige Frequenz kennt, kann man damit fast jedes Gerät einschalten. Kann es sein, dass ein Nachbar dich nicht leiden kann? Vielleicht gefällt jemandem nicht, dass eine schwarze Frau in die Gegend gezogen ist. Es gibt rassistische Arschlöcher, die zu allen Mitteln greifen würden, um uns loszuwerden.“</p>



<p>Ich versuchte, meinem Vater zu erklären, dass meine Nachbarn mit meiner Hautfarbe kein Problem hatten, auch die mexikanische Familie gegenüber sich gut mit allen verstand, aber es war zu spät. Pops hatte bereits zu seinem Vortrag angesetzt, dass ich mich davon nicht unterkriegen lassen dürfe.</p>



<p>Aber darüber wunderte ich mich nicht. Mein Vater war nicht mehr der Jüngste. Während ich mich hauptsächlich mit Alltagsrassismus rumschlagen musste und hier und da einen blöden Spruch abbekam, hatte er noch ganz andere Zeiten kennengelernt. Und so ließ ich seinen Vortrag über mich ergehen, versprach ihm, dass ich mich nicht vertreiben lassen würde, ergänzte, dass ich ihn liebhabe, und legte schließlich auf.</p>



<p>Dafür hatte ich jetzt meine Antwort: Es könnte eine Universalfernbedienung gewesen sein. Und nur, weil meine Nachbarn keine Rassisten waren, hieß das ja nicht, dass die Nachbarsjungen mir keine Streiche spielen würden. Fürs Erste gab ich mich also mit der Theorie zufrieden.</p>



<p>Und so ignorierte ich weiterhin die Schranktüren, die sich wie von Geisterhand öffneten, die Türen, die von allein auf- oder zugingen und sogar das Licht, das gelegentlich flackerte. Zumindest tat ich das, bis ich eines Abends in der Küche stand und mir eine Scheibe Brot schmierte. Ich war gerade dabei, Margarine auf dem Brot zu verstreichen, da hörte ich ein leises Quietschen hinter mir: <em>Iiieeeek.</em></p>



<p>Schnell drehte ich mich um. Dabei konnte ich gerade noch sehen, wie sich das Regal, in dem meine Teller standen, langsam öffnete. Als ich jedoch darauf zuging, um es wieder zu schließen, ließ mich ein leises Schaben in der Bewegung innehalten. Es klang völlig gleichmäßig. Und dann sah ich es: Einer der Teller schob sich langsam, als würde ihn jemand herausziehen, aus dem Schrank heraus.</p>



<p>Mit offenem Mund stand ich da, während der Teller aus dem Schrank stürzte, zu Boden fiel und dort in unzählige Scherben zerbarst. Erst bei dem Aufprall machte ich einen Satz zurück.</p>



<p>Ungläubig starrte ich auf die Scherben. Was zur Hölle war da gerade passiert? Das war nicht möglich.</p>



<p>Da ich nicht wusste, was ich anderes tun sollte, holte ich einen Besen. Ich fegte die Scherben mühsam auf eine Kehrschaufel, ehe ich damit nach draußen ging, um sie dort im Müll zu entsorgen. Ich kam jedoch nicht weiter als bis vor die Haustür. Dort angekommen blieb ich abrupt stehen. Fast hätte ich die Schaufel mitsamt Scherben fallengelassen.</p>



<p>Achtzehn Augen starrten mich aus meinem Garten heraus eindringlich an. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Gartenzwerge. Die kleinen Kerlchen waren einfach zu drollig. In diesem Moment jedoch war sämtliche Sympathie für sie gewichen. Normalerweise standen sie im Vorgarten verteilt, sodass sie aussahen, als würden sie sich unterhalten oder der Gartenarbeit nachgehen. Jetzt jedoch standen alle neun Zwerge so, dass sie jede Person anstarrten, die das Haus verließ – in diesem Moment also mich.</p>



<p>Ich war schneller wieder drinnen, als ich zugeben möchte. Die Scherben würde ich morgen entsorgen, wenn es draußen wieder hell war. Für alles andere lagen meine Nerven gerade zu blank.</p>



<p>Als ich nach dem Abendbrot im Bett lag, konnte ich mal wieder nicht schlafen. Ich nahm mein Handy zur Hand und durchforstete das Internet nach irgendeiner Erklärung für das alles. Klar, mit einer Universalfernbedienung konnte man den Fernseher erklären und auch die Gartenzwerge hätte jede beliebige Person in meinem Vorgarten umstellen können, aber die Türen? Und der Teller? Es musste dafür irgendeine Erklärung geben!</p>



<p>Leider ergab meine Suche nicht viel. Jedenfalls ging ich nicht davon aus, dass ein Erdbeben den Teller bewegt haben konnte. Einen vorbeifahrenden Zug gab es in der Region auch nicht. Und von den wirren Poltergeist-Theorien, über die ich las, wollte ich gar nicht erst anfangen. Ich glaubte nicht an das Paranormale. Zumindest noch nicht.</p>



<p>Also ließ ich mit einem frustrierten Seufzen den Kopf aufs Kissen fallen. In dieser Nacht verfiel ich in unruhige Träume.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Inzwischen verging kein einziger Tag mehr, an dem nichts Merkwürdiges in meinem neuen Haus geschah. Aber das Problem war nicht, dass diese Dinge passierten. Ob ihr es glaubt oder nicht irgendwann gewöhnt man sich daran, dass Sachen plötzlich woanders liegen, dass Türen sich von allein öffnen und schließen, dass das Licht an- oder ausgeht. Das Problem war nicht einmal, dass die Phänomene häufiger wurden. Nein, das Problem war, dass sie immer intensiver wurden.</p>



<p>Ich weiß noch, wie ich einen Tag aus der Dusche kam und das Wort „LEAVE!“ auf meinem beschlagenen Badezimmerspiegel geschrieben sah. Zwar gibt es eine einfache Möglichkeit, solche Worte auf Spiegeln zu erzeugen, wie ich im Internet herausfand – es reichte zum Beispiel aus, sie mit Reinigungsalkohol auf den unbeschlagenen Spiegel zu schreiben, damit die Worte nach der nächsten heißen Dusche auftauchten –, aber außer mir war niemand in meinem Haus gewesen.</p>



<p>Und dann war da noch die Visitenkarte. Als ich den Spiegel mit meinem Handtuch abwischen wollte, entdeckte ich die Karte der Maklerin auf dem Waschbeckenrand. Ich war mir sicher, dass sie vor meiner Dusche noch nicht dagelegen hatte.</p>



<p>Vielleicht hatte mein Vater ja recht. Vielleicht war es wirklich ein Nachbar, der mich loswerden wollte. Aber in mein Haus einbrechen? Sich in mein Badezimmer schleichen, während ich duschte? Das ging nun wirklich zu weit.</p>



<p>Vielleicht sollte ich mir Überwachungskameras für das Haus holen. So wüsste ich nicht nur, wer in meinem Haus hier sein Unwesen trieb, ich hätte auch noch Beweise, die ich der Polizei vorlegen konnte. Wer auch immer das war, würde bald schon lernen, dass er sich mit der Falschen angelegt hatte!</p>



<p>So weit kam es jedoch nie. Ich hatte den Gedanken gerade zu Ende gedacht, da hörte ich plötzlich ein lautes Schaben aus dem Stockwerk über mir – dem Dachboden. Es klang so, als ob jemand einen schweren Gegenstand über den Boden rücken würde.</p>



<p>„Oh nein! So nicht, Freundchen!“, schimpfte ich, während ich zur Treppe rannte. Ich nahm zwei Stufen auf einmal. Das Holz knarrte unter meinen Füßen, während ich dem schabenden Geräusch immer näherkam.</p>



<p>Ich merkte, dass meine Hand zitterte, während ich nach dem metallenen Türknauf griff. Ich nahm all meinen Mut zusammen. Dann drehte ich den Knauf und stieß die Tür mit aller Kraft auf.</p>



<p>Wie schon so oft die letzten Wochen, erstarrte ich jetzt. Ich sah, wie einige Umzugskartons wie von Geisterhand über den Boden schleiften.</p>



<p>In einem letzten verzweifelten Versuch, eine logische Erklärung für all das zu finden, rannte ich zu einem der Kartons. Ich kippte ihn auf die Seite, untersuchte seine Unterseite und den Fußboden, öffnete ihn und leerte seinen Inhalt vor mir aus. Aber da war nichts – nichts, das den Karton hätte bewegen können. Das war physikalisch unmöglich!</p>



<p>Mein Mundwinkel zuckte. Ich richtete mich auf. „Wer oder was auch immer du bist, das ist mein Haus!“, rief ich. „Und ich will, dass du mich auf der Stelle in Ruhe lässt!“</p>



<p>War es nicht das, was man mit Geistern machen sollte? Sie zum Gehen auffordern? Oder würde ich ihn damit nur provozieren?</p>



<p>Zu meiner Überraschung war es plötzlich um mich herum still. Kein schleifendes Geräusch mehr, keine sich bewegenden Kisten. Hatte es funktioniert?</p>



<p>Doch es war nur die Ruhe vor dem Sturm. Ein plötzliches Klappern hinter mir ließ mich herumfahren. Ein Stuhl, der in einer Ecke stand, zitterte wie verrückt. Dann, völlig unerwartet, hob er vom Boden ab. Er schwebte in der Luft, nur wenige Zentimeter über dem Boden, als würde eine unsichtbare Person ihn hochheben.</p>



<p>Im nächsten Moment flog der Stuhl in meine Richtung. Normalerweise hatte ich gute Reflexe, doch in diesem Moment war ich zu überfordert, um überhaupt zu reagieren. Der Stuhl traf mich mit voller Wucht. Das Holz der Rückenlehne schlug an meinen Kopf, ehe die gepolsterte Sitzfläche mich an der Brust traf und zu Boden schleuderte.</p>



<p>Für einen kurzen Moment wurde mir schwarz vor Augen. Ich lag benommen da, als ich plötzlich ein Knarren vernahm. Die schwere Kommode über mir kippte in meine Richtung. Ich riss schützend die Arme hoch. Aber auch das würde nichts bringen. Die Kommode war so schwer, dass selbst die beiden Männer vom Umzugsunternehmen Schwierigkeiten gehabt hatten, sie die Treppen hinauf zu bekommen.</p>



<p>„Warte! Warte!“, kreischte ich panisch. „Du hast gewonnen!“ Was auch immer hier passierte, ich hatte nicht vor, heute von einer Kommode zerquetscht zu werden. „Du hast gewonnen“, wiederholte ich. „Ich ziehe aus. Das möchtest du doch, oder?“</p>



<p>Die Kommode hielt in der Bewegung inne. Sie stand jetzt nur noch auf zwei Beinen, schwebte bedrohlich über mir.</p>



<p>„Ich such mir noch heute ein Motel. Direkt morgen ruf ich die Maklerin an. Dann bist du mich los!“, flehte ich.</p>



<p>Ich spürte mein Herz bis in meinen Hals pochen. Mit noch immer weit aufgerissenen Augen starrte ich die Kommode an. Wenn der Poltergeist, oder was auch immer es war, sie jetzt losließ, würde ich das nicht überleben.</p>



<p>Dann kippte die Kommode. Sie kippte jedoch nicht in meine Richtung. Nein. Sie kippte von mir weg. Mit einem lauten Knall landete sie wieder auf ihren vier Beinen. Danach war es ruhig. Der Spuk war zu Ende. Ich hatte verloren, aber ich lebte. Jetzt musste die Maklerin nur noch einen neuen Käufer finden.</p>



<p>Ich erinnerte mich an ihre Worte. „Nur für den Fall, dass Sie das Haus wieder verkaufen möchten.“ Sie wusste es. Sie hatte es die ganze Zeit gewusst. Und auch beim nächsten Käufer würde sie es wieder wissen …</p>



<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Poltergeister sind eine Art Geist oder Spukerscheinung. Aber obwohl sie eine der bekanntesten Geisterarten sind, sind Berichte von Poltergeistphänomenen relativ selten – sofern man von den zahlreichen gefakten Videos einmal absieht, die im Internet kursieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Im Normalfall manifestieren sich Poltergeister nicht in einer sichtbaren Gestalt. Sie sind somit eines der wenigen übernatürlichen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>, das kein eigenes Aussehen besitzen soll.</p>



<p>Eine Ausnahme besteht, sofern die Poltergeistphänomene mit anderen Geistererscheinungen, Telepathie oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämonen</a> in Verbindung gebracht werden. In diesen Fällen wird dem „Poltergeist“ das Aussehen des anderen Wesens oder der telepathisch begabten Person zugeschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Es gibt verschiedene Theorien bzw. Arten, wie ein Poltergeist entstehen kann.</p>



<p>So gibt es den „klassischen“ Poltergeist, der als Geist oder Dämon ein Haus oder eine Person heimsucht und die paranormalen Phänomene verursacht. Der Grund hierfür kann u. a. eine starke emotionale Bindung zwischen dem Geist und dem Ort/der Person sein, eine aus dem Ruder geratene Séance oder schwarze Magie.</p>



<p>Anders verhält es sich hingegen mit der Theorie, dass Poltergeistphänomene durch einen Menschen verursacht werden. Ich meine hierbei nicht, dass ein Mensch die Phänomene faket – das kommt natürlich auch sehr oft vor –, sondern dass er die Objekte unbewusst bewegt, z. B. durch telekinetische Kräfte. Tatsächlich war diese meist von sexistischen Motiven geprägte Theorie besonders früher sehr verbreitet. Ihr zufolge wird die unbewusste Telekinese durch eine Mischung aus Stress und Hysterie von meist jungen Frauen oder weiblichen Teenagern ausgelöst.</p>



<p>Wie plausibel Letzteres in euren Ohren klingt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich bin aber ein größerer Fan der Geist/Dämon-Theorie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Poltergeister können auf sehr verschiedene Weisen in Erscheinung treten.</p>



<p>Häufig beginnen die Phänomene sehr harmlos – ein kleiner Gegenstand, der plötzlich woanders liegt, ein leises Klopfen, flackernde Lichter oder Lichtschalter, die sich von selbst betätigen.</p>



<p>In seltenen Fällen bleibt es bei diesen kleineren Ereignissen, im Normalfall steigern sich die paranormalen Phänomene jedoch mit der Zeit.</p>



<p>So kann es im weiteren Verlauf zum Beispiel dazu kommen, dass auch größere Gegenstände oder Möbel bewegt werden oder umkippen.</p>



<p>Normal sind auch Tassen oder Teller, die plötzlich durch die Luft fliegen, als wären sie geworfen worden, oder Schubladen und Türen, die sich von selbst öffnen oder schließen.</p>



<p>Außerdem gibt es Berichte von lautem durchgehendem Klopfen, Lichtflackern, elektronischen Geräten, die plötzlich an oder ausgehen, von selbst wechselnden Fernsehprogrammen und Geräuschen wie Stimmen, undeutlichem Geflüster oder unmenschlichen Schreien.</p>



<p>In besonders schweren Fällen soll es sogar zu plötzlichem Feuer ohne erkennbare Ursache oder schwebenden Möbeln und Personen gekommen sein.</p>



<p>Genau wie die Art der Ereignisse kann auch die Zeitspanne, über die sie passieren, sich von Fall zu Fall stark unterscheiden. In einigen Fällen dauert es nur wenige Wochen, bis sie wieder aufhören, in anderen mehrere Monate bis hin zu Jahren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Poltergeister sind fast immer innerhalb von Gebäuden anzutreffen. Davon abgesehen können sie überall auf der Welt vorkommen.</p>



<p>In einigen Kulturen sind sie unter anderem anderem Namen bekannt und auch die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legenden</a> um die Ereignisse können verschieden sein, aber das Grundprinzip bleibt immer dasselbe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den genauen Ursprung der Poltergeister lässt sich nur schwierig etwas sagen. Es gibt verschiedenste Poltergeister in allen möglichen Kulturen – mal sind es Geister, mal Kobolde, Hexen, Menschen mit telekinetischen Kräften, Dämonen, Yōkai oder völlig andere Wesen.</p>



<p>Die Poltergeister, wie wir sie aus europäischen und amerikanischen Erzählungen kennen, könnten hingegen ihren Ursprung in Deutschland haben, worauf die Tatsache hindeutet, dass „poltergeist“ als Wort für die Phänomene auch in anderen Sprachen übernommen wurde – so ist im Englischen z. B. von „poltergeists“ die Rede.</p>



<p>Aber egal, aus welcher Region der Glaube an „unsere“ Poltergeister ursprünglich kommen mag, so ist der Ursprung doch relativ eindeutig: Die Menschen haben sich früher alle möglichen Dinge ausgedacht, um scheinbar unerklärliche Vorkommnisse zu erklären. Götter, die den Sonnenwagen über den Himmel ziehen, Geister, die in den Polarlichtern tanzen oder eben Poltergeister, die Geräusche ohne erkennbaren Ursprung erklären sollen – ein Glaube, der sich bis heute hartnäckig gehalten hat.</p>



<p>In der Realität kommen die Geräusche oft bloß von arbeitendem Holz, Tieren, die sich in oder hinter der Wand befinden oder alten Rohren, aber auch das tut der Fantasie der meisten Menschen keinen Abbruch.</p>



<p>Und auch, wenn sich die meisten Poltergeistaktivitäten auf ebensolche natürliche Ursachen oder schlichten Betrug, um Aufmerksamkeit zu erregen, zurückführen lassen, so gibt es doch einige historische Fälle von Poltergeistern, die sich bis heute nicht logisch erklären lassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Poltergeister in der Popkultur:</h3>



<p>An dieser Stelle komme ich natürlich nicht drum herum, die Poltergeist-Filmreihe, bestehend aus „Poltergeist“ (1982), „Poltergeist 2 – Die andere Seite“ (1986), „Poltergeist 3 – Die dunkle Seite des Bösen“ (1988) sowie der Neuauflage „Poltergeist“ (2015), zu erwähnen.</p>



<p>Außerdem gibt es eine Die drei ???-Folge namens „Poltergeist“ von 1997, die von vermeintlichen Poltergeistphänomenen im Haus einer älteren Dame handelt. (Dabei handelt es sich übrigens um eine meiner Lieblingsfolgen. :D)</p>



<p>Und natürlich gibt es den bekannten Horrorfilm „Conjuring 2“ (2016), der den berühmten echten Fall des Enfield-Poltergeists behandelt.</p>



<p>Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Fernsehserien und Filme wie z. B. die Horrerserie „Poltergeist – die unheimliche Macht“ (1996-1999), den Dokumentarfilm „Enfield Poltergeist“ (2023) oder die 11-teilige Trash-Horrorfilmreihe „American Poltergeist“.</p>



<p><em>Was denkt ihr über Poltergeister? Glaubt ihr, dass diese Phänomene übernatürlich sein können? Oder gibt es für euch immer eine logische Erklärung? Wie würdet ihr die Phänomene erklären? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>Der kopflose Reiter – Er darf dich nicht berühren! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Apr 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich fuhr herum. Am Anfang sah ich noch gar nichts. Dann jedoch erschien im Licht meines Handys eine Gestalt auf einem Pferd – der kopflose Reiter. Langsam, fast gespenstisch kam er auf mich zu …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/493f350e2cec4cf6b41b3f41c59fc521" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Der kopflose Reiter war die erste <a href="http://geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden">deutsche Legende</a>, die ich 2019 auf meinem Blog behandelt habe. Sie war auch eine der ersten Geschichten, die von jemandem vertont wurde, auch wenn das YouTube-Video von Johanna Christin leider nicht mehr online ist.</p>



<p>Ich hoffe, euch gefällt meine überarbeitete Fassung.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich rümpfte die Nase. Obwohl wir schon eine Woche hier waren, hatte ich mich noch immer nicht an den Geruch nach Kuhdung gewöhnt, der fast durchgehend in der Luft lag. Als Stadtmensch kannte ich so etwas gar nicht.</p>



<p>Hennes, mein Verlobter, war hier hingegen aufgewachsen. Es war seine Idee gewesen, für eine Woche ins Rheinland zu fahren, in das Dorf, wo er seine gesamte Kindheit verbracht hatte.</p>



<p>Für mich war das eine ganz neue Erfahrung. In der Stadt waren die Menschen nichts als fremde Gesichter, die an mir vorbeizogen. Klar hatten sie alle ihre eigenen Probleme und Geschichten, aber sie behielten sie für gewöhnlich für sich.</p>



<p>Hier auf Land hingegen war das völlig anders. Die Leute waren alle so nett, grüßten Hennes sogar beim Namen, obwohl er schon vor vielen Jahren hier weggezogen war. Wie oft wir stehengeblieben waren, um mit einem alten Bekannten zu quatschen. Und obwohl Hennes mit ihnen viel über seine Kindheit redete, hatte ich nie das Gefühl, das fünfte Rad am Wagen zu sein. Sie banden mich in die Gespräche ein, fragten mich nach meiner Meinung oder erzählten mir Anekdoten aus Hennes‘ Jugend.</p>



<p>Nie hätte ich gedacht, dass ein schlichter Urlaub auf dem Land so traumhaft werden könnte. Doch wie bei so vielen Dingen sollte auch hier aus einem Traum ein Albtraum werden.</p>



<p>Es war der letzte Abend vor der Heimreise. Gleichzeitig war es das erste Mal, dass ich mich in dem kleinen Dorf unwohl fühlte. Es war fast so, als hätte ich etwas geahnt, während wir auf dem Weg zu der Kneipe, in der Hennes immer als Jugendlicher mit seinen Freuden abgehangen hatte, eine Abkürzung über einen kleinen Feldweg nahmen.</p>



<p>Obwohl Hennes einen Arm um mich gelegt hatte, um mich zu wärmen, fröstelte ich. Schweigend gingen wir nebeneinander her. Unsere Schritte knirschten im Kies, Grillen zirpten in den Feldern. Dann plötzlich mischte sich Hufgetrappel in die Geräuschkulisse.</p>



<p>Hennes und ich sahen einander fragend an. Wir dachten genau dasselbe: Wer ritt zu so später Stunde noch ein Pferd aus? Die Sonne war längst untergegangen. Das einzige Licht kam von den letzten Momenten der Dämmerung.</p>



<p>Neugierig blickten wir dem Reiter entgegen, der gemächlich auf uns zu getrabt kam. Gerade jedoch, als ich mich an den Wegesrand stellen wollte, um ihn vorbeizulassen, fiel mein Blick auf seinen Kopf – oder eher auf die Stelle, wo sein Kopf hätte sein müssen. Der Platz zwischen seinen Schultern war leer.</p>



<p>Ein spitzer Schrei entfuhr mir, als ich es bemerkte. Hennes trat sofort schützend vor mich. Der Kopflose ließ sich davon nicht beirren. Stattdessen brachte er sein Pferd direkt vor uns zum Stehen.</p>



<p>Hennes wich einen Schritt zurück, während er zu ihm aufsah. Doch von Angst fehlte in seiner Stimme jede Spur. „Hey!“, sagte er laut. „Findest du es witzig, meine Freundin so zu erschrecken?“</p>



<p>Fast rechnete ich damit, dass der Mann sich entschuldigte, uns erklärte, dass er bloß zu einer Kostümparty unterwegs sei. Es hätte zu meinem Eindruck von den sonstigen Bewohnern des Dorfes gepasst. Er blieb jedoch einfach nur stumm stehen.</p>



<p>Ich merkte, wie Hennes versuchte, sich möglichst groß zu machen.</p>



<p>„Schatz, lass ihn einfach vorbei“, drängte ich ihn, während ich an seinem Ärmel zupfte. Ich hatte keine Lust auf Streit.</p>



<p>Hennes sah das jedoch anders. „Ohne Entschuldigung?“, fragte mein Verlobter. „Na warte, gleich wissen wir, wer sich unter dem Kostüm versteckt. Mal sehen, wie gruselig du dann noch bist!“</p>



<p>„Hennes …“, drängte ich erneut. Aber er hörte nicht auf mich. Ich unterdrückte ein Augenrollen. Männer und ihr Machogehabe. Dass sie immer denken mussten, uns Frauen irgendetwas beweisen zu müssen.</p>



<p>Er ging einen kleinen Bogen um den Kopf des Pferdes herum und trat seitlich an den noch immer reglosen Reiter heran. Dort griff er nach seiner Jacke.</p>



<p>Der Kopflose reagierte blitzschnell. Noch ehe Hennes an dem Stoff zerren konnte, packte der Fremde ihn am Handgelenk. Er hielt ihn eisern fest. Im selben Augenblick stieß mein Verlobter überrascht den Atem aus.</p>



<p>Für einen Moment bewegte sich niemand von uns. Ich hörte, wie mein Herz raste, während Hennes den Fremden bloß reglos anstarrte. Dann plötzlich ließ der Reiter meinen Verlobten los. Er setzte sich mit seinem Pferd wieder in Bewegung und ritt langsam an uns vorbei. Bald war er wieder in der Dunkelheit verschwunden.</p>



<p>Ich wandte ich mich zu meinen Verlobten. Er hatte sich noch immer keinen Zentimeter bewegt. „Hennes? Hennes, alles in Ordnung?“, fragte ich.</p>



<p>Das löste ihn aus seiner Starre. Er sah zu mir, sein Blick suchte meinen. „Ich … weiß nicht. Das war seltsam. Seine Berührung war eiskalt.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Den restlichen Weg zur Kneipe legten wir mit schnellen Schritten zurück. Ich war erleichtert, als wir den dunklen Feldweg hinter uns ließen und endlich wieder über beleuchtete Straßen gingen. Trotzdem sprachen Hennes und ich kein einziges Wort, bis wir die Kneipe erreichten.</p>



<p>Im Gebäude war nicht sonderlich viel los. Zwar gab es einige Grüppchen, die an verschiedenen Tischen zusammensaßen, aber Hennes schien niemanden von ihnen zu erkennen. Also setzten wir uns auf zwei Barhocker und bestellten zwei Bier, die die Gastwirtin sofort für uns abzapfte.</p>



<p>Ich sah zu Hennes. „Du bist immer noch ganz blass.“ Besorgt streichelte ich seinen Arm.</p>



<p>Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht. Ich muss die ganze Zeit an seine Berührung denken. Sie war so furchtbar kalt. Unnatürlich kalt.“</p>



<p>Ich zog die Augenbrauen zusammen. „Aber das war doch nur ein Kostüm, oder?“, fragte ich.</p>



<p>Hennes gab mir ein schwaches Lächeln. Wieder ein Schulterzucken.</p>



<p>„Ach Schatz, es gibt keine Kopflosen. Lass dir von dem Idioten doch keine Angst machen!“ Er konnte nicht ernsthaft glauben, dass das ein Geist gewesen war.</p>



<p>Hennes reagierte nicht. Er starrte bloß gedankenverloren die Theke an, auf die die Gastwirtin jetzt unser Bier stellte.</p>



<p>Dafür erregten meine Worte die Aufmerksamkeit von jemand anderem: Ein Mann einige Hocker weiter sah zu uns. Er erhob sich und torkelte in unsere Richtung. „Ihr habt ihn gesehen, nicht war?“, lallte er. Ich roch seine Fahne bis hier. „Den kopflosen Reiter?“</p>



<p>Ich sah ihn mit großen Augen an. „Kennen Sie den Bekloppten etwa? Verkleidet er sich häufiger?“, fragte ich. Ich hoffte, dass es einfach bejahen würde.</p>



<p>Aber natürlich tat er das nicht. „Verkleidet? Meine Liebe, das ist keine Verkleidung“, lallte er mir entgegen. „Er trägt wirklich keinen Kopf mehr auf seinen Schultern.“</p>



<p>Hennes, dar gerade sein Bier an die Lippen heben wollte, erstarrte in der Bewegung.</p>



<p>Der Betrunkene fuhr unbeirrt fort. „Aber keine Sorge. An sich ist er harmlos. Das einzig Wichtige bei Begegnungen mit Wiedergängern wie ihm ist aber, dass ihr sie auf keinen Fall berührt. So eine Berührung kann tödlich enden.“</p>



<p>Jetzt merkte ich, wie auch mein Herz Richtung Hose rutschte. Aber das war doch irrsinnig. Es gab keine Geister. Wen auch immer wir da gesehen hatten, ich war mir sicher, es war bloß irgendein Typ.</p>



<p>Hennes hingegen schien der Betrunkene gehörig den Abend verdorben zu haben. Ich sah, wie er einen Zehn-Euro-Schein auf die Theke legte und nach seiner Jacke griff. „Komm Anni, wir gehen!“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auf dem Weg zum Gasthof sagte Hennes kein einziges Wort mehr. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass der Betrunkene sicher auch nur irgendein Spinner war, genau wie der kopflose Reiter, aber er hörte mir gar nicht richtig zu. Stattdessen ging er so schnell, dass ich Schwierigkeiten hatte, mit ihm mitzuhalten.</p>



<p>Eine Verschnaufpause erlaubte er mir erst, als wir sicher auf unserem Zimmer angekommen waren. Dort ging er fast sofort ins Bett.</p>



<p>Es sah Hennes nicht ähnlich, so still zu sein. Auch war er noch immer ungewöhnlich blass. Ich machte mir Sorgen um ihn.</p>



<p>Jedoch war es erst am nächsten Morgen, dass ich Angst um ihn bekam. Er war eiskalt und zitterte am ganzen Körper. Als ich versuchte, mit ihm zu reden, sah er mich bloß an, gab aber keinen einzigen Laut von sich. Ich fuhr sofort mit ihm ins Krankenhaus.</p>



<p>Die folgenden Tage waren die schmerzhaftesten meines Lebens. Ich konnte nichts tun, als zuzusehen, wie Hennes von Tag zu Tag schwächer wurde. Und auch die Ärzte waren völlig ratlos.</p>



<p>Eines Abends saß ich – wie jeden Tag – bei Hennes am Bett. Ich war eingeschlafen, lag vornübergebeugt, während ich seine Hand hielt. Da weckte mich eine schwache Stimme.</p>



<p>„Anni?“, fragte Hennes schwach.</p>



<p>Ich hatte schon immer einen sehr leichten Schlaf, weshalb ich sofort davon wach wurde. „Hennes!“, rief ich. „Du bist wach! Wie fühlst du dich? Kann ich irgendetwas …“</p>



<p>Weiter kam ich nicht. Hennes hatte seine zittrige Hand gehoben und hielt mir einen Finger an die Lippen. „Bitte. Du musst was für mich erledigen“</p>



<p>„Alles. Was auch immer du brauchst.“</p>



<p>Dann sagte er jedoch etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte. „Hilf dem kopflosen Reiter. Er kann nichts dafür.“</p>



<p>Schlagartig richtete ich mich auf. „Was? Wieso?“</p>



<p>Doch ich bekam keine Antwort mehr. Hennes war bereits wieder eingeschlafen.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>An die Hoffnung geklammert, dass ich meinem Verlobten damit auf irgendeine noch so seltsame Weise helfen könne, fuhr ich direkt in das Dorf zurück. Meine erste Anlaufstelle war die Kneipe. So verzweifelt mir der Gedanke auch vorkam, der Betrunkene von neulich war die einzige Person, die auf jeden Fall mehr über den kopflosen Reiter wusste.</p>



<p>Zu meinem Glück war der Mann trotz der späten Stunde tatsächlich noch in der Kneipe … an einem Mittwoch. Na toll. Er schien jedenfalls zu den Stammalkis des Dorfes zu gehören. Trotzdem war er noch ansprechbar und beantwortete meine Fragen.</p>



<p>„Für deinen Verlobten ist es zu spät“, lallte er. Von seinem Atem wurde ich fast selbst betrunken. „Aber wenn du dem Kopflosen wirklich helfen willst, soll es den Legenden nach ausreichen, wenn du vor ihm ein Gebet aufsagst. Das Vaterunser oder was weiß ich.“</p>



<p>Viel mehr konnte er mir zwar nicht verraten, aber ich nahm, was ich kriegen konnte. Sofort lief ich zum Feldweg zurück. Als ich den Pfad erreichte, zögerte ich jedoch. Er lag dunkel vor mir. Irgendwie unheimlich. Aber das würde mich heute nicht aufhalten. Ich musste es tun. Für Hennes. Zwar hatte der Alki gesagt, ich könne meinem Verlobten nicht mehr helfen. Aber woher wollte er das wissen? Anscheinend hatte es ja noch niemand geschafft, den Kopflosen von seinem Schicksal zu erlösen. Sicherlich irrte er sich. Er <em>musste</em> sich irren!</p>



<p>Hastig eilte ich den Weg entlang. Ich nutzte mein Handy, um den Pfad zu erleuchten, aber auch das spendete mir kaum Licht. Erst, als ich in etwa den Ort erreicht hatte, wo wir dem Reiter das erste Mal begegnet waren, blieb ich stehen.</p>



<p>Es war windig. Die Blätter säuselten und flüsterten um mich herum. Und auch die Grillen zirpten heute anders, irgendwie trauriger als letztes Mal.</p>



<p>Jetzt wartete ich. Und wartete. Und wartete. Meine Augen begannen bereits immer wieder zuzufallen. Meine Beine schmerzten. Da trug der Wind ein anderes Geräusch zu mir herüber: Hufgetrappel.</p>



<p>Ich fuhr herum. Am Anfang sah ich noch gar nichts. Dann jedoch erschien im Licht meines Handys eine Gestalt auf einem Pferd – der kopflose Reiter. Langsam, fast gespenstisch kam er auf mich zu.</p>



<p>Ich spürte, wie sich eine Gänsehaut über meinen Körper zog. Trotzdem blieb ich völlig ruhig stehen, während er näherkam.</p>



<p>Jetzt war er direkt vor mir. Sein Pferd bäumte sich auf, gab ein lautes Wiehern von sich. Ich erschrak, kämpfte aber gegen den Drang an, davonzulaufen.</p>



<p>Ich schluckte schwer. Dann endlich begann ich, das Vaterunser aufzusagen, das ich noch gut aus dem Konfirmationsunterricht kannte. „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name …“</p>



<p>Der kopflose Reiter stand jetzt völlig ruhig da.</p>



<p>Ehrfürchtig sah ich zu ihm auf. „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“, fuhr ich fort.</p>



<p>Dann plötzlich schwang der Mann sich von seinem Pferd. Ich trat schnell einen Schritt zurück, um ihm nicht zu nahe zu kommen, sagte das Gebet aber unbeirrt weiter auf. Zum Glück blieb der Mann neben seinem Pferd stehen. Mir fiel auf, wie klein er eigentlich war. Nicht nur, weil sein Kopf fehlte, sondern auch mit musste er noch immer kleiner gewesen sein als ich.</p>



<p>Während ich das Gebet beendete, schien er mich die ganze Zeit zu beobachten – zumindest soweit jemand ohne Kopf einen beobachten konnte. Erst, als ich den heiligen Text mit dem „Amen“ beendete, bewegte er sich. Oder nein, er bewegte sich nicht, er veränderte sich. Seine dunkle Kleidung verwandelte sich, bis er in ein sauberes weißes Tuch gehüllt vor mir stand.</p>



<p>Für einen Moment sah es so aus, als würde er seinen Körper betrachten, an sich heruntersehen wollen. Dann trat er einen Schritt auf mich zu. Er streckte die Arme nach mir aus, umfasste meine Hände in einer eiskalten Berührung mit den seinen, drückte sie kurz dankbar und war verschwunden. Jetzt war ich wieder allein. Von dem Mann und seinem Pferd fehlte jede Spur.</p>



<p>Unsicher, was ich tun oder auch nur denken sollte, blieb ich noch eine Weile reglos stehen. Was war da gerade passiert? Hatte ich ihn tatsächlich erlöst? Ich wusste es nicht.</p>



<p>Irgendwann, ich hatte keine Ahnung, wie lange ich dort stand, riss mich das Klingeln meines Handys aus den Gedanken. Ich ging ran.</p>



<p>„Anni Winkler“, meldete ich mich.</p>



<p>„Guten Abend Frau Winkler, hier ist das Krankenhaus“, antwortete eine Frauenstimme. „Es tut mir sehr leid, es ihnen mitteilen zu müssen, aber Ihr Verlobter ist gerade verstorben.“</p>



<p>Die Frau erzählte noch irgendetwas von psychologischer Unterstützung, aber ich hörte ihr gar nicht mehr richtig zu. Hennes war tot. Er würde nie wieder zu mir zurückkehren. Mich nie wieder in seinen sanften Armen halten. Nie wieder meinen Namen rufen. Tränen stiegen mir in die Augen.</p>



<p>Dann fiel mein Blick auf meine Hände. Auch ich hatte den kopflosen Reiter berührt. Wenn Hennes trotzdem gestorben war, obwohl ich den Reiter gerettet hatte, würde mich dann dasselbe Schicksal ereilen? Würde ich auch sterben müssen? Oder war der Wiedergänger in seinem erlösten Zustand ungefährlich?</p>



<p>Die Antwort auf diese Frage bekam ich bereits am nächsten Morgen. Mir war eiskalt und ich zitterte am ganzen Körper. Es war dasselbe Zittern, das bereits Hennes‘ Tod angekündigt hatte.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der kopflose Reiter ist ein Wiedergänger, also ein Untoter, der deutschen Sagenwelt. Jedoch ist der Name „der“ kopflose Reiter nicht ganz zutreffend, da es nicht nur einen, sondern viele kopflose Reiter geben soll.</p>



<p>In der irischen Mythologie gibt es ebenfalls kopflose Reiter, wo sie als Dullahan bezeichnet werden. Sie unterscheiden sich jedoch in ihren Eigenschaften von der deutschen Sagengestalt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Das Aussehen der kopflosen Reiter ist – von dem fehlenden Kopf und dem Pferd einmal abgesehen – meist nicht genauer beschrieben. Es ist jedoch anzunehmen, dass sie altertümliche Kleidung tragen, da die meisten der Legenden aus dem Mittelalter stammen.</p>



<p>In einigen Sagen haben sie ihren abgetrennten Kopf sogar bei sich, tragen ihn jedoch unter dem Arm oder haben ihn in ihrem Schoß liegen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Kopflose Reiter tauchen ausschließlich nachts auf. Sie sind an sich harmlos, haben keine bösen Absichten und versuchen auch nicht, den Menschen zu schaden.</p>



<p>Es heißt jedoch, dass ihr Auftauchen eine Warnung sein kann. So ist in einigen Quellen von einem baldigen Tod die Rede, wenn man einen kopflosen Reiter sieht, in anderen erscheinen sie hauptsächlich kriminellen Menschen, um ihnen zu zeigen, dass ihnen dasselbe Schicksal wie ihnen blühen könne und sie so auf den rechten Weg zurückzuführen.</p>



<p>Trotzdem kann die Begegnung mit einem kopflosen Reiter gefährlich sein oder so tödlich ausgehen. Denn obwohl sie nicht versuchen, den Menschen zu schaden, ist die Berührung eines Wiedergängers tödlich. Wenn man den kopflosen Reiter also in irgendeiner Weise berührt, kann das innerhalb weniger Tage zum Tod führen.</p>



<p>Andererseits soll es sehr einfach sein, einen kopflosen Reiter zu erlösen. Laut den Legenden muss man dafür lediglich ein Gebet laut aufsagen oder den Reiter sogar nur mit einem Gruß anreden, in dem Gott oder Christus vorkommt. Daraufhin soll der Reiter in ein weißes Leichentuch gehüllt erscheinen und sich bedanken.</p>



<p>Doch auch dann darf man nicht den Fehler machen und den Wiedergänger berühren, da seine Berührung auch in diesem Zustand noch immer töten soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Die meisten Legenden und Berichte von kopflosen Reitern gab es im Rheinland. Es ist jedoch möglich, dass Sichtungen an anderen Orten lediglich nicht bis zum heutigen Tag überliefert wurden, die Wiedergänger also deutlich weiter verbreitet waren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Der genaue Ursprung des kopflosen Reiters ist nicht bekannt. Es lassen sich jedoch kirchliche Einflüsse in den meisten Berichten finden. Eine weit verbreitete Theorie besagt, dass die Legende als Warnung entstanden ist.</p>



<p>So hieß es z. B. oft, dass die kopflosen Reiter zu Lebzeiten entweder Verbrecher waren, die durch Köpfung hingerichtet wurden, oder Selbstmörder, deren Leichen bis ins 17. Jahrhundert ebenfalls geköpft und anschließend an ungeweihter Stelle begraben wurden.</p>



<p>Eine andere Entstehungsgeschichte besagt, dass sie Menschen waren, die den Grenzstein ihres Grundstücks versetzt haben. Früher wurden die Grundstücke der einfachen Bürger nämlich nur durch Grenzsteine markiert. Wenn jemand heimlich den Grenzstein versetzt hat, konnte er somit unerlaubt sein eigenes Grundstück vergrößern, während seine Nachbarn darunter gelitten haben.</p>



<p>Eine mögliche, wenn auch nur selten durchgeführte Strafe dafür war, dass der Schuldige bis zum Kopf in der Erde begraben wurde. Daraufhin durfte der Geschädigte – dessen Grundstück verkleinert worden wäre – so lange mit seinem Pflug über den Kopf des Schuldigen pflügen, bis von ihm fast nichts mehr übrig war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der kopflose Reiter in der Popkultur:</h3>



<p>An dieser Stelle komme ich wohl nicht um Sleepy Hollow herum. Die Verfilmungen, darunter auch der bekannte Film „Sleepy Hollow“ (1999) mit Johnny Depp, aber auch die Buchvorlage „Die Sage von der schläfrigen Schlucht“ (1820) von Washington Irving beinhalten den kopflosen Reiter als Antagonisten.</p>



<p>Auch spielt der Wiedergänger in der Folge „Der kopflose Reiter“ von DiE DR3i eine entscheidende Rolle. (Falls ihr „DiE DR3i“ nicht mehr kennt, dabei handelt es sich um eine Parallelreihe zu „Die drei ???“, die wegen eines Rechtsstreits statt der originalen Hörpielreihe von 2006 bis 2007 erschien.)</p>



<p>Außerdem findet man den kopflosen Reiter in zahlreichen anderen Filmen, als NPC in Videospielen wie The Elder Scrolls oder World of Warcraft und sogar als eigene Karte des beliebten Sammelkartenspiels Magic: The Gathering.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Legende der kopflosen Reiter? Kanntet ihr sie bereits? Wusstet ihr, dass es eine deutsche Legende ist? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr einem kopflosen Reiter begegnet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p></p>
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		<title>Tsukumogami – Monster sind real!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
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		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als wir fast mit dem letzten Zimmer fertig waren – es war bereits Sonntagnachmittag – entdeckte ich jedoch den kaputten Papier-Regenschirm wieder. Zumindest dachte ich erst, dass er es sei. Er stand in der hintersten Ecke des Raumes, völlig unscheinbar an die Wand gelehnt.<br />
Langsam, fast schon vorsichtig ging ich auf ihn zu. „Das ist seltsam“, sagte ich. „Ich hätte schwören können, dass ich den Regenschirm letztes Wochenende schon einmal entsorgt habe …"</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/02ea5e58dcfb432fac64b734ec28e975" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Tsukumogami behandelt endlich wieder einen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Yōkai</a>. Mir ist ehrlich gesagt nicht einmal aufgefallen, dass meine letzte japanische Legende schon 9 Monate her war.</p>



<p>Dafür hat die heutige Geschichte mit schnuckeligen 4.448 Wörtern deutliche Überlänge. Ich hoffe, sie gefällt euch.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich saß neben Kichiro in dem kleinen weißen Transporter, den wir vorhin in Tokio gemietet hatten. Die Natur war grün, die Sonne schien und unsere Playlist schallte aus den Boxen, während wir die engen und kurvigen Straßen entlangfuhren.</p>



<p>Wir näherten uns unserer neuen Heimat. Shizuka-Mura war ein kleines Dorf, nur etwa zwei Stunden von Tokio entfernt. Einsam, fast unbedeutend stand es am Fuß eines Berges. Ohne den Arbeitskollegen von Kichiro, der uns auf das verschlafene Örtchen aufmerksam gemacht hatte, hätten wir es wahrscheinlich nie entdeckt.</p>



<p>Er wusste jedoch, dass wir gemeinsam ein Haus kaufen wollten. Auch hatte er mitbekommen, dass wir uns bereits nach einigen Akiyas umgesehen hatten. So nennt man die zahlreichen leerstehenden Häuser, die in den ländlichen Gegenden Japans zu finden sind. Meist kann man sie zu spottbilligen Preisen erstehen, da sie langsam am Zerfallen sind. Und wenn ich spottbillig sage, meine ich spottbillig: Die Häuser inklusive Grundstück fangen teilweise schon bei umgerechnet 300 bis 400 Euro an.</p>



<p>Das Haus, für das wir uns dank des Kontakts des Arbeitskollegen letztendlich entschieden hatten, war mit seinen 2,5 Millionen Yen, etwa 15.500 Euro, zwar etwas teurer, aber der Zustand war mehr als nur überzeugend. Klar mussten wir noch einiges an Geld in die Renovierung stecken, zum Beispiel mussten wir die komplette Elektrik sowie die Leitungen erneuern lassen, aber vieles konnten wir tatsächlich selbst erledigen. Immerhin hatte ich in den zehn Jahren, in denen ich in Deutschland als Handwerker gearbeitet hatte, einiges gelernt. Außerdem war das Haus trocken, weder von Schimmel noch von Termiten befallen und selbst die meisten Möbel und Tatami-Matten waren in einem noch durchaus brauchbaren Zustand.</p>



<p>„Wenn ich in Deutschland für den Preis so ein Haus gefunden hätte, hätte ich Angst gehabt, dass es darin spukt“, hatte ich scherzhaft zu Kichiro gesagt, nachdem ein Gutachter uns einen groben Überblick über die anfallenden Kosten gegeben hatte. Dass ich mit der Aussage ins Schwarze getroffen hatte, hätte ich mir jedoch nicht träumen lassen. Wir hatten den Kaufvertrag noch am selben Abend unterzeichnet.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Endlich hatten wir das Dorf erreicht. Wir fuhren durch enge, teilweise baufällige Straßen, sodass wir nur im Schritttempo fahren konnten. Währenddessen begegneten wir einigen Bewohnern, die uns allesamt neugierig nachsahen. Wir begrüßten sie je mit einem freundlichen nicken, bis wir schließlich in unsere Straße einfuhren.</p>



<p>Unser Haus war nicht das erste Akiya, dem wir heute begegneten. Obwohl Shizuka-Mura nur wenige Einwohner hatte, gab es davon in der Gegend einige. Manche von ihnen sahen, genau wie unseres, vergleichsweise gut aus, andere waren völlig zerfallen und überwuchert. Wahrscheinlich waren die meisten jüngeren Leute aus der Gegend in die Städte gezogen und hatten die Häuser leer zurückgelassen.</p>



<p>Dann endlich fuhren wir auf unsere kleine Auffahrt. Unsere neue Nachbarin, eine ältere Dame, war gerade in ihrem Garten. Auch sie sah neugierig zu uns rüber.</p>



<p>„Guten Tag“, grüßte ich freundlich, während ich ausstieg.</p>



<p>„Guten Tag“, grüßte sie zurück.</p>



<p>„Wir sind die neuen Nachbarn. Das ist Herr Suzuki und ich bin Berger“, stellte ich uns, wie in Japan üblich, mit unseren Nachnamen vor.</p>



<p>„Guten Tag“, grüßte nun auch Kichiro.</p>



<p>„Gotō“, stellte sich die Frau vor. Sie beäugte uns einen Augenblick neugierig. „Sie müssen gute Freunde sein“, stellte sie schließlich fest. Ein anderer Grund, warum zwei Männer sich gemeinsam ein Haus kauften, fiel ihr anscheinend nicht ein.</p>



<p>„Wir sind verlobt“, erklärte ich. Leider ein Dauerzustand, da zwei Männer hier in Japan noch nicht heiraten durften.</p>



<p>Frau Gotō guckte überrascht, dann aber nickte sie freundlich. „Es ist schön, dass junge Leute wie Sie in unser kleines Dorf ziehen. Ich kann zwar nicht schwer tragen, aber falls Sie Hilfe gebrauchen können, sagen Sie bitte Bescheid.“</p>



<p>Wir bedankten uns, woraufhin sie weiter zu ihrer Haustür ging. Bevor sie sie jedoch öffnete, drehte sie sich noch einmal zu uns um.</p>



<p>„Ach so. Bevor ich es vergesse: Ich höre manchmal nachts Geräusche aus Ihrem Haus. Ich weiß nicht, wer oder was das ist, aber passen Sie bitte auf sich auf. Nicht, dass Sie ungewollte Gäste haben.“ Dann war sie auch schon in ihrem Haus verschwunden.</p>



<p>Kichiro und ich sahen einander überrascht an. Ich verzog das Gesicht. „Na das klingt ja vielversprechend“, sagte ich.</p>



<p>Mein Verlobter klopfte mir auf die Schulter. „Mach dir nichts draus, Lennart. Wenn das irgendwelche Tiere sind, finden wir sie beim Entrümpeln, und falls es ein Obdachloser ist, zieht er bestimmt weiter ins nächste Akiya. Es ist ja nicht so, dass es nicht genug davon in der Gegend gibt.“</p>



<p>Das brachte mich zum Lachen. Sein Optimismus und seine immer lockere Art, mit Problemen umzugehen, waren zwei der Gründe, warum ich mich damals in ihn verliebt hatte.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Den restlichen Tag passierte nichts Außergewöhnliches. Wir fingen an, die Möbel und Haushaltsgegenstände einen Raum nach dem anderen durchzusehen. Wir sortierten, was wir noch gebrauchen konnten, und was wegsollte. Wie bereits gesagt waren viele der Möbel noch immer in einem guten Zustand, weshalb wir die meisten Stühle, Tische, Schränke und sogar ein Radio, das in der Küche stand, behielten.</p>



<p>Die anderen Dinge – ein kaputter Besen, ein Stuhl mit gebrochener Armlehne, alte Zeitschriften, kaputtes Geschirr, diverse ausgeblichene Bilder und die alten Futons, um nur ein paar Dinge zu nennen – brachten wir nach draußen. Wir stellten sie auf die Auffahrt, von wo aus wir sie später geordnet in den Transporter laden würden.</p>



<p>Am frühen Abend machte uns das schwindende Sonnenlicht jedoch ein Strich durch die Rechnung. Da der Strom nicht funktionierte, konnten wir bald kaum noch etwas erkennen. Die batteriebetriebene Camping-Lampe, die wir extra für diesen Zweck organisiert hatten, spendete zwar genug Licht für eine gemütliche Atmosphäre, aber es war zu schwach, um die Möbel ausreichend zu beleuchten. Daher entschieden wir, es für heute gut sein zu lassen.</p>



<p>Zum Abendessen gab es Instant-Ramen. Frau Gotō war so freundlich, uns dafür heißes Wasser zu spendieren. Wir aßen die Nudeln bei ihr, während sie uns von der Gegend erzählte. Trotz der bescheidenen Größe hatte Shizuka-Mura einen kleinen Supermarkt, zwei empfehlenswerte Restaurants und einen gut gepflegten Schrein – nur für denn Fall, dass wir uns noch etwas aus den Göttern machten, wie Frau Gotō mit einem Augenzwinkern erzählt hatte.</p>



<p>Nach dem Essen bedankten wir uns bei ihr für das heiße Wasser und die gute Gesellschaft, woraufhin sie uns anbot, dass wir gerne am nächsten Abend wiederkommen könnten.</p>



<p>Anschließend gingen wir zufrieden und erschöpft von der vielen Arbeit ins Bett. Dafür hatten wir einen Futon im Gästezimmer ausgebreitet – dem einzigen Raum, der nicht völlig mit Ramsch zugestellt gewesen war.</p>



<p>Nachdem wir uns hingelegt und unsere Camping-Lampe ausgeschaltet hatten, war es um uns herum stockdunkel. Die Luft roch noch immer nach Staub, auch wenn wir uns größte Mühe gegeben hatten, den Raum zumindest oberflächlich zu putzen. Jetzt lauschte ich Kichiros langsamen Atem neben mir. Und so war ich bald eingeschlafen.</p>



<p>Mitten in der Nacht wurden wir jedoch von seltsamen Geräuschen aus dem Schlaf gerissen. <em>‚Klack. Klack‘</em>, ertönte es leise aus dem Flur. <em>Klack.</em> Es klang fast wie Schritte, nur dass es dafür zu langsam und irgendwie zu aggressiv war.</p>



<p>„Lennart? Was ist das?“, fragte Kichiro, als er merkte, dass ich wach war.</p>



<p>„Keine Ahnung“, erwiderte ich. Vielleicht waren das die nächtlichen Geräusche, von denen Frau Gotō erzählt hatte.</p>



<p>Leise, um selbst keinen Lärm zu machen, stand ich auf. Ich tastete nach der Camping-Lampe, schaltete sie aber noch nicht ein, um nicht auf mich aufmerksam zu machen. Anschließend schlich ich auf leisen Sohlen zur Zimmertür. Kichiro war dicht hinter mir. Als ich den Shoji, die japanische Schiebetür, erreicht hatte, schob ich ihn langsam auf. <em>Klack. Klack.</em> Die Geräusche waren jetzt ganz in der Nähe. Vorsichtig hob ich den Arm mit der Camping-Laterne in den Flur hinaus, während ich mit der freien Hand nach den Einschaltknopf tastete.</p>



<p><em>Klick.</em> Der Flur vor uns war nun in sanftes Licht gehüllt. Ich spähte nach links und rechts. Er war leer. Allerdings hatten jetzt auch die Geräusche aufgehört.</p>



<p>„Nichts“, sagte ich zu Kichiro. Ich schob den Shoji weiter auf, damit auch er etwas sehen konnte.</p>



<p>Zur Sicherheit gingen wir die angrenzenden Räume ab. Aber auch hier war alles wie vorher. Zwischen dem Gerümpel schien sich zumindest niemand zu verstecken.</p>



<p>„Vielleicht sind es die alten Rohre?“, schlug Kichiro vor. „Wenn ich mich richtig erinnere, verlaufen Sie hier genau unter dem Boden.“</p>



<p>Ich nickte. Das war eine Möglichkeit.</p>



<p>„Komm Lennart, lass uns zurück ins Bett gehen. Wir haben morgen noch einen anstrengenden Tag vor uns.“</p>



<p>„Ist gut“, stimmte ich zu.</p>



<p>Anschließend legten wir uns wieder hin. Die restliche Nacht blieb ruhig.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Morgen wollten wir keine Zeit verlieren. Nach einem knappen Frühstück machten wir uns direkt an die Arbeit. Auch heute kamen wir gut voran.</p>



<p>Zuerst war das Wohnzimmer dran. Es dauerte anderthalb, vielleicht zwei Stunden, bis wir den meisten Ramsch aussortiert hatten. Kichiro ging bereits weiter in den nächsten Raum, während ich dabei war, den letzten Rest nach draußen zu bringen.</p>



<p>Als ich jedoch ins Wohnzimmer zurückkam, stockte ich. Am Tisch lehnte ein weißer Regenschirm mit aufwendiger Musterung. Er war mir vorher nicht aufgefallen, obwohl wir mit dem Raum bereits fast fertig waren. Misstrauisch ging ich auf ihm zu.</p>



<p>Es war einer dieser Schirme aus gewachstem Papier. Er musste schon sehr alt sein. Sein Weiß ging bereits ins Gelbliche. Trotzdem war er wunderschön verarbeitet. Vorsichtig öffnete ich ihn ein Stück. Äste mit rosa Kirschblüten verzierten seine Oberfläche. Doch leider war er an einigen Stellen bereits gerissen. Also klappte ich ihn wieder zu und brachte ihn zusammen mit einer kaputten Vase zum Transporter. Anschließend folgte ich Kichiro in den hinteren Teil des Hauses.</p>



<p>„So ein Mist!“, hörte ich Kichiro entsetzt rufen, als ich auf halbem Weg war.</p>



<p>Ich beschleunigte meine Schritte. „Was ist?“, fragte ich, bereits auf unerwartete Kosten eingestellt.</p>



<p>Kichiro sah mich mit großen Augen an, als hätte er mich nicht erwartet. Dann lachte er plötzlich. „Ach, nichts. Nur ein dummer Aberglaube“, er deutete auf den Shoji neben ihm. Eines der oberen Papierfenster war gerissen. „Wir sollten das möglichst schnell austauschen.“</p>



<p>Ich lehnte mich an die Wand, den Mund zu einem Schmunzeln verzerrt. „Sonst was? Kommt sonst ein Yōkai vorbei und zerreißt auch die anderen?“, riet ich drauf los.</p>



<p>Wieder lachte Kichiro. „Du bist doof. Nein. Es geht um eine Geschichte, die meine Oma mir mal erzählt hat. Wenn man einen kaputten Shoji zu lange ignoriert, kann er zu einem Mokumokuren werden. Dann wachsen ihm ganz viele Augen, mit denen er uns anstarrt.“ Mein Verlobter schüttelte sich übertrieben. „Darauf kann ich gerne verzichten. Ich hab jedenfalls keine Lust, in unserem neuen Haus beobachtet zu werden.“</p>



<p>Grinsend schüttelte ich den Kopf. „Oh. Nein. Darauf kann ich auch verzichten. Also gut. Bis nächstes Wochenende organisieren wir neues Shoji-Papier.“</p>



<p>Kichiro strahlte mich an. Bei solchen Dingen wusste ich nie, woran ich bei ihm war. An manche von ihnen glaubte er, über andere konnte er genauso lachen wie ich.</p>



<p>Schuld daran war seine Oma mütterlicherseits. Sie hatte ihn schon von klein auf mit ihren Geschichten über Yōkai und Geister bei Laune gehalten. Viele davon waren ihr angeblich selbst widerfahren. Und diesen Glauben an das Übernatürliche hatte Kichiro nie verloren.</p>



<p>Ich war da völlig anders. Meine Familie in Deutschland hatte mir seit meiner Geburt klar gemacht, dass es so etwas wie Geister und Monster nur in Geschichten gab. Nichts davon war real – so dachte ich zumindest.</p>



<p>Trotzdem blieb mir Kichiros Satz mit dem Beobachtetwerden im Gedächtnis. Jedes Mal, wenn ich an dem kaputten Shoji vorbeiging, musste ich mir vorstellen, wie tatsächlich Augen aus ihm wuchsen. Über mich selbst belustigt schüttelte ich den Kopf.</p>



<p>Ich war mit den Gedanken noch immer bei dem Shoji, als mir etwas anderes auffiel: Kichiro und ich trugen einen kaputten Schrank nach draußen, wo wir ihn direkt neben die kaputte Vase aus dem Wohnzimmer stellten. Ich hatte den Schirm vorhin hineingestellt, damit er nicht umfiel. Jetzt war die Vase jedoch leer.</p>



<p>Mit gerunzelter Stirn sah ich mich um.</p>



<p>„Was? Hast du was verloren?“, fragte Kichiro.</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich hatte vorhin einen kaputten Papierschirm hier in die Vase gestellt. Irgendwer muss ihn wohl mitgenommen haben.“</p>



<p>Jetzt kräuselte sich auch Kichiros Stirn. „Na ja. Unser Verlust soll es nicht sein. Wir hätten ihn eh nur weggeworfen. Wenn der Schirm irgendwen glücklich macht, soll er ihn doch haben.“</p>



<p>Ich nickte zögerlich.</p>



<p>Mehr Erwähnenswertes geschah an dem Wochenende zum Glück nicht. Am Samstag arbeiteten wir wieder so lange weiter, wie es das Sonnenlicht erlaubte. Den Abend verbrachten wir dann bei Frau Gotō. Sie hatte uns wie selbstverständlich gebratenen Fisch mit allerlei Beilagen gemacht. Erst wollte Kichiro es gar nicht annehmen, aber da Frau Gotō darauf bestand, wäre es unhöflich gewesen, das Essen abzulehnen.</p>



<p>Die Zeit bei der alten Dame kam mir vor, als würden wir einander schon ewig kennen. Sie erzählte uns weiter von der Gegend, während wir von Tokio und Deutschland erzählten. Auch erwähnten wir die nächtlichen Geräusche – die in der folgenden Nacht übrigens wiederkamen – sowie unseren Verdacht, dass es sich dabei um die alten Rohre handeln könne. Das erleichterte Frau Gotō sichtlich. Wir wünschten einander eine gute Nacht, ehe wir zurück in unser Haus gingen.</p>



<p>Am Sonntag räumten wir weiter auf, bevor wir gegen Nachmittag den Transporter einräumten. Anschließend verabschiedeten wir uns von unserer Nachbarin und machten uns auf den Rückweg nach Tokio. Shizuka-Mura würden wir erst am nächsten Wochenende wiedersehen.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Das zweite Wochenende in dem Dorf verlief ähnlich wie das erste – zumindest, nachdem wir direkt am Freitag den kaputten Shoji repariert hatten. Tagsüber räumten wir weiter die Zimmer auf und die Abende verbrachten wir auf Frau Gotōs Wunsch hin wieder bei ihr. Sie hatte selbst keine Kinder, was vielleicht der Grund war, warum sie uns so herzlich aufnahm. Ihre liebenswürdige Art zauberte mir jedenfalls bald ein Lächeln ins Gesicht, wann immer ich sie sah.</p>



<p>Ungewöhnliches geschah hingegen kaum etwas. Ja, die nächtlichen Geräusche kamen wieder, aber auch diesmal konnten wir nichts Auffälliges entdecken. In der Nacht von Samstag auf Sonntag machten wir uns nicht einmal mehr die Mühe, aufzustehen.</p>



<p>Als wir fast mit dem letzten Zimmer fertig waren – es war bereits Sonntagnachmittag – entdeckte ich jedoch den kaputten Papier-Regenschirm wieder. Zumindest dachte ich erst, dass er es sei. Er stand in der hintersten Ecke des Raumes, völlig unscheinbar an die Wand gelehnt.</p>



<p>Langsam, fast schon vorsichtig ging ich auf ihn zu. „Das ist seltsam“, sagte ich. „Ich hätte schwören können, dass ich den Regenschirm letztes Wochenende schon einmal entsorgt habe.“</p>



<p>Kichiro trat neben mich, um sich das unscheinbare Objekt selbst anzusehen. Aber er zuckte bloß mit den Schultern. „Vielleicht hat er dieselbe Musterung? Ich bin mir sicher, solche Schirme werden zuhauf angefertigt. Vielleicht trugen unsere Vorbesitzer sie im Partnerlook. Oder sie haben einfach mehrere geholt.“ Mehr Gedanken verschwendete er nicht daran.</p>



<p>Mir hingegen wollte der Schirm nicht mehr so recht aus dem Kopf gehen. Ich starrte ihn die ganze Zeit lang an, während ich ihm zum Transporter brachte. Dort schob ich ihn zwischen die anderen Möbel, die wir bereits eingeräumt hatten.</p>



<p>„So. Das war’s“, sagte ich. Ich schlug die Tür zu.</p>



<p>Kichiro hatte bereits unsere Tasche geschultert. Er stieg auf der Beifahrerseite ein, während ich zur Fahrertür ging.</p>



<p>Gerade, als ich die Tür geöffnet hatte, hörte ich jedoch ein Geräusch von der Rückseite des Autos. Es klang fast wie die Tür. Mit gerunzelter Stirn ging ich die wenigen Schritte zurück. Aber hier hinten sah alles ganz normal aus. Vielleicht war nur irgendetwas im Auto heruntergefallen. Also zuckte ich nur wieder mit den Schultern, stieg endlich ein und startete den Motor. Wir fuhren auf direktem Weg zurück nach Tokio.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Die Woche über musste ich immer wieder an unser Akiya denken. Wie gut wir vorankamen, wie nett uns Frau Gotō aufgenommen hatte, aber auch an den Papier-Regenschirm. Ich gestand es Kichiro jedoch erst am Freitag, als wir nach der Arbeit im Auto nach Shizuka-Mura saßen.</p>



<p>„Es ist albern. Aber der Regenschirm geht mir einfach nicht aus dem Kopf“, sagte ich.</p>



<p>Kichiro sah mich ratlos an. „Welcher Regenschirm?“</p>



<p>„Den, von dem ich dachte, dass ich ihn schon einmal entsorgt habe“, half ich ihm auf die Sprünge. „Weißt du, erst verschwindet er spurlos von unserer Auffahrt und dann finden wir einen identischen Schirm in der hintersten Ecke vom Arbeitszimmer. Natürlich hast du recht, dass es nur dasselbe Modell ist. Es muss so sein. Aber das war schon irgendwie unheimlich.“</p>



<p>Kichiro schmunzelte. „Und ich dachte immer, du glaubst nicht an Geistergeschichten“, zog er mich auf. Dann starrte er plötzlich aus dem Fenster. „Wobei ich gestehen muss, dass ich abends manchmal Bewegungen aus dem Augenwinkel gesehen habe. Im Haus meine ich. Aber bisher ist ja noch nichts passiert, das auf einen bösen Geist hindeutet.“ Er schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln.</p>



<p>Ich lächelte zurück. Auch wenn mein Lächeln eher halbherzig war. Das war nicht gerade die Art von Kommentar, die mich aufheitern konnte.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>An diesem Wochenende ging es um den ersten groben Hausputz. Bevor wir die Elektriker und die Sanitärinstallateure in das Haus ließen, wollten wir wenigstens die Wände, den Boden und die Möbel vom gröbsten Schmutz befreien.</p>



<p>Mit Putzlappen und Besen bewaffnet, teilten wir uns auf. Ich übernahm das Wohnzimmer, während Kichiro ins Arbeitszimmer ging.</p>



<p>Zuerst fegte ich den kompletten Boden ab und war dabei darauf bedacht, möglichst viel Dreck aus den Tatami-Matten zu schrubben. Ich wirbelte dabei jedoch mehr Staub auf, als dass ich ihn entfernte. Zum Glück würde die Elektrik bereits nächste Woche ausgetauscht werden. Danach hatten wir endlich Licht und konnten auch einen Staubsauger benutzen.</p>



<p>Anschließend machte ich mich daran, die Tische und Schränke mit dem Lappen zu reinigen.</p>



<p>„Hey, Lennart“, hörte ich Kichiro plötzlich aus dem Nachbarzimmer rufen, als ich gerade dabei war, einen besonders hartnäckigen Fleck vom Esstisch zu schrubben. „Ich glaube, ich hab deinen Regenschirm wiedergefunden.“</p>



<p>Ich erstarrte in der Bewegung. Was? Das war unmöglich! Wir hatten alle Räume bereits durchgesehen. Mein Körper fühlte sich verkrampft an, während ich die Gummihandschuhe auszog. Langsam, fast mechanisch ging ich zu Kichiro ins Arbeitszimmer.</p>



<p>Mein Verlobter stand vor einem Schreibtisch, die oberste Schublade geöffnet, und hielt ein Stück Papier in den Händen. Bei genauerer Betrachtung fiel mir auf, dass es ein Schwarz-Weiß-Foto war. Ich nahm es ihm ab.</p>



<p>Als ich sah, was darauf abgebildet war, atmete ich erleichtert auf. Es war eine junge Frau in einem Kimono. Sie hatte ein hübsches Gesicht und lächelte in die Kamera, während sie einen aufgespannten Regenschirm an ihre Schulter gelehnt festhielt. <em>Den</em> Regenschirm.</p>



<p>Jetzt musste ich lachen. „Und ich dachte schon, der Regenschirm ist auf magische Weise wieder aufgetaucht.“</p>



<p>Kichiro grinste mich frech an. Anscheinend war genau das seine Intention gewesen. „Langsam fürchte ich, du glaubst doch an Geister“, neckte er mich.</p>



<p>Ich schüttelte grinsend den Kopf, ehe ich flüchtig die Rückseite des Bildes ansah.</p>



<p>„Vielleicht hätten wir den Schirm doch nicht wegwerfen sollen“, merkte ich an. ‚Mariko 1921‘ stand dort in verblasster Handschrift geschrieben. „Den Schirm gab es schon in den 1920ern.“</p>



<p>Das brachte Kichiro zum Erstarren. Nur für höchstens eine Sekunde, aber ich hatte es bemerkt. „Der Schirm ist über 100 Jahre alt?“, fragte er.</p>



<p>Ich nickte. „Ja. Denkst du, er wäre was wert gewesen?“</p>



<p>Kichiro zögerte. „Vielleicht.“ Dann winkte er jedoch ab. „Aber er war kaputt. Es ist gut, dass wir ihn entsorgt haben. Bei so alten Gegenständen kann man nie wissen.“</p>



<p>Ich hatte das Gefühl, dass er noch mehr sagen wollte. Stattdessen widmete er sich jedoch schnell wieder der Schublade und machte damit weiter, sie auszuräumen. Die meisten Sachen landeten in einem Müllsack. Ich warf das Foto dazu.</p>



<p>In den folgenden Wochen dachte ich noch einige Male an den Regenschirm, aber er tauchte nicht mehr auf. Weder im Haus noch auf irgendwelchen Fotos. Und so kam es, dass er langsam, aber sicher aus meinem Gedächtnis verschwand.</p>



<p>Was hingegen blieb, waren die nächtlichen Geräusche. Mal klangen sie weiter entfernt, mal, als seien sie direkt vor der Tür. Aber wie gesagt schenkten Kichiro und ich ihnen keine wirkliche Aufmerksamkeit mehr.</p>



<p>Nur ein einziges Mal, nachdem der Strom endlich funktionierte, ging ich erneut nachts auf den Flur. Jetzt war er hell erleuchtet. Wie auch die letzten Male war er leer. Ich muss gestehen, dass ich kurz überlegte, die anderen Räume noch einmal abzulaufen. Nur zur Sicherheit. Aber das wäre bescheuert gewesen. Ganz davon abgesehen, dass ich dort sicherlich nichts gefunden hätte, sollten nächste Woche die alten Rohre ausgetauscht werden. Ab dann waren die Geräusche wahrscheinlich eh vorbei.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am folgenden Wochenende waren Kichiro und ich auf einem gefühlstechnischen Hoch, während wir wieder nach Shizuka-Mura fuhren. Es war bereits dunkel, da wir vorhin noch die Wohnung leergeräumt hatten. Kichiros kleiner Toyota war bis unter das Dach mit unseren Sachen beladen. Heute würden wir endlich vollends umziehen.</p>



<p>Klar gab es noch einiges, was wir im Haus zu erledigen hatten, aber das würden wir machen, während wir dort bereits lebten. Das Wichtigste – die Möbel, funktionierender Strom, die neuen Wasserleitungen und die neuen Sanitäranlagen – war immerhin schon dort.</p>



<p>Wir grinsten wie zwei Lottogewinner, während Kichiro auf der Auffahrt parkte. Ich schnappte mir einen Umzugskarton aus dem Auto und betrat dicht hinter Kichiro das Haus. Dort blieb ich einen Moment stehen, schloss die Augen und atmete tief ein. Der inzwischen vertraute Geruch des Hauses stieg mir in die Nase. Es roch nicht länger nach Staub oder abgestandener Luft – die Gerüche hatte die Grundreinigung letztes Wochenende beseitigt –, sondern einfach nur nach Heimat.</p>



<p>Ich brachte den Karton ins Schlafzimmer, ehe ich mit meinem Verlobten zusammen das restliche Auto ausräumte. Im Nachhinein war ich ein wenig überrascht, wie die Kartons, die sich jetzt vor uns stapelten, überhaupt in das kleine Auto gepasst hatten.</p>



<p>Kichiro grinste noch immer breit. „Ich weih dann mal die Dusche ein“, sagte er, ehe er mir einen Kuss gab.</p>



<p>„Ist gut“, erwiderte ich. „Ich räum schonmal unsere Klamotten in den Schrank. Aber lass mir noch heißes Wasser nach!“ Den letzten Satz musste ich rufen, so enthusiastisch war er bereits losgestürmt. Es dauerte nicht lange, da hörte ich auch schon die Dusche. Ich schüttelte schmunzelnd den Kopf.</p>



<p>Dann widmete ich mich wieder den Kartons. Ich öffnete sie einen nach dem anderen, bis ich unsere Kleidung gefunden hatte. Vorsichtig hob ich einen Stapel von Kichiros Hemden daraus hervor. So viele würde er im Homeoffice wahrscheinlich gar nicht mehr benötigen, trotzdem gab ich mir alle Mühe, sie nicht zu zerknittern.</p>



<p>Langsam balancierte ich sie zu unserem Wandschrank. Es war einer dieser japanischen Schränke, der sich in der Wand verbarg. Ich schob die Tür erst mit dem Ellenbogen, dann mit dem Fuß beiseite. Als ich jedoch gerade die Hemden hineinlegen wollte, fiel mein Blick auf einen Gegenstand, der in der unteren Ecke lehnte: ein mir sehr vertrauter elegant gearbeiteter Papier-Regenschirm.</p>



<p>Die Hemden raschelten, während sie mir aus der Hand glitten. Kichiro wäre wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen, hätte er es gesehen. Aber das war mir in diesem Moment ehrlich gesagt egal.</p>



<p>Meine Hand zitterte, während ich sie nach dem Schirm ausstreckte. Meine Finger hatten das Papier fast erreicht, da bewegte er sich plötzlich. Zuerst dachte ich, er falle bloß um, bis ein großes Auge mich völlig unerwartet durch das an einer Stelle gerissene Papier anblinzelte. Als Nächstes folgte eine lange Zunge, die sich knapp darunter aus einem weiteren Loch schlängelte.</p>



<p>Unfähig, auch nur einen einzigen Ton von mir zu geben, torkelte ich rückwärts, meinen Mund und meine Augen weit aufgerissen. Mein Fuß verfing sich in einem der Hemden, weshalb ich mit einem leisen <em>‚Fump‘</em> auf den Tatami-Matten landete.</p>



<p>Jetzt bemerkte ich auch das Bein, das nun statt des Griffs aus dem Regenschirm ragte. Es sah menschlich aus und trug eine japanische Holzsandale.</p>



<p>Mit einem Sprung setzte der Schirm sich in Bewegung. <em>‚Tock‘</em>, machte seine Sandale einen dumpfen Laut auf der Strohmatte. <em>Tock. Tock.</em> Es war nicht dasselbe Geräusch, das wir nachts vom Flur gehört hatten, aber es hatte eindeutig denselben Rhythmus. Ich war mir sicher, dass es dieses Ding gewesen sein musste, das wir gehört hatten.</p>



<p>Langsam, sein einzelnes Auge stur auf mich gerichtet, kam mir der Schirm näher. Seine Zunge schwang bei jeder Bewegung.</p>



<p>Panisch krabbelte ich rückwärts. So wie ich dalag, befand sich dieses Wesen genau zwischen der Tür und mir.</p>



<p>„Hilfe! Kichiro! Hilfe!“, schrie ich. Meine Stimme war so voller Panik, dass ich sie selbst kaum erkannte. Aber was konnte ich anderes tun? Wenn jemand eine Ahnung hatte, was dieses Ding war, was ich jetzt machen musste, dann war das mein Verlobter.</p>



<p><em>Tock. Tock.</em></p>



<p>Inzwischen spürte ich die Wand in meinem Rücken.</p>



<p><em>Tock.</em></p>



<p>Der Schirm hatte mich fast erreicht. Dann blieb er vor mir stehen.</p>



<p>„Hilfe!“, kreischte ich erneut. Tränen bildeten sich in meinen Augen. Mein Herz raste in meiner Brust, während sich meine Kehle wie zugeschnürt anfühlte.</p>



<p>Jetzt streckte der Schirm mir seine Zunge entgegen. Langsam kam sie mir näher und näher. Ich presste mich so eng an die Wand, wie ich nur konnte, traute mich nicht einmal, nach dem Ding zu treten. Die Zunge wischte kalt und schleimig über meinen Arm, während der Schirm mich ableckte.</p>



<p>Ich befürchtete bereits, dass er gleich einen kräftigen Bissen von mir nehmen würde, da stürmte plötzlich Kichiro in den Raum. Er trug einen hastig übergeworfenen Bademantel, blieb für eine Sekunde ungläubig in der Tür stehen. Dann trafen sich unsere Blicke.</p>



<p>„Weg! Weg!“, schrie er den Schirm an, während er auf mich zurannte. Er machte wedelnde Bewegungen mit den Armen, als wenn er ein Hühnchen verscheuchen wolle.</p>



<p>&nbsp;Zu meiner Überraschung hüpfte der Schirm beiseite. Er drehte sich zu meinem Verlobten um, ehe er einige Sätze zurück Richtung Wandschrank machte.</p>



<p>Kichiro beachtete ihn nicht weiter. Stattdessen hockte er sich vor mich, beäugte mich einen Moment und schloss mich kurz darauf in den Arm. „Alles in Ordnung?“, fragte er mich.</p>



<p>„Keine Ahnung“, schluchzte ich in seinen Bademantel. „Er hat mich abgeleckt. Was ist das für ein Ding?“</p>



<p>„Schhhh“, machte Kichiro, während er meinen Rücken streichelte. „Alles ist gut. Das ist ein Kasa-Obake. Sie spielen gerne Streiche, sind aber nicht gefährlich.“</p>



<p>Ich antwortete nicht, nahm die Erklärung schweigend hin, als wäre sie in irgendeiner Weise logisch.</p>



<p>Dann plötzlich musste Kichiro lachen. „Ich hätte echt nicht gedacht, dass es sie gibt. Meine Oma hat zwar gesagt, dass sie mal einen Tsukumogami, einen belebten Haushaltsgegenstand gesehen habe, aber wir haben ihr nicht geglaubt.“ Er drückte mich sanft von sich, sah dann in die Luft. „Hörst du, Oma, es tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe“, sagte er, als ob ihr Geist hier wäre und uns hören könnte. Aber vielleicht war er das ja sogar. Der Kasa-Obake hatte mein Weltbild völlig zerstört. Alles, was ich über Monster zu wissen glaubte, war falsch.</p>



<p>Vorsichtig wagte ich einen Blick Richtung Wandschrank. Der Regenschirm lehnte davor an der Wand, jetzt wieder völlig unscheinbar. „Was machen wir jetzt mit ihm?“, fragte ich. Meine Stimme war immer noch leicht zittrig.</p>



<p>Kichiro sah ebenfalls zum Schirm, dann sah er mir wieder ins Gesicht. „Ich … weiß es nicht“, sagte er ehrlich. „Manchmal sollen Tsukumogami das Haus verlassen, wenn sie sich ignoriert fühlen. Andererseits … Du wolltest doch schon immer ein Haustier, oder?“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Tsukumogami (付喪神) sind zum Leben erwachte Haushaltsgegenstände der japanischen Folklore. Sie zählen zu den Yōkai.</p>



<p>Das wohl bekannteste Tsukumogami ist der Kasa-Obake (傘おばけ, Japanisch für „Schirmgeist“ oder „Schirmmonster“), ein zum Leben erwachter Regen- oder Sonnenschirm.</p>



<p>Der Name Tsukumogami setzt sich aus den Kanji 付 (haften, befestigen), 喪 (Trauer) und 神 (Geist, Seele, Gott) zusammen. Grob kann man den Namen also mit „Trauer anhaftende Seele“ oder „Trauer anhaftender Geist“ übersetzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Die Tsukumogami ähneln noch immer stark den Haushaltsgegenständen, die sie einst waren – z. B. Regenschirme, Töpfe, Kannen, Kleidung, Futons, Besen oder sogar Schiebetüren. Sie besitzen jedoch häufig menschenähnliche Eigenschaften wie Augen, einen Mund mit meist langer Zunge sowie Arme und Beine inkl. Hände und Füße.</p>



<p>Außerdem weisen sie oft Gebrauchs- und Altersspuren auf, da ein Tsukumogami erst entsteht, wenn ein Haushaltsgegenstand das Alter von 100 Jahren erreicht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kasa-Obake:</h4>



<p>Um beim Beispiel des Kasa-Obake zu bleiben: Sie sehen meist aus wie aufrecht stehende Papierregenschirme, wie sie in Japan früher häufig benutzt wurden. Statt eines Griffs besitzen sie jedoch ein einzelnes, oft menschlich aussehendes Bein mit einem Fuß. In vielen Darstellungen tragen sie eine einzelne Holzsandale.</p>



<p>Am auffälligsten dürften hingegen ihr einzelnes großes Auge sowie der Mund mit der ungewöhnlich langen Zunge sein, die aus dem Schirm wachsen oder durch Löcher im Papier hervorlugen.</p>



<p>Manchmal besitzen sie auch zwei Arme, die aus dem Schirm wachsen, und/oder ein zweites Bein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Der Legende nach entstehen Tsukumogami, wenn ein Haushaltsgegenstand 100 Jahre (oder in einigen Erzählungen 99 Jahre) alt wird.</p>



<p>Laut den meisten Quellen muss er vernachlässigt oder achtlos weggeworfen worden sein, damit das passiert. In diesen Fällen wollen die Gegenstände oft Rache an ihren ehemaligen Besitzern oder den Menschen generell ausüben. Ein anderes beliebtes Motiv, warum der Gegenstand plötzlich zum Leben erwacht, ist Langeweile, da sie nicht mehr genutzt oder gebraucht werden und sonst nichts mit sich anzufangen wissen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Wenn man in modernen Erzählungen von Tsukumogami hört, sind es meist harmlose Wesen, die den Menschen gerne Streiche spielen. Sie erschrecken sie, machen Lärm, wecken sie nachts o. Ä. Das genaue Verhalten kann sich von Tsukumogami zu Tsukumogami stark unterscheiden.</p>



<p>Man kann ihre Streiche und Phänomene durchaus mit den westlichen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeistern</a> vergleichen, wenn sie z. B. Gegenstände durch die Gegend bewegen, nachts durch den Flur laufen oder an Wände klopfen.</p>



<p>Auch sind sie meist neidisch auf die modernen Haushaltsgeräte, die sie ersetzt haben, weshalb es durchaus vorkommen kann, dass sie das Haus verwüsten oder die Gegenstände zerstören.</p>



<p>Anders sieht es hingegen bei den Tsukumogami aus älteren Erzählungen aus. Vor 500 bis 1.000 Jahren galten die belebten Haushaltsgegenstände noch als blutrünstig und äußerst gefährlich. So kam es nicht selten vor, dass sich ein Tsukumogami in den damaligen Geschichten an den Menschen gerächt hat, die es weggeworfen haben, indem er sie schwer verletzt oder sogar getötet hat.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kasa-Obake:</h4>



<p>Da ich den Kasa-Obake als Tsukumogami für meine Geschichte gewählt und ihn bisher auch beim Aussehen gesondert erwähnt habe, möchte ich euch die spezifischen Eigenschaften der Kasa-Obake natürlich nicht vorenthalten.</p>



<p>Den einbeinigen Schirmen wird nachgesagt, dass sie es lieben, sich an Menschen anzuschleichen, um sie mit ihrer langen Zunge abzulecken. Das kann durchaus erschreckend bis traumatisierend sein, hinterlässt aber keine weiteren Schäden.</p>



<p>Außerdem macht der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> oft Lärm, während er auf seiner Holzsandale durch die Gegend hüpft, was in einem leeren Haus oder auf verlassener Straße durchaus als beängstigend empfunden werden kann.</p>



<p>Davon abgesehen ist er aber völlig harmlos.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Da es sich bei den Tsukumogami um eine japanische Legende handelt, sollen sie fast ausschließlich in Japan vorkommen. Weitere Einschränkungen bezüglich ihres Lebensraums gibt es jedoch nicht.</p>



<p>Zwar gibt es viele Geschichten, in denen sie in verlassenen Häusern oder Tempeln gesichtet wurden, Tsukumogami können die Häuser jedoch auch verlassen oder außerhalb der Häuser entsorgt worden sein, weshalb sie auch auf offener Straße oder sogar in der Wildnis ihren Schabernack treiben können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die ältesten bekannten Erzählungen von lebendigen Haushaltsobjekten innerhalb Japans stammen aus der Heian-Zeit (794 bis 1185). Damals waren sie jedoch noch nicht unter dem Namen „Tsukumogami“ bekannt. Auch hieß es in damaligen Erzählungen noch häufig, dass der Geist eines <a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni</a> oder ein anderes übernatürliches Wesen Besitz von dem Haushaltsgegenstand ergriffen habe.</p>



<p>Ihren Namen erhielten die Tsukumogami erst in der Muromachi-Zeit (1336 bis 1573). Von dort an wurde den Yōkai auch nachgesagt, dass sie ausschließlich von der Seele der tatsächlichen Objekte belebt wurden und nicht länger von bösen Geistern oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Monstern</a>, die Besitz von ihnen ergriffen haben.</p>



<p>Der Glaube, dass auch Dinge wie Haushaltsgegenstände eine Seele besäßen, geht dabei auf die Lehren des Shingon-shū Buddhismus sowie einigen Ideen des Shintoismus zurück, laut denen man auch Gegenstände stets gut behandeln solle.</p>



<p>Ihre Hochzeit hatten die Tsukumogami hingegen erst in der Edo-Zeit (1603 bis 1868), in der unzählige (meist fiktive) Geschichten über sie erzählt und niedergeschrieben worden. In dieser Zeit waren die beseelten Gegenstände außerdem zumeist zu harmlosen Scherzen statt tatsächlichen Rachefeldzügen übergegangen.</p>



<p>Gerade in der späten Edo-Zeit gab es jedoch kaum noch Leute, die an die tatsächliche Existenz dieser Wesen glaubten.</p>



<p>Trotzdem hat der Glaube an die Tsukumogami bis heute überdauert, weshalb sie es bis in die moderne Popkultur geschafft haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Tsukumogami in der Popkultur:</h3>



<p>Gerade in der japanischen Popkultur gibt es unzählige Filme, Manga, Anime, Kabuki-Stücke und sogar Videospiele, in denen Tsukumogami zu finden sind.</p>



<p>Wenn ich auch nur einen Bruchteil von ihnen hier auflisten wollte, könnte ich wahrscheinlich einen eigenen Blogbeitrag nur darüber schreiben, daher hier nur einige prominente Beispiele:</p>



<p>So lassen sich Tsukumogami z. B. in den „Gegege No Kitarō“-Manga und Anime finden, die sich besonders in Japan an großer Beliebtheit erfreuen.</p>



<p>Darüber hinaus haben die Yōkai diverse Auftritte in dem Manga und Anime sowie der gleichnamigen Videospielreihe „Yo-Kai Watch“, die in Japan kurzzeitig beliebter war als Pokémon.</p>



<p>Und sie haben es sogar in die westliche Popkultur geschafft, wie z. B. die kleinen Nebenrollen eines Besen- und eines Bambusmatten-Tsukumogami in dem Fantasie-Liebesroman „Mona – verliebt, verlobt, beschworen“ (2022) von I. B. Zimmermann zeigen.</p>



<p>Außerdem gibt es ein japanisches RPG/Puzzle-Videospiel von 2012, das den Namen „Tsukumogami“ (oder „99 Spirits“, wie es im Westen heißt) trägt.</p>



<p>Sollte ich in Zukunft über weitere besonders erwähnenswerte Filme, Videospiele etc. stolpern, werde ich sie an dieser Stelle gerne ergänzen.</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Tsukumogami? Glaubt ihr, dass auch Gegenstände Seelen haben können? Wir würdet ihr reagieren, wenn euch ein Kasa-Obake gegenüberstehen würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Legende von Sui – der Ursprung des roten Umschlags</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jan 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Sobald Sui seine Hand zurückzog, bekamen die Kinder ein furchtbares Fieber. Damals, als es noch nicht unsere moderne Medizin gab, war das oft ein Todesurteil. Unzählige Kinder starben durch Suis Hand. Aber auch, wenn die Kinder wieder gesund wurden, sollen sie bleibende Schäden davongetragen haben. Es heißt, dass sie von jenem Tag an nie wieder dieselben waren …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/c44af8b6e56341e98789e20e8dccb855" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Legende von Sui handelt von den roten Umschlägen, die traditionell zum chinesischen Neujahr verschenkt werden. Dieses Jahr fällt das Mondneujahr auf Mittwoch, den 27. Januar, weshalb ich passend dazu diesen Beitrag für euch geschrieben habe.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich habe euch bereits die Geschichte von dem Monster Nian erzählt, wie der Brauch, zu Neujahr Feuerwerkskörper zu zünden, entstanden ist. Heute erzähle ich euch eine ähnliche Geschichte. Die Geschichte über den Ursprung der Hongbao, der roten Umschläge, die zum Mondneujahr verschenkt werden.</p>



<p>Falls ihr die Tradition noch nicht kennt: In Teilen Asiens ist es Brauch, zum Neujahr einen roten Umschlag mit Geld zu verschenken. Meist sind die Umschläge mit goldenen Schriftzeichen oder Zeichnungen dekoriert.</p>



<p>Während es früher ausschließlich ein Geschenk an Kinder war, werden die roten Umschläge heutzutage auch an Partner, Freunde, Mitarbeiter und sogar Stars verschenkt. Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Heute möchte ich euch erzählen, wie dieser Brauch entstanden sein soll.</p>



<p>Vor langer Zeit, so heißt es, war das Neujahr in China nämlich kein Feiertag gewesen. Es war ein Tag der Furcht. Eltern mussten in der Neujahrsnacht um die Gesundheit ihrer Kinder fürchten.</p>



<p>Denn in der Neumondnacht zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar, in der in China das neue Mondjahr beginnt, trieb dort ein Dämon sein Unwesen. Ein Monster namens Sui.</p>



<p>Es heißt, dass Sui nachts in den Kinderzimmern erschien, wenn die Kinder bereits schliefen. Er schlich zu ihren Betten, streckte seine klauenbesetzte Hand nach ihnen aus und streichelte ihnen damit über die Stirn. Einmal. Zweimal. Dreimal.</p>



<p>Oft wurden die Kinder dabei wach. Aber anstatt zu schreien, waren sie zu entsetzt von dem Anblick des Dämons, um auch nur einen einzigen Ton über ihre Lippen zu bringen.</p>



<p>Sobald Sui seine Hand zurückzog, bekamen die Kinder ein furchtbares Fieber. Damals, als es noch nicht unsere moderne Medizin gab, war das oft ein Todesurteil. Unzählige Kinder starben durch Suis Hand. Aber auch, wenn die Kinder wieder gesund wurden, sollen sie bleibende Schäden davongetragen haben. Es heißt, dass sie von jenem Tag an nie wieder dieselben waren.</p>



<p>Ich denke, ihr versteht jetzt, warum Sui so gefürchtet war. Es gab jedoch einen Trick, wie man die Kinder vor ihm schützen konnte. Sui suchte nur Kinder auf, die in der Neujahrsnacht schliefen. Wenn die Eltern ihr Kind bis Sonnenaufgang wachhalten konnten, war es in Sicherheit. Sie taten also alles in ihrer Macht stehende, dass die Kinder in der Neujahrsnacht kein einziges Auge zutaten. Sie schenkten ihnen Spielzeug, auf dass sie die ganze Nacht damit spielen würden, zündeten Kerzen an, damit das Zimmer hell erleuchtet war, und natürlich beteten sie zu den Göttern.</p>



<p>Besonders schwierig war es jedoch für die Familien, die nicht so viel Geld besaßen. Sie konnten sich all das Spielzeug und die vielen Kerzen oft nicht leisten.</p>



<p>So erging es auch der Familie, von der diese Geschichte handelt. Sie bestand aus der Mutter Wei, dem Vater Zhao und ihrem gemeinsamen Sohn Fuling.</p>



<p>Wei und Zhao hatten lange gespart, um ihrem Sohn neue Spielzeuge kaufen zu können. Irgendetwas, das ihn die ganze Nacht lang wachhalten konnte. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen. Kurz vor dem Jahreswechsel wurde ihr Haus von einem furchtbaren Sturm getroffen. Und so mussten sie all das angesparte Geld für die Reparatur ausgeben. Alles, was ihnen noch blieb, waren acht klägliche Münzen – nicht einmal genug für ein schlichtes Holzspielzeug.</p>



<p>Als schließlich die Neujahrsnacht kam, wollten sie jedoch nicht mit leeren Händen dastehen. Nicht nur, dass sie Angst hatten, ihr Sohn könne einschlafen, wenn er keine Beschäftigung hatte, es hätte Wei das Herz gebrochen, wenn sie Fuling nichts hätte schenken können. Sie wusste genau, dass all seine Freunde, die Kinder aus der Nachbarschaft in dieser Nacht die tollsten Spielzeuge geschenkt bekamen.</p>



<p>Und so machten Wei und Zhao einen Plan. Sie nahmen einen roten Zettel – eine Farbe, der man nachsagt, dass sie das Böse fernhalte –, falteten ihn zu einem Umschlag und legten die acht Münzen, ihr letztes Geld, hinein.</p>



<p>„Bitte“, flüsterte Wei ein Gebet an die Götter, als sie den Umschlag auf den Esstisch legte. „Lasst es ausreichen. Schützt meinen Sohn vor Sui. Fuling hat nicht verdient, dass ihm etwas zustößt.“ Anschließend ging sie in die Küche, um Fuling den letzten Rest Suppe aufzufüllen, während ihr Ehemann ihren Sohn zum Essen holte.</p>



<p>Natürlich hatte Fuling den Umschlag neben seiner Schüssel sofort gesehen. Neugierig musterte er das rote Papier. Aber er wusste genau: Die Geschenke gab es erst nach dem Essen. Und so löffelte er brav seine Suppe aus, während seine Eltern ihn mit einem sanften Lächeln beobachteten. Sie selbst aßen nichts – dafür fehlte ihnen das Geld. „Wir essen später“, hatte Zhao gesagt.</p>



<p>Aber Fuling war ein schlauer Junge. Er wusste genau, dass seine Eltern das nur sagten, damit er sich besser fühlte. Also ließ er sich Zeit mit dem Essen. Obwohl er voller angespannter Erwartung fast platzte, schlang er nicht, um seinen Eltern zu zeigen, dass er die leckere Suppe genoss und er danach nicht etwa noch Hunger hatte.</p>



<p>Erst, als er den letzten Löffel Gemüse gegessen, den letzten Schluck Brühe getrunken hatte, sah er seine Eltern erwartungsvoll an. Wei nickte ihm aufmunternd zu. Sie hoffte, dass man ihr nicht ansah, wie nervös sie wegen des eher kläglichen Geschenks war.</p>



<p>Aber zum Glück merkte Fuling nichts davon. Mit strahlenden Kinderaugen griff er nach dem Umschlag. Er faltete ihn hastig auseinander, woraufhin ihm die acht Münzen auch schon entgegenfielen.</p>



<p>Zhao lächelte aufmunternd. „Mit den Münzen kannst du heute Nacht spielen. Und morgen, wenn du geschlafen hast, kannst du dir damit auf dem Markt eine Kleinigkeit holen“, erklärte er.</p>



<p>Fuling strahlte über das ganze Gesicht. „Danke!“, sagte er laut, ehe er die Münzen und den Zettel in die kleinen Händchen nahm und damit in seinem Zimmer verschwand.</p>



<p>Natürlich hätte Fuling sich mehr über ein anderes Spielzeug gefreut. Aber wie gesagt: Er war ein schlauer Junge. Er wusste, dass seine Eltern kein Geld dafür hatten. Außerdem hatte er eine blühende Fantasie. Und so wurden die acht Münzen in dieser Nacht zu einer Familie, einer Gruppe Waldtiere, einer kleinen Soldatentruppe und was immer sonst noch seinem kleinen Köpfchen entsprang.</p>



<p>Trotzdem – denn sonst würde ich diese Geschichte nicht erzählen – wurde Fuling irgendwann müde. Selbst mit seiner Fantasie gab es eben Grenzen, wie lange acht einfache Münzen ein Kind wachhalten konnten. Und so fielen ihm immer wieder die Augen zu.</p>



<p>Zu Anfang weckten ihn seine Eltern noch. Seine Mutter spielte sogar mit ihm zusammen mit den Münzen. Aber auch das gelang ihr nur wenige Minuten, ehe seine Äuglein wieder zufielen. Irgendwann brachten sie es nicht mehr über das Herz, ihren schlafenden Sohn, der so unendlich erschöpft wirkte, noch einmal zu wecken.</p>



<p>Zhao hob ihn vom Boden auf und legte ihn in sein Bett, während Wei die Münzen einsammelte und auf dem roten Papier neben sein Kopfkissen legte.</p>



<p>„Schlaf gut, mein Spatz“, hauchte sie, ehe sie sich auf den Boden neben ihn setzte, um Wache zu halten.</p>



<p>Die erste Schicht übernahm sie. Wenn sie zu müde wurde, sollte sie Zhao wecken, damit er die Wache übernahm, während sie ein wenig Schlaf nachholen konnte. Anschließend weckte er wieder sie, wenn er zu müde wurde und so weiter.</p>



<p>Als gerade wieder Wei an der Reihe war, auf ihren Sohn zu achten, hatte jedoch auch sie Schwierigkeiten, ihre Augen offen zu halten. Ihr müsst verstehen, es war schon spät in der Nacht. Sie und ihr Mann hatten die letzten Tage pausenlos arbeiten müssen, um den Schaden an ihrem Haus zu reparieren. Und jetzt, wo es im Zimmer völlig still war, wo sie nichts als das ruhige Atmen ihres Sohnes hören konnte, übermannte der Schlaf schließlich auch sie.</p>



<p>Der Moment, auf den Sui, der böse Geist, den die Eltern so sehr von ihrem Sohn fernhalten wollten, gewartet hatte, war gekommen. Aus dem Nichts tauchte er in Fulings Zimmer auf, setzte seine Füße leise wie eine Katze auf dem Boden ab.</p>



<p>Er warf Wei, die mit nach vorne gefallenem Kopf auf dem Boden saß, einen verächtlichen Seitenblick zu, ehe er seine Aufmerksamkeit auf Fuling richtete.</p>



<p>Ein Lächeln umspielte die Lippen des Dämons, während er langsam auf das schlafende Kind zutrat. Einen Moment stand er bloß da, betrachtete das friedliche Gesicht von Fuling, ehe er seine klauenbesetzte Hand hob. Langsam, bedrohlich näherte sie sich Fulings Stirn. Seine schwarzen Klauen hatten die weiche Haut jetzt fast erreicht.</p>



<p>Es war jedoch genau dieser Moment, in dem etwas Unerwartetes passierte. Etwas, mit dem weder die Eltern noch der Dämon gerechnet hatten. Die acht Münzen, die neben Fulings Kopf lagen, nur wenige Zentimeter von Suis Hand entfernt, begannen zu leuchten. Sie wurden heller und heller, strahlten ein goldenes Licht aus, so grell und göttlich, dass Sui sich die Hand vor die Augen halten musste. Entsetzt taumelte er zurück, stolperte und ergriff schließlich die Flucht. Alles vor den ungläubigen Augen von Wei. Denn das helle Licht hatte sie geweckt.</p>



<p>Nur einen Moment später, als Sui bereits fort war, erloschen die Münzen wieder. Hätte jemand jetzt das Zimmer betreten, hätte er nicht gewusst, dass dort überhaupt etwas geschehen war.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schnell sich die Nachricht im Land verbreitete. Wei und Zhao waren ehrliche Menschen. Niemand hatte sie je bei einer Lüge ertappt. Und so glaubte man ihnen, ohne zu zögern, jedes Wort. Es dauerte nur Wochen, vielleicht sogar nur Tage, bis sich die Geschichte, wie acht Münzen in einem Umschlag den bösen Dämon vertreiben konnten, bis in den letzten Winkel Chinas verbreitet hatte. Fortan sollte jede Familie ihren Kindern zu Neujahr einen roten Umschlag mit Münzen darin schenken. Auf das Sui nie wieder das Leben eines Menschen forderte.</p>



<p>Was die Leute genauso wie Wei und Zhao jedoch nicht ahnten, war, dass die acht Münzen aus Fulings Umschlag keine gewöhnlichen Münzen waren. Die Götter hatten ihre Gebete nämlich erhört. Sie hatten die Acht Unsterblichen, acht Heilige der chinesischen Mythologie, auf die Erde geschickt, um den Jungen zu beschützen. Dort hatten sie sich in die acht Münzen verwandelt und Sui mit ihrer Macht vertrieben. Wer die Acht Unsterblichen genau sind, ist jedoch eine Geschichte, die ich euch ein andermal erzählen werde.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Legende nach lebte früher in China ein böser <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämon</a> namens Sui. Er erschien immer in der Nacht des chinesischen Neujahrs in den Kinderzimmern, wo er die schlafenden Kinder krank machte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Über das Aussehen von Sui habe ich nicht viel herausfinden können. Es heißt aber, dass er ein schrecklich aussehender Dämon/böser Geist mit langen Klauen sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Der Legende nach erschien Sui in der Nacht des chinesischen Neujahrs in den Kinderzimmern schlafender Kinder. Dort streichelte oder kratzte er dreimal über den Kopf oder die Stirn der Kinder, woraufhin sie Kopfschmerzen, Fieber und/oder eine andere Krankheit bekamen.</p>



<p>Auch wurde dieser Berührung nachgesagt, der Grund für psychische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen der Kinder gewesen zu sein.</p>



<p>Dieses ableistische Narrativ war also – ähnlich wie dämonische Besessenheit oder Berührungen mit dem Feenreich in der westlichen Welt – ein veralteter Erklärungsversuch, wie menschliche Behinderungen entstanden sein sollen.</p>



<p>Jedenfalls haben die Eltern viele Dinge versucht, um ihre Kinder zu schützen. Sie zündeten Kerzen an, beteten zu den Göttern oder schenkten ihren Kindern Spielzeug, damit sie die Nacht über wach blieben. Trotzdem geschah es immer wieder, dass ein Kind Sui zum Opfer fiel.</p>



<p>Eines chinesischen Neujahrs jedoch schenkte eine besonders gläubige Familie ihrem Kind acht Münzen in einem roten Umschlag, damit es mit den Münzen spielen kann. Die Farbe Rot soll laut chinesischer Folklore das Böse fernhalten.</p>



<p>Das Kind spielte lange Zeit mit den Münzen, doch wie es das Schicksal wollte, wurde es schließlich zu müde und schlief ein.</p>



<p>Ob die Eltern selbst eingeschlafen waren, zu sehr mit Beten beschäftigt waren oder das Kind nicht wachbekommen konnten, variiert je nach Erzählung. In allen Versionen taucht kurz darauf der Dämon/böse Geist Sui auf, um den Kopf des Kindes zu streicheln.</p>



<p>In dem Moment jedoch erstrahlten die acht Münzen, die das Kind geschenkt bekommen hatte, in einem goldenen Licht, das Sui in die Flucht trieb.</p>



<p>Wie sich herausstellte, hatten die Götter die Gebete der Eltern erhört. Sie schickten die Acht Unsterblichen (Heilige der chinesischen Mythologie) zu ihnen, die sich in die acht Münzen verwandelt hatten, um das Kind zu beschützen.</p>



<p>Die Eltern, die gesehen hatten, wie die Münzen Sui vertrieben, erzählten es ihren Nachbarn und Freunden. Das Gerücht, dass Münzen in einem roten Umschlag den bösen Dämon vertreiben konnten, breitete sich kurz darauf im ganzen Land aus. Die chinesische Neujahrstradition, Kindern Geld in roten Umschlägen zu schenken, war geboren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Die Legende soll sich in China zugetragen haben. Viel mehr ist über den Ort jedoch nicht bekannt.</p>



<p>Inzwischen hat sich die Tradition, zum neuen Jahr einen roten Umschlag zu verschenken, auch auf andere Teile Asiens ausgebreitet. Sie wird also nicht mehr nur in China praktiziert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die Legende von Sui soll bereits über 2.000 Jahre alt sein. In einer Quelle war davon die Rede war, dass sie eine Geschichte der Qin-Dynastie (221 v. Chr. bis 207 v. Chr.) sei. Die roten Umschläge selbst sollen hingegen erst in der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) entstanden sein.</p>



<p>Genauere Angaben habe ich leider nicht finden können.</p>



<p>Auch weiß ich leider nicht, ob es zuerst die roten Umschläge oder zuerst die Legende gab. Solltet ihr zufälligerweise mehr zu der Thematik wissen, würde ich mich wie immer über eine Nachricht freuen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rote Umschläge in der asiatischen Kultur:</h3>



<p>Wie ihr an dieser Stelle sicherlich ahnt, wurden die roten Umschläge früher besonders als Schutz gegen das Böse verschenkt. Mit der Zeit haben sie sich jedoch von einem Schutzsymbol zu einem Glücksbringer entwickelt. Sie sollen Glück, Erfolg und Gesundheit für das neue Jahr bringen.</p>



<p>Und auch, wenn die Umschläge auch heute noch von Eltern und Großeltern an ihre Kinder bzw. Enkelkinder verschenkt werden, ist es inzwischen ebenfalls üblich, Freunden und Beziehungspartnern rote Umschläge mit Geld darin zu schenken.</p>



<p>Eine Tradition ist es zum Beispiel, dass verheiratete Paare ihren unverheirateten Freunden rote Umschläge schenken, um ihnen Glück bei der Partnersuche zu wünschen.</p>



<p>Außerdem ist es heutzutage üblich, Geldscheine statt Münzen in den Umschlägen zu verschenken, da Münzen in China (ähnlich wie beim Euro) nur einen vergleichsweise geringen Wert haben. Es ist jedoch Tradition, dass die Geldscheine neu und ungenutzt aussehen sollen, um Glück zu bringen. Viele Leute besorgen sich dafür druckfrische Geldscheine von der Bank.</p>



<p>Eine weitere Sache, die beim Verschenken eines roten Umschlags beachtet werden muss, ist, dass niemals die Zahl 4 im Betrag vorkommen darf. 4 klingt auf Mandarin ähnlich wie das Wort für Tod, weshalb die Zahl mit Unglück in Verbindung gebracht wird.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Legende von Sui? Kanntet ihr die Tradition der roten Umschläge bereits? Habt ihr vielleicht selbst schon einmal einen bekommen oder selbst verschenkt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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