<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>urban legend Archive - Geister und Legenden</title>
	<atom:link href="https://www.geister-und-legenden.de/tag/urban-legend/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.geister-und-legenden.de/tag/urban-legend</link>
	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Sun, 12 Apr 2026 15:57:02 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2019/03/Icon2-150x150.jpg</url>
	<title>urban legend Archive - Geister und Legenden</title>
	<link>https://www.geister-und-legenden.de/tag/urban-legend</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>The Hairy Hands of Dartmoor – Sie sind in deinem Auto!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/the-hairy-hands-of-dartmoor</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/the-hairy-hands-of-dartmoor#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[britische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[britische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Dartmoor]]></category>
		<category><![CDATA[England]]></category>
		<category><![CDATA[englische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[englische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Großbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Hairy Hands]]></category>
		<category><![CDATA[Hairy Hands of Dartmoor]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Spuk]]></category>
		<category><![CDATA[The Hairy Hands of Dartmoor]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3421</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dann plötzlich schnallte Samuel sich bei voller Fahrt ab. Er rollte das Fenster runter. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände!“, schrie er in die Dunkelheit. „Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-hairy-hands-of-dartmoor">The Hairy Hands of Dartmoor – Sie sind in deinem Auto!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f43959949ce843a69b5e6769e0e4fd82" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>The Hairy Hands of Dartmoor ist eine Legende aus England. Sie handelt von einem Phänomen, das bereits zu diversen Auto- und Motorradunfällen auf der B3212 geführt haben soll.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Die Sonne näherte sich bereits dem Horizont, als wir durch Dartmoor fuhren. Mein Mann Samuel war früher oft hier gewesen. Er hatte in der Nähe in einer Autowerkstatt gearbeitet. Für mich hingegen war es mein erster Besuch.</p>



<p>Das Beifahrerfenster war halb heruntergelassen. Ich hielt mein Gesicht in den Fahrtwind. Gleichzeitig beobachtete ich einige Schafe, die auf den grünen Wiesen herumtollten, sich in die Schatten der wenigen Bäume drängten oder genüsslich am Grasen waren. Es war ein wirklich schöner Sommertag.</p>



<p>Das war aber nicht der Grund, warum wir hier waren. Zumindest war es nicht der Grund, warum Samuel hier war. Er wollte mir oder vielleicht auch sich selbst etwas beweisen.</p>



<p>Bevor er damals aus der Gegend weggezogen war, hatte er einen Autounfall gehabt. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen – ihm war nichts passiert und die Versicherung sprang für den größten Schaden ein –, hätte es sich nicht um das Auto eines Kunden gehandelt.</p>



<p>Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie eine Autowerkstatt darauf reagiert, wenn ein Angestellter bei einer Testfahrt ein Kundenauto zu Schrott fährt. Und wenn besagter Angestellter dann auch noch behauptet, es sei ein paranormales Phänomen gewesen, das ihn von der Straße gedrängt habe …</p>



<p>„Läuft die Kamera, Katie?“, fragte Samuel.</p>



<p>Ich seufzte. Dann drehte ich mich zum Rücksitz, um die Kamera einzuschalten. Wir hatten sie so angebracht, dass sowohl mein Mann als auch das Lenkrad gut auf dem Bild zu sehen waren. Gerade das Lenkrad war Samuel sehr wichtig gewesen.</p>



<p>„Kamera läuft“, erklärte ich.</p>



<p>Was darauf folgte, waren die wohl langweiligsten Stunden meines Lebens. Am Anfang genoss ich es noch, beobachtete weiter die Felder, sah dem Himmel dabei zu, wie er sich langsam rot färbte und dann allmählich dunkel wurde. Aber wenn man mehrere Stunden dieselben 4 Meilen auf der B3212 zwischen Postbridge und Two Bridges hin und her und hin und her und hin und her fuhr, wurde selbst die schönste Natur irgendwann langweilig.</p>



<p>Und auch unser Gesprächsstoff war uns schon lange ausgegangen, weshalb wir nur noch schweigend nebeneinandersaßen und um die Wette gähnten.</p>



<p>„Vielleicht sollten wir langsam in den Gasthof fahren“, schlug ich vor.</p>



<p>Aber Samuel blieb stur. „Bitte, Katie, nur noch ein paar Mal. Irgendwann müssen diese verdammten Hände doch auftauchen!“</p>



<p>Oh. Stimmt. Das hatte ich ja noch gar nicht erzählt. Der Grund, warum mein Mann hier war. Es geht um die sogenannten Hairy Hands of Dartmoor. Sie sollen auf der B3212, auf der wir nun schon seit Stunden auf und abfuhren, ihr Unwesen treiben. Dabei handelt es sich um zwei geisterhafte Hände, die angeblich plötzlich an den Lenkrädern von Autos oder den Lenkstangen von Motorrädern auftauchen, die die B3212 entlangfuhren. Sie kämpften mit den Fahrzeugführenden um die Kontrolle über den Lenker, bis das Fahrzeug in den meisten Fällen verunglückte.</p>



<p>Ihr könnt euch das Gesicht von Samuels Chef also sicher vorstellen, als er das als „Ausrede“ für seinen Unfall nannte. Und auch mein Gesicht war wohl nicht besser gewesen. Aber Samuel beharrte seit dem Vorfall darauf, dass er die Wahrheit gesagt habe.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Die Schafe waren inzwischen in ihre Nachtruhe übergegangen. Sie schreckten nicht einmal auf, wenn wir mit dem Auto direkt an ihnen vorbeifuhren.</p>



<p>Ich muss schon sagen, dass die Straße sehr eng war. Und auch die zahlreichen Hügel, wie der, den wir gerade hinauffuhren, schränkten deutlich die Sicht ein. Bis man an der Spitze war, hatte man keinerlei Einblicke auf eventuelle Hindernisse oder den Gegenverkehr.</p>



<p>Besonders hinterlistig war die Stelle, der wir uns jetzt näherten. Direkt hinter dem Hügel war eine scharfe Linkskurve, die auf eine einspurige Brücke führte. Wenn man hier nicht aufpasste, konnte das sicher schnell zu einem Unfall führen.</p>



<p>Aber wenn man die Gegend kannte, aufmerksam blieb und sich an die 40 Meilen pro Stunde – etwa 64 km/h –, hielt, war die Strecke eigentlich unbedenklich.</p>



<p>Im Moment achtete ich aber gar nicht mehr auf die Straße. Ich hatte meinen Kopf an die Scheibe gelehnt und betrachtete gelangweilt den Sternenhimmel, den ich vorhin noch als atemberaubend bezeichnet hatte. Aber auch ihm wurde ich inzwischen überdrüssig. Gerade würde ich auf jeden Fall nichts lieber tun, als mir die Beine zu vertreten, ehe ich mich mit einer Tasse Tee oder vielleicht einem kalten Bier in irgendein gemütliches Etablissement setzte.</p>



<p>„Warum passiert denn nichts?“, schimpfte Samuel leise.</p>



<p><em>Das</em> fragte ich mich allerdings auch. Wieso gab er es nicht endlich auf?</p>



<p>Dann plötzlich schnallte Samuel sich bei voller Fahrt ab. Er rollte das Fenster runter. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände!“, schrie er in die Dunkelheit. „Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>



<p>Zu allem Überdruss trat er auch noch das Gaspedal voll durch.</p>



<p>Ich wurde nach hinten in den Sitz gedrückt. „Samuel! Fahr langsamer!“, schrie ich ihn an, während ich mich mit der linken Hand an der Autotür und der rechten im Sitz festkrallte.</p>



<p>Aber mein Mann dachte gar nicht daran. Er donnerte mit über 150 Sachen über den Asphalt. Bei einigen Hügeln kam es mir sogar so vor, als würden die Reifen den Boden verlassen.</p>



<p>Ich hatte Todesangst. Und auch ein Auto, das uns entgegenkam, fuhr fast in den Graben. Es war wie wild am Hupen, während wir daran vorbeirasten.</p>



<p>Bei jedem Hügel und jeder kleinsten Kurve sah ich mein Leben an mir vorbeiziehen.</p>



<p>Aber zum Glück dauern 4 Meilen mit 150 km/h nicht sonderlich lange. Nach etwa zwei Minuten purem Adrenalinrausch wurde Samuel endlich langsamer. An der gewohnten Stelle setzte er zum Wenden an.</p>



<p>„Halt an!“, kreischte ich jetzt. „Halt sofort den Wagen an!“ Ich klammerte mich noch immer im Auto fest. Mein Herz raste. Meine Atmung ging so stoßweise, dass ich Angst hatte, nicht genug Sauerstoff zu bekommen.</p>



<p>Zum Glück hörte Samuel diesmal auf mich. Noch bevor er den Wagen ganz gehalten hatte, schnallte ich mich ab, öffnete die Autotür und stieg mit zittrigen Knien aus.</p>



<p>„Was machst du?“, fragte Samuel laut. „Katie, wo willst du hin?“</p>



<p>„Ich geh zurück zum Hotel!“, schrie ich ihn an. „Aber zuerst brauch ich ein kaltes Bier, um meine Nerven zu beruhigen!“ Mit noch immer zittrigen Beinen stapfte ich am Wegesrand entlang.</p>



<p>Samuel holte mich ein. Er fuhr in Schrittgeschwindigkeit neben mir her. „Katie, es tut mir leid“, entschuldigte er sich. „Bitte. Steig wieder ein. Wir fahren zusammen zurück zum Hotel. In einer normalen Geschwindigkeit.“</p>



<p>Nur zögerlich stieg ich zurück in sein Auto. Aber tatsächlich hielt er sich daran. Es dauerte nicht lange, bis wir mit je einem kühlen Bier im Barbereich unseres Hotels saßen.</p>



<p>„Was hast du dir dabei eigentlich erhofft?“, fragte ich. „Wie ein Wahnsinniger über die Straße zu brettern. Selbst, wenn wir mal annehmen, dass die Hände echt wären …“</p>



<p>„Sie sind echt!“, unterbrach er mich.</p>



<p>„Gut. Selbst, wenn die Hände echt sind, was hättest du dann getan, wenn sie dir ins Lenkrad gegriffen hätten? Den Unfall hätten wir beide nicht überlebt!“</p>



<p>Daraufhin wurde Samuel sehr still. „Tut mir leid“, sagte er leise. „Ich hab nicht nachgedacht.“ Er nahm einen großen Schluck von seinem Bier.</p>



<p>Aber während unsere Stimmung am Anfang noch angespannt war, wurden wir mit steigendem Alkoholpegel immer lockerer. Wir waren nicht wirklich betrunken, aber das Bier half uns, zumindest etwas besser drauf zu sein.</p>



<p>„Du hättest damals dabei sein müssen!“, erklärte er. „Ich hab mega Schiss gehabt, als da plötzlich diese Hände an dem Lenkrad waren!“</p>



<p>Ich wusste allerdings noch immer nicht, ob ich ihm glauben sollte. Normalerweise schwieg ich darüber, aber heute machte mich das Bier etwas leichtsinniger. „Und das hatte sicher nichts damit zu tun, dass du eine Testfahrt in einem Sportwagen machen solltest und etwas schnell gefahren bist?“, hakte ich nach.</p>



<p>„Was willst du damit sagen?“ Samuel sah fast wütend aus.</p>



<p>„Na ja … wäre es nicht vielleicht … ganz eventuell … theoretisch möglich, dass du dich geirrt hast?“, fragte ich. „Vielleicht war es auch ein Sekundenschlaf. Kann man dabei träumen?“</p>



<p>Aber Samuel wollte davon nichts hören. „Sag mal, spinnst du jetzt?“, fuhr er mich an. „Bisher konnte ich mich wenigstens immer auf dich verlassen. Auf meine eigene Frau. Wieso fällst du mir jetzt in den Rücken?“ Wütend sprang er auf und ging Richtung Ausgang.</p>



<p>„Baby! So war das nicht gemein!“, rief ich ihm nach. „Warte doch!“</p>



<p>Aber er wurde nicht einmal langsamer.</p>



<p>Hektisch kramte ich einige Scheine aus meinem Portemonnaie und drückte sie dem verdutzten Mann an der Bar in die Hand. Dass ich dabei ein etwas zu großzügiges Trinkgeld gab, war mir im Moment egal.</p>



<p>Schnell rannte ich Samuel nach. Er war aber nicht auf dem Weg in unser Zimmer, wie ich erst gedacht hatte, sondern ging nach draußen zu den Parkplätzen. Er wird doch nicht …?!</p>



<p>Ich sprintete ihm hinterher nach draußen. Tatsache: Samuel saß wieder am Steuer seines Autos. Der Motor lief bereits.</p>



<p>„Samuel, Stopp!“, schrie ich ihn an. „Du bist betrunken! So darfst du nicht fahren!“</p>



<p>Gut. Betrunken war vielleicht das falsche Wort. Aber er war auf alle Fälle angetrunken.</p>



<p>Doch entweder hörte mein Mann mich nicht, oder er wollte mich nicht hören. Er warf mir bloß einen fast schon genervten Blick zu, ehe er mit quietschenden Reifen zurück Richtung B3212 losraste.</p>



<p>Das war das letzte Mal, dass ich Samuel lebend gesehen hatte. Wir waren in einem Streit auseinandergegangen. Innerhalb der nächsten Minuten baute er einen tödlichen Unfall.</p>



<p>Ich wusste nicht, woran es lag. Daran, dass er aufgebracht Auto fuhr, oder am Alkohol. Vielleicht sogar eine Mischung aus beidem. Ich gab mir die Schuld. Und es sollte noch viele Jahre dauern, bis ich mir verzeihen konnte. Warum hatte ich damals nicht einfach die Klappe gehalten?</p>



<p>Das war zumindest, bis ich mir die Aufnahmen von jenem Abend noch einmal ansah. Es war ein sentimentaler Moment. Ich wollte meinen Ehemann wiedersehen. Also sichtete ich diverse Stunden Filmmaterial und unzählige SD-Karten, die ich je während der Fahrt ausgetauscht hatte.</p>



<p>Tränen rannen mir über die Wangen, als ich den Moment noch einmal erleben musste, als Samuel die Beherrschung verlor. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände! Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>



<p>Ich ließ die folgenden Minuten im Schnelldurchlauf über den Monitor laufen, wollte nicht noch einmal sehen, wie wir uns stritten, ehe er uns zur Kneipe fuhr.</p>



<p>Als ich gerade dachte, die Aufnahme sei zu Ende, folgte völlig unerwartet ein weiteres Bild. Es zeigte Samuel, der die Kamera einschaltete.</p>



<p>„Verdammtes Drecksding, geh an!“, grummelte er. Er klang angetrunken. „Geht doch.“ Dann wandte er sich wieder der Straße zu. Ohne sich anzuschnallen – diesmal hatte er es wahrscheinlich wirklich vergessen – fuhr er los. Es folgte die vertraute Strecke, die ich heute bereits unzählige Male gesehen hatte. Obwohl … Bei der Dunkelheit sah ich die Straße kaum. Es gab dort keine Straßenlaternen, weshalb das einzige Licht Samuels Scheinwerfer waren.</p>



<p>Das Auto fuhr viel zu schnell. Irgendwann geriet Samuel von der Straße ab. Kurz darauf überschlug sich das Auto mehrere Male. Die Kamera löste sich aus der Halterung und die Aufnahme brach ab.</p>



<p>Ich starrte jetzt jedoch mit gerunzelter Stirn auf den Bildschirm, hatte nicht einmal weggesehen, als mein Mann den tödlichen Unfall baute. War da gerade …</p>



<p>Schnell spulte ich zurück bis kurz vor dem Unfall. Ich drückte auf Play. Diesmal pausierte ich aber, kurz bevor Samuel von der Straße abkam.</p>



<p>Ungläubig starrte ich das Standbild an. Dort, direkt neben Samuels eigener, befand sich eine zweite linke Hand am Lenkrad. Sie hatte keinen Arm, an dem sie befestigt war. Außerdem war sie unglaublich haarig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Hairy Hands of Dartmoor (Englisch für „Die Haarigen Hände von Dartmoor“), manchmal auch „The Hairy Hands of Devon“ oder nur „Hairy Hands“ genannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> aus Dartmoor, einem Nationalpark in Devon, England.</p>



<p>Der Legende zufolge soll, besonders im 20. Jahrhundert, ein Paar haarige körperlose Hände zu mehreren Auto- und Motorradunfällen in der Gegend geführt haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Es gibt zwei Arten von Begegnungen mit den Hairy Hands of Dartmoor. Bei der einen sind die Hände unsichtbar.</p>



<p>Sind die Hairy Hands hingegen sichtbar, so soll es sich laut Augenzeugen um eine oder zwei große haarige Hände handeln, die körperlos an dem Lenker, Lenkrad oder der Scheibe erscheinen.</p>



<p>Im Normalfall werden sie als menschlich oder menschenähnlich beschrieben, ich habe aber auch einen Augenzeugenbericht gelesen, in dem es hieß, dass sich zwei haarige Pfoten um den Lenker gelegt hätten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Wie die Hairy Hands of Dartmoor entstanden sein sollen, unterscheidet sich je nach Version der Legende. Bei meiner Recherche habe ich drei Versionen gefunden, die wohl sehr geläufig sein sollen.</p>



<p>In der ersten Version sollen die Hairy Hands selbst der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> eines Verunglückten sein, der auf derselben Straße, wo sie erscheinen, gestorben sein soll.</p>



<p>Laut der zweiten Version handele es sich bei ihnen um den Geist eines (meist geisteskranken) Häftlings, der im nahegelegenen His Majesty’s Prison Dartmoor gestorben sein soll. Das HMP Dartmoor war eine der ältesten Haftanstalten Englands, ehe es im Jahr 2024 geschlossen wurde.</p>



<p>Die dritte Version der Legende bezieht sich hingegen auf eine Pulverfabrik, von denen es einige in Dartmoor gab. Angeblich sei es darin eines Tages zu einer Explosion gekommen, bei der einer der Arbeiter gestorben sei. Es seien nur seine großen haarigen Hände übriggeblieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die Hairy Hands of Dartmoor tauchen fast ausschließlich während der Fahrt in einem Auto oder auf einem Motorrad auf. Es gibt aber auch zwei Berichte, bei denen sie bei einem stehenden Fahrzeug gesehen wurden.</p>



<p>Wenn sie während der Fahrt auftauchen, sollen sie jedenfalls dem Fahrenden ins Lenkrad bzw. den Lenker greifen und versuchen, ihn von der Straße abzubringen.</p>



<p>Dabei gab es verschiedene Berichte von unsichtbaren Händen, die am Lenker gezerrt haben, aber auch von sichtbaren haarigen Händen, die plötzlich am Lenkrad oder über den Händen der Fahrenden aufgetaucht sind.</p>



<p>Sobald man es schafft, das Fahrzeug anzuhalten, oder einen Unfall baut, sollen die Hände wieder spurlos verschwinden.</p>



<p>Außerdem soll es vorkommen können, dass das Fahrzeug beim Erscheinen der Hände plötzlich beschleunigt.</p>



<p>Wie bereits erwähnt gibt es darüber hinaus mindestens zwei Berichte, in denen die Hände bei einem stehenden Fahrzeug aufgetaucht sind. Mehr dazu erfahrt ihr unter Ursprung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>The Hairy Hands of Dartmoor sollen ausschließlich im Nationalpark Dartmoor auftauchen. Fast alle Berichte erzählen davon, dass sich die Vorfälle auf der B3212 zugetragen haben sollen, besonders im Abschnitt zwischen Postbridge und Two Bridges.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die erste bekannte Begegnung mit den Hairy Hands of Dartmoor passierte im Juni 1921. Damals fuhr Dr. Ernest Hasler Helby, ein Doktor im nahegelegenen Gefängnis HMP Dartmoor, am Abend mit seinem Motorrad die B3212 entlang, als er plötzlich von der Straße abgekommen ist. Im Beiwagen des Motorrads saßen seine beiden jungen Töchter. Seinen Töchtern zufolge habe er auf einmal angefangen, über die Kontrolle mit dem Lenker zu kämpfen, woraufhin er sie anschrie, dass sie abspringen sollen. Dr. Helby hat den Unfall nicht überlebt.</p>



<p>Noch im selben Jahr gab es zwei weitere unerklärliche Unfälle. Bei einem hat ein Busfahrer die Kontrolle über seinen Bus verloren – angeblich habe es sich so angefühlt, als würde jemand den Lenker beiseite reißen –, bei dem anderen soll ein Motorradfahrer die Kontrolle verloren haben. Die Person auf dem Soziussitz (dem „Rücksitz“ eines Motorrads) berichtete, dass sie eine große haarige Hand am Lenker gesehen habe, während der Fahrer um die Kontrolle kämpfte.</p>



<p>Anschließend sollen mehrere Zeitungsartikel über die Vorfälle veröffentlicht worden sein. Es soll sogar einen Artikel in einer Londoner Zeitung gegeben haben. So haben die Hairy Hands of Dartmoor schließlich nationale Bekanntheit erreicht. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis es weitere angebliche Vorfälle gab. Die meisten von ihnen liefen ähnlich ab, wie die bisherigen Unfälle. Auch heutzutage soll es noch zu solchen Vorfällen kommen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zwei Fälle bei stehenden Autos:</h4>



<p>Zwei Ereignisse stechen jedoch hervor: 1924 soll ein campendes Ehepaar in der Gegend eine Begegnung mit den Hairy Hands gehabt haben, jedoch nicht während der Fahrt. Die Ehefrau ist nachts wach geworden, soll eine haarige Hand am Wohnwagenfenster gesehen haben, die laut ihrer Aussage, ihr und ihrem Mann etwas Böses antun wollte. Sie machte ein Kreuzzeichen mit den Fingern und die Hand sei verschwunden.</p>



<p>Ein ähnlicher Fall trug sich 1962 zu, als eine Frau auf der Straße anhielt, um auf die Karte zu sehen. Als sie von der Karte aufsah, habe sie zwei haarige Hände gesehen, die sich von außen an ihre Windschutzscheibe gepresst hätten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Erklärungsversuche:</h4>



<p>Natürlich gibt es auch viele nicht-übernatürliche Erklärungsversuche, wieso es zu den zahlreichen Unfällen auf der B3212 gekommen sei.</p>



<p>Zum einen hat die Straße zwei scharfe Kurven, die gerade Touristen und ortsfremde Personen häufig unterschätzen (es ist sogar möglich, dass es früher noch mehr Kurven gab, bis die Straße irgendwann ausgebessert wurde). Sie fahren zu schnell auf der engen, nicht beleuchteten Straße, weshalb es zu den zahlreichen Unfällen käme.</p>



<p>Ein weiterer Erklärungsversuch hat mit dem Zustand der Straße zu tun, der nicht an allen Stellen optimal sei. Straßenschäden, Hubbel und Absenkungen im Asphalt sollen auf der B3212 keine Seltenheit gewesen sein.</p>



<p>Erschwerend kommt zu diesen beiden Erklärungen hinzu, dass es aufgrund der Landschaft in Dartmoor oft Nebel gibt, der die Sicht auf die Straße beeinträchtigt.</p>



<p>Ein Hinweis, dass einer oder wahrscheinlich eine Kombination dieser Faktoren tatsächlich Schuld an den vermehrten Unfällen sein dürfte, ist, dass die Unfälle nach einigen Reparaturen und Ausbesserungen der Straße deutlich abgenommen haben.</p>



<p>Allerdings erklärt natürlich nichts hiervon die optische Erscheinung der haarigen Hände, von denen viele Verunglückte berichtet haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Hairy Hands of Dartmoor in der Popkultur:</h3>



<p>Es gibt einen 12-minütigen Kurzfilm namens „The Hairy Hands“ (2010), geschrieben und produziert von Ashley Thorpe, der von der Legende handelt. Ich würde ihn allerdings fast schon als Kunstfilm einordnen, aufgrund der Art, wie er gedreht wurde.</p>



<p>Darüber hinaus gibt es die „Audio Experience“ Hairy Hands FM, die ihr selbst mit eurem Smartphone und einem Paar Kopfhörer erleben könnt. Ich würde jedoch nicht unbedingt sagen, dass ich sie empfehlen kann, da sie meiner Meinung nach weder sonderlich gut gemacht noch in irgendeiner Weise akkurat in Bezug auf die tatsächliche Legende ist. Falls ihr trotzdem etwa 20 Minuten eurer Zeit dafür opfern wollt, findet ihr sie <a href="https://chronicinsanity.itch.io/hairy-hands-fm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>.</p>



<p>Außerdem gibt es diverse YouTube-Videos und Podcasts, die sich mit der Legende beschäftigen.</p>



<p>Weitere Auftritte der Hairy Hands of Dartmoor in Filmen, Serien oder Videospielen sind mir jedoch nicht bekannt. Solltest du irgendetwas in die Richtung kennen, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen!</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Hairy Hands of Dartmoor? Glaubt ihr, an der Legende könnte etwas dran sein? Oder sind eher die Straßenlage und Fehler von den Fahrzeugführenden schuld? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-hairy-hands-of-dartmoor">The Hairy Hands of Dartmoor – Sie sind in deinem Auto!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/the-hairy-hands-of-dartmoor/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hone-Onna – Ihre Liebe bringt dich um!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Hone-Onna]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Rachegeist]]></category>
		<category><![CDATA[Rachegeister]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Yokai]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3412</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ich warf den Kopf nach links und rechts. Wo war ich hier? Ich stand in einer Gasse. In beide Richtungen sah ich Reihen von altmodischen Häuschen und Mauern, die vom warmen Licht mehrerer Laternen beleuchtet wurden. Ich hatte keine Ahnung, wie ich hergekommen war. Was passierte nur mit mir …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna">Hone-Onna – Ihre Liebe bringt dich um!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/37e39f7454054e94ac03577dbaaea142" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Hone-Onna ist ein japanischer Geist. Tatsächlich ist auf meinem Blog in einer anderen Geschichte schon einmal eine Hone-Onna vorgekommen. Um welche Geschichte es sich dabei handelt, erfahrt ihr in diesem Beitrag.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod einer geliebten Person<br>
&#8211; Krankheit: MS</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich warf den Kopf nach links und rechts. Wo war ich hier? Ich stand in einer Gasse. In beide Richtungen sah ich Reihen von altmodischen Häuschen und Mauern, die vom warmen Licht mehrerer Laternen beleuchtet wurden. Zwischen ihnen gab es fast keine Gassen.</p>



<p>Es war eine typische japanische Altstadt. Alles kam mir seltsam vertraut vor, aber ich wusste beim besten Willen nicht, woher. Ich konnte mich an fast nichts erinnern.</p>



<p>Verunsichert sah ich an mir hinab. Ich trug einen traditionellen Kimono. Es war mein Kimono. So viel wusste ich. Aber normalerweise trug ich ihn nur zu feierlichen Anlässen. Ansonsten hatte ich … ja, ich erinnerte mich an einen grauen Pulli, den ich oft getragen hatte. Er brachte noch eine weitere Erinnerung mit sich, aber als ich mich darauf konzentrierte, war sie bereits wieder verschwunden. Was passierte nur mit mir?</p>



<p>Da mir nichts anderes übrigblieb, entschied ich, die Gasse entlangzugehen. Zum Glück spendeten die Laternen genügend Licht, sodass die nächtliche Straße ausreichend beleuchtet war.</p>



<p>Schnell setzte ich einen Fuß vor den anderen. Meine Geta – die Holzsandalen, die man traditionell zum Kimono trug – klackten mit jedem Schritt über die Pflastersteine.</p>



<p>Während ich die Straße entlangging, versuchte ich krampfhaft, mich an irgendetwas zu erinnern. Aber ich wusste nicht einmal meinen eigenen Namen. Und auch die Umgebung weckte keinerlei Erinnerungen. Zumindest, bis ich an eine Kreuzung kam. Ich stockte. Zwar wusste ich immer noch nicht, wo ich war, aber irgendetwas in mir wollte, dass ich links abbog. Es war mehr ein Gefühl. Als wäre ich diese Straße irgendwann schon einmal entlanggegangen.</p>



<p>Es dauerte nicht lange, bis ich die Altstadt hinter mir gelassen hatte. Jetzt wurden die traditionellen Häuser durch moderne Gebäude und gelegentliche Neonschilder abgelöst. Das Gute war: Die Gegend kam mir mehr und mehr bekannt vor.</p>



<p>Ich beschleunigte meine Schritte, merkte es aber erst, als ich in ein Joggen übergegangen war. Ich wusste, wo ich war! Die Straße runter, hinter dem kleinen Ramenrestaurant rechts, dann an dem Konbini vorbei und weiter in die Wohngegend.</p>



<p>Auf dem gesamten Weg begegneten mir nur eine Handvoll Leute. Ich kannte sie nicht, also ignorierte ich sie. Und auch sie schenkten mir keine weitere Beachtung.</p>



<p>Dann endlich stand ich vor einem zweistöckigen Haus. Ich hatte keine Ahnung, warum mir das Gebäude so vertraut vorkam. Meine Füße trugen mich wie von selbst die außen liegende Treppe hinauf. Ich ging einen schmalen Gang entlang, zu meiner Linken mehrere Wohnungen, zu meiner Rechten nur ein Geländer. Ich war hier schon oft gewesen.</p>



<p>Als ich eine Frau erblickte, die gerade aus einer Tür kam, blieb ich stehen. Und auch sie hielt mitten in der Bewegung inne. Sie war alt, hatte ein faltiges, wenn auch freundliches Gesicht. Ihre grauen Haare trug sie zu einem Dutt gebunden. Ich kannte die Frau! Aber woher? Und wie war ihr Name?</p>



<p>Da es mir nicht einfiel, versuchte ich es mit einem einfachen: „Guten Abend.“ Dabei tat ich einen Schritt auf sie zu.</p>



<p>Das hingegen schien der Frau nicht zu passen. Mit einer Geschwindigkeit, die ich ihr in ihrem Alter kaum zugetraut hätte, sprintete sie in ihre Wohnung zurück. Die Tür schloss sie hastig hinter sich. Ich hörte das mechanische Klicken eines Schlosses, das abgeschlossen wurde.</p>



<p>Jetzt stand ich mit offenem Mund da. Was war gerade passiert? Aber als mein Blick auf die Wohnung eine Tür weiter fiel, war das alles nicht mehr wichtig. Ich kannte die Wohnung. Ein plötzliches Gefühl von Wärme stieg in mir auf. Es war so überwältigend, dass es mich zu erdrücken drohte.</p>



<p>Mein Atem ging jetzt schnell und stoßweise, während ich auf die Wohnungstür zuging. Wie oft ich schon hier gewesen war … Es kam mir vor wie mein zweites Zuhause. Ohne zu zögern, betätigte ich die Klingel. Ich brauchte nicht einmal hinzusehen, um zu wissen, dass „Osaki“ auf dem Schild darunter stand. Anschließend klopfte ich ungeduldig an der Tür.</p>



<p>„Ist gut“, kam eine Stimme von drinnen. „Ich komm ja schon. Ich komm ja schon!“ Es war <em>seine</em> Stimme.</p>



<p>Im nächsten Moment öffnete er die Tür.</p>



<p>Er sah mich mit offenem Mund an, erstarrte dabei genauso wie die Frau eben auf dem Flur. Erst runzelte er die Stirn, dann wurde seine Miene weicher.</p>



<p>Ich hingegen spürte, wie mir jetzt Tränen in die Augen stiegen. „Hey, Taro“, sagte ich. Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.</p>



<p>„Masami?“, kam es von ihm zurück.</p>



<p>Im nächsten Augenblick lagen wir einander in den Armen. Jetzt weinten wir beide. Kurz drückte Taro mich weg, um mich anzusehen, dann schloss er mich wieder fest in die Arme. „Ich versteh das nicht“, schluchzte er. „Ich dachte, du bist tot.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Einige Minuten später saßen wir aneinandergekuschelt in seinem Wohnzimmer. Je mehr ich mich umsah, desto mehr erinnerte ich mich an alles. Taro und ich waren seit über drei Jahren ein Paar, aber wir kannten uns schon sehr viel länger. Wir waren sogar zur selben Schule gegangen. Alles war perfekt gewesen, bis …</p>



<p>„Ich hatte einen Unfall“, dachte ich laut.</p>



<p>Taro nickte. „Als man dein Auto gefunden hat, war es völlig ausgebrannt“, erklärte er. „Die Person am Steuer war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Wir dachten, du seist tot. Was ist passiert?“</p>



<p>Ich versuchte, mich zu erinnern. Da war ein helles Licht. Scheinwerfer aus dem Gegenverkehr. Aber danach? „Ich erinnere mich nicht.“ Ich fasste mir an den Kopf. Darüber nachzudenken bereitete mir Kopfschmerzen.</p>



<p>Taro drückte mich fest an sich. „He“, sagte er. „Alles wird gut. Wir finden das schon heraus. Gemeinsam. Dafür haben wir jetzt alle Zeit der Welt. Im Moment ist erstmal wichtig, dass es dir gutgeht.“ Er lehnte sich zu mir, um mir einen leidenschaftlichen Kuss zu geben.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Morgen wachte ich neben Taro im Bett auf. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, weshalb ich seine Umrisse nur im Halbdunkel einer Straßenlaterne erahnen konnte, deren Licht durchs Fenster fiel. Dafür spürte ich seine Wärme, roch seine Haut. Es fühlte sich alles so verdammt richtig an.</p>



<p>Trotzdem musste ich aufstehen. Ich konnte es nicht erklären, aber es war ein Gefühl, eher schon ein tiefsitzender Instinkt, dass ich irgendwo sein musste. Also löste ich mich vorsichtig von ihm.</p>



<p>Ich ging zu unserem Kleiderschrank. Zu meiner Überraschung waren meine Sachen, die ich damals bei ihm gelassen hatte, noch immer hier. Frische Unterwäsche, eine Jeans, mehrere T-Shirts und … mein Pullover!</p>



<p>Ungläubig griff ich danach. Er hatte in abgeblätterten weißen Lettern den Namen meiner Uni aufgedruckt. Ich versenkte mein Gesicht in dem grauen Stoff. Er roch nach Taro. Natürlich tat er das. Seit meinem Unfall hatte er in seiner Wohnung gelegen.</p>



<p>Gut gelaunt zog ich mich an. Als ich in den Pullover schlüpfte, hatte ich ein breites Lächeln auf dem Gesicht.</p>



<p>Plötzlich ging hinter mir das Licht an. „Musst du weg?“, fragte Taro verschlafen.</p>



<p>Ich fuhr herum. Mein Freund lag noch im Bett. Seine schwarzen Haare standen wirr in alle Richtungen. Er rieb sich Schlaf aus den Augen.</p>



<p>„Ja“, sagte ich. „Ich hab noch was zu erledigen. Aber heute Abend bin ich wieder hier. Versprochen.“</p>



<p>Taro fragte nicht weiter nach. Also ging ich zu ihm und gab ihm einen Kuss. Er erwiderte ihn. „Ich werde auf dich warten“, sagte er.</p>



<p>Ich lächelte. Dann drehte ich mich um und ging wieder aus der Wohnung. Ich ging denselben Weg zurück, den ich gekommen war. Dabei musste ich nicht einmal nachdenken. Meine Füße bewegten sich wie von selbst. Ich folgte meinen Instinkten zurück in die Altstadt. Doch während die Sonne langsam aufging, umgab mich allmählich Dunkelheit. Ich hatte keine Ahnung, was mit mir passierte, aber ich spürte keine Angst. Dann war da nur noch Schwärze.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Als ich wieder zu mir kam, war die Sonne bereits untergegangen. Es war Abend. Ich hatte keine Ahnung, was in der Zwischenzeit passiert war.</p>



<p>Wie auch am Tag zuvor stand ich wieder in der Altstadt, nur, dass ich diesmal wusste, wo ich hinwollte. Ich rannte durch die Straßen, konnte es gar nicht erwarten, Taro wiederzusehen. Bald hatte ich die Altstadt hinter mir gelassen, eilte zwischen den mit Neonschildern behangenen Läden hindurch und war bereits nach wenigen Minuten wieder bei Taros Wohnhaus angekommen.</p>



<p>Dort ging ich mit schnellen Schritten die Treppen rauf. Ich rannte den vertrauten Gang zwischen Geländer und Wohnungstüren entlang. Bei der Wohnung der alten Frau, die gestern so komisch reagiert hatte, blieb ich stehen. Verwundert sah ich zu ihrer Tür. Sie war nicht ganz geschlossen. Stattdessen konnte ich erkennen, wie ihr faltiges Gesicht mich durch den mit einer Türkette gesicherten Spalt anstarrte.</p>



<p>Sobald sie meinen Blick bemerkte, knallte sie die Tür zu. Wieder hörte ich, wie ein Schlüssel im Schloss herumgedreht wurde.</p>



<p>Warum verhielt sie sich so? Hatte ich ihr etwas getan? Ich konnte mich nicht erinnern. In meinem Gedächtnis war sie eine liebenswerte ältere Dame gewesen, der Taro und ich oft bei den Einkäufen geholfen hatten.</p>



<p>Kopfschüttelnd ging ich weiter zu Taros Wohnung. Dort erwartete mich bereits die nächste Überraschung: Als Taro mir öffnete, hielt er mir einen bunten Blumenstrauß entgegen.</p>



<p>„Für dich“, sagte er, ehe er mich mit einem Kuss begrüßte.</p>



<p>Dabei bemerkte ich, dass er humpelte. „Alles in Ordnung?“, fragte ich schnell.</p>



<p>Aber Taro schüttelte nur den Kopf. „Mach dir keine Sorgen“, versuchte er, mich zu beruhigen. „Meine MS meldet sich nur mal wieder zu Wort.“</p>



<p>Seine Multiple Sklerose. Ich erinnerte mich. Aber eigentlich hatte er die Schübe doch mit seinen Medikamenten in den Griff bekommen.</p>



<p>Besorgt half ich ihm zum Sofa, wo wir die Blumen in eine Vase stellten. Meine Sorge war jedoch nur von kurzer Dauer. Nicht nur, dass Taro sich nicht wirklich darüber Gedanken machte, ich war bereits wieder von einem Gefühl der Glückseligkeit umgeben, während ich in seinen Armen lag. Bei ihm zu sein, mit ihm die Nächte zu verbringen war das schönste Gefühl, das ich mir vorstellen konnte.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Morgen schlich ich mich wieder aus dem Bett. Anscheinend hatte Taro einen leichten Schlaf entwickelt, denn auch an diesem Morgen ging hinter mir das Licht an, während ich mich anzog.</p>



<p>„Musst du wieder arbeiten?“, fragte Taro.</p>



<p>Ich hielt in der Bewegung inne. Ich hatte nie behauptet, dass ich arbeiten müsste. Aber … was tat ich eigentlich den ganzen Tag? Ich wusste es nicht. Also nickte ich. „Ja“, sagte ich knapp. Anschließend verabschiedete ich mich mit einem langen Kuss. „Wir sehen uns heute Abend“, sagte ich, ehe ich mit schlechtem Gewissen zurück Richtung Altstadt ging.</p>



<p>Warum hatte ich gelogen, hatte ihm nicht gesagt, dass ich nicht arbeiten ging? Es gab keinen Grund dazu. Andererseits wollte ich nicht, dass sich irgendetwas änderte. Wie es gerade zwischen uns lief, war perfekt. Ich wollte nicht, dass er mir nachspioniert. Auch spürte ich keinerlei Verlangen, herauszufinden, was mit mir los war. Ich war glücklich, wollte einfach nur bei Taro sein.</p>



<p>Was konnte eine kleine Notlüge da also schaden?</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Die folgenden Tage verliefen sehr ähnlich. Während ich tagsüber völlige Blackouts hatte, verbrachte ich die Nächte bei Taro. Seine Nachbarin traf ich dabei nicht mehr, obwohl ich gestehen muss, dass ich mich beobachtet fühlte, wann immer ich an ihrem Türspion vorbeiging.</p>



<p>Eine andere Sache war Taros Gesundheitszustand. Seine Beine schienen immer schwächer zu werden. Inzwischen hatte er sogar seine alte Gehhilfe wieder herausgekramt, um sich einfacher durchs Haus bewegen zu können.</p>



<p>Normalerweise hätte ich ihn deswegen schon lange zum Arzt geschickt. Aber ich wollte nicht, dass er ins Krankenhaus ging. Es war egoistisch, ich weiß, aber es gab dort keine nächtlichen Besuchszeiten. Und ihn tagsüber zu besuchen, würde mir bei meinen Blackouts wahrscheinlich nicht gelingen. Ich wollte ihn nicht noch einmal verlieren!</p>



<p>Aber leider tat ich das. Es war die fünfte Nacht seit meiner Rückkehr. Taro und ich lagen gemeinsam im Bett. Er streichelte meinen Arm, während er neben mir lag.</p>



<p>Plötzlich klopfte es an der Tür. Es war kein kräftiges, dafür aber ein sehr eindringliches Klopfen.</p>



<p>„Erwartest du jemanden?“, fragte ich.</p>



<p>Taro schüttelte den Kopf. „Nein. Schon gar nicht um die Uhrzeit.“ Er hievte die Beine aus dem Bett, um mit seiner Gehhilfe zum Eingang zu humpeln. „Ich komm ja schon!“, rief er.</p>



<p>Am liebsten hätte ich ihm meine Hilfe angeboten, ihm den Weg abgenommen, aber wie ich meinen kleinen Sturkopf kannte, hätte er es sowieso abgelehnt. Also blieb ich mit gespitzten Ohren im Bett liegen.</p>



<p>„Frau Tanaka?“, hörte ich Taro fragen.</p>



<p>Das war die alte Nachbarin. „Ist sie hier?“, fragte sie mit gebrechlicher Stimme. „Du musst sie loswerden. Sofort. Sie wird dich umbringen!“</p>



<p>„Frau Tanaka, bitte. Beruhigen Sie sich. Ist etwas passiert?“</p>



<p>„Nein! Du hörst mir nicht zu“, schrie sie. „Es geht um die Frau. Sie ist nicht die, für die du sie hältst!“</p>



<p>Das ließ mich aufhorchen. Natürlich war ich die, für die er mich hielt. Ich war Masami, seine feste Freundin. Ich sprang aus dem Bett, warf mir meinen Pulli über und ging mit schnellen Schritten zur Tür.</p>



<p>„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich scheinheilig.</p>



<p>„Ahhh!“, schrie Frau Tanaka. Sofort zückte sie ein Feuerzeug. Ihre dürren Hände zitterten, während sie hastig etwas in ihrer anderen Hand anzündete. Es sah nach einem Bündel aus zusammengebundenem Gestrüpp aus.</p>



<p>Anschließend drängelte sie sich an Taro vorbei. Er war zu überrascht, um sie aufzuhalten. Dann fuchtelte sie mit dem brennenden Gestrüpp Rauch in meine Richtung.</p>



<p>Taro wedelte sich mit der Hand vor dem Gesicht herum, als wolle er den Geruch loswerden. „Bah. Was ist das für ein Zeug?“, fragte er.</p>



<p>Ich hingegen wich sofort zurück. Dort, wo der Rauch meine Haut berührte, entstand ein brennender Schmerz. Es fühlte sich an, als stünde ich in Flammen!</p>



<p>„Scheiße! Was ist das? Was ist das!?“, schrie ich.</p>



<p>Frau Tanaka fuchtelte nur weiter in meine Richtung. „Zurück mit dir! Zurück!“</p>



<p>Da packte Taro sie endlich am Handgelenk. Er zog sie von mir weg. „Jetzt beruhigen Sie sich! Das ist Masami, meine totgeglaubte Freundin!“</p>



<p>Frau Tanaka sah flüchtig zu mir. Zum Glück hatte sie aufgehört, mit dem Rauch um sich zu wedeln. „Du verstehst nicht. Sie ist nicht bloß totgeglaubt“, erklärte sie dann. „Masami ist eine Hone-Onna.“</p>



<p>„Eine Knochenfrau?“, fragte er. Er ließ sie los, stand nun aber mit verschränkten Armen vor ihr. „Was soll das sein?“</p>



<p>Ich wusste es genauso wenig.</p>



<p>„Hone-Onna“, erklärte Frau Tanaka ruhig, „sind ruhelose Geister, die nachts zurückkehren, um ihre Geliebten zu besuchen. Leider entziehen sie ihnen dabei auch ihre Lebensenergie.“</p>



<p>Taro und ich sahen sie fassungslos an.</p>



<p>„Das ist doch verrückt“, sagte er dann. „Es ist besser, wenn Sie jetzt gehen!“</p>



<p>„Nein!“, protestierte Frau Tanaka. „Verrückt ist nur, dass du es nicht erkennst. Setz deine rosarote Brille ab! Sieh dir Masami doch einmal an! Sie hat nicht einmal mehr Haut an ihrem Schädel. Sie ist ein wandelndes Skelett.“</p>



<p>Wie automatisch fasste ich mir ins Gesicht. Und tatsächlich. Ich spürte keinerlei Haut. Meine Finger trafen auf etwas Hartes.</p>



<p>Dann fiel mein Blick auf meine Hände. Sie waren schwarz, bestanden nur aus Knochen. Wie war mir das vorher nie aufgefallen? Und auch Taro sah mich jetzt mit großen, vor Schreck geweiteten Augen an.</p>



<p>Entsetzt rannte ich ins Badezimmer, um mich im Spiegel anzusehen. Leere Augenhöhlen starrten zurück. Mein Schädel, denn mehr war es nicht, war rußgeschwärzt. Frau Tanaka sagte die Wahrheit.</p>



<p>„Du wusstest es also auch nicht?“, krächzte eine Stimme hinter mir. Frau Tanaka war mir ins Bad gefolgt. „Sieh dir Taro doch einmal an!“, zischte sie mir zu. „Ist dir nicht aufgefallen, dass er Tag für Tag schwächer wird? Du entziehst ihm seine Kraft. Wenn ihr noch eine Nacht zusammen verbringt, wird er das nicht überleben!“</p>



<p>„Aber …“, protestierte ich. „Ich möchte das nicht. Ich würde Taro niemals schaden!“</p>



<p>Frau Tanaka nickte langsam. Mitleid lag in ihrem Blick. „Das glaube ich dir sogar. Wenn du ihn wirklich liebst, dann gehst du jetzt. Kehr nie wieder hierher zurück.“</p>



<p>Ich weiß nicht, ob Skelette weinen können, aber es fühlte sich zumindest so an, als würden Tränen meine Wangenknochen hinablaufen, während ich aus der Wohnung stürmte.</p>



<p>„Masami! Warte!“, rief Taro mir nach.</p>



<p>Aber Frau Tanaka hinderte ihn daran, mir zu folgen. „Schließ die Tür, Taro. Wir müssen uns unterhalten.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Die restliche Nacht irrte ich durch die Straßen. Ich wusste nicht, was ich denken oder fühlen sollte, kam mir verloren vor. Dafür wusste ich jetzt, wo ich jeden Tag hin verschwand. In der Altstadt gab es einen Friedhof. Im Laufe der Nacht hatte ich dort mein Grab entdeckt. Ich blieb bei dem gepflegten Grabstein, bis mich bei Sonnenaufgang die bittersüße Schwärze empfing.</p>



<p>Aber zu meiner Überraschung stand ich bereits am nächsten Abend wieder in der inzwischen vertrauten Straße in der Altstadt. Warum? Warum war ich noch immer hier? Hatte ich nicht im Leben schon genug Pech gehabt?</p>



<p>Für einen Moment versuchte ich, mich dagegen zu wehren, aber schließlich trugen mich meine Füße wieder in die Richtung von Taros Wohnung. Mein Verlangen, ihn wiederzusehen, war zu mächtig.</p>



<p>Und so dauerte es nicht lang, bis ich wieder vor seiner Wohnung stand. Ich hatte Gewissensbisse. Sollte unsere gemeinsame Zeit ihm wirklich schaden? Warum fühlte es sich dann so richtig an? Andererseits könnte es erklären, wieso sein Zustand so schlecht war. Es lag nicht an seiner MS. Oder vielleicht doch?</p>



<p>Hin- und hergerissen betätigte ich die Klingel. Kurz darauf stand Taro vor mir. Seine Augen waren eingefallen, seine Wangen hohl. War das schon immer so? Warum war es mir die ganze Zeit nicht aufgefallen? War wirklich ich daran schuld? Unsere gemeinsamen Nächte?</p>



<p>„Masami“, sagte er mit einem Lächeln. Sogar seine Stimme klang schwach. „Komm rein. Es ist mir egal, was du bist. Mit dir zusammen bin ich glücklich.“ Er hielt mir die Tür auf, um mich reinzulassen.</p>



<p>Ich trat einen Schritt auf ihn zu. Wenn ich jetzt mit ihm ging, könnte das seine letzte Nacht sein. Aber wäre das so schlimm? Dann wären wir im Tod vereint. Er würde für immer bei mir bleiben.</p>



<p>Als ich die Türschwelle erreichte, zögerte ich. „Nein“, sagte ich dann. Was dachte ich denn da? Ich liebte Taro. Da würde ich ihm doch niemals den Tod wünschen! „Es tut mir leid“, sagte ich leise. „Taro, ich kann nicht.“ Ich taumelte zurück. „Ich kann dich nicht mit mir in den Tod reißen. Aber ich werde auf dich warten. Leb dein Leben! Werde glücklich! Irgendwann werden wir wieder vereint sein.“</p>



<p>Mit den Worten machte ich auf dem Absatz kehrt und rannte zurück in die Dunkelheit. Es war die letzte Nacht, in der meine ruhelose Seele auf die Erde zurückgekehrt war.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Hone-Onna (骨女, Japanisch für „Knochenfrau“) ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" type="link" id="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> der japanischen Mythologie. Sie zählt zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Yōkai</a>.</p>



<p>Eine der bekanntesten Geschichten über eine Hone-Onna ist die japanische Geistergeschichte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/botan-doro">Botan Dōrō</a>, über die ich bereits 2020 einen Beitrag geschrieben habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Hone-Onna haben zwei verschiedene Formen, in denen sie erscheinen können.</p>



<p>Für gewöhnlich sehen sie wie völlig normale Frauen aus. Meist werden sie als jung und schön beschrieben. Außerdem handelt es sich bei ihnen im Normalfall um Japanerinnen, da die Legende aus Japan stammt.</p>



<p>Es gibt jedoch Menschen, die durch diese Fassade hindurchsehen können. Sie sehen die Hone-Onna als ein Skelett, manchmal inklusive verwesendem Fleisch. Besonders häufig ist dabei von ihrem Gesicht die Rede, das nur noch aus einem Schädel besteht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Es gibt zwei verbreitete Versionen der Hone-Onna. In einer ist sie ein von Liebe getriebener Geist, in der anderen ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/onryo">Rachegeist</a>.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der von Liebe getriebene Geist:</h4>



<p>Diese Version ist der Geschichte von Botan Dōrō sehr ähnlich. Es geht darin um einen Mann, dessen Geliebte verstorben ist.</p>



<p>Eines Tages begegnet er ihr jedoch plötzlich wieder. Von seiner Liebe geblendet glaubt er, dass seine Geliebte in Wirklichkeit noch lebt. Manchmal gibt es eine Erklärung hierfür, dass ihr Tod vorgetäuscht war o. Ä., andere Male hinterfragt der Mann es nicht.</p>



<p>Während sie sich also fortan wieder regelmäßig treffen, entzieht sie ihm – oft unwissentlich – Stück für Stück die Lebensenergie. Mit der Zeit wird er schwächer und schwächer.</p>



<p>Meist ist es ein Freund oder Angestellter des Mannes, der nicht von seinen Gefühlen geblendet wird und die wahre Gestalt der Hone-Onna sehen kann.</p>



<p>Er erzählt dem Mann davon, der entweder entsetzt reagiert und sich von der Frau distanziert oder ihm nicht glaubt.</p>



<p>So oder so endet die Geschichte häufig damit, dass der Mann – entweder weil er sich weiter mit ihr trifft oder weil seine Sehnsucht zu groß wird – bei einem letzten Treffen mit der Frau selbst sein Leben lässt. Anschließend sind sie auf Ewig im Tode vereint.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der Rachegeist:</h4>



<p>In anderen Versionen sucht die Hone-Onna nicht ihren ehemaligen Geliebten heim, sondern ist hinter Männern generell her. Sie verführt sie mit ihrer Schönheit, um ihnen bei einer oder mehreren gemeinsamen Nächten die Lebensenergie zu entziehen.</p>



<p>In diesen Geschichten kommt es oft gegen Ende zu einem Schockmoment, wenn die Hone-Onna dem Mann ihren Schädel zeigt. Manchmal mit Absicht, andere Male, weil einfallendes Licht ihr Skelettgesicht zum Vorschein bringt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Die Legenden der Hone-Onna kommen fast ausschließlich aus Japan. Dort soll sie sich in Städten und Dörfern, aber insbesondere auf Friedhöfen, in dunklen Gassen oder auch in Rotlichtvierteln herumtreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den Ursprung der Hone-Onna habe ich nicht viel herausfinden können. Laut <a href="https://yokai.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">yokai.com</a> (eine sehr verlässliche Quelle, was Yōkai angeht und eine große Empfehlung von mir) ist aber davon die Rede, dass die Hone-Onna mindestens seit dem 17. Jahrhundert in Japan bekannt sei, wo sie in Form der Botan-Dōrō-Legende aus einer alten chinesischen Geistergeschichte entstanden ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hone-Onna in der Popkultur:</h3>



<p>In der Manga- und Animereihe „Hell Girl“ tritt eine Hone-Onna regelmäßig auf.</p>



<p>Außerdem gibt es eine Hone-Onna in dem von NetEase Games entwickelten Gacha-Game Onmyoji, das für Pc, Android und iOS erschienen ist.</p>



<p>Ansonsten gibt es zu Botan Dōro, wo die weibliche Hauptperson eine Hone-Onna ist, zahlreiche Theaterstücke und Puppenspiele, die heute noch aufgeführt werden, sowie diverse Filme.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Hone-Onna? Mögt ihr sie als die zurückkehrende Geliebte oder als Rachegeist lieber? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna">Hone-Onna – Ihre Liebe bringt dich um!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>The Lake Worth Monster – Das Monster von Lake Worth</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/the-lake-worth-monster</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/the-lake-worth-monster#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Mar 2026 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Goatman]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptid]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptide]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Lake Worth Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Schüler]]></category>
		<category><![CDATA[texanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[texanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Texas]]></category>
		<category><![CDATA[The Lake Worth Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3389</guid>

					<description><![CDATA[<p>Plötzlich knackte es neben uns im Unterholz. Fast hätte ich meine Taschenlampe eingeschaltet, um in die Richtung zu leuchten. Stattdessen starrten Suzanne und ich in die Dunkelheit, versuchten, zwischen den Ästen irgendetwas zu erkennen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-lake-worth-monster">The Lake Worth Monster – Das Monster von Lake Worth</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/e074e20ddcdf4eafb5e4f3166a38b430" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>The Lake Worth Monster ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Kryptid</a>, der in den 1960er seine Bekanntheit erlangt hat, als er mehrere Male auf der Titelseite einer Lokalzeitung auftauchte. Aber was ist im Sommer 1969 in Texas wirklich passiert?</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p><em>Freitag, 10. Juli 1969</em></p>



<p>„Fischige Mann-Ziege terrorisiert parkende Pärchen bei Lake Worth“, las Suzanne vor. Sie, Wesley und ich kannten den Zeitungsartikel bereits auswendig. Trotzdem entschied sie, ihn noch ein letztes Mal zu lesen, während wir gemeinsam im Auto nach Lake Worth saßen.</p>



<p>Aber ich beschwerte mich gar nicht. Es half mir dabei, mich von der Dummheit abzulenken, die wir gleich vorhatten.</p>



<p>„Sechs entsetzte Anwohner berichteten heute Morgen der Polizei, dass sie von einem Ding angegriffen wurden, das sie als ‚halb Mann, halb Ziege und bedeckt mit Fell und Schuppen‘ beschrieben“, fuhr sie fort.</p>



<p>Da ich als Einziger auf dem Rücksitz saß, hatte ich mich zu ihr nach vorne gelehnt, um über ihre Schulter mitzulesen.</p>



<p>„Die Polizei sagt, dass John Reichert folgende Story erzählte: Reichert hatte, zusammen mit seiner Frau und zwei anderen Pärchen, gegen Mitternacht bei Lake Worth geparkt, als jemand oder etwas von einem nahegelegenen Baum auf ihr Auto sprang. Reichert sagte, dass das Ding versucht hat, seine Frau zu packen, aber er fuhr davon, ehe es sie berühren konnte.</p>



<p>Nachdem sie mit der Polizei zu dem Ort zurückgekehrt sind, zeigte Reichert, wo der Angriff stattgefunden hat, aber von dem Ding fehlte jede Spur. Er zeigte den Polizisten einen achtzehn Zoll langen Kratzer an der Seite seines Autos, den das Ding mit seinen Krallen verursacht haben soll.</p>



<p>‚Wir führten eine gründliche Untersuchung durch‘, sagte Streifenpolizist James S. McGee, ‚weil diese Leute wirklich verängstigt waren.‘</p>



<p>Trotzdem meinte McGee, dass die Pärchen wahrscheinlich die Opfer von Scherzbolden geworden sind, die entweder eine Puppe auf das Auto geworfen oder jemanden in ein Affenkostüm gesteckt haben.“</p>



<p>Suzanne faltete die Zeitung raschelnd zusammen. Danach hörte ich nur noch das Dröhnen des Motors, spürte die Vibration unter meinem Sitz.</p>



<p>„Meint ihr wirklich, dass das nur ein paar Scherzbolde in einem Kostüm waren?“, fragte ich.</p>



<p>Wesley drehte sich zu mir um. Ein breites Grinsen zog sich über sein Gesicht. „Nein. Wer würde denn sowas tun, Curtis?“, fragte er ironisch, ehe er seinen Blick wieder auf die Straße wandte.</p>



<p>Auf einmal wurde mir sehr warm unter meinem Mantel. Ich spürte, wie Schweiß meinen Rücken hinablief. Und das lag nicht nur an der texanischen Sommerhitze oder dem Gorillakostüm, das ich unter dem langen Mantel verbarg.</p>



<p>Zu meiner Verteidigung: Die ganze Sache war Suzannes Idee gewesen. Wir drei waren an der ganzen Schule für unsere Streiche bekannt. Und dann kam jemand anderes daher und zog den Streich des Jahres, vielleicht sogar des Jahrzehnts ab? Und das auch noch in den Sommerferien? Das konnten wir uns nicht gefallen lassen! Also hatten wir entschieden, dass wir uns selbst als das ominöse Monster verkleiden würden.</p>



<p>Zu meinem Leidwesen war ich der Größte aus unserer Gruppe. Obwohl ich erst sechzehn war, war ich über 1,90 cm groß. Und auch das Gorillakostüm, das Wesley aus der Theatergruppe unserer Schule „ausgeliehen“ hatte, passte mir überraschend gut.</p>



<p>Im Scheinwerferlicht vor uns kamen parkende Autos zum Vorschein. Sie standen auf beiden Seiten der ungepflasterten Straße auf dem vertrockneten Gras.</p>



<p>„Ach du scheiße“, sagte Wesley. „Was ist denn hier los?“</p>



<p>Wir hatten den Parkplatz noch nicht einmal ganz erreicht. Trotzdem parkten hier bereits zahlreiche Autos. Menschen standen in Paaren oder Gruppen herum und gingen umher. Ich erkannte, dass einige von ihnen Gewehre geschultert hatten. Ich schluckte schwer.</p>



<p>Nachdem wir noch ein kleines Stück gefahren waren, fuhr Wesley schließlich selbst in eine Lücke zwischen zwei parkenden Autos.</p>



<p>Ohne ein weiteres Wort zu sagen, stiegen wir aus. Ich schlang dabei den Mantel eng um mich. Trotzdem blitzte noch immer graues Fell an meinen Unterschenkeln hervor. Ich hoffte, dass es niemand bemerken oder ihm Beachtung schenken würde.</p>



<p>So machten wir uns auf den Weg zum Parkplatz in der Nähe des Sees.</p>



<p>„Hey!“, rief eine Stimme neben uns. Sie kam von einem Mann, vielleicht Mitte 30, der eine Schrotflinte über der Schulter trug. Er saß auf dem Dach seines Pick-ups, ein Bier in der Hand. Zwei andere Männer und eine Frau, die neben ihm standen, sahen zu uns.</p>



<p>Erschrocken sah ich sie an.</p>



<p>„Seid ihr nicht etwas jung, um euch so spät noch hier rumzutreiben?“, fragte der Mann auf dem Pick-up laut. „Habt ihr nicht gehört, dass hier irgendein Wesen lauert? Geht wieder nach Hause!“</p>



<p>Ich hätte es liebend gerne als Vorwand genommen, tatsächlich wieder nach Hause zu fahren.</p>



<p>Aber Suzanne funkelte ihn nur an. „Das ist immer noch ein freies Land. Und wenn wir nach dem Monster suchen wollen, dann machen wir das auch!“</p>



<p>Das wirkte. Der Mann nickte ihr anerkennend zu, ehe er sich wieder abwandte. Und auch die anderen schenkten uns keine weitere Beachtung.</p>



<p>„Sobald man solchen Rednecks was von einem freien Land vorschwärmt, knicken sie immer ein“, erklärte Suzanne, als wir außer Hörweite waren.</p>



<p>Ich wusste nicht, ob ich ihr dabei zustimmen konnte, aber für den Moment sollte sie zumindest recht behalten.</p>



<p>Der restliche Weg zum Parkplatz verlief ohne besondere Vorkommnisse, was vielleicht auch daran lag, dass wir inzwischen von regelrechten Menschenmassen umgeben waren, in denen wir nicht mehr wirklich auffielen. Es mussten fast hundert, wenn nicht noch mehr Leute sein, die sich auf die Suche nach dem Monster gemacht hatten.</p>



<p>„Seid ihr sicher, dass das eine so gute Idee ist?“, fragte ich, als wir uns etwas abseits gestellt hatten. „Habt ihr die ganzen Waffen gesehen?“</p>



<p>Wesley sah sich um, als müsse er noch einmal nachsehen.</p>



<p>Suzanne hingegen schüttelte den Kopf. „Wir müssen es ja nicht direkt hier machen. Wenn wir uns abseits halten und eine kleine unbewaffnete Gruppe suchen, hast du nichts zu befürchten.“</p>



<p>Ich lächelte schief. Alles in mir schrie danach, ihr zu widersprechen. Aber ich war noch nie der Mutigste gewesen. Auch wenn Suzanne und Wesley meine Freunde waren, knickte ich bei Gruppenzwang sehr schnell ein.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Mit nichts als unseren Taschenlampen bewaffnet hielten wir uns an die Wege, während wir langsam in einigem Abstand zum Ufer an Lake Worth entlanggingen. Trotzdem konnte ich das Wasser leise ans Ufer schwappen hören. Ab und an knackte es im Unterholz. Eine Eule schrie irgendwo in der Ferne. Ein Geräusch, das hingegen so präsent war, dass es bereits in den Hintergrund rutschte, war das durchgehende Zirpen von Grillen. Aber das war ich als gebürtiger Texaner bereits gewohnt.</p>



<p>Wirklich etwas Erwähnenswertes passierte jedoch nicht. Abgesehen davon, dass wir ganze Schwärme von Mücken abwehren mussten, kamen uns noch immer zahlreiche Leute entgegen, die einen mehr, die anderen weniger bewaffnet. Aber fast in jeder Gruppe konnte ich mindestens ein Gewehr sehen.</p>



<p>„Vielleicht sollten wir an einem anderen Tag zurückkommen, wenn weniger los ist“, versuchte ich es noch einmal.</p>



<p>„Und dann?“, fragte Wesley. „Wenn irgendwer mitbekommt, dass ich das Gorillakostüm ausgeborgt habe, bekomm ich einen Riesenärger! Vielleicht ist das heute unsere einzige Chance. Irgendwo finden wir schon noch ein passendes Opfer.“</p>



<p>Ich biss die Zähne zusammen. Er hatte leicht Reden. Wesley war ja auch nicht derjenige, auf den geschossen wurde, wenn irgendetwas schiefging.</p>



<p>Hilfesuchend sah ich zu Suzanne. Sie bemerkte meinen Blick, zuckte aber nur mit den Schultern. „Ich bin da ganz bei Wesley“, erklärte sie. „Keine Angst. Wir passen schon auf, dass nichts passiert.“</p>



<p>Ja … Das war wirklich <em>sehr</em> beruhigend …</p>



<p>Nachdem wir noch einige Minuten schweigend weitergegangen waren – langsam stieg meine Hoffnung, dass wir das Ganze doch abbrechen würden –, passierte etwas. Ich konnte aufgeregte Rufe in der Ferne hören.</p>



<p>Plötzlich kam uns ein Mann entgegengerannt. Auch er hatte ein Gewehr über der Schulter. „Es wurde beim Pit gesehen!“, rief er. „Das Monster hat beim Pit einen Reifen nach einer Gruppe geworfen!“</p>



<p>Das Pit war eine bekannte Grube in der Nähe. Um genau zu sein, gingen wir gerade genau darauf zu.</p>



<p>Im nächsten Moment stürmte eine Gruppe Männer an uns vorbei. Sie mussten den Ruf gehört haben und sich Richtung Pit aufmachen. Und auch Suzanne und ich setzten dazu an, in die Richtung zu laufen.</p>



<p>„Wartet!“, hielt Wesley uns auf. „Das ist unsere Chance! Wenn alle zum Pit laufen, finden wir vielleicht jemanden, der nicht nach dem Monster sucht. Hier ganz in der Nähe ist ein beliebter Treffpunkt für Pärchen!“</p>



<p>Suzanne und ich fragten nicht, woher er das wusste. Stattdessen folgten wir ihm ein Stück durchs Unterholz, weg vom Seeufer. Äste knackten, Sträucher raschelten unter unseren Schuhen. Die Mückenschwärme schienen hier dichter zu werden und auch mit dem ein oder anderen Spinnennetz machte mein Gesicht Bekanntschaft.</p>



<p>Als die Bäume vor uns gerade weniger zu werden schienen, ertönte plötzlich ein Schrei aus der Dunkelheit. Es klang aber nicht nach einem menschlichen Schrei. Wir blieben sofort stehen. Mit unseren Taschenlampen leuchteten wir wild um uns.</p>



<p>„Was war das?“, fragte ich sofort.</p>



<p>Meine Freunde antworteten nicht sofort. „Vielleicht eine Wildkatze?“, sagte Wesley dann. „Ich hab gehört, hier in der Nähe wurde kürzlich eine gesichtet. Wahrscheinlich hat jemand sie ausgesetzt.“</p>



<p>Ich fand allerdings nicht, dass es wie ein Luchs oder gar ein Puma klang.</p>



<p>„Kommt weiter“, drängte Wesley dann.</p>



<p>Suzanne und ich folgten ihm ohne Widerworte. Ehrlich gesagt war ich froh, aus dem undurchsichtigen Dickicht herauszukommen.</p>



<p>Wenig später stolperten wir auf einem breiten Dreckweg. Wir waren ein gutes Stück Richtung Highway gelaufen, wie ich jetzt erkannte.</p>



<p>Wesley machte aber keine Pause. Er sah sich flüchtig um, ehe er den Weg entlang weiterlief. Suzanne und ich folgten ihm.</p>



<p>Bald wurde der Weg noch breiter. Er erinnerte mich hier an einen kleinen Grandplatz, nur dass in der Mitte Reifenspuren verliefen. Links und rechts parkten einige Autos. Sie lagen dunkel und verlassen vor uns. Ich leuchtete durch die Scheiben, um sicherzugehen, dass niemand darinsaß. Zumindest, bis wir die Rückseite eines fensterlosen Vans ein kleines Stück wieder sahen. Er hielt am linken Wegesrand, sein Motor lief, die Rücklichter leuchteten rot und in der Fahrerkabine brannte Licht.</p>



<p>„Da!“, flüsterte Suzanne. „Das ist die Gelegenheit.“ Sie schob mich sanft in die Richtung, während wir unsere Taschenlampen ausschalteten.</p>



<p>Wesley folgte uns.</p>



<p>Jetzt waren wir darauf bedacht, keine Geräusche zu machen, damit die Leute im Auto nicht auf uns aufmerksam wurden. Trotzdem knirschten Steinchen unter unseren Füßen. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug. Wieder lief Schweiß meinen Rücken hinunter. Vorsichtig näherten wir uns dem Auto.</p>



<p>Es dauerte nicht lange, bis wir direkt dahinterstanden. Jetzt waren wir im toten Winkel, sodass die Insassen uns nicht durch die Seitenspiegel sehen konnten.</p>



<p>Vorsichtig öffnete ich meinen Mantel. Der Moment der Wahrheit.</p>



<p>„Warte noch!“, flüsterte Wesley plötzlich. „Ich geh nachsehen, ob sie bewaffnet sind.“ Das war die erste wirklich gute Idee, die er diesen Abend gehabt hatte.</p>



<p>Er steckte die Hände in die Hosentaschen, während er am Van vorbeiging. Er legte einen lockeren Gang ein.</p>



<p>„’n Abend“, hörte ich ihn sagen, während er entspannt an dem Wagen vorbeischlenderte. Dann blieb er abrupt stehen. Er wandte sich der Beifahrertür zu. „Wie bitte? Nein. Ich bin mit meinem Dad hier. Ja. Ich war nur kurz austreten. Danke. Ihnen auch.“ Er ging weiter, sodass er bald aus unserem Sichtfeld verschwand.</p>



<p>Suzanne und ich warteten gespannt. Als mir auffiel, dass ich dabei die Luft anhielt, zwang ich mich, ruhig weiterzuatmen.</p>



<p>Plötzlich knackte es neben uns im Unterholz. Fast hätte ich meine Taschenlampe eingeschaltet, um in die Richtung zu leuchten. Stattdessen starrten Suzanne und ich in die Dunkelheit, versuchten, zwischen den Ästen irgendetwas zu erkennen.</p>



<p>Erst jetzt fiel mir auf, wie dunkel es wirklich war. Ohne Taschenlampen, die die Gegend erhellten. Irgendetwas bewegte sich da draußen.</p>



<p>„Wesley?“, flüsterte ich in die Dunkelheit. Ich traute mich nicht, lauter zu sprechen, in der Angst, dass die Fahrzeuginsassen mich hören könnten.</p>



<p>Wieder ein Rascheln. „Ja, ich bin es“, kam es zurück.</p>



<p>Erleichtert atmete ich auf. Bald erkannte ich unseren Freund, wie er langsam aus dem Unterholz zu uns schlich.</p>



<p>„Und?“, fragte Suzanne ungeduldig.</p>



<p>„Da drinnen sitzen ein Mann und eine Frau. Vielleicht ein Pärchen“, erklärte er.</p>



<p>„Sind sie bewaffnet?“, hakte ich nach.</p>



<p>Im roten Schein der Rücklichter sah ich, wie Wesley meinem Blick auswich. „Ich glaube nicht.“</p>



<p>„Du glaubst?“</p>



<p>„Na ja, das Fenster ist recht hoch. Ich konnte nicht alles erkennen … Aber es ist ein Pärchen. Wahrscheinlich sind sie hier draußen, um rumzumachen oder sowas. Es wird schon alles gut gehen.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Wenig später stand ich in voller Gorillamontur an den Van gedrückt. Suzanne hatte mir meinen Mantel und die Taschenlampe abgenommen, während Wesley mir geholfen hatte, die Gorillamaske richtig aufzusetzen. Trotzdem war meine Sicht eingeschränkt.</p>



<p>Ich spähte an dem Van vorbei. Es war ein Firmenwagen, vermutete ich. Zumindest war an der Seite ein stilisierter Leuchtturm mit dem Schriftzug „Lighthouse“ darunter zu sehen.</p>



<p>Angestrengt starrte ich in den Seitenspiegel. Ich konnte eine junge Frau auf dem Beifahrersitz erkennen. Zum Glück sah sie nicht in meine Richtung. Sie war in ein Gespräch mit dem Fahrer vertieft. „Denken Sie, dass an dem Vorfall mit dem Reifen irgendetwas dran ist?“, fragte sie. Sie hatte einen ausländischen Akzent. Irgendetwas Europäisches.</p>



<p>Eine Männerstimme antwortete. Obwohl er mit dem vertrauten texanischen Dialekt sprach, musste ich mich anstrengen, um ihn über den laufenden Motor hinweg zu verstehen. „Ich glaube kaum, dass ein Klasse Zwei einen Reifen werfen würde. Wenn doch, geben die anderen uns Bescheid.“</p>



<p>Die anderen? Das meiste, was er sagte, ergab für mich keinen Sinn, aber das klang definitiv, als wären sie nicht allein. Und hatte vorhin der eine Mann nicht auch gesagt, dass das Monster einen Reifen geworfen habe?</p>



<p>Weiter darüber nachdenken konnte ich jedoch nicht. „Jetzt mach schon!“, zischte Suzanne. Sie gab mir einen sanften Schubs, der mich aus dem Gleichgewicht brachte. Ich taumelte mehrere Schritte vorwärts, ehe ich mich wieder fangen konnte.</p>



<p>Als ich aufsah, starrte die Frau mich durch das offene Fenster direkt an. Ihre Augen hatte sie weit aufgerissen.</p>



<p>Mein Hirn setzte aus. Ehe ich wusste, was ich tat, hatte ich die Hände hochgerissen und stieß meinen fürchterlichsten Schrei aus.</p>



<p>Das hätte ich besser nicht getan. Die Frau reagierte blitzschnell. Innerhalb von Sekunden blickte ich in den Lauf eines Gewehrs. Entschlossenheit blitzte in ihren Augen.</p>



<p>„Scheiße! Sie hat eine Waffe!“, hörte ich Suzanne rufen.</p>



<p>Die Schritte meiner Freunde ertönten auf dem Dreckboden, wie sie sich schnell entfernten. So viel zum Thema, dass sie mir helfen würden … Aber ich hatte gerade andere Probleme. Mit noch immer erhobenen Armen stand ich da. Der Schreck hatte mir die Sprache verschlagen.</p>



<p>„Agentin Fischer, nehmen Sie die Waffe runter! Das sind nur ein paar Kinder!“, rief der Mann plötzlich. Er hatte bereits um sie herumgegriffen, um den Lauf der Waffe beiseitezureißen.</p>



<p>Die Frau ließ es geschehen, hielt aber das Gewehr weiter mit verkrampften Armen fest. Ihr Blick blieb unverändert. Erst jetzt erkannte ich, dass das, was ich für Entschlossenheit gehalten hatte, in Wirklichkeit Angst war.</p>



<p>„Und du?“, brüllte der Mann jetzt mich an. „Findest du das etwa lustig? Du hättest verletzt werden können!“</p>



<p>Wieder stieg Panik in mir auf. Es war nicht dieselbe Angst wie eben. Es war keine Todesangst. Sie lähmte mich nicht. Also nahm ich die Beine in die Hand und rannte. Ich machte einen Bogen um die Rückseite des Vans herum, ehe ich weiter ins Unterholz stürmte. In den Schutz der Dunkelheit.</p>



<p>Leider brachte die Dunkelheit nicht nur Schutz mit sich. Suzanne hatte noch immer meine Taschenlampe. Und ohne Licht konnte auch ich kaum etwas erkennen. Das Mondlicht reichte kaum bis unter das Blätterdach. Einige Male schützte mich die Gorillamaske vor Ästen, die mir direkt ins Gesicht geschlagen wären.</p>



<p>Blätter und Laub raschelten. Alte Äste knackten unter meinen Füßen, während ich mehr stolperte, als dass ich rannte.</p>



<p>Dabei blickte ich mich die ganze Zeit panisch um, suchte nach irgendetwas, das mir bekannt vorkam. Aber natürlich fand ich nichts. Nicht nur, dass es viel zu dunkel war, wenn meine Freunde und ich Lake Worth besuchten, hielten wir uns fast immer an die Wege. Jetzt wusste ich hingegen nicht einmal, in welche Richtung der nächste Weg lag.</p>



<p>Als ich auf eine kleine Lichtung stolperte, blieb ich stehen. Hier konnte ich etwas besser gucken. Der Mond war eine schmale Sichel über den Baumkronen. Trotzdem reichte sein Licht aus, sodass ich hier den Boden sehen konnte. Es gab mir ein Gefühl von Sicherheit.</p>



<p>Schnell wandte ich den Kopf hin und her. Ich versuchte, herauszufinden, ob ich verfolgt wurde. Allerdings konnte ich kaum etwas hören. Mein Herz pochte so laut in meinen Ohren, dass es das meiste übertönte. Außerdem wusste ich nicht, ob das leise Geraschel im Unterholz von Menschen oder irgendeinem Tier kam.</p>



<p>Allerdings fiel mir beim Umsehen etwas anderes auf: Das graue Fell meines Kostüms schimmerte silbrig im Mondlicht. Ich stach als haarige Kreatur aus dem dunklen Wald hervor – in einem Gebiet, in dem unzählige bewaffnete Männer nach einem Monster suchten.</p>



<p>Panisch riss ich mir die Maske vom Kopf. Der Reißverschluss meines Kostüms befand sich jedoch am Rücken. Ich verrenkte mich, versuchte irgendwie, blind an das kleine Metallstück zu gelangen.</p>



<p>Da durchschnitt wieder ein Schrei die Nacht. Es war derselbe Schrei wie vorhin – die Wildkatze, wie Wesley sie genannt hatte. Nur, dass ich immer noch nicht fand, dass es wie eine Wildkatze klang. Und, dass der Schrei diesmal deutlich näher war.</p>



<p>Hektisch sah ich mich um. Ich hatte keine Ahnung, aus welcher Richtung der Schrei gekommen war. Also konzentrierte ich mich weiter auf den Reißverschluss.</p>



<p>Endlich hatte ich den kleinen Metallgriff zwischen Daumen und Zeigefinger. Er bewegte sich ein paar Zentimeter nach unten, ehe er hängenblieb – wahrscheinlich hatte sich Fell zwischen dem Schieber und den Zähnen verheddert.</p>



<p>In dem Moment hörte ich, wie sich Schritte aus dem Unterholz näherten. Es war ein leises, fast vorsichtiges Rascheln, als würde sich jemand anschleichen.</p>



<p>„Bitte!“, rief ich schnell. „Nicht schießen! Es ist nur ein Kostüm!“</p>



<p>Aber was sich da näherte, war kein Monsterjäger. Ich erkannte eine große helle Gestalt zwischen den Bäumen, die langsam auf mich zukam. Sie schlich von Baum zu Baum, als wolle sie sich dahinter verstecken.</p>



<p>Als sie den Rand der Lichtung erreichte, erkannte ich das weiße Fell, das ihren kompletten Körper bedeckte. War das das Monster? Schuppen konnte ich darin kein Entdecken. Aber was sollte es sonst sein? Ich überlegte, ob ich wegrennen solle, doch meine Beine bewegten sich keinen Zentimeter.</p>



<p>Im nächsten Moment trat die Gestalt auf die Lichtung. Sie machte einige vorsichtige Schritte auf mich zu. Dabei erkannte ich, wie riesig sie war. Sie war über zwei Meter groß. Außerdem war sie ungewöhnlich muskulös, hatte breite Schultern. Und an den Händen erkannte ich spitze Krallen.</p>



<p>Obwohl ich sein Gesicht nicht erkennen konnte – es lag im Schatten –, war ich mir jetzt sicher, dass es das Monster sein musste. Die ganze Art, wie es sich bewegte, mich neugierig musterte. Das waren nicht die Bewegungen eines Menschen.</p>



<p>Jetzt stand das Wesen direkt vor mir, sah auf mich herab. Ich hörte, wie es leise schnaufte, roch seinem Atem, der mich an den eines Hundes erinnerte. Es beugte seinen Kopf zu mir herab. Mein Körper verkrampfte sich. Es hob eine riesige fellbesetzte Hand in Richtung meines Kostüms.</p>



<p>Im nächsten Moment wurde es plötzlich hell um mich herum. Das Monster lag jetzt klar und deutlich vor mir. Seine Lippen zitterten, entblößten dabei spitze Eckzähne. Vielmehr erkannte ich in dem kurzen Augenblick aber nicht.</p>



<p>„Runter!“, brüllte eine Stimme hinter mir.</p>



<p>Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Immerhin war die Frau bewaffnet. Ich erkannte ihren europäischen Akzent sofort wieder.</p>



<p>Laub raschelte unter meinen Händen, während ich mich auf den Boden warf. Trockenes Gras pikste mich durch den dünnen Stoff. Ich spürte trockene Blätter an meiner Wange.</p>



<p>Der Knall, der Schuss, mit dem ich fest gerechnet hatte, blieb jedoch aus. Stattdessen hörte ich bloß, wie etwas über meinen Kopf hinwegsurrte.</p>



<p>Das Monster stieß ein erschrockenes Grunzen aus. Als ich aufsah, erkannte ich etwas, das wie rote Federn aussah, das frontal aus seiner rechten Seite ragte. Damals wusste ich noch nicht, was es war, aber inzwischen bin ich mir fast sicher, dass es ein Betäubungspfeil gewesen sein muss.</p>



<p>Im nächsten Moment wandte es sich um. Es stürmte in den Wald zurück. Die Europäerin nahm sofort die Verfolgung auf. Sie verschwand hinter dem Monster im Unterholz und mit ihr das Licht, das ihre Taschenlampe gebracht hatte.</p>



<p>Ich sah ihr nach, wie sich das Licht schnell entfernte, ehe meine Sicht vor Tränen verschwamm. Kurz darauf kauerte ich wie ein Häuflein Elend am Boden und weinte. Ich hatte die Knie angezogen, umklammerte sie mit meinen Armen, während ich meinen Gefühlen freien Lauf ließ. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viel Angst gehabt wie eben gerade. Nicht einmal, als das Gewehr auf mich gerichtet war.</p>



<p>Ich weiß nicht, wie lange ich dort gehockt hatte. Es konnten wenige Minuten, vielleicht auch eine halbe Stunde gewesen sein. Jedenfalls hörte ich irgendwann leise Stimmen in der Ferne.</p>



<p>„Curtis? Curtis, bist du hier irgendwo?“ Das war Wesleys Stimme. Er sprach dabei in dieser Mischung aus Flüstern und Rufen, die weder sonderlich unauffällig war noch auf weitere Entfernungen gehört werden konnte.</p>



<p>„Ich bin hier!“, rief ich. Der schwache Klang meiner Stimme überraschte mich.</p>



<p>Jetzt wurde es wieder hell um mich herum. „Curtis!“, rief Wesley. Dann wandte er sich in den Wald zurück. „Suzanne! Suzanne, ich hab ihn gefunden!“ Von der Vorsicht in seiner Stimme war nichts mehr zu hören.</p>



<p>Ich weiß noch, wie meine Freunde mir aufgeholfen haben. Suzanne hatte mir sofort meinen Mantel zurückgegeben, damit ich das Kostüm wieder darunter verstecken konnte. Außerdem haben die beiden sich mindestens einhundertmal bei mir entschuldigt.</p>



<p>Trotzdem habe ich bis heute nicht das Gefühl, dass sie mir meine Geschichte von der Begegnung mit dem Lake Worth Monster geglaubt haben. Immerhin waren nicht nur die beiden, sondern auch ich für meine Streiche bekannt.</p>



<p>Vielleicht dachten sie auch nur, die Geschichte sei meine Art gewesen, mich dafür zu rächen, dass sie weggerannt waren. So oder so hatten wir uns an jenem Tag jedenfalls geschworen, niemandem von unserem geplanten Streich bei Lake Worth zu erzählen.</p>



<p>Und auch den Van, die beiden Leute, die darinsaßen, oder gar das Monster habe ich nie wieder gesehen. Ich muss jedoch gestehen, dass ich auch nie das Verlangen verspürt hatte, nach ihnen zu suchen.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Lake Worth Monster, auch Lake Worth Creature oder Goatman genannt, ist ein Kryptid aus Texas. Es ist hauptsächlich für seine Sichtungen im Jahr 1969 bekannt.</p>



<p>An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf seinen Namen „Goatman“ hinweisen. Es weist zwar Eigenschaften des <a href="https://www.geister-und-legenden.de/goatman">Maryland Goatman</a> auf, der normalerweise gemeint ist, wenn jemand vom „Goatman“ redet, wird aber als eigenständiges Wesen angesehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Es gibt verschiedene Augenzeugenberichte, die das Aussehen des Lake Worth Monsters beschreiben sollen. Viele von ihnen bezeichnen ihn als „halb Mensch, halb Ziege“, ähnlich wie den Maryland Goatman. Er besitzt also den fellbesetzten Körper eines Mannes und den Kopf einer Ziege.</p>



<p>Auch werden ihm oft klauenbesetzte Finger und eine Körpergröße von über 2 Metern (genau genommen etwa 7 Fuß, also 213 cm) nachgesagt.</p>



<p>Worin sich die Beschreibungen jedoch vom Maryland Goatman völlig unterscheiden, ist die angeblich weiße Farbe seines Fells. Außerdem gab es Augenzeugen, die behaupten, das Lake Worth Monster habe Schuppen zwischen dem Fell oder gar Schuppen statt des Fells am Körper.</p>



<p>Ob das Lake Worth Monster Hörner (bzw. manchmal auch nur ein Horn) oder Ziegenbeine besitzt, hängt sehr von der Zeugenaussage ab.</p>



<p>Gerade bei neueren Sichtungen fehlt häufig der ziegenhafte Teil komplett. In diesen Sichtungen ist oft von einem Bigfoot-ähnlichen Wesen die Rede.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Über das Verhalten des Lake Worth Monsters und seine genauen Eigenschaften ist nicht viel bekannt. Es scheint aber angriffslustig zu sein und den Kontakt zu Menschen nicht zu scheuen.</p>



<p>Zumindest gibt es einen Augenzeugenbericht, bei dem das Lake Worth Monster sich erst aus einem Baum auf ein parkendes Auto gestürzt und anschließend versucht hat, die darin sitzende Frau zu packen.</p>



<p>Bei einem weiteren Vorfall soll es einen alten Reifen nach einer Gruppe Leute geworfen haben, nachdem es einen als „bemitleidenswert“ oder „traurig“ klingenden Ruf ausgestoßen hat.</p>



<p>Davon abgesehen gibt es Berichte von übermenschlichgroßen Fußabdrücken, einigen Tierkadavern – besonders bekannt ist ein Schaf, dem angeblich der Kopf zerquetscht wurde – und Blutspuren, die dem Lake Worth Monster zugeschrieben wurden.</p>



<p>Einige Augenzeugen haben außerdem von einem starken Gestank berichtet, wenn das Monster in der Nähe war. Wonach es genau gerochen haben soll, ist mir jedoch nicht bekannt.</p>



<p>Auffällig ist auch, dass das Lake Worth Monster in späteren Sichtungen sein Verhalten geändert haben soll. Es soll weniger angriffslustig gewesen sein und oft sofort die Flucht ergriffen haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Das Lake Worth Monster wurde hauptsächlich 1969 auf Greer Island im Lake Worth und der näheren Umgebung um den See in Fort Worth Texas gesichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die Legende des Lake Worth Monsters geht hauptsächlich auf den Sommer 1969 zurück, wo das Lake Worth Monster erstmals gesichtet worden sein soll.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die erste Nacht:</h4>



<p>Das Lake Worth Monster soll erstmals am 9. Juli 1969 von sechs Leuten gesehen worden sein. Gegen Mitternacht sei es auf das Auto von John Reichert und seiner Frau gesprungen. Reichert saß dabei am See und hat geangelt, während seine Frau im Auto saß und gelesen hat. Daraufhin habe das Monster versucht, Frau Reichert zu packen. In dem Moment war John Reichert jedoch bereits beim Auto. Er habe das Wesen weggestoßen, sei ins Auto gesprungen und geflohen. Als Beweis diente eine etwa 45 cm lange Schramme im Lack, die von der Kreatur verursacht worden sein soll.</p>



<p>Die Reicherts berichteten der Polizei, dass die Kreatur „halb Mensch, halb Ziege und von Fell und Schuppen bedeckt“ gewesen sei.</p>



<p>Wie die Lokalzeitung „Fort Worth Star-Telegram“ bereits am nächsten Tag berichtete, sollen einige Polizisten mit John Reichert zum Tatort zurückgekehrt sein, haben dort aber nichts Auffälliges gefunden.</p>



<p>Außerdem gab die Polizei zu, dass sie bereits seit zwei Monaten Berichte über seltsame Vorkommnisse um Lake Worth bekommen haben, sie hatten sie jedoch nicht für voll genommen. Die sechs Augenzeugen am 9. Juli wirkten jedoch sehr verängstigt, weshalb sie der Sache erstmals ernsthaft nachgegangen seien.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die zweite Nacht:</h4>



<p>In der darauffolgenden Nacht sollen sich über 200 Leute zum Lake Worth begeben haben, um nach dem Lake Worth Monster zu suchen. Es kam dabei zu mehreren angeblichen Sichtungen, eine von ihnen hat aber die größte Bekanntheit erlangt:</p>



<p>Eine Gruppe von Leuten soll einen mitleiderregenden Schrei gehört haben, woraufhin das Lake Worth Monster einen herumliegenden Autoreifen – die Insel wurde viele Jahre als Mülldeponie missbraucht – etwa 150 Meter nach ihnen durch die Luft geworfen habe. Sie sind daraufhin geflohen.</p>



<p>Viele Jahre später, im Jahr 2009, soll ein Mann, der sich nur als „Vinzens“ vorgestellt haben soll, zugegeben haben, in dem „Reifenangriff“ involviert gewesen zu sein. Er habe mit einigen Freunden mit dem Reifen herumgealbert und ihn eine Klippe hinunterrollen lassen. Dabei sei der Reifen auf einen kleinen Hügel getroffen, wodurch er in die Luft geschleudert wurde und vom Kurs abgekommen sein soll, ehe er in der Nähe einiger Passanten aufgekommen sei.</p>



<p>Der Reifen wurde, wenn man der Aussage glaubt, also weder 150 Meter durch die Luft geworfen, noch war die Gruppe das Ziel gewesen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Lake Worth Monster wird fotografiert:</h4>



<p>Später im Jahr gab es außerdem einen weiteren bedeutenden Vorfall: Ein Mann namens Allen Plaster hat das Lake Worth Monster mit einer Polaroidkamera fotografiert, während er in einem Auto an ihm vorbeigefahren ist. Das Foto könnt ihr ganz einfach mit einer Suchmaschine eurer Wahl finden.</p>



<p>Man erkennt darauf zwar „lediglich“ den Rücken einer Gestalt aus weißem Fell, die im Unterholz steht, das Foto hat aber seitdem internationale Berühmtheit erlangt.</p>



<p>In einem Interview von 2006 meinte Allen Plaster jedoch, dass er inzwischen glaube, dass es sich um einen Streich gehandelt habe.</p>



<p>„Looking back, I realize that when we drove by, it stood up. Whatever it was, it wanted to be seen. That was a prank. That was somebody out there waiting for people to drive by. I don’t think an animal would have acted that way.“</p>



<p>(Frei übersetzt: „Wenn ich zurückdenke, fällt mir auf, dass es aufgestanden ist, als wir an ihm vorbeigefahren sind. Was auch immer es war, es wollte gesehen werden. Das war ein Streich. Das war jemand da draußen, der darauf gewartet hat, dass Leute vorbeifahren. Ich denke nicht, dass ein Tier sich so verhalten hätte.“)</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Anmerkungen zum Ursprung:</h4>



<p>Besonders die Aufmerksamkeit der Presse und die Polizeieinsätze haben zu der damaligen Bekanntheit des Lake Worth Monsters geführt.</p>



<p>Aber wie sind die ersten Gerüchte überhaupt entstanden? Dazu gibt es mehrere Theorien. Zur damaligen Zeit waren die Gerüchte um den Goatman aus Maryland noch immer weit verbreitet. Es gibt daher die Theorie, dass sie sich z. B. durch Summer Camp Gruselgeschichten bis nach Fort Worth verbreitet haben.</p>



<p>Außerdem gaben im Nachhinein einige damalige High School Schüler zu, sich im Sommer 1969 ein Gorillakostüm angezogen zu haben, um bei Lake Worth einige Leute zu erschrecken.</p>



<p>Ein weiterer ehemaliger High School Schüler meldete zudem in einem Brief an das Fort Worth Star-Telegram, dass er mit zwei Mitschülern und einer Maske aus Alufolie im Sommer 1969 einige Passanten erschreckt habe.</p>



<p>Und auch ein Zwingerbesitzer gab noch im Sommer 1969 bekannt, dass ihm ein Makake entlaufen sei, der in der Gegend gesichtet worden sein konnte.</p>



<p>Die Polizei hingegen ging davon aus, dass es sich bei den Sichtungen um einen Luchs gehandelt haben könnte, der kurz vor den Sichtungen in dem Wald ausgesetzt wurde.</p>



<p>Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, wieso die Augenzeugen – vielleicht mit dem Maryland Goatman im Hinterkopf – der Meinung waren, das Lake Worth Monster gesehen zu haben. Auch würde es erklären, woher die Beschreibung „halb Ziege halb Mensch“ komme, die auch auf den Maryland Goatman zutrifft.</p>



<p>Erwähnenswert ist außerdem, dass es sich bei der Gegend früher um eine Lovers Lane gehandelt hat, bei denen es überall auf der Welt durchaus vorkommt, dass einige Schülerinnen und Schüler dort Streiche spielen.</p>



<p>Unterstützt werden diese Vermutungen durch den Fakt, dass die Sichtungen des Lake Worth Monsters zusammen mit dem Ende der Schulferien abrupt abgenommen haben.</p>



<p>Trotzdem gibt es noch immer viele Leute – besonders die Menschen, die dem Monster persönlich begegnet sein wollen –, die meinen, es habe sich definitiv nicht um einen Affen, eine Wildkatze oder gar eine kostümierte Person gehandelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Lake Worth Monster in der Popkultur:</h3>



<p>Es gibt in Fort Worth ein ganzes Fest, das dem Lake Worth Monster gewidmet ist: der Lake Worth Monster Bash. Erstmals fand es 2009 statt, woraufhin es jährlich veranstaltet wurde. 2014 entschied man jedoch, das Fest nur noch alle 5 Jahre zu veranstalten. Nachdem das Fest je 2014, 2019 und 2024 stattgefunden hat, wurde entschieden, es wieder etwas häufiger anzusetzen, weshalb der nächste Lake Worth Monster Bash am 24. Oktober 2026 stattfinden soll.</p>



<p>Außerdem gibt es zwei durchaus erwähnenswerte Bücher über das Lake Worth Monster.</p>



<p>Das erste ist „The Lake Worth Monster of Greer Island, Ft. Worth, Texas“ von Sallie Ann Clarke (September 1969), das – in Ergänzung einiger von der Autorin ausgedachten Begegnungen – die Sichtungen von 1969 nacherzählt. Clarke war bis zu ihrem Tod 2009 eine der führenden Experten zu der Kreatur und will das Wesen selbst ganze fünf Mal gesehen haben.</p>



<p>Das zweite Buch ist „Lake Worth Monster: The True Story of the Greer Island Goatman“ von Lyle Blackburn (2024). Es berichtet mit viel Detail über die zusammengetragenen Informationen zum Lake Worth Monster. Ich habe es selbst für die Recherche gelesen (wobei ich besonders die Nacherzählungen der ersten Sichtungen sowie die Fotos der Zeitungsartikel von 1969 sehr interessant fand).</p>



<p>Ansonsten gibt es zahlreiche Podcasts, YouTube-Videos und sogar Folgen verschiedener Dokuserien, die von dem Monster berichten, sowie Zeichnungen, die das Lake Worth Monster darstellen. Die Lakewood Brewing Company hat sogar eine limitierte Edition ihres Biers herausgebracht, dass eine Hommage an das Lake Worth Monster dargestellt hat.</p>



<p><em>Was haltet ihr von dem Lake Worth Monster? Glaubt ihr, dass es sich nur um eine Kombination aus Sichtungen von wilden Tieren und Streichen handelt? Oder ist mehr an der Sache dran? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-lake-worth-monster">The Lake Worth Monster – Das Monster von Lake Worth</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/the-lake-worth-monster/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Dec 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[christliche Legende]]></category>
		<category><![CDATA[christliche Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Dämon]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[griechische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[griechische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kallikantzaroi]]></category>
		<category><![CDATA[Kallikantzaros]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtslegende]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtslegenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3333</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wieder dieser besorgte, mitleidgeschwängerte Blick. Ich konnte ihn nicht länger ertragen! Ich war nicht senil. Und vor allem war ich nicht verrückt. Was dachten meine Kinder von mir? Dass ich meinen eigenen Weihnachtsbaum anpissen würde!?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi">Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/5d8849c78b424a94bd9c460c5375c037" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Kallikantzaroi sind eine bekannte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">Weihnachtslegende</a> in Griechenland. Es heißt, dass diese koboldartigen Wesen dort jedes Jahr um die Weihnachtszeit Unruhe stiften.</p>



<p>Außerdem hier noch ein kurzer Hinweis: Auf Wunsch eines Patrons habe ich jetzt eine <a href="https://ko-fi.com/geisterlegenden">Ko-fi Seite</a>, auf der ihr mich – wenn ihr möchtet – mit einer einmaligen oder monatlichen Zahlung unterstützen könnt.</p>



<p>Jetzt will ich euch aber nicht weiter warten lassen. Wir sehen uns nach meiner Winterpause wieder und ich wünsche euch bis dahin frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und …</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Krankheit: Demenz</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Als ich nach Hause kam, merkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Ich hörte Geräusche aus dem Wohnzimmer. Das Problem war: Ich wohnte allein.</p>



<p>Kurz überlegte ich, ob ich nicht bei der Wohnung gegenüber klopfen solle, jemandem Bescheid sagen. Aber nein. Was auch immer das war, ich wollte meine Nachbarn damit nicht bei ihrem Weihnachtsfest stören. Also ging ich mit vorsichtigen Schritten zum Wohnzimmer. „Hallo? Wer ist da?“, rief ich.</p>



<p>„Baba?“, antwortete eine Stimme.</p>



<p>Ich atmete erleichtert auf. Das war Ilias. „Ich dachte, du willst erst heute Abend kommen?“, fragte ich, während ich das Wohnzimmer betrat.</p>



<p>Mein Sohn stand in der Mitte des Raumes vor meinem Fernsehsessel und sah nun in meine Richtung. „Was ist hier passiert?“, fragte er, ohne auf meine Frage einzugehen.</p>



<p>Ich sah mich im Raum um. Dort stand der Weihnachtsbaum, über dem Fernseher hing eine goldfarbene Girlande und auf der Fensterbank standen einige zugeschneite Häuschen mit ausgeschalteter Beleuchtung. „Was ist wo passiert?“, fragte ich. Wie so oft konnte ich seinem Gedankengang nicht ganz folgen.</p>



<p>Ilias nickte Richtung Sessel. „Na hier. Wie hast du das geschafft?“, fragte er.</p>



<p>Noch immer irritiert trat ich nun neben ihn. Jetzt sah ich es auch. Die Fußstütze hing schief. Es musste irgendetwas gebrochen sein.</p>



<p>„Keine Ahnung“, sagte ich. Ich runzelte die Stirn. Wann war das passiert? Gestern Abend war mit dem Sessel doch noch alles in Ordnung gewesen, oder?</p>



<p>Ilias wirkte nicht sehr überzeugt. „Wenn du mich fragst, sieht das aus, als wäre etwas oder <em>jemand</em> auf das Fußteil gestürzt, als es ausgeklappt war.“ Sofort musterte er mich, als suche er nach irgendwelchen Verletzungen.</p>



<p>Ich schnaubte. „Das hätte ich ja wohl mitbekommen. Keine Ahnung, wie das passiert ist.“ Toll. Da sah ich meinen Sohn nach fast einem Jahr zum ersten Mal wieder und das erste, was er machte, waren Vorwürfe. Dabei hätte doch vielmehr <em>ich ihm</em> Vorwürfe machen sollen, dass er mich so selten besuchte, obwohl wir in derselben Stadt wohnten.</p>



<p>Ilias sah mich noch eine Weile unzufrieden an. Dann jedoch wurde seine Miene sanfter. Er nahm mich in den Arm. „Hey Baba. Es tut gut, dich wiederzusehen“, log er.</p>



<p>Ich unterdrückte ein Schnaufen. Stattdessen fiel mein Blick auf das Fenster, vor dem auch die kleinen Häuschen standen. Erst jetzt merkte ich, dass es einen Spalt breit offenstand. „Und was ist mit dem Fenster?“, fragte ich, während ich darauf zuging, um es zu schließen. „Willst du uns krank machen oder warum ist es so kalt hier drinnen?“</p>



<p>Ilias verlagerte das Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Er wich meinem Blick aus. „Na ja, es …“, sagte er dann zögerlich. „Es hat nicht gerade angenehm gerochen, als ich reingekommen bin“, erklärte er. Es war ihm sichtlich unangenehm, mich darauf anzusprechen. Dann jedoch sah er mich an, als verlange er eine Erklärung.</p>



<p>Wieder runzelte ich die Stirn. Es hatte gestunken? Aber in meiner Wohnung stank es nicht. Das wäre mir aufgefallen. Oder?</p>



<p>Jetzt seufzte Ilias. „Tut mir leid. Ich wollte dir nicht zu nahetreten. Ich hätte nichts sagen sollen.“ Bevor ich protestieren konnte, wechselte er jedoch das Thema. „Warum ich aber eigentlich so früh hier bin: Ich dachte, wir können vielleicht zusammen das Weihnachtsessen kochen. Ich weiß doch, wie lange du dafür immer in der Küche stehst.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Während des Kochens blieb die Stimmung angespannt. Ilias gab sich wirklich Mühe, das merkte ich. Aber er war einfach kein guter Koch. Es war mir ein Rätsel, wie er sich das Jahr über allein ernähren konnte.</p>



<p>„Wie sieht es eigentlich mit einer Freundin aus?“, fragte ich. „Hast du inzwischen jemanden kennengelernt? Deine Schwester hat jetzt ja auch endlich geheiratet.“</p>



<p>Ilias schüttelte den Kopf. „Nein. Ich komm so weit ganz gut ohne Frau zurecht. Aber irgendwann treff ich schon die Richtige.“</p>



<p>Ich lächelte ihm aufmunternd zu. „Es gibt da ja auch diese Apps …“, schlug ich vor.</p>



<p>Das hingegen schien ihn zu verärgern. „Können wir bitte über was anderes reden?“, fuhr er mich an. „Ich misch mich ja auch nicht in dein Privatleben ein!“</p>



<p>So ähnlich lief auch das restliche Kochen und sogar das gemeinsame Essen ab. Und so verging ein viel zu langer Abend, an dem mein Sohn und ich kaum ein Wort wechselten. Aber das machte mir nicht allzu viel aus. Trotz allem war es schön, mal nicht allein essen zu müssen. Außerdem hatte ich ja noch genug Tage, an denen ich mich vernünftig mit Ilias unterhalten konnte, ehe er am 06. Januar – dem Ende des 12-tägigen Weihnachtsfestes hier in Griechenland – wieder in der Versenkung verschwand. Noch ahnte ich ja nicht, dass unsere mangelhafte Vater-Sohn-Beziehung nicht mein einziges Problem werden würde.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Tag kam Ilias erst kurz vor dem Abendessen. Ich hatte bereits das Hoirino Prasoselino von gestern auf dem Herd stehen, sodass er nur noch meinen kleinen Esstisch decken musste.</p>



<p>Währenddessen nahm ich mir vor, heute nicht wieder irgendwelche ungemütlichen Themen wie Beziehungen, seinen Job oder gar meinen Wunsch, Enkelkinder zu bekommen, anzusprechen.</p>



<p>Und so wechselten wir kaum ein Wort, bis wir gemeinsam vor unseren dampfenden Tellern saßen.</p>



<p>„Guten Appetit“, sagte Ilias fast sofort, ehe er sich schnell einen Löffel der Suppe in den Mund steckte. Ihm schien die Stille mindestens genauso unangenehm zu sein wie mir.</p>



<p>Das änderte sich jedoch in den nächsten Sekunden. Ich sah, wie er fast sofort das Gesicht verzog. Trotzdem kaute er übertrieben langsam und schluckte den Bissen dann in einem viel zu großen Schluck hinunter.</p>



<p>„Was ist?“, fragte ich. Gestern hatte ihm das Essen noch sehr gut geschmeckt.</p>



<p>Die Frage erübrigte sich jedoch, als ich selbst einen Löffel des Schweine-Sellerie-Eintopfes in den Mund nahm. Sofort breitete sich ein widerwärtiges Aroma in meinem Mund aus. Es war ein viel zu bitterer, leicht salziger Geschmack, von dem gestern noch jede Spur gefehlt hatte.</p>



<p>Ich spuckte das Essen zurück auf meinen Teller. „Das ist ja widerlich“, sagte ich, während ich mir den Mund mit meinem Handrücken abwischte.</p>



<p>„Hast du da noch irgendetwas reingetan?“, fragte Ilias.</p>



<p>Ich zögerte.</p>



<p>„Hast du?“, hakte er nach.</p>



<p>„Na ja, ich habe es ein wenig nachgewürzt. Aber wirklich nur mit etwas Salz und getrockneten Kräutern.“ Und ja, ich hatte es nicht abgeschmeckt. Aber selbst, wenn ich mich bei den Gewürzen vergriffen oder mich bei der Menge geirrt hätte, wäre der Eintopf davon doch niemals derartig verdorben worden!</p>



<p>Trotzdem sah mein Sohn mich wieder mit diesem Blick an. Es war derselbe Blick, den er mir auch bei dem Sessel gestern zugeworfen hatte. Als würde er mir nicht glauben. Als wäre ich schuld an der gebrochenen Fußstütze und dem verdorbenen Essen. Dabei war mir beides ein genauso großes Rätsel wie ihm.</p>



<p>Ich kippte den restlichen Eintopf weg. Kurz darauf saßen wir wieder mit knurrenden Mägen am Esszimmertisch.</p>



<p>„Und jetzt?“, fragte Ilias. „Sollen wir gucken, ob wir noch irgendwo etwas bestellen können?“</p>



<p>Aber ich schüttelte den Kopf. „Ich geh schnell rüber zu Frau Georgiou. Meine Nachbarin macht immer zu viel“, erklärte ich.</p>



<p>Es war Ilias unangenehm, das erkannte ich sofort. Aber er kam aus einer Generation, in der man kaum noch mit seinen Nachbarn sprach. Bei uns alten Hasen war das noch anders. Und so saßen wir kurze Zeit später erneut mit zwei Portionen Hoirino Prasoselino am Esstisch. Es war ein leicht anderes Rezept als meines, aber es schmeckte mir ganz ausgezeichnet. Ich fand sogar, dass es trotz allem ein wirklich netter Abend wurde, an dem Ilias und ich uns hauptsächlich über alte Zeiten und Basketball unterhielten.</p>



<p>Trotzdem dachte ich auch in der Nacht, als Ilias bereits wieder gegangen war, noch die ganze Zeit über den verdorbenen Eintopf nach. Wie zur Hölle konnte mir das nur passiert sein?</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auch die folgenden Tage fühlte ich mich, als wäre ich nicht ganz auf der Höhe. Zwar geschah nichts so Verheerendes wie an den beiden ersten Tagen, aber es passierte mehr als einmal, dass ich irgendetwas verlegte. Ich musste nach der Fernbedienung suchen, die mein Sohn eine Viertelstunde später im Kühlschrank wiederfand. Ilias’ Lieblingspralinen, die ich extra für die Weihnachtszeit geholt hatte, waren unauffindbar. Und sogar das Geschenk für ihn war wie vom Erdboden verschluckt. Wenigstens hatte ich bei Letzterem noch bis zum ersten Januar Zeit, es zu finden – denn hier in Griechenland gab es die Weihnachtsgeschenke immer erst am Neujahrstag.</p>



<p>„Baba?“, fragte Ilias mit einer seltsam belegten Stimme, als ich am Abend des 29. gerade in der Küche stand und uns Schnittchen schmierte.</p>



<p>„Was denn?“, fragte ich. Ich lugte aus der Küche, um Ilias über den Obstteller am Fernsehtisch gebeugt zu sehen.</p>



<p>„Wie lange liegen die Äpfel schon hier?“, fragte er.</p>



<p>Ich dachte einen Moment darüber nach. „Ich hab sie kurz vor Weihnachten geholt. Es kann sein, dass sie schon etwas schrumpelig sind, aber wenn du möchtest, kannst du dir gerne einen nehmen.“</p>



<p>Ilias räusperte sich. „<em>Etwas schrumpelig</em> ist gut. Die Teile sind völlig verschimmelt“, er hob einen der Äpfel mit Daumen und Zeigefinger am Stiel hoch, um ihn mir zu zeigen. Er hatte recht. Der Apfel war braun. Auf ihm hatten sich unzählige weiße Schimmelflecken gebildet.</p>



<p>Ich legte die halbgeschmierte Brotscheibe, die ich in der Hand hielt, beiseite, um zu ihm ins Wohnzimmer zu gehen. „Das ist seltsam“, dachte ich laut. „Wie können die Äpfel so schnell verfault sein?“</p>



<p>Ilias schnupperte leicht daran. Sofort zog er den Kopf zurück. Sein Gesicht war vor ekel verzogen. „Bist du sicher, dass die erst so kurz hier liegen? Ich glaube, es sind die Äpfel, die seit ein paar Tagen so stinken.“</p>



<p>Mit gerunzelter Stirn schnupperte auch ich daran. Ich war nicht zimperlich, also nahm ich einen vollen Zug durch die Nase. Sofort musste ich würgen. Es roch aber nicht nach verfaultem Obst. Es lag keinerlei Süße in dem Gestank. Der Apfel roch vielmehr nach … ja, nach nassem Fell oder etwas Ähnlichem. Sofort kam mir eine Sache in den Kopf, die den Geruch und sogar die seltsamen Vorkommnisse erklären könnte: die Kallikantzaroi.</p>



<p>Ich sprach den Gedanken nicht laut aus. So wie mein Sohn mich gerade ansah, würde er mich wahrscheinlich sofort einweisen lassen, wenn ich meinte, dass die mysteriösen Ereignisse der letzten Tage von koboldartigen Wesen aus der Unterwelt verursacht wurden.</p>



<p>Mein Sohn war noch nie ein gläubiger Mensch gewesen. Verdammt. Ich selbst war alles andere als ein gottesfürchtiger Christ. Also schob ich den Gedanken wieder beiseite. Er wollte mich aber nicht mehr loslassen. Während Ilias die Äpfel entsorgte, während ich die Schnittchen fertigschmierte und sogar als wir sie bei einem Basketballspiel vor dem Fernsehen aßen, schweiften meine Gedanken immer wieder zu den Wesen ab.</p>



<p>Aber wahrscheinlich muss ich mit meiner Erklärung etwas weiter ausholen. Ich bezweifle fast, dass ihr diese Märchengestalten kennt.</p>



<p>Die Kallikantzaroi sind eine beliebte Weihnachtslegende hier in Griechenland. Vor langer Zeit waren sie wohl mal gefürchtet, aber inzwischen kannten die meisten Leute sie nur noch aus den Weihnachtsschauspielstücken in Schulen und von einigen Traditionen um die Weihnachtszeit. Ich selbst kannte sie ansonsten auch nur von den Gruselgeschichten meiner Großmutter.</p>



<p>Der Legende nach lebten diese koboldartigen Wesen das meiste Jahr über in der Unterwelt, wo sie den Lebensbaum zerstören. Aber meine Großmutter meinte immer, sie seien die Diener des Teufels und würden ihm all seine schrecklichen Wünsche erfüllen. Das heißt, bis auf in der kurzen Zeit, in der sie die Unterwelt verließen – die zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 5. Januar, an denen wir in Griechenland Weihnachten feiern.</p>



<p>In dieser Zeit kommen sie in die Städte und Dörfer, wo sie die Menschen terrorisieren und ihnen Streiche spielen. Es heißt, dass sie Gegenstände zerstören, stehlen und verstecken, dass sie Obst und Milch schlecht werden lassen, dass sie in Essen urinieren und noch allen möglichen anderen Schabernack treiben. Kommt euch das bekannt vor? Ich zumindest fand es einen zu großen Zufall, um es zu ignorieren.</p>



<p>Aber zum Glück hatte meine Oma mir nicht bloß von den Wesen erzählt, sie hatte mir auch erklärt, wie man sie loswerden und vom eigenen Haus beziehungsweise der eigenen Wohnung ablenken konnte.</p>



<p>Die wohl einfachste Methode war, ein Sieb vor die Haustür zu legen. Das brachte Kallikantzaroi dazu, die Löcher darin zu zählen. Allerdings waren die Wesen nicht sonderlich schlau. Meine Großmutter hatte gesagt, dass sie nicht einmal bis drei zählen können und sich so immer wieder verzählen, weshalb sie wieder bei eins anfangen mussten, bis die Nacht zu Ende war. Als ich klein war, hatte ich darüber gelacht.</p>



<p>Jetzt, da ich ein erwachsener Mann war, selbst in dem Alter, dass ich bald Enkelkinder erwarten konnte, fand ich es nicht mehr so lustig. Stattdessen stand ich auf und ging in die Küche.</p>



<p>Ilias sah mir nach. Aber da man von der Küche aus in den Flur gehen konnte, von wo aus man ins Bad kam, fragte er nicht, wo ich hinwollte. Ich ging aber nicht auf die Toilette. Nein. Ich holte mein Küchensieb aus dem Schrank, ging damit zur Wohnungstür und legte es nach draußen auf die Fußmatte. Anschließend ging ich zurück zu meinem Sohn, um mit ihm gemeinsam das Basketballspiel weiterzusehen – diesmal trotz all der Vorkommnisse mit einem guten Gefühl im Bauch.</p>



<p>Und was soll ich sagen? Es hätte perfekt sein können. Wahrscheinlich hätte es sogar funktioniert, hätte ich nicht eine Kleinigkeit vergessen.</p>



<p>„Wir sehen uns morgen, Baba“, verabschiedete sich Ilias von mir. „Wieder um die gleiche Zeit?“</p>



<p>Ich nickte. „Gern. Bring ruhig Kuchen mit. Ich geb dir das Geld dafür, wenn du hier bist“, schlug ich vor.</p>



<p>„Mach ich.“ Ilias lächelte mich an. Es war ein ehrliches Lächeln. Als hätte er die verfaulten Äpfel und all die anderen Dinge, wegen denen er sich um mich sorgte, für einen Moment vergessen. „Also dann“, sagte er, während er vor die Tür trat.</p>



<p>Im nächsten Moment folgte ein lautes Scheppern. Ilias konnte sich gerade noch fangen. Fast wäre er gestürzt. Dann bückte er sich nach einem metallenen Gegenstand, der am Boden lag. Er musterte ihn für einen Augenblick.</p>



<p>„Ist das nicht dein Küchensieb?“, fragte er mit tiefen Falten in der Stirn. „Wie ist das in den Flur gekommen? Und jetzt sag mir bitte nicht, dass du es nicht weißt.“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. Peinlich berührt sah ich zu Boden. „Nein. Ich weiß es. Ich hab es selbst dort hingelegt. Es ist eine Art … Vorsichtsmaßnahme“, erklärte ich.</p>



<p>„Eine Vorsichtsmaßnahme?“, wiederholte er. Die Falten in seiner Stirn machten inzwischen der Vikos-Schlucht Konkurrenz.</p>



<p>Kurz überlegte ich, ihn abzuwimmeln und es ihm morgen zu erklären, dann jedoch hielt ich meine Tür auf, um ihn wieder reinzulassen. Das Gespräch würde länger dauern. „Du kennst doch die Kallikantzaroi, oder?“, begann ich.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ilias hatte mir geduldig zugehört, während ich ihm von meiner Theorie erzählt hatte. Er hatte dabei ganz ruhig dagesessen. Zu ruhig, wie ich fand.</p>



<p>„Du denkst also, dass das Sieb dafür sorgt, dass du nichts mehr verlegst? Dass das Essen in deiner Wohnung genießbar bleibt?“, fragte er leise. „Hast du dabei auch nur einmal darüber nachgedacht, was passiert, wenn einer deiner Nachbarn über das Sieb stolpert? So wie ich eben?“ Aber seine Tonlage klang nicht, als würde er sich um meine Nachbarn sorgen. Es klang eher nach: „Es reicht, wenn deine Kinder dich für senil halten. Das müssen nicht auch noch deine Nachbarn tun.“</p>



<p>Ich seufzte schwer. „Ich sage ja nur, dass das Sieb die Probleme lösen könnte. Was ist, wenn es tatsächlich klappt? Wir können das Sieb weiter an den Rand legen, wenn es dich beruhigt.“</p>



<p>„Du willst es nicht wahrhaben, oder?“, fragte Ilias. Seine Stimme klang wieder so seltsam belegt. Und als er mich ansah, hatte ich eher das Gefühl, als sähe er direkt durch mich hindurch. „Du willst nicht wahrhaben, dass du nicht mehr der Jüngste bist. Unsere Familie hat eine Veranlagung für Demenz. Zumindest hat Mama das immer gesagt.“</p>



<p>„Nein!“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Das ist es nicht! Anderes Beispiel: Ich bewahre Geschenke immer an derselben Stelle in meinem Kleiderschrank auf. Schon seit Jahren. Aber als ich neulich ein Hemd aus dem Schrank geholt habe, war dein Geschenk weg. Einfach verschwunden!“</p>



<p>Eine Pause entstand. „Du hast mein Weihnachtsgeschenk verlegt?“, fragte Ilias. Seine Stimme klang aber nicht vorwurfsvoll, sondern vielmehr besorgt.</p>



<p>„Du hörst mir nicht richtig zu!“, protestierte ich. „Das war nicht ich, sondern die Kallikantzaroi! Sie haben das Geschenk geklaut. Sie haben auch die Fernbedienung versteckt, meinen Sessel zerstört, unser Weihnachtsessen verdorben und die Äpfel verschimmeln lassen!“</p>



<p>Jetzt schloss Ilias die Augen. Es sah aus, als wenn es ihn große Anstrengung kostete, ruhig zu bleiben. „Okay. Keine Demenz. Wie du willst. Aber selbst dann gibt es noch so viele Dinge, die wahrscheinlicher sind als irgendwelche mythologischen Kobolde! Kann es vielleicht sein, dass du schlafwandelst?“</p>



<p>So ging das noch eine ganze Weile weiter. Es war ein langes Hin und Her, bei dem wir uns kaum einen Millimeter von unserer eigenen Meinung wegbewegten. Ich erspare euch an dieser Stelle die Details. Am Ende einigten wir uns jedenfalls darauf, dass Ilias bei mir übernachten sollte. Er pumpte eine Luftmatratze auf, um bei mir im Schlafzimmer zu schlafen. Nur für den Fall, dass diese Nacht „wieder etwas passiert“.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auch wenn ich es am Anfang albern fand, war ich Ilias im Nachhinein dankbar. Nicht, weil er mir Gesellschaft leistete oder nur das Beste für mich wollte, sondern weil sein Schnarchen mich wachhielt.</p>



<p>Ansonsten hätte ich die Geräusche wohl gar nicht mitbekommen, die gegen 23 Uhr aus meinem Wohnzimmer ertönten.</p>



<p>Obwohl ich eben noch mit aller Kraft versucht hatte, endlich einzuschlafen, lag ich jetzt mit weit aufgerissenen Augen im Bett.</p>



<p><em>Tapp, tapp, tapp, tapp, tapp.</em> Kein Zweifel. Das waren eindeutig leise Schritte!</p>



<p>Schnell schwang ich die Beine aus dem Bett. Ich schlüpfte in meine Hausschuhe und richtete mich auf. Die Geräusche waren verstummt. Ich durfte keine Zeit verlieren!</p>



<p>Also stürmte ich aus dem Zimmer. Meine Hausschuhe schlappten an meinen Füßen. Als ich das Wohnzimmer erreicht hatte, schaltete ich sofort das Licht an. Hektisch sah ich mich um. Von irgendeinem seltsamen Wesen war nichts zu sehen. Dafür lag ein unverkennbarer Geruch in der Luft. Es war derselbe Gestank, der auch die verfaulten Äpfel umgeben hatte.</p>



<p>„Komm schon!“, rief ich. „Zeig dich, du Mistvieh!“</p>



<p>Keine Reaktion. Natürlich nicht. Dafür fiel mein Blick auf eine gelbliche Pfütze unter dem Weihnachtsbaum. Ich konnte die Pisse bereits riechen, als ich darauf zuging. Das war der Beweis!</p>



<p>„Ilias!“, rief ich. „Ilias, wach auf! Das musst du dir ansehen!“</p>



<p>Kurz darauf kam ein völlig verschlafener Ilias in T-Shirt und Unterhose aus dem Schlafzimmer getorkelt. „Was? Was ist denn?“, nuschelte er. Er rieb sich mit den Händen über die Augen.</p>



<p>„Sieh dir das an!“, schrie ich vor Begeisterung. „Sie haben mir in die Wohnung gepisst. Die Kallikantzaroi haben den Weihnachtsbaum angepisst!“ Vielleicht klang ich etwas zu begeistert dafür, dass ich gerade eine Urinpfütze in meinem Wohnzimmer gefunden hatte.</p>



<p>Ilias hatte mich unterdessen erreicht. Ihm entglitten sämtliche Gesichtszüge, während er zwischen der Pfütze und mir hin und her sah. Danach griff er sich mit Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel. Er schloss die Augen, während er sie massierte.</p>



<p>„Hör mal, Baba“, sagte er leise. „Ich weiß, das ist vielleicht nicht die beste Zeit, um das anzusprechen, aber Anastasia und ich haben neulich telefoniert. Ich hab ihr von deinen … Problemen erzählt. Wir wissen, dass es seit Mamas Tod nicht einfach für dich ist. Vielleicht bist du ja auch einfach überfordert. Aber wir denken, dass du vielleicht nicht mehr allein wohnen solltest. Es gibt da eine sehr schöne Einrichtung ganz in der Nähe, die …“</p>



<p>Weiter kam er nicht. „Ihr wollt mich in ein Heim abschieben?“, fuhr ich ihn an. „Wo ist deine Schwester denn, wenn ich es doch allein nicht hinbekomme? Wo ist sie? Sie lässt sich nicht einmal zu Weihnachten mehr bei mir blicken!“</p>



<p>Ilias ging sofort in Abwehrhaltung. Er hob beschwichtigend die Arme. „So ist das doch gar nicht! Sie ist bei ihren Schwiegereltern. Das weißt du. Außerdem ist es kein Heim, sondern lediglich betreutes Wohnen“, versuchte er, sich herauszureden.</p>



<p>Aber ich wollte davon nichts hören. Ich war bereits auf den Weg ins Schlafzimmer, wo ich nach meiner Hose griff.</p>



<p>Ilias war mir dicht auf den Fersen. „Wohin willst du?“, fragte er.</p>



<p>„Ich geh zur Kirche“, fuhr ich ihn an. „Vielleicht erwische ich ja noch einen Hausmeister oder so, der mich reinlassen kann. Wenn ich in der Wohnung Weihwasser verteile, hat es sich mit den Kallikantzaroi erledigt!“</p>



<p>Wieder dieser besorgte, mitleidgeschwängerte Blick. Ich konnte ihn nicht länger ertragen! Ich war nicht senil. Und vor allem war ich nicht verrückt. Was dachten meine Kinder von mir? Dass ich meinen eigenen Weihnachtsbaum anpissen würde!?</p>



<p>„Warte, Baba“, sagte Ilias.</p>



<p>„Nein! Ich lass mich nicht länger bevormunden!“, fuhr ich ihn an.</p>



<p>Ilias’ Blick wirkte seltsam leer. „So meinte ich das nicht“, sagte er ruhig. „Lass mich zur Kirche gehen. Ich hol dir dein Weihwasser. Aber wenn es danach nicht aufhört, setzen wir uns zusammen hin und reden über das betreute Wohnen, okay?“</p>



<p>Meine Augen verengten sich zu Schlitzen. Dann aber nickte ich. Ich wusste, dass das Weihwasser helfen würde. Und wenn nicht … Wenn nicht, lag es ja vielleicht wirklich an mir. „Abgemacht“, sagte ich.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Wenige Minuten später kniete ich mit Küchenpapier, Lappen und Eimer im Wohnzimmer und war dabei, die stinkende Pfütze aufzuwischen, während Ilias sich auf den Weg zur Kirche gemacht hatte.</p>



<p>Aus der Nähe war der Gestank so intensiv, dass ich durch den Mund atmen musste. Nur einmal machte ich den Fehler, kurz durch die Nase Luft zu holen. Mein Körper dankte es mir sofort mit einem Würgen.</p>



<p>Dann jedoch bemerkte ich eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Ich starrte durch die offene Tür zum Flur, der hell erleuchtet dalag. Dort sah ich nichts Ungewöhnliches. Hatte ich es mir bloß eingebildet?</p>



<p>Nein! Da war es wieder! Es war aber nicht im Flur, sondern es war die Tür selbst. Sie hatte sich minimal bewegt. Jetzt konnte ich auch die dunkle Gestalt dahinter erkennen, die dicht an die Wand gedrängt dastand. Sie war nicht größer als ein Kind.</p>



<p>„Da bist du ja“, murmelte ich, während ich aufstand. Dabei ließ ich den Blick nicht von dem Schatten weichen.</p>



<p>Das versetzte den Kallikantzaros – wie sie in der Einzahl heißen – in Alarmbereitschaft. Ich erhaschte einen Blick auf ihn, während er aus seinem Versteck flitzte. Es war eine kleine graue Gestalt. Er hatte keine Haare am Oberkörper oder auf dem Kopf mit den langen spitzen Ohren. Dafür waren seine Beine umso haariger. Sie waren von braunem Fell überzogen und endeten in zwei dunkelgraue Paarhufe wie bei einer Ziege.</p>



<p>Im nächsten Moment war er auch schon im Flur verschwunden. Ich nahm sofort die Verfolgung auf. Aber mein Körper war wirklich nicht mehr der Jüngste. Als ich den Flur erreichte, fehlte von dem Kallikantzaros jede Spur. Hektisch sah ich mich um. Wo war er hin? Jetzt fiel mir etwas anderes auf: der Gestank. Ich musste nur meiner Nase folgen!</p>



<p>Also lief ich schnuppernd weiter. Zuerst schnupperte ich an der Haustür. Aber nein, hier wurde der Gestank schwächer. Dann in der Küche und im Badezimmer. Auch nichts. Also blieb nur noch das Schlafzimmer!</p>



<p>Aber ich musste nicht einmal Luft holen, um zu merken, dass ich richtig war. Der Kallikantzaros stand mitten im Raum, sah unentschlossen nach links und rechts, als suche er nach einem passenden Versteck.</p>



<p>„Hab ich dich!“, schrie ich. Ich stürmte mit ausgestreckten Händen auf ihn zu, um ihn zu packen.</p>



<p>Der Kallikantzaros versuchte jedoch nicht einmal, auszuweichen. Stattdessen drehte er sich zu mir um. Er ergriff meine Hände, als wolle er mit mir ringen. Dann aber streckte er bloß den einen Arm zur Seite aus, während er mich mit dem anderen an sich zog.</p>



<p>Für einen Moment standen wir nun völlig reglos da. Der Gestank der Kreatur ließ Tränen in mir aufsteigen, während er mich mit gelben Zähnen angrinste. Es musste in etwa so aussehen, als wolle die Kreatur mit mir einen Walzer tanzen.</p>



<p>Plötzlich weiteten sich meine Augen, während mir ein Gedanke in meinen Kopf schoss. Es war eine Erinnerung. Oma hatte mir doch mal erzählt, dass Kallikantzaroi gerne tanzen. Sie suchten Menschen, die zu Weihnachten allein waren und verwickelten sie in einen nahezu endlosen Tanz. Sie hörten erst damit auf, wenn der Mensch vor Erschöpfung zusammenbrach oder sie ihn in den Wahnsinn getrieben hatten.</p>



<p>Sofort versuchte ich, mich von dem Ding zu lösen, meine Hände zurückzuziehen. Aber es war zu spät. Der Kallikantzaros hatte bereits angefangen, nach einer stummen Melodie zu tanzen. Und mein Körper machte einfach mit. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle.</p>



<p>Erst waren es noch langsame Schritte, dann wurde der Tanz hektischer. Schneller und schneller drehten wir uns im Takt umeinander durch mein Schlafzimmer. Es dauerte nicht lange, bis mein gesamter Körper schmerzte. Ich war völlig außer Atem. Mein viel zu schnell pochendes Herz donnerte mir in den Ohren. Solch schnelle Bewegungen war ich nicht mehr gewohnt.</p>



<p>Was sollte ich nur tun? Mein Körper gehorchte mir nicht mehr. Ich konnte bloß mitansehen, wie sich mein Schlafzimmer, der Kleiderschrank, das ungemachte Bett, Ilias’ Luftmatratze um mich drehten.</p>



<p>Dann jedoch hörte ich einen Schlüssel in der Haustür. „Ich bin wieder da!“, sagte Ilias gerade so laut, dass ich es verstehen konnte. „Ich hab dein Weihwasser bekommen.“</p>



<p>Schritte.</p>



<p>„Baba? Baba, wo bist du?“, fragte Ilias.</p>



<p>Ich wollte nach ihm schreien, auf mich aufmerksam machen, ihn um Hilfe bitten. Aber auch meine Stimme wollte mir nicht mehr gehorchen.</p>



<p>Zum Glück hörte ich bereits weitere Schritte aus dem Flur. „Baba?“, rief Ilias wieder. Im nächsten Moment stand er in der Schlafzimmertür. „Baba, was tust du denn!?“ Entsetzen lag in seiner Stimme. Dann musste er die kleine Kreatur in meinen Armen bemerkt haben. „Was zur Hölle …?“</p>



<p>Aber der Kallikantzaros ließ sich von Ilias nicht beunruhigen. Er grinste mich bloß weiter mit an, während er mit mir tanzte.</p>



<p>Mir war inzwischen völlig schwindelig. Ob es an der ständigen Drehung oder meiner Erschöpfung lag, wusste ich nicht. Dafür wusste ich etwas anderes: Lange würde ich das nicht mehr durchhalten!</p>



<p>In den flüchtigen Momenten, in denen ich Ilias sah, merkte ich jetzt, wie er auf uns zukam. Erst versuchte er, die Kreatur zu packen, doch ihr flinker Körper rutschte ihm immer wieder aus den Händen.</p>



<p>Also versuchte Ilias sein Glück bei mir. „Baba. Hör auf!“, flehte er. Ich spürte, wie er mich packte. Kräftige Hände griffen nach meinen Armen. Er rutschte ab und kratzte mir mit einem Fingernagel eine Schramme in die Haut. Dann griff er nach meinem T-Shirt. Ich fühlte, wie er von unserem Tanz mitgerissen wurde. Aber bevor er stürzen konnte, gab der Stoff mit einem ratschenden Geräusch nach.</p>



<p>„Scheiße!“, fluchte Ilias.</p>



<p>Der Kallikantzaros antwortete mit einem dreckigen Lachen.</p>



<p>Aber Ilias gab nicht auf. Ich hörte das Knacken von Plastik. Es klang so, als drehe er hektisch den Deckel von einer Plastikflasche. Im nächsten Moment spürte ich einen Schwall kaltes Wasser, dass mich an der Seite traf und … ich war frei.</p>



<p>Der Boden kam mir entgegen, sodass ich mich auf meinen Knien und Armen auffangen musste. Noch immer drehte sich alles.</p>



<p>Trotzdem zwang ich mich, nach Ilias und dem Kallikantzaros zu sehen. Ilias stand über mir. Er hielt eine halbvolle Flasche in der Hand – das Weihwasser, wie ich vermutete. Der Kallikantzaros hingegen wand und krümmte sich am Boden. Er schrie. Das Weihwasser schien ihm Schmerzen zuzufügen.</p>



<p>Ilias machte einen Schritt auf ihn zu, die Flasche zum Schwung ausgeholt. Da rappelte die Kreatur sich plötzlich auf. Sie schrie ein letztes Mal, stolperte, fing sich dann wieder und rannte Richtung Flur. Ich konnte gerade noch sehen, wie sie sich unter dem viel zu engen Türspalt der Wohnungstür hindurchquetschte und im Flur verschwand. Normalerweise hätte er nicht ansatzweise darunter hindurchpassen dürfen. Aber wer weiß, welchen Gesetzen der Physik diese Wesen mit ihrer Magie folgten.</p>



<p>„Baba?“, wandte sich Ilias an mich. Er streckte mir eine Hand entgegen. „Tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe.“</p>



<p>Ich ließ mir von ihm auf die Beine helfen. Der Raum hatte inzwischen aufgehört, sich zu drehen.</p>



<p>„Komm“, sagte er. „Lass uns diese Wohnung ein für alle Mal vor diesen Dingern schützen.“</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Die Kallikantzaroi (griechisch Καλικάντζαρος), oder Kallikantzaros (Καλικάντζαρος) in der Einzahl, sind koboldartige Wesen des griechischen Volksglaubens. Sie kommen in der Zeit zwischen Weihnachten und dem 06. Januar in die Städte und Dörfer, um dort Unruhe zu stiften und Chaos zu verbreiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Kallikantzaroi sind kleine, haarige und hässliche humanoide <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>. Außerdem sollen sie allesamt stinken und es soll bei ihnen nicht selten zu körperlichen Verformungen kommen.</p>



<p>Auch werden ihnen oft tierische Eigenschaften wie spitze Ohren oder Ziegenbeine zugeschrieben.</p>



<p>Darüber hinaus sollen sie ausschließlich männlich sein.</p>



<p>Ob jeder Mensch die Kallikantzaroi sehen kann, ist jedoch umstritten. So habe ich in verschiedenen Quellen gelesen, dass entweder jeder sie sehen kann, oder dass nur Menschen, die an einem Samstag oder aber in der Zeit vom 25. Dezember bis 06. Januar geboren wurden, sie sehen und sogar mit ihnen sprechen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die Kallikantzaroi kommen nur in den Dodekaimero (δωδεκαήμερο, griechisch für „zwölf Tage“) zum Vorschein. Das sind die zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 06. Januar, die in anderen Teilen Europas auch als Rauhnächte bekannt sind.</p>



<p>Außerdem heißt es, dass die Kallikantzaroi nachtaktiv sind, da sie das Sonnenlicht scheuen.</p>



<p>Wenn die Wesen herauskommen, muss man sich jedoch auf einiges gefasst machen. Es heißt, dass sie dann versuchen, in die Häuser und Wohnungen der Menschen einzudringen, um Chaos zu stiften. Einige von ihnen gehen dabei vergleichsweise harmlos vor, während andere die Menschen angreifen und sogar töten können. Besonders in der modernen Zeit sollen die Kallikantzaroi aber sehr viel ungefährlicher geworden sein und den Menschen hauptsächlich Streiche spielen.</p>



<p>Typische Streiche sind z. B., dass sie Möbel zerstören, Eigentum stehlen oder verstecken, Obst verschimmeln oder Milch schlecht werden lassen, auf Zimmerpflanzen oder ins Essen urinieren und Speisen und Getränke im Haus verzehren.</p>



<p>Wenn sie hingegen einen Menschen finden, der allein unterwegs ist, zwingen sie ihn manchmal, pausenlos mit ihnen zu tanzen – und zwar so lange, bis er ohnmächtig wird oder den Verstand verliert.</p>



<p>Die restliche Zeit des Jahres, wenn die Kallikantzaroi nicht die Menschenwelt unsicher machen, sollen sie in der Unterwelt leben. Daher sagen einige Leute auch, dass sie <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Diener des Teufels</a> seien.</p>



<p>Wenn sie in der Unterwelt sind, so heißt es, sollen sie dort versuchen, den Baum des Lebens zu zerstören, der unsere Welt im Gleichgewicht hält, indem sie an seinem Stamm sägen. Wenn sie jedoch am 06. Januar dorthin zurückkehren, müssen sie feststellen, dass sich der Baum vollständig regeneriert hat, und sie müssen ihre Arbeit von vorne beginnen.</p>



<p>Dieses Ereignis wiederholt sich der Legende nach jedes Jahr.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wie kann man sich vor den Kallikantzaroi schützen?</h4>



<p>Zum Glück gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie man sich vor den Kallikantzaroi schützen kann. So fürchten sie religiöse Symbole, Weihwasser und Feuer. Man kann also Weihwasser im Haus verteilen, Kreuze an Fenster und/oder Türen hängen, Gebete aufsagen oder ein Feuer anzünden, um die Wesen vom Haus fernzuhalten.</p>



<p>Auch gibt es eine alte Tradition namens Chistoxylo (Χριστόξυλο, griechisch für „Christholz“), bei der ein großes Stück Holz im Kamin angezündet wird, das die ganzen zwölf Tage des Dodekaimero am Brennen gehalten wird.</p>



<p>Außerdem gibt es diverse andere Methoden, wie man die Kallikantzaroi davon abhalten kann, in das Haus einzudringen. So kann man Essen (meist wird Fleisch oder Brot verwendet) oder Süßigkeiten vor die Tür legen, um sie zu besänftigen. Besonders beliebt sollen dabei Loukoumades sein, ein griechisches Gebäck aus frittiertem Teig mit Honig.</p>



<p>Oder man lenkt sie ab, indem man ein Sieb vor die Tür legt. Angeblich versuchen sie dann, die Löcher darin zu zählen. Da sie jedoch nicht bis drei zählen können – entweder, weil sie nicht intelligent genug sind oder weil drei eine heilige Zahl ist, die sie nicht aussprechen können – sitzen sie die ganze Nacht daran.</p>



<p>Andere Leute spannen Fäden im Garten, da die Wesen dann versuchen sollen, daraus etwas zu stricken, wodurch sie abgelenkt sind.</p>



<p>Wie ihr seht, gibt es also vielzählige Methoden, sich gegen die Monster zu schützen. Weitere, die ich im Netz gelesen habe, sind: ein altes Paar Schuhe zu verbrennen, den Unterkieferknochen eines Schweins über die Tür zu hängen, Knoblauch im Haus zu verteilen oder einige Oberflächen mit Salz zu bedecken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt Leben die Kallikantzaroi die meiste Zeit des Jahres in der Unterwelt. Wenn sie zwischen Weihnachten und dem 06. Januar in unsere Welt kommen, sollen sie sich hingegen hauptsächlich in Städten und Dörfern aufhalten und sich nachts in dunklen Höhlen und Löchern verstecken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Es gibt verschiedene Theorien, wie der Glaube an die Kallikantzaroi entstanden sein könnte. Die verbreitetsten sind wohl, dass es sich bei ihnen um eine Verchristlichung von heidnischen Kreaturen handelt, oder aber, dass es Zusammenhänge mit der altgriechischen Mythologie, besonders den Satyrn, geben soll.</p>



<p>Besonders verbreitet (und gefürchtet) soll der Glauben an die Kallikantzaroi übrigens im Mittelalter gewesen sein. Seitdem hat er sich in den Bräuchen vieler griechischer Gemeinden gefestigt. Heutzutage lässt er sich besonders in den ländlichen Regionen finden.</p>



<p>Offiziell ist der Glaube von der Kirche natürlich nicht anerkannt, aber es gibt auch im kirchlichen Kontext viele Zeremonien, die damit verbunden sind. So wird an vielen Orten Griechenlands am 6. Januar das Meer, ein See oder ein Fluss von einem Geistlichen gesegnet, um die Wesen zu vertreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kallikantzaroi in der Popkultur:</h3>



<p>Da die Kallikantzaroi in Griechenland auch heute noch sehr bekannt sind, ist es nicht verwunderlich, dass sie sich auch in der modernen Popkultur finden lassen.</p>



<p>So spielen sie z. B. eine zentrale Rolle in der amerikanischen Paranormal-Krimiserie Grimm Staffel 4 Folge 7 „Die Geister der Weihnacht“.</p>



<p>Und auch in der Horror-Kurzgeschichte „Der Flüsterer im Dunkeln“ (1931) von H. P. Lovecraft werden die Kreaturen zumindest kurz beim Namen genannt.</p>



<p>Ansonsten findet man sie hauptsächlich in griechischen Weihnachtsliedern und Schulaufführungen zur Weihnachtszeit.</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Kallikantzaroi? Wie hat euch meine Geschichte gefallen? Ab welcher Situation hättet ihr die Wesen verdächtigt, statt weiter nach einer logischen Erklärung zu suchen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi">Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>8</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>The Phantom Trapper of Labrador – Die Legende von Old Smoker</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/the-phantom-trapper-of-labrador</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/the-phantom-trapper-of-labrador#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kanada]]></category>
		<category><![CDATA[kanadische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[kanadische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Labrador]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Neufundland]]></category>
		<category><![CDATA[Newfoundland]]></category>
		<category><![CDATA[Ol' Smoker]]></category>
		<category><![CDATA[Ol'Smoker]]></category>
		<category><![CDATA[Old Smoker]]></category>
		<category><![CDATA[Phantom Trapper of Labrador]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Smoker]]></category>
		<category><![CDATA[The Phantom Trapper of Labrador]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3327</guid>

					<description><![CDATA[<p>Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend. Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-phantom-trapper-of-labrador">The Phantom Trapper of Labrador – Die Legende von Old Smoker</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/4b74196a71c244f18cab9546f875800a" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>The Phantom Trapper of Labrador ist eine bekannte kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geistergeschichte</a>. Da der Phantom Trapper nur auftauchen soll, wenn es schneit, habe ich mich entschieden, damit die diesjährigen Winter-/<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">Weihnachtsgeschichten</a> einzuleiten. Aber keine Sorge: Der nächste Beitrag handelt von einer tatsächlichen Weihnachtslegende.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Dein Ernst, Olivia?“, fragte mein Bruder. Er sah mich entgeistert an. „Du hast noch nie von The Phantom Trapper of Labrador gehört?“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. „Wieso? Muss ich den etwa kennen?“, fragte ich kleinlaut.</p>



<p>„Ja!“, platzte mein Bruder hervor. „Du kannst nicht in Labrador leben, ohne je von Ol&#8216; Smoker gehört zu haben. Er ist hier fast so berühmt wie der Weihnachtsmann!“</p>



<p>Ich rutschte nervös auf der Bettkante hin und her. Ich hasste Geistergeschichten, doch in dem Moment kam mir die Aussage von meinem Bruder schlüssig vor.</p>



<p>Da ich nicht widersprach, setzte mein Bruder ein Grinsen auf. „Ol&#8216; Smoker, oder Esau Gillingham, wie er eigentlich hieß, war einst ein berüchtigter Verbrecher. Er war ein Trunkenbold, schlug Frauen und auch Kinder, wie dich. Aber er war auch ein begabter Fallensteller und Fellhändler.</p>



<p>Immer, wenn er auf seinem Hundeschlitten in die Städte und Dörfer kam, wandten die Polizisten ihre Blicke ab. Sie taten so, als würden sie ihn nicht erkennen, weil er die feinsten und schönsten Felle mitbrachte.</p>



<p>Erst, wenn er all seine Felle verkauft hatte, begann er, das verdiente Geld in der nächsten Taverne zu versaufen und in seinem betrunkenen Zustand Frauen zu belästigen. Dann vertrieb man ihn mitsamt seinem Hundeschlitten wieder aus der Gemeinde, bis er irgendwann mit seinen schönen Fellen zurückkam.</p>



<p>So ging das die ganze Zeit. Einige Leute sagen auch, er braute nebenbei seinen eigenen Alkohol. Ein billiges Gesöff namens Smoke, das er an die Leute verkaufte. Daher soll auch sein Spitzname Ol&#8216; Smoker kommen.</p>



<p>Der Alkohol war allerdings so schlecht hergestellt, dass er die Menschen vergiften konnte. Einige sollen sogar blind geworden sein. Der Fallensteller war also ein richtiges Ekel. Er kümmerte sich nur um sich selbst. Die anderen waren ihm völlig egal.</p>



<p>Doch während die Leute bei seinen bisherigen Verbrechen beide Augen zudrückten, um nicht auf seine edlen Felle verzichten zu müssen, ging er mit seinem Alkohol zu weit. Sie mochten es nicht, dass er ihre Nachbarn vergiftete. Und so folgten sie ihm eines Tages zu seiner Destille im Wald, wo er seinen Smoke braute. Sie zerstörten sie und nahmen Ol&#8216; Smoker gefangen. Er landete ein ganzes Jahr im Gefängnis.</p>



<p>Aber selbst im Kittchen blieb Ol&#8216; Smoker nicht untätig. Er schmiedete einen neuen Plan, machte sich Gedanken über seine Zukunft. Und so wusste er genau, was er zu tun hatte, als er wieder auf freiem Fuß war.</p>



<p>Zuerst besorgte er sich weiße Huskys. Acht treue Hunde mit schneeweißem Fell. Keine Ahnung, ob er sie gestohlen, mit seinem angesparten Geld gekauft oder sie erbettelt hat. Danach baute er seine Destille wieder auf. Wieder begann er, seinen giftigen Smoke herzustellen, um ihn unter die Leute zu bringen. Diesmal malte er die Destille jedoch weiß an, damit sie im Schnee nahezu unsichtbar war – zumindest während sie nicht in Betrieb war.</p>



<p>Dasselbe tat er mit seinem Schlitten. Und sogar seine Felle, aus denen seine Kleidung bestand, tauschte er Stück für Stück gegen weiße Felle aus.</p>



<p>Wenn er jetzt auf seinem Schlitten durch den Schnee raste, war er fast perfekt getarnt. Wann immer man versuchte, ihn zu verfolgen, verloren die Leute ihn und seine weißen Hunde schnell aus den Augen. Und so soll er noch viele Leute mit seinem Alkohol vergiftet haben, während er ihnen das letzte Geld aus den Taschen zog.“</p>



<p>Mein Bruder machte eine dramatische Pause. Ich sah ihn erleichtert an. Ließ meine baumelnden Füße vor und zurück schwingen. Fast war ich erleichtert. Bisher fand ich die Geschichte nicht wirklich gruselig.</p>



<p>Dann jedoch grinste mein Bruder mich wieder breit an. „Das ist aber noch nicht alles“, fuhr er fort. „Ich hab dir noch gar nicht erzählt, wie Ol&#8216; Smoker zum Phantom Trapper von Labrador wurde. Denn das geschah erst nach seinem Tod.</p>



<p>Niemand weiß genau, wie der alte Fallensteller gestorben ist. Ob die Bewohner ihn doch irgendwann erwischt haben, er mit seinen Hunden im Schnee erfroren ist oder sich an seinem eigenen Smoke vergiftet hat.</p>



<p>Aber eigentlich ist es auch egal. Wichtig ist nur, dass seine verdorbene Seele auch nach seinem Tod die Erde nicht verlassen hat. Es heißt, dass du manchmal im Wind das Bellen von Hunden hören kannst, das Knallen seiner Peitsche. Kurz darauf setzt ein schlimmer Schneesturm ein. Wenn du mich fragst, bringt Ol&#8216; Smoker den Sturm. Er will, dass du dich im Schnee verirrst, damit er dich packen und auf seinen Schlitten ziehen kann.</p>



<p>Wenn du also jemals draußen unterwegs bist und das Bellen seiner Hunde hörst, solltest du rennen. Denn wenn du die weißen Huskys siehst und seinen weißen Schlitten, kann es bereits zu spät sein.“</p>



<p>Jetzt baumelten meine Beine nicht mehr. Meine Erleichterung war zu einem verkrampften Magen geworden. Ich schluckte schwer.</p>



<p>Was ich jedoch nicht wusste, war, dass mein Bruder einige wichtige Details weggelassen hatte. Er hatte mir nicht die ganze Geschichte erzählt, nicht die ganze Wahrheit hinter dem Phantom Trapper of Labrador.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Wirklich vergessen konnte ich die Geschichte nie. Ich hatte fast eine Woche lang Albträume von Ol&#8216; Smoker gehabt, wie er mich auf seinem weißen Schlitten holen wollte. Das war aber auch kein Wunder. Immerhin war ich damals erst sechs Jahre alt gewesen. Seitdem hatte ich die Legende aber, so gut es ging, verdrängt.</p>



<p>Warum sie mir jetzt, über neun Jahre, nachdem mein Bruder sie mir erzählt hatte, wieder in den Sinn kam? Ganz einfach: weil ich in der Ferne das Gebell von Hunden hören konnte. Der Wind trug die Geräusche zu mir rüber. Dann knallte eine Peitsche.</p>



<p>Natürlich wusste ich, dass es nicht der berüchtigte Fallensteller war. Er konnte es nicht sein. Es gab keine Geister. Ich glaubte schon seit Jahren nicht mehr daran.</p>



<p>Trotzdem vergrub ich mein Kinn tiefer in meinem Schal und beschleunigte meine Schritte. Es wurde allmählich spät. Egal ob Geist oder nicht, ich sollte aus dem Wald raus sein, ehe es zu dunkel wurde.</p>



<p>Wieder knallte die Peitsche. Wer auch immer da draußen auf seinem Hundeschlitten saß, schien es mindestens genauso eilig zu haben. Und das aus gutem Grund. Ein kräftiger Windstoß schlug mir ins Gesicht. Schneewehen wirbelten über den Weg vor mir. Sie hüllten alles in einen schwachen weißen Schleier. Es sah ganz danach aus, als wäre ein Schneesturm im Anmarsch.</p>



<p>„Er bringt den Sturm“, murmelte ich. Es war ein alberner Gedanke, aber war es nicht das, was mein Bruder damals gesagt hatte? Dass ein Schneesturm aufkommt, nachdem man Ol&#8216; Smoker in der Ferne gehört hat?</p>



<p>Nun lachte ich nervös. „Jetzt beruhig dich mal, Olivia“, murmelte ich mir zu. „Du bist doch kein Kind mehr.“</p>



<p>Trotzdem beschleunigte ich meine Schritte noch weiter. Ich rannte jetzt durch den knirschenden Schnee. Aber das lag natürlich nur an dem aufkommenden Sturm. Nicht etwa an irgendeiner Geistergeschichte, vor der sich nur Kinder gruselten.</p>



<p>Dann plötzlich wurde ich langsamer. Ich näherte mich einer Weggabelung. Normalerweise wäre das kein Problem für mich. Ich spielte, seit ich laufen kann, in diesem Wald. Sonst hätte ich wahrscheinlich nur anhand der umstehenden Bäume erkannt, wo genau im Wald ich jetzt war. Die Schneewehen waren allerdings inzwischen so stark geworden, dass ich die Stämme nur noch als schemenhafte Umrisse im Weiß erkannte. Auch musste ich die Augen zusammenkneifen, da der eisige Wind inzwischen schmerzhaft in ihnen stach.</p>



<p>Scheiße! Okay. Ruhig bleiben. Wo konnte ich sein? Mir fielen zwei Weggabelungen auf dem Weg nach Hause ein. Bei der ersten führte der linke Weg einige Kilometer tiefer in den Wald, ehe er bei einer verlassenen Sägemühle endete, und der rechte führte nach Hause. Wenn ich an besagter Gabelung allerdings schon vorbei war, würde der Weg links nach Hause führen, und der rechts lediglich zu einem Rundgang durch den Wald.</p>



<p>Ich biss mir auf die Unterlippe. Denk nach, Olivia. Denk nach!</p>



<p>Ich kam jedoch nicht dazu, weiter darüber nachzudenken. Wieder ertönte das Bellen von Hunden. Waren sie nähergekommen? Aus welcher Richtung kamen sie? Ich hatte sie erst wieder gehört, als der Wind gedreht hatte, also kamen sie … Schnell wirbelte ich herum. Das Geräusch kam vom Weg hinter mir!</p>



<p>Wieder knallte die Peitsche. Diesmal war das Geräusch so laut, so nahe, dass es mir einen Schauer über den Rücken trieb. Und das lag nicht nur an der untergehenden Sonne und der zunehmenden Kälte.</p>



<p>Trotzdem zwang ich mich, stehenzubleiben. Ich schluckte den Drang hinunter, wegzulaufen. Wenn das Geräusch aus dem Wald kam, musste der Hundeschlitten dem Weg folgen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er mich erreichte. Bestimmt konnte mir der Schlittenführer den richtigen Weg zeigen.</p>



<p>Also wartete ich. Ich schlang die Arme um meinen zitternden Körper, wippte auf den Füßen vor und zurück, um mich warm zu halten. Die Geräusche kamen näher.</p>



<p>Trotzdem konnte ich außer dem Schneegestöber kaum etwas erkennen. Ich hatte ein paar Mal das Gefühl, Bewegungen in der Ferne zu sehen, aber dort war alles weiß. Es zeichnete sich keine dunkle Silhouette, kein Schlitten darin ab. Die Hunde klangen hingegen, als hätte der Schlitten mich fast erreicht.</p>



<p>Und dann sah ich sie. Sie hatten helles Fell. Weiß auf Weiß. Kein Wunder, dass ich sie nicht erkannt hatte.</p>



<p>Erst war ich wie zu Eis gefroren. Dann jedoch löste ich mich aus meiner Starre und begann mit beiden Armen zu winken. Anfangs zögerlich, dann stärker. „Hallo!“, rief ich. „Der Sturm … Ich hab mich verirrt. Können Sie mir sagen, in welche Richtung es ins Dorf geht?“</p>



<p>Ich hörte, wie ein Mann den Hunden einen Befehl zurief. Sofort wurden sie langsamer. Trotzdem ging ich einige Schritte beiseite, um ihnen nicht im Weg zu stehen.</p>



<p>Jetzt hatten sie mich fast erreicht. Ungläubig sah ich mit an, wie acht weiße Huskys neben mir zum Stehen kamen. Ihr Gespann, das Holz, die Felle und sogar die Seile waren weiß. Oder waren sie nur von Schnee und reif bedeckt?</p>



<p>Mein nächster Blick galt dem Schlitten. Es war einer dieser großen Hundeschlitten für den Transport, auf denen man nicht die ganze Zeit stehen musste. Auch er war weiß gestrichen. Das war jedoch nicht mein Hauptaugenmerk. Nein. Das galt dem Mann, der auf dem Schlitten saß. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Er hielt eine weiße Peitsche in der Hand. Und sogar die Felle, die ihn von Kopf bis Fuß umhüllten, waren reinweiß … Genau wie bei Ol&#8216; Smoker.</p>



<p>Ich schluckte, versuchte, ruhig zu bleiben. Als der Mann jedoch von seinem Schlitten stieg, sich zu seiner vollen Größe aufrichtete, gingen meine Nerven mit mir durch. Ich wirbelte herum und rannte ins Dickicht zwischen den Bäumen.</p>



<p>Hier war der Schnee deutlich tiefer. Fast sofort sackte ich ein. Nun steckte ich bis über die Knie im Schnee. Eisige Kälte fraß sich durch meine Hose. Aber das ließ mich nicht innehalten. Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend.</p>



<p>Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach.</p>



<p>Das war der Moment, als in mir vollends die Panik ausbrach. Ich schrie um Hilfe, kreischte, während ich versuchte, schneller voranzukommen.</p>



<p>Tiefer und tiefer kämpfte ich mich in den Wald vor. Allmählich verlor ich das Gefühl in den Beinen. Der Wind wurde unterdessen immer stärker. Selbst meine dicke Jacke konnte mich nicht mehr gegen seine beißende Kälte schützen. Was ich dafür getan hätte, mich nur einen Augenblick hinzusetzen, mich auszuruhen.</p>



<p>Noch ehe ich jedoch ernsthaft darüber nachdenken konnte, nahmen meine Beine mir die Entscheidung ab. Sie waren inzwischen so kalt, dass sie sich steif und ungelenkig anfühlten. Ich verlor das Gleichgewicht, merkte, wie mein Oberkörper nach vorne kippte. Aber ich schaffte es dank des Schnees nicht, ein Bein vorzureißen, um den Sturz zu verhindern. Mit ausgestreckten Armen kippte ich in die Kälte. Ich spürte, wie sich Schnee zwischen Handschuhen und Jacke in meine Ärmel schob.</p>



<p>Jetzt war ich umgeben von Eis und Kälte. Mein Kopf war unter der Oberfläche. Mein Gesicht brannte vor Schmerz. Ich weiß nicht, ob ich jemals so gefroren hatte. Selbst bei einer kalten Dusche hatte ich mich noch nie so unterkühlt gefühlt.</p>



<p>Trotzdem schaffte ich es nicht, mich aufzurappeln. Es war, als wäre sämtliche Kraft aus meinem Körper gewichen. Vielleicht sollte ich einfach aufgeben. Ich könnte hier liegenbleiben. Nur für eine Minute …</p>



<p>Ich spürte den kräftigen Arm kaum, der mich aus dem Schnee hob, sah nur verschwommen, wie die Welt um mich herum sich bewegte, nahm nur am Rande meines Bewusstseins wahr, wie Ol&#8216; Smoker mich zurück zu seinem Schlitten trug. Er warf mich in einen Haufen aus weißen Fellen. Der Befehl, den er seinen Hunden zurief, kam mir weit entfernt vor. Dann setzte der Schlitten sich in Bewegung.</p>



<p>Ich blieb erschöpft zwischen den Fellen liegen. Fast schämte ich mich dafür, wie geborgen ich mich fühlte. Langsam kehrte die Wärme zurück. Ich spürte sogar meine Beine wieder, auch wenn sie nur aus Schmerz zu bestehen schienen.</p>



<p>Aber so gemütlich es auch war, ich konnte hier nicht bleiben. Das wusste ich. Also rappelte ich mich vorsichtig auf. Es war alles andere als einfach auf dem weichen Untergrund, während der Schlitten unregelmäßig hin und her schaukelte, meine Beine noch immer zitterten. Aber ich schaffte es. Gerade, als ich mich aus dem Schlitten in den Schnee stürzen wollte, packte mich jedoch eine Hand am Oberarm. Ich hatte unterschätzt, wie nahe Ol&#8216; Smoker mir tatsächlich saß.</p>



<p>„Bleib sitzen“, brummte er mit tiefer Stimme, während er mich in die Felle zurückdrückte.</p>



<p>Und das tat ich. Ich fühlte mich völlig hilflos, war mir nicht einmal sicher, ob meine zittrigen Beine es ein zweites Mal geschafft hätten, aufzustehen. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich konnte nichts dagegen tun. Wahrscheinlich waren sie der Grund, warum ich die bunten Lichter nicht gleich erkannte, denen wir uns jetzt schnell näherten.</p>



<p>Erst, als ich mir die Tränen aus den Augen gewischt hatte, bemerkte ich, dass es Weihnachtsdekoration war. Sie hing an den Häusern, über der Straße und an einem großen Weihnachtsbaum, den ich deutlich in der Ferne erkennen konnte. Das war unser Dorf!</p>



<p>Ungläubig sah ich mit an, wie wir ihm näher und näher kamen. Erst, als wir es fast erreicht hatten, rief der Schlittenführer wieder einen Befehl und die Hunde wurden langsamer. Wir blieben neben Miss Walshs Gemischtwarenladen stehen.</p>



<p>Schnell versuchte ich wieder, mich aufzurappeln. Aber der Fremde gab bloß ein Brummen von sich, stieg aus dem Schlitten und hob mich auf seine Arme. Mit schweren Schritten stapfte er Richtung Laden. Er drückte die Tür mit seiner Schulter auf und trat mit mir ein.</p>



<p>„Na das muss ja dringend sein, wenn Sie sich bei dem Wetter nach draußen wagen!“, hörte ich Miss Walshs Stimme. In ihr schwang ein Hauch Belustigung mit. „Also, was kann ich für Sie …“ Sie brach ab. Wahrscheinlich hatte sie mich bemerkt. „Du meine Güte! Olivia!“</p>



<p>„Kümmern Sie sich um sie“, brummte der Fremde. Er trug mich zu einem Stuhl, der eigentlich zum Verkauf stand, und setzte mich auf das dünne Polster.</p>



<p>Halbherzig lächelte ich Miss Walsh an. „Hey“, grüßte ich sie schwach.</p>



<p>Aber sie reagierte gar nicht. Sie starrte bloß mit offenem Mund den Fremden an. Oder besser gesagt den Ort, wo der Fremde hätte sein müssen. Als ich mich zu meinem Retter umdrehte, war er verschwunden.</p>



<p>Vorsichtig richtete ich mich auf, um besser sehen zu können, doch bis auf Walsh und mich war der Gemischtwarenladen menschenleer. Auf dem Boden waren nicht einmal nasse Fußabdrücke.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ihr könnt euch meine Verwirrung sicher vorstellen. Miss Walsh erklärte sogar, dass der Mann sich einfach in Luft aufgelöst habe.</p>



<p>Wie war das möglich? War er tatsächlich Ol&#8216; Smoker gewesen? Der Geist, der zu Lebzeiten so bösartig gewesen war? Aber warum hatte er mich dann ins Dorf zurückgebracht?</p>



<p>Zum Glück hatte Miss Walsh dafür eine Erklärung. Denn wie ich schon sagte, hatte mein Bruder mir nicht die ganze Geschichte vom Phantom Trapper of Labrador erzählt. Nach seinem Tod, so erklärte Miss Walsh, soll Ol&#8216; Smoker nämlich der Zutritt zum Jenseits verwehrt geblieben sein.</p>



<p>Seitdem wandelt seine ruhelose Seele auf unserer Erde, um die Schuld, die er im Leben auf sich geladen hatte, wieder gutzumachen. Er warnt die Menschen vor schlimmen Schneestürmen und bringt sie sogar manchmal zurück in Sicherheit. Ich konnte also von Glück reden, dass der Geist des Verbrechers mich gefunden hatte, sonst wäre ich in jener Nacht wahrscheinlich erfroren.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Phantom Trapper of Labrador (englisch für „Der Phantom-Fallensteller von Labrador“), manchmal auch The Trapper’s Ghost („Der Geist des Fallenstellers“) genannt, ist eine kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> über einen phantomhaften Fallensteller auf einem Hundeschlitten. Sie ist die wahrscheinlich bekannteste Geistergeschichte der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador.</p>



<p>Der Geist ist auch unter den Namen „Smoker“ („Raucher“) und „Ol&#8216; Smoker“ (Kurzform für „Old Smoker“, „alter Raucher“) bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Der Phantom Trapper of Labrador soll wie ein gewöhnlicher Mensch aussehen. Abgesehen von seiner etwas eigenartigen Kleidung, die ausschließlich aus weißen Fellen bestehen soll, sieht man ihm also nicht an, dass es sich bei ihm um einen Geist handelt.</p>



<p>Außerdem soll er auf einem weißen Komatik – dem traditionellen Hundeschlitten der Inuit, der in Kanada auch heute noch oft genutzt wird – sitzen, der von mehreren schneeweißen Huskys gezogen wird. Die Anzahl der Huskys kann je nach Geschichte variieren, es ist jedoch meist von einer geraden Zahl zwischen 8 und 14 die Rede.</p>



<p>Die rein weiße Erscheinung des Fallenstellers soll im Schnee nur schwierig zu erkennen sein – besonders, wenn es dunkel ist und/oder es einen Schneesturm gibt.</p>



<p>Außerdem heißt es, dass weder seine Hunde noch er oder sein Schlitten Spuren im Schnee hinterlassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Hauptsächlich wird der Phantom Trapper of Labrador nur akustisch wahrgenommen. So hört man das Knallen einer Peitsche oder das Bellen von Hunden im Wind. Meist soll dies geschehen, kurz bevor ein Schneesturm aufkommt. Die Erscheinung des Fallenstellers warnt also die Bewohner vor einem bevorstehenden Sturm.</p>



<p>Seltener kommt es vor, dass man den weißen Fallensteller auf seinem Schlitten sehen soll. Oft verlieren die Augenzeugen die im Schnee gut getarnte Gestalt aber schnell wieder aus den Augen. Auch hier soll kurz darauf ein heftiger Schneesturm aufkommen.</p>



<p>Das ist jedoch nicht das Einzige, was der Phantom Trapper of Labrador tut. Er warnt die Leute nicht nur, es gibt auch Erzählungen, in denen er Menschen vor einem Tod im Schnee gerettet hat.</p>



<p>So soll es bereits vorgekommen sein, dass der Fallensteller verirrte Hundeschlittenführer zurück in die Zivilisation geführt hat. In den meisten Fällen sieht hierbei ein Bewohner den Hundeschlitten ankommen. Der Geisterschlitten, dem der Schlittenführer angeblich gefolgt sei, wurde von dem Bewohner hingegen nicht gesehen, obwohl er direkt an ihm vorbeigefahren sei.</p>



<p>Eine andere Version der Legende besagt, dass eine Person – Geschlecht und Alter kann dabei variieren – sich in einem Schneesturm verlaufen hat. Geschwächt und völlig unterkühlt wird sie von einem in weiße Fälle gekleideten Mann auf einem weißen Hundeschlitten aufgelesen und in den nächsten Ort gebracht. Dort habe das Phantom ihn oder sie in ein Wirtshaus o. Ä. getragen und bei dem Kamin auf einen Stuhl gesetzt. Nachdem es den Wirt darum gebeten habe, sich um die Person zu kümmern, soll es sich in Luft aufgelöst haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>The Phantom Trapper of Labrador soll fast ausschließlich in der Provinz Neufundland und Labrador in Kanada gesichtet werden, von wo die Legende stammt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den genauen Ursprung der Legende ist nicht viel bekannt. Es gibt aber einige Theorien darüber, wer der geisterhafte Fallensteller zu Lebzeiten gewesen sein soll.</p>



<p>Die wohl verbreitetste Version besagt, dass er einst ein krimineller Fallensteller mit dem Namen Esau Gillingham gewesen sei. Über Esau Gillinghams Leben gibt es wiederum verschiedene Versionen. Die zwei bekanntesten möchte ich euch hier kurz vorstellen:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der unsympathische Fallensteller:</h4>



<p>Dieser Version zufolge war Gillingham ein talentierter Fallensteller, der bei seinen Besuchen in den Städten und Dörfern die schönsten Felle mitbrachte, um sie den Bewohnern zu verkaufen.</p>



<p>Das war auch der einzige Grund, warum er in den Orten geduldet wurde. Gillingham soll nämlich ein ziemliches Arschloch gewesen sein. U. A. soll er hitzköpfig gewesen sein, keine Manieren gehabt und Frauen schlecht behandelt haben.</p>



<p>Nachdem er seine Felle verkauft und sein Geld in den Tavernen versoffen hat, wurde er deshalb kurz darauf wieder aus den Dörfern vertrieben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der erfolglose Fellhändler:</h4>



<p>Auch in dieser Version soll Gillingham sein Geld mit dem Verkauf von Fellen verdient haben. Er war dabei jedoch bei Weitem nicht so erfolgreich, weshalb er in Armut lebte.</p>



<p>Eines Tages soll er jedoch genug Geld angespart haben, um sich davon eine eigene Destille kaufen zu können. Von dort an – so heißt es – habe er seinen eigenen Alkohol destilliert: Ein scheußliches Gebräu aus Kiefernzapfen, Zucker und Hefe, das unter dem Namen „Smoke“ bekannt geworden sei. Daher stamme auch sein Spitzname „Smoker“ bzw. „Ol&#8216; Smoker“.</p>



<p>Gillingham soll das billige Gesöff illegal an die Bewohner verkauft und so deutlich mehr Geld als mit seinen Fellen verdient haben. Dass der selbstgebraute Alkohol verdammt ungesund war und sogar bei einigen Leuten zu Wahnsinn oder Blindheit geführt haben soll, war Gillingham und seinen Kunden anscheinend egal.</p>



<p>Irgendwann wurde Gillinghams Destille jedoch im Wald gefunden und – entweder von den Behörden oder einigen wütenden Anwohnern – zerstört. Gillingham landete daraufhin ein Jahr lang im Gefängnis.</p>



<p>Das Jahr im Knast hat Gillingham aber keinesfalls zu einem besseren Menschen gemacht. Als er wieder frei ist, besorgt er sich weiße Huskys, streicht seinen Schlitten weiß an und kleidet sich fortan nur noch in weiße Felle, um sich im Schnee zu tarnen.</p>



<p>Auch soll er seine Destille weiß gefärbt und ein weißes Fass voller Smoke an seinem Schlitten befestigt haben, um es unter die Leute zu bringen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Ende des Fallenstellers:</h4>



<p>Die genaue Todesursache von Gillingham ist unbekannt. Es gibt aber auch hier verschiedene Theorien, was geschehen sein könnte.</p>



<p>Manchmal heißt es, der Ehemann einer der schlecht behandelten Frauen habe ihn erschossen. Manchmal sei er in einem Schneesturm umgekommen oder auf andere Weise ermordet worden. Und wieder andere Male sei er an seinem eigenen Alkohol verendet.</p>



<p>Ich habe auch davon gelesen, dass er in der Wildnis gestürzt sein soll, wobei er sich den Rücken brach und qualvoll gestorben sei.</p>



<p>Aber wie er auch gestorben ist, nach seinem Tod wurde ihm der Zugang zu Himmel und Hölle verwehrt. Er soll als Geist auf der Erde bleiben, um von nun an seine schlechten Taten wiedergutzumachen, indem er verirrten Menschen hilft und sie vor Schneestürmen warnt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternativer Ursprung:</h4>



<p>Es gibt aber auch Leute, die behaupten, die Legende von Ol&#8216; Smoker sei bereits vor Esau Gillinghams Tod entstanden. Zwar habe ich keine Hinweise auf einen tatsächlichen Verbrecher mit dem Namen finden können, der im 19. oder 20. Jahrhundert in Kanada gelebt haben soll, ihnen zufolge sei die Geistergeschichte aber erst nach Gillinghams Tod mit ihm in Verbindung gebracht worden.</p>



<p>Ich möchte an dieser Stelle jedoch gestehen, dass mir gerade die Zeit für eine wirklich tiefgreifende Recherche zu diesen Behauptungen fehlt (zumal ich fast nichts dazu finden konnte). Sollte ich den Beitrag in Zukunft überarbeiten, werde ich aber versuchen, mehr darüber in Erfahrung zu bringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Phantom Trapper of Labrador in der Popkultur:</h3>



<p>Obwohl es zu Ol&#8216; Smoker viele Legenden gibt und er in Neufundland und Labrador sehr bekannt sein soll, habe ich nur wenige Auftritte des Geistes in der Popkultur gefunden.</p>



<p>So gibt es den Roman „White Eskimo: A Novel Of Labrador“ (Englisch für „Weißer Eskimo: Ein Roman über Labrador“, 1972), der zwar nicht von dem Geist direkt, dafür aber von einer fiktiven Version von Esau Gillingham handelt.</p>



<p>Außerdem gibt es das Lied „The Labrador Trapper’s Ghost“ („Der Geist des Fallenstellers aus Labrador“) von der Singer Songwriterin Emily Stewart (<a href="https://mondaymorning3ammusicclub.bandcamp.com/track/the-labrador-trappers-ghost" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier der Link zum Lied</a> auf bandcamp.com), das die Legende nacherzählt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von The Phantom Trapper of Labrador? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie hättet ihr an Olivias Stelle reagiert? Hättet ihr versucht, zu fliehen oder den Fremden um Hilfe gebeten? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-phantom-trapper-of-labrador">The Phantom Trapper of Labrador – Die Legende von Old Smoker</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/the-phantom-trapper-of-labrador/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tokoloshe – Lass ihn nicht aufs Bett!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/tokoloshe</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/tokoloshe#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Flüche]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[afrikanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[afrikanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Fluch]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderschreck]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptid]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptide]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Schlafdämon]]></category>
		<category><![CDATA[Südafrika]]></category>
		<category><![CDATA[südafrikanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[südafrikanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Tikoloshe]]></category>
		<category><![CDATA[Tokolosch]]></category>
		<category><![CDATA[Tokolosche]]></category>
		<category><![CDATA[Tokolosh]]></category>
		<category><![CDATA[Tokoloshe]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3314</guid>

					<description><![CDATA[<p>Es hatte kein Fell, sondern dunkle, schrumpelige Haut. Sein Gesicht, die Nase und Ohren, der haarlose Kopf. Es wirkte wie ein Mensch. Und zwischen seinen Lippen sah ich schiefe gelbe Zähne hervorblitzen, die ungewöhnlich spitz aussahen. Ich wusste sofort, was es war: Das war eindeutig ein Tokoloshe …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/tokoloshe">Tokoloshe – Lass ihn nicht aufs Bett!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/d0ef61034e9d4556b2b3d903b13119be" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Der Tokoloshe ist eines der bekanntesten Wesen des südafrikanischen Volksglaubens. Da ich schon länger vorhabe, mal wieder über eine afrikanische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> zu schreiben, habe ich mich für den Tokoloshe entschieden, ehe es in zwei Wochen mit winterlichen/<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">weihnachtlichen</a> Geschichten weitergeht.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Gewalt gegen Jugendliche<br>
&#8211; häusliche Gewalt<br>
&#8211; erwähnung Sexueller gewalt (erst unter &#8222;Die Legende&#8220;)</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Es war eine dieser Nächte, in denen ich partout nicht einschlafen konnte. Ich wälzte mich im Bett hin und her, drehte mich auf die linke Seite, dann auf die rechte. Aber was ich auch versuchte, wie ich mich auch hinlegte, ich konnte einfach nicht in die Welt der Träume eintauchen.</p>



<p>Trotzdem versuchte ich es weiter. Immerhin musste ich morgen in die Schule. Da wollte ich wenigstens einigermaßen ausgeschlafen sein.</p>



<p>Ich hatte mich gerade wieder mit dem Gesicht zur Wand gedreht, da hörte ich, wie sich meine Zimmertür öffnete.</p>



<p>Sofort schlug ich die Augen auf. Außer mir war nur Pa im Haus. Und wenn er um die Uhrzeit in mein Zimmer kam, dann nur, weil er wieder zu viel getrunken hatte.</p>



<p>Ich drehte mich langsam zu ihm um. Aber als ich gerade fragen wollte, was los sei, blieben mir die Worte im Hals stecken. Das war nicht mein Vater. Eine kleine, kindergroße Gestalt stand dort im Halbdunkel bei der geöffneten Tür und sah mich aus seinen kleinen Augen an.</p>



<p>Zuerst dachte ich noch, es wäre vielleicht ein Pavian, der sich irgendwie ins Haus geschlichen hat. Dann jedoch rannte das Wesen auf mich zu. Es war kein Pavian. Seine Bewegungen, wie es auf zwei Beinen lief, wirkten menschlich. Außerdem konnte ich es inzwischen besser erkennen. Es hatte kein Fell, sondern dunkle, schrumpelige Haut. Sein Gesicht, die Nase und Ohren, der haarlose Kopf. Es wirkte wie ein Mensch. Und zwischen seinen Lippen sah ich schiefe gelbe Zähne hervorblitzen, die ungewöhnlich spitz aussahen. Ich wusste sofort, was es war: Das war eindeutig ein Tokoloshe.</p>



<p>„Pa!“, brachte ich endlich hervor. „Paaa!“, rief ich erneut nach meinem Vater.</p>



<p>Das Haus war ziemlich hellhörig. Wenn er wach war, musste er mich gehört haben. Doch im Haus blieb alles ruhig.</p>



<p>Inzwischen hatte der Tokoloshe mein Bett fast erreicht. Ich drückte mich mit dem Rücken an die Wand und zog die Knie an die Brust. „Hilfe! Hilfeee!“, schrie ich jetzt aus voller Lunge.</p>



<p>Dann endlich tat sich etwas. Aus dem Flur kam ein Poltern. Dann ein Fluchen. „Scheiß Schrank“, hörte ich Pa lallen. Er war also tatsächlich betrunken. Trotzdem war er mir hundertmal lieber als ein schwarzmagisch beschworenes Wesen.</p>



<p>„Hilfe!“, schrie ich erneut. Inzwischen war ich dabei, nach dem Tokoloshe zu treten, um ihn daran zu hindern seinen kleinen Körper auf die Matratze zu ziehen. Mein Fuß klatschte gegen kalte Haut, ehe ich ihn schnell wieder zurückzog. Wer wusste schon, was das Ding mit mir anstellen würde, wenn er mich tatsächlich erreichte.</p>



<p>Und das versuchte es mit aller Kraft. Die Matratze reichte ihm bis knapp über die Brust. Seine kleinen Augen waren auf mich fixiert, sein Mund leicht geöffnet. Immer wieder versuchte es, sich in den Stoff zu krallen und seinen Körper auf die Matratze zu hieven, während ich panisch nach seinen Armen trat.</p>



<p>Plötzlich ging die Deckenlampe an. „Was ist los?“, lallte Pa in meine Richtung. Er musste sich an der Tür festhalten, lehnte sich daran, während sie unter seinem Gewicht langsam vor und zurück schwang.</p>



<p>Der Tokoloshe wandte ihm den Kopf zu. Er gab einen leisen Aufschrei, eher schon ein hohes Keuchen von sich, ehe er auf Pa zurannte. Der jedoch schien das Wesen gar nicht zu bemerken, während es an ihm vorbei in den Flur flitzte.</p>



<p>Schwer atmend saß ich auf meinem Bett. Noch immer hatte ich die Knie an die Brust gezogen. Auch merkte ich jetzt, wie ich beide Hände in die Bettdecke gekrallt hatte. Vorsichtig löste ich den Griff.</p>



<p>„Also? Was ist? Wieso störst du mich beim Fernsehen?“</p>



<p>Jetzt sah ich wieder Pa an. „Hast du ihn nicht gesehen? Er ist eben an dir vorbeigerannt!“</p>



<p>„Wen gesehen?“, fragte er. Er sah sich im Raum um, ohne die Tür loszulassen.</p>



<p>„Den Tokoloshe!“, brüllte ich. Es war keine Absicht. Ich wollte Pa nicht anschreien. Aber die Verzweiflung in mir musste raus.</p>



<p>Pas Augen verengten sich zu schlitzen. Jetzt torkelte er auf mich zu. „Hör zu, Jan. Solange du in meinem Haus wohnst, verbitte ich mir, dass du mich anschreist! Vielleicht muss ich dich dran erinnern, wer hier das Sagen hat …“</p>



<p>Wieder presste ich mich gegen die Wand. Ich spürte, wie mir Tränen in die Augen stiegen. „Nein. Bitte“, flehte ich. „Du hast das Sagen. Das weiß ich. Aber da war ein Tokoloshe. Er wollte mich angreifen.“ Ich wollte vor Pa nicht weinen, aber ich konnte nichts dagegen tun.</p>



<p>Pa hingegen blieb nur wenige Schritte vor meinem Bett stehen. Er schüttelte den Kopf, schwankte gefährlich nach links und rechts. „Ich bin froh, dass deine Ma nicht mehr mitbekommen hat, was aus dir geworden ist.“ Er wandte sich ab, ehe er zurück zur Tür torkelte. „Verdammte Teenager“, hörte ich ihn zu sich selbst lallen. „Es wird Zeit, dass er endlich alt genug wird, damit ich ihn rausschmeißen kann.“ Dann war er wieder im Flur verschwunden und schloss die Tür hinter sich.</p>



<p>Ich schluckte schwer, während ich ihm nachsah. „Nein, Pa“, murmelte ich. „Was ist nur aus dir geworden.“</p>



<p>Der Tokoloshe kam in dieser Nacht nicht zurück, aber wie ihr euch sicher vorstellen könnt, hatte ich sämtliches Interesse daran verloren, wieder einzuschlafen. Und so dauerte es Stunden, meine Gedanken kreisten um das Wesen und um Pa, bis die Müdigkeit mich endlich einholte und in einen viel zu kurzen Schlaf zog.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Morgen schlürfte ich völlig übermüdet in die Küche. Pa saß bereits da und trank Kaffee.</p>



<p>„Morgen“, grüßte ich ihn.</p>



<p>Er sah fast genauso beschissen aus, wie ich mich fühlte. Trotzdem sah ich darin eine Gelegenheit, ihn noch einmal auf den Tokoloshe anzusprechen, während er nüchtern war.</p>



<p>„Tut mir leid, wegen letzter Nacht“, begann ich. „Aber ich hab da wirklich etwas gesehen. Da war ein kleiner Mann mit schwarzer schrumpeliger Haut. Er hat versucht, auf mein Bett zu klettern.“</p>



<p>Pa seufzte schwer. „Jan, es gibt keine Tokoloshe. Was auch immer du glaubst, gesehen zu haben, du hast bloß geträumt.“ Es war zwecklos. Pa hatte noch nie an das Übernatürliche geglaubt.</p>



<p>Ich ballte meine Hände zu Fäusten. „Ma hätte mir geglaubt“, sagte ich leise.</p>



<p>Jetzt kniff Pa wieder seine Augen zusammen. „Was hast du gesagt?“, fragte er streng.</p>



<p>„Nichts“, sagte ich schnell. „Sorry, ich bin einfach nur tierisch müde.“ Ich hatte keine Lust auf Streit. Zumal ich wusste, wie es ausgehen konnte. In der Schule hatte ich schon oft genug blaue Flecken unter langer Kleidung verstecken müssen.</p>



<p>Pa ging nicht weiter darauf ein. Also machte ich mir mein Frühstück und beeilte mich, aus dem Haus zu kommen.</p>



<p>Der Tag in der Schule verlief ohne besondere Vorkommnisse. Ich hatte nicht viele Freunde, also verbrachte ich die meiste Zeit allein. Aber das war in Ordnung. Solange die anderen mich in Ruhe ließen, störte mich das nicht. Und für gewöhnlich taten sie das.</p>



<p>Erst, als ich nach der Schule auf dem Heimweg war, überkam mich wieder ein mulmiges Gefühl. Was, wenn der Tokoloshe zurückkommen würde? Ich hatte keine Ahnung, was passiert wäre, wenn Pa nicht in mein Zimmer gekommen wäre.</p>



<p>Also entschied ich, unserer Sangoma – der Heilerin unseres Dorfes – einen Besuch abzustatten. Sie war eine gute Freundin von Ma gewesen, daher kannte ich sie schon aus Kindertagen. Außerdem lag ihr kleines Geschäft ganz in der Nähe meines Heimwegs.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Eine kleine Glocke über der Ladentür kündigte mich an, während ich den Laden betrat. Mir schlug ein erdiger Geruch entgegen. An der Decke hingen Blätter und Sträucher zum Trocknen und vor mir, in einem Regal an der Wand standen Flaschen mit allerlei Tinkturen und anderen Flüssigkeiten.</p>



<p>Es gab auch eine Apotheke in unserem Dorf, aber für viele Leute war Thandeka noch immer die erste Anlaufstelle für medizinische Probleme.</p>



<p>„Ah, Jan“, grüßte mich eine kleine schwarze Frau mit luftiger Kleidung. Sie trug ein rotes Tuch in den Haaren, das oben zu einem eleganten Knoten gebunden war. „Es ist lange her. Wie geht es deinem Vater?“</p>



<p>Sofort senkte ich den Kopf zu einem knappen Gruß. „Guten Tag Gogo“, grüßte ich sie mit der förmlichen Anrede für weibliche Sangomas.</p>



<p>Thandeka lachte. Es erinnerte mich an die Glocke über ihrer Tür. „Ach bitte, Jan, sag doch Thandeka zu mir. Immerhin sind wir alte Freunde.“ Sie zwinkerte mir zu.</p>



<p>Das zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. Dann jedoch erinnerte ich mich an den Grund meines Besuchs und mein Gesicht wurde wieder ernst. „Ich brauche deine Hilfe. Ich wurde letzte Nacht von einem Tokoloshe besucht, aber Pa glaubt mir nicht. Er meint, dass ich bloß geträumt hätte.“</p>



<p>Thandeka ging um den Tresen, hinter dem sie stand, um sich mir gegenüberzustellen. Obwohl ich erst 15 war, musste ich leicht den Kopf senken, um ihr in die Augen zu sehen. „Und was denkst du?“, fragte sie. „Kann es ein Albtraum gewesen sein?“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich war hellwach. Er ist aus dem Zimmer gerannt, als Pa mir zur Hilfe geeilt ist. Aber er hat den Tokoloshe nicht gesehen, obwohl er an ihm vorbeigelaufen ist.“</p>



<p>Thandeka nickte wissend. „Manche Tokoloshe können nur von ihren Opfern gesehen werden. Ich möchte dir keine Angst machen, aber wenn du wirklich einen Tokoloshe gesehen hast, kann es sein, dass du verflucht wurdest. Das ist eine ernste Angelegenheit. Am besten sollte ich einige Schutzrituale in eurem Haus durchführen.“</p>



<p>Ich sah sie mit großen Augen an. „Nein, bitte“, sagte ich schnell. „Pa glaubt nicht an Tokoloshes. Er würde das nicht wollen. Gibt es keine andere Möglichkeit?“</p>



<p>Thandeka sah mich überrascht an, ehe sie sanft lächelte. „Jan, vielleicht warst du noch zu jung, um dich daran zu erinnern, aber dein Vater war vor vielen Jahren selbst bei mir, damit ich mich um einen Tokoloshe in eurem Haus kümmere. Ich bin sicher, er wird es verstehen.“</p>



<p>Jetzt blickte ich zu Boden. Ich erinnerte mich gut daran. Er hatte mich grün und blau geschlagen, mir dabei den Arm gebrochen, und die Tat schließlich einem Tokoloshe angehängt.</p>



<p>„Wenn du möchtest“, fuhr Thandeka fort, „bringe ich dich das kurze Stück nach Hause. Dann kann ich mit deinem Vater reden.“ Sie griff sanft nach meinem Arm, um mich zur Tür zu begleiten.</p>



<p>Aber ich blockte ab. „Nein!“, sagte ich ein Stück zu energisch. „Nein“, wiederholte ich dann ruhiger. „Bitte. Das damals war kein Tokoloshe. Nach Mas Tod hat Pa mit dem Trinken angefangen. Er versteckt es gut, aber wenn er betrunken ist, wird er oft gewalttätig. Ich hatte mich nicht benommen und da hat er … Er hat …“ Mehr brachte ich nicht hervor. Noch nie zuvor hatte ich mit irgendwem darüber geredet. Ich hatte nicht gewagt, es laut auszusprechen, also sah ich Thandeka nun mit feuchten Augen an.</p>



<p>An ihrer entsetzten Miene sah ich, dass sie verstanden hatte. Mein Vater hatte mich krankenhausreif geschlagen. Anschließend brachte er mich zu Thandeka und erzählte, dass ich von einem Tokoloshe angegriffen wurde, damit sie sich um meine Wunden kümmerte, ohne dass er dafür in Schwierigkeiten geriet.</p>



<p>„Oh, Jan“, sagte Thandeka. Sie legte mir eine Hand auf die Schulter. „Das wusste ich nicht. Tut mir leid. Wenn ich irgendetwas für dich tun kann …?“ Sie sah mich fragend an.</p>



<p>Ich schenkte ihr ein schiefes Lächeln und zuckte mit den Schultern. „Kannst du mir irgendwie gegen den Tokoloshe helfen, ohne dass Pa es mitbekommt?“</p>



<p>Schnell nickte sie. „Natürlich. Das einfachste Mittel gegen einen Tokoloshe ist, das Bett zu erhöhen. Sie können nicht sonderlich gut klettern. Viele Leute legen Ziegelsteine unter die Bettfüße. Aber ein paar dicke Bücher gehen auch. Und wenn ihn das nicht vertreibt, kannst du eine Linie aus Salz auf die Türschwelle und vor die Fenster streuen. Da kommt er nicht vorbei.“</p>



<p>Ich strahlte Thandeka an. Damit konnte ich auf jeden Fall arbeiten. „Danke, Tante Thandeka“, sagte ich.</p>



<p>Nun strahlte auch sie. Tante Thandeka. So hatte ich sie als Kind immer genannt, weil sie eine so gute Freundin meiner Ma war. „Lass dich gerne wieder häufiger hier blicken“, sagte sie, während sie sanft meine Schulter drückte. „Und sollte es mit dem Tokoloshe noch irgendwelche Probleme geben, komm gerne jederzeit vorbei.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Das Gespräch mit Thandeka war inzwischen drei Tage her. Und was soll ich sagen? Das Bett mit einigen Büchern zu erhöhen, hatte geholfen. Der Tokoloshe kam so nicht mehr an mich heran. Dafür stand er jetzt nachts in meinem Zimmer und starrte mich an. Eine kleine dunkle Gestalt, die mitten im Raum stand. Manchmal hörte ich ihn leise atmen. Dass meine Nächte seitdem nur noch aus sehr wenig Schlaf bestanden, muss ich euch wohl nicht erklären.</p>



<p>Erst hatte ich noch gehofft, dass das Ding irgendwann das Interesse verlieren würde, wenn es mir nicht mehr schaden konnte. Stattdessen wartete es jedoch Nacht für Nacht geduldig in meinem Zimmer. Was, wenn ich einmal nachts auf Toilette musste? Oder wenn ich einschlief und zu nah an die Bettkante geriet? Wenn es einen Arm oder ein Bein zu packen bekam. Nein. So konnte es nicht weitergehen. Also ging ich zu Thandekas anderer Idee über: dem Salz.</p>



<p>Ich streute damit je eine dünne Linie auf sämtliche Fensterbänke sowie auf die Türschwelle der Haustür und zu meinem Zimmer. Meine Hoffnung war, dass Pa es in seinem berauschten Zustand nicht bemerken oder es zumindest ignorieren würde. Das ging nach hinten los.</p>



<p>Während ich im Bett lag – obwohl es schon lange dunkel war, fehlte von dem Tokoloshe noch immer jede Spur – hörte ich plötzlich aus dem Haus ein lautes Poltern. Kurz darauf fluchte mein Vater.</p>



<p>„Verdammte Scheiße!“, schimpfte er lauthals. „Was ist das für ein Scheiß? Jan!“</p>



<p>Stapfende Schritte näherten sich meinem Zimmer. Im Flur vor meiner Tür polterte irgendetwas. Erneutes Fluchen. Dann flog meine Zimmertür auf.</p>



<p>„Was zum …!?“ Pa musste das Salz auf meiner Türschwelle entdeckt haben. „Ist das auf deinem Mist gewachsen?“, schrie er mich an. Ich konnte seine Fahne bis hier riechen.</p>



<p>Ehe ich etwas sagen, mich verteidigen konnte, fuhr er fort. „Findest du das etwa lustig? Ich bin darauf ausgerutscht. Ich hätte sterben können!“</p>



<p>Im nächsten Moment flog auch schon seine Bierflasche. Es kam so unerwartet, dass ich nicht ausweichen konnte. Sie traf mich mitten im Gesicht, knapp unter dem rechten Auge.</p>



<p>Sofort bedeckte ich die Stelle mit meinen Händen. Mein Gesicht bestand nur noch aus pochenden Schmerzen. Ich kauerte weinend auf dem Bett, während Pa auf mich zukam. Aber während ich noch schützend meinen Kopf von ihm wegdrehte, damit seine Schläge nur meinen Rücken trafen, griff er lediglich nach seiner Bierflasche und verließ damit das Zimmer. Ich blieb zitternd und weinend auf meinem Bett zurück.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Tag schmerzte meine rechte Gesichtshälfte. Im Badezimmer sah ich, dass ich ein blaues Auge hatte. Ich ging ohne Frühstück noch vor der Schule wieder zu Thandekas Geschäft.</p>



<p>„Jan, was ist passiert?“, fragte sie entsetzt, als ich den Laden betrat. „War das der Tokoloshe?“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. In wenigen Worten berichtete ich, was passiert war.</p>



<p>Thandeka holte sofort ein Kühlpack, das ich mir auf das Auge legen sollte. Sie sah mich mit einer Mischung aus Mitleid und Verzweiflung an. Ich sah ihr an, dass sie mir helfen wollte. „Jan, ich …“ Sie zögerte. „Vielleicht gibt es noch eine andere Möglichkeit. Es wird nicht einfach, aber … Komm nach der Schule noch einmal in den Laden, ja? Gegen 17 Uhr?“</p>



<p>Und das tat ich. Nach der Schule – dort erzählte ich, dass ich unglücklich gestürzt sei – stand ich um Punkt 17 Uhr wieder vor Thandekas Geschäft. An der Tür hing ein Schild, dass Thandeka gleich zurück sei. Ich trat trotzdem ein. Die Ladenglocke klingelte über mir.</p>



<p>Im Geschäft selbst war alles wie immer. Von Thandeka fehlte jedoch jede Spur. Stattdessen saß eine Frau auf einem Stuhl in der Ecke. Ihre Haut war dunkel und sie trug offene Dreadlocks, ein weißes T-Shirt und eine Jeans. Irgendwie kam sie mir bekannt vor.</p>



<p>„So“, sprach sie mich an, während sie sich langsam erhob. „Du hast also ein Problem mit einem Tokoloshe?“ Irgendetwas an ihr war mir unheimlich.</p>



<p>Mein Mund war plötzlich sehr trocken. Ich brachte nur ein Nicken zustande.</p>



<p>„Und warum denkst du, dass ich ausgerechnet dir helfen sollte?“, fragte sie. „Nach allem, was deine Familie mir angetan hat?“</p>



<p>Ich schluckte schwer. „Was … meine Familie Ihnen angetan hat?“, wiederholte ich.</p>



<p>Die Frau antwortete nicht. Stattdessen strich sie sich mit einer von langen schwarzen Fingernägeln besetzten Hand ihre Locks über das rechte Ohr. Darunter kam eine längliche Narbe zum Vorschein.</p>



<p>Und da fiel mir wieder ein, woher ich sie kannte. „Oh“, sagte ich knapp. „Sie sind Lindiwe, richtig?“</p>



<p>Die Frau nickte langsam, während sie mir tief in die Augen starrte.</p>



<p>Sie hatte früher in unserem kleinen Örtchen gewohnt. Das war jedoch, bevor sie von den anderen Bewohnern vertrieben wurde. Es hieß damals, dass sie eine Hexe sei und einen Tokoloshe beschworen hätte.</p>



<p>Aber das Schlimmste: Es war Pas schuld gewesen. Seine Lüge über meine Verletzungen, über den angeblichen Tokoloshe, waren der Grund, warum sie nicht mehr bei uns leben durfte. Ein wütender Mob hatte sie und ihre Tochter bedroht und aus unserem Dorf vertrieben. Wenn ich mich richtig erinnere, kam die Narbe an ihrer Schläfe von einem Stein, den ihr Nachbar nach ihr geworfen hatte.</p>



<p>„Also? Warum sollte ich ausgerechnet dir helfen?“, wiederholte sie.</p>



<p>Ich schluckte schwer. „Es … Es tut mir leid. Was man Ihnen und Ihrer Tochter angetan hat, war nicht richtig. Aber es war nicht meine Schuld. Es war mein Pa. Er … Er hat die Geschichte mit dem Tokoloshe erfunden, um meine Verletzungen zu erklären. Sie müssen wissen, er hat mir den Arm gebrochen. Ich … Bitte, ich kann nichts dafür. Ich möchte doch nur wieder ruhig schlafen können“, sprudelten die Worte nur so aus mir hervor.</p>



<p>Lindiwe kniff die Augen zusammen. Sie kam auf mich zu. Ein süßliches Parfum schwang in ihrer Bewegung mit. Ich unterdrückte den Drang, zurückzuweichen, während sie mir ihren Zeigefinger an das Kinn legte und damit vorsichtig meinen Kopf hob, um mir in die Augen zu sehen.</p>



<p>Die folgenden Sekunden kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Ich merkte, wie mein Atem ungewöhnlich schnell ging, während sie mich eingehend musterte, als wolle sie irgendetwas in meinen Augen lesen.</p>



<p>Dann plötzlich ließ sie mein Kinn los und trat einen Schritt zurück. „Also gut. Du hast Recht. Dich trifft keine Schuld. Immerhin warst du noch ein Kind. Mein Tokoloshe wird dir keine nächtlichen Besuche mehr abstatten.“</p>



<p><em>Ihr</em> Tokoloshe? Also war sie wirklich eine Hexe?</p>



<p>Ehe ich sie darauf ansprechen konnte, nahm sie jedoch eine schwarze Lederjacke, die mir bisher nicht aufgefallen war, von einem Stuhl und verließ damit den Laden. Das Klingeln der Glocke sollte noch lange in meinem Kopf nachhallen.</p>



<p>War das gerade wirklich passiert? Es kam mir zu einfach vor. Doch die Frau, Lindiwe, sollte recht behalten. Der Tokoloshe ließ mich fortan in Ruhe. In der folgenden Nacht lag ich mehrere Stunden wach, ohne dass irgendwer – oder irgendetwas – mein Zimmer betrat. Neues Salz hatte ich keines gestreut.</p>



<p>Dafür weckten mich mitten in der Nacht plötzlich Schreie. Verwirrt sah ich zur Uhr. 02:07 Uhr. Was war da los?</p>



<p>Ohne weiter darüber nachzudenken, sprang ich aus meinem Bett und rannte in den Flur. Die Schreie kamen aus Pas Schlafzimmer. Schnell öffnete ich die Tür.</p>



<p>Pa saß an die Rückenlehne gepresst, die Beine an seine Brust gezogen. Er atmete schwer und starrte in den leeren Raum.</p>



<p>„Pa!“, rief ich. „Was ist? Was ist los?“</p>



<p>Jetzt sah er mich mit weit aufgerissenen Augen an. „Da … Da war ein Tokoloshe! Er wollte mich angreifen!“, sagte er laut. In seiner Stimme schwang Alkohol mit.</p>



<p>Für einen Moment sah ich ihn nur an. Die Hexe hatte ihr Wort gehalten. Sie hatte mich von ihrem Fluch befreit … und ihn auf Pa übertragen. Meine Gedanken rasten.</p>



<p>Dann jedoch setzte ich ein Lächeln auf. Ich schüttelte den Kopf. „Pa, du hast geträumt“, sagte ich. „Es gibt keine Tokoloshe.“</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Tokoloshe, auch Tokkelo oder Tikoloshe genannt, ist ein koboldartiges <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a> der Zulu Folklore in Südafrika.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Für das Aussehen der Tokoloshes gibt es sehr verschiedene Beschreibungen. Sie sind aber immer unter einen Meter groß, koboldartig und haben oft tierische Eigenschaften.</p>



<p>Generell sollen sie wie ein kleiner Mensch aussehen mit meist schwarzer, oft verschrumpelter Haut oder Fell sowie manchmal mit langen Ohren und/oder einem Tierschwanz.</p>



<p>Außerdem habe ich teilweise von spitzen und/oder gelben Zähnen gelesen.</p>



<p>Darüber hinaus haben sie oft einen Nagel oder ein Loch davon in der Stirn, der wohl für ihre Beschwörung genutzt wird. (Über das <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale">Ritual</a>, mit dem man einen Tokoloshe beschwören kann, habe ich jedoch nichts finden können.)</p>



<p>In einigen Versionen sollen sie auch einen sehr langen Penis haben. In einer Quelle habe ich sogar davon gelesen, dass sie ihn über die Schulter werfen müssen, damit er nicht am Boden schleift.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Im Normalfall muss ein Tokoloshe beschworen werden – meist wird das einer Hexe oder einem Hexendoktor zugeschrieben, seltener den Sangoma, wie in Südafrika die Heiler genannt werden. Die Tokoloshes werden dadurch zu ihren Dienern und machen alles, was die Person, die sie erschaffen hat, von ihnen verlangt.</p>



<p>Das kann je nach Quelle von körperlicher Arbeit über Diebstahl bis hin zu sexuellen Handlungen reichen.</p>



<p>Häufig werden Tokoloshes jedoch eingesetzt, um anderen Personen zu schaden. In diesen Fällen sucht der Tokoloshe nachts seine Opfer heim. Dabei sind die Tokoloshes oft unsichtbar – inwieweit sie sich unsichtbar machen können, ist aber umstritten. So habe ich davon gelesen, dass sie entweder nur von ihren Opfern oder nur von Kindern gesehen werden können, andere Male davon, dass sie sich nur unsichtbar machen können, indem sie z. B. einen speziellen Stein haben, den sie bei sich tragen oder herunterschlucken.</p>



<p>Was genau der Tokoloshe mit seinen Opfern macht, kann sehr unterschiedlich sein. So greift er sie manchmal körperlich an, indem er sie z. B. beißt, schlägt oder kratzt, oder er vergewaltigt sie sogar. Dem Tokoloshe kann so ziemlich alles Negative zuschreiben werden, das den Opfern widerfährt – sei es, dass er sie krank macht, für Unglück sorgt, ihre Beziehung ruiniert oder seine Opfer tötet.</p>



<p>Man kann sich jedoch recht einfach gegen Tokoloshes verteidigen: Aufgrund ihrer Körpergröße haben sie Schwierigkeiten, Menschen auf hohen Betten zu erreichen. Man muss also nur sein Bett höher stellen – oft wird dies gemacht, indem man die Bettfüße auf Ziegelsteine stellt.</p>



<p>Eine andere effektive Methode soll Salz sein, das man auf die Türschwelle und vor die Fenster streuen kann. Ich habe sogar spezielles Tokoloshe-Salz und Tokoloshe-Öl von südafrikanischen Anbietern gefunden, das gegen die Monster helfen soll.</p>



<p>Will man hingegen auf Nummer Sicher gehen und den Tokoloshe endgültig loswerden, wird dazu geraten, dass man sich an einen Sangoma wendet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Da die Legende der Tokoloshes aus Südafrika stammt, sollen sie hauptsächlich in Südafrika sowie seltener in angrenzenden Ländern vorkommen.</p>



<p>Theoretisch wäre ein Tokoloshe aber überall auf der Welt möglich, sofern jemand ihn dort beschwört oder ihn dorthin mitnimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Als möglicher Ursprung für den Tokoloshe werden die früheren Lebensbedingungen der Menschen in den ländlichen Regionen Südafrikas genannt. In diesen Regionen sollen die Menschen früher – besonders in kalten Nächten – auf dem Boden (bzw. auf Matratzen auf dem Boden) nahe von Feuerstellen geschlafen haben.</p>



<p>Wenn es dabei unzureichende Durchlüftung gab, kann es sein, dass sich in dem Zimmer zu viel Kohlendioxid gesammelt hat. Da Kohlendioxid schwerer ist als Luft, ist es zu Boden gesunken und hat dafür gesorgt, dass die Menschen, die am Boden schliefen, erstickt sind. Da andere Menschen auf erhöhten Betten verschont geblieben waren, ist man wahrscheinlich davon ausgegangen, dass ein kleines Wesen, das nicht auf die Betten klettern kann, an den Toden schuld ist: Die Legende des Tokoloshe war geboren – zumindest, wenn man dieser Theorie glaubt.</p>



<p>Aber wie die Legende auch entstanden sein mag, Fakt ist, dass der Glaube an die Tokoloshes in Südafrika noch immer weit verbreitet ist. Sie werden sogar regelmäßig in Zeitungen wie der Daily Sun erwähnt.</p>



<p>Leider ist dadurch jedoch ein ganz anderes Problem entstanden: Da die Tokoloshes oft als Grund für unerklärliche Verletzungen, sexuellen Missbrauch oder mysteriöse Schwangerschaften genannt werden, bieten sie den Tätern eine einfache Methode, sich selbst von der Schuld zu befreien, indem sie den Wesen die Schuld zuschieben. So kommt es leider durchaus vor, dass kein gewalttätiger Ehemann, sondern ein Tokoloshe für die Verletzungen einer Ehefrau verantwortlich gemacht wird, oder nicht etwa der Onkel, sondern ein Tokoloshe für eine unerklärliche Schwangerschaft eines Teenagers.</p>



<p>Außerdem habe ich auf Zoutnet, einer südafrikanischen Nachrichtenseite, von einem Fall gelesen, bei der eine Frau von ihrer Gemeinde beschuldigt wurde, einen Pavian zu einem Tokoloshe gemacht zu haben, der daraufhin mehrere Frauen vergewaltigt habe. Es hat sich so weit zugespitzt, dass eines Tages ein wütender Mob zu ihrem Haus gewandert ist, um sie umzubringen. Dazu kam es zwar nicht, aber ihr Ruf und der ihrer Familie hat auch nach dem Vorfall sehr darunter gelitten.</p>



<p>Aber zum Glück bringt der Glaube an das Wesen nicht nur Schattenseiten mit sich. Er kann auch Opfern von körperlicher oder sexueller Gewalt dabei helfen, über ihre Erlebnisse zu sprechen und so die entsprechende medizinische Behandlung zu erhalten, die, wenn sie den Täter beim Namen nennen müssten, nie über den entsprechenden Vorfall geredet hätten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Tokoloshe in der Popkultur:</h3>



<p>Der Tokoloshe hat diverse Auftritte und Erwähnungen in der Popkultur. So gibt es z. B. den südafrikanisch-französischen Thrillerfilm „A Reasonable Man“ (Englisch für „Ein vernünftiger Mann“, 1999), der auf einem echten Fall basiert, bei dem ein Vater seinen Sohn umgebracht hat, in dem Glauben, dass es sich bei ihm um einen Tokoloshe handelt.</p>



<p>Außerdem gibt es diverse Horrorfilme über die Kreatur wie z. B. „Blood Tokoloshe“ („Blut Tokoloshe“, 2013), „The Tokoloshe“ (2018) oder „Tokoloshe: The Calling“ („Tokoloshe: Die Berufung“, 2020) sowie diverse Romane wie z. B. den Fantasyroman „Tokoloshe Song“ (2014) von Andrew Salomon oder das Monster-Fighting-Manga „Tokoloshe Hunters“ („Tokoloshe Jäger“, 2026) von Bill Masuku.</p>



<p><em>Was haltet ihr von dem Tokoloshe? Wie hättet ihr an Jans Stelle reagiert, als er den Tokoloshe gesehen hat und als sein Vater ihm nicht geglaubt hat? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/tokoloshe">Tokoloshe – Lass ihn nicht aufs Bett!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/tokoloshe/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>5</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Interaktive Geschichte – Das Pfeifer-Haus</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/interaktive-geschichte-das-pfeifer-haus</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/interaktive-geschichte-das-pfeifer-haus#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Oct 2025 17:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[interaktiv]]></category>
		<category><![CDATA[interaktive Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Poltergeist]]></category>
		<category><![CDATA[Poltergeister]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3302</guid>

					<description><![CDATA[<p>Endlich ist es soweit: Rechtzeitig zu Halloween ist die zweite Interaktive Geschichte von mir endlich fertig. Wie auch letztes Mal möchte ich an dieser Stelle um Rückmeldungen bitten, da interaktive Geschichten für mich immer noch sehr neu sind. Was hat euch gefallen? Was hat euch nicht gefallen oder sogar gestört? Schreibt mir also gerne einen &#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/interaktive-geschichte-das-pfeifer-haus">Interaktive Geschichte – Das Pfeifer-Haus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Endlich ist es soweit: Rechtzeitig zu Halloween ist die zweite Interaktive Geschichte von mir endlich fertig. Wie auch letztes Mal möchte ich an dieser Stelle um Rückmeldungen bitten, da interaktive Geschichten für mich immer noch sehr neu sind. Was hat euch gefallen? Was hat euch nicht gefallen oder sogar gestört?</p>



<p>Schreibt mir also gerne einen Kommentar, solltet ihr Kritik, Anmerkungen oder sonst etwas auf dem Herzen haben. Außerdem würde mich wieder wahnsinnig interessieren, welches Ende (oder welche Tode, falls ihr auf dem Weg zum ersten Ende sterbt) ihr zuerst erreicht habt.</p>



<p>Jetzt aber viel Spaß beim Gruseln!</p>



<p>Solltet euch die Darstellung unten nicht gefallen (besonders am PC ist es dank der Seitenleiste etwas eng), könnt ihr die Geschichte auch über den folgenden Link spielen:</p>



<p><a href="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2025/10/Interaktive-Geschichte-–-Spuk-im-Pfeifer-Haus-1.html">Interaktive Geschichte in einem separaten Tab spielen</a></p>


<script type="text/javascript">
var heightAdjustment = 112;
var autoscroll = 1;
var scrollAdjustment = 100;
var myIframeTop = null;

window.addEventListener('message', function(e) {

  //var $iframe = jQuery("#my_iframe");
  var eventName = e.data[0];
  var data = e.data[1];
  switch(eventName) {
    case 'setHeight':
      //$iframe.height(data);
      fixData = data + heightAdjustment;
      document.getElementById("my_iframe").style.height = fixData + "px";
      if(autoscroll){
        window.scrollTo({
          top: myIframeTop,
          left: 0,
          behavior: 'smooth'
        });
      }
      break;
  }
}, false);

function EmbedTwineCacheIframe(){
    var myIframeEl = document.getElementById("my_iframe");
    var position = myIframeEl.getBoundingClientRect();
    myIframeTop = position.top - scrollAdjustment;
}

setTimeout(EmbedTwineCacheIframe, 50);

</script>
<div><iframe id="my_iframe" src="/wp-content/uploads/embed-twine/Interaktive-Geschichte-–-Spuk-im-Pfeifer-Haus.html" scrolling="yes" width="100%"></iframe></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/interaktive-geschichte-das-pfeifer-haus">Interaktive Geschichte – Das Pfeifer-Haus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/interaktive-geschichte-das-pfeifer-haus/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>6</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[Rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[besessene Puppe]]></category>
		<category><![CDATA[besessene Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselpuppe]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselpuppen]]></category>
		<category><![CDATA[Hide and Seek Alone]]></category>
		<category><![CDATA[Hitori Kakurenbo]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorpuppe]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorpuppen]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Puppe]]></category>
		<category><![CDATA[Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3285</guid>

					<description><![CDATA[<p>Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo">Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f553b64606004ffa887facbe453f3bcc" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Hitori Kakurenbo ist ein japanisches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale">Ritual</a>, das besonders in der Zeit vor <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween">Halloween</a> sehr beliebt ist.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Dann wollen wir mal“, murmelte ich. Ich nahm das Messer und stach dem Teddy damit in den Bauch. Es war schwieriger, als ich gedacht hätte. Der alte Stoff war ziemlich stabil. Trotzdem hatte der Teddy bald einen gut fünf Zentimeter langen Schnitt im Bauch.</p>



<p>Sofort machte ich mich daran, die Watte aus seinem Körper zu ziehen.</p>



<p>„Hast du’s?“, hörte ich Leonies Stimme aus meinem Smartphone. Wir kannten einander von der Arbeit. Unsere Kollegen spekulierten oft, ob wir zusammen seien, aber in Wirklichkeit war sie bloß meine beste Freundin.</p>



<p>Genau wie ich war sie ein Horrorfan. Eigentlich feierten wir Halloween immer zusammen. Es war jedoch das Jahr 2020. Corona hatte uns einen dicken Strich durch unsere Feiertagspläne gemacht. Also hatten wir entschieden, uns an diesem 31. Oktober lediglich telefonisch zu treffen.</p>



<p>So hatten wir bereits einige Stunden gequatscht, zwei Horrorfilme zusammen geschaut und jede Menge rumgealbert. Das Hauptevent des Abends stand uns aber noch bevor. Wir wollten zusammen das japanische Ritual Hitori Kakurenbo durchführen – „allein Versteckspielen“, wie es auf Deutsch übersetzt heißt. Und dafür brauchte man ein Stofftier.</p>



<p>Der Teddy vor mir wirkte jetzt, wo er keine Watte mehr im Körper hatte, noch kläglicher als ohnehin schon. Sein Stoff war fleckig und abgenutzt, ihm fehlte ein Auge und nun sah er auch noch aus wie ein Ballon, aus dem man die Luft gelassen hatte.</p>



<p>„So. Ich füll jetzt den Reis in meinen Teddy“, erklärte ich Leonie.</p>



<p>„Ich bin schon dabei, meine Puppe wieder zuzunähen“, erwiderte sie, als sei es ein Wettrennen. Sie hatte sich für eine billige Stoffpuppe entschieden.</p>



<p>„Du musstest auch keine Watte aus den Ohren pulen“, konterte ich.</p>



<p>Danach schwiegen wir wieder konzentriert, während sie ihre Puppe zusammennähte und ich meinen Teddy mit dem ungekochten Reis füllte. Jetzt fehlte nur noch eine Zutat. Ich griff nach dem Toilettenpapier, auf das ich meine frisch geschnittenen Fingernägel gelegt hatte. Ich kippte sie zu dem Reis. Das Stofftier brauchte einen Teil der Person, die das Ritual durchführen wollte.</p>



<p>Als Nächstes nahm ich die Nadel mit dem roten Faden, die ich bereits vorbereitet hatte. Man musste das Stofftier mit einem roten Faden vernähen und anschließend mit dem restlichen Faden umwickeln. Ich machte mich sofort an die Arbeit. Zugegeben, ich war kein Nähmeister – die Stiche waren alles andere als gleichmäßig, aber sie schienen zu halten. Also wickelte ich den restlichen Faden um den dünnen braunen Körper, ehe ich ihn festknotete.</p>



<p>„Okay. Ich bin fertig“, erklärte ich. „Bei dir alles klar?“</p>



<p>„Jap. Annabelle ist einsatzbereit.“</p>



<p>Mir entfuhr ein Lacher. „Annabelle? Ernsthaft?“</p>



<p>„Ja. Ich dachte, der Name passt zu einer besessenen Puppe. Wieso? Wie hast du deinen Teddy genannt?“, fragte sie.</p>



<p>Ich grinste. „Herr von und zu Flausch“, sagte ich.</p>



<p>Jetzt musste auch Leonie lachen. „O Mann, Dom, du bist echt bescheuert“, neckte sie mich.</p>



<p>Mein Grinsen wurde breiter.</p>



<p>Dann wurde sie wieder ernst. „Als Nächstes müssen wir das Salzwasser vorbereiten und in unser Versteck stellen.“</p>



<p>Ich nickte – auch wenn sie das natürlich nicht sehen konnte –, ehe ich in die Küche ging. Dort füllte ich einige Teelöffel Salz in eine Flasche mit warmem Wasser, drehte den Deckel zu und schüttelte sie. Von Leonie hörte ich das Rühren eines Löffels in einem Glas.</p>



<p>Nachdem wir fertig waren, brachte ich die Flasche ins Schlafzimmer. Zugegeben, der Wandschrank war nicht unbedingt das beste Versteck, aber ich ging ja auch nicht davon aus, dass <em>wirklich</em> etwas passieren würde.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p><em>03:00 Uhr</em></p>



<p>„Hast du dein Handy auf stumm gestellt?“, fragte Leonie.</p>



<p>Ich nickte. „Jap. Du hoffentlich auch?“</p>



<p>„Klar. Also dann. Wir hören uns, wenn wir im Versteck sind. Bis gleich.“</p>



<p>„Bis gleich.“</p>



<p>In dem Moment brach die Verbindung ab. Leonie hatte aufgelegt.</p>



<p>Ich atmete einmal tief durch. „Also dann“, wiederholte ich.</p>



<p>Obwohl schon den ganzen Abend niemand außer mir im Haus war, fühlte ich mich jetzt zum ersten Mal allein. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich würde es vor Leonie niemals zugeben, aber jetzt, wo es wirklich ernst wurde, war mir tatsächlich etwas mulmig zu Mute. Trotzdem würde ich sie nicht mit dem Ritual allein lassen. Also griff ich nach Herrn von und zu Flausch. Ich betrachtete sein entstelltes Gesicht, während ich ihn in die gefüllte Badewanne legte. Das Wasser war kalt. Erneutes Durchatmen.</p>



<p>„Saisho no Oni wa Dominik da kara“, sagte ich laut: Weil Dominik zuerst der Oni ist. Ich hatte die japanischen Sprüche für das Ritual extra auswendig gelernt, falls sie auf Deutsch nicht funktionierten. „Saisho no Oni wa Dominik da kara“, wiederholte ich. Und ein drittes Mal: „Saisho no Oni wa Dominik da kara.“</p>



<p>Daraufhin drehte ich mich um, ging durch den Flur und schaltete die Lichter aus. Anschließend machte ich den Fernseher im Wohnzimmer an. Sofort wurde ich von einem lauten Rauschen begrüßt. Aber so musste das sein, wenn ich das Ritual genau befolgen wollte. Nun schaltete ich auch das Licht im Wohnzimmer aus. Die einzigen Lichter im gesamten Haus waren jetzt der rauschende Fernseher und meine Handytaschenlampe.</p>



<p>Ich schloss die Augen und zählte laut bis zehn: „Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Sechs. Sieben. Acht. Neun. Zehn. Ich komme!“</p>



<p>Schnell ging ich zurück zum Badezimmer. Ich stieß die Tür auf, leuchtete mit dem Handy zur Wanne und ging darauf zu. Der Teddy war auf den Grund gesunken, weshalb ich den Ärmel hochkrempeln musste, ehe ich das tropfende Teil aus dem kalten Wasser zog.</p>



<p>Jetzt kam der nächste Part. „Mitsuketa!“, rief ich lauter als beabsichtigt: Ich habe dich gefunden.</p>



<p>Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll.</p>



<p>„Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“, rief ich. Als Nächstes ist Herr von und zu Flausch der Oni. „Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni! Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“</p>



<p>Ich atmete schwer. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wasser lief geräuschvoll aus dem Teddy in die Wanne. Ansonsten war es völlig still.</p>



<p>Für einen Moment war ich wie erstarrt. Dann warf ich das Stofftier zurück in die Wanne, ließ das Messer klappernd auf die Fliesen fallen und rannte auf meinen Socken aus dem Badezimmer. Ich sprintete weiter ins Schlafzimmer, ehe ich mich in den Wandschrank stürzte und die Tür hinter mir zuschob.</p>



<p>Mein Atem ging noch immer ungewöhnlich schnell. Ich blieb einige Sekunden völlig regungslos, ehe ich bemerkte, dass meine Handytaschenlampe noch immer an war. Mit unruhigen Fingern schaltete ich das Display ein, wischte hektisch zur Taschenlampenfunktion und schaltete sie ab. Scheiße! Wieso war ich so nervös? Es war doch nur ein Spiel.</p>



<p>Jetzt war es völlig dunkel um mich herum. Ich achtete auf jedes Geräusch. Aber abgesehen von dem statischen Rauschen des Fernsehers in der Ferne war da nur noch mein leiser Atem. Langsam beruhigte ich mich wieder. Alles war in Ordnung.</p>



<p>Plötzlich leuchtete mein Handydisplay auf. Ich zuckte zusammen. Leonie rief an. Sofort tippte ich auf den grünen Hörer.</p>



<p>„Hey“, flüsterte Leonie.</p>



<p>„Hi“, flüsterte ich zurück.</p>



<p>„Na? Wie siehts bei dir aus?“, fragte sie.</p>



<p>„Ich bin in meinem Versteck.“</p>



<p>„Ich auch.“ An ihrer Aussprache konnte ich hören, wie sie grinste. Wie konnte sie nur immer so cool bleiben?</p>



<p>„Also? Was meinst du?“, fragte ich. „Wie lange müssen wir warten, bis etwas passiert?“</p>



<p>Leonie schien einen Moment zu überlegen. „Weiß nicht. Aber das Spiel darf maximal zwei Stunden dauern. Zuuu lange sollte es also nicht sein.“</p>



<p>Jetzt musste auch ich grinsen. „Wir sollten also lieber hoffen, dass Annabelle und Herr von und zu Flausch von der langsamen Sorte sind. Wenn ich zwei Stunden hätte, um das ganze Haus zu durchsuchen, würde ich mich locker finden. Ich hock im Wandschrank. Wo hast du dich versteckt?“</p>



<p>Ich hörte ein belustigtes Schnaufen. „Hinter dem Sofa.“</p>



<p>Wow. Leonie war ja noch unkreativer bei ihrer Versteckwahl gewesen als ich.</p>



<p>Wir hockten noch eine Weile in unseren Verstecken und alberten im Flüsterton herum, während alles ruhig zu bleiben schien. Dann plötzlich brach Leonie jedoch mitten im Satz ab und sagte leise: „Schh! Ich glaub, da war was!“</p>



<p>Angespanntes Schweigen. Bei mir im Haus war alles still. Trotzdem traute ich mich nicht, als erster etwas zu sagen.</p>



<p>„Scheiße! Auf dem Flur ist irgendetwas!“, flüsterte Leonie. Ihre Stimme war jetzt so leise, dass ich sie kaum hören konnte.</p>



<p>Meinte sie das ernst? War es vielleicht nur Einbildung? Oder wollte sie mich ärgern?</p>



<p>Im nächsten Moment hörte ich etwas, das sich nach einem umfallenden Wasserglas anhörte, das kurz darauf über Parkettboden rollte.</p>



<p>„Scheiße!“, wiederholte Leonie lauter. Diesmal lag eindeutig Panik in ihrer Stimme.</p>



<p>Kurz meinte ich, eine andere Person durch den Lautsprecher zu hören: „Mitsuketa!“ Es war einer der Sprüche, die ich auswendig gelernt hatte. Ich habe dich gefunden. Vorhin hatte ich es noch selbst zu Herrn von und zu Flausch gesagt.</p>



<p>Dann brach am anderen Ende der Leitung Chaos aus. „Nein!“ Leonie entfuhr ein spitzer Aufschrei. Es folgte das Rascheln von Kleidung, panische bis schmerzerfüllte Rufe von Leonie und schließlich ein dumpfer Aufprall. Dann war wieder alles Still.</p>



<p>„Leonie?“, fragte ich. Kurz vergaß ich zu flüstern. „Leonie?“, wiederholte ich dann wieder leiser.</p>



<p>Aber es kam keine Antwort. Stattdessen war der Anruf plötzlich beendet.</p>



<p>Wenn das ein Scherz war, ging Leonie definitiv zu weit! Schnell wählte ich sie wieder in meinen Kontakten aus. Es klingelte. Und klingelte. Und klingelte.</p>



<p>„Hey, hier ist Leonie Siemens. Leider kann ich gerade nicht ans Telefon gehen. Versuchen Sie es später noch einmal oder hinterlassen Sie mir eine Nachricht.“</p>



<p>Schnell versuchte ich es erneut. Aber wieder nichts. Als ich sie gerade ein drittes Mal anrufen wollte, hörte ich jedoch selbst etwas in meinem Haus. Das statische Rauschen klang irgendwie anders. „Dominik.“ Hatte es gerade meinen Namen gerauscht? Aber nein, das musste ich mir einbilden. „Dominik, Dominik, Dominik.“</p>



<p>Ich unterdrückte den Drang, mir die Ohren zuzuhalten. War das gerade eine Tür gewesen? Wahrscheinlich waren es nur die Nerven, die mit mir durchgingen. Andererseits hatte ich nicht vor, ein Risiko einzugehen. Ich griff nach der Flasche mit dem Salzwasser, drehte sie auf und nahm ein wenig der Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p>Sofort verzog ich das Gesicht. Ich hatte es mit dem Salz wirklich <em>sehr</em> gut gemeint.</p>



<p>Trotzdem: Wenn man der Anleitung im Internet glauben durfte, sollte ich jetzt vor dem Geist oder Dämon in Sicherheit sein, der Herrn von und zu Flausch besetzt haben könnte.</p>



<p>Fast kam ich mir albern vor, während ich die Schranktür aufschob, das Salzwasser im Mund. Aber Leonie war nicht der Typ für solche geschmacklosen Scherze. Auch nicht an Halloween. Ich nahm das Ganze also gerade sehr ernst.</p>



<p>Auf leisen Sohlen schlich ich, die Handytaschenlampe in der einen Hand, die Flasche mit Salzwasser in der anderen, Richtung Badezimmer. Gegen das Licht der Taschenlampe konnte ich wenig tun – ansonsten würde ich wohl überall gegenlaufen. Außerdem wollte ich gerade nicht in völliger Dunkelheit sein. Aber ich war froh, dass ich sämtliche Türen offengelassen hatte. So konnte ich mich wenigstens geräuschlos durch das Haus bewegen.</p>



<p>Kurz vorm Badezimmer trat ich mit der Socke in etwas Nasses. Ich erstarrte. Vom Badezimmer zog sich eine Pfütze den Flur entlang. Wo kam das Wasser her?</p>



<p>Schnell betrat ich das Badezimmer. Ich leuchtete zur Wanne. Herr von und zu Flausch war weg. Abgesehen vom Wasser und einigen Reiskörnern war die Badewanne leer.</p>



<p>Jetzt setzte in mir Panik ein. Bis eben konnte ich mir noch einreden, dass es eine andere Erklärung für die seltsamen Phänomene gab. Aber ein Stofftier konnte nicht einfach von selbst aus einer Badewanne verschwinden. Zumindest nicht, ohne von einem Geist oder Dämon besessen zu sein.</p>



<p>Das Wasser schwappte in meinem Mund hin und her, während ich mich hektisch umsah. Aber natürlich war Herr von&nbsp;und zu Flausch nicht mehr im Badezimmer. Also ging ich weiter in den Flur. Ich musste ihn schnellstens mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, um das Ritual zu beenden.</p>



<p>Ich folgte der Spur aus Wasser. Bei näherer Betrachtung sah ich in unregelmäßigen Abständen Reiskörner darin liegen. Herr von und zu Flausch musste einiges an Strecke zurückgelegt haben. Die feuchte Spur führte ins Arbeitszimmer, von dort aus zurück in den Flur, ehe sie schließlich in der Küche so schwach wurde, dass man sie kaum noch erkennen konnte. Bisher hatte ich den Teddy jedenfalls nirgends gesehen.</p>



<p>Mit gerunzelter Stirn trat ich zurück in den Flur. Wo konnte er sein? Im Schlafzimmer war er eben jedenfalls noch nicht gewesen. Wenn er also nicht in den Keller gegangen war, blieb nur noch das Wohnzimmer.</p>



<p>Ich spähte zu der offenen Tür. Noch immer hörte ich deutlich das Rauschen des Fernsehers. Zum Glück konnte ich jetzt keine Stimmen mehr darin hören. Mit leisen Schritten ging ich darauf zu. Als ich nahe genug war, schaltete ich vorsichtshalber sogar die Taschenlampe aus und steckte das Handy weg.</p>



<p>Das Fernsehbild warf ein schwach flackerndes Licht ins Wohnzimmer. Und direkt davor auf dem Teppich stand eine kleine Gestalt. Herr von und zu Flausch stand auf beiden Beinen, das kleine Küchenmesser am Ende seines linken Arms, wo es auf übernatürliche Weise festhielt. Ich hatte ihn gefunden.</p>



<p>Für einen Moment zögerte ich. Dann nahm ich all meinen Mut zusammen und ging auf das Ding zu. Dabei spürte ich, wie mein Magen sich zusammenkrampfte. Alles in mir schrie danach, mich von dem Teddy fernzuhalten. Aber das durfte ich nicht. Ich musste das Ritual beenden!</p>



<p>Es war unmöglich, zu sagen, ob er mich bemerkt hatte. Ich hatte keine Ahnung, wie genau mich das Salzwasser in meinem Mund vor ihm schützen würde. Im Moment stand er jedenfalls völlig reglos da.</p>



<p>„DOMINIK!“, schrie plötzlich eine Stimme aus dem Fernseher.</p>



<p>Ich stolperte erschrocken zurück, verschluckte mich an dem Salzwasser und … schluckte es versehentlich hinunter.</p>



<p>Mit geweiteten Augen starrte ich nun den Teddy an. Noch hatte er sich nicht bewegt. Also griff ich langsam nach dem Deckel der Salzwasserflasche, um sie aufzudrehen. Sobald sich meine Hand jedoch bewegte, brach die Hölle los.</p>



<p>„Mitsuketa!“, schrie plötzlich eine zierliche Stimme. Gleichzeitig setzte sich Herr von und zu Flausch in Bewegung. Er rannte auf mich zu, sprang in die Luft und schnitt mir mit dem Messer ins Schienbein. Das wiederum sorgte dafür, dass ich noch weiter zurückwich. Ich stolperte, kam ins Straucheln und fiel rücklings zu Boden. Mein Kopf knallte auf das Parkett.</p>



<p>Aber ich gab mir keinen Moment, mich zu erholen. Obwohl sich alles drehte, griff ich wieder nach der Flasche, die ich noch immer in der Hand hielt. Zum Glück hatte ich sie noch nicht aufdrehen können, sodass sie nicht ausgelaufen war.</p>



<p>Doch auch Herr von und zu Flausch zögerte keine Sekunde. Er rannte weiter auf mich zu, sprang auf mein linkes Bein und lief darauf entlang. Dabei hackte er wie in Raserei um sich. Schmerz zuckte durch mein Bein und ich spürte, wie sich die Hose schnell mit einer warmen Flüssigkeit vollsog.</p>



<p>Zum Glück arbeitete mein Hirn auf Hochtouren. Statt zu versuchen, den wahnsinnigen Teddy abzuwehren, drehte ich die Flasche auf. Ich führte sie an die Lippen und nahm einen Schwall der salzigen Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p>Herr von und zu Flausch hatte inzwischen meinen Bauch erreicht. Mit der Spitze nach unten hob er das Messer und … erstarrte. In dem Moment, wo ich das Salzwasser im Mund hatte, hörte er auf, sich zu bewegen.</p>



<p>Ich atmete schwer, musste den Drang unterdrücken, zu schlucken. Stattdessen rappelte ich mich auf, schlug den Teddy von mir, als wäre er eine große Spinne – natürlich darauf bedacht, nicht ins Messer zu fassen.</p>



<p>Er flog einen halben Meter durch den Raum und landete auf dem Rücken, das Messer noch immer über den Kopf erhoben.</p>



<p>Sofort schüttete ich die restliche Flüssigkeit aus der Flasche über ihn. Das Stofftier wurde schlaff, ließ sogar das Messer fallen. Zu guter Letzt bespuckte ich ihn mit der Flüssigkeit aus meinem Mund.</p>



<p>„Watashi no Kachi!“, rief ich. Ich gewinne. „Watashi no Kachi! Watashi no Kachi!“ Aber ich fühlte mich nicht, als hätte ich gewonnen.</p>



<p>Auch wenn der Teddy sich daraufhin nicht mehr bewegte, nahm ich ihn und legte ihn in eine Bratpfanne. Ich übergoss ihn mit Brandbeschleuniger und zündete ihn an. Ich sah dabei zu, wie sein kleiner unscheinbarer Körper von den Flammen zerfressen wurde. Erst, als er fast nur noch aus Asche bestand, löschte ich die Glut und kümmerte mich um meine Wunden. Es waren viele, aber zum Glück waren sie nicht sonderlich tief.</p>



<p>Dabei wählte ich wieder und wieder Leonies Nummer in meinem Smartphone aus. Sie ging nicht ran. Aber ich wusste bereits, was passiert war. Annabelle hatte sie getötet. Ein Verdacht, der sich bereits am nächsten Tag bestätigte.</p>



<p>Aber das war noch nicht alles: Von Annabelle, der Mörderin meiner besten Freundin, fehlte jede Spur.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h2>



<p>Hitori Kakurenbo (ひとりかくれんぼ, Japanisch für „eine Person Versteckspiel“ oder „allein Versteckspielen“), im westlichen Raum auch unter der englischen Übersetzung „Hide and Seek Alone“ bekannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus Japan. Dabei handelt es sich um ein Ritual, bei dem eine Stoffpuppe oder ein Stofftier von einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> oder einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämon</a> besessen wird.</p>



<p>Das Ritual ist auch in Korea sehr beliebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Anleitung:</h3>



<p><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbereitung:</h4>



<p>Du benötigst:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>eine Puppe aus Stoff oder ein Stofftier mit Gliedmaßen</li>



<li>ungekochten Reis</li>



<li>eine Nadel und roten Faden</li>



<li>einen spitzen Gegenstand <em>(es wird empfohlen, einen Bleistift, eine Nadel oder einen Zahnstocher zu nehmen, auch wenn du theoretisch auch ein Messer oder eine Schere nehmen kannst)</em></li>



<li>abgeschnittene Finger- oder Fußnägel von dir selbst (<em>es sind auch andere körpereigene Materialien wie Haare, Blut oder Hautschuppen möglich, aber damit soll das Ritual gefährlicher werden)</em></li>



<li>ein Glas oder eine Flasche mit Salzwasser</li>



<li>eine mit Wasser gefüllte Badewanne oder ein gefülltes Waschbecken (<em>darüber, ob auch ein gefüllter Eimer oder eine Wäscheschüssel funktionieren, habe ich geteilte Meinungen gelesen</em>)</li>
</ul>



<p>Zuerst musst du dem Stofftier einen Namen geben, falls es noch keinen hat. Ich würde allerdings davon abraten, ein Stofftier zu nehmen, an dem dir etwas liegt, da man das Stofftier nach dem Ritual vernichten muss.</p>



<p>Schneide das Stofftier auf, entferne die Watte und ersetze sie vollständig mit dem ungekochten Reis. Leg die Finger- oder Fußnägel (oder für was auch immer du dich sonst entschieden hast) hinein und vernähe den Schnitt mit dem roten Faden. Wickel den restlichen roten Faden um das Stofftier und knote ihn zusammen.</p>



<p>Nun solltest du dich für ein Versteck entscheiden. Ich empfehle, dass du dort auch bereits das Glas oder die Flasche mit dem Salzwasser deponierst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ablauf:</h4>



<p>Das Ritual beginnt um 3 Uhr morgens. Nimm das Stofftier und sag zu ihm dreimal: „最初の鬼は(dein Name)だから“ („Saisho no Oni wa <em>dein Name</em> da kara“, auf Deutsch etwa: „Weil <em>dein Name</em> der erste Oni ist.“ – In Japan werden die Suchenden beim Versteckspielen als „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni</a>“ bezeichnet.)</p>



<p>Danach musst du mit dem Stofftier ins Badezimmer gehen und es in die gefüllte Wanne (oder das gefüllte Waschbecken) legen.</p>



<p>Schalte nun alle Lichter im Haus aus und den Fernseher ein. Der Fernseher darf allerdings kein Programm anzeigen (im besten Fall sollte er Bildrauschen darstellen).</p>



<p>Wenn du damit fertig bist, schließe die Augen und zähle bis zehn.</p>



<p>Jetzt musst du ins Badezimmer gehen und mit dem spitzen Gegenstand auf das Stofftier in der Wanne einstechen, während du sagst: „見つけた“ („Mitsuketa“, „Ich habe dich gefunden“). Anschließend musst du dreimal „次は(Name des Stofftiers)が鬼“ („Tsugi wa <em>Name des Stofftiers</em> ga Oni“, „Als Nächstes ist <em>Name das Stofftiers</em> der Oni!“) sagen, ehe du dich in deinem Versteck mit dem Salzwasser versteckst. (Was genau du mit dem spitzen Gegenstand machen sollst, nachdem du das Stofftier damit gestochen hast, geht nicht aus der verbreiteten Anleitung hervor. Viele Leute lassen es bei dem Stofftier liegen, damit es nun sie damit sie jagen kann.)</p>



<p>Ab jetzt kann es passieren, dass das Stofftier sich bewegt, um dich zu suchen, während weitere paranormale Phänomene passieren. Um welche Phänomene es sich genau handelt, kann von Erzählung zu Erzählung variieren. Es ist aber u. a. von Poltergeistphänomenen und Geräuschen, Stimmen oder Gesichtern im Fernsehrauschen die Rede.</p>



<p>Es sollte an dieser Stelle natürlich klar sein, dass das Stofftier dich auf keinen Fall finden darf, da du sonst in Lebensgefahr schwebst oder der Geist bzw. Dämon von dir Besitz ergreifen können soll.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo beenden:</h4>



<p>Um das Spiel zu beenden, musst du nun einen Schluck Salzwasser in den Mund nehmen. Achte aber darauf, dass du ihn die ganze Zeit im Mund behältst und nicht herunterschluckst oder ausspuckst.</p>



<p>Nun musst du dich auf die Suche nach dem Stofftier machen, das restliche Salzwasser aus dem Becher oder der Flasche darauf gießen und das Wasser aus deinem Mund darüber spucken. Sag nun dreimal laut: „私の勝ち“ („Watashi no Kachi“, „Ich gewinne“).</p>



<p>Der Geist oder Dämon sollte das Stofftier nun verlassen haben. Da er jedoch zurückkehren könnte, solltest du das Stofftier schnellstmöglich vernichten, indem du es verbrennst.</p>



<p>Auch wenn du alles korrekt durchführst, soll es jedoch passieren können, dass du nach dem Spiel krank wirst oder paranormale Phänomene erlebst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternative Version:</h4>



<p>In einer anderen Version dient das Stofftier hauptsächlich als Objekt für die Beschwörung. Der Geist oder Dämon ist zwar in gewisser Weise daran gebunden und es soll trotzdem passieren können, dass das Stofftier sich bewegt, er kann sich aber unabhängig von ihm durch das Haus bewegen. In dieser Version versucht also der Geist oder Dämon in seiner eigenen Gestalt (nicht als Stofftier) die Durchführenden zu finden.</p>



<p>Um das Ritual zu beenden, musst du auch in dieser Version das Stofftier suchen, mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, dreimal sagen, dass du gewonnen hast, und es anschließend verbrennen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Regeln:</h4>



<p>Zu den weiteren Regeln gehören, dass du während des gesamten Rituals allein im Haus sein musst (es sollten auch keine Haustiere da sein). Man darf das Ritual also nicht mit mehreren Personen durchführen.</p>



<p>Die Lichter müssen die ganze Zeit über ausgeschaltet bleiben.</p>



<p>Du darfst während des Rituals auf keinen Fall einschlafen.</p>



<p>Verlass nicht das Haus, während das Ritual noch im Gange ist.</p>



<p>Und besonders wichtig: Das Versteckspiel darf niemals länger als 2 Stunden andauern. Ansonsten läufst du Gefahr, dass der Dämon oder Geist zu mächtig wird und sich nicht mehr so leicht vertreiben lässt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die urbane Legende soll ursprünglich aus der Kansai- und der Shikokuregion in Japan stammen. Es gibt Gerüchte, dass Hitori Kakurenbo als Experiment in einer japanischen Universität entstanden sei, mit dem man herausfinden wollte, wie gut sich urbane Legenden verbreiten können.</p>



<p>Es heißt außerdem, dass Hitori Kakurenbo mit dem Kokkuri-san Ritual zusammenhänge, einem alten japanischen Ritual, dass der Geisterbeschwörung mit einem Ouija-Brett ähnelt. Den genauen Zusammenhang habe ich nicht herausfinden können. Ich kann mir aber vorstellen, dass, sollte die Theorie mit dem Universitätsexperiment stimmen, das Kokkuri-san Ritual nur erwähnt wurde, um der Legende mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.</p>



<p>Jedenfalls wurde am 18. April 2007 erstmals eine detaillierte Anleitung des Hitori-Kakurenbo-Rituals auf der japanischen Website 2chan gepostet.</p>



<p>Zahlreiche Leute haben das Ritual daraufhin ausprobiert, auf 2chan davon berichtet und es teilweise auch gefilmt. Die anderen Leute, die davon gelesen oder die Videos gesehen haben, haben es wiederum selbst ausprobiert und ihre Erfahrungen ins Netz gestellt, woraufhin weitere Leute diese Erfahrungen gelesen haben usw.</p>



<p>So hat sich das Ritual recht schnell verbreitet und es bald über die Landesgrenzen geschafft. Bereits im Herbst 2008 soll Hitori Kakurenbo in Amerika angekommen sein. Von dort aus hat es sich schließlich in die weitere westliche Welt verbreitet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo in der Popkultur:</h3>



<p>Auf YouTube und ähnlichen Plattformen gibt es zahlreiche Videos über Leute aus allen möglichen Ländern, die Hitori Kakurenbo durchführen.</p>



<p>Außerdem gibt es die japanische Horrorfilmreihe „Hitori Kakurenbo Gekijōban“ (Japanisch für „Allein Versteckspielen: Der Film“, 2009), „Hitori Kakurenbo Shin Gekijōban“ („Allein Versteckspielen: Der neue Film“, 2010) und „Hitori Kakurenbo Gekijōban Shin Toshidensetsu“ (Allein Versteckspielen: Der Film – wahre urbane Legende“, 2012) sowie den alleinstehenden Film „Hitori Kakurenbo“ (2008), die das Ritual aufgreifen.</p>



<p>2010 kam sogar von der berühmten virtuellen Sängerin Hatsune Miku das gleichnamige Lied „ひとりかくれんぼ“ (Hitori Kakurenbo) heraus.</p>



<p>Darüber hinaus gibt es einige Videospiele über die Legende, z. B. das Smartphonegame „Alone Hide and Seek“ für iOS und Android, das Multiplayerhorrorspiel „Hitori Kakurenbo Online“ (es befindet sich jedoch im Early Access und wurde seit 18 Monaten nicht geupdatet) sowie diverse weitere Spiele, die ihr unter den Namen „Hide and Seek Alone“ und „Hitori Kakurenbo“ auf itch.io finden könnt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Hitori Kakurenbo? Kanntet ihr das Ritual bereits? Habt ihr es vielleicht schon einmal selbst durchgeführt oder würdet es gerne versuchen? Schreibt es in die Kommentare!</em> </p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo">Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>The Carter Brothers – Sie wollen dein Blut!</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/the-carter-brothers</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/the-carter-brothers#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Carter Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[New Orleans]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[The Carter Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Vampir]]></category>
		<category><![CDATA[Vampire]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3272</guid>

					<description><![CDATA[<p>Als ich zu mir kam, saß ich in einem dunklen Zimmer. Mein Kopf dröhnte. Ich fühlte Stoff in meinem Mund. Aber als ich versuchte, den Lappen auszuspucken, merkte ich, dass er hinter meinem Kopf zusammengebunden war …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-carter-brothers">The Carter Brothers – Sie wollen dein Blut!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/0fffaa6db77e408b8c4844c67e3d59ad" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>The Carter Brothers ist eine Vampirlegende aus den USA. Es geht um ein kleines Mädchen, das in die Fänge der beiden <a href="https://geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Kreaturen</a> gerät. Aber lest selbst.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Kindesentführung<br>
&#8211; Gewalt gegen Kinder<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Es gibt Erfahrungen, die uns nie verlassen. Erfahrungen, die einige von uns in den Wahnsinn treiben können, während andere versuchen, ihr Leben normal weiterzuleben.</p>



<p>Mein Name ist Ruth und ich hatte eine solche Erfahrung, als ich noch ein kleines Mädchen war. Damals hatte ich in New Orleans gelebt. Es war das Jahr 1932, die Zeit der Great Depression. Doch obwohl mein Vater wie unzählige andere seinen Job verloren hatte, gehörte ich zu den glücklicheren Kindern. Während viele meiner Mitschüler die Schule verlassen mussten, um zu arbeiten und ihren Eltern zu helfen, hatte meine Familie einige Rücklagen. Aber darum geht es in meiner Geschichte überhaupt nicht. Es geht darum, wie ich von den Carter Brothers entführt wurde.</p>



<p>Es war ein Tag wie jeder andere. Nach der Schule war ich wie immer in Miss Fergusons Schneiderei gegangen, um ihr auszuhelfen und so etwas Geld zu verdienen. Es war nicht viel, aber ich war froh über jeden Dollar, mit dem ich meine Eltern unterstützen konnte.</p>



<p>Danach machte ich mich auf den Heimweg, um zusammen mit meinen Eltern und meinen beiden Brüdern zu Abend zu essen.</p>



<p>Der Himmel färbte sich bereits rosa, während die flachen Absätze meiner Schuhe über den gepflasterten Weg klackerten. Autos fuhren mit dröhnenden Motoren an mir vorbei. Es roch nach Abgasen und Industrie – einen Geruch, den ich aus Gewohnheit nicht mehr wirklich wahrnahm. Die Gesichter der Menschen, die mir entgegenkamen – Männer in schicken Anzügen und Frauen in mehrschichtigen Kleidern – waren ausdruckslos.</p>



<p>Kurz gesagt: Es war alles wie immer. Mein Heimweg war reine Gewohnheit für mich. Seit Jahren ging ich diese Straßen entlang, fünfmal die Woche, ohne dass je etwas passiert war. Ich achtete gar nicht mehr wirklich auf meine Umgebung. Und so sah ich den Arm nicht kommen, der plötzlich aus einer Seitenstraße schnellte. Er packte mich am Oberarm und riss mich in die Gasse. Ein kurzer spitzer Aufschrei war alles, was ich von mir geben konnte. Dann wurde mir auch schon ein nasser Lappen aufs Gesicht gedrückt.</p>



<p>Sofort stieg mir ein süßlich-künstlicher Geruch in die Nase. Er erinnerte mich an die Putzmittel, die meine Mom manchmal benutzte.</p>



<p>Natürlich wehrte ich mich gegen meinen Angreifer. Ich trat und schlug um mich, versuchte, den Lappen von meinem Gesicht zu reißen. Aber der Mann – Wayne Carter, wie ich später erfuhr – hielt mich eisern fest.</p>



<p>Es dauerte nicht lange, bis mir schwummerig wurde. Mit jedem Atemzug durch den stinkenden Lappen wurden meine Schläge kraftloser. Bald fing die Welt um mich herum an sich zu drehen. Kurz darauf verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p>Ich frage mich oft, warum die Carter Brothers ausgerechnet mich ausgesucht hatten. Ihr müsst wissen, dass ihre anderen Opfer ausschließlich Erwachsene waren. War es bloß Zufall gewesen? War ein anderes Opfer gestorben und ein Mädchen wie ich war ein leichtes Ziel gewesen? Eine günstige Gelegenheit, weil ich mich nicht gegen sie wehren konnte? Weil es nicht weiter auffiel, wenn ein Mann ein schlafendes Mädchen durch die Stadt trug? Ich wusste es nicht.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Als ich zu mir kam, saß ich in einem dunklen Zimmer. Mein Kopf dröhnte. Ich fühlte Stoff in meinem Mund. Aber als ich versuchte, den Lappen auszuspucken, merkte ich, dass er hinter meinem Kopf zusammengebunden war.</p>



<p>&nbsp;Auch fielen mir jetzt die Seile auf, mit denen meine Arme an einen Stuhl gefesselt waren. Und auch meine Beine konnte ich nicht wirklich bewegen.</p>



<p>Ich stieß panische Laute aus, erstickt von dem Knebel, warf den Kopf nach links und rechts. Dabei sah ich die anderen.</p>



<p>In dem Zimmer standen weitere Stühle. Sie waren – genau wie meiner – mit Schrauben am Boden fixiert. Doch was viel schlimmer war: In jedem der vier Stühle saß ein weiterer Mensch. Sie waren gefesselt und geknebelt, genau wie ich. Ein Mann etwa so alt wie Dad und drei Frauen in ähnlichem Alter. Aber da war noch etwas anderes: Ihre Handgelenke waren mit weißem Stoff umwickelt. Er war von roten Flecken durchzogen.</p>



<p>Was passierte hier nur? Mit einem erneuten Quieken versuchte ich, die Frau zu meiner Rechten auf mich aufmerksam zu machen. Aber sie sah nicht einmal auf. Obwohl ihre Augen offen waren, hing ihr Kopf schlaff herab. Würde ihre Brust sich nicht langsam heben und senken, hätte ich sie für tot gehalten.</p>



<p>Plötzlich hörte ich das Knallen einer Tür und eine Männerstimme aus dem Nebenzimmer. „… sind schon wieder gestiegen. Wer kann das alles noch bezahlen?“</p>



<p>Wieder machte ich Lärm. Ich versuchte zu schreien, den Mann auf mich aufmerksam zu machen. Und tatsächlich: Die Tür öffnete sich.</p>



<p>„Mach dir keinen Kopf, John. Solange wir unsere Jobs nicht verlieren, müssen wir uns kein Sorgen machen“, sagte ein zweiter Mann, der jetzt den Raum betrat.</p>



<p>Schlagartig wurde ich still. Es war der Mann, der mich in die Gasse gezerrt hatte.</p>



<p>Zum ersten Mal konnte ich meine Entführer richtig sehen. Sie sahen erschreckend normal aus. Zwei Männer im Alter von 30 oder 40 Jahren. Sie trugen schlichte Kleidung, beige Hemden und je eine braune Ballonmütze auf dem Kopf. Sie sahen aus, als wären sie völlig normale Dockarbeiter.</p>



<p>„Ach so“, warf der erste Mann – John – ein, während er die Tür hinter sich schloss. „Die Anderen wollen am Samstag zum Boxen gehen. Harrison hat wohl eine Wette laufen. Sie haben gefragt, ob wir mitwollen. Hast du Lust?“</p>



<p>Der zweite Mann zuckte mit den Schultern, während er zu einem Tisch ging. „Weiß nicht“, erwiderte er. „Ich bin kein Fan von diesem sinnlosen Rumgeprügel.“ Er nahm irgendetwas von dem Tisch und begann, es mit einer Flüssigkeit zu säubern.</p>



<p>„Ach, hab dich nicht so, Wayne. Gib dir einen Ruck. Das wird bestimmt lustig.“</p>



<p>Wayne zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich denk drüber nach.“</p>



<p>Die Situation kam mir surreal vor. Bisher hatte mich keiner der beiden Männer auch nur eines Blickes gewürdigt. Sie unterhielten sich, als wären fünf Gefangene in ihrem Zimmer das normalste der Welt.</p>



<p>Dann drehte Wayne sich zu mir um. Er war fertig damit, das Skalpell in seinen Händen zu desinfizieren. Mein Atem beschleunigte sich, während ich mit aufgerissenen Augen auf die Klinge starrte.</p>



<p>Wayne sah zu John, während er auf mich zukam. Doch von dem kam keine Antwort mehr. Stattdessen hielt er einen glänzenden Kelch in der Hand und kam jetzt ebenfalls auf mich zu.</p>



<p>Hektisch sah ich zwischen ihnen hin und her. Was hatten sie vor?</p>



<p>John erreichte mich als erster. Er löste mit geschickten Griffen das Seil um meinen linken Arm. Wollten sie mich gehenlassen?</p>



<p>Sobald mein Arm jedoch frei war, packte er wieder danach. Er hielt ihn fest, sodass ich ihn nicht mehr bewegen konnte.</p>



<p>Nun war auch Wayne bei mir. Er hielt das Messer vor sich, als wolle er mir drohen. Sein Blick war dabei stur auf meinen Arm gerichtet.</p>



<p>Mit Entsetzen sah ich dabei zu, wie er die Klinge an meine weiche Haut führte. Ich versuchte, mich zu wehren, den Arm freizubekommen. Aber die Seile und John hielten mich zu sehr fest.</p>



<p>Tränen schossen mir in die Augen. Ich wimmerte und versuchte wieder durch den Stoff zu schreien, ihn anzuflehen, mich in Ruhe zu lassen. Aber Wayne zögerte nicht einmal, da zog er mir die Klinge bereits durch das Handgelenk.</p>



<p>Sofort wurde mir wieder schwindelig. Blut lief in einem kleinen Rinnsal aus der Wunde, das John nun mit seinem Kelch auffing. Je mehr ich mich wehrte, desto mehr Blut schoss aus meinem Arm. Am liebsten hätte ich weggesehen, aber ich konnte es nicht. Mir war speiübel.</p>



<p>Und dann war es vorbei. Wayne reichte das blutige Skalpell an John weiter, ehe er eine weiße Rolle Verband hervorkramte. Genauso routiniert, fast beiläufig, wie bei dem Schnitt mit dem Messer verband er mein Handgelenk. Der Verband drückte fest auf die frische Verletzung. Er griff nach dem Seil und schlang es mir um den Arm, ehe er es wieder verknotete. Das alles, ohne mir auch nur ein einziges Mal ins Gesicht zu sehen.</p>



<p>Während ich dasaß und weinte, gingen sie weiter zu der Frau neben mir. Sie entfernten die Fesseln ihres rechten Arms, ehe sie ihren Verband lösten. Ich sah jede Menge getrocknetes Blut und die kaum verheilte Wunde an ihrem Handgelenk. Auch bei ihr zögerten Wayne und John keine Sekunde, ehe sie die Wunde mit dem Skalpell wieder öffneten und ihr Blut in dem Kelch einfingen. Die Frau zeigte dabei fast so wenig Reaktion wie die Männer selbst.</p>



<p>So gingen die beiden einmal reihum. Die drei anderen Gefangenen reagierten ganz unterschiedlich. Eine der Frauen versuchte erfolglos, sich zu wehren, der Mann weinte und die andere Frau schloss die Augen und wiegte sich langsam vor und zurück, bis Wayne ihren Arm wieder verbunden hatte.</p>



<p>Jetzt war der Kelch fast randvoll mit Blut. John und Wayne richteten sich auf, sie sahen einander an und lächelten.</p>



<p>„Auf dich, Bruderherz“, sagte John, während er Wayne zuprostete. Er nahm einen kräftigen Schluck Blut, schien ihn richtig zu genießen.</p>



<p>Allein bei dem Gedanken dreht sich mir noch heute der Magen um. Ich sehe sein Gesicht noch immer vor mir, wie er genüsslich die Augen schließt, Blut an seinen Lippen, und die Flüssigkeit mit völlig zufriedener Miene herunterschluckt.</p>



<p>Anschließend gab er den Kelch an Wayne weiter. „Auf uns“, sagte dieser, ehe auch er aus dem Kelch trank.</p>



<p>Nachdem sie unser Blut brüderlich geteilt hatten, nahmen sie den leeren Kelch mit ins Nebenzimmer, schlossen die Tür hinter sich und ließen uns in der dunklen Kammer allein.</p>



<p>Am Anfang saß ich noch völlig angespannt auf meinem Stuhl. Ich achtete auf jedes Geräusch, das aus dem Nebenzimmer kam, wartete nur darauf, dass die Brüder zurückkamen. Aber das taten sie nicht. Für den Rest der Nacht ließen sie uns allein. Und so war ich, völlig erschöpft von den Ereignissen des Tages und noch immer angeschlagen von dem Narkosemittel und dem Schnitt in meinem Arm, bald eingeschlafen.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ich wachte erst wieder auf, als die Sonne durch die Vorhänge vor den Fenstern schien. Sie tauchte den Raum in ein schummriges Licht. Für einen kurzen Moment wusste ich nicht, wo ich war. Es war ein Moment des Friedens. Dann jedoch spürte ich den Schmerz in meinem Handgelenk und wurde gewaltsam in die Realität zurückgerissen.</p>



<p>Mein Oberkörper war zur Seite gekippt, mein linker Arm verrutscht, sodass mir die Fessel in der Armbeuge hing. Sie saß locker. Ungläubig starrte ich das Seil an. Wenn ich den Arm soweit darin bewegen konnte, vielleicht konnte ich dann …</p>



<p>Sofort zerrte und rüttelte ich an meinem Arm. Er bewegte sich. Langsam, aber sicher arbeitete ich die Fessel zurück Richtung Hand. Dabei spürte ich, wie ich mir die Haut an dem Seil aufrieb. Und auch die Wunde am Handgelenk riss wieder auf. Ich spürte, wie Blut aus dem Schnitt quoll. Aber das war mir egal. Es funktionierte. Nur noch wenige Zentimeter, dann war ich beim Handgelenk. Jetzt am Handrücken. Die schwierigste Stelle war der Daumen, wo meine Hand am breitesten war. Aber ich schaffte es. Mit einem Ruck zog ich das raue Seil über mein Daumengelenk und meine linke Hand war frei.</p>



<p>Für einen Moment starrte ich bloß meinen Arm an, als könne ich es selbst nicht glauben. Ich sah mich zu meinen Mitgefangenen um. Sie hatten es noch nicht bemerkt.</p>



<p>Schnell machte ich mich daran, das Seil an meinem anderen Arm zu lösen. Es saß deutlich fester und war mit einem komplizierten Knoten versehen, wie ihn nur Seeleute kannten. Oder Dockarbeiter. Leider verstand ich das Prinzip dahinter nicht. Ich weiß nicht, wie lange ich tatsächlich daran saß, aber es kam mir vor wie über zehn Minuten, bis ich ihn endlich offen hatte. Dabei achtete ich die ganze Zeit auf alle möglichen Geräusche, irgendetwas, das mir verriet, dass die beiden Brüder zurückkamen. Aber im Haus blieb es still.</p>



<p>Also widmete ich mich den Seilen um meine Beine. Mein Herz raste vor Aufregung. Wieder dauerte es gefühlte Ewigkeiten, auch wenn die zweite freie Hand definitiv half.</p>



<p>Während ich gerade beim letzten Bein war, bemerkten mich eine der Frauen. Sie gab ein „Mhhh! Mhhhmhhh!“ von sich und machte so auch die anderen auf mich aufmerksam. Auch sie machten sofort Geräusche. Es brach ein wahres Konzert aus erstickten Schreien und Rufen aus. Sogar die Frau zu meiner Rechten sah mich aus erschöpften Augen an.</p>



<p>Panisch riss ich mir den Knebel aus dem Mund. „Seid leise! Seid leise!“, flehte ich.</p>



<p>Aber sie hörten nicht auf mich. Als hätten sie jegliche Vernunft verloren, schrien sie gedämpft weiter.</p>



<p>Langsam brach in mir Panik aus. Wenn sie so weitermachten, würden sie mich verraten! Ich zerrte und riss an dem Seil, zwang mich zur Ruhe, um den Knoten nicht wieder fester zu ziehen. Mein Puls dröhnte mir in den Ohren, während ich endlich eine Schlaufe aus dem Knoten zog. Ich zwängte meinen Zeigefinger hinein, zog an dem Seil und ich war frei.</p>



<p>Sofort sprang ich auf. Für einen kurzen Moment drehte sich alles, dann bekam mein Kreislauf sich wieder ein.</p>



<p>Mein erster Instinkt war, den anderen zu helfen. Ich wandte mich der Frau zu, die mir am nächsten saß, ging einen Schritt auf sie zu. Dann jedoch fiel mein Blick auf ihre Augen. Sie waren noch immer völlig ausdruckslos, völlig ohne jegliche Hoffnung. Außerdem waren da noch ihre Fesseln. Wie lange würde es dauern, bis ich sie gelöst hatte? Hatte ich so viel Zeit? War sie überhaupt stark genug, selbst zu gehen?</p>



<p>Ich stolperte wieder rückwärts. „Ich … Ich hol Hilfe“, stammelte ich. Dann machte ich auf dem Absatz kehrt und rannte zu der Tür, durch die die beiden Männer letzte Nacht hereingekommen waren.</p>



<p>Die von Stoff erstickten Schreie meiner Mitgefangenen wurden lauter, panischer. Aber ich war zu feige, hatte zu viel Angst, dass die beiden Brüder zurückkamen, meinen Fluchtversuch vereitelten.</p>



<p>Vorsichtig spähte ich in das andere Zimmer. Es war ein Wohnzimmer, etwas altmodisch aber ansonsten nicht ungewöhnlich eingerichtet. Von den beiden Männern fehlte jede Spur. Also schlich ich weiter zur Eingangstür. Kurz hatte ich die Befürchtung, dass sie verschlossen sei. Aber sie ließ sich ohne Probleme öffnen. Nach einem kurzen Sprint durch ein Treppenhaus war ich auf der Straße.</p>



<p>Sofort stieg mir wieder der Industriegeruch in die Nase. Es war eine willkommene Abwechslung gegenüber dem süßlichen Gestank in der Wohnung. Trotzdem erlaubte ich mir keine Pause. Ich kannte die Gegend – es war die Ecke, an der die Royal Street und die St. Ann Street aufeinandertrafen. Mein Zuhause war vielleicht zehn Minuten von hier entfernt.</p>



<p>Ohne weiter darüber nachzudenken, rannte ich los. Um diese Zeit waren die Straßen fast leer. Und die wenigen Menschen, die ich traf, ignorierten mich oder sahen mich bloß uninteressiert an, als ich versuchte, ihnen von den beiden Brüdern zu berichten, die mich und die vier anderen entführt hatten.</p>



<p>Dann jedoch bemerkte ich einen Polizisten, der mir entgegenkam. Ich rannte zu ihm und stellte mich ihm in den Weg.</p>



<p>„Bitte. Sie müssen mir helfen! Da waren zwei Männer. Sie haben mich entführt. Und es gibt noch vier andere. Sie brauchen Hilfe!“, schrie ich ihn an.</p>



<p>Der Polizist musterte mich. Er ging in die Hocke, um mir besser ins Gesicht sehen zu können. „Na, meine Kleine. Hast du dich verlaufen?“ Er hörte mir gar nicht richtig zu.</p>



<p>„Nein!“, protestierte ich. „Da waren zwei Männer. Sie haben unser Blut getrunken. Bitte, Sie müssen sofort mitkommen!“ Ich griff nach seinem Arm.</p>



<p>Dabei fiel sein Blick auf den blutigen Verband um mein Handgelenk. „Bist du verletzt?“, fragte er, endlich etwas mehr Ernst in seiner Stimme.</p>



<p>„Ja, aber das ist jetzt nicht wichtig. Den anderen geht es viel schlimmer als mir. Kommen Sie. Schnell!“, drängte ich.</p>



<p>So ganz schien er mir nicht zu glauben, aber nach kurzem Zögern erklärte er sich wenigstens bereit, mir zu folgen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte er ruhig ein Stück schneller gehen können, aber trotzdem standen wir kurze Zeit später vor der Wohnung meiner beiden Entführer.</p>



<p>Ich öffnete die Tür. Dabei stieg mir wieder dieser eklige süßliche Geruch in die Nase. Ich verzog das Gesicht.</p>



<p>Der Polizist hingegen war plötzlich in Alarmbereitschaft. Ohne, dass ich ihn erneut dazu auffordern musste, stürmte er in die Wohnung. „Hallo? Ist jemand da?“, fragte er.</p>



<p>Keine Antwort.</p>



<p>„Der Raum da hinten!“, sagte ich bloß. Ich zeigte auf die Tür.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Den restlichen Tag habe ich nur noch verschwommen in Erinnerung. Ich weiß noch, wie der Polizist die anderen befreit hatte, ehe er auf die Straße gerannt war, um mit seiner Trillerpfeife nach Verstärkung zu rufen.</p>



<p>Die anderen vier wurden, nachdem der Polizist uns befragt hatte, zusammen mit mir ins Krankenhaus gebracht. Soweit ich weiß, haben alle überlebt. Das heißt alle, die ich kennengelernt hatte. In einem Nebenzimmer lagen zwei Leichen, die die Carter Brothers nicht überlebt hatten. Sie waren auch für den Geruch in der Wohnung verantwortlich.</p>



<p>Was die Carter Brothers selbst angeht, so habe ich von ihnen nur noch in der Zeitung gelesen. Mein Bruder verdiente sein Geld als Zeitungsjunge, daher bekamen wir sie gratis. Und auch, wenn ich mich vorher nie wirklich dafür interessiert hatte – es gab so viele schwierige Wörter und so lange Texte darin – bin ich seit meiner Entführung eine eifrige Zeitungsleserin geworden. Es gab kaum einen Tag, an dem ich die Seiten nicht mindestens durchblätterte.</p>



<p>Jedenfalls wurden Wayne und John Carter noch am selben Tag verhaftet. Die Polizei wartete in der Wohnung, bis die beiden Brüder am Abend von ihrer Arbeit an den Docks nach Hause kamen. Wenn man den Zeitungen glauben konnte, brauchte es ganze acht Polizisten, um die beiden unscheinbaren Männer zu überwältigen.</p>



<p>Während ihres Prozesses berichteten die Brüder davon, Vampire zu sein, was zumindest ihre Eigenart erklärte, Blut zu trinken. Laut Polizei litten sie an Wahnvorstellungen. Die Brüder gaben ein umfangreiches Geständnis ab, weshalb sie schließlich zu Tode verurteilt wurden.</p>



<p>Danach las ich eine ganze Weile nichts mehr über sie. Der Fall schien in Vergessenheit zu geraten. Zumindest, bis man drei Jahre später einen Cousin in dem Familiengrab der Carters bestatten wollte. Von den Leichen der beiden Brüder fehlte jede Spur. Vielleicht war an ihrer Aussage, Vampire zu sein, ja doch etwas dran. Oder sie waren Leichendieben zum Opfer gefallen.</p>



<p>Zwei Tage später berichtete die Zeitung davon, dass sich eine gewisse Mildred Fisher, ein anderes Opfer der Carter Brothers, in eine psychiatrische Einrichtung einweisen ließ. Ich denke, dass sie die Frau mit dem ausdruckslosen Blick war, die mich noch manchmal in meinen Träumen verfolgt.</p>



<p>Es gibt Erfahrungen, die uns nie verlassen. Erfahrungen, die einige von uns in den Wahnsinn treiben können, während andere versuchen, ihr Leben normal weiterzuleben. Ich kann aber sagen, dass es nicht immer einfach ist.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>„The Carter Brothers“ (Englisch für „die Carter-Brüder“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus New Orleans, USA. Sie handelt von zwei Serienmördern, die sich selbst für Vampire gehalten haben oder tatsächlich welche gewesen sein sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p>Die Täter waren John und Wayne Carter – meist nur „the Carter Brothers“ genannt.</p>



<p>Sie waren zwei Hafenarbeiter von durchschnittlicher Größe und Statur. Trotzdem sollen sie ungewöhnlich stark gewesen sein und regelmäßig Blut getrunken haben.</p>



<p>Ob sie tatsächlich Vampire gewesen sein sollen, ist nicht eindeutig geklärt. Zwar gibt es Hinweise darauf, andererseits hatten sie aber keine Probleme damit, bei Tageslicht an den Docks zu arbeiten.</p>



<p>Viel mehr ist über die beiden nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Im Jahr 1932 wurde in New Orleans ein unbenanntes Mädchen von den Carter Brothers entführt. Die Brüder fesselten sie an einen Stuhl in ihrer Wohnung – genau wie die anderen vier Opfer, die mit ihr im selben Zimmer saßen.</p>



<p>Jeden Abend, wenn die Carter Brothers in die Wohnung kamen, sollen sie ihr und den anderen Opfern einen Schnitt am Handgelenk zugefügt haben, aus dem sie das Blut in einem Gefäß gesammelt und anschließend getrunken haben. Dabei haben die Brüder angeblich kaum geredet.</p>



<p>Nachdem sie fertig waren, verbanden sie die Schnitte und ließen die Opfer für die restliche Nacht in Frieden, nur um am nächsten Abend wiederzukommen.</p>



<p>Bei dem kleinen Mädchen haben die beiden jedoch einen Fehler gemacht: Sie haben die Fesseln, mit denen sie an den Stuhl gebunden war, nicht eng genug gezogen, sodass sie sich befreien konnte, während die Beiden bei der Arbeit waren.</p>



<p>Statt die anderen Opfer zu befreien, flieht sie nach draußen, wo sie einem Polizisten begegnet, während sie die Straße entlang rennt. Je nach Version spricht sie ihn an oder wird von ihm aufgehalten.</p>



<p>Nachdem sie ihm panisch die Situation erklärt hat, folgt der Polizist ihr skeptisch zu der Wohnung, wo er die anderen Opfer sowie mehrere Leichen findet. Die Zahl der Leichen variiert dabei zwischen zwei bis zu „über ein Dutzend“.</p>



<p>Der Polizist befreit die Opfer und ruft sofort Verstärkung, um den Carter Brothers aufzulauern. Die Carter Brothers werden am Abend festgenommen, als sie nichtsahnend von der Arbeit zurückkehren. An dieser Stelle heißt es oft, dass bis zu acht Polizisten nötig waren, um die ungewöhnlich kräftigen Männer zu überwältigen.</p>



<p>Alternativ können die Brüder entkommen, indem sie vom Balkon springen, werden jedoch am nächsten Tag bei ihrer Arbeit, zu der sie trotzdem zurückkehren, festgenommen.</p>



<p>Im Laufe der Gerichtsverhandlungen werden die Carter Brothers schließlich zu Tode verurteilt und hingerichtet. Dabei sollen sie selbst gesagt haben, dass sie Vampire seien und weitere Unschuldige angreifen müssten, sollten sie freikommen. In einigen Versionen sollen sie sogar selbst um ihre Hinrichtung gebeten haben.</p>



<p>Als einige Zeit später eine weitere Person im Familiengrab der Carters, wo auch die Carter Brothers liegen, bestattet werden soll, kommt es jedoch zu einer unheimlichen Entdeckung: Von den Leichen der Brüder fehlt jede Spur.</p>



<p>Angeblich sollen die beiden Vampire noch heute durch die Straßen von New Orleans ziehen und neue Opfer suchen. Manchmal werden sie angeblich auch auf ihrem Balkon gesichtet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Opfer:</h4>



<p>Über den Verbleib der Opfer ist nicht viel bekannt. Es heißt jedoch, dass die Gefangenschaft bei den Brüdern ihre Spuren hinterlassen habe. Eine von ihnen soll sich sogar selbst in eine Nervenheilanstalt einweisen lassen haben.</p>



<p>Außerdem ist in manchen Versionen von einem männlichen Opfer die Rede, das nach den Ereignissen ebenfalls zu einem Vampir und Serienmörder geworden sei. Es ist teilweise von über 400 Opfern die Rede, die der Mann auf dem Gewissen haben soll. Mehr weiß man über ihn jedoch nicht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt soll sich die Legende in New Orleans zugetragen haben. Um genau zu sein, in dem Haus an der Royal Street 800 im French Quarter, wo die Carter Brothers gelebt haben sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den Ursprung der Legende habe ich leider erstaunlich wenig herausfinden können. Es wirkt aber so, als sei sie reine Fiktion. Weder in den Zeitungen von damals noch im Verzeichnis der zu Tode Verurteilten in New Orleans oder irgendwelchen Gerichtsakten aus der Gegend sollen sich Hinweise auf einen ähnlichen Fall finden lassen.</p>



<p>Das ist jedoch auch nicht weiter verwunderlich. Wie ich bereits in meinem Beitrag über <a href="https://www.geister-und-legenden.de/das-hans-muller-house-die-legende-des-sausage-man">das Hans Muller House</a> erwähnt habe, ist New Orleans eine Stadt voller Spukhäuser und Geistergeschichten. Einige basieren auf wahren Begebenheiten, die meisten sind jedoch fiktiv – so anscheinend auch die Geschichte von John und Wayne Carter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Carter Brothers in der Popkultur:</h3>



<p>Abgesehen von einigen Geistertouren in New Orleans, die das Haus und die Legende der Carter Brothers behandeln, ist mir kein Auftritt der Vampirbrüder in der Popkultur bekannt. Hinterlasst gerne einen Kommentar, solltet ihr einen Film, eine Serie, ein Buch o. Ä. kennen, in denen die Legende aufgegriffen wird.</p>



<p><em>Was haltet ihr von The Carter Brothers? Kanntet ihr die Legende bereits? Was würdet ihr tun, wenn ihr geknebelt und an einen Stuhl gefesselt aufwachen würdet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-carter-brothers">The Carter Brothers – Sie wollen dein Blut!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/the-carter-brothers/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>4</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Selkies – Sie wollen zurück ins Meer</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/selkies</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/selkies#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Seeungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[britische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[britische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Fischer]]></category>
		<category><![CDATA[Großbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[irische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Irland]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Meer]]></category>
		<category><![CDATA[Meerjungfrau]]></category>
		<category><![CDATA[Meerjungfrauen]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Sage]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[schottische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[schottische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Schottland]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Schüler]]></category>
		<category><![CDATA[Selkie]]></category>
		<category><![CDATA[Selkies]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urban legend]]></category>
		<category><![CDATA[urban legends]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=3263</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ich betrachtete die Narben, die zwischen meinen Fingern hervorblitzten. Laut meinen Eltern stammen sie von einem Gendefekt. Ich hätte eine Mutation gehabt, die meine Hände entstellt habe. Aber für mich sah das anders aus. Die Narben waren zu gleichmäßig. Sie waren an der Innenseite all meiner Finger und sogar meiner Zehen. Es sah eher danach aus, als hätte ich bei meiner Geburt Schwimmhäute gehabt, die mir wegoperiert wurden …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/selkies">Selkies – Sie wollen zurück ins Meer</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/c4efa1fc809e45aa8779f129ea03e064" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Selkies sind zur Abwechslung mal <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>, die überhaupt nicht gruselig sind. Trotzdem finde ich diese schottischen Meereswesen unglaublich faszinierend. Ich hoffe, sie gefallen euch ebenfalls!</p>



<p>Viel Spaß beim Lesen!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Mobbing<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Der Tag begann wie jeder andere. Nichts deutete darauf hin, dass ich an diesem Tag einen Menschen verlieren sollte, der mir so unglaublich viel bedeutete …</p>



<p>Ich saß in meiner Klasse. Unsere Englischlehrerin war noch nicht da, weshalb die anderen Schüler um mich herum noch schrien, lachten und rumalberten. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie zwei Schülerinnen eine Federtasche hin und herwarfen. Wem sie gehörte, wusste ich nicht. Aber das war mir eigentlich auch egal.</p>



<p>Stattdessen starrte ich auf meine Hände. Ich betrachtete die Narben, die zwischen meinen Fingern hervorblitzten. Laut meinen Eltern stammen sie von einem Gendefekt. Ich hätte eine Mutation gehabt, die meine Hände entstellt habe. Aber für mich sah das anders aus. Die Narben waren zu gleichmäßig. Sie waren an der Innenseite all meiner Finger und sogar meiner Zehen. Es sah eher danach aus, als hätte ich bei meiner Geburt Schwimmhäute gehabt, die mir wegoperiert wurden …</p>



<p>Und das war nicht das Einzige, das mich mit dem Ozean verband. Ich war der Sohn eines Fischers. Seit mein Dad klein war, hatte er meinen Opa auf seinem Fischerboot begleitet, bis er irgendwann in seine Fußstapfen getreten war und den alten Kutter von ihm übernommen hatte. Er hatte schon immer eine enge Beziehung zum Meer gehabt.</p>



<p>Das war jedoch nichts im Vergleich zu meiner Mum. Sie fuhr nicht mit Dad auf seinem Boot raus. Sie badete sogar nur selten im Ozean. Aber ihr müsstet sie mal sehen, wenn sie draußen auf der Veranda steht und aufs Meer hinausblickt. Die Sehnsucht in ihren Augen, die Überwindung, die es sie kostet, um ihre Augen von dem tiefen Blau abzuwenden. Es war, als wäre sie von der See besessen.</p>



<p>Aber es gab eine Erklärung dafür. Für ihr Verhalten und sogar für meine Schwimmhäute. Es war ein Verdacht, den ich noch nie laut ausgesprochen hatte.</p>



<p>„Hey, Fischfresse!“, riss mich eine Stimme aus meinen Gedanken. „Sitzt du ganz allein hier? Hat dein einziger Freund jetzt auch endlich erkannt, was du für ein Versager bist?“ Im nächsten Moment traf mich ein unsanfter Schlag am Hinterkopf.</p>



<p>Ich starrte dabei weiter angespannt auf meine Hände und versuchte, Angus zu ignorieren. Er war der größte Bully aus unserer Klasse. Und das meine ich wörtlich. Er überragte die meisten anderen Schüler, mich eingeschlossen, um mindestens einen Kopf. Und zu meinem Pech hatte er mich auf dem Kieker, seit ich angeblich seine Beziehung ruiniert hatte.</p>



<p>Es hatte damit angefangen, dass wir in die weiterführende Schule gekommen waren. Damals war Angus mit Ellie zusammen gewesen, einem Mädchen aus unserer Klasse. In den ersten Wochen wurde mir jedoch klar, dass Ellie heimlich ein Auge auf mich geworfen hatte. Eins hatte zum anderen geführt, bis Angus schließlich voller Eifersucht mit ihr Schluss gemacht hatte.</p>



<p>Dabei war das nicht meine Schuld gewesen. Oder zumindest nicht meine Absicht. Ich hatte keinerlei Annäherungsversuche gegenüber Ellie unternommen, ihr sogar gesagt, dass ich kein Interesse an ihr hatte. Aber es hatte nichts gebracht. Und so folgten bisher drei Jahre voller Terror, in denen ich nichts anderes tun konnte, als Angus‘ Schikanen auszusitzen.</p>



<p>„Hey! Callum! Hat dir deine Mommy nicht beigebracht, dass du antworten sollst, wenn jemand mit dir spricht?“, fuhr Angus mich an.</p>



<p>Ich konnte ein Zusammenzucken nicht unterdrücken. Er stand noch immer hinter mir. Der erwartete Schlag, der erneute Schmerz an meinem Hinterkopf blieb jedoch aus.</p>



<p>„Wenn du dich mit jemandem anlegen willst“, hörte ich eine andere Stimme, „such dir jemanden in deiner Größe.“</p>



<p>Erleichtert atmete ich auf. Da stand Liam und hielt Angus‘ zum Schlag ausgeholte Hand fest. Er zwinkerte mir zu.</p>



<p>Im nächsten Moment befreite Angus seine Hand mit einem Ruck. Er funkelte mich an. „Nächstes Mal, Fischfresse“, sagte er nur, ehe er weiter zu seinem Platz ging.</p>



<p>Liam kam einen Schritt näher. Er legte seine Hand auf meine Schulter. „Mach dir nichts draus, Callum. Angus ist ein Arsch.“</p>



<p>Ich widerstand dem Drang, nach seiner Hand zu greifen. Nicht hier. Die anderen durften nichts von uns wissen. Stattdessen lächelte ich ihn schief an „Danke. Aber das wusste ich schon vorher.“</p>



<p>Im nächsten Moment zog er seinen Stuhl zurück und setzte sich neben mich. „Wie sieht es eigentlich mit unseren Wochenendplänen aus? Steht das Zelten noch?“, fragte er neugierig.</p>



<p>Fast sofort spürte ich, wie mein Lächeln wärmer wurde. „Meine Eltern sind einverstanden“, erklärte ich. „Ich muss nur unser altes Zelt wiederfinden. Aber das bekomm ich schon hin.“</p>



<p>Ein ganzes Wochenende. Nur Liam und ich. Zwei Tage, an denen wir nicht aufpassen mussten, ob uns jemand sieht, wenn wir Händchen hielten. Wir mussten uns keine Gedanken machen, wenn wir abends zusammen im Gras lagen und den Sternenhimmel beobachteten. Uns nicht vorher umsehen, wenn wir einander einen flüchtigen Kuss geben wollten.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Der restliche Schultag verlief ruhig. Zwar sah ich einige Male, wie Angus mir verächtliche Blicke zuwarf, aber da Liam mir nicht mehr von der Seite wich, ließ er mich in Ruhe.</p>



<p>Als die Glocke schließlich das Ende der letzten Stunde ankündigte, beeilte ich mich, meine Sachen zu packen.</p>



<p>„Wir sehen uns morgen“, sagte ich zu Liam.</p>



<p>„Schreib mir, wenn was dazwischenkommt oder du das Zelt nicht findest“, erwiderte er. „Ansonsten hol ich dich um Punkt 10 ab.“</p>



<p>Ich grinste. „Ich schreib dir auch, wenn mir nichts dazwischenkommt“, erklärte ich. Danach berührte ich ihn sanft an der Schulter – die intimste Berührung, die ich mir in der Schule erlaubte –, ehe ich zum Bus rennen musste.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Nach einer ruhigen Busfahrt, bei der ich hauptsächlich Musik gehört hatte, und etwa drei Minuten Fußweg näherte ich mich unserem Haus. Es stand in Küstennähe und ich konnte von der Straße aus bereits das Rauschen der Wellen hören. Ein schwacher Geruch nach Meerwasser stieg mir in die Nase und ich spürte, wie mich ein wohliger Schauer überkam. Ich liebte den Strand.</p>



<p>Kurz darauf sah ich, dass auch Mum wieder auf der Veranda stand und auf das Meer hinaus starrte. Sie tat das häufig. Eigentlich fast täglich, wenn das Wetter gut war.</p>



<p>„Hey Mum“, begrüßte ich sie. „Bin wieder da.“</p>



<p>Aber Mum reagierte nicht. Es wirkte nicht so, als hätte sie mich bemerkt, obwohl ich laut genug gesprochen hatte.</p>



<p>Genau das meinte ich. Es war, als wäre sie in ihrer eigenen kleinen Welt gefangen. In diesen Momenten gab es nur sie und das Meer. Natürlich könnte das eine Form von Autismus sein oder irgendetwas Ähnliches, aber ich hatte etwas anderes im Verdacht. Etwas anderes, das noch so viel mehr erklären würde.</p>



<p>Hier in Schottland gibt es alte Legenden von den sogenannten Selkies – Schottisch für „Robben“. Und genau das waren sie auch. Bei den Selkies soll es sich um große Robben handeln, die manchmal ihr Fell abstreifen, um als Menschen an Land zu wandeln. Wenn sie nun ihr Fell verloren oder es gestohlen wurde, waren sie dazu verdammt, auf ewig Menschen zu bleiben. Es heißt aber, dass sie die tiefe Sehnsucht nach der See, ihrem wahren Zuhause, nie verlieren sollen.</p>



<p>Und ja, ich weiß, wie das klingt. Mit 15 sollte man nicht mehr an solche Märchen glauben. Am Anfang war es auch bloß eine alberne Idee gewesen, die ich selbst für bescheuert gehalten hatte. Je mehr ich über die Selkies gelesen hatte, desto mehr erinnerten mich die Erzählungen jedoch an Mum. Als ich dann auch noch erfuhr, dass die Kinder von Selkies oft Schwimmhäute zwischen Fingern und Zehen haben … Seit jenem Tag betrachte ich meine Theorie jedenfalls als reelle Möglichkeit.</p>



<p>Ich ertappte mich dabei, wie ich wieder meine Narben musterte. Also ließ ich die Hände wieder sinken. Mum hatte mich noch immer nicht bemerkt und ich wollte sie nicht aus ihren Gedanken reißen, also ging ich weiter ins Haus.</p>



<p>„Ich bin wieder da!“, rief ich.</p>



<p>Kurz darauf steckte Dad seinen Kopf aus dem Wohnzimmer. „Hi Callum“, grüßte er durch seinen vollen Bart. „Wie war die Schule?“</p>



<p>„So wie immer“, antwortete ich vage.</p>



<p>„Und Liam?“, fragte er weiter. „Wie geht es ihm? Freust du dich schon auf morgen?“</p>



<p>Bei dem Gedanken an meinen Freund musste ich sofort lächeln. „Ihm gehts gut. Und ja. Das tu ich. Apropos … Weißt du zufällig, wo unser Zelt ist? In der Garage konnte ich es gestern nicht finden.“</p>



<p>Dad überlegte einen Moment. „Puh. Es ist schon ewig her, dass wir das benutzt haben. Vielleicht liegt es auf dem Dachboden? Ich kann aber nicht versprechen, dass es nicht inzwischen völlig von Motten zerfressen ist.“ Er lächelte verspielt und zwinkerte mir zu.</p>



<p>Mein Gesichtsausdruck musste daraufhin so entsetzt gewesen sein, dass Dad lachen musste. Er kam zu mir und wuschelte mir durch die Haare. „Keine Sorge. Wenn das Zelt wirklich kaputt ist, fahre ich persönlich morgen früh in die Stadt und hol dir ein neues. Oder wenn du es nicht finden kannst. Ihr könnt euren kleinen Abenteuerurlaub auf jeden Fall machen.“</p>



<p>Jetzt strahlte ich. „Danke Dad“, sagte ich und gab ihm eine flüchtige Umarmung.</p>



<p>„In zwei Stunden gibt es Essen!“, rief er mir nach, während ich auf den Dachboden rannte.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auf dem Dachboden roch es nach Staub. Nein, es roch nicht nur danach. Im schwachen Licht, das durch ein einzelnes Fenster fiel, sah ich die Staubpartikel durch die Luft tanzen. Und auch die Möbel, Kisten und anderen Dinge hier oben waren alle von einer dicken Staubschicht bedeckt. Ich war ewig nicht hier oben gewesen.</p>



<p>Neugierig sah ich mich um. Mein Blick fiel auf einen in sich zusammengesackten Fußball, auf dem das ausgeblichene Gesicht einer Cartoonkatze war. Auch er war von Staub bedeckt. Trotzdem weckte er bei mir sofort Erinnerungen. Meine Eltern hatten ihn mir geschenkt, als ich noch nicht einmal in der Schule war. Wie viele Nachmittage wir ihn hin und her gekickt hatten. Mein Dad hatte extra schlecht gespielt, damit ich überhaupt ein Tor schießen konnte.</p>



<p>Wieder merkte ich, dass ich lächelte, während ich meinen Blick weiterwandern ließ. Hier oben waren so viel Dinge – mir bekannte und unbekannte. Einige mussten von meinen Großeltern stammen. Alte schwarz-weiß Fotos auf einem uralt aussehenden Tisch. Andere von Dad oder von mir. Nur von Mum schien hier nicht wirklich etwas zu liegen. Auch ihre Eltern oder andere Familienmitglieder hatte ich nie kennengelernt. Es gab nicht einmal Fotos von ihnen. Wieder musste ich an meine Selkie-Theorie denken.</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. Deswegen war ich nicht hier. Wenn ich vor dem Essen noch irgendetwas erreichen wollte, musste ich mich an die Arbeit machen!</p>



<p>Nachdem ich grob alles überflogen hatte, ohne dabei etwas zu finden, dass nach einem Zelt aussah, nahm ich mir die Kisten vor. In vielen von ihnen war Ramsch – altes Geschirr, Zeitschriften, aussortierte Wäsche. Ich ignorierte sie. Bei anderen hingegen fiel es mir weniger leicht, sie beiseitezuschieben. In ihnen lagen hauptsächlich alte Dinge von mir. An einer Kiste mit alten Spielsachen und Kuscheltieren verschwendete ich bestimmt eine Viertelstunde, obwohl von vornerein klar war, dass das Zelt nicht darin liegen würde.</p>



<p>Auch fand ich Dads alte Angelausrüstung. Sie lag auf einer unbeschrifteten Kiste. Auch hier schwelgte ich in Erinnerungen. Es war Jahre her, dass Dad und ich angeln waren. Warum auch? Fische fangen war immerhin sein Beruf. Da wollte er in seiner Freizeit sicherlich etwas anderes machen. Ich erinnerte mich an ein Lagerfeuer, über dem wir einen viel zu kleinen Fisch gebraten hatten – den einzigen Fisch, den ich an jenem Tag selbst gefangen hatte. Dad hatte mir geholfen, die Gräten zu entfernen, damit ich ihn essen konnte, ehe wir … zurück ins Zelt gegangen waren! Der Angelausflug war ein Campingtrip gewesen!</p>



<p>Hastig räumte ich die Angelausrüstung beiseite, um an die Kiste zu kommen. Vielleicht war ich dabei etwas unvorsichtig – die Ausrüstung fiel mir mit lautem Gepolter aus der Hand –, aber das war mir gerade egal. Sobald die Kiste frei war, klappte ich die obere Pappe beiseite. Darin lag … etwas Graues, Flauschiges. Unsicher griff ich danach. Es war eine Art dichter, weicher Stoff. Ich holte es aus der Kiste.</p>



<p>Kurz darauf lag die Robbenhaut ausgebreitet vor mir auf dem Boden. Sie war grau, mit dunklen Flecken und einem auffälligen hellen Muster in der Mitte – etwa dort, wo der Rücken der Robbe gewesen sein musste. Außerdem war es ungewöhnlich groß.</p>



<p>„Selkies können ihr Robbenfell abstreifen, um als Menschen an Land zu wandeln“, murmelte ich. Konnte es sein? War das Mums Fell?</p>



<p>Meine Gedanken kreisten. Sie wirbelten umher und überschlugen sich. Nehmen wir an, dass Mum tatsächlich eine Selkie ist. Warum lag ihr Fell dann auf dem Dachboden? Soweit ich mich erinnerte, hieß es, dass Selkies immer nach kurzer Zeit ins Wasser zurückgekehrt sind. Außer sie haben ihr Fell verloren. Oder es wurde gestohlen. Aber warum lag es dann hier oben. Dad würde doch nie …</p>



<p>Kurzerhand packte ich das schwere Fell und ging damit zurück ins Wohnzimmer. Meine Schritte stapften laut über die Holztreppe.</p>



<p>„Dad? Dad, was ist das?“, stellte ich ihn zur Rede.</p>



<p>Erst sah er neugierig auf. Dann weiteten sich jedoch seine Augen und er sah flüchtig zum Fenster. „Pack das weg“, flüsterte er leise. „Mum darf es nicht sehen.“</p>



<p>Also war es wahr? „Warum nicht?“, hakte ich nach.</p>



<p>„Es ist … Es ist ein Geschenk“, sagte er. Ich erkannte die Lüge sofort. Dad war noch nie ein guter Lügner gewesen.</p>



<p>„Ist Mum eine Selkie?“, fragte ich also direkt.</p>



<p>Daraufhin klappte Dads Mund auf. Es kam aber kein Ton heraus. Er schloss und öffnete ihn wieder. Er sah aus wie ein Fisch, den man an Land geholt hatte.</p>



<p>Das reichte mir als Antwort. Also rannte ich weiter Richtung Haustür. Wenn das Mums Fell war, musste sie wissen, dass es im Haus lag.</p>



<p>„Callum! Warte!“, rief Dad, während er mir nachstürzt. Aber er war zu langsam. Ich war bereits nach draußen auf die Veranda getreten.</p>



<p>Dort stand Mum. Sie wandte die Augen vom Ozean ab – wahrscheinlich um zu sehen, was der Tumult sollte.</p>



<p>Als sie mich sah, erstarrte sie. Oder besser gesagt als sie das Fell in meinen Händen sah. Ihre weit aufgerissenen Augen waren starr darauf gerichtet. Ungläubig tat sie einen Schritt auf mich zu.</p>



<p>„Ich kenne dein Geheimnis, Mum“, sagte ich leise, während ich das Robbenfell hochhielt. Ich spürte, wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete.</p>



<p>Jetzt hatte auch Dad die Tür erreicht. „Selene, ich … Ich kann es erklären!“, sagte er schnell.</p>



<p>Doch Mum beachtete ihn gar nicht. Sie trat weiter auf mich zu, streckte die Hand nach dem Fell aus, zögerte dann jedoch. Ihre Hand griff stattdessen nach meiner Wange. Ihre dunklen Augen sahen tief in meine. „Und ich kenne dein Geheimnis“, sagte sie ruhig. „Dad und ich sehen doch, wie Liam und du einander anseht. Wir wissen es. Und wir freuen uns für euch.“</p>



<p>Jetzt lächelte sie. Ich stand bloß da, spürte, wie mir heiß und kalt gleichzeitig wurde. „Ich … Wir …“, stammelte ich.</p>



<p>Mum streichelte meine Wange. „Es ist in Ordnung“, sagte sie sanft. Jetzt sah sie auch zu Dad. Auch ihn lächelte sie an. „Ich liebe euch.“</p>



<p>Dann griff sie nach dem Fell, warf es sich über die Schultern und rannte den kleinen Abhang zum Strand hinunter.</p>



<p>Dad stürzte ihr sofort nach. „Selene! Selene!“, brüllte er.</p>



<p>Ich blieb auf der Veranda stehen, sah dabei zu, wie Mum in die Wellen rannte und elegant wie eine Robbe darin verschwand. Nein. Nicht <em>wie</em> eine Robbe. <em>Als</em> Robbe.</p>



<p>Dad versuchte noch eine Weile, sie einzuholen, ehe er aufgab und völlig durchnässt aus dem Wasser stapfte. Er sackte am Strand in sich zusammen und weinte. Auch ich weinte jetzt.</p>



<p>Das war das letzte Mal, dass ich Mum gesehen habe. Zumindest in ihrer menschlichen Gestalt. Aber oft, wenn ich mit Liam am Strand bin, oder mit Dad auf seinem Kutter, kann ich unweit im Wasser eine Robbe entdecken. Eine Robbe mit einem auffällig hellen Muster auf ihrem Rücken.</p>



<p>Wenn ihr mich fragt, ob ich bereue, Mum ihr Fell wiedergegeben zu haben, so kann ich nur sagen, dass es das Richtige war. Klar, ich vermisse sie, aber sie ist ein Wesen des Meeres. Niemand sollte sie an Land gefangen halten. Auch nicht aus Liebe. Und ich denke, das hat auch Dad inzwischen eingesehen.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/instagram-logo.png" height="40" width="40" alt="Instagram" title="Folge mir auf Instragram"></a>&nbsp;
<a href="https://bsky.app/profile/geisterlegenden.bsky.social" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/bluesky-logo.svg" height="40" width="40" alt="Bluesky" title="Folge mir auf Bluesky"></a>&nbsp;
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/facebook-logo.png" height="40" width="40" alt="Facebook" title="Folge mir auf Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/patreon-logo.png" height="40" width="40" alt="Patreon" title="Unterstütze mich auf Patreon"></a>&nbsp;
<a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/email.png" height="40" width="40" alt="Newsletter" title="Abonniere meinen Newsletter"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Selkies (Schottisch für „Robben“), auch Silkies, Sylkies oder Selchies geschrieben, sind Wesen der keltischen Mythologie. Es handelt sich bei ihnen um Robben, die ihre Haut ablegen und sich so in Menschen verwandeln können.</p>



<p>Oft werden sie als keltische Version der Meerjungfrauen-Legende bezeichnet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>In den meisten Geschichten sind sie weiblich, es gibt aber auch <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legenden</a> über männliche Selkies.</p>



<p>Wie bereits erwähnt sind sie Gestaltwandler. In ihrer Robbenform sehen sie wie normale Robben aus. Es handelt sich dabei aber normalerweise um größere Arten als z. B. die in Deutschland heimische Kegelrobbe.</p>



<p>In Menschengestalt hingegen werden sie als besonders schön und anmutig beschrieben. Man sagt, dass sich Menschen aufgrund ihres Aussehens sehr schnell in Selkies verlieben können.</p>



<p>Oft heißt es auch, dass sie dunkle Haare und/oder dunkle Augen hätten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die meiste Zeit sollen die Selkies in ihrer Robbengestalt im Meer verbringen. Es kommt jedoch vor, dass sie ihre Robbenhaut ablegen und sich so in einen Menschen verwandeln. In diesem Zustand müssen sie jedoch gut auf ihre Robbenhaut achtgeben. Wenn sie sie verlieren oder sie gestohlen wird, können sie sich nicht mehr in eine Robbe zurückverwandeln, bis sie ihre Haut wiederhaben. In diesem Zustand sollen sie sich intensiv nach dem Meer sehnen.</p>



<p>Wie oft bzw. wann sie ihr Robbenfell ablegen können, um sich zu verwandeln, kann je nach Version variieren. So heißt es manchmal, sie können sich nach Belieben verwandeln, andere Male heißt es hingegen, es ginge nur jede siebte oder neunte Nacht, nur bei Vollmond, nur einmal im Jahr (z. B. zur Sommersonnenwende) oder gar nur alle sieben Jahre.</p>



<p>In den meisten Geschichten, die von weiblichen Selkies handeln, stiehlt ein Mann das Fell der Selkie, um sie dazu zu zwingen, an Land zu bleiben. Entweder wird die Selkie dadurch an den Mann gebunden oder sie weiß nicht, dass er das Fell besitzt. So oder so gehen die beiden daraufhin oft eine Beziehung ein. In den meisten Fällen heiraten sie und bekommen sogar Kinder. Irgendwann findet die Selkie das Robbenfell, woraufhin sie es überstreift und als Robbe ins Meer zurückkehrt. Im Normalfall kommt sie nie wieder zu ihrem Mann zurück.</p>



<p>Die Kinder von Selkies haben oft Schwimmhäute zwischen den Fingern und Zehen. Auch sollen sie häufig weitere Eigenschaften wie z. B. die Schönheit oder eine Sehnsucht nach dem Meer von ihrem Selkie-Elternteil erben.</p>



<p>In einigen eher seltenen Legenden habe ich auch davon gelesen, dass Selkies das Wetter kontrollieren und somit Stürme heraufbeschwören können.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Männliche Selkies:</h4>



<p>Die Eigenschaften der männlichen Selkies sind an sich identisch mit denen der weiblichen, jedoch unterscheiden sich ihre Legenden häufig.</p>



<p>So sind männliche Selkies eher dafür bekannt, einsame oder unglücklich verheiratete Frauen zu verführen. Es heißt z. B., dass ein Selkie auftauchen soll, wenn eine Frau sieben Tränen ins Meer weint. In den Legenden verbringen die beiden daraufhin oft die Nacht zusammen, ehe der Selkie ins Meer zurückkehrt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Hauptsächlich stammen die Legenden über Selkies aus Schottland, besonders von den Orkney- und Shetlandinseln. Aber auch in anderen Küstenregionen Schottlands und an den Küsten Irlands sollen Selkies den Legenden nach anzutreffen sein.</p>



<p>Es gibt sogar einige Selkie-Legenden, die es bis nach Island und auf die Färöer geschafft haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die ältesten Erwähnungen von Selkies, die ich finden konnte, stammen aus dem 13. Jahrhundert. Abgesehen davon, dass die Legenden aus Schottland stammen, ist über den Ursprung der Selkies jedoch nicht viel bekannt.</p>



<p>Es gibt aber einige Theorien dazu:</p>



<p>So vermuten manche Folkloristen, dass es ein Erklärungsversuch für einige Krankheiten gewesen sein könnte, die zu gewissen Verformungen des Körpers von Kindern geführt haben. Als Beispiel wird hierbei Syndaktylie genannt, eine Krankheit, die in einigen Fällen für schwimmhautähnliche Verformungen zwischen zwei Fingern führen kann.</p>



<p>Auch besteht die Möglichkeit, dass sie metaphorisch gemeint sein und Frauen beschrieben haben könnte, die sich nicht in die damalige Gesellschaft eingefügt haben.</p>



<p>Am interessantesten finde ich hingegen eine Theorie, die erst im 19. oder 20. Jahrhundert entstanden ist. Darin wird die Vermutung aufgestellt, dass in früherer Zeit, als die Schotten bereits Kontakt zu den Finnen und/oder Samen gehabt hatten, sie einige der Skandinavier in ihren aus Tierhäuten bestehenden Booten gesehen haben könnten. Besagte Boote schwammen nur so lange gut, wie die Tierhäute noch nicht völlig durchnässt waren. Sie mussten also gelegentlich an Land gehen, um ihre Boote und wahrscheinlich auch ihre (häufig aus Robbenpelz) bestehende Kleidung zu trocknen.</p>



<p>Wenn ein Finne oder Same also an Land gegangen ist, wo er sein Robbenfell abgelegt hat, hätte es durchaus so aussehen können, als habe er sich gerade von einer Robbe in einen Menschen verwandelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Selkies in der Popkultur:</h3>



<p>Aufgrund ihrer internationalen Bekanntheit gibt es zahlreiche Auftritte von Selkies in der modernen Popkultur.</p>



<p>In dem irischen Fantasy-Abenteuerfilm „Das Geheimnis des kleinen Seehundes“ (1994), der auf dem Roman „Secret of the Ron Mor Skerry“ (Englisch für „Das Geheimnis von Ron Mor Skerry“, 1957) von Rosalie K. Fry basiert, spielen Selkies eine zentrale Rolle.</p>



<p>Weitere bekannte Selkie-Filme sind u. a. der irische Animationsfilm „Die Melodie des Meeres“ (2014), der australische Kinder-Abenteuerfilm „Selkie &#8211; Der Seehundmensch“ (2000) oder der irische Dramafilm „Ondine – Das Mädchen aus dem Meer“ (2009).</p>



<p>Auch gibt es diverse Bücher über Selkies, so z. B. der Fantasyroman „Sealskin“ („Robbenhaut“, 2016) von Su Bristow oder der Young Adult Roman „A Stranger Came Ashore“ („Ein Fremder kam an Land“, 1975) von Mollie Hunter.</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Selkies? Hat euch die Geschichte gefallen? Und was würdet ihr tun, wenn ihr die Robbenhaut einer Selkie am Strand findet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


<p><i>Du willst keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann unterstütze mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank">Patreon</a>, abonniere meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folge mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">X</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/selkies">Selkies – Sie wollen zurück ins Meer</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/selkies/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>4</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
