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	<title>Amerika Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>The Lake Worth Monster – Das Monster von Lake Worth</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Mar 2026 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Plötzlich knackte es neben uns im Unterholz. Fast hätte ich meine Taschenlampe eingeschaltet, um in die Richtung zu leuchten. Stattdessen starrten Suzanne und ich in die Dunkelheit, versuchten, zwischen den Ästen irgendetwas zu erkennen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-lake-worth-monster">The Lake Worth Monster – Das Monster von Lake Worth</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p>The Lake Worth Monster ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Kryptid</a>, der in den 1960er seine Bekanntheit erlangt hat, als er mehrere Male auf der Titelseite einer Lokalzeitung auftauchte. Aber was ist im Sommer 1969 in Texas wirklich passiert?</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p><em>Freitag, 10. Juli 1969</em></p>



<p>„Fischige Mann-Ziege terrorisiert parkende Pärchen bei Lake Worth“, las Suzanne vor. Sie, Wesley und ich kannten den Zeitungsartikel bereits auswendig. Trotzdem entschied sie, ihn noch ein letztes Mal zu lesen, während wir gemeinsam im Auto nach Lake Worth saßen.</p>



<p>Aber ich beschwerte mich gar nicht. Es half mir dabei, mich von der Dummheit abzulenken, die wir gleich vorhatten.</p>



<p>„Sechs entsetzte Anwohner berichteten heute Morgen der Polizei, dass sie von einem Ding angegriffen wurden, das sie als ‚halb Mann, halb Ziege und bedeckt mit Fell und Schuppen‘ beschrieben“, fuhr sie fort.</p>



<p>Da ich als Einziger auf dem Rücksitz saß, hatte ich mich zu ihr nach vorne gelehnt, um über ihre Schulter mitzulesen.</p>



<p>„Die Polizei sagt, dass John Reichert folgende Story erzählte: Reichert hatte, zusammen mit seiner Frau und zwei anderen Pärchen, gegen Mitternacht bei Lake Worth geparkt, als jemand oder etwas von einem nahegelegenen Baum auf ihr Auto sprang. Reichert sagte, dass das Ding versucht hat, seine Frau zu packen, aber er fuhr davon, ehe es sie berühren konnte.</p>



<p>Nachdem sie mit der Polizei zu dem Ort zurückgekehrt sind, zeigte Reichert, wo der Angriff stattgefunden hat, aber von dem Ding fehlte jede Spur. Er zeigte den Polizisten einen achtzehn Zoll langen Kratzer an der Seite seines Autos, den das Ding mit seinen Krallen verursacht haben soll.</p>



<p>‚Wir führten eine gründliche Untersuchung durch‘, sagte Streifenpolizist James S. McGee, ‚weil diese Leute wirklich verängstigt waren.‘</p>



<p>Trotzdem meinte McGee, dass die Pärchen wahrscheinlich die Opfer von Scherzbolden geworden sind, die entweder eine Puppe auf das Auto geworfen oder jemanden in ein Affenkostüm gesteckt haben.“</p>



<p>Suzanne faltete die Zeitung raschelnd zusammen. Danach hörte ich nur noch das Dröhnen des Motors, spürte die Vibration unter meinem Sitz.</p>



<p>„Meint ihr wirklich, dass das nur ein paar Scherzbolde in einem Kostüm waren?“, fragte ich.</p>



<p>Wesley drehte sich zu mir um. Ein breites Grinsen zog sich über sein Gesicht. „Nein. Wer würde denn sowas tun, Curtis?“, fragte er ironisch, ehe er seinen Blick wieder auf die Straße wandte.</p>



<p>Auf einmal wurde mir sehr warm unter meinem Mantel. Ich spürte, wie Schweiß meinen Rücken hinablief. Und das lag nicht nur an der texanischen Sommerhitze oder dem Gorillakostüm, das ich unter dem langen Mantel verbarg.</p>



<p>Zu meiner Verteidigung: Die ganze Sache war Suzannes Idee gewesen. Wir drei waren an der ganzen Schule für unsere Streiche bekannt. Und dann kam jemand anderes daher und zog den Streich des Jahres, vielleicht sogar des Jahrzehnts ab? Und das auch noch in den Sommerferien? Das konnten wir uns nicht gefallen lassen! Also hatten wir entschieden, dass wir uns selbst als das ominöse Monster verkleiden würden.</p>



<p>Zu meinem Leidwesen war ich der Größte aus unserer Gruppe. Obwohl ich erst sechzehn war, war ich über 1,90 cm groß. Und auch das Gorillakostüm, das Wesley aus der Theatergruppe unserer Schule „ausgeliehen“ hatte, passte mir überraschend gut.</p>



<p>Im Scheinwerferlicht vor uns kamen parkende Autos zum Vorschein. Sie standen auf beiden Seiten der ungepflasterten Straße auf dem vertrockneten Gras.</p>



<p>„Ach du scheiße“, sagte Wesley. „Was ist denn hier los?“</p>



<p>Wir hatten den Parkplatz noch nicht einmal ganz erreicht. Trotzdem parkten hier bereits zahlreiche Autos. Menschen standen in Paaren oder Gruppen herum und gingen umher. Ich erkannte, dass einige von ihnen Gewehre geschultert hatten. Ich schluckte schwer.</p>



<p>Nachdem wir noch ein kleines Stück gefahren waren, fuhr Wesley schließlich selbst in eine Lücke zwischen zwei parkenden Autos.</p>



<p>Ohne ein weiteres Wort zu sagen, stiegen wir aus. Ich schlang dabei den Mantel eng um mich. Trotzdem blitzte noch immer graues Fell an meinen Unterschenkeln hervor. Ich hoffte, dass es niemand bemerken oder ihm Beachtung schenken würde.</p>



<p>So machten wir uns auf den Weg zum Parkplatz in der Nähe des Sees.</p>



<p>„Hey!“, rief eine Stimme neben uns. Sie kam von einem Mann, vielleicht Mitte 30, der eine Schrotflinte über der Schulter trug. Er saß auf dem Dach seines Pick-ups, ein Bier in der Hand. Zwei andere Männer und eine Frau, die neben ihm standen, sahen zu uns.</p>



<p>Erschrocken sah ich sie an.</p>



<p>„Seid ihr nicht etwas jung, um euch so spät noch hier rumzutreiben?“, fragte der Mann auf dem Pick-up laut. „Habt ihr nicht gehört, dass hier irgendein Wesen lauert? Geht wieder nach Hause!“</p>



<p>Ich hätte es liebend gerne als Vorwand genommen, tatsächlich wieder nach Hause zu fahren.</p>



<p>Aber Suzanne funkelte ihn nur an. „Das ist immer noch ein freies Land. Und wenn wir nach dem Monster suchen wollen, dann machen wir das auch!“</p>



<p>Das wirkte. Der Mann nickte ihr anerkennend zu, ehe er sich wieder abwandte. Und auch die anderen schenkten uns keine weitere Beachtung.</p>



<p>„Sobald man solchen Rednecks was von einem freien Land vorschwärmt, knicken sie immer ein“, erklärte Suzanne, als wir außer Hörweite waren.</p>



<p>Ich wusste nicht, ob ich ihr dabei zustimmen konnte, aber für den Moment sollte sie zumindest recht behalten.</p>



<p>Der restliche Weg zum Parkplatz verlief ohne besondere Vorkommnisse, was vielleicht auch daran lag, dass wir inzwischen von regelrechten Menschenmassen umgeben waren, in denen wir nicht mehr wirklich auffielen. Es mussten fast hundert, wenn nicht noch mehr Leute sein, die sich auf die Suche nach dem Monster gemacht hatten.</p>



<p>„Seid ihr sicher, dass das eine so gute Idee ist?“, fragte ich, als wir uns etwas abseits gestellt hatten. „Habt ihr die ganzen Waffen gesehen?“</p>



<p>Wesley sah sich um, als müsse er noch einmal nachsehen.</p>



<p>Suzanne hingegen schüttelte den Kopf. „Wir müssen es ja nicht direkt hier machen. Wenn wir uns abseits halten und eine kleine unbewaffnete Gruppe suchen, hast du nichts zu befürchten.“</p>



<p>Ich lächelte schief. Alles in mir schrie danach, ihr zu widersprechen. Aber ich war noch nie der Mutigste gewesen. Auch wenn Suzanne und Wesley meine Freunde waren, knickte ich bei Gruppenzwang sehr schnell ein.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Mit nichts als unseren Taschenlampen bewaffnet hielten wir uns an die Wege, während wir langsam in einigem Abstand zum Ufer an Lake Worth entlanggingen. Trotzdem konnte ich das Wasser leise ans Ufer schwappen hören. Ab und an knackte es im Unterholz. Eine Eule schrie irgendwo in der Ferne. Ein Geräusch, das hingegen so präsent war, dass es bereits in den Hintergrund rutschte, war das durchgehende Zirpen von Grillen. Aber das war ich als gebürtiger Texaner bereits gewohnt.</p>



<p>Wirklich etwas Erwähnenswertes passierte jedoch nicht. Abgesehen davon, dass wir ganze Schwärme von Mücken abwehren mussten, kamen uns noch immer zahlreiche Leute entgegen, die einen mehr, die anderen weniger bewaffnet. Aber fast in jeder Gruppe konnte ich mindestens ein Gewehr sehen.</p>



<p>„Vielleicht sollten wir an einem anderen Tag zurückkommen, wenn weniger los ist“, versuchte ich es noch einmal.</p>



<p>„Und dann?“, fragte Wesley. „Wenn irgendwer mitbekommt, dass ich das Gorillakostüm ausgeborgt habe, bekomm ich einen Riesenärger! Vielleicht ist das heute unsere einzige Chance. Irgendwo finden wir schon noch ein passendes Opfer.“</p>



<p>Ich biss die Zähne zusammen. Er hatte leicht Reden. Wesley war ja auch nicht derjenige, auf den geschossen wurde, wenn irgendetwas schiefging.</p>



<p>Hilfesuchend sah ich zu Suzanne. Sie bemerkte meinen Blick, zuckte aber nur mit den Schultern. „Ich bin da ganz bei Wesley“, erklärte sie. „Keine Angst. Wir passen schon auf, dass nichts passiert.“</p>



<p>Ja … Das war wirklich <em>sehr</em> beruhigend …</p>



<p>Nachdem wir noch einige Minuten schweigend weitergegangen waren – langsam stieg meine Hoffnung, dass wir das Ganze doch abbrechen würden –, passierte etwas. Ich konnte aufgeregte Rufe in der Ferne hören.</p>



<p>Plötzlich kam uns ein Mann entgegengerannt. Auch er hatte ein Gewehr über der Schulter. „Es wurde beim Pit gesehen!“, rief er. „Das Monster hat beim Pit einen Reifen nach einer Gruppe geworfen!“</p>



<p>Das Pit war eine bekannte Grube in der Nähe. Um genau zu sein, gingen wir gerade genau darauf zu.</p>



<p>Im nächsten Moment stürmte eine Gruppe Männer an uns vorbei. Sie mussten den Ruf gehört haben und sich Richtung Pit aufmachen. Und auch Suzanne und ich setzten dazu an, in die Richtung zu laufen.</p>



<p>„Wartet!“, hielt Wesley uns auf. „Das ist unsere Chance! Wenn alle zum Pit laufen, finden wir vielleicht jemanden, der nicht nach dem Monster sucht. Hier ganz in der Nähe ist ein beliebter Treffpunkt für Pärchen!“</p>



<p>Suzanne und ich fragten nicht, woher er das wusste. Stattdessen folgten wir ihm ein Stück durchs Unterholz, weg vom Seeufer. Äste knackten, Sträucher raschelten unter unseren Schuhen. Die Mückenschwärme schienen hier dichter zu werden und auch mit dem ein oder anderen Spinnennetz machte mein Gesicht Bekanntschaft.</p>



<p>Als die Bäume vor uns gerade weniger zu werden schienen, ertönte plötzlich ein Schrei aus der Dunkelheit. Es klang aber nicht nach einem menschlichen Schrei. Wir blieben sofort stehen. Mit unseren Taschenlampen leuchteten wir wild um uns.</p>



<p>„Was war das?“, fragte ich sofort.</p>



<p>Meine Freunde antworteten nicht sofort. „Vielleicht eine Wildkatze?“, sagte Wesley dann. „Ich hab gehört, hier in der Nähe wurde kürzlich eine gesichtet. Wahrscheinlich hat jemand sie ausgesetzt.“</p>



<p>Ich fand allerdings nicht, dass es wie ein Luchs oder gar ein Puma klang.</p>



<p>„Kommt weiter“, drängte Wesley dann.</p>



<p>Suzanne und ich folgten ihm ohne Widerworte. Ehrlich gesagt war ich froh, aus dem undurchsichtigen Dickicht herauszukommen.</p>



<p>Wenig später stolperten wir auf einem breiten Dreckweg. Wir waren ein gutes Stück Richtung Highway gelaufen, wie ich jetzt erkannte.</p>



<p>Wesley machte aber keine Pause. Er sah sich flüchtig um, ehe er den Weg entlang weiterlief. Suzanne und ich folgten ihm.</p>



<p>Bald wurde der Weg noch breiter. Er erinnerte mich hier an einen kleinen Grandplatz, nur dass in der Mitte Reifenspuren verliefen. Links und rechts parkten einige Autos. Sie lagen dunkel und verlassen vor uns. Ich leuchtete durch die Scheiben, um sicherzugehen, dass niemand darinsaß. Zumindest, bis wir die Rückseite eines fensterlosen Vans ein kleines Stück wieder sahen. Er hielt am linken Wegesrand, sein Motor lief, die Rücklichter leuchteten rot und in der Fahrerkabine brannte Licht.</p>



<p>„Da!“, flüsterte Suzanne. „Das ist die Gelegenheit.“ Sie schob mich sanft in die Richtung, während wir unsere Taschenlampen ausschalteten.</p>



<p>Wesley folgte uns.</p>



<p>Jetzt waren wir darauf bedacht, keine Geräusche zu machen, damit die Leute im Auto nicht auf uns aufmerksam wurden. Trotzdem knirschten Steinchen unter unseren Füßen. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug. Wieder lief Schweiß meinen Rücken hinunter. Vorsichtig näherten wir uns dem Auto.</p>



<p>Es dauerte nicht lange, bis wir direkt dahinterstanden. Jetzt waren wir im toten Winkel, sodass die Insassen uns nicht durch die Seitenspiegel sehen konnten.</p>



<p>Vorsichtig öffnete ich meinen Mantel. Der Moment der Wahrheit.</p>



<p>„Warte noch!“, flüsterte Wesley plötzlich. „Ich geh nachsehen, ob sie bewaffnet sind.“ Das war die erste wirklich gute Idee, die er diesen Abend gehabt hatte.</p>



<p>Er steckte die Hände in die Hosentaschen, während er am Van vorbeiging. Er legte einen lockeren Gang ein.</p>



<p>„’n Abend“, hörte ich ihn sagen, während er entspannt an dem Wagen vorbeischlenderte. Dann blieb er abrupt stehen. Er wandte sich der Beifahrertür zu. „Wie bitte? Nein. Ich bin mit meinem Dad hier. Ja. Ich war nur kurz austreten. Danke. Ihnen auch.“ Er ging weiter, sodass er bald aus unserem Sichtfeld verschwand.</p>



<p>Suzanne und ich warteten gespannt. Als mir auffiel, dass ich dabei die Luft anhielt, zwang ich mich, ruhig weiterzuatmen.</p>



<p>Plötzlich knackte es neben uns im Unterholz. Fast hätte ich meine Taschenlampe eingeschaltet, um in die Richtung zu leuchten. Stattdessen starrten Suzanne und ich in die Dunkelheit, versuchten, zwischen den Ästen irgendetwas zu erkennen.</p>



<p>Erst jetzt fiel mir auf, wie dunkel es wirklich war. Ohne Taschenlampen, die die Gegend erhellten. Irgendetwas bewegte sich da draußen.</p>



<p>„Wesley?“, flüsterte ich in die Dunkelheit. Ich traute mich nicht, lauter zu sprechen, in der Angst, dass die Fahrzeuginsassen mich hören könnten.</p>



<p>Wieder ein Rascheln. „Ja, ich bin es“, kam es zurück.</p>



<p>Erleichtert atmete ich auf. Bald erkannte ich unseren Freund, wie er langsam aus dem Unterholz zu uns schlich.</p>



<p>„Und?“, fragte Suzanne ungeduldig.</p>



<p>„Da drinnen sitzen ein Mann und eine Frau. Vielleicht ein Pärchen“, erklärte er.</p>



<p>„Sind sie bewaffnet?“, hakte ich nach.</p>



<p>Im roten Schein der Rücklichter sah ich, wie Wesley meinem Blick auswich. „Ich glaube nicht.“</p>



<p>„Du glaubst?“</p>



<p>„Na ja, das Fenster ist recht hoch. Ich konnte nicht alles erkennen … Aber es ist ein Pärchen. Wahrscheinlich sind sie hier draußen, um rumzumachen oder sowas. Es wird schon alles gut gehen.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Wenig später stand ich in voller Gorillamontur an den Van gedrückt. Suzanne hatte mir meinen Mantel und die Taschenlampe abgenommen, während Wesley mir geholfen hatte, die Gorillamaske richtig aufzusetzen. Trotzdem war meine Sicht eingeschränkt.</p>



<p>Ich spähte an dem Van vorbei. Es war ein Firmenwagen, vermutete ich. Zumindest war an der Seite ein stilisierter Leuchtturm mit dem Schriftzug „Lighthouse“ darunter zu sehen.</p>



<p>Angestrengt starrte ich in den Seitenspiegel. Ich konnte eine junge Frau auf dem Beifahrersitz erkennen. Zum Glück sah sie nicht in meine Richtung. Sie war in ein Gespräch mit dem Fahrer vertieft. „Denken Sie, dass an dem Vorfall mit dem Reifen irgendetwas dran ist?“, fragte sie. Sie hatte einen ausländischen Akzent. Irgendetwas Europäisches.</p>



<p>Eine Männerstimme antwortete. Obwohl er mit dem vertrauten texanischen Dialekt sprach, musste ich mich anstrengen, um ihn über den laufenden Motor hinweg zu verstehen. „Ich glaube kaum, dass ein Klasse Zwei einen Reifen werfen würde. Wenn doch, geben die anderen uns Bescheid.“</p>



<p>Die anderen? Das meiste, was er sagte, ergab für mich keinen Sinn, aber das klang definitiv, als wären sie nicht allein. Und hatte vorhin der eine Mann nicht auch gesagt, dass das Monster einen Reifen geworfen habe?</p>



<p>Weiter darüber nachdenken konnte ich jedoch nicht. „Jetzt mach schon!“, zischte Suzanne. Sie gab mir einen sanften Schubs, der mich aus dem Gleichgewicht brachte. Ich taumelte mehrere Schritte vorwärts, ehe ich mich wieder fangen konnte.</p>



<p>Als ich aufsah, starrte die Frau mich durch das offene Fenster direkt an. Ihre Augen hatte sie weit aufgerissen.</p>



<p>Mein Hirn setzte aus. Ehe ich wusste, was ich tat, hatte ich die Hände hochgerissen und stieß meinen fürchterlichsten Schrei aus.</p>



<p>Das hätte ich besser nicht getan. Die Frau reagierte blitzschnell. Innerhalb von Sekunden blickte ich in den Lauf eines Gewehrs. Entschlossenheit blitzte in ihren Augen.</p>



<p>„Scheiße! Sie hat eine Waffe!“, hörte ich Suzanne rufen.</p>



<p>Die Schritte meiner Freunde ertönten auf dem Dreckboden, wie sie sich schnell entfernten. So viel zum Thema, dass sie mir helfen würden … Aber ich hatte gerade andere Probleme. Mit noch immer erhobenen Armen stand ich da. Der Schreck hatte mir die Sprache verschlagen.</p>



<p>„Agentin Fischer, nehmen Sie die Waffe runter! Das sind nur ein paar Kinder!“, rief der Mann plötzlich. Er hatte bereits um sie herumgegriffen, um den Lauf der Waffe beiseitezureißen.</p>



<p>Die Frau ließ es geschehen, hielt aber das Gewehr weiter mit verkrampften Armen fest. Ihr Blick blieb unverändert. Erst jetzt erkannte ich, dass das, was ich für Entschlossenheit gehalten hatte, in Wirklichkeit Angst war.</p>



<p>„Und du?“, brüllte der Mann jetzt mich an. „Findest du das etwa lustig? Du hättest verletzt werden können!“</p>



<p>Wieder stieg Panik in mir auf. Es war nicht dieselbe Angst wie eben. Es war keine Todesangst. Sie lähmte mich nicht. Also nahm ich die Beine in die Hand und rannte. Ich machte einen Bogen um die Rückseite des Vans herum, ehe ich weiter ins Unterholz stürmte. In den Schutz der Dunkelheit.</p>



<p>Leider brachte die Dunkelheit nicht nur Schutz mit sich. Suzanne hatte noch immer meine Taschenlampe. Und ohne Licht konnte auch ich kaum etwas erkennen. Das Mondlicht reichte kaum bis unter das Blätterdach. Einige Male schützte mich die Gorillamaske vor Ästen, die mir direkt ins Gesicht geschlagen wären.</p>



<p>Blätter und Laub raschelten. Alte Äste knackten unter meinen Füßen, während ich mehr stolperte, als dass ich rannte.</p>



<p>Dabei blickte ich mich die ganze Zeit panisch um, suchte nach irgendetwas, das mir bekannt vorkam. Aber natürlich fand ich nichts. Nicht nur, dass es viel zu dunkel war, wenn meine Freunde und ich Lake Worth besuchten, hielten wir uns fast immer an die Wege. Jetzt wusste ich hingegen nicht einmal, in welche Richtung der nächste Weg lag.</p>



<p>Als ich auf eine kleine Lichtung stolperte, blieb ich stehen. Hier konnte ich etwas besser gucken. Der Mond war eine schmale Sichel über den Baumkronen. Trotzdem reichte sein Licht aus, sodass ich hier den Boden sehen konnte. Es gab mir ein Gefühl von Sicherheit.</p>



<p>Schnell wandte ich den Kopf hin und her. Ich versuchte, herauszufinden, ob ich verfolgt wurde. Allerdings konnte ich kaum etwas hören. Mein Herz pochte so laut in meinen Ohren, dass es das meiste übertönte. Außerdem wusste ich nicht, ob das leise Geraschel im Unterholz von Menschen oder irgendeinem Tier kam.</p>



<p>Allerdings fiel mir beim Umsehen etwas anderes auf: Das graue Fell meines Kostüms schimmerte silbrig im Mondlicht. Ich stach als haarige Kreatur aus dem dunklen Wald hervor – in einem Gebiet, in dem unzählige bewaffnete Männer nach einem Monster suchten.</p>



<p>Panisch riss ich mir die Maske vom Kopf. Der Reißverschluss meines Kostüms befand sich jedoch am Rücken. Ich verrenkte mich, versuchte irgendwie, blind an das kleine Metallstück zu gelangen.</p>



<p>Da durchschnitt wieder ein Schrei die Nacht. Es war derselbe Schrei wie vorhin – die Wildkatze, wie Wesley sie genannt hatte. Nur, dass ich immer noch nicht fand, dass es wie eine Wildkatze klang. Und, dass der Schrei diesmal deutlich näher war.</p>



<p>Hektisch sah ich mich um. Ich hatte keine Ahnung, aus welcher Richtung der Schrei gekommen war. Also konzentrierte ich mich weiter auf den Reißverschluss.</p>



<p>Endlich hatte ich den kleinen Metallgriff zwischen Daumen und Zeigefinger. Er bewegte sich ein paar Zentimeter nach unten, ehe er hängenblieb – wahrscheinlich hatte sich Fell zwischen dem Schieber und den Zähnen verheddert.</p>



<p>In dem Moment hörte ich, wie sich Schritte aus dem Unterholz näherten. Es war ein leises, fast vorsichtiges Rascheln, als würde sich jemand anschleichen.</p>



<p>„Bitte!“, rief ich schnell. „Nicht schießen! Es ist nur ein Kostüm!“</p>



<p>Aber was sich da näherte, war kein Monsterjäger. Ich erkannte eine große helle Gestalt zwischen den Bäumen, die langsam auf mich zukam. Sie schlich von Baum zu Baum, als wolle sie sich dahinter verstecken.</p>



<p>Als sie den Rand der Lichtung erreichte, erkannte ich das weiße Fell, das ihren kompletten Körper bedeckte. War das das Monster? Schuppen konnte ich darin kein Entdecken. Aber was sollte es sonst sein? Ich überlegte, ob ich wegrennen solle, doch meine Beine bewegten sich keinen Zentimeter.</p>



<p>Im nächsten Moment trat die Gestalt auf die Lichtung. Sie machte einige vorsichtige Schritte auf mich zu. Dabei erkannte ich, wie riesig sie war. Sie war über zwei Meter groß. Außerdem war sie ungewöhnlich muskulös, hatte breite Schultern. Und an den Händen erkannte ich spitze Krallen.</p>



<p>Obwohl ich sein Gesicht nicht erkennen konnte – es lag im Schatten –, war ich mir jetzt sicher, dass es das Monster sein musste. Die ganze Art, wie es sich bewegte, mich neugierig musterte. Das waren nicht die Bewegungen eines Menschen.</p>



<p>Jetzt stand das Wesen direkt vor mir, sah auf mich herab. Ich hörte, wie es leise schnaufte, roch seinem Atem, der mich an den eines Hundes erinnerte. Es beugte seinen Kopf zu mir herab. Mein Körper verkrampfte sich. Es hob eine riesige fellbesetzte Hand in Richtung meines Kostüms.</p>



<p>Im nächsten Moment wurde es plötzlich hell um mich herum. Das Monster lag jetzt klar und deutlich vor mir. Seine Lippen zitterten, entblößten dabei spitze Eckzähne. Vielmehr erkannte ich in dem kurzen Augenblick aber nicht.</p>



<p>„Runter!“, brüllte eine Stimme hinter mir.</p>



<p>Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Immerhin war die Frau bewaffnet. Ich erkannte ihren europäischen Akzent sofort wieder.</p>



<p>Laub raschelte unter meinen Händen, während ich mich auf den Boden warf. Trockenes Gras pikste mich durch den dünnen Stoff. Ich spürte trockene Blätter an meiner Wange.</p>



<p>Der Knall, der Schuss, mit dem ich fest gerechnet hatte, blieb jedoch aus. Stattdessen hörte ich bloß, wie etwas über meinen Kopf hinwegsurrte.</p>



<p>Das Monster stieß ein erschrockenes Grunzen aus. Als ich aufsah, erkannte ich etwas, das wie rote Federn aussah, das frontal aus seiner rechten Seite ragte. Damals wusste ich noch nicht, was es war, aber inzwischen bin ich mir fast sicher, dass es ein Betäubungspfeil gewesen sein muss.</p>



<p>Im nächsten Moment wandte es sich um. Es stürmte in den Wald zurück. Die Europäerin nahm sofort die Verfolgung auf. Sie verschwand hinter dem Monster im Unterholz und mit ihr das Licht, das ihre Taschenlampe gebracht hatte.</p>



<p>Ich sah ihr nach, wie sich das Licht schnell entfernte, ehe meine Sicht vor Tränen verschwamm. Kurz darauf kauerte ich wie ein Häuflein Elend am Boden und weinte. Ich hatte die Knie angezogen, umklammerte sie mit meinen Armen, während ich meinen Gefühlen freien Lauf ließ. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viel Angst gehabt wie eben gerade. Nicht einmal, als das Gewehr auf mich gerichtet war.</p>



<p>Ich weiß nicht, wie lange ich dort gehockt hatte. Es konnten wenige Minuten, vielleicht auch eine halbe Stunde gewesen sein. Jedenfalls hörte ich irgendwann leise Stimmen in der Ferne.</p>



<p>„Curtis? Curtis, bist du hier irgendwo?“ Das war Wesleys Stimme. Er sprach dabei in dieser Mischung aus Flüstern und Rufen, die weder sonderlich unauffällig war noch auf weitere Entfernungen gehört werden konnte.</p>



<p>„Ich bin hier!“, rief ich. Der schwache Klang meiner Stimme überraschte mich.</p>



<p>Jetzt wurde es wieder hell um mich herum. „Curtis!“, rief Wesley. Dann wandte er sich in den Wald zurück. „Suzanne! Suzanne, ich hab ihn gefunden!“ Von der Vorsicht in seiner Stimme war nichts mehr zu hören.</p>



<p>Ich weiß noch, wie meine Freunde mir aufgeholfen haben. Suzanne hatte mir sofort meinen Mantel zurückgegeben, damit ich das Kostüm wieder darunter verstecken konnte. Außerdem haben die beiden sich mindestens einhundertmal bei mir entschuldigt.</p>



<p>Trotzdem habe ich bis heute nicht das Gefühl, dass sie mir meine Geschichte von der Begegnung mit dem Lake Worth Monster geglaubt haben. Immerhin waren nicht nur die beiden, sondern auch ich für meine Streiche bekannt.</p>



<p>Vielleicht dachten sie auch nur, die Geschichte sei meine Art gewesen, mich dafür zu rächen, dass sie weggerannt waren. So oder so hatten wir uns an jenem Tag jedenfalls geschworen, niemandem von unserem geplanten Streich bei Lake Worth zu erzählen.</p>



<p>Und auch den Van, die beiden Leute, die darinsaßen, oder gar das Monster habe ich nie wieder gesehen. Ich muss jedoch gestehen, dass ich auch nie das Verlangen verspürt hatte, nach ihnen zu suchen.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Lake Worth Monster, auch Lake Worth Creature oder Goatman genannt, ist ein Kryptid aus Texas. Es ist hauptsächlich für seine Sichtungen im Jahr 1969 bekannt.</p>



<p>An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf seinen Namen „Goatman“ hinweisen. Es weist zwar Eigenschaften des <a href="https://www.geister-und-legenden.de/goatman">Maryland Goatman</a> auf, der normalerweise gemeint ist, wenn jemand vom „Goatman“ redet, wird aber als eigenständiges Wesen angesehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Es gibt verschiedene Augenzeugenberichte, die das Aussehen des Lake Worth Monsters beschreiben sollen. Viele von ihnen bezeichnen ihn als „halb Mensch, halb Ziege“, ähnlich wie den Maryland Goatman. Er besitzt also den fellbesetzten Körper eines Mannes und den Kopf einer Ziege.</p>



<p>Auch werden ihm oft klauenbesetzte Finger und eine Körpergröße von über 2 Metern (genau genommen etwa 7 Fuß, also 213 cm) nachgesagt.</p>



<p>Worin sich die Beschreibungen jedoch vom Maryland Goatman völlig unterscheiden, ist die angeblich weiße Farbe seines Fells. Außerdem gab es Augenzeugen, die behaupten, das Lake Worth Monster habe Schuppen zwischen dem Fell oder gar Schuppen statt des Fells am Körper.</p>



<p>Ob das Lake Worth Monster Hörner (bzw. manchmal auch nur ein Horn) oder Ziegenbeine besitzt, hängt sehr von der Zeugenaussage ab.</p>



<p>Gerade bei neueren Sichtungen fehlt häufig der ziegenhafte Teil komplett. In diesen Sichtungen ist oft von einem Bigfoot-ähnlichen Wesen die Rede.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Über das Verhalten des Lake Worth Monsters und seine genauen Eigenschaften ist nicht viel bekannt. Es scheint aber angriffslustig zu sein und den Kontakt zu Menschen nicht zu scheuen.</p>



<p>Zumindest gibt es einen Augenzeugenbericht, bei dem das Lake Worth Monster sich erst aus einem Baum auf ein parkendes Auto gestürzt und anschließend versucht hat, die darin sitzende Frau zu packen.</p>



<p>Bei einem weiteren Vorfall soll es einen alten Reifen nach einer Gruppe Leute geworfen haben, nachdem es einen als „bemitleidenswert“ oder „traurig“ klingenden Ruf ausgestoßen hat.</p>



<p>Davon abgesehen gibt es Berichte von übermenschlichgroßen Fußabdrücken, einigen Tierkadavern – besonders bekannt ist ein Schaf, dem angeblich der Kopf zerquetscht wurde – und Blutspuren, die dem Lake Worth Monster zugeschrieben wurden.</p>



<p>Einige Augenzeugen haben außerdem von einem starken Gestank berichtet, wenn das Monster in der Nähe war. Wonach es genau gerochen haben soll, ist mir jedoch nicht bekannt.</p>



<p>Auffällig ist auch, dass das Lake Worth Monster in späteren Sichtungen sein Verhalten geändert haben soll. Es soll weniger angriffslustig gewesen sein und oft sofort die Flucht ergriffen haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Das Lake Worth Monster wurde hauptsächlich 1969 auf Greer Island im Lake Worth und der näheren Umgebung um den See in Fort Worth Texas gesichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die Legende des Lake Worth Monsters geht hauptsächlich auf den Sommer 1969 zurück, wo das Lake Worth Monster erstmals gesichtet worden sein soll.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die erste Nacht:</h4>



<p>Das Lake Worth Monster soll erstmals am 9. Juli 1969 von sechs Leuten gesehen worden sein. Gegen Mitternacht sei es auf das Auto von John Reichert und seiner Frau gesprungen. Reichert saß dabei am See und hat geangelt, während seine Frau im Auto saß und gelesen hat. Daraufhin habe das Monster versucht, Frau Reichert zu packen. In dem Moment war John Reichert jedoch bereits beim Auto. Er habe das Wesen weggestoßen, sei ins Auto gesprungen und geflohen. Als Beweis diente eine etwa 45 cm lange Schramme im Lack, die von der Kreatur verursacht worden sein soll.</p>



<p>Die Reicherts berichteten der Polizei, dass die Kreatur „halb Mensch, halb Ziege und von Fell und Schuppen bedeckt“ gewesen sei.</p>



<p>Wie die Lokalzeitung „Fort Worth Star-Telegram“ bereits am nächsten Tag berichtete, sollen einige Polizisten mit John Reichert zum Tatort zurückgekehrt sein, haben dort aber nichts Auffälliges gefunden.</p>



<p>Außerdem gab die Polizei zu, dass sie bereits seit zwei Monaten Berichte über seltsame Vorkommnisse um Lake Worth bekommen haben, sie hatten sie jedoch nicht für voll genommen. Die sechs Augenzeugen am 9. Juli wirkten jedoch sehr verängstigt, weshalb sie der Sache erstmals ernsthaft nachgegangen seien.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die zweite Nacht:</h4>



<p>In der darauffolgenden Nacht sollen sich über 200 Leute zum Lake Worth begeben haben, um nach dem Lake Worth Monster zu suchen. Es kam dabei zu mehreren angeblichen Sichtungen, eine von ihnen hat aber die größte Bekanntheit erlangt:</p>



<p>Eine Gruppe von Leuten soll einen mitleiderregenden Schrei gehört haben, woraufhin das Lake Worth Monster einen herumliegenden Autoreifen – die Insel wurde viele Jahre als Mülldeponie missbraucht – etwa 150 Meter nach ihnen durch die Luft geworfen habe. Sie sind daraufhin geflohen.</p>



<p>Viele Jahre später, im Jahr 2009, soll ein Mann, der sich nur als „Vinzens“ vorgestellt haben soll, zugegeben haben, in dem „Reifenangriff“ involviert gewesen zu sein. Er habe mit einigen Freunden mit dem Reifen herumgealbert und ihn eine Klippe hinunterrollen lassen. Dabei sei der Reifen auf einen kleinen Hügel getroffen, wodurch er in die Luft geschleudert wurde und vom Kurs abgekommen sein soll, ehe er in der Nähe einiger Passanten aufgekommen sei.</p>



<p>Der Reifen wurde, wenn man der Aussage glaubt, also weder 150 Meter durch die Luft geworfen, noch war die Gruppe das Ziel gewesen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Lake Worth Monster wird fotografiert:</h4>



<p>Später im Jahr gab es außerdem einen weiteren bedeutenden Vorfall: Ein Mann namens Allen Plaster hat das Lake Worth Monster mit einer Polaroidkamera fotografiert, während er in einem Auto an ihm vorbeigefahren ist. Das Foto könnt ihr ganz einfach mit einer Suchmaschine eurer Wahl finden.</p>



<p>Man erkennt darauf zwar „lediglich“ den Rücken einer Gestalt aus weißem Fell, die im Unterholz steht, das Foto hat aber seitdem internationale Berühmtheit erlangt.</p>



<p>In einem Interview von 2006 meinte Allen Plaster jedoch, dass er inzwischen glaube, dass es sich um einen Streich gehandelt habe.</p>



<p>„Looking back, I realize that when we drove by, it stood up. Whatever it was, it wanted to be seen. That was a prank. That was somebody out there waiting for people to drive by. I don’t think an animal would have acted that way.“</p>



<p>(Frei übersetzt: „Wenn ich zurückdenke, fällt mir auf, dass es aufgestanden ist, als wir an ihm vorbeigefahren sind. Was auch immer es war, es wollte gesehen werden. Das war ein Streich. Das war jemand da draußen, der darauf gewartet hat, dass Leute vorbeifahren. Ich denke nicht, dass ein Tier sich so verhalten hätte.“)</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Anmerkungen zum Ursprung:</h4>



<p>Besonders die Aufmerksamkeit der Presse und die Polizeieinsätze haben zu der damaligen Bekanntheit des Lake Worth Monsters geführt.</p>



<p>Aber wie sind die ersten Gerüchte überhaupt entstanden? Dazu gibt es mehrere Theorien. Zur damaligen Zeit waren die Gerüchte um den Goatman aus Maryland noch immer weit verbreitet. Es gibt daher die Theorie, dass sie sich z. B. durch Summer Camp Gruselgeschichten bis nach Fort Worth verbreitet haben.</p>



<p>Außerdem gaben im Nachhinein einige damalige High School Schüler zu, sich im Sommer 1969 ein Gorillakostüm angezogen zu haben, um bei Lake Worth einige Leute zu erschrecken.</p>



<p>Ein weiterer ehemaliger High School Schüler meldete zudem in einem Brief an das Fort Worth Star-Telegram, dass er mit zwei Mitschülern und einer Maske aus Alufolie im Sommer 1969 einige Passanten erschreckt habe.</p>



<p>Und auch ein Zwingerbesitzer gab noch im Sommer 1969 bekannt, dass ihm ein Makake entlaufen sei, der in der Gegend gesichtet worden sein konnte.</p>



<p>Die Polizei hingegen ging davon aus, dass es sich bei den Sichtungen um einen Luchs gehandelt haben könnte, der kurz vor den Sichtungen in dem Wald ausgesetzt wurde.</p>



<p>Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, wieso die Augenzeugen – vielleicht mit dem Maryland Goatman im Hinterkopf – der Meinung waren, das Lake Worth Monster gesehen zu haben. Auch würde es erklären, woher die Beschreibung „halb Ziege halb Mensch“ komme, die auch auf den Maryland Goatman zutrifft.</p>



<p>Erwähnenswert ist außerdem, dass es sich bei der Gegend früher um eine Lovers Lane gehandelt hat, bei denen es überall auf der Welt durchaus vorkommt, dass einige Schülerinnen und Schüler dort Streiche spielen.</p>



<p>Unterstützt werden diese Vermutungen durch den Fakt, dass die Sichtungen des Lake Worth Monsters zusammen mit dem Ende der Schulferien abrupt abgenommen haben.</p>



<p>Trotzdem gibt es noch immer viele Leute – besonders die Menschen, die dem Monster persönlich begegnet sein wollen –, die meinen, es habe sich definitiv nicht um einen Affen, eine Wildkatze oder gar eine kostümierte Person gehandelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Lake Worth Monster in der Popkultur:</h3>



<p>Es gibt in Fort Worth ein ganzes Fest, das dem Lake Worth Monster gewidmet ist: der Lake Worth Monster Bash. Erstmals fand es 2009 statt, woraufhin es jährlich veranstaltet wurde. 2014 entschied man jedoch, das Fest nur noch alle 5 Jahre zu veranstalten. Nachdem das Fest je 2014, 2019 und 2024 stattgefunden hat, wurde entschieden, es wieder etwas häufiger anzusetzen, weshalb der nächste Lake Worth Monster Bash am 24. Oktober 2026 stattfinden soll.</p>



<p>Außerdem gibt es zwei durchaus erwähnenswerte Bücher über das Lake Worth Monster.</p>



<p>Das erste ist „The Lake Worth Monster of Greer Island, Ft. Worth, Texas“ von Sallie Ann Clarke (September 1969), das – in Ergänzung einiger von der Autorin ausgedachten Begegnungen – die Sichtungen von 1969 nacherzählt. Clarke war bis zu ihrem Tod 2009 eine der führenden Experten zu der Kreatur und will das Wesen selbst ganze fünf Mal gesehen haben.</p>



<p>Das zweite Buch ist „Lake Worth Monster: The True Story of the Greer Island Goatman“ von Lyle Blackburn (2024). Es berichtet mit viel Detail über die zusammengetragenen Informationen zum Lake Worth Monster. Ich habe es selbst für die Recherche gelesen (wobei ich besonders die Nacherzählungen der ersten Sichtungen sowie die Fotos der Zeitungsartikel von 1969 sehr interessant fand).</p>



<p>Ansonsten gibt es zahlreiche Podcasts, YouTube-Videos und sogar Folgen verschiedener Dokuserien, die von dem Monster berichten, sowie Zeichnungen, die das Lake Worth Monster darstellen. Die Lakewood Brewing Company hat sogar eine limitierte Edition ihres Biers herausgebracht, dass eine Hommage an das Lake Worth Monster dargestellt hat.</p>



<p><em>Was haltet ihr von dem Lake Worth Monster? Glaubt ihr, dass es sich nur um eine Kombination aus Sichtungen von wilden Tieren und Streichen handelt? Oder ist mehr an der Sache dran? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p></p>
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		<title>The Phantom Trapper of Labrador – Die Legende von Old Smoker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend. Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/4b74196a71c244f18cab9546f875800a" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>The Phantom Trapper of Labrador ist eine bekannte kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geistergeschichte</a>. Da der Phantom Trapper nur auftauchen soll, wenn es schneit, habe ich mich entschieden, damit die diesjährigen Winter-/<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">Weihnachtsgeschichten</a> einzuleiten. Aber keine Sorge: Der nächste Beitrag handelt von einer tatsächlichen Weihnachtslegende.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Dein Ernst, Olivia?“, fragte mein Bruder. Er sah mich entgeistert an. „Du hast noch nie von The Phantom Trapper of Labrador gehört?“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. „Wieso? Muss ich den etwa kennen?“, fragte ich kleinlaut.</p>



<p>„Ja!“, platzte mein Bruder hervor. „Du kannst nicht in Labrador leben, ohne je von Ol&#8216; Smoker gehört zu haben. Er ist hier fast so berühmt wie der Weihnachtsmann!“</p>



<p>Ich rutschte nervös auf der Bettkante hin und her. Ich hasste Geistergeschichten, doch in dem Moment kam mir die Aussage von meinem Bruder schlüssig vor.</p>



<p>Da ich nicht widersprach, setzte mein Bruder ein Grinsen auf. „Ol&#8216; Smoker, oder Esau Gillingham, wie er eigentlich hieß, war einst ein berüchtigter Verbrecher. Er war ein Trunkenbold, schlug Frauen und auch Kinder, wie dich. Aber er war auch ein begabter Fallensteller und Fellhändler.</p>



<p>Immer, wenn er auf seinem Hundeschlitten in die Städte und Dörfer kam, wandten die Polizisten ihre Blicke ab. Sie taten so, als würden sie ihn nicht erkennen, weil er die feinsten und schönsten Felle mitbrachte.</p>



<p>Erst, wenn er all seine Felle verkauft hatte, begann er, das verdiente Geld in der nächsten Taverne zu versaufen und in seinem betrunkenen Zustand Frauen zu belästigen. Dann vertrieb man ihn mitsamt seinem Hundeschlitten wieder aus der Gemeinde, bis er irgendwann mit seinen schönen Fellen zurückkam.</p>



<p>So ging das die ganze Zeit. Einige Leute sagen auch, er braute nebenbei seinen eigenen Alkohol. Ein billiges Gesöff namens Smoke, das er an die Leute verkaufte. Daher soll auch sein Spitzname Ol&#8216; Smoker kommen.</p>



<p>Der Alkohol war allerdings so schlecht hergestellt, dass er die Menschen vergiften konnte. Einige sollen sogar blind geworden sein. Der Fallensteller war also ein richtiges Ekel. Er kümmerte sich nur um sich selbst. Die anderen waren ihm völlig egal.</p>



<p>Doch während die Leute bei seinen bisherigen Verbrechen beide Augen zudrückten, um nicht auf seine edlen Felle verzichten zu müssen, ging er mit seinem Alkohol zu weit. Sie mochten es nicht, dass er ihre Nachbarn vergiftete. Und so folgten sie ihm eines Tages zu seiner Destille im Wald, wo er seinen Smoke braute. Sie zerstörten sie und nahmen Ol&#8216; Smoker gefangen. Er landete ein ganzes Jahr im Gefängnis.</p>



<p>Aber selbst im Kittchen blieb Ol&#8216; Smoker nicht untätig. Er schmiedete einen neuen Plan, machte sich Gedanken über seine Zukunft. Und so wusste er genau, was er zu tun hatte, als er wieder auf freiem Fuß war.</p>



<p>Zuerst besorgte er sich weiße Huskys. Acht treue Hunde mit schneeweißem Fell. Keine Ahnung, ob er sie gestohlen, mit seinem angesparten Geld gekauft oder sie erbettelt hat. Danach baute er seine Destille wieder auf. Wieder begann er, seinen giftigen Smoke herzustellen, um ihn unter die Leute zu bringen. Diesmal malte er die Destille jedoch weiß an, damit sie im Schnee nahezu unsichtbar war – zumindest während sie nicht in Betrieb war.</p>



<p>Dasselbe tat er mit seinem Schlitten. Und sogar seine Felle, aus denen seine Kleidung bestand, tauschte er Stück für Stück gegen weiße Felle aus.</p>



<p>Wenn er jetzt auf seinem Schlitten durch den Schnee raste, war er fast perfekt getarnt. Wann immer man versuchte, ihn zu verfolgen, verloren die Leute ihn und seine weißen Hunde schnell aus den Augen. Und so soll er noch viele Leute mit seinem Alkohol vergiftet haben, während er ihnen das letzte Geld aus den Taschen zog.“</p>



<p>Mein Bruder machte eine dramatische Pause. Ich sah ihn erleichtert an. Ließ meine baumelnden Füße vor und zurück schwingen. Fast war ich erleichtert. Bisher fand ich die Geschichte nicht wirklich gruselig.</p>



<p>Dann jedoch grinste mein Bruder mich wieder breit an. „Das ist aber noch nicht alles“, fuhr er fort. „Ich hab dir noch gar nicht erzählt, wie Ol&#8216; Smoker zum Phantom Trapper von Labrador wurde. Denn das geschah erst nach seinem Tod.</p>



<p>Niemand weiß genau, wie der alte Fallensteller gestorben ist. Ob die Bewohner ihn doch irgendwann erwischt haben, er mit seinen Hunden im Schnee erfroren ist oder sich an seinem eigenen Smoke vergiftet hat.</p>



<p>Aber eigentlich ist es auch egal. Wichtig ist nur, dass seine verdorbene Seele auch nach seinem Tod die Erde nicht verlassen hat. Es heißt, dass du manchmal im Wind das Bellen von Hunden hören kannst, das Knallen seiner Peitsche. Kurz darauf setzt ein schlimmer Schneesturm ein. Wenn du mich fragst, bringt Ol&#8216; Smoker den Sturm. Er will, dass du dich im Schnee verirrst, damit er dich packen und auf seinen Schlitten ziehen kann.</p>



<p>Wenn du also jemals draußen unterwegs bist und das Bellen seiner Hunde hörst, solltest du rennen. Denn wenn du die weißen Huskys siehst und seinen weißen Schlitten, kann es bereits zu spät sein.“</p>



<p>Jetzt baumelten meine Beine nicht mehr. Meine Erleichterung war zu einem verkrampften Magen geworden. Ich schluckte schwer.</p>



<p>Was ich jedoch nicht wusste, war, dass mein Bruder einige wichtige Details weggelassen hatte. Er hatte mir nicht die ganze Geschichte erzählt, nicht die ganze Wahrheit hinter dem Phantom Trapper of Labrador.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Wirklich vergessen konnte ich die Geschichte nie. Ich hatte fast eine Woche lang Albträume von Ol&#8216; Smoker gehabt, wie er mich auf seinem weißen Schlitten holen wollte. Das war aber auch kein Wunder. Immerhin war ich damals erst sechs Jahre alt gewesen. Seitdem hatte ich die Legende aber, so gut es ging, verdrängt.</p>



<p>Warum sie mir jetzt, über neun Jahre, nachdem mein Bruder sie mir erzählt hatte, wieder in den Sinn kam? Ganz einfach: weil ich in der Ferne das Gebell von Hunden hören konnte. Der Wind trug die Geräusche zu mir rüber. Dann knallte eine Peitsche.</p>



<p>Natürlich wusste ich, dass es nicht der berüchtigte Fallensteller war. Er konnte es nicht sein. Es gab keine Geister. Ich glaubte schon seit Jahren nicht mehr daran.</p>



<p>Trotzdem vergrub ich mein Kinn tiefer in meinem Schal und beschleunigte meine Schritte. Es wurde allmählich spät. Egal ob Geist oder nicht, ich sollte aus dem Wald raus sein, ehe es zu dunkel wurde.</p>



<p>Wieder knallte die Peitsche. Wer auch immer da draußen auf seinem Hundeschlitten saß, schien es mindestens genauso eilig zu haben. Und das aus gutem Grund. Ein kräftiger Windstoß schlug mir ins Gesicht. Schneewehen wirbelten über den Weg vor mir. Sie hüllten alles in einen schwachen weißen Schleier. Es sah ganz danach aus, als wäre ein Schneesturm im Anmarsch.</p>



<p>„Er bringt den Sturm“, murmelte ich. Es war ein alberner Gedanke, aber war es nicht das, was mein Bruder damals gesagt hatte? Dass ein Schneesturm aufkommt, nachdem man Ol&#8216; Smoker in der Ferne gehört hat?</p>



<p>Nun lachte ich nervös. „Jetzt beruhig dich mal, Olivia“, murmelte ich mir zu. „Du bist doch kein Kind mehr.“</p>



<p>Trotzdem beschleunigte ich meine Schritte noch weiter. Ich rannte jetzt durch den knirschenden Schnee. Aber das lag natürlich nur an dem aufkommenden Sturm. Nicht etwa an irgendeiner Geistergeschichte, vor der sich nur Kinder gruselten.</p>



<p>Dann plötzlich wurde ich langsamer. Ich näherte mich einer Weggabelung. Normalerweise wäre das kein Problem für mich. Ich spielte, seit ich laufen kann, in diesem Wald. Sonst hätte ich wahrscheinlich nur anhand der umstehenden Bäume erkannt, wo genau im Wald ich jetzt war. Die Schneewehen waren allerdings inzwischen so stark geworden, dass ich die Stämme nur noch als schemenhafte Umrisse im Weiß erkannte. Auch musste ich die Augen zusammenkneifen, da der eisige Wind inzwischen schmerzhaft in ihnen stach.</p>



<p>Scheiße! Okay. Ruhig bleiben. Wo konnte ich sein? Mir fielen zwei Weggabelungen auf dem Weg nach Hause ein. Bei der ersten führte der linke Weg einige Kilometer tiefer in den Wald, ehe er bei einer verlassenen Sägemühle endete, und der rechte führte nach Hause. Wenn ich an besagter Gabelung allerdings schon vorbei war, würde der Weg links nach Hause führen, und der rechts lediglich zu einem Rundgang durch den Wald.</p>



<p>Ich biss mir auf die Unterlippe. Denk nach, Olivia. Denk nach!</p>



<p>Ich kam jedoch nicht dazu, weiter darüber nachzudenken. Wieder ertönte das Bellen von Hunden. Waren sie nähergekommen? Aus welcher Richtung kamen sie? Ich hatte sie erst wieder gehört, als der Wind gedreht hatte, also kamen sie … Schnell wirbelte ich herum. Das Geräusch kam vom Weg hinter mir!</p>



<p>Wieder knallte die Peitsche. Diesmal war das Geräusch so laut, so nahe, dass es mir einen Schauer über den Rücken trieb. Und das lag nicht nur an der untergehenden Sonne und der zunehmenden Kälte.</p>



<p>Trotzdem zwang ich mich, stehenzubleiben. Ich schluckte den Drang hinunter, wegzulaufen. Wenn das Geräusch aus dem Wald kam, musste der Hundeschlitten dem Weg folgen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er mich erreichte. Bestimmt konnte mir der Schlittenführer den richtigen Weg zeigen.</p>



<p>Also wartete ich. Ich schlang die Arme um meinen zitternden Körper, wippte auf den Füßen vor und zurück, um mich warm zu halten. Die Geräusche kamen näher.</p>



<p>Trotzdem konnte ich außer dem Schneegestöber kaum etwas erkennen. Ich hatte ein paar Mal das Gefühl, Bewegungen in der Ferne zu sehen, aber dort war alles weiß. Es zeichnete sich keine dunkle Silhouette, kein Schlitten darin ab. Die Hunde klangen hingegen, als hätte der Schlitten mich fast erreicht.</p>



<p>Und dann sah ich sie. Sie hatten helles Fell. Weiß auf Weiß. Kein Wunder, dass ich sie nicht erkannt hatte.</p>



<p>Erst war ich wie zu Eis gefroren. Dann jedoch löste ich mich aus meiner Starre und begann mit beiden Armen zu winken. Anfangs zögerlich, dann stärker. „Hallo!“, rief ich. „Der Sturm … Ich hab mich verirrt. Können Sie mir sagen, in welche Richtung es ins Dorf geht?“</p>



<p>Ich hörte, wie ein Mann den Hunden einen Befehl zurief. Sofort wurden sie langsamer. Trotzdem ging ich einige Schritte beiseite, um ihnen nicht im Weg zu stehen.</p>



<p>Jetzt hatten sie mich fast erreicht. Ungläubig sah ich mit an, wie acht weiße Huskys neben mir zum Stehen kamen. Ihr Gespann, das Holz, die Felle und sogar die Seile waren weiß. Oder waren sie nur von Schnee und reif bedeckt?</p>



<p>Mein nächster Blick galt dem Schlitten. Es war einer dieser großen Hundeschlitten für den Transport, auf denen man nicht die ganze Zeit stehen musste. Auch er war weiß gestrichen. Das war jedoch nicht mein Hauptaugenmerk. Nein. Das galt dem Mann, der auf dem Schlitten saß. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Er hielt eine weiße Peitsche in der Hand. Und sogar die Felle, die ihn von Kopf bis Fuß umhüllten, waren reinweiß … Genau wie bei Ol&#8216; Smoker.</p>



<p>Ich schluckte, versuchte, ruhig zu bleiben. Als der Mann jedoch von seinem Schlitten stieg, sich zu seiner vollen Größe aufrichtete, gingen meine Nerven mit mir durch. Ich wirbelte herum und rannte ins Dickicht zwischen den Bäumen.</p>



<p>Hier war der Schnee deutlich tiefer. Fast sofort sackte ich ein. Nun steckte ich bis über die Knie im Schnee. Eisige Kälte fraß sich durch meine Hose. Aber das ließ mich nicht innehalten. Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend.</p>



<p>Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach.</p>



<p>Das war der Moment, als in mir vollends die Panik ausbrach. Ich schrie um Hilfe, kreischte, während ich versuchte, schneller voranzukommen.</p>



<p>Tiefer und tiefer kämpfte ich mich in den Wald vor. Allmählich verlor ich das Gefühl in den Beinen. Der Wind wurde unterdessen immer stärker. Selbst meine dicke Jacke konnte mich nicht mehr gegen seine beißende Kälte schützen. Was ich dafür getan hätte, mich nur einen Augenblick hinzusetzen, mich auszuruhen.</p>



<p>Noch ehe ich jedoch ernsthaft darüber nachdenken konnte, nahmen meine Beine mir die Entscheidung ab. Sie waren inzwischen so kalt, dass sie sich steif und ungelenkig anfühlten. Ich verlor das Gleichgewicht, merkte, wie mein Oberkörper nach vorne kippte. Aber ich schaffte es dank des Schnees nicht, ein Bein vorzureißen, um den Sturz zu verhindern. Mit ausgestreckten Armen kippte ich in die Kälte. Ich spürte, wie sich Schnee zwischen Handschuhen und Jacke in meine Ärmel schob.</p>



<p>Jetzt war ich umgeben von Eis und Kälte. Mein Kopf war unter der Oberfläche. Mein Gesicht brannte vor Schmerz. Ich weiß nicht, ob ich jemals so gefroren hatte. Selbst bei einer kalten Dusche hatte ich mich noch nie so unterkühlt gefühlt.</p>



<p>Trotzdem schaffte ich es nicht, mich aufzurappeln. Es war, als wäre sämtliche Kraft aus meinem Körper gewichen. Vielleicht sollte ich einfach aufgeben. Ich könnte hier liegenbleiben. Nur für eine Minute …</p>



<p>Ich spürte den kräftigen Arm kaum, der mich aus dem Schnee hob, sah nur verschwommen, wie die Welt um mich herum sich bewegte, nahm nur am Rande meines Bewusstseins wahr, wie Ol&#8216; Smoker mich zurück zu seinem Schlitten trug. Er warf mich in einen Haufen aus weißen Fellen. Der Befehl, den er seinen Hunden zurief, kam mir weit entfernt vor. Dann setzte der Schlitten sich in Bewegung.</p>



<p>Ich blieb erschöpft zwischen den Fellen liegen. Fast schämte ich mich dafür, wie geborgen ich mich fühlte. Langsam kehrte die Wärme zurück. Ich spürte sogar meine Beine wieder, auch wenn sie nur aus Schmerz zu bestehen schienen.</p>



<p>Aber so gemütlich es auch war, ich konnte hier nicht bleiben. Das wusste ich. Also rappelte ich mich vorsichtig auf. Es war alles andere als einfach auf dem weichen Untergrund, während der Schlitten unregelmäßig hin und her schaukelte, meine Beine noch immer zitterten. Aber ich schaffte es. Gerade, als ich mich aus dem Schlitten in den Schnee stürzen wollte, packte mich jedoch eine Hand am Oberarm. Ich hatte unterschätzt, wie nahe Ol&#8216; Smoker mir tatsächlich saß.</p>



<p>„Bleib sitzen“, brummte er mit tiefer Stimme, während er mich in die Felle zurückdrückte.</p>



<p>Und das tat ich. Ich fühlte mich völlig hilflos, war mir nicht einmal sicher, ob meine zittrigen Beine es ein zweites Mal geschafft hätten, aufzustehen. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich konnte nichts dagegen tun. Wahrscheinlich waren sie der Grund, warum ich die bunten Lichter nicht gleich erkannte, denen wir uns jetzt schnell näherten.</p>



<p>Erst, als ich mir die Tränen aus den Augen gewischt hatte, bemerkte ich, dass es Weihnachtsdekoration war. Sie hing an den Häusern, über der Straße und an einem großen Weihnachtsbaum, den ich deutlich in der Ferne erkennen konnte. Das war unser Dorf!</p>



<p>Ungläubig sah ich mit an, wie wir ihm näher und näher kamen. Erst, als wir es fast erreicht hatten, rief der Schlittenführer wieder einen Befehl und die Hunde wurden langsamer. Wir blieben neben Miss Walshs Gemischtwarenladen stehen.</p>



<p>Schnell versuchte ich wieder, mich aufzurappeln. Aber der Fremde gab bloß ein Brummen von sich, stieg aus dem Schlitten und hob mich auf seine Arme. Mit schweren Schritten stapfte er Richtung Laden. Er drückte die Tür mit seiner Schulter auf und trat mit mir ein.</p>



<p>„Na das muss ja dringend sein, wenn Sie sich bei dem Wetter nach draußen wagen!“, hörte ich Miss Walshs Stimme. In ihr schwang ein Hauch Belustigung mit. „Also, was kann ich für Sie …“ Sie brach ab. Wahrscheinlich hatte sie mich bemerkt. „Du meine Güte! Olivia!“</p>



<p>„Kümmern Sie sich um sie“, brummte der Fremde. Er trug mich zu einem Stuhl, der eigentlich zum Verkauf stand, und setzte mich auf das dünne Polster.</p>



<p>Halbherzig lächelte ich Miss Walsh an. „Hey“, grüßte ich sie schwach.</p>



<p>Aber sie reagierte gar nicht. Sie starrte bloß mit offenem Mund den Fremden an. Oder besser gesagt den Ort, wo der Fremde hätte sein müssen. Als ich mich zu meinem Retter umdrehte, war er verschwunden.</p>



<p>Vorsichtig richtete ich mich auf, um besser sehen zu können, doch bis auf Walsh und mich war der Gemischtwarenladen menschenleer. Auf dem Boden waren nicht einmal nasse Fußabdrücke.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ihr könnt euch meine Verwirrung sicher vorstellen. Miss Walsh erklärte sogar, dass der Mann sich einfach in Luft aufgelöst habe.</p>



<p>Wie war das möglich? War er tatsächlich Ol&#8216; Smoker gewesen? Der Geist, der zu Lebzeiten so bösartig gewesen war? Aber warum hatte er mich dann ins Dorf zurückgebracht?</p>



<p>Zum Glück hatte Miss Walsh dafür eine Erklärung. Denn wie ich schon sagte, hatte mein Bruder mir nicht die ganze Geschichte vom Phantom Trapper of Labrador erzählt. Nach seinem Tod, so erklärte Miss Walsh, soll Ol&#8216; Smoker nämlich der Zutritt zum Jenseits verwehrt geblieben sein.</p>



<p>Seitdem wandelt seine ruhelose Seele auf unserer Erde, um die Schuld, die er im Leben auf sich geladen hatte, wieder gutzumachen. Er warnt die Menschen vor schlimmen Schneestürmen und bringt sie sogar manchmal zurück in Sicherheit. Ich konnte also von Glück reden, dass der Geist des Verbrechers mich gefunden hatte, sonst wäre ich in jener Nacht wahrscheinlich erfroren.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Phantom Trapper of Labrador (englisch für „Der Phantom-Fallensteller von Labrador“), manchmal auch The Trapper’s Ghost („Der Geist des Fallenstellers“) genannt, ist eine kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> über einen phantomhaften Fallensteller auf einem Hundeschlitten. Sie ist die wahrscheinlich bekannteste Geistergeschichte der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador.</p>



<p>Der Geist ist auch unter den Namen „Smoker“ („Raucher“) und „Ol&#8216; Smoker“ (Kurzform für „Old Smoker“, „alter Raucher“) bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Der Phantom Trapper of Labrador soll wie ein gewöhnlicher Mensch aussehen. Abgesehen von seiner etwas eigenartigen Kleidung, die ausschließlich aus weißen Fellen bestehen soll, sieht man ihm also nicht an, dass es sich bei ihm um einen Geist handelt.</p>



<p>Außerdem soll er auf einem weißen Komatik – dem traditionellen Hundeschlitten der Inuit, der in Kanada auch heute noch oft genutzt wird – sitzen, der von mehreren schneeweißen Huskys gezogen wird. Die Anzahl der Huskys kann je nach Geschichte variieren, es ist jedoch meist von einer geraden Zahl zwischen 8 und 14 die Rede.</p>



<p>Die rein weiße Erscheinung des Fallenstellers soll im Schnee nur schwierig zu erkennen sein – besonders, wenn es dunkel ist und/oder es einen Schneesturm gibt.</p>



<p>Außerdem heißt es, dass weder seine Hunde noch er oder sein Schlitten Spuren im Schnee hinterlassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Hauptsächlich wird der Phantom Trapper of Labrador nur akustisch wahrgenommen. So hört man das Knallen einer Peitsche oder das Bellen von Hunden im Wind. Meist soll dies geschehen, kurz bevor ein Schneesturm aufkommt. Die Erscheinung des Fallenstellers warnt also die Bewohner vor einem bevorstehenden Sturm.</p>



<p>Seltener kommt es vor, dass man den weißen Fallensteller auf seinem Schlitten sehen soll. Oft verlieren die Augenzeugen die im Schnee gut getarnte Gestalt aber schnell wieder aus den Augen. Auch hier soll kurz darauf ein heftiger Schneesturm aufkommen.</p>



<p>Das ist jedoch nicht das Einzige, was der Phantom Trapper of Labrador tut. Er warnt die Leute nicht nur, es gibt auch Erzählungen, in denen er Menschen vor einem Tod im Schnee gerettet hat.</p>



<p>So soll es bereits vorgekommen sein, dass der Fallensteller verirrte Hundeschlittenführer zurück in die Zivilisation geführt hat. In den meisten Fällen sieht hierbei ein Bewohner den Hundeschlitten ankommen. Der Geisterschlitten, dem der Schlittenführer angeblich gefolgt sei, wurde von dem Bewohner hingegen nicht gesehen, obwohl er direkt an ihm vorbeigefahren sei.</p>



<p>Eine andere Version der Legende besagt, dass eine Person – Geschlecht und Alter kann dabei variieren – sich in einem Schneesturm verlaufen hat. Geschwächt und völlig unterkühlt wird sie von einem in weiße Fälle gekleideten Mann auf einem weißen Hundeschlitten aufgelesen und in den nächsten Ort gebracht. Dort habe das Phantom ihn oder sie in ein Wirtshaus o. Ä. getragen und bei dem Kamin auf einen Stuhl gesetzt. Nachdem es den Wirt darum gebeten habe, sich um die Person zu kümmern, soll es sich in Luft aufgelöst haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>The Phantom Trapper of Labrador soll fast ausschließlich in der Provinz Neufundland und Labrador in Kanada gesichtet werden, von wo die Legende stammt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den genauen Ursprung der Legende ist nicht viel bekannt. Es gibt aber einige Theorien darüber, wer der geisterhafte Fallensteller zu Lebzeiten gewesen sein soll.</p>



<p>Die wohl verbreitetste Version besagt, dass er einst ein krimineller Fallensteller mit dem Namen Esau Gillingham gewesen sei. Über Esau Gillinghams Leben gibt es wiederum verschiedene Versionen. Die zwei bekanntesten möchte ich euch hier kurz vorstellen:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der unsympathische Fallensteller:</h4>



<p>Dieser Version zufolge war Gillingham ein talentierter Fallensteller, der bei seinen Besuchen in den Städten und Dörfern die schönsten Felle mitbrachte, um sie den Bewohnern zu verkaufen.</p>



<p>Das war auch der einzige Grund, warum er in den Orten geduldet wurde. Gillingham soll nämlich ein ziemliches Arschloch gewesen sein. U. A. soll er hitzköpfig gewesen sein, keine Manieren gehabt und Frauen schlecht behandelt haben.</p>



<p>Nachdem er seine Felle verkauft und sein Geld in den Tavernen versoffen hat, wurde er deshalb kurz darauf wieder aus den Dörfern vertrieben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der erfolglose Fellhändler:</h4>



<p>Auch in dieser Version soll Gillingham sein Geld mit dem Verkauf von Fellen verdient haben. Er war dabei jedoch bei Weitem nicht so erfolgreich, weshalb er in Armut lebte.</p>



<p>Eines Tages soll er jedoch genug Geld angespart haben, um sich davon eine eigene Destille kaufen zu können. Von dort an – so heißt es – habe er seinen eigenen Alkohol destilliert: Ein scheußliches Gebräu aus Kiefernzapfen, Zucker und Hefe, das unter dem Namen „Smoke“ bekannt geworden sei. Daher stamme auch sein Spitzname „Smoker“ bzw. „Ol&#8216; Smoker“.</p>



<p>Gillingham soll das billige Gesöff illegal an die Bewohner verkauft und so deutlich mehr Geld als mit seinen Fellen verdient haben. Dass der selbstgebraute Alkohol verdammt ungesund war und sogar bei einigen Leuten zu Wahnsinn oder Blindheit geführt haben soll, war Gillingham und seinen Kunden anscheinend egal.</p>



<p>Irgendwann wurde Gillinghams Destille jedoch im Wald gefunden und – entweder von den Behörden oder einigen wütenden Anwohnern – zerstört. Gillingham landete daraufhin ein Jahr lang im Gefängnis.</p>



<p>Das Jahr im Knast hat Gillingham aber keinesfalls zu einem besseren Menschen gemacht. Als er wieder frei ist, besorgt er sich weiße Huskys, streicht seinen Schlitten weiß an und kleidet sich fortan nur noch in weiße Felle, um sich im Schnee zu tarnen.</p>



<p>Auch soll er seine Destille weiß gefärbt und ein weißes Fass voller Smoke an seinem Schlitten befestigt haben, um es unter die Leute zu bringen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Ende des Fallenstellers:</h4>



<p>Die genaue Todesursache von Gillingham ist unbekannt. Es gibt aber auch hier verschiedene Theorien, was geschehen sein könnte.</p>



<p>Manchmal heißt es, der Ehemann einer der schlecht behandelten Frauen habe ihn erschossen. Manchmal sei er in einem Schneesturm umgekommen oder auf andere Weise ermordet worden. Und wieder andere Male sei er an seinem eigenen Alkohol verendet.</p>



<p>Ich habe auch davon gelesen, dass er in der Wildnis gestürzt sein soll, wobei er sich den Rücken brach und qualvoll gestorben sei.</p>



<p>Aber wie er auch gestorben ist, nach seinem Tod wurde ihm der Zugang zu Himmel und Hölle verwehrt. Er soll als Geist auf der Erde bleiben, um von nun an seine schlechten Taten wiedergutzumachen, indem er verirrten Menschen hilft und sie vor Schneestürmen warnt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternativer Ursprung:</h4>



<p>Es gibt aber auch Leute, die behaupten, die Legende von Ol&#8216; Smoker sei bereits vor Esau Gillinghams Tod entstanden. Zwar habe ich keine Hinweise auf einen tatsächlichen Verbrecher mit dem Namen finden können, der im 19. oder 20. Jahrhundert in Kanada gelebt haben soll, ihnen zufolge sei die Geistergeschichte aber erst nach Gillinghams Tod mit ihm in Verbindung gebracht worden.</p>



<p>Ich möchte an dieser Stelle jedoch gestehen, dass mir gerade die Zeit für eine wirklich tiefgreifende Recherche zu diesen Behauptungen fehlt (zumal ich fast nichts dazu finden konnte). Sollte ich den Beitrag in Zukunft überarbeiten, werde ich aber versuchen, mehr darüber in Erfahrung zu bringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Phantom Trapper of Labrador in der Popkultur:</h3>



<p>Obwohl es zu Ol&#8216; Smoker viele Legenden gibt und er in Neufundland und Labrador sehr bekannt sein soll, habe ich nur wenige Auftritte des Geistes in der Popkultur gefunden.</p>



<p>So gibt es den Roman „White Eskimo: A Novel Of Labrador“ (Englisch für „Weißer Eskimo: Ein Roman über Labrador“, 1972), der zwar nicht von dem Geist direkt, dafür aber von einer fiktiven Version von Esau Gillingham handelt.</p>



<p>Außerdem gibt es das Lied „The Labrador Trapper’s Ghost“ („Der Geist des Fallenstellers aus Labrador“) von der Singer Songwriterin Emily Stewart (<a href="https://mondaymorning3ammusicclub.bandcamp.com/track/the-labrador-trappers-ghost" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier der Link zum Lied</a> auf bandcamp.com), das die Legende nacherzählt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von The Phantom Trapper of Labrador? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie hättet ihr an Olivias Stelle reagiert? Hättet ihr versucht, zu fliehen oder den Fremden um Hilfe gebeten? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Carter Brothers – Sie wollen dein Blut!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich zu mir kam, saß ich in einem dunklen Zimmer. Mein Kopf dröhnte. Ich fühlte Stoff in meinem Mund. Aber als ich versuchte, den Lappen auszuspucken, merkte ich, dass er hinter meinem Kopf zusammengebunden war …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/0fffaa6db77e408b8c4844c67e3d59ad" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>The Carter Brothers ist eine Vampirlegende aus den USA. Es geht um ein kleines Mädchen, das in die Fänge der beiden <a href="https://geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Kreaturen</a> gerät. Aber lest selbst.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Kindesentführung<br>
&#8211; Gewalt gegen Kinder<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Es gibt Erfahrungen, die uns nie verlassen. Erfahrungen, die einige von uns in den Wahnsinn treiben können, während andere versuchen, ihr Leben normal weiterzuleben.</p>



<p>Mein Name ist Ruth und ich hatte eine solche Erfahrung, als ich noch ein kleines Mädchen war. Damals hatte ich in New Orleans gelebt. Es war das Jahr 1932, die Zeit der Great Depression. Doch obwohl mein Vater wie unzählige andere seinen Job verloren hatte, gehörte ich zu den glücklicheren Kindern. Während viele meiner Mitschüler die Schule verlassen mussten, um zu arbeiten und ihren Eltern zu helfen, hatte meine Familie einige Rücklagen. Aber darum geht es in meiner Geschichte überhaupt nicht. Es geht darum, wie ich von den Carter Brothers entführt wurde.</p>



<p>Es war ein Tag wie jeder andere. Nach der Schule war ich wie immer in Miss Fergusons Schneiderei gegangen, um ihr auszuhelfen und so etwas Geld zu verdienen. Es war nicht viel, aber ich war froh über jeden Dollar, mit dem ich meine Eltern unterstützen konnte.</p>



<p>Danach machte ich mich auf den Heimweg, um zusammen mit meinen Eltern und meinen beiden Brüdern zu Abend zu essen.</p>



<p>Der Himmel färbte sich bereits rosa, während die flachen Absätze meiner Schuhe über den gepflasterten Weg klackerten. Autos fuhren mit dröhnenden Motoren an mir vorbei. Es roch nach Abgasen und Industrie – einen Geruch, den ich aus Gewohnheit nicht mehr wirklich wahrnahm. Die Gesichter der Menschen, die mir entgegenkamen – Männer in schicken Anzügen und Frauen in mehrschichtigen Kleidern – waren ausdruckslos.</p>



<p>Kurz gesagt: Es war alles wie immer. Mein Heimweg war reine Gewohnheit für mich. Seit Jahren ging ich diese Straßen entlang, fünfmal die Woche, ohne dass je etwas passiert war. Ich achtete gar nicht mehr wirklich auf meine Umgebung. Und so sah ich den Arm nicht kommen, der plötzlich aus einer Seitenstraße schnellte. Er packte mich am Oberarm und riss mich in die Gasse. Ein kurzer spitzer Aufschrei war alles, was ich von mir geben konnte. Dann wurde mir auch schon ein nasser Lappen aufs Gesicht gedrückt.</p>



<p>Sofort stieg mir ein süßlich-künstlicher Geruch in die Nase. Er erinnerte mich an die Putzmittel, die meine Mom manchmal benutzte.</p>



<p>Natürlich wehrte ich mich gegen meinen Angreifer. Ich trat und schlug um mich, versuchte, den Lappen von meinem Gesicht zu reißen. Aber der Mann – Wayne Carter, wie ich später erfuhr – hielt mich eisern fest.</p>



<p>Es dauerte nicht lange, bis mir schwummerig wurde. Mit jedem Atemzug durch den stinkenden Lappen wurden meine Schläge kraftloser. Bald fing die Welt um mich herum an sich zu drehen. Kurz darauf verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p>Ich frage mich oft, warum die Carter Brothers ausgerechnet mich ausgesucht hatten. Ihr müsst wissen, dass ihre anderen Opfer ausschließlich Erwachsene waren. War es bloß Zufall gewesen? War ein anderes Opfer gestorben und ein Mädchen wie ich war ein leichtes Ziel gewesen? Eine günstige Gelegenheit, weil ich mich nicht gegen sie wehren konnte? Weil es nicht weiter auffiel, wenn ein Mann ein schlafendes Mädchen durch die Stadt trug? Ich wusste es nicht.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Als ich zu mir kam, saß ich in einem dunklen Zimmer. Mein Kopf dröhnte. Ich fühlte Stoff in meinem Mund. Aber als ich versuchte, den Lappen auszuspucken, merkte ich, dass er hinter meinem Kopf zusammengebunden war.</p>



<p>&nbsp;Auch fielen mir jetzt die Seile auf, mit denen meine Arme an einen Stuhl gefesselt waren. Und auch meine Beine konnte ich nicht wirklich bewegen.</p>



<p>Ich stieß panische Laute aus, erstickt von dem Knebel, warf den Kopf nach links und rechts. Dabei sah ich die anderen.</p>



<p>In dem Zimmer standen weitere Stühle. Sie waren – genau wie meiner – mit Schrauben am Boden fixiert. Doch was viel schlimmer war: In jedem der vier Stühle saß ein weiterer Mensch. Sie waren gefesselt und geknebelt, genau wie ich. Ein Mann etwa so alt wie Dad und drei Frauen in ähnlichem Alter. Aber da war noch etwas anderes: Ihre Handgelenke waren mit weißem Stoff umwickelt. Er war von roten Flecken durchzogen.</p>



<p>Was passierte hier nur? Mit einem erneuten Quieken versuchte ich, die Frau zu meiner Rechten auf mich aufmerksam zu machen. Aber sie sah nicht einmal auf. Obwohl ihre Augen offen waren, hing ihr Kopf schlaff herab. Würde ihre Brust sich nicht langsam heben und senken, hätte ich sie für tot gehalten.</p>



<p>Plötzlich hörte ich das Knallen einer Tür und eine Männerstimme aus dem Nebenzimmer. „… sind schon wieder gestiegen. Wer kann das alles noch bezahlen?“</p>



<p>Wieder machte ich Lärm. Ich versuchte zu schreien, den Mann auf mich aufmerksam zu machen. Und tatsächlich: Die Tür öffnete sich.</p>



<p>„Mach dir keinen Kopf, John. Solange wir unsere Jobs nicht verlieren, müssen wir uns kein Sorgen machen“, sagte ein zweiter Mann, der jetzt den Raum betrat.</p>



<p>Schlagartig wurde ich still. Es war der Mann, der mich in die Gasse gezerrt hatte.</p>



<p>Zum ersten Mal konnte ich meine Entführer richtig sehen. Sie sahen erschreckend normal aus. Zwei Männer im Alter von 30 oder 40 Jahren. Sie trugen schlichte Kleidung, beige Hemden und je eine braune Ballonmütze auf dem Kopf. Sie sahen aus, als wären sie völlig normale Dockarbeiter.</p>



<p>„Ach so“, warf der erste Mann – John – ein, während er die Tür hinter sich schloss. „Die Anderen wollen am Samstag zum Boxen gehen. Harrison hat wohl eine Wette laufen. Sie haben gefragt, ob wir mitwollen. Hast du Lust?“</p>



<p>Der zweite Mann zuckte mit den Schultern, während er zu einem Tisch ging. „Weiß nicht“, erwiderte er. „Ich bin kein Fan von diesem sinnlosen Rumgeprügel.“ Er nahm irgendetwas von dem Tisch und begann, es mit einer Flüssigkeit zu säubern.</p>



<p>„Ach, hab dich nicht so, Wayne. Gib dir einen Ruck. Das wird bestimmt lustig.“</p>



<p>Wayne zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich denk drüber nach.“</p>



<p>Die Situation kam mir surreal vor. Bisher hatte mich keiner der beiden Männer auch nur eines Blickes gewürdigt. Sie unterhielten sich, als wären fünf Gefangene in ihrem Zimmer das normalste der Welt.</p>



<p>Dann drehte Wayne sich zu mir um. Er war fertig damit, das Skalpell in seinen Händen zu desinfizieren. Mein Atem beschleunigte sich, während ich mit aufgerissenen Augen auf die Klinge starrte.</p>



<p>Wayne sah zu John, während er auf mich zukam. Doch von dem kam keine Antwort mehr. Stattdessen hielt er einen glänzenden Kelch in der Hand und kam jetzt ebenfalls auf mich zu.</p>



<p>Hektisch sah ich zwischen ihnen hin und her. Was hatten sie vor?</p>



<p>John erreichte mich als erster. Er löste mit geschickten Griffen das Seil um meinen linken Arm. Wollten sie mich gehenlassen?</p>



<p>Sobald mein Arm jedoch frei war, packte er wieder danach. Er hielt ihn fest, sodass ich ihn nicht mehr bewegen konnte.</p>



<p>Nun war auch Wayne bei mir. Er hielt das Messer vor sich, als wolle er mir drohen. Sein Blick war dabei stur auf meinen Arm gerichtet.</p>



<p>Mit Entsetzen sah ich dabei zu, wie er die Klinge an meine weiche Haut führte. Ich versuchte, mich zu wehren, den Arm freizubekommen. Aber die Seile und John hielten mich zu sehr fest.</p>



<p>Tränen schossen mir in die Augen. Ich wimmerte und versuchte wieder durch den Stoff zu schreien, ihn anzuflehen, mich in Ruhe zu lassen. Aber Wayne zögerte nicht einmal, da zog er mir die Klinge bereits durch das Handgelenk.</p>



<p>Sofort wurde mir wieder schwindelig. Blut lief in einem kleinen Rinnsal aus der Wunde, das John nun mit seinem Kelch auffing. Je mehr ich mich wehrte, desto mehr Blut schoss aus meinem Arm. Am liebsten hätte ich weggesehen, aber ich konnte es nicht. Mir war speiübel.</p>



<p>Und dann war es vorbei. Wayne reichte das blutige Skalpell an John weiter, ehe er eine weiße Rolle Verband hervorkramte. Genauso routiniert, fast beiläufig, wie bei dem Schnitt mit dem Messer verband er mein Handgelenk. Der Verband drückte fest auf die frische Verletzung. Er griff nach dem Seil und schlang es mir um den Arm, ehe er es wieder verknotete. Das alles, ohne mir auch nur ein einziges Mal ins Gesicht zu sehen.</p>



<p>Während ich dasaß und weinte, gingen sie weiter zu der Frau neben mir. Sie entfernten die Fesseln ihres rechten Arms, ehe sie ihren Verband lösten. Ich sah jede Menge getrocknetes Blut und die kaum verheilte Wunde an ihrem Handgelenk. Auch bei ihr zögerten Wayne und John keine Sekunde, ehe sie die Wunde mit dem Skalpell wieder öffneten und ihr Blut in dem Kelch einfingen. Die Frau zeigte dabei fast so wenig Reaktion wie die Männer selbst.</p>



<p>So gingen die beiden einmal reihum. Die drei anderen Gefangenen reagierten ganz unterschiedlich. Eine der Frauen versuchte erfolglos, sich zu wehren, der Mann weinte und die andere Frau schloss die Augen und wiegte sich langsam vor und zurück, bis Wayne ihren Arm wieder verbunden hatte.</p>



<p>Jetzt war der Kelch fast randvoll mit Blut. John und Wayne richteten sich auf, sie sahen einander an und lächelten.</p>



<p>„Auf dich, Bruderherz“, sagte John, während er Wayne zuprostete. Er nahm einen kräftigen Schluck Blut, schien ihn richtig zu genießen.</p>



<p>Allein bei dem Gedanken dreht sich mir noch heute der Magen um. Ich sehe sein Gesicht noch immer vor mir, wie er genüsslich die Augen schließt, Blut an seinen Lippen, und die Flüssigkeit mit völlig zufriedener Miene herunterschluckt.</p>



<p>Anschließend gab er den Kelch an Wayne weiter. „Auf uns“, sagte dieser, ehe auch er aus dem Kelch trank.</p>



<p>Nachdem sie unser Blut brüderlich geteilt hatten, nahmen sie den leeren Kelch mit ins Nebenzimmer, schlossen die Tür hinter sich und ließen uns in der dunklen Kammer allein.</p>



<p>Am Anfang saß ich noch völlig angespannt auf meinem Stuhl. Ich achtete auf jedes Geräusch, das aus dem Nebenzimmer kam, wartete nur darauf, dass die Brüder zurückkamen. Aber das taten sie nicht. Für den Rest der Nacht ließen sie uns allein. Und so war ich, völlig erschöpft von den Ereignissen des Tages und noch immer angeschlagen von dem Narkosemittel und dem Schnitt in meinem Arm, bald eingeschlafen.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ich wachte erst wieder auf, als die Sonne durch die Vorhänge vor den Fenstern schien. Sie tauchte den Raum in ein schummriges Licht. Für einen kurzen Moment wusste ich nicht, wo ich war. Es war ein Moment des Friedens. Dann jedoch spürte ich den Schmerz in meinem Handgelenk und wurde gewaltsam in die Realität zurückgerissen.</p>



<p>Mein Oberkörper war zur Seite gekippt, mein linker Arm verrutscht, sodass mir die Fessel in der Armbeuge hing. Sie saß locker. Ungläubig starrte ich das Seil an. Wenn ich den Arm soweit darin bewegen konnte, vielleicht konnte ich dann …</p>



<p>Sofort zerrte und rüttelte ich an meinem Arm. Er bewegte sich. Langsam, aber sicher arbeitete ich die Fessel zurück Richtung Hand. Dabei spürte ich, wie ich mir die Haut an dem Seil aufrieb. Und auch die Wunde am Handgelenk riss wieder auf. Ich spürte, wie Blut aus dem Schnitt quoll. Aber das war mir egal. Es funktionierte. Nur noch wenige Zentimeter, dann war ich beim Handgelenk. Jetzt am Handrücken. Die schwierigste Stelle war der Daumen, wo meine Hand am breitesten war. Aber ich schaffte es. Mit einem Ruck zog ich das raue Seil über mein Daumengelenk und meine linke Hand war frei.</p>



<p>Für einen Moment starrte ich bloß meinen Arm an, als könne ich es selbst nicht glauben. Ich sah mich zu meinen Mitgefangenen um. Sie hatten es noch nicht bemerkt.</p>



<p>Schnell machte ich mich daran, das Seil an meinem anderen Arm zu lösen. Es saß deutlich fester und war mit einem komplizierten Knoten versehen, wie ihn nur Seeleute kannten. Oder Dockarbeiter. Leider verstand ich das Prinzip dahinter nicht. Ich weiß nicht, wie lange ich tatsächlich daran saß, aber es kam mir vor wie über zehn Minuten, bis ich ihn endlich offen hatte. Dabei achtete ich die ganze Zeit auf alle möglichen Geräusche, irgendetwas, das mir verriet, dass die beiden Brüder zurückkamen. Aber im Haus blieb es still.</p>



<p>Also widmete ich mich den Seilen um meine Beine. Mein Herz raste vor Aufregung. Wieder dauerte es gefühlte Ewigkeiten, auch wenn die zweite freie Hand definitiv half.</p>



<p>Während ich gerade beim letzten Bein war, bemerkten mich eine der Frauen. Sie gab ein „Mhhh! Mhhhmhhh!“ von sich und machte so auch die anderen auf mich aufmerksam. Auch sie machten sofort Geräusche. Es brach ein wahres Konzert aus erstickten Schreien und Rufen aus. Sogar die Frau zu meiner Rechten sah mich aus erschöpften Augen an.</p>



<p>Panisch riss ich mir den Knebel aus dem Mund. „Seid leise! Seid leise!“, flehte ich.</p>



<p>Aber sie hörten nicht auf mich. Als hätten sie jegliche Vernunft verloren, schrien sie gedämpft weiter.</p>



<p>Langsam brach in mir Panik aus. Wenn sie so weitermachten, würden sie mich verraten! Ich zerrte und riss an dem Seil, zwang mich zur Ruhe, um den Knoten nicht wieder fester zu ziehen. Mein Puls dröhnte mir in den Ohren, während ich endlich eine Schlaufe aus dem Knoten zog. Ich zwängte meinen Zeigefinger hinein, zog an dem Seil und ich war frei.</p>



<p>Sofort sprang ich auf. Für einen kurzen Moment drehte sich alles, dann bekam mein Kreislauf sich wieder ein.</p>



<p>Mein erster Instinkt war, den anderen zu helfen. Ich wandte mich der Frau zu, die mir am nächsten saß, ging einen Schritt auf sie zu. Dann jedoch fiel mein Blick auf ihre Augen. Sie waren noch immer völlig ausdruckslos, völlig ohne jegliche Hoffnung. Außerdem waren da noch ihre Fesseln. Wie lange würde es dauern, bis ich sie gelöst hatte? Hatte ich so viel Zeit? War sie überhaupt stark genug, selbst zu gehen?</p>



<p>Ich stolperte wieder rückwärts. „Ich … Ich hol Hilfe“, stammelte ich. Dann machte ich auf dem Absatz kehrt und rannte zu der Tür, durch die die beiden Männer letzte Nacht hereingekommen waren.</p>



<p>Die von Stoff erstickten Schreie meiner Mitgefangenen wurden lauter, panischer. Aber ich war zu feige, hatte zu viel Angst, dass die beiden Brüder zurückkamen, meinen Fluchtversuch vereitelten.</p>



<p>Vorsichtig spähte ich in das andere Zimmer. Es war ein Wohnzimmer, etwas altmodisch aber ansonsten nicht ungewöhnlich eingerichtet. Von den beiden Männern fehlte jede Spur. Also schlich ich weiter zur Eingangstür. Kurz hatte ich die Befürchtung, dass sie verschlossen sei. Aber sie ließ sich ohne Probleme öffnen. Nach einem kurzen Sprint durch ein Treppenhaus war ich auf der Straße.</p>



<p>Sofort stieg mir wieder der Industriegeruch in die Nase. Es war eine willkommene Abwechslung gegenüber dem süßlichen Gestank in der Wohnung. Trotzdem erlaubte ich mir keine Pause. Ich kannte die Gegend – es war die Ecke, an der die Royal Street und die St. Ann Street aufeinandertrafen. Mein Zuhause war vielleicht zehn Minuten von hier entfernt.</p>



<p>Ohne weiter darüber nachzudenken, rannte ich los. Um diese Zeit waren die Straßen fast leer. Und die wenigen Menschen, die ich traf, ignorierten mich oder sahen mich bloß uninteressiert an, als ich versuchte, ihnen von den beiden Brüdern zu berichten, die mich und die vier anderen entführt hatten.</p>



<p>Dann jedoch bemerkte ich einen Polizisten, der mir entgegenkam. Ich rannte zu ihm und stellte mich ihm in den Weg.</p>



<p>„Bitte. Sie müssen mir helfen! Da waren zwei Männer. Sie haben mich entführt. Und es gibt noch vier andere. Sie brauchen Hilfe!“, schrie ich ihn an.</p>



<p>Der Polizist musterte mich. Er ging in die Hocke, um mir besser ins Gesicht sehen zu können. „Na, meine Kleine. Hast du dich verlaufen?“ Er hörte mir gar nicht richtig zu.</p>



<p>„Nein!“, protestierte ich. „Da waren zwei Männer. Sie haben unser Blut getrunken. Bitte, Sie müssen sofort mitkommen!“ Ich griff nach seinem Arm.</p>



<p>Dabei fiel sein Blick auf den blutigen Verband um mein Handgelenk. „Bist du verletzt?“, fragte er, endlich etwas mehr Ernst in seiner Stimme.</p>



<p>„Ja, aber das ist jetzt nicht wichtig. Den anderen geht es viel schlimmer als mir. Kommen Sie. Schnell!“, drängte ich.</p>



<p>So ganz schien er mir nicht zu glauben, aber nach kurzem Zögern erklärte er sich wenigstens bereit, mir zu folgen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte er ruhig ein Stück schneller gehen können, aber trotzdem standen wir kurze Zeit später vor der Wohnung meiner beiden Entführer.</p>



<p>Ich öffnete die Tür. Dabei stieg mir wieder dieser eklige süßliche Geruch in die Nase. Ich verzog das Gesicht.</p>



<p>Der Polizist hingegen war plötzlich in Alarmbereitschaft. Ohne, dass ich ihn erneut dazu auffordern musste, stürmte er in die Wohnung. „Hallo? Ist jemand da?“, fragte er.</p>



<p>Keine Antwort.</p>



<p>„Der Raum da hinten!“, sagte ich bloß. Ich zeigte auf die Tür.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Den restlichen Tag habe ich nur noch verschwommen in Erinnerung. Ich weiß noch, wie der Polizist die anderen befreit hatte, ehe er auf die Straße gerannt war, um mit seiner Trillerpfeife nach Verstärkung zu rufen.</p>



<p>Die anderen vier wurden, nachdem der Polizist uns befragt hatte, zusammen mit mir ins Krankenhaus gebracht. Soweit ich weiß, haben alle überlebt. Das heißt alle, die ich kennengelernt hatte. In einem Nebenzimmer lagen zwei Leichen, die die Carter Brothers nicht überlebt hatten. Sie waren auch für den Geruch in der Wohnung verantwortlich.</p>



<p>Was die Carter Brothers selbst angeht, so habe ich von ihnen nur noch in der Zeitung gelesen. Mein Bruder verdiente sein Geld als Zeitungsjunge, daher bekamen wir sie gratis. Und auch, wenn ich mich vorher nie wirklich dafür interessiert hatte – es gab so viele schwierige Wörter und so lange Texte darin – bin ich seit meiner Entführung eine eifrige Zeitungsleserin geworden. Es gab kaum einen Tag, an dem ich die Seiten nicht mindestens durchblätterte.</p>



<p>Jedenfalls wurden Wayne und John Carter noch am selben Tag verhaftet. Die Polizei wartete in der Wohnung, bis die beiden Brüder am Abend von ihrer Arbeit an den Docks nach Hause kamen. Wenn man den Zeitungen glauben konnte, brauchte es ganze acht Polizisten, um die beiden unscheinbaren Männer zu überwältigen.</p>



<p>Während ihres Prozesses berichteten die Brüder davon, Vampire zu sein, was zumindest ihre Eigenart erklärte, Blut zu trinken. Laut Polizei litten sie an Wahnvorstellungen. Die Brüder gaben ein umfangreiches Geständnis ab, weshalb sie schließlich zu Tode verurteilt wurden.</p>



<p>Danach las ich eine ganze Weile nichts mehr über sie. Der Fall schien in Vergessenheit zu geraten. Zumindest, bis man drei Jahre später einen Cousin in dem Familiengrab der Carters bestatten wollte. Von den Leichen der beiden Brüder fehlte jede Spur. Vielleicht war an ihrer Aussage, Vampire zu sein, ja doch etwas dran. Oder sie waren Leichendieben zum Opfer gefallen.</p>



<p>Zwei Tage später berichtete die Zeitung davon, dass sich eine gewisse Mildred Fisher, ein anderes Opfer der Carter Brothers, in eine psychiatrische Einrichtung einweisen ließ. Ich denke, dass sie die Frau mit dem ausdruckslosen Blick war, die mich noch manchmal in meinen Träumen verfolgt.</p>



<p>Es gibt Erfahrungen, die uns nie verlassen. Erfahrungen, die einige von uns in den Wahnsinn treiben können, während andere versuchen, ihr Leben normal weiterzuleben. Ich kann aber sagen, dass es nicht immer einfach ist.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>„The Carter Brothers“ (Englisch für „die Carter-Brüder“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus New Orleans, USA. Sie handelt von zwei Serienmördern, die sich selbst für Vampire gehalten haben oder tatsächlich welche gewesen sein sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p>Die Täter waren John und Wayne Carter – meist nur „the Carter Brothers“ genannt.</p>



<p>Sie waren zwei Hafenarbeiter von durchschnittlicher Größe und Statur. Trotzdem sollen sie ungewöhnlich stark gewesen sein und regelmäßig Blut getrunken haben.</p>



<p>Ob sie tatsächlich Vampire gewesen sein sollen, ist nicht eindeutig geklärt. Zwar gibt es Hinweise darauf, andererseits hatten sie aber keine Probleme damit, bei Tageslicht an den Docks zu arbeiten.</p>



<p>Viel mehr ist über die beiden nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Im Jahr 1932 wurde in New Orleans ein unbenanntes Mädchen von den Carter Brothers entführt. Die Brüder fesselten sie an einen Stuhl in ihrer Wohnung – genau wie die anderen vier Opfer, die mit ihr im selben Zimmer saßen.</p>



<p>Jeden Abend, wenn die Carter Brothers in die Wohnung kamen, sollen sie ihr und den anderen Opfern einen Schnitt am Handgelenk zugefügt haben, aus dem sie das Blut in einem Gefäß gesammelt und anschließend getrunken haben. Dabei haben die Brüder angeblich kaum geredet.</p>



<p>Nachdem sie fertig waren, verbanden sie die Schnitte und ließen die Opfer für die restliche Nacht in Frieden, nur um am nächsten Abend wiederzukommen.</p>



<p>Bei dem kleinen Mädchen haben die beiden jedoch einen Fehler gemacht: Sie haben die Fesseln, mit denen sie an den Stuhl gebunden war, nicht eng genug gezogen, sodass sie sich befreien konnte, während die Beiden bei der Arbeit waren.</p>



<p>Statt die anderen Opfer zu befreien, flieht sie nach draußen, wo sie einem Polizisten begegnet, während sie die Straße entlang rennt. Je nach Version spricht sie ihn an oder wird von ihm aufgehalten.</p>



<p>Nachdem sie ihm panisch die Situation erklärt hat, folgt der Polizist ihr skeptisch zu der Wohnung, wo er die anderen Opfer sowie mehrere Leichen findet. Die Zahl der Leichen variiert dabei zwischen zwei bis zu „über ein Dutzend“.</p>



<p>Der Polizist befreit die Opfer und ruft sofort Verstärkung, um den Carter Brothers aufzulauern. Die Carter Brothers werden am Abend festgenommen, als sie nichtsahnend von der Arbeit zurückkehren. An dieser Stelle heißt es oft, dass bis zu acht Polizisten nötig waren, um die ungewöhnlich kräftigen Männer zu überwältigen.</p>



<p>Alternativ können die Brüder entkommen, indem sie vom Balkon springen, werden jedoch am nächsten Tag bei ihrer Arbeit, zu der sie trotzdem zurückkehren, festgenommen.</p>



<p>Im Laufe der Gerichtsverhandlungen werden die Carter Brothers schließlich zu Tode verurteilt und hingerichtet. Dabei sollen sie selbst gesagt haben, dass sie Vampire seien und weitere Unschuldige angreifen müssten, sollten sie freikommen. In einigen Versionen sollen sie sogar selbst um ihre Hinrichtung gebeten haben.</p>



<p>Als einige Zeit später eine weitere Person im Familiengrab der Carters, wo auch die Carter Brothers liegen, bestattet werden soll, kommt es jedoch zu einer unheimlichen Entdeckung: Von den Leichen der Brüder fehlt jede Spur.</p>



<p>Angeblich sollen die beiden Vampire noch heute durch die Straßen von New Orleans ziehen und neue Opfer suchen. Manchmal werden sie angeblich auch auf ihrem Balkon gesichtet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Opfer:</h4>



<p>Über den Verbleib der Opfer ist nicht viel bekannt. Es heißt jedoch, dass die Gefangenschaft bei den Brüdern ihre Spuren hinterlassen habe. Eine von ihnen soll sich sogar selbst in eine Nervenheilanstalt einweisen lassen haben.</p>



<p>Außerdem ist in manchen Versionen von einem männlichen Opfer die Rede, das nach den Ereignissen ebenfalls zu einem Vampir und Serienmörder geworden sei. Es ist teilweise von über 400 Opfern die Rede, die der Mann auf dem Gewissen haben soll. Mehr weiß man über ihn jedoch nicht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt soll sich die Legende in New Orleans zugetragen haben. Um genau zu sein, in dem Haus an der Royal Street 800 im French Quarter, wo die Carter Brothers gelebt haben sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den Ursprung der Legende habe ich leider erstaunlich wenig herausfinden können. Es wirkt aber so, als sei sie reine Fiktion. Weder in den Zeitungen von damals noch im Verzeichnis der zu Tode Verurteilten in New Orleans oder irgendwelchen Gerichtsakten aus der Gegend sollen sich Hinweise auf einen ähnlichen Fall finden lassen.</p>



<p>Das ist jedoch auch nicht weiter verwunderlich. Wie ich bereits in meinem Beitrag über <a href="https://www.geister-und-legenden.de/das-hans-muller-house-die-legende-des-sausage-man">das Hans Muller House</a> erwähnt habe, ist New Orleans eine Stadt voller Spukhäuser und Geistergeschichten. Einige basieren auf wahren Begebenheiten, die meisten sind jedoch fiktiv – so anscheinend auch die Geschichte von John und Wayne Carter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Carter Brothers in der Popkultur:</h3>



<p>Abgesehen von einigen Geistertouren in New Orleans, die das Haus und die Legende der Carter Brothers behandeln, ist mir kein Auftritt der Vampirbrüder in der Popkultur bekannt. Hinterlasst gerne einen Kommentar, solltet ihr einen Film, eine Serie, ein Buch o. Ä. kennen, in denen die Legende aufgegriffen wird.</p>



<p><em>Was haltet ihr von The Carter Brothers? Kanntet ihr die Legende bereits? Was würdet ihr tun, wenn ihr geknebelt und an einen Stuhl gefesselt aufwachen würdet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-carter-brothers">The Carter Brothers – Sie wollen dein Blut!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>The Green Ribbon – die grüne Schleife</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Jul 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Louise? Was hat es damit auf sich?“, fragte ich. „Mit der grünen Schleife meine ich. Seit wir uns kennen, hab ich dich nicht einmal ohne das Band um den Hals gesehen …“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-green-ribbon-die-gruene-schleife">The Green Ribbon – die grüne Schleife</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/37dfe619132749b1b150e55490af65d6" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>The Green Ribbon war für viele Leute in den USA und Kanada der erste Einstieg in die Genres Grusel und Horror. Daher war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis ich diese berühmte Legende auf meinem Blog behandle.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Paris. Die Stadt der Liebe. Zumindest wenn es nach mir geht, ist diese Bezeichnung durchaus zutreffend. Immerhin habe ich hier die Liebe meines Lebens kennengelernt. Aber an sich war das nicht anders zu erwarten, wenn man seit Jahren in dieser Millionenstadt lebt.</p>



<p>Es war ein warmer Sommerabend. Die Luft war schwül, aber in den Abendstunden nicht mehr so drückend, dass es unangenehm war. Ich saß an einem Tisch vor einem kleinen Café nahe des Place de la Concorde, aß ein Erdbeertörtchen und trank einen überteuerten Cappuccino. Wenn ihr mich gefragt hättet, hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass es ein perfekter Sommerabend war. Und dann kam <em>sie</em> und machte ihn noch besser.</p>



<p>Sie trug ein grünes Sommerkleid, dazu einen breitkrempigen Strohhut und ein grünes Band mit Schleife um den Hals. In der Hand hielt sie einige Einkaufstüten. Wahrscheinlich war sie gerade von einem Einkaufsbummel durch die Stadt gekommen.</p>



<p>Während sie an dem Café vorbeiging, trafen sich wie zufällig unsere Blicke und ich spürte, wie mein Herz einen Hüpfer machte. Die Frau schien es auch zu spüren. Zumindest hielt sie mitten in der Bewegung inne.</p>



<p>Ich weiß nicht, ob ihr an Liebe auf den ersten Blick glaubt, aber seit jenem Tag tue ich es. Für einen Moment kam es mir vor, als würde die Zeit um uns herum stehenbleiben. In diesem Moment gab es nur Louise und mich.</p>



<p>Dann setzte sie sich wieder in Bewegung. Sie änderte die Richtung und kam direkt auf mich zu. „Bonjour. Mein Name ist Louise“, stellte sie sich vor.</p>



<p>„Gerard“, stellte auch ich mich vor.</p>



<p>Ich deute auf den Stuhl mir gegenüber, um ihr zu zeigen, dass sie sich gerne setzen dürfe. Und das tat sie auch.</p>



<p>Ich erinnere mich nicht mehr, worüber wir uns alles unterhalten hatten. Auf jeden Fall redeten wir viel über uns, unsere Jobs, unsere Hobbys, sogar unsere Familien. Louise lebte allein. Ihre Eltern waren gestorben, als sie noch ein junges Mädchen war. Seitdem hatte sie sich allein durchgekämpft und hangelte sich jetzt von einem Job zum nächsten. Aber es reichte aus, um sich die Miete für eine Wohnung in der Stadt leisten zu können.</p>



<p>Ich hingegen hatte mehr Glück im Leben gehabt. Ich hatte zwei mich liebende Eltern, die mir auch zu meinem Studium und später zu meinem Job verholfen hatten. Deshalb konnte ich mir als einigermaßen erfolgreicher Ingenieur ein schönes Leben machen.</p>



<p>Aber natürlich unterhielten wir uns nicht nur über die großen Dinge. Wir sprachen auch über allerlei Belangloses. Jedenfalls saßen wir noch immer auf unseren Stühlen, als eine Kellnerin zu uns kam und uns freundlich darauf hinwies, dass sie bald schließen würden. Mir war gar nicht aufgefallen, wie spät es inzwischen war.</p>



<p>Also bezahlte ich unsere Rechnung – Louise hatte sich in der Zwischenzeit natürlich auch etwas bestellt –, ehe wir unsere Handynummern austauschten und ich mich glücklich auf den Heimweg machte. Ich hätte Luftsprünge machen können vor Freude. Um ehrlich zu sein, tat ich das sogar ein- oder zweimal. Louise hatte mich bereits bei unserem ersten Treffen in ihren Bann gezogen.</p>



<p>Und wie ihr euch sicher denken könnt, blieb es nicht bei diesem ersten Treffen. Innerhalb von einer Woche gingen wir gemeinsam Eis essen, ins Kino, in ein schickes Restaurant und sogar ins Musée du Louvre.</p>



<p>Louise sah dabei jedes Mal umwerfender aus. Sie hatte einen großartigen Modegeschmack und trug die verschiedensten Kleider und Accessoires. Was mir jedoch auffiel, war, dass sie hauptsächlich Grün trug. Und eine Sache, die sie immer umhatte, war das grüne Halsband mit der Schleife.</p>



<p>Versteht mich nicht falsch: Es war ein wunderschöner Stoff. Aber verglichen mit ihrer sonstigen Kleidung wirkte es fast ein wenig schlicht. Ich sprach sie das erste Mal darauf an, als wir gerade im Louvre waren. Seit unserer Ankunft hatte ich ihr fast mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den Gemälden.</p>



<p>„Louise? Was hat es damit auf sich?“, fragte ich. „Mit der grünen Schleife meine ich. Seit wir uns kennen, hab ich dich nicht einmal ohne das Band um den Hals gesehen.“</p>



<p>Louise verkrampfte sich. Sie richtete sich ruckartig auf, als habe meine Frage sie erschreckt. Für einen kurzen Moment dachte ich sogar, dass sie gleich weglaufen würde.</p>



<p>Dann entspannte sie sich jedoch wieder. Sie lächelte mich an. „Ich lege das Band niemals ab“, sagte sie geheimnisvoll.</p>



<p>Mehr schien sie dazu nicht sagen zu wollen. Und ich drängte sie nicht weiter. Wir kannten einander kaum eine Woche. Da konnte ich nicht erwarten, dass sie mir all ihre Geheimnisse verraten würde. Also ließ ich es darauf beruhen.</p>



<p>In den folgenden Wochen und Monaten wurden wir beide schließlich ein Paar. Und in all der Zeit legte Louise das Band tatsächlich nie ab. Nicht ein einziges Mal.</p>



<p>Ich sprach sie auch nicht mehr darauf an. Zumindest nicht, bis sie mit der grünen Schleife an ihrem Hals in die Dusche steigen wollte. Wir hatten einen Punkt in unserer Beziehung erreicht, in dem es uns nichts mehr ausmachte, wenn der andere mit uns im Badezimmer war.</p>



<p>„Warte, Schatz! Du hast das Band noch um“, wies ich sie darauf hin.</p>



<p>Wieder sah Louise mich mit großen Augen an. Sie legte sanft ihre Finger an den Stoff. Dann lächelte sie wieder. „Ach, Gerard. Ich sagte doch, dass ich das Band nicht abnehme.“</p>



<p>„Oh?“, sagte ich überrascht. Ich wusste ja nicht, dass sie es so wörtlich meinte. Trotzdem kannten wir einander jetzt etwas besser, weshalb ich mutiger war als damals im Louvre. „Aber warum nicht? Was hat das Band für eine Bedeutung?“, fragte ich also.</p>



<p>Louises Lächeln wirkte jetzt gequält, fast schon traurig. „Ich … Ich kann es dir nicht sagen“, erwiderte sie. „Tut mir leid.“</p>



<p>Ich musterte sie und ihr Band einen Augenblick, ehe auch ich lächelte. „Ich verstehe“, sagte ich. „Du musst es mir nicht verraten. Wenn wir Glück haben, sind wir noch viele Jahre zusammen. Irgendwann komme ich deinen Geheimnissen schon auf die Schliche.“ Ich zwinkerte ihr zu.</p>



<p>Anschließend ging sie mit ihrem Band in die Dusche.</p>



<p>Heutzutage wünschte ich jedoch, ich hätte mit meinen Worten Unrecht gehabt. Ich wünschte, ich hätte das Geheimnis ihrer grünen Schleife nie gelüftet.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ein weiterer Moment, der mir lebhaft in Erinnerung geblieben ist, war ein gemeinsamer Strandbesuch. Ich lag in der Sonne, während Louise schwimmen gehen wollte.</p>



<p>Als ich sah, dass sie mit ihrer grünen Schleife um den Hals Richtung Meer losging, hielt ich sie zurück. „Schatz! Dein grünes Band!“, sagte ich knapp.</p>



<p>Louise lächelte mich an. Wenigstens wirkte sie diesmal nicht erschrocken oder traurig. „Das ist schon in Ordnung“, sagte sie. „Ich nehme das Band nicht ab.“ Sie wandte sich wieder zum Meer, ehe sie mit ihrem grünen Band und einem farblich dazu passenden Bikini weiter ins kühle Nass ging.</p>



<p>Verwundert sah ich ihr nach. Ich akzeptierte, dass Louise ein Geheimnis vor mir hatte. Ich hatte mir lediglich Sorgen um den teuren Stoff gemacht. Wenn das Band Louise so wichtig war, warum nahm sie es dann mit in das salzige Meerwasser?</p>



<p>Hatte es damit etwa mehr auf sich als ein rein emotionaler Wert? Vielleicht versteckte es eine Narbe oder etwas anderes an ihrem Hals, das ihr unangenehm war? Aber warum wechselte sie es dann nicht in einem ungesehenen Moment? Warum trug sie immer dasselbe grüne Band?</p>



<p>Ich wusste es nicht. Und es sollte noch einige Zeit dauern, bis ich es endlich herausbekam.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Selbst bei unserer Hochzeit machte Louise keine Ausnahme. Die grüne Schleife war das Erste, was mir auffiel, während sie langsam den Gang entlang auf mich zuschritt. Nicht ihr weißes Kleid, nicht das Funkeln in ihren Augen, ihr glückliches Gesicht, sondern dieses verdammte grüne Band um ihren Hals. Es ärgerte mich, dass das Band mich so sehr beschäftigte, auch wenn ich es mir in diesem Moment nicht anmerken ließ.</p>



<p>Stattdessen strahlte ich Louise an. Immerhin sollte dieser Tag der schönste unseres Lebens werden, wenn man anderen Ehepaaren glaubt.</p>



<p>Dann endlich stand sie vor mir. Meine wunderschöne Verlobte. Und trotzdem konnte ich den Blick kaum von dem Band lösen.</p>



<p>„Nicht einmal heute?“, fragte ich leise. Ich tippte mir an den Hals, um anzudeuten, dass ich die grüne Schleife meinte.</p>



<p>„Nicht einmal heute“, erwiderte Louise nur, während sie mir weiter verliebt in die Augen sah.</p>



<p>Anschließend wandten wir uns dem Pastor zu, ehe wir uns kurze Zeit später das Ja-Wort gaben. Band hin oder her, ich hätte in diesem Moment nicht glücklicher sein können. Also versuchte ich, das Band den restlichen Tag zu ignorieren.</p>



<p>Tatsächlich gelang es mir ziemlich gut. Es gab alle möglichen Dinge, die mir an diesem Tag wichtiger waren. Zumindest, bis wir am Abend allein in unserer gemeinsamen Wohnung standen. Wieder fiel mein Blick auf die grüne Schleife.</p>



<p>„Schatz“, begann ich. „Jetzt, wo wir verheiratet sind, möchtest du es mir nicht endlich sagen? Möchtest du mir nicht sagen, warum du das grüne Band nie ablegst?“</p>



<p>Louises Blick wurde traurig. „Es tut mir leid. Ich will es dir ja sagen, aber es geht nicht“, erwiderte sie.</p>



<p>Ich biss mir auf die Zunge. Fast wünschte ich, ich hätte sie nicht danach gefragt. Ich wollte ihr nicht unseren Hochzeitstag verderben. Andererseits würden wir unser gesamtes restliches Leben miteinander verbringen. Es gefiel mir nicht, dass sie da noch immer ein Geheimnis vor mir hatte. Und so tat ich etwas, was ich für den Rest meines Lebens bereuen würde. Ich entschied, ihr heimlich die Schleife abzunehmen.</p>



<p>Über die Konsequenzen machte ich mir in dem Moment keine Gedanken. Aber selbst wenn, hätte ich mir niemals auch nur ansatzweise ausmalen können, wie schlimm es wirklich werden würde.</p>



<p>Am Abend lagen Louise und ich gemeinsam im Bett. Ich wartete, bis sie tief und fest schlief, ehe ich mich langsam aufrichtete.</p>



<p>Für einen kurzen Moment betrachtete ich Louise bloß. Ich bewunderte, wie schön meine Frau war. Wie friedlich sie dalag. Dann jedoch gab ich mir einen Ruck und griff vorsichtig nach der Schleife. Mit zittrigen Fingern zog ich an einem der losen Bänder, um die Schleife zu lösen, währende ich sie mit der anderen Hand festhielt.</p>



<p>Stück für Stück, Zentimeter für Zentimeter ließ sich das Band aus dem Knoten ziehen, während eine der Schlaufen immer kleiner wurde. Jetzt war sie kaum noch erkennbar. Plötzlich stoppte das Band jedoch. Das letzte Stück der Schlaufe verharrte vor dem Knoten. Mit einem sanften Ruck zog ich daran und die Schleife ging auf.</p>



<p>Im selben Moment wurde Louise wach. Erst sah sie mich bloß verschlafen an, riss dann aber weit die Augen auf, als sie realisierte, was geschehen war. Ich sah, wie ihre Augen feucht wurden und sich eine einsame Träne aus ihrem linken Auge löste. Sie rollte ihre Schläfe hinab, während Louise mich reglos anstarrte. Sie sagte kein einziges Wort. Stattdessen drehte sie bloß ihren Kopf zur Seite, um meinem Blick auszuweichen. Nein. Sie drehte ihn nicht, sondern er rollte.</p>



<p>Mit jetzt selbst vor Schreck geweiteten Augen musste ich mit ansehen, wie der Kopf meiner Ehefrau vom Kissen rollte. Er landete mit einem dumpfen <em>Bump</em> auf dem Boden.</p>



<p>Ich sah wieder zu ihrem Körper, der noch immer reglos auf dem Bett lag. Und jetzt erst erkannte ich, dass das Band mit der grünen Schleife das Einzige war, was Louises Kopf auf ihren Schultern gehalten hatte.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Green Ribbon (Englisch für „Die grüne Schleife“), unter anderem auch „The Red Ribbon“ (Die rote Schleife) oder „The Velvet Ribbon“ (Die Samtschleife) genannt, ist eine ursprünglich französische Legende, die wahrscheinlich in der Zeit der Französischen Revolution entstanden ist.</p>



<p>Außerhalb von Frankreich ist sie hauptsächlich durch die Adaptationen von Washington Irving, dem Autor von „Sleepy Hollow“, sowie Alvin Schwartz, dem Autor der „Scary Stories to Tell in The Dark“-Reihe, bekannt geworden.</p>



<p>Inzwischen wird „The Green Ribbon“ oft in verschiedensten Versionen als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> erzählt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Es gibt verschiedene, teilweise sehr unterschiedliche Versionen von „The Green Ribbon“. Die Haupthandlung ist aber immer ähnlich.</p>



<p>Der Protagonist, im Normalfall ein Junge oder junger Mann lernt ein Mädchen bzw. eine junge Frau kennen. Sie trägt eine Schleife, ein Band, eine Kette, einen Choker oder Ähnliches um den Hals, den sie nie ablegt. Die Farbe des Accessoires ist im Normalfall grün, rot oder schwarz.</p>



<p>Der Mann und die Frau verlieben sich ineinander. Die Länge ihrer Beziehung kann variieren, es kommt währenddessen aber immer wieder vor, dass der Mann die Frau nach der grünen Schleife (oder was auch immer sie um den Hals trägt) fragt. Sie weicht seiner Frage jedoch jedes Mal aus und sagt bloß, dass sie die Schleife niemals ablegen darf.</p>



<p>Ab diesem Punkt gibt es zwei verschiedene Versionen.</p>



<p>Entweder wird der Mann zu neugierig und entscheidet irgendwann, das Band ohne Erlaubnis von ihrem Hals zu nehmen – z. B. als sie schläft.</p>



<p>Oder aber der Mann akzeptiert ihren Wunsch und nimmt das Band nie ab. In dieser Version werden die beiden oft gemeinsam alt, bis die Frau irgendwann sterbenskrank wird. Im Sterbebett erlaubt sie ihm schließlich, die grüne Schleife zu lösen und das Band zu entfernen.</p>



<p>Sobald das Band ab ist, fällt ihr der Kopf von den Schultern, der nur von dem Band gehalten wurde. Je nach Version ist sie daraufhin tot, es stellt sich heraus, dass sie ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> war, ihr Kopf kann noch sprechen oder es wird nicht weiter erwähnt, was genau mit ihr los ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h3>



<p>Es gibt außerdem eine ältere Version, wie sie z. B. auch Washington Irving erzählt hat, die sich etwas mehr unterscheidet.</p>



<p>In diesen Versionen lernen der Mann und die Frau einander kennen und verbringen die Nacht miteinander. Am nächsten Tag liegt die Frau jedoch tot im Bett.</p>



<p>Als der Mann daraufhin die Polizei ruft, entfernen die Beamten das Band und ihr Kopf fällt von den Schultern. Es stellt sich heraus, dass sie am Vortag hingerichtet wurde und bereits tot war, als sie den Mann kennengelernt hat.</p>



<p>Eine weitere, wenn auch deutlich seltenere Alternative, ist, dass die Frau nicht geköpft, sondern erhängt wurde oder sich selbst erhängt hat. In diesen Versionen versteckt das Band um ihren Hals die Würgemale des Seils.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>In den modernen Versionen spielt The Green Ribbon meist in dem Land, in dem die Geschichte erzählt wird – oft also in den USA und Kanada. In älteren Versionen spielt die Legende hingegen meist in Frankreich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>„The Green Ribbon“ bzw. die Legende dahinter stammt aus Frankreich zur Zeit der Französischen Revolution (1789 bis 1799) als unzählige Menschen mit der Guillotine hingerichtet wurden.</p>



<p>Zu damaliger Zeit war es in Mode, dass Frauen ein rotes Band oder eine rote Schleife um den Hals trugen. Es soll sogar einen Kleidungsstil namens „costume à la victime“ (Französisch für „Kostüm an das Opfer“) gegeben haben, der auf den „Bals des victimes“ (Französisch für „Opferbälle“) getragen wurde. Dazu gehörte oft ein rotes Band oder eine rote Schleife, die an die mit der Guillotine geköpften Opfer erinnern sollte.</p>



<p>Wahrscheinlich ist die Legende aus dieser Mode in Kombination mit den unzähligen Geköpften entstanden.</p>



<p>Außerhalb von Frankreich hat die Legende jedoch erst im nächsten Jahrhundert Anklang gefunden, als der US-amerikanische Schriftsteller Washington Irving die Legende 1824 in seiner Geschichte „Die Abenteuer eines deutschen Studenten“ adaptiert hat. Vier Jahre zuvor hatte Irving die weltberühmte Geschichte „Die Legende von Sleepy Hollow“ veröffentlicht.</p>



<p>Seitdem wurde die Legende noch von zahlreichen weiteren Personen publiziert – darunter Alexandre Dumas, dem Autor von „Die drei Musketiere“ und „Der Graf von Monte Christo“, als „Die Dame mit dem Samthalsband“ (1849) sowie von Gaston Leroux, dem Autor von „Das Phantom der Oper“ unter demselben Namen „La femme au collier de velours“ (Französisch für „Die Dame mit dem Samthalsband“, 1924).</p>



<p>Die grüne Farbe und die heutige Bekanntheit in Amerika erlangte die Legende jedoch erst durch die Kurzgeschichte „The Green Ribbon“ (1984) von Alvin Schwartz. Die Geschichte erschien in dem sich an Zweitklässler richtenden Bilderbuch „In a Dark, Dark Room and Other Scary Stories“ (Englisch für „In einem dunklen, dunklen Raum und andere unheimliche Geschichten“) und wurde in vielen Schulen als Lehrmaterial genutzt.</p>



<p>Daraus entstand schließlich auch die moderne urbane Legende „The Green Ribbon“, die sich heutzutage besonders gern unter Kindern erzählt wird.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Green Ribbon in der Popkultur:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt wurde die Legende „The Green Ribbon“ in vielen Kurzgeschichten aufgegriffen. Darunter z. B. „The Velvet Ribbon“ (Englisch für „Die Samtschleife“, 1970) von Ann McGovern in „Ghostly Fun“ („Geisterhafter Spaß“), „The Black Velvet Ribbon („Die schwarze Samtschleife“, 1977) von Judith Bauer Stamper in „Tales for the Midnight Hour“ („Geschichten für die Mitternachtsstunde“) und das bereits erwähnte „The Green Ribbon“ (1984) von Alvin Schwartz in „In a Dark, Dark Room and Other Scary Stories“.</p>



<p>Darüber hinaus gibt es diverse Kurzfilme über die Legende, sie wurde in dem US-amerikanischen Horrorfilm „Campfire Tales“ („Lagerfeuergeschichten“, 1997) aufgegriffen und spielt eine Rolle in der Comicreihe sowie dem gleichnamigen Videospiel „The Wolf Among Us“ („Der Wolf unter uns“).</p>



<p><em>Wie sieht es mit euch aus? Was haltet ihr von „The Green Ribbon“? Kanntet ihr die Geschichte bereits? Und wenn ja, wo habt ihr sie kennengelernt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einige Tage später hingegen sollte ich merken, dass die Ereignisse vielleicht doch keinen so natürlichen Ursprung hatten. Es war mitten in der Nacht. Ich lag im Bett und war fest am Schlafen, als mich Stimmen weckten …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/c45ee185287846f594dcb1e69ba274d2" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Poltergeister gehören zu einer der wohl bekanntesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geisterarten</a> der Welt. Dabei sind echte Berichte von dem Phänomen vergleichsweise selten.</p>



<p>Eigentlich wollte ich heute meine interaktive Geschichte veröffentlichen. Aber da ich leider wieder ein wenig übertreiben musste und die Geschichte jetzt schon deutlich länger als die interaktive Geschichte von letztem Jahr geworden ist, muss ich sie leider noch etwas verschieben. Stattdessen habe ich einen alten Beitrag für euch überarbeitet.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Also dann, Ms. Harris. Hier haben Sie die Schlüssel und hier meine Visitenkarte. Nur für den Fall, dass Sie das Haus wieder verkaufen möchten.“</p>



<p>Ich weiß noch, wie ich mich über die Formulierung der Maklerin gewundert hatte. <em>Falls Sie das Haus wieder verkaufen möchten.</em> Vielleicht sollte es nur Werbung sein. Vielleicht hoffte sie, dass ich jemanden kenne, der eine Immobilie zu verkaufen hat. Aber warum hatte sie es dann nicht so formuliert?</p>



<p>„Danke“, nahm ich die Schlüssel entgegen. Die Karte hingegen lehnte ich ab. „Ich denke nicht, dass ich das Haus so schnell wieder loswerden möchte. Es ist einfach perfekt. Die Lage, der Garten, und dann auch noch der Preis.“</p>



<p>Die Maklerin nickte, schenkte mir aber ein gequält aussehendes Lächeln. „Nur für den Fall“, sagte sie dann und steckte die Karte in meinen Briefkasten.</p>



<p>Ich sah der kleinen Frau mit gerunzelter Stirn nach, zuckte jedoch nur mit den Schultern, ehe ich mich meinem neuen Zuhause zuwandte.</p>



<p>Es sollte aber nur ein paar Wochen dauern, bis ich anfing zu verstehen, warum die Maklerin ihre Karte dagelassen hatte.</p>



<p>Zu Beginn waren die Vorfälle noch harmlos. Einige Male stand eine Schublade oder Schranktür plötzlich offen. Da dachte ich noch, dass sie vielleicht defekt seien oder ich sie lediglich vergessen hatte. Und auch, als einige Türen von allein zuknallten, machte ich noch einen unbemerkten Durchzug dafür verantwortlich. Das Haus war halt alt. Da konnte es schonmal ziehen.</p>



<p>Einige Tage später hingegen sollte ich merken, dass die Ereignisse vielleicht doch keinen so natürlichen Ursprung hatten. Es war mitten in der Nacht. Ich lag im Bett und war fest am Schlafen, als mich Stimmen weckten.</p>



<p>Es dauerte einen Moment, bis ich merkte, dass sie nicht aus meinem Traum, sondern aus der Wirklichkeit kamen. Schlagartig war ich wach. Ich setzte mich auf und sah erschrocken ins Zimmer. Da sah ich, dass es mein Fernseher war. Er war angegangen, zeigte irgendeinen alten Westernstreifen.</p>



<p>Irritiert griff ich nach der Fernbedienung auf meinem Nachttisch und schaltete ihn aus. Jetzt wieder in Dunkelheit gehüllt, rutschte ich langsam wieder unter die Bettdecke. Ich starrte die dunkle Zimmerdecke an. Wieso war der Fernseher mitten in der Nacht einfach angesprungen?</p>



<p>Dann plötzlich tanzten Lichter über die Decke. Die Stimme von John Wayne drang an meine Ohren.</p>



<p>„Was zum …?“, fragte ich in den Raum, während ich mich wieder aufsetzte.</p>



<p>Der Fernseher war wieder an. Erneut griff ich nach der Fernbedienung, diesmal ohne die Augen von dem Gerät zu nehmen. Ich drückte den Ausschalter.</p>



<p>Wieder war ich in Schwärze gehüllt. Diesmal legte ich mich jedoch nicht wieder hin. Ich blieb verwundert im Bett sitzen und starrte in die Dunkelheit Richtung Fernseher, unfähig, eine logische Erklärung für das spontane Einschalten zu finden.</p>



<p>Und dann, noch ehe ich die Augen von dem Gerät genommen hatte, war er plötzlich wieder an. Und nicht nur das: Ich sah die Lautstärkeanzeige, wie sie langsam nach oben stieg. Wayne brüllte jetzt seine Worte. Ein Revolverknall hallte durch das Zimmer, als wäre wirklich eine Waffe abgefeuert worden.</p>



<p>Da ich nicht wusste, was ich anderes tun soll, sprang ich aus dem Bett. Ich rannte zum Fernseher, griff nach dem Kabel und riss es aus der Wand. Jetzt war wieder alles still.</p>



<p>Anschließend ging ich zurück ins Bett. Ich zermarterte mir das Hirn, was hier gerade passiert war. Und so dauerte es eine ganze Weile, bis ich endlich einschlief. Die restliche Nacht blieb es ruhig.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Tag musste ich noch immer an die seltsamen Vorkommnisse aus der Nacht denken. Zuerst dachte ich, ich hätte es vielleicht nur geträumt, aber nein. Der Fernseher war wirklich nicht mehr angeschlossen. Ich hatte keine Ahnung, was da passiert war.</p>



<p>Also tat ich, was ich in solchen Situationen immer tue. Ich nahm mein Handy zur Hand und rief meinen Vater an. Er hatte immer für alles eine Erklärung.</p>



<p>„Sophia, wie geht es dir?“, meldete sich die vertraute Stimme. „Hast du dich gut eingelebt?“</p>



<p>„Hey Pops“, begrüßte ich ihn. „Es geht so. Letzte Nacht ist was Komisches passiert. Mein Fernseher ist ein paarmal angegangen.“ Ich schilderte ihm die Situation.</p>



<p>Mein Vater überlegte einen Augenblick. „Es gibt Universalfernbedienungen“, erklärte er mir. „Wenn man die richtige Frequenz kennt, kann man damit fast jedes Gerät einschalten. Kann es sein, dass ein Nachbar dich nicht leiden kann? Vielleicht gefällt jemandem nicht, dass eine schwarze Frau in die Gegend gezogen ist. Es gibt rassistische Arschlöcher, die zu allen Mitteln greifen würden, um uns loszuwerden.“</p>



<p>Ich versuchte, meinem Vater zu erklären, dass meine Nachbarn mit meiner Hautfarbe kein Problem hatten, auch die mexikanische Familie gegenüber sich gut mit allen verstand, aber es war zu spät. Pops hatte bereits zu seinem Vortrag angesetzt, dass ich mich davon nicht unterkriegen lassen dürfe.</p>



<p>Aber darüber wunderte ich mich nicht. Mein Vater war nicht mehr der Jüngste. Während ich mich hauptsächlich mit Alltagsrassismus rumschlagen musste und hier und da einen blöden Spruch abbekam, hatte er noch ganz andere Zeiten kennengelernt. Und so ließ ich seinen Vortrag über mich ergehen, versprach ihm, dass ich mich nicht vertreiben lassen würde, ergänzte, dass ich ihn liebhabe, und legte schließlich auf.</p>



<p>Dafür hatte ich jetzt meine Antwort: Es könnte eine Universalfernbedienung gewesen sein. Und nur, weil meine Nachbarn keine Rassisten waren, hieß das ja nicht, dass die Nachbarsjungen mir keine Streiche spielen würden. Fürs Erste gab ich mich also mit der Theorie zufrieden.</p>



<p>Und so ignorierte ich weiterhin die Schranktüren, die sich wie von Geisterhand öffneten, die Türen, die von allein auf- oder zugingen und sogar das Licht, das gelegentlich flackerte. Zumindest tat ich das, bis ich eines Abends in der Küche stand und mir eine Scheibe Brot schmierte. Ich war gerade dabei, Margarine auf dem Brot zu verstreichen, da hörte ich ein leises Quietschen hinter mir: <em>Iiieeeek.</em></p>



<p>Schnell drehte ich mich um. Dabei konnte ich gerade noch sehen, wie sich das Regal, in dem meine Teller standen, langsam öffnete. Als ich jedoch darauf zuging, um es wieder zu schließen, ließ mich ein leises Schaben in der Bewegung innehalten. Es klang völlig gleichmäßig. Und dann sah ich es: Einer der Teller schob sich langsam, als würde ihn jemand herausziehen, aus dem Schrank heraus.</p>



<p>Mit offenem Mund stand ich da, während der Teller aus dem Schrank stürzte, zu Boden fiel und dort in unzählige Scherben zerbarst. Erst bei dem Aufprall machte ich einen Satz zurück.</p>



<p>Ungläubig starrte ich auf die Scherben. Was zur Hölle war da gerade passiert? Das war nicht möglich.</p>



<p>Da ich nicht wusste, was ich anderes tun sollte, holte ich einen Besen. Ich fegte die Scherben mühsam auf eine Kehrschaufel, ehe ich damit nach draußen ging, um sie dort im Müll zu entsorgen. Ich kam jedoch nicht weiter als bis vor die Haustür. Dort angekommen blieb ich abrupt stehen. Fast hätte ich die Schaufel mitsamt Scherben fallengelassen.</p>



<p>Achtzehn Augen starrten mich aus meinem Garten heraus eindringlich an. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Gartenzwerge. Die kleinen Kerlchen waren einfach zu drollig. In diesem Moment jedoch war sämtliche Sympathie für sie gewichen. Normalerweise standen sie im Vorgarten verteilt, sodass sie aussahen, als würden sie sich unterhalten oder der Gartenarbeit nachgehen. Jetzt jedoch standen alle neun Zwerge so, dass sie jede Person anstarrten, die das Haus verließ – in diesem Moment also mich.</p>



<p>Ich war schneller wieder drinnen, als ich zugeben möchte. Die Scherben würde ich morgen entsorgen, wenn es draußen wieder hell war. Für alles andere lagen meine Nerven gerade zu blank.</p>



<p>Als ich nach dem Abendbrot im Bett lag, konnte ich mal wieder nicht schlafen. Ich nahm mein Handy zur Hand und durchforstete das Internet nach irgendeiner Erklärung für das alles. Klar, mit einer Universalfernbedienung konnte man den Fernseher erklären und auch die Gartenzwerge hätte jede beliebige Person in meinem Vorgarten umstellen können, aber die Türen? Und der Teller? Es musste dafür irgendeine Erklärung geben!</p>



<p>Leider ergab meine Suche nicht viel. Jedenfalls ging ich nicht davon aus, dass ein Erdbeben den Teller bewegt haben konnte. Einen vorbeifahrenden Zug gab es in der Region auch nicht. Und von den wirren Poltergeist-Theorien, über die ich las, wollte ich gar nicht erst anfangen. Ich glaubte nicht an das Paranormale. Zumindest noch nicht.</p>



<p>Also ließ ich mit einem frustrierten Seufzen den Kopf aufs Kissen fallen. In dieser Nacht verfiel ich in unruhige Träume.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Inzwischen verging kein einziger Tag mehr, an dem nichts Merkwürdiges in meinem neuen Haus geschah. Aber das Problem war nicht, dass diese Dinge passierten. Ob ihr es glaubt oder nicht irgendwann gewöhnt man sich daran, dass Sachen plötzlich woanders liegen, dass Türen sich von allein öffnen und schließen, dass das Licht an- oder ausgeht. Das Problem war nicht einmal, dass die Phänomene häufiger wurden. Nein, das Problem war, dass sie immer intensiver wurden.</p>



<p>Ich weiß noch, wie ich einen Tag aus der Dusche kam und das Wort „LEAVE!“ auf meinem beschlagenen Badezimmerspiegel geschrieben sah. Zwar gibt es eine einfache Möglichkeit, solche Worte auf Spiegeln zu erzeugen, wie ich im Internet herausfand – es reichte zum Beispiel aus, sie mit Reinigungsalkohol auf den unbeschlagenen Spiegel zu schreiben, damit die Worte nach der nächsten heißen Dusche auftauchten –, aber außer mir war niemand in meinem Haus gewesen.</p>



<p>Und dann war da noch die Visitenkarte. Als ich den Spiegel mit meinem Handtuch abwischen wollte, entdeckte ich die Karte der Maklerin auf dem Waschbeckenrand. Ich war mir sicher, dass sie vor meiner Dusche noch nicht dagelegen hatte.</p>



<p>Vielleicht hatte mein Vater ja recht. Vielleicht war es wirklich ein Nachbar, der mich loswerden wollte. Aber in mein Haus einbrechen? Sich in mein Badezimmer schleichen, während ich duschte? Das ging nun wirklich zu weit.</p>



<p>Vielleicht sollte ich mir Überwachungskameras für das Haus holen. So wüsste ich nicht nur, wer in meinem Haus hier sein Unwesen trieb, ich hätte auch noch Beweise, die ich der Polizei vorlegen konnte. Wer auch immer das war, würde bald schon lernen, dass er sich mit der Falschen angelegt hatte!</p>



<p>So weit kam es jedoch nie. Ich hatte den Gedanken gerade zu Ende gedacht, da hörte ich plötzlich ein lautes Schaben aus dem Stockwerk über mir – dem Dachboden. Es klang so, als ob jemand einen schweren Gegenstand über den Boden rücken würde.</p>



<p>„Oh nein! So nicht, Freundchen!“, schimpfte ich, während ich zur Treppe rannte. Ich nahm zwei Stufen auf einmal. Das Holz knarrte unter meinen Füßen, während ich dem schabenden Geräusch immer näherkam.</p>



<p>Ich merkte, dass meine Hand zitterte, während ich nach dem metallenen Türknauf griff. Ich nahm all meinen Mut zusammen. Dann drehte ich den Knauf und stieß die Tür mit aller Kraft auf.</p>



<p>Wie schon so oft die letzten Wochen, erstarrte ich jetzt. Ich sah, wie einige Umzugskartons wie von Geisterhand über den Boden schleiften.</p>



<p>In einem letzten verzweifelten Versuch, eine logische Erklärung für all das zu finden, rannte ich zu einem der Kartons. Ich kippte ihn auf die Seite, untersuchte seine Unterseite und den Fußboden, öffnete ihn und leerte seinen Inhalt vor mir aus. Aber da war nichts – nichts, das den Karton hätte bewegen können. Das war physikalisch unmöglich!</p>



<p>Mein Mundwinkel zuckte. Ich richtete mich auf. „Wer oder was auch immer du bist, das ist mein Haus!“, rief ich. „Und ich will, dass du mich auf der Stelle in Ruhe lässt!“</p>



<p>War es nicht das, was man mit Geistern machen sollte? Sie zum Gehen auffordern? Oder würde ich ihn damit nur provozieren?</p>



<p>Zu meiner Überraschung war es plötzlich um mich herum still. Kein schleifendes Geräusch mehr, keine sich bewegenden Kisten. Hatte es funktioniert?</p>



<p>Doch es war nur die Ruhe vor dem Sturm. Ein plötzliches Klappern hinter mir ließ mich herumfahren. Ein Stuhl, der in einer Ecke stand, zitterte wie verrückt. Dann, völlig unerwartet, hob er vom Boden ab. Er schwebte in der Luft, nur wenige Zentimeter über dem Boden, als würde eine unsichtbare Person ihn hochheben.</p>



<p>Im nächsten Moment flog der Stuhl in meine Richtung. Normalerweise hatte ich gute Reflexe, doch in diesem Moment war ich zu überfordert, um überhaupt zu reagieren. Der Stuhl traf mich mit voller Wucht. Das Holz der Rückenlehne schlug an meinen Kopf, ehe die gepolsterte Sitzfläche mich an der Brust traf und zu Boden schleuderte.</p>



<p>Für einen kurzen Moment wurde mir schwarz vor Augen. Ich lag benommen da, als ich plötzlich ein Knarren vernahm. Die schwere Kommode über mir kippte in meine Richtung. Ich riss schützend die Arme hoch. Aber auch das würde nichts bringen. Die Kommode war so schwer, dass selbst die beiden Männer vom Umzugsunternehmen Schwierigkeiten gehabt hatten, sie die Treppen hinauf zu bekommen.</p>



<p>„Warte! Warte!“, kreischte ich panisch. „Du hast gewonnen!“ Was auch immer hier passierte, ich hatte nicht vor, heute von einer Kommode zerquetscht zu werden. „Du hast gewonnen“, wiederholte ich. „Ich ziehe aus. Das möchtest du doch, oder?“</p>



<p>Die Kommode hielt in der Bewegung inne. Sie stand jetzt nur noch auf zwei Beinen, schwebte bedrohlich über mir.</p>



<p>„Ich such mir noch heute ein Motel. Direkt morgen ruf ich die Maklerin an. Dann bist du mich los!“, flehte ich.</p>



<p>Ich spürte mein Herz bis in meinen Hals pochen. Mit noch immer weit aufgerissenen Augen starrte ich die Kommode an. Wenn der Poltergeist, oder was auch immer es war, sie jetzt losließ, würde ich das nicht überleben.</p>



<p>Dann kippte die Kommode. Sie kippte jedoch nicht in meine Richtung. Nein. Sie kippte von mir weg. Mit einem lauten Knall landete sie wieder auf ihren vier Beinen. Danach war es ruhig. Der Spuk war zu Ende. Ich hatte verloren, aber ich lebte. Jetzt musste die Maklerin nur noch einen neuen Käufer finden.</p>



<p>Ich erinnerte mich an ihre Worte. „Nur für den Fall, dass Sie das Haus wieder verkaufen möchten.“ Sie wusste es. Sie hatte es die ganze Zeit gewusst. Und auch beim nächsten Käufer würde sie es wieder wissen …</p>



<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Poltergeister sind eine Art Geist oder Spukerscheinung. Aber obwohl sie eine der bekanntesten Geisterarten sind, sind Berichte von Poltergeistphänomenen relativ selten – sofern man von den zahlreichen gefakten Videos einmal absieht, die im Internet kursieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Im Normalfall manifestieren sich Poltergeister nicht in einer sichtbaren Gestalt. Sie sind somit eines der wenigen übernatürlichen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>, das kein eigenes Aussehen besitzen soll.</p>



<p>Eine Ausnahme besteht, sofern die Poltergeistphänomene mit anderen Geistererscheinungen, Telepathie oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämonen</a> in Verbindung gebracht werden. In diesen Fällen wird dem „Poltergeist“ das Aussehen des anderen Wesens oder der telepathisch begabten Person zugeschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Es gibt verschiedene Theorien bzw. Arten, wie ein Poltergeist entstehen kann.</p>



<p>So gibt es den „klassischen“ Poltergeist, der als Geist oder Dämon ein Haus oder eine Person heimsucht und die paranormalen Phänomene verursacht. Der Grund hierfür kann u. a. eine starke emotionale Bindung zwischen dem Geist und dem Ort/der Person sein, eine aus dem Ruder geratene Séance oder schwarze Magie.</p>



<p>Anders verhält es sich hingegen mit der Theorie, dass Poltergeistphänomene durch einen Menschen verursacht werden. Ich meine hierbei nicht, dass ein Mensch die Phänomene faket – das kommt natürlich auch sehr oft vor –, sondern dass er die Objekte unbewusst bewegt, z. B. durch telekinetische Kräfte. Tatsächlich war diese meist von sexistischen Motiven geprägte Theorie besonders früher sehr verbreitet. Ihr zufolge wird die unbewusste Telekinese durch eine Mischung aus Stress und Hysterie von meist jungen Frauen oder weiblichen Teenagern ausgelöst.</p>



<p>Wie plausibel Letzteres in euren Ohren klingt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich bin aber ein größerer Fan der Geist/Dämon-Theorie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Poltergeister können auf sehr verschiedene Weisen in Erscheinung treten.</p>



<p>Häufig beginnen die Phänomene sehr harmlos – ein kleiner Gegenstand, der plötzlich woanders liegt, ein leises Klopfen, flackernde Lichter oder Lichtschalter, die sich von selbst betätigen.</p>



<p>In seltenen Fällen bleibt es bei diesen kleineren Ereignissen, im Normalfall steigern sich die paranormalen Phänomene jedoch mit der Zeit.</p>



<p>So kann es im weiteren Verlauf zum Beispiel dazu kommen, dass auch größere Gegenstände oder Möbel bewegt werden oder umkippen.</p>



<p>Normal sind auch Tassen oder Teller, die plötzlich durch die Luft fliegen, als wären sie geworfen worden, oder Schubladen und Türen, die sich von selbst öffnen oder schließen.</p>



<p>Außerdem gibt es Berichte von lautem durchgehendem Klopfen, Lichtflackern, elektronischen Geräten, die plötzlich an oder ausgehen, von selbst wechselnden Fernsehprogrammen und Geräuschen wie Stimmen, undeutlichem Geflüster oder unmenschlichen Schreien.</p>



<p>In besonders schweren Fällen soll es sogar zu plötzlichem Feuer ohne erkennbare Ursache oder schwebenden Möbeln und Personen gekommen sein.</p>



<p>Genau wie die Art der Ereignisse kann auch die Zeitspanne, über die sie passieren, sich von Fall zu Fall stark unterscheiden. In einigen Fällen dauert es nur wenige Wochen, bis sie wieder aufhören, in anderen mehrere Monate bis hin zu Jahren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Poltergeister sind fast immer innerhalb von Gebäuden anzutreffen. Davon abgesehen können sie überall auf der Welt vorkommen.</p>



<p>In einigen Kulturen sind sie unter anderem anderem Namen bekannt und auch die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legenden</a> um die Ereignisse können verschieden sein, aber das Grundprinzip bleibt immer dasselbe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Über den genauen Ursprung der Poltergeister lässt sich nur schwierig etwas sagen. Es gibt verschiedenste Poltergeister in allen möglichen Kulturen – mal sind es Geister, mal Kobolde, Hexen, Menschen mit telekinetischen Kräften, Dämonen, Yōkai oder völlig andere Wesen.</p>



<p>Die Poltergeister, wie wir sie aus europäischen und amerikanischen Erzählungen kennen, könnten hingegen ihren Ursprung in Deutschland haben, worauf die Tatsache hindeutet, dass „poltergeist“ als Wort für die Phänomene auch in anderen Sprachen übernommen wurde – so ist im Englischen z. B. von „poltergeists“ die Rede.</p>



<p>Aber egal, aus welcher Region der Glaube an „unsere“ Poltergeister ursprünglich kommen mag, so ist der Ursprung doch relativ eindeutig: Die Menschen haben sich früher alle möglichen Dinge ausgedacht, um scheinbar unerklärliche Vorkommnisse zu erklären. Götter, die den Sonnenwagen über den Himmel ziehen, Geister, die in den Polarlichtern tanzen oder eben Poltergeister, die Geräusche ohne erkennbaren Ursprung erklären sollen – ein Glaube, der sich bis heute hartnäckig gehalten hat.</p>



<p>In der Realität kommen die Geräusche oft bloß von arbeitendem Holz, Tieren, die sich in oder hinter der Wand befinden oder alten Rohren, aber auch das tut der Fantasie der meisten Menschen keinen Abbruch.</p>



<p>Und auch, wenn sich die meisten Poltergeistaktivitäten auf ebensolche natürliche Ursachen oder schlichten Betrug, um Aufmerksamkeit zu erregen, zurückführen lassen, so gibt es doch einige historische Fälle von Poltergeistern, die sich bis heute nicht logisch erklären lassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Poltergeister in der Popkultur:</h3>



<p>An dieser Stelle komme ich natürlich nicht drum herum, die Poltergeist-Filmreihe, bestehend aus „Poltergeist“ (1982), „Poltergeist 2 – Die andere Seite“ (1986), „Poltergeist 3 – Die dunkle Seite des Bösen“ (1988) sowie der Neuauflage „Poltergeist“ (2015), zu erwähnen.</p>



<p>Außerdem gibt es eine Die drei ???-Folge namens „Poltergeist“ von 1997, die von vermeintlichen Poltergeistphänomenen im Haus einer älteren Dame handelt. (Dabei handelt es sich übrigens um eine meiner Lieblingsfolgen. :D)</p>



<p>Und natürlich gibt es den bekannten Horrorfilm „Conjuring 2“ (2016), der den berühmten echten Fall des Enfield-Poltergeists behandelt.</p>



<p>Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Fernsehserien und Filme wie z. B. die Horrerserie „Poltergeist – die unheimliche Macht“ (1996-1999), den Dokumentarfilm „Enfield Poltergeist“ (2023) oder die 11-teilige Trash-Horrorfilmreihe „American Poltergeist“.</p>



<p><em>Was denkt ihr über Poltergeister? Glaubt ihr, dass diese Phänomene übernatürlich sein können? Oder gibt es für euch immer eine logische Erklärung? Wie würdet ihr die Phänomene erklären? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Mahaha – Er kitzelt dich zu Tode!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Feb 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Ich bin von der Polizei. Bitte bleiben Sie stehen!“, rief ich. Die Waffe hielt ich stur zum Boden gerichtet, um die Person nicht zu verschrecken. „Ich habe einige Fragen an Sie!“<br />
Die Silhouette reagierte mit einem erneuten Lachen. Im nächsten Moment setzte sie zu einem Sprint an. Sie raste auf mich zu. Ihre Bewegungen wirkten dabei unnatürlich, fast wie die eines Tieres …</p>
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<p>Der Mahaha ist die erste Legende der Inuit-Folklore, die ich auf meinem Blog behandle. Es handelt sich um ein menschenähnliches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a>, das seine Opfer angeblich zu Tode kitzeln soll.</p>



<p>Wenn ihr mehr Inuit-Legenden auf meinem Blog lesen wollt, könnt ihr mir gerne einen Kommentar schreiben. Es stehen auf jeden Fall noch einige auf meiner Liste.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Ich hasse den Winter“, murmelte ich, während ich mich zurück ins Auto setzte. Ich pfefferte den Scheibenkratzer nach hinten in den Fußraum.</p>



<p>Enoki, der auf dem Beifahrersitz saß, schmunzelte. „Soweit ich mich richtig erinnere, hast <em>du</em> um die Versetzung nach Nord-Kanada gebeten, Randy.“</p>



<p>„Ja, schon“, erwiderte ich. Ich startete den Motor. „Aber eigentlich, um einen Mörder zu fangen. Nicht um zweimal am Tag mein Auto kratzen zu müssen.“</p>



<p>Enokis Grinsen wurde breiter. Er war ein Inuit, oder ein Inuk, wie die Einzahl richtig lautet. Für ihn waren die Wetterbedingungen hier in seiner Heimatstadt völlig normal. „Ach was. Die letzten Tage war es doch gar nicht so kalt. Und mit der Zeit gewöhnst du dich daran“, versuchte er, mich aufzumuntern.</p>



<p>Ich wollte mich aber gar nicht daran gewöhnen. Ich seufzte schwer. Eigentlich sollte das hier ein schneller Einsatz werden. Ich sollte nach Nunavut kommen, der Polizei bei den Ermittlungen helfen und sofort wieder nach Hause fahren, sobald der Mörder geschnappt war. Das war jetzt etwas über einen Monat her. Und wir tappten noch immer völlig im Dunkeln.</p>



<p>„Fuck!“ Ich schlug auf das Lenkrad. „Wir haben schon fünf Tote und bei drei Tatorten hab ich selbst ermittelt. Ich war fast zehn Jahre bei der Spurensicherung, verdammt nochmal! Aber alles, was wir an Beweisen sicherstellen konnten, waren die Kratzspuren in den Opfern und ein paar Fotos von vermeintlich nackten Fußabdrücken!“</p>



<p>Der Fall war einer der seltsamsten und außergewöhnlichsten Fälle, in denen ich je ermitteln durfte. Die Opfer hatten scheinbar keine Gemeinsamkeiten. Es gab kein Muster, nach dem der oder die Täter sie auswählten. Wir wussten nur, dass sie alle am äußersten Stadtrand, in den unbewohntesten Gegenden gefunden wurden.</p>



<p>Und auch bei der Todesursache standen wir vor einem Rätsel. Zwar wiesen alle Opfer zerfetzte Oberteile mit blutigen Kratzern in ihren Bäuchen und ihren Seiten auf, aber daran waren sie nicht gestorben. Zwei von ihnen erlagen einem Herzinfarkt, während die anderen drei wohl erstickt waren.</p>



<p>Das Seltsamste waren jedoch die Gesichter der Toten. Ich hatte es selbst gesehen. Ihre Münder waren allesamt zu einem schmerzerfüllten Grinsen verzerrt, was bei den Gerichtsmedizinern wiederum zu noch mehr Ratlosigkeit geführt hatte. Einer von ihnen hatte sogar die Theorie aufgestellt, dass es sich um Muskelkrämpfe aufgrund der Kälte handeln könne. Ungläubig schüttelte ich den Kopf.</p>



<p>„Randy?“, riss mich Enoki aus meinen Gedanken. Er räusperte sich. „Ich weiß, wie du darüber denkst, aber … meinst du nicht, dass an der Mahaha-Theorie doch etwas dran sein könnte?“</p>



<p>Ich unterdrückte ein Augenrollen. Der Mahaha war ein Monster der Inuit-Mythologie. Der Legende nach kitzelte er seine Opfer zu Tode, was zumindest die Gesichter erklären würde. Und zugegeben: Auch die Wunden ließen sich mit seinen langen Fingernägeln begründen. Aber bei dem Mahaha handelte es sich um ein menschenähnliches Monster, das seit Jahrhunderten durch die eisige Kälte ziehen soll.</p>



<p>Ich atmete tief durch, ehe ich antwortete. „Ich möchte dir auf keinen Fall zu nahetreten. Aber denkst du nicht, dass, wenn es so etwas wie Geister oder Monster wirklich gäbe, egal in welcher Kultur, man dafür inzwischen irgendwo auf der Welt einen Beweis hätte finden müssen?“, fragte ich.</p>



<p>Es war eine Zeugin gewesen, eine alte Frau namens Simone Nanuq, die Enoki auf das Vorgehen des Mahaha hingewiesen hatte. Seitdem hatte Enoki sich daran festgebissen.</p>



<p>„Andererseits“, fuhr ich fort, „halte ich es weiterhin für denkbar, dass ein Mensch die Vorgehensweise des Mahaha nachahmt. Kennst du wirklich keinen Inuk oder jemand anderen, der sich mit eurer Kultur gut auskennt, der ein auch noch so kleines Motiv dafür hätte? Irgendwelche noch so kleinen Auffälligkeiten?“</p>



<p>Aber Enoki schüttelte entschieden den Kopf. „Randy, bei uns gibt es keine Serienmörder. Sowas gibt es vielleicht bei euch in Toronto. Wahnsinnige, die ihre kranken Fantasien ausleben. Aber das hier ist eine Kleinstadt. Das Spannendste, was hier passiert, ist für gewöhnlich ein Nachbarschaftsstreit oder vielleicht mal ein Einbruch.“</p>



<p>Wie auch die letzten Male, als ich es angesprochen hatte, traf ich auf eine Mauer. Enoki war felsenfest davon überzeugt, dass, wenn es nicht der mythische Mahaha war, der die Morde beging, es jemand von außerhalb sein musste – eine Einstellung, die das restliche Präsidium mit ihm teilte.</p>



<p>Normalerweise hätte ich jetzt zu einer Diskussion angesetzt, ihm erneut erklärt, dass man es den meisten Tätern im Alltag nicht ansah, dass sie Mörder waren, erklärt wie gering die Wahrscheinlichkeit war, dass ein Tourist in einer fremden Stadt eine Mordserie über vier ganze Wochen hinweg beging. Aber zum Glück musste ich das heute nicht. Wir hatten Enokis Haus erreicht. Ich hielt den Wagen an der Straße vor seinem Grundstück.</p>



<p>Enoki schnallte sich ab. Er wartete, bis das Auto stand, ehe er nach dem Türöffner griff. „Danke für’s Fahren“, sagte er. „Komm gut nach Hause.“</p>



<p>„Kein Ding. Ich will aber noch schnell zum letzten Tatort. Vielleicht kann ich ja doch noch was finden, was wir bisher übersehen haben.“</p>



<p>Enoki hielt mitten beim Aussteigen inne. „Jetzt? Aber es wird gleich dunkel. Soll ich mitkommen?“</p>



<p>Ich lachte. „Ach was. Deine Frau wartet auf dich. Außerdem ist es noch hell und ich bin bewaffnet. Sollte ich irgendetwas finden, sag ich dir natürlich sofort Bescheid!“</p>



<p>Enoki wirkte nicht sehr glücklich mit meiner Antwort, gab aber keine Widerworte. „Na gut. Aber meld dich bitte, wenn du zuhause bist.“</p>



<p>„Ja, Mama“, sagte ich grinsend. Ich zwinkerte ihm zu, ehe er die Autotür schloss. Anschließend fuhr ich los. Im Rückspiegel sah ich ihn noch winken, bis er aus meinem Sichtfeld verschwunden war. Dann war ich wieder allein.</p>



<p>Ich weiß nicht, welche Art von Menschen ihr seid, aber für einen Stadtmenschen wie mich war die Stille bedrückend. Abgesehen von meinem Motor hörte ich jetzt kein einziges Geräusch mehr, während ich durch die verlassenen Straßen fuhr. In Toronto war immer irgendetwas los gewesen. Ich vermisste den Stadtlärm, der mir zeigte, dass ich nicht völlig allein war in dieser gottverdammten Welt.</p>



<p>Vielleicht war auch das der Grund, warum ich angeboten hatte, Enoki nach Hause zu fahren. Nicht nur, dass ich meinen neuen Polizeipartner so besser kennenlernen konnte, ich hatte außerdem noch ein paar Minuten mehr, in denen ich nicht allein sein musste.</p>



<p>Ich schaltete das Radio ein, drehte es ein kleines Stück lauter als gewöhnlich, während ich dem letzten bisschen Sonne entgegenfuhr.</p>



<p>Bald hatte ich das letzte Haus passiert, das noch zur Stadt gehörte. Aber zum Glück musste ich nicht mehr allzu weit über die stetig schlechter werdenden Straßen fahren. Noch ehe ich das Lied zu Ende gehört hatte, bog ich nach links auf einen zugeschneiten Parkplatz ab, auf dem noch immer das Absperrband der Polizei flatterte. Direkt davor hielt ich an.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Die wenigen Bäume um mich herum warfen lange Schatten über den Boden. Mit einem leisen Fluchen warf ich einen Blick zur Sonne, von der ich nur noch einen letzten Streifen am Horizont sehen konnte. Sobald sie untergegangen war, würde es rasch dunkel werden. Ich musste mich also beeilen.</p>



<p>Eilig stapfte ich durch den knirschenden Schnee. Ich bückte mich unter dem Absperrband hindurch und ging an die Stelle, wo noch bis vor kurzem das Auto unseres letzten Opfers gestanden hatte. Knapp davor hatten wir seine Leiche gefunden.</p>



<p>In Gedanken ging ich den Tathergang noch einmal durch: Das Opfer – ich vermied es generell, Mordopfer beim Namen zu nennen – war genau wie ich von der Straße auf den Parkplatz abgebogen. Vielleicht wollte er eine Pause machen, vielleicht musste er auch nur austreten. Wir hatten seine Fußabdrücke jedenfalls zu einem der nahestehenden Bäume verfolgen können. Dort hatten wir auch Spuren von Urin im Schnee gefunden.</p>



<p>Beim Erleichtern musste ihn der Täter jedoch unterbrochen haben. Das Opfer war noch mit geöffnetem Gürtel zurück zum Auto gerannt. Auf halber Strecke hatte ihn der Täter erreicht, der den Abdrücken zu Folge Barfuß von der Seite angerannt gekommen war. Es gab einen kurzen Kampf, wie der aufgewühlte Schnee gezeigt hatte. Dabei musste der Täter die Jacke und den Pullover des Opfers zerschnitten haben, was auch zu den blutigen Kratzern im Bauch geführt hatte. Kurz darauf war das Opfer erstickt.</p>



<p>„Was ist hier nur passiert?“, murmelte ich zu mir selbst. Mir fehlten die Zusammenhänge. Ich konnte mir einfach keinen Reim darauf machen.</p>



<p>Und dann waren da noch die Fußabdrücke des Täters. Sie führten direkt in die Wildnis, weg von der Straße. Das war auch der Grund, warum wir sie nicht sonderlich weit verfolgen konnten. Irgendwo am Ufer des inzwischen wieder vollständig gefrorenen Flusses hatten wir die Spur verloren.</p>



<p>Ich ließ den Blick über den Parkplatz schweifen, folgte dann den imaginären Spuren des Täters mit meinen Augen bis zum Fluss. Warum war er nicht von der Straße gekommen? Hatte er sein Auto weiter weg geparkt? Oder hatte er vielleicht ein anderes Fortbewegungsmittel? Ein Schneemobil zum Beispiel? Das würde zumindest den Kreis der Täter einschränken.</p>



<p>Gerade, als ich den Gedanken weiterspinnen wollte, erregte jedoch ein kurzes Geräusch in der Ferne meine Aufmerksamkeit. Es war eine Art Lachen.</p>



<p>Ich drehte den Kopf, um es wieder einzufangen, schob sogar die Mütze von meinen Ohren, aber nichts. Jetzt hörte ich nur noch den Wind, der über den Parkplatz säuselte. Hatte ich es mir bloß eingebildet?</p>



<p>Gerade, als ich mich wieder dem Tatort widmen wollte, erklang das Lachen erneut. Es war aber kein helles Lachen. Vielmehr klang es wahnsinnig, völlig ohne Freude darin. Jetzt hörte es gar nicht mehr auf. Und es kam eindeutig näher.</p>



<p>Sofort musste ich an den Mahaha denken. Wie war das noch? Hatte Enoki nicht gesagt, dass man ihn oft an seinem Gelächter erkennt?</p>



<p>Instinktiv wanderte meine Hand zu meiner Waffe. Ich löste die Schnalle, die sie im Holster hielt.</p>



<p>Dann erkannte ich neben dem wahnsinnigen Lachen noch ein weiteres Geräusch im Wind: das Rattern eines Schneemobils. Ein freudloses Lächeln umspielte meine Lippen. Dachte ich es mir doch. Wenn das da draußen tatsächlich der Täter war, ahmte er den Mahaha bloß nach. Wahrscheinlich waren auch die Fußabdrücke nichts weiter als speziell angefertigte Schuhe gewesen.</p>



<p>Mit gezogener Waffe schlich ich in die Richtung, aus der die Geräusche kamen. Im Halbdunkel erkannte ich eine Bewegung. Sie war jedoch viel näher, als ich erwartet hatte. Eine Gestalt stand vielleicht dreißig Meter vom Parkplatz entfernt. Sie war dünn, hatte helle Haut und strähnige Haare, durch die mich fast weiße Augen anblitzten. Von dem Schneemobil hingegen, das ich immer noch hören konnte, fehlte jede Spur.</p>



<p>„Ich bin von der Polizei. Bitte bleiben Sie stehen!“, rief ich. Die Waffe hielt ich stur zum Boden gerichtet, um die Person nicht zu verschrecken. „Ich habe einige Fragen an Sie!“</p>



<p>Die Silhouette reagierte mit einem erneuten Lachen. Im nächsten Moment setzte sie zu einem Sprint an. Sie raste auf mich zu. Ihre Bewegungen wirkten dabei unnatürlich, fast wie die eines Tieres.</p>



<p>Der Anblick jagte einen Schauer durch meinen Körper. Aber zum Glück war ich für solche Situationen trainiert.</p>



<p>Sofort riss ich meine Waffe hoch. Der erste Schuss ging in den Boden, sollte zur Abschreckung dienen. Ohne Gehörschutz war der Knall so laut, dass meine Ohren klingelten. Aber das Wesen zögerte nicht einmal in seiner Bewegung. Also feuerte ich den zweiten Schuss auf seine Brust ab. Das Wesen zeigte sich jedoch völlig unbeeindruckt. Er zuckte nicht einmal. Hatte ich verfehlt?</p>



<p>Leider hatte ich keine Möglichkeit mehr, es noch einmal zu versuchen. Das Ding hatte mich erreicht. Ehe ich den Abzug erneut betätigen konnte, wurde ich bereits zu Boden gerissen. Schmerzhaft prallte ich in den Schnee, spürte, wie mir die Waffe aus der Hand glitt.</p>



<p>Der Mahaha – denn ich war mir jetzt sicher, dass er es tatsächlich war – stand über mir. Er trug nichts außer einer zerschlissenen Hose aus Fell. Seine Haut hatte einen blassblauen Ton. Sein Körper wirkte abgemagert, aber gleichzeitig unglaublich kräftig und muskulös.</p>



<p>Am furchteinflößendsten war hingegen sein Gesicht. Sein Mund war zu einem schadenfrohen Grinsen verzerrt, das spitzzulaufende Zähne entblößte. Außerdem waren da seine weißen Augen, die in der Dämmerung fast zu leuchten schienen. Es war, als bohrte sein Blick sich direkt in mein Fleisch.</p>



<p>Plötzlich stieß er ein erneutes Gelächter aus. Es war so schrill, dass ich mir am liebsten die Ohren zugehalten hätte. Dazu hatte ich jedoch keine Möglichkeit mehr. Der Mahaha stürzte sich bereits auf mich, während er weiter lachte.</p>



<p>Er schlug meine schützenden Arme mit solcher Leichtigkeit zur Seite, als wäre ich ein Kind. Im nächsten Moment schlitzte er mit seinen erstaunlich scharfen Fingernägeln bereits meine Daunenjacke auf.</p>



<p>Panisch versuchte ich, seine Handgelenke zu packen, ihn festzuhalten, aber es kümmerte ihn gar nicht. Er war so viel stärker als ich.</p>



<p>Dann begann er auch schon, nach meinem freigelegten Bauch zu greifen. Sein Grinsen hing direkt über mir, während er anfing, mich zu kitzeln.</p>



<p>Mit aller Kraft versuchte ich, mich dagegen zu wehren. Aber seine eiskalten Finger tanzten mit solch einem Geschick über meine Haut, dass ich schnell merkte, wie mein Körper zu beben begann. Ich konnte nichts dagegen tun. Mit angespannten Bauchmuskeln brach ein freudloses Lachen aus meiner Kehle hervor.</p>



<p>Ich wand und wälzte mich, versuchte, ihm zu entkommen, doch der Mahaha hatte mich fest im Griff. Ich kam mir vor wie ein Spielzeug.</p>



<p>Gleichzeitig spürte ich immer wieder, wie seine Klauen mir ins Fleisch schnitten. Aber ich konnte nichts tun als Lachen. Ich bekam keine Luft mehr, hatte keinerlei Kraft in den Armen, um mich zu wehren. Und die ganze Zeit sah ich dabei nur dieses schrecklich grinsende Gesicht über mir.</p>



<p>Tränen stiegen mir in die Augen. Mein ganzer Körper schrie nach Sauerstoff, doch während des Lachens hatte ich keine Möglichkeit, einzuatmen. Das war es also, was den anderen Opfern widerfahren war.</p>



<p>Plötzlich wurde mir die Kälte des Schnees unter mir schmerzlich bewusst. Ich lag ganz allein hier draußen, fernab jeglicher Zivilisation. Ich würde einsam sterben, mit keiner Begleitung außer dieses noch immer lachenden Monsters über mir. Das letzte, was ich sehen würde, war sein widerwärtiges Grinsen.</p>



<p>Wie aus dem Nichts ertönte in genau dem Moment ein Donnern. Der Mahaha ließ von mir ab, wurde zur Seite gerissen.</p>



<p>Ich rang nach Luft, während ich mich schnell aufrichtete, um mich nach dem Mahaha umzusehen. Er hockte keinen halben Meter neben mir im Schnee. Sein Lachen war zu einem leisen Kichern geworden. Es klang irgendwie wehmütig. Auch konnte ich jetzt rote Flecken auf seiner blauen Haut erkennen.</p>



<p>„Schnell. Steigen Sie auf!“, rief eine Stimme hinter mir. Simone Nanuq saß auf einem Schneemobil, dessen ratterndes Geräusch ich erst jetzt bemerkte. Im Anschlag hatte sie eine Schrotflinte, die sie noch immer auf den Mahaha gerichtet hielt.</p>



<p>„Frau Nanuq!“, rief ich überrascht.</p>



<p>„Ja, ich bin es, Officer Johnson. Enoki hat mich angerufen“, erwiderte sie hastig. „Und jetzt steigen Sie endlich auf! Ich hatte nur einen Schuss!“</p>



<p>Das ließ ich mir kein drittes Mal sagen. So schnell ich konnte, rappelte ich mich auf. Mein blutender Bauch schmerzte bei jeder Bewegung, aber mein Adrenalin und die Angst trieben mich voran. Ich rannte zu Frau Nanuq und schwang mich hinter ihr aufs Schneemobil.</p>



<p>Das wiederum schien dem Mahaha zu missfallen. Ich sah bereits, wie er wieder auf die Beine kam, um die Verfolgung aufzunehmen. Die Schussverletzung schien ihn nicht sonderlich zu behindern.</p>



<p>Im nächsten Moment stürmte er auch schon auf uns zu. Diesmal auf allen vieren. Zum Glück reagierte Frau Nanuq mindestens genauso schnell. Ich konnte mich gerade noch an der viel zu niedrigen Rückenlehne meines Sitzes festhalten, da jaulte der Motor des Schneemobils auch schon auf. Rasch setzten wir uns in Bewegung.</p>



<p>Frau Nanuq steuerte aber nicht die Straße an. Sie fuhr nicht zurück in die Stadt, wie ich gedacht hätte. Stattdessen bewegten wir uns direkt auf den zugefrorenen Fluss zu.</p>



<p>„Was machen Sie denn?“, brüllte ich. „Das Eis ist niemals dick genug, um das Schneemobil zu tragen! Es war die letzten Tage viel zu warm!“</p>



<p>Ich erinnerte mich noch gut daran, dass der Fluss nicht einmal vollständig gefroren war, als das Opfer entdeckt wurde.</p>



<p>Aber Frau Nanuq konnte mich entweder nicht hören oder sie ignorierte mich. Ein Blick nach hinten verriet mir jedoch, dass es so oder so egal gewesen wäre. Der Mahaha war näher, als ich befürchtet hatte. Wenn wir jetzt abbogen, würde er uns wahrscheinlich einholen.</p>



<p>Die Panik in mir kochte über. Mein Herz schlug mir bis in die Brust. Ich musste mich mit aller Kraft davon abhalten, meinen Instinkten zu folgen und einfach vom Schneemobil zu springen. Dann hatten wir den Fluss erreicht.</p>



<p>Die ersten Meter glitten wir noch problemlos über das Eis. Hier am Rand war es definitiv dick genug. Dann ertönte jedoch ein lautes Knacken, das ich sogar über den Motor hinweg hören konnte. Eisiges Wasser spritzte auf, wurde von der Raupe des Schneemobils hochgewirbelt. Schmerz zuckte durch meinen Bauch, als die Spritzer meine Wunden trafen, aber ich traute mich nicht, die Rückenlehne loszulassen, um den Arm vor die freie Haut zu halten.</p>



<p>Danach ging alles sehr schnell. Es kam mir vor, als würde mein Herz stehenbleiben, während ich darauf wartete, dass das Schneemobil unterging. Doch das tat es nicht. Das Eis brach und splitterte, aber die Kufe des Fahrzeugs schafften es irgendwie, uns auf der Oberfläche zu halten.</p>



<p>Mein nächster Blick galt dem Mahaha. Er war noch immer hinter uns, musste einen Umweg um das gebrochene Eis herum nehmen. Dann plötzlich sackte sein Bein weg. Das dünne Eis brach unter ihm, riss ihn in die Tiefe. Ich sah, wie er panisch versuchte, sich an dem Eis festzuhalten, sich aus dem Wasser zu ziehen. Aber er brach wieder ein.</p>



<p>Er langte um sich, versuchte, neuen Halt zu finden, aber die Strömung unter der Eisoberfläche musste unglaublich stark sein. In einem Moment war er noch da, unsere Blicke trafen sich, sein Grinsen wirkte jetzt voller Verzweiflung, dann wurde sein Kopf Unterwasser gerissen und das Monster war verschwunden.</p>



<p>Inzwischen hatten wir wieder festes Eis unter dem Schneemobil. Frau Nanuq fuhr aber noch weiter, bis wir das andere Ufer erreichten. Erst dann blieben wir stehen.</p>



<p>Gemeinsam betrachteten wir den Fluss. Im Halbdunkel wirkte die Landschaft jetzt wieder völlig friedlich. Lediglich das Loch im Eis wies darauf hin, dass hier überhaupt etwas geschehen war.</p>



<p>„Mistvieh!“, stieß Frau Nanuq neben mir plötzlich aus.</p>



<p>Ich musterte sie einen Moment. Diese kleine Frau mit den langen grauen Haaren, die ich bis vorhin noch für eine Verrückte gehalten hatte, hatte mir das Leben gerettet.</p>



<p>„Frau Nanuq. Ich … Es tut mir leid, dass ich Ihnen nicht geglaubt habe. Wie kann ich das je wieder gutmachen?“, fragte ich.</p>



<p>Aber sie winkte ab. „Bitte. Nenn mich Simone“, sagte sie. Sie lächelte mich aufmunternd an.</p>



<p>„Randy“, stellte auch ich meinen Vornamen vor.</p>



<p>„Also Randy, was hast du jetzt vor?“</p>



<p>Ich sah noch einmal zum Fluss. Dann fasste ich mir an den inzwischen blutverschmierten Bauch. „Zuerst muss ich meine Wunden versorgen. Und danach muss ich mich bei Enoki entschuldigen. Es tut mir wirklich leid, dass ich euch beiden nicht geglaubt habe.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Mahaha ist ein Monster der Inuit-Mythologie. Er ist dafür bekannt, seine Opfer im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode zu kitzeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Den Legenden der Inuit zufolge hat der Mahaha ein menschenähnliches Äußeres mit blasser bis bläulicher Hautfarbe. Sein Körper ist sehr dünn und sehnig, unter seiner Haut sollen sich aber kräftige Muskeln spannen.</p>



<p>Außerdem soll er lange scharfe Fingernägel an seinen langen knochigen Fingern haben.</p>



<p>Seine Augen werden oft als weiß oder blau beschrieben. In einigen Quellen habe ich gelesen, dass er keine Iris habe, in anderen war lediglich von stechenden bis leuchtenden Augen die Rede, die durch sein langes Haar scheinen, das ihm strähnig ins Gesicht hängt.</p>



<p>Was seine Kleidung angeht, sind die Beschreibungen eher schwammig, was aber vor allem daran liegen könnte, dass er nur wenig bis gar keine Kleidung tragen soll. Auf den Bildern hingegen wird er meist mit einer kurzen oder an den Oberschenkeln abgerissenen Hose dargestellt.</p>



<p>Am markantesten dürfte hingegen sein durchgehendes boshaftes Grinsen mit seinen vielen spitzen Zähnen sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Der Mahaha wird oft als eine Art arktischer Dämon beschrieben.</p>



<p>Er lauert nachts in der Dunkelheit, meist in der Wildnis knapp außerhalb von Gemeinschaften, und gibt sich nur durch sein durchgehendes Kichern und Lachen zu erkennen.</p>



<p>Trifft er auf einen Menschen, der in der Wildnis unterwegs ist, greift er ihn an und kitzelt ihn im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode. Dafür zerreißt er ihre Kleidung mit seinen scharfen Fingernägeln. Auch soll er ihm beim Kitzeln blutige Schrammen zufügen. Die Leichen bleiben daraufhin mit einem zu einem schmerzerfüllten Lachen verzerrten Gesicht zurück.</p>



<p>Außerdem wird ihm nachgesagt, dass er übernatürlich stark sei und sehr schnell laufen könne. Dem Buch „Mahahaa“ (2023) zufolge läuft er dabei manchmal auf allen vieren.</p>



<p>Es gibt jedoch auch Möglichkeiten, wie man einen Mahaha austricksen kann. So habe ich diverse Geschichten gelesen, in denen die Protagonisten den Mahaha dazu gebracht haben, sich über ein Wasserloch im Eis zu beugen. Z. B. haben sie ihn dazu gebracht, etwas von dem Wasser trinken zu wollen, woraufhin sie ihn in das Loch gestoßen haben.</p>



<p>In anderen Geschichten haben sie ihn auf dünnes Eis gelockt oder mit Gewalt zu dem Loch befördert. Fast alle Geschichten endeten damit, dass der Mahaha von der starken Strömung fortgerissen wurde und ertrunken ist oder zumindest in dem Gewässer eingesperrt wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Da es sich um eine Legende der Inuit handelt, kommt der Mahaha hauptsächlich in der nordkanadischen Arktis vor. Dort soll er sich in den Randgebieten um die Gemeinden der Inuit, bzw. in moderneren Erzählungen auch um die Gemeinden der nicht-Inuit herum, aufhalten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Der genaue Ursprung des Mahaha ist nicht bekannt, da seine Geschichten über viele Generationen hinweg ausschließlich mündlich weitergegeben wurden. Man weiß nur, dass die Legende von den Inuit stammt.</p>



<p>Ich habe aber gelesen, dass es bei Leichen von Leuten, die erfroren sind, manchmal zu einer Art Grinsen oder Lächeln kommen kann, das aufgrund der Kontraktion der Gesichtsmuskeln bei extremer Kälte entsteht. Ob diese Behauptung stimmt, konnte ich zwar nicht herausfinden, aber es gibt die Theorie, dass einige Inuit erfrorene Leichen mit diesem verzerrten „Grinsen“ gefunden haben und daraus die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> entstanden sei.</p>



<p>Seitdem dient die Legende als Kinderschreck, damit die Kinder sich nicht zu spät und vor allem nicht allein außerhalb der Gemeinden herumtreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mahaha in der Popkultur:</h3>



<p>Es gibt ein Buch über den Mahaha, das denselben Namen trägt: „Mahahaa“ (2023) von Jeela Palluq-Cloutier und Neil Christopher ist ein zweisprachiger Roman (Englisch und Inuktitut), der das Monster behandelt.</p>



<p>Ich kann das Buch jedoch nur Folklore/Mythologie-Nerds und Leuten, die Interesse haben, Inuktitut zu lernen, empfehlen, da es für den wenigen Inhalt (40 Seiten mit sehr wenig Text, dafür aber vielen Illustrationen) leider doch recht teuer ist.</p>



<p><em>Was haltet ihr von dem Mahaha? Kanntet ihr die Legende bereits? Oder kennt ihr vielleicht andere Inuit-Legenden? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Roommate&#8217;s Death – Es ist jemand auf dem Flur!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Oct 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als der Radiosprecher jedoch die Lokalnachrichten verkündete, wurde ich hellhörig. „Wir haben vor wenigen Minuten die Nachricht erhalten, dass ein verurteilter Mörder aus der Sunny-Meadows-Nervenheilanstalt geflohen ist. Achtet auf eure Kinder und haltet Türen und Fenster geschlossen …"</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/e968ca5bb2954b77af8c66da49ade839" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>The Roommate&#8217;s Death ist eine klassische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus den USA. Denn was passt besser zu <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Halloween</a> als eine Legende, die man sich regelmäßig um diese Zeit an amerikanischen Universitäten erzählt?</p>



<p>Außerdem habe ich noch eine kleine Überraschung für Halloween eingeplant. Seht also ab Donnerstag den 31. Oktober 2024 gegen 15 Uhr auf meinem Blog vorbei!</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Und du bist sicher, dass du nicht mitwillst, Sharon?“, fragte meine Mitbewohnerin Kimberly, während sie am Spiegel stand und sich einen knallroten Lippenstift auftrug.</p>



<p>Im Hintergrund lief leise Popmusik aus meinem Radio auf dem Nachttisch.</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. „Nein danke. Ich bin glücklich mit meinem Bett und meinen Büchern“, erwiderte ich.</p>



<p>„Du Nerd“, sagte Kimberly. Jetzt sah sie mich durch den Spiegel direkt an. Ihr Grinsen entblößte ihre spitzen Eckzähne, die zu ihrem Vampirkostüm gehörten.</p>



<p>Ich unterdrückte ein Seufzen, während auch ich ein Schmunzeln aufsetzte. Die Wahrheit ist, dass ich gerne mit zur Halloweenparty gegangen wäre. Aber ich traute mich nicht.</p>



<p>Normalerweise fanden die Partys hier in der Uni statt. Aber seit einem Vorfall vor einigen Wochen, bei dem eine 19-Jährige mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus gelandet war, herrschte auf dem gesamten Universitätsgelände striktes Alkoholverbot. Es gab sogar Gerüchte, dass eine Studentin von der Uni geflogen sei, weil ein Dozent sie mit einer Dose Bier erwischt hatte.</p>



<p>Ob das nun stimmte oder nicht, bleibt mal dahingestellt. Trotzdem hatte es dazu geführt, dass eine Gruppe Seniors eine Party außerhalb der Uni organisiert hat. Und nicht nur das: Alle Studierenden waren eingeladen.</p>



<p>Sie hatten eine riesen Sache daraus gemacht, mit echtem Spukhaus, massenhaft Dekoration, Spielen, Horrorfilmen, Gruselgeschichten und natürlich Alkohol. Fast jeder, der nicht über das Wochenende nach Hause fuhr, war hingegangen.</p>



<p>Die Uni war menschenleer. Ich wusste nur von einem anderen Mädchen, das mit einer heftigen Erkältung im Bett lag. Ansonsten waren nur noch Kimberly und ich hier. Ich, weil ich ein riesen Angsthase war, und Kimberly, weil sie angeblich nicht auf die Uhr gesehen habe. In Wirklichkeit hatte sie sich aber nur so viel Zeit gelassen, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte, ihre beste Freundin und Zimmergenossin allein in der Uni zurückzulassen. Zumindest war ich mir dabei ziemlich sicher.</p>



<p>Als hätte sie meine Gedanken gehört, drehte sie sich zu mir um und strich ihr altmodisches Kleid glatt. „Geht das so?“, fragte sie.</p>



<p>Ich lachte. „Ja, du siehst super aus. Wie immer. Und jetzt mach, dass du loskommst. Sonst ist die Party vorbei, bevor du überhaupt da bist.“</p>



<p>Kimberly setzte einen Schmollmund auf. Kurz darauf erklang eine leise Stimme aus meinem Radio, die die 8-Uhr Nachrichten ankündigte. „Gleich“, sagte Kimberly plötzlich, während sie sich zu mir aufs Bett setzte. „Mach mal lauter, ich will nur noch hören, wie das Wetter heute wird.“</p>



<p>Ich rollte mit den Augen, musste dann aber lachen und drehte das Radio ein Stück lauter.</p>



<p>Zuerst ging es nur um Politik, irgendeinen iranischen Prinzen und um den Papst. Als der Radiosprecher jedoch die Lokalnachrichten verkündete, wurde ich hellhörig. „Wir haben vor wenigen Minuten die Nachricht erhalten, dass ein verurteilter Mörder aus der Sunny-Meadows-Nervenheilanstalt geflohen ist. Achtet auf eure Kinder und haltet Türen und Fenster geschlossen. Wir halten euch wie immer auf dem Laufenden, sobald es Neuigkeiten gibt. Und nun zum Wetter: Wenn ihr heute Abend noch von Haus zu Haus ziehen wollt, habt ihr Glück. Niederschläge sind nicht zu erwarten. Erst Anfang der Woche kann es wieder vereinzelt zu Schauern kommen, die …“</p>



<p>Weiter hörte ich dem Sprecher nicht zu. Stattdessen sah ich Kimberly mit großen Augen an. „Hast du das gehört?“, fragte ich.</p>



<p>„Ja. Ich brauch meine Jacke nicht mitzunehmen“, sagte sie trocken.</p>



<p>„Du bist blöd!“, erwiderte ich. „Ich meine den entflohenen Irren.“</p>



<p>Jetzt setzte Kimberly ein breites Grinsen auf. „Gruselig, oder? Bist du sicher, dass du ganz allein hierbleiben willst?“</p>



<p>Ich biss die Zähne zusammen. Damit hatte sie bei mir einen Nerv getroffen.</p>



<p>„Ach Sharon, mach dir darüber keine Gedanken“, reagierte Kimberly auf mein erschrockenes Gesicht. „Falls es den Typen überhaupt gibt, hat er bestimmt kein Interesse an einer fast leeren Uni. Außerdem halt ich es für wahrscheinlicher, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hat. Vielleicht kam die ‚Meldung‘ ja bloß von einigen vorwitzigen Jugendlichen. Ich meine komm schon? Ein entflohener Wahnsinniger? An Halloween?“ Sie schnaufte amüsiert.</p>



<p>Ich atmete tief durch. Wahrscheinlich hatte sie recht. Wie immer.</p>



<p>„Aber ich sollte wirklich langsam los“, gestand Kimberly sich endlich ein. „Kann ich noch irgendetwas für dich tun, bevor ich dich hier ganz allein zurücklasse?“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf, ehe ich sie anlächelte. „Danke, nein. Außer vielleicht möglichst viel Spaß haben.“</p>



<p>Das brachte Kimberly zum Lachen. „Das werd ich. Keine Sorge. Andererseits … wie wäre es mit einer Cola? Ich weiß doch, wie gerne du das Zeug magst.“</p>



<p>Ich hob eine Augenbraue. „Wolltest du nicht gerade los?“</p>



<p>Aber Kimberly zuckte bloß mit den Schultern. „Ach, kein Problem. Die Tankstelle ist doch gleich um die Ecke. Außerdem musst du dich dann nicht extra anziehen und ich kann mein schlechtes Gewissen beruhigen, weil ich dich alleinlasse.“</p>



<p>Wieder schüttelte ich den Kopf. „Wenn es dir so wichtig ist. Tu, was du nicht lassen kannst.“</p>



<p>Kimberly grinste. „Immer. Bis gleich.“</p>



<p>„Bis gleich“, erwiderte ich „Und Kim … Danke.“</p>



<p>Sie schenkte mir noch ein Lächeln, ehe sie zur Tür ging. Die Türscharniere gaben ihr vertrautes Quietschen von sich, dann schloss Kimberly die Tür hinter sich und war verschwunden.</p>



<p>Ich lauschte noch ihren Schritten, die schnell auf dem Flur verhallten, ehe ich wieder zu meinem Buch griff und die nächste Seite aufschlug.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Mir fiel erst auf, wie viel Zeit vergangen war, als ich nach dem Wasserglas auf meinem Nachttisch greifen wollte und mein Blick dabei zufällig auf die Uhr fiel. Es war bereits viertel nach 8.</p>



<p>Wollte Kimberly nicht nur schnell zur Tankstelle laufen? Dafür musste sie nur über die Straße. Wenn sie sich beeilt hätte, hätte sie fünf Minuten gebraucht, in gemächlichem Tempo vielleicht zehn. Aber 15?</p>



<p>Ich seufzte. „Jetzt beruhig dich mal, Sharon“, murmelte ich mir zu. Wahrscheinlich musste sie nur auf Toilette. Oder sie wurde von irgendwem aufgehalten.</p>



<p>Aber während ich versuchte, weiterzulesen, konnte ich mich nicht konzentrieren. Immer wieder schielte ich zur Uhr. Außerdem wollte mir die Meldung über den entflohenen Mörder nicht aus dem Kopf gehen. Die Sunny-Meadows-Nervenheilanstalt war immerhin gar nicht so weit weg.</p>



<p>Als die Uhr schließlich 08:20 PM anzeigte, griff ich nach meinem Lesezeichen. Ich sollte Kimberly lieber nachgehen.</p>



<p>Gerade als ich das Buch jedoch auf meinen Nachttisch gelegt hatte, ertönte ein entfernter Schrei. Ein weiblicher Schrei. Er klang gequält. Voller Panik. Kimberly?</p>



<p>Keine Sekunde später stand ich neben dem Bett. War der Schrei aus der Uni gekommen? Oder von draußen? Ich lauschte angestrengt.</p>



<p>Jetzt herrschte wieder Stille. Oder … Moment. Waren das Schritte? Sie klangen schwer und unregelmäßig. Aber woher kamen sie?</p>



<p>Mit leisen Sohlen schlich ich zur Tür. Dort drückte ich mein Ohr vorsichtig an das Holz.</p>



<p><em>Stampf</em>. <em>Chhht</em>. <em>Stampf</em>. <em>Chhht</em>. <em>Stampf</em>. Es klang so, als würde die Person humpeln. Mit einem Bein auftreten und das andere nachziehen. Aber was noch viel schlimmer war: Sie näherte sich eindeutig unserem Zimmer!</p>



<p>Fieberhaft dachte ich darüber nach, wer das sein könnte. Aber mir fiel kein einziger Student ein, der humpelte. Und wenn er sich gerade erst verletzt hatte, würde er dann allein in die Uni humpeln?</p>



<p>Oder war es vielleicht Kimberly? Aber sie hätte sicherlich schon lange auf sich aufmerksam gemacht, nach mir gerufen, wenn sie verletzt wäre. Außerdem war da noch dieser markerschütternde Schrei gewesen.</p>



<p>Nein, wer auch immer da draußen war, es musste ein Fremder sein, der hier keinen Zutritt haben sollte. Und wenn es schon ein Fremder war, warum dann nicht gleich ein entflohener Mörder aus einer Nervenheilanstalt?</p>



<p>Natürlich wollte ich so gar nicht denken, aber der Gedanke schoss mir unweigerlich in den Kopf.</p>



<p>Also gut. Nehmen wir an, dort draußen war wirklich eine fremde Person, die sich unerlaubt Zutritt verschafft hatte. Was wollte sie dann hier? Soweit ich es hören konnte, öffnete sie keinerlei Türen.</p>



<p>Das bedeutete, mir blieben genau zwei Möglichkeiten: Entweder, ich blieb mucksmäuschenstill auf unserem Zimmer und hoffte, dass die Person vorbeiging. Oder ich ging auf den Flur, um nachzusehen, wer das war und gegebenenfalls wegzulaufen. Allerdings müsste ich mich dafür zwangsläufig zu erkennen geben.</p>



<p>Ich entschied, lieber auf dem Zimmer zu bleiben. Bestimmt würde die Person vorbeigehen.</p>



<p>Mit jedem Schritt, mit jedem Schleifen des nachgezogenen Beines bereute ich meine Entscheidung jedoch mehr. Es kam näher und näher und näher.</p>



<p>Ich hatte keine Möglichkeit, um mich in dem Zimmer zu verbarrikadieren. Für die Tür gab es keine Schlüssel. Und ich hatte nichts, womit ich die Tür blockieren konnte. Zumindest nichts, was sich auf die Schnelle bewegen ließ.</p>



<p>Kurz überlegte ich, ob ich mich selbst gegen die Tür stemmen, sie zuhalten solle. Aber was konnte ein zierliches Mädchen wie ich schon gegen einen kräftigen Mann ausrichten?</p>



<p>Stattdessen sah ich mich im Zimmer hektisch nach einem Versteck um. Unter dem Bett? Zu auffällig. Hinter dem Vorhang? Nein, er reichte nicht einmal bis ganz auf den Boden.</p>



<p>Letztendlich fiel mein Blick auf unseren Wandschrank. Er hatte Schiebetüren. Ich erinnerte mich noch genau daran, wie Kimberly und ich ihn versehentlich einmal blockiert hatten, als ein darinstehender Besen umgefallen war.</p>



<p>Ohne weiter darüber nachzudenken, schlich ich zu ihm. So langsam ich konnte, schob ich die Tür auf. Sie machte kein einziges Geräusch. Anschließend schnappte ich mir den Besen, den wir inzwischen neben dem Schrank aufbewahrten, und verschwand damit im Wandschrank.</p>



<p>Genauso leise wie eben schob ich die Tür wieder zu. Jetzt in völliger Dunkelheit versuchte ich, den Besen möglichst geräuschlos von innen an die Tür zu klemmen. Das leise Schaben des Holzstiels an der Schrankwand dröhnte wie Donner in meinen Ohren. Dafür gelang es mir, das Stielende genau an den kleinen Absatz zu klemmen, den die Tür am Rand hatte.</p>



<p>Vorsichtig versuchte ich nun, die Tür von innen wieder aufzuschieben. Sie hatte sich tatsächlich am Besenstiel verkeilt. Erleichtert atmete ich auf, während ich mich in die Hocke sinken ließ.</p>



<p>Im nächsten Moment ergriff eine ungewohnte Klarheit meinen Verstand. Was tat ich hier eigentlich. Hatte ich mich gerade wirklich in unserem Wandschrank verbarrikadiert, nur weil ich Schritte auf dem Universitätsflur gehört hatte?</p>



<p>Fast musste ich lachen, so lächerlich kam ich mir vor. Wer auch immer da draußen war, er oder sie würde am Zimmer vorbeigehen. Nur weil sie in den Nachrichten von einem entlaufenen Mörder berichtet haben, hieß das noch lange nicht, dass er ausgerechnet jetzt in unsere Uni spaziert kommt und zielstrebig mein Zimmer ansteuert, nur weil ich allein …</p>



<p>Das Quietschen unserer Zimmertür unterbrach meine Gedanken. Für einen kurzen Moment hatte ich noch die Hoffnung, dass es vielleicht doch Kimberly war. Dann hörte ich die Geräusche: ein schnelles Atmen, eine Art Keuchen und Röcheln. Wenn ich es mir so anhörte, war ich mir nicht einmal sicher, ob es überhaupt ein Mensch war.</p>



<p>Panisch versuchte ich, eine logische Erklärung zu finden. Wer oder was war das da draußen? Und was wollte er von mir? Wieso hatte er die anderen Zimmer in Ruhe gelassen und nur meine Tür geöffnet? Kannte ich die Person? War das vielleicht irgendein dummer Streich?</p>



<p>Dann fiel mir jedoch eine Sache auf: Im Zimmer brannte Licht. Wer auch immer da draußen war, er hätte nur im Flur das Licht ausschalten müssen und der erleuchtete Türspalt hätte unser Zimmer wie eine Signalleuchte hervorgehoben. Deswegen war er so zielstrebig hergelaufen.</p>



<p>Vor Anspannung hielt ich den Atem an. Ich konnte deutlich hören, wie die Person das Zimmer durchwühlte. Ich hörte Stoff, vielleicht meine Bettdecke, die zur Seite gerissen wurde. Irgendetwas fiel zu Boden. Es klang, als wenn etwas zu Bruch ging.</p>



<p>Dann plötzlich knallte etwas gegen den Schrank. Ein Quieken entfuhr mir, bevor ich mir panisch die Hände auf den Mund pressen konnte. Zu spät. Wer auch immer da draußen war, er hatte mich gehört.</p>



<p>Entsetzt griff ich nach dem Besen, hielt ihn an Ort und Stelle, während von draußen an der Tür gerüttelt wurde. Es donnerte, klopfte und polterte an dem Holz, als würde die Person den Schrank mit Gewalt aufbrechen wollen.</p>



<p>Dann fiel wieder etwas Schweres zu Boden. Diesmal unmittelbar vor der Schranktür. Jetzt war das Klopfen direkt neben mir. Auch hörte ich eine Art Kratzen, als versuche etwas mit Klauen oder Fingernägeln sich durch das Holz zu graben.</p>



<p>Was zur Hölle war da draußen los!? Es sollte aufhören! Es sollte einfach nur aufhören!</p>



<p>Tränen rannen über meine Wangen. Würde ich nicht krampfhaft den Besenstiel festhalten, hätte ich mir wahrscheinlich die Ohren zugehalten und geschrien. Letzteres tat ich trotzdem. „Hilfe! Hiiiiilfe!“, kreischte ich.</p>



<p>Und dann … war der Spuk plötzlich vorbei. Ich hörte noch ein letztes leises Klopfen, dann herrschte Stille.</p>



<p>Mein Herz raste. Es pochte mir bis in die Ohren. Ich hörte meinen schnellen Atem. Aber draußen vor dem Schrank blieb es jetzt still.</p>



<p>Verunsichert sah ich mich um. Nicht, dass es in der Dunkelheit etwas gebracht hätte, aber was sollte ich sonst tun. Die Tür würde ich ganz sicher nicht öffnen. Immerhin hätte ich gehört, wenn die Person da draußen das Zimmer verlassen hätte.</p>



<p>Also wartete ich. Ich wartete auf irgendein Geräusch, irgendeine Reaktion. Und wartete. Und wartete.</p>



<p>Mit der Zeit verließ das Adrenalin meinen Körper. Ich fühlte mich müde und schwach. Zu verwirrt, um zu verstehen, was hier passierte. Und ehe ich es bemerkte, war ich eingeschlafen.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>„Scheiße. Was ist hier passiert?“, riss mich eine Stimme aus dem Schlaf.</p>



<p>„Wir müssen die Polizei rufen!“, sagte eine andere.</p>



<p>Ich saß noch immer im Schrank, umgeben von Dunkelheit. Vorsichtig rappelte ich mich auf. Ich kannte die Stimmen. „Jake? Bist du das?“, rief ich.</p>



<p>„Sharon? Sharon! Gott sei Dank!“, antwortete Jake.</p>



<p>Ich hätte weinen können vor Freude. Schnell stieß ich den Besen beiseite, riss die Schranktür auf und trat neben die Leiche.</p>



<p>Mit einem spitzen Aufschrei sprang ich in den Schrank zurück. Erst jetzt realisierte ich, wer dort vor mir lag: Das war Kimberly. Ihre Augen waren weit aufgerissen. Eine Blutlache hatte sich um ihren Hals gebildet. Ihre Fingernägel waren abgebrochen und blutig und ihr linkes Bein lag in einem unnatürlichen Winkel.</p>



<p>Entsetzt fasste ich mir an den Mund. Erst jetzt verstand ich, was letzte Nacht passiert war: Es war die ganze Zeit Kimberly gewesen. Wahrscheinlich wurde sie angegriffen und hatte es gerade so geschafft, sich mit ihren Verletzungen in die Uni zu retten. Deswegen hatte sie gehumpelt.</p>



<p>Der Schnitt an ihrem Hals hingegen musste irgendetwas durchtrennt haben, weswegen sie nicht mehr sprechen konnte. Sie hatte versucht, bei mir Hilfe zu suchen. Das Klopfen und Kratzen waren ihre verzweifelten Versuche, auf sich aufmerksam zu machen. Und ich … Ich hatte mich feige im Schrank versteckt, während Kimberly langsam verblutet war. Wäre ich nicht so ein Angsthase gewesen, könnte sie jetzt noch leben …</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Roommate’s Death (englisch für „Der Tod des Mitbewohners“) ist eine urbane Legende aus den USA. Dort wird sie besonders häufig in Universitäten erzählt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p>Wie bei den meisten urbanen Legenden dieser Art, wird in The Roommate&#8217;s Death entweder überhaupt nicht erwähnt, wer der Täter ist, oder es ist von einem entflohenen Straftäter oder Insassen einer Nervenheilanstalt die Rede.</p>



<p>Seltener ist es ein Bekannter des Opfers.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Die Legende beginnt fast immer damit, dass zwei Collegestudentinnen allein in der Uni sind. Die meisten anderen Studentinnen und Studenten sind nach Hause gefahren, z. B. weil es Weihnachten, Ostern oder Thanksgiving ist.</p>



<p>Am Abend verlässt eine der beiden Studentinnen das Zimmer. Sie möchte etwas zu Essen holen, auf Toilette gehen, jemandem die Tür öffnen, etwas überprüfen o. Ä., sodass ihre Mitbewohnerin allein auf dem Zimmer zurückbleibt.</p>



<p>Irgendwann hört die Mitbewohnerin seltsame Geräusche aus dem Flur. Sie traut sich nicht, rauszugehen, um nachzusehen, was los ist, also schließt sie sich in ihrem Zimmer ein. Bald kommen die Geräusche – ein Klopfen und/oder Kratzen – von der Zimmertür, weshalb die Mitbewohnerin die Nacht über völlig verängstigt im Zimmer bleibt.</p>



<p>Erst am nächsten Morgen, als es draußen hell wird, traut sie sich, das Zimmer zu verlassen. Dort findet sie ihre tote Mitbewohnerin vor. Sie wurde ermordet und dabei so zugerichtet, dass sie nicht mehr sprechen konnte.</p>



<p>Am Ende der Legende wird oft erwähnt, dass die Studentin ihre Freundin hätte retten können, wenn sie sich aus dem Zimmer getraut hätte. Die Freundin konnte also vor dem Mörder fliehen, mit ihren Verletzungen aber nicht mehr sprechen und ist langsam verblutet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h4>



<p>In einigen Versionen von The Roommate&#8217;s Death sind es drei statt zwei Studierende, die in der Uni bleiben. In diesen Geschichten bleiben meist zwei auf dem Zimmer, während die dritte Person im Flur stirbt.</p>



<p>Eine weitere beliebte Version ist, dass sich das Mädchen, das auf dem Zimmer bleibt, im Schrank verbarrikadiert (z. B. weil die Zimmertür sich nicht abschließen lässt). In diesen Versionen kratzt oder klopft die verletzte Mitbewohnerin meist direkt am Schrank. Diese Version würde in einem modernen Setting auch erklären, weshalb die Studentin mit ihrem Handy keine Hilfe holt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Aren’t you glad you didn’t turn on the light?</h4>



<p>Die urbane Legende „Aren’t you glad you didn’t turn on the lights?“ (englisch für „Bist du nicht froh, dass du das Licht nicht eingeschaltet hast?“) wird heutzutage oft unter dem Namen „The Roommate’s Death“ erzählt.</p>



<p>Tatsächlich handelt es sich hierbei aber um eine andere Geschichte als die ursprüngliche „The Roommate’s Death“-Legende. In „Aren’t you glad you didn’t turn on the light?“ kommt eine Studentin nachts nach Hause oder liegt wach im Bett, während ihre Mitbewohnerin ermordet wird. Sie hört die Geräusche des Todeskampfes, denkt dabei jedoch entweder, dass ihre Mitbewohnerin gerade Sex hat, oder sie hat zu viel Angst, um das Licht einzuschalten.</p>



<p>Am nächsten Morgen findet sie ihre Mitbewohnerin tot im Bett vor. An der Wand stehen in blutigen Buchstaben die Worte „Aren’t you glad you didn’t turn on the light?“ geschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Der Ort, an dem The Roommate’s Death spielt, kann von Geschichte zu Geschichte variieren. Meist spielt es jedoch in einer Universität irgendwo in den USA.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Der Ursprung ist, wie bei den meisten urbanen Legenden dieser Art, nicht bekannt. Ich weiß nur, dass die Legende bereits in den 1960er Jahren in den USA erzählt wurde.</p>



<p>Es gibt die Theorie, dass diese Art von Universitätslegende entstanden ist, weil die Studierenden in der Universität in einer fremden Umgebung sind. Die meisten von ihnen wohnen zum ersten Mal nicht mehr zuhause. Außerdem sind Universitätsgelände oft frei zugänglich oder zumindest nicht stark überwacht, weshalb sich fremde Menschen leicht Zugang verschaffen könnten.</p>



<p>Wenn man dazu bedenkt, dass solche Gruselgeschichten unter Teenagern und junge Erwachsenen sehr beliebt sind und gerade ältere Studierende die Freshmen gerne ärgern, ist es alles andere als ungewöhnlich, dass sich einige Studierende The Roommate’s Death ausgedacht haben könnten, woraufhin sich die Legende dank Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet hat.</p>



<p>Bei der Version „Aren’t you glad you didn’t turn on the light?“ gibt es zudem die Theorie, dass sie sowohl durch „The Roommate’s Death“ als auch durch die urbane Legende „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-doggy-lick">The Doggy Lick</a>“, zu der es viele Überschneidungen gibt, inspiriert wurde.</p>



<p><em>Was haltet ihr von The Roommate&#8217;s Death? Wie hättet ihr an Sharons Stelle reagiert? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie sieht es mit &#8222;Aren&#8217;t you glad you didn&#8217;t turn on the lights?&#8220; aus? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Das Hans Muller House – die Legende des Sausage Man</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Oct 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Und Herr Muller hat sich die Tage nach Frau Mullers verschwinden ja auch so komisch benommen. Eines Nachts ist er schreiend auf die Straße gelaufen. Schreiend. Er klang, als wenn man ihn gerade abstach …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/c8062f17325a4ed68dde0dd1cd99c936" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Das Hans Muller House ist ein beliebter Ort bei <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a>touren in New Orleans. Es heißt, dass dort einst ein wahnsinniger Metzger gelebt haben soll.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Kannibalismus<br>
&#8211; Tod<br>
&#8211; Erwähnung von Suizid</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Hier muss es irgendwo sein“, sagte ich zu Nellie, die sich bei mir untergehakt hatte, während wir durch die dunklen Gassen zogen.</p>



<p>Unser einziges Licht war eine alte Gaslaterne, die ich vor uns hielt. Und natürlich der Mond, der sein Antlitz ab und an zwischen den Wolken durchscheinen ließ.</p>



<p>Meine Frau und ich gingen schweigend weiter, die Augen auf die Häuserreihe zu unserer Linken gerichtet.</p>



<p>„Hier“, sagte Nellie plötzlich. Sie blieb stehen und brachte damit auch mich zum Anhalten. „Das passt zu der Beschreibung, findest du nicht?“ Sie deutete auf das Haus, neben dem wir jetzt standen.</p>



<p>Ich hielt die Laterne höher, um möglichst viel von der Fassade ausleuchten zu können.</p>



<p>Das Haus selbst war nur wenige Meter breit. Es hatte zwei Stockwerke und ging in beide Richtungen fließend in die angrenzenden Häuser über. Lediglich der mit dunklen verschnörkelten Metallelementen verzierte Balkon, der auf drei schmale Säulen gestützt stand, hob das kleine Häuschen von den benachbarten Häusern ab.</p>



<p>Ich war mir jedoch erst sicher, dass es sich tatsächlich um das richtige Haus handeln musste, als mein Blick auf das kleine „Zu verkaufen“-Schild an der Tür fiel. Das also war das Haus, das bald uns gehören könnte …</p>



<p>„Was treibt ihr hier?“, ertönte eine krächzige Frauenstimme zu unserer Rechten.</p>



<p>Nellie entfuhr ein leiser Aufschrei, während wir herumwirbelten. Dabei schlug ich die ältere Dame, die sich ungemütlich nahe an uns herangeschlichen hatte, fast mit meiner Laterne.</p>



<p>„Wenn ihr glaubt, dass es hier etwas zu holen gibt, lasst es bleiben. Die Leute hier haben nicht viel Geld“, fuhr sie unbeirrt fort. „Außerdem steht das Haus leer. Ihr werdet da drinnen kein einziges Möbelstück finden.“</p>



<p>Ah. Darum ging es ihr also. Auf jeden Fall war es beruhigend, dass es in der Nachbarschaft jemanden gab, der ein Auge auf die Dinge hatte.</p>



<p>Ich räusperte mich verlegen. „Verzeihung. Wir wollten Sie nicht erschrecken. Wir sind keineswegs Diebe. Mein Name ist Edward und das hier ist meine geliebte Ehefrau Nellie. Wir suchen nach einem neuen Zuhause für uns und unser ungeborenes Kind“, erklärte ich unser nächtliches Erscheinen, während ich Nellie meine freie Hand auf den Bauch legte.</p>



<p>Daraufhin entspannte sich die alte Dame sichtlich. Ihre eben noch strengen Gesichtszüge nahmen eine sanfte, fast schon fürsorgliche Form an. „Ah. Ich verstehe. Verzeiht meine Anschuldigungen. In den heutigen Zeiten kann man ja nie wissen.“</p>



<p>Ich nickte zustimmend und wollte gerade etwas erwidern, als die alte Frau erneut ihre Stimme erhob.</p>



<p>„Aber … ihr wollt doch nicht ernsthaft in diesem gottlosen Haus einziehen?“</p>



<p>„Doch. Morgen ist die Besichtigung“, antwortete meine Frau für uns.</p>



<p>Die alte Dame wurde plötzlich blass im Gesicht. Mit großen Augen sah sie uns an. „Wisst ihr denn nicht, was hier geschehen ist?“</p>



<p>Meine Frau und ich warfen einander ratlose Blicke zu.</p>



<p>„Nein“, erwiderte ich. „Stimmt etwas mit dem Haus nicht?“</p>



<p>Die Frau erzitterte. „Das ist das Haus des Teufels!“, sagte sie dramatisch. „Er ist zusammen mit den letzten Besitzern hier eingezogen. Eine deutsche Familie mit dem Namen Muller. Ich hab ja nichts gegen Ausländern, aber bei den beiden wusste ich sofort, dass etwas nicht stimmt. Besonders bei ihm.“</p>



<p>Nellie sah hilflos zu mir, aber es war zu spät. Die alte Dame war bereits in einen Monolog übergegangen. Es wirkte nicht so, als hätte sie vor, einen von uns zu Wort kommen zu lassen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als uns ihre Geschichte anzuhören, wenn wir es uns nicht noch vor unserem Umzug der neuen Nachbarin verscherzen wollten.</p>



<p>„Die Mullers waren Metzger. Nicht nur er, sondern auch sie. Sie hatten beide eine sehr kräftige Statur, müsst ihr wissen. Aber so grob sie auch aussahen, sie haben einen immer freundlich gegrüßt und uns Nachbarn gerne mal einen Rabatt auf ihre Würste gegeben. Und lasst mich euch eines sagen: Die Deutschen verstehen was von ihrer Wurst.</p>



<p>Die Qualität der Würstchen und auch ihre freundliche Art hatte sich hier in der Gegend schnell herumgesprochen. Die beiden sind richtig beliebt geworden.</p>



<p>Aber mich täuschten ihre freundlichen Gesichter nicht, konnte ich doch jeden Abend durch die Wand hören, wie sie miteinander stritten. Nicht, dass ich sie belauscht hätte, aber mein Bett steht direkt an der Wand und ich habe einen leichten Schlaf, müsst ihr wissen.</p>



<p>Soweit ich es mitbekommen hatte, verdächtigte Frau Muller ihren Mann, dass er sich mit einer anderen Frau treffe. Irgendein junges Ding aus der Stadt.</p>



<p>Verübeln konnte man es ihm eigentlich nicht. Frau Muller war nun wirklich keine Augenweide. Bei unserer ersten Begegnung hatte ich sie fast für einen Kerl gehalten, aber nichtsdestotrotz hatten die beiden das heilige Gelübde der Ehe geschlossen. Herr Muller hatte vor Gott geschworen, dass nur der Tod ihn von seiner Frau scheiden könne. Aber ich hätte niemals erwartet, dass er es so wörtlich nehmen würde.</p>



<p>Jedenfalls war Frau Muller eines Tages plötzlich verschwunden. Erst behauptete Herr Muller, sie sei krank. Das war natürlich Schwachsinn. Das hätte ich gehört. Ich ging hingegen davon aus, sie sei weggelaufen, vielleicht zu Verwandtschaft geflüchtet. Was weiß ich, wie die Deutschen ihre Eheprobleme klären. Und als sie nach einigen Tagen immer noch nicht gesehen wurde, erklärte Herr Muller sogar, sie sei zur Verwandtschaft gereist. Für mich war die Sache damit klar. Ich hätte ja niemals ahnen können, was wirklich geschehen war …</p>



<p>Auch war mir natürlich aufgefallen, dass Herr Mullers Wurst irgendwie anders schmeckte. Aber ich dachte lediglich, dass Frau Muller sich sonst um die Wurstherstellung gekümmert hat. Jetzt, wo sie nicht da war, hatte die Wurst eben schlechtere Qualität. Dass einige Leute lange Haare in ihren Würstchen gefunden hatten, war für mich nur eine weitere Bestätigung.</p>



<p>O Gott. Mir wird immer noch ganz anders bei der Vorstellung.</p>



<p>Und Herr Muller hat sich die Tage nach Frau Mullers verschwinden ja auch so komisch benommen. Eines Nachts ist er schreiend auf die Straße gelaufen. Schreiend. Er klang, als wenn man ihn gerade abstach. Als besorgte Nachbarin war ich natürlich sofort auf die Straße gelaufen, um zu sehen, was da los war und Herrn Muller zu helfen.</p>



<p>‚Herr Muller, was ist mit ihnen? Ist alles in Ordnung?‘, hatte ich gefragt.</p>



<p>Der Mann war völlig neben sich. Er sah verängstigt aus. Trotzdem sagte er nur: ‚Tut … Tut mir leid. Ich wollte Sie nicht beunruhigen. Bitte. Sie können wieder zu Bett gehen. Ich habe bloß schlecht geträumt. Es ist alles in Ordnung.‘</p>



<p>Natürlich hatte ich ihm angeboten, ihn ins Haus zu begleiten, um dort nach dem Rechten zu sehen. Aber das lehnte er ab. Was blieb mir also anderes übrig, als selbst zurück in mein Haus zu gehen.</p>



<p>Trotzdem wusste ich seit jener Nacht, dass da irgendetwas nicht stimmte. Kein Mann hatte solche Angstzustände, nur weil seine Frau allein zu Verwandten verreist war. Auch sah Herr Muller von Tag zu Tag schlechter aus. Er wurde dünner, hatte blutunterlaufene Augen, eingefallene Wangen. Ich überlegte bereits, mich an einen Arzt zu wenden, als Herr Mullers schreckliches Geheimnis endlich ans Licht kam.</p>



<p>Ihr müsst wissen. Ich schäme mich dafür, aber ich wusste ja nicht, was ich da aß. Mir wird wieder richtig schlecht, wenn ich nur daran denke. Aber als gute Nachbarin musste ich Herrn Muller natürlich unterstützen. Auch wenn seine Würstchen bei weitem nicht mehr so gut schmeckten, wie früher, kaufte ich sie weiterhin. Nur, dass ich eines Abends plötzlich auf etwas Hartes biss.</p>



<p>Ich dachte erst, es sei nur ein Stück Knochen. Sowas kann ja mal vorkommen. Als ich es jedoch ausspuckte, glänzte mir etwas Goldenes entgegen. In meiner Hand hielt ich nichts anderes als einen goldenen Ring. Frau Mullers Ehering. Ich hatte ihn schon oft genug an ihrer Hand gesehen, sodass ich ihn sofort wiedererkannte.</p>



<p>Zuerst konnte ich mir gar nicht erklären, wie er in die Wurst gekommen war. Aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen.</p>



<p>Deshalb hatte man lange Haare in den Würsten gefunden. Deshalb war Frau Muller so spurlos verschwunden. Und deshalb hatte Herr Muller diese Panikanfälle. Er hatte seine eigene Frau ermordet. Und um ihre Leiche zu entsorgen, hatte er sie in die Wurstmaschine geworfen. Er hat Frau Muller zu Würstchen verarbeitet und sie an uns unschuldige, brave Bürger verkauft.</p>



<p>Nachdem ich mich einige Male übergeben hatte, war ich sofort zu Hugh gelaufen. Er ist Polizist, müsst ihr wissen. Nachdem ich ihm den Ring gezeigt und meinen Verdacht geschildert hatte, holte er einige Kollegen und wir rannten weiter zu dem Haus der Mullers. Die Polizisten stürmten sofort hinein.</p>



<p>Wir brauchten nicht lange suchen. Herr Muller lag zusammengekauert in seinem Hinterzimmer. Direkt neben der Wurstmaschine, einem riesigen Apparat, in den er seine Frau gestopft haben musste.</p>



<p>Er jammerte und winselte, während er auf die Maschine zeigte. ‚Meine Frau … Ihr Geist … Sie möchte mich töten. Bitte! Oh bitte, erlöst mich von meiner Schuld!‘, hatte er gewinselt.</p>



<p>Er war ein Häuflein Elend. Fast hätte man Mitleid mit ihm haben können, wenn ich nicht gewusst hätte, was er getan hatte.</p>



<p>Die Polizisten nahmen ihn sofort mit. Angeblich wurde er seit dem Mord an seiner Frau – es war tatsächlich so abgelaufen, wie ich es vermutet hatte – von ihrem Geist heimgesucht. Sie erschien ihm wohl jede Nacht. Ich brauche nicht zu erklären, dass man Herrn Muller kurz darauf in die Irrenanstalt brachte.</p>



<p>Wenn ihr mich fragt, war es der Teufel, der Besitz von Herrn Muller ergriffen hatte. Wie sonst soll ein Mensch solche Grausamkeiten begehen? Und der Teufel lenkte auch Herrn Mullers Hand, als er sich in der Irrenanstalt das Leben nahm.</p>



<p>Ich wünschte, damit wäre die Sache vorbei gewesen, aber nein. Die Seelen der Mullers haben seitdem keine Ruhe gefunden. Nachts höre ich manchmal Geräusche aus dem Nachbarhaus, als würden die Mullers dort noch wohnen.</p>



<p>Jeden Abend bete ich zu Gott, dass sie endlich ihren Frieden finden mögen. Daher bitte ich euch – inständig – sucht euch ein anderes Haus. Zieht euer Kind nicht in dieser Kammer des Teufels auf!“</p>



<p>Die Frau sah uns aus großen, fast wahnsinnigen Augen an. Sie hatte meine Laternenhand ergriffen, um ihre Bitte zu unterstreichen.</p>



<p>Ich räusperte mich, versuchte, den Ekel und das Unbehagen zu verbergen, den ihre Geschichte in mir ausgelöst hatte. „Das klingt ja wirklich furchtbar“, erwiderte ich. „Und das alles ist wirklich so passiert?“</p>



<p>Das wiederum schien die Frau zu kränken. Sie zog ihre Hände zurück, während sie die Nase rümpfte. „Ich muss doch sehr bitten! Natürlich ist das so passiert! Ich bin doch keine Lügnerin!“</p>



<p>„Verzeihung“, sagte ich schnell. „So war das nicht gemeint. Ich wollte Sie nicht kränken.“</p>



<p>Aber der Schaden war bereits angerichtet. Sie ging mit schnellen Schritten davon, während sie etwas von „Frechheit!“ und „Natürlich ist das wirklich passiert!“ murmelte.</p>



<p>Ich sah zu, wie sie im Nachbarhaushaus verschwand. Dann sah ich beschämt zu meiner Frau. Erst jetzt bemerkte ich, wie blass sie um die Nase geworden war. „Hee!“, sagte ich schnell. „Liebste. Nimm dir die Geschichte nicht so zu Herzen. Das war doch nur eine verwirrte alte Frau. Außerdem ist das hier New Orleans. Da gehören Geistergeschichten zum guten Ton.“</p>



<p>Aber meine Frau nahm es sich zu Herzen. Nach einem Moment des Schweigens sagte sie: „Und wenn die Sache mit dem Mord wahr ist? Ich weiß nicht, ob ich unser Kind in solch einem Haus großziehen möchte.“</p>



<p>Ich lächelte schief. „Wir können uns ja mal umhören. Vielleicht kann uns der Verkäufer morgen mehr dazu sagen.“ Anschließend trat ich näher an das Haus heran und spähte durch eines der beiden Fenster.</p>



<p>Drinnen standen tatsächlich keine Möbel mehr. Damit hatte die Alte also schonmal recht gehabt. Leider konnte ich im schwachen Licht meiner Laterne jedoch kaum etwas erkennen.</p>



<p>„Sieht eigentlich ganz friedlich aus“, sagte ich trotzdem, um meine Frau ein wenig zu beruhigen.</p>



<p>Sie drängte sich dicht an mich, während auch sie durch das Fenster spähte. „Geister sehe ich zumindest keine“, merkte sie an.</p>



<p>Das zauberte mir ein Schmunzeln auf die Lippen. Zumindest, bis aus dem Haus plötzlich ein lautes Rattern ertönte. Es klang, als wäre eine große Maschine angesprungen. Eine Wurstmaschine zum Beispiel.</p>



<p>Nellie und ich machten einen Satz rückwärts, ehe wir einander mit großen Augen ansahen. Jetzt musste auch mir die Angst ins Gesicht geschrieben stehen.</p>



<p>„Lass uns zurück zum Gasthaus gehen“, schlug sie vor. Ich nickte nur, ehe wir uns mit schnellen Schritten von dem leerstehenden Haus entfernten.</p>



<p>&#8212;</p>



<p>Natürlich wussten wir nicht, ob es sich bei dem Lärm tatsächlich um eine Geistererscheinung gehandelt hatte. Ich wusste ja nicht einmal, ob so wirklich eine Würstchenmaschine klang. Trotzdem konnten wir herausfinden, dass die Geschichte mit dem Mord und sogar mit der zu Würstchen verarbeiteten Ehefrau stimmte.</p>



<p>Letztendlich gingen wir nicht zu der Besichtigung. Dafür fanden wir wenige Tage später ein kleines gemütliches Haus am anderen Ende der Stadt. Es war deutlich teurer, aber dafür erzählte man sich darüber keine Geistergeschichten.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Das Hans Muller House ist ein Spukhaus in New Orleans, Louisiana in den USA. Es ist bekannt für die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> des Sausage Man (englisch für „Würstchenmann“), einem Geist, der in dem Haus spuken soll. Die Legende handelt davon, dass er zu Lebzeiten seine Frau ermordet und zu Würstchen verarbeitet haben soll.</p>



<p>Andere Namen der Legende, die ich bei meiner Recherche gefunden habe, sind „The Mad Butcher“ (der wahnsinnige Metzger), „The Sausage Factory“ (die Wurstfabrik), „The Sausage Ghost“ (der Wurstgeist) oder „The Ghost that walked the Sausage Factory“ (Der Geist, der durch die Würstchenfabrik wanderte).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p>Der Täter in der Legende soll ein Mann namens Hans Muller gewesen sein, der mit seiner Frau von Deutschland in die USA ausgewandert ist. Genaueres ist zu ihm nicht bekannt, außer, dass er sehr freundlich und beliebt gewesen sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Zugetragen haben soll sich das Ganze im späten 19. Jahrhundert. Eine Quelle sprach auch vom 18. Jahrhundert.</p>



<p>Herr und Frau Muller, zwei deutsche Einwanderer, sollen in New Orleans eine Metzgerei eröffnet haben. Es mag etwas gedauert haben, aber mit der Zeit wurden die beiden in der Gegend sehr beliebt – was zum einen an ihrer freundlichen Art und zum anderen an ihren unübertroffenen Würstchen gelegen haben soll.</p>



<p>Privat ging es bei den beiden jedoch deutlich weniger rosig zu. Es heißt, dass sie oft stritten und Hans Muller seiner Frau bald überdrüssig wurde. Sie war nicht mehr die Jüngste, ihr Körper war gezeichnet von der harten Arbeit und so soll Hans Muller sich bald in eine andere Frau verliebt haben.</p>



<p>Da es damals so etwas wie Scheidung jedoch noch nicht gab, hatte Muller nur eine Möglichkeit, seine Ehefrau loszuwerden: Er erwürgte sie eines Abends im Hinterzimmer ihrer Metzgerei.</p>



<p>Anschließend soll er die Leiche seiner Frau in ihre Wurstmaschine, einen riesigen Fleischwolf, geworfen haben. Er verarbeitete ihre Überreste zu Würstchen und verkaufte sie an nichtsahnende Kunden, um sie unbemerkt zu entsorgen.</p>



<p>Als die Leute daraufhin jedoch anfingen, Haare und andere merkwürdige Dinge in ihren Würstchen zu finden, kamen erste Gerüchte auf.</p>



<p>Auch blieb natürlich nicht unbemerkt, dass Frau Muller schon länger nicht mehr gesehen wurde – wobei Hans Muller sehr kreativ mit den Ausreden gewesen sein soll.</p>



<p>Die Verdächtigungen waren jedoch noch nicht alles, was den Mörder plagte: Es heißt, dass ihm seit dem Mord jede Nacht der Geist seiner Frau erschienen sein soll.</p>



<p>Muller soll daher unter Schlafstörungen gelitten haben und allmählich dem Wahnsinn verfallen sein. Und auch die Qualität seiner einst hoch angesehenen Würstchen soll gelitten haben.</p>



<p>Trotzdem soll der Mord an Frau Muller erst ans Licht gekommen sein, als einer der Kunden einen goldenen Ehering in seinem Würstchen fand. Er benachrichtigte die Polizei, die Herrn Muller sofort aufsuchte. Sie fanden ihn völlig verstört auf dem Boden zusammengekauert auf seine Wurstmaschine zeigen und schreien, dass der Geist seiner Frau ihn holen komme.</p>



<p>Hans Muller wurde daraufhin in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Aber auch dort soll ihm weiterhin der Geist seiner Frau erschienen sein, weshalb er sich eines Tages das Leben nahm.</p>



<p>Seitdem sollen die Geister von Herrn und Frau Muller in ihrem ehemaligen Haus spuken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h4>



<p>In anderen Versionen der Legende soll Hans Muller nicht nur seine Frau, sondern noch weitere Menschen und sogar Hunde und Katzen umgebracht und zu Wurst verarbeitet haben. Auch gibt es Versionen, in denen diese Wurst besonders beliebt war, bis die grausame Wahrheit herausgekommen ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Der Ort des Geschehens war angeblich das inzwischen als Hans Muller House bekannte Haus in der 725 Ursulines Avenue in New Orleans, Louisiana, USA. Es steht auch heute noch da, ist jedoch für die Öffentlichkeit nur von außen zu besichtigen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die erste mir bekannte schriftliche Fassung der Legende vom Hans Muller House wurde in dem 1945 veröffentlichten Buch „Gumbo Ya-Ya“ abgedruckt, einer Sammlung lokaler Legenden aus Louisiana, die von der Louisiana State Library gesponsort wurde.</p>



<p>Außerdem gibt es zahlreiche andere Geschichten und Legenden, in denen ein menschenfleischverarbeitender Schlachter eine Rolle spielt. Ob und inwiefern einige von ihnen die Legende des Sausage Man inspiriert haben (oder davon inspiriert wurden), ist mir jedoch nicht bekannt. Darunter sind z. B. urbane Legenden, die von Menschenfleisch in Fast Food berichten oder Eltern, die unwissentlich ihre zu Fleischprodukten verarbeiteten Kinder gegessen haben, nachdem diese verschwunden waren. In den meisten Legenden kommt es – genau wie bei the Sausage Man – dadurch heraus, dass ein Ring, Haare, menschliche Zähne o. Ä. im Fleisch gefunden werden.</p>



<p>Es ist aber wahrscheinlich, dass ein realer, am 26. Oktober 1927 in New Orleans begangener Doppelmord, der als „The Trunk Murders“ bekannt ist, die Legende inspiriert hat. Dabei hat Henry Moity seine und die Ehefrau seines Bruders ermordet, nach Fleischermanier in Stücke zerlegt (er hatte eine Zeit lang als Metzger gearbeitet) und in zwei große Koffer gepackt.</p>



<p>Über den Geliebten seiner Ehefrau soll Moity im Gefängnis gesagt haben, dass er ihn zu Wurst verarbeiten würde, wenn er ihn in die Finger bekäme.</p>



<p>Der Doppelmord geschah in der 715 Ursulines Avenue, nur 10 Hausnummern weiter in derselben Straße, in der das Hans Muller House steht.</p>



<p><em>Was haltet ihr von dem Hans Muller House und the Sausage Man? Kanntet ihr die Legende bereits? Oder kanntet ihr vielleicht eine ähnliche? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>The Candy Lady – die Legende von Clara Crane</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Sep 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ihre Eltern hatten ihr zwar gesagt, dass sie keine Süßigkeiten von Fremden annehmen solle, aber die Bonbons lagen immerhin bei ihrem Haus, und sie sah ja auch keinen Fremden. Außerdem mochte Rose Karamell wirklich sehr gerne …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-candy-lady-clara-crane">The Candy Lady – die Legende von Clara Crane</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p>The Candy Lady mag zwar wie eine weibliche Form des <a href="https://www.geister-und-legenden.de/candyman" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Candyman</a> klingen, bei ihr handelt es sich jedoch um eine angebliche Serienmörderin des frühen 20. Jahrhunderts. Trotzdem eignet sich ihre Legende sehr gut, um den herannahenden Oktober einzuleiten. Denn was passt besser zum <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gruselmonat</a>, als eine Frau, die Süßigkeiten an Kinder verteilt?</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Verletzung von Augen<br>
&#8211; Tod eines Kindes<br>
&#8211; Gewalt gegen Kinder<br>
&#8211; Kindesentführung<br>
</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Es ist das frühe 20. Jahrhundert. Wir befinden uns in Terrell, Texas, einer kleinen verschlafenen Stadt etwa 50 Kilometer außerhalb von Dallas.</p>



<p>Eigentlich war das ein Ort, an dem nur wenig passierte. Die Leute grüßten einander auf den Straßen, man half seinen Nachbarn, wenn sie Hilfe brauchten und wenn doch mal etwas Schlimmeres geschah, ging es selten über einen Streit oder eine Kneipenschlägerei hinaus.</p>



<p>Das war jedoch, bevor The Candy Lady aufgetaucht ist.</p>



<p>Eines Abends lag die kleine Rose in ihrem Zimmer. Ihre Eltern hatten sie bereits ins Bett gebracht und ihr eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen. Aber trotzdem konnte Rose nicht schlafen.</p>



<p>Das war wahrscheinlich auch der Grund, wieso sie das leise Geräusch an ihrem Fenster hören konnte. Es machte ihr aber keine Angst. Rose war immerhin schon sechs und glaubte nicht mehr an Monster. Das Geräusch machte sie vielmehr neugierig.</p>



<p>Also schlug sie ihre Bettdecke zurück, schob ihre Beine langsam aus dem Bett und sprang mit einem leisen Klatschen auf ihre Füße. Vorsichtig tapste sie bis zum Fenster. Aber draußen erkannte sie nichts. Es war zu dunkel.</p>



<p>Noch wollte Rose ihr kleines Abenteuer jedoch nicht aufgeben. Sie holte sich einen Stuhl, kletterte hinauf und schob das Fenster ein kleines Stück nach oben. Dabei fiel ihr Blick auf die kleinen eingepackten Karamellstückchen, die auf ihrem Fensterbrett lagen.</p>



<p>Ihre Eltern hatten ihr zwar gesagt, dass sie keine Süßigkeiten von Fremden annehmen solle, aber die Bonbons lagen immerhin bei ihrem Haus, und sie sah ja auch keinen Fremden. Außerdem mochte Rose Karamell wirklich sehr gerne.</p>



<p>Sie zögerte nicht lange, packte das erste Bonbon aus und steckte es sich in den Mund. Genüsslich kaute sie, während sie sich die süße Verlockung auf der Zunge zergehen ließ. Bald steckte sie sich ein zweites Bonbon in den Mund. Und ein drittes.</p>



<p>Nach nur wenigen Minuten waren sie alle aufgegessen. Zurück blieben nur die Süßigkeitenpapiere, auf denen jeweils in kunstvoller Handschrift stand: „von der Candy Lady“.</p>



<p>Rose schloss das Fenster wieder und warf die Papiere in ihren kleinen Mülleimer, ehe sie sich zufrieden zurück ins Bett legte. Es dauerte nicht mehr lange und sie war eingeschlafen.</p>



<p>Wenn ihr jetzt aber denkt, dass die Süßigkeiten vergiftet waren oder irgendetwas sonst mit ihnen nicht stimmte, muss ich euch enttäuschen. Es waren ganz normale, völlig harmlose Karamellbonbons.</p>



<p>Und auch die Bonbons, die in der nächsten Nacht wieder auf dem Fensterbrett auftauchten, waren völlig normaler Karamell. Nur war in dieser Nacht die Nachricht anders, die auf den Papieren geschrieben stand: „Willst du rauskommen und mit mir spielen?“</p>



<p>Und das wollte Rose. Sie hatte nicht viele Freunde, also freute sie sich umso mehr, als diese Frau, die ihr die leckeren Süßigkeiten gegeben hatte, sie zum Spielen einlud.</p>



<p>Also schlich Rose heimlich nach draußen. Sie wurde nie wieder gesehen.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Nach diesem Vorfall häuften sich die Kindesentführungen in Terrell. Niemand wusste, wer dahintersteckte. Es dauerte eine Ewigkeit, bis die ersten Erwachsenen The Candy Lady auf die Schliche kamen. Vielleicht erzählten einige Kinder von dem Karamell, vielleicht fanden auch einige Eltern die beschrifteten Süßigkeitenpapiere. Aber wie auch immer sie auf The Candy Lady aufmerksam wurden, sie hatten schnell jemanden Bestimmtes als Täterin in Verdacht: eine Frau namens Clara Crane.</p>



<p>Clara Crane hatte selbst einst in Terrell gewohnt. Bis 1893 lebte sie glücklich mit ihrem Ehemann Leonard Gilbert Crane und ihrer gemeinsamen Tochter Marcy Crane auf ihrer Farm.</p>



<p>Das alles änderte sich jedoch, als die fünfjährige Marcy bei einem Unfall auf einem der Felder ums Leben kam. Von jenem Tag an wurde Clara von Trauer zerfressen. Als sie dann auch noch herausfinden musste, dass Leonard, der zur Zeit des Unfalls auf Marcy aufpassen sollte, betrunken gewesen war, soll sie zu einer verbitterten Frau geworden sein. Sie entwickelte eine stille Wut auf ihren Ehemann. Und als die Wut Claras Herz fast zum Zerbersten brachte, entschied sie, Leonard umzubringen.</p>



<p>Sie machte ihm Karamellbonbons, die ihr Mann so gerne aß, und versetzte sie mit einem tödlichen Gift. Nach ein paar Bonbons und einigen qualvollen Minuten versagten schließlich seine Organe. Leonard starb, Clara um Hilfe anflehend, während sie bloß danebenstand und ihn mit kalten Augen ansah.</p>



<p>Bereits am nächsten Tag entdeckte man ihr grausames Verbrechen. Eine Nachbarin bemerkte, wie aufgewühlt, fast schon wahnsinnig Clara am nächsten Tag wirkte. Aus Sorge, dass etwas passiert sei, holte sie Fred Springer, den örtlichen Sheriff zur Hilfe. Als er sich Clara jedoch nähert, griff sie ihn plötzlich an. Er überwältigte sie und entdeckte kurz darauf Leonards Leiche.</p>



<p>Bei dem Prozess, der daraufhin folgte, erklärte man Clara Crane für wahnsinnig. Sie wurde in das North Texas Lunatic Asylum eingewiesen, wo sie den Rest ihres Lebens bleiben sollte. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Denn obwohl Clara eindeutig nicht ganz bei Verstand war – sie bastelte sich zum Beispiel eine Puppe aus zerrissenen Bettbezügen, nannte sie Marcy und behandelte sie wie ihre Tochter – wurde sie als ungefährlich eingestuft.</p>



<p>Clara wirkte emotional stabil, war wieder ein vergleichsweise glücklicher Mensch geworden. Außerdem hatte sie nie wieder jemanden angegriffen. Und so entschied man kurzerhand, dass sie zu den Patienten gehören sollte, die man 1899 entließ, weil die Heilanstalt hoffnungslos überfüllt war.</p>



<p>Kurz darauf verschwand Clara von der Bildfläche, vier Jahre, bevor Rose von der Candy Lady entführt wurde.</p>



<p>Niemand in der Stadt hatte den schrecklichen Mord an Leonard je vergessen. Nachdem man erfahren hatte, dass die vermissten Kinder mit Karamellbonbons aus den Häusern gelockt wurden, war man sich in Terrell ziemlich schnell einig, dass The Candy Lady niemand anderes sein könne als die spurlos verschwundene Clara Crane.</p>



<p>Als dann auch noch ein Farmer mehrere blutige Süßigkeitenpapiere in seinem Acker fand, in die kleine menschliche Zähne, wahrscheinlich die der vermissten Kinder, eingewickelt waren, begann eine wahre Hexenjagd auf Clara Crane. Die Leute suchten überall nach ihr, in den Wäldern, auf ihrem alten Grundstück, sogar in den Feldern und Gräben, aber Clara blieb verschwunden.</p>



<p>Und auch der Sheriff beteiligte sich an der Suche. Er schien jedoch der Einzige gewesen zu sein, der der Candy Lady gefährlich nahegekommen war. Zumindest verschwand auch er, bis man wenige Tage später seine Leiche in einem Graben fand. Gabeln steckten in seinen Augäpfeln und seine Taschen waren über und über vollgestopft mit Karamellbonbons.</p>



<p>Danach endeten die mysteriösen Entführungen plötzlich. Es kehrte allmählich wieder Ruhe in Terrell ein. Clara Crane, die Candy Lady, wurde nie wieder gesehen. Und auch von den vermissten Kindern fehlt bis auf die gefundenen Zähne bis heute jede Spur.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Candy Lady (englisch für „Die Süßigkeitendame“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Texas, USA. Sie handelt von einer angeblichen Serienmörderin, die Anfang des 20. Jahrhunderts hauptsächlich Kinder entführt oder ermordet haben soll. Ihr Erkennungszeichen waren Süßigkeiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p>Bei der Täterin handelte es sich der Legende nach um eine Frau namens Clara Crane, die 1871 geboren worden sein soll.</p>



<p>Über ihr Aussehen ist nicht viel bekannt, wenn man von einem Bild absieht, das in Verbindung mit ihr im Internet kursiert. Darauf ist eine elegant gekleidete junge Frau mit dunkelblonden oder braunen Haaren zu sehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Clara Crane soll die Ehefrau des Farmers Leonard Gilbert Crane gewesen sein. Die beiden hatten eine gemeinsame Tochter, Marcella „Marcy“ Crane.</p>



<p>Als Marcella fünf Jahre alt war, geriet sie 1893 in einen tödlichen Unfall auf dem Feld, während ihr Vater auf sie aufpassen sollte. Angeblich soll er währenddessen betrunken gewesen sein.</p>



<p>Es heißt, dass Clara ihrem Ehemann die Schuld an Marcellas Tod gab, weshalb sie ihn schließlich zwei Jahre später mit vergiftetem Karamell umgebracht haben soll.</p>



<p>Daraufhin wurde Clara in das North Texas Lunatic Asylum (englisch für „Nord-Texas Irrenanstalt“), inzwischen bekannt als Terrell State Hospital, eingewiesen, aus dem sie jedoch bereits 1899 wegen Überfüllung wieder entlassen wurde. Danach verschwand sie von der Bildfläche.</p>



<p>Als jedoch ab dem Jahr 1903 Kinder in der Gegend verschwanden, fiel bald der Verdacht auf Clara Crane.</p>



<p>Der Legende nach soll sie nachts Süßigkeiten an die Fenster der Kinder gelegt haben und auf dem Süßigkeitenpapier mit „from the Candy Lady“ („von der Süßigkeitendame“) unterschrieben haben. Wenn die Kinder die Süßigkeiten angenommen haben, bekamen sie bald noch mehr Süßigkeiten mit der Nachricht, ob sie nicht spielen kommen wollten. Die Kinder, die dieses Angebot annahmen, wurden nie wieder gesehen.</p>



<p>Schließlich kamen die Erwachsenen „the Candy Lady“ auf die Schliche – entweder, weil jemand das Süßigkeitenpapier entdeckte oder weil die Kinder älter wurden und schließlich von den Süßigkeiten erzählten.</p>



<p>Außerdem fand ein Farmer lose Kinderzähne in seinem Feld. In einigen Versionen sollen sie sogar in Süßigkeitenpapier eingewickelt gewesen sein.</p>



<p>Daraufhin machte sich der örtliche Sheriff auf the Candy Lady bzw. die unauffindbare Clara Crane zu suchen. Bei der Suche verschwand jedoch auch er.</p>



<p>Im Gegensatz zu den Kindern fand man die Leiche des Sheriffs jedoch einige Tage später. Ihm steckten zwei Gabeln in den Augen und seine Taschen waren mit Süßigkeiten vollgestopft.</p>



<p>Daraufhin sollen die Kindesentführungen je nach Version entweder plötzlich aufgehört haben oder sie dauern bis heute an.</p>



<p>Ein weiteres Detail, das ich lediglich in einigen Versionen gefunden habe, ist eine Puppe, die Clara Crane sich in der Irrenanstalt aus zerrissenen Bettbezügen gebastelt haben soll. Sie hätte nachts mit ihr gesprochen und ihr vorgesungen. Außerdem soll sie sie Marcy genannt haben, was der Spitzname ihrer Tochter war.</p>



<p>In einem Brief, den sie angeblich ihrer Schwester kurz vor ihrer Entlassung geschrieben habe, drückte sie ihre und Marcys Freude aus, dass sie bald nach Hause könnten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Die Farm von Clara Crane soll in Terrell, einer kleinen Stadt in Texas, USA gestanden haben. In Terrell sollen auch die Morde und Entführungen passiert sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die Suche nach dem Ursprung der Legende von The Candy Lady hat sich als äußerst schwierig ergeben. So habe ich weder einen Hinweis darauf gefunden, von wann die Legende stammt, noch dass Clara Crane tatsächlich gelebt haben soll.</p>



<p>Zwar gibt es das vermeintliche Foto von ihr, aber auch hier hat mich die Reverse Image Search lediglich auf weitere Seiten geführt, die die Legende behandeln. Einen anderen Ursprung oder Namen, um wen es sich auf dem Bild handeln könnte, kam dabei nicht heraus.</p>



<p>Außerdem kursiert im Internet ein angeblicher Zeitungsartikel von 1895, der von Clara Crane berichtet, nachdem sie ihrem Ehemann ermordet hat.</p>



<p>Aber auch hier muss ich sagen, dass der Artikel wahrscheinlich gefälscht ist. Ich habe schon unzählige alte Zeitungsartikel für meinen Blog durchforstet. Keiner von ihnen war auch nur ansatzweise so sauber und makellos wie der Artikel über Clara Crane, nicht einmal die Artikel, die nur 30, 40 oder 50 Jahre alt waren.</p>



<p>Eine Quelle gab sogar an, dass der Artikel damals im Terrell Tribune abgedruckt gewesen sei. Nur leider gab es den Terrell Tribune 1895 noch gar nicht. Selbst der Vorgänger, der Terrell Daily Tribune, veröffentlichte seine Erstausgabe erst 1916.</p>



<p>Meiner Einschätzung nach handelt es sich bei Clara Crane also um eine rein fiktive Person. Andererseits haben die meisten Legenden einen wahren Kern. Also wer weiß, vielleicht gab es die Serienmörderin oder Entführerin the Candy Lady ja tatsächlich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Candy Lady in der Popkultur:</h3>



<p>Auch wenn the Candy Lady eher zu den unbekannteren Legenden gehört, gibt es tatsächlich ein Videospiel, Witchkin von 2018, das auf der Legende basiert. Darin begebt ihr euch in den 1920ern auf der Suche nach eurer vermissten Schwester in ein verlassenes Farmhaus in Texas, wo ihr von der Candy Lady und einigen Spielzeugen, ihren „Kindern“, gejagt werdet.</p>



<p>Außerdem ist zurzeit ein Kurzfilm über The Candy Lady in Arbeit, der angeblich diesen Herbst herauskommen soll (den Teaser findet ihr <a href="https://www.youtube.com/watch?v=rapaz080ZBw">Hier</a>). Ich bin gespannt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Candy Lady? Kanntet ihr die Legende bereits? Und glaubt ihr, dass es Clara Crane wirklich gegeben haben könnte? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Legende von Lavinia Fisher – das Six Mile House</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Was Lavinia jedoch nicht ahnte, war, dass Peeples Müdigkeit nicht an ihrem vergifteten Tee lag. Er war bereits seit fast 20 Stunden auf den Beinen und konnte es kaum erwarten, wenigstens bis Tagesanbruch zu schlafen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/lavinia-fisher">Die Legende von Lavinia Fisher – das Six Mile House</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/ecce7a838d03480ab5c7fc40ef39b87b" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Legende von Lavinia Fisher und dem Six Mile House handelt von Amerikas angeblicher ersten Serienmörderin. Wie genau Lavinia Fisher bei ihren Morden vorgegangen ist und ob an der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbanen Legende</a> überhaupt etwas Wahres dran ist, erfahrt ihr in meinem Beitrag.</p>



<p>Bevor es jedoch mit der Geschichte logsgeht, möchte ich euch auf zwei Folgen des Podcasts <a href="https://linktr.ee/spookybitchshow" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Spooky Bitch Show</a> hinweisen. Nämlich auf Folge 32 und die Bonusfolge dazu. Für Folge 32 habe ich eine kleine Geschichte geschrieben und eingesprochen und in der Bonusfolge haben Rikku und Tai meine interaktive Geschichte gespielt. Aber auch die anderen Folgen kann ich euch wärmstens empfehlen. Hört bei den Beiden mal rein!</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Lavinia Fisher. Wenn ihr nach Amerika, ins besondere North Carolina geht und jemanden fragt, wer das ist, werden euch die meisten Leute wahrscheinlich sagen können, dass sie Amerikas erste weibliche Serienmörderin war. Um sie und ihren Ehemann John Fisher drehen sich zahlreiche Legenden. Die bekannteste von ihnen möchte ich euch heute erzählen.</p>



<p>Es war das frühe 19. Jahrhundert. Irgendwann in den 1810ern. Lavinia und John Fisher waren bereits verheiratet und betrieben gemeinsam ein kleines Gasthaus mit dem Namen Six Mile House. Es trug diesen Namen, weil es etwa sechs Meilen nördlich von der Stadt Charleston lag.</p>



<p>Lavinia und John führten ein einfaches Leben. Sie waren nicht unbedingt arm, aber reich waren sie auch nicht. Im Gegensatz zu einigen ihrer Gäste. Lavinia bemerkte immer mal wieder, wie sehr die Taschen einiger Gäste klimperten. Meist trugen diese Gäste dann auch teure Kleidung und so manch einer von ihnen prahlte mit seinem Reichtum.</p>



<p>Das brachte Lavinia auf die Idee, ihre Gäste auszurauben. Es durfte jedoch nicht zu offensichtlich sein. Sie mussten ganz sichergehen, dass die Gäste keinen Verdacht schöpften, sie nicht verraten konnten. Und wie wäre das einfacher gegangen, als die einzigen Zeugen – die Gäste selbst – aus dem Weg zu räumen.</p>



<p>Vielleicht war es auch gar nicht der erste Gedanke der Fishers, die Gäste umzubringen. Möglicherweise planten sie am Anfang, ihre Gäste bloß zu betäuben, indem sie ihnen vergifteten Tee anboten, ehe sie nachts nur einen kleinen Teil aus ihren Geldbeuteln stahlen.</p>



<p>Dann wäre es durchaus denkbar, dass die Giftmischung im Tee eines Tages zu hoch dosiert gewesen war. Und als Lavinia in das Zimmer schlich, um den Gast um einige Dollar zu erleichtern, musste sie feststellen, dass er nicht mehr atmete.</p>



<p>Anstatt daraufhin jedoch zu verzweifeln, Gott um Gnade anzuflehen und sich vielleicht sogar zu stellen, erkannte Lavinia darin eine Chance: Auf einmal durfte sie sich nicht mehr nur ein kleines Stück, sondern den ganzen Kuchen nehmen. Sie konnte das Vermögen, das der Gast bei sich hatte, bis auf den letzten Cent behalten. Alles, was sie dafür tun musste, war, seine Leiche zu beseitigen. Kein sonderlich schwieriges Unterfangen an einem solch abgeschiedenen Ort wie dem Six Mile House.</p>



<p>Daher änderten Lavinia und John schließlich ihre Vorgehensweise. Zuerst verwickelte Lavinia die wohlhabend wirkenden Gäste in Gespräche. Sie versuchte, herauszufinden, ob sie Geld bei sich trugen und ob es jemanden gab, der sie suchen kommen würde, falls sie spurlos verschwinden sollten. Natürlich fragte Lavinia sie das nicht einfach geradeheraus. Sie ließ ihren Charme spielen, nutzte ihr gutes Aussehen, um die Gäste um ihre Finger zu wickeln. Anschließend fragte sie wie beiläufig nach ihren Berufen, ihren Familien und engeren Freunden – alles verpackt als freundliche, an ihnen als Menschen interessierte Gespräche.</p>



<p>Wenn sie mit den Antworten eines Gastes zufrieden war, bot sie ihm schließlich den vergifteten Tee an.</p>



<p>Aber natürlich starben nicht alle Gäste an dem Gift. Besonders am Anfang, als Lavinia noch mit der richtigen Dosierung experimentierte, kam es immer mal wieder vor, dass einer der Gäste in der Nacht noch lebte. Aber auch das störte Lavinia nicht weiter. In den Fällen brachten sie oder John den halbtoten Gast einfach kurzerhand selbst um.</p>



<p>Es heißt sogar, dass John das Bett in ihrem besten Zimmer – ein Einzelzimmer, was zu damaliger Zeit alles andere als üblich war – so umbaute, dass es als eine Art Falltür fungierte. So musste Lavinia nur einen Hebel umlegen und der tote Gast wurde kurzerhand nach unten in den Keller gekippt. Lavinia und John mussten die Leiche also nicht einmal mehr nachts heimlich durch das Gasthaus tragen.</p>



<p>Und so blieben ihre grausamen Taten viele Jahre lang unentdeckt.</p>



<p>Bestimmt fragt ihr euch jetzt, ob es nicht trotzdem auffällig war, dass so viele der wohlhabenden Gäste ausgerechnet in Lavinias und Johns Gasthaus zuletzt gesehen wurden, ehe sie spurlos verschwanden. Aber Lavinia hatte immer eine Ausrede und ein gutmütiges Lächeln auf den Lippen, als man sie danach fragte. Außerdem war es bekannt, dass in der Gegend schon länger eine Gruppe Wegelagerer ihr Unwesen trieb. Also verdächtigte niemand das in Charleston gut bekannte und vor allem beliebte Ehepaar Fisher auch nur irgendetwas mit den verschwundenen Männern zu tun zu haben.</p>



<p>Zumindest bis in das für Lavinia und John Fisher verhängnisvolle Jahr 1819. Es war ein regnerischer Abend. Lavinia dachte bereits darüber nach, zu Bett zu gehen, als plötzlich die Eingangstür aufgeschmissen wurde. Ein völlig durchnässter Mann kam hineingestürmt, tropfte dabei den Boden voll, und schloss die Tür schnell hinter sich.</p>



<p>„Ist hier noch ein Zimmer frei?“, fragte er. Er klang ziemlich außer Atem.</p>



<p>Lavinia musterte ihn für einen Moment. Auf den ersten Blick wirkte er nicht sehr wohlhabend. Seine Kleidung war nicht beschädigt, aber der Schnitt seines Mantels und die Materialien schienen von durchschnittlicher Qualität. „Tut mir leid“, erwiderte sie. „Wir sind leider restlos ausgebucht. Aber du darfst dich gerne einen Moment an unserem Kamin aufwärmen, bis das Unwetter vorbei ist. Wie wäre es mit einer heißen Suppe?“</p>



<p>Zuerst wirkte der Mann enttäuscht, aber dann lächelte er Lavinia an und nickte. „Sehr gerne. Eigentlich wollte ich heute Abend noch in Charleston ankommen, aber bei dem Regen …“</p>



<p>Lavinia nickte mitfühlend, ehe sie in der Küche verschwand und kurze Zeit später mit einer Schale dampfender Suppe zurückkam. Sie reichte sie dem Mann. Dabei fiel ihr Blick auf einen goldenen Siegelring, den sie wegen der Handschuhe vorher nicht sehen konnte.</p>



<p>„Mein Name ist Lavinia“, stellte sie sich vor. „Ich betreibe dieses Gasthaus zusammen mit meinem Ehemann. Aber ich befürchte, er ist schon zu Bett gegangen.“</p>



<p>Der Mann nickte. „Mein Name ist Peeples. John Peeples“, stellte er sich vor. „Sehr erfreut.“</p>



<p>Lavinia lachte verzückt. „John. Genau wie mein Ehemann. Es freut mich, deine Bekanntschaft zu machen, John Peeples.“ Sie schenkte ihm ihr strahlendstes Lächeln. „Was verschlägt dich in unsere Gegend?“</p>



<p>„Geschäfte“, hielt Peeples es knapp. „Ich komme aus Georgia und bin die lange Strecke nur mit meinem Pferd und einigen flüchtigen Reisegefährten gereist, denen ich zufällig auf dem Weg begegnet bin.“</p>



<p>Lavinia machte große Augen. Es kam nicht häufig vor, dass jemand solch eine weite Strecke reiste, nur um einige <em>Geschäfte</em> abzuwickeln.</p>



<p>Die beiden unterhielten sich noch eine ganze Weile. Zwar hielt Peeples seine Aussagen vage, aber er verriet zumindest so viel, dass die Geschäfte von so hoher Wichtigkeit waren, dass er keinen Stellvertreter losschicken wollte.</p>



<p>Auch brachte sie in Erfahrung, dass er ein eifriger Mann war, der zwar viele Geschäftspartner hatte, aber nur wenige Menschen, denen er wirklich wichtig war. Ein perfektes Opfer für Lavinia Fisher.</p>



<p>Lavinia entschuldigte sich für einen Augenblick. Kurze Zeit später kam sie mit einer Tasse Tee zurück, die sie Peeples lächelnd in die Hände drückte. „Eine eigene Mischung“, erklärte sie stolz.</p>



<p>Peeples nickte freundlich, als er ihr die Tasse abnahm. Dass er mit diesem „widerlichen Blattwasser“, wie er Tee für gewöhnlich nannte, nichts anfangen konnte, behielt er für sich. Immerhin wollte er die schöne und liebreizende Lavinia nicht kränken.</p>



<p>Stück für Stück schüttete er den vergifteten Tee also in einen nahestehenden Eimer, wann immer Lavinia nicht hinsah.</p>



<p>Lavinia hingegen beobachtete zufrieden, wie die Tasse allmählich leer wurde. „Weißt du, John“, begann sie zögerlich. „Ich habe vorhin nicht ganz die Wahrheit gesagt. Tatsächlich haben wir noch ein Zimmer frei. Es ist zwar eigentlich für Freunde und Verwandte vorgesehen, aber du scheinst ein vernünftiger Mann zu sein. Wenn du möchtest, kannst du es für die Nacht mieten. Ich mache dir einen fairen Preis.“</p>



<p>Das überraschte John. Er hatte noch nie von einem Gasthaus gehört, das nicht alle Zimmer vermietete – von den Zimmern der Mitarbeiter einmal abgesehen. Trotzdem nahm er dankend an. Er gähnte herzhaft. „Vielleicht sollte ich mich direkt auf das Zimmer begeben“, warf er ein. „Um ehrlich zu sein bin ich ziemlich müde.“</p>



<p>Lavinia lächelte zufrieden. „Natürlich. Ich bringe dich sofort hin.“</p>



<p>Was Lavinia jedoch nicht ahnte, war, dass Peeples Müdigkeit nicht an ihrem vergifteten Tee lag. Er war bereits seit fast 20 Stunden auf den Beinen und konnte es kaum erwarten, wenigstens bis Tagesanbruch zu schlafen.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Nachdem Peeples auf seinem Zimmer war, machte er sich sofort bettfertig. Statt sich auf die weiche Matratze zu legen, nahm er jedoch das Kissen und die Decke vom Bett und machte es sich auf einem Holzstuhl im Zimmer gemütlich.</p>



<p>Ich weiß nicht, warum er das tat. Vielleicht hatten Lavinias viele Fragen ja doch sein Misstrauen geweckt, sodass er nicht in dem von der Tür aus deutlich sichtbaren Bett liegen wollte. Vielleicht war er auch generell ein misstrauischer Mensch. Oder aber er war einfach ein seltsamer Kauz.</p>



<p>Jedenfalls rettete ihm diese Entscheidung, genau wie die Entscheidung, nicht den vergifteten Tee zu trinken, in dieser Nacht sein Leben.</p>



<p>Peeples schreckte aus dem Schlaf hoch, als ein lautes Geräusch ertönte. Zuerst sah er sich irritiert im Raum um, bis er bemerkte, dass dort, wo vorhin das Bett gestanden hatte, nun ein großes, viereckiges Loch klaffte. Irritiert stand er auf und spähte nach unten. Das Bett war nicht verschwunden, sondern hing an massiven Scharnieren an der Wand fest. Es hatte die Matratze nach unten in den Keller gekippt. Und dort standen auch Lavinia und John Fisher, die Peeples mindestens genauso irritiert anstarrten, wie er sie.</p>



<p>Die beiden Serienmörder sprinteten natürlich sofort nach oben. Als sie das Zimmer erreichten, war Peeples aber schon über alle Berge. Er war aus dem Fenster geklettert, hatte sein Pferd aus dem Stall geholt und war im strömenden Regen weiter Richtung Charleston geritten. Dort alarmierte er sofort die Polizei.</p>



<p>Endlich gab es einen triftigen Grund, das Six Mile House näher unter die Lupe zu nehmen. Die Polizei rückte noch in derselben Nacht aus. Keine Ahnung, warum das Ehepaar Fisher nicht geflohen war. Vielleicht dachten sie nicht, dass Peeples es in seinem vermeintlich vergifteten Zustand weit schaffen würde. Oder sie dachten, dass sie sich wie immer aus der Sache herausreden könnten. So oder so Lavinia und John Fisher wurden noch in derselben Nacht verhaftet.</p>



<p>Angeblich fand die Polizei Überreste und Besitztümer von über 100 vermissten Männern auf dem Grundstück des Six Mile Houses. Es ist daher bestimmt nicht weiter verwunderlich, dass Lavinia und John Fisher bald zu Tode verurteilt worden.</p>



<p>Es dauerte jedoch noch über ein Jahr, bis die beiden 1820 am selben Tag hingerichtet wurden. Da es zu damaliger Zeit in North Carolina rechtlich verboten war, eine verheiratete Frau hinzurichten, wurde John Fisher kurz vor seiner Ehefrau aufgeknüpft. Vielleicht musste sie sogar dabei zusehen.</p>



<p>Als man sie anschließend fragte, ob sie noch einen letzten Wunsch habe, erwiderte Lavinia Fisher, dass sie in ihrem Hochzeitskleid erhängt werden wolle – einem Wunsch, dem die Gemeinde angeblich sogar nachkam.</p>



<p>In ihr weißes Kleid der Unschuld gehüllt stand Lavinia nun also mit einem Strick um den Hals auf der Hinrichtungsplattform. Mit Abscheu, vielleicht sogar Überlegenheit, blickte sie über die Menge. Ein letztes Mal erhob sie ihre Stimme. „Falls jemand von euch eine Nachricht an den Teufel hat“, brüllte sie in die Menge, „teilt sie mir jetzt mit, denn ich werde ihm gleich begegnen.“</p>



<p>Anschließend griff sie selbst nach dem Hebel, der die Falltür unter ihren Füßen betätigte, und legte ihn um. Sie starb durch ihre eigene Hand.</p>



<p>Den Teufel hingegen, hat Lavinia nie gesehen. Es heißt, dass sie seit jenem Tag durch das alte Gefängnis von Charleston spuken soll und jeden Mann angreift, der es wagt, ihr in die Quere zu kommen.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Legende nach war Lavinia Fisher die erste verurteilte Serienmörderin der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie betrieb zusammen mit ihrem Mann John Fisher das Six Mile House, ein Gasthaus, in dem sie zahlreiche Morde begangen haben sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lavinia und John Fisher:</h3>



<p>Über das Leben von Lavinia Fisher ist nicht viel bekannt. Es heißt aber, dass sie ca. 1793 geboren wurde und den Großteil ihres Lebens in der Nähe von Charleston gelebt haben soll. Dort hat sie auch ihren Ehemann John kennengelernt.</p>



<p>Der Legende nach betrieben sie gemeinsam ein Gasthaus, das den Namen „Six Mile House“ oder „Six Mile Wayfarer House“ getragen haben soll.</p>



<p>Die meisten ihrer Gäste waren einfache Reisende, aber es gab auch wohlhabende Menschen unter ihnen. Als Lavinia merkte, dass viele von ihnen Geld und Wertsachen bei sich hatten, soll sie das auf eine Idee gebracht haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Verbrechen:</h3>



<p>Gemeinsam mit John entschied sie, die Gäste auszurauben. Angeblich hat die attraktive Lavinia sie zuerst betört und ihnen Fragen zu ihren Berufen gestellt, um in Erfahrung zu bringen, ob die Männer wohlhabend waren.</p>



<p>Wenn das der Fall war, bot sie ihnen Tee an – eine eigene Mischung, die mit Oleander oder Laudanum vergiftet worden war.</p>



<p>Das Gift machte die Männer schnell schläfrig, weshalb sie nichtsahnend zu Bett gingen. Anschließend wurden sie – sofern das Gift sie nicht bereits getötet hatte, von Lavinia oder John ermordet. Ihre Methoden variieren jedoch von Erzählung zu Erzählung stark.</p>



<p>In den meisten Versionen ist sogar von einem Bett die Rede, dass als eine Art Falltür diente, die die Toten oder betäubten Gäste ins Untergeschoss oder den Keller fallenließ, damit die Fishers die Leiche nicht durch den Gasthof tragen mussten.</p>



<p>Auf diese Weise schafften sie es, lange Zeit unentdeckt zu bleiben. Zwar fiel durchaus auf, dass gelegentlich Gäste des Six Mile Houses spurlos verschwanden, jedoch gab es keine Beweise gegen die Fishers. Darum und weil das Ehepaar in der Gegend sehr beliebt war, gab es nie eingehendere Untersuchungen gegen sie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ende der Mordserie:</h3>



<p>1819 kam ein Mann namens John Peeples in das Gasthaus. Lavinia Fisher versuchte, bei ihm ihre übliche Masche abzuziehen. Sie schmeichelte sich bei ihm ein, stellte ihm Fragen zu seinem Beruf und bot ihm schließlich den vergifteten Tee an.</p>



<p>John Peeples trank jedoch keinen Tee. Er wollte seine Gastgeber allerdings auch nicht kränken und so schüttete er den Tee heimlich weg, während sie gerade nicht hinsahen. Auch sollen ihm die vielen persönlichen Fragen von Lavinia suspekt vorgekommen sein.</p>



<p>Als er also auf seinem Zimmer war, entschied er, nicht in das von der Tür sofort ersichtliche Bett zu gehen, sondern auf einem Holzstuhl zu schlafen.</p>



<p>In der Nacht hörte er schließlich Geräusche und sah, wie sein Bett in den Boden kippte. Daraufhin ergriff er sofort die Flucht, ritt auf seinem Pferd nach Charleston und meldete den Vorfall der Polizei.</p>



<p>Angeblich fand man Überreste von über 100 Männern auf dem Grundstück des Six Mile Houses. Lavinia und John Fisher wurden kurz darauf verhaftet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Verurteilung:</h3>



<p>Das Ehepaar Fisher verbrachte mehrere Monate in einer gemeinsamen Zelle im Gefängnis, ehe sie 1820 öffentlich hingerichtet wurden.</p>



<p>Da es damals in South Carolina verboten war, eine verheiratete Frau hinzurichten, wurde John Fisher kurz vor seiner Frau erhängt, sodass sie zu einer Witwe wurde.</p>



<p>Als Lavinia Fisher schließlich selbst an der Reihe war, äußerte sie ihren letzten Wunsch, in ihrem Hochzeitskleid erhängt zu werden.</p>



<p>Der Legende nach sollen ihre letzten Worte in etwa wie folgt gewesen sein: „If any of you have a message for the devil tell me now, for I shall be seeing him shortly.” (Englisch für: „Falls jemand von euch eine Nachricht an den Teufel hat, teilt sie mir jetzt mit, denn ich werde ihm gleich begegnen.“)</p>



<p>Angeblich soll sie daraufhin sogar selbst den Hebel umgelegt oder von der Plattform gesprungen sein und ihrem Leben so selbst ein Ende gesetzt haben.</p>



<p>Den Teufel hat sie jedoch wahrscheinlich nicht gesehen. Zumindest ist der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> von Lavinia Fisher, der u. a. in dem alten Gefängnisgebäude spuken soll, einer der berühmtesten Geister von Charleston.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Der Ort des Geschehens war, wie bereits erwähnt, das Gasthaus der Fishers. Es hieß entweder Six Mile House oder Six Mile Wayfarer House, da es etwa 6 Meilen nördlich von Charleston, North Carolina lag.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Der Ursprung der Legende ist nicht ganz so einfach auszumachen, wie man vielleicht glauben mag. Über die Jahre gab es viele Übertreibungen in den Erzählungen über Lavinia Fisher, sodass es schwierig ist, tatsächliche Fakten zu finden.</p>



<p>Einer der größten Unterschiede zu der Legende ist aber, dass Lavinia und John Fisher überhaupt nicht für Mord, sondern lediglich für Highway Robbery, also Straßenraub, verurteilt wurden – ein Verbrechen, auf das ebenfalls die Todesstrafe stand.</p>



<p>Auch hat man auf dem Grundstück des Six Mile Houses wohl keine menschlichen Überreste gefunden, die man mit den Fishers in Verbindung bringen konnte.</p>



<p>Außerdem hat das Ehepaar keineswegs allein agiert. Sie waren Mitglieder, einigen Quellen zufolge sogar die Anführer, einer gefürchteten Gang, die im Five Mile House und dem Six Mile House agiert haben. Ob das Six Mile House überhaupt ein Gasthaus war, ist also ebenfalls umstritten.</p>



<p>Des Weiteren wird in einem Zeitungsartikel des Charleston Couriers vom 22. Februar 1819 eine etwas andere Geschichte erzählt, wie das Ehepaar schließlich gefasst werden konnte:</p>



<p>Dem Artikel zufolge hat sich eine Gruppe Zivilisten zusammengeschlossen, um den kriminellen Aktivitäten in der Gegend ein Ende zu setzen. Dabei wurde das Five Mile House niedergebrannt und das Six Mile House von einem Mann namens David Ross besetzt, der dort Wache halten sollte.</p>



<p>In der Nacht sind Lavinia, John und einige andere Gangmitglieder jedoch zu dem Haus zurückgekehrt. Sie schlugen David Ross zusammen, der es irgendwie schaffte, in die Wälder zu entkommen und zurück in die Stadt zu laufen. Die Polizisten, die daraufhin ausrückten, nahmen schließlich Lavinia und John Fisher gefangen.</p>



<p>Abgesehen von einem missglückten Ausbruchsversuch aus dem Gefängnis, ist der Ablauf ab hier ähnlich. Zwar habe ich nirgends Hinweise auf Lavinias tatsächliche letzte Worte finden können und auch das Hochzeitskleid ist wohl nur eine Erfindung, aber sie wurde wirklich etwa ein Jahr nach ihrer Gefangennahme kurz nach ihrem Ehemann erhängt.</p>



<p>Über John Peeples, der der Legende nach dafür gesorgt hat, dass die Fishers verhaftet wurden, habe ich hingegen nichts herausfinden können. In einem Zeitungsartikel war jedoch die Rede von einem John People, der als weiterer wichtiger Zeuge diente, da er von den Fishers und ihrer Gang überfallen wurde.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Legende von Lavinia Fisher? Kanntet ihr sie bereits oder habt schon einmal davon gehört, dass sie Amerikas erste Serienmörderin gewesen sein soll? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/lavinia-fisher">Die Legende von Lavinia Fisher – das Six Mile House</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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