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	<title>Wald Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>The Owlman of Mawnan – der Eulenmann von Cornwall</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das „Was ist?“ blieb mir jedoch im Halse stecken. Als ich ihrem Blick folgte, fiel mir fast sofort eine große silbergraue Gestalt auf. Sie war am ganzen Körper mit Federn bedeckt, hatte jedoch keinen Schnabel, sondern einen klaffenden schwarzen Mund …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-owlman-of-mawnan">The Owlman of Mawnan – der Eulenmann von Cornwall</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">The Owlman of Mawnan ist eine <a href="https://geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>, die ich schon ewig auf meiner Liste habe. Und da ich schon lange nicht mehr über eine Legende aus England (oder Großbritannien generell) geschrieben habe, dachte ich, ist der Zeitpunkt gerade günstig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Margarete, es ist schon fast 9“, jammerte Valerie, während wir die schmale Straße zur Kirche entlanggingen. „Meine Eltern bringen mich um, wenn ich zu spät nach Hause komme.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich blieb stur. „Nein. Wir gehen erst, wenn wir die Eule gefunden haben. Und die kommen nunmal erst raus, wenn es dunkel wird.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den Owlman“, korrigierte mich Valerie. Mehr Widerworte gab sie jedoch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Owlman war eine lokale Legende. Ein Mythos. Angeblich hatten einige Mädchen ihn hier in der Gegend gesehen. Ein graugefiedertes Wesen, halb Mensch, halb Vogel. Ich schnaubte belustigt. Wer’s glaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings hatten Valerie und ich uns deswegen ziemlich in die Haare bekommen. Eine Freundin ihrer Schwester hatte behauptet, den Owlman gesehen zu haben. Seitdem war sie davon überzeugt, dass es die Märchengestalt wirklich geben müsse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und natürlich war es meine Aufgabe als ihre beste Freundin, sie von diesem Irrglauben abzubringen. Also hatte ich sie überredet, an diesem warmen Sommerabend mit mir hier rauszukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatten wir das alte Kirchengebäude der St Mawnan and St Steven’s Church erreicht. Zu unserer Rechten konnte ich einige Grabsteine sehen. Sie waren alt, die Schrift kaum noch leserlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Blick galt dem steinernen Kirchturm. Hier sollte der Owlman das erste Mal gesehen worden sein. Aber wahrscheinlich hatten die beiden Mädchen nur eine Eule gesehen, die über den Kirchturm kreiste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell ging ich weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte auf mich!“, rief Valerie mir nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war offensichtlich, dass sie gerade nicht allein sein wollte, also wartete ich, bis sie weder neben mir war. Gemeinsam gingen wir direkt auf die Grabsteine zu, um um die Kirche herumzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der anderen Seite des alten Gebäudes wurden wir von einem noch größeren Friedhof begrüßt. Zahlreiche Reihen alter Grabsteine standen vor uns, nur unterbrochen von gelegentlichen Bäumen, die aus dem viel zu hohen Gras wuchsen. Es war nicht so hoch, dass wir nicht mehr laufen konnten, aber es hatte nichts mit dem englischen Rasen aus unserem Garten gemein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ den Blick schweifen. Wir waren umringt von Bäumen, die in das Licht der allmählich untergehenden Sonne getaucht waren. Zwischen ihnen hindurch konnte ich den Ärmelkanal sehen. Die Szenerie war untermalt von dem bunten Abendgesang der Vögel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war wunderschön hier, allerdings verliehen das alte Kirchengebäude und der umliegende Friedhof dem Ganzen eine unheimliche Stimmung. Abgerundet mit dem kleinen dunklen Wald, der den Friedhof umgab, war es also kein Wunder, dass einige Kinder eine harmlose Eule für den Owlman gehalten hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war es für mich völlig undenkbar, dass sich in einem so kleinen Waldstück ein menschengroßes Monster unbemerkt verstecken konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angefangen hatte das Gerücht damit, dass Touristen, zwei junge Mädchen im Alter von 9 und 12 Jahren, den Owlman über dem Kirchturm gesehen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es sollte nicht bei dieser einen Sichtung bleiben. Drei Monate später entdeckten zwei 14-jährige Mädchen erneut den Owlman im Wald. Sie berichteten von einem unnormal großen Vogel mit silbergrauem Gefieder und rot leuchtenden Augen, der auf dem Boden gestanden haben soll. Nachdem er die beiden Mädchen bemerkt hatte, soll er sich mit seinen riesigen Schwingen in die Luft erhoben haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sagte es ja bereits: eine Eule. Die Fantasie hatte den vier Mädchen Streiche gespielt. Klar, es musste ein recht großes Tier gewesen sein, aber das war immer noch wahrscheinlicher als irgendein Monster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes wandten wir uns einem kleinen Dreckweg zu, der vom Friedhof in Richtung Ärmelkanal führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er verlief direkt durch ein Waldstück, das aus knorrigen Bäumen bestand. Nachdem wir einige Meter gegangen waren, konnte ich mir gut vorstellen, wie die Umgebung der Fantasie einen Streich spielen konnte. Hätte ich ein Foto des Orts gesehen, hätte ich nicht sagen können, ob es nur ein kleiner oder ein riesiger Wald gewesen wäre. Nichts deutete darauf hin, dass wir uns mitten in der Zivilisation, geschweige denn direkt am Ärmelkanal befanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch davon ließ ich mich nicht verunsichern. Schnell gingen wir den Weg entlang, während ich die Bäume im Auge behielt. Ich suchte nach irgendetwas, das auf eine Eule hinweisen konnte, Kotspuren oder Ähnliches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Enttäuschung fand ich nichts. Wir folgten dem Weg eine schmale Holztreppe hinunter, von wo aus wir den Ärmelkanal hinter einigen Bäumen sehen konnten. Auch hörte ich jetzt das leise Rauschen der Wellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach schlängelte sich der Weg einen kleinen Abhang hinunter, ehe er in beide Richtungen parallel zum Gewässer verlief. Wir gingen nach rechts, wo der Weg nach einigen Dutzend Metern aus dem Waldstück hinaus und an einem Feld vorbeiführte. Wären wir ihm weiter gefolgt, wären wir mit einem kleinen Umweg zurück zur Kirche gelangt. Wir blieben jedoch im Wald und bogen jetzt ins Unterholz ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Müssen wir da langgehen?“, jammerte Valerie wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. „Müssen wir. Oder denkst du, eine Eule – oder dein Owlman – nistet direkt am Wegesrand?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweigend stimmte sie mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laub knirschte unter unseren Füßen, während wir durch das Dickicht den kleinen Abhang wieder nach oben kraxelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier hielt ich weiter Ausschau nach Eulenspuren, aber ich sollte nichts entdecken, bis wir bald wieder beim Kirchengebäude angelangt waren. Wie ich schon sagte, war es nur ein sehr kleines Waldstück.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Minuten verstrichen, irrten wir weiter durch den kleinen Wald. Wir gingen den Weg erneut entlang, bogen diesmal an der Gabelung links ab, irrten kreuz und quer durchs Unterholz – ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch nahmen wir den Friedhof genauer unter die Lupe. Zwar fanden wir einen neueren Abschnitt, auf dem moderne Gräber standen, aber für eine Eule oder den Owlman gab es dort definitiv zu wenig schützende Bäume. In der Ferne sahen wir nichts als einige Häuser und weite Felder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also gingen wir wieder in den Wald zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum passte Valerie überhaupt nicht. „Muss das sein? Die Sonne ist schon untergegangen. Nicht mehr lange und es ist stockdunkel. Lass uns nach Hause gehen, Margarete.“ Es klang mehr nach einer Bitte als nach einem Vorschlag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn ich ehrlich war, verließ auch mich allmählich der Mut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah auf meine Armbanduhr. Wir irrten schon über eine halbe Stunde durch die Gegend, hatten jeden Quadratmeter des Waldes bestimmt schon zweimal gesehen, von einer Eule fehlte aber weiterhin jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also gut“, sagte ich laut. „Es ist kurz nach halb 10. Wir suchen noch eine Viertelstunde weiter. Wenn wir dann gehen, schaffen wir es noch, vor 10 zuhause zu sein. Dann beschweren sich auch unsere Eltern nicht.“ Und wenn das nicht reichte, war morgen auch noch ein Tag. Wenn wir nur oft genug hier waren, ohne dem Owlman zu begegnen, würde Valerie einsehen müssen, dass es ihn nicht gibt. Oder zumindest würde sie erkennen, dass sie keine Angst vor den Gerüchten haben musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Missmutig stimmte Valerie zu. „Aber um Viertel vor gehe ich nach Hause. Mit oder ohne dich“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Unterhaltung wäre jedoch überhaupt nicht nötig gewesen, wie ich nur wenige Momente später herausfinden sollte. Wir waren nur ein paar Meter weit gekommen, als eine Art Fauchen oder ein Zischen die Stille durchschnitt. Es war zu laut für eine Katze oder Ähnliches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort ging Valerie in die Hocke. Und auch ich ging ein wenig in die Knie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was war das?“, zischte Valerie mir zu. „Ist das eine Eule?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht“, erwiderte ich. Aber um ehrlich zu sein, wusste ich es nicht. Zwar hatte ich gelesen, dass Eulen fauchen können, aber ich hatte keine Ahnung, wie es sich anhörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder ein Fauchen. Diesmal kürzer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entschlossen griff ich nach Valeries Hand. Ich zog sie zaghaft wieder auf die Beine. „Komm mit“, forderte ich sie auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesmal tat ich es jedoch nicht, weil ich sie unbedingt überzeugen wollte. Nein. Ich tat es aus Neugierde. Aber auch, weil ich zu viel Angst hatte, um allein nach dem Ursprung des Geräusches zu suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Valerie folgte mir nur widerwillig. Zwar wehrte sie sich nicht, aber ich musste sie mehr hinter mir herziehen, als dass sie mir nachging.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Knirsch, knirsch, knirsch.</em> Ich verfluchte das Laub unter unseren Füßen. Falls es eine Eule war, wollte ich sie auf keinen Fall aufschrecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch spähte ich von Baumkrone zu Baumkrone. Wo war das Fauchen hergekommen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich blieb Valerie stehen. „Margarete“, jammerte sie kaum hörbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ruckartig drehte ich mich zu ihr um. Ihr Blick war stur zur Seite gerichtet. Sie war wie erstarrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das „Was ist?“ blieb mir jedoch im Halse stecken. Als ich ihrem Blick folgte, fiel mir fast sofort eine große silbergraue Gestalt auf. Sie war am ganzen Körper mit Federn bedeckt, hatte jedoch keinen Schnabel, sondern einen klaffenden schwarzen Mund. Das auffälligste waren hingegen die großen roten Augen, die in der Dämmerung fast zu leuchten schienen. Der Owlman.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen Moment, bis ich mich wieder gefangen hatte, meine Schockstarre wieder verlassen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als mein Hirn wieder arbeitete, fiel mir auf, wie klein der Owlman war. Er war vielleicht anderthalb Meter groß. Fast wie ein Kind, das sich verkleidet hatte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ Valeries Hand los und verschränkte die Arme vor der Brust. „Schickes Kostüm. Aber mir jagst du damit keine Angst ein!“, rief ich ihm entgegen. Mawnan Smith war nicht das größte Dorf. Wenn es ein Kind aus der Gegend war, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich es kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein nächstes Fauchen ließ mich nicht einmal zusammenzucken. Ich war mir so sicher, die Oberhand in der Situation zu haben. Dann breitete der Owlman jedoch seine Flügel aus. Seine Flügelspanne war gigantisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich zuerst für einen Einschüchterungsversuch hielt, entpuppte sich schnell als etwas anderes. Er beugte sich nach vorn, begann mit den Flügeln zu schlagen und hob schließlich mit ein paar kräftigen, fast majestätischen Schlägen vom Boden ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit offenem Mund starrte ich ihn an, während er höher und höher stieg. Wieder ein Fauchen. Dann stürzte sich das Wesen auf uns zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war wie erstarrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Valerie stieß mich zur Seite, sodass der Owlman uns knapp verfehlte. Anschließend nahmen wir unsere Beine in die Hand und rannten. Wir rannten um unser Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laub und Äste knirschten unter unseren Füßen. Falls der Owlman uns verfolgte, waren seine Flügelschläge komplett still – genau wie die einer Eule. Ich traute mich jedoch nicht, nach hinten zu schauen, hatte zu viel Angst, über eine Wurzel zu stolpern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst als wir wieder ebenen Boden unter den Füßen hatten, warf ich einen Blick über die Schulter. Von dem Owlman fehlte jede Spur. Trotzdem wurden Valerie und ich nicht langsamer. Wir rannten weiter, um die Kirche herum, über den Parkplatz und die schmale Straße entlang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich erreichten wir die ersten Häuser. Wir wurden langsamer, blieben schließlich stehen, um wieder zu Atem zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo ist er?“, fragte Valerie, die jetzt den Himmel absuchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Ahnung“, schnaufte ich. „Er ist weg.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille, nur unterbrochen von unserem gemeinsamen Schnauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das war eine scheiß Idee“, sagte Valerie schließlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte sie schief an. „Das weiß ich jetzt auch. Kannst du mir verzeihen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie musterte mich einen Moment. Dann nickte sie und hielt mir ihre Hand hin. „Komm. Lass uns nach Hause gehen.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Owlman of Mawnan (Englisch für „Der Eulenmann von Mawnan“), oft nur „Owlman“ oder „Cornish Owlman“ genannt, ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Kryptid</a> aus dem Dorf Mawnan Smith in Cornwall, England.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund seiner äußerlichen Erscheinung wird er oft mit dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mothman">Mothman</a> verglichen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Owlman wird als eine menschengroße, meist grau-, seltener braungefiederte Kreatur beschrieben. Einige Zeugen bezeichneten ihn als halb Mensch halb Vogel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine genaue Größe variiert je nach Augenzeugenbericht von ca. 5 Fuß (~1,5 Meter) bis „groß wie ein Mann“. Ähnlich verhält es sich mit der mal grau, mal braun oder sogar grau-braun beschriebenen Farbe seines Gefieders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Worin die meisten Augenzeugen sich jedoch einig sind, sind seine großen rotleuchtenden Augen sowie seine schwarzen Fußkrallen, die mit den Scheren eines Krebses oder Zangen verglichen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein restliches Gesicht wurde eher selten beschrieben. Ich weiß aber von mindestens zwei unabhängigen Augenzeugenberichten, in denen von einem großen schwarzen Mund oder Maul die Rede war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll er Hörner oder spitz zulaufenden „Ohren“ (ähnlich wie die Federohren eines Uhus) besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">(An dieser Stelle noch eine kleine Randbemerkung: Bei Federohren handelt es sich in Wirklichkeit um lange Kopffedern, die einige Eulen haben. Mit ihren tatsächlichen Ohren haben sie allerdings nichts zu tun.)</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über die Eigenschaften oder das Verhalten des Owlmans ist relativ wenig bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er wurde jedoch häufiger dabei beobachtet, wie er in der Nähe der St Mawnan and St Steven Church (ja, die Kirche wurde nach zwei Heiligen benannt) durch die Luft geflogen ist oder nicht zu weit entfernt auf dem Boden oder auf Ästen stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall ist er nicht aggressiv und ergreift die Flucht, nachdem er entdeckt wurde. Es gab jedoch auch einige Zeugen, die behauptet haben, vom Owlman angegriffen oder verfolgt worden zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant ist hierbei, dass die meisten Augenzeugenberichte am Abend stattgefunden haben, wenn es noch nicht ganz dunkel war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wurde häufig von einer Art Fauchen, Zischen oder einem statischen Rauschen berichtet, das von dem Owlman ausgegangen sein oder in der Luft gelegen haben soll. Einige Augenzeugen berichteten, dass es auch nach seinem Verschwinden weiter zu hören war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt fanden die meisten Owlman-Sichtungen in der Nähe der St Mawnan and St Steven’s Church in Mawnan Smith in Cornwall, England statt. Die Kirche samt Friedhof ist von einem kleinen Waldstück und Feldern umgeben. Außerdem liegt sie fast direkt am Ärmelkanal.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Leute führen die erste Owlman-Sichtung auf einen Bericht von Anthony Nicol „Doc“ Shiels aus dem Jahr 1976 zurück. Shiels war ein paranormal Investigator aus Cornwall, der dafür bekannt war, sich Hoaxes (Falschmeldungen) auszudenken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sichtung 17. April 1976:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Shiels zufolge hat sich der Vater von June (12) und Vicky (9) Melling an ihn gewandt, da seine Töchter am 17. April 1976 einen Vogelmann – den Owlman – über der St Mawnan and St Steven’s Church in der Luft kreisen gesehen hätten. Die Töchter selbst durfte Shiels zwar nicht befragen, Melling übergab ihm jedoch eine Zeichnung des Owlmans, die seine Töchter angefertigt hatten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sichtung 03. Juli 1976:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die nächste Sichtung – im Juli 1976 – machten die beiden 14-jährigen Mädchen Sally Chapman und Barbara Perry, die ebenfalls Shiels davon berichteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich hatten sie bei einem Campingausflug in der Nähe der Kirche am Abend eine Art Fauchen gehört. Als sie es sich näher ansehen wollten, entdeckten sie einen „unnormal großen Vogel mit silbergrauem Gefieder“. Auch berichteten sie von großen rotleuchtenden Augen und schwarzen Klauen statt Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu der Zeit wussten sie bereits von dem Owlman, da nach der ersten Sichtung eine Broschüre veröffentlicht wurde, die über das Wesen berichtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie dachten, es handle sich um ein Kostüm, dass jemand sich für den Owlman ausgäbe, und lachten zuerst über ihn. Dann jedoch soll sich der Owlman in die Luft erhoben haben und davongeflogen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Shiels entschied, die beiden Mädchen getrennt voneinander zu befragen. Auch sie fertigten je eine Zeichnung von dem an, was sie gesehen hatten. Sie ähnelten einander sowie der Zeichnung von Melling, waren aber – so Shiels – „unterschiedlich genug, um eine Verschwörung auszuschließen“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sichtung 04. Juli 1976:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade einmal einen Tag später kam es bereits zu der nächsten Sichtung. Ein weiteres Schwesternpaar berichtete davon, dass sie den Owlman aus nächster Nähe in einem Baum gesehen hätten, ehe er davongeflogen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie beschrieben das Wesen als einen silbergrauen Vogelmann mit roten Augen und schwarzen Krabbenscheren statt Füßen. Außerdem ergänzten sie, dass er einen großen schwarzen Mund gehabt hätte (wie man ihn auch auf den Zeichnungen der anderen Zeuginnen erkennen konnte).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem der Owlman fort war, wollen sie eine Art Knistern in den Baumkronen gehört haben, das eine ganze Weile anhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besonderheit bei dieser Sichtung ist, dass sie nicht von Shiels berichtet wurde, sondern, dass die Mädchen sich damit direkt an die Falmouth Packet – eine lokale Zeitung – gewandt hatten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Sichtungen und Fazit:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin gab es unzählige weitere Sichtungen, besonders in den 70er und 80er Jahren, aber auch vermehrt in den 90ern sowie vereinzelt sogar bis heute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darunter waren Berichte von zufälligen Augenzeugen, aber auch von Erforschern des Paranormalen, die gezielt nach dem Owlman gesucht hatten. In einigen von ihnen wurde davon berichtet, dass der Owlman die Zeugen angegriffen oder verfolgt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auffällig ist auch, dass einige Zeugen statt von dem ursprünglich grauen Gefieder plötzlich von einem grau-braunen oder sogar nur braunen Gefieder berichtet haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man all diese Fakten zusammen betrachtet, gehe ich davon aus, dass Anthony Shiels den Owlman lediglich erfunden hat – wie gesagt war er dafür bekannt, Hoaxes in die Welt zu setzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den ersten Zeugenberichten könnten sich die Gerüchte verselbstständigt haben, woraufhin die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> des Owlman of Mawnan entstanden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Theorie besagt, dass die Augenzeugen lediglich einen Uhu gesehen hätten, den sie in der Dämmerung für ein Monster hielten. Das würde dahingehen Sinn ergeben, dass Uhus durchaus in Kirchtürmen ihre Nester bauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits gibt es in Großbritannien nur sehr wenige freilebende Uhus. Sie sind Nachkommen entflohener Tiere, deren Zahl je nach Quelle auf etwa 2 bis 40 Brutpaare in ganz Großbritannien geschätzt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Uhu sich 1976 nach Mawnan Smith verirrt hat, ist daher sehr gering – es ist aber nicht unmöglich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Owlman in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen ist der Owlman in Mawnan Smith größtenteils in Vergessenheit geraten. Trotzdem erfreut er sich weltweit noch immer großer Beliebtheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wurde im Jahr 1997 das Buch „The Owlman and Others“ von Jonathan Downes veröffentlicht, in dem der Autor den Fall sowie die Zeugenaussagen genau unter die Lupe nimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hatte der Kryptid bereits Auftritte in Fernsehserien wie der Found Footage Serie „Lost Tapes“ (S1 F7: Death Raptor) oder der Kinderabenteuerserie „The Secret Saturdays“ (S1 F9: Der Eulenmann frisst um Mitternacht).</p>



<p class="wp-block-paragraph">2013 erschien der schottischer Low-Budget Horrorfilm „Lord of Tears“, in dem der Owlman den Antagonisten darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen ist sogar das Videospiel „Owlman“ (2023) herausgekommen, in dem man von dem Owlman gejagt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders im Internet lebt die Legende das Owlman außerdem in unzähligen Fanarts und sogar Merchartikeln weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Owlman of Mawnan? Gibt es die Kreatur wirklich, oder handelt es sich nur um einen außer Kontrolle geratenen Hoax oder sogar einen Uhu? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Myling – Folge nicht seinen Schreien!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Mar 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Meine Geschichte über den Myling spielt an einem Ort, der euch bereits von einer anderen Geschichte bekannt sein dürfte. Es war zwar nicht geplant, hatte aber zu gut gepasst, damit ich es nicht dort spielen lasse. Und wer weiß, vielleicht erwarten euch ja noch weitere Geschichten aus diesem kleinen schwedischen Dörfchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Kindes<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schnee knirschte unter meinen Füßen, während ich von Kalle, meinem treuen braunen Labrador, an seiner Leine durch den Wald gezogen wurde. Es war bereits März. Trotzdem lagen die Temperaturen hier in Schweden häufig noch unter 0 °C.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte die Kälte jedoch kaum. Wie so oft, wenn ich mit Kalle allein Gassi ging, wanderten meine Gedanken zu meiner Tochter Maja. Ich hatte sie letzten Monat bei einem Autounfall verloren. Den Fahrer traf keine Schuld. Er war ins Schlittern gekommen und hatte die Kontrolle über sein Auto verloren. Aber natürlich änderte das nichts an der Leere, die ich seit jenem Tag spürte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wäre Thorbjörn, ein alter Schulfreund, den ich letztes Silvester zufällig wiedergetroffen hatte, nicht gewesen, weiß ich nicht, wie ich nach dem Unfall hätte weiterleben sollen. Es war Glück im Unglück, dass er an dem Tag, als Maja starb, bei mir gewesen war, sodass er mich wenigstens etwas hatte auffangen können. Aber auch er konnte das Loch in meinem Herzen nicht füllen, dass der Tod meiner Tochter hineingerissen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein plötzliches Knurren vor mir riss mich aus meinen Gedanken. Kalle stand am Wegesrand und bellte ins Unterholz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell wischte ich die Tränen aus meinen Augen und ging zu ihm. „Was ist? Was hast du gesehen, mein Junge?“, fragte ich, während ich selbst in den dunklen Wald spähte. Ich konnte nichts Auffälliges entdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich war es bloß ein Reh oder ein Hase. Andererseits verirrten sich manchmal Wölfe und Bären in diese Gegend. Ich selbst war zwar noch nie einem von ihnen begegnet, entschied aber, es nicht darauf ankommen zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich Kalle jedoch zaghaft an seiner Leine weiterziehen wollte, stemmte er sich mit seinem gesamten Gewicht dagegen. Auch das war noch nie vorher vorgekommen. War es also wirklich ein potenziell gefährliches Tier?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch ging ich im Kopf alles durch, was ich über Begegnungen mit Wölfen und Bären erinnerte: Das Wichtigste war, dass ich mich groß machte, Lärm machen sollte und auf keinen Fall weglaufen oder mich umdrehen durfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also stand ich da, neben meinem bellenden Hund, hob die Arme über den Kopf und rief in den Wald hinein. „Hej Bär, hej Wölfe. Falls ihr da draußen seid, haut ab. Wir wollen euch nichts Böses!“ Vorsichtshalber zog ich sogar die Handschuhe aus und klatschte einige Male in die Hände, ehe ich sie wieder über den Kopf hob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es rauschte ein sanfter Wind durch die Bäume. Ansonsten hörte ich nichts. Kein Knirschen im Schnee, kein Geraschel oder Knacken im Unterholz. Nichts, das auf ein wildes Tier hindeutete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich ertönte eine leise Stimme. „Hallo?“ Es klang wie ein Kind, das den Tränen nahe war. „Mama?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Maja!</em>‘, schoss es mir sofort in den Kopf. Aber natürlich war sie es nicht. Meine Tochter war tot. Außerdem war das eindeutig eine Jungenstimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer ist da?“, rief ich in den Wald hinein. Ich ließ die Hände sinken und zog meine Handschuhe wieder an. „Hast du dich verirrt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kind antwortete nicht. Stattdessen ertönte ein leises Schluchzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hee, alles wird gut“, erwiderte ich, während ich einige vorsichtige Schritte ins Unterholz tat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle hielt sich eng an mich, während er mir mit eingeklemmtem Schwanz folgte. Wenigstens bellte er nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mein Name ist Jonna“, fuhr ich fort. Mit Glück kannte ich den Jungen aus Majas Schule. Oder von früher aus ihrem Kindergarten. „Kommst du aus dem Dorf?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das Kind antwortete mir nicht mehr. Durch sein lautes Geschluchze hatte ich es trotzdem schnell ausfindig gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um Himmels willen!“, stieß ich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein kleiner blonder Junge hockte vor mir im Schnee. Er trug dünne, abgenutzte Kleidung, hatte bleiche, dreckverschmierte Haut und sah abgemagert aus. Wenn es dafür nicht viel zu kalt gewesen wäre, hätte ich fast gedacht, dass er bereits einige Tage durch den Wald geirrt sein muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist passiert? Wo sind deine Eltern?“, fragte ich besorgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein kleiner Körper zitterte zwar nicht, aber ich war mir trotzdem sicher, dass er völlig durchgefroren sein musste. Also machte ich mich daran, meine Daunenjacke auszuziehen, während ich auf ihn zuging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle blieb hingegen in einigem Abstand stehen. Er kauerte sich zusammen und knurrte das Kind an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschrocken drehte ich mich zu ihm um. „Kalle! Aus! Du machst dem Jungen noch Angst!“, schimpfte ich, nichtahnend, dass er mich bloß beschützen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ging alles sehr schnell: In dem kurzen Moment, in dem ich ihm den Rücken zugedreht hatte, schrie der Junge plötzlich auf und stürzte sich auf mich. Er sprang auf meinen Rücken und klammerte sich an mich, indem er fest die Arme um mich legte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? He … Du tust mir weh!“, schrie ich, während ich panisch versuchte, seine Arme von meinem Hals zu entfernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kind war ungewöhnlich stark. Besonders für seinen Zustand. Trotzdem tat ich mein Möglichstes, ihn so sanft ich konnte von meinem Rücken zu entfernen – ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle war dabei die ganze Zeit am Bellen. Trotzdem versuchte er nicht, das Kind anzugreifen, fast als hätte er Angst vor ihm. Und so langsam verstand ich, warum: Was auch immer dieses Ding auf meinem Rücken war, es war kein normaler Junge. Wie sonst konnte man erklären, dass ich, eine erwachsene Frau, seine Arme nicht einen Zentimeter bewegen konnte, egal wie sehr ich daran zerrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bring mich zu einem Friedhof!“, zischte der Junge mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte mich zum Innehalten. „W-was?“, fragte ich irritiert. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Begrab mich in geweihtem Boden, damit ich endlich Frieden finden kann!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment hatte ich das Gefühl, als würde mein Gehirn aufhören zu funktionieren. Es ergab für mich keinen Sinn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das alles vielleicht nur ein kranker Scherz? Aber wie könnte ein Scherz meinen Hund dazu bringen, den Jungen zu fürchten? Außerdem konnte kein Scherz der Welt einem Kind solche Muskelkraft verleihen, dass ich seine Arme nicht ansatzweise bewegen konnte. Nicht einmal mit all dem Adrenalin, das gerade durch meinen Körper schoss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn das hier kein Scherz war, meinte der Junge die Aufforderung ernst. Er wollte lebendig begraben werden. Oder war er vielleicht gar nicht lebendig?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das befreite mich endlich aus meiner Starre. „Okay! Okay“, erwiderte ich, während ich mich in Bewegung setzte. Kalle folgte mir in einigem Abstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte zwar keine Ahnung, was hier vor sich ging, aber wenn sich ein anscheinend übermenschlich starkes Wesen an meinen Rücken klammerte, das mir wahrscheinlich mit Leichtigkeit den Kopf abreißen konnte, wollte ich es bestimmt nicht wütend machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg versuchte ich weiter, meine Gedanken zu sortieren. Es gelang mir nicht wirklich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen fiel mir bald auf, dass meine Beine schwächer wurden. Zuerst dachte ich, es wäre bloß der Adrenalinschub, der allmählich nachließ, aber je näher ich meinem Auto kam, desto schwerer lastete der Junge auf meinen Schultern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch merkte ich, wie mein Atem vor Anstrengung immer schwerfälliger wurde. Eine Art Müdigkeit machte sich in mir breit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Anfang versuchte ich noch, mich mit der Natur um mich herum abzulenken. Aber obwohl es mir sonst nie sonderlich schwerfiel, die Schönheit der Natur wahrzunehmen, wirkte sie jetzt fast schon erdrückend. Die Bäume ragten hoch über mich hinaus, als würden sie auf mich herabblicken. Die Dunkelheit zwischen den Bäumen kam mir vor, als würde sie mich beobachten. Ein Gefühl der Enge machte sich in meinem Brustkorb breit. So ähnlich hatte ich mich auch gefühlt, als ich Maja verloren hatte. Als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strauchelte. Erst jetzt fiel mir auf, dass es nicht die Natur war, die mich fast erdrückte, sondern das Gewicht auf meinem Rücken. Der Junge war inzwischen so schwer geworden, dass ich Probleme hatte, geradeaus zu gehen. Mühsam setzte ich einen Fuß vor den anderen, bis ich endlich den Parkplatz erreichte. Selbst das Herauskramen meines Autoschlüssels aus der Jackentasche kam mir wie eine nahezu unschaffbare Aufgabe vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einigen Anläufen hatte ich es endlich geschafft. Ich öffnete die Autotür und ließ Kalle auf den Rücksitz springen, ehe ich mich selbst auf den Fahrersitz fallenließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum schien dem Jungen zu missfallen. „Keine Pause machen! Steh auf und bring mich zum Friedhof!“, schrie er mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich …“, presste ich hervor. Erschrocken stellte ich fest, dass mir selbst das Sprechen inzwischen schwerfiel. „Ich mach keine Pause. Wir fahren das letzte Stück. Geht … schneller …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Junge antwortete nicht, aber ich merkte genau, wie er hibbelig wurde, spürte seinen misstrauischen Blick in meinem Nacken. Wusste er nicht, was ein Auto war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald ich den Motor gestartet hatte und wir uns in Bewegung setzten, entspannte er sich schnell wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem merkte ich, wie ich weiter schwächer wurde. Ich hatte gehofft, dass das Sitzen helfen würde, ich hier wieder zu Kräften kommen könnte. Stattdessen verschwamm meine Sicht allmählich. Kalles Gebell auf dem Rücksitz klang ungewöhnlich weit weg. Ich hatte Probleme, die Spur zu halten, musste mich mehr und mehr auf die Straße konzentrieren, geriet immer wieder auf die Gegenfahrbahn. Zum Glück war ich um diese Uhrzeit allein auf der Straße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich kamen die Lichter meines Heimatdorfes in Sicht. Die Fahrt war nicht sonderlich lang, immerhin ging ich mit Kalle immer nur knapp außerhalb der Gemeinde spazieren, wenn wir eine größere Runde planten. Und so hatte ich die Straße, in der die Kirche und der Friedhof lagen, bald erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort angekommen betätigte ich wieder und wieder die Hupe. Das schien den Jungen, der sich noch immer fest an mich klammerte, zu verwirren. Ich merkte, wie er sich ruckartig umsah. Aber entweder wusste er nicht, dass ich den Lärm machte, oder er hinterfragte es nicht weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich hielt ich an. Ich fuhr jedoch nicht bis zur Kirche oder dem Friedhof ein Grundstück weiter. Ich wusste genau, dass ich es in meinem Zustand niemals schaffen würde, den Jungen zu begraben. Stattdessen hielt ich meinen Wagen bei dem Haus davor. Es gehörte Einar, unserem Pfarrer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort angekommen betätigte ich noch einige Male die Hupe, ehe ich schließlich die Fahrertür aufstieß. Ich versuchte, auszusteigen, aber meinen Beinen fehlte die Kraft. Stattdessen landete ich mit meinen Handflächen auf dem kalten Bürgersteig, schaffte es nur mühsam, meine Beine aus dem Auto zu ziehen, während die Welt um mich mehr und mehr verschwamm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Letzte, was ich sah, war, wie sich die Haustür des Pfarrers öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer ist da? Um Gottes willen, Jonna!“, hörte ich Einar meinen Namen rufen. Seine Stimme klang weit entfernt. Trotzdem konnte ich noch hören, wie er zu uns rannte. „Lass sie los, Myling!“, schrie Einar. „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufe ich dich auf den Namen Jon!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr bekam ich nicht mehr mit. Im nächsten Moment verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich wieder zu mir kam, lag ich, zugedeckt mit einer Wolldecke, auf einem Sofa. Von dem Jungen fehlte jede Spur. Dafür lag Kalle dicht an mich gekuschelt bei mir. Sobald er merkte, dass ich wach war, bellte er freudig, wedelte mit dem Schwanz und schlabberte mir durchs Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He! Ist ja gut. Ist ja gut mein Junge, ich bin wach“, sagte ich, während ich mich halbherzig gegen seinen Angriff wehrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment ging eine Tür auf. Einar kam mit besorgter Miene auf mich zu. „Jonna. Gott sei Dank, du bist wach. Wie geht’s dir?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um ehrlich zu sein, ziemlich beschissen“, gestand ich. „Was ist passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pfarrer zögerte. „Ich … Ich weiß nicht, wie sehr du dich mit den alten schwedischen Sagen auskennst“, begann er. „Aber dieses Wesen, das du auf dem Rücken hattest, nennt man einen Myling.“ Er musterte mich einen Moment, als wolle er abschätzen, ob ich ihm glaubte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Myling?“, wiederholte ich. Vor wenigen Stunden noch hätte ich unseren Pfarrer für solch eine Aussage wahrscheinlich als verrückt bezeichnet, aber nach dem, was mir widerfahren war, war mir jede Erklärung recht, die mir eine Antwort lieferte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Myling ist ein Wiedergänger. Ein Untoter. Den Legenden nach entstehen sie, wenn ein ungetauftes Kind getötet oder im Wald ausgesetzt wird. Sie können nur ihren Frieden finden, wenn sie in heiligem Boden begraben werden oder wenn sie …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„… wenn sie getauft werden“, beendete ich seinen Satz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einar nickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen hatte er den Jungen also Jon getauft. Er hatte mir damit das Leben gerettet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pfarrer legte mir eine Hand auf den Arm. „Es tut mir leid, dass das ausgerechnet dir widerfahren ist, Jonna. Nach allem, was du durchgemacht hast.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte schief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du kannst jedenfalls hierbleiben, solange du willst“, bot er mir an. „Nur die Nacht oder bis du dich besser fühlst.“ Dann lächelte er noch einmal, ehe er seine Hand von meinem Arm löste. Nach einem kurzen Zögern drehte er sich schließlich um und wollte gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte“, hielt ich ihn auf. „Du siehst aus, als wenn du noch etwas sagen wolltest.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einar seufzte schwer. „Es ist nur … Ich hatte schon damit gerechnet, dass so etwas passiert. Zu Weihnachten hatte irgendein Verrückter den Årsgång durchgeführt. Das ist ein unchristliches Ritual, mit dem man angeblich die Zukunft voraussehen kann. Ich hatte bereits befürchtet, dass dadurch übernatürliche Wesen auf unser Dorf aufmerksam geworden sind. Wir können nur hoffen, dass dem Myling keine Weiteren folgen.“</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Myling, auch Myrding (Schwedisch für „Ermordetes“), ist ein Wiedergänger des skandinavischen Volksglaubens. In Norwegen wird das <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> Utburd genannt, in Island Útburður und bei den Samen u. a. Ihtiriekko.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> nach entsteht ein Myling, wenn ein Kind, oft ein Neugeborenes, ungetauft stirbt – meist, weil es von den Eltern ermordet oder im Wald ausgesetzt wurde     – und anschließend nicht ordnungsgemäß bestattet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist besonders früher oft vorgekommen, als Abtreibung noch verboten und uneheliche Kinder als Schande angesehen oder sogar kirchlich bestraft wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderer häufig genannter Grund ist, dass die Eltern keine finanziellen Mittel besaßen, um das Kind zu ernähren, und keinen anderen Ausweg sahen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltener sind Mylingar die Wiedergänger von Totgeburten, die nicht ordnungsgemäß bestattet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Svenska Akademiens Ordbok (Schwedisch für „Wörterbuch der Schwedischen Akademie“) ist außerdem aufgeführt, dass ein Myling auch der Wiedergänger eines ermordeten Erwachsenen sein kann, der nicht ordnungsgemäß bestattet und dessen Mörder nicht bestraft wurde. Hierzu habe ich jedoch keine historischen Belege gefunden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Mylingar im Normalfall Wiedergänger von Neugeborenen sind, nehmen sie das Aussehen von sechs- bis 12-jährigen Kindern an. Sie haben blasse Haut und sind oft abgemagert und verdreckt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als Wiedergänger, also Untote, halten sich Mylingar für gewöhnlich in der Nähe des Ortes auf, an dem sie begraben oder ihre Leiche versteckt wurde. Dort soll man nachts außerdem oft das Geschrei eines Kindes oder Babys hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte sich jemand auf die Suche nach dem Ursprung des Geschreis machen oder zufällig dem Myling begegnen, so springt der Myling den meisten Geschichten nach auf den Rücken der Person und klammert sich dort fest. Anschließend verlangt er, zu einem Friedhof oder geweihtem Boden gebracht und dort begraben zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da man sie nicht abschütteln kann, folgen die meisten Betroffenen der Bitte. Auf dem Weg zum Friedhof bzw. geweihtem Boden wird der Myling jedoch immer schwerer und schwerer. Sollte man es nicht rechtzeitig schaffen, den Ort zu erreichen, können sie angeblich so schwer werden, dass die Füße des Menschen im Boden versinken oder er unter der Last zusammenbricht, woraufhin der Myling wütend wird und den Menschen ermordet und sich auf die Suche nach seinem nächsten Opfer macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen entzieht ein Myling einem die Lebensenergie, während man ihn trägt. Irgendwann ist man schließlich so schwach, dass man zusammenbricht und stirbt. Diese Version würde auch zu anderen Wiedergängerlegenden passen, da die Berührung eines Wiedergängers den Menschen im Normalfall das Leben entzieht. So kann man daraufhin beispielsweise todkrank werden, die berührte Stelle kann abfallen, verbrennen oder verfaulen oder der Mensch kann sterben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte man es hingegen schaffen, den geweihten Boden zu erreichen, lässt der Myling von einem ab, woraufhin man ihn begraben und somit seine Seele befreien kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Legenden verlangt der Myling einen Namen und es reicht aus, ihm einen zu geben, oder der Myling muss sich an seiner Mutter rächen, um Frieden zu finden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mylingar wurden hauptsächlich in Skandinavien gesichtet. Dort können sie überall auftauchen, wo ein ungetauftes Kind gestorben ist bzw. sein Leichnam versteckt oder begraben wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Geschichten kommen sie in Wäldern oder auf dem Grundstück der Eltern vor.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Glaube an Mylingar geht wahrscheinlich auf den früher oft begangenen Kindsmord zurück. Die häufigsten Gründe hierfür waren, wie bereits erwähnt, dass die Eltern keine finanziellen Möglichkeiten hatten, das Kind zu ernähren, oder das Kind unehelich war und die Eltern somit von der Kirche bestraft und gesellschaftlich missachtet worden wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war die Aufklärung früher nicht so weit wie heute, Verhütungsmittel waren deutlich weniger verbreitet und Abtreibungen waren verboten. Ungewünschte Kinder kamen also sehr viel häufiger vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie alt der Glaube an die Mylingar ist, habe ich hingegen nicht herausfinden können. Im Svenska Akademiens Ordboka ist eine Quelle aus dem frühen 17. Jahrhundert aufgelistet, die Legende kann aber natürlich noch deutlich älter sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Myling? Hat euch meine Geschichte gefallen? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr nachts Kinderschreie aus dem Wald hört? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Weiße Frau von Ebersberg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jun 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Jetzt kam das einzige Licht von den Kerzen in der Kapelle, die Kens Schatten geisterhaft an die Wände warfen. Auch kam es mir vor, als wäre es plötzlich einige Grad kälter geworden, während die Bäume und Büsche um uns herum im Wind raschelten ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/bc2ae4d0e4ca4b85875bacf06467eecc" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutsche Legende</a>. Wisst ihr, wie ihr euch verhalten müsst, wenn ihr den Geist am Straßenrand stehen seht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor es jedoch mit der Geschichte losgeht, habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die schlechte ist, dass ich es aus beruflichen Gründen die nächsten Wochen nicht schaffe, alle 14 Tage einen neuen Beitrag zu veröffentlichen. Daher wird bis voraussichtlich August erstmal nur jede dritte Woche ein neuer Beitrag kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gute Nachricht ist jedoch: Wenn ihr mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a> unterstützt, bekommt ihr dafür eine <strong>monatliche Live-Lesung</strong> als Ausgleich. Dort halte ich nämlich seit Mai mindestens einmal im Monat eine Live-Lesung auf meinem Discord Server! </p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt möchte ich euch aber nicht länger aufhalten und wünsche euch:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß im Auto. Müde lächelnd bog ich in die Staatsstraße 2080 ein. Wir waren fast am Ziel. Endlich. Nach fünf langen Stunden Autofahrt inklusive Feierabendverkehr und einem gefühlt ewig langen Stau waren wir endlich da. Nur noch ein paar Kilometer, dann würde im Licht der Scheinwerfer die kleine weiße Kapelle am Straßenrand auftauchen, bei der wir uns treffen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Ganz schön unheimlich</em>‘, schoss es mir in den Kopf, während ich mich umsah. An der Waldstraße vor uns gab es keine einzige Straßenlaterne mehr. Die Straße war zwar asphaltiert, aber zu meiner Linken und meiner Rechten sah ich nichts als einige Äste und klaffende Schwärze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war ich voller Vorfreude. In wenigen Minuten würde ich meine besten Freunde treffen. Wir kannten einander aus einem Onlinespiel und waren quer durch Deutschland verteilt. Daher könnt ihr euch sicher vorstellen, wie schwierig es war, das Treffen zu planen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Falls ihr euch fragt, wieso ich dafür in einen dunklen Wald fuhr: Das war Kens Idee gewesen. Die Kurzform für Kenney, wie ihr Charakter hieß. Sie war unser Healer und ein ziemlicher Freak, wenn auch auf die bestmögliche Weise. Sie wohnte ganz in der Nähe und sollte dieses Wochenende unsere Gastgeberin sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber bevor ihr mich jetzt für völlig bescheuert haltet, weil ich nachts in einen dunklen Wald fuhr, um einige Internetbekanntschaften zu treffen, kann ich euch beruhigen: Zum einen war das nicht unser erstes Treffen, ich kannte den verrückten Haufen also schon, und zum anderen saß mein zwei Jahre älterer Bruder, einer unserer Damage Dealer, schlafend auf dem Beifahrersitz. Ich war also nicht alleine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He, Marvin, wir sind fast da“, sagte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort schreckte mein Bruder hoch. Er brauchte einige Sekunden, um sich zu orientieren, dann sah er sich unruhig um. „Ganz schön dunkel hier“, stellte er fest. „Bist du sicher, dass wir hier richtig sind, Linus?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grinste breit. Obwohl mein Bruder ein ziemliches Muskelpaket war, war er ein ganz schöner Schisser. „Wir sind sogar schon auf der richtigen Straße“, erklärte ich nicht ganz ohne Schadenfreude.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marvin machte große Augen. „Wenn wir hier überfallen oder entführt werden, dreh ich Ken den Hals um“, murrte er leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach was“, erwiderte ich grinsend. „Du weißt doch, was Mama immer gesagt hat. Wenn irgendjemand uns entführt, bringt er uns spätestens am nächsten Tag freiwillig zurück.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marvin antwortete mit einem unverständlichen Grummeln. Dann sagte er lauter: „Wir sind fast 30 Minuten zu spät. Wenn die anderen ohne uns irgendwo hingefahren sind, will ich nicht in einem dunklen Wald stehen, während wir das klären!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daran hatte ich noch nicht gedacht, aber zum Glück war seine Sorge unnötig. Wenige Augenblicke später tauchte ein kleines weißes Gebäude am Straßenrand vor uns auf. Das musste die Hubertuskapelle sein. Und direkt davor stand eine kleine Gruppe aus drei mir sehr vertrauten Gestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort wurde ich langsamer. Dann bog ich auf den kleinen ungepflasterten Parkplatz ab, auf dem auch die Autos der anderen standen. Im Scheinwerferlicht sah ich noch eine achtlos weggeworfene Chipstüte auf dem grauen Kies liegen, ehe ich den Motor abschaltete und mit einem breiten Grinsen aus dem Auto stieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es schon spät war, herrschte noch immer eine wohlige Sommerwärme. Ich atmete die angenehme Waldluft tief ein, in der ein Geruch von Erde mitschwang, ehe ich mich den knirschenden Schritten zuwandt, die sich uns näherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Druid, hey Blade“, grüßte uns ein großgewachsener Mann mit Vollbart und auffällig hoher Stimme. Er trug ein orangenes T-Shirt mit der Aufschrift. ‚Do Quests Not Crime!‘. Das war Balrog. Er war unser Tank und der Gründer unserer kleinen Gruppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Druid und Blade hingegen waren die Usernames von mir und meinem Bruder. Natürlich kannten wir auch die richtigen Namen der anderen, aber es fühlte sich irgendwie falsch an, sie untereinander zu benutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem waren da noch Ken, die selbst in unserer bunten Truppe mit ihrem schwarzen Lippenstift, unzähligen Piercings und ihrem schwarzen Nagellack deutlich hervorstach, und Aldur, ein Real Life Freund von Balrog und der Jüngste unserer Gruppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Leute“, grüßte ich zurück. „Sorry für die Verspätung. Blade und ich sind nach dem Stau noch im Berufsverkehr gelandet.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kein Ding“, erwiderte Ken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgte eine kurze Runde aus Begrüßungen und „Wie geht’s“s, ehe Ken uns mit einem breiten Grinsen zurück zur Kapelle führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kleine weiße Gebäude hatte ein rotes Dach und drei türlose Torbögen, durch die man direkt ins Innere treten konnte. Darin empfingen uns ein vergittertes Tor, das zu meiner Überraschung nicht abgeschlossen war, ein kleiner Altar mit allerlei christlichen Dekorationen und Blumen, eine gekreuzigte Jesusfigur und mehrere Kerzen. Bei Letzteren wurde ich das Gefühl nicht los, dass Ken etwas mit ihrer Anwesenheit zu tun hatte. Besonders, da einige von ihnen schwarz waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also Kenney, warum hast du uns mitten in der Nacht zu dieser liebreizenden Kapelle geführt?“, fragte Balrog. Eine Frage, die auch uns andere brennend interessierte. Online hatte sie darauf immer nur mit einem geheimnisvollen „Das werdet ihr dann sehen“ geantwortet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken grinste noch immer breit, während sie mit einer Hand über die weiße Wand strich. Sie war die Einzige, die durch das Gittertor getreten war. Wir anderen warteten davor. „Wisst ihr …?“, begann sie. „Es gibt da eine alte Legende über diesen Ort. Habt ihr schonmal von der Weißen Frau von Ebersberg gehört?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein schweres Seufzen ging durch unsere Runde. Wir alle wussten, wo das hinführte. Ken würde uns gleich eine ihrer Horrorgeschichten erzählen. Wie konnte es auch anders sein? Während wir anderen die Treffen mit einer Einladung nach Hause begonnen hatten, wo wir meist Pizza bestellt, Filme gesehen oder Brettspiele gespielt hatten, musste Ken sich etwas Besonderes überlegen. Alles andere hätte mich aber ehrlich gesagt bei ihr überrascht. Sie war nun einmal ein wenig abgedreht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken hob spielerisch die Augenbrauen. „Ihr kennt doch unsere Abmachung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder seufzte. „Der Gastgeber bestimmt das Programm“, sagte er leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oder die Gastgeberin“, korrigierte Ken ihn. „Also los. Macht eure Handylampen aus. Kommt schon, das wird lustig!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war sofort dabei. Direkt nach Fantasy war Horror mein zweitliebstes Genre. Die anderen hingegen schienen ungewöhnlich lange zu brauchen, bis sie die Taschenlampenfunktion auf ihren Smartphones abgeschaltet hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kam das einzige Licht von den Kerzen in der Kapelle, die Kens Schatten geisterhaft an die Wände warfen. Auch kam es mir vor, als wäre es plötzlich einige Grad kälter geworden, während die Bäume und Büsche um uns herum im Wind raschelten. Ein Auto raste auf der Straße vorbei und hüllte uns kurz in das gleißende Licht seiner Scheinwerfer. Dann begann Ken ihre Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Weiße Frau von Ebersberg ist ein Geist, der nachts auf der Staatsstraße 2080, genau hier bei dieser Kapelle, auftauchen soll. Es heißt, dass sie einst eine junge Frau gewesen sein soll, die in den 40er Jahren hier verunglückt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach war die Frau nachts allein unterwegs gewesen. Sie ist am Straßenrand entlanggegangen und hat vorbeifahrenden Autos mit erhobener Hand symbolisiert, dass sie mitgenommen werden möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hielt jedoch niemand für sie an. Die Autos fuhren einfach nur an ihr vorbei, genau wie die Autos an dieser Kapelle.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie aufs Stichwort raste auch an uns ein Auto vorbei. Der glückliche Zufall entlockte Ken ein zufriedenes Schmunzeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn auch nur eine Person sie mitgenommen hätte oder die Autos wenigstens alle an ihr vorbeigefahren wären, müsste ich diese Geschichte jedoch nicht erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn einer der Fahrer passte für einen kurzen Moment nicht auf. Keine Ahnung, ob er durch irgendetwas abgelenkt war. Vielleicht verfiel er auch in einen Sekundenschlaf oder hatte getrunken. Jedenfalls kam sein Auto von der Straße ab. Er überfuhr die arme Frau. Wobei Überfahren wahrscheinlich nicht das richtige Wort sein dürfte. Ihr seht ja, wie schnell die Autos hier vorbeirasen. Wahrscheinlich wurde ihr Körper wie ein Crashtest-Dummy mehrere Meter durch die Luft geschleudert, ehe sie ein kurzes Stück über den Boden gerollt ist und schließlich reglos liegenblieb.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir alle lauschten gespannt, während Ken eine Spannungspause machte. Dabei hörte ich, wie Aldur schwer schluckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ihr jetzt aber glaubt, dass die Frau sofort tot war, irrt ihr euch. Sie hatte den Aufprall überlebt, war sogar noch bei Bewusstsein. Der Fahrer, der natürlich sofort zu ihr gerannt kam, war entsetzt über den Anblick: Einer ihrer Arme hatte eine unnatürliche Haltung eingenommen, bog sich an einer anderen Stelle als dem Ellenbogen, ihre Wirbelsäule machte am unteren Rücken einen Knick und eines ihrer Augen starrte reglos geradeaus, während das andere den Mann fixierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Hilfe … Hilf mir … Hilfe …‘, wiederholte die Frau wieder und wieder, als wäre sie in Trance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Mann half ihr nicht. Zu entsetzt war er von dem Anblick. Das Bild der sterbenden Frau hatte sich bereits jetzt für den Rest seines Lebens in sein Gedächtnis gebrannt. Auch fürchtete er die Konsequenzen, wenn die Leute herausfanden, was er getan hatte. Also ließ er die Frau zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man einigen Gerüchten glaubt, hat er sie sogar erst vom Straßenrand weggezerrt, sie im Unterholz versteckt, damit ihr regloser Körper nicht direkt vom nächsten Auto gesehen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so, ob er sie erst versteckt hat oder direkt geflohen ist, der Mann – wenn es denn überhaupt ein Mann war – wurde nie gefasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit jenem Tag soll die ruhelose Seele der Frau, in ein weißes Kleid der Unschuld gehüllt, an dieser Straße auftauchen. Bereit, sich an jedem zu rächen, der achtlos an ihr vorbei fährt, sie nicht in sein Auto lässt, obwohl sie ihn mit erhobener Hand darum bittet. Genau wie all die Autofahrer damals, die ihren Tod hätten verhindern können.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Ken den Satz beendet hatte, blickte sie in die Runde. Trauer schimmerte in ihren Augen, auch wenn ich nicht wusste, ob es an ihrem überzeugenden Schauspiel lag, oder ob sie die Geschichte tatsächlich so sehr fühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder und Balrog hingegen, sahen sich verstohlen in der Gegend um, als befürchteten sie, dass die Weiße Frau tatsächlich jeden Moment aus dem Schatten der Bäume trat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen grinste Ken breit an. „Und was macht sie dann? Wenn sie nur am Straßenrand rumsteht, kannst du mich damit jedenfalls nicht gruseln. Vielleicht solltest du die Geschichte noch etwas ausschmücken“, schlug ich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die anderen sahen mich ungläubig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken hingegen schmunzelte. „Das mit dem Ausschmücken haben schon einige Leute versucht. So behaupten manche, dass sie mit ihren Kindern unterwegs gewesen sei, als der Unfall passiert ist. Sie seien alle drei bei dem Unfall gestorben. Aber das ist Quatsch. Jedenfalls hatte sie damals keine Kinder dabeigehabt, als meine Mama und ich sie gesehen hatten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatte sie wieder unsere volle Aufmerksamkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ihr seid ihr begegnet?“, fragte mein Bruder ungläubig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken nickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wehe, du verarschst uns!“, mahnte Balrog. „Wenn hier gleich irgendwo eine verkleidete Frau aus einem Busch springt, suchen wir uns einen neuen Healer!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zwinkerte ihm als Antwort bloß neckisch zu. Dann erzählte sie von ihrer Begegnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist jetzt schon einige Jahre her. Ich war damals noch ein kleines Mädchen gewesen, als wir nachts auf dem Heimweg waren. Mama hatte die Frau zuerst gesehen. Ihr weißes Kleid wirkte im Scheinwerferlicht wie ein Leuchtfeuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da sie wusste, wie gefährlich es für junge Frauen um diese Uhrzeit sein konnte, besonders an einem Ort wie diesem, hielt sie natürlich sofort an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinner mich nicht mehr an den genauen Wortlaut, aber sie hatte mich gebeten, das Fenster runterzukurbeln und die Frau gefragt, wo sie hinwolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau hingegen hatte kein einziges Wort gesagt. Sie stand bloß da und starrte uns eine unbequem lange Zeit durch das offene Fenster an. Ich fand das richtig gruselig. Dann hat sie endlich nach vorne geschaut und Richtung Ebersberg gezeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil das auch unser Weg war, hatte Mama ihr angeboten, dass sie hinten einsteigt, was sie dann auch sofort getan hat. Dabei hat sie weiterhin kein einziges Wort gesagt. Ich weiß aber noch, wie Mama mich damals angemeckert hat, dass ich die Frau nicht so anstarren soll. Ich sage immer gerne, dass ich gespürt hätte, dass mit der Frau etwas nicht stimmt. Aber wahrscheinlich war es nur kindliche Neugierde gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls hatte ich mich nach Mamas Mahnung wieder richtig hingesetzt und die Frau verstohlen durch die Spiegelung im Fenster beobachtet. Trotz der Dunkelheit konnte ich da nämlich ihr weißes Kleid sehr gut erkennen. Bis ich es nicht mehr konnte … Plötzlich sah ich in der Spiegelung nur noch Schwärze. Ich hab mich natürlich sofort umgedreht, aber die Frau war weg. Sie war spurlos aus dem Auto verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama hat sofort angehalten. Wir haben gemeinsam das Auto und die Straße nach ihr abgesucht, aber konnten sie nirgends finden. Es war, als hätte sie sich in Luft aufgelöst. Und wenn ihr mich fragt, hat sie das auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der Legende der Weißen Frau von Ebersberg hatten wir erst kurz danach erfahren, als Mama einem Bekannten von der Begegnung erzählt hat. Ich weiß nicht, ob er uns geglaubt hat, aber er meinte zu uns, dass wir Glück hatten. Hätten wir die Frau nicht mitgenommen, so besagt die Legende, wäre sie wenig später trotzdem in unserem Auto aufgetaucht. Sie hätte das Lenkrad zur Seite gerissen, damit wir in einen Baum rasen. Dann hättet ihr mich vielleicht nie kennengelernt …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte erst, dass ich sie mit offenem Mund anstarrte, als Kenney ihre Geschichte beendet hatte. Jetzt hatte selbst ich eine Gänsehaut. Hatte sie sich das ausgedacht, um uns zu gruseln? Oder war ihr das wirklich passiert? Ich traute ihr beides zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als dann auch noch ein Auto an uns vorbeifuhr, das plötzlich hupte – wahrscheinlich erlaubte sich der Fahrer einen Spaß –, sprang ich meinem Bruder fast auf den Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor lauter Schreck starrten wir alle so entsetzt in die Runde, als wäre uns die Weiße Frau doch noch erschienen. Danach brachen wir in schallendes Gelächter aus. Der Bann war gebrochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hatte ich mich auf dem Weg in die Kneipe, die wir nach dem Treffen bei der Kapelle besucht hatten, mehr als nur einmal im Wald umgesehen, ob ich irgendwo eine weiße Gestalt zwischen den Bäumen sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich hatte mir an jenem Abend fest vorgenommen: Sollte ich jemals Kenneys Mutter kennenlernen, würde ich sie nach der Weißen Frau fragen. Dann würde ich wissen, ob Ken sich die Geschichte bloß ausgedacht hat.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg, manchmal auch „Die Weiße Frau vom Ebersberger Forst“, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Bayern. Sie handelt von dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> einer Frau, der im Ebersberger Forst Autos anhält und darum bittet, als Anhalter mitfahren zu dürfen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viel ist über das Aussehen der Weißen Frau nicht bekannt. Es heißt nur, dass sie eine Frau ist und weiße Kleidung trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beschrieben wird sie fast immer in einem weißen Kleid. Seltener soll sie zusätzlich einen weißen Schleier tragen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt, einigen Quellen zufolge trug sich das Ereignis jedoch in den 1940er Jahren zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals soll eine Frau nachts allein auf der Straße zwischen Ebersberg und Schwaberwegen unterwegs gewesen sein, als sie nahe der Hubertuskapelle von einem Auto angefahren und tödlich verletzt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt der Frau jedoch zu helfen, beging der Fahrer des Autos Fahrerflucht und ließ sie zum Sterben zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem, so heißt es, soll der Geist der Frau als die Weiße Frau von Ebersberg auf der Straße nahe der Hubertuskapelle gesichtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternative Erzählungen berichten außerdem von einem oder zwei Kindern, die bei der Frau waren und ebenfalls gestorben sind, oder davon, dass der Fahrer die Frau sogar ins Unterholz gezerrt haben soll, ehe er geflohen ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg soll sich nachts nahe der Hubertuskapelle am Straßenrand aufhalten und versuchen, als Anhalterin mitgenommen zu werden. Einigen Leuten zufolge brennt in der Kapelle eine flackernde Kerze, wenn der Geist in der Nähe ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hält man an, um sie ein Stück mitzunehmen, merkt man entweder sofort, dass die Begegnung nicht mit rechten Dingen zugeht, da sie durch die Fensterscheibe oder das Schlüsselloch ins Auto kommt oder einfach auf der Rücksitzbank auftaucht, oder sie steigt wie ein normaler Mensch ein. Wenn man anschließend weiterfährt, läuft es ähnlich wie bei der Legende „Der verschwundene Anhalter“ ab: Die Frau verschwindet nach einiger Zeit spurlos aus dem Wagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man sie hingegen nicht ins Auto lässt, sie übersieht oder gar ignoriert, soll sie plötzlich bei voller Fahrt auf dem Beifahrersitz oder der Rücksitzbank auftauchen und einem ins Lenkrad greifen, damit man selbst einen Unfall baut.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg wurde bisher fast ausschließlich nachts auf der Staatsstraße 2080 zwischen Ebersberg und Schwaberwegen in Bayern gesichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders häufig soll sie sich dabei in der Nähe der Hubertuskapelle aufhalten, die an der Straße steht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die Legende der Weißen Frau in der kompletten Region um Ebersberg bekannt ist und sie durchaus einige Leute fürchten, gibt es aus der Gegend keine Zeitungs- oder Polizeiberichte, die von einem tödlichen Unfall oder Leichenfund einer Frau berichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch an dem Gerücht, dass die Frau in den 1940ern verunglückt sein soll, scheint nichts dran zu sein, da die Legende erstmals in den 1970er Jahren aufgekommen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem gab es auf der Staatsstraße 2080 bisher tatsächlich auffällig viele Unfälle. Begründet wird das Ganze mit der schlechten Sicht und vielen Rasern. Nachdem 1985 sogar ein Auto die Hubertuskapelle gerammt hatte, wurde die Straße umgebaut, woraufhin die Unfälle deutlich abgenommen haben. Die Staatsstraße 2080 gilt jedoch weiterhin als Unfallschwerpunkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Legende trotz fehlender Beweise großer Beliebtheit erfreut. So gibt es viele YouTube-Videos zu dem Thema – einige von ihnen sollen angeblich sogar den Geist zeigen –, die deutsche Horrorserie „Ebersberg“ behandelt die Legende und es war sogar einmal ein japanisches Filmteam vor Ort, um einen Bericht über die Legende fürs japanische Fernsehen zu drehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Legende der Weißen Frau von Ebersberg? Sind die vielen Autounfälle bloß Zufall oder ist an der Legende doch etwas dran? Würdet ihr euch trauen, nachts die Straße entlangzufahren? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr regelmäßig solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, unterstützt mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>, abonniert meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Der Wendigo – Er lauert im Wald (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Apr 2022 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Mit Entsetzen starrte ich ein gigantisches Wesen an, das Giwedi am Arm packte und wie eine Puppe hochhob – eine zappelnde, kreischende Puppe. Der Wendigo sah fast menschlich aus, war aber locker fünf Meter groß und hatte unnatürlich dünne Gliedmaßen ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/cecf50b703404290990979753732f59f" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Wendigo ist eine der bekanntesten Indianerlegenden und einer meiner ältesten Beiträge. Viele kennen ihn als eine Art Hirschmensch mit Geweih und Fell. Diese Darstellung ist jedoch völlig falsch. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie es einer Legende schaden kann, wenn man sie abändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich war für heute ein regulärer Beitrag geplant, ich war mit meinen Ideen für die Geschichte jedoch nicht wirklich zufrieden. Also habe ich beschlossen, mir mehr Zeit für die Planung zu nehmen und den Beitrag um zwei Wochen zu verschieben. Stattdessen habe ich meinen Beitrag über die Wendigowak für euch überarbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; explizite Darstellung von körperlicher Gewalt<br>
&#8211; Blut<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drückte meiner Freundin gerade den sechsten Kuss auf den Mund, als hinter mir eine Hupe zu hören war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Rummachen könnt ihr noch genug, wenn wir zurück sind!“, rief Mike mir aus dem Auto zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Giwedi saß neben ihm am Steuer und grinste breit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich komm ja schon!“, rief ich, bevor ich wieder zu Sue sah. „Und du willst wirklich nicht mitkommen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber meine Freundin schüttelte den Kopf. „Ich stör doch nicht eure Männertour. Außerdem bin ich nicht so bekloppt, im Winter zelten zu gehen.“ Sie gab mir einen siebten und letzten Kuss, bevor sie mich sanft Richtung Auto stieß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He“, protestierte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt geh schon“, erwiderte Sue. „Ich bin auch noch da, wenn du zurückkommst. Und Lucas? Ich liebe dich.“ Sie schenkte mir ihr bezauberndes Lächeln. Dasselbe Lächeln, mit dem sie mich vor einigen Wochen vom Spielfeldrand angesehen hatte, kurz vor unserem ersten Date.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte zurück. „Ich liebe dich auch. Wir sehen uns Sonntag.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann drehte ich mich um, stapfte durch den Schnee zum Auto, verstaute meine Tasche und stieg ein. Wir fuhren sofort los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Moment sah ich noch zurück, um Sue zu winken, bis ich mich schließlich Mike und Giwedi zuwandte. Mike und Giwedi &#8230; Meine besten Freunde seit der Highschool. Und das, obwohl wir unterschiedlicher nicht sein konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mike war der typische Nerd. Er hing die meiste Zeit am Computer, sammelte Comichefte und hatte eine beachtliche Sammlung Actionfiguren – seine ‚Rente‘, wie er sie scherzhaft nannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen war das, was die meisten wohl als ‚Jock‘ bezeichneten: sportlich, viele Muskeln und ehrlich gesagt nicht gerade der Schlauste. Aber das war mir egal. Dann schrieb ich eben nicht die besten Noten. Und ja, ohne mein Stipendium hätte ich es wahrscheinlich nicht auf die Uni geschafft. Aber dafür war ich glücklich. Ich liebte mein Leben, den Sport und natürlich meine Freundin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da noch Giwedi – oder Giiwedinikwe, wie er eigentlich hieß. Er stammte von den Ojibwa Indianern ab. Aus unserer kleinen Truppe war er der Bodenständigste. Er war immer auf alles vorbereitet, hatte Notfallpläne für seine Notfallpläne und behielt selbst in den merkwürdigsten Situationen einen kühlen Kopf. Das ausgerechnet auf diesem Campingtrip etwas so unvorstellbar Grausames passieren würde, dass selbst Giwedi damit überfordert war, hätte sich niemand von uns träumen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei fing alles so gut an: Die Stimmung im Auto war ausgelassen. Obwohl wir über drei Stunden unterwegs waren, verging die Zeit wie im Flug. Wir unterhielten uns, hörten lautstark Musik und brüllten die Texte mit, auch wenn einer von uns schiefer sang als der nächste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich vergaß sogar fast, wie sehr ich Sue bereits jetzt vermisste. So ein Wochenende konnte sich für frisch Verliebte wie eine Ewigkeit anfühlen, aber meinen jährlichen Campingtrip mit Mike und Giwedi wollte ich um nichts in der Welt verpassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir den kleinen Waldparkplatz erreichten, schallte noch immer laute Musik aus dem Radio. Aber das störte wohl niemanden. Wie immer um diese Jahreszeit war Giwedis kleiner PKW das einzige Auto auf dem Parkplatz. Wir fühlten uns, als gehörte der Wald uns ganz allein. Und so schaltete Giwedi das Radio erst aus, als wir unsere Rucksäcke, die drei Klappstühle und das Bier aus dem Auto geholt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich war es ganz still um uns herum. Als das laute Knallen der Fahrertür und dessen Echo, das noch einen Moment durch den Wald gehallt war, verstummt waren, hörten wir kein einziges Geräusch mehr. Keinen Wind, der durch die Bäume fegte, kein knirschender Schnee, keine knackenden Äste. Es sang nicht einmal ein Vogel. Es war, als hätte man die Zeit um uns herum angehalten – und genau das liebte ich an unseren winterlichen Campingtouren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann lasst uns mal“, durchbrach Mike die Stille. „Ohne Feuer wird es nicht wärmer.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte Recht. Es war wirklich verdammt kalt. Wir schulterten unsere Rucksäcke, ich nahm den Kasten Bier und meine Freunde trugen die Campingstühle. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnee knirschte unter unseren Schuhen. Wir zelteten jedes Jahr an derselben Stelle. Die Lichtung war keine fünf Minuten Fußweg entfernt. Im Sommer war sie ein beliebter Campingspot, aber im Winter gehörte sie uns allein. Nach einigen Metern blieb ich überrascht stehen. Ein süßlicher Gestank lag in der Luft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Riecht ihr das?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Giwedi und Mike blieben stehen und schnupperten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Irgendein totes Tier“, sagte Giwedi schulterzuckend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit war das Thema beendet. Immerhin war ein totes Tier in einem Wald nichts Ungewöhnliches. Als wir die Lichtung erreichten, hatte ich es bereits wieder vergessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stellte den Kasten Bier etwas abseits in den Schnee, damit er schön kalt blieb. Dann machten Mike und ich uns daran, den Schnee wegzuschaufeln, um die Zelte aufzubauen, während Giwedi sich auf die Suche nach Feuerholz machte. Es mag klischeehaft klingen, aber Giwedi war der Einzige von uns, der auch bei Schnee keine Probleme mit dem Feuerholz hatte. Dafür waren Mike und ich mit den Zelten ein eingespieltes Team. Und so dauerte es nicht lange, bis unsere drei Zelte um ein prasselndes Feuer standen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschöpft ließen wir uns in unsere Campingstühle fallen. Mike seufzte schwer. Es war aber kein ‚das Leben ist so anstrengend‘-Seufzen, sondern eher ein ‚das gemütliche Wochenende kann kommen‘-Seufzen. Ich konnte es voll und ganz nachvollziehen. Jeden Winter freute ich mich wie ein kleines Kind auf diese Campingtour. Ein Wochenende mit nichts als meinen besten Freunden, abseits der Zivilisation und der Probleme, die sie mit sich brachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mike schaltete sein kleines Feldradio ein. Es lief ein Rocksender, den wir alle drei gerne hörten. Dann stand er auf und teilte eine Runde Bier aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Auf euch“, sagte ich, während ich die Flasche in die Luft hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Auf uns“, erwiderten Giwedi und Mike wie aus einem Munde. Dann grinsten sie einander breit an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte bloß lachend den Kopf, bevor ich den ersten Schluck nahm. Kalt lief mir das Getränk die Speiseröhre hinunter. Ich fröstelte, doch das hielt mich nicht davon ab, weiterzutrinken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir saßen schweigend da und lauschten der Rockmusik aus dem Radio. Ich hatte den Kopf in den Nacken gelegt, um die langsam am dunkler werdenden Himmel auftauchenden Sterne zu beobachten. In ein, zwei Stunden würde der Sternenhimmel uns einen Anblick bieten, der mich jedes Jahr aufs Neue begeisterte. Noch ahnte ich ja nicht, was diesen Abend noch alles passieren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich muss mal pissen“, warf Mike in die Runde. Er stellte seine leere Bierflasche in den Kasten zurück, bevor er ein Stück in den Wald hineinging. Dann verlor ich ihn aus den Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Giwedi und ich saßen weiter da und lauschten der Musik, während wir gedankenverloren ins Feuer starrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich hörte ich Mike in der Ferne rufen: „Leute? Das müsst ihr euch ansehen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Giwedi sah mich mit gerunzelter Stirn an. Was wollte Mike?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn wir jetzt aufstehen, nur weil er seinen Namen in den Schnee &#8230;“, weiter kam ich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Blut!“, rief Mike lauter. „Hier sind Fußspuren und Blut!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sprang sofort auf. Blut? „Wenn das irgendein dummer Scherz ist &#8230;“, mahnte ich. Aber auch wenn Horrorgeschichten bei unseren Campingausflügen durchaus Tradition hatten, erzählten wir sie normalerweise am Lagerfeuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich gerade losgehen wollte, ertönte ein gellender Schrei aus dem Wald.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mike?“, brüllten Giwedi und ich wie aus einem Munde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber anstatt loszulaufen, blieb ich wie angewurzelt stehen. Meine Beine waren starr vor Angst. Giwedi war mutiger. Er holte seine Taschenlampe aus dem Rucksack und leuchtete in den Wald hinein. Zwischen den Bäumen stand eine Gestalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Giwedi erkannte ihn zuerst. „Mike?“, fragte er, während er vorsichtig auf ihn zuging. „Alles in Ordnung?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mike stieß einen weiteren Schrei aus. Diesmal klang er jedoch eher wütend als panisch. Mit Gebrüll stürzte er sich auf Giwedi, riss ihn unsanft zu Boden und rammte seine Zähne in den schützenden Arm, den Giwedi vor sich hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mike! Bist du bescheuert?! Du tust mir weh!“, brüllte Giwedi ihn an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stand noch immer reglos daneben, wusste nicht, was ich tun sollte. Noch war ich nicht sicher, ob es kein dämlicher Scherz war. Andererseits würde Mike dabei niemals so weit gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Blut, das jetzt Giwedis Arm hinab lief, war Bestätigung genug für mich. Ohne zu zögern, schnappte ich mir den kleinen Kochtopf, der neben dem Feuer stand, rannte zu meinen Freunden und knallte ihn Mike mit voller Wucht an die Schläfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ‚Dong‘, das dabei ertönte, hallte noch eine Weile in nach. Meine Hand tat weh, ich ließ den Topf jedoch erst los, als ich sah, dass Mike benommen im Schnee liegen blieb. Scheinbar hatte ich ihn ausgeknockt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Giwedi krabbelte panisch rückwärts. „Scheiße, was war das gerade?“, stieß er aus, während ich ihm auf die Beine half.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir machten uns sofort daran, Mike zu fesseln, bevor er wieder zu Bewusstsein kommen konnte. Dann kümmerten wir uns um Giwedis Wunde. Man konnte einen blutigen Abdruck jedes einzelnen Zahns auf seinem Unterarm erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie ich noch immer unter Schock stand, während mein Hirn nach einer plausiblen Erklärung für all das suchte. Es gab eine Erklärung, aber &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Mund fühlte sich trocken an, während ich ihn öffnete. Ich zögerte, bevor ich sprach. „Denkst du &#8230; Mike ist ein Zombie?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Giwedi sah mich mit großen Augen an. „Lucas, sei nicht albern!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich biss mir auf die Unterlippe. „Na ja &#8230; vorhin hat es nach Verwesung gerochen, dann hat Mike Fußspuren und Blut gefunden und jetzt hat er dich &#8230;“ Mein Blick wanderte zu dem Verband um Giwedis Arm. Würde er sich auch verwandeln? Was sonst hätte Mike dazu bewegen können, Giwedi anzugreifen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„A-ach Quatsch. Es gibt keine Zombies!“, erwiderte Giwedi. Seine Stimme zitterte jedoch, während er sprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da wir nicht wussten, was wir sonst tun sollten, trug ich Mikes bewusstlosen Körper zum Feuer, um ihn zu untersuchen, währen Giwedi die Umgebung im Auge behielt. Ich fand nichts außer der Wunde am Kopf, die ich zu verschulden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alles gut“, sagte ich erleichtert. „Keine Kratzer oder Bissspuren. Mike ist kein Zombie.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Giwedi sah erleichtert aus, ließ den umliegenden Wald jedoch nicht lange aus den Augen. Wahrscheinlich dachte er dasselbe wie ich: Wenn Mike kein Zombie war, wieso hatte er ihn dann angegriffen? Er war einer der friedfertigsten Menschen, die ich kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilfe! Hilfeee!“, ertönten plötzlich Schreie aus der Richtung, aus der auch Mike gekommen war. Das Seltsame dabei war: Das war Mikes Stimme!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne weiter darüber nachzudenken, sprang ich auf. Ich wollte bereits lossprinten, als Giwedi mich am Arm packte. „Nicht“, sagte er schnell. „Das ist nicht Mike. Mike liegt hier vor uns.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da hatte er recht. Wieder biss ich mir auf die Lippe. Ich kam mir völlig hilflos vor. Was zur Hölle war hier nur los?</p>



<p class="wp-block-paragraph">An Giwedis angestrengtem Gesichtsausdruck sah ich, dass er fieberhaft nachdachte. Dann schien irgendetwas Klick zu machen. Auf einen Schlag wurde Giwedis Gesicht blass, während seine Augen sich weiteten. „Wir müssen hier weg“, sagte er leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssen hier weg!“, wiederholte er lauter. „Lass alles liegen. Wir müssen zum Auto!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht, was los war, aber wenn Giwedi etwas befahl, widersprach ich nur selten. Also packte ich Mike und warf ihn mir über die Schulter. Er stöhnte, als hätte er Schmerzen, blieb ansonsten aber reglos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein“, sagte Giwedi sofort. „Wir schaffen es nicht, wenn du ihn trägst &#8230; wir &#8230; wir müssen ihn hierlassen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte protestieren. Ich ließ meine Freunde nicht zurück! Aber der Ausdruck in Giwedis Augen raubte mir jegliche Widerworte. Er hatte panische Angst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist denn los?“, fragte ich, während wir Mike in ein Zelt brachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich glaube, das ist ein Wendigo“, erklärte Giwedi, während er Mikes Fesseln löste. „Ein böser Geist, von dem mein Vater mir einmal erzählt hat.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Geist? Aber Zombies sind Quatsch?“, fragte ich verzweifelt. Das konnte nicht sein Ernst sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir Mike hastig in eine Decke wickelten, erklärte Giwedi weiter: „Wendigowak stinken nach Verwesung. Sie hinterlassen blutige Fußabdrücke und können Stimmen imitieren. Außerdem können sie Menschen dazu bringen, ihre Freunde zu essen. Sag du mir, wonach das klingt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es klang nach Wahnsinn. Ein böser Geist &#8230; Andererseits hatte er recht: Es passte. Und es war auch nicht unrealistischer als meine Zombie-Theorie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir Mike warm genug eingewickelt hatten, beugte ich mich zu ihm. „Wir kommen dich morgen abholen. Versprochen“, flüsterte ich mit trockenem Hals. Dann verließ ich das Zelt. Ich hoffte inständig, dass er die Nacht unbeschadet überstehen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Draußen hielt Giwedi mir den Autoschlüssel entgegen. „Du bist schneller als ich. Falls du mich abhängst, starte den Motor und warte im Auto auf mich!“, befahl er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir rannten sofort los. Den Schlüssel hielt ich fest umklammert in meiner Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mond und die Sterne waren jetzt unsere einzige Lichtquelle. Zum Glück waren sie hell genug, um uns den Weg zu leuchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einigen Metern verlangsamten wir unsere Schritte bereits wieder. Vor uns im Schnee, der wegen der Dunkelheit eine leicht gräuliche Farbe angenommen hatte, prangten unnatürlich große Fußspuren. Sie sahen menschlich aus, waren aber fast dreimal so groß wie meine eigenen und mit Blut gefüllt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Giwedi und ich sahen uns nur stumm an. Uns beiden fehlten die Worte. Was auch immer dieses Wesen war, ob Wendigo oder etwas anderes, es musste uns verfolgt haben, als wir zur Lichtung gegangen waren. Jedenfalls führten die Spuren auf direktem Weg Richtung Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schnee knirschte unter unseren Schuhen, während mir eiskalte Luft ins Gesicht schlug. Gelegentlich knackte und raschelte es hinter mir. Ich betete, dass es nur Giwedi war, der mir folgte. Ansonsten hörte ich nur unseren schnellen Atem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Beeilung! Wir haben es gleich geschafft!“, rief ich, ohne nach hinten zu sehen. Das war gelogen. Giwedi würde genauso gut wie ich wissen, dass wir gerade einmal die Hälfte der Strecke hinter uns hatten. Aber beim Sport hatte mir solches Anfeuern immer geholfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein plötzlicher Aufschrei ließ mich herumwirbeln. „Giwedi!“, brüllte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Entsetzen starrte ich ein gigantisches Wesen an, das Giwedi am Arm packte und wie eine Puppe hochhob – eine zappelnde, kreischende Puppe. Der Wendigo sah fast menschlich aus, war aber locker fünf Meter groß und hatte unnatürlich dünne Gliedmaßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich panische Angst hatte, setzte ich zu einem Sprint an. Ich wollte auf das Ding zurennen, um sein Bein wegzutackeln, ihn anzugreifen, damit der Giwedi losließ. Aber es war zu spät. Ich konnte nur mit ansehen, wie er im Licht des Mondscheins seinen großen Mund um Giwedis Oberkörper legte und zubiss. Blut spritzte in alle Richtungen, während ein scheußliches Knirschen ertönte. Im selben Moment erstarben Giwedis Schreie. Er hörte auf, sich zu wehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Magen drehte sich um. Tränen schossen mir in die Augen. Trotzdem wollte ich nicht aufgeben. Ich schämte mich für den Gedanken, aber vielleicht verschaffte Giwedis Tod mir genug Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So schnell ich konnte, hetzte ich durch den Wald. In meinem Kopf hallte das fürchterliche Knirschen von Giwedis Brustkorb noch immer nach. Trotzdem versuchte ich, auf jedes Geräusch um mich herum zu achten. Abgesehen von meinen Schritten und einem aufgescheuchten Tier, das panisch flüchtete, war es totenstill. Sollte der Wendigo mich tatsächlich verfolgen, machte er dabei kein einziges Geräusch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen war ich fast beim Auto. Ich musste nur noch zwischen zwei dünnen Baumstämmen hindurch, dann war ich auf dem Parkplatz! Aber noch ehe ich die Baumstämme erreicht hatte, blieb ich erschrocken stehen. Der Geruch nach Verwesung lag in der Luft. Noch viel intensiver als vorhin. Und dann sah ich es: Die beiden Baumstämme bewegten sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt erkannte ich auch die seltsam gelbliche Farbe und die fehlende Maserung der Rinde. Das waren keine Bäume!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Wendigo sich zu mir herabbeugte, stolperte ich rückwärts. Ich versuchte umzudrehen, von ihm wegzulaufen, aber seine Hand hatte mich bereits erreicht. Wie zuvor Giwedi packte er mich am Arm. Er drückte so doll zu, dass es wehtat. Dann verlor ich den Boden unter den Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch schrie ich auf. Ich schlug mit voller Kraft wieder und wieder auf seinen Arm ein, trat mit den Füßen nach seinem Oberkörper, aber er schien es nicht einmal zu bemerken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eisern hielten seine knöchernen Finger mich fest. Ich konnte seine Rippen sehen und seine Schlüsselbeine, die deutlich unter der Haut hervortraten. Er war völlig abgemagert. Als ich mich seinem Kopf näherte, konnte ich zwei tiefsitzende Augen sehen, die mich kalt anstarrten. Schließlich sah ich seine Zähne. Gelb und spitz. Ein Speichelfaden lief aus seinem Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich die Augen schloss, spürte ich, wie Tränen meine Wangen hinab liefen. Ich versuchte, an etwas Schönes zu denken. Meine Gedanken wanderten zu Sue. Vorhin war ich noch traurig, dass meine Freundin unbedingt zu Hause bleiben wollte, aber jetzt war ich einfach nur froh, dass sie nicht mitgekommen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das letzte, was ich spürte, war, wie sich scharfe Zähne in mein Fleisch senkten. Dann wurde alles Dunkel.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wendigo (plural Wendigowak) ist ein kannibalistisches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a>, ein böser <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> aus den Legenden vieler amerikanischer Ureinwohnerstämme, darunter die Ojibwa, Cree, Saulteaux, Naskapi und Innu.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wendigowak sehen extrem abgemagert aus. Oft werden sie als Skelette, die mit Haut überspannt sind und tief im Schädel sitzende Augen haben, beschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Haut hat eine ungesunde Farbe. Sie soll gelblich sein oder mit schwarzen, an Verwesung erinnernden Flecken übersät sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch ihre spitzen Zähne, die in einem lippenlosen Mund sitzen, sollen eine gelbe Farbe haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Legenden wird der Wendigo außerdem als Riese beschrieben. Dort heißt es, dass ein Wendigo immer genau um die Masse wächst, die er frisst. Er wächst also, statt zuzunehmen, wodurch sein Hunger auf Menschenfleisch nie gestillt wird. Häufig wird Wendigowak daher eine Größe von bis zu fünf Metern nachgesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das typische Bild des Wendigo mit Fell und einem Geweih, das ihr vielleicht kennt, hat seinen Ursprung übrigens in einem Film, der nur lose an die tatsächliche Legende angelehnt ist. Trotzdem hat sich dieses falsche Aussehen durchgesetzt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wendigowak sind perfekte Jäger und Spurenleser. Sie verfügen über verstärkte Sinne wie z. B. ein sehr gutes Gehör. Außerdem sollen sie übernatürlich schnell sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, ein Wendigo könne dich kilometerweit verfolgen, ohne, dass du es bemerkst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem haben Wendigowak, wie bereits erwähnt, einen unstillbaren Hunger auf Menschenfleisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte man hingegen auf die Spur eines Wendigo treffen, ist sie oft leicht zu erkennen. Sie sollen nämlich blutige Fußabdrücke hinterlassen. Da Wendigowak häufig im Winter unterwegs sind, lassen sich die roten Abdrücke im Schnee besonders gut erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine etwas weniger offensichtliche Eigenschaft ist hingegen ihr Herz, das aus purem Eis bestehen soll. Wendigowak könnten also auf die Kälte angewiesen sein, um zu überleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je nach Region und Stamm werden dem Wendigo aber noch weitere Fähigkeiten zugesagt. So kann er Stimmen imitieren, um Leute in die Falle zu locken, oder er soll Besitz von Menschen ergreifen können, wodurch diese selbst ihre engsten Freunde und ihre Familie angreifen und versuchen, sie zu essen. Sollte ihnen das gelingen, werden sie daraufhin oft selbst zu einem Wendigo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In fast jedem Stamm haben die Wendigowak eines gemeinsam: Sie werden so gut wie immer mit dem Winter, Kälte, Hungersnöten, Gier und dem Verhungern in Verbindung gebracht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legenden über den Wendigo kommen aus Kanada und den USA. Dort sollen diese Wesen hauptsächlich bei kalten Jahreszeiten in den Wäldern gesichtet worden sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende der Wendigowak ist wahrscheinlich aus der Angst vor der Kälte und Hungersnöten entstanden. Wie bei den meisten Indianerlegenden lässt sich der genaue Ursprung jedoch nicht mehr festlegen, da die Christen in der Vergangenheit ihr Möglichstes getan haben, um den Glauben und die damit verbundenen Legenden der Indianerstämme zu zerstören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür gibt es mehrere Legenden, wie die Wendigowak entstehen sollen. In den meisten Fällen drehen sie sich um eine Gruppe indianischer Jäger, die sich im Winter im Wald verirrt hat. Sie irren oft tagelang ziellos durch die Kälte, finden nicht genug Nahrung, sodass sie der Reihe nach sterben. Einer von ihnen ist daraufhin so verzweifelt, dass er dem Kannibalismus verfällt, um zu überleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kannibalismus ist in den meisten Indianerstämmen jedoch eines der schlimmsten Verbrechen, egal, aus welchen Gründen er begangen wurde. Also haben die Geister den Jäger bestraft, auf ewig dazu verdammt, durch die Wälder zu streifen – mit einem unstillbaren Hunger auf Menschenfleisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Wendigo? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr einem begegnet? Und noch viel wichtiger? Was wäre, wenn ein Wendigo Besitz von einem engen Freund, eurer Geliebten/eurem Geliebten oder gar einem eurer Familienmitglieder ergreifen würde? Würdet ihr euch zutrauen, ihnen Schaden zuzufügen, um euch zu verteidigen? Scheibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Okuri Inu – Ein gefährlicher Weggefährte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Apr 2022 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
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		<category><![CDATA[Horror]]></category>
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		<category><![CDATA[Japan]]></category>
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		<category><![CDATA[Legende]]></category>
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		<category><![CDATA[Monster]]></category>
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		<category><![CDATA[Okami]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>'Knack', ertönte es leise hinter mir. Sofort fuhr ich herum. Meine freie Hand griff instinktiv nach dem Schwert an meinem Gürtel.<br />
Mit zusammengekniffenen Augen spähte ich in die Dunkelheit. War da etwas? Schwärze, schemenhafte Umrisse von Bäumen und ... zwei kleine leuchtende Punkte. Aus einiger Entfernung, direkt auf dem Pfad, den ich gekommen war, funkelte mich ein Augenpaar an, das das Licht meiner Laterne reflektierte. Was auch immer es war, es beobachtete mich.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/cc6cfacafb90463c9d0fd858eb61a00b" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Okuri Inu wurden mir letzte Woche von einem Leser vorgeschlagen. Da ich die Legende noch nicht kannte, sie mir aber sehr gefällt und ich fast sofort eine Idee für eine Geschichte hatte, habe ich mich entschieden, diesen Beitrag über sie zu schreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Müde ging ich den schmalen Pfad zwischen den Bäumen entlang. Der Wald um mich herum lag in Dunkelheit. Sogar der Mond hatte sich hinter den Wolken versteckt. Meine einzige Lichtquelle war daher die Laterne, die meine Finger mit letzter Kraft umklammert hielten, während mein Arm wie abgestorben an meiner Seite baumelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig lag mein Gepäck schwer wie ein Ochse auf meinen Schultern. Am liebsten hätte ich es kurz abgestellt, eine Pause gemacht. Aber das wäre keine gute Idee gewesen. Ich wusste nicht, welche Gefahren hier im Wald auf mich lauerten, welche Augen mich hungrig aus dem Unterholz beobachteten. Wenn ich jetzt Schwäche zeigte, könnte das meinen Tod bedeuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hatte ich den Großteil meiner Reise bereits hinter mir. Seit zwei Tagen war ich unterwegs, hatte nur gerastet, um zu schlafen und zu essen. Und in höchstens einer halben Stunde wäre ich endlich an meinem Ziel. Dann hätte ich Shizuka-Mura, das Dorf, in dem meine Schwester wohnt, meine neue Heimat, endlich erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schluckte ich den Schmerz hinunter, der sich in meinem Rücken, meinen Schultern und meinen Beinen ausgebreitet hatte. Tief atmete ich die warme Sommerluft ein, achtete darauf, immer einen Fuß vor den anderen zu setzten. Schritt für Schritt kam ich dem Ende meiner Reise näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um mich herum waberten dunkle Schatten, während die Laterne in meiner Hand gleichmäßig vor und zurückschwang. Obwohl ich wusste, dass es meine eigenen Schatten waren, die über die Bäume tanzten, hatte ich immer wieder das Gefühl, dass sich zwischen den Baumstämmen noch etwas anderes bewegte. Wenigstens blieb ich so aufmerksam.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Knack</em>, ertönte es leise hinter mir. Sofort fuhr ich herum. Meine freie Hand griff instinktiv nach dem Schwert an meinem Gürtel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zusammengekniffenen Augen spähte ich in die Dunkelheit. War da etwas? Schwärze, schemenhafte Umrisse von Bäumen und &#8230; zwei kleine leuchtende Punkte. Aus einiger Entfernung, direkt auf dem Pfad, den ich gekommen war, funkelte mich ein Augenpaar an, das das Licht meiner Laterne reflektierte. Was auch immer es war, es beobachtete mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort war die Schwäche in meinem Arm vergessen. Ich hob die Laterne, um besser sehen zu können. Das Licht war nicht sonderlich hell, aber es genügte. Ich konnte eindeutig seine Umrisse erkennen: Das struppige, ungepflegte Fell, die vier dünnen Beine, die jede Sekunde auf mich zu sprinten konnten und der elegante Kopf mit den spitzen Ohren – ein Wolf!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panik stieg in mir auf. Was sollte ich jetzt tun? Wenn er bei vollen Kräften war, würde ich selbst mit meinem Schwert nicht viel ausrichten können. Ich war zu erschöpft von der langen Reise. Und Wölfe jagten für gewöhnlich in Rudeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine tiefe, kratzige Stimme ertönte hinter mir: „Keine Angst. Wenn du bald weitergehst, lässt er dich in Ruhe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genauso schnell, wie ich mich zu dem Tier umgedreht hatte, fuhr ich erneut herum. Fast hätte ich mein Schwert gezogen, doch dann fiel mein Blick auf einen alten Mann, der mich freundlich anlächelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Woher wollte er wissen, dass der Wolf mir nichts tat? War es etwa gar kein Wolf? Vielleicht ein Hund?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gehört er zu dir?“, fragte ich misstrauisch. Ich bemühte mich, sowohl das Tier als auch den Mann im Blick zu haben. Er sah nicht gefährlich aus, aber das konnte täuschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann antwortete mit einem rauen Lachen. „Nein. Er gehört zu niemandem. Er ist sein eigener Herr. Aber bitte, wir sollten jetzt weitergehen. Bist du auch auf dem Weg nach Shizuka-Mura?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte er sich um und ging los in Richtung des Dorfes. Ich zögerte. Aber nach einem weiteren flüchtigen Blick zu dem Wolf oder Hund – was auch immer es war – entschied ich, dem Mann zu folgen. Wenn wir zusammenblieben, überlegte das Tier es sich vielleicht zweimal, ob es angreifen solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mein Name ist Takahashi Itarō“, stellte sich der Mann vor, als ich aufgeholt hatte. „Was führt dich nach Shizuka-Mura?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich antwortete, warf ich einen Blick über die Schulter. Das Tier verfolgte uns, blieb aber auf Abstand. „Ich heiße Komatsu Seijiro“, stellte auch ich mich vor. „Ich ziehe zu meiner Schwester.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Komatsu Akii ist deine Schwester? Eine nette junge Frau“, erwiderte Takahashi.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann verfielen wir wieder in Schweigen. Es war nicht so, dass ich nicht reden wollte. Es gab sogar viele Dinge, die ich hätte fragen können. Aber das Sprechen war mir zu anstrengend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir kamen nur sehr langsam voran. Ich wegen meiner Erschöpfung und des schweren Gepäcks, Takahashi wegen seines Alters. Er stützte sich bei jedem Schritt auf einem hölzernen Gehstock ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem warf ich immer wieder nervöse Blicke über die Schulter, um sicherzugehen, dass unser Verfolger nicht näherkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein belustigtes Schnauben ließ mich wieder zu Takahashi sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mach dir keine Sorgen. Er tut dir nichts. Zumindest, solange du nicht stolperst. Achte also lieber auf deine Füße.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte einen freundlichen, wenn auch etwas strengen Ton, während er das sagte. Trotzdem wurde ich aus seinen Worten nicht schlau. Solange ich nicht stolperte? „Wie meinst du das?“, fragte ich knapp.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Weggefährte musterte mich einen Moment, als versuche er mich einzuschätzen. Dann sagte er zögerlich: „Weißt du, was ein Okuri Inu ist, Komatsu?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Okuri Inu? Ein sendender Hund? „Nein“, sagte ich irritiert. Was sollte das sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das“, er zeigte auf das Tier, „ist kein Hund, auch wenn er wie einer aussieht. Es ist ein Yōkai. Ein Okuri Inu.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah Takahashi überrascht an. Ein Yōkai? Wie fast jeder hier in Japan kannte ich unzählige Geschichten über diese Wesen. Einige von ihnen waren gut, andere böse. Fast alle besaßen sie mächtige magische Fähigkeiten. Aber glaubte ich wirklich an Magie?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits war das Verhalten schon sehr eigenartig, wenn es tatsächlich ein Wolf oder Hund war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was sind das für Yōkai?“, hakte ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder musterte Takahashi mich einen Moment, bevor er antwortete. „Okuri Inu können ein Segen, aber auch ein Fluch sein“, erklärte er. „Sie verfolgen nachts Wanderer und Reisende, in der Hoffnung, dass sie hinfallen. Dann schlagen sie zu. Aber solange du auf deine Schritte achtest und nicht zu lange stehenbleibst, sind sie großartige Wächter. Sie halten wilde Tiere und andere Yōkai fern, weißt du?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war es an mir, Takahashi eine Weile zu mustern. Ich war mir unsicher, ob ich ihm glauben sollte. Was, wenn er bloß der alte Dorfspinner war, der bei jeder Kleinigkeit sofort an einen Yōkai dachte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits hatte er recht: Egal, ob Yōkai, Hund oder Wolf, vielleicht verfolgte er uns wirklich, weil er darauf wartete, dass wir zusammenbrachen oder eine Pause machen mussten. Vielleicht spürte er meine Erschöpfung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ging ich entschlossen weiter. Mit der rechten Hand umklammerte ich fest den Griff meines Schwertes, mit der anderen hielt ich die Laterne so, dass wir beide gut sehen konnten, wo wir hintraten. Trotzdem warf ich immer wieder verstohlene Blicke über die Schulter, um sicherzugehen, dass unser Verfolger nicht näherkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch genau das war mein größter Fehler: Bei einem flüchtigen Blick nach hinten – es kam mir nicht länger als eine Sekunde vor – übersah ich eine Wurzel, die aus dem Boden ragte. Mein Fuß blieb hängen, ich stolperte, das Gewicht meines Gepäcks brachte mich aus dem Gleichgewicht und nur einen Moment später sah ich den Boden auf mich zurasen. Schmerzhaft knallte ich auf mein Kinn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Komatsu! Was machst du denn?!“, fluchte Takahashi. Er stürzte sofort zu mir, um mir zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig hörte ich ein aggressives Knurren hinter mir. Ich warf mich herum, sah, wie der Wolf mit gebleckten Zähnen hungrig auf mich zustürzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell griff ich wieder nach meinem Schwert. Ich wollte es gerade herausziehen, als Takahashi mich am Arm packte, um mir hochzuhelfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, er half mir nicht hoch, er setzte mich hin. In dem Moment, als ich aufstehen wollte, drückte er mich in eine sitzende Position.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sprich mir nach: Nur kurz ausruhen“, forderte er mich auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte ihn entsetzt an. Er würde mich umbringen! Verzweifelt versuchte ich erneut, mein Schwert zu ziehen, aber der alte Narr ließ es nicht zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sag es! Nur kurz ausruhen“, schrie er mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wolf war inzwischen so nahe, dass mein Schicksal besiegelt war. Tränen rannen mir die Wangen hinunter, als ich die Augen schloss. „N-nur kurz ausruhen“, stammelte ich, mit dem Wissen, dass es meine letzten Worte sein würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann passierte nichts. Ich saß noch mehrere Sekunden am Boden, spürte, wie Takahashi mich festhielt, aber da waren keine Klauen, keine Zähne, die sich in mein Fleisch bohrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwirrt öffnete ich die Augen. Zuerst nur das eine, dann auch das andere. Ich konnte es kaum glauben. Der Wolf war direkt vor mir. Er war ganz nahe, aber statt sich auf mich zu stürzen, saß er völlig ruhig da und sah mich mit schiefgelegtem Kopf an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst verstand ich gar nichts, doch dann wurde mir alles klar. „Okuri Inu“, hauchte ich ungläubig. Takahashi hatte recht. Der Wolf war ein Yōkai.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der alte Mann klopfte mir auf die Schulter, während er breit lächelte. „Ich denke, wir sollten langsam weiter. Du willst seine Geduld nicht unnötig auf die Probe stellen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„J-ja“, stammelte ich, noch immer nicht ganz bei mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Takahashi musste mir hochhelfen. Ich hatte mir den Fuß verstaucht. Bei jedem Schritt fühlte es sich an, als würden sich hunderte Nadeln in ihn meinen Knöchel bohren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber obwohl wir nur langsam vorankamen und ich angreifbarer denn je wirken musste, ließ der Okuri Inu uns in Ruhe. Er folgte uns bloß in sicherem Abstand, bis wir ohne weitere Vorkommnisse endlich aus dem Wald traten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Meter weiter drehten wir uns um. Der Yōkai war am Waldrand stehengeblieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zufrieden sah Takahashi mich an. „Du musst dich bei ihm bedanken, dass er dich begleitet hat“, erklärte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zögerte keine Sekunde, bevor ich mich vor dem Okuri Inu verbeugte. „Vielen Dank, dass du uns sicher durch den Wald gebracht hast“, sagte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht bildete ich es mir nur ein, aber es wirkte so, als würde auch der Okuri Inu kurz seinen Kopf senken. Dann drehte er sich um und rannte wieder im dunklen Wald.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und auch dir vielen Dank, Takahashi Itarō. Ohne dich hätte ich die Nacht &#8230;“, ich stockte, als ich mich zu ihm umdrehte. „&#8230; nicht überlebt“, beendete ich meinen Satz leise. Ich sprach jedoch nicht zu Takahashi, sondern zu mir selbst. Egal, wie sehr ich mich umsah, von meinem Retter und kurzen Weggefährten fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich entschied, dass es zu spät und ich zu erschöpft war, um ihn jetzt noch zu suchen. Ich würde meine Schwester fragen, wo er wohnte, und mich morgen bei ihm bedanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ahnte ich ja nicht, dass meine große Schwester mich bloß mit großen Augen ansehen würde, bevor sie mir erklärte, dass Takahashi Itarō letztes Jahr verstorben war. Man hatte seine Leiche im Wald gefunden. Scheinbar wurde er von einem wilden Tier angefallen &#8230;</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Okuri Inu (Japanisch für „sendender/schickender Hund“), in einigen Regionen auch Okuri Ōkami („sendender/schickender Wolf“), sind hunde- oder wolfsähnliche Wesen der japanischen Folklore. Sie zählen zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Okuri Inu sollen wie gewöhnliche Hunde oder Wölfe aussehen. Ich habe keine Erwähnung finden können, um was für Hunde es sich genau handelt, aber sie sind immer wild und vergleichsweise groß. Ihr solltet euch hierbei also keinen Chihuahua oder Mops vorstellen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Okuri Inu sind fast ausschließlich nachts unterwegs. Es heißt, dass sie einsame Reisende in dunklen Wäldern, auf Bergpfaden und auf abgelegenen Straßen verfolgen, um sie anzugreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber obwohl sie sehr gefährlich sein können, ist es nicht zwangsläufig schlecht, wenn ein Reisender von einem Okuri Inu verfolgt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So heißt es zwar, dass man in einer solchen Situation nicht hinfallen oder zu lange stehenbleiben darf, da der Okuri Inu sich sonst sofort auf einen stürze, um einen zu zerfleischen. Sollte man jedoch weitergehen, ohne zu stolpern, verfolgen sie einen lediglich in gleichbleibendem Abstand. Währenddessen dienen sie als eine Art Beschützer, da sie potentielle Angreifer – sowohl wilde Tiere als auch andere Yōkai – vertreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte man trotz allem stürzen – immerhin ist es in den Jagdgebieten der Okuri Inu oft dunkel und der Boden uneben – ist noch nicht alles verloren. Wenn man schnell genug reagiert und sich hinsetzt, um so zu tun, als habe man sich absichtlich auf den Boden begeben, um eine kurze Pause zu machen, wartet der Yōkai geduldig, bis man weitergeht. Am besten sollte man hierbei laut sagen, wie anstrengend der Weg doch sei oder dass man eine Pause mache – nur zur Sicherheit. Man sollte seine Geduld aber nicht überstrapazieren und bald weitergehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald man den dunklen Pfad verlässt und zurück in die Zivilisation gelangt, ist man im Normalfall in Sicherheit. Trotzdem wird empfohlen, dass man sich umdreht, um dem Okuri Inu zu danken, dass er einen begleitet hat. Außerdem soll man laut einigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legenden</a> seine Füße waschen, sobald man zuhause ist, und dem Yōkai etwas zu Essen nach draußen stellen. Auf diese Weise dankt man ihm und verhindert angeblich, dass er einen bei zukünftigen Spaziergängen weiter verfolgt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Okuri Inu sollen in allen abgelegeneren Regionen Japans vorkommen. Besonders häufig ist die Rede von Sichtungen in Bergen und Wäldern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Während man bei den meisten Yōkai zumindest grob die Epoche benennen kann, aus der sie stammen, ist bei den Okuri Inu unklar, wann die Legende entstanden ist. Man weiß nur, dass sie sehr alt sein muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage ist sie allerdings etwas aus der Mode gekommen – was vielleicht daran liegt, dass es seit ca. 1905 keine wildlebenden Wölfe mehr in Japan gibt –, besonders früher soll sie aber sehr beliebt gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant ist auch, dass es bei der Legende über die Okuri Inu zwar kleinere regionale Unterschiede gibt, die verschiedenen Versionen sich trotz des Alters und der weiten Verbreitung der Legende aber oft sehr ähnlich sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Okuri Inu? Findet ihr sie beängstigend? Oder sogar nützlich? Wie würdet ihr euch verhalten, wenn euch ein Okuri Inu verfolgt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>Die Nixen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Mar 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich zurück beim Lagerfeuer war, war meine Familie bereits am Essen.<br />
„Wieso hat das so lange gedauert?“, fragte Mama. Dann lachte sie plötzlich. „Nein. Halt. Ich brauche keine Details.“<br />
Wieder musste ich breit grinsen. „Ihr werdet es nicht glauben, aber ich habe die Meerjungfrau getroffen.“</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Nixen sind eine sehr alte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutsche Legende</a>. Sie ähneln den Meerjungfrauen, leben jedoch nicht im Meer, sondern in Seen und Flüssen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mama und ich saßen am Lagerfeuer, als sich in der Ferne schnelle Schritte näherte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Christoph! Christoph! Da war eine Meerjungfrau!“, rief meine kleine Schwester Lilli aufgeregt, während sie auf mich zu rannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„In der Nähe des Feuers wird nicht gerannt!“, mahnte Mama sie sofort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lilli verlangsamte ihre Schritte – wenn auch nur ein wenig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ sie auf meinen Schoß. „Eine Meerjungfrau, ja?“, fragte ich mit gespielter Begeisterung. Ich mochte Lillis ausgeprägte Fantasie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lilli nickte energisch. „Sie war im Wasser, als Papa und ich geangelt haben. Sie hatte einen Fischschwanz und alles!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa, der inzwischen auch bei unserem kleinen Zeltlager angekommen war, stellte seine Angelausrüstung ab. Er hob entschuldigend die Hände. „Ich hab sie nicht gesehen“, erklärte er mit seiner ruhigen Stimme. „Aber“, stolz zeigte er uns seinen Fang, „wir haben einen guten Fang gemacht. Und Lilli hat fleißig mitgeholfen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist das so? Wie hast du Papa denn geholfen?“, wandte Mama sich an Lilli.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder nickte meine kleine Schwester energisch. „Ich hab die Angel gehalten, bis ein Fisch angebissen hat. Und einen Fisch durfte ich sogar mit einholen!“ Der Stolz stand ihr ins Gesicht geschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann bist du ja eine richtige kleine Anglerin“, erwiderte Mama. „Was ist, hilft du mir mit den Kartoffeln?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh ja“, rief sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wuschelte ihr durch die Haare, bevor ich sie von meinem Schoß ließ. Wie konnte ein so kleiner Mensch nur so voller Energie stecken?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und was ist mit dir?“, fragte Papa an mich. Als ich sein breites Grinsen sah, wusste ich sofort, was er von mir wollte. „Hilfst du mir beim Fisch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte schwer. Das durfte ich mir bereits seit Jahren anhören. Mit sechs oder sieben hatte ich mich fast übergeben, als ich einen Fisch ausgenommen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem schämte ich mich nicht dafür. Es war mir egal, ob es einige als unmännlich sahen, dass ich mir nicht gerne die Hände schmutzig machte. Trotzdem schien es Papa einen riesen Spaß zu machen, mich damit aufzuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich geh lieber noch schnell auf Toilette. Dann muss ich nicht während des Essens“, entschuldigte ich mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa grinste blöd. Ich ignorierte ihn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber beeil dich. Kalt schmeckt der Fisch nicht“, rief Mama mir nach, als ich mich ins Unterholz kämpfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was dachte sie denn, wie lange ich brauchte?! Ich ging zwar etwas in den halbdunklen Wald hinein, aber doch nur, um außer Sichtweite zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich mich erleichterte, schloss ich die Augen und sog die kühle Abendluft ein. Sie war angenehm. Ganz anders, als in der Stadt. Die fehlenden Abgase machten die Luft nahezu geruchslos, mit einer schwachen Note von Erde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso ging ich eigentlich nicht häufiger in die Natur? Ich liebte unsere Campingausflüge. Eigentlich war es schade, dass wir sie nur einmal im Jahr machten. Vielleicht sollte ich Papa fragen, ob ich mal auf einen seiner Angelausflüge mitdürfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Knacken in meiner Nähe riss mich aus meinen Gedanken. Es klang, als wäre jemand auf einen Ast getreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leicht unwohl sah ich mich um. Meine Eltern oder meine Schwester konnten es nicht sein. Niemand von ihnen würde mit dem Kochen aufhören, nur um mich zu ärgern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>‚Wahrscheinlich nur ein Tier oder ein herunterfallender Ast‘</em>, redete ich mir ein. Trotzdem beeilte ich mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich meinen Hosenstall schloss, ertönte noch ein Knacken. Diesmal klang es näher. Dann ein Rascheln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es keine gefährlichen Tiere in der Gegend gab, hatte ich keine Lust, herauszufinden, was es war. Also ging ich schnellen Schrittes zurück in Richtung Camp &#8230; Ich kam nicht weit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das Mädchen wie aus dem Nichts vor mir auftauchte, erschraken wir uns beide gleichzeitig. Sie wich einen Schritt zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammt. Hast du mich erschreckt!“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wunderte mich kurz darüber, dass sie im Wald ein Kleid trug. In der Dämmerung sah es weiß aus. Dafür brachte es ihre braunen Haare zur Geltung, die wiederum ihr bleiches Gesicht betonten. Sie sah wunderschön aus &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was soll ich denn sagen?“ Ich fasste mir etwas zu dramatisch an die Brust, in der mein Herz nicht nur wegen des Schreckens ein klein wenig schneller schlug. „Ich hatte nicht erwartet, hier draußen jemanden zu treffen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatte intelligente Augen, mit denen sie mich jetzt musterte. Im schwachen Licht sahen sie sehr hell aus – vielleicht himmelblau? „Was machst du hier draußen?“, fragte sie. „Ich hab dich hier noch nie gesehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Meine Familie und ich campen ganz in der Nähe. Wir sind vor wenigen Stunden angekommen“, erklärte ich. „Und du? Wohnst du im Dorf oder machst du auch Urlaub?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie schien entschieden zu haben, dass von mir keine Gefahr ausging. Also lächelte sie mich an. Ein süßes Lächeln, das mehr Wärme ausstrahle, als ich einem Lächeln je zugetraut hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja. Ich wohne hier“, sagte sie knapp. „Ich war im See schwimmen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt bemerkte ich, dass ihr helles Kleid leicht feucht war. Besonders an den Stellen, wo es ihre Haut berührte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ah &#8230; Die Meerjungfrau“, sagte ich mit einem breiten Grinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mädchen riss die Augen auf. Überrascht starrte sie mich an. „W-was?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lachte kurz auf. „Ach nichts. Meine Schwester hat vorhin ein Mädchen im See baden sehen und war fest überzeugt, eine Meerjungfrau gesehen zu haben“, erklärte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt lachte auch das Mädchen. Es klang wie kleine Glöckchen, die eine wunderschöne Melodie spielten. „Ach so, na dann. Kinder haben wirklich eine lebhafte Fantasie.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir standen noch einen Moment grinsend da. Wobei es bei ihr eher ein herzliches Lächeln, als ein belustigtes Grinsen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Christoph? Wo bleibst du denn?“, ertönte die Stimme meiner Mutter in der Ferne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Geräusch schien das Mädchen erneut zu erschrecken. „Ich &#8230; Ich sollte gehen“, sagte sie. Dann ging sie schnellen Schrittes davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte!“, rief ich ihr nach. „Wie heißt du eigentlich? Ich bin Chris.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mädchen blieb stehen. „Serena“, stellte sie sich vor, während sie sich zu mir umdrehte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Serena. Ein schöner Name.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein guter Name für eine Meerjungfrau!“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder grinsten wir einander an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal, Chris“, verabschiedete sich Serena.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gerne. Wir sind das ganze Wochenende hier.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Serena lächelte. Dann ging sie weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb noch einen Moment stehen. „Wow“, hauchte ich, während ich mir durch die Haare fuhr. Es wäre schön, sie noch einmal wiederzusehen. Dann ging auch ich weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich zurück beim Lagerfeuer war, war meine Familie bereits am Essen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wieso hat das so lange gedauert?“, fragte Mama. Dann lachte sie plötzlich. „Nein. Halt. Ich brauche keine Details.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder musste ich breit grinsen. „Ihr werdet es nicht glauben, aber ich habe die Meerjungfrau getroffen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama verschluckte sich fast an dem Bissen, den sie gerade in den Mund genommen hatte, Papa zog eine Augenbraue hoch und Lillis Kinnlade klappte herunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hab doch gesagt, dass sie echt ist! Eine echte Meerjungfrau!“, schrie Lilli laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Lärm scheuchte einige Vögel auf, die in der Dunkelheit panisch davonflatterten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja. Nur, dass sie keine Meerjungfrau ist. Ihr Name ist Serena. Und sie hat keinen Fischschwanz, sondern ganz normale Beine“, erklärte ich. „Sie war im See schwimmen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um die Uhrzeit?“, fragte Mama. Sie klang aber nicht skeptisch, sondern eher besorgt. Sie war nun einmal eine Mutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Sorge. Sie wohnt im Dorf hier in der Nähe. Sie ist sicher schon zu Hause“, beruhigte ich sie. „Und es kann sein, dass sie uns das Wochenende mal besuchen kommt“, fügte ich hinzu. Wieder konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, den Blick kenn ich“, meldete sich Papa zu Wort. „Ist sie hübsch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? Nein! Also &#8230; doch, ist sie. A-Aber so ist das nicht!“, stammelte ich. Ich konnte dabei jedoch nicht verhindern, dass ich rot wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann brach völliges Chaos aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? Was ist so nicht?“, fragte Lilli verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich glaube, dein großer Bruder ist in diese Serena verliebt“, erklärte Papa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh &#8230; Christoph ist verlie-hiebt. Christoph ist verlie-hiebt!“, rief sie jetzt wieder und wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa klatschte im Takt, während Mama daneben saß und das Ganze belustigt beobachtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte sicherlich fünf Minuten, bis ich Lilli und Papa wieder beruhigen konnte – fünf Minuten, in denen ich am liebsten im Erdboden versunken wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir aßen, kam Serena noch einige Male zur Sprache. Nachdem ich unsere Begegnung geschildert hatte, wandten wir uns aber endlich anderen Themen zu. Wir planten den nächsten Tag – Papa wollte mit der ganzen Familie eine Wanderung machen, bevor er gegen Mittag wieder angeln ging, während Mama sich einen entspannten Tag machen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Entspannen kannst du dich auch zu Hause“, warf Papa ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stimmt, aber in der Natur ist es viel schöner“, erwiderte Mama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eben. Deswegen sollten wir sie möglichst viel genießen – bei einer Wanderung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ging noch eine Weile so weiter. Ich hörte ihnen jedoch gar nicht mehr zu. Stattdessen starrte ich ins Feuer und lauschte dem Knistern. Wind raschelte in den dunklen Bäumen. Ab und hörte man auch das Geraschel von Tieren. Grillen zirpten in der Dunkelheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Gedanken waren bei Serena. Ich war doch nicht wirklich nach der einen Begegnung bereits in sie verliebt, oder? Klar, sie war nett und sieht wirklich toll aus, aber wir hatten uns nicht einmal fünf Minuten gesehen. Außerdem war es dunkel gewesen. Ich wusste ja nicht einmal, ob ich sie tatsächlich noch einmal wiedersah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fiel mir den gesamten Abend über schwer, an etwas anderes zu denken. Es war, als wäre sie mit Gewalt in meinen Kopf eingebrochen und hätte alle anderen Gedanken vertrieben. Selbst, als es langsam spät wurde und wir in unsere Zelte gingen – Mama, Papa und Lilli in ein großes, ich in ein kleines eigenes –, spukte sie noch durch meinen Kopf. Ihre braunen Haare, die blauen Augen, das Lächeln ihrer makellosen Zähne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gott, was war bloß los mit mir? Sonst dauerte es immer einige Zeit, bis ich Gefühle für jemanden entwickelt hatte. Noch nie hatte ich mich so Hals über Kopf verschossen, wie in Serena. Und so kam es, dass ich an jenem Abend mit einem Lächeln einschlief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das nächste, an das ich mich erinnerte, war, dass jemand mein Zelt von außen öffnete. Das Geräusch des Reißverschlusses war leise, jedoch nicht leise genug, um mich schlafen zu lassen. Verwirrt schaltete ich meine Campinglampe ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte mit vielem gerechnet. Etwa, dass meine Schwester lieber bei mir schlafen wolle oder das Papa eine spontane Nachtwanderung im Sinn habe, aber nicht mit &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Serena?“, fragte ich überrascht. „Was machst du hier?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir fiel nur ein einziger Grund ein, warum sie hier vor mir stehen wurde: <em>‚Na toll &#8230; Jetzt träume ich sogar schon von ihr!‘</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch je länger die Situation andauerte, desto mehr wurde mit bewusst, dass ich wach war. Träume waren seltsam, wirr, oft zusammenhangslos. Das hier war nichts davon. Ich war bei vollem Bewusstsein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Serena kam vorsichtig zu mir ins Zelt. Sie hockte sich neben meinen Schlafsack. Zusammen mit ihr kam ein süßlicher Duft nach Blumen zu mir. Vielleicht ein Parfüm?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hatte Lust, im See schwimmen zu gehen. Und da dachte ich mir, wieso frage ich dich nicht, ob du mitkommst &#8230;?“, flüsterte sie mit ihrer sanften Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Augen weiteten sich. „J-Jetzt? Mitten in der Nacht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Serena zuckte unschuldig mit den Schultern, bevor sie mich mit ihrem warmen Lächeln anstrahlte. „Warum nicht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber ich &#8230; Ich habe keine Schwimmsachen dabei!“, protestierte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Serenas Lächeln wurde ein herausforderndes Grinsen. „Ich auch nicht“, erwiderte sie zwinkernd.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort merkte ich, wie mein Gesicht heiß wurde. Ich musste knallrot geworden sein. Serena schien es nicht zu stören. Im Gegenteil: Es schien ihr zu gefallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens jetzt hatte ich kein Argument mehr im Kopf, das dagegen sprach. Serena hatte mich voll in ihren Bann gezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie nach meiner Hand griff, um mich aus dem Zelt zu ziehen, wehrte ich mich nicht gegen sie. Ich wusste, dass es nicht richtig war. Ich sollte nicht einfach einer fremden Frau folgen. Doch mein Kopf ignoriere die Vernunft. Ich <em>wollte</em> mit ihr gehen. Ich <em>musste</em> mit ihr gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit nichts als meiner Unterhose und meinem T-Shirt folgte ich Serena durch den Wald. Immer wieder piksten mich Stöcker und Steine in die Fußsohlen. Ich stolperte über Wurzeln, trat in weiches Moos. Doch das alles bemerkte ich kaum. Meine Augen waren nur auf Serena gerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im schwachen Mondlicht konnte man kaum mehr als ihre groben Umrisse erkennen, doch trotzdem sah ich, wie wunderschön sie war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir den See erreichten, war er sehr ruhig. Der schwache Wind, den man am Ufer spüren konnte, sorgte kaum für Wellen auf der fast völlig flachen Wasseroberfläche. Man konnte sogar die Spiegelung des Halbmondes deutlich erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Serena machte sie sich nicht einmal die Mühe, ihr Kleid auszuziehen. Sie sprang ins Wasser, ohne meine Hand loszulassen. Ich ließ es geschehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wasser war eiskalt. Es legte sich wie ein feuchter Mantel aus Eis um meinen gesamten Körper. Obwohl ich mir dabei unmännlich vorkam, konnte ich einen kurzen Aufschrei nicht vermeiden. Zum Glück schien Serena es nicht bemerkt zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hielt noch immer meine Hand, während sie weiter und weiter auf den See hinausschwamm. Wäre ich nicht völlig in ihren Bann gezogen gewesen, hätte ich wohl bemerkt, wie unnatürlich schnell sie war. Wie sie fast ohne ihre Arme zu benutzen mehrere Meter pro Sekunde schwimmen konnte. Mir wäre aufgefallen, wie ihre Haare im weißen Mondlicht grünlich schimmerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie schließlich anfing, auf der Stelle zu schwimmen, mussten wir etwa in der Mitte des Sees sein. Sie drehte sich zu mir. Erst jetzt bemerkte ich, dass ihr Kleid verschwunden war. Sie war nackt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte ich einen Moment darüber nachgedacht, hätte ich mich wohl gewundert, wie sie das Kleid ausziehen konnte, ohne meine Hand loszulassen. Aber ich dachte nicht darüber nach. Ich bemerkte nicht einmal, wie ich vor Kälte am ganzen Körper zitterte. Vielleicht bemerkte ich es auch und es war mir bloß egal &#8230; Für mich zählte gerade nur Serena.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebevoll legte sie eine Hand auf meine Wange. Sie streichelte sie vorsichtig mit ihrem Daumen, während sie mich näher zu sich zog.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>‚Sie wird mich gleich küssen‘</em>, dachte ich. Und es gab nichts, was ich gerade lieber tun würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Hand wanderte von meiner Wange an meinen Hinterkopf. Sie fuhr mir sanft durch die Haare. Gott, wie schön sie war!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch sie zog meinen Kopf nicht weiter zu sich heran. Sehnsüchtig wartete ich darauf, dass sie mich in eine liebkosende Umarmung hüllte, ihre Lippen auf meine drückte, ihren Körper gegen meinen. Doch es passierte nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen merkte ich, wie sie mich bei den Haaren packte. Plötzlich war alles Sanfte aus ihrer Bewegung verschwunden. Sie packte so fest zu, dass es wehtat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwirrt blickte ich ihr ins Gesicht. Wo war ihr Lächeln? Das Funkeln in ihren Augen? Das Gesicht, das mir entgegenblickte, war jetzt kalt und grausam. Es fehlte die so vertraute Wärme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie packte meine Haare noch fester. Ich wollte einen Schrei ausstoßen, als sie meinen Kopf plötzlich unter Wasser drückte. Ich wehrte mich, trat um mich, schlug auf ihre Hand ein, um ihren Griff zu lösen. Doch es half nichts. Sie hatte mich fest im Griff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen merkte ich, wie sie sich in Bewegung setzte. Sie zerrte an meinen Haaren, zog mich weiter in die Tiefe. Etwas Schleimiges, Kräftiges streifte mich im Rhythmus ihrer Bewegungen. Ihr Fischschwanz!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war umgeben von endloser Schwärze. Das Wasser hatte sämtliches Mondlicht geschluckt. Schnell hatte ich die Wasseroberfläche aus den Augen verloren. Dass wir tiefer und tiefer schwammen, merkte ich nur an dem immer stärker werdenden Druck auf meinen Ohren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt immer, dein Leben würde an dir vorbeiziehen, wenn du stirbst. Bei mir das nicht der Fall. Meine Gedanken waren auch nicht bei meinen Freunden oder meiner Familie, sie waren bei Serena. Als ich die Luft nicht mehr anhalten konnte, Wasser in meine Lungen strömte, konnte ich nur an Serena denken. Daran, wie sie mich verraten hatte. Wie sie jetzt aber trotzdem bei mir war. Wie ich an ihrer Seite sterben würde &#8230;</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nixen sind <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/seeungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wasserwesen</a> der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutschen Mythologie</a>. Aufgrund ihres Äußeren werden sie häufig mit den Meerjungfrauen verwechselt. Zwischen ihnen gibt es jedoch entscheidende Unterschiede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Skandinavien sind außerdem sehr ähnliche Wesen bekannt. Darunter z. B. die Nøkken in Dänemark , die Näck in Schweden oder die Nykk in Norwegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Hinweis: Da sich der männlichen Nix in seinen Eigenschaften stark genug von der weiblichen Nixe unterscheiden, sodass ich einen eigenen Beitrag inkl. Geschichte darüber schreiben kann, werde ich den Nix in einem zukünftigen Beitrag separat behandeln.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sich eine Nixe im Wasser aufhält, sieht sie den Meerjungfrauen sehr ähnlich: Sie besitzt den Oberkörper einer Frau und den Unterkörper eines Fisches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal soll ihre Haut leicht grünlich sein oder sie soll grün schimmernde bis grüne Haare besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlässt eine Nixe das Wasser, verschwinden ihre unmenschlichen Eigenschaften jedoch. Sie sieht dann aus, wie eine völlig normale Frau – entweder eine wunderschöne junge Frau oder eine sehr alte Frau. Der einzige Unterschied ist, dass der Saum ihrer Kleidung immer nass sein soll. In anderen Geschichten hat sie auch feuchte Haut, Kleidung oder Haare.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sowohl in ihrer jungen menschlichen Gestalt als auch in ihrer natürlichen Form wird den Nixen eine außergewöhnliche, teilweise betörende Schönheit nachgesagt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nixen sind dafür bekannt, dass sie Menschen – hauptsächlich junge Männer oder Kinder – in das Wasser locken und ertränken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass sie Musik, Tanz und Gesang lieben. Ihr betörender Gesang soll – ähnlich wie bei den Sirenen – die Fähigkeit haben, Männer in seinen Bann zu ziehen, um sie in den See oder Fluss zu locken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der bekanntesten Nixen ist wohl die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/loreley" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Loreley</a>, über die ich bereits einen Beitrag verfasst habe. Sie soll mit ihrem zauberhaften Gesang viele Schiffe im Rhein zum Sinken gebracht haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen Nixen in einigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legenden</a> das Wetter kontrollieren können. So handelt eine Legende von einer Nixe, die sich in eine alte Frau verwandelt hat. Sie ist bei einem Unwetter zu einer Burg geflüchtet, um dort Schutz vor dem Wetter zu suchen. Als ihr der Einlass jedoch verweigert wurde, soll sie starken Regen beschworen haben, der die gesamte Burg überflutet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Nixen sind bösartig. Es gibt aber auch Geschichten von Nixen, die harmlos, freundlich oder hilfsbereit waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige von ihnen sollen z. B. die Zukunft voraussagen können und die Menschen warnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll es Nixen gegeben haben, die sich in Menschen verliebt haben. Manche von ihnen haben sogar geheiratet und Kinder bekommen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu den Meerjungfrauen leben Nixen nicht im Ozean. Sie bevorzugen Flüsse, Seen und Bäche, können sich aber auch an Land aufhalten. Trotzdem kehren sie immer wieder zu ihrem Gewässer zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einigen Legenden besitzen manche Nixen außerdem eine Art Haus am Grund ihres Sees.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Erzählungen von Nixen gibt es schon seit tausenden von Jahren. So wurden z. B. bereits in germanischen Stämmen Geschichten über sie erzählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch werden sie in der Nibelungensage erwähnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider konnte ich nicht sonderlich viel über die frühere Darstellung der Nixen herausfinden. Es ist jedoch bekannt, dass sie in der kulturgeschichtlichen Epoche der Romantik (ca. 1795–1848) einen gewissen Wandel durchgemacht haben. Aus den vorher fast ausschließlich boshaften Nixen wurden in dieser Zeit immer häufiger freundliche und hilfsbereite Wesen.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph">Was haltet ihr von den Nixen? Wusstet ihr, dass es zwischen ihnen und den Meerjungfrauen einen Unterschied gibt? Und was glaubt ihr, treibt die Nixen an? Aus welchem Grund hat Serena Christoph im See ertränkt? Schreibt es in die Kommentare!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Mothman &#8211; der Mottenmann (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2020 13:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Mothman ist einer meiner ältesten und meist geklicktesten Beiträge, die ich bisher veröffentlich habe. Daher habe ich mich entschieden, die Geschichte und die Hintergrundinformationen zu überarbeiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir die Waldstraße entlangfuhren, konnte ich aus dem Augenwinkel sehen, wie Leah – meine Freundin – gedankenverloren in den sternenbesetzten Himmel starrte. Ihre Augen funkelten wie die Sterne. Doch ich konnte die Atmosphäre nicht genießen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unruhig wippte ich mit dem Bein, während ich zur Uhr sah. Ich würde es nicht mehr schaffen, bis wir Zuhause in Point Pleasant waren …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich fast eine Vollbremsung einlegte, bemerkte ich Leahs verwirrten Blick von der Seite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, fragte sie, während ich mich abschnallte und aus dem Auto sprang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hab gehofft, dass ich bis Zuhause durchhalte, aber ich mach mir gleich in die Hose!“, sagte ich, bevor ich zu den Bäumen rannte, um mich zu erleichtern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte, wie auch Leah ausstieg. Sie lehnte sich ans Auto und zündete sich eine Zigarette an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hörst du das?“, fragte sie plötzlich, als ich gerade dabei war, meinen Reißverschluss zu schließen. Ich hielt in der Bewegung inne, um zu lauschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bleib beim Wagen. Ich seh mal nach“, sagte ich, traute mich aber nicht, Leah anzusehen. Ich befürchtete, dass sie mein breites Grinsen sehen würde. Gehört hatte ich nämlich nur den Wind, der durch die Bäume peitschte und die Blätter zum Rascheln brachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lass gut sein. Das sind sicher nur Hot Rods“, rief Leah mir nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Hot Rods bezeichneten wir Fans der gleichnamigen Autos aus den 20er bis 40er Jahren. Es war kein Geheimnis, dass hier in der Nähe einer ihrer Treffpunkte war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um die Uhrzeit?“, rief ich zurück. Ich würde mir meinen kleinen Scherz nicht verderben lassen. „Ich seh lieber mal nach.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leah rollte mit den Augen. Ahnte sie etwas? Egal, jetzt würde ich es durchziehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mond leuchtete so hell, dass ich selbst ohne Taschenlampe den Waldboden vor mir problemlos erkennen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trockene Blätter und Äste knackten unter meinen Schuhen, während ich mich immer wieder verstohlen zu Leah umsah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich sie schließlich nicht mehr sehen konnte, drehte ich mich um. Mit einem breiten Grinsen legte ich die Hände wie einen Trichter an den Mund. Der markerschütternde Schrei blieb mir jedoch in der Kehle stecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Direkt hinter mir ertönte ein merkwürdiges Geräusch: <em>Woooosh, woooosh, woooosh</em>. Wie die Schwingen eines riesigen Vogels.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beunruhigt sah ich mich um. Bewegte sich dort etwas zwischen den Baumkronen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da! Es war ein gigantischer Vogel, der über die Bäume glitt. Neugierig beobachtete ich, wie er sich einer Lichtung näherte und langsam zu Boden sank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er auf dem Boden stand, erkannte ich, wie riesig er war: Sein Körper war bestimmt zwei Meter hoch, seine Flügelspanne war noch größer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann bemerkte ich etwas, das sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlte: Das war kein Vogel!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mondeslicht konnte ich deutlich seine kräftigen Arme und Beine erkennen. Die Flügel hingegen ragten wie bei einem Engel aus seinem Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Proportionen waren irgendwie … falsch. Seine Finger waren zu lang, erinnerten eher an Klauen. Und seine Arme und Beine waren extrem muskulös.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während das Wesen am Boden kauerte, bewegte ich mich keinen Zentimeter. Mein Herz raste so laut in meiner Brust, dass ich befürchtete, dass es mich verriet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„John? John, komm zurück. Ich will nach Hause!“, rief Leah in der Ferne meinen Namen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drehte mich instinktiv um, ließ die Kreatur für einen Moment aus den Augen. Als ich mich ihr wieder zuwandte, erschrak ich. Sofort stellten sich mir sämtliche Haare auf. Zwei große, rot leuchtende Augen starrten mich direkt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einige Sekunden waren wir beide komplett reglos. Dann machte das Wesen eine ruckartige Bewegung und ich ergriff die Flucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Äste peitschten mir ins Gesicht, sodass ich schützend die Arme vor mich halten musste, während ich wieder die tiefen, langsamen Flügelschläge hörte – diesmal waren sie direkt über mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Steig in den Wagen!“, schrie ich, als ich Leah sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sah mich verdutzt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Steig in den Wagen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich riss sie die Augen auf und starrte in den Himmel über mir. Panisch öffnete sie ihre Autotür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rannte, so schnell ich konnte. In meinen Adern floss pures Adrenalin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich beim Auto war, stieß Leah von innen die Fahrertür auf. Ich sprang sofort hinein. Ohne zu zögern, griff ich nach dem Zündschlüssel und drehte ihn ihm Schloss. Die Zündung ratterte, doch nichts passierte. Ich versuchte es noch einmal. Wieder nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein lautes Knallen war vom Autodach zu hören. Leah und ich schrien gleichzeitig auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Starte den Wagen!“, kreischte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich versuch es ja!“, brüllte ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich startete der Motor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich trat so fest aufs Gas, wie ich nur konnte. Der Motor heulte auf und ich sah im Rückspiegel, wie die Kreatur vom Dach geschleudert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie breitete die kräftigen Flügel aus und kam schnell wieder näher. Panisch trat ich auf die Kupplung und schaltete die Gänge rauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im fünften Gang mit durchgetretenem Gaspedal raste ich über die Straße. Bei zwei engen, dicht aufeinanderfolgenden Kurven kam ich fast von der Fahrbahn ab, riss aber im letzten Moment das Lenkrad rum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Kopf wurde mit voller Wucht gegen die Scheibe geschleudert, doch ich spürte den Schmerz nicht einmal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt starrte ich wieder in den Rückspiegel. Wo war die die Kreatur hin? Hatten wir sie abgehängt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da! Sie hatte gerade erst die Kurve erreicht und flog uns in einiger Entfernung hinterher, wurde jetzt jedoch langsamer. Schließlich landete sie auf der Straße und sah uns mit ihren roten Augen nach, während sie im Rückspiegel kleiner und kleiner wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten es geschafft. Wir waren entkommen.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mothman, im Deutschen auch Mottenmann genannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kreatur</a>, die erstmals in den 1960er Jahren in West Virgina, USA gesichtet worden sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mothman wurde in den meisten Augenzeugenberichten als menschenähnliche Kreatur mit zwei großen Flügeln beschrieben. Hierbei wird teilweise ein Vergleich zu Engeln gemacht, was sich in den meisten Fällen jedoch eher auf die Position der Flügel bezieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kreatur soll etwa 2 Meter groß sein und eine Flügelspannweite von über 3 Metern besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wohl bekannteste Merkmal des Mothman sind jedoch seine großen, runden, rot-leuchtenden Augen. Entweder sollen sie von sich aus leuchten oder Licht ähnlich den Reflektoren von Rücklichtern rötlich reflektieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere häufig genannte Merkmale sind sehr muskulöse Arme und Beine, Klauen, sowie ein halsloser Kopf, der direkt auf den Schultern sitzt. Andere Behauptungen gingen sogar so weit, dass der Mothman so aussähe, als habe er gar keinen Kopf und die Augen befänden sich an seinem Oberkörper.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr ist über sein Aussehen nicht wirklich bekannt, was wahrscheinlich daran liegt, dass fast alle Augenzeugen behaupten, nur seine Silhouette und die rot leuchtenden Augen gesehen zu haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sichtungen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste nachweislich bekannte Sichtung des Mothman war am 15. November 1966. Man kann zwar immer wieder von Sichtungen vor dem Datum – häufig am 12. November – lesen, diese weichen jedoch stark voneinander ab und lassen sich nicht – wie die Sichtung vom 15. November – durch Zeitungsartikel nachweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 15. November 1966 wurde der Mothman kurz vor Mitternacht von den zwei Paaren Roger und Linda Scarberry und Steve und Mary Mallette in der Nähe von Point Pleasant, West Virginia gesichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden Paare fuhren in einem PKW, als der Mothman plötzlich im Licht der Scheinwerfer auftauchte. Er bemerkte sie sofort und erhob sich in die Lüfte, woraufhin er die Verfolgung aufnahm. Die beiden Paare flohen unterdessen panisch. Sie berichteten, dass man das Schlagen der Flügel sogar im Auto gehört habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vier Zeugen meldeten den Vorfall sofort der Polizei, woraufhin der Sheriff keine drei Stunden später das Gelände absuchte, jedoch nichts Auffälliges finden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits am nächsten Tag erschien sogar ein Artikel in der Zeitung, der die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> des Mothman – damals teilweise noch Birdman oder Birdmonster genannt – ins Rollen brachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin gab es in der Gegend viele angebliche Sichtungen des Mothman. Selbst eine der vier ursprünglichen Zeugen, Linda Scarberry, berichtete noch von mehreren Sichtungen. Einmal will sie ihn sogar auf ihrem Apartmentdach gesehen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Point Pleasant damals noch ein relativ kleiner Ort war, in dem es viele Sichtungen gab, entstand bald die Situation, dass wohl jeder Einwohner den Mothman entweder selbst gesehen haben will, oder jemanden kannte, der angeblich eine Begegnung mit der Kreatur hatte. Die Legende war daher damals umso glaubwürdiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Höhepunkt der Mothman-Legende in der Gegend gab es am 15. Dezember 1967, exakt 13 Monate nach der ersten Sichtung. An jenem Tag stürzte die Silver Bridge (offiziell Ohio River Bridge) ein und 46 Menschen ertranken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wegen des Datums brachten viele Menschen den Einsturz der Brücke mit dem Mothman in Verbindung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Menschen sind fest davon überzeugt, dass es sich bei dem Mothman um einen Außerirdischen, einen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> oder sogar um einen Dämon handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2002 erschien außerdem der Film „Die Mothman Prophezeiungen“ (original: „The Mothman Prophecies“), der in den gesamten Vereinigten Staaten zu angeblichen Mothman Sichtungen führte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich wurde der Mothman hauptsächlich in West Virginia in der Nähe von Point Pleasant gesichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit die Legende weltbekannt geworden ist, soll er jedoch auch an anderen Orten, vereinzelt sogar auf anderen Kontinenten, gesichtet worden sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der Sichtungen haben sich einige Eigenschaften des Mothman herauskristallisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum einen scheint der Mothman nicht zwangsläufig gefährlich zu sein. Obwohl er viele angebliche Augenzeugen verfolgt hat und diese ggf. große Angst hatten, hat der Mothman nur in den wenigsten Geschichten tatsächlich angegriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird der Mothman als Vorbote eines großen Unglücks angesehen – wie z.B. dem Einsturz der Silver Bridge. So soll er angeblich auch an anderen Orten, wo er gesichtet wurde, vor einem Unglück gewarnt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ist es unklar, was genau der Mothman eigentlich will. Möchte er die Leute bloß warnen? Wird er von einem nahenden Unglück bloß angezogen? Oder verfolgt er völlig andere Absichten?</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was denkt ihr über den Mothman? Glaubt ihr, an der Legende der Ureinwohner ist etwas dran und der Mothman steht wirklich mit dem Einsturz der Brücke in Verbindung? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr den Mothman sehen würdet?</em></p>



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