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	<title>Spukhaus Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Mon, 30 Jun 2025 18:12:11 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Spukhaus Archive - Geister und Legenden</title>
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		<title>Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Einige Tage später hingegen sollte ich merken, dass die Ereignisse vielleicht doch keinen so natürlichen Ursprung hatten. Es war mitten in der Nacht. Ich lag im Bett und war fest am Schlafen, als mich Stimmen weckten …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeister – Du bist hier nicht erwünscht! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/c45ee185287846f594dcb1e69ba274d2" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Poltergeister gehören zu einer der wohl bekanntesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geisterarten</a> der Welt. Dabei sind echte Berichte von dem Phänomen vergleichsweise selten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich wollte ich heute meine interaktive Geschichte veröffentlichen. Aber da ich leider wieder ein wenig übertreiben musste und die Geschichte jetzt schon deutlich länger als die interaktive Geschichte von letztem Jahr geworden ist, muss ich sie leider noch etwas verschieben. Stattdessen habe ich einen alten Beitrag für euch überarbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Also dann, Ms. Harris. Hier haben Sie die Schlüssel und hier meine Visitenkarte. Nur für den Fall, dass Sie das Haus wieder verkaufen möchten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß noch, wie ich mich über die Formulierung der Maklerin gewundert hatte. <em>Falls Sie das Haus wieder verkaufen möchten.</em> Vielleicht sollte es nur Werbung sein. Vielleicht hoffte sie, dass ich jemanden kenne, der eine Immobilie zu verkaufen hat. Aber warum hatte sie es dann nicht so formuliert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Danke“, nahm ich die Schlüssel entgegen. Die Karte hingegen lehnte ich ab. „Ich denke nicht, dass ich das Haus so schnell wieder loswerden möchte. Es ist einfach perfekt. Die Lage, der Garten, und dann auch noch der Preis.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Maklerin nickte, schenkte mir aber ein gequält aussehendes Lächeln. „Nur für den Fall“, sagte sie dann und steckte die Karte in meinen Briefkasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah der kleinen Frau mit gerunzelter Stirn nach, zuckte jedoch nur mit den Schultern, ehe ich mich meinem neuen Zuhause zuwandte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sollte aber nur ein paar Wochen dauern, bis ich anfing zu verstehen, warum die Maklerin ihre Karte dagelassen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn waren die Vorfälle noch harmlos. Einige Male stand eine Schublade oder Schranktür plötzlich offen. Da dachte ich noch, dass sie vielleicht defekt seien oder ich sie lediglich vergessen hatte. Und auch, als einige Türen von allein zuknallten, machte ich noch einen unbemerkten Durchzug dafür verantwortlich. Das Haus war halt alt. Da konnte es schonmal ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Tage später hingegen sollte ich merken, dass die Ereignisse vielleicht doch keinen so natürlichen Ursprung hatten. Es war mitten in der Nacht. Ich lag im Bett und war fest am Schlafen, als mich Stimmen weckten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen Moment, bis ich merkte, dass sie nicht aus meinem Traum, sondern aus der Wirklichkeit kamen. Schlagartig war ich wach. Ich setzte mich auf und sah erschrocken ins Zimmer. Da sah ich, dass es mein Fernseher war. Er war angegangen, zeigte irgendeinen alten Westernstreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irritiert griff ich nach der Fernbedienung auf meinem Nachttisch und schaltete ihn aus. Jetzt wieder in Dunkelheit gehüllt, rutschte ich langsam wieder unter die Bettdecke. Ich starrte die dunkle Zimmerdecke an. Wieso war der Fernseher mitten in der Nacht einfach angesprungen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich tanzten Lichter über die Decke. Die Stimme von John Wayne drang an meine Ohren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was zum …?“, fragte ich in den Raum, während ich mich wieder aufsetzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fernseher war wieder an. Erneut griff ich nach der Fernbedienung, diesmal ohne die Augen von dem Gerät zu nehmen. Ich drückte den Ausschalter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder war ich in Schwärze gehüllt. Diesmal legte ich mich jedoch nicht wieder hin. Ich blieb verwundert im Bett sitzen und starrte in die Dunkelheit Richtung Fernseher, unfähig, eine logische Erklärung für das spontane Einschalten zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann, noch ehe ich die Augen von dem Gerät genommen hatte, war er plötzlich wieder an. Und nicht nur das: Ich sah die Lautstärkeanzeige, wie sie langsam nach oben stieg. Wayne brüllte jetzt seine Worte. Ein Revolverknall hallte durch das Zimmer, als wäre wirklich eine Waffe abgefeuert worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich nicht wusste, was ich anderes tun soll, sprang ich aus dem Bett. Ich rannte zum Fernseher, griff nach dem Kabel und riss es aus der Wand. Jetzt war wieder alles still.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend ging ich zurück ins Bett. Ich zermarterte mir das Hirn, was hier gerade passiert war. Und so dauerte es eine ganze Weile, bis ich endlich einschlief. Die restliche Nacht blieb es ruhig.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag musste ich noch immer an die seltsamen Vorkommnisse aus der Nacht denken. Zuerst dachte ich, ich hätte es vielleicht nur geträumt, aber nein. Der Fernseher war wirklich nicht mehr angeschlossen. Ich hatte keine Ahnung, was da passiert war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also tat ich, was ich in solchen Situationen immer tue. Ich nahm mein Handy zur Hand und rief meinen Vater an. Er hatte immer für alles eine Erklärung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sophia, wie geht es dir?“, meldete sich die vertraute Stimme. „Hast du dich gut eingelebt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Pops“, begrüßte ich ihn. „Es geht so. Letzte Nacht ist was Komisches passiert. Mein Fernseher ist ein paarmal angegangen.“ Ich schilderte ihm die Situation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Vater überlegte einen Augenblick. „Es gibt Universalfernbedienungen“, erklärte er mir. „Wenn man die richtige Frequenz kennt, kann man damit fast jedes Gerät einschalten. Kann es sein, dass ein Nachbar dich nicht leiden kann? Vielleicht gefällt jemandem nicht, dass eine schwarze Frau in die Gegend gezogen ist. Es gibt rassistische Arschlöcher, die zu allen Mitteln greifen würden, um uns loszuwerden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuchte, meinem Vater zu erklären, dass meine Nachbarn mit meiner Hautfarbe kein Problem hatten, auch die mexikanische Familie gegenüber sich gut mit allen verstand, aber es war zu spät. Pops hatte bereits zu seinem Vortrag angesetzt, dass ich mich davon nicht unterkriegen lassen dürfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber darüber wunderte ich mich nicht. Mein Vater war nicht mehr der Jüngste. Während ich mich hauptsächlich mit Alltagsrassismus rumschlagen musste und hier und da einen blöden Spruch abbekam, hatte er noch ganz andere Zeiten kennengelernt. Und so ließ ich seinen Vortrag über mich ergehen, versprach ihm, dass ich mich nicht vertreiben lassen würde, ergänzte, dass ich ihn liebhabe, und legte schließlich auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür hatte ich jetzt meine Antwort: Es könnte eine Universalfernbedienung gewesen sein. Und nur, weil meine Nachbarn keine Rassisten waren, hieß das ja nicht, dass die Nachbarsjungen mir keine Streiche spielen würden. Fürs Erste gab ich mich also mit der Theorie zufrieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so ignorierte ich weiterhin die Schranktüren, die sich wie von Geisterhand öffneten, die Türen, die von allein auf- oder zugingen und sogar das Licht, das gelegentlich flackerte. Zumindest tat ich das, bis ich eines Abends in der Küche stand und mir eine Scheibe Brot schmierte. Ich war gerade dabei, Margarine auf dem Brot zu verstreichen, da hörte ich ein leises Quietschen hinter mir: <em>Iiieeeek.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell drehte ich mich um. Dabei konnte ich gerade noch sehen, wie sich das Regal, in dem meine Teller standen, langsam öffnete. Als ich jedoch darauf zuging, um es wieder zu schließen, ließ mich ein leises Schaben in der Bewegung innehalten. Es klang völlig gleichmäßig. Und dann sah ich es: Einer der Teller schob sich langsam, als würde ihn jemand herausziehen, aus dem Schrank heraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit offenem Mund stand ich da, während der Teller aus dem Schrank stürzte, zu Boden fiel und dort in unzählige Scherben zerbarst. Erst bei dem Aufprall machte ich einen Satz zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig starrte ich auf die Scherben. Was zur Hölle war da gerade passiert? Das war nicht möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich nicht wusste, was ich anderes tun sollte, holte ich einen Besen. Ich fegte die Scherben mühsam auf eine Kehrschaufel, ehe ich damit nach draußen ging, um sie dort im Müll zu entsorgen. Ich kam jedoch nicht weiter als bis vor die Haustür. Dort angekommen blieb ich abrupt stehen. Fast hätte ich die Schaufel mitsamt Scherben fallengelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Achtzehn Augen starrten mich aus meinem Garten heraus eindringlich an. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Gartenzwerge. Die kleinen Kerlchen waren einfach zu drollig. In diesem Moment jedoch war sämtliche Sympathie für sie gewichen. Normalerweise standen sie im Vorgarten verteilt, sodass sie aussahen, als würden sie sich unterhalten oder der Gartenarbeit nachgehen. Jetzt jedoch standen alle neun Zwerge so, dass sie jede Person anstarrten, die das Haus verließ – in diesem Moment also mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war schneller wieder drinnen, als ich zugeben möchte. Die Scherben würde ich morgen entsorgen, wenn es draußen wieder hell war. Für alles andere lagen meine Nerven gerade zu blank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich nach dem Abendbrot im Bett lag, konnte ich mal wieder nicht schlafen. Ich nahm mein Handy zur Hand und durchforstete das Internet nach irgendeiner Erklärung für das alles. Klar, mit einer Universalfernbedienung konnte man den Fernseher erklären und auch die Gartenzwerge hätte jede beliebige Person in meinem Vorgarten umstellen können, aber die Türen? Und der Teller? Es musste dafür irgendeine Erklärung geben!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider ergab meine Suche nicht viel. Jedenfalls ging ich nicht davon aus, dass ein Erdbeben den Teller bewegt haben konnte. Einen vorbeifahrenden Zug gab es in der Region auch nicht. Und von den wirren Poltergeist-Theorien, über die ich las, wollte ich gar nicht erst anfangen. Ich glaubte nicht an das Paranormale. Zumindest noch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ließ ich mit einem frustrierten Seufzen den Kopf aufs Kissen fallen. In dieser Nacht verfiel ich in unruhige Träume.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen verging kein einziger Tag mehr, an dem nichts Merkwürdiges in meinem neuen Haus geschah. Aber das Problem war nicht, dass diese Dinge passierten. Ob ihr es glaubt oder nicht irgendwann gewöhnt man sich daran, dass Sachen plötzlich woanders liegen, dass Türen sich von allein öffnen und schließen, dass das Licht an- oder ausgeht. Das Problem war nicht einmal, dass die Phänomene häufiger wurden. Nein, das Problem war, dass sie immer intensiver wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß noch, wie ich einen Tag aus der Dusche kam und das Wort „LEAVE!“ auf meinem beschlagenen Badezimmerspiegel geschrieben sah. Zwar gibt es eine einfache Möglichkeit, solche Worte auf Spiegeln zu erzeugen, wie ich im Internet herausfand – es reichte zum Beispiel aus, sie mit Reinigungsalkohol auf den unbeschlagenen Spiegel zu schreiben, damit die Worte nach der nächsten heißen Dusche auftauchten –, aber außer mir war niemand in meinem Haus gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da noch die Visitenkarte. Als ich den Spiegel mit meinem Handtuch abwischen wollte, entdeckte ich die Karte der Maklerin auf dem Waschbeckenrand. Ich war mir sicher, dass sie vor meiner Dusche noch nicht dagelegen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht hatte mein Vater ja recht. Vielleicht war es wirklich ein Nachbar, der mich loswerden wollte. Aber in mein Haus einbrechen? Sich in mein Badezimmer schleichen, während ich duschte? Das ging nun wirklich zu weit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht sollte ich mir Überwachungskameras für das Haus holen. So wüsste ich nicht nur, wer in meinem Haus hier sein Unwesen trieb, ich hätte auch noch Beweise, die ich der Polizei vorlegen konnte. Wer auch immer das war, würde bald schon lernen, dass er sich mit der Falschen angelegt hatte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">So weit kam es jedoch nie. Ich hatte den Gedanken gerade zu Ende gedacht, da hörte ich plötzlich ein lautes Schaben aus dem Stockwerk über mir – dem Dachboden. Es klang so, als ob jemand einen schweren Gegenstand über den Boden rücken würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh nein! So nicht, Freundchen!“, schimpfte ich, während ich zur Treppe rannte. Ich nahm zwei Stufen auf einmal. Das Holz knarrte unter meinen Füßen, während ich dem schabenden Geräusch immer näherkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte, dass meine Hand zitterte, während ich nach dem metallenen Türknauf griff. Ich nahm all meinen Mut zusammen. Dann drehte ich den Knauf und stieß die Tür mit aller Kraft auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie schon so oft die letzten Wochen, erstarrte ich jetzt. Ich sah, wie einige Umzugskartons wie von Geisterhand über den Boden schleiften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem letzten verzweifelten Versuch, eine logische Erklärung für all das zu finden, rannte ich zu einem der Kartons. Ich kippte ihn auf die Seite, untersuchte seine Unterseite und den Fußboden, öffnete ihn und leerte seinen Inhalt vor mir aus. Aber da war nichts – nichts, das den Karton hätte bewegen können. Das war physikalisch unmöglich!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Mundwinkel zuckte. Ich richtete mich auf. „Wer oder was auch immer du bist, das ist mein Haus!“, rief ich. „Und ich will, dass du mich auf der Stelle in Ruhe lässt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">War es nicht das, was man mit Geistern machen sollte? Sie zum Gehen auffordern? Oder würde ich ihn damit nur provozieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Überraschung war es plötzlich um mich herum still. Kein schleifendes Geräusch mehr, keine sich bewegenden Kisten. Hatte es funktioniert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es war nur die Ruhe vor dem Sturm. Ein plötzliches Klappern hinter mir ließ mich herumfahren. Ein Stuhl, der in einer Ecke stand, zitterte wie verrückt. Dann, völlig unerwartet, hob er vom Boden ab. Er schwebte in der Luft, nur wenige Zentimeter über dem Boden, als würde eine unsichtbare Person ihn hochheben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment flog der Stuhl in meine Richtung. Normalerweise hatte ich gute Reflexe, doch in diesem Moment war ich zu überfordert, um überhaupt zu reagieren. Der Stuhl traf mich mit voller Wucht. Das Holz der Rückenlehne schlug an meinen Kopf, ehe die gepolsterte Sitzfläche mich an der Brust traf und zu Boden schleuderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen kurzen Moment wurde mir schwarz vor Augen. Ich lag benommen da, als ich plötzlich ein Knarren vernahm. Die schwere Kommode über mir kippte in meine Richtung. Ich riss schützend die Arme hoch. Aber auch das würde nichts bringen. Die Kommode war so schwer, dass selbst die beiden Männer vom Umzugsunternehmen Schwierigkeiten gehabt hatten, sie die Treppen hinauf zu bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte! Warte!“, kreischte ich panisch. „Du hast gewonnen!“ Was auch immer hier passierte, ich hatte nicht vor, heute von einer Kommode zerquetscht zu werden. „Du hast gewonnen“, wiederholte ich. „Ich ziehe aus. Das möchtest du doch, oder?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kommode hielt in der Bewegung inne. Sie stand jetzt nur noch auf zwei Beinen, schwebte bedrohlich über mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich such mir noch heute ein Motel. Direkt morgen ruf ich die Maklerin an. Dann bist du mich los!“, flehte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte mein Herz bis in meinen Hals pochen. Mit noch immer weit aufgerissenen Augen starrte ich die Kommode an. Wenn der Poltergeist, oder was auch immer es war, sie jetzt losließ, würde ich das nicht überleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann kippte die Kommode. Sie kippte jedoch nicht in meine Richtung. Nein. Sie kippte von mir weg. Mit einem lauten Knall landete sie wieder auf ihren vier Beinen. Danach war es ruhig. Der Spuk war zu Ende. Ich hatte verloren, aber ich lebte. Jetzt musste die Maklerin nur noch einen neuen Käufer finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnerte mich an ihre Worte. „Nur für den Fall, dass Sie das Haus wieder verkaufen möchten.“ Sie wusste es. Sie hatte es die ganze Zeit gewusst. Und auch beim nächsten Käufer würde sie es wieder wissen …</p>



<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Poltergeister sind eine Art Geist oder Spukerscheinung. Aber obwohl sie eine der bekanntesten Geisterarten sind, sind Berichte von Poltergeistphänomenen relativ selten – sofern man von den zahlreichen gefakten Videos einmal absieht, die im Internet kursieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall manifestieren sich Poltergeister nicht in einer sichtbaren Gestalt. Sie sind somit eines der wenigen übernatürlichen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>, das kein eigenes Aussehen besitzen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Ausnahme besteht, sofern die Poltergeistphänomene mit anderen Geistererscheinungen, Telepathie oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämonen</a> in Verbindung gebracht werden. In diesen Fällen wird dem „Poltergeist“ das Aussehen des anderen Wesens oder der telepathisch begabten Person zugeschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Theorien bzw. Arten, wie ein Poltergeist entstehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gibt es den „klassischen“ Poltergeist, der als Geist oder Dämon ein Haus oder eine Person heimsucht und die paranormalen Phänomene verursacht. Der Grund hierfür kann u. a. eine starke emotionale Bindung zwischen dem Geist und dem Ort/der Person sein, eine aus dem Ruder geratene Séance oder schwarze Magie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anders verhält es sich hingegen mit der Theorie, dass Poltergeistphänomene durch einen Menschen verursacht werden. Ich meine hierbei nicht, dass ein Mensch die Phänomene faket – das kommt natürlich auch sehr oft vor –, sondern dass er die Objekte unbewusst bewegt, z. B. durch telekinetische Kräfte. Tatsächlich war diese meist von sexistischen Motiven geprägte Theorie besonders früher sehr verbreitet. Ihr zufolge wird die unbewusste Telekinese durch eine Mischung aus Stress und Hysterie von meist jungen Frauen oder weiblichen Teenagern ausgelöst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie plausibel Letzteres in euren Ohren klingt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich bin aber ein größerer Fan der Geist/Dämon-Theorie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Poltergeister können auf sehr verschiedene Weisen in Erscheinung treten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig beginnen die Phänomene sehr harmlos – ein kleiner Gegenstand, der plötzlich woanders liegt, ein leises Klopfen, flackernde Lichter oder Lichtschalter, die sich von selbst betätigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seltenen Fällen bleibt es bei diesen kleineren Ereignissen, im Normalfall steigern sich die paranormalen Phänomene jedoch mit der Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So kann es im weiteren Verlauf zum Beispiel dazu kommen, dass auch größere Gegenstände oder Möbel bewegt werden oder umkippen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normal sind auch Tassen oder Teller, die plötzlich durch die Luft fliegen, als wären sie geworfen worden, oder Schubladen und Türen, die sich von selbst öffnen oder schließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es Berichte von lautem durchgehendem Klopfen, Lichtflackern, elektronischen Geräten, die plötzlich an oder ausgehen, von selbst wechselnden Fernsehprogrammen und Geräuschen wie Stimmen, undeutlichem Geflüster oder unmenschlichen Schreien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In besonders schweren Fällen soll es sogar zu plötzlichem Feuer ohne erkennbare Ursache oder schwebenden Möbeln und Personen gekommen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau wie die Art der Ereignisse kann auch die Zeitspanne, über die sie passieren, sich von Fall zu Fall stark unterscheiden. In einigen Fällen dauert es nur wenige Wochen, bis sie wieder aufhören, in anderen mehrere Monate bis hin zu Jahren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Poltergeister sind fast immer innerhalb von Gebäuden anzutreffen. Davon abgesehen können sie überall auf der Welt vorkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Kulturen sind sie unter anderem anderem Namen bekannt und auch die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legenden</a> um die Ereignisse können verschieden sein, aber das Grundprinzip bleibt immer dasselbe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den genauen Ursprung der Poltergeister lässt sich nur schwierig etwas sagen. Es gibt verschiedenste Poltergeister in allen möglichen Kulturen – mal sind es Geister, mal Kobolde, Hexen, Menschen mit telekinetischen Kräften, Dämonen, Yōkai oder völlig andere Wesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Poltergeister, wie wir sie aus europäischen und amerikanischen Erzählungen kennen, könnten hingegen ihren Ursprung in Deutschland haben, worauf die Tatsache hindeutet, dass „poltergeist“ als Wort für die Phänomene auch in anderen Sprachen übernommen wurde – so ist im Englischen z. B. von „poltergeists“ die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber egal, aus welcher Region der Glaube an „unsere“ Poltergeister ursprünglich kommen mag, so ist der Ursprung doch relativ eindeutig: Die Menschen haben sich früher alle möglichen Dinge ausgedacht, um scheinbar unerklärliche Vorkommnisse zu erklären. Götter, die den Sonnenwagen über den Himmel ziehen, Geister, die in den Polarlichtern tanzen oder eben Poltergeister, die Geräusche ohne erkennbaren Ursprung erklären sollen – ein Glaube, der sich bis heute hartnäckig gehalten hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Realität kommen die Geräusche oft bloß von arbeitendem Holz, Tieren, die sich in oder hinter der Wand befinden oder alten Rohren, aber auch das tut der Fantasie der meisten Menschen keinen Abbruch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch, wenn sich die meisten Poltergeistaktivitäten auf ebensolche natürliche Ursachen oder schlichten Betrug, um Aufmerksamkeit zu erregen, zurückführen lassen, so gibt es doch einige historische Fälle von Poltergeistern, die sich bis heute nicht logisch erklären lassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Poltergeister in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle komme ich natürlich nicht drum herum, die Poltergeist-Filmreihe, bestehend aus „Poltergeist“ (1982), „Poltergeist 2 – Die andere Seite“ (1986), „Poltergeist 3 – Die dunkle Seite des Bösen“ (1988) sowie der Neuauflage „Poltergeist“ (2015), zu erwähnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es eine Die drei ???-Folge namens „Poltergeist“ von 1997, die von vermeintlichen Poltergeistphänomenen im Haus einer älteren Dame handelt. (Dabei handelt es sich übrigens um eine meiner Lieblingsfolgen. :D)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und natürlich gibt es den bekannten Horrorfilm „Conjuring 2“ (2016), der den berühmten echten Fall des Enfield-Poltergeists behandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Fernsehserien und Filme wie z. B. die Horrerserie „Poltergeist – die unheimliche Macht“ (1996-1999), den Dokumentarfilm „Enfield Poltergeist“ (2023) oder die 11-teilige Trash-Horrorfilmreihe „American Poltergeist“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was denkt ihr über Poltergeister? Glaubt ihr, dass diese Phänomene übernatürlich sein können? Oder gibt es für euch immer eine logische Erklärung? Wie würdet ihr die Phänomene erklären? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>Tsukumogami – Monster sind real!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als wir fast mit dem letzten Zimmer fertig waren – es war bereits Sonntagnachmittag – entdeckte ich jedoch den kaputten Papier-Regenschirm wieder. Zumindest dachte ich erst, dass er es sei. Er stand in der hintersten Ecke des Raumes, völlig unscheinbar an die Wand gelehnt.<br />
Langsam, fast schon vorsichtig ging ich auf ihn zu. „Das ist seltsam“, sagte ich. „Ich hätte schwören können, dass ich den Regenschirm letztes Wochenende schon einmal entsorgt habe …"</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/02ea5e58dcfb432fac64b734ec28e975" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Tsukumogami behandelt endlich wieder einen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Yōkai</a>. Mir ist ehrlich gesagt nicht einmal aufgefallen, dass meine letzte japanische Legende schon 9 Monate her war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür hat die heutige Geschichte mit schnuckeligen 4.448 Wörtern deutliche Überlänge. Ich hoffe, sie gefällt euch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß neben Kichiro in dem kleinen weißen Transporter, den wir vorhin in Tokio gemietet hatten. Die Natur war grün, die Sonne schien und unsere Playlist schallte aus den Boxen, während wir die engen und kurvigen Straßen entlangfuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir näherten uns unserer neuen Heimat. Shizuka-Mura war ein kleines Dorf, nur etwa zwei Stunden von Tokio entfernt. Einsam, fast unbedeutend stand es am Fuß eines Berges. Ohne den Arbeitskollegen von Kichiro, der uns auf das verschlafene Örtchen aufmerksam gemacht hatte, hätten wir es wahrscheinlich nie entdeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er wusste jedoch, dass wir gemeinsam ein Haus kaufen wollten. Auch hatte er mitbekommen, dass wir uns bereits nach einigen Akiyas umgesehen hatten. So nennt man die zahlreichen leerstehenden Häuser, die in den ländlichen Gegenden Japans zu finden sind. Meist kann man sie zu spottbilligen Preisen erstehen, da sie langsam am Zerfallen sind. Und wenn ich spottbillig sage, meine ich spottbillig: Die Häuser inklusive Grundstück fangen teilweise schon bei umgerechnet 300 bis 400 Euro an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Haus, für das wir uns dank des Kontakts des Arbeitskollegen letztendlich entschieden hatten, war mit seinen 2,5 Millionen Yen, etwa 15.500 Euro, zwar etwas teurer, aber der Zustand war mehr als nur überzeugend. Klar mussten wir noch einiges an Geld in die Renovierung stecken, zum Beispiel mussten wir die komplette Elektrik sowie die Leitungen erneuern lassen, aber vieles konnten wir tatsächlich selbst erledigen. Immerhin hatte ich in den zehn Jahren, in denen ich in Deutschland als Handwerker gearbeitet hatte, einiges gelernt. Außerdem war das Haus trocken, weder von Schimmel noch von Termiten befallen und selbst die meisten Möbel und Tatami-Matten waren in einem noch durchaus brauchbaren Zustand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ich in Deutschland für den Preis so ein Haus gefunden hätte, hätte ich Angst gehabt, dass es darin spukt“, hatte ich scherzhaft zu Kichiro gesagt, nachdem ein Gutachter uns einen groben Überblick über die anfallenden Kosten gegeben hatte. Dass ich mit der Aussage ins Schwarze getroffen hatte, hätte ich mir jedoch nicht träumen lassen. Wir hatten den Kaufvertrag noch am selben Abend unterzeichnet.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich hatten wir das Dorf erreicht. Wir fuhren durch enge, teilweise baufällige Straßen, sodass wir nur im Schritttempo fahren konnten. Währenddessen begegneten wir einigen Bewohnern, die uns allesamt neugierig nachsahen. Wir begrüßten sie je mit einem freundlichen nicken, bis wir schließlich in unsere Straße einfuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Haus war nicht das erste Akiya, dem wir heute begegneten. Obwohl Shizuka-Mura nur wenige Einwohner hatte, gab es davon in der Gegend einige. Manche von ihnen sahen, genau wie unseres, vergleichsweise gut aus, andere waren völlig zerfallen und überwuchert. Wahrscheinlich waren die meisten jüngeren Leute aus der Gegend in die Städte gezogen und hatten die Häuser leer zurückgelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich fuhren wir auf unsere kleine Auffahrt. Unsere neue Nachbarin, eine ältere Dame, war gerade in ihrem Garten. Auch sie sah neugierig zu uns rüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Tag“, grüßte ich freundlich, während ich ausstieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Tag“, grüßte sie zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind die neuen Nachbarn. Das ist Herr Suzuki und ich bin Berger“, stellte ich uns, wie in Japan üblich, mit unseren Nachnamen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Tag“, grüßte nun auch Kichiro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gotō“, stellte sich die Frau vor. Sie beäugte uns einen Augenblick neugierig. „Sie müssen gute Freunde sein“, stellte sie schließlich fest. Ein anderer Grund, warum zwei Männer sich gemeinsam ein Haus kauften, fiel ihr anscheinend nicht ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind verlobt“, erklärte ich. Leider ein Dauerzustand, da zwei Männer hier in Japan noch nicht heiraten durften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Gotō guckte überrascht, dann aber nickte sie freundlich. „Es ist schön, dass junge Leute wie Sie in unser kleines Dorf ziehen. Ich kann zwar nicht schwer tragen, aber falls Sie Hilfe gebrauchen können, sagen Sie bitte Bescheid.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir bedankten uns, woraufhin sie weiter zu ihrer Haustür ging. Bevor sie sie jedoch öffnete, drehte sie sich noch einmal zu uns um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach so. Bevor ich es vergesse: Ich höre manchmal nachts Geräusche aus Ihrem Haus. Ich weiß nicht, wer oder was das ist, aber passen Sie bitte auf sich auf. Nicht, dass Sie ungewollte Gäste haben.“ Dann war sie auch schon in ihrem Haus verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro und ich sahen einander überrascht an. Ich verzog das Gesicht. „Na das klingt ja vielversprechend“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Verlobter klopfte mir auf die Schulter. „Mach dir nichts draus, Lennart. Wenn das irgendwelche Tiere sind, finden wir sie beim Entrümpeln, und falls es ein Obdachloser ist, zieht er bestimmt weiter ins nächste Akiya. Es ist ja nicht so, dass es nicht genug davon in der Gegend gibt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte mich zum Lachen. Sein Optimismus und seine immer lockere Art, mit Problemen umzugehen, waren zwei der Gründe, warum ich mich damals in ihn verliebt hatte.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Tag passierte nichts Außergewöhnliches. Wir fingen an, die Möbel und Haushaltsgegenstände einen Raum nach dem anderen durchzusehen. Wir sortierten, was wir noch gebrauchen konnten, und was wegsollte. Wie bereits gesagt waren viele der Möbel noch immer in einem guten Zustand, weshalb wir die meisten Stühle, Tische, Schränke und sogar ein Radio, das in der Küche stand, behielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die anderen Dinge – ein kaputter Besen, ein Stuhl mit gebrochener Armlehne, alte Zeitschriften, kaputtes Geschirr, diverse ausgeblichene Bilder und die alten Futons, um nur ein paar Dinge zu nennen – brachten wir nach draußen. Wir stellten sie auf die Auffahrt, von wo aus wir sie später geordnet in den Transporter laden würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am frühen Abend machte uns das schwindende Sonnenlicht jedoch ein Strich durch die Rechnung. Da der Strom nicht funktionierte, konnten wir bald kaum noch etwas erkennen. Die batteriebetriebene Camping-Lampe, die wir extra für diesen Zweck organisiert hatten, spendete zwar genug Licht für eine gemütliche Atmosphäre, aber es war zu schwach, um die Möbel ausreichend zu beleuchten. Daher entschieden wir, es für heute gut sein zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Abendessen gab es Instant-Ramen. Frau Gotō war so freundlich, uns dafür heißes Wasser zu spendieren. Wir aßen die Nudeln bei ihr, während sie uns von der Gegend erzählte. Trotz der bescheidenen Größe hatte Shizuka-Mura einen kleinen Supermarkt, zwei empfehlenswerte Restaurants und einen gut gepflegten Schrein – nur für denn Fall, dass wir uns noch etwas aus den Göttern machten, wie Frau Gotō mit einem Augenzwinkern erzählt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Essen bedankten wir uns bei ihr für das heiße Wasser und die gute Gesellschaft, woraufhin sie uns anbot, dass wir gerne am nächsten Abend wiederkommen könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend gingen wir zufrieden und erschöpft von der vielen Arbeit ins Bett. Dafür hatten wir einen Futon im Gästezimmer ausgebreitet – dem einzigen Raum, der nicht völlig mit Ramsch zugestellt gewesen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir uns hingelegt und unsere Camping-Lampe ausgeschaltet hatten, war es um uns herum stockdunkel. Die Luft roch noch immer nach Staub, auch wenn wir uns größte Mühe gegeben hatten, den Raum zumindest oberflächlich zu putzen. Jetzt lauschte ich Kichiros langsamen Atem neben mir. Und so war ich bald eingeschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitten in der Nacht wurden wir jedoch von seltsamen Geräuschen aus dem Schlaf gerissen. <em>‚Klack. Klack‘</em>, ertönte es leise aus dem Flur. <em>Klack.</em> Es klang fast wie Schritte, nur dass es dafür zu langsam und irgendwie zu aggressiv war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lennart? Was ist das?“, fragte Kichiro, als er merkte, dass ich wach war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Ahnung“, erwiderte ich. Vielleicht waren das die nächtlichen Geräusche, von denen Frau Gotō erzählt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leise, um selbst keinen Lärm zu machen, stand ich auf. Ich tastete nach der Camping-Lampe, schaltete sie aber noch nicht ein, um nicht auf mich aufmerksam zu machen. Anschließend schlich ich auf leisen Sohlen zur Zimmertür. Kichiro war dicht hinter mir. Als ich den Shoji, die japanische Schiebetür, erreicht hatte, schob ich ihn langsam auf. <em>Klack. Klack.</em> Die Geräusche waren jetzt ganz in der Nähe. Vorsichtig hob ich den Arm mit der Camping-Laterne in den Flur hinaus, während ich mit der freien Hand nach den Einschaltknopf tastete.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Klick.</em> Der Flur vor uns war nun in sanftes Licht gehüllt. Ich spähte nach links und rechts. Er war leer. Allerdings hatten jetzt auch die Geräusche aufgehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nichts“, sagte ich zu Kichiro. Ich schob den Shoji weiter auf, damit auch er etwas sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Sicherheit gingen wir die angrenzenden Räume ab. Aber auch hier war alles wie vorher. Zwischen dem Gerümpel schien sich zumindest niemand zu verstecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht sind es die alten Rohre?“, schlug Kichiro vor. „Wenn ich mich richtig erinnere, verlaufen Sie hier genau unter dem Boden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. Das war eine Möglichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Komm Lennart, lass uns zurück ins Bett gehen. Wir haben morgen noch einen anstrengenden Tag vor uns.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist gut“, stimmte ich zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend legten wir uns wieder hin. Die restliche Nacht blieb ruhig.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen wollten wir keine Zeit verlieren. Nach einem knappen Frühstück machten wir uns direkt an die Arbeit. Auch heute kamen wir gut voran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst war das Wohnzimmer dran. Es dauerte anderthalb, vielleicht zwei Stunden, bis wir den meisten Ramsch aussortiert hatten. Kichiro ging bereits weiter in den nächsten Raum, während ich dabei war, den letzten Rest nach draußen zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich jedoch ins Wohnzimmer zurückkam, stockte ich. Am Tisch lehnte ein weißer Regenschirm mit aufwendiger Musterung. Er war mir vorher nicht aufgefallen, obwohl wir mit dem Raum bereits fast fertig waren. Misstrauisch ging ich auf ihm zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war einer dieser Schirme aus gewachstem Papier. Er musste schon sehr alt sein. Sein Weiß ging bereits ins Gelbliche. Trotzdem war er wunderschön verarbeitet. Vorsichtig öffnete ich ihn ein Stück. Äste mit rosa Kirschblüten verzierten seine Oberfläche. Doch leider war er an einigen Stellen bereits gerissen. Also klappte ich ihn wieder zu und brachte ihn zusammen mit einer kaputten Vase zum Transporter. Anschließend folgte ich Kichiro in den hinteren Teil des Hauses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So ein Mist!“, hörte ich Kichiro entsetzt rufen, als ich auf halbem Weg war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beschleunigte meine Schritte. „Was ist?“, fragte ich, bereits auf unerwartete Kosten eingestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro sah mich mit großen Augen an, als hätte er mich nicht erwartet. Dann lachte er plötzlich. „Ach, nichts. Nur ein dummer Aberglaube“, er deutete auf den Shoji neben ihm. Eines der oberen Papierfenster war gerissen. „Wir sollten das möglichst schnell austauschen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lehnte mich an die Wand, den Mund zu einem Schmunzeln verzerrt. „Sonst was? Kommt sonst ein Yōkai vorbei und zerreißt auch die anderen?“, riet ich drauf los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder lachte Kichiro. „Du bist doof. Nein. Es geht um eine Geschichte, die meine Oma mir mal erzählt hat. Wenn man einen kaputten Shoji zu lange ignoriert, kann er zu einem Mokumokuren werden. Dann wachsen ihm ganz viele Augen, mit denen er uns anstarrt.“ Mein Verlobter schüttelte sich übertrieben. „Darauf kann ich gerne verzichten. Ich hab jedenfalls keine Lust, in unserem neuen Haus beobachtet zu werden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grinsend schüttelte ich den Kopf. „Oh. Nein. Darauf kann ich auch verzichten. Also gut. Bis nächstes Wochenende organisieren wir neues Shoji-Papier.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro strahlte mich an. Bei solchen Dingen wusste ich nie, woran ich bei ihm war. An manche von ihnen glaubte er, über andere konnte er genauso lachen wie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schuld daran war seine Oma mütterlicherseits. Sie hatte ihn schon von klein auf mit ihren Geschichten über Yōkai und Geister bei Laune gehalten. Viele davon waren ihr angeblich selbst widerfahren. Und diesen Glauben an das Übernatürliche hatte Kichiro nie verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war da völlig anders. Meine Familie in Deutschland hatte mir seit meiner Geburt klar gemacht, dass es so etwas wie Geister und Monster nur in Geschichten gab. Nichts davon war real – so dachte ich zumindest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem blieb mir Kichiros Satz mit dem Beobachtetwerden im Gedächtnis. Jedes Mal, wenn ich an dem kaputten Shoji vorbeiging, musste ich mir vorstellen, wie tatsächlich Augen aus ihm wuchsen. Über mich selbst belustigt schüttelte ich den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war mit den Gedanken noch immer bei dem Shoji, als mir etwas anderes auffiel: Kichiro und ich trugen einen kaputten Schrank nach draußen, wo wir ihn direkt neben die kaputte Vase aus dem Wohnzimmer stellten. Ich hatte den Schirm vorhin hineingestellt, damit er nicht umfiel. Jetzt war die Vase jedoch leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gerunzelter Stirn sah ich mich um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? Hast du was verloren?“, fragte Kichiro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich hatte vorhin einen kaputten Papierschirm hier in die Vase gestellt. Irgendwer muss ihn wohl mitgenommen haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kräuselte sich auch Kichiros Stirn. „Na ja. Unser Verlust soll es nicht sein. Wir hätten ihn eh nur weggeworfen. Wenn der Schirm irgendwen glücklich macht, soll er ihn doch haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte zögerlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr Erwähnenswertes geschah an dem Wochenende zum Glück nicht. Am Samstag arbeiteten wir wieder so lange weiter, wie es das Sonnenlicht erlaubte. Den Abend verbrachten wir dann bei Frau Gotō. Sie hatte uns wie selbstverständlich gebratenen Fisch mit allerlei Beilagen gemacht. Erst wollte Kichiro es gar nicht annehmen, aber da Frau Gotō darauf bestand, wäre es unhöflich gewesen, das Essen abzulehnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zeit bei der alten Dame kam mir vor, als würden wir einander schon ewig kennen. Sie erzählte uns weiter von der Gegend, während wir von Tokio und Deutschland erzählten. Auch erwähnten wir die nächtlichen Geräusche – die in der folgenden Nacht übrigens wiederkamen – sowie unseren Verdacht, dass es sich dabei um die alten Rohre handeln könne. Das erleichterte Frau Gotō sichtlich. Wir wünschten einander eine gute Nacht, ehe wir zurück in unser Haus gingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Sonntag räumten wir weiter auf, bevor wir gegen Nachmittag den Transporter einräumten. Anschließend verabschiedeten wir uns von unserer Nachbarin und machten uns auf den Rückweg nach Tokio. Shizuka-Mura würden wir erst am nächsten Wochenende wiedersehen.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zweite Wochenende in dem Dorf verlief ähnlich wie das erste – zumindest, nachdem wir direkt am Freitag den kaputten Shoji repariert hatten. Tagsüber räumten wir weiter die Zimmer auf und die Abende verbrachten wir auf Frau Gotōs Wunsch hin wieder bei ihr. Sie hatte selbst keine Kinder, was vielleicht der Grund war, warum sie uns so herzlich aufnahm. Ihre liebenswürdige Art zauberte mir jedenfalls bald ein Lächeln ins Gesicht, wann immer ich sie sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungewöhnliches geschah hingegen kaum etwas. Ja, die nächtlichen Geräusche kamen wieder, aber auch diesmal konnten wir nichts Auffälliges entdecken. In der Nacht von Samstag auf Sonntag machten wir uns nicht einmal mehr die Mühe, aufzustehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir fast mit dem letzten Zimmer fertig waren – es war bereits Sonntagnachmittag – entdeckte ich jedoch den kaputten Papier-Regenschirm wieder. Zumindest dachte ich erst, dass er es sei. Er stand in der hintersten Ecke des Raumes, völlig unscheinbar an die Wand gelehnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam, fast schon vorsichtig ging ich auf ihn zu. „Das ist seltsam“, sagte ich. „Ich hätte schwören können, dass ich den Regenschirm letztes Wochenende schon einmal entsorgt habe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro trat neben mich, um sich das unscheinbare Objekt selbst anzusehen. Aber er zuckte bloß mit den Schultern. „Vielleicht hat er dieselbe Musterung? Ich bin mir sicher, solche Schirme werden zuhauf angefertigt. Vielleicht trugen unsere Vorbesitzer sie im Partnerlook. Oder sie haben einfach mehrere geholt.“ Mehr Gedanken verschwendete er nicht daran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir hingegen wollte der Schirm nicht mehr so recht aus dem Kopf gehen. Ich starrte ihn die ganze Zeit lang an, während ich ihm zum Transporter brachte. Dort schob ich ihn zwischen die anderen Möbel, die wir bereits eingeräumt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So. Das war’s“, sagte ich. Ich schlug die Tür zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro hatte bereits unsere Tasche geschultert. Er stieg auf der Beifahrerseite ein, während ich zur Fahrertür ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich die Tür geöffnet hatte, hörte ich jedoch ein Geräusch von der Rückseite des Autos. Es klang fast wie die Tür. Mit gerunzelter Stirn ging ich die wenigen Schritte zurück. Aber hier hinten sah alles ganz normal aus. Vielleicht war nur irgendetwas im Auto heruntergefallen. Also zuckte ich nur wieder mit den Schultern, stieg endlich ein und startete den Motor. Wir fuhren auf direktem Weg zurück nach Tokio.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Woche über musste ich immer wieder an unser Akiya denken. Wie gut wir vorankamen, wie nett uns Frau Gotō aufgenommen hatte, aber auch an den Papier-Regenschirm. Ich gestand es Kichiro jedoch erst am Freitag, als wir nach der Arbeit im Auto nach Shizuka-Mura saßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist albern. Aber der Regenschirm geht mir einfach nicht aus dem Kopf“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro sah mich ratlos an. „Welcher Regenschirm?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den, von dem ich dachte, dass ich ihn schon einmal entsorgt habe“, half ich ihm auf die Sprünge. „Weißt du, erst verschwindet er spurlos von unserer Auffahrt und dann finden wir einen identischen Schirm in der hintersten Ecke vom Arbeitszimmer. Natürlich hast du recht, dass es nur dasselbe Modell ist. Es muss so sein. Aber das war schon irgendwie unheimlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro schmunzelte. „Und ich dachte immer, du glaubst nicht an Geistergeschichten“, zog er mich auf. Dann starrte er plötzlich aus dem Fenster. „Wobei ich gestehen muss, dass ich abends manchmal Bewegungen aus dem Augenwinkel gesehen habe. Im Haus meine ich. Aber bisher ist ja noch nichts passiert, das auf einen bösen Geist hindeutet.“ Er schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte zurück. Auch wenn mein Lächeln eher halbherzig war. Das war nicht gerade die Art von Kommentar, die mich aufheitern konnte.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Wochenende ging es um den ersten groben Hausputz. Bevor wir die Elektriker und die Sanitärinstallateure in das Haus ließen, wollten wir wenigstens die Wände, den Boden und die Möbel vom gröbsten Schmutz befreien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Putzlappen und Besen bewaffnet, teilten wir uns auf. Ich übernahm das Wohnzimmer, während Kichiro ins Arbeitszimmer ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst fegte ich den kompletten Boden ab und war dabei darauf bedacht, möglichst viel Dreck aus den Tatami-Matten zu schrubben. Ich wirbelte dabei jedoch mehr Staub auf, als dass ich ihn entfernte. Zum Glück würde die Elektrik bereits nächste Woche ausgetauscht werden. Danach hatten wir endlich Licht und konnten auch einen Staubsauger benutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend machte ich mich daran, die Tische und Schränke mit dem Lappen zu reinigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey, Lennart“, hörte ich Kichiro plötzlich aus dem Nachbarzimmer rufen, als ich gerade dabei war, einen besonders hartnäckigen Fleck vom Esstisch zu schrubben. „Ich glaube, ich hab deinen Regenschirm wiedergefunden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erstarrte in der Bewegung. Was? Das war unmöglich! Wir hatten alle Räume bereits durchgesehen. Mein Körper fühlte sich verkrampft an, während ich die Gummihandschuhe auszog. Langsam, fast mechanisch ging ich zu Kichiro ins Arbeitszimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Verlobter stand vor einem Schreibtisch, die oberste Schublade geöffnet, und hielt ein Stück Papier in den Händen. Bei genauerer Betrachtung fiel mir auf, dass es ein Schwarz-Weiß-Foto war. Ich nahm es ihm ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich sah, was darauf abgebildet war, atmete ich erleichtert auf. Es war eine junge Frau in einem Kimono. Sie hatte ein hübsches Gesicht und lächelte in die Kamera, während sie einen aufgespannten Regenschirm an ihre Schulter gelehnt festhielt. <em>Den</em> Regenschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt musste ich lachen. „Und ich dachte schon, der Regenschirm ist auf magische Weise wieder aufgetaucht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro grinste mich frech an. Anscheinend war genau das seine Intention gewesen. „Langsam fürchte ich, du glaubst doch an Geister“, neckte er mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte grinsend den Kopf, ehe ich flüchtig die Rückseite des Bildes ansah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht hätten wir den Schirm doch nicht wegwerfen sollen“, merkte ich an. ‚Mariko 1921‘ stand dort in verblasster Handschrift geschrieben. „Den Schirm gab es schon in den 1920ern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte Kichiro zum Erstarren. Nur für höchstens eine Sekunde, aber ich hatte es bemerkt. „Der Schirm ist über 100 Jahre alt?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Ja. Denkst du, er wäre was wert gewesen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro zögerte. „Vielleicht.“ Dann winkte er jedoch ab. „Aber er war kaputt. Es ist gut, dass wir ihn entsorgt haben. Bei so alten Gegenständen kann man nie wissen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte das Gefühl, dass er noch mehr sagen wollte. Stattdessen widmete er sich jedoch schnell wieder der Schublade und machte damit weiter, sie auszuräumen. Die meisten Sachen landeten in einem Müllsack. Ich warf das Foto dazu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden Wochen dachte ich noch einige Male an den Regenschirm, aber er tauchte nicht mehr auf. Weder im Haus noch auf irgendwelchen Fotos. Und so kam es, dass er langsam, aber sicher aus meinem Gedächtnis verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was hingegen blieb, waren die nächtlichen Geräusche. Mal klangen sie weiter entfernt, mal, als seien sie direkt vor der Tür. Aber wie gesagt schenkten Kichiro und ich ihnen keine wirkliche Aufmerksamkeit mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur ein einziges Mal, nachdem der Strom endlich funktionierte, ging ich erneut nachts auf den Flur. Jetzt war er hell erleuchtet. Wie auch die letzten Male war er leer. Ich muss gestehen, dass ich kurz überlegte, die anderen Räume noch einmal abzulaufen. Nur zur Sicherheit. Aber das wäre bescheuert gewesen. Ganz davon abgesehen, dass ich dort sicherlich nichts gefunden hätte, sollten nächste Woche die alten Rohre ausgetauscht werden. Ab dann waren die Geräusche wahrscheinlich eh vorbei.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am folgenden Wochenende waren Kichiro und ich auf einem gefühlstechnischen Hoch, während wir wieder nach Shizuka-Mura fuhren. Es war bereits dunkel, da wir vorhin noch die Wohnung leergeräumt hatten. Kichiros kleiner Toyota war bis unter das Dach mit unseren Sachen beladen. Heute würden wir endlich vollends umziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klar gab es noch einiges, was wir im Haus zu erledigen hatten, aber das würden wir machen, während wir dort bereits lebten. Das Wichtigste – die Möbel, funktionierender Strom, die neuen Wasserleitungen und die neuen Sanitäranlagen – war immerhin schon dort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir grinsten wie zwei Lottogewinner, während Kichiro auf der Auffahrt parkte. Ich schnappte mir einen Umzugskarton aus dem Auto und betrat dicht hinter Kichiro das Haus. Dort blieb ich einen Moment stehen, schloss die Augen und atmete tief ein. Der inzwischen vertraute Geruch des Hauses stieg mir in die Nase. Es roch nicht länger nach Staub oder abgestandener Luft – die Gerüche hatte die Grundreinigung letztes Wochenende beseitigt –, sondern einfach nur nach Heimat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich brachte den Karton ins Schlafzimmer, ehe ich mit meinem Verlobten zusammen das restliche Auto ausräumte. Im Nachhinein war ich ein wenig überrascht, wie die Kartons, die sich jetzt vor uns stapelten, überhaupt in das kleine Auto gepasst hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro grinste noch immer breit. „Ich weih dann mal die Dusche ein“, sagte er, ehe er mir einen Kuss gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist gut“, erwiderte ich. „Ich räum schonmal unsere Klamotten in den Schrank. Aber lass mir noch heißes Wasser nach!“ Den letzten Satz musste ich rufen, so enthusiastisch war er bereits losgestürmt. Es dauerte nicht lange, da hörte ich auch schon die Dusche. Ich schüttelte schmunzelnd den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann widmete ich mich wieder den Kartons. Ich öffnete sie einen nach dem anderen, bis ich unsere Kleidung gefunden hatte. Vorsichtig hob ich einen Stapel von Kichiros Hemden daraus hervor. So viele würde er im Homeoffice wahrscheinlich gar nicht mehr benötigen, trotzdem gab ich mir alle Mühe, sie nicht zu zerknittern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam balancierte ich sie zu unserem Wandschrank. Es war einer dieser japanischen Schränke, der sich in der Wand verbarg. Ich schob die Tür erst mit dem Ellenbogen, dann mit dem Fuß beiseite. Als ich jedoch gerade die Hemden hineinlegen wollte, fiel mein Blick auf einen Gegenstand, der in der unteren Ecke lehnte: ein mir sehr vertrauter elegant gearbeiteter Papier-Regenschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hemden raschelten, während sie mir aus der Hand glitten. Kichiro wäre wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen, hätte er es gesehen. Aber das war mir in diesem Moment ehrlich gesagt egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Hand zitterte, während ich sie nach dem Schirm ausstreckte. Meine Finger hatten das Papier fast erreicht, da bewegte er sich plötzlich. Zuerst dachte ich, er falle bloß um, bis ein großes Auge mich völlig unerwartet durch das an einer Stelle gerissene Papier anblinzelte. Als Nächstes folgte eine lange Zunge, die sich knapp darunter aus einem weiteren Loch schlängelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unfähig, auch nur einen einzigen Ton von mir zu geben, torkelte ich rückwärts, meinen Mund und meine Augen weit aufgerissen. Mein Fuß verfing sich in einem der Hemden, weshalb ich mit einem leisen <em>‚Fump‘</em> auf den Tatami-Matten landete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt bemerkte ich auch das Bein, das nun statt des Griffs aus dem Regenschirm ragte. Es sah menschlich aus und trug eine japanische Holzsandale.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Sprung setzte der Schirm sich in Bewegung. <em>‚Tock‘</em>, machte seine Sandale einen dumpfen Laut auf der Strohmatte. <em>Tock. Tock.</em> Es war nicht dasselbe Geräusch, das wir nachts vom Flur gehört hatten, aber es hatte eindeutig denselben Rhythmus. Ich war mir sicher, dass es dieses Ding gewesen sein musste, das wir gehört hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam, sein einzelnes Auge stur auf mich gerichtet, kam mir der Schirm näher. Seine Zunge schwang bei jeder Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch krabbelte ich rückwärts. So wie ich dalag, befand sich dieses Wesen genau zwischen der Tür und mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilfe! Kichiro! Hilfe!“, schrie ich. Meine Stimme war so voller Panik, dass ich sie selbst kaum erkannte. Aber was konnte ich anderes tun? Wenn jemand eine Ahnung hatte, was dieses Ding war, was ich jetzt machen musste, dann war das mein Verlobter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tock. Tock.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen spürte ich die Wand in meinem Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tock.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schirm hatte mich fast erreicht. Dann blieb er vor mir stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilfe!“, kreischte ich erneut. Tränen bildeten sich in meinen Augen. Mein Herz raste in meiner Brust, während sich meine Kehle wie zugeschnürt anfühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt streckte der Schirm mir seine Zunge entgegen. Langsam kam sie mir näher und näher. Ich presste mich so eng an die Wand, wie ich nur konnte, traute mich nicht einmal, nach dem Ding zu treten. Die Zunge wischte kalt und schleimig über meinen Arm, während der Schirm mich ableckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich befürchtete bereits, dass er gleich einen kräftigen Bissen von mir nehmen würde, da stürmte plötzlich Kichiro in den Raum. Er trug einen hastig übergeworfenen Bademantel, blieb für eine Sekunde ungläubig in der Tür stehen. Dann trafen sich unsere Blicke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Weg! Weg!“, schrie er den Schirm an, während er auf mich zurannte. Er machte wedelnde Bewegungen mit den Armen, als wenn er ein Hühnchen verscheuchen wolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Zu meiner Überraschung hüpfte der Schirm beiseite. Er drehte sich zu meinem Verlobten um, ehe er einige Sätze zurück Richtung Wandschrank machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro beachtete ihn nicht weiter. Stattdessen hockte er sich vor mich, beäugte mich einen Moment und schloss mich kurz darauf in den Arm. „Alles in Ordnung?“, fragte er mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Ahnung“, schluchzte ich in seinen Bademantel. „Er hat mich abgeleckt. Was ist das für ein Ding?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schhhh“, machte Kichiro, während er meinen Rücken streichelte. „Alles ist gut. Das ist ein Kasa-Obake. Sie spielen gerne Streiche, sind aber nicht gefährlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich antwortete nicht, nahm die Erklärung schweigend hin, als wäre sie in irgendeiner Weise logisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich musste Kichiro lachen. „Ich hätte echt nicht gedacht, dass es sie gibt. Meine Oma hat zwar gesagt, dass sie mal einen Tsukumogami, einen belebten Haushaltsgegenstand gesehen habe, aber wir haben ihr nicht geglaubt.“ Er drückte mich sanft von sich, sah dann in die Luft. „Hörst du, Oma, es tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe“, sagte er, als ob ihr Geist hier wäre und uns hören könnte. Aber vielleicht war er das ja sogar. Der Kasa-Obake hatte mein Weltbild völlig zerstört. Alles, was ich über Monster zu wissen glaubte, war falsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig wagte ich einen Blick Richtung Wandschrank. Der Regenschirm lehnte davor an der Wand, jetzt wieder völlig unscheinbar. „Was machen wir jetzt mit ihm?“, fragte ich. Meine Stimme war immer noch leicht zittrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kichiro sah ebenfalls zum Schirm, dann sah er mir wieder ins Gesicht. „Ich … weiß es nicht“, sagte er ehrlich. „Manchmal sollen Tsukumogami das Haus verlassen, wenn sie sich ignoriert fühlen. Andererseits … Du wolltest doch schon immer ein Haustier, oder?“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tsukumogami (付喪神) sind zum Leben erwachte Haushaltsgegenstände der japanischen Folklore. Sie zählen zu den Yōkai.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wohl bekannteste Tsukumogami ist der Kasa-Obake (傘おばけ, Japanisch für „Schirmgeist“ oder „Schirmmonster“), ein zum Leben erwachter Regen- oder Sonnenschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Name Tsukumogami setzt sich aus den Kanji 付 (haften, befestigen), 喪 (Trauer) und 神 (Geist, Seele, Gott) zusammen. Grob kann man den Namen also mit „Trauer anhaftende Seele“ oder „Trauer anhaftender Geist“ übersetzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tsukumogami ähneln noch immer stark den Haushaltsgegenständen, die sie einst waren – z. B. Regenschirme, Töpfe, Kannen, Kleidung, Futons, Besen oder sogar Schiebetüren. Sie besitzen jedoch häufig menschenähnliche Eigenschaften wie Augen, einen Mund mit meist langer Zunge sowie Arme und Beine inkl. Hände und Füße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem weisen sie oft Gebrauchs- und Altersspuren auf, da ein Tsukumogami erst entsteht, wenn ein Haushaltsgegenstand das Alter von 100 Jahren erreicht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kasa-Obake:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Um beim Beispiel des Kasa-Obake zu bleiben: Sie sehen meist aus wie aufrecht stehende Papierregenschirme, wie sie in Japan früher häufig benutzt wurden. Statt eines Griffs besitzen sie jedoch ein einzelnes, oft menschlich aussehendes Bein mit einem Fuß. In vielen Darstellungen tragen sie eine einzelne Holzsandale.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am auffälligsten dürften hingegen ihr einzelnes großes Auge sowie der Mund mit der ungewöhnlich langen Zunge sein, die aus dem Schirm wachsen oder durch Löcher im Papier hervorlugen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal besitzen sie auch zwei Arme, die aus dem Schirm wachsen, und/oder ein zweites Bein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach entstehen Tsukumogami, wenn ein Haushaltsgegenstand 100 Jahre (oder in einigen Erzählungen 99 Jahre) alt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut den meisten Quellen muss er vernachlässigt oder achtlos weggeworfen worden sein, damit das passiert. In diesen Fällen wollen die Gegenstände oft Rache an ihren ehemaligen Besitzern oder den Menschen generell ausüben. Ein anderes beliebtes Motiv, warum der Gegenstand plötzlich zum Leben erwacht, ist Langeweile, da sie nicht mehr genutzt oder gebraucht werden und sonst nichts mit sich anzufangen wissen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man in modernen Erzählungen von Tsukumogami hört, sind es meist harmlose Wesen, die den Menschen gerne Streiche spielen. Sie erschrecken sie, machen Lärm, wecken sie nachts o. Ä. Das genaue Verhalten kann sich von Tsukumogami zu Tsukumogami stark unterscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann ihre Streiche und Phänomene durchaus mit den westlichen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/poltergeister">Poltergeistern</a> vergleichen, wenn sie z. B. Gegenstände durch die Gegend bewegen, nachts durch den Flur laufen oder an Wände klopfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch sind sie meist neidisch auf die modernen Haushaltsgeräte, die sie ersetzt haben, weshalb es durchaus vorkommen kann, dass sie das Haus verwüsten oder die Gegenstände zerstören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anders sieht es hingegen bei den Tsukumogami aus älteren Erzählungen aus. Vor 500 bis 1.000 Jahren galten die belebten Haushaltsgegenstände noch als blutrünstig und äußerst gefährlich. So kam es nicht selten vor, dass sich ein Tsukumogami in den damaligen Geschichten an den Menschen gerächt hat, die es weggeworfen haben, indem er sie schwer verletzt oder sogar getötet hat.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kasa-Obake:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich den Kasa-Obake als Tsukumogami für meine Geschichte gewählt und ihn bisher auch beim Aussehen gesondert erwähnt habe, möchte ich euch die spezifischen Eigenschaften der Kasa-Obake natürlich nicht vorenthalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den einbeinigen Schirmen wird nachgesagt, dass sie es lieben, sich an Menschen anzuschleichen, um sie mit ihrer langen Zunge abzulecken. Das kann durchaus erschreckend bis traumatisierend sein, hinterlässt aber keine weiteren Schäden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem macht der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> oft Lärm, während er auf seiner Holzsandale durch die Gegend hüpft, was in einem leeren Haus oder auf verlassener Straße durchaus als beängstigend empfunden werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Davon abgesehen ist er aber völlig harmlos.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da es sich bei den Tsukumogami um eine japanische Legende handelt, sollen sie fast ausschließlich in Japan vorkommen. Weitere Einschränkungen bezüglich ihres Lebensraums gibt es jedoch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar gibt es viele Geschichten, in denen sie in verlassenen Häusern oder Tempeln gesichtet wurden, Tsukumogami können die Häuser jedoch auch verlassen oder außerhalb der Häuser entsorgt worden sein, weshalb sie auch auf offener Straße oder sogar in der Wildnis ihren Schabernack treiben können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die ältesten bekannten Erzählungen von lebendigen Haushaltsobjekten innerhalb Japans stammen aus der Heian-Zeit (794 bis 1185). Damals waren sie jedoch noch nicht unter dem Namen „Tsukumogami“ bekannt. Auch hieß es in damaligen Erzählungen noch häufig, dass der Geist eines <a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni</a> oder ein anderes übernatürliches Wesen Besitz von dem Haushaltsgegenstand ergriffen habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihren Namen erhielten die Tsukumogami erst in der Muromachi-Zeit (1336 bis 1573). Von dort an wurde den Yōkai auch nachgesagt, dass sie ausschließlich von der Seele der tatsächlichen Objekte belebt wurden und nicht länger von bösen Geistern oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Monstern</a>, die Besitz von ihnen ergriffen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Glaube, dass auch Dinge wie Haushaltsgegenstände eine Seele besäßen, geht dabei auf die Lehren des Shingon-shū Buddhismus sowie einigen Ideen des Shintoismus zurück, laut denen man auch Gegenstände stets gut behandeln solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Hochzeit hatten die Tsukumogami hingegen erst in der Edo-Zeit (1603 bis 1868), in der unzählige (meist fiktive) Geschichten über sie erzählt und niedergeschrieben worden. In dieser Zeit waren die beseelten Gegenstände außerdem zumeist zu harmlosen Scherzen statt tatsächlichen Rachefeldzügen übergegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in der späten Edo-Zeit gab es jedoch kaum noch Leute, die an die tatsächliche Existenz dieser Wesen glaubten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hat der Glaube an die Tsukumogami bis heute überdauert, weshalb sie es bis in die moderne Popkultur geschafft haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Tsukumogami in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in der japanischen Popkultur gibt es unzählige Filme, Manga, Anime, Kabuki-Stücke und sogar Videospiele, in denen Tsukumogami zu finden sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich auch nur einen Bruchteil von ihnen hier auflisten wollte, könnte ich wahrscheinlich einen eigenen Blogbeitrag nur darüber schreiben, daher hier nur einige prominente Beispiele:</p>



<p class="wp-block-paragraph">So lassen sich Tsukumogami z. B. in den „Gegege No Kitarō“-Manga und Anime finden, die sich besonders in Japan an großer Beliebtheit erfreuen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus haben die Yōkai diverse Auftritte in dem Manga und Anime sowie der gleichnamigen Videospielreihe „Yo-Kai Watch“, die in Japan kurzzeitig beliebter war als Pokémon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und sie haben es sogar in die westliche Popkultur geschafft, wie z. B. die kleinen Nebenrollen eines Besen- und eines Bambusmatten-Tsukumogami in dem Fantasie-Liebesroman „Mona – verliebt, verlobt, beschworen“ (2022) von I. B. Zimmermann zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es ein japanisches RPG/Puzzle-Videospiel von 2012, das den Namen „Tsukumogami“ (oder „99 Spirits“, wie es im Westen heißt) trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte ich in Zukunft über weitere besonders erwähnenswerte Filme, Videospiele etc. stolpern, werde ich sie an dieser Stelle gerne ergänzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Tsukumogami? Glaubt ihr, dass auch Gegenstände Seelen haben können? Wir würdet ihr reagieren, wenn euch ein Kasa-Obake gegenüberstehen würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Das Hans Muller House – die Legende des Sausage Man</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Oct 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Und Herr Muller hat sich die Tage nach Frau Mullers verschwinden ja auch so komisch benommen. Eines Nachts ist er schreiend auf die Straße gelaufen. Schreiend. Er klang, als wenn man ihn gerade abstach …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/c8062f17325a4ed68dde0dd1cd99c936" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Das Hans Muller House ist ein beliebter Ort bei <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a>touren in New Orleans. Es heißt, dass dort einst ein wahnsinniger Metzger gelebt haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Kannibalismus<br>
&#8211; Tod<br>
&#8211; Erwähnung von Suizid</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier muss es irgendwo sein“, sagte ich zu Nellie, die sich bei mir untergehakt hatte, während wir durch die dunklen Gassen zogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser einziges Licht war eine alte Gaslaterne, die ich vor uns hielt. Und natürlich der Mond, der sein Antlitz ab und an zwischen den Wolken durchscheinen ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Frau und ich gingen schweigend weiter, die Augen auf die Häuserreihe zu unserer Linken gerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier“, sagte Nellie plötzlich. Sie blieb stehen und brachte damit auch mich zum Anhalten. „Das passt zu der Beschreibung, findest du nicht?“ Sie deutete auf das Haus, neben dem wir jetzt standen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt die Laterne höher, um möglichst viel von der Fassade ausleuchten zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Haus selbst war nur wenige Meter breit. Es hatte zwei Stockwerke und ging in beide Richtungen fließend in die angrenzenden Häuser über. Lediglich der mit dunklen verschnörkelten Metallelementen verzierte Balkon, der auf drei schmale Säulen gestützt stand, hob das kleine Häuschen von den benachbarten Häusern ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war mir jedoch erst sicher, dass es sich tatsächlich um das richtige Haus handeln musste, als mein Blick auf das kleine „Zu verkaufen“-Schild an der Tür fiel. Das also war das Haus, das bald uns gehören könnte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was treibt ihr hier?“, ertönte eine krächzige Frauenstimme zu unserer Rechten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nellie entfuhr ein leiser Aufschrei, während wir herumwirbelten. Dabei schlug ich die ältere Dame, die sich ungemütlich nahe an uns herangeschlichen hatte, fast mit meiner Laterne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ihr glaubt, dass es hier etwas zu holen gibt, lasst es bleiben. Die Leute hier haben nicht viel Geld“, fuhr sie unbeirrt fort. „Außerdem steht das Haus leer. Ihr werdet da drinnen kein einziges Möbelstück finden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ah. Darum ging es ihr also. Auf jeden Fall war es beruhigend, dass es in der Nachbarschaft jemanden gab, der ein Auge auf die Dinge hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich räusperte mich verlegen. „Verzeihung. Wir wollten Sie nicht erschrecken. Wir sind keineswegs Diebe. Mein Name ist Edward und das hier ist meine geliebte Ehefrau Nellie. Wir suchen nach einem neuen Zuhause für uns und unser ungeborenes Kind“, erklärte ich unser nächtliches Erscheinen, während ich Nellie meine freie Hand auf den Bauch legte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin entspannte sich die alte Dame sichtlich. Ihre eben noch strengen Gesichtszüge nahmen eine sanfte, fast schon fürsorgliche Form an. „Ah. Ich verstehe. Verzeiht meine Anschuldigungen. In den heutigen Zeiten kann man ja nie wissen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte zustimmend und wollte gerade etwas erwidern, als die alte Frau erneut ihre Stimme erhob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber … ihr wollt doch nicht ernsthaft in diesem gottlosen Haus einziehen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Doch. Morgen ist die Besichtigung“, antwortete meine Frau für uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die alte Dame wurde plötzlich blass im Gesicht. Mit großen Augen sah sie uns an. „Wisst ihr denn nicht, was hier geschehen ist?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Frau und ich warfen einander ratlose Blicke zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein“, erwiderte ich. „Stimmt etwas mit dem Haus nicht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau erzitterte. „Das ist das Haus des Teufels!“, sagte sie dramatisch. „Er ist zusammen mit den letzten Besitzern hier eingezogen. Eine deutsche Familie mit dem Namen Muller. Ich hab ja nichts gegen Ausländern, aber bei den beiden wusste ich sofort, dass etwas nicht stimmt. Besonders bei ihm.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nellie sah hilflos zu mir, aber es war zu spät. Die alte Dame war bereits in einen Monolog übergegangen. Es wirkte nicht so, als hätte sie vor, einen von uns zu Wort kommen zu lassen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als uns ihre Geschichte anzuhören, wenn wir es uns nicht noch vor unserem Umzug der neuen Nachbarin verscherzen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Mullers waren Metzger. Nicht nur er, sondern auch sie. Sie hatten beide eine sehr kräftige Statur, müsst ihr wissen. Aber so grob sie auch aussahen, sie haben einen immer freundlich gegrüßt und uns Nachbarn gerne mal einen Rabatt auf ihre Würste gegeben. Und lasst mich euch eines sagen: Die Deutschen verstehen was von ihrer Wurst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Qualität der Würstchen und auch ihre freundliche Art hatte sich hier in der Gegend schnell herumgesprochen. Die beiden sind richtig beliebt geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber mich täuschten ihre freundlichen Gesichter nicht, konnte ich doch jeden Abend durch die Wand hören, wie sie miteinander stritten. Nicht, dass ich sie belauscht hätte, aber mein Bett steht direkt an der Wand und ich habe einen leichten Schlaf, müsst ihr wissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soweit ich es mitbekommen hatte, verdächtigte Frau Muller ihren Mann, dass er sich mit einer anderen Frau treffe. Irgendein junges Ding aus der Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verübeln konnte man es ihm eigentlich nicht. Frau Muller war nun wirklich keine Augenweide. Bei unserer ersten Begegnung hatte ich sie fast für einen Kerl gehalten, aber nichtsdestotrotz hatten die beiden das heilige Gelübde der Ehe geschlossen. Herr Muller hatte vor Gott geschworen, dass nur der Tod ihn von seiner Frau scheiden könne. Aber ich hätte niemals erwartet, dass er es so wörtlich nehmen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls war Frau Muller eines Tages plötzlich verschwunden. Erst behauptete Herr Muller, sie sei krank. Das war natürlich Schwachsinn. Das hätte ich gehört. Ich ging hingegen davon aus, sie sei weggelaufen, vielleicht zu Verwandtschaft geflüchtet. Was weiß ich, wie die Deutschen ihre Eheprobleme klären. Und als sie nach einigen Tagen immer noch nicht gesehen wurde, erklärte Herr Muller sogar, sie sei zur Verwandtschaft gereist. Für mich war die Sache damit klar. Ich hätte ja niemals ahnen können, was wirklich geschehen war …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch war mir natürlich aufgefallen, dass Herr Mullers Wurst irgendwie anders schmeckte. Aber ich dachte lediglich, dass Frau Muller sich sonst um die Wurstherstellung gekümmert hat. Jetzt, wo sie nicht da war, hatte die Wurst eben schlechtere Qualität. Dass einige Leute lange Haare in ihren Würstchen gefunden hatten, war für mich nur eine weitere Bestätigung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">O Gott. Mir wird immer noch ganz anders bei der Vorstellung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Herr Muller hat sich die Tage nach Frau Mullers verschwinden ja auch so komisch benommen. Eines Nachts ist er schreiend auf die Straße gelaufen. Schreiend. Er klang, als wenn man ihn gerade abstach. Als besorgte Nachbarin war ich natürlich sofort auf die Straße gelaufen, um zu sehen, was da los war und Herrn Muller zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Herr Muller, was ist mit ihnen? Ist alles in Ordnung?‘, hatte ich gefragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann war völlig neben sich. Er sah verängstigt aus. Trotzdem sagte er nur: ‚Tut … Tut mir leid. Ich wollte Sie nicht beunruhigen. Bitte. Sie können wieder zu Bett gehen. Ich habe bloß schlecht geträumt. Es ist alles in Ordnung.‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hatte ich ihm angeboten, ihn ins Haus zu begleiten, um dort nach dem Rechten zu sehen. Aber das lehnte er ab. Was blieb mir also anderes übrig, als selbst zurück in mein Haus zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wusste ich seit jener Nacht, dass da irgendetwas nicht stimmte. Kein Mann hatte solche Angstzustände, nur weil seine Frau allein zu Verwandten verreist war. Auch sah Herr Muller von Tag zu Tag schlechter aus. Er wurde dünner, hatte blutunterlaufene Augen, eingefallene Wangen. Ich überlegte bereits, mich an einen Arzt zu wenden, als Herr Mullers schreckliches Geheimnis endlich ans Licht kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr müsst wissen. Ich schäme mich dafür, aber ich wusste ja nicht, was ich da aß. Mir wird wieder richtig schlecht, wenn ich nur daran denke. Aber als gute Nachbarin musste ich Herrn Muller natürlich unterstützen. Auch wenn seine Würstchen bei weitem nicht mehr so gut schmeckten, wie früher, kaufte ich sie weiterhin. Nur, dass ich eines Abends plötzlich auf etwas Hartes biss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte erst, es sei nur ein Stück Knochen. Sowas kann ja mal vorkommen. Als ich es jedoch ausspuckte, glänzte mir etwas Goldenes entgegen. In meiner Hand hielt ich nichts anderes als einen goldenen Ring. Frau Mullers Ehering. Ich hatte ihn schon oft genug an ihrer Hand gesehen, sodass ich ihn sofort wiedererkannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst konnte ich mir gar nicht erklären, wie er in die Wurst gekommen war. Aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb hatte man lange Haare in den Würsten gefunden. Deshalb war Frau Muller so spurlos verschwunden. Und deshalb hatte Herr Muller diese Panikanfälle. Er hatte seine eigene Frau ermordet. Und um ihre Leiche zu entsorgen, hatte er sie in die Wurstmaschine geworfen. Er hat Frau Muller zu Würstchen verarbeitet und sie an uns unschuldige, brave Bürger verkauft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich mich einige Male übergeben hatte, war ich sofort zu Hugh gelaufen. Er ist Polizist, müsst ihr wissen. Nachdem ich ihm den Ring gezeigt und meinen Verdacht geschildert hatte, holte er einige Kollegen und wir rannten weiter zu dem Haus der Mullers. Die Polizisten stürmten sofort hinein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir brauchten nicht lange suchen. Herr Muller lag zusammengekauert in seinem Hinterzimmer. Direkt neben der Wurstmaschine, einem riesigen Apparat, in den er seine Frau gestopft haben musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er jammerte und winselte, während er auf die Maschine zeigte. ‚Meine Frau … Ihr Geist … Sie möchte mich töten. Bitte! Oh bitte, erlöst mich von meiner Schuld!‘, hatte er gewinselt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war ein Häuflein Elend. Fast hätte man Mitleid mit ihm haben können, wenn ich nicht gewusst hätte, was er getan hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizisten nahmen ihn sofort mit. Angeblich wurde er seit dem Mord an seiner Frau – es war tatsächlich so abgelaufen, wie ich es vermutet hatte – von ihrem Geist heimgesucht. Sie erschien ihm wohl jede Nacht. Ich brauche nicht zu erklären, dass man Herrn Muller kurz darauf in die Irrenanstalt brachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr mich fragt, war es der Teufel, der Besitz von Herrn Muller ergriffen hatte. Wie sonst soll ein Mensch solche Grausamkeiten begehen? Und der Teufel lenkte auch Herrn Mullers Hand, als er sich in der Irrenanstalt das Leben nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte, damit wäre die Sache vorbei gewesen, aber nein. Die Seelen der Mullers haben seitdem keine Ruhe gefunden. Nachts höre ich manchmal Geräusche aus dem Nachbarhaus, als würden die Mullers dort noch wohnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeden Abend bete ich zu Gott, dass sie endlich ihren Frieden finden mögen. Daher bitte ich euch – inständig – sucht euch ein anderes Haus. Zieht euer Kind nicht in dieser Kammer des Teufels auf!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau sah uns aus großen, fast wahnsinnigen Augen an. Sie hatte meine Laternenhand ergriffen, um ihre Bitte zu unterstreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich räusperte mich, versuchte, den Ekel und das Unbehagen zu verbergen, den ihre Geschichte in mir ausgelöst hatte. „Das klingt ja wirklich furchtbar“, erwiderte ich. „Und das alles ist wirklich so passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum schien die Frau zu kränken. Sie zog ihre Hände zurück, während sie die Nase rümpfte. „Ich muss doch sehr bitten! Natürlich ist das so passiert! Ich bin doch keine Lügnerin!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verzeihung“, sagte ich schnell. „So war das nicht gemeint. Ich wollte Sie nicht kränken.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Schaden war bereits angerichtet. Sie ging mit schnellen Schritten davon, während sie etwas von „Frechheit!“ und „Natürlich ist das wirklich passiert!“ murmelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah zu, wie sie im Nachbarhaushaus verschwand. Dann sah ich beschämt zu meiner Frau. Erst jetzt bemerkte ich, wie blass sie um die Nase geworden war. „Hee!“, sagte ich schnell. „Liebste. Nimm dir die Geschichte nicht so zu Herzen. Das war doch nur eine verwirrte alte Frau. Außerdem ist das hier New Orleans. Da gehören Geistergeschichten zum guten Ton.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber meine Frau nahm es sich zu Herzen. Nach einem Moment des Schweigens sagte sie: „Und wenn die Sache mit dem Mord wahr ist? Ich weiß nicht, ob ich unser Kind in solch einem Haus großziehen möchte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte schief. „Wir können uns ja mal umhören. Vielleicht kann uns der Verkäufer morgen mehr dazu sagen.“ Anschließend trat ich näher an das Haus heran und spähte durch eines der beiden Fenster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drinnen standen tatsächlich keine Möbel mehr. Damit hatte die Alte also schonmal recht gehabt. Leider konnte ich im schwachen Licht meiner Laterne jedoch kaum etwas erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sieht eigentlich ganz friedlich aus“, sagte ich trotzdem, um meine Frau ein wenig zu beruhigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie drängte sich dicht an mich, während auch sie durch das Fenster spähte. „Geister sehe ich zumindest keine“, merkte sie an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zauberte mir ein Schmunzeln auf die Lippen. Zumindest, bis aus dem Haus plötzlich ein lautes Rattern ertönte. Es klang, als wäre eine große Maschine angesprungen. Eine Wurstmaschine zum Beispiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nellie und ich machten einen Satz rückwärts, ehe wir einander mit großen Augen ansahen. Jetzt musste auch mir die Angst ins Gesicht geschrieben stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lass uns zurück zum Gasthaus gehen“, schlug sie vor. Ich nickte nur, ehe wir uns mit schnellen Schritten von dem leerstehenden Haus entfernten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wussten wir nicht, ob es sich bei dem Lärm tatsächlich um eine Geistererscheinung gehandelt hatte. Ich wusste ja nicht einmal, ob so wirklich eine Würstchenmaschine klang. Trotzdem konnten wir herausfinden, dass die Geschichte mit dem Mord und sogar mit der zu Würstchen verarbeiteten Ehefrau stimmte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztendlich gingen wir nicht zu der Besichtigung. Dafür fanden wir wenige Tage später ein kleines gemütliches Haus am anderen Ende der Stadt. Es war deutlich teurer, aber dafür erzählte man sich darüber keine Geistergeschichten.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hans Muller House ist ein Spukhaus in New Orleans, Louisiana in den USA. Es ist bekannt für die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> des Sausage Man (englisch für „Würstchenmann“), einem Geist, der in dem Haus spuken soll. Die Legende handelt davon, dass er zu Lebzeiten seine Frau ermordet und zu Würstchen verarbeitet haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Namen der Legende, die ich bei meiner Recherche gefunden habe, sind „The Mad Butcher“ (der wahnsinnige Metzger), „The Sausage Factory“ (die Wurstfabrik), „The Sausage Ghost“ (der Wurstgeist) oder „The Ghost that walked the Sausage Factory“ (Der Geist, der durch die Würstchenfabrik wanderte).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Täter in der Legende soll ein Mann namens Hans Muller gewesen sein, der mit seiner Frau von Deutschland in die USA ausgewandert ist. Genaueres ist zu ihm nicht bekannt, außer, dass er sehr freundlich und beliebt gewesen sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zugetragen haben soll sich das Ganze im späten 19. Jahrhundert. Eine Quelle sprach auch vom 18. Jahrhundert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Herr und Frau Muller, zwei deutsche Einwanderer, sollen in New Orleans eine Metzgerei eröffnet haben. Es mag etwas gedauert haben, aber mit der Zeit wurden die beiden in der Gegend sehr beliebt – was zum einen an ihrer freundlichen Art und zum anderen an ihren unübertroffenen Würstchen gelegen haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Privat ging es bei den beiden jedoch deutlich weniger rosig zu. Es heißt, dass sie oft stritten und Hans Muller seiner Frau bald überdrüssig wurde. Sie war nicht mehr die Jüngste, ihr Körper war gezeichnet von der harten Arbeit und so soll Hans Muller sich bald in eine andere Frau verliebt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da es damals so etwas wie Scheidung jedoch noch nicht gab, hatte Muller nur eine Möglichkeit, seine Ehefrau loszuwerden: Er erwürgte sie eines Abends im Hinterzimmer ihrer Metzgerei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend soll er die Leiche seiner Frau in ihre Wurstmaschine, einen riesigen Fleischwolf, geworfen haben. Er verarbeitete ihre Überreste zu Würstchen und verkaufte sie an nichtsahnende Kunden, um sie unbemerkt zu entsorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Leute daraufhin jedoch anfingen, Haare und andere merkwürdige Dinge in ihren Würstchen zu finden, kamen erste Gerüchte auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch blieb natürlich nicht unbemerkt, dass Frau Muller schon länger nicht mehr gesehen wurde – wobei Hans Muller sehr kreativ mit den Ausreden gewesen sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verdächtigungen waren jedoch noch nicht alles, was den Mörder plagte: Es heißt, dass ihm seit dem Mord jede Nacht der Geist seiner Frau erschienen sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Muller soll daher unter Schlafstörungen gelitten haben und allmählich dem Wahnsinn verfallen sein. Und auch die Qualität seiner einst hoch angesehenen Würstchen soll gelitten haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem soll der Mord an Frau Muller erst ans Licht gekommen sein, als einer der Kunden einen goldenen Ehering in seinem Würstchen fand. Er benachrichtigte die Polizei, die Herrn Muller sofort aufsuchte. Sie fanden ihn völlig verstört auf dem Boden zusammengekauert auf seine Wurstmaschine zeigen und schreien, dass der Geist seiner Frau ihn holen komme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hans Muller wurde daraufhin in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Aber auch dort soll ihm weiterhin der Geist seiner Frau erschienen sein, weshalb er sich eines Tages das Leben nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem sollen die Geister von Herrn und Frau Muller in ihrem ehemaligen Haus spuken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen der Legende soll Hans Muller nicht nur seine Frau, sondern noch weitere Menschen und sogar Hunde und Katzen umgebracht und zu Wurst verarbeitet haben. Auch gibt es Versionen, in denen diese Wurst besonders beliebt war, bis die grausame Wahrheit herausgekommen ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort des Geschehens war angeblich das inzwischen als Hans Muller House bekannte Haus in der 725 Ursulines Avenue in New Orleans, Louisiana, USA. Es steht auch heute noch da, ist jedoch für die Öffentlichkeit nur von außen zu besichtigen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste mir bekannte schriftliche Fassung der Legende vom Hans Muller House wurde in dem 1945 veröffentlichten Buch „Gumbo Ya-Ya“ abgedruckt, einer Sammlung lokaler Legenden aus Louisiana, die von der Louisiana State Library gesponsort wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es zahlreiche andere Geschichten und Legenden, in denen ein menschenfleischverarbeitender Schlachter eine Rolle spielt. Ob und inwiefern einige von ihnen die Legende des Sausage Man inspiriert haben (oder davon inspiriert wurden), ist mir jedoch nicht bekannt. Darunter sind z. B. urbane Legenden, die von Menschenfleisch in Fast Food berichten oder Eltern, die unwissentlich ihre zu Fleischprodukten verarbeiteten Kinder gegessen haben, nachdem diese verschwunden waren. In den meisten Legenden kommt es – genau wie bei the Sausage Man – dadurch heraus, dass ein Ring, Haare, menschliche Zähne o. Ä. im Fleisch gefunden werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist aber wahrscheinlich, dass ein realer, am 26. Oktober 1927 in New Orleans begangener Doppelmord, der als „The Trunk Murders“ bekannt ist, die Legende inspiriert hat. Dabei hat Henry Moity seine und die Ehefrau seines Bruders ermordet, nach Fleischermanier in Stücke zerlegt (er hatte eine Zeit lang als Metzger gearbeitet) und in zwei große Koffer gepackt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Geliebten seiner Ehefrau soll Moity im Gefängnis gesagt haben, dass er ihn zu Wurst verarbeiten würde, wenn er ihn in die Finger bekäme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Doppelmord geschah in der 715 Ursulines Avenue, nur 10 Hausnummern weiter in derselben Straße, in der das Hans Muller House steht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Hans Muller House und the Sausage Man? Kanntet ihr die Legende bereits? Oder kanntet ihr vielleicht eine ähnliche? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Das Sallie House</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Oct 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Kennt ihr eigentlich die Geschichte dieses Hauses?“, fragte ich mit möglichst bedrohlicher Stimme.<br />
Ich war mir sicher, dass die beiden sie kannten. Trotzdem schwiegen sie und ließen mich die Legende erzählen ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/ca2646e4229244019a2fd2d0a998a96b" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Das Sallie House ist ein bekanntes Spukhaus in Amerika. Es soll, im Gegensatz zu vielen anderen bekannten Spukhäusern, wie z. B. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/das-blutende-haus" target="_blank" rel="noreferrer noopener">la maison qui saigne</a> in Frankreich, noch heute Schauplatz vieler paranormaler Ereignisse sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich die Haustür des Sallie Houses aufgeschlossen hatte, schlug mir sofort ein muffiger Geruch entgegen. Es roch nicht unangenehm, sondern einfach nur … alt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenigstens ist es drinnen warm“, wandte ich mich Grace und Aaron zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann betraten wir das Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir unsere Rucksäcke und die Kühlbox neben die Treppe gestellt hatten, sahen wir uns um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich es im Halbdunkel bereits erahnen konnte, pfiff ich laut aus, nachdem ich das Licht im Wohnzimmer eingeschaltet hatte. „Das sieht ja aus, wie in einem Horrorfilm!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wände waren mit weißer Tapete tapeziert, während der Boden mit einem dunklen grün-blauen Teppich ausgelegt war. Im Wohnzimmer standen einige alte Lampen mit hässlichen Stoffschirmen, ein Tisch mit Stühlen und ein abgenutztes Sofa herum. Durch einen großen Durchgang gelangte man ins Esszimmer, wo um einen leeren Holztisch vier alt aussehende Holzstühle mit dunklem Sitzpolster standen und direkt darüber eine kleine, helle Holzuhr an der Wand hing. Sie war stehengeblieben. Die einzigen Lampen im Raum waren eine kitschige Deckenlampe und eine weitere Stehlampe mit hässlichem Stoffschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch die anderen Räume sahen nicht besser aus: Die Küche und sogar das Badezimmer waren alt und völlig aus der Mode gekommen. Lediglich den Keller durfte man nicht betreten, weil es angeblich ‚zu gefährlich‘ war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie in einem Horrorfilm? Es sieht eher aus, wie bei meiner Oma“, warf Aaron ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. Konnte er nicht einmal mitmachen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lasst uns nachsehen, ob es oben genauso aussieht!“, schlug Grace aufgeregt vor. Meine Freundin hatte sich von Anfang an von meiner Idee begeistern lassen, eine Nacht in dem Haus zu verbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am unteren Treppenabsatz drückte sich Grace hinter mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du Angst?“, fragte ich mit einem breiten Grinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie streckte mir die Zunge entgegen. „Jetzt geh schon, Joshua!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Grinsen wurde noch breiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um für etwas Dramatik zu sorgen, ging ich die Treppe bewusst langsam hinauf. Fast jede Stufe knarrte bedrohlich unter meinen Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte fast erwartet, dass es oben nicht sonderlich anders aussah, als unten, doch als ich über den oberen Treppenabsatz hinweggucken konnte, leuchteten meine Augen auf. Ich beschleunigte meine Schritte, bis ich oben war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, fragte Grace leicht irritiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ich musste es nicht einmal beantworten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh!“, entfuhr es ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hielt sich zwar weiter hinter mir, schob mich aber ungeduldig nach vorne. Wir hatten das Kinderzimmer entdeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besitzer des Hauses hatten sich ganz schön ins Zeug gelegt: Überall auf dem Boden lagen Stofftiere, Puppen und Gummibälle verteilt, an einer Wand stand ein hölzerner Kinderwagen, in dem eine Babypuppe lag und in einer Ecke des Raumes standen mehrere Schaukelpferde herum. Zusammen mit einigen Kindermöbeln ergab sich der perfekte Schauplatz für das Spukhaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte es immer noch nicht fassen. Wir waren im Sallie House – einem der bekanntesten Spukhäuser des Landes. Und das zu Halloween!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch meine Freude hielt nicht lange an. Unsere kleine Tour durchs Haus hatte maximal eine halbe Stunde gedauert und auch wenn die Atmosphäre gut war, hatten wir nichts Außergewöhnliches erlebt. Also setzten wir uns im Esszimmer an den Tisch und warteten … und warteten … und warteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Spannendste, was passierte, war, dass Aaron sich vor einigen Jugendlichen erschreckte, die schaulustig durch eines der Fenster starrten. Keine unerklärlichen Geräusche, keine seltsamen Stimmen, keine übernatürlichen Erscheinungen. Das war nicht das, was ich mir von dem ‚Haus, in dem es in den gesamten Vereinigten Staaten den meisten Spuk gibt‘, wie das Sallie House beworben wurde, erwartet hatte. Wofür hatten wir bitte die Verzichtserklärung unterschrieben, falls uns im Haus etwas passieren sollte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte, wie ich mit der Zeit immer genervter wurde. Hierauf hatten wir uns ein ganzes Jahr gefreut? Hatten pro Person 150 $ ausgegeben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich versuchte, mich nicht so schnell entmutigen zu lassen. Zumindest wollte ich nicht sowohl schuld daran sein, dass wir viel Geld aus dem Fenster geworfen hatten, als auch daran, dass der Abend ruiniert war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kennt ihr eigentlich die Geschichte dieses Hauses?“, fragte ich also mit möglichst bedrohlicher Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war mir sicher, dass die beiden sie kannten. Trotzdem schwiegen sie und ließen mich die Legende erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es heißt, dass vor über 100 Jahren ein Doktor in diesem Haus gelebt haben soll. In einer regnerischen Nacht klopfte unerwartet eine Frau an seine Tür, da ihre Tochter Sallie plötzlich mit starken Schmerzen zusammengebrochen sei – ihr Blinddarm war geplatzt. Der Doktor wusste, dass sie keine Zeit hatten, sie in ein Krankenhaus zu bringen und trug sie schließlich in einen kleinen Operationsraum genau in diesem Haus. Da er jedoch kein Narkosemittel zur Hand hatte, zwang er die Mutter dazu, ihre Tochter festzuhalten. Er operierte sie bei lebendigem Leibe. Doch Sallie überlebte die Operation nicht. Das letzte, was sie in ihrem kurzen Leben erlebte, war, wie ein fremder Mann sie auf einen Tisch gelegt und zu Tode gefoltert hatte. Und es heißt, dass Sallies Geist noch heute in diesem Haus ihr Unwesen treibt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich fertig war, sah ich, dass sich Grace unauffällig im Haus umsah. Meine Stimmung hob sich etwas. Sie kannte die Geschichte noch nicht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aaron hingegen sah weniger überrascht, sondern eher nachdenklich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was?“, fragte ich neugierig. Hatte er eine Theorie zu der Geschichte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch er sollte mir bloß die nächste Enttäuschung des Abends bringen. „Nun, das ist so nicht ganz richtig. Man hat sehr detaillierte Aufzeichnungen über das Haus. Und obwohl im 19. Jahrhundert tatsächlich ein Doktor in diesem Haus gewohnt hat, gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass er im Haus Operationen durchgeführt hat, geschweige denn unter seiner Hand ein kleines Mädchen hier gestorben sei. Um genau zu sein, ließ sich kein einziges Mädchen namens Sallie finden, deren Tod man mit diesem Haus in Verbindung bringen konnte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn verwirrt an. „Aber die Geschichte stand auf der Seite, wo ich das Haus für die Nacht heute gemietet habe!“, widersprach ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aaron zuckte mit den Schultern. „Eine Marketingstrategie. Ein Spukhaus mit einer solchen Hintergrundgeschichte verkauft sich halt besser …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist doch scheiße!“, fluchte ich und sprang auf. „Am Ende spukt es hier nicht einmal. Aber selbst wenn: So langweilig, wie der Geist hier ist, ist es eher ein alter Sack, der den ganzen Tag nichts tut, als ein junges Mädchen!“ Ich sprach bewusst laut, in der Hoffnung, irgendeine Reaktion zu bekommen. Als es jedoch im gesamten Haus ruhig blieb, stapfte ich durch das Wohnzimmer zurück in den Flur, wo ich durch die Eingangstür nach draußen verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lehnte mich an eine Backsteinsäule und zündete mir eine Zigarette an. Dann sah ich die Straße entlang. Fast alle anderen Häuser waren irgendwie dekoriert. Kürbislaternen, Skelette, künstliche Spinnweben, Hexen und Grabsteine zierten die Vorgärten und Hauswände. Im Vergleich sah das Sallie House trostlos, fast schon langweilig aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch waren überall Eltern mit ihren Kindern unterwegs, die von Tür zu Tür gingen. Ein Kind war sogar schon auf dem Weg zu mir, bis die Mutter es panisch am Arm packte und von dem Haus wegzerrte, als würde hier ein Kinderschänder wohnen. Hier in der Gegend schien jedenfalls jeder die Geschichte des Sallie Houses zu kennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte, wie sich hinter mir die Tür öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey“, sagte Grace.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist du sicher, dass das eben eine gute Idee war?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie fragend an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den Geist zu beleidigen …“, fügte sie hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Welchen Geist?“, erwiderte ich verärgert. „Mir ist heute noch keiner über den Weg gelaufen. Man hat uns um unser Geld betrogen. Das ist alles, was passiert ist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kuschelte sich an mich. „Jetzt schmoll doch nicht gleich. Die Nacht ist noch jung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grummelte nur und gab ihr den Rest meiner Zigarette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie einige Züge genommen hatte, trat sie sie am Boden aus. „Komm. Lass uns wieder reingehen. Selbst wenn nichts mehr passieren sollte, können wir uns trotzdem einen schönen Abend machen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatte recht. Ich durfte mich davon nicht unterkriegen lassen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Händchenhaltend schlenderten wir zurück ins Wohnzimmer, wo Aaron uns sofort mit einem erhobenen Finger andeutete, leise zu sein. Er stand leicht gebückt und lauschte an der Wand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, flüsterte ich ihm zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er stand noch einen Moment regungslos da, bis er sich schließlich wieder aufrichtete. „Ich habe eben ein Kratzen in der Wand gehört!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Echt?“, fragte Grace begeistert. Sie strahlte mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war jedoch weniger optimistisch. Selbst wenn Aaron das nicht nur sagen sollte, um mich aufzumuntern, gab es noch viele andere logische Erklärungen. „Das ist eine Außenwand. Vielleicht war es nur irgendein Tier oder was weiß ich. Ein Kratzen reicht jedenfalls nicht aus, um mich von dem Spuk zu überzeugen.“ Ich ging zu unserer Kühlbox. „Jemand ein Bier?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Punkt, an dem der bisher doch eher enttäuschende Abend endlich eine Wendung nahm. Von irgendwelchen Geistern war zwar weiterhin nichts zu sehen, doch der Alkohol, die schaurige Atmosphäre und unsere Unterhaltungen hoben meine Stimmung immens. Auch, wenn ich hierfür am liebsten keine 150 $ ausgegeben hätte, rückte der Gedanke daran immer weiter in den Hintergrund, je später es wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir waren gerade in ein Gespräch über seltsame Halloweenkostüme vertieft – Grace erzählte davon, wie eine Bekannte von ihr sich einmal als menschengroße Damenbinde verkleidet hatte –, als ich aufstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich geh mal schnell für kleine Joshuas“, sagte ich. Dann wandte ich mich dem Raum zu und breitete herausfordernd die Arme aus. „Hörst du, Geist? Ich markiere mein Revier. In deinem Haus!“ Anschließend ging ich, leise über meinen kleinen Scherz lachend, weiter zur Toilette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war gerade dabei, mich zu erleichtern, als plötzlich ein Klopfen von der Tür hinter mir kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was denn?“, fragte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ich bekam keine Antwort, stattdessen ging das Klopfen weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du mal musst, geh nach oben oder warte zehn Sekunden!“, sagte ich leicht genervt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch selbst, als ich meine Hose geschlossen und die Spülung betätigt hatte, ging das Klopfen weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Versteh schon, der Geist. Ha-ha, sehr witzig!“, sagte ich sarkastisch, während ich die Türklinke runter drückte. Als ich die Tür öffnete, stand Grace vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alles in Ordnung? Mit wem redest du?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mit dir, wie es aussieht“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein“, widersprach sie. „Wir haben dich reden gehört, also bin ich hergekommen, um nachzusehen, ob alles gut ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast nicht an der Tür geklopft?“, fragte ich überrascht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grace schüttelte den Kopf. „Nein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verunsichert sah ich zurück zur Tür. Ich schloss sie und rüttelte leicht daran, doch das Geräusch war anders, als eben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wandte ich meinen Blick der Kellertür zu. Konnte es sein …? Aber nein. Wahrscheinlich hatte Grace an die Tür geklopft und dann auf unschuldig getan. Sie hatte gemerkt, wie sehr ich mich geärgert hatte, und wollte mich etwas aufmuntern!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren, ging ich zurück zu Aaron. Grace folgte mir, woraufhin wir unsere Unterhaltung bald fortsetzten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir langsam müde wurden, breiteten wir unsere Schlafsäcke im Wohnzimmer aus. Aaron legte seinen Schlafsack auf das Sofa und Grace und ich unseren Doppelschlafsack auf den Boden daneben. Es war nicht sonderlich bequem, aber definitiv aushaltbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Fenster in Richtung Straße keine Vorhänge oder Jalousie hatten, schienen die Straßenlaternen schwach zu uns herein. Das wenige Licht, die ungewohnte Umgebung und die altmodische Einrichtung, trieben mir einen Schauer über den Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich leicht fröstelte, musste ich wieder an das Kratzen und das Klopfen denken. Was, wenn das doch nicht bloß Aufmunterungsversuche waren? Hätten Grace und Aaron überhaupt versucht, mich auf die Weise aufzumuntern? Was, wenn …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Au!“, schrie ich auf. „Pass mit deinen Fingernägeln auf!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Huh? Ich hab dich nicht einmal berührt“, erwiderte Grace verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Halbdunkel sah ich, wie sich kleine Blutstropfen entlang der Schramme an meinem Unterarm bildeten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es blutet sogar!“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt schaltete Aaron die Stehlampe neben seinem Sofa ein. „Was ist los?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nichts. Grace hat mich nur gekratzt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hab ich nicht!“, protestierte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt meinen Arm so, dass die beiden es sehen konnten. „Und wer war das dann? Der Geist?“, scherzte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch mein dämliches Grinsen sollte mir sofort wieder vergehen, als ein zweiter, stärkerer Schmerz durch meinen Unterarm fuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig beobachtete ich, wie sich ein zweiter Kratzer nur wenige Zentimeter von dem ersten entfernt, wie durch Geisterhand an meinem Arm bildete … Wobei das Wort „Geisterhand“ wahrscheinlich mehr als nur zutreffend war! Blut lief sofort aus der Wunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße! Das habt ihr doch auch gesehen, oder?“, fragte ich panisch, während ich die mit der Hand versuchte, die Blutung zu stoppen und mich panisch aus dem Schlafsack wühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zog mir meine Hose über, griff nach meinen anderen Sachen und rannte aus dem Haus. Es dauerte nicht einmal eine Minute, bis Grace und Aaron mir mit den restlichen Sachen folgten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fuck! Was war das?“, fluchte Grace.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keiner von uns antwortete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir auf der anderen Straßenseite standen und die Schlafsäcke zusammenrollten, sah ich ängstlich zu dem Sallie House zurück. Es kam mir vor, als würde es mich mit seinen dunklen Fenstern beobachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lasst uns den Schlüssel zurückgeben und dann nichts wie weg hier!“, beschloss ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines war jedenfalls klar: Ein Spukhaus würde ich so schnell nicht mehr betreten!</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Das Spukhaus:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Sallie House (Englisch für „Das Sallie Haus“) ist ein bekanntes und sehr umstrittenes Spukhaus in Kansas, USA. Es ist nach einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> benannt, der im 20. Jahrhundert dort gesichtet worden sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Haus:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Sallie House steht an der 508 North 2nd Street in Kansas, USA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es häufig heißt, dass das Haus um die Jahrhundertwende von 1899 auf 1900 gebaut worden sei, weisen Aufzeichnungen darauf hin, dass das Haus tatsächlich im Jahre 1867 gebaut wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2004 steht das Haus außerdem leer, wurde jedoch Paranormalforschern zugänglich gemacht. Außerdem werden Rundführungen angeboten und Leute können sogar für 125 bis 150 $ pro Person eine Nacht in dem Haus verbringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Legende:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> nach, soll in dem Haus früher ein Doktor gewohnt haben, der – je nach Version – seine eigene Tochter oder die Tochter eines Hilfesuchenden wegen eines geplatzten Blinddarms im Haus operiert haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mädchen soll die Operation jedoch nicht überlebt haben und auf dem Operationstisch gestorben sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Versionen gehen sogar so weit, zu behaupten, dass das Mädchen während der Operation aufgewacht und unter schlimmen Schmerzen verstorben sei oder der Doktor bei ihr gar kein Narkosemittel verwendet habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Legende hieß das Mädchen Sallie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch obwohl es allerlei Aufzeichnungen über das Haus, deren Besitzer und die Vergangenheit gibt und sogar einige Doktoren dort gelebt haben, hat sich diese Geschichte nie bestätigen lassen. Es scheint also tatsächlich nichts anderes, als eine Legende zu sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sallie:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bekanntheit erlangte das Sallie House erst Mitte der 1990er Jahre, als das Ehepaar Debra und Tony Pickman mehrere übernatürliche Phänomene erlebt haben – darunter auch die Erscheinung eines 7-jährigen Mädchens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie ein Medium zur Hilfe riefen, erklärte sie, dass der Geist Sallie heiße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe ihrer Nachforschungen sind die Pickmans schließlich auf die vor ihnen in dem Haus lebende Familie Humbard gestoßen. Heather, die Tochter der Humbards, hatte zu der Zeit, in der sie in dem Haus lebte, eine imaginäre Freundin, die ebenfalls Sallie hieß. Als die Pickmans ihr eine Zeichnung des Mädchens zeigten, bestätigte Heather, dass es sich um ihre imaginäre Freundin handle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sich später herausstellte, gab es in dem Haus tatsächlich einmal ein Mädchen, das den Spitznamen Sallie trug: Sarah „Sallie“ Margaret Mize, die 1948 in dem Haus gelebt hat. Dass es sich bei ihr um den Geist des kleinen Mädchens handelt, ist jedoch sehr unwahrscheinlich, da sie heute noch lebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Theorie besagt, dass es sich bei dem Mädchen um Sallie Isabel Hall handele, die im Jahre 1905 verstorben ist. Da sie jedoch schwarz war und als erwachsene Frau gestorben ist, dürfte sie als Kandidatin für den von Heather Humbard und den Pickmans als weißes Mädchen beschriebenen Geist ebenfalls nicht in Frage kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Sallie, die jung gestorben ist und mit dem Haus in Verbindung gebracht werden kann, ist nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Weitere Zwischenfälle:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem harmlosen – wenn auch manchmal Streiche spielenden – Geistermädchen namens Sallie, gab und gibt es jedoch noch andere Vorkommnisse in dem Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu gehören andere, weniger harmlose Erscheinungen von Geistern und <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämonen</a>, unerklärliche Stimmen oder Geräusche (z. B. ein Kratzen oder ein Klopfen) oder das Gefühl, nicht alleine zu sein. Viele dieser Vorkommnisse sind jedoch erst nach der Eröffnung des Hauses als Touristenattraktion entstanden – wobei man immer bedenken muss, dass einige Leute eine lebhaftere Fantasie haben, als andere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt auch einige Vorkommnisse, die sich nicht mit der bloßen Fantasie der Besucher erklären lassen. So sollen Fotoapparate und Handykameras sich manchmal von selbst auflösen oder Akkus sich unnatürlich schnell entladen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wesentlich interessanter finde ich hingegen die – meiner Meinung nach glaubwürdigeren – Zwischenfälle vor 2004, wo man über die Jahre einige Zusammenhänge erkennt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gab es einige mysteriöse Brände, die keine natürliche Ursache zu haben schienen. Die meisten von ihnen sind zwar lediglich von den Erzählungen der Pickmans bekannt, es gab jedoch auch vorher bereits ein Feuer ohne erkennbare Ursache im Kinderzimmer im Jahr 1958, sowie einen angeblich unerklärlichen Brand einiger Vorhänge. Interessant ist hierbei auch, dass die meisten Brände mit Kinderspielzeug oder dem Kinderzimmer zu tun hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Sallie soll es außerdem noch den Geist einer Frau in dem Haus geben, den Tony Pickman gesehen haben will. Sie soll sehr viel aggressiver als Sallie gewesen sein und ihm sogar sichtbare Kratzer zugefügt haben. Außerdem war sie einer der Gründe, warum die Pickmans nach nur zwei Jahren wieder aus dem Sallie House ausgezogen sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Anmerkung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die enorme Bekanntheit und die inzwischen eher fragwürdige Nutzung des Hauses als überteuerte Touristenattraktion, haben dem Ruf des Sallie Houses einiges an Schaden zugefügt. Hinzu kommt, dass der 2009 gedrehte Dokumentarfilm <em>The Sallie House – Gateway to the Paranormal</em> mit allerlei Spekulation, Gerüchten und bewiesenen Falschaussagen (wie z. B. der Geschichte über dem Doktor) um sich wirft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles hat – zusätzlich zu der generellen Skepsis am Paranormalen – dazu geführt, dass sowohl Leute, die an das Paranormale glauben, als auch Leute, die davon nicht überzeugt sind, das Haus für eine reine Touristenattraktion halten und die Forschungen in dem Haus nicht mehr ernst nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich persönlich finde das sehr schade, weil ich zwar der Meinung bin, dass Skepsis im paranormalen Bereich durchaus sinnvoll ist und man nach logischen Erklärungen suchen sollte, die eventuellen tatsächlichen paranormalen Aktivitäten im Haus jedoch durch den geschädigten Ruf bei vielen Leuten kaum bis gar keine Beachtung mehr finden.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr vom Sallie House? Denkt ihr, dass es dort wirklich spukt oder glaubt ihr nicht an so etwas? Würdet ihr eine Nacht dort verbringen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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