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	<title>Rachegeister Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Mon, 30 Mar 2026 10:43:15 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Hone-Onna – Ihre Liebe bringt dich um!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich warf den Kopf nach links und rechts. Wo war ich hier? Ich stand in einer Gasse. In beide Richtungen sah ich Reihen von altmodischen Häuschen und Mauern, die vom warmen Licht mehrerer Laternen beleuchtet wurden. Ich hatte keine Ahnung, wie ich hergekommen war. Was passierte nur mit mir …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hone-onna">Hone-Onna – Ihre Liebe bringt dich um!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/37e39f7454054e94ac03577dbaaea142" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Hone-Onna ist ein japanischer Geist. Tatsächlich ist auf meinem Blog in einer anderen Geschichte schon einmal eine Hone-Onna vorgekommen. Um welche Geschichte es sich dabei handelt, erfahrt ihr in diesem Beitrag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod einer geliebten Person<br>
&#8211; Krankheit: MS</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich warf den Kopf nach links und rechts. Wo war ich hier? Ich stand in einer Gasse. In beide Richtungen sah ich Reihen von altmodischen Häuschen und Mauern, die vom warmen Licht mehrerer Laternen beleuchtet wurden. Zwischen ihnen gab es fast keine Gassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine typische japanische Altstadt. Alles kam mir seltsam vertraut vor, aber ich wusste beim besten Willen nicht, woher. Ich konnte mich an fast nichts erinnern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verunsichert sah ich an mir hinab. Ich trug einen traditionellen Kimono. Es war mein Kimono. So viel wusste ich. Aber normalerweise trug ich ihn nur zu feierlichen Anlässen. Ansonsten hatte ich … ja, ich erinnerte mich an einen grauen Pulli, den ich oft getragen hatte. Er brachte noch eine weitere Erinnerung mit sich, aber als ich mich darauf konzentrierte, war sie bereits wieder verschwunden. Was passierte nur mit mir?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da mir nichts anderes übrigblieb, entschied ich, die Gasse entlangzugehen. Zum Glück spendeten die Laternen genügend Licht, sodass die nächtliche Straße ausreichend beleuchtet war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell setzte ich einen Fuß vor den anderen. Meine Geta – die Holzsandalen, die man traditionell zum Kimono trug – klackten mit jedem Schritt über die Pflastersteine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich die Straße entlangging, versuchte ich krampfhaft, mich an irgendetwas zu erinnern. Aber ich wusste nicht einmal meinen eigenen Namen. Und auch die Umgebung weckte keinerlei Erinnerungen. Zumindest, bis ich an eine Kreuzung kam. Ich stockte. Zwar wusste ich immer noch nicht, wo ich war, aber irgendetwas in mir wollte, dass ich links abbog. Es war mehr ein Gefühl. Als wäre ich diese Straße irgendwann schon einmal entlanggegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis ich die Altstadt hinter mir gelassen hatte. Jetzt wurden die traditionellen Häuser durch moderne Gebäude und gelegentliche Neonschilder abgelöst. Das Gute war: Die Gegend kam mir mehr und mehr bekannt vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beschleunigte meine Schritte, merkte es aber erst, als ich in ein Joggen übergegangen war. Ich wusste, wo ich war! Die Straße runter, hinter dem kleinen Ramenrestaurant rechts, dann an dem Konbini vorbei und weiter in die Wohngegend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem gesamten Weg begegneten mir nur eine Handvoll Leute. Ich kannte sie nicht, also ignorierte ich sie. Und auch sie schenkten mir keine weitere Beachtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich stand ich vor einem zweistöckigen Haus. Ich hatte keine Ahnung, warum mir das Gebäude so vertraut vorkam. Meine Füße trugen mich wie von selbst die außen liegende Treppe hinauf. Ich ging einen schmalen Gang entlang, zu meiner Linken mehrere Wohnungen, zu meiner Rechten nur ein Geländer. Ich war hier schon oft gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich eine Frau erblickte, die gerade aus einer Tür kam, blieb ich stehen. Und auch sie hielt mitten in der Bewegung inne. Sie war alt, hatte ein faltiges, wenn auch freundliches Gesicht. Ihre grauen Haare trug sie zu einem Dutt gebunden. Ich kannte die Frau! Aber woher? Und wie war ihr Name?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da es mir nicht einfiel, versuchte ich es mit einem einfachen: „Guten Abend.“ Dabei tat ich einen Schritt auf sie zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hingegen schien der Frau nicht zu passen. Mit einer Geschwindigkeit, die ich ihr in ihrem Alter kaum zugetraut hätte, sprintete sie in ihre Wohnung zurück. Die Tür schloss sie hastig hinter sich. Ich hörte das mechanische Klicken eines Schlosses, das abgeschlossen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt stand ich mit offenem Mund da. Was war gerade passiert? Aber als mein Blick auf die Wohnung eine Tür weiter fiel, war das alles nicht mehr wichtig. Ich kannte die Wohnung. Ein plötzliches Gefühl von Wärme stieg in mir auf. Es war so überwältigend, dass es mich zu erdrücken drohte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Atem ging jetzt schnell und stoßweise, während ich auf die Wohnungstür zuging. Wie oft ich schon hier gewesen war … Es kam mir vor wie mein zweites Zuhause. Ohne zu zögern, betätigte ich die Klingel. Ich brauchte nicht einmal hinzusehen, um zu wissen, dass „Osaki“ auf dem Schild darunter stand. Anschließend klopfte ich ungeduldig an der Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist gut“, kam eine Stimme von drinnen. „Ich komm ja schon. Ich komm ja schon!“ Es war <em>seine</em> Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment öffnete er die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sah mich mit offenem Mund an, erstarrte dabei genauso wie die Frau eben auf dem Flur. Erst runzelte er die Stirn, dann wurde seine Miene weicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen spürte, wie mir jetzt Tränen in die Augen stiegen. „Hey, Taro“, sagte ich. Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Masami?“, kam es von ihm zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Augenblick lagen wir einander in den Armen. Jetzt weinten wir beide. Kurz drückte Taro mich weg, um mich anzusehen, dann schloss er mich wieder fest in die Arme. „Ich versteh das nicht“, schluchzte er. „Ich dachte, du bist tot.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Minuten später saßen wir aneinandergekuschelt in seinem Wohnzimmer. Je mehr ich mich umsah, desto mehr erinnerte ich mich an alles. Taro und ich waren seit über drei Jahren ein Paar, aber wir kannten uns schon sehr viel länger. Wir waren sogar zur selben Schule gegangen. Alles war perfekt gewesen, bis …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hatte einen Unfall“, dachte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Taro nickte. „Als man dein Auto gefunden hat, war es völlig ausgebrannt“, erklärte er. „Die Person am Steuer war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Wir dachten, du seist tot. Was ist passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuchte, mich zu erinnern. Da war ein helles Licht. Scheinwerfer aus dem Gegenverkehr. Aber danach? „Ich erinnere mich nicht.“ Ich fasste mir an den Kopf. Darüber nachzudenken bereitete mir Kopfschmerzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Taro drückte mich fest an sich. „He“, sagte er. „Alles wird gut. Wir finden das schon heraus. Gemeinsam. Dafür haben wir jetzt alle Zeit der Welt. Im Moment ist erstmal wichtig, dass es dir gutgeht.“ Er lehnte sich zu mir, um mir einen leidenschaftlichen Kuss zu geben.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen wachte ich neben Taro im Bett auf. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, weshalb ich seine Umrisse nur im Halbdunkel einer Straßenlaterne erahnen konnte, deren Licht durchs Fenster fiel. Dafür spürte ich seine Wärme, roch seine Haut. Es fühlte sich alles so verdammt richtig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem musste ich aufstehen. Ich konnte es nicht erklären, aber es war ein Gefühl, eher schon ein tiefsitzender Instinkt, dass ich irgendwo sein musste. Also löste ich mich vorsichtig von ihm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ging zu unserem Kleiderschrank. Zu meiner Überraschung waren meine Sachen, die ich damals bei ihm gelassen hatte, noch immer hier. Frische Unterwäsche, eine Jeans, mehrere T-Shirts und … mein Pullover!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig griff ich danach. Er hatte in abgeblätterten weißen Lettern den Namen meiner Uni aufgedruckt. Ich versenkte mein Gesicht in dem grauen Stoff. Er roch nach Taro. Natürlich tat er das. Seit meinem Unfall hatte er in seiner Wohnung gelegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gut gelaunt zog ich mich an. Als ich in den Pullover schlüpfte, hatte ich ein breites Lächeln auf dem Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich ging hinter mir das Licht an. „Musst du weg?“, fragte Taro verschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fuhr herum. Mein Freund lag noch im Bett. Seine schwarzen Haare standen wirr in alle Richtungen. Er rieb sich Schlaf aus den Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja“, sagte ich. „Ich hab noch was zu erledigen. Aber heute Abend bin ich wieder hier. Versprochen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Taro fragte nicht weiter nach. Also ging ich zu ihm und gab ihm einen Kuss. Er erwiderte ihn. „Ich werde auf dich warten“, sagte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte. Dann drehte ich mich um und ging wieder aus der Wohnung. Ich ging denselben Weg zurück, den ich gekommen war. Dabei musste ich nicht einmal nachdenken. Meine Füße bewegten sich wie von selbst. Ich folgte meinen Instinkten zurück in die Altstadt. Doch während die Sonne langsam aufging, umgab mich allmählich Dunkelheit. Ich hatte keine Ahnung, was mit mir passierte, aber ich spürte keine Angst. Dann war da nur noch Schwärze.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich wieder zu mir kam, war die Sonne bereits untergegangen. Es war Abend. Ich hatte keine Ahnung, was in der Zwischenzeit passiert war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auch am Tag zuvor stand ich wieder in der Altstadt, nur, dass ich diesmal wusste, wo ich hinwollte. Ich rannte durch die Straßen, konnte es gar nicht erwarten, Taro wiederzusehen. Bald hatte ich die Altstadt hinter mir gelassen, eilte zwischen den mit Neonschildern behangenen Läden hindurch und war bereits nach wenigen Minuten wieder bei Taros Wohnhaus angekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort ging ich mit schnellen Schritten die Treppen rauf. Ich rannte den vertrauten Gang zwischen Geländer und Wohnungstüren entlang. Bei der Wohnung der alten Frau, die gestern so komisch reagiert hatte, blieb ich stehen. Verwundert sah ich zu ihrer Tür. Sie war nicht ganz geschlossen. Stattdessen konnte ich erkennen, wie ihr faltiges Gesicht mich durch den mit einer Türkette gesicherten Spalt anstarrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald sie meinen Blick bemerkte, knallte sie die Tür zu. Wieder hörte ich, wie ein Schlüssel im Schloss herumgedreht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum verhielt sie sich so? Hatte ich ihr etwas getan? Ich konnte mich nicht erinnern. In meinem Gedächtnis war sie eine liebenswerte ältere Dame gewesen, der Taro und ich oft bei den Einkäufen geholfen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kopfschüttelnd ging ich weiter zu Taros Wohnung. Dort erwartete mich bereits die nächste Überraschung: Als Taro mir öffnete, hielt er mir einen bunten Blumenstrauß entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für dich“, sagte er, ehe er mich mit einem Kuss begrüßte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei bemerkte ich, dass er humpelte. „Alles in Ordnung?“, fragte ich schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Taro schüttelte nur den Kopf. „Mach dir keine Sorgen“, versuchte er, mich zu beruhigen. „Meine MS meldet sich nur mal wieder zu Wort.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Multiple Sklerose. Ich erinnerte mich. Aber eigentlich hatte er die Schübe doch mit seinen Medikamenten in den Griff bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besorgt half ich ihm zum Sofa, wo wir die Blumen in eine Vase stellten. Meine Sorge war jedoch nur von kurzer Dauer. Nicht nur, dass Taro sich nicht wirklich darüber Gedanken machte, ich war bereits wieder von einem Gefühl der Glückseligkeit umgeben, während ich in seinen Armen lag. Bei ihm zu sein, mit ihm die Nächte zu verbringen war das schönste Gefühl, das ich mir vorstellen konnte.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen schlich ich mich wieder aus dem Bett. Anscheinend hatte Taro einen leichten Schlaf entwickelt, denn auch an diesem Morgen ging hinter mir das Licht an, während ich mich anzog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Musst du wieder arbeiten?“, fragte Taro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt in der Bewegung inne. Ich hatte nie behauptet, dass ich arbeiten müsste. Aber … was tat ich eigentlich den ganzen Tag? Ich wusste es nicht. Also nickte ich. „Ja“, sagte ich knapp. Anschließend verabschiedete ich mich mit einem langen Kuss. „Wir sehen uns heute Abend“, sagte ich, ehe ich mit schlechtem Gewissen zurück Richtung Altstadt ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum hatte ich gelogen, hatte ihm nicht gesagt, dass ich nicht arbeiten ging? Es gab keinen Grund dazu. Andererseits wollte ich nicht, dass sich irgendetwas änderte. Wie es gerade zwischen uns lief, war perfekt. Ich wollte nicht, dass er mir nachspioniert. Auch spürte ich keinerlei Verlangen, herauszufinden, was mit mir los war. Ich war glücklich, wollte einfach nur bei Taro sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was konnte eine kleine Notlüge da also schaden?</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Tage verliefen sehr ähnlich. Während ich tagsüber völlige Blackouts hatte, verbrachte ich die Nächte bei Taro. Seine Nachbarin traf ich dabei nicht mehr, obwohl ich gestehen muss, dass ich mich beobachtet fühlte, wann immer ich an ihrem Türspion vorbeiging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Sache war Taros Gesundheitszustand. Seine Beine schienen immer schwächer zu werden. Inzwischen hatte er sogar seine alte Gehhilfe wieder herausgekramt, um sich einfacher durchs Haus bewegen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise hätte ich ihn deswegen schon lange zum Arzt geschickt. Aber ich wollte nicht, dass er ins Krankenhaus ging. Es war egoistisch, ich weiß, aber es gab dort keine nächtlichen Besuchszeiten. Und ihn tagsüber zu besuchen, würde mir bei meinen Blackouts wahrscheinlich nicht gelingen. Ich wollte ihn nicht noch einmal verlieren!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber leider tat ich das. Es war die fünfte Nacht seit meiner Rückkehr. Taro und ich lagen gemeinsam im Bett. Er streichelte meinen Arm, während er neben mir lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich klopfte es an der Tür. Es war kein kräftiges, dafür aber ein sehr eindringliches Klopfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Erwartest du jemanden?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Taro schüttelte den Kopf. „Nein. Schon gar nicht um die Uhrzeit.“ Er hievte die Beine aus dem Bett, um mit seiner Gehhilfe zum Eingang zu humpeln. „Ich komm ja schon!“, rief er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am liebsten hätte ich ihm meine Hilfe angeboten, ihm den Weg abgenommen, aber wie ich meinen kleinen Sturkopf kannte, hätte er es sowieso abgelehnt. Also blieb ich mit gespitzten Ohren im Bett liegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Tanaka?“, hörte ich Taro fragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war die alte Nachbarin. „Ist sie hier?“, fragte sie mit gebrechlicher Stimme. „Du musst sie loswerden. Sofort. Sie wird dich umbringen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Tanaka, bitte. Beruhigen Sie sich. Ist etwas passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! Du hörst mir nicht zu“, schrie sie. „Es geht um die Frau. Sie ist nicht die, für die du sie hältst!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ mich aufhorchen. Natürlich war ich die, für die er mich hielt. Ich war Masami, seine feste Freundin. Ich sprang aus dem Bett, warf mir meinen Pulli über und ging mit schnellen Schritten zur Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich scheinheilig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ahhh!“, schrie Frau Tanaka. Sofort zückte sie ein Feuerzeug. Ihre dürren Hände zitterten, während sie hastig etwas in ihrer anderen Hand anzündete. Es sah nach einem Bündel aus zusammengebundenem Gestrüpp aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend drängelte sie sich an Taro vorbei. Er war zu überrascht, um sie aufzuhalten. Dann fuchtelte sie mit dem brennenden Gestrüpp Rauch in meine Richtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Taro wedelte sich mit der Hand vor dem Gesicht herum, als wolle er den Geruch loswerden. „Bah. Was ist das für ein Zeug?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen wich sofort zurück. Dort, wo der Rauch meine Haut berührte, entstand ein brennender Schmerz. Es fühlte sich an, als stünde ich in Flammen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße! Was ist das? Was ist das!?“, schrie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Tanaka fuchtelte nur weiter in meine Richtung. „Zurück mit dir! Zurück!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da packte Taro sie endlich am Handgelenk. Er zog sie von mir weg. „Jetzt beruhigen Sie sich! Das ist Masami, meine totgeglaubte Freundin!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Tanaka sah flüchtig zu mir. Zum Glück hatte sie aufgehört, mit dem Rauch um sich zu wedeln. „Du verstehst nicht. Sie ist nicht bloß totgeglaubt“, erklärte sie dann. „Masami ist eine Hone-Onna.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eine Knochenfrau?“, fragte er. Er ließ sie los, stand nun aber mit verschränkten Armen vor ihr. „Was soll das sein?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste es genauso wenig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hone-Onna“, erklärte Frau Tanaka ruhig, „sind ruhelose Geister, die nachts zurückkehren, um ihre Geliebten zu besuchen. Leider entziehen sie ihnen dabei auch ihre Lebensenergie.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Taro und ich sahen sie fassungslos an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist doch verrückt“, sagte er dann. „Es ist besser, wenn Sie jetzt gehen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“, protestierte Frau Tanaka. „Verrückt ist nur, dass du es nicht erkennst. Setz deine rosarote Brille ab! Sieh dir Masami doch einmal an! Sie hat nicht einmal mehr Haut an ihrem Schädel. Sie ist ein wandelndes Skelett.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie automatisch fasste ich mir ins Gesicht. Und tatsächlich. Ich spürte keinerlei Haut. Meine Finger trafen auf etwas Hartes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel mein Blick auf meine Hände. Sie waren schwarz, bestanden nur aus Knochen. Wie war mir das vorher nie aufgefallen? Und auch Taro sah mich jetzt mit großen, vor Schreck geweiteten Augen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt rannte ich ins Badezimmer, um mich im Spiegel anzusehen. Leere Augenhöhlen starrten zurück. Mein Schädel, denn mehr war es nicht, war rußgeschwärzt. Frau Tanaka sagte die Wahrheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du wusstest es also auch nicht?“, krächzte eine Stimme hinter mir. Frau Tanaka war mir ins Bad gefolgt. „Sieh dir Taro doch einmal an!“, zischte sie mir zu. „Ist dir nicht aufgefallen, dass er Tag für Tag schwächer wird? Du entziehst ihm seine Kraft. Wenn ihr noch eine Nacht zusammen verbringt, wird er das nicht überleben!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber …“, protestierte ich. „Ich möchte das nicht. Ich würde Taro niemals schaden!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Tanaka nickte langsam. Mitleid lag in ihrem Blick. „Das glaube ich dir sogar. Wenn du ihn wirklich liebst, dann gehst du jetzt. Kehr nie wieder hierher zurück.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, ob Skelette weinen können, aber es fühlte sich zumindest so an, als würden Tränen meine Wangenknochen hinablaufen, während ich aus der Wohnung stürmte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Masami! Warte!“, rief Taro mir nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Frau Tanaka hinderte ihn daran, mir zu folgen. „Schließ die Tür, Taro. Wir müssen uns unterhalten.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die restliche Nacht irrte ich durch die Straßen. Ich wusste nicht, was ich denken oder fühlen sollte, kam mir verloren vor. Dafür wusste ich jetzt, wo ich jeden Tag hin verschwand. In der Altstadt gab es einen Friedhof. Im Laufe der Nacht hatte ich dort mein Grab entdeckt. Ich blieb bei dem gepflegten Grabstein, bis mich bei Sonnenaufgang die bittersüße Schwärze empfing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zu meiner Überraschung stand ich bereits am nächsten Abend wieder in der inzwischen vertrauten Straße in der Altstadt. Warum? Warum war ich noch immer hier? Hatte ich nicht im Leben schon genug Pech gehabt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment versuchte ich, mich dagegen zu wehren, aber schließlich trugen mich meine Füße wieder in die Richtung von Taros Wohnung. Mein Verlangen, ihn wiederzusehen, war zu mächtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so dauerte es nicht lang, bis ich wieder vor seiner Wohnung stand. Ich hatte Gewissensbisse. Sollte unsere gemeinsame Zeit ihm wirklich schaden? Warum fühlte es sich dann so richtig an? Andererseits könnte es erklären, wieso sein Zustand so schlecht war. Es lag nicht an seiner MS. Oder vielleicht doch?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hin- und hergerissen betätigte ich die Klingel. Kurz darauf stand Taro vor mir. Seine Augen waren eingefallen, seine Wangen hohl. War das schon immer so? Warum war es mir die ganze Zeit nicht aufgefallen? War wirklich ich daran schuld? Unsere gemeinsamen Nächte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Masami“, sagte er mit einem Lächeln. Sogar seine Stimme klang schwach. „Komm rein. Es ist mir egal, was du bist. Mit dir zusammen bin ich glücklich.“ Er hielt mir die Tür auf, um mich reinzulassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich trat einen Schritt auf ihn zu. Wenn ich jetzt mit ihm ging, könnte das seine letzte Nacht sein. Aber wäre das so schlimm? Dann wären wir im Tod vereint. Er würde für immer bei mir bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich die Türschwelle erreichte, zögerte ich. „Nein“, sagte ich dann. Was dachte ich denn da? Ich liebte Taro. Da würde ich ihm doch niemals den Tod wünschen! „Es tut mir leid“, sagte ich leise. „Taro, ich kann nicht.“ Ich taumelte zurück. „Ich kann dich nicht mit mir in den Tod reißen. Aber ich werde auf dich warten. Leb dein Leben! Werde glücklich! Irgendwann werden wir wieder vereint sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit den Worten machte ich auf dem Absatz kehrt und rannte zurück in die Dunkelheit. Es war die letzte Nacht, in der meine ruhelose Seele auf die Erde zurückgekehrt war.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hone-Onna (骨女, Japanisch für „Knochenfrau“) ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" type="link" id="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> der japanischen Mythologie. Sie zählt zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Yōkai</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der bekanntesten Geschichten über eine Hone-Onna ist die japanische Geistergeschichte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/botan-doro">Botan Dōrō</a>, über die ich bereits 2020 einen Beitrag geschrieben habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Hone-Onna haben zwei verschiedene Formen, in denen sie erscheinen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für gewöhnlich sehen sie wie völlig normale Frauen aus. Meist werden sie als jung und schön beschrieben. Außerdem handelt es sich bei ihnen im Normalfall um Japanerinnen, da die Legende aus Japan stammt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt jedoch Menschen, die durch diese Fassade hindurchsehen können. Sie sehen die Hone-Onna als ein Skelett, manchmal inklusive verwesendem Fleisch. Besonders häufig ist dabei von ihrem Gesicht die Rede, das nur noch aus einem Schädel besteht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt zwei verbreitete Versionen der Hone-Onna. In einer ist sie ein von Liebe getriebener Geist, in der anderen ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/onryo">Rachegeist</a>.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der von Liebe getriebene Geist:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Version ist der Geschichte von Botan Dōrō sehr ähnlich. Es geht darin um einen Mann, dessen Geliebte verstorben ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Tages begegnet er ihr jedoch plötzlich wieder. Von seiner Liebe geblendet glaubt er, dass seine Geliebte in Wirklichkeit noch lebt. Manchmal gibt es eine Erklärung hierfür, dass ihr Tod vorgetäuscht war o. Ä., andere Male hinterfragt der Mann es nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während sie sich also fortan wieder regelmäßig treffen, entzieht sie ihm – oft unwissentlich – Stück für Stück die Lebensenergie. Mit der Zeit wird er schwächer und schwächer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meist ist es ein Freund oder Angestellter des Mannes, der nicht von seinen Gefühlen geblendet wird und die wahre Gestalt der Hone-Onna sehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er erzählt dem Mann davon, der entweder entsetzt reagiert und sich von der Frau distanziert oder ihm nicht glaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so endet die Geschichte häufig damit, dass der Mann – entweder weil er sich weiter mit ihr trifft oder weil seine Sehnsucht zu groß wird – bei einem letzten Treffen mit der Frau selbst sein Leben lässt. Anschließend sind sie auf Ewig im Tode vereint.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der Rachegeist:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen sucht die Hone-Onna nicht ihren ehemaligen Geliebten heim, sondern ist hinter Männern generell her. Sie verführt sie mit ihrer Schönheit, um ihnen bei einer oder mehreren gemeinsamen Nächten die Lebensenergie zu entziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesen Geschichten kommt es oft gegen Ende zu einem Schockmoment, wenn die Hone-Onna dem Mann ihren Schädel zeigt. Manchmal mit Absicht, andere Male, weil einfallendes Licht ihr Skelettgesicht zum Vorschein bringt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legenden der Hone-Onna kommen fast ausschließlich aus Japan. Dort soll sie sich in Städten und Dörfern, aber insbesondere auf Friedhöfen, in dunklen Gassen oder auch in Rotlichtvierteln herumtreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Ursprung der Hone-Onna habe ich nicht viel herausfinden können. Laut <a href="https://yokai.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">yokai.com</a> (eine sehr verlässliche Quelle, was Yōkai angeht und eine große Empfehlung von mir) ist aber davon die Rede, dass die Hone-Onna mindestens seit dem 17. Jahrhundert in Japan bekannt sei, wo sie in Form der Botan-Dōrō-Legende aus einer alten chinesischen Geistergeschichte entstanden ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hone-Onna in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der Manga- und Animereihe „Hell Girl“ tritt eine Hone-Onna regelmäßig auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es eine Hone-Onna in dem von NetEase Games entwickelten Gacha-Game Onmyoji, das für Pc, Android und iOS erschienen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ansonsten gibt es zu Botan Dōro, wo die weibliche Hauptperson eine Hone-Onna ist, zahlreiche Theaterstücke und Puppenspiele, die heute noch aufgeführt werden, sowie diverse Filme.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Hone-Onna? Mögt ihr sie als die zurückkehrende Geliebte oder als Rachegeist lieber? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Banchō Sarayashiki – Die Legende von Okiku</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jun 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Er besaß eine alte Sammlung von zehn Tellern. Sie waren ein Geschenk, kamen ursprünglich aus den Niederlanden in Europa und waren fast unbezahlbar. Wenn jemand einen von ihnen zerbrach oder stahl, war das mit dem Tode strafbar. Und es war Okikus Aufgabe, auf die Teller aufzupassen …</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Banchō Sarayashiki, die Legende von Okiku, ist eine berühmte japanische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geistergeschichte</a>. Ich selbst habe erst durch meine Japanischlehrerin davon erfahren, was mich bei der Recherche wirklich überrascht hat, da sie zu den bekanntesten Geistergeschichten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Japans</a> gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine Geschichte von einseitiger Liebe, Besessenheit und dem Unrecht an einer unschuldigen Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Name ist Aguri. Ich war Angestellte bei dem ehrenwerten Aoyama Tessan, einem Samurai in der Edo-Zeit hier in Japan. Wobei „ehrenwert“ kein Wort ist, mit dem <em>ich</em> Aoyama bezeichnet hätte. Und ich denke, nach dieser Geschichte werdet ihr das auch so sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist aber keine Geschichte über meinen Herrn. Es ist auch keine Geschichte über mich. Nein, in dieser Geschichte geht es um Okiku, ein Dienstmädchen bei Aoyama. Sie war jung und hübsch. Es war kein Geheimnis, dass Aoyama sie begehrte. Doch so oft er sie auch fragte, so sehr er ihr versprach, sie mit Reichtümern zu überhäufen, sollte sie seine Frau oder auch nur seine Geliebte werden, Okiku lehnte seine Angebote stets ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aoyama gab sich wirklich Mühe. Er machte ihr Geschenke, gab ihr die schönsten Kimonos, das beste Essen. Und auch, wenn es übergriffig von ihm war, ihr nein nicht zu akzeptieren, er manchmal eine Linie übertrat, so gab es doch das eine oder andere Dienstmädchen, das liebend gerne den Platz mit Okiku getauscht hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Aoyama wollte kein anderes Dienstmädchen. Er wollte nur die junge schöne Okiku. Und so wurden seine Pläne, sie endlich für sich zu gewinnen, immer hinterlistiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Morgens, ich erinnere es noch gut, gab es einen Aufruhr in Aoyamas Anwesen. Er besaß eine alte Sammlung von zehn Tellern. Sie waren ein Geschenk, kamen ursprünglich aus den Niederlanden in Europa und waren fast unbezahlbar. Wenn jemand einen von ihnen zerbrach oder stahl, war das mit dem Tode strafbar. Und es war Okikus Aufgabe, auf die Teller aufzupassen, sie staubfrei zu halten, damit sie immer im besten Licht erstrahlten. Neben Aoyama war sie die Einzige im gesamten Haus, die die Teller auch nur anfassen durfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch an jenem schicksalhaften Morgen war einer der Teller verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eins, zwei, drei, vier“, hörte ich Okiku panisch zählen, als ich zu ihr ins Zimmer stürzte. „Fünf, sechs, sieben, acht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie die anderen Angestellten einen Halbkreis gebildet hatten. In ihrer Mitte stand Aoyama, der mit strengem Blick auf Okiku hinabstarrte, die vor ihm auf dem Boden kniete. Die wertvollen Teller lagen vor ihr ausgebreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Neun“, beendete Okiku ihr Zählen. „Neun. Das kann nicht sein. Einer fehlt. Eins, zwei, drei, …“ Sie zählte die Teller erneut, als hoffe sie, sich bloß verzählt zu haben. Die junge Frau war den Tränen nahe. Es brach mein Herz. Noch nie zuvor hatte ich Okiku so verzweifelt gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“, fragte Aoyama erbarmungslos. „Was hast du mit dem zehnten Teller gemacht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Okiku sah mit großen Augen zu ihm auf. „Bitte, Herr Aoyama“, flehte sie. „Das muss ein Irrtum sein! Ich weiß nicht, was mit dem Teller passiert ist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist er dir zerbrochen und du hast die Beweise vernichtet? Oder hast du ihn gestohlen?“, schrie er sie unnachgiebig weiter an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell tat ich einige Schritte auf die beiden zu. „Verzeihung, Herr Aoyama“, sagte ich mit gesenktem Blick. „Aber wäre es nicht möglich, dass jemand anderes den Teller …“ Weiter kam ich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer hat dir erlaubt, die Stimme zu erheben, Aguri?“, schrie er nun mich an. „Raus hier! Alle außer Okiku! Nehmt euch den Tag frei! Ich brauche meine Ruhe, während ich über Okikus Bestrafung nachdenke!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah Aoyama fassungslos an. Noch nie in all den Jahren, die ich für ihn oder für seinen Vater vor ihm gearbeitet hatte, wurde in diesem Haus so mit mir gesprochen. Trotzdem nickte ich nur knapp, ehe ich den anderen Angestellten aus dem Raum folgte. Aoyama war kein Mann, mit dem eine Bedienstete diskutieren durfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du weißt, welche Strafe auf deinem Vergehen liegt“, hörte ich Aoyama sagen, während ich die Tür hinter den anderen Angestellten und mir schloss. Noch immer drang seine Stimme gedämpft aus dem Raum. „Wenn du doch bloß meine Frau wärst, dann könnte ich darüber hinwegsehen …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr hörte ich von dem Gespräch jedoch nicht. Ich war bereits auf dem Weg zur Haustür.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich am späten Nachmittag in das Anwesen zurückkehrte, fehlte von Okiku jede Spur. Und Aoyama machte keine Anstalten ihre Abwesenheit zu erklären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte zwei junge Bedienstete darüber reden, dass Okiku wahrscheinlich aus dem Haus verbannt wurde. Andere Gerüchte besagten, dass sie geflohen sei, um ihrer Strafe zu entkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ich hatte das anfangs geglaubt. Es gab keinen Grund, irgendetwas anderes zu vermuten. Aber die Wahrheit war sehr viel schrecklicher. Ohne Okiku selbst, wäre sie jedoch wahrscheinlich nie ans Licht gekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es begann in der folgenden Nacht. Ich lag gerade auf meinem Futon, versuchte einzuschlafen, während ich über die Ereignisse nachdachte, da hörte ich plötzlich etwas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eins.“ Das war Okikus Stimme! „Zwei“, zählte sie langsam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell stand ich auf. Ich schlich in meiner Nachtwäsche zur Tür, um zu ihr zu eilen, sie zu fragen, was passiert war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Drei.“ Ihre Stimme war leise, und doch konnte ich sie ganz deutlich hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rannte zu ihrem Zimmer. Es war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vier.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Anlaufpunkt war das Wohnzimmer, wo Aoyama seine teuren Teller zur Schau stellte. Doch auch hier war niemand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fünf.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also konzentrierte ich mich auf ihre Stimme. Ich versuchte, ihren Ursprung auszumachen, drehte den Kopf nach rechts und links.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sechs.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell folgte ich der Stimme weiter in den Flur. Erst jetzt realisierte ich, dass sie nicht aus dem Haus kam. Sie kam aus dem Innenhof!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sieben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zog die Tür auf und stürzte nach draußen. „Okiku!“ Meine Schritte wurden langsamer. Der Innenhof war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Acht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Stimme war so nahe. Wo konnte sie nur sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Neun.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Blick fiel auf den alten Brunnen. Sie wird doch nicht …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Einer fehlt!“, sagte sie dann plötzlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war in der Zwischenzeit zum Brunnen geeilt und starrte hinein. Meine Augen waren weit aufgerissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort unten war Okiku, knapp unter der Wasseroberfläche. Ich konnte sie nur sehen, weil ihr Körper in einen weißen Kimono gehüllt war, wie ihn Leichen bei einer Beerdigung trugen. Aber ich wusste, dass sie keine vernünftige Beerdigung bekommen hatte. Genauso wie ich wusste, dass ich gerade ihren Geist sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich stieß sie ein ohrenbetäubendes Geschrei aus. Ich musste mir die Hände auf die Ohren pressen. Es waren Klagelaute, so voller Leid, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich also dasaß, die Hände fest auf meinen Ohren, wusste ich nur, dass Okikus Leiche im Brunnen liegen muss. Wie sonst hätte ihr ruheloser Geist dorthin gelangen können? Hatte Aoyama sie dort hineingeworfen? Oder war Okiku selbst gesprungen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahrheit sollte ich erst kurz vor Aoyamas Tod erfahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er gestand mir, dass er Okiku erpresst hatte. Er selbst hatte den Teller entwendet, um ein Druckmittel zu haben, sie „zu ihrem Glück zu zwingen“, wie er es formuliert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie ihn jedoch erneut zurückwies, beteuerte, dass sie nichts mit dem verschwundenen Teller zu tun habe, hatte sein Kopf ausgesetzt. Er war in blinde Wut verfallen, hatte ein hölzernes Übungsschwert von der Wand gerissen und Okiku damit verprügelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Willst du nun endlich meine Frau werden?!“, hatte er gebrüllt, seine Tonlage mehr ein Befehl als eine Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“, hatte Okiku gekreischt. Tränen rannen über ihre hübschen Wangen. „Herr Aoyama, bitte! Ich war es nicht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das war nicht das, was Aoyama hören wollte. Er hatte die von den Schlägen geschwächte Okiku gepackt und sie nach draußen zum Brunnen gezerrt. Dort hatte er ihren Körper mit dem Kopf zuerst über den Brunnenrand gehängt und sie erneut aufgefordert: „Willst du nun endlich meine Frau werden?!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Okiku ließ sich nicht erpressen. Sie war sich keiner Schuld bewusst. „Bitte, Herr Aoyama! Ich habe nichts damit zu tun. Lassen sie mich gehen!“, schrie sie. Der Widerhall des Brunnens verstärkte die Panik in ihrer Stimme, die Angst, die sie in dem Moment vor Aoyama gehabt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da erkannte Aoyama, dass Okiku ihn niemals lieben würde. Er zögerte nicht länger und ließ sie einfach los. Sie stürzte kopfüber in den Brunnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sagte, dass es nicht lange gedauert hätte, bis ihre Hilferufe verstummt waren. Anschließend sei er mit einer Mischung aus Wut, Trauer und Schuldgefühlen in sein Anwesen zurückgegangen. Er sagte, dass er den Tag fortgesetzt habe, als sei nie etwas passiert.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb so lange vor dem Brunnen sitzen, bis das Geschrei von Okikus Geist irgendwann verstummte. Anschließend stand ich auf und ging zurück in mein Zimmer. Dabei begegnete ich vielen anderen Angestellten, die ebenfalls aufgestanden waren, um dem Lärm nachzugehen, aber ich wechselte kein Wort mit ihnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Kopf war voll, meine Gedanken lauter als Okikus Schreie. Noch wusste ich ja nicht, was passiert war. Ob Aoyama wirklich für ihren Tod verantwortlich war oder sie sich selbst das Leben genommen hat, um seiner Strafe zu entgehen. Oder aus Verzweiflung, weil sie doch für den verschwundenen Teller verantwortlich gewesen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fand in jener Nacht keinen Schlaf mehr. Und auch in den folgenden Nächten wurde Schlaf zu einem seltenen Luxus. Denn Okikus Geist kehrte fortan jede Nacht zurück, um die Teller zu zählen und anschließend in klagevolles Geheule zu verfallen. Es zerbrach mir das Herz, aber es gab nicht viel, was ich dagegen tun konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem machte ich mich heimlich auf die Suche nach dem Teller – nur für den Fall, dass sich mein Verdacht bestätigte und Aoyama den Teller tatsächlich selbst entwendet hatte, um Okiku zu erpressen. Aber ich konnte das Geschirr nie finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald litt auch der Rest des Hauses unter den ruhelosen Nächten. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Angestellten kündigten. Erst waren es hauptsächlich meine jüngeren Kollegen. Die älteren, wie ich, harrten länger aus. Einige schliefen auswärts, verließen das Haus jeden Tag bei Sonnenuntergang und kehrten nicht vor der Morgendämmerung zurück. Andere taten es mir gleich und ließen Okikus Klagelaute Nacht für Nacht über sich ergehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so wurde das Haus Woche für Woche, Tag für Tag leerer. Bald waren neben Aoyama und mir nur noch eine Handvoll von uns übrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wem es allerdings am schlimmsten erging – mal einmal von Okiku abgesehen – war Aoyama selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hatte nur einige Wochen gedauert und er war kaum noch mehr als eine wandelnde Leiche. Sein Gesicht war eingefallen, seine Augenringe dunkel, sein Körper dünn und knochig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Morgens ging ich in sein Zimmer, um seinen Futon wegzuräumen, da saß er am Boden vor mir. Sein Katana vor ihm ausgebreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, in dem er mir seine Tat gestand. Dass er den Teller selbst verschwinden ließ, wie er Okiku verprügelt hatte und sie schließlich in den Brunnen fallenließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was habe ich nur getan?“, fragte er mehr sich selbst als mich. „Ich habe Okiku geliebt. Früher konnte ich sie wenigstens jeden Tag sehen, mich an ihrer Schönheit erfreuen. Und jetzt? Jetzt bleibt mir nur ihr Geist, der mich jede Nacht quält.“ Er setzte das Schwert mit der Klinge an seinem Bauch an. „Okiku. Es tut mir leid“, hauchte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das half der armen Frau jetzt auch nicht mehr. Ich sah auf Aoyama hinab, wie er auf Okiku hinabgeblickt hatte, als sie vor seinen Augen die Teller gezählt hatte. Die Wahrheit über Okikus Tod hatte mich ziemlich aufgewühlt. Ich war kein kaltblütiger Mensch. Trotzdem sah ich bloß mit verächtlichem Blick dabei zu, wie Aoyama sich sein Schwert in den Bauch stieß. Wie ich schon sagte, war er in meinen Augen kein ehrenwerter Mensch. Und so hatte ich in seinen letzten Sekunden auch keinerlei Ehrgefühl mehr für ihn übrig. Aoyama starb vor meinen Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was jedoch Okiku anging, so fand ihr Geist auch nach Aoyamas Tod keine Ruhe, wie ich zuerst hoffte. Ich durchsuchte das gesamte Haus, jetzt wo Aoyama fort war, durchwühlte schamlos seine Sachen, doch den fehlenden Teller konnte ich nie finden. Wissen die Götter, was Aoyama damit gemacht hatte. Vielleicht hatte er ihn zerstört oder weggeworfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so kehrt Okikus Geist auch heute noch jede Nacht zurück und zählt die neun Teller. Ich kann nur hoffen, dass bald jemand kommen wird, der Okikus unschuldige Seele von ihrem grausamen Schicksal befreien kann.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Banchō Sarayashiki (番町皿屋敷, Japanisch für „Das Teller-Anwesen von Banchō“), auch bekannt unter den Namen „Sarayashiki“ oder „Die Legende von Okiku“, ist eine bekannte Geistergeschichte aus Japan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie handelt von einem Dienstmädchen, das die romantische und/oder sexuelle Begierde ihres Herren nicht erwidert, woraufhin er erfolglos versucht, sie in die Beziehung zu erpressen, ehe er sie ermordet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> von Banchō Sarayashiki ist eine der „Nihon san dai Kaidan“ (日本三大怪談, Japanisch für „die drei großen japanischen Geistergeschichten“). Die anderen beiden sind „Die Legende von Oiwa“ (einen Beitrag über diese Geschichte habe ich schon länger auf meiner Liste) und „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/botan-doro">Botan Dōrō</a>“ (meinen Beitrag darüber findet ihr Hier).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt zahlreiche Versionen von Banchō Sarayashiki, die ich weiter unten näher erläutern werde. An dieser Stelle möchte ich euch die Version vorstellen, von der meine Japanischlehrerin mir erzählt hat und um die sich auch meine Geschichte dreht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Okiku war ein Dienstmädchen, das dem Samurai Aoyama Tessan unterstellt war. Aoyama hatte schon lange ein Auge auf Okiku geworfen, aber all seine Annäherungsversuche wurden von ihr abgelehnt. Das erfüllte den Samurai mit Wut. Er wollte Okiku unbedingt zu seiner Frau haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher fasste er einen Entschluss: Er hatte ein Set aus zehn wertvollen Tellern – in einigen Versionen ist von Delfter Blau aus den Niederlanden die Rede – die ihm oder seinem Herrn sehr wichtig waren. Wenn einer der Teller gestohlen wurde oder zerbrach, konnte das mit dem Tode bestraft werden. Und Okiku war für diese Teller verantwortlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also versteckte Aoyama einen der Teller. Er beschuldigte Okiku, den Teller zerstört oder gestohlen zu haben. Sie rannte daraufhin entsetzt zu den Tellern und zählte sie wieder und wieder, kam aber immer nur auf neun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aoyama, der sie dabei beobachtet hatte, versprach, ihre Bestrafung auszusetzen oder sie nicht zu verraten, wenn er sie dafür zur Frau nehmen dürfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Okiku lehnte erneut ab. Das wiederum versetzte Aoyama so in Rage, dass er das Dienstmädchen mit einem hölzernen Schwert verprügelte. Er schleifte sie nach draußen zum Brunnen des Anwesens und folterte sie dort weiter, ehe er sie erneut fragte, ob sie ihn heiraten wolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie jedoch erneut ablehnte, warf er sie in den Brunnen, wo Okiku schließlich starb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Aoyama jedoch dachte, dass er Okiku daraufhin los sei, hatte er sich geirrt. Bereits in der nächsten Nacht erklang ihre Stimme aus dem Brunnen. Sie zählte von eins bis neun, ehe sie einen furchtbaren Schrei ausstieß. Wieder und wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Geist kehrte fortan jede Nacht zurück, zählte die neun Teller und stieß Klagelaute aus. Mit der Zeit verlor Aoyama deshalb den Verstand, bis er sich selbst das Leben nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch nach seinem Tod sollte Okiku keine Ruhe finden. Erst, als ein Nachbar, ein neuer Besitzer oder ein Mönch, der beauftragt wurde, den Geist zu bannen, die Zahl Zehn rief, nachdem Okiku die neun erreicht hatte, soll sie gesagt haben: „Endlich.“ Ihr Geist ist seitdem nie zurückgekehrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist zumindest eine Variante der Legende, laut anderen Erzählungen, konnte ihr Geist bis heute keine Ruhe finden und zählt noch immer jede Nacht die neun Teller.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt, gibt es noch zahlreiche weitere Versionen von Banchō Sarayashiki. In einigen stürzt sich Okiku aus Verzweiflung selbst in den Brunnen, um der Strafe zu entgehen. Manchmal ist ihr darin der Teller sogar selbst heruntergefallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen ist die Frau von Aoyama Tessan die Übeltäterin, da sie befürchtet, ihr Mann könne Gefühle für Okiku haben. Sie zerbricht oder versteckt den Teller und beschuldigt Okiku, woraufhin Aoyama das Dienstmädchen ermordet und in den Brunnen wirft. In diesen Versionen treibt Okiku meist die Frau von Aoyama Tessan in den Wahnsinn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sogar eine Version, in der Okiku tatsächlich die Geliebte von Aoyama ist. In dieser Version zerstört sie den Teller, der Aoyama so wichtig ist, um seine Liebe zu testen. Er verzeiht ihr, jedoch nur, bis er später erfährt, dass sie den Teller mit Absicht zerstört hat, woraufhin er sie aus Wut tötet und in den Brunnen wirft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem können andere Kleinigkeiten abweichen. Z. B. kann der Name von Aoyama ein anderer sein oder Okikus Geist streift durch das Haus, statt in dem Brunnen zu bleiben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Politischer Konflikt:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt eine Version von Banchō Sarayashiki, die ich hier noch einmal gesondert erwähnen möchte. Sie spielt in der Himeji-Burg in Himeji, Japan. In dieser Version wird Okiku in einen politischen Konflikt verwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erfährt, dass Aoyama Tessan seinen Regenten Lord Norimoto ermorden und seinen Platz einnehmen möchte. Sie dient daher als Spitzel und erzählt Norimoto (oder einem Vertrauten) von dem Putsch, woraufhin Norimoto lebend aus der Burg entkommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin erkennt Aoyama, dass es einen Verräter unter seinen Dienstleuten geben muss. Er befiehlt seinem Komplizen Danshiro, den Verräter ausfindig zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Danshiro jedoch herausfindet, dass Okiku, in die er schon lange verliebt ist, die Verräterin ist, sieht er darin eine Chance, sie zur Frau zu bekommen. Von hier an ist die Geschichte sehr ähnlich, nur, dass Okiku von Danshiro erpresst wird statt von Aoyama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst verspricht Danshiro, sie nicht zu verraten, wenn sie ihn zum Mann nimmt. Als sie ablehnt, versteckt er den Teller und gibt ihr die Schuld dafür, um ein weiteres Druckmittel zu haben. Als sie trotzdem weiter ablehnt, tötet er sie und wirft sie in den Brunnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Geist treibt anschließend Danshiro in den Wahnsinn, der daraufhin aus der Burg verbannt wird oder sich das Leben nimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Okikus Fluch:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn Okikus Geist in den meisten Versionen von Banchō Sarayashiki vergleichsweise harmlos sein soll – mal abgesehen von ihrem Verhalten gegenüber ihren Mördern, die sie ihn den Wahnsinn treibt –, gibt es andere Erzählungen, in denen Okiku auch unbeteiligten Menschen schaden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So besagen einige Legenden, dass Leute, die Okiku zählen hören, den Verstand verlieren können. Es gibt sogar Versionen, in denen alle, die Okiku bis zur Zahl Neun zählen hören, kurze Zeit später sterben sollen – entweder durch Okikus Hand oder durch eine scheinbar unzusammenhängende Ursache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es soll aber auch eine Möglichkeit geben, diesem Fluch zu entkommen. Sobald sie die Zahl Neun sagt, soll man schnell „Zehn!“ rufen. Daraufhin soll Okikus Geist wieder verschwinden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie der Name „Banchō Sarayashiki“ bereits sagt, soll die Legende sich angeblich in Banchō, einem Stadtteil des damaligen Edo, also des heutigen Tokio, zugetragen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch Versionen, die die Geschichte an einen anderen Ort verlagern, so zum Beispiel die Version mit dem politischen Putsch, die sich in der Himeji-Burg in Himeji zugetragen haben soll. Dort gibt es auch einen Brunnen, in dem Okiku gestorben sein soll. Der Okiku-Brunnen der Himeji-Burg ist heute eine beliebte Touristenattraktion.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den genauen Ursprung der Banchō-Sarayashiki-Legende habe ich leider nicht herausfinden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Legende wurde bereits 1741 als Bunraku, einem Puppenspiel, vorgeführt, auch wenn es wahrscheinlich ist, dass es sie bereits deutlich länger gab und sie lediglich als Bunraku adaptiert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem wurde sie außerdem viele Male als Kabuki-Stück vorgeführt, was zu ihrer großen Bekanntheit beigetragen haben könnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Banchō Sarayashiki in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt, gibt es zahlreiche Theaterstücke bzw. Kabukistücke, die die Legende behandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wurden einige Filme über die Geistergeschichte gedreht, wie z. B. „Kaidan Banchô sara-yashiki“ (1957).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch in einigen Manga und Anime existieren Anspielungen oder sogar direkte Auftritte von Okiku. So z. B. in „Gegege no Kitarō“ oder „Sadako at the End of the World“ (2019).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus wird Okiku häufig als die Inspiration für den berühmten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/onryo">Onryō</a> Sadako aus „The Ring“ (sowohl den Filmen als auch den Romanen) genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Banchō Sarayashiki? Kanntet ihr die Geschichte bereits? Was würdet ihr tun, wenn ihr nachts eine gespenstische Stimme zählen hört? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Kuchisake Onna &#8211; „Findest du mich schön?“ (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Apr 2022 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Sie starrte mich mit ihren braunen Augen direkt an, verzög aber trotz meines Kompliments nicht eine einzige Miene. Stattdessen senkte sie langsam ihren Fächer. Darunter kam etwas Rotes zum Vorschein: Blut ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/kuchisake-onna">Die Kuchisake Onna &#8211; „Findest du mich schön?“ (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/be6f4321d97e4ab8a4e8e5e3d03db8e8" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Beitrag über die Kuchisake Onna war einer der ersten Beiträge, die ich je veröffentlicht habe. Ihre Legende bedeutet mir sehr viel. Sie hat mich so fasziniert, dass sie mich zu meinem ersten Buch verleitet hat. Jetzt habe ich sie endlich überarbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Du bist spätestens um elf Uhr wieder hier!“, befahl meine Mutter. „Und keine Jungs!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rollte mit den Augen. Es gab einen Grund, warum ich ihr erst auf den letzten Drücker von der Party erzählt hatte. „Mama, ich bin keine zwölf mehr! Ich bin neunzehn, und wenn ich was mit einem Jungen anfangen will, dann mache ich das auch!“, erwiderte ich lauter als beabsichtigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nicht in diesem Ton! Vielleicht ist es besser, wenn du heute hierbleibst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama! Das ist Julias Geburtstagsfeier. Das ist <em>die</em> Party! Ich muss da hin!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach ja? Und wieso kenne ich diese Julia nicht? Wenn sie so eine wichtige Freundin ist, kannst du sie auch mal hierher mitnehmen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das tat weh. Meine Eltern verboten mir alles, was Spaß machte: Ich durfte nicht betrunken nach Hause kommen, Kampfsport, für den ich mich sehr interessierte, war zu gefährlich, ich musste immer pünktlich sein und Jungs waren generell tabu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Eltern waren der Grund dafür, dass ich das langweiligste Mädchen der ganzen Stadt war. Sie waren schuld, dass ich keine Freunde hatte – und jetzt machte Mama daraus auch noch einen Vorwurf …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war mir schon immer schwergefallen, neue Leute kennenzulernen. Nie fielen mir passende Themen ein, über die man sich unterhalten konnte und wirklich spannende Sachen passierten in meinem Leben auch nicht. Ich war einfach nur das langweilige stille Mädchen mit reichen Eltern und ohne Charakter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich wollte das nicht mehr. Nein. Es konnte so nicht weitergehen. Ich hatte mir damals geschworen, dass ich mich in der Uni ändern würde. Und was war? Ich machte mit meinem Sozialleben genauso weiter, wie in der Schule. Aber das würde ich heute Abend ändern. Ich würde auf diese Party gehen und ich würde feiern. So richtig feiern. Ich würde mich unter die Leute mischen, Alkohol trinken und mal richtig die Sau rauslassen. Es wurde Zeit, dass ich selbst über mein Leben bestimmte. Immerhin war ich kein Kind mehr. Ich war erwachsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So schnell ich konnte, stürmte ich in den Flur, riss meine Jacke vom Haken, schnappe mir meine Schuhe und rannte auf Socken nach draußen in die Dunkelheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Svenja? Svenja! Bleib sofort stehen!“, schrie Mama mir nach. Ich konnte den Hausarrest in ihrer Stimme förmlich hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich hatte gewonnen. Ich war draußen. Mama würde mir nie in ihren Hausschuhen auf die Straße folgen. Was sollten nur die Nachbarn denken? Ehe sie sich ihre Schuhe angezogen hatte, war ich mindestens zwei Straßen weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gehweg unter meinen Füßen war eiskalt. Obwohl ich die ganze Zeit in Bewegung war, spürte ich bereits jetzt, wie meine Zehen langsam taub wurden. Also beeilte ich mich, meine Jacke überzuwerfen, und versteckte mich in einer kleinen Seitengasse, um meine Schuhe anzuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend spähte ich um die Ecke. Die Luft war rein. Also ging ich schnellen Schrittes weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne Auto brauchte ich bis zu Julia natürlich deutlich länger. Andererseits hatte ich so mehr Zeit, die frische Luft zu genießen. Es roch nach Erde und Laub. Normalerweise mochte ich den Geruch nicht besonders, aber jetzt roch es für mich nach Freiheit. Ich hatte gewonnen. Einmal in meinem Leben hatte ich gewonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein sanfter Wind spielte mit den bunten Blättern, die am Boden lagen. Ich blieb stehen und sah ihnen einen Moment bei ihrem Tanz zu, lauschte dem leisen Rascheln und atmete die kalte Luft ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt fühlte ich mich völlig entspannt, versuchte für einen Moment zu vergessen, welcher Ärger auf mich warten würde, wenn ich nach Hause kam. Ich vergaß den Streit mit Mama und die Sorgen, die ich mir wegen der Party machte. In diesem Moment gab es nur mich, den kühlen Wind und die tanzenden Blätter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich legte sich der Wind. Die Blätter hielten in ihrer Bewegung inne, während um mich herum völlige Stille herrschte. Es raschelte kein einziger Baum mehr. Kein einziges Auto ertönte in der Ferne. Es war, als hätte die ganze Stadt die Luft angehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann atmete sie aus &#8230; Genauso plötzlich, wie der Wind aufgehört hatte, traf mich eine starke Böe. Ein kalter Windstoß biss mir ins Gesicht. Er trieb mir Tränen in die Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also zog ich den Kragen meiner Jacke näher an mein Kinn und ging schnell weiter. Wenn ich mich beeilte, konnte ich in weniger als einer viertel Stunde in Julias warmen Haus sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich die Straßen entlang eilte, war von meinem wohligen Gefühl der Freiheit nicht mehr viel übrig. Aus dem angenehmen Rascheln der Blätter war jetzt ein aggressives Rauschen geworden. Wie so oft, wenn ich abends allein unterwegs war, fühlte ich mich beobachtet. Ich versuchte, mich gedanklich auf die Party zu konzentrieren. Trotzdem konnte ich mich nicht daran hindern, mich immer wieder umzusehen. Ich konnte niemanden entdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich jedoch – schnell wie ich ging – um eine Ecke bog, stieß ich fast mit einer Frau zusammen. Ich konnte mich gerade noch bremsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Magen krampfte sich zusammen. Ich mochte es nicht, allein nachts anderen Menschen zu begegnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„‘Tschuldigung“, sagte ich fast reflexartig. Dann sah ich die Frau verwirrt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie war eine Asiatin. Soweit nichts Ungewöhnliches, aber sie trug einen schwarz-roten Kimono und hielt einen farblich passenden Seidenfächer vor ihr Gesicht, sodass man nur ihre Augen, die perfekten Augenbrauen und das lange schwarze Haar sehen konnte. War das irgendein Kostüm? Oder lief sie immer so rum?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schob den Gedanken beiseite. Jedenfalls schien von ihr keine Gefahr auszugehen. Nicht nur, dass sie eine Frau war, sie war auch noch so zierlich, dass selbst ich wohl mit ihr fertig geworden wäre. Außerdem würde eine potentielle Entführerin durch ihre Kleidung nicht so auffallen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte bereits weitergehen, als die Frau einen Schritt beiseitetrat – nur einen kleinen, aber es war, als wolle sie meinen Weg blockieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Findest du mich schön?“, fragte sie. Ihre Stimme war weich wie Butter und ich hörte einen japanischen Akzent heraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was für eine merkwürdige Frage. Andererseits war die ganze Situation merkwürdig. Also entschied ich, dass ich nicht viel falsch machen konnte. Ich wollte das Gespräch als kleine Übung für nachher sehen, um meine sozialen Ängste zu überwinden. Außerdem hatte ich mir ja vorgenommen, neue Leute kennenzulernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Freundlich lächelte ich die Frau an. „Ja. Sie sind schön. Sehr sogar“, sagte ich. Auch wenn ich mir seltsam vorkam, sowas zu einer Fremden zu sagen, meinte ich es so. Ich hatte selten eine so hübsche Frau gesehen, auch wenn ich ihren Mund und ihre Nase wegen des Fächers nicht sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt starrte sie mich mit ihren fast schwarzen Augen direkt an, verzog aber trotz meines Kompliments nicht eine einzige Miene. Stattdessen senkte sie langsam ihren Fächer. Darunter kam ein entsetzlich entstelltes Gesicht zum Vorschein. Sie hatte zwei blutige Schnitte, die von ihren Mundwinkeln bis tief in die Wangen klafften und ihren Mund zu einem grausamen Lächeln verzerrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fühlte sich an, als hätte jemand den Boden unter meinen Füßen weggerissen. „O Gott, was ist passiert?“, fragte ich entsetzt. Meine Hand wanderte bereits zu meinem Handy, damit ich den Notruf wählen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Immer noch?“, fuhr die Frau von meiner Reaktion völlig unbeirrt fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erstarrte in der Bewegung. „W-was?“, fragte ich verwirrt. Wieso war die Frau so ruhig? War das irgendeine Art kranker Scherz? Oder stand sie vielleicht unter Schock?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Findest du mich immer noch schön?“, wiederholte sie ihre Frage ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Mit offenem Mund stand ich da. „J-ja, natürlich“, sagte ich schnell, als ich mich wieder gefangen hatte. Immerhin wollte ich nicht unhöflich sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich jedoch vorschlagen konnte, einen Krankenwagen zu rufen, blitze etwas in ihren Augen auf, das vorher nicht da gewesen war: eine kalte Boshaftigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann sollst du genauso schön sein, wie ich“, zischte sie gefährlich. In einer fließenden Bewegung zog sie ein Schwert, ein Katana, um genau zu sein, aus ihrem Kimono hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte wegrennen, doch ehe ich mich auch nur umgedreht hatte, stand die Frau bereits bei mir. Mit unglaublicher Kraft packte sie mich mit ihrer linken Hand bei den Haaren und zerrte meinen Kopf in den Nacken. Dann hob sie die Schwertklinge und zog sie mir durch das Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schmerz war unbeschreiblich. Es lag jedoch nicht an ihm, dass meine Beine unter mir nachgaben. Das lag an etwas anderem: Einem Gefühl von abgrundtiefem Hass, wie ich ihn noch nie in meinem Leben gespürt hatte. Wie eine Welle breitete er sich in meinem Körper aus und raubte mir das Bewusstsein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich wieder zu mir kam, stand ich auf den Beinen. Von der seltsamen Frau war nichts mehr zu sehen. Gleichzeitig fühlte sich mein Kopf leer an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Erinnerungen waren verschwommen, als würde ich sie durch einen nebligen Schleier betrachten. Ich hatte mich mit irgendwem gestritten, bevor ich der Asiatin begegnet war, aber was davor oder danach passiert war, wusste ich nicht mehr. Ich erinnerte mich nicht einmal mehr an meinen eigenen Namen. Egal, wie sehr ich darüber nachdachte, er wollte mir nicht einfallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte ich mich an alles erinnert, wäre mir wohl aufgefallen, dass auch die Autos anders standen. Es musste Zeit vergangen sein, seit ich zuletzt hier gewesen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann bemerkte ich meinen Schal, den ich bis über die Nase gezogen hatte. Hatte ich den Schal eben schon getragen? Für den Bruchteil einer Sekunde wollte ich ihn mir aus dem Gesicht ziehen, doch etwas in mir hielt mich davon ab. Es fühlte sich falsch an, als würde ein tiefsitzender Instinkt mich davon abhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment ließ mich ein Geräusch herumfahren. Ein Rasseln, gefolgt von der Stimme eines Mädchens. „Scheiße!“, hörte ich sie fluchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne zu wissen, wieso ich es tat, ging ich in die Richtung, aus der ich das Geräusch gehört hatte. Bald sah ich sie. Sie hockte neben ihrem Fahrrad und hantierte an ihrer herausgesprungenen Kette herum. Ohne zu zögern, ging ich zu ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich näherkam, sah sie kurz auf, dann widmete sie sich wieder ihrer Kette, als würde ich an ihr vorbeigehen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich hatte nicht die Absicht, an ihr vorbeizugehen. Auch wollte ich ihr nicht helfen. Stattdessen blieb ich stehen, den Schal noch immer bis über die Nase in mein Gesicht gezogen, und sah sie entschlossen an. Bevor ich wusste, was ich tat, hörte ich, wie mir eine einzige Frage über die Lippen kam: „Findest du mich schön?“</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kuchisake Onna (japanisch für „Frau mit dem zerschnittenen/zerrissenem Mund“), auch Kuchisake-Onna geschrieben, zählt zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a> und ist ein bösartiger japanischer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a>. Sie gehört zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/onryo" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Onryō</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mund der Kuchisake Onna ist „von Ohr zu Ohr“ aufgeschnitten und blutig. Sie verdeckt ihn daher die meiste Zeit mit einem Seidenfächer oder einem Mundschutz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre restliche Kleidung soll entweder ein Kimono oder moderne Kleidung sein. Außerdem wird ihr nachgesagt, dass sie – abgesehen von ihrem zerschnittenen Mund – eine wunderschöne Frau sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte die Kuchisake Onna allerdings den Schönheitsidealen ihrer Lebzeiten treu geblieben sein, hätte sie ein schneeweiß geschminktes Gesicht mit rosa Wangen, rote Lippen, geschwärzte Zähne und abrasierte, weiter oben wieder aufgemalte buschige Augenbrauen. Ich habe jedoch noch in keiner einzigen Erzählung eine Erwähnung dieser für die Heian-Zeit üblichen Schönheitsideale gefunden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kuchisake Onna zieht nachts durch die Straßen und sucht nach Leuten, die alleine unterwegs sind. Wenn sie jemanden findet, geht sie zu ihm und fragt: „Watashi, kirei?“ („Findest du mich schön?“/„Bin ich schön?“). Sie verdeckt dabei ihren Mund mit ihrem Seidenfächer oder ihrem Mundschutz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Leute sind meist von ihrer Schönheit so überwältigt, dass sie mit „Ja“ antworten, woraufhin die Kuchisake Onna ihren entstellten Mund entblößt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Person aufschreit, tötet die Kuchisake Onna sie je nach Version mit einem Messer, einem Katana oder einer Schere, indem sie ihr ebenfalls den Mund zerschneidet oder sie enthauptet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bleibt die Person hingegen ruhig, fragt die Kuchisake Onna „Kore demo?“ („Immer noch?“). Antwortet die Person wieder mit „Ja“, soll die Kuchisake Onna sagen „Dann sollst du genau so schön sein wie ich!“ und der Person ebenfalls den Mund zerschneiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antwortet man mit „Nein“, tötet die Kuchisake Onna einen aus Wut trotzdem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist also egal, was man antwortet, da man immer dem Tode geweiht ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch gibt es Leute, die angeblich Methoden gefunden haben, die Kuchisake Onna auszutricksen. So soll man verwirrende oder nicht eindeutige Antworten geben, wodurch man die Kuchisake Onna zum Nachdenken bringt und genug Zeit zum Fliehen bekommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere behaupten, man solle ihr japanisches „Hard Candy“ zuwerfen, da sie diese Süßigkeit angeblich liebt und sich so ablenken lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Versucht man jedoch, zu entkommen, ohne sie vorher abzulenken, taucht die Kuchisake Onna aus dem Nichts wieder vor einem auf und schneidet einem den Weg ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einigen Legenden zufolge soll eine Frau, deren Gesicht von der Kuchisake Onna zerschnitten wurde, selbst zu einer Kuchisake Onna werden – dazu verdammt, nachts durch die Straßen zu ziehen und bis in die Ewigkeit Leute in ihren Tod zu locken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kuchisake Onna taucht hauptsächlich nachts in Städten auf. Meist wird sie in Asien gesehen, es gab aber auch schon Sichtungen in anderen Ländern wie z.B. den USA.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Lebzeiten soll die Kuchisake Onna eine bildschöne Frau gewesen sein, die in der Heian-Zeit (ca. 794–1192) lebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie war mit einem sehr eifersüchtigen Samurai zusammen, der sie des Fremdgehens beschuldigte. Als er sie zur Rede stellte, kam es zu einem Streit, bei dem er der Frau mit seinem Katana das Gesicht zerschnitt, sodass ihr Mund an den Wangen aufgeschnitten war. Anschließend soll er gefragt haben: „Wer wird dich jetzt noch schön finden?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob die Frau tatsächlich fremdgegangen ist, ist nicht überliefert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wie würdet ihr reagieren, wenn euch die Kuchisake Onna auf der Straße begegnen würde? Kennt ihr eine Methode, wie man sie überlisten kann?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Teketeke &#8211; die Legende von Kashima Reiko (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Mar 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„He Chris ... Tut mir leid wegen gestern“, entschuldigte sich Philip. „Ich wusste nicht, dass du das so ernst nimmst. Es ist doch nur eine Geschichte.“<br />
„Ja“, schnauzte Chris ihn an. „Eine Geschichte, wegen der wir sterben können!“</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Legende der Teketeke bzw. die Legende von Kashima Reiko war bisher der einzige Beitrag, bei dessen Recherche ich mich wirklich gegruselt habe. Wenn ihr also eher von schwachem Gemüt sein, solltet ihr euch lieber einen meiner anderen Beiträge suchen … Ich habe euch gewarnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich jedoch zu der Geschichte komme, die ich zu der Legende geschrieben habe, möchte ich euch kurz die Legende selbst erzählen:</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende der Kashima Reiko:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im letzten Jahrhundert, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, lebte ein Teenager Mädchen namens Kashima Reiko in Hokkaidō, Japan. Laut manchen Erzählungen soll sie auch eine junge Frau gewesen sein, doch meistens heißt es, sie war eine Schülerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Abends, als Kashima Reiko auf dem Nachhauseweg war, stand sie allein auf dem verlassenen Bahnhof. Auch wenn sie leichtes Unbehagen fühlte, als eine Gruppe Männer sich zu ihr gesellte, dachte sie sich nichts weiter dabei. Wahrscheinlich warteten sie genau wie Kashima Reiko bloß auf den Zug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Kleine, was machst du hier so alleine?“, fragte einer der Männer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sollen wir dich nach Hause begleiten?“, fragte ein anderer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schülerin ignorierte die Männer. Sie wollte keinen Ärger. Vielleicht waren die Männer auch betrunken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist wohl zu gut, um uns zu antworten?“, fragte der eine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kashima Reiko war jetzt sichtlich nervös. Angespannt starrte sie auf ihre Füße, um Augenkontakt zu vermeiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He! Wir reden mit dir!“, beschwerten ein anderer sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wurden sie handgreiflich. Sie schubsten das Mädchen, das daraufhin sofort versuchte, wegzugehen. Doch das stachelte die Männer bloß noch mehr an. Sie begannen sie zu schlagen, hielten sie fest. Als Kashima Reiko um Hilfe brüllte, hielten sie ihr den Mund zu und schlugen sie noch mehr. Es heißt, dass die Männer sie sogar vergewaltigt haben sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie mit ihr fertig waren, ließen sie sie liegen. Sie behandelten sie wie Müll, den man wegwarf, wenn man ihn nicht mehr brauchte. Und so fühlte Kashima sich Reiko auch: benutzt, wertlos, schmutzig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man sagt, dass sie sich am selben Abend noch vor den Zug geworfen haben soll. Ihr Körper wurde an der Hüfte durchtrennt. Sie war sofort tot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Version besagt, sie habe versucht, Hilfe zu holen, war jedoch zu schwach, um aufzustehen. Mit letzter Kraft hat sie sich mit ihrem Armen vorangezogen, bis sie mitten auf den Schienen schließlich ihr Bewusstsein verloren hat. Auch in dieser Version hat ein Zug sie in der Mitte zerteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ihr Geist hat nach ihrem Tod keine Ruhe gefunden. Zu groß war ihr Wunsch nach Rache. Seither soll Kashima Reiko sich auf öffentlichen Toiletten herumtreiben oder nachts durch Städte irren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kommt zu einem und sagt: „Gib mir deine Beine!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um eine Chance zu haben, zu überleben, muss man „Die brauche ich noch!“ erwidern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer anderen Variante fragt sie „Wo sind meine Beine?“, worauf man mit „Du findest sie beim Bahngleis des Meishin Express“ antworten muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie anschließend fragt, wer einem davon erzählt hat, soll man mit „Kashima Reiko“ antworten und vielleicht lässt sie einen dann in Ruhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antwortet man jedoch etwas Falsches, nimmt sie die Sichel, die sie immer bei sich trägt, und teilt einen in zwei. In einigen Versionen nimmt sie daraufhin sogar den Unterkörper ihres Opfers mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch was viel wichtiger ist: Jeder, der von dieser Geschichte erfährt, soll drei Tage später von Kashima Reiko besucht werden. Merkt euch die Antworten also gut, denn anders könnt ihr ihr nicht entkommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lag im Bett, während ich am ganzen Körper zitterte. Mir war eiskalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Abend hatte so gut angefangen: Chris, Philip und ich hatten uns für eine Übernachtung getroffen. Wir hatten den Abend damit verbracht, Filme zu schauen, Mario Kart zu spielen und uns zu unterhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stimmung war heiter gewesen. Ich hatte mich prächtig gefühlt – zumindest, bis wir im Bett lagen und einander Horrorgeschichten erzählt hatten. Philip hatte uns die Legende von Kashima Reiko erzählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie war tragisch und ein wenig gruselig, aber das alles war nicht so schlimm. Kashima Reiko war eine Teketeke, ein japanischer Geist, der nur noch aus einem Oberkörper bestand. Sie starb, als sie von einem Zug überfahren wurde, der ihren Körper an der Hüfte zerteilt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seither soll ihr Geist in der Welt herumirren und Menschen töten. Sie trägt eine kleine Sichel bei sich, mit der sie ihre Opfer in zwei Hälften schneidet. Der einzige Weg, ihr zu entgehen ist, indem man ihr richtig antwortet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das schlimmste hat Philip jedoch erst ganz zum Schluss erwähnt: Sie soll jeden nach drei Tagen heimsuchen, der von ihrer Geschichte erfährt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nervös drehte ich mich im Bett um. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, könnte ich sie vor mir sehen, wie sie ihren Oberkörper mit den Armen vorwärts zog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alles in Ordnung?“, ertönte Philips Stimme aus der Dunkelheit. Er musste gehört haben, wie ich mich im Bett gewälzt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, klar“, antwortete ich schnell. Er würde mich auslachen, wenn ich ihm erzählte, dass ich Angst hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich kann auch nicht schlafen“, ertönte jetzt auch Chris‘ Stimme. „Ich muss die ganze Zeit an die Geschichte denken, die du uns erzählt hast.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Geschichte war wohl etwas zu gruselig“, warf ich ein, ohne zu verraten, dass ich selbst auch Angst hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tim? Können &#8230;“, begann Chris. Er zögerte, als wolle er es sich anders überlegen. „Können wir vielleicht deine Lavalampe anmachen?“, fragte er schließlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich machte große Augen. Das würde Philip ihm noch ewig vorhalten. Trotzdem stand ich auf, um die Lampe einzuschalten. Um ehrlich zu sein, war ich selbst ziemlich erleichtert, diese Nacht nicht im Dunkeln schlafen zu müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das bleibt doch unter uns, oder?“, frage Chris, als ich wieder im Bett lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Klar“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Philip kam hingegen nur ein belustigtes Schnauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Philip!“, mahnte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Okay, okay!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann versuchten wir wieder, zu schlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen sah ich Chris sofort an, dass er genauso schlecht geschlafen hatte, wie ich. Nur Philip sah einigermaßen ausgeschlafen aus – zumindest so ausgeschlafen, wie man sein konnte, wenn man schon um Viertel nach sieben den Bus zur Schule nehmen musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich es jedoch schaffte, den Schultag über nur ab und an an Kashima Reiko denken zu müssen, wirkte Chris den ganzen Tag lang abgelenkt. Er wurde von unserem Mathelehrer sogar ermahnt, dass er besser aufpassen solle, was ihm alles andere, als ähnlich sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich traute mich nicht, ihn darauf anzusprechen. Zum einen wollte ich ihn nicht an die Gruselgeschichte erinnern, falls er gerade an etwas anderes dachte, zum anderen hatte ich Angst, wie Philip reagieren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sogar, als wir in der Mittagspause ohne Philip in der Mensa saßen, brachte ich es nicht übers Herz, Kashima Reiko zu erwähnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chris kaute gedankenverloren an seinem Pausenbrot, als plötzlich ein lautes „Tek tek tek tek tek tek tek!“ hinter uns ertönte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Philip, du Idiot!“, brüllte ich, während Chris aufsprang und hastig nach draußen rannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>‚Tek tek tek‘</em> war das Geräusch, das die Teketeke, also auch Kashima Reiko, von sich geben sollen, wenn sie sich fortbewegten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber obwohl wir Chris sofort nachgingen, damit Philip sich bei ihm entschuldigen konnte, fehlte von ihm jede Spur. Erst, als wir wieder im Unterricht waren, erfuhren wir von der Lehrerin, dass Chris von seinem Vater abgeholt wurde, weil es ihm angeblich nicht gut ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Meinst du, ich hab es übertrieben?“, fragte Philip nach der Stunde. Er sah schuldbewusst drein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja, dein Kommentar, dass der Geist einen drei Tage, nachdem man die Geschichte gehört hat, holen kommt, war vielleicht etwas zu viel“, gestand ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber das stand so im Internet!“, protestierte Philip.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte nur den Kopf. Er wusste doch genau, wie empfindlich Chris sein konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Schule vorbei war, schrieb ich sofort Chris an, um zu fragen, ob alles in Ordnung war. Zu meiner Überraschung reagierte er völlig normal. Er erwähnte sein Verhalten in der Mittagspause oder Kashima Reiko mit keinem Wort. Ich entschloss, ihn nicht darauf anzusprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag trafen Philip und ich Chris vor der Schule, als Chris gerade sein Fahrrad anschloss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He Chris &#8230; Tut mir leid wegen gestern“, entschuldigte sich Philip. „Ich wusste nicht, dass du das so ernst nimmst. Es ist doch nur eine Geschichte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja“, schnauzte Chris ihn an. „Eine Geschichte, wegen der wir sterben können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach komm“, entgegnete Philip. „Ich kenne die Geschichte schon länger. Du glaubst doch nicht, dass ich sie euch erzählt hätte, wenn mir damals drei Tage später tatsächlich eine zerteilte Frau erschienen wäre.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Doch Chris ließ sich davon nicht beruhigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hättest uns die Geschichte nicht erzählen dürfen!“, brüllte er Philip an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige vorbeigehende Schüler drehten sich neugierig zu uns um. Philip wartete, bis sie weitergingen, bevor er mit gesenkter Stimme antwortete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du wirklich Angst davor hast, dann speicher dir doch die richtigen Antworten in dein Handy ein“, schlug er vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Idee war genial. Auf die weise konnten wir einfach nachsehen, was wir sagen mussten, sollte Kashima Reiko tatsächlich auftauchen. Aber Chris war noch immer nicht überzeugt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und wenn sie die Fragen auf Japanisch stellt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Philip seufzte. „Dann speicherst du dir die Fragen halt auch auf Japanisch ein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst wirkte Chris so, als wolle er etwas erwidern. Nach einigem Zögern holte er aber schließlich sein Handy hervor und begann, darauf herumzutippen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später, als die beiden nicht hinsahen, googelte ich ebenfalls die richtigen Antworten und legte eine Notiz an – nur zur Sicherheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Tag war Chris deutlich besser gelaunt. Er war zwar noch immer recht schreckhaft – wobei das normal für ihn war –, schien aber keine Panik mehr zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich selbst war fast so weit, Kashima Reiko zu vergessen – jedoch nur fast. Immerhin könnten sowohl Chris als auch ich morgen sterben, wenn nur ein Funken Wahrheit in der Legende steckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Ach so ein Quatsch!</em>‘, redete ich mir ein. ‚<em>Der Tag morgen wird genauso langweilig und ereignislos wie jeder andere auch!</em>‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits am nächsten Morgen musste ich jedoch feststellen, dass ich unrecht hatte. Entsetzt starrte ich auf meine Uhr. Ich hatte verschlafen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schneller, als ich es mir selbst zugetraut hätte, zog ich mich an, schmierte mir hastig eine Scheibe Brot und stürmte nach draußen. Wenn ich mich beeilte, erwischte ich noch den nächsten Bus, sodass ich wenigstens nur eine viertel Stunde zu spät kam. Wenn Frau Beier heute gut gelaunt war, würde sie mir keinen Eintrag im Klassenbuch geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich auf den Schuleingang zu rannte, sah ich durch die Glastür, wie Chris in Richtung Toiletten stürmte. Er sah völlig fertig aus. Hatte Philip ihn wieder geärgert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann kam mir ein viel schlimmerer Gedanke: Vielleicht hatte Chris Angst, weil ich nicht zur Schule gekommen war. Er würde sicherlich denken, dass mir etwas zugestoßen sei &#8230; etwas oder jemand. Was war, wenn er glaubte, dass Kashima Reiko mich bereits erwischt hatte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich im Gebäude war, dachte ich nicht mehr an den Eintrag im Klassenbuch. Sollte Frau Beier mich doch aufschreiben. Chris war jetzt wichtiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Chris?“, rief ich, als ich die Toilette betreten hatte. „Chris, ich bins, Tim. Du brauchst dir keine Sorgen machen. Ich hab nur verschlafen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chris antwortete nicht. Ich hörte aber auch kein Schluchzen oder irgendein anderes Geräusch, das verriet, das jemand hier war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Chris?“, rief ich erneut. Meine Stimme hallte leicht durch den gefliesten Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder keine Antwort. Mit einem leicht unwohlen Gefühl im Magen ging ich weiter Richtung Kabinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Chris, ist alles in Ordnung?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso antwortete er denn nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig ging ich die Kabinen ab. Ich öffnete eine nach der anderen. Die letzte Tür war verschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig klopfte ich an. „Chris?“, fragte ich. „Ich bins. Alles wird gut.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder keine Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zögerte. Sollte ich unter der Tür durchsehen, um zu schauen, ob es ihm gut ging?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war bereist dabei, mich auf den Boden zu hocken, als mein Blick auf eine Pfütze fiel, die sich langsam ausbreitete. War das Blut!? Irgendeine rote Flüssigkeit kam da aus der Kabine geflossen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hörte ich das Geräusch: <em>Tek tek tek tek tek tek</em> &#8230; Wie versteinert stand ich da, traute mich nicht, mich zu regen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo sind meine Beine?“, fragte eine Frauenstimme hinter mir. Sie hatte einen asiatischen Akzent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich nicht gläubig war, betete ich, während ich mich langsam umdrehte. Ich betete, dass das alles nur ein Streich war, dass Julian und Chris sich einen Scherz erlaubten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Blick fiel auf die Frau, die vor mir lag. Auf die halbe Frau, um genau zu sein. Ihr Unterkörper fehlte. Sie hatte eine Spur aus Blut hinter sich hergezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt bemerkte ich auch die blutverschmierte Sichel, die sie in einer Hand hielt – genau, wie Philip es erzählt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo sind meine Beine?“, wiederholte sie die Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stockte. Wie war die Antwort noch gleich? Bei irgendeinem Bahnhof &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Hand zitterte, während ich sie in die Hosentasche steckte. Würde Kashima Reiko mir genug Zeit geben, die Notiz auf meinem Handy zu öffnen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als meine Hand bereits halb in der Tasche steckte, stockte mein Atem. Wo war mein Handy? Panisch schob ich die Hand ganz in die Hosentasche. Mein Handy war nicht da! Ich hatte es in der Eile zu Hause vergessen!</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Teketeke, auch Teke-Teke geschrieben, sind moderne <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a>. Sie zählen zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/onryo" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Onryō</a>, den japanischen Rachegeistern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bekannteste <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> über eine Teketeke ist die Legende von Kashima Reiko, die ich zu Beginn des Beitrags erzählt habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Teketeke sind fast ausschließlich junge Frauen – obwohl es auch einige Erzählungen von männlichen Teketeke gibt. Sie alle haben die Gemeinsamkeit, dass sie <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a> sind, die an der Hüfte durchtrennt wurden. Aus der Öffnung ragt häufig ein Stück ihrer Wirbelsäule oder es hängen Gedärme heraus. Von ihren Beinen fehlt jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Teketeke bewegen sich ausschließlich mit ihren Armen oder Ellenbogen vorwärts. Mal „gehen“ sie dabei auf ihren Händen, mal ziehen sie sich voran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem heißt es, dass die Teketeke eine kleine Sichel bei sich tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Name kommt von dem Geräusch, das sie machen, wenn sie sich fortbewegen. Es soll wie eine Art „tek tek“ oder „teke teke“ klingen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der Kashima Reiko Legende heißt es, dass der Geist jeden, der ihre Geschichte hört, drei Tage später heimsuchen soll. Bei anderen Teketeke kann die Anzahl der Tage variieren, die meisten Begegnungen sollen aber ähnlich ablaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man einer Teketeke gegenübersteht, soll es nichts bringen, vor ihr davon zu laufen oder wegzufahren. Es heißt, dass Teketeke eine Geschwindigkeit von bis zu 150 km/h erreichen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man hat also keine andere Möglichkeit, als sich ihnen zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn eine Teketeke einen konfrontiert, muss man ihre Fragen richtig beantworten, um eine Chance zu haben, zu überleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kashima Reiko fragt z. B. „Wo sind meine Beine?“, woraufhin man „Du findest sie beim Bahngleis des Meishin Express“ antworten muss. Wenn sie daraufhin fragt, woher man das weiß, muss man antworten, dass es einem „Kashima Reiko“ gesagt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer anderen Version fordert sie „Gib mir deine Beine!“, worauf man „Die brauche ich noch“ sagen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man jedoch falsch antwortet oder sie mit der Antwort nicht zufrieden ist, soll sie ihre Sense nehmen und ihr Opfer an der Hüfte zerteilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend verschwindet sie wieder. In manchen Versionen nimmt sie sogar den Unterkörper ihres Opfers mit sich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Kashima Reiko und die anderen Teketeke sollen sich hauptsächlich auf öffentlichen Toiletten oder nachts in Städten herumtreiben. Aufgrund der regionalen Bekanntheit finden die meisten Sichtungen in Japan statt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der weiten Verbreitung und der vielen unterschiedlichen Legenden über die Teketeke lässt sich heute nicht mehr sagen, woher die Legende genau kommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Leute vermuten jedoch, dass die Legende von Kashima Reiko der Ursprung der Teketeke war. Sie ist wahrscheinlich im letzten Jahrhundert entstanden.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Legende von Kashima Reiko? Findet ihr sie genau so gut bzw. unheimlich wie ich? Kanntet ihr die Legende bereits? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>Onryō – die japanischen Rachegeister</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Feb 2020 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Sofort fielen mir ihre Brandnarben und die klaffende Wunde im Gesicht auf, wo die Stange sie durchbohrt hatte. Ihr Gesicht sah seltsam verformt aus. Der Schädel schien gebrochen zu sein. Ihr eines Auge schielte unnatürlich zur Seite, während sie mich mit dem anderen fixierte ...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Onryō ist eine Oberkategorie für viele japanische Geister, über die ich bereits geschrieben habe. Daher finde ich es sinnvoll, diesen Oberbegriff in einem eigenen Beitrag zu behandeln.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Habt ihr schon einmal einen Geist gesehen? Manche Leute sagen, dass einige Menschen empfänglicher dafür seien, als andere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit ich klein bin, lebte ich in unserem Haus. Es war ein sehr altes Haus. Mein Vater betonte immer, wie es schon seit vielen Generationen im Besitz der Familie war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür hatte ich hier aber auch schon häufig seltsame Dinge erlebt. Manchmal hörte man nachts auf dem Flur Schritte, Türen öffneten und schlossen sich, ohne, dass es einen Luftzug gab, Klopfen und Jammern hallte manchmal durchs Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa meinte immer, dass es dafür rationale Erklärungen gäbe, aber wie erklärte man dann die Leute, die ich sah? Die Gestalten, die nachts durch die Räume schlichen? Die Frau, die letzten Winter in unserem Wohnzimmer saß und plötzlich verschwunden war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klar, Papa hatte immer eine Erklärung parat. Ich hätte eine große Fantasie, wäre müde gewesen, würde sie mir einbilden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ich konnte das nicht glauben. Ich wollte das nicht glauben. Wenn ich keine Geister sehen konnte, hätte ich auch keine Möglichkeit, sie wiederzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Unfall war jetzt schon einige Jahre her. Papa tat immer so, als wäre er stark, wäre über sie hinweggekommen, doch ich wusste, dass auch er manchmal weinte. Wusste, dass er in seinen Träumen manchmal den Unfall genauso neu durchlebte, wie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama saß damals auf dem Beifahrersitz im Auto. Ihr Handy hatte wegen eines defekten Akkus plötzlich Feuer gefangen. Ehe wir realisiert hatten, was geschah, stand bereits ihre Jacke und kurz darauf ihr gesamter Sitz in Flammen. Papa hatte versucht, das Feuer zu löschen. Er hatte nicht aufgepasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Eisenstange, die kurz darauf die Windschutzscheibe durchbohrte und in Mamas Gesicht gerammt wurde, hatte niemand von uns kommen sehen. Der einzige Trost, den wir hatten, war, dass sie ein schnelles Ende gefunden hatte. Dass sie nicht am lebendigen Leibe verbrannt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit jenem Tag wünscht ich mir so sehr, sie wiederzusehen. Ich wollte noch einmal mit ihr sprechen, sie noch einmal in den Arm nehmen, mich endlich von ihr verabschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte immer davon geträumt, jedoch nie gedacht, dass es eines Tages wirklich passieren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war schon spät, als ich von Sport nach Hause kam. Nachdem ich meine Tasche in den Flur gestellt und mir die Schuhe ausgezogen hatte, schlenderte ich ins Wohnzimmer. Sofort schlug mir der herrliche Geruch von gebratener Ente entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa kochte selten Ente. Als Mama noch bei uns war, war es immer ihr Lieblingsessen gewesen. Seitdem sie bei dem Geruch nicht mehr in der Küche standen, wurden Papa und ich davon immer furchtbar sentimental.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ich schwelgte bereits wieder in Erinnerungen. Als ich die Küche betrat, konnte ich Mama fast schon sehen, wie sie am Ofen stand und die kross werdende Ente beobachtete … Nein! Nicht nur fast. Ich sah sie tatsächlich am Ofen stehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„M-Mama?“, hauchte ich ungläubig. Meine Augen füllten sich mit Tränen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ging einige Schritte auf sie zu, blieb dann jedoch abrupt stehen. Sie war nicht alleine in der Küche …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fassungslos starrte ich den Mann an, der mit weit aufgerissenem Mund und Augen auf den Fliesen lag. Um seinen Körper herum hatte sich eine rote Pfütze gebildet. In seinem Bauch steckten drei lange Messer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Papa?“, hauchte ich ungläubig. Meine Freudentränen erstarbem. „Was ist passiert?“, richtete ich mich jetzt wieder an Mama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er hat es verdient“, hauchte sie leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer saß der Schock tief in meinen Knochen. „Wie meinst du das?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er hat mir nicht geholfen. Vor all den Jahren hat er mich einfach im Auto zurückgelassen!“, sagte sie mit einem wütenden Unterton.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein. Du warst schon tot … Die Eisenstange …“, stammelte ich verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hatte Mamas Geist Papa wirklich umgebracht?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie schüttelte den Kopf. „Ich war noch nicht tot. Weißt du, wie es sich anfühlt, zu verbrennen?“ Sie drehte sich langsam zu mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort fielen mir ihre Brandnarben und die klaffende Wunde im Gesicht auf, wo die Stange sie durchbohrt hatte. Ihr Gesicht sah seltsam verformt aus. Der Schädel schien gebrochen zu sein. Ihr eines Auge schielte unnatürlich zur Seite, während sie mich mit dem anderen fixierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Papa hat mich einfach zurückgelassen“, fuhr sie fort, während sie sich zu ihm bückte. „Genau wie du!“ Mit diesen Worten zog sie ein Messer auf Papas leblosem Körper. Es löste sich mit einem leisen Schmatzen. Dann wandte sie sich wieder mir zu. Frisches Blut tropfte von der Klinge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was … Was hatte sie vor? Mama würde mir niemals wehtun! Genau, wie sie Papa niemals wehtun würde …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist bloß mit dir passiert?“, hauchte ich ungläubig. Sie war nicht mehr die Frau, an die ich mich erinnerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was mit mir passiert ist? Ich bin lebendig verbrannt, weil meine Familie mir nicht helfen wollte!“, schrie sie mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zitterte jetzt am ganzen Körper, während ihr Kopf unnatürlich hin und her zuckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das stimmt nicht! Wir waren uns so sicher, dass du bereits tot warst. Wenn wir auch nur einen Funken Hoffnung gehabt hätten, dass du noch lebst … wir hätten dich natürlich sofort gerettet!“, protestierte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht, was mehr wehtat: meine Mutter in einem solchen Zustand zu sehen oder von ihr so beschuldigt zu werden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich nicht wusste, was ich anderes tun sollte, rannte ich weg. Wahrscheinlich wäre es schlauer gewesen, das Haus zu verlassen, doch ich konnte nur an ein Versteck denken, das ich als Kind immer benutzt hatte. Ohne zu merken, was für ein enormer Fehler das war, rannte ich die Treppe rauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich knallte die Tür am oberen Treppenabsatz zu. Das gab mir hoffentlich genug Zeit, mich zu verstecken. Sofort rannte ich weiter in Papas Arbeitszimmer. Ich zog möglichst leise, aber ohne dabei zu langsam zu werden, seinen Stuhl vom Schreibtisch, warf mich darunter und zog den Stuhl wieder heran. Jetzt müsste man sich schon direkt hinter dem Tisch bücken, um mich zu sehen. Ich hoffte nur, dass Mama das Versteck nicht kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wamm! Mit einem lauten Knall schlug die Tür am oberen Ende der Treppe auf. Der Knall war so laut, dass ich fast aufgeschrien hätte. Sofort drückte ich mir eine Hand auf den Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während mein Herz so heftig schlug, als wolle es aus meiner Brust ausbrechen, zwang ich mich, ruhig und langsam zu atmen. Ich durfte jetzt keine Geräusche machen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leise Schritte kamen aus dem Flur. Dann herrschte wieder Stille. Mama musste stehen geblieben sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Iiiiiieeeek … Erleichtert atmete ich auf. Ich kannte das Quietschen gut: Das war die Tür zu meinem Zimmer. Mama suchte in der falschen Richtung!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Rin? Wo bist du? Komm raus!“, ertönte ihre Stimme gedämpft aus dem anderen Zimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war das erste Mal seit dem Unfall, dass sie meinen Namen gesagt hatte. Im Gedankenspiel war ich diesen Moment schon so häufig durchgegangen, hatte mir vorgestellt, wie sie mich rief. Doch nie war so viel Hass in ihrer Stimme gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie war doch immer noch meine Mutter. Die Frau, die mich dreizehn Jahre lange großgezogen hat. Die Frau, die mich geliebt hat. Wie konnte ihr Tod sie nur so verändert haben? Und was war mit Papa. Er war … tot!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich musste meine Tränen zurückhalten. Wenn ich auch nur einen Schluchzer von mir gab, könnte das mein Ende sein!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hörte ich leise, knallende Geräusche aus meinem Zimmer. Mama riss wahrscheinlich gerade wahllos meine Schranktüren auf. Immer wieder hörte ich auch etwas anderes, mal ein Klirren, mal ein Schleifen. Sie musste mein gesamtes Zimmer auseinandernehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso konnte es denn nicht aufhören? Wieso konnte es nicht endlich aufhören? Diese Frage sollte ich mir an diesem Abend noch häufiger durch den Kopf gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Mama mit meinem Zimmer fertig war, ging sie ins nächste. Wieder rief sie nach mir. „Rin? Rihin? Rin, wo bist du denn? Komm doch raus, mein Schatz!“ Doch der Hass in ihrer Stimme hatte keinen Deut nachgelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es musste sicherlich eine Stunde vergangen sein, in der Mama Raum für Raum abgesucht hatte. Ich betete zu allen mir bekannten Göttern, dass sie mich nicht finden, das Arbeitszimmer ignorieren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch natürlich tat sie das nicht. Direkt nach dem Badezimmer, wo sie hörbar den Duschvorhang heruntergerissen hatte, näherten sich ihre Schritte dem Arbeitszimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Rin, komm raus! Du brauchst dich nicht vor mir verstecken!“, schrie sie in den Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war wieder den Tränen nahe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt begann sie, das Zimmer auseinanderzunehmen. Sie riss Schranktüren auf, warf Zettel und Ordner durch die Gegend. Dann herrschte Stille.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso hörte sie auf? Mein Herz pochte wie wild, während mir vor Anspannung fast schlecht wurde. Was war denn los?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wamm! Ein kurzer, schriller Aufschrei entfuhr mir, als Mama den ersten Schrank umriss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort presste ich mir beide Hände fest auf den Mund. Wieder und wieder schimpfte ich mich in Gedanken aus. Wieso konnte ich nicht ruhig bleiben? Ich betete, dass Mama mich nicht gehört hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wurde langsam der Stuhl vor mir weggezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hab ich dich“, erklang Mamas Stimme. Jetzt lag in ihr jedoch kein Hass, sondern die Freude über einen bittersüßen Triumph.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Onryō sind japanische Rachegeister. Egal ob rein fiktive <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener" label="Geister (öffnet in neuem Tab)">Geister</a> wie Samara/Sadako (The Ring) oder Kayako (The Grudge) oder auch Geister aus japanischen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener" label="Legenden (öffnet in neuem Tab)">Legenden</a> wie die <a rel="noreferrer noopener" label="Kuchisake Onna (öffnet in neuem Tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/kuchisake-onna" target="_blank">Kuchisake Onna</a>, <a rel="noreferrer noopener" label="Teketeke (öffnet in neuem Tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/teketeke" target="_blank">Teketeke</a> oder die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/shiryo" target="_blank" rel="noreferrer noopener" label="Shiryō (öffnet in neuem Tab)">Shiryō</a>, sie alle zählen zu den Onryō.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Onryō zählen zu den <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank">Yōkai</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Aussehen der Onryō kann stark variieren. Sie sehen im Normalfall so aus, wie zu Lebzeiten, weswegen die meisten Onryō Japaner sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem weisen sie häufig schwere Wunden oder Verletzungen auf, da Onryō meist auf brutale Weise ums Leben gekommen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Erzählungen handeln von weiblichen Onryō, wobei es selten auch männliche geben soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Onryō entsteht dadurch, dass die Seele eines Verstorbenen nach seinem Tod aufgrund von Hass, Eifersucht, Wut oder Rache in der Welt der Lebenden verweilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher sind sie äußerst gefährlich und werden rein von ihren Emotionen getrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders in Japan, aber auch in anderen Ländern überall auf der Welt, werden den Onryō schlimme Verbrechen nachgesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch, wenn die Onryō grundsätzlich böse sind, gibt es Geschichten, in denen Onryō besänftigt wurden. So wurde z.B. zu ihnen gebetet oder ihnen gar ein Tempel errichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Oiwa – einem der bekanntesten Onryō und einer der beliebten Geistergeschichte Japans – gehen viele Filmproduzenten oder Autoren sogar soweit, ihr Grab in Tokyo zu besuchen, um dort um ihre Erlaubnis zu bitten, ihre Geschichte erzählen zu dürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem heißt es, dass Onryō niemals ihren Frieden finden können und – im Gegensatz zu den meisten Geistern der westlichen Welt – dazu verdammt sind, auf ewig in der Welt der Lebenden zu verweilen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die meisten Geschichten, Sichtungen und Berichte von Onryō aus Japan kommen, sollen besonders sehr bekannte Onryō auch bereits in anderen Ländern überall auf der Welt gesichtet worden sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Onryō ist mehr oder weniger ein Sammelbegriff für böse japanische Geister. Daher ist es wohl genauso unmöglich, den Ursprung der Onryō zu benennen, wie zu erklären, wie der Glaube an Geister generell entstanden ist.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Onryō? Findet ihr sie schlimmer, als die rachsüchtigen Geister Europas oder Amerikas? Was würdet ihr tun, wenn ihr einem Onryō begegnet?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>,&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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