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	<title>Gloson Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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	<title>Gloson Archive - Geister und Legenden</title>
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		<title>Myling – Folge nicht seinen Schreien!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Mar 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>
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<p>Meine Geschichte über den Myling spielt an einem Ort, der euch bereits von einer anderen Geschichte bekannt sein dürfte. Es war zwar nicht geplant, hatte aber zu gut gepasst, damit ich es nicht dort spielen lasse. Und wer weiß, vielleicht erwarten euch ja noch weitere Geschichten aus diesem kleinen schwedischen Dörfchen.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Kindes<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Schnee knirschte unter meinen Füßen, während ich von Kalle, meinem treuen braunen Labrador, an seiner Leine durch den Wald gezogen wurde. Es war bereits März. Trotzdem lagen die Temperaturen hier in Schweden häufig noch unter 0 °C.</p>



<p>Ich spürte die Kälte jedoch kaum. Wie so oft, wenn ich mit Kalle allein Gassi ging, wanderten meine Gedanken zu meiner Tochter Maja. Ich hatte sie letzten Monat bei einem Autounfall verloren. Den Fahrer traf keine Schuld. Er war ins Schlittern gekommen und hatte die Kontrolle über sein Auto verloren. Aber natürlich änderte das nichts an der Leere, die ich seit jenem Tag spürte.</p>



<p>Wäre Thorbjörn, ein alter Schulfreund, den ich letztes Silvester zufällig wiedergetroffen hatte, nicht gewesen, weiß ich nicht, wie ich nach dem Unfall hätte weiterleben sollen. Es war Glück im Unglück, dass er an dem Tag, als Maja starb, bei mir gewesen war, sodass er mich wenigstens etwas hatte auffangen können. Aber auch er konnte das Loch in meinem Herzen nicht füllen, dass der Tod meiner Tochter hineingerissen hatte.</p>



<p>Ein plötzliches Knurren vor mir riss mich aus meinen Gedanken. Kalle stand am Wegesrand und bellte ins Unterholz.</p>



<p>Schnell wischte ich die Tränen aus meinen Augen und ging zu ihm. „Was ist? Was hast du gesehen, mein Junge?“, fragte ich, während ich selbst in den dunklen Wald spähte. Ich konnte nichts Auffälliges entdecken.</p>



<p>Wahrscheinlich war es bloß ein Reh oder ein Hase. Andererseits verirrten sich manchmal Wölfe und Bären in diese Gegend. Ich selbst war zwar noch nie einem von ihnen begegnet, entschied aber, es nicht darauf ankommen zu lassen.</p>



<p>Als ich Kalle jedoch zaghaft an seiner Leine weiterziehen wollte, stemmte er sich mit seinem gesamten Gewicht dagegen. Auch das war noch nie vorher vorgekommen. War es also wirklich ein potenziell gefährliches Tier?</p>



<p>Panisch ging ich im Kopf alles durch, was ich über Begegnungen mit Wölfen und Bären erinnerte: Das Wichtigste war, dass ich mich groß machte, Lärm machen sollte und auf keinen Fall weglaufen oder mich umdrehen durfte.</p>



<p>Also stand ich da, neben meinem bellenden Hund, hob die Arme über den Kopf und rief in den Wald hinein. „Hej Bär, hej Wölfe. Falls ihr da draußen seid, haut ab. Wir wollen euch nichts Böses!“ Vorsichtshalber zog ich sogar die Handschuhe aus und klatschte einige Male in die Hände, ehe ich sie wieder über den Kopf hob.</p>



<p>Es rauschte ein sanfter Wind durch die Bäume. Ansonsten hörte ich nichts. Kein Knirschen im Schnee, kein Geraschel oder Knacken im Unterholz. Nichts, das auf ein wildes Tier hindeutete.</p>



<p>Plötzlich ertönte eine leise Stimme. „Hallo?“ Es klang wie ein Kind, das den Tränen nahe war. „Mama?“</p>



<p>‚<em>Maja!</em>‘, schoss es mir sofort in den Kopf. Aber natürlich war sie es nicht. Meine Tochter war tot. Außerdem war das eindeutig eine Jungenstimme.</p>



<p>„Wer ist da?“, rief ich in den Wald hinein. Ich ließ die Hände sinken und zog meine Handschuhe wieder an. „Hast du dich verirrt?“</p>



<p>Das Kind antwortete nicht. Stattdessen ertönte ein leises Schluchzen.</p>



<p>„Hee, alles wird gut“, erwiderte ich, während ich einige vorsichtige Schritte ins Unterholz tat.</p>



<p>Kalle hielt sich eng an mich, während er mir mit eingeklemmtem Schwanz folgte. Wenigstens bellte er nicht mehr.</p>



<p>„Mein Name ist Jonna“, fuhr ich fort. Mit Glück kannte ich den Jungen aus Majas Schule. Oder von früher aus ihrem Kindergarten. „Kommst du aus dem Dorf?“</p>



<p>Aber das Kind antwortete mir nicht mehr. Durch sein lautes Geschluchze hatte ich es trotzdem schnell ausfindig gemacht.</p>



<p>„Um Himmels willen!“, stieß ich aus.</p>



<p>Ein kleiner blonder Junge hockte vor mir im Schnee. Er trug dünne, abgenutzte Kleidung, hatte bleiche, dreckverschmierte Haut und sah abgemagert aus. Wenn es dafür nicht viel zu kalt gewesen wäre, hätte ich fast gedacht, dass er bereits einige Tage durch den Wald geirrt sein muss.</p>



<p>„Was ist passiert? Wo sind deine Eltern?“, fragte ich besorgt.</p>



<p>Sein kleiner Körper zitterte zwar nicht, aber ich war mir trotzdem sicher, dass er völlig durchgefroren sein musste. Also machte ich mich daran, meine Daunenjacke auszuziehen, während ich auf ihn zuging.</p>



<p>Kalle blieb hingegen in einigem Abstand stehen. Er kauerte sich zusammen und knurrte das Kind an.</p>



<p>Erschrocken drehte ich mich zu ihm um. „Kalle! Aus! Du machst dem Jungen noch Angst!“, schimpfte ich, nichtahnend, dass er mich bloß beschützen wollte.</p>



<p>Dann ging alles sehr schnell: In dem kurzen Moment, in dem ich ihm den Rücken zugedreht hatte, schrie der Junge plötzlich auf und stürzte sich auf mich. Er sprang auf meinen Rücken und klammerte sich an mich, indem er fest die Arme um mich legte.</p>



<p>„Was? He … Du tust mir weh!“, schrie ich, während ich panisch versuchte, seine Arme von meinem Hals zu entfernen.</p>



<p>Das Kind war ungewöhnlich stark. Besonders für seinen Zustand. Trotzdem tat ich mein Möglichstes, ihn so sanft ich konnte von meinem Rücken zu entfernen – ohne Erfolg.</p>



<p>Kalle war dabei die ganze Zeit am Bellen. Trotzdem versuchte er nicht, das Kind anzugreifen, fast als hätte er Angst vor ihm. Und so langsam verstand ich, warum: Was auch immer dieses Ding auf meinem Rücken war, es war kein normaler Junge. Wie sonst konnte man erklären, dass ich, eine erwachsene Frau, seine Arme nicht einen Zentimeter bewegen konnte, egal wie sehr ich daran zerrte.</p>



<p>„Bring mich zu einem Friedhof!“, zischte der Junge mir zu.</p>



<p>Das brachte mich zum Innehalten. „W-was?“, fragte ich irritiert. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.</p>



<p>„Begrab mich in geweihtem Boden, damit ich endlich Frieden finden kann!“</p>



<p>Für einen Moment hatte ich das Gefühl, als würde mein Gehirn aufhören zu funktionieren. Es ergab für mich keinen Sinn.</p>



<p>War das alles vielleicht nur ein kranker Scherz? Aber wie könnte ein Scherz meinen Hund dazu bringen, den Jungen zu fürchten? Außerdem konnte kein Scherz der Welt einem Kind solche Muskelkraft verleihen, dass ich seine Arme nicht ansatzweise bewegen konnte. Nicht einmal mit all dem Adrenalin, das gerade durch meinen Körper schoss.</p>



<p>Aber wenn das hier kein Scherz war, meinte der Junge die Aufforderung ernst. Er wollte lebendig begraben werden. Oder war er vielleicht gar nicht lebendig?</p>



<p>Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>



<p>Das befreite mich endlich aus meiner Starre. „Okay! Okay“, erwiderte ich, während ich mich in Bewegung setzte. Kalle folgte mir in einigem Abstand.</p>



<p>Ich hatte zwar keine Ahnung, was hier vor sich ging, aber wenn sich ein anscheinend übermenschlich starkes Wesen an meinen Rücken klammerte, das mir wahrscheinlich mit Leichtigkeit den Kopf abreißen konnte, wollte ich es bestimmt nicht wütend machen.</p>



<p>Auf dem Weg versuchte ich weiter, meine Gedanken zu sortieren. Es gelang mir nicht wirklich.</p>



<p>Stattdessen fiel mir bald auf, dass meine Beine schwächer wurden. Zuerst dachte ich, es wäre bloß der Adrenalinschub, der allmählich nachließ, aber je näher ich meinem Auto kam, desto schwerer lastete der Junge auf meinen Schultern.</p>



<p>Auch merkte ich, wie mein Atem vor Anstrengung immer schwerfälliger wurde. Eine Art Müdigkeit machte sich in mir breit.</p>



<p>Zu Anfang versuchte ich noch, mich mit der Natur um mich herum abzulenken. Aber obwohl es mir sonst nie sonderlich schwerfiel, die Schönheit der Natur wahrzunehmen, wirkte sie jetzt fast schon erdrückend. Die Bäume ragten hoch über mich hinaus, als würden sie auf mich herabblicken. Die Dunkelheit zwischen den Bäumen kam mir vor, als würde sie mich beobachten. Ein Gefühl der Enge machte sich in meinem Brustkorb breit. So ähnlich hatte ich mich auch gefühlt, als ich Maja verloren hatte. Als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen werden.</p>



<p>Ich strauchelte. Erst jetzt fiel mir auf, dass es nicht die Natur war, die mich fast erdrückte, sondern das Gewicht auf meinem Rücken. Der Junge war inzwischen so schwer geworden, dass ich Probleme hatte, geradeaus zu gehen. Mühsam setzte ich einen Fuß vor den anderen, bis ich endlich den Parkplatz erreichte. Selbst das Herauskramen meines Autoschlüssels aus der Jackentasche kam mir wie eine nahezu unschaffbare Aufgabe vor.</p>



<p>Nach einigen Anläufen hatte ich es endlich geschafft. Ich öffnete die Autotür und ließ Kalle auf den Rücksitz springen, ehe ich mich selbst auf den Fahrersitz fallenließ.</p>



<p>Das wiederum schien dem Jungen zu missfallen. „Keine Pause machen! Steh auf und bring mich zum Friedhof!“, schrie er mich an.</p>



<p>„Ich …“, presste ich hervor. Erschrocken stellte ich fest, dass mir selbst das Sprechen inzwischen schwerfiel. „Ich mach keine Pause. Wir fahren das letzte Stück. Geht … schneller …“</p>



<p>Der Junge antwortete nicht, aber ich merkte genau, wie er hibbelig wurde, spürte seinen misstrauischen Blick in meinem Nacken. Wusste er nicht, was ein Auto war?</p>



<p>Sobald ich den Motor gestartet hatte und wir uns in Bewegung setzten, entspannte er sich schnell wieder.</p>



<p>Trotzdem merkte ich, wie ich weiter schwächer wurde. Ich hatte gehofft, dass das Sitzen helfen würde, ich hier wieder zu Kräften kommen könnte. Stattdessen verschwamm meine Sicht allmählich. Kalles Gebell auf dem Rücksitz klang ungewöhnlich weit weg. Ich hatte Probleme, die Spur zu halten, musste mich mehr und mehr auf die Straße konzentrieren, geriet immer wieder auf die Gegenfahrbahn. Zum Glück war ich um diese Uhrzeit allein auf der Straße.</p>



<p>Dann endlich kamen die Lichter meines Heimatdorfes in Sicht. Die Fahrt war nicht sonderlich lang, immerhin ging ich mit Kalle immer nur knapp außerhalb der Gemeinde spazieren, wenn wir eine größere Runde planten. Und so hatte ich die Straße, in der die Kirche und der Friedhof lagen, bald erreicht.</p>



<p>Dort angekommen betätigte ich wieder und wieder die Hupe. Das schien den Jungen, der sich noch immer fest an mich klammerte, zu verwirren. Ich merkte, wie er sich ruckartig umsah. Aber entweder wusste er nicht, dass ich den Lärm machte, oder er hinterfragte es nicht weiter.</p>



<p>Endlich hielt ich an. Ich fuhr jedoch nicht bis zur Kirche oder dem Friedhof ein Grundstück weiter. Ich wusste genau, dass ich es in meinem Zustand niemals schaffen würde, den Jungen zu begraben. Stattdessen hielt ich meinen Wagen bei dem Haus davor. Es gehörte Einar, unserem Pfarrer.</p>



<p>Dort angekommen betätigte ich noch einige Male die Hupe, ehe ich schließlich die Fahrertür aufstieß. Ich versuchte, auszusteigen, aber meinen Beinen fehlte die Kraft. Stattdessen landete ich mit meinen Handflächen auf dem kalten Bürgersteig, schaffte es nur mühsam, meine Beine aus dem Auto zu ziehen, während die Welt um mich mehr und mehr verschwamm.</p>



<p>Das Letzte, was ich sah, war, wie sich die Haustür des Pfarrers öffnete.</p>



<p>„Wer ist da? Um Gottes willen, Jonna!“, hörte ich Einar meinen Namen rufen. Seine Stimme klang weit entfernt. Trotzdem konnte ich noch hören, wie er zu uns rannte. „Lass sie los, Myling!“, schrie Einar. „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufe ich dich auf den Namen Jon!“</p>



<p>Mehr bekam ich nicht mehr mit. Im nächsten Moment verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Als ich wieder zu mir kam, lag ich, zugedeckt mit einer Wolldecke, auf einem Sofa. Von dem Jungen fehlte jede Spur. Dafür lag Kalle dicht an mich gekuschelt bei mir. Sobald er merkte, dass ich wach war, bellte er freudig, wedelte mit dem Schwanz und schlabberte mir durchs Gesicht.</p>



<p>„He! Ist ja gut. Ist ja gut mein Junge, ich bin wach“, sagte ich, während ich mich halbherzig gegen seinen Angriff wehrte.</p>



<p>Im nächsten Moment ging eine Tür auf. Einar kam mit besorgter Miene auf mich zu. „Jonna. Gott sei Dank, du bist wach. Wie geht’s dir?“</p>



<p>„Um ehrlich zu sein, ziemlich beschissen“, gestand ich. „Was ist passiert?“</p>



<p>Der Pfarrer zögerte. „Ich … Ich weiß nicht, wie sehr du dich mit den alten schwedischen Sagen auskennst“, begann er. „Aber dieses Wesen, das du auf dem Rücken hattest, nennt man einen Myling.“ Er musterte mich einen Moment, als wolle er abschätzen, ob ich ihm glaubte.</p>



<p>„Ein Myling?“, wiederholte ich. Vor wenigen Stunden noch hätte ich unseren Pfarrer für solch eine Aussage wahrscheinlich als verrückt bezeichnet, aber nach dem, was mir widerfahren war, war mir jede Erklärung recht, die mir eine Antwort lieferte.</p>



<p>„Ein Myling ist ein Wiedergänger. Ein Untoter. Den Legenden nach entstehen sie, wenn ein ungetauftes Kind getötet oder im Wald ausgesetzt wird. Sie können nur ihren Frieden finden, wenn sie in heiligem Boden begraben werden oder wenn sie …“</p>



<p>„… wenn sie getauft werden“, beendete ich seinen Satz.</p>



<p>Einar nickte.</p>



<p>Deswegen hatte er den Jungen also Jon getauft. Er hatte mir damit das Leben gerettet.</p>



<p>Der Pfarrer legte mir eine Hand auf den Arm. „Es tut mir leid, dass das ausgerechnet dir widerfahren ist, Jonna. Nach allem, was du durchgemacht hast.“</p>



<p>Ich lächelte schief.</p>



<p>„Du kannst jedenfalls hierbleiben, solange du willst“, bot er mir an. „Nur die Nacht oder bis du dich besser fühlst.“ Dann lächelte er noch einmal, ehe er seine Hand von meinem Arm löste. Nach einem kurzen Zögern drehte er sich schließlich um und wollte gehen.</p>



<p>„Warte“, hielt ich ihn auf. „Du siehst aus, als wenn du noch etwas sagen wolltest.“</p>



<p>Einar seufzte schwer. „Es ist nur … Ich hatte schon damit gerechnet, dass so etwas passiert. Zu Weihnachten hatte irgendein Verrückter den Årsgång durchgeführt. Das ist ein unchristliches Ritual, mit dem man angeblich die Zukunft voraussehen kann. Ich hatte bereits befürchtet, dass dadurch übernatürliche Wesen auf unser Dorf aufmerksam geworden sind. Wir können nur hoffen, dass dem Myling keine Weiteren folgen.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Ein Myling, auch Myrding (Schwedisch für „Ermordetes“), ist ein Wiedergänger des skandinavischen Volksglaubens. In Norwegen wird das <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> Utburd genannt, in Island Útburður und bei den Samen u. a. Ihtiriekko.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> nach entsteht ein Myling, wenn ein Kind, oft ein Neugeborenes, ungetauft stirbt – meist, weil es von den Eltern ermordet oder im Wald ausgesetzt wurde     – und anschließend nicht ordnungsgemäß bestattet wird.</p>



<p>Das ist besonders früher oft vorgekommen, als Abtreibung noch verboten und uneheliche Kinder als Schande angesehen oder sogar kirchlich bestraft wurden.</p>



<p>Ein anderer häufig genannter Grund ist, dass die Eltern keine finanziellen Mittel besaßen, um das Kind zu ernähren, und keinen anderen Ausweg sahen.</p>



<p>Seltener sind Mylingar die Wiedergänger von Totgeburten, die nicht ordnungsgemäß bestattet wurden.</p>



<p>Im Svenska Akademiens Ordbok (Schwedisch für „Wörterbuch der Schwedischen Akademie“) ist außerdem aufgeführt, dass ein Myling auch der Wiedergänger eines ermordeten Erwachsenen sein kann, der nicht ordnungsgemäß bestattet und dessen Mörder nicht bestraft wurde. Hierzu habe ich jedoch keine historischen Belege gefunden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Obwohl Mylingar im Normalfall Wiedergänger von Neugeborenen sind, nehmen sie das Aussehen von sechs- bis 12-jährigen Kindern an. Sie haben blasse Haut und sind oft abgemagert und verdreckt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Als Wiedergänger, also Untote, halten sich Mylingar für gewöhnlich in der Nähe des Ortes auf, an dem sie begraben oder ihre Leiche versteckt wurde. Dort soll man nachts außerdem oft das Geschrei eines Kindes oder Babys hören.</p>



<p>Sollte sich jemand auf die Suche nach dem Ursprung des Geschreis machen oder zufällig dem Myling begegnen, so springt der Myling den meisten Geschichten nach auf den Rücken der Person und klammert sich dort fest. Anschließend verlangt er, zu einem Friedhof oder geweihtem Boden gebracht und dort begraben zu werden.</p>



<p>Da man sie nicht abschütteln kann, folgen die meisten Betroffenen der Bitte. Auf dem Weg zum Friedhof bzw. geweihtem Boden wird der Myling jedoch immer schwerer und schwerer. Sollte man es nicht rechtzeitig schaffen, den Ort zu erreichen, können sie angeblich so schwer werden, dass die Füße des Menschen im Boden versinken oder er unter der Last zusammenbricht, woraufhin der Myling wütend wird und den Menschen ermordet und sich auf die Suche nach seinem nächsten Opfer macht.</p>



<p>In anderen Versionen entzieht ein Myling einem die Lebensenergie, während man ihn trägt. Irgendwann ist man schließlich so schwach, dass man zusammenbricht und stirbt. Diese Version würde auch zu anderen Wiedergängerlegenden passen, da die Berührung eines Wiedergängers den Menschen im Normalfall das Leben entzieht. So kann man daraufhin beispielsweise todkrank werden, die berührte Stelle kann abfallen, verbrennen oder verfaulen oder der Mensch kann sterben.</p>



<p>Sollte man es hingegen schaffen, den geweihten Boden zu erreichen, lässt der Myling von einem ab, woraufhin man ihn begraben und somit seine Seele befreien kann.</p>



<p>In anderen Legenden verlangt der Myling einen Namen und es reicht aus, ihm einen zu geben, oder der Myling muss sich an seiner Mutter rächen, um Frieden zu finden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Mylingar wurden hauptsächlich in Skandinavien gesichtet. Dort können sie überall auftauchen, wo ein ungetauftes Kind gestorben ist bzw. sein Leichnam versteckt oder begraben wurde.</p>



<p>In den meisten Geschichten kommen sie in Wäldern oder auf dem Grundstück der Eltern vor.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Der Glaube an Mylingar geht wahrscheinlich auf den früher oft begangenen Kindsmord zurück. Die häufigsten Gründe hierfür waren, wie bereits erwähnt, dass die Eltern keine finanziellen Möglichkeiten hatten, das Kind zu ernähren, oder das Kind unehelich war und die Eltern somit von der Kirche bestraft und gesellschaftlich missachtet worden wären.</p>



<p>Außerdem war die Aufklärung früher nicht so weit wie heute, Verhütungsmittel waren deutlich weniger verbreitet und Abtreibungen waren verboten. Ungewünschte Kinder kamen also sehr viel häufiger vor.</p>



<p>Wie alt der Glaube an die Mylingar ist, habe ich hingegen nicht herausfinden können. Im Svenska Akademiens Ordboka ist eine Quelle aus dem frühen 17. Jahrhundert aufgelistet, die Legende kann aber natürlich noch deutlich älter sein.</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Myling? Hat euch meine Geschichte gefallen? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr nachts Kinderschreie aus dem Wald hört? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Gloson – Der Jahresgang Teil 2</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Dec 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr Zeit zum Überlegen hatte ich nicht. Gloson setzte bereits zum Angriff an. Sie schnaufte, stieß dabei Wolken aus ihren Nasenlöchern und preschte los. Ich hörte ihren schweren Atem, während sie näherkam …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gloson">Gloson – Der Jahresgang Teil 2</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/e579a3a1026a4488a0ada615cc50c1b6" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Gloson ist ein Wesen, auf dessen Beitrag ich mich schon lange gefreut habe. Immerhin bin ich ein Skandinavien-, Schweine und Geisterfan.</p>



<p>Bevor ich mich also in meine diesjährige Winterpause verabschiede, folgt hier der zweite Teil der diesjährigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachts</a>geschichte „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/arsgang">Der Jahresgang</a>“.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Krankheit: ALS</p>
<p>&#8211; Andeutung an den Tod eines Kindes</details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p><em>Diese Geschichte ist der zweite Teil des diesjährigen Weihnachts-Specials. Wenn ihr den vorherigen Teil noch nicht kennt, könnt ihr ihn <a href="https://www.geister-und-legenden.de/arsgang">Hier</a> nachlesen.</em></p>



<p>Meine Knie zitterten – diesmal wusste ich nicht, ob es an der Kälte oder meiner Nervosität lag – während ich auf die Kirchentür zuging.</p>



<p>Zum Glück brannte in den Fenstern kein Licht mehr. Es verlief lediglich eine Lichterkette einmal um das Kirchendach herum, die mir ein willkommenes, wenn auch schwaches Licht spendete.</p>



<p>Vorsichtig kniete ich mich vor die Tür. Was jetzt folgte, war einer der wichtigsten Momente des Årsgång-Rituals. In meinen Büchern wurde es so beschrieben, dass ich damit meinen Glauben ablegte – und somit auch den einzigen Schutz, den Gott mir vor übernatürlichen Wesen geben würde.</p>



<p>Ich holte tief Luft, während ich hoffte, dass das Ganze eher symbolisch gemeint war, ehe ich den Mund zum Schlüsselloch führte und die eingeatmete Luft zusammen mit meinem Glauben hindurchblies. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass ich alles richtig machte, hörte ich erst auf, als meine Lungen komplett leer waren.</p>



<p>Sicherlich kennt ihr das Schwindelgefühl, wenn ihr zu viel Luft ausgepustet habt. Wie ich herausfinden musste, ist der Schwindel nochmal um einiges intensiver, wenn ihr euch sowieso schon schwach und ausgelaugt fühlt.</p>



<p>Ich musste mich einen Moment an der rauen Steinwand festhalten. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Luft um mich herum plötzlich ein gutes Stück kälter geworden war, hoffte aber, dass ich es mir nur einbildete.</p>



<p>Es folgte das inzwischen vertraute Kichern von Grim an meinem Ohr. „Thorbjörn also. Das ist dein Name. Ich bin ehrlich: Sven gefiel mir besser. Aber man kann sich seinen Namen ja nicht aussuchen.“</p>



<p>Mein Herz rutschte mir in die Hose. Also war es mehr als nur eine symbolische Geste gewesen – das, oder Grim hatte die ganze Zeit nur so getan, als würde er meinen Namen nicht kennen.</p>



<p>Ich atmete einmal tief durch. Das Ritual war fast zu Ende. Alles, was noch fehlte, waren drei kurze Runden gegen den Uhrzeigersinn um die Kirche. Drei kurze Runden, die mich umbringen konnten.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Zu meiner Überraschung begann die erste Runde ruhig. Ich sah mich aufmerksam um, konnte aber nichts Auffälliges entdecken, während ich dicht an die Steinwand des Kirchengebäudes gedrückt durch den knöchelhohen Schnee stapfte.</p>



<p>Bei dem ersten Kirchenfenster hielt ich inne. Allerdings nicht, weil ich etwas gehört hatte, sondern weil das Teil des Årsgångs war. Man sollte durch jedes erreichbare Kirchenfenster sehen, um weitere Visionen zu empfangen.</p>



<p>Ich sah bereits, dass Licht aus dem Fenster schien. Trotzdem musste ich mich auf Zehenspitzen stellen, um mehr zu erkennen. Zum Vorschein kam eine gut gefüllte, prunkvoll mit Blumen dekorierte Kirche. Die Anwesenden trugen allesamt Anzüge und Kleider, während sie auf den Bänken saßen und sich erwartungsvoll zur Eingangstür umdrehten. Als dann auch noch Einar, unser Pfarrer, den Hochzeitsmarsch auf der Orgel anstimmte, wusste ich sofort, was los war. Anja Larsson hatte sich vor wenigen Wochen mit ihrem Freund, einem Norweger, verlobt. Es war seitdem das Klatschthema Nummer 1 gewesen. Als sie wenige Sekunden später tatsächlich in einem weißen Kleid die Kirche betrat, wandte ich mich ab.</p>



<p>Bereits nach wenigen Schritten verstummte die Hochzeitsmusik wieder und ließ mich mit der Kälte, dem Geräusch knirschenden Schnees und meinem knurrenden Magen zurück.</p>



<p>Die nächsten beiden Fenster waren ähnlich unspektakulär. Das zweite blieb dunkel, während ich im dritten Fenster Zeuge von Maja Holmquists Beerdigung wurden. Zwar brach es mir das Herz, Jonna mit einem zerknitterten Zettel in der Hand vor dem viel zu kleinen Sarg ihrer Tochter stehen zu sehen, wie sie weinend versuchte, einige Worte an die anderen Trauernden zu richten, doch auch die Beerdigung von Maja war seit der Vision am Friedhof keine Neuigkeit mehr für mich gewesen.</p>



<p>Das vierte und letzte Fenster blieb wieder dunkel. Aber es bot eh lediglich einen Einblick in einen Anbau mit einer Sofaecke und Küche, die dem Pfarrer und der Kirchengemeinde zur Verfügung standen.</p>



<p>Und so näherte ich mich bereits nach wenigen Minuten wieder der Kirchentür und somit dem Ende meiner ersten Runde. Ich konnte bereits meine eigenen Fußspuren einige Meter vor mir im Schnee sehen, als plötzlich ein Blitz die Nacht erhellte. Fast unmittelbar folgten ein lauter Knall sowie eine heiße Luftwelle, die mich von der Seite traf. Schnell drehte ich mich um.</p>



<p>Das Haus gegenüber der Kirche – soweit ich wusste ein Einfamilienhaus, in dem eine vierköpfige Familie wohnte – hatte wie aus dem Nichts Feuer gefangen.</p>



<p><em>‚Eine Explosion?‘</em>, schoss es mir in den Kopf.</p>



<p>Es dauerte nur Sekunden, bis die Flammen, die an den hölzernen Wänden hochzüngelten, das ganze Haus eingenommen hatten.</p>



<p>Im nächsten Moment öffnete sich die Haustür. Ein brennender Mann kam auf die Straße gerannt, der wild um sich schlug und wie am Spieß kreischte.</p>



<p>Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht fast auf den Trick hereingefallen und ihm zur Hilfe geeilt wäre. Gerade rechtzeitig fiel mir jedoch auf, wie unbekümmert die Bewohner der anderen Häuser zu sein schienen. Niemand trat auf die Straße. Ich konnte nicht einmal neugierige Gesichter an den Fenstern sehen, von Leuten, die die Explosion eindeutig gehört haben mussten.</p>



<p>Schließlich brach der Mann auf der Straße zusammen. Er hörte aber nicht auf, sich zu bewegen. Während noch immer kleine Flammen über seinen inzwischen schwarzgebrannten Körper zuckten, streckte er plötzlich einen Arm nach mir aus. „Wer ist da? Thorbjörn? Bist du das?“, fragte der mir fremde Mann mit erstaunlich fester Stimme.</p>



<p>Jetzt drang auch der Geruch an meine Nase. Es war aber kein abartiger Gestank, wie er manchmal beschrieben wurde, es roch eher nach einem gemütlichen Grillabend. Angewidert wandte ich mich ab.</p>



<p>„Ach komm, das haben wir doch echt gut in Szene gesetzt“, ertönte Grims Stimme wieder aus dem Nichts, während ich hörte, wie der Verbrannte mir mehrfach nachrief, dass ich ein Monster sei.</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. Geister waren echt geschmacklos. Zum Glück musste ich sie nur noch für zwei Runden um die Kirche ertragen. Ich hatte die Tür erreicht.</p>



<p>Wie auch bei der ersten Runde musste ich wieder in das Schlüsselloch pusten. Diesmal blieb ich vorsichtshalber einen Moment länger davor knien, um den Schwindelanfall abklingen zu lassen. Leider half es nur wenig. Wäre mein Magen nicht komplett leer gewesen, hätte ich nach dem Aufstehen wahrscheinlich auf den Boden gekotzt. So würgte ich jedoch nur trocken, während ich versuchte, einigermaßen geradeaus zu gehen. Zur Sicherheit blieb ich mit meiner linken Hand in Kontakt mit der Steinwand, bis ich das erste Fenster erreichte.</p>



<p>Die erste Vision war die einer Taufe. Ich beobachtete gelangweilt, wie der Pfarrer den Kopf eines kleinen Kindes mehrere Male unter Wasser drückte, ehe ich entschied, weiterzugehen.</p>



<p>Als ich mich abwandte, bemerkte ich jedoch eine Bewegung aus dem Augenwinkel, gefolgt von schweren Schritten. Misstrauisch sah ich in Richtung eines sich bewegenden Busches. Erst jetzt wurde mir klar, dass dahinter der Friedhof liegen musste.</p>



<p>Ich entschied, dass es schlauer wäre, nicht abzuwarten, bis ich herausfand, was sich von dort näherte.</p>



<p>Beim nächsten Fenster angekommen konnte ich eine traurige Melodie hören, ich wagte jedoch keinen Blick durch die Scheibe, da in diesem Moment eine Gestalt aus den Büschen trat. Sie hatte eine menschliche Statur – und kam direkt auf mich zu.</p>



<p>Ich wusste nicht, ob ich beim Årsgång rennen durfte. Oder ob ich überhaupt physisch dazu in der Lage wäre. Also beschleunigte ich bloß meine Schritte. Das wiederum schien die Silhouette anzustacheln. Sie gab eine Art Röcheln von sich, ehe sie zu einem Sprint ansetzte.</p>



<p>Mein Magen krampfte sich zusammen, als ich es sah. Aber was konnte ich tun? Ich hatte keine Waffe bei mir, nichts, um mich zu verteidigen, also begann ich zu joggen – schneller schafften es meine Beine in meinem Zustand nicht.</p>



<p>Ich hatte es gerade um die nächste Ecke geschafft, als das Ding mich einholte. Zuerst bemerkte ich einen Geruch nach Verwesung, ehe mich plötzlich eine abgemagerte Hand am Arm packte.</p>



<p>Panisch wirbelte ich herum, um den Angreifer abzuwehren, verlor dabei das Gleichgewicht und fiel mit dem Rücken voran in den Schnee. Gleichzeitig spürte ich, wie etwas Schweres auf mich stürzte. Der Aufprall presste mir mit einem keuchenden Geräusch die Luft aus den Lungen.</p>



<p>Während ich auf dem Rücken lag, sah ich, wie ein bleiches, eingefallenes Gesicht direkt über mir hing. Milchige Augen musterten mich. Und auch der Gestank nach Verwesung hatte deutlich zugenommen. Ein Wiedergänger.</p>



<p>Ihr kennt diese Wesen vielleicht besser als Zombies. Doch während Untote im Fernsehen durchaus gefährlich werden konnten, hatten Wiedergänger eine sehr viel schlimmere Eigenschaft: Ihre bloße Berührung brachte den Tod. Ich hatte Glück, dass der Großteil meines Körpers von dicker Winterkleidung bedeckt war. Würde er mich hingegen im Gesicht berühren …</p>



<p>Ein Röcheln entwich seinen Lippen, als der Mann sich an meinem Körper hochdrückte. Ich sah, dass seine Hand sich meinem Kopf näherte.</p>



<p>Panisch griff ich nach seinem Arm. Ich versuchte, seine Finger von mir fernzuhalten, aber der Untote hatte eine unglaubliche Kraft. Zentimeter für Zentimeter näherten seine abgemagerten Klauen sich meinem Hals.</p>



<p>Ich wühlte unterdessen mit der freien Hand panisch im Schnee neben mir, hoffte, dass ich etwas fand, mit dem ich mich verteidigen konnte – einen Stein, einen Ast, irgendetwas. Aber da war nichts.</p>



<p>Also setzte ich alles auf eine Karte. Als seine Finger meine Haut fast berührten, drehte ich mich leicht nach rechts, um meinen Körper anschließend mit voller Kraft nach links zu werfen.</p>



<p>Es funktionierte nicht ganz wie geplant. Ich hatte gehofft, genug Schwung aufzubringen, um über den Wiedergänger zu gelangen. Aber wenigstens lag er jetzt neben mir.</p>



<p>Ich zögerte keine Sekunde. Hektisch drehte ich mich auf den Bauch und drückte mich hoch. Gerade dachte ich, dass ich es geschafft hätte, als eine knöcherne Hand mein Fußgelenk umschloss.</p>



<p>Ich sah nicht hin, während ich mit dem Fuß wild um mich trat. Mit einem Tritt erwischte ich irgendetwas Hartes, das nach einem widerwärtigen Knacken plötzlich weich nachgab. Wenn ich raten müsste, würde ich auf seinen Brustkorb tippen, auch wenn ich dafür eigentlich schon zu weit weg war. Trotzdem gab die Hand mich schlagartig frei.</p>



<p>Schnell stolperte ich vorwärts. Die Geräusche hinter mir verrieten aber, dass ich den Kampf noch nicht gewonnen hatte. Der Wiedergänger richtete sich ebenfalls auf, also beeilte ich mich, zurück zur Tür zu kommen.</p>



<p>Während die stapfenden Geräusche hinter mir wieder näherkamen, warf ich mich um die Ecke. Ich stolperte, fing mich und stürzte schließlich zur Kirchentür. Gerade noch so schaffte ich es, mich an der Türklinke festzuklammern, knallte mit dem Gesicht schmerzhaft gegen das Holz und schmeckte Blut, ehe ich mehr schlecht als recht einen halben Atemzug in das Schloss hauchte. Trotzdem wusste ich, dass ich zu langsam war. Mir fehlte die Kraft, mich sofort wieder aufzurappeln. Kapitulierend schloss ich die Augen. Der Wiedergänger musste jede Sekunde bei mir sein.</p>



<p>Dann geschah … nichts. Überrascht blinzelnd sah ich mich um. Von dem Wiedergänger fehlte jede Spur. Wo war er hin?</p>



<p>„Er ist abgehauen“, erklärte Grim, als hätte er meine Gedanken gelesen. „Und wenn du schlau bist, machst du das auch. Ob du es glaubst oder nicht, selbst ich habe Angst vor <em>ihr</em>.“</p>



<p>Ich ahnte bereits, von wem er sprach. Es gab nur eine <em>Sie</em>, die laut meinen Büchern am Ende des Årsgångs auftauchen solle: Gloson. Ein fürchterliches Geisterschwein. Es wunderte mich jedoch, dass Grim angeblich Angst vor ihr habe. Was hatte er als Geist noch zu verlieren?</p>



<p>Um etwas Kraft zu tanken, blieb ich einen Moment vor der Kirchentür sitzen. Außerdem nutzte ich die Zeit, um meine gespaltene Unterlippe zu kühlen – eine Verletzung, die ich meiner unsanften Begegnung mit der Kirchentür verdankte. Wie einfach es wäre, jetzt meine Augen zu schließen und mich der süßen Verlockung des Schlafs hinzugeben …</p>



<p>Aber natürlich war das für mich keine Option. Ich war schon so weit gekommen, da konnte ich jetzt nicht einfach aufgeben.</p>



<p>‚<em>Also los, Thorbjörn</em>‘, forderte ich mich in Gedanken auf. ‚<em>Eine letzte Runde, dann darfst du endlich nach Hause gehen.</em>‘</p>



<p>Bereits bei dem Gedanken an ein Glas Wasser, eine Scheibe Brot oder vielleicht ein Müsli und mein kuscheliges Bett wurde mir sofort wärmer ums Herz. Wie sehr ich mich gerade nach der Geborgenheit sehnte. Den Gedanken fest umklammernd rappelte ich mich auf.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Für die letzte Runde hatte ich mir vorgenommen, keine Zeit mehr mit den Visionen zu verschwenden. Stattdessen entschied ich, nur flüchtig durch die Scheiben zu blicken, um möglichst schnell mit der Runde durch zu sein. Die Fenster ganz zu ignorieren, traute ich mich hingegen nicht. Immerhin waren die Visionen ein wichtiger Bestandteil des Årsgångs und ich wollte nicht riskieren, daran jetzt noch zu scheitern.</p>



<p>Beim ersten Fenster klappte mein Plan sehr gut. Ich sah bloß flüchtig irgendeine Konfirmation, die mich auch so nicht wirklich interessiert hätte. Schnell wandte ich den Blick wieder ab, um zum zweiten Fenster weiterzugehen.</p>



<p>Dort erklang dieselbe traurige Musik wie in der letzten Runde. Wieder warf ich einen flüchtigen Blick durch die Scheibe. Eine Beerdigung. Doch auch jetzt wollte ich mich schnell wieder abwenden – bis mein Blick auf das Foto neben dem Sarg fiel: Mama …</p>



<p>Für einen Moment war ich wie erstarrt, als wolle mein Kopf nicht begreifen, was ich da vor mir sah. Aber natürlich begriff ich es. Es war ihre Beerdigung. Meine Mutter würde im kommenden Jahr sterben. Nichts, was ich tat, konnte daran etwas ändern. Meine Recherche, der Årsgång, meine Pläne – alles war umsonst gewesen.</p>



<p>Trotzdem stiegen in mir keine Tränen auf. Es war eine kalte Erkenntnis, die mein Herz gefrieren ließ. In mir fühlte ich nichts als Leere, war wie erstarrt. Es war jedoch in dieser Starre, dass mir eine Frau ins Auge fiel, die ich nicht auf der Beerdigung erwartet hatte: Jonna Holmquist. Sie saß in der ersten Reihe, direkt neben mir, hatte einen Arm um mich gelegt und streichelte sanft meine Schulter, während ich weinte.</p>



<p>Jonna, meine alte Jugendliebe. Was machte sie auf Mamas Beerdigung? War sie meinetwegen gekommen? Ihre Berührung wirkte so zärtlich, so liebevoll. Und genau das war der Funke, der meine Leere wieder füllte. Ich hatte einen Grund, weiterzuleben. In ihrer dunkelsten Stunde, dem Tod ihrer Tochter, würde ich für Jonna da sein – und sie für mich in meiner.</p>



<p>Mit der neu gewonnenen Kraft wollte ich gerade weitergehen, als ich hinter mir ein tiefes Grunzen hörte.</p>



<p>Langsam drehte ich mich um. Sofort sah ich die zwei rot brennenden Augen, die mich aus dem Halbdunkel anstarrten. Der Rest von Glosons weißem Körper, ihr Fell mit den rasiermesserscharfen Borsten am Rücken und der tiefhängende Kopf mit den für eine Wildsau erstaunlich großen Eckzähnen, gingen fast völlig im Schnee unter.</p>



<p>Mein nächster Blick galt dem kleinen Gegenstand, den ich in ihrem Maul entdeckte: eine Schriftrolle. Sie war es, die einem magische Kräfte verleihen sollte. Die Gerüchte waren also real.</p>



<p>Krampfhaft versuchte ich, mich an alles zu erinnern, was ich über Gloson gelesen hatte. Sie würde versuchen, zwischen meinen Beinen hindurchzulaufen, um mich mit ihren scharfen Rückenborsten zu zerteilen. Die beste Möglichkeit, sich dagegen zu schützen, war es, seine Beine zu überkreuzen, sodass sie nicht mehr hindurch konnte. Andererseits musste ich irgendwie an die Schriftrolle gelangen, wenn ich aus dem Årsgång mit magischen Fähigkeiten hinausgehen wollte. Wenn ich also im richtigen Moment die Beine kreuzen würde …</p>



<p>Mehr Zeit zum Überlegen hatte ich nicht. Gloson setzte bereits zum Angriff an. Sie schnaufte, stieß dabei Wolken aus ihren Nasenlöchern und preschte los.</p>



<p>Ich hörte ihren schweren Atem, während sie näherkam. Gleichzeitig spürte ich, wie mein Puls anstieg. Als sie mich fast erreicht hatte, verlagerte ich das Gewicht und trat mit dem linken Fuß nach rechts, sodass meine Beine ein X bildeten.</p>



<p>Gloson rannte nur knapp an mir vorbei, allerdings nicht nah genug, dass ich nach der Schriftrolle hätte greifen können. Hätte ich es versucht, hätte ich wahrscheinlich das Gleichgewicht verloren.</p>



<p>Also brauchte ich einen neuen Plan. Vielleicht, wenn ich rechtzeitig zur Seite sprang …</p>



<p>„Was zur Hölle tust du da?“, drang Grims Stimme an mein Ohr, während ich mich wieder normal hinstellte.</p>



<p>Gleichzeitig behielt ich Gloson genau im Auge. Ich sah, wie sie sich wieder positionierte, zu einem neuen Sprint ansetzte und auf mich zulief.</p>



<p>Erst jetzt merkte ich, wie lückenhaft mein Plan war. Gloson war viel zu schnell. Ich würde es nie schaffen, gleichzeitig die Schriftrolle zu packen und zur Seite zu springen. Nicht mit meinen halb eingefrorenen Gliedern.</p>



<p>Trotzdem versuchte ich es. Ich hatte jedoch zu viel Angst, warf mich zu früh zur Seite, sodass meine Hand nicht einmal in die Nähe der Schriftrolle kam. Ich landete mit dem Gesicht voran im Schnee.</p>



<p>Den Geräuschen nach trampelte Gloson nur knapp an mir vorbei. Sie gab einen quiekenden Schrei von sich.</p>



<p>„Ganz toll, Thorbjörn!“, brüllte Grim mich an. „Wenn du sie wütend machen willst, bist du auf dem besten Weg! Du brauchst die verdammte Schriftrolle doch gar nicht mehr. Deine Mutter ist so gut wie tot!“</p>



<p>Ein Stich fuhr durch mein Herz. Trotzdem hatte Grim recht. Sie war der einzige Grund, warum ich die Schriftrolle haben wollte. Aber seit wann gab er mir Tipps, wie ich überleben konnte? Wollte er nicht die ganze Zeit, dass ich sterbe?</p>



<p>Grim gab ein genervtes Knurren von sich. „Hör zu. Ich weiß, du hast keinen Grund, mir zu vertrauen, aber ich möchte nicht, dass dieses verdammte Biest noch jemanden tötet. Es reicht, dass sie mir damals das Leben genommen hat! Also steh endlich auf und beende die verdammte letzte Runde!“</p>



<p>Mein Hirn raste. Ich wusste nicht, ob das wieder irgendein Trick war. Aber Grim hatte recht. Ich musste hier weg!</p>



<p>Mein ganzer Körper schmerzte, während ich mich aufrappelte. Schnee hing in meinem Bart, klebte an meiner Kleidung.</p>



<p>Gloson ging unterdessen in Kreisen um mich herum, wie ein Hai, der jeden Moment angreifen würde. Jetzt senkte sie wieder den Kopf. Sie schnaufte.</p>



<p>„Beine kreuzen!“, fordere Grim mich auf.</p>



<p>Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Schnell trat ich mit dem linken Bein nach rechts.</p>



<p>Gloson grunzte unzufrieden. Sie hob den Kopf, begann hin und her zu laufen, als warte sie auf den richtigen Moment, um noch einmal zuzuschlagen.</p>



<p>„Gut“, schaltete Grim sich wieder ein. „Ich behalt das Biest im Auge. Kannst du so gehen?“</p>



<p>Ich versuchte es. Meine Beine fühlten sich träge an. Wann immer sie sich berührten, zuckte Schmerz durch meine Schenkel. Aber ich kam voran.</p>



<p>Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich vorwärts, während ich Gloson den Rücken zuwandte. Zwar traute ich Grim noch immer nicht wirklich, aber es war meine beste Chance, voranzukommen.</p>



<p>Als ich die Kirchenwand erreicht hatte und mich abstützen konnte, ging es etwas schneller.</p>



<p>Gloson blieb die ganze Zeit hinter mir. Aber tatsächlich griff sie nicht an. Und so dauerte es nicht lange, bis ich wieder fast bei der Kirchentür war.</p>



<p>„Weißt du, Thorbjörn“, hob Grim wieder die Stimme. „Ich hatte echt gedacht, dass du es nicht schaffst. Aber dann hast du dich in deiner eigenen Vision gesehen. Dein Schicksal stand bereits fest. Egal ob ich dir helfe oder nicht, du wirst nächstes Jahr in dieser verdammten Kirche sitzen.“</p>



<p>Ich blinzelte überrascht. Darüber hatte ich gar nicht nachgedacht. Trotzdem erlaubte ich mir nicht, innezuhalten.</p>



<p>Inzwischen war ich bei der Tür angekommen. Es stellte sich als schwieriger heraus, als gedacht, mich mit überkreuzten Beinen hinzuhocken, aber nach wenigen Versuchen klappte es.</p>



<p>Grim lachte bitter. „Hätte mir jemand vorhin gesagt, dass ich mich einmal freuen würde, dass ein Mensch den Årsgång schafft, hätte ich dir nicht geglaubt.“ Er sprach lauter. „Hörst du das, Gloson? Thorbjörn hat dich überlebt!“ Dann wieder leiser: „Verdammtes Mistvieh. Aber genug geredet. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Also dann: Frohe Weihnachten … Sven.“</p>



<p>Mit diesen Worten blies ich ein letztes Mal in das Schlüsselloch.</p>



<p>Ich spürte die Veränderung bereits in der Luft. Auch ohne mich umzudrehen, wusste ich, dass Gloson und Grim fort waren. Trotzdem kam ich nicht umhin, in die Luft zu lächeln. „Frohe Weihnachten, Grim“, krächzte ich mit trockenem Hals. Dann stand ich auf und machte mich auf den Heimweg.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Gloson ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> der schwedischen Folklore. Es ist ein fürchterliches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a>schwein, das fast ausschließlich im Zusammenhang mit dem Årsgång erwähnt wird.</p>



<p>Der Name „Gloson“ setzt sich aus den schwedischen Wörtern „glo“ (glotzen, blenden) und „son“ (die Sau) zusammen. Wie der Name verrät, ist Gloson also weiblich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Gloson ist ein schneeweißes Schwein oder Wildschwein bzw. eine Sau oder Wildsau. Sie hat große Haken (Bezeichnung der Eckzähne weiblicher Wildschweine) und rotglühende oder brennende Augen.</p>



<p>Auf ihrem Rücken hat sie rasiermesserscharfe Borsten, die an Klingen oder ein Sägeblatt erinnern. Da sie ihre Borsten als Waffe nutzt, rennt sie meist gebückt und hält ihren Kopf dicht am Boden.</p>



<p>In einigen Geschichten hat sie noch weitere Merkmale. So hält sie manchmal etwas im Maul, z. B. eine Sichel, ein Buch oder eine Schriftrolle, hat brennende Borsten, trägt einen kleinen Mann oder Jungen auf dem Rücken, hat unzählige Augen, ist unsichtbar, hat Ferkel bei sich uvm.</p>



<p>Wie ihr seht, kann sich das Aussehen von Gloson also sehr unterscheiden. Trotzdem wird sie in fast jeder Geschichte als eine schneeweiße Sau mit feurigen Augen und messerscharfen Rückenborsten beschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Gloson taucht hauptsächlich in dunklen Winternächten auf. Sie ist Teil des Årsgångs, einer alten schwedischen Weissagungstechnik, und erscheint als letzte Hürde, um jemanden an der Ausführung des Årsgångs zu hindern.</p>



<p>Wenn sie erscheint, versucht sie, zwischen den Beinen ihres Opfers hindurchzurennen, um es mit ihren scharfen Borsten in der Mitte zu zerteilen oder es auf ihren Rücken zu werfen und fortzutragen. Wenn das Opfer fortgetragen wird, stirbt es entweder an den Verletzungen durch die scharfen Borsten, weil es verdurstet oder an Erschöpfung, da der wilde Ritt mehrere Tage bis Wochen dauern kann.</p>



<p>In anderen Geschichten wirft Gloson ihre Opfer nach einiger Zeit ab. Auch hier ist man aufgrund des kalten Winters oder der Verletzungen jedoch oft dem Tode geweiht. Hat man hingegen „Glück“ und überlebt, ist man dank des wilden Ritts dem Wahnsinn verfallen.</p>



<p>Laut einigen Versionen der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> hat Gloson außerdem etwas bei sich, das der Årsgång-Durchführende braucht, um den Årsgång zu beenden oder magische Fähigkeiten zu erlangen. Dabei kann es sich z. B. um ein Buch oder eine Schriftrolle über schwarze Magie oder geheimes Wissen oder um einen anderen magischen Gegenstand handeln.</p>



<p>Wenn man Gloson tatsächlich begegnet, gibt es viele Möglichkeiten, wie man sich gegen sie schützen kann. So ist Silber, besonders, wenn es geweiht wurde, aber auch Stahl oder Eisen eine bewährte Waffe gegen das Übernatürliche. Zudem helfen Gebete, das Kreuzzeichen oder wenn man seine Beine kreuzt. Gerade Letzteres wird oft im Zusammenhang mit Gloson erwähnt, da es nicht nur vor dem Bösen schützen soll, sondern auch verhindert, dass Gloson zwischen den Beinen ihres Opfers hindurchlaufen kann.</p>



<p>Alternativ soll es einige Nahrungsmittel geben, mit denen man Gloson ablenken kann. In einer Quelle habe ich von sieben Jahre alten Nüssen gelesen, die man ihr hinwerfen muss, damit sie sich darauf statt auf ihr Opfer konzentriert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Die Legende von Gloson wurde hauptsächlich im Süden Schwedens verbreitet. Daher soll Gloson hauptsächlich dort vorkommen. Es gibt aber auch Texte aus anderen Orten Schwedens, in denen von ihr die Rede ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>In den ältesten Texten über den Årsgång ist von Gloson noch keine Rede. Stattdessen wird von einem Reiter berichtet, dessen Pferd mit brennender Mähne einen Runenstab im Maul trägt, das dem Årsgång-Durchführenden magische Fähigkeiten verleiht, sofern er ihn dem Pferd entwenden kann.</p>



<p>Erst später wird dieser Reiter samt Pferd durch Gloson abgelöst. Die brennende Mähne wurde zu den brennenden Borsten bzw. Augen Glosons, während andere Motive wie der magische Stab oder der Reiter, wenn auch jetzt in kleinerer Form, in einigen Versionen komplett übernommen wurde.</p>



<p>Wieso für Gloson das Motiv des Schweins gewählt wurde, ist naheliegend: Schweine (auch Hausschweine) sind früher oft in der Wildnis umhergelaufen und konnten eine Gefahr für unschuldige Passanten darstellen. Besonders aggressiv und gefährlich waren sie, wenn sie Junge hatten.</p>



<p>Das Schwein war früher also, auch wenn es als Haustier sehr beliebt war, durchaus gefürchtet. Und auch heute noch haben viele Menschen (zurecht) Angst vor Wildschweinen, da sie schnell aggressiv werden, Menschen angreifen und sie schwer bis tödlich verletzen können.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Gloson? Würdet ihr den Årsgång durchführen, auch wenn ihr wisst, was euch bei der Kirche alles erwarten kann? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Årsgång – Der Jahresgang Teil 1</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Dec 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein plötzliches Piepen riss mich aus meinen Gedanken. Fast instinktiv griff ich nach meiner Armbanduhr, um den Alarm zu deaktivieren. Mitternacht. Das Ritual konnte endlich beginnen …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/78a33b9b7da049b9992416d08c98ae92" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Årsgång ist der erste Teil meines diesjährigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachts</a>-Zweiteilers. Wie vor drei Jahren bei <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads" target="_blank" rel="noreferrer noopener">den Yule Lads</a> habe ich die Weihnachtsgeschichte dieses Jahr also wieder auf mehrere Teile aufgeteilt. Den zweiten Teil findet ihr nächste Woche hier auf meinem Blog oder bereits jetzt auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Krankheit: Erwähnung von ALS</p>
<p>&#8211; Andeutung an den Tod eines Kindes</details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich saß zitternd in meinem Zelt, eine dicke Wolldecke eng um mich gewickelt, während ich meinen knurrenden Bauch hielt und mein Mund sich völlig ausgetrocknet anfühlte. Selten hatte ich mich so schwach gefühlt. Und das an einem Heiligabend, wo die meisten Leute mit ihren Familien in einem warmen Wohnzimmer saßen und mehr aßen und tranken, als sie es sich das restliche Jahr über erlaubten.</p>



<p>Aber bevor ihr euch jetzt Sorgen um mich macht, sollte ich anmerken, dass das hier alles selbstverschuldet war. Und nicht nur das, es war sogar beabsichtigt. Ich war im Begriff ein altes schwedisches Ritual durchzuführen: den Årsgång. Nur hätte ich nicht gedacht, dass ich mich nach einem Tag ohne Essen und Trinken so schwach fühlen würde. Außerdem war da diese unerträgliche Kälte, die mir von Stunde zu Stunde tiefer in die Knochen kroch.</p>



<p>Als Vorbereitung für den Årsgång musste man sich nämlich einen kompletten Tag isolieren. Man musste sich ohne Wasser oder Nahrung tief in den Wald begeben. In meinen Büchern hieß es: so tief, dass man weder Hund noch Hahn hören konnte. Aber ich ging lieber auf Nummer sicher und war so weit gegangen, dass auch keine Geräusche von fahrenden Autos mehr zu mir vordrangen.</p>



<p>Eine weitere Bedingung war, dass ich in dieser Zeit kein einziges Wort sagen, kein Handy oder Laptop bei mir haben und in kein Licht wie ein Feuer oder eine Lampe blicken durfte.</p>



<p>Ich hatte die letzten Stunden also in völliger Stille, Kälte und Dunkelheit verbracht. Die Sonne war schon vor Stunden untergegangen und jetzt wartete ich nur noch darauf, dass es endlich Mitternacht wurde. Dann konnte der Årsgång beginnen.</p>



<p>Aber bis dahin saß ich weiter zitternd in meine Decke gewickelt und dachte über mein Leben nach. Noch vor einem Jahr wäre es für mich undenkbar gewesen, ein Ritual wie den Årsgång durchzuführen. Damals saß ich mit meiner Mama, meiner letzten lebenden Verwandten, am Weihnachtstisch und aß mit ihr eine Gans, die wir gemeinsam zubereitet hatten. Unser Leben war in Ordnung gewesen. Das war jedoch vor ihrer Diagnose.</p>



<p>Wie wir dieses Jahr herausgefunden hatten, litt meine Mutter an amyotropher Lateralsklerose, besser bekannt als ALS. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die Ice Bucket Challenge, die vor einigen Jahren durch das Internet kursiert ist. Sie sollte damals auf ALS aufmerksam machen.</p>



<p>Jedenfalls ist es eine grausame Krankheit, die zu Muskellähmungen und schließlich zum Tod führt. Eine Heilung ist laut unserer Schulmedizin nicht möglich.</p>



<p>Wie so viele Menschen in ähnlichen Situationen hatte ich also das einzige in meiner Macht stehende getan, und angefangen, mich nach alternativen Heilmethoden umzusehen. Aber während andere Menschen sich auf Heilsteine und Homöopathie stürzten, hatte ich mich für einen anderen Weg entschieden: das Übernatürliche. Mein erster Schritt in diese Richtung sollte der Årsgång werden.</p>



<p>Eigentlich war es nicht mehr als ein Wahrsageritual, mit dem man die Zukunft der Gemeinde voraussehen konnte. In einigen Büchern hatte ich jedoch etwas von magischen und sogar heilenden Fähigkeiten gelesen, die man nach einem erfolgreichen Årsgång erhalten solle. Und selbst, wenn das nicht der Fall war, würde das Ritual zumindest mein Gespür für das Paranormale stärken.</p>



<p>So oder so, egal, wie verzweifelt der Versuch auch sein mochte, es war immer noch besser, als zuhause zu sitzen und nichts zu tun.</p>



<p>Ein plötzliches Piepen riss mich aus meinen Gedanken. Fast instinktiv griff ich nach meiner Armbanduhr, um den Alarm zu deaktivieren. Mitternacht. Das Ritual konnte endlich beginnen.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Als ich aus dem Zelt trat, schnitt mir die eisige Winterluft ins Gesicht, stach in meine trockenen Lippen. Nur mein Bart und die dicke Kleidung schützen mich einigermaßen vor der Kälte. Trotzdem hatte ich bereits das meiste Gefühl in meinem Fingern und Zehen verloren – ein Zustand, der hier draußen nicht besser werden würde.</p>



<p>Wenigstens reflektierte der Schnee das wenige Mondlicht, das durch die Bäume schien, sodass ich nicht gegen den nächsten Baum laufen würde.</p>



<p>Schnee knirschte mit jedem Schritt unter meinen Stiefeln. Das Geräusch hallte gespenstisch durch den Wald, als würden viele weitere Beine mir folgen.</p>



<p>Ich beachtete es nicht weiter. Stattdessen ging ich in Gedanken noch einmal meine Route durch. Ich würde den Wald verlassen, über den schmalen Weg zwischen den Feldern ins Dorf zurückwandern, am Friedhof vorbei und auf direktem Weg zur Kirche. Dort würde der größte und wichtigste Teil des Rituales stattfinden.</p>



<p>Alles, was ich bis dahin tun musste, war nicht zu sprechen oder zu lachen, nicht nach hinten zu blicken, auf dem Weg zu bleiben und keine Furcht zu zeigen. Das war allerdings einfacher gesagt als getan. Wenn man den Büchern glauben durfte, würde die paranormale Welt alles daransetzen, mich von meinem Årsgång abzuhalten.</p>



<p>Wieder knurrte mein Magen. Ich versuchte, den Hunger zu ignorieren, konzentrierte mich auf meine Schritte und meine Umgebung. Trotzdem bemerkte ich die Silhouette zwischen den Bäumen erst, als sie mich ansprach.</p>



<p>„Was macht ein einsamer Wanderer hier so spät in der Nacht?“, fragte eine helle Frauenstimme.</p>



<p>Fast hätte ich vor Schreck einen Satz zur Seite gemacht. Ich wusste nicht, ob es meine Erschöpfung oder eine mir bisher unbekannte Selbstkontrolle war, aber ich schaffte es irgendwie, den Instinkt zu unterdrücken und einen neutralen Gesichtsausdruck zu wahren.</p>



<p>Jetzt musterte ich die Gestalt zwischen den Bäumen aufmerksam. Sie hatte so reglos und still dagestanden, dass ihr weißes Kleid mit dem Schnee verschmolzen war. Und ihre blasse Haut war auch nicht viel dunkler. Lediglich ihre eisblauen Augen und das goldene Haar stachen im direkten Mondlicht deutlich hervor, als sie aus den Schatten trat.</p>



<p>„Oh. Du zitterst ja“, bemerkte sie. „Soll ich dich etwas wärmen?“ Sie legte mir ihre Hand auf die Brust und fuhr mir ihr langsam an meinem Körper herunter. Ich packte ihr Handgelenk, als sie meinen Bauchnabel erreichte und noch immer nicht zu stoppen schien.</p>



<p>Das war dann wohl eine Skogsrå, eine übernatürliche Hüterin des Waldes, die in ihrer Freizeit nichts Besseres zu tun hatte, als einsame Wanderer zu verführen, um ihnen die Seelen zu rauben.</p>



<p>Da ich nichts sagen durfte, schüttelte ich bloß den Kopf und schob ihre Hand beiseite. Ich nahm mir vor, sie möglichst sanft abzulehnen, um sie nicht zu verärgern. Trotzdem wollte ich mich nicht aufhalten lassen, also ging ich langsam weiter.</p>



<p>„Oh, hast du noch was vor?“, fragte sie scheinheilig. „Ich verspreche dir, dass es nicht lange dauert. Danach wirst du dich sehr viel besser fühlen.“</p>



<p>Ich hörte, wie ihre leisen Schritte mir folgten. Sie holte auf, um neben mir zu gehen, wo sie meinen Arm ergriff und sanft ihren Kopf an meine Schulter schmiegte. Ich spürte, wie ihre Wärme durch die Jacke hindurch an meinem durchgefrorenen Körper drang. Und auch ihr süßlicher Duft gelangte jetzt an meine Nase. Er war nicht aufdringlich, sondern genauso zart und lieblich wie die Skogsrå selbst. Hätte ich jetzt die Augen geschlossen, würde ich mich wohl in dem Gefühl verlieren.</p>



<p>Also schüttelte ich bloß wieder den Kopf. Ich machte aber keine Anstalten, mich loszureißen. Ich redete mir ein, es läge daran, dass ich die Skogsrå nicht verärgern wolle, aber wenn ich ehrlich war, wollte ich ihre Wärme noch für ein paar Meter mehr genießen.</p>



<p>Den Waldgeist eng an meine Seite gekuschelt, ging ich weiter meines Weges. Sie flüsterte mir Komplimente zu und erzählte mir, wie schrecklich einsam sie sich zu Weihnachten immer fühle. Und auch ich fühlte mich einsam, jetzt, wo meine Mutter im Krankenhaus war und ich das Haus für mich allein hatte.</p>



<p>Die Skogsrå galt als Meisterin der Verführung und unter anderen Bedingungen, hätte ich nicht das Ziel vor Augen gehabt, meine Mutter zu heilen, wäre ich ihr vielleicht verfallen.</p>



<p>Je näher wir jedoch dem Waldrand kamen, desto verzweifelter wurden ihre Versuche. Inzwischen raunte sie mir die verbotensten Versprechungen ins Ohr, streichelte sanft meinen Oberschenkel und versuchte sogar, mir zwischen die Beine zu greifen.</p>



<p>Da ich inzwischen die schneebedeckten Felder hinter den Bäumen sehen konnte, drückte ich die Skogsrå von mir weg und beschleunigte meine Schritte.</p>



<p>In einer letzten Verzweiflungstat griff der Waldgeist nach meinem Handgelenk, versuchte, mich zurückzuhalten, aber ich riss mich wieder los und trat aus dem Wald hinaus. Erleichtert atmete ich auf, als ich ihre Schritte nicht länger hinter mir hören konnte.</p>



<p>„Du wirst es nicht schaffen!“, rief sie mir nach. Jegliche Zärtlichkeit war jetzt aus ihrer Stimme gewichen. „Du gehst in deinen eigenen Untergang!“</p>



<p>Fast hätte ich mich zu ihr umgedreht. Ich erinnerte mich gerade noch rechtzeitig, dass ich während des Årsgångs nicht zurückblicken durfte. Stattdessen atmete ich noch einmal tief durch und ging stur weiter. Ich spürte ihren Blick noch eine ganze Weile in meinem Rücken, während ich das Feld verließ und den schmalen von Fußabdrücken gezeichneten Weg betrat.</p>



<p>Dort strauchelte ich. Es lag aber nicht nur an dem plattgetretenen Schnee, auf dem ich fast wegrutschte, sondern auch an dem Schwindel, der sich langsam in mir ausbreitete.</p>



<p>Sanft schlug ich mir auf die Wangen, suchte mir einen Punkt in der Ferne, auf den ich mich konzentrieren konnte, um mich von meiner eigenen Schwäche abzulenken. Ich entschied mich für die bunten Lichter meines Dorfes. Wie jedes Jahr war es zu dieser Zeit festlich geschmückt.</p>



<p>„Das war aber nicht die feine schwedische Art“, ertönte plötzlich eine hohe, fiepsige Männerstimme hinter mir. „Haben deine Eltern dir beigebracht, so mit einer Frau umzugehen?“</p>



<p>Eine Gänsehaut zog sich über meinen ohnehin schon kalten Rücken. Die Stimme war direkt hinter meinem linken Ohr erklungen. Sehen konnte ich niemanden, aber ich wusste nicht, ob die Stimme keinen dazugehörigen Körper hatte, oder ob sich das Wesen bloß hinter mir aufhielt, da es genau wusste, dass ich mich nicht umdrehen durfte. Ein zweites Paar Füße, die durch den Schnee stapften, konnte ich jedenfalls nicht hören.</p>



<p>„Oh, tut mir leid. Hab ich dich erschreckt?“, fragte die Stimme weiter.</p>



<p>Hatte sie, aber zum Glück hatte ich es auch diesmal geschafft, mir nichts anmerken zu lassen.</p>



<p>„Mein Name ist Grímr, aber du darfst mich Grim nennen. Und wie heißt du?“, fuhr die Stimme unbeirrt fort. Diesmal erklang sie an meinem rechten Ohr.</p>



<p>Es war ein billiger Trick, um mich zum Reden zu bewegen. Aber natürlich war ich auf so etwas eingestellt und antwortete nicht.</p>



<p>„Nicht der redselige Typ, was? Also gut. Lass mich raten. Du heißt … Hmmm … Sven? Ja, Sven! Sven, der Schwede!“, brabbelte die Stimme weiter.</p>



<p>Hieß ich nicht. Mein Name war Thorbjörn. Aber selbst, wenn ich sprechen dürfte, hätte ich aus meinem ausgetrockneten Hals wahrscheinlich kein verständliches Wort herausbringen können, um die Stimme zu korrigieren.</p>



<p>Stattdessen konzentrierte ich mich stur weiter auf die bunten Lichter der Gemeinde. Nur, dass da auf einmal keine bunten Lichter mehr waren. Um mich herum war es plötzlich taghell. Ich ging zwischen zwei üppig bewachsenen Hefefeldern hindurch, auf denen ein Trecker die reiche Ernte einfuhr.</p>



<p>Staunend sah ich mich um, weiter darauf bedacht, nicht zurückzublicken. Solche Visionen waren normal während des Årsgångs. Sie bedeuteten, dass die Ernte nächstes Jahr gut werden würde. Aber ich hätte nie gedacht, dass sie sich so real anfühlen würden. Der Wind ließ das Getreide tanzen. Ich hörte Grillen in den Feldern zirpen. Fast konnte ich das warme Sonnenlicht auf meiner eiskalten Haut spüren.</p>



<p>„A-bab-bab! Sven, behalt deine Augen auf dem Weg!“, mahnte Grim.</p>



<p>Sofort verblasste die Vision um mich herum. Ich sah wieder die dunklen, kalten Felder, hörte wieder Schnee und Eis unter meinen Füßen knirschen.</p>



<p>Überrascht weitete ich die Augen. Die Stimme hatte es geschafft, die Vision zu unterbrechen. Davon hatte nichts in meinen Büchern gestanden. Wenn sie das beim Friedhof auch schaffen würde …</p>



<p>„Vielleicht wird es Zeit für einen Witz“, säuselte die Stimme weiter. „Wir wollen ja nicht, dass du noch einen Einblick in die Zukunft erhältst, oder?“</p>



<p>Die folgenden Minuten fühlten sich wie eine Ewigkeit an. Die ‚Witze‘, die Grim erzählte, bewegten sich alle auf dem Niveau von: „Treffen sich zwei Jäger. Beide tot.“ Um genau zu sein, war das sogar einer der Witze, die er erzählte.</p>



<p>Aber während das ganz und gar nicht meinen Humor traf, waren einige der Witze so bescheuert, dass ich fast lachen musste.</p>



<p>Krampfhaft dachte ich an meine Mutter, wie sie im Rollstuhl neben mir saß. Der Doktor erklärte uns, dass er ALS selten so schnell hatte fortschreiten sehen. Aber es gäbe da Medikamente, die den Verlauf verzögern könnten.</p>



<p>Ich kam erst wieder zurück ins Hier und Jetzt, als ich erneut strauchelte. Ich sah, wie Tränen meine Sicht verschleierten, und blinzelte sie schnell weg. Wenigstens war mir nicht mehr zum Lachen zu Mute, weshalb ich keine Probleme hatte, der weiteren Tirade aus Flachwitzen zu entgehen, bis wir endlich das Dorf erreichten.</p>



<p>Die bunten Lichter, die die Bäume und Häuser schmückten, schienen vor meinen Augen zu flimmern. Ich blinzelte mehrere Male, um den Schwindel zu vertreiben, aber er blieb hartnäckig. Auch bemerkte ich jetzt, wie schwer ich atmete. Obwohl ich nur einen kurzen Spaziergang hinter mir hatte, schnaufte ich wie nach einem Marathon. Blieb nur zu hoffen, dass mir an diesem Abend keine Menschen begegneten, die sich Sorgen um mich machten. Ich sah wahrscheinlich ziemlich scheiße aus.</p>



<p>Zum Glück traf ich bis zum Friedhof lediglich einen Schneemann, der mich bei meinem Gang beobachtete. Als ein Windstoß einen der Fichtenäste, aus denen seine Arme bestanden, zum Schwingen brachte, kam es mir fast so vor, als würde er mir aufmunternd zuwinken. Den längsten Weg hatte ich hinter mir. Bis zur Kirche waren es nur noch ein paar wenige, gut ausgeleuchtete Meter. Nur noch vorbei an dem bereits erwähnten Friedhof.</p>



<p>„Oh, guck mal! Ein Friedhof“, sagte Grim mit der Begeisterung eines Kindes beim Auspacken seiner Geschenke. „Sieh ihn dir genau an. Bald wirst du auch dort liegen!“</p>



<p>Ich kam seiner Aufforderung bereitwillig nach, betrachtete jedes einzelne Grab genauer, das ich finden konnte. Nicht nur, weil ich fürchtete, einer der Toten könne mir einen unerwarteten Besuch abstatten, um mein Ritual aufzuhalten, sondern auch weil der Friedhof einer der wichtigsten Orte beim Årsgång war, an dem man Visionen empfangen konnte. Hier konnte ich sehen, wer aus meiner Gemeinde im kommenden Jahr stirbt. Sollte ich hier irgendwelche Hinweise auf meine Mutter finden, hätte ich wenigstens Gewissheit.</p>



<p>Zuerst bemerkte ich gar nichts. Mir fiel lediglich auf, wie schwierig es war, das Gleichgewicht zu halten, wenn ich mich nicht auf den Weg konzentrierte. Ich war schon kurz davor, die Visionen abzuschreiben, als ich einen Oberkörper sah. Es war Herr Anderson, ein alter Mann, den ich nur vom gelegentlichen Grüßen auf der Straße kannte. Er stand in einem flachen frisch ausgeschaufelten Grab und starrte mich aus emotionslosen Augen an. Würde er mich nicht mit seinen Augen verfolgen, hätte ich ihn bereits für tot halten können.</p>



<p>„Hey! Sven! Wo siehst du wieder hin?“, drang erneut Grims Stimme an mein Ohr. „Du willst doch nicht stolpern und hinfallen, oder? Schau auf deine Füße!“</p>



<p>Aber diesmal ließ ich mich nicht von ihm ablenken. Ich behielt den Blick weiter auf den Friedhof gerichtet, als ich plötzlich stockte. ‚Maja Holmquist 22.07.2017 &#8211; 13.02.2024‘ stand auf einem der Grabsteine. Als ich genauer hinsah, bemerkte ich den kleinen blonden Haarschopf, der kaum über das hüfttiefe Grab daneben hinausragte.</p>



<p>Ein Kloß bildete sich in meinem Hals, während meine Augen wieder feucht wurden. Ich kannte Maja. Aber vor allem kannte ich ihre Mutter, Jonna. Wir waren zusammen zur Schule gegangen. Und jetzt lastete das Wissen auf mir, dass ihre Tochter bald sterben würde. Ein Jahr, nachdem sie sich endlich von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt hatte und es mit ihrem Leben wieder bergauf zu gehen schien.</p>



<p>Ich wischte eine Träne weg, die sich aus meinem Auge gelöst hatte. Erschrocken stellte ich dabei fest, wie sehr die Bewegung wehtat. Das wenige Gefühl, das ich in meinen halb erfrorenen Händen noch hatte, schien nur noch aus Schmerz zu bestehen. Wenn ich mich nicht beeilte, hatte ich bald größere Probleme als die tragische Zukunft eines Mädchens, an der ich nichts ändern konnte.</p>



<p>Außerdem waren da noch immer mein Hunger und der unerträgliche Durst. Ich fühlte mich so schwach, dass ich mich am liebsten auf den Boden gelegt hätte und einfach eingeschlafen wäre. Dann würde es nicht lange dauern und all meine Probleme hätten bald ein Ende …</p>



<p>Nein! Was dachte ich denn da? Das würde niemandem helfen! Weder mir noch meiner Mutter noch sonst wem. Nein. Ich musste weitergehen, hatte es schon so weit geschafft. Die Kirche lag fast direkt vor mir.</p>



<p>Trotzdem wusste ich, dass ich noch lange nicht am Ziel war. Es überraschte mich, wie wenig das Übernatürliche bisher versucht hatte, mich von meinem Årsgång abzuhalten. Andererseits wusste ich, was ich als Nächstes tun musste. Danach lag mein Schicksal nicht mehr in Gottes schützender Hand …</p>



<p><em>Fortsetzung folgt …</em></p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Årsgång (schwedisch für „Jahresgang“) ist eine alte schwedische Weissagungstechnik, die zu Heiligabend oder Silvester, seltener auch zu Midsommar, durchgeführt wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h3>



<p><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<p>Bei dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ritual</a> handelt es sich um eine nächtliche Wanderung unter speziellen Bedingungen. Wenn man dabei alles richtig macht, offenbaren sich den Durchführenden hierbei Ereignisse des kommenden Jahres – man kann also in die Zukunft sehen. Es begegnen einem jedoch auch verschiedenste übernatürliche Wesen, die den Årsgång verhindern wollen.</p>



<p>In einigen Versionen soll das Ritual außerdem magische Kräfte und einen Sinn für das Übernatürliche verleihen. Daher wurden Menschen, die den Årsgång erfolgreich durchgeführt haben, gleichermaßen verehrt und gefürchtet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbereitung:</h4>



<p>Bevor man das eigentliche Ritual des Årsgångs durchführen kann, muss man sich am Vortag komplett isolieren. Man muss tief in den Wald gehen, wo man weder sprechen noch etwas essen oder trinken darf. Außerdem darf man nicht in ein Feuer oder anderes Licht blicken und man darf niemandem von seinem Vorhaben erzählen.</p>



<p>Im modernen Kontext bedeutet das, dass man in der Zeit kein Handy, Tablet, Laptop, Radio o. Ä. benutzen darf und auch Taschenlampen oder andere Lichtquellen sollte man lieber zuhause lassen.</p>



<p>Durch den Tag in Dunkelheit und Isolation soll die durchführende Person zugänglich für die geistige Welt und das Übernatürliche werden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der erste Teil des Årsgångs:</h4>



<p>Um Punkt Mitternacht muss man sich schließlich auf den Rückweg ins Dorf oder in die Stadt machen. Ab jetzt beginnt das eigentliche Ritual:</p>



<p>Man muss zu Fuß zu einer Kirche gehen – entweder auf direktem Weg oder nachdem man vorher einige andere festgelegte Orte mit spiritueller Bedeutung wie z. B. Friedhöfe oder Kreuzungen abgegangen ist. So oder so sollte das Endziel immer die Kirche sein.</p>



<p>Währenddessen darf man weiterhin kein einziges Wort sagen, nicht lachen, keine Angst zeigen und nicht nach hinten Blicken. Auch darf man nicht von seinem zuvor festgelegten Weg abweichen.</p>



<p>Sollte man das nicht schaffen, kann das schwerwiegende Folgen haben. Oft werden die Konsequenzen nicht näher erläutert, aber es gibt Geschichten, in denen die Leute daraufhin wahnsinnig wurden, ein Auge oder ihre Sehkraft verloren, verstümmelt wurden oder für immer verschwunden sind.</p>



<p>Sollte man den Årsgång trotzdem wagen, kann es auf dem Weg zur Kirche bereits zu ersten Visionen, aber auch zu ersten Begegnungen mit dem Übernatürlichen kommen. Wenn der Wandernde z. B. an Feldern vorbeigeht, kann er Visionen empfangen, wie gut oder schlecht die Ernte des kommenden Jahres sein wird. Auch kann er ggf. einen Beerdigungszug sehen, wodurch er von dem Tod einer oder mehrerer Personen erfahren kann.</p>



<p>(Zugegeben: Beerdigungszüge sind in der heutigen Zeit eher ungewöhnlich. Allerdings könnte man, sofern man an einem Friedhof vorbeigeht, von Menschen erfahren, die im kommenden Jahr dort begraben werden.)</p>



<p>Während die Visionen hingegen der gewünschte Effekt sind, kann es bei der Begegnung mit dem Übernatürlichen zu ersten Herausforderungen kommen. Das Übernatürliche soll nämlich alles daransetzen, den Årsgång zu unterbrechen. Hauptsächlich werden die verschiedensten Wesen versuchen, den Wandernden zu erschrecken, ihn zum Lachen zu bringen oder ihn vom Weg abzubringen – alles Dinge, die den Årsgång mit sofortiger Wirkung beenden.</p>



<p>Ein beliebtes Motiv ist, dass man ein brennendes Haus sieht, manchmal sogar das eigene. Rennt man daraufhin los, um das Feuer zu löschen oder zu helfen, erkennt man, dass es nur ein Trick war. Der Årsgång ist gescheitert.</p>



<p>Ein Beispiel für eine lustige Situation, von der ich gelesen habe, beschreibt mehrere Ratten, die einen Karren mit Heu über eine Eisfläche ziehen. Eine der Ratten rutscht dabei auf dem Eis aus, fällt auf den Rücken und furzt dabei so laut, dass das Geräusch widerhallt. In der betreffenden Geschichte brach die Person daraufhin in Gelächter aus, wodurch auch sein Årsgång scheiterte.</p>



<p>Aber es kann auch zu lebensbedrohlichen Begegnungen mit dem Übernatürlichen kommen. So kann man z. B. Wiedergängern, also Untoten, deren bloße Berührung den Tod bringt, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/draugr" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Draugar</a>, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/trolle-mythologie" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trollen</a>, einer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/skogsra" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Skogsrå</a> oder Bäckahästen begegnen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der zweite Teil des Årsgångs:</h4>



<p><em>(Hinweis: Dieser Teil des Årsgång kommt erst im zweiten Teil der Geschichte vor. Solltet ihr ohne Vorwissen an die Geschichte herangehen wollen, empfehle ich euch, diesen Abschnitt vorerst zu überspringen.)</em></p>



<p>Bei der Kirche angekommen hat man die längste Strecke hinter sich, jedoch noch nicht die größte Herausforderung. Die Wandernden müssen hier beginnen, die Kirche dreimal oder siebenmal gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden, während sie einem bestimmten Muster folgen. Z. B. müssen sie jedes Mal in das Schlüsselloch pusten oder hineinspähen, wenn sie an der Kirchentür vorbeikommen, oder durch jedes Kirchenfenster spähen, dass sie erreichen. In einer Quelle war sogar davon die Rede, ein Gebet dreimal rückwärts aufzusagen, ehe man in das Schlüsselloch pustet. Das Pusten in das Schlüsselloch symbolisiert übrigens, dass man seinen Glauben abgibt – wenn auch nur vorübergehend.</p>



<p>Bei den Umrundungen empfängt der Durchführende weitere Visionen – entweder auf dem Kirchgrundstück oder innerhalb der Kirche, wenn er hineinspäht.</p>



<p>So kann er z. B. sehen, welche Leute im kommenden Jahr heiraten oder sterben, wenn er die Hochzeit oder Trauerfeier sieht. Sollte ein Friedhof auf dem Kirchgrundstück liegen, kann es außerdem passieren, dass der Wandernde neue Gräber sieht, in denen entweder eine noch lebende Person liegt, die im kommenden Jahr stirbt oder deren Name auf dem Grabstein steht.</p>



<p>Aber Vorsicht: Viele Årsgång-Legenden erzählen davon, dass die Durchführenden ihren eigenen Tod für das kommende Jahr vorausgesehen haben.</p>



<p>Je mehr Runden man um die Kirche geht, desto klarer und häufiger sollen die Visionen werden, aber auch das Übernatürliche wird immer stärker versuchen, den Årsgång zu unterbrechen. Hierbei kann es auch zu physischer Gewalt und Mordversuchen kommen. Da, wie bereits erwähnt, sogar die bloße Berührung durch Untote und <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a> zu Unglück, Krankheit oder sogar Tod führen kann, muss man sich also sehr in Acht nehmen.</p>



<p>Ist die Person kurz davor, das Ritual zu vollenden, soll schließlich Gloson, ein Geisterschwein, von dem ich im zweiten Teil des Weihnachts-Specials ausführlich berichten werde, als letzte Hürde auftauchen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Nach dem Årsgång:</h4>



<p>Hat man es geschafft, den Årsgång zu beenden, hat man in den Visionen die Zukunft seiner Gemeinde gesehen und dem Übernatürlichen getrotzt.</p>



<p>Aber obwohl man nun nach Hause gehen kann, heißt das nicht, dass man den Årsgång fortan ignorieren darf, denn das Wort „Jahresgang“ kommt nicht von ungefähr. Es ist eine jährliche Tradition, die die meisten Årsgång-Durchführenden jedes Jahr wiederholt haben. Dadurch sollen sie nicht nur mit jedem Jahr ihr Gespür für das Übernatürliche und ggf. ihre neugewonnenen magischen Fähigkeiten verstärkt haben, sondern auch die Gefahren des Årsgång können im Laufe der Jahre zunehmen.</p>



<p>Ob die Personen den Årsgång jedes Jahr freiwillig aufs Neue durchgeführt haben oder es tun mussten, habe ich nicht herausfinden können. Zwar habe ich davon gelesen, dass man sonst seine magischen Fähigkeiten wieder verliert oder einem das Übernatürliche oder der Teufel persönlich einen Hausbesuch abstattet, aber die meisten Texte beschreiben lediglich den Årsgång selbst.</p>



<p>Allerdings gibt es einen Bericht von einem Mann, der das Ritual angeblich viele Jahre in Folge durchgeführt hat. Als er schließlich zu alt und schwach wurde, um sich dem Übernatürlichen zu widersetzen, ist er von seinem letzten Årsgång nie zurückgekehrt – er hat es also selbst dann nicht gewagt, den Årsgång ausfallen zu lassen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Moderne Version:</h4>



<p>Der Årsgång wird inzwischen nicht mehr wirklich praktiziert. Trotzdem habe ich eine moderne Version des Årsgångs gefunden. Sie ist deutlich ungefährlicher, da man keinen ganzen Tag allein im kalten Wald verbringt.</p>



<p>Stattdessen muss sich die durchführende Person am Tag vor dem tatsächlichen Gang, also den Tag vor Heiligabend oder Silvester, komplett isolieren. Sie muss sich in einen abgedunkelten Raum setzen, darf nichts essen, nichts trinken und darf nicht sprechen. Auch hier bedeutet das natürlich, auf Handy, Tablet, PC, Radio, Fernseher usw. zu verzichten. Das Ziel dieser Isolation ist es, in eine Art meditativen Zustand zu gelangen, wodurch die Person zugänglicher für die geistige Welt und das Übernatürliche werden soll.</p>



<p>Sobald es Mitternacht wird, muss die Person schließlich das Haus verlassen und zur nächsten Kirche gehen. Ab hier sind das Ritual und die angeblichen Gefahren identisch.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die erste bekannte Erwähnung des Årsgångs findet sich in dem Manuskript „Småländska Antiqviteter“ (Småländische Antiquitäten). Sie wird auf ca. 1697 bis 1700 datiert und wurde von Petter Rudebeck verfasst.</p>



<p>Rudebeck bezeichnete den Årsgång in seinem Text als altes Ritual, was darauf hindeutet, dass er schon sehr viel älter als das Dokument sein könnte. Andererseits gibt es keinerlei Hinweise, dass bereits vor dem 17. Jahrhundert auch nur ein einziger Årsgång stattgefunden hat. Daher gibt es die Theorie, dass es sich bei dem Årsgång lediglich um eine recht alte urbane Legende handelt, die um die Zeit der ersten Erwähnungen erfunden wurde. Es ist aber auch durchaus möglich, dass er bis dahin hauptsächlich mündlich überliefert wurde und ältere Texte lediglich noch unentdeckt sind oder nicht bis heute überdauert haben.</p>



<p>Im Jahr 2013 ist außerdem ein Videospiel namens „Year Walk“ für iOS-Geräte herausgekommen, das den Årsgång thematisiert. Inzwischen gibt es das Spiel auch für den PC.</p>



<p><em>Was haltet ihr von dem Årsgång? Würdet ihr euch trauen, ein solches Ritual durchzuführen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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