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	<title>Creepypasta Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Mon, 10 Mar 2025 17:35:09 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Creepypasta Archive - Geister und Legenden</title>
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		<title>The Midnight Game – das Mitternachtsspiel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Feb 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wir legten die Zettel mit unseren Namen und unserem Blut davor auf den Boden, holten zwei Kerzen und stellten sie je auf den Zettel. Danach kramten wir die neuen Feuerzeuge hervor und zündeten sie einige Male an, um sicherzugehen, dass sie funktionierten. Sollte eines von beiden später versagen, könnte das unseren Tod bedeuten …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-midnight-game">The Midnight Game – das Mitternachtsspiel</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/7f0bcb6c36774ea782bb7498559ee0d6" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">The Midnight Game ist ein modernes <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ritual</a>, das vor etwas über 10 Jahren erstmals im Internet gepostet wurde. Da ich schon länger keinen Beitrag mehr über ein Ritual geschrieben habe, dachte ich, dass es sich gut für meinen nächsten Beitrag eignen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Selbstverletzung<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist kein Schönschreibwettbewerb“, kommentierte Mark mit einem Grinsen, während er mir dabei zusah, wie ich meinen Namen auf das Stück Papier zeichnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ mich davon nicht aus der Ruhe bringen. Sorgfältig schrieb ich weiter. Hierbei wollte ich mir keine Unsauberkeit erlauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mark war deutlich weniger zimperlich. Er schmierte seinen Namen auf das Papier, als wäre es ein Aufgabenzettel aus der Schule.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer gefühlten Ewigkeit war auch ich fertig. ‚Leonard Carsten Richter‘, stand in meiner schönsten Schrift da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was jetzt?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da hielt Mark mir auch schon eine Stecknadel entgegen. „Jetzt der Tropfen Blut“, sagte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beobachtete ihn, wie er mehrere Anläufe nahm. Immer wieder führte er seine Nadel an den Zeigefinger, atmete tief durch, zögerte und traute sich dann doch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt steck ihn schon rein“, scherzte ich bewusst zweideutig, nahm meine eigene Nadel und rammte sie mir, ohne innezuhalten, in den Daumen. Bei so etwas galt Augen zu und durch. Wenn man zögerte, kamen einem nur Gedanken, die einen davon abhielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drückte die Haut um den Einstich zusammen, sodass ein Tropfen Blut daraus hervorquoll. Anschließend hielt ich ihn so dicht an das Papier mit meinem Namen, dass der Tropfen darauf landete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war nur ein kleiner Tropfen, aber das musste genügen. Anschließend steckte ich meinen Daumen in den Mund. Sofort schmeckte ich den vertrauten eisernen Geschmack.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich zu Mark sah, erkannte ich, dass auch er es endlich geschafft hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit unseren Fingern in den Mündern warteten wir, bis das Blut in das Papier eingezogen war. Der erste Schritt des Rituals war vollendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Falls ihr euch fragt, was wir hier eigentlich machen, wir bereiten das Midnight Game vor. Es handelte sich dabei um ein altes heidnisches Ritual, mit dem man eine böse Entität namens the Midnight Man beschwören kann. So stand es zumindest im Internet. Wir hatten auf einer Creepypastaseite davon gelesen und waren beide hellauf begeistert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr müsst wissen, Mark und ich waren Fans vom Okkulten. Bereits in der Grundschule hatten wir zusammen das Bloody Mary Ritual durchgeführt, später versuchten wir dasselbe mit dem Candyman und sogar mit Hanako-san.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Passiert war natürlich nie etwas. Trotzdem könnt ihr euch unsere Begeisterung sicher vorstellen, als wir von „The Midnight Game“ erfahren hatten – einem dreieinhalbstündigen Ritual, das bei den Durchführenden zu schweren mentalen Schäden oder sogar dem Tod führen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirklich daran glauben taten wir natürlich beide nicht. Wir liebten allerdings den Nervenkitzel, die Momente, in denen man sich nie ganz sicher war, ob wir nicht vielleicht doch gerade in Lebensgefahr schwebten. Noch ahnten wir beide ja nicht, wie anders the Midnight Game werden würde …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes gingen wir noch einmal die Räume des alten Hauses ab, um sicherzugehen, dass nirgends mehr Licht brannte – eine der Regeln des Midnight Games. Die einzige Lichtquelle, die wir von Mitternacht bis 03:33 Uhr haben würden, war jeweils eine einzelne Kerze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend gingen wir weiter zur Haustür. Sie war aus massivem Holz. Wir legten die Zettel mit unseren Namen und unserem Blut davor auf den Boden, holten zwei Kerzen und stellten sie je auf den Zettel. Danach kramten wir die neuen Feuerzeuge hervor und zündeten sie einige Male an, um sicherzugehen, dass sie funktionierten. Sollte eines von beiden später versagen, könnte das unseren Tod bedeuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entschlossen zündeten wir die Kerzen an, ehe wir auch das Licht im Flur ausschalteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mark holte sein Smartphone heraus. Er öffnete die Weltuhr. „In einer Minute ist Mitternacht. Genau zweiundzwanzig Sekunden vorher fangen wir mit dem Klopfen an“, erklärte er unnötigerweise. Den Plan hatten wir bestimmt schon ein Dutzend Mal durchgesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den Midnight Man zu beschwören, mussten wir genau zweiundzwanzig Mal gegen die Tür klopfen. Das letzte Klopfen musste dabei auf Punkt Mitternacht fallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angespannt wartete ich, bis Mark anfing, die Sekunden anzusagen. „Noch zehn Sekunden. Fünf Sekunden. Drei, zwei, eins, jetzt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort fingen wir mit dem Klopfen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eins, zwei, drei“, zählte Mark laut mit. Er hielt dabei den Blick stur auf sein Smartphone gerichtet, während er den Takt vorgab. „Neunzehn, zwanzig, einundzwanzig, zweiundzwanzig.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auf Kommando begann in genau diesem Moment die große Standuhr im Flur zu schlagen. ‚<em>Ding Dong, Ding Dong</em>‘, tönte sie laut. Ich zählte mit. Genau zwölf Schläge. Mitternacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie sich eine wohlige Gänsehaut über meinen Rücken zog. „Also dann“, sagte ich. „Mögen die Spiele beginnen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mark griff nach der Türklinke und öffnete die Haustür. Anschließend beugten wir uns zu unseren Kerzen und pusteten sie aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war’s. Wir hatten dem Midnight Man gerade erlaubt, mein Elternhaus zu betreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment hörte ich, wie Mark die Haustür wieder schloss. Schnell kramte ich mein Feuerzeug hervor. Ich war froh, dass Mark in der Dunkelheit nicht sehen konnte, wie panisch ich an dem Feuerzeug fummelte, um die Flamme anzubekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Kerzenschein sah ich, wie Mark mich angrinste. Genau wie ich steckte er voller angespannter Erwartung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na los“, flüsterte er, „lass uns in Bewegung bleiben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war eine weitere Regel des Midnight Games. Wir durften niemals zu lange an einem Ort verweilen, oder der Midnight Man würde uns finden. Wenn er das tat, würden unsere Kerzen ausgehen. Dann hatten wir genau zehn Sekunden Zeit, die Flammen wieder zu entzünden. Sollten wir das hingegen nicht schaffen, mussten wir schnell einen schützenden Kreis aus Salz um uns ziehen. Ansonsten würden wir eines grausamen Todes sterben.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Anfang passierte noch nicht viel. Trotzdem kam mir das Haus völlig fremd vor. Obwohl ich hier schon seit fünfzehn Jahren wohnte, war es fast so, als erkannte ich die Räume im schwachen Licht unserer Kerzen nicht wieder. Nicht nur, dass die Möbel – die Schränke im Flur, die Stühle in der Küche, sogar die offenen Türen – nur als schemenhafte Umrisse auftauchten, auch waberten überall über die Wände Schatten, die im flackernden Licht fast lebendig wirkten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir das Wohnzimmer betraten, erstarrte ich. In einigen Metern Entfernung starrten uns zwei leuchtende Augen aus der Dunkelheit an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, flüsterte Mark mir zu. Sein Körper wirkte angespannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße!“, fluchte ich leise. Dann musste ich lachen. „Ich hab die Reflexion im Fenster gerade für zwei Augen gehalten.“ Ich deutete auf die beiden kleinen Flammen, die sich in der Fensterfront spiegelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt lachte auch Mark leise. „Mach nicht gleich so ne Panik. Wenn wir keinen kühlen Kopf bewahren, sehen wir den Midnight Man gleich an jeder …“ Er brach mitten im Satz ab. Seine Augen waren ungläubig geweitet, ehe er plötzlich den Arm mit der Kerze ausstreckte und in Richtung Sofa leuchtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich folgte seinem Blick, konnte aber nichts Ungewöhnliches entdecken, ehe Mark mich wortlos am Arm packte und zurück in den Flur zerrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir gingen noch einige Meter weiter, ehe ich mich traute, etwas zu sagen. Das Verhalten war für Mark absolut untypisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was?“, flüsterte ich, so leise, dass ich fast befürchtete, mein Freund würde mich nicht hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mark sah mich mit großen Augen an. „Da hat sich was bewegt“, erklärte er. Auch er sprach so leise, dass ich mich anstrengen musste, um alles zu verstehen. „Irgendeine Art Schatten. Direkt beim Sofa.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Prüfend musterte ich ihn, suchte nach irgendetwas, das darauf hindeutete, dass er mich bloß ärgern wollte. Aber sein Blick war todernst. Auch sah es im Kerzenschein so aus, als sei seinem Gesicht sämtliche Farbe entwichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, du spinnst. Das hast du dir eingebildet“, sagte ich dann. Ich lachte nervös. „Wer macht jetzt wem Panik?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mark gab mir ein schiefes Lächeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne ein weiteres Wort zu sagen, setzten wir uns wieder in Bewegung. Wieder gingen wir durch die verschiedenen Räume. Jetzt bildete auch ich mir ein, aus dem Augenwinkel Bewegungen in der Dunkelheit zu sehen. Aber nein, meine Augen spielten mir einen Streich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann jedoch kam zu den Bewegungen ein Geräusch hinzu. Es war eine Art Säuseln. Oder ein Flüstern?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gerunzelter Stirn sah ich zu Mark. „Hörst du das?“, zischte ich ihm zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hielt in der Bewegung inne. Jetzt lauschten wir beide angespannt. Da war definitiv eine Art Flüstern. Nur, dass ich nicht erkennen konnte, wo es herkam. Auch konnte ich keinerlei Worte darin ausmachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ding Dong.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mark und ich zuckten gleichermaßen zusammen. Vor Schreck hätte ich fast die Kerze fallenlassen. 1 Uhr. Wir hatten erst eine Stunde in dem Ritual ausgehalten und ich hatte schon jetzt das Gefühl, langsam den Verstand zu verlieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder lachte ich nervös. Diesmal um mein schweres Atmen zu überdecken. Ehe ich jedoch etwas sagen konnte, waren wir plötzlich in Dunkelheit gehüllt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig starrte ich auf die nachglimmende Spitze des Dochts vor mir. Marks und meine Kerze waren im exakt selben Augenblick ausgegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment kramten wir hektisch unsere Feuerzeuge hervor, während wir zurück in den Flur stolperten. Es klackerte, während wir versuchten, sie einzuschalten. Dann endlich gab es wieder Licht. Mark hatte es als erstes geschafft, seine Kerze wieder zu entzünden, und hielt mir mit ernster Miene das Feuerzeug hin. Dankbar hielt ich auch meinen Docht in die Flamme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Heilige Scheiße, was war das?“, flüsterte ich, nachdem wir sichergegangen waren, dass um uns herum alles normal aussah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht ein Windzug?“, erwiderte Mark. Er hatte immer für alles eine Erklärung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wahrscheinlich hatte er recht. Außer … Aber nein. The Midnight Game war nur ein Spiel. Eine Mutprobe unter Freunden. Genau wie Bloody Mary und all die anderen Rituale. Nichts davon war echt. Ich durfte mich jetzt wirklich nicht wegen sowas verrückt machen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hatte ich ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, während wir weitergingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen sah ich in allen Ecken Bewegungen. Dunkle Schatten, die sich aufrichteten. Natürlich wusste ich, dass mein Hirn mir nur Streiche spielte. Dennoch hätte ich mehr als einmal am liebsten das Licht eingeschaltet, um mich wirklich davon zu überzeugen. Aber das war gegen die Regeln. Und wenn an dem Ritual auch nur ein kleines Fünkchen Wahrheit war, wollte ich nicht herausfinden, was mit Regelbrechern geschehen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Runde für Runde schlichen wir durch die Zimmer. Nur das Wohnzimmer und das Gästezimmer, in dem ich vorhin das Geflüster gehört hatte, ließen wir aus. Die Bewegungen, die ich sah, wurden dabei immer häufiger. Auch kam mir die Stille manchmal gar nicht mehr so still vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist dir auch plötzlich so kalt?“, flüsterte ich Mark zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch er zuckte mit den Schultern. „Nicht kälter als eben“, antwortete er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie konnte Mark bei all dem nur so cool bleiben? Das Einzige, was mich noch bei Verstand hielt, war die Tatsache, dass unsere Kerzen erst ein einziges Mal ausgegangen waren. In den meisten Zeugenaussagen aus dem Internet geschah das sehr viel häufiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich hatte Mark also recht: Es war nur ein Windzug gewesen, der die Kerzen ausgepustet hatte. Der würde auch das säuselnde Geräusch erklären. Das Haus war alt. Da kam so etwas schon einmal vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Schatten? Das war nichts als meine Fantasie. Natürlich bildete ich mir Dinge ein, wenn ich die letzten Tage ständig davon gelesen hatte. In der Dunkelheit ließen die Augen sich nun einmal sehr leicht austricksen. Wenn ich mich jetzt also nicht beruhigte, würde es bloß schlimmer werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch, dachte an all die anderen Rituale, bei denen auch nie etwas geschehen war. Ich war in Sicherheit. Wir waren in Sicherheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es funktionierte. Langsam beruhigte sich mein Herzschlag wieder. Von mir selbst belustigt schüttelte ich den Kopf. Natürlich war das alles nur Einbildung gewesen. Genau wie die dunkle Gestalt, die jetzt vor uns beiden stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Augen weiteten sich. Und auch Mark war wie angewurzelt stehengeblieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gestalt vor uns war anders als die schattenhaften Bewegungen, die ich bisher gesehen hatte. Sie war dunkler. Um genau zu sein, erkannte ich sie nur, weil sie noch schwärzer als die Dunkelheit hinter ihr war. Sie stach nahezu daraus hervor. Außerdem war ihre Form eindeutig menschlich. Sie war groß und dünn, hatte deutlich erkennbare Arme. Einen Torso. Einen Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann bewegte sie sich. Es sah aus, als würde sie einen Arm nach uns ausstrecken. Und plötzlich … Schwärze. Unsere Kerzen waren zeitgleich erloschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panik stieg in mir auf. Noch während ich in meiner Hosentasche nach dem Feuerzeug kramte, stolperte ich rückwärts davon. Ich rannte zurück in den Flur, versuchte hektisch, meine Kerze wieder anzuzünden. Wie viele Sekunden waren vergangen, seit die Kerze erloschen war? Ich wusste es nicht, hatte nicht mitgezählt. Waren es schon zehn Sekunden?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Klack. Klack.</em> Wieso kam kein Feuer? <em>Klack.</em> Dann endlich wurde es hell. Die winzige Flamme meines Feuerzeugs kam mir vor wie ein rettendes Leuchtfeuer. Schnell hielt ich sie an meine Kerze und entzündete den Docht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes sah ich mich um. Von der dunklen Gestalt fehlte jede Spur. Jedoch auch von Mark.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich unterdrückte ein Fluchen. Wieso hatte ich nicht darauf geachtet, wo er hingelaufen war? Ohne zu zögern, ging ich zurück. Meine Füße bewegten sich schnell und leise über den alten Holzboden. Gleichzeitig achtete ich auf jede Bewegung, jeden Schatten, der mir merkwürdig vorkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich um eine Ecke bog, rannte ich fast in Mark hinein. Mein Herz machte einen Hüpfer. Die Flamme von Marks Kerze streifte mein Gesicht. Gerade noch so konnten wir verhindern, ineinander zu laufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fuck!“, stieß ich aus. Diesmal konnte ich das Fluchen nicht unterdrücken. Ich atmete tief durch. „Du hast das doch auch gesehen, oder?“, fragte ich. „Die schwarze Gestalt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja.“ Mark nickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße, scheiße, scheiße!“, fluchte ich. „Das ist kein Spiel!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich eilte in den Flur zurück, diesmal darauf bedacht, dass Mark mir folgte. Dort stellte ich die Kerze auf den Boden und fummelte die Packung Salz aus meiner Hosentasche, die ich für den Notfall eingesteckt hatten. Ich weiß noch, wie Mark mich dafür ausgelacht hatte. Aber ich war lieber auf Nummer sicher gegangen. Immerhin sollte man in einem Kreis aus Salz vor den Midnight Man sicher sein. Auch wenn ich nie gedacht hätte, dass wir das Salz wirklich brauchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Behutsam streute ich den Inhalt in einem Kreis um mich auf den Boden. Ich machte ihn groß genug, damit Mark ebenfalls darin Platz finden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hingegen blieb einige Meter vor mir stehen. Im schwachen Kerzenlicht konnte ich den Zweifel in seinem Gesicht erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt komm schon! Bevor der Midnight Man wieder auftaucht“, forderte ich ihn auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Mark bewegte sich nicht. „Das … Das ist doch verrückt. Es gibt keinen Midnight Man. The Midnight Game ist nicht echt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und wenn doch?“, erwiderte ich. „Jetzt komm endlich her! Wem willst du denn noch was beweisen? Du hast länger durchgehalten als ich, okay?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mark zögerte. Ich konnte es deutlich erkennen. Doch dann schüttelt er den Kopf. „Nein“, sagt er entschlossen. „Es ist schon fast zwei Uhr. Die letzten anderthalb Stunden halt ich auch noch durch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verdammter Sturkopf! Er war schon immer der Vernünftige von uns gewesen. Wahrscheinlich war er sich sicher, dass die Gestalt nur Einbildung gewesen war. Natürlich hoffte ich das auch. Aber ich würde nicht länger mein Leben darauf verwetten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich muss in Bewegung bleiben“, fügte Mark knapp hinzu. Ehe er sich jedoch umdrehen konnte, war er plötzlich verschwunden. Vor mir lag nur noch Dunkelheit. Seine Kerze war wieder erloschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Anspannung hielt ich den Atem an. Im Kopf zählte ich mit: 1, 2, 3. Angestrengt starrte ich in die Schwärze. 4, 5, 6. Wo blieb die Flamme seines Feuerzeugs? 7, 8, 9, 10. Nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mark?“, rief ich zaghaft. Ich traute mich nicht, lauter zu rufen. „Mark, bist du da?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen kurzen Moment überlegte ich, ob mein Freund mich auf den Arm nahm. Dann hörte ich jedoch ein angsterfülltes Gewimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein … Nein!“, jammerte Mark. Noch nie hatte ich so viel Panik in seiner Stimme gehört. „Nein, nein, nein, nein, nein!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, nahm ich all meinen Mut zusammen, umklammerte meine Kerze und trat aus dem Salzkreis hinaus. Mit ausgestreckter Kerzenhand ging ich auf das Gewimmer zu. Zuerst sah ich nur die Dielen im Licht der Kerze, dann unsere Kommode und direkt daneben einen völlig verängstigten Mark.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er saß mit dem Rücken an die Wand gedrängt, die Arme schützend erhoben, während er entsetzt in die Luft starrte. „Nein, nein, nein!“, jammerte er weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mark. Mark, ich bin es“, versuchte ich, ihn zu beruhigen. Ich versuchte, nach seiner Schulter zu greifen, doch er schlug meinen Arm sofort weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einem zweiten und dritten Versuch gab ich auf. Er erkannte mich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also stellte ich meine noch brennende Kerze auf den Boden. Ich packte mit beiden Armen nach Marks Schultern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er wehrte sich mit Leibeskräften. Was auch immer er in der Dunkelheit sah, es musste ihm panische Angst bereiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich ihn also auf die Beine zog, schlug und trat er um sich. Es tat verdammt weh, aber ich schluckte den Schmerz hinunter. Wenn die Internetseiten recht hatten, auf denen wir über the Midnight Game gelesen hatten, würde der Midnight Man Mark umbringen, während er ihm Visionen seiner schlimmsten Ängste zeigte. Das musste ich auf jeden Fall verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Ahnung, wie ich es bewerkstelligte, aber schließlich schaffte ich es, Mark in Richtung Salzkreis zu bewegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen zuckte sein Kopf hin und her. Sein Gewimmer war zu Schreien übergegangen. „Nein! Nein, nein!“, schrie er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich standen wir beide im Salzkreis. Für einen kurzen Moment sah Mark mich direkt an. Es war, als würde er mich endlich erkennen. Dann sackte er am Boden zusammen und fing bitterlich an zu weinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich mit meinem Feuerzeug kontrolliert hatte, ob der Kreis noch intakt war und zwei Stellen ausgebessert hatte, widmete ich mich schließlich Mark.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unbeholfen streichelte ich über seinen Rücken. „He. Alles wird gut“, redete ich beruhigend auf ihn ein. „Wir sind jetzt in Sicherheit.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die restliche Zeit des Rituals, bis 03:33 Uhr, als der Midnight Man wieder verschwinden sollte, verharrten wir fast reglos im Salzkreis. Zum Glück geschah, abgesehen davon, dass meine Kerze recht schnell erlosch, nichts Ungewöhnliches mehr. Trotzdem sprach Mark in der gesamten Zeit kein einziges Wort mehr. Erst, als nach gefühlten Ewigkeiten unsere Handywecker gleichzeitig losgingen und das Ende des Midnight Games verkündeten, sprang er ruckartig auf und rannte zum nächsten Lichtschalter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Klack.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Flur lag völlig ruhig vor uns. Wären da nicht der Salzkreis, die beiden erloschenen Kerzen und zwei blutbefleckten Papiere bei der Eingangstür gewesen, hätte wohl niemand geahnt, dass hier gerade ein dunkles Ritual durchgeführt worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mark hingegen sah man es deutlich an. Er war noch immer leichenblass, sah völlig verheult aus und zitterte am ganzen Körper. In dieser Nacht hatten wir im selben Bett geschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber obwohl Mark am nächsten Morgen schon deutlich besser aussah, war er seit jener Nacht nie wieder derselbe gewesen. Er lachte weniger, hatte wohl oft noch Albträume. Seitdem haben wir jedenfalls einen großen Bogen um alles gemacht, was auch nur ansatzweise okkult wirkte.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Midnight Game, englisch für „das Mitternachtsspiel“, ist ein Ritual, das ursprünglich als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/creepypasta" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Creepypasta</a> veröffentlicht wurde. Mit dem Ritual wird angeblich ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a> namens „The Midnight Man“ beschworen, das versucht, die Durchführenden zu töten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen gibt es unzählige Menschen, die das Ritual durchgeführt oder eigene Geschichten dazu geschrieben haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich soll the Midnight Game ein altes heidnisches Ritual sein, das dazu genutzt wurde, Anhänger der betreffenden heidnischen Religion zu bestrafen, wenn sie gegen die Regeln verstoßen haben. Um welche heidnische Religion es sich dabei genau gehandelt haben soll, ist jedoch nicht bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass das Ritual zu schweren mentalen Schäden oder sogar zum Tod führen kann. Sollte man das Ritual nicht schaffen, soll der Midnight Man seinen Opfern Halluzinationen ihrer größten Ängste erscheinen lassen, während er ihnen die Organe herausreißt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine positive Folge oder einen anderen Grund, warum man das Ritual durchführen sollte, gibt es nicht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbereitung:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Für das Ritual benötigt man eine Kerze, ein Feuerzeug oder Streichhölzer (möglichst zuverlässig, sodass man die Kerze oft und möglichst schnell wieder entzünden kann), ein Blatt Papier, etwas zum Schreiben, Salz (genug, um einen schützenden Kreis um sich auf den Boden zu streuen), eine Holztür sowie einen Tropfen des eigenen Blutes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Erstes muss man seinen vollständigen Namen (inkl. mittlere Namen, falls vorhanden) auf das Papier schreiben. Anschließend muss man einen Tropfen des eigenen Blutes auf das Papier träufeln und warten, bis das Papier das Blut aufgesaugt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann soll man alle Lichter im Haus ausschalten und das Papier mit dem Namen vor die Holztür legen. Die Kerze muss auf das Papier gestellt und angezündet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes muss man genau 22-mal an die Holztür klopfen. Wichtig hierbei ist, dass das letzte Klopfen auf Punkt Mitternacht fallen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man nun die Tür öffnet, die Kerze auspustet und die Tür wieder schließt, soll der Midnight Man im Haus auftauchen und das Ritual beginnt. Jetzt sollte man die Kerze, so schnell es geht, wieder anzünden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">The Midnight Man:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Viel ist über den Midnight Man nicht bekannt. Man weiß nur, dass er während des Rituals als pechschwarze humanoide Gestalt oder als Schatten auftauchen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch soll man seine unmittelbare Nähe an einem plötzlichen Temperaturabfall und einem Geflüster, das aus keiner bestimmten Richtung zu kommen scheint, erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man den Midnight Man sieht oder wahrnimmt, wird empfohlen, den Raum schnellstmöglich zu verlassen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ablauf:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald der Midnight Man beschworen ist, sollte man nicht zu lange an ein und demselben Ort verharren, um nicht von ihm gefunden zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem darf man kein einziges Licht einschalten (auch keine Taschenlampe o. Ä.) und muss dafür sorgen, dass die Kerze die ganze Zeit über brennt. Sollte die Kerze ausgehen, muss man sie innerhalb von 10 Sekunden erneut entzünden, oder – falls man das nicht schafft – einen Kreis aus Salz um sich herumstreuen. Diesen Kreis darf man während des Rituals nicht mehr verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man es schafft, bis genau 03:33 Uhr zu überleben – egal, ob durch in Bewegung bleiben und die Kerze am Brennen halten oder, indem man im Salzkreis verweilt – hat man das Ritual erfolgreich beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gesondert erwähnt sind zusätzlich die Regeln, dass man während des Rituals nicht einschlafen darf, nicht das Blut einer anderen Person auf das Papier träufeln darf, kein Feuerzeug statt der Kerze verwenden kann und, dass man den Midnight Man unter keinen Umständen beleidigen oder sonst wie verärgern darf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Des Weiteren heißt es, dass, sollte man das Ritual überleben, der Midnight Man, auch, wenn er keine unmittelbare Gefahr mehr darstellt, die durchführenden Personen (wahrscheinlich ihr ganzes Leben lang) weiter beobachten wird.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Einigen Seiten zufolge wurde die älteste Version von the Midnight Game ursprünglich auf 4chan gepostet. Den alten 4chan-Post habe ich zwar nicht finden können, die ältesten beiden Versionen, die ich ausfindig machen konnte (ein Bild auf <a href="https://imgur.com/gallery/lets-play-midnight-game-gentlemen-j4RZw#-1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">imgur</a> von 2011 und ein Post in der <a href="https://creepypasta.fandom.com/wiki/Midnight_Game">Creepypasta Wiki</a> von 2012) sind jedoch identisch, weshalb ich davon ausgehe, dass sie denselben Text wie auf 4chan beinhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor den besagten Posts habe ich keine Erwähnung des Rituals finden können. Die einzige ältere Übereinstimmung ist der Film „The Midnight Man“ von 1974, der abgesehen vom Namen keine Gemeinsamkeiten mit dem Ritual hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch deutet das Ritual an sich darauf hin, dass es sich um eine neuere Erfindung und nicht tatsächlich um ein „altes heidnisches Ritual“ handelt. Zum einen waren die meisten Häuser früher sehr viel kleiner, sodass man nicht vor dem Midnight Man hätte flüchten können, zum anderen wäre das erneute Entzünden einer erloschenen Kerze innerhalb von 10 Sekunden mit damaligen Mitteln ein Problem gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ritual selbst kann hingegen tatsächlich funktionieren. Bzw. könnten durchführende Personen tatsächlich denken, dass es funktioniert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wann man in einem dunklen Haus umherstreift, dabei nichts außer einer flackernden Kerze als Lichtquelle hat, ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich Dinge einbildet. Wenn jetzt noch Faktoren wie Angst, Nervosität und Müdigkeit hinzukommen, kann es passieren, dass die Durchführenden tatsächlich eine dunkle Gestalt sehen, seltsames Geflüster hören oder sich einbilden, dass es kälter wird. Da dies wiederum die Nervosität oder Angst noch weiter steigern kann, kann es sein, dass einige Personen in dieser Situation tatsächlich zu halluzinieren beginnen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Midnight Game in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der Beliebtheit der Creepypasta gab es bereits zahlreiche Personen, die das Ritual selbst ausprobiert oder eigene Geschichten dazu geschrieben haben. Dementsprechend lassen sich viele Creepypastas, Zeugenaussagen und Kurzgeschichten finden, die von dem Ritual handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es den irischen Low-Budget-Film „The Midnight Game“ (2013) sowie den US-amerikanischen Film „The Midnight Man“ (2016), die von dem Ritual handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2014 hat Unicorn Studios sogar ein gleichnamiges Videospiel herausgebracht, in dem das Ritual nachgestellt wurde. Es fand Anklang bei zahlreichen Let’s Playern, die die Bekanntheit des Rituals somit weiter gepusht haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von the Midnight Game? Würdet ihr das Ritual durchführen? Habt ihr es vielleicht schon einmal getan? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Slenderman – Du darfst nicht mit ihm gehen! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 May 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Creepypasta]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er stand regungslos da und starrte mich aus seinem blanken, weißen Gesicht an. Er hat zwar keine Augen, aber ich spürte ganz deutlich, dass er mich ansah. Und dann … war er verschwunden. Vom einen zum nächsten Moment war er nicht mehr da …</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Heute geht es um Slenderman, ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monster</a>, dass die meisten von euch bereits kennen dürften. Aus zeitlichen Gründen habe ich entschieden, diesmal wieder einen alten Beitrag zu überarbeiten. In zwei Wochen kommt dann noch ein neuer Beitrag, ehe ich zwei Wochenenden keine Zeit zum Schreiben habe. Aber mehr dazu im nächsten Beitrag. Jetzt wünsche ich euch erst einmal:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Paranoide Schizophrenie. Das hatte meine Psychiaterin diagnostiziert. Erst wollte ich es nicht wahrhaben. Sowas kannte ich sonst nur aus Filmen, meist von den grausamsten Tätern aus irgendwelchen Krimiserien. Andererseits war es um Welten besser als die Alternative …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles hatte vor einigen Wochen angefangen. Damals hatte ich mich sehr intensiv mit dem Creepypasta-Monster Slenderman auseinandergesetzt. Eine Freundin aus der Uni hatte mich auf die Idee gebracht. Sie hatte mir ein Videospiel gezeigt, in dem man von Slenderman verfolgt wurde, und auch, wenn ich mich definitiv nicht als Gamerin bezeichnen würde, hatte es mir echt Spaß gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur ein paar Tage später hatte Slenderman mich völlig in den Bann gezogen. Ich klickte mich durch Internetwikis und Creepypastastorys, las den kompletten Forenbeitrag, in dem Slenderman angeblich erfunden wurde, und spielte sogar noch andere Spiele, in denen Slenderman vorkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich schließlich anfing, von ihm zu träumen, dachte ich mir nichts weiter dabei. Ja, die Träume waren unheimlich, fast erdrückend, aber ich hatte mich eben viel mit ihm beschäftigt. Und auch die schattenhafte Gestalt, die ich gelegentlich aus dem Augenwinkel sah, schob ich auf meine rege Fantasie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles änderte sich jedoch, als Slenderman das erste Mal wahrhaftig vor mir stand. Ich war aus einem Traum aufgeschreckt. Das beklemmende Gefühl, beobachtet zu werden, das Slenderman immer in meinen Träumen verursachte, verfolgte mich diesmal in die wirkliche Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit beschleunigtem Atem spähte ich durch das Zimmer, ehe mein Blick an einer Silhouette bei der Tür hängenblieb. Die Form war eindeutig, trotzdem streckte ich meine Hand blind nach der Nachttischlampe aus. Ich erfühlte den kleinen Knopf und schaltete das Licht ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war das erste Mal, dass ich den echten Slenderman sah. Er stand regungslos da und starrte mich aus seinem blanken, weißen Gesicht an. Er hat zwar keine Augen, aber ich spürte ganz deutlich, dass er mich ansah. Und dann … war er verschwunden. Vom einen zum nächsten Moment war er nicht mehr da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein gesamter Körper war von einer Gänsehaut überzogen, während ich panisch darüber nachdachte, was gerade passiert war. Hatte ich ihn mir bloß eingebildet? War ich vielleicht noch nicht ganz wach gewesen? Ich hatte mal von sogenannten Schlafparalysen gelesen, in denen man im halbwachen Zustand fürchterliche Kreaturen sehen kann, die einem im Bett auflauern. Und auch das beklemmende Gefühl wurde von den meisten Leuten beschrieben, die von ihren Schlafparalysen berichten. Andererseits war man bei einer Schlafparalyse bewegungsunfähig. Und ich hatte mich ganz eindeutig bewegt, als ich das Licht eingeschaltet habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Dühr? Sind Sie noch bei mir?“, riss mich eine Stimme aus meinen Gedanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen Moment, bis ich realisierte, dass ich Frau Dr. Brinkmann gegenüber auf einem Sofa saß. Ich war so sehr in Gedanken versunken gewesen, dass ich die Welt um mich herum völlig ausgeblendet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„’Tschuldigung“, antwortete ich meiner Psychiaterin. Ich hatte sie aufgesucht, nachdem ich Slenderman einige weitere Male gesehen hatte. „Ich war in Gedanken wieder bei unserer ersten Begegnung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Dr. Brinkmann lächelte mitleidig. „Keine Sorge, Frau Dühr. Mit ihren neuen Medikamenten dürfte es schnell besser werden. Wenn Sie heute noch Ihre erste Tablette nehmen, können sie die Nacht vielleicht schon wieder durchschlafen. Spätestens in zwei Tagen dürften die Tabletten aber ihre volle Wirkung entfaltet haben.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich im Bus nach Hause saß, war ich frohen Mutes. Ich hatte die erste Tablette direkt in der Apotheke genommen. Zwar sah ich Slenderman noch während der Fahrt an einer verlassenen Bushaltestelle stehen, aber ich schloss bloß die Augen und stellte mir vor, wie mein Leben ohne die Halluzinationen aussehen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem konnte ich das Gefühl des Unwohlseins nicht ganz unterdrücken. Ich musste Slenderman nicht mehr ansehen, um ihn mir detailgetreu vorstellen zu können. Und so zeichneten seine weiße Haut, sein gesichts- und haarloser Kopf und der elegante schwarze Anzug mit dem weißen Hemd und der schwarzen Krawatte sich deutlich vor meinem inneren Auge ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also atmete ich einige Male tief durch, lockerte den Griff meiner Hände, die sich in den Sitz gekrallt hatten, und wartete, bis der Bus endlich weiterfuhr. Mehr sah ich von Slenderman an dem Tag nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch die Nacht verlief ohne Albträume. Zum ersten Mal seit Wochen fühlte ich mich am Morgen ausgeschlafen. Ich hätte Frau Dr. Brinkmann für ihre Tabletten küssen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast schon glücklich stand ich auf. Ich ging in die Küche, trank eine Tasse Kaffee und aß eine Schale Müsli, ehe ich mich zur Uni aufmachte. Heute war nicht allzu viel los und ich hatte nur wenige Vorlesungen, weshalb ich vergleichsweise früh nach Hause kam. Dabei erschien mir Slenderman nicht ein einziges Mal, weshalb ich sogar Joggen ging. Das hatte ich ewig nicht mehr getan. Und was soll ich sagen? Es tat mir richtig gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte wirklich, dass jetzt alles gut werden würde. Dass Slenderman ein für alle Mal verschwunden sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich jedoch unter der Dusche stand und gerade dabei war, meine Haare nass zu machen, kam das vertraute Gefühl, beobachtet zu werden, schlagartig zurück. Ich hatte das Gefühl schon häufiger unter der Dusche gehabt. Auch vor Slenderman. Das Gefühl, dass plötzlich jemand oder etwas hinter mir steht, während ich die Augen geschlossen hatte, damit kein Wasser oder Shampoo hineinkam. Ich fühlte mich blind und wehrlos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem – oder gerade deswegen – öffnete ich nicht meine Augen. Ich tastete blind nach meiner Shampooflasche, damit ich Slenderman nicht sehen musste, sollte er tatsächlich irgendwo im Bad stehen. Womit ich jedoch nicht gerechnet hatte, war, dass meine Hand auf rauen Stoff traf. So weit in die Dusche hinein konnte mein Duschvorhang überhaupt nicht hängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsicher öffnete ich jetzt die Augen. Ich sah etwas großes Schwarzes neben mir stehen. Entsetzt riss ich den Kopf hoch … und blickte direkt in das leere weiße Gesicht von Slenderman, das mich wie immer augenlos anstarrte. Es war maximal einen halben Meter von meinem entfernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein spitzer Aufschrei entfuhr mir, während ich rückwärts taumelte. Ich rutschte mit dem Fuß weg, verlor das Gleichgewicht. Während ich dabei war, aus der Dusche zu stürzen, krallten sich meine Finger in den Duschvorhang. Ich spürte, wie die Duschvorhangstange unter meinem Gewicht nachgab. Sie brach aus der Verankerung. Mit einem lauten metallischen Scheppern stürzte sie gemeinsam mit mir zu Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch befreite ich mich von dem Stoff, rappelte mich auf und rannte aus dem Bad Richtung Schlafzimmer. Dort schloss ich die Tür hinter mir ab und rief mit meinem Handy sofort Frau Dr. Brinkmann an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Brinkmann?“, meldete sie sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Dr. Brinkmann?“, jammerte ich in mein Telefon. „Bitte, ich brauche Ihre Hilfe. Bis eben war alles gut. Ich dachte, die Tabletten wirken. Aber dann stand er plötzlich in der Dusche. Ich hab ihn berührt. Verstehen Sie? Ich hab den Stoff seines Anzugs zwischen meinen Fingern gespürt! Ist sowas überhaupt möglich?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Dühr?“, erwiderte meine Psychiaterin. „Bitte atmen Sie einmal tief durch und erklären Sie mir genau, was geschehen ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das tat ich auch. Nachdem ich ihr alles so genau geschildert hatte, wie es mir in meinem kleinen Panikanfall möglich war, bot sie mir an, dass ich zu der späten Stunde noch in ihre Praxis fahren solle. Sie würde vor Ort auf mich warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch warf ich mir die nächstbeste Kleidung über. Als ich jedoch nach der Türklinke griff, zögerte ich. Aber zum einen wollte ich Dr. Brinkmann nicht warten lassen und zum anderen wusste ich genau, dass eine verschlossene Tür Slenderman nicht aufhalten konnte. Also drehte ich den Schlüssel im Schloss und stürzte auf den Flur. Aus dem Augenwinkel sah ich eine schwarze Gestalt in meiner Wohnzimmertür stehen. Ich sah nicht hin, riss meine Jacke vom Harken, schlüpfte in meine Sneakers und stürmte nach draußen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch auf dem Weg zur Praxis sollte Slenderman mich nicht in Ruhe lassen. Ich sah in zweimal auf der anderen Straßenseite stehen, ehe ich die Bushaltestelle erreichte. Und auch dort sah ich ihn ein weiteres Mal auf einem Spielplatz, während ich auf meinen Bus wartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie froh ich war, als der Bus endlich ankam. Ohne dem Spielplatz eines weiteren Blickes zu würdigen, sprintete ich hinein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nervös mit dem Bein hibbelnd saß ich da. Wahrscheinlich hielten mich die anderen Fahrgäste für einen Junkie, wie ich mich mit meinen nassen, ungekämmten Haaren und dem zuckenden Bein nervös im Bus umsah. Ich musste ziemlich scheiße aussehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem sprach mich niemand an. Und das war mir nur recht so. Die einzige Person, mit der ich gerade sprechen wollte, war meine Psychiaterin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich stand Slenderman im Gang neben mir und die Situation eskalierte: Ich kreische, während ich aufsprang und mich an ihm vorbei nach vorne drängelte. Dabei sah ich, wie schattenhafte Tentakel aus seinem Rücken waberten. Meine Nerven lagen blank. Panisch schrie ich auf den Busfahrer ein. „Bitte. Er ist hier. Lassen Sie mich raus!“, schrie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der junge Fahrer sah aus, als wäre er mit der Situation mindestens genauso überfordert wie ich. „Beruhigen Sie sich. Wir sind gleich bei der nächsten Station“, versuchte er, mich zu beschwichtigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich wollte mich nicht beruhigen. Ich hielt es nicht aus, mit diesem Ding im Bus zu sein. Also griff ich dem Fahrer ins Lenkrad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wollte ich nicht, dass der Bus einen Unfall baut, aber irgendwie musste ich den Fahrer ja zum Bremsen animieren. Es funktionierte. Sobald der Bus stand, drückte ich den Türöffner neben dem Lenkrad und stürmte auf die Straße. Was ich dabei nicht bedachte, war das Auto, das auf der Spur neben uns fuhr. Ein Hupen. Quietschende Reifen. Ein lauter Knall. Schwärze.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einem Krankenhausbett. Mein rechter Arm befand sich in einem Gips, Verband zierte meinen linken. Ich erkannte einen EKG-Monitor, über den in regelmäßigen Abständen mein Puls zuckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie sind wach!“, hörte ich eine überraschte Stimme zu meiner Linken. „Frau Dühr, Sie hatten einen Unfall. Sie befinden sich in einem Klinikum“, versuchte ein Arzt mir zu erklären, ehe er begann, auf mich einzureden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte, obwohl ich ihm gar nicht zuhörte. Meine Aufmerksamkeit galt der großen Gestalt, die am Fußende meines Bettes stand: Slenderman.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er stand dort und beobachtete mich, wie er es schon so viele Male getan hatte. Doch diesmal war es anders. Ich hatte keine Angst. Mein Atem blieb völlig ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst, als seine schattenhaften Tentakel wieder aus seinem Rücken wuchsen, wie sie es bereits im Bus getan hatten, änderte sich die Kurve auf dem EKG-Monitor nicht. Ich wollte nicht mehr gegen ihn ankämpfen. Es sollte endlich aufhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich beugte er sich nach vorn. Er streckte seine Hand nach mir aus, als wolle er, dass ich mit ihm gehe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam und vorsichtig hob ich jetzt auch meine Hand und griff nach der seinen. Seine Tentakel schlossen sich langsam um mich. Sie hüllten mich in vollkommene Schwärze. Das Letzte, was ich hörte, war das flache durchgehende Piepen des Herzfrequenzmessgeräts.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Slenderman (Englisch für „schlanker Mann“) ist eines der berühmtesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/creepypasta" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Creepypasta</a>-Monster der Welt. Er ist so berühmt, dass er es geschafft hat, zu einer weltweit bekannten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbanen Legende</a> zu werden. Inzwischen gibt es außerdem diverse Computerspiele und Filme über ihn.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Slenderman ist ein menschenähnliches Wesen, das meist um die 2 bis 3 Meter, seltener bis zu 4 Meter groß beschrieben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Darstellungen trägt er einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd und eine schwarze oder rote Krawatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im direkten Kontrast zu seiner schwarzen Kleidung steht seine weiße Haut. Er hat einen schneeweißen Kopf ohne Augen, Mund, Nase, Ohren oder Haare. Sein Gesicht ist eine blanke, konturlose Fläche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch seine weißen Hände werden fast ausschließlich ohne Fingernägel und Falten dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich soll er mehrere schwarze schattenhafte Arme oder Tentakel besitzen, die aus seinem Rücken wachsen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über die Jahre gab es viele verschiedene Versionen von Slenderman, die sich mal mehr mal weniger stark voneinander unterscheiden. Ich beziehe mich an dieser Stelle auf den ursprünglichen Slenderman und einige von der Allgemeinheit als Canon anerkannte Ergänzungen, die mit der Zeit hinzugekommen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich war z. B. davon die Rede, dass Slenderman ausschließlich Kinder entführen würde. Inzwischen heißt es jedoch, dass er jede Person, egal welchen Alters, entführen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders häufig sind Menschen betroffen, die sich eingehend mit Slenderman beschäftigen. Einige Leute meinen, es würde reichen, wenn man sich mehrere Artikel über Slenderman durchliest oder sogar nur die Spiele zu lange oder häufig spielt, andere meinen, man müsse regelrecht von ihm besessen sein, um ihm zum Opfer zu fallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so sind die ersten Anzeichen, dass Slenderman zu einer Gefahr werden kann, wen man anfängt, von ihm zu träumen. Spätestens dann sollte man lieber von dem Slenderman-Thema die Finger lassen. Leider ist es aber auch genau diese Faszination, die die Leute dazu bewegt, sich noch mehr mit ihm zu beschäftigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann soll Slenderman schließlich aus den Träumen in die wirkliche Welt entweichen – sei es nur als schattenhafte Gestalt, die man aus dem Augenwinkel sieht, oder als deutliche Erscheinung. Er steht dabei immer reglos in der Gegend herum und soll dabei menschenleere Orte und Wälder bevorzugen. Auch kann er sich teleportieren, also spontan auftauchen und genauso plötzlich wieder verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Zeit werden die Erscheinungen immer realer und häufiger, bis er die Betroffenen schließlich entführt oder sie dem Wahnsinn verfallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gerücht, dass man Slenderman nicht ansehen dürfe, da er einen sonst holen kommt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit den Slenderman-Videospielen entsprungen, in denen man verliert, wenn man Slenderman zu lange direkt ansieht. In den ursprünglichen Creepypastas ist davon nirgends die Rede.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Slenderman hat keinen bevorzugten Lebensraum. Zwar wird er, wie bereits erwähnt, hauptsächlich mit Wäldern und verlassenen Orten in Verbindung gebracht, er soll jedoch auch schon in belebten Gegenden und sogar in Menschenmengen gesehen worden sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Slenderman (oder Slender Man, wie er damals noch geschrieben wurde) wurde im Jahr 2009 im Rahmen eines Foto-Wettbewerbs des Internetforums „Something Awful“ erschaffen, bei dem es darum ging, paranormale Fotos zu erstellen (die Forendiskussion findet ihr <a href="https://forums.somethingawful.com/showthread.php?threadid=3150591" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>, falls sie euch interessiert). Der Erfinder von Slenderman heißt Eric Knudsen und ist unter dem Pseudonym Victor Surge bekannt. Er postete im Rahmen des Wettbewerbs die ersten Fotos von Slenderman und schrieb die ersten Texte über ihn. Slenderman stieß dabei auf solche Beliebtheit, dass bald auch weitere Nutzer Bilder zeichneten und Fotos erstellten, die ihn darstellten. Im Rahmen des Forums wurde übrigens auch ein anderes Wesen erschaffen, das angeblich den Ursprung der Slendermanlegende darstellt: <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-grossmann" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der Großmann</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald schon war Slenderman in der Creepypasta-Community weit über das „Something Awful“-Forum hinaus bekannt. Mit dem gratis Computerspiel „Slender: The Eight Pages“ (2012) und seinem kostenpflichtigen Nachfolger „Slender: The Arrival“ (2013), die damals beide viral gingen, erreichte Slenderman weitere Zielgruppen, bis er schließlich zu seiner heutigen Größe heranwuchs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem erschienen weitere Videospiele von anderen Entwicklern sowie diverse Filme, in denen Slenderman vorkommt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Verheerende Folgen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In wenigen Tagen jährt sich ein wirklich schlimmes Verbrechen, das im Namen von Slenderman verübt wurde. Am 30. Mai 2014 stachen in Waukesha, Wisconsin, USA zwei 12-jährige Mädchen mit 19 Messerstichen auf eine ebenfalls 12-jährige Freundin und Klassenkameradin ein. Zum Glück hat sie den Angriff überlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden Mädchen taten dies, weil sie der Meinung waren, dass Slenderman sie und ihre Familien töten würde, wenn sie es nicht täten. Ausgelöst wurde dieser Gedanke durch ihre Recherche in der Creepypasta Wiki und der Schizophrenie, unter der eines der beiden Mädchen litt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Näher möchte ich an dieser Stelle nicht auf den Fall eingehen, aber falls ihr euch für den Fall interessiert, kann ich euch den Dokumentarfilm „Beware the Slenderman“ sehr ans Herz legen, der den grausamen Fall im Detail behandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich hoffe, euch hat meine überarbeitete Geschichte von Slenderman gefallen. Was haltet ihr von ihm? Habt ihr die Spiele schon einmal gespielt oder gesehen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Mittagsfrau – Sie wartet auf dem Feld!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 May 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich wischte mir die Schweißtropfen von der Stirn, während ich zurück zu meinen Freunden blickte. Die Luft flimmerte vor Hitze, sodass ich sie auf die Entfernung nur schlecht erkennen konnte. Ich wollte gerade zu ihnen zurückgehen, als ich eine Stimme hinter mir hörte ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/6673b63536ee4a05819d547744482567" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Heute habe ich einen Beitrag über die Mittagsfrau für euch. Es ist eine slawische, zu kleinen Teilen aber auch <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutsche Legende</a> über eine Art Korn<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dämon</a>, der manchmal mit der deutschen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-roggenmuhme" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Roggenmuhme</a> verwechselt wird. Dabei haben die beiden Wesen nur wenige Gemeinsamkeiten. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht zu viel verraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem muss ich euch leider mitteilen, dass übernächste Woche kein neuer Beitrag kommt. Der nächste Beitrag kommt also erst am 12.06.2023 bzw. für <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patrons</a> am 05.06.2023.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Andreas, nicht so schnell!“, sagte Bjarne hinter mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drehte mich um. Als ich sah, dass ich meinen Freunden ein gutes Stück voraus war, blieb ich stehen, bis sie mich eingeholt hatten. In der Zwischenzeit fächerte ich mir Luft mit der Hand zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein heißer Sommertag. Einer dieser heißen Sommertage, an denen man am liebsten den ganzen Tag im Freibad verbringen und sich nur von Eis ernähren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zumindest einen Teil davon hatten wir uns fest vorgenommen. Ich hatte mich direkt heute Morgen mit Karin und Bjarne getroffen. Wir waren gemeinsam ins örtliche Freibad gefahren, wo wir drei Tageskarten geholt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lediglich zum Mittagessen, meine Mutter hat meine Freunde zu uns eingeladen, mussten wir wieder zuhause sein. Also schoben wir mit feuchten Haaren, nassen Badesachen und einem Geruch nach Chlor unsere Fahrräder schweigend die Straße zwischen den Feldern entlang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wind gab es fast keinen. Obwohl die Getreideähren – Gerste, wie ich neulich bei einem Schulausflug gelernt hatte – ab und an sanft hin und her wogen, kam von der angenehmen Brise nichts bei uns an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich warf meinem Fahrrad einen flüchtigen Blick zu. Allein der Gedanke, darauf zu fahren, brachte meine Schweißporen zum Arbeiten. Auch wenn ich bestimmt schon zwei Liter Wasser getrunken hatte, würde ich wahrscheinlich augenblicklich tot umfallen, wenn ich auch nur einmal in die Pedale treten müsste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schoben wir unsere Fahrräder gemächlich neben uns her, während wir versuchten, unter den Bäumen am Straßenrand schützenden Schatten zu finden. Mehr als einmal hatte ich mich bereits gefragt, warum wir die Fahrräder nicht beim Freibad gelassen hatten. Immerhin wollten wir nach dem Essen eh so schnell wie möglich wieder ins kalte Nass springen. Wir hätten unsere Fahrräder heute Abend mit nach Hause nehmen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Tageskarten wollten wir jedenfalls voll ausnutzen. Zumindest war das der Plan gewesen. Aber wie das Leben es so wollte, durchkreuzte das Schicksal gerne solche Pläne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Planänderung kam in Form eines alten Mannes auf uns zu, der ein offenes Hawaiihemd, eine kurze Hose, Sandalen und durchgeschwitzte Tennissocken trug. Er schwankte leicht, als sei er betrunken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Freunde und ich machten bereits einen Bogen um ihn, wechselten extra die Straßenseite, doch der Mann schien entschlossen, uns abzufangen. Zumindest kam er weiter auf uns zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He! Ihr!“, rief er mit kratziger Stimme. Entweder war er heiser oder sein Hals völlig ausgetrocknet. „Wartet mal!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir ha’m kein Geld“, erwiderte Bjarne sofort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Genau. Das haben wir alles für Freibadkarten und Eis ausgegeben“, bestätigte Karin. Sie sagte das völlig ernst, auch wenn wir noch mehr als genug Geld für weiteres Eis in unserem Rucksack hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann hingegen winkte ab. „Ich will euer Geld nicht“, krächzte er ruhig. „Ich will euch nur warnen. Um diese Uhrzeit treibt die Mittagsfrau ihr Unwesen. Egal, was ihr tut, ihr dürft nicht aufs Feld gehen. Auch nicht, falls es eine Abkürzung sein sollte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karin, Bjarne und ich warfen einander fragende Blicke zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bjarne fand als Erster die Worte wieder. „Die Mittagsfrau?“, fragte er. „Wenn eine schöne Frau was von mir will, sag ich doch nicht nein!“ Er grinste den Mann schamlos an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann hingegen kam einen Schritt näher. Jetzt erkannte ich den Schweiß, der sich tropfenweise in seinen grauen Haaren, seinem Bart und sogar seinen Brusthaaren gesammelt hatte. Ich versuchte, nicht zu genau hinzusehen, bemerkte aber trotzdem den Sonnenbrand auf seiner Brust und in seinem Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich mein es ernst, Junge!“, rief er plötzlich laut. „Wenn ihr aufs Feld geht, wird die Mittagsfrau euch töten! Ihr müsst mir versprechen, dass ihr auf der Straße bleibt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von seinem plötzlichen Ausbruch völlig überrumpelt, starrte ich den Mann sprachlos an. Und auch Karin und Bjarne fanden keine Worte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Versprecht es mir!“, forderte der Mann erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da keiner meiner Freunde sich zu trauen schien, ergriff ich das Wort. „Ja. Klar. Wir versprechen es. Wir müssen sowieso geradeaus.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt starrte der Mann mich an. Sein linkes Auge zuckte nervös. Es wirkte so, als dachte er nach. Jedenfalls dauerte es einige Sekunden, bis er endlich wieder etwas sagte. Er sprach jetzt wieder ruhiger. „Und der Rest? Versprecht ihr es auch?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karin nickte, während Bjarne ein fast schuldbewusstes „Ja“ nuschelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch einmal musterte der Mann uns. Dann drehte er sich weg und ging weiter seines Weges, als sei nie etwas gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sahen ihm mit offenen Mündern nach. Halb eingeschüchtert, halb verwirrt sah ich Bjarne und Karin an. Plötzlich brach Karin in schallendes Gelächter aus. Es dauerte nicht lange, bis Bjarne und ich uns anschlossen. Wir lachten, als hätten wir ewig nichts so Lustiges erlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was war das denn für ein Vogel?“, fragte Bjarne, als er sich weit genug beruhigt hatte. Dann äffte er die kratzige Stimme nach. „Nehmt euch in Acht vor der Mittagsfrau!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mittagsfrau. Was ist das überhaupt für ein Name?“, warf Karin ein. „Was Kreativeres ist ihm wohl nicht eingefallen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie überrascht an. „Moment. Ihr kennt die Mittagsfrau nicht?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? Nein“, meinte Karin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du veräppelst uns“, sagte Bjarne. „Die gibt’s wirklich?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Meine Mama hat mir als Kind manchmal ein Märchen über sie erzählt. Hauptsächlich, wenn ich mich nicht an das gehalten habe, was sie gesagt hat. Die Mittagsfrau ist ein Wesen, das nur in der Mittagshitze zwischen zwölf und ein Uhr auftaucht. Sie erscheint jedem, der es wagt, allein auf ein Feld zu gehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich machte eine Spannungspause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und dann?“, drängte Bjarne. „Was macht sie mit einem?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grinste. „Sie köpft ihre Opfer mit ihrer Sichel.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karin machte große Augen. „Und so eine Scheiße hat deine Mutter dir als Kind erzählt!?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein“, gestand ich. „Sie hat mir nur erzählt, dass die Mittagsfrau ihre Opfer angreift. Bei ihrer Geschichte ging es vielmehr um ein Mädchen, dass der Mittagsfrau entkommen konnte. Sie greift nämlich nicht an, wenn man sie in ein Gespräch über Feldarbeit verwickeln kann. Das Mädchen hat eine Stunde lang mit der Frau nur über die Flachsernte geredet, bis die Mittagsfrau um ein Uhr verschwunden ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und das hat funktioniert?“, fragte sie überrascht. „Als Erziehungsmaßnahme deiner Mutter, meine ich?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Ja, sie hat mir gesagt, dass ich eine Stunde lang nur über langweilige Dinge reden müsste, ohne das Thema wechseln zu dürfen. Um mir zu beweisen, wie langweilig das ist, hat sie einmal angefangen, mit mir über Kartoffeln zu reden. Ich hatte keine zehn Minuten durchgehalten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karin schmunzelte, während Bjarne wieder sein schamloses Grinsen aufsetzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du und deine Mutter, ihr seid manchmal echt bescheuert!“, sagte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn gespielt entsetzt an. „Wie? Ihr glaubt nicht an die Mittagsfrau?“, fragte ich dramatisch. „Das solltet ihr.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bjarne rollte sofort mit den Augen. Seit wir Halloween von 2018 gesehen hatten, zitierte ich die Szene viel zu häufig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt grinste ich ihn blöd an. „Aber wenn du mir nicht glaubst, geh doch raus ins Feld. Du wolltest die Mittagsfrau doch kennenlernen. Wie meintest du? Da sagst du nicht nein!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, klar“, erwiderte er. „Ich lauf schnell raus in die pralle Sonne. Mir ist ja noch nicht heiß genug.“ Zur Verdeutlichung zog er mehrmals an seinem T-Shirt, um sich Luft zuzuwedeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Awww! Hast du etwa Angst?“, drängte ich ihn. Ich wusste nicht, wieso ich es tat. Vielleicht lag es an der Pubertät. Vielleicht auch an der Hitze, die mir langsam zu Kopf stieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bjarne schnaubte verächtlich. „Ich hab keine Angst. Ich hab nur keinen Bock auf einen Sonnenstich. Aber wenn du schon so große Töne spuckst, geh du doch! Oder hast <em>du</em> Angst?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das saß. Als Kind hatte ich tatsächlich Angst vor der Mittagsfrau gehabt. Besonders, nachdem ich rausgefunden hatte, dass sie ihre Opfer köpft. Aber jetzt war ich älter. Ich glaubte nicht mehr an Geister und Spukgestalten. Und selbst <em>falls</em> noch ein klitzekleines bisschen Restangst aus meiner Kindheit übriggeblieben <em>wäre</em>, würde ich das meinen Freunden ganz bestimmt nicht zeigen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gut“, sagte ich, während ich mein Fahrrad abstellte. „Ich gehe. Wie weit soll ich raus?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jungs, lasst den Quatsch. Wir sind fast da“, warf Karin ein. Wir ignorierten sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„50 Schritte. Normalgroße, nicht so ein Babykram“, forderte Bjarne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Abgemacht“, erwiderte ich. Ich ging sofort los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Andreas, jetzt bleib schon hier!“, forderte Karin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach. Die paar Sekunden Sonne werden mir schon nichts anhaben. Das heißt … solange die Mittagsfrau nicht auftaucht.“ Ich zwinkerte ihr zu, ehe ich begann, ins Feld zu waten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald ich aus dem Schatten der Bäume trat, fühlte ich mich, als wäre ich gegen eine Wand gelaufen. Die Hitze war erdrückend. Ich versuchte, es zu ignorieren. Stattdessen konzentrierte ich mich auf meine Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sieben, acht, neun, zehn Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gerste, die mir bis über die Knie reichte, war schon fast ausgewachsen. Sie war zwar noch immer grünlich, hatte aber schon voll ausgebildete Köpfe mit kratzigen Härchen, die mich an den Beinen kitzelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwanzig Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwo in den Pflanzen hockten Insekten. Ich konnte sie zwar nicht sehen, aber dafür umso deutlicher hören, wie sie mich mit ihrem Gesang anfeuerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dreißig Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich weiter durch das Feld ging, wanderten meine Gedanken zurück zur Mittagsfrau. Ich wollte es gar nicht, aber mein Kopf wollte mir nicht gehorchen. Ich erinnerte mich daran, wie ich sie mir als Kind immer vorgestellt hatte. In den Geschichten meiner Mutter war sie eine große, in weiß gekleidete Frau. Ich hatte sie mir immer wie ein gruseliges Gespenst vorgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vierzig Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und als ich dann erfuhr, dass sie eine Sichel bei sich tragen soll, mit der sie Menschen köpft, war der Stoff meiner Kindheitsalbträume geboren. Inzwischen hatte ich das natürlich überwunden. Ich hatte schon seit Jahre nicht mehr von ihr geträumt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fünfzig Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Grinsen bildete sich auf meinem Gesicht. Ich wischte mir die Schweißtropfen von der Stirn, während ich zurück zu meinen Freunden blickte. Die Luft flimmerte vor Hitze, sodass ich sie auf die Entfernung nur schlecht erkennen konnte. Ich wollte gerade zu ihnen zurückgehen, als ich eine Stimme hinter mir hörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sag mir, Mensch. Welches Getreide wächst auf diesem Feld, das du so achtlos zertrampelst?“ Es war die Stimme einer Frau. Sie klang jung und schön. Sanft wie ein Windhauch, aber trotzdem laut genug, dass ich mir sie nicht eingebildet haben konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Kloß im Hals drehte ich mich um. Das Bild von ihr, das ich als Kind immer im Kopf hatte, das mich bis in meine Träume verfolgte, wurde ihr nicht gerecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte sie mir immer menschlich vorgestellt. Aber dieses … Ding vor mir, war kein Mensch. Sie hatte menschliche Züge, ja, aber alles an ihr wirkte falsch. Ihre Haut war blass, unterschied sich kaum von dem Weiß ihres Kleides. Ähnlich war es mit ihren blonden Haaren. Ihr Gesicht war völlig abgemagert mit eingefallenen Wangen. Ich hatte eher das Gefühl, als würde eine Leiche vor mir stehen statt eines lebendigen Wesens. Wenn da nicht ihre dunklen Augen gewesen wären, die mich jetzt fixierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fiel mein Blick auf die Sichel, die sie in ihrer rechten Hand hielt. Auch sie war anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Sie wirkte alt, sah stellenweise sogar rostig aus. Trotzdem war ich mir sicher, dass sie noch immer verdammt scharf war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig versuchte ich, einen Schritt zurückzutreten. Meine Beine gehorchten mir nicht. Sie blieben einfach stehen. Ich konnte meinen Körper nicht mehr bewegen. Das Einzige, über das ich noch Kontrolle hatte, waren mein Hals, mein Kopf, meine Augen und mein Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hilfesuchend sah ich zu Karin und Bjarne zurück, aber sie standen nur da. Sie machten keine Anstalten, zu mir zu kommen. Karin hob sogar die Hand, um mir zu winken. Sie beachteten das Monster gar nicht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Blick galt wieder der Mittagsfrau. Sie hatte ihre Sichel zum Schlag erhoben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gerste!“, schrie ich panisch. „Gerste! Auf dem Feld wächst Gerste!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Herz raste. War das noch rechtzeitig gewesen? Oder schnitt mir die Mittagsfrau in wenigen Sekunden den Kopf ab? Was, wenn sie mehrere Anläufe brauchte? Wenn ihre Sichel doch nicht scharf genug war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Frau legte bloß ihren Kopf schief. Sie kniff die Augen zusammen, musterte mich wieder. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie endlich die Sichel sinken ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wann war die Blütezeit der Pflanzen?“, fragte sie weiter. Die Bewegung ihrer Lippen war das Einzige, was halbwegs menschlich wirkte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie der Kloß in meinem Hals wuchs. Er drohte, mich zu ersticken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Juni“, presste ich hervor. „Die Gerste hat Mitte Juni geblüht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Krampfhaft kratzte ich alles zusammen, was wir auf unserem Schulausflug zum örtlichen Bauernhof gelernt hatten. Wir waren genau zur Blütezeit dort gewesen. Aber viel mehr wusste ich nicht über Gerste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mittagsfrau würde mich nicht in Ruhe lassen. Sie würde weiterfragen, bis ich eine ihrer Fragen nicht beantworten konnte. Oder bis es 13 Uhr war … Wie spät war es jetzt? Ich konnte meine Armbanduhr nicht erkennen, den Arm noch immer nicht bewegen. Aber da wir um 13 Uhr zuhause sein wollten, konnte es sich nur noch um Minuten handeln!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie gut sind die Pflanzen dieses Jahr gewachsen?“, stellte sie ihre nächste Frage. Ihre Stimme klang lieblich. Darin lag nicht ein Hauch Böses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Flüchtig spähte ich über das Feld. Die schnelle Kopfbewegung ließ Schwindel in mir aufkommen. Auch wurde mir allmählich übel, während die Sonne weiter unerbittlich mit ihren Strahlen auf meinen Kopf knallte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Die Frage!</em>‘, mahnte ich mich in Gedanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Getreide sah gut aus. Zumindest hoffte ich das. Andererseits war es in den letzten Tagen sehr heiß gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuchte, möglichst langsam und deutlich zu sprechen, um etwas Zeit zu gewinnen. „Die Pflanzen sind gut gewachsen. Es war ein gutes Jahr. Lediglich die letzten Tage waren etwas heiß, aber ich denke nicht, dass das der Ernte groß schaden wird. Ein gutes Jahr.“ Mehr wagte ich nicht zu sagen. Wenn ich etwas Falsches sagte … Ich wollte gar nicht darüber nachdenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgten noch einige weitere Fragen, die ich mehr schlecht als recht beantworten konnte. Trotzdem saß mein Kopf noch immer auf meinen Schultern. Es musste der Mittagsfrau also genügt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn da doch nur nicht diese verdammte Sonne gewesen wäre …! Ich wünschte, ich könnte meinen Arm über meinen Kopf halten, irgendwie auch nur ein kleines bisschen Schatten bekommen, aber die lähmende Magie der Mittagsfrau hatte mich voll im Griff. Wenn mich ihre Fragen nicht dahinrafften, würde die Sonne bald ihr Übriges tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was wird aus dieser Gerste gemacht?“, stellte die Frau ihre nächste Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen war mir speiübel. Ich konzentrierte mich mit aller Kraft darauf, zu antworten. „Bier“, hauchte ich. Ich atmete schwer. Der Schwindel wurde immer schlimmer. Ich konnte kaum noch etwas erkennen. Trotzdem redete ich weiter. „Bier. Das konnte ich mir merken. Die Gerste wird für Bier verwendet. Fast 90 Prozent der Gerste hier wird … wird als Braugerste angebaut. Der Rest wird hauptsächlich zu … Mehl verarbeitet. Der Bauer hat da einen … einen Käufer.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strauchelte. Mehr fiel mir nicht ein. Inzwischen fühlte mein Kopf sich an, als würde er gleich platzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Insekten, die im Feld hockten, zirpten inzwischen so laut, dass ich kaum etwas anderes hören konnte. Konnten sie nicht einfach still sein?! Ich musste die nächste Frage hören!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da noch mein Atem. Er ging kurz und stoßweise. Auch er kam mir viel lauter vor, als er hätte sein dürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Krampfhaft versuchte ich, die Luft anzuhalten, damit ich die nächste Frage nicht verpasste, aber es kostete mich zu viel Anstrengung. Auf meine Augen konnte ich mich bereits nicht mehr verlassen. Ich sah nicht einmal mehr, wie der Boden auf mich zuraste. Dann verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Andreas! Scheiße, Andreas wach auf!“, hörte ich eine entfernte Stimme. Gleichzeitig spürte ich etwas Nasses in meinem Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mühsam stemmte ich die Augen auf. Die Sonne war schwächer geworden. Nein, das war etwas anderes … Bjarne hielt ein Handtuch über mich, um mir schützenden Schatten zu spenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da war auch Karin. Sie hielt eine offene Wasserflasche in der Hand, während sie mit der anderen Hand meine Stirn fühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie spät ist es?“, fragte ich schwach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte die Erleichterung in Karins und Bjarnes Gesichtern fast schmecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße, du hast uns Angst gemacht!“, sagte Bjarne. „Es ist kurz nach eins.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keine Sorge. Deine Mutter weiß Bescheid. Sie wird jeden Moment hier sein“, ergänzte Karin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte schwach. Dann fiel mir etwas anderes ein. „Warum habt ihr mir nicht geholfen?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was meinst du?“, erwiderte Karin. „Wir sind sofort zu dir gerannt, als du umgefallen bist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. Der Schwindel wurde wieder stärker. „Ich meinte wegen der Frau. Der Mittagsfrau.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karin und Bjarne warfen einander einen fragenden Blick zu. Dann sahen sie mich besorgt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da … Da war keine Frau“, erklärte Karin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bjarne nickte bestätigend. „Du bist rausgegangen, eine Weile stehengeblieben und dann plötzlich umgefallen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber nachzudenken, war mir in dem Moment zu anstrengend. Also ruhte ich mich aus, bis meine Mutter auf dem Feldweg ankam. Gemeinsam brachten sie mich ins Auto und fuhren mit mir ins Krankenhaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar durfte ich noch am selben Tag wieder nach Hause, aber ich hatte mich die nächsten zwei Tage hundeelend gefühlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was die Mittagsfrau anging … Karin, Bjarne und meine Eltern waren sich einig, dass ich sie mir eingebildet haben musste. Die Hitze, dazu das Erlebnis mit dem alten Mann. Das alles habe meine Fantasie angekurbelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen war mir da nicht so sicher. Es erklärte nicht, wieso ich mich nicht mehr bewegen konnte. Oder wieso die Mittagsfrau anders aussah, als ich sie mir vorgestellt hatte. Außerdem hatte ich doch bis genau 13 Uhr durchgehalten, oder?</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mittagsfrau ist ein Feld<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">geist</a> der slawischen Mythologie. Die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> ist fast im kompletten slawischen Raum verbreitet – darunter auch die Gegend um den Spreewald in Brandenburg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie im Deutschen leitet sich ihr Name auch in anderen Sprachen vom jeweiligen Wort für „Mittag“ ab – z. B. Południca (von „południe“) im Polnischen, Polednice (von „polední“) im Tschechischen oder полу́дница (Poludnitsa) (von „полдень (polden‘)“) im Russischen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedenste Beschreibungen, wie die Mittagsfrau aussehen soll, generell lassen sie sich aber zu drei verschiedenen Erscheinungen zusammenfassen:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die große Frau:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste und wahrscheinlich am weitesten verbreitete Erscheinung ist das Aussehen einer großen Frau. Während sie manchmal als schön bezeichnet wird, beschreiben andere Quellen sie als abgemagert und fast totenähnlich mit eingefallenen Wangen und blasser Haut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie trägt weiße Kleidung oder ist in ein weißes Tuch gehüllt, das den traditionellen niedersorbischen Trauertüchern ähnelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Haare werden oft als blond oder schwarz beschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal werden ihr zudem animalische Züge wie z. B. Pferdehufe oder Wildschweinhauer nachgesagt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das junge Mädchen:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Erscheinung sieht aus wie ein etwa 12-jähriges Mädchen. Ebenfalls in weiß gekleidet, wirkt sie so besonders harmlos und unschuldig, ist aber genauso gefährlich wie ihre anderen Formen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das alte Weib:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die letzte Erscheinung ist hingegen die einer alten hässlichen Frau mit grauen oder weißen Haaren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie trägt entweder weiße Kleidung oder alte Lumpen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gemeinsamkeiten:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der weißen Kleidung gibt es noch ein paar weitere Gemeinsamkeiten der drei Erscheinungen. So kann die Mittagsfrau je nach Region und Erzählung z. B. eine Bratpfanne, eine Sichel, eine Sense, eine Peitsche oder ein anderes Utensil bei sich haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird sie gelegentlich mit einem kleinen Wirbelwind in Verbindung gebracht, auf dem sie entweder reitet oder der sie selbst ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die wohl bekannteste Eigenschaft der Mittagsfrau findet sich in ihrem Namen: Sie taucht nur in der Mittagszeit auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der genaue Zeitpunkt kann sich je nach Region unterscheiden, aber im Normalfall ist es eine feste Uhrzeit, die eine oder zwei Stunden dauert. Am häufigsten habe ich von der Stunde zwischen 12 und 13 Uhr gelesen. Die Mittagsfrau lauert den Menschen auf, die sich zu dieser Zeit auf dem Feld aufhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig sind das Arbeiter, die ihre Ruhepause ignorieren oder nicht auf die Uhr gesehen haben. Aber sie greift auch Kinder und andere Leute an, die sich aufs Feld verirrt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders häufig handeln die Geschichten von Mädchen oder Frauen, die zur Mittagsstunde auf Flachsfeldern arbeiten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Methoden der Mittagsfrau:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn jemand das Pech hat, der Mittagsfrau zu begegnen, versucht sie im Normalfall, ihn zu töten. Wie sie dabei vorgeht, kann sich ebenfalls je nach Region und Erzählung stark unterscheiden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die redselige Mittagsfrau:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Leute sagen, dass die Mittagsfrau so lange auf ihr Opfer einredet oder es mit Fragen löchert, bis es stirbt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine meiner Meinung nach sinnvollere Version hiervon besagt, dass sie ihr Opfer nur dann tötet, wenn es sich von ihr abwendet, statt ihr weiter zuzuhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternativ lässt sie einen so lange leben, wie man über seine Arbeit auf dem Feld reden oder ihre Fragen beantworten kann – oft stellt sie hierbei Fragen zur Feldarbeit, seltener Rätsel. Auch kann sie spezifische Fragen zu dem Feld fragen, auf dem man sich gerade befindet: Wann wurde ausgesät? Wann war die Blütezeit? Wie gut wachsen die Pflanzen dieses Jahr? Beantwortet man die Frage falsch oder versucht, das Thema zu wechseln, wird man getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die einzige Möglichkeit, der Mittagsfrau in diesen Situationen zu entkommen, ist, wenn man bis 13 Uhr durchhält. Dann verlassen die Mittagsfrau ihre Kräfte und sie verschwindet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die mordlustige Mittagsfrau:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen ist die Mittagsfrau weniger redselig. Sie greift jeden Menschen an, der sich in ihrer Stunde allein aufs Feld wagt. Dafür taucht sie vor ihren Opfern auf und köpft sie mit ihrer Sichel oder Sense.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte sie keine Waffe bei sich haben, bricht sie ihnen das Genick oder tötet mit ihrer bloßen Berührung. Manchmal bewegt sie sich hierbei fort, indem sie auf einem Wirbelwind reitet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Andere Methoden:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Anderen Versionen zufolge löst sie Mittagsfrau bei den Menschen Wahnsinn oder Verwirrung aus. Sie zerrt an ihren Haaren, wodurch sie Kopf- oder Nackenschmerzen verursacht, lässt sie Halluzinieren, verbrennt ihre Haut oder löst Schwindel aus – alles Symptome, die man heutzutage einem Sonnenstich oder Hitzeschlag zuordnen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternativ schlägt die Mittagsfrau ihre Opfer so lange, dass sie mehrere Tage Schmerzen haben, lähmt sie oder sticht ihnen die Augen aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so möchte man der Mittagsfrau also auf keinen Fall begegnen. Das gilt besonders, wenn man ein Kind ist. Kleinkinder und Babys werden von der Mittagsfrau entführt und durch Wechselbälger ausgetauscht. Dabei ist es egal, ob die Eltern das Kind unbeaufsichtigt auf dem Feld lassen, das Kind von sich aus auf das Feld gegangen ist oder die Mittagsfrau es auf das Feld gelockt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Älteren Kindern ergeht es hingegen wie den Erwachsenen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch so grausam die Mittagsfrau auch ist, so ist sie nicht nur schlecht. Sie ist auch eine Beschützerin der Felder. Dabei greift sie nicht nur Menschen an, die sich unrechtmäßig auf das Feld wagen, während die Bauern ihre Mittagspause machen, sondern sie schützt auch die Pflanzen vor der sengenden Mittagshitze.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der regionalen Verbreitung der Legende waren die bisherigen Sichtungen hauptsächlich auf Feldern (meist Getreidefeldern) in den slawischen Regionen, seltener auch in Obstgärten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gesichtet werden kann sie angeblich von der Blütezeit der Felder bis zur Ernte, sie taucht jedoch nur in der Mittagsstunde an sonnigen, besonders heißen Tagen auf.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ich unter „Eigenschaften“ bereits angedeutet habe, ist die Legende der Mittagsfrau wahrscheinlich aus den natürlichen Phänomenen des Sonnenstichs und des Hitzeschlags entstanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher hatten die Menschen keine Erklärung dafür, wie es zu den plötzlichen Toden, Halluzinationen und anderen Symptomen kam. Sie erfanden die Mittagsfrau, um sie zu begründen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gesehen ist die Mittagsfrau eine Mahnung, dass Feldarbeiter ihre Ruhestunde, in der die Sonne meist am höchsten steht und die Hitze am schlimmsten ist, ernstnehmen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig dient sie als Kinderschreckfigur. Dank ihr konnten Eltern ihre Kinder überzeugen, nicht bei der sengenden Hitze auf den Feldern zu spielen, und konnten gleichzeitig verhindern, dass die Kinder dabei versehentlich die Ernte zerstörten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Glaube an die Mittagsfrau war dabei so weit verbreitet, dass viele Menschen selbst Anfang des 20. Jahrhunderts noch glaubten, die Mittagsfrau sei real. Und auch, wenn sie seitdem an Bekanntheit verloren hat, ist sie noch heute kein unbekanntes <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So findet man sie z. B. in der Popkultur wieder – sei es in <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/creepypasta" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Creepypastas</a> oder als ein Wesen mit dem Namen „Mittagserscheinung“ in der Videospielreihe The Witcher.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Mittagsfrau? Kanntet ihr die Legende schon? Und hat Andreas sich die Mittagsfrau eurer Meinung nach bloß eingebildet, oder ist ihm wirklich ein Naturgeist erschienen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr regelmäßig solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, unterstützt mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>, abonniert meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>The Doggy Lick</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Sep 2022 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
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		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unruhig drehte ich mich auf die Seite. Jetzt mischte sich ein anderes Geräusch unter das Heulen: ein langsames und regelmäßiges Atmen. Es war Charlie, der seelenruhig in seinem Körbchen lag. Ich streckte meinen Arm aus, um ihm vorsichtig durch sein weiches Fell zu streicheln, bevor er anfing, meine Hand abzulecken ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/db83bfc9db444fa4b4f2f236a84ceedb" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">The Doggy Lick ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus den USA, die hauptsächlich unter einem anderen Namen bekannt ist (mehr dazu weiter unten). Da der Name jedoch das Ende spoilert, empfehle ich, erst die Geschichte zu lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Tod eines Hundes</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Also gut Kaitlyn“, sagte Mom, bevor sie mir einen Kuss auf die Wange drückte. „Wir sehen uns am Sonntag. Stell nicht zu viel Blödsinn an!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Würde ich nieee tun“, erwiderte ich mit einem breiten Grinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mom ignorierte es. Stattdessen drückte sie mich noch einmal an sich. „Wenn irgendetwas sein sollte, ruf uns an.“ Dann ließ sie mich los und ging gemeinsam mit Dad zum Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich schick die heißen Jungs am Sonntag rechtzeitig weg. Die nehmen dann auch den Alkohol wieder mit!“, rief ich ihnen nach, was Dad mit einem strengen Blick beantwortete. Dann waren meine Eltern weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie außer Sichtweite waren, schloss ich die Haustür hinter mir und seufzte schwer. Ich war allein. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich sturmfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte das Klackern von Krallen auf Parkett. Na gut &#8230; Ich war nicht ganz allein. Mein Hund Charlie war bei mir. Ein großer Schäferhund, der auf mich aufpassen würde – auch wenn Charlie dafür alles andere als geeignet war. Er war so treudoof, dass er einem Einbrecher wahrscheinlich schwanzwedelnd entgegenlaufen würde. Aber zumindest war niemand da, der mir sagen konnte, was ich zu tun und zu lassen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so saß ich höchstens fünf Minuten später mit einer Schale Vanilleeis vor meinem Laptop und schaute Hilda auf Netflix. Meine Hausaufgaben lagen keine drei Meter von mir entfernt auf dem Wohnzimmertisch – natürlich unbearbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstverständlich wusste ich, dass ich bis Sonntag noch meinen Hintern aufraffen musste, um die Aufgaben zu erledigen – andernfalls würde Dad mir die Hölle heiß machen. Jetzt aber wollte ich einfach nur hier sitzen, mein für die Jahreszeit viel zu kaltes Eis essen, mich in meine Wolldecke kuscheln und dem stürmischen Herbstwind lauschen, der um das Haus heulte. Währenddessen schaute ich Hilda und streichelte Charlie durch sein weiches Fell. Selten war mir unser Wohnzimmer so gemütlich vorgekommen. Das Einzige, was jetzt noch gefehlt hätte, war ein Kamin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war – es war nicht ganz eine Staffel gewesen – als ich beiläufig auf meinem Smartphone durch die sozialen Medien scrollte. Mit einem leisen ‚<em>Pling</em>‘ tauchte die Vorschau für eine Nachricht aus meiner Klassengruppe auf. Sie war von meiner Klassenlehrerin und begann mit einem „Achtung ihr Lieben“. Neugierig klickte ich die Nachricht an. Als ich sah, wie lang sie war, pausierte ich Netflix.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Achtung ihr Lieben. Es kam gerade in den Nachrichten: Aus der Mount Massive Nervenheilanstalt ist heute Vormittag ein gefährlicher Krimineller geflohen. Wahrscheinlich müsst ihr euch keine Sorgen machen, aber die Behörden empfehlen, Fenster und Türen zu verschließen. Passt auf euch auf und habt ein schönes Wochenende!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß einige Sekunden nur reglos da und starrte mit rasenden Gedanken auf mein Handy. Natürlich wusste ich, dass mir nichts passieren konnte. Das Mount Massive war über eine halbe Stunde Fußweg von hier entfernt. Und selbst, wenn der Entflohene ein Auto stehlen konnte, wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass er ausgerechnet in mein Haus einbrechen würde? Viel wahrscheinlicher war es doch, dass er so schnell wie möglich versuchte, so weit wie möglich wegzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und trotzdem saß ich hier und fühlte, wie sich meine Nackenhaare langsam aufstellten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alles wird gut, Charlie. Uns passiert schon nichts“, sagte ich mehr zu mir selbst, als zu Charlie, während ich ihn hinter den Ohren kraulte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wanderte mein Blick zum Fenster. Es war geschlossen. Wie sollte es auch anders sein? Immerhin war es Herbst. Aber was war mit den anderen Fenstern – das Fenster im Bad zum Beispiel? Oder mit der Hintertür?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zögerlich und mit mehr Überwindung, als ich zugeben möchte, hob ich die Wolldecke an, schob meine Beine vom Sofa und stand auf. Der Parkettboden kam mir unglaublich kalt unter meinen Socken vor, während ich einen Fuß vor den anderen setzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg zum Bad schaltete ich jedes einzelne Licht ein, das ich finden konnte. Ich achtete auf alle Geräusche, hörte von draußen aber nur den Wind und von drinnen nur das vertraute Klackern von vier Hundepfoten direkt neben mir. Es verstummte erst, als wir die Badezimmertür erreichten. Sie war nur angelehnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn jemand im Haus ist, sagst du mir das doch, oder?“, fragte ich Charlie, der mich daraufhin bloß mit seinen treuen braunen Augen ansah. Er gab mir nicht einmal ein bestätigendes Bellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte schwer, während ich langsam die Badezimmertür aufdrückte. Stück für Stück konnte ich mehr erkennen, während das Licht des Flurs das Bad ins Halbdunkel tauchte. Die leere Duschkabine, daneben die Badewanne mit dem beiseitegezogenen Vorhang, das Fenster, das tatsächlich auf kipp stand und schließlich die Toilette neben dem Waschbecken. Das Badezimmer war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell wandte ich mich wieder dem Fenster zu. Mit schnellen Schritten ging ich hin, knallte es zu und drehte den Fenstergriff so ruckartig nach unten, dass niemand auch nur die Gelegenheit gehabt hätte, das Fenster von draußen aufzustoßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst jetzt merkte ich, wie schnell ich atmete, wie sehr mein Herz raste. Das war doch bescheuert. Nur weil meine Eltern mal ein Wochenende weg waren, wurde ich gleich paranoid. Ich sagte mir wieder und wieder, dass nichts passieren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes nahm ich die Hintertür in Angriff. Sie war zum Glück verschlossen. Danach ging ich aber nicht zurück ins Wohnzimmer. Ich rannte durchs ganze Haus, überprüfte jedes einzelne Fenster und schloss sogar die Haustür doppelt ab. Lediglich in den dunklen Keller traute ich mich nicht runter, aber da unten waren eh alle Fenster geschlossen – so dachte ich jedenfalls.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, nachdem ich meine Runde ein zweites Mal beendet hatte, fühlte ich mich wieder sicher genug, um mich mit meinem Laptop zurück aufs Sofa zu setzen. Charlie sprang sofort neben mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber während ich versuchte, mich auf die nächste Folge Hilda zu konzentrieren, wanderte mein Blick immer wieder zur Wohnzimmertür oder zum dunklen Fenster. In meinem Kopf spielten sich Bilder ab, wie plötzlich ein Mann mit erhobenem Messer hereingestürmt kam oder wie er mich mit wahnsinnigen Augen durch das Fenster beobachtete. Als ich mir dann auch noch vorstellte, wie ein Wahnsinniger wieder und wieder mit seiner Faust gegen mein Fenster donnerte, schauderte ich. Meine Kehle hatte sich zugeschnürt. Ich war verdammt nahe an einem Nervenzusammenbruch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Charlie, der meinen Zustand bemerkt haben musste, rückte sofort etwas näher. Er begann, meine Hand abzulecken. Das tat er immer, wenn er mich beruhigen wollte – und was soll ich sagen? Es funktionierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach Charlie, du weißt gar nicht, wie froh ich bin, dass du hier bist“, sagte ich laut. Ohne ihn hätte man mich am Sonntag wahrscheinlich selbst in die Nervenheilanstalt einweisen müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Charlies seelischer Unterstützung schaffte ich es schließlich, noch zwei Folgen zu gucken und mir ein Brot zu schmieren, das ich bei einer dritten und letzten Folge aß. Als ich dann jedoch allmählich müde wurde, musste ich mich einer Sache stellen, vor der ich mich diesen Abend bisher gedrückt hatte: Charlie musste noch raus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise machten Mom oder Dad den Abendspaziergang mit ihm. Häufig kam ich mit. Aber allein war ich so spät noch nie mit ihm gegangen – immerhin war es um diese Uhrzeit nicht unbedingt sicher für eine Jugendliche wie mich. Darum hatten meine Eltern vorgeschlagen, dass ich Charlie abends kurz in den Garten lassen solle. Aber selbst das kam mir gerade mehr als nur unheimlich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich schließlich vor der Hintertür stand, atmete ich tief durch. Ich legte meine Hand auf das kalte Drehschloss. Wieder kostete es mich einige Überwindung, bis ich es schließlich schaffte, daran zu drehen. Die Tür machte leise Klick. Nun musste nur jemand die Klinke runterdrücken – entweder von drinnen oder von draußen – und die Tür wäre offen. Ich merkte, wie mein Herz zu rasen begann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich es mir anders überlegen konnte, öffnete ich die Tür vorsichtig einen Spalt breit. Während ich nach draußen spähte, um sicherzugehen, dass niemand in unserem Garten war, schlug mir sofort ein kalter Wind ins Gesicht. Laub wurde raschelnd über den Rasen geweht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Schnell sah ich nach links und rechts. Ich sah den hohen Holzzaun, der unseren gesamten Garten einschloss, das fest verschlossenen Gartentor, unseren Schuppen und die Kastanienbäume. Wenn ich so darüber nachdachte, gab es hier mehr als genug Orte, an denen sich ein fremder Mann hätte verstecken können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Charlie kümmerte das nicht. Sobald die Tür weit genug offen stand, spazierte er fröhlich nach draußen. Er brachte das Laub auf unserem Rasen zum Rascheln, ehe er sich erwartungsvoll zu mir umdrehte. Wahrscheinlich wollte er spielen, doch ich traute mich keinen Zentimeter vor die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir können morgen spielen“, sagte ich laut. Beinahe erschrak ich vor dem Klang meiner eigenen Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück nahm Charlie mir nicht übel, dass ich nicht mit ihm rausging. Vielleicht hatte er auch die Unruhe in meiner Stimme bemerkt. Er erledigte sein Geschäft und war kurz darauf zurück bei mir in der sicheren Wärme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich die Tür wieder abgeschlossen hatte, wäre ich beinahe zu Boden gesunken und hätte vor Erleichterung geweint. Lediglich der Gedanke, wie bescheuert das wäre, hielt mich davon ab. Selten war ich in meinem Leben psychisch so fragil gewesen. Ich wusste nicht, wie ich das ein ganzes Wochenende oder auch nur eine einzige Nacht durchhalten sollte. Das Beste wäre wohl, wenn ich sofort ins Bett ging, um zu schlafen. Wenn es draußen wieder hell war, sähe die Welt sicher ganz anders aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so beeilte ich mich, Zähne zu putzen, auf Toilette zu gehen, in meinen Schlafanzug zu schlüpfen und kurz darauf zwischen Kopfkissen und Bettdecke zu versinken. Charlie lag wie jede Nacht in seinem Körbchen direkt neben meinem Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer fegte der Wind ums Haus. Aber während ich es vorhin noch als gemütlich empfand, kam es mir jetzt vor wie das Geheul von Geistern, die, genau wie der entflohene Irre, irgendwie einen Weg nach drinnen suchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unruhig drehte ich mich auf die Seite. Jetzt mischte sich ein anderes Geräusch unter das Heulen: ein langsames und regelmäßiges Atmen. Es war Charlie, der seelenruhig in seinem Körbchen lag. Ich streckte meinen Arm aus, um ihm vorsichtig durch sein weiches Fell zu streicheln, bevor er anfing, meine Hand abzulecken. Es war warm und feucht, aber auch so unglaublich sanft. Genauso sanft wie mein geliebter Charlie selbst. Ich bekam es kaum mit, aber ich war bald eingeschlafen.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich die Augen aufschlug, war es noch immer stockdunkel um mich herum. Der Wind hatte sich gelegt, aber dafür drang jetzt ein anderes Geräusch an meine Ohren: <em>Plitt, plitt, plitt</em>. Das tropfende Geräusch kam aber nicht von draußen, sondern aus dem Haus. Von der Richtung her könnte es aus dem Badezimmer kommen. Hatte ich den Wasserhahn nicht richtig zugedreht? Am besten sollte ich aufstehen und nachsehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber als ich meinem Körper den Befehl zum Aufstehen gab, bewegten sich meine Beine keinen Zentimeter. Auch schaffte ich es nicht, die Arme zu bewegen, um meine Decke zurückzuwerfen. Allein der Gedanke, aufzustehen und durch das dunkle verlassene Haus zu gehen, ließ meinen Körper erstarren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich bestimmt fünf Minuten versucht hatte, mich zu überwinden, gab ich schließlich auf. Sollte der Wasserhahn doch tropfen. Ich würde ihn morgen früh zudrehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also drehte ich mich wieder auf die Seite und ließ meine Hand aus dem Bett Richtung Körbchen gleiten. „Du passt doch auf mich auf, oder Charlie?“, fragte ich in die Dunkelheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast sofort fühlte ich ein bestätigendes Lecken, als eine warme feuchte Zunge meine Hand traf. Trotzdem reichte es diesmal nicht aus. ‚<em>Plitt, plitt, plitt, plitt</em>‘, drang es unerbittlich an meine Ohren. Erst, als ich mich wieder auf das langsame, ruhige Atmen neben meinem Bett konzentrierte, während die Zunge wieder und wieder über meine Finger schleckte, fiel ich endlich zurück ins Reich der Träume.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen wurde ich von einem warmen Sonnenstrahl geweckt, der durch eine Lücke zwischen den Vorhängen fiel. ‚<em>Plitt, plitt, plitt</em>‘, ertönte es noch immer in der Ferne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich streckte mich herzhaft. „Guten Morgen, Charlie“, sagte ich, während ich nach dem Körbchen neben meinem Bett fühlte. Es war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwirrt schlug ich die Augen auf, setzte mich hin und sah mich um. Charlie war nicht in meinem Zimmer. Dafür stand die Tür einen Spalt breit offen. ‚<em>Komisch</em>‘, dachte ich. Wahrscheinlich hatte ich in meiner Panik letzte Nacht vergessen, sie zu schließen. Charlie lag bestimmt auf dem Sofa oder war in der Küche.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Plitt, plitt, plitt, plitt</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemächlich pellte ich mich aus dem Bett, zog mir warme Kuschelsocken über und wuschelte mir durch die wirren Haare, als ich in den Flur ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Charlie?“, rief ich. Keine Reaktion. „Chaaarlie?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich kein Pfotengeklacker hören konnte, das sich freudig näherte, ging ich weiter Richtung Wohnzimmer. Neben dem Badezimmer blieb ich jedoch stehen. ‚<em>Plitt, plitt, plitt, plitt</em>‘, konnte ich das Tropfen jetzt ganz deutlich hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte mir nichts weiter dabei. Also drückte ich die Badezimmertür auf und trat ein. Ich war bereits dabei, auf das Waschbecken zuzugehen, als ich in der Bewegung gefror. Hatte ich aus dem Augenwinkel nicht etwas bei der Badewanne gesehen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einer langsamen Bewegung drehte ich den Kopf. Dort hing etwas Großes. „Charlie!“, kreischte ich entsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein geliebter Charlie hing mit dem Kopf nach unten reglos über der Badewanne. Sein braunes Fell, die Wanne und die weißen Fliesen waren voller Blut. Aus einer klaffenden Wunde an Charlies Hals rann die dunkelrote Flüssigkeit. ‚<em>Plitt, plitt, plitt</em>‘, machte es, während sie an seiner Schnauze hinunterrann und tropfenweise in die Badewanne fiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte, dass meine Beine schwach wurden. Tränen schossen mir in die Augen, während ich mich fühlte, als würde jemand meinen Brustkorb zusammenpressen. Lediglich der Gedanke, dass die Person, das Monster, das Charlie das angetan hatte, noch immer im Haus sein konnte, hielt mich auf den Beinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch wandte ich mich der Tür zu, doch dort wartete bereits der nächste Schock auf mich. In blutiger Schrift stand an der Wand ein Satz geschrieben: „Humans Can Lick Too!“ – Menschen können auch lecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag: Charlie war schon tot gewesen, als irgendwer oder irgendetwas letzte Nacht meine Hand geleckt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übelkeit stieg in mir auf. Aber ich wartete keine Sekunde länger. Wie eine Wahnsinnige sprintete ich aus dem Bad. Ich rannte durch den Flur zur Haustür, wo ich hektisch an dem Türgriff zerrte. Die Tür war verschlossen. Ich hatte sie gestern abgeschlossen. Also rannte ich zu unserer Kommode, auf der der Schlüssel lag. Noch war der Flur leer. Ich rammte den Schlüssel ins Schloss, verfehlte in meiner Panik zweimal, bevor es klappte. Dann endlich ließ er sich drehen und ich rannte raus auf die Straße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schrie wie am Spieß, während ich zu den Nachbarn rannte. „Hilfe! Ich brauche Hilfe!“, kreischte ich, um irgendwie auf mich aufmerksam zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mrs. Fergus war noch an der Tür, ehe ich ihre Auffahrt erreichte. „Kaitlyn, du lieber Gott, was ist passiert?“, fragte sie, während sie noch dabei war, ihren rosa Bademantel zu schließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ließ mich sofort rein. Zuerst rief sie meine Eltern an und anschließend die Polizei. Sie kümmerte sich um mich, bis meine Mutter mich endlich in die Arme schließen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizei hingegen hörte sich nur flüchtig meine Aussage an, ehe sie das gesamte Haus und kurz darauf die komplette Nachbarschaft auf den Kopf stellte. Von dem Täter fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ich später herausfand, war es wirklich der Mann gewesen, der aus dem Mount Massive geflohen war. Ich verfolgte den Fall noch eine ganze Weile. Der Mann wurde nie gefasst.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Doggy Lick (englisch für „Das Hundelecken“), auch „Humans Can Lick Too“ („Menschen können auch lecken“) oder „The Licked Hand“ („Die geleckte Hand“) genannt, ist eine urbane Legende aus Amerika.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie handelt von einem Mädchen, das mit ihrem Hund allein zu Hause ist. Als sie von einem entflohenen Sträfling oder Irren erfährt, schließt sie sich vorsichtshalber ein, vergisst dabei aber ein Fenster.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Täter aus The Doggy Lick ist nicht viel bekannt, außer, dass er aus dem Gefängnis oder einer Nervenheilanstalt geflohen sein soll und in den meisten Varianten ein Mann ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In sehr seltenen Fällen kannte der Täter das Opfer bereits vorher, da er z. B. ihr Ex-Freund ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">The Doggy Lick beginnt damit, dass ein Mädchen oder eine junge Frau mit ihrem Hund allein zu Hause ist, weil ihre Eltern weggefahren sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie guckt z. B. Fernsehen, spielt mit dem Hund, liest ein Buch o. Ä., als sie auf dem Handy, im Radio oder im Fernsehen mitbekommt, dass ganz in ihrer Nähe ein gefährlicher Mann aus einer Nervenheilanstalt oder einem Gefängnis geflohen sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin fühlt sie sich unwohl und verschließt sämtliche Türen und Fenster im Haus, vergisst dabei aber die Hintertür oder ein Kellerfenster. In einigen Varianten gibt es auch ein Fenster, das sich nicht vollständig schließen lässt, in anderen ist der Täter bereits im Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der restliche Abend verläuft ohne ungewöhnliche Vorkommnisse, bis die Protagonistin schließlich ins Bett geht. Sie hält ihrem Hund, der unter oder neben dem Bett schläft, ihre Hand hin, woraufhin er an ihr leckt, da das sein Frauchen immer beruhigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitten in der Nacht wird sie wach, weil sie ein seltsames Tropfen aus dem Flur, um genau zu sein aus dem Badezimmer, hört. Sie hat zu viel Angst, um nachzusehen, also hält sie wieder ihrem Hund ihre Hand hin, damit er sie mit seinem Lecken beruhigt, bis sie wieder eingeschlafen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen, als sie das Tropfen noch immer hören kann, ist sie mutiger. Sie geht ins Badezimmer, um nachzusehen, und findet ihren Hund ermordet im Bad hängen. Das tropfende Geräusch, das sie auch schon in der Nacht gehört hat, kommt von dem Blut, das von der Hundeleiche auf den Boden oder in die Badewanne tropft. Außerdem steht mit dem Blut an der Wand ein Satz geschrieben: Humans Can Lick Too – Menschen können auch lecken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Häufige Alternativen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bei den meisten urbanen Legenden, die so bekannt sind wie The Doggy Lick, gibt es so viele Versionen, wie es Erzählende gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Beispiel handelt es sich bei der Protagonistin in anderen Versionen um einen Jungen oder eine alte Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird die Geschichte gelegentlich noch weiter erzählt, sodass man erfährt, dass der Täter nie gefunden wurde, oder aber die Protagonistin wird am Ende umgebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal wird auch der Ort vom Badezimmer in die Küche verlegt, wo die Protagonistin den Kopf des Hundes im Kühlschrank findet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem kann die Schrift des Täters auf dem Badezimmerspiegel, dem Fußboden oder einem Zettel stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe sogar eine Version von The Doggy Lick finden können, in der der Hund verschont wurde. Hier hat die Protagonistin lediglich – nachdem ihre Hand bereits geleckt wurde – herausgefunden, dass die Eltern den Hund in einem Zimmer im Haus eingesperrt hatten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall spielen urbane Legenden wie The Doggy Lick immer in der Nähe des Ortes, an dem sie erzählt werden. So spielte sie zu Anfang fast ausschließlich in den USA, mit steigender Bekanntheit aber bald auch in Kanada, Großbritannien und schließlich dem Rest der Welt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn es bei den meisten urbanen Legenden, die vor der Zeit des Internets entstanden sind, unmöglich ist, zu sagen, woher sie kommen, gibt es im Fall von The Doggy Lick zwei sehr ähnliche Geschichten, die bereits aus den Jahren 1871 und 1919 stammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste, „The Diary of a Victorian Squire“ (1871) von Dearman und Emily Birchall, enthält eine Szene, in der eine Frau meint, dass ein Einbrecher unter ihrem Bett läge. Ihr Mann erwidert jedoch, dass es nur der Hund sei, da er gerade seine Hand geleckt habe. Am nächsten Morgen fehlt Schmuck aus ihrem Zimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem anderen Buch, „The Diary of Mr. Poynter“ (1919) von M. R. James, streichelt ein Mann seinen Hund – zumindest denkt er, dass es sein Hund sei. In Wirklichkeit ist es ein menschenähnliches Wesen, das komplett aus Haaren besteht, wie er entsetzt feststellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob diese Geschichten die Legende tatsächlich inspiriert haben, ist natürlich nicht bekannt, es wäre aber durchaus denkbar, dass sie ihren Teil dazu beigetragen haben, dass „The Doggy Lick“ Einzug in die Übernachtungspartys und Lagerfeuergeschichten gefunden hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls hat sich die urbane Legende seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts stark verbreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen ist sie so bekannt, dass die Handlung von The Doggy Lick in diversen Serien und Filmen eingebaut wurde, wie z. B. Supernatural, The L Word, Urban Legends: Final Cut, Campfire Tales und vielen anderen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wurde die Handlung in mehreren <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/creepypasta" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Creepypastas</a> aufgegriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von The Doggy Lick? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie würdet ihr euch verhalten, wenn ihr allein zu Hause wärt und erfahrt, dass ganz in der Nähe ein gefährlicher Wahnsinniger geflohen ist? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Der Rake (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jan 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Creepypasta]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich spürte seine knochige Hand durch die Bettdecke an meinem Bein. Hastig zog ich es zurück. Mit den Knien an der Brust saß ich da. Ich war stocksteif. Kalter Schweiß rann meinen ganzen Körper herunter. Dann hatte der Rake mich erreicht ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/ab74dedf483e4247a35c270e9317f85b" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Rake ist ein menschenähnliches Wesen, das die Menschen im Schlaf beobachten soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da der Beitrag nicht nur einer meiner ältesten Beiträge, sondern auch in letzter Zeit mein meist besuchter Beitrag ist, habe ich mich entschieden, ihn zu überarbeiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch, wenn es schon viele Jahre her ist, erinnere ich mich an meine Begegnung mit <em>ihm</em>, als wäre es erst gestern gewesen &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals lebte ich mit meiner Mutter in einem kleinen, gemütlichen Haus in der Vorstadt. Es war das Haus, in dem ich aufgewachsen war. Zwischenzeitig hatte ich zwar einige Jahre allein gelebt, doch als Mom zu alt wurde, um für sich selbst zu sorgen, war ich zurückgezogen, um sie zu unterstützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war nicht immer leicht. Auf ihre alten Tage hatte sie immer wieder Phasen, in denen sie scheinbar grundlos schlecht gelaunt war. Insgeheim vermutete ich immer, dass sie bloß frustriert war, weil ihr Körper immer weiter abbaute. Obwohl sie sich vom Kopf her nicht alt fühlte, war sie bei vielen Dingen auf Hilfe angewiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch an jenem Abend kam ihre schlechte Laune nicht von irgendeinem Frust &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin wieder da!“, rief ich, nachdem ich die Tür hinter mir geschlossen hatte. „Hallo?“, fügte ich hinzu, als niemand antwortete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich fand ich Mom in der Küche. Sie saß auf ihrem Stuhl, wo sie gedankenverloren in die Gegend starrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mom? Alles in Ordnung?“, fragte ich beunruhigt. Wieso antwortete sie nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich hob sie den Kopf. Ihre Augen fixierten mich für eine Sekunde, bevor sie ein schwaches „Hi“ von sich gab. Dann sah sie wieder zu Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stockte. In ihren Augen lag ein Ausdruck, den ich selten bei ihr gesehen hatte &#8230; Angst!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hee. Ist was passiert?“, fragte ich, während ich mich auf den Stuhl neben ihr setzte. Vorsichtig legte ich meine Hand auf ihre. Sie zog sie weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich änderte sich ihr Gesichtsausdruck. „Lass mich!“, zischte sie. Sie funkelte mich an. „Wenn ich es dir erzählen würde, würdest du mir eh nicht glauben!“ Beleidigt starrte sie zur Seite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. Es war also etwas Übernatürliches &#8230; Mom glaubte schon immer an solchen Schwachsinn wie Engel, Dämonen und Geister.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenigstens bedeutete das, dass es nichts Ernstes sein konnte. Ich musste mir also keine Sorgen machen – obwohl es für Mom deswegen keinesfalls weniger real wirkte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist los?“, fragte ich ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mom zögerte. Sie sah mich verstohlen aus dem Augenwinkel an, bevor sie sich mir wieder zuwandte. Sie schien zu überlegen, ob sie es mir tatsächlich sagen sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also gut &#8230;“, sagte sie schwach. „Aber du musst mir versprechen, dass du mich nicht verspottest. Diesmal ist es nicht wie bei den anderen Sachen &#8230; Es geht um etwas, das ich schon einmal gesehen habe. Er &#8230; Er beobachtet mich, während ich schlafe. Nachts schleicht er in mein Zimmer &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Mund wurde trocken. „Jemand schleicht sich nachts in dein Zimmer?“, fragte ich beunruhigt. Wieso sollte ich sie dafür verspotten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mom schüttelte den Kopf. „Dieses &#8230; Ding ist kein Jemand! Es ist etwas anderes. Etwas Böses, Dunkles! Und ich spüre es in meinen Knochen: Diese Nacht wird er mich nicht nur beobachten!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie mit großen Augen an. „Soll &#8230; soll ich die Polizei rufen?“, fragte ich zögerlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mom schnaubte. „Die können auch nicht helfen. Ich sagte doch schon: Es ist kein Mensch. Es ist der Rake &#8230;“, erklärte sie verheißungsvoll, als müsse der Name mir etwas sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Rake?“, fragte ich skeptisch. „Und dieser Rake schleicht nachts in dein Zimmer?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie nickte. „Er beobachtet die Menschen. Ich weiß nicht, was er von uns will, aber es ist nichts Gutes!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und woher weißt du das alles?“, fragte ich. Ich war mir sicher, dass sie bloß etwas darüber gelesen oder vielleicht einen Film über diesen Rake geschaut haben musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hab ihn gesehen“, hauchte sie leise. „Vor vielen Jahren hab ich ihn gesehen. Er hockte neben meinem Bett, als ich nachts wach wurde. Seither spüre ich seine Anwesenheit jede Nacht.“ Sie klang schwach, während sie das sagte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Das war bestimmt nur ein Albtraum</em>‘, schoss es mir in den Kopf. Ich sprach den Gedanken jedoch nicht aus, um keinen Streit anzufangen. Stattdessen bot ich an, uns beiden einen beruhigenden Tee zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend wechselten wir das Thema. Mom erzählte von einem Krimi, den sie am Nachmittag gesehen hatte. Zwar war ich mir sicher, dass sie mir die Handlung desselben Films vor einigen Monaten bereits erzählt hatte, doch ich wies sie nicht darauf hin, um ihre Stimmung nicht wieder zu betrüben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als sie schließlich ins Bett sollte, kam der Rake wieder zur Sprache:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“, protestierte sie. „Ich kann nicht schlafen gehen. Das ist, wenn <em>er</em> kommt! Er wird mir etwas antun!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte Mom selten so aufgebracht gesehen. Als ich ihr aufhelfen wollte, wehrte sie sich mit Händen und Füßen. Es brauchte einiges gutes Zureden und Überzeugungskraft. Erst, als ich ihr versprochen hatte, dass ich unsere Türen offen und das Licht an lassen würde, sodass sie mich nur rufen brauchte, wenn etwas nicht stimmte, willigte sie schließlich ein, ins Bett zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte ihr eine gute Nacht und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann machte ich eine Runde durchs Haus, um auf Nummer sicherzugehen, dass alle Fenster und Türen verschlossen waren. Als ich noch einmal nach ihr sah, war sie bereits eingeschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich selbst von dem langen Tag ziemlich fertig war, entschied ich, ebenfalls ins Bett zu gehen. Trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen, vorher einmal nach dem Rake zu googeln. Ich wurde sofort fündig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst erschrak ich. Es gab viele Zeugenberichte von Leuten, die den Rake angeblich gesehen hatten. Auch realistisch aussehende Fotos und Videos waren darunter!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach etwas mehr Recherche fand ich jedoch den Ursprung heraus: Der Rake wurde vor über fünfzehn Jahren von mehreren Leuten zusammen erfunden. Die Zeugenberichte, Fotos und Videos waren nichts als Gruselgeschichten und Fälschungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem konnte ich verstehen, wieso Mom Angst davor hatte. Diese Kreatur, die wie ein nackter, unbehaarter und völlig abgemagerter Mann aussah, war mehr als nur furchteinflößend. Besonders das eine Video jagte mir einen Schauer über den Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich mich zu sehr in das Thema hineinsteigerte, legte ich mein Handy beiseite. Ich hatte keine Lust, ebenfalls Albträume von der Kreatur zu bekommen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wanderten meine Gedanken immer wieder zu dem Rake, bis ich schließlich in unruhige Träume fiel – nichts ahnend, dass wahre Albtraum erst noch kommen würde &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitten in der Nacht schreckte ich aus einem bösen Traum hoch. Mit schnellem Atem saß ich schweißgebadet im Bett. Und dann sah ich ihn &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er kauerte am Fußende meines Bettes. Seine Augen starrten mich an, als würden sie direkt in mich hinein sehen. Seine Haut wirkte in dem schwachen Licht von Flur fast weiß. Nackt hockte er in einer gebückten Haltung da, wie ein Tier, das auf seine Beute lauerte. Seine Augen leuchten in der Dunkelheit wie die einer Katze, als könne er im Dunklen sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war völlig reglos. Mein Herz raste. Träumte ich noch? Nein, ich hatte mich noch nie so wach gefühlt! Vielleicht war es eine dieser Schlafparalysen, bei denen man Monster sehen soll. Auch nicht &#8230; Ich konnte mich bewegen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich zuckte der Rake zusammen, als hätte ihn meine Bewegung erschrocken. Er stieß einen Laut aus, der an das Gejaule eines Hundes erinnerte, bevor er langsam auch mich zu krabbelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte seine knochige Hand durch die Bettdecke an meinem Bein. Hastig zog ich es zurück. Mit den Knien an der Brust saß ich da. Ich war stocksteif. Kalter Schweiß rann meinen ganzen Körper herunter. Dann hatte der Rake mich erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hockte direkt vor mir. Ein leicht fauliger Geruch stieg mir in die Nase. Ich konnte nur vermuten, dass es sein Atem sein musste, der durch seinen leicht geöffneten Mund entwich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gedanken rasten durch meinen Kopf. Was würde der Rake tun? Würde er angreifen? Sollte ich zuerst angreifen? Sollte ich versuchen zu fliehen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Moment, der mir wie eine Ewigkeit vorkam, saßen wir beide völlig reglos da und starrten einander an. Dann riss der Rake plötzlich seinen Kopf herum. Noch ehe ich wusste, was geschah, war der Rake bereits vom Bett gesprungen und auf allen vieren in den Flur gerannt. Seine Hände und Füße machten klatschende Geräusche, als sie auf die Fliesen trafen, während der Rake außer Sichtweite verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie versteinert saß ich auf meinem Bett. War das gerade wirklich passiert? Vielleicht war es ja doch bloß ein seltsam realistischer Traum &#8230; Immerhin war der Rake doch bloß eine Erfindung – ein Internetmythos!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann schnitt ein gellender Schrei durch die Stille.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mom!“, brüllte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So schnell ich konnte, folgte ich dem Rake in ihr Zimmer. Als ich es erreichte, sprang er mir entgegen. Als er gegen mich prallte, riss mich die Wucht zu Boden, bevor der Rake irgendwo hinter mir verschwand. Die roten Spuren, die seine Hände auf den Fliesen hinterließen, deuteten darauf hin, dass er in Richtung Eingangstür weggerannt war. Ich ignorierte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So schnell ich konnte, rappelte ich mich wieder auf. Ich stürzte zu Mom ans Bett. Sie atmete schwer. Ich gesamter Körper war mit Verletzungen übersät, die nach Kratzern und Bissspuren aussahen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne zu zögern, griff ich nach Moms Handy, das auf ihrem Nachttisch lag und wählte den Notruf. Doch die Hilfe kam zu spät. Noch ehe der Krankenwagen da war, hauchte Mom ihren letzten Atemzug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als schließlich auch die Polizei eintraf, versuchte ich verzweifelt, ihnen zu erklären, was vorgefallen war. Sie hörten mir jedoch nicht einmal richtig zu oder glaubten mir nicht – schließlich stand ich unter Schock. Ich bekam noch mit, wie sie die Fahndung nach einem unbekannten, nackten Mann starteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste jedoch, dass es kein Mann war. Es war der Rake &#8230; Mom hatte recht gehabt. Dieses Ding war kein Mensch &#8230; Und ich wusste genau, dass er wiederkommen würde. Ich wusste, dass ich eines Nachts wieder in seine kalten, leuchtenden Augen blicken würde – genau, wie Mom es gewusst hatte.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Rake ist ein im Internet entstandenes, menschenähnliches Monster. Heutzutage erfreut er sich weltweiter Beliebtheit.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Rake ist eine Kreatur, die einem nackten Menschen sehr ähnlich sieht. Er ist komplett haarlos, hat bleiche Haut, bewegt sich meist auf allen vieren fort und soll keine Nase besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Eigenschaften sind jedoch auch mit der Zeit weggefallen: So war im ursprünglichen 4chan Post noch von hunderten nicht-spitzen, aber trotzdem scharfen Zähnen die Rede. Ähnlich wie bei den schwarzen Augen oder der krummen Körperhaltung („als wäre er von einem Auto erwischt worden“), die ihm in der ursprünglichen Creepypasta zugesagt wurden, ist davon in neueren Texten nicht mehr die Rede. Auch in Videos und auf Bildern ist von diesen Eigenschaften meist nichts zu sehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nur sehr wenig über den Rake bekannt. Man kennt zwar einige seiner Verhaltensmuster, weiß jedoch nichts über seine Beweggründe oder Absichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Rake soll häufig auf unbekanntem Wege in Häuser einbrechen, um die Bewohner im Schlaf zu beobachten. Im Normalfall greift er dabei nicht an, sofern man ihn nicht provoziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnlich soll es sich verhalten, wenn man dem Rake nachts auf offener Straße oder im Wald begegnet. Er scheint neugierig zu sein und die Leute zu beobachten, lässt sie jedoch ihn Ruhe, wenn man ihn in Ruhe lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits gibt auch Geschichten, in denen der Rake scheinbar grundlos angreift. Er verletzt seine Opfer dabei in kürzester Zeit so schwer, dass die meisten von ihnen kurz darauf ihren Verletzungen erliegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal soll der Rake auch mit den Menschen sprechen. Obwohl man ihn angeblich deutlich verstehen kann, soll seine Stimme dabei eher an das Jaulen eines Hundes erinnern, als an die Stimme einen Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was er den Menschen mitteilt, ist dabei unterschiedlich. Die meisten Leute sprechen nicht darüber, was ihnen gesagt wurde. Sie wissen aber, dass das Monster „Rake“ heißt. Andere haben direkte Befehle bekommen, die sie aus Angst meist ausführen – z.&nbsp;B. das Land zu verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wohl schlimmste Eigenschaft des Rake ist, dass er seine Opfer auch nach der Begegnung noch weiter beobachten soll. Zeugen sollen davon berichtet haben, dass sie seine Anwesenheit jede Nacht spüren würden. Ob es sich dabei lediglich um Wahnvorstellungen handelt, oder ob der Rake sie wirklich weiter beobachtet, ist nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Augenzeugen berichten davon, dass sie dem Rake in einem Wald oder einer Vorstadt begegnet seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch kommt es immer wieder vor, dass der Rake sich innerhalb eines Hauses aufhalten soll, wo er die Leute beim Schlafen beobachtet. Wie genau er in die Häuser gelangt, ist nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Konzept für den Rake wurde im Jahr 2005 in einem 4chan Post namens „hey /b/ lets make a monster“ entwickelt. Damals wurden allerlei Ideen für die Kreatur gesammelt. So gab es z.&nbsp;B. ein Konzept, bei dem der Rake keinen Mund, dafür aber drei Augen hatte, das jedoch wieder verworfen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch sollen verschiedene Namensvorschläge gemacht worden sein. Welche anderen Namen damals in Frage gekommen sind, konnte ich jedoch nicht herausfinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ideen des 4chan Posts wurden 2006 schließlich von Bryian Somerville zu der heute bekannten gleichnamigen Creepypasta ausgearbeitet, die er auf seinem Blog postete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend hat die Creepypasta das Internet im Sturm erobert. Da sie so geschrieben ist, als bestünde sie aus realen Zeugenberichten, kamen schnell Gerüchte von anderen Menschen auf, die dem Rake begegnet seien. Die Creepypasta entwickelte sich zu einer urbanen Legende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sind im Laufe der Zeit mehrere Fotos und Videos des angeblichen Rake aufgetaucht. Die meisten von ihnen konnten jedoch als Fälschung entlarvt werden.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph">Was haltet ihr von dem Rake? Kennt ihr die Creepypasta (falls nicht, kann ich sie nur empfehlen)? Wie würdet ihr reagieren, wenn er nachts plötzlich vor euch hocken würde? Schreibt es in die Kommentare!</p>



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