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	<title>Schüler Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Tue, 03 Mar 2026 15:17:52 +0000</lastBuildDate>
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		<title>The Lake Worth Monster – Das Monster von Lake Worth</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Mar 2026 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Plötzlich knackte es neben uns im Unterholz. Fast hätte ich meine Taschenlampe eingeschaltet, um in die Richtung zu leuchten. Stattdessen starrten Suzanne und ich in die Dunkelheit, versuchten, zwischen den Ästen irgendetwas zu erkennen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-lake-worth-monster">The Lake Worth Monster – Das Monster von Lake Worth</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p>The Lake Worth Monster ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Kryptid</a>, der in den 1960er seine Bekanntheit erlangt hat, als er mehrere Male auf der Titelseite einer Lokalzeitung auftauchte. Aber was ist im Sommer 1969 in Texas wirklich passiert?</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p><em>Freitag, 10. Juli 1969</em></p>



<p>„Fischige Mann-Ziege terrorisiert parkende Pärchen bei Lake Worth“, las Suzanne vor. Sie, Wesley und ich kannten den Zeitungsartikel bereits auswendig. Trotzdem entschied sie, ihn noch ein letztes Mal zu lesen, während wir gemeinsam im Auto nach Lake Worth saßen.</p>



<p>Aber ich beschwerte mich gar nicht. Es half mir dabei, mich von der Dummheit abzulenken, die wir gleich vorhatten.</p>



<p>„Sechs entsetzte Anwohner berichteten heute Morgen der Polizei, dass sie von einem Ding angegriffen wurden, das sie als ‚halb Mann, halb Ziege und bedeckt mit Fell und Schuppen‘ beschrieben“, fuhr sie fort.</p>



<p>Da ich als Einziger auf dem Rücksitz saß, hatte ich mich zu ihr nach vorne gelehnt, um über ihre Schulter mitzulesen.</p>



<p>„Die Polizei sagt, dass John Reichert folgende Story erzählte: Reichert hatte, zusammen mit seiner Frau und zwei anderen Pärchen, gegen Mitternacht bei Lake Worth geparkt, als jemand oder etwas von einem nahegelegenen Baum auf ihr Auto sprang. Reichert sagte, dass das Ding versucht hat, seine Frau zu packen, aber er fuhr davon, ehe es sie berühren konnte.</p>



<p>Nachdem sie mit der Polizei zu dem Ort zurückgekehrt sind, zeigte Reichert, wo der Angriff stattgefunden hat, aber von dem Ding fehlte jede Spur. Er zeigte den Polizisten einen achtzehn Zoll langen Kratzer an der Seite seines Autos, den das Ding mit seinen Krallen verursacht haben soll.</p>



<p>‚Wir führten eine gründliche Untersuchung durch‘, sagte Streifenpolizist James S. McGee, ‚weil diese Leute wirklich verängstigt waren.‘</p>



<p>Trotzdem meinte McGee, dass die Pärchen wahrscheinlich die Opfer von Scherzbolden geworden sind, die entweder eine Puppe auf das Auto geworfen oder jemanden in ein Affenkostüm gesteckt haben.“</p>



<p>Suzanne faltete die Zeitung raschelnd zusammen. Danach hörte ich nur noch das Dröhnen des Motors, spürte die Vibration unter meinem Sitz.</p>



<p>„Meint ihr wirklich, dass das nur ein paar Scherzbolde in einem Kostüm waren?“, fragte ich.</p>



<p>Wesley drehte sich zu mir um. Ein breites Grinsen zog sich über sein Gesicht. „Nein. Wer würde denn sowas tun, Curtis?“, fragte er ironisch, ehe er seinen Blick wieder auf die Straße wandte.</p>



<p>Auf einmal wurde mir sehr warm unter meinem Mantel. Ich spürte, wie Schweiß meinen Rücken hinablief. Und das lag nicht nur an der texanischen Sommerhitze oder dem Gorillakostüm, das ich unter dem langen Mantel verbarg.</p>



<p>Zu meiner Verteidigung: Die ganze Sache war Suzannes Idee gewesen. Wir drei waren an der ganzen Schule für unsere Streiche bekannt. Und dann kam jemand anderes daher und zog den Streich des Jahres, vielleicht sogar des Jahrzehnts ab? Und das auch noch in den Sommerferien? Das konnten wir uns nicht gefallen lassen! Also hatten wir entschieden, dass wir uns selbst als das ominöse Monster verkleiden würden.</p>



<p>Zu meinem Leidwesen war ich der Größte aus unserer Gruppe. Obwohl ich erst sechzehn war, war ich über 1,90 cm groß. Und auch das Gorillakostüm, das Wesley aus der Theatergruppe unserer Schule „ausgeliehen“ hatte, passte mir überraschend gut.</p>



<p>Im Scheinwerferlicht vor uns kamen parkende Autos zum Vorschein. Sie standen auf beiden Seiten der ungepflasterten Straße auf dem vertrockneten Gras.</p>



<p>„Ach du scheiße“, sagte Wesley. „Was ist denn hier los?“</p>



<p>Wir hatten den Parkplatz noch nicht einmal ganz erreicht. Trotzdem parkten hier bereits zahlreiche Autos. Menschen standen in Paaren oder Gruppen herum und gingen umher. Ich erkannte, dass einige von ihnen Gewehre geschultert hatten. Ich schluckte schwer.</p>



<p>Nachdem wir noch ein kleines Stück gefahren waren, fuhr Wesley schließlich selbst in eine Lücke zwischen zwei parkenden Autos.</p>



<p>Ohne ein weiteres Wort zu sagen, stiegen wir aus. Ich schlang dabei den Mantel eng um mich. Trotzdem blitzte noch immer graues Fell an meinen Unterschenkeln hervor. Ich hoffte, dass es niemand bemerken oder ihm Beachtung schenken würde.</p>



<p>So machten wir uns auf den Weg zum Parkplatz in der Nähe des Sees.</p>



<p>„Hey!“, rief eine Stimme neben uns. Sie kam von einem Mann, vielleicht Mitte 30, der eine Schrotflinte über der Schulter trug. Er saß auf dem Dach seines Pick-ups, ein Bier in der Hand. Zwei andere Männer und eine Frau, die neben ihm standen, sahen zu uns.</p>



<p>Erschrocken sah ich sie an.</p>



<p>„Seid ihr nicht etwas jung, um euch so spät noch hier rumzutreiben?“, fragte der Mann auf dem Pick-up laut. „Habt ihr nicht gehört, dass hier irgendein Wesen lauert? Geht wieder nach Hause!“</p>



<p>Ich hätte es liebend gerne als Vorwand genommen, tatsächlich wieder nach Hause zu fahren.</p>



<p>Aber Suzanne funkelte ihn nur an. „Das ist immer noch ein freies Land. Und wenn wir nach dem Monster suchen wollen, dann machen wir das auch!“</p>



<p>Das wirkte. Der Mann nickte ihr anerkennend zu, ehe er sich wieder abwandte. Und auch die anderen schenkten uns keine weitere Beachtung.</p>



<p>„Sobald man solchen Rednecks was von einem freien Land vorschwärmt, knicken sie immer ein“, erklärte Suzanne, als wir außer Hörweite waren.</p>



<p>Ich wusste nicht, ob ich ihr dabei zustimmen konnte, aber für den Moment sollte sie zumindest recht behalten.</p>



<p>Der restliche Weg zum Parkplatz verlief ohne besondere Vorkommnisse, was vielleicht auch daran lag, dass wir inzwischen von regelrechten Menschenmassen umgeben waren, in denen wir nicht mehr wirklich auffielen. Es mussten fast hundert, wenn nicht noch mehr Leute sein, die sich auf die Suche nach dem Monster gemacht hatten.</p>



<p>„Seid ihr sicher, dass das eine so gute Idee ist?“, fragte ich, als wir uns etwas abseits gestellt hatten. „Habt ihr die ganzen Waffen gesehen?“</p>



<p>Wesley sah sich um, als müsse er noch einmal nachsehen.</p>



<p>Suzanne hingegen schüttelte den Kopf. „Wir müssen es ja nicht direkt hier machen. Wenn wir uns abseits halten und eine kleine unbewaffnete Gruppe suchen, hast du nichts zu befürchten.“</p>



<p>Ich lächelte schief. Alles in mir schrie danach, ihr zu widersprechen. Aber ich war noch nie der Mutigste gewesen. Auch wenn Suzanne und Wesley meine Freunde waren, knickte ich bei Gruppenzwang sehr schnell ein.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Mit nichts als unseren Taschenlampen bewaffnet hielten wir uns an die Wege, während wir langsam in einigem Abstand zum Ufer an Lake Worth entlanggingen. Trotzdem konnte ich das Wasser leise ans Ufer schwappen hören. Ab und an knackte es im Unterholz. Eine Eule schrie irgendwo in der Ferne. Ein Geräusch, das hingegen so präsent war, dass es bereits in den Hintergrund rutschte, war das durchgehende Zirpen von Grillen. Aber das war ich als gebürtiger Texaner bereits gewohnt.</p>



<p>Wirklich etwas Erwähnenswertes passierte jedoch nicht. Abgesehen davon, dass wir ganze Schwärme von Mücken abwehren mussten, kamen uns noch immer zahlreiche Leute entgegen, die einen mehr, die anderen weniger bewaffnet. Aber fast in jeder Gruppe konnte ich mindestens ein Gewehr sehen.</p>



<p>„Vielleicht sollten wir an einem anderen Tag zurückkommen, wenn weniger los ist“, versuchte ich es noch einmal.</p>



<p>„Und dann?“, fragte Wesley. „Wenn irgendwer mitbekommt, dass ich das Gorillakostüm ausgeborgt habe, bekomm ich einen Riesenärger! Vielleicht ist das heute unsere einzige Chance. Irgendwo finden wir schon noch ein passendes Opfer.“</p>



<p>Ich biss die Zähne zusammen. Er hatte leicht Reden. Wesley war ja auch nicht derjenige, auf den geschossen wurde, wenn irgendetwas schiefging.</p>



<p>Hilfesuchend sah ich zu Suzanne. Sie bemerkte meinen Blick, zuckte aber nur mit den Schultern. „Ich bin da ganz bei Wesley“, erklärte sie. „Keine Angst. Wir passen schon auf, dass nichts passiert.“</p>



<p>Ja … Das war wirklich <em>sehr</em> beruhigend …</p>



<p>Nachdem wir noch einige Minuten schweigend weitergegangen waren – langsam stieg meine Hoffnung, dass wir das Ganze doch abbrechen würden –, passierte etwas. Ich konnte aufgeregte Rufe in der Ferne hören.</p>



<p>Plötzlich kam uns ein Mann entgegengerannt. Auch er hatte ein Gewehr über der Schulter. „Es wurde beim Pit gesehen!“, rief er. „Das Monster hat beim Pit einen Reifen nach einer Gruppe geworfen!“</p>



<p>Das Pit war eine bekannte Grube in der Nähe. Um genau zu sein, gingen wir gerade genau darauf zu.</p>



<p>Im nächsten Moment stürmte eine Gruppe Männer an uns vorbei. Sie mussten den Ruf gehört haben und sich Richtung Pit aufmachen. Und auch Suzanne und ich setzten dazu an, in die Richtung zu laufen.</p>



<p>„Wartet!“, hielt Wesley uns auf. „Das ist unsere Chance! Wenn alle zum Pit laufen, finden wir vielleicht jemanden, der nicht nach dem Monster sucht. Hier ganz in der Nähe ist ein beliebter Treffpunkt für Pärchen!“</p>



<p>Suzanne und ich fragten nicht, woher er das wusste. Stattdessen folgten wir ihm ein Stück durchs Unterholz, weg vom Seeufer. Äste knackten, Sträucher raschelten unter unseren Schuhen. Die Mückenschwärme schienen hier dichter zu werden und auch mit dem ein oder anderen Spinnennetz machte mein Gesicht Bekanntschaft.</p>



<p>Als die Bäume vor uns gerade weniger zu werden schienen, ertönte plötzlich ein Schrei aus der Dunkelheit. Es klang aber nicht nach einem menschlichen Schrei. Wir blieben sofort stehen. Mit unseren Taschenlampen leuchteten wir wild um uns.</p>



<p>„Was war das?“, fragte ich sofort.</p>



<p>Meine Freunde antworteten nicht sofort. „Vielleicht eine Wildkatze?“, sagte Wesley dann. „Ich hab gehört, hier in der Nähe wurde kürzlich eine gesichtet. Wahrscheinlich hat jemand sie ausgesetzt.“</p>



<p>Ich fand allerdings nicht, dass es wie ein Luchs oder gar ein Puma klang.</p>



<p>„Kommt weiter“, drängte Wesley dann.</p>



<p>Suzanne und ich folgten ihm ohne Widerworte. Ehrlich gesagt war ich froh, aus dem undurchsichtigen Dickicht herauszukommen.</p>



<p>Wenig später stolperten wir auf einem breiten Dreckweg. Wir waren ein gutes Stück Richtung Highway gelaufen, wie ich jetzt erkannte.</p>



<p>Wesley machte aber keine Pause. Er sah sich flüchtig um, ehe er den Weg entlang weiterlief. Suzanne und ich folgten ihm.</p>



<p>Bald wurde der Weg noch breiter. Er erinnerte mich hier an einen kleinen Grandplatz, nur dass in der Mitte Reifenspuren verliefen. Links und rechts parkten einige Autos. Sie lagen dunkel und verlassen vor uns. Ich leuchtete durch die Scheiben, um sicherzugehen, dass niemand darinsaß. Zumindest, bis wir die Rückseite eines fensterlosen Vans ein kleines Stück wieder sahen. Er hielt am linken Wegesrand, sein Motor lief, die Rücklichter leuchteten rot und in der Fahrerkabine brannte Licht.</p>



<p>„Da!“, flüsterte Suzanne. „Das ist die Gelegenheit.“ Sie schob mich sanft in die Richtung, während wir unsere Taschenlampen ausschalteten.</p>



<p>Wesley folgte uns.</p>



<p>Jetzt waren wir darauf bedacht, keine Geräusche zu machen, damit die Leute im Auto nicht auf uns aufmerksam wurden. Trotzdem knirschten Steinchen unter unseren Füßen. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug. Wieder lief Schweiß meinen Rücken hinunter. Vorsichtig näherten wir uns dem Auto.</p>



<p>Es dauerte nicht lange, bis wir direkt dahinterstanden. Jetzt waren wir im toten Winkel, sodass die Insassen uns nicht durch die Seitenspiegel sehen konnten.</p>



<p>Vorsichtig öffnete ich meinen Mantel. Der Moment der Wahrheit.</p>



<p>„Warte noch!“, flüsterte Wesley plötzlich. „Ich geh nachsehen, ob sie bewaffnet sind.“ Das war die erste wirklich gute Idee, die er diesen Abend gehabt hatte.</p>



<p>Er steckte die Hände in die Hosentaschen, während er am Van vorbeiging. Er legte einen lockeren Gang ein.</p>



<p>„’n Abend“, hörte ich ihn sagen, während er entspannt an dem Wagen vorbeischlenderte. Dann blieb er abrupt stehen. Er wandte sich der Beifahrertür zu. „Wie bitte? Nein. Ich bin mit meinem Dad hier. Ja. Ich war nur kurz austreten. Danke. Ihnen auch.“ Er ging weiter, sodass er bald aus unserem Sichtfeld verschwand.</p>



<p>Suzanne und ich warteten gespannt. Als mir auffiel, dass ich dabei die Luft anhielt, zwang ich mich, ruhig weiterzuatmen.</p>



<p>Plötzlich knackte es neben uns im Unterholz. Fast hätte ich meine Taschenlampe eingeschaltet, um in die Richtung zu leuchten. Stattdessen starrten Suzanne und ich in die Dunkelheit, versuchten, zwischen den Ästen irgendetwas zu erkennen.</p>



<p>Erst jetzt fiel mir auf, wie dunkel es wirklich war. Ohne Taschenlampen, die die Gegend erhellten. Irgendetwas bewegte sich da draußen.</p>



<p>„Wesley?“, flüsterte ich in die Dunkelheit. Ich traute mich nicht, lauter zu sprechen, in der Angst, dass die Fahrzeuginsassen mich hören könnten.</p>



<p>Wieder ein Rascheln. „Ja, ich bin es“, kam es zurück.</p>



<p>Erleichtert atmete ich auf. Bald erkannte ich unseren Freund, wie er langsam aus dem Unterholz zu uns schlich.</p>



<p>„Und?“, fragte Suzanne ungeduldig.</p>



<p>„Da drinnen sitzen ein Mann und eine Frau. Vielleicht ein Pärchen“, erklärte er.</p>



<p>„Sind sie bewaffnet?“, hakte ich nach.</p>



<p>Im roten Schein der Rücklichter sah ich, wie Wesley meinem Blick auswich. „Ich glaube nicht.“</p>



<p>„Du glaubst?“</p>



<p>„Na ja, das Fenster ist recht hoch. Ich konnte nicht alles erkennen … Aber es ist ein Pärchen. Wahrscheinlich sind sie hier draußen, um rumzumachen oder sowas. Es wird schon alles gut gehen.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Wenig später stand ich in voller Gorillamontur an den Van gedrückt. Suzanne hatte mir meinen Mantel und die Taschenlampe abgenommen, während Wesley mir geholfen hatte, die Gorillamaske richtig aufzusetzen. Trotzdem war meine Sicht eingeschränkt.</p>



<p>Ich spähte an dem Van vorbei. Es war ein Firmenwagen, vermutete ich. Zumindest war an der Seite ein stilisierter Leuchtturm mit dem Schriftzug „Lighthouse“ darunter zu sehen.</p>



<p>Angestrengt starrte ich in den Seitenspiegel. Ich konnte eine junge Frau auf dem Beifahrersitz erkennen. Zum Glück sah sie nicht in meine Richtung. Sie war in ein Gespräch mit dem Fahrer vertieft. „Denken Sie, dass an dem Vorfall mit dem Reifen irgendetwas dran ist?“, fragte sie. Sie hatte einen ausländischen Akzent. Irgendetwas Europäisches.</p>



<p>Eine Männerstimme antwortete. Obwohl er mit dem vertrauten texanischen Dialekt sprach, musste ich mich anstrengen, um ihn über den laufenden Motor hinweg zu verstehen. „Ich glaube kaum, dass ein Klasse Zwei einen Reifen werfen würde. Wenn doch, geben die anderen uns Bescheid.“</p>



<p>Die anderen? Das meiste, was er sagte, ergab für mich keinen Sinn, aber das klang definitiv, als wären sie nicht allein. Und hatte vorhin der eine Mann nicht auch gesagt, dass das Monster einen Reifen geworfen habe?</p>



<p>Weiter darüber nachdenken konnte ich jedoch nicht. „Jetzt mach schon!“, zischte Suzanne. Sie gab mir einen sanften Schubs, der mich aus dem Gleichgewicht brachte. Ich taumelte mehrere Schritte vorwärts, ehe ich mich wieder fangen konnte.</p>



<p>Als ich aufsah, starrte die Frau mich durch das offene Fenster direkt an. Ihre Augen hatte sie weit aufgerissen.</p>



<p>Mein Hirn setzte aus. Ehe ich wusste, was ich tat, hatte ich die Hände hochgerissen und stieß meinen fürchterlichsten Schrei aus.</p>



<p>Das hätte ich besser nicht getan. Die Frau reagierte blitzschnell. Innerhalb von Sekunden blickte ich in den Lauf eines Gewehrs. Entschlossenheit blitzte in ihren Augen.</p>



<p>„Scheiße! Sie hat eine Waffe!“, hörte ich Suzanne rufen.</p>



<p>Die Schritte meiner Freunde ertönten auf dem Dreckboden, wie sie sich schnell entfernten. So viel zum Thema, dass sie mir helfen würden … Aber ich hatte gerade andere Probleme. Mit noch immer erhobenen Armen stand ich da. Der Schreck hatte mir die Sprache verschlagen.</p>



<p>„Agentin Fischer, nehmen Sie die Waffe runter! Das sind nur ein paar Kinder!“, rief der Mann plötzlich. Er hatte bereits um sie herumgegriffen, um den Lauf der Waffe beiseitezureißen.</p>



<p>Die Frau ließ es geschehen, hielt aber das Gewehr weiter mit verkrampften Armen fest. Ihr Blick blieb unverändert. Erst jetzt erkannte ich, dass das, was ich für Entschlossenheit gehalten hatte, in Wirklichkeit Angst war.</p>



<p>„Und du?“, brüllte der Mann jetzt mich an. „Findest du das etwa lustig? Du hättest verletzt werden können!“</p>



<p>Wieder stieg Panik in mir auf. Es war nicht dieselbe Angst wie eben. Es war keine Todesangst. Sie lähmte mich nicht. Also nahm ich die Beine in die Hand und rannte. Ich machte einen Bogen um die Rückseite des Vans herum, ehe ich weiter ins Unterholz stürmte. In den Schutz der Dunkelheit.</p>



<p>Leider brachte die Dunkelheit nicht nur Schutz mit sich. Suzanne hatte noch immer meine Taschenlampe. Und ohne Licht konnte auch ich kaum etwas erkennen. Das Mondlicht reichte kaum bis unter das Blätterdach. Einige Male schützte mich die Gorillamaske vor Ästen, die mir direkt ins Gesicht geschlagen wären.</p>



<p>Blätter und Laub raschelten. Alte Äste knackten unter meinen Füßen, während ich mehr stolperte, als dass ich rannte.</p>



<p>Dabei blickte ich mich die ganze Zeit panisch um, suchte nach irgendetwas, das mir bekannt vorkam. Aber natürlich fand ich nichts. Nicht nur, dass es viel zu dunkel war, wenn meine Freunde und ich Lake Worth besuchten, hielten wir uns fast immer an die Wege. Jetzt wusste ich hingegen nicht einmal, in welche Richtung der nächste Weg lag.</p>



<p>Als ich auf eine kleine Lichtung stolperte, blieb ich stehen. Hier konnte ich etwas besser gucken. Der Mond war eine schmale Sichel über den Baumkronen. Trotzdem reichte sein Licht aus, sodass ich hier den Boden sehen konnte. Es gab mir ein Gefühl von Sicherheit.</p>



<p>Schnell wandte ich den Kopf hin und her. Ich versuchte, herauszufinden, ob ich verfolgt wurde. Allerdings konnte ich kaum etwas hören. Mein Herz pochte so laut in meinen Ohren, dass es das meiste übertönte. Außerdem wusste ich nicht, ob das leise Geraschel im Unterholz von Menschen oder irgendeinem Tier kam.</p>



<p>Allerdings fiel mir beim Umsehen etwas anderes auf: Das graue Fell meines Kostüms schimmerte silbrig im Mondlicht. Ich stach als haarige Kreatur aus dem dunklen Wald hervor – in einem Gebiet, in dem unzählige bewaffnete Männer nach einem Monster suchten.</p>



<p>Panisch riss ich mir die Maske vom Kopf. Der Reißverschluss meines Kostüms befand sich jedoch am Rücken. Ich verrenkte mich, versuchte irgendwie, blind an das kleine Metallstück zu gelangen.</p>



<p>Da durchschnitt wieder ein Schrei die Nacht. Es war derselbe Schrei wie vorhin – die Wildkatze, wie Wesley sie genannt hatte. Nur, dass ich immer noch nicht fand, dass es wie eine Wildkatze klang. Und, dass der Schrei diesmal deutlich näher war.</p>



<p>Hektisch sah ich mich um. Ich hatte keine Ahnung, aus welcher Richtung der Schrei gekommen war. Also konzentrierte ich mich weiter auf den Reißverschluss.</p>



<p>Endlich hatte ich den kleinen Metallgriff zwischen Daumen und Zeigefinger. Er bewegte sich ein paar Zentimeter nach unten, ehe er hängenblieb – wahrscheinlich hatte sich Fell zwischen dem Schieber und den Zähnen verheddert.</p>



<p>In dem Moment hörte ich, wie sich Schritte aus dem Unterholz näherten. Es war ein leises, fast vorsichtiges Rascheln, als würde sich jemand anschleichen.</p>



<p>„Bitte!“, rief ich schnell. „Nicht schießen! Es ist nur ein Kostüm!“</p>



<p>Aber was sich da näherte, war kein Monsterjäger. Ich erkannte eine große helle Gestalt zwischen den Bäumen, die langsam auf mich zukam. Sie schlich von Baum zu Baum, als wolle sie sich dahinter verstecken.</p>



<p>Als sie den Rand der Lichtung erreichte, erkannte ich das weiße Fell, das ihren kompletten Körper bedeckte. War das das Monster? Schuppen konnte ich darin kein Entdecken. Aber was sollte es sonst sein? Ich überlegte, ob ich wegrennen solle, doch meine Beine bewegten sich keinen Zentimeter.</p>



<p>Im nächsten Moment trat die Gestalt auf die Lichtung. Sie machte einige vorsichtige Schritte auf mich zu. Dabei erkannte ich, wie riesig sie war. Sie war über zwei Meter groß. Außerdem war sie ungewöhnlich muskulös, hatte breite Schultern. Und an den Händen erkannte ich spitze Krallen.</p>



<p>Obwohl ich sein Gesicht nicht erkennen konnte – es lag im Schatten –, war ich mir jetzt sicher, dass es das Monster sein musste. Die ganze Art, wie es sich bewegte, mich neugierig musterte. Das waren nicht die Bewegungen eines Menschen.</p>



<p>Jetzt stand das Wesen direkt vor mir, sah auf mich herab. Ich hörte, wie es leise schnaufte, roch seinem Atem, der mich an den eines Hundes erinnerte. Es beugte seinen Kopf zu mir herab. Mein Körper verkrampfte sich. Es hob eine riesige fellbesetzte Hand in Richtung meines Kostüms.</p>



<p>Im nächsten Moment wurde es plötzlich hell um mich herum. Das Monster lag jetzt klar und deutlich vor mir. Seine Lippen zitterten, entblößten dabei spitze Eckzähne. Vielmehr erkannte ich in dem kurzen Augenblick aber nicht.</p>



<p>„Runter!“, brüllte eine Stimme hinter mir.</p>



<p>Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Immerhin war die Frau bewaffnet. Ich erkannte ihren europäischen Akzent sofort wieder.</p>



<p>Laub raschelte unter meinen Händen, während ich mich auf den Boden warf. Trockenes Gras pikste mich durch den dünnen Stoff. Ich spürte trockene Blätter an meiner Wange.</p>



<p>Der Knall, der Schuss, mit dem ich fest gerechnet hatte, blieb jedoch aus. Stattdessen hörte ich bloß, wie etwas über meinen Kopf hinwegsurrte.</p>



<p>Das Monster stieß ein erschrockenes Grunzen aus. Als ich aufsah, erkannte ich etwas, das wie rote Federn aussah, das frontal aus seiner rechten Seite ragte. Damals wusste ich noch nicht, was es war, aber inzwischen bin ich mir fast sicher, dass es ein Betäubungspfeil gewesen sein muss.</p>



<p>Im nächsten Moment wandte es sich um. Es stürmte in den Wald zurück. Die Europäerin nahm sofort die Verfolgung auf. Sie verschwand hinter dem Monster im Unterholz und mit ihr das Licht, das ihre Taschenlampe gebracht hatte.</p>



<p>Ich sah ihr nach, wie sich das Licht schnell entfernte, ehe meine Sicht vor Tränen verschwamm. Kurz darauf kauerte ich wie ein Häuflein Elend am Boden und weinte. Ich hatte die Knie angezogen, umklammerte sie mit meinen Armen, während ich meinen Gefühlen freien Lauf ließ. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viel Angst gehabt wie eben gerade. Nicht einmal, als das Gewehr auf mich gerichtet war.</p>



<p>Ich weiß nicht, wie lange ich dort gehockt hatte. Es konnten wenige Minuten, vielleicht auch eine halbe Stunde gewesen sein. Jedenfalls hörte ich irgendwann leise Stimmen in der Ferne.</p>



<p>„Curtis? Curtis, bist du hier irgendwo?“ Das war Wesleys Stimme. Er sprach dabei in dieser Mischung aus Flüstern und Rufen, die weder sonderlich unauffällig war noch auf weitere Entfernungen gehört werden konnte.</p>



<p>„Ich bin hier!“, rief ich. Der schwache Klang meiner Stimme überraschte mich.</p>



<p>Jetzt wurde es wieder hell um mich herum. „Curtis!“, rief Wesley. Dann wandte er sich in den Wald zurück. „Suzanne! Suzanne, ich hab ihn gefunden!“ Von der Vorsicht in seiner Stimme war nichts mehr zu hören.</p>



<p>Ich weiß noch, wie meine Freunde mir aufgeholfen haben. Suzanne hatte mir sofort meinen Mantel zurückgegeben, damit ich das Kostüm wieder darunter verstecken konnte. Außerdem haben die beiden sich mindestens einhundertmal bei mir entschuldigt.</p>



<p>Trotzdem habe ich bis heute nicht das Gefühl, dass sie mir meine Geschichte von der Begegnung mit dem Lake Worth Monster geglaubt haben. Immerhin waren nicht nur die beiden, sondern auch ich für meine Streiche bekannt.</p>



<p>Vielleicht dachten sie auch nur, die Geschichte sei meine Art gewesen, mich dafür zu rächen, dass sie weggerannt waren. So oder so hatten wir uns an jenem Tag jedenfalls geschworen, niemandem von unserem geplanten Streich bei Lake Worth zu erzählen.</p>



<p>Und auch den Van, die beiden Leute, die darinsaßen, oder gar das Monster habe ich nie wieder gesehen. Ich muss jedoch gestehen, dass ich auch nie das Verlangen verspürt hatte, nach ihnen zu suchen.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>The Lake Worth Monster, auch Lake Worth Creature oder Goatman genannt, ist ein Kryptid aus Texas. Es ist hauptsächlich für seine Sichtungen im Jahr 1969 bekannt.</p>



<p>An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf seinen Namen „Goatman“ hinweisen. Es weist zwar Eigenschaften des <a href="https://www.geister-und-legenden.de/goatman">Maryland Goatman</a> auf, der normalerweise gemeint ist, wenn jemand vom „Goatman“ redet, wird aber als eigenständiges Wesen angesehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Es gibt verschiedene Augenzeugenberichte, die das Aussehen des Lake Worth Monsters beschreiben sollen. Viele von ihnen bezeichnen ihn als „halb Mensch, halb Ziege“, ähnlich wie den Maryland Goatman. Er besitzt also den fellbesetzten Körper eines Mannes und den Kopf einer Ziege.</p>



<p>Auch werden ihm oft klauenbesetzte Finger und eine Körpergröße von über 2 Metern (genau genommen etwa 7 Fuß, also 213 cm) nachgesagt.</p>



<p>Worin sich die Beschreibungen jedoch vom Maryland Goatman völlig unterscheiden, ist die angeblich weiße Farbe seines Fells. Außerdem gab es Augenzeugen, die behaupten, das Lake Worth Monster habe Schuppen zwischen dem Fell oder gar Schuppen statt des Fells am Körper.</p>



<p>Ob das Lake Worth Monster Hörner (bzw. manchmal auch nur ein Horn) oder Ziegenbeine besitzt, hängt sehr von der Zeugenaussage ab.</p>



<p>Gerade bei neueren Sichtungen fehlt häufig der ziegenhafte Teil komplett. In diesen Sichtungen ist oft von einem Bigfoot-ähnlichen Wesen die Rede.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Über das Verhalten des Lake Worth Monsters und seine genauen Eigenschaften ist nicht viel bekannt. Es scheint aber angriffslustig zu sein und den Kontakt zu Menschen nicht zu scheuen.</p>



<p>Zumindest gibt es einen Augenzeugenbericht, bei dem das Lake Worth Monster sich erst aus einem Baum auf ein parkendes Auto gestürzt und anschließend versucht hat, die darin sitzende Frau zu packen.</p>



<p>Bei einem weiteren Vorfall soll es einen alten Reifen nach einer Gruppe Leute geworfen haben, nachdem es einen als „bemitleidenswert“ oder „traurig“ klingenden Ruf ausgestoßen hat.</p>



<p>Davon abgesehen gibt es Berichte von übermenschlichgroßen Fußabdrücken, einigen Tierkadavern – besonders bekannt ist ein Schaf, dem angeblich der Kopf zerquetscht wurde – und Blutspuren, die dem Lake Worth Monster zugeschrieben wurden.</p>



<p>Einige Augenzeugen haben außerdem von einem starken Gestank berichtet, wenn das Monster in der Nähe war. Wonach es genau gerochen haben soll, ist mir jedoch nicht bekannt.</p>



<p>Auffällig ist auch, dass das Lake Worth Monster in späteren Sichtungen sein Verhalten geändert haben soll. Es soll weniger angriffslustig gewesen sein und oft sofort die Flucht ergriffen haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Das Lake Worth Monster wurde hauptsächlich 1969 auf Greer Island im Lake Worth und der näheren Umgebung um den See in Fort Worth Texas gesichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die Legende des Lake Worth Monsters geht hauptsächlich auf den Sommer 1969 zurück, wo das Lake Worth Monster erstmals gesichtet worden sein soll.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die erste Nacht:</h4>



<p>Das Lake Worth Monster soll erstmals am 9. Juli 1969 von sechs Leuten gesehen worden sein. Gegen Mitternacht sei es auf das Auto von John Reichert und seiner Frau gesprungen. Reichert saß dabei am See und hat geangelt, während seine Frau im Auto saß und gelesen hat. Daraufhin habe das Monster versucht, Frau Reichert zu packen. In dem Moment war John Reichert jedoch bereits beim Auto. Er habe das Wesen weggestoßen, sei ins Auto gesprungen und geflohen. Als Beweis diente eine etwa 45 cm lange Schramme im Lack, die von der Kreatur verursacht worden sein soll.</p>



<p>Die Reicherts berichteten der Polizei, dass die Kreatur „halb Mensch, halb Ziege und von Fell und Schuppen bedeckt“ gewesen sei.</p>



<p>Wie die Lokalzeitung „Fort Worth Star-Telegram“ bereits am nächsten Tag berichtete, sollen einige Polizisten mit John Reichert zum Tatort zurückgekehrt sein, haben dort aber nichts Auffälliges gefunden.</p>



<p>Außerdem gab die Polizei zu, dass sie bereits seit zwei Monaten Berichte über seltsame Vorkommnisse um Lake Worth bekommen haben, sie hatten sie jedoch nicht für voll genommen. Die sechs Augenzeugen am 9. Juli wirkten jedoch sehr verängstigt, weshalb sie der Sache erstmals ernsthaft nachgegangen seien.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die zweite Nacht:</h4>



<p>In der darauffolgenden Nacht sollen sich über 200 Leute zum Lake Worth begeben haben, um nach dem Lake Worth Monster zu suchen. Es kam dabei zu mehreren angeblichen Sichtungen, eine von ihnen hat aber die größte Bekanntheit erlangt:</p>



<p>Eine Gruppe von Leuten soll einen mitleiderregenden Schrei gehört haben, woraufhin das Lake Worth Monster einen herumliegenden Autoreifen – die Insel wurde viele Jahre als Mülldeponie missbraucht – etwa 150 Meter nach ihnen durch die Luft geworfen habe. Sie sind daraufhin geflohen.</p>



<p>Viele Jahre später, im Jahr 2009, soll ein Mann, der sich nur als „Vinzens“ vorgestellt haben soll, zugegeben haben, in dem „Reifenangriff“ involviert gewesen zu sein. Er habe mit einigen Freunden mit dem Reifen herumgealbert und ihn eine Klippe hinunterrollen lassen. Dabei sei der Reifen auf einen kleinen Hügel getroffen, wodurch er in die Luft geschleudert wurde und vom Kurs abgekommen sein soll, ehe er in der Nähe einiger Passanten aufgekommen sei.</p>



<p>Der Reifen wurde, wenn man der Aussage glaubt, also weder 150 Meter durch die Luft geworfen, noch war die Gruppe das Ziel gewesen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Lake Worth Monster wird fotografiert:</h4>



<p>Später im Jahr gab es außerdem einen weiteren bedeutenden Vorfall: Ein Mann namens Allen Plaster hat das Lake Worth Monster mit einer Polaroidkamera fotografiert, während er in einem Auto an ihm vorbeigefahren ist. Das Foto könnt ihr ganz einfach mit einer Suchmaschine eurer Wahl finden.</p>



<p>Man erkennt darauf zwar „lediglich“ den Rücken einer Gestalt aus weißem Fell, die im Unterholz steht, das Foto hat aber seitdem internationale Berühmtheit erlangt.</p>



<p>In einem Interview von 2006 meinte Allen Plaster jedoch, dass er inzwischen glaube, dass es sich um einen Streich gehandelt habe.</p>



<p>„Looking back, I realize that when we drove by, it stood up. Whatever it was, it wanted to be seen. That was a prank. That was somebody out there waiting for people to drive by. I don’t think an animal would have acted that way.“</p>



<p>(Frei übersetzt: „Wenn ich zurückdenke, fällt mir auf, dass es aufgestanden ist, als wir an ihm vorbeigefahren sind. Was auch immer es war, es wollte gesehen werden. Das war ein Streich. Das war jemand da draußen, der darauf gewartet hat, dass Leute vorbeifahren. Ich denke nicht, dass ein Tier sich so verhalten hätte.“)</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Anmerkungen zum Ursprung:</h4>



<p>Besonders die Aufmerksamkeit der Presse und die Polizeieinsätze haben zu der damaligen Bekanntheit des Lake Worth Monsters geführt.</p>



<p>Aber wie sind die ersten Gerüchte überhaupt entstanden? Dazu gibt es mehrere Theorien. Zur damaligen Zeit waren die Gerüchte um den Goatman aus Maryland noch immer weit verbreitet. Es gibt daher die Theorie, dass sie sich z. B. durch Summer Camp Gruselgeschichten bis nach Fort Worth verbreitet haben.</p>



<p>Außerdem gaben im Nachhinein einige damalige High School Schüler zu, sich im Sommer 1969 ein Gorillakostüm angezogen zu haben, um bei Lake Worth einige Leute zu erschrecken.</p>



<p>Ein weiterer ehemaliger High School Schüler meldete zudem in einem Brief an das Fort Worth Star-Telegram, dass er mit zwei Mitschülern und einer Maske aus Alufolie im Sommer 1969 einige Passanten erschreckt habe.</p>



<p>Und auch ein Zwingerbesitzer gab noch im Sommer 1969 bekannt, dass ihm ein Makake entlaufen sei, der in der Gegend gesichtet worden sein konnte.</p>



<p>Die Polizei hingegen ging davon aus, dass es sich bei den Sichtungen um einen Luchs gehandelt haben könnte, der kurz vor den Sichtungen in dem Wald ausgesetzt wurde.</p>



<p>Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, wieso die Augenzeugen – vielleicht mit dem Maryland Goatman im Hinterkopf – der Meinung waren, das Lake Worth Monster gesehen zu haben. Auch würde es erklären, woher die Beschreibung „halb Ziege halb Mensch“ komme, die auch auf den Maryland Goatman zutrifft.</p>



<p>Erwähnenswert ist außerdem, dass es sich bei der Gegend früher um eine Lovers Lane gehandelt hat, bei denen es überall auf der Welt durchaus vorkommt, dass einige Schülerinnen und Schüler dort Streiche spielen.</p>



<p>Unterstützt werden diese Vermutungen durch den Fakt, dass die Sichtungen des Lake Worth Monsters zusammen mit dem Ende der Schulferien abrupt abgenommen haben.</p>



<p>Trotzdem gibt es noch immer viele Leute – besonders die Menschen, die dem Monster persönlich begegnet sein wollen –, die meinen, es habe sich definitiv nicht um einen Affen, eine Wildkatze oder gar eine kostümierte Person gehandelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Lake Worth Monster in der Popkultur:</h3>



<p>Es gibt in Fort Worth ein ganzes Fest, das dem Lake Worth Monster gewidmet ist: der Lake Worth Monster Bash. Erstmals fand es 2009 statt, woraufhin es jährlich veranstaltet wurde. 2014 entschied man jedoch, das Fest nur noch alle 5 Jahre zu veranstalten. Nachdem das Fest je 2014, 2019 und 2024 stattgefunden hat, wurde entschieden, es wieder etwas häufiger anzusetzen, weshalb der nächste Lake Worth Monster Bash am 24. Oktober 2026 stattfinden soll.</p>



<p>Außerdem gibt es zwei durchaus erwähnenswerte Bücher über das Lake Worth Monster.</p>



<p>Das erste ist „The Lake Worth Monster of Greer Island, Ft. Worth, Texas“ von Sallie Ann Clarke (September 1969), das – in Ergänzung einiger von der Autorin ausgedachten Begegnungen – die Sichtungen von 1969 nacherzählt. Clarke war bis zu ihrem Tod 2009 eine der führenden Experten zu der Kreatur und will das Wesen selbst ganze fünf Mal gesehen haben.</p>



<p>Das zweite Buch ist „Lake Worth Monster: The True Story of the Greer Island Goatman“ von Lyle Blackburn (2024). Es berichtet mit viel Detail über die zusammengetragenen Informationen zum Lake Worth Monster. Ich habe es selbst für die Recherche gelesen (wobei ich besonders die Nacherzählungen der ersten Sichtungen sowie die Fotos der Zeitungsartikel von 1969 sehr interessant fand).</p>



<p>Ansonsten gibt es zahlreiche Podcasts, YouTube-Videos und sogar Folgen verschiedener Dokuserien, die von dem Monster berichten, sowie Zeichnungen, die das Lake Worth Monster darstellen. Die Lakewood Brewing Company hat sogar eine limitierte Edition ihres Biers herausgebracht, dass eine Hommage an das Lake Worth Monster dargestellt hat.</p>



<p><em>Was haltet ihr von dem Lake Worth Monster? Glaubt ihr, dass es sich nur um eine Kombination aus Sichtungen von wilden Tieren und Streichen handelt? Oder ist mehr an der Sache dran? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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<p></p>
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		<title>Selkies – Sie wollen zurück ins Meer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich betrachtete die Narben, die zwischen meinen Fingern hervorblitzten. Laut meinen Eltern stammen sie von einem Gendefekt. Ich hätte eine Mutation gehabt, die meine Hände entstellt habe. Aber für mich sah das anders aus. Die Narben waren zu gleichmäßig. Sie waren an der Innenseite all meiner Finger und sogar meiner Zehen. Es sah eher danach aus, als hätte ich bei meiner Geburt Schwimmhäute gehabt, die mir wegoperiert wurden …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/c4efa1fc809e45aa8779f129ea03e064" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Selkies sind zur Abwechslung mal <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>, die überhaupt nicht gruselig sind. Trotzdem finde ich diese schottischen Meereswesen unglaublich faszinierend. Ich hoffe, sie gefallen euch ebenfalls!</p>



<p>Viel Spaß beim Lesen!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Mobbing<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Der Tag begann wie jeder andere. Nichts deutete darauf hin, dass ich an diesem Tag einen Menschen verlieren sollte, der mir so unglaublich viel bedeutete …</p>



<p>Ich saß in meiner Klasse. Unsere Englischlehrerin war noch nicht da, weshalb die anderen Schüler um mich herum noch schrien, lachten und rumalberten. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie zwei Schülerinnen eine Federtasche hin und herwarfen. Wem sie gehörte, wusste ich nicht. Aber das war mir eigentlich auch egal.</p>



<p>Stattdessen starrte ich auf meine Hände. Ich betrachtete die Narben, die zwischen meinen Fingern hervorblitzten. Laut meinen Eltern stammen sie von einem Gendefekt. Ich hätte eine Mutation gehabt, die meine Hände entstellt habe. Aber für mich sah das anders aus. Die Narben waren zu gleichmäßig. Sie waren an der Innenseite all meiner Finger und sogar meiner Zehen. Es sah eher danach aus, als hätte ich bei meiner Geburt Schwimmhäute gehabt, die mir wegoperiert wurden …</p>



<p>Und das war nicht das Einzige, das mich mit dem Ozean verband. Ich war der Sohn eines Fischers. Seit mein Dad klein war, hatte er meinen Opa auf seinem Fischerboot begleitet, bis er irgendwann in seine Fußstapfen getreten war und den alten Kutter von ihm übernommen hatte. Er hatte schon immer eine enge Beziehung zum Meer gehabt.</p>



<p>Das war jedoch nichts im Vergleich zu meiner Mum. Sie fuhr nicht mit Dad auf seinem Boot raus. Sie badete sogar nur selten im Ozean. Aber ihr müsstet sie mal sehen, wenn sie draußen auf der Veranda steht und aufs Meer hinausblickt. Die Sehnsucht in ihren Augen, die Überwindung, die es sie kostet, um ihre Augen von dem tiefen Blau abzuwenden. Es war, als wäre sie von der See besessen.</p>



<p>Aber es gab eine Erklärung dafür. Für ihr Verhalten und sogar für meine Schwimmhäute. Es war ein Verdacht, den ich noch nie laut ausgesprochen hatte.</p>



<p>„Hey, Fischfresse!“, riss mich eine Stimme aus meinen Gedanken. „Sitzt du ganz allein hier? Hat dein einziger Freund jetzt auch endlich erkannt, was du für ein Versager bist?“ Im nächsten Moment traf mich ein unsanfter Schlag am Hinterkopf.</p>



<p>Ich starrte dabei weiter angespannt auf meine Hände und versuchte, Angus zu ignorieren. Er war der größte Bully aus unserer Klasse. Und das meine ich wörtlich. Er überragte die meisten anderen Schüler, mich eingeschlossen, um mindestens einen Kopf. Und zu meinem Pech hatte er mich auf dem Kieker, seit ich angeblich seine Beziehung ruiniert hatte.</p>



<p>Es hatte damit angefangen, dass wir in die weiterführende Schule gekommen waren. Damals war Angus mit Ellie zusammen gewesen, einem Mädchen aus unserer Klasse. In den ersten Wochen wurde mir jedoch klar, dass Ellie heimlich ein Auge auf mich geworfen hatte. Eins hatte zum anderen geführt, bis Angus schließlich voller Eifersucht mit ihr Schluss gemacht hatte.</p>



<p>Dabei war das nicht meine Schuld gewesen. Oder zumindest nicht meine Absicht. Ich hatte keinerlei Annäherungsversuche gegenüber Ellie unternommen, ihr sogar gesagt, dass ich kein Interesse an ihr hatte. Aber es hatte nichts gebracht. Und so folgten bisher drei Jahre voller Terror, in denen ich nichts anderes tun konnte, als Angus‘ Schikanen auszusitzen.</p>



<p>„Hey! Callum! Hat dir deine Mommy nicht beigebracht, dass du antworten sollst, wenn jemand mit dir spricht?“, fuhr Angus mich an.</p>



<p>Ich konnte ein Zusammenzucken nicht unterdrücken. Er stand noch immer hinter mir. Der erwartete Schlag, der erneute Schmerz an meinem Hinterkopf blieb jedoch aus.</p>



<p>„Wenn du dich mit jemandem anlegen willst“, hörte ich eine andere Stimme, „such dir jemanden in deiner Größe.“</p>



<p>Erleichtert atmete ich auf. Da stand Liam und hielt Angus‘ zum Schlag ausgeholte Hand fest. Er zwinkerte mir zu.</p>



<p>Im nächsten Moment befreite Angus seine Hand mit einem Ruck. Er funkelte mich an. „Nächstes Mal, Fischfresse“, sagte er nur, ehe er weiter zu seinem Platz ging.</p>



<p>Liam kam einen Schritt näher. Er legte seine Hand auf meine Schulter. „Mach dir nichts draus, Callum. Angus ist ein Arsch.“</p>



<p>Ich widerstand dem Drang, nach seiner Hand zu greifen. Nicht hier. Die anderen durften nichts von uns wissen. Stattdessen lächelte ich ihn schief an „Danke. Aber das wusste ich schon vorher.“</p>



<p>Im nächsten Moment zog er seinen Stuhl zurück und setzte sich neben mich. „Wie sieht es eigentlich mit unseren Wochenendplänen aus? Steht das Zelten noch?“, fragte er neugierig.</p>



<p>Fast sofort spürte ich, wie mein Lächeln wärmer wurde. „Meine Eltern sind einverstanden“, erklärte ich. „Ich muss nur unser altes Zelt wiederfinden. Aber das bekomm ich schon hin.“</p>



<p>Ein ganzes Wochenende. Nur Liam und ich. Zwei Tage, an denen wir nicht aufpassen mussten, ob uns jemand sieht, wenn wir Händchen hielten. Wir mussten uns keine Gedanken machen, wenn wir abends zusammen im Gras lagen und den Sternenhimmel beobachteten. Uns nicht vorher umsehen, wenn wir einander einen flüchtigen Kuss geben wollten.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Der restliche Schultag verlief ruhig. Zwar sah ich einige Male, wie Angus mir verächtliche Blicke zuwarf, aber da Liam mir nicht mehr von der Seite wich, ließ er mich in Ruhe.</p>



<p>Als die Glocke schließlich das Ende der letzten Stunde ankündigte, beeilte ich mich, meine Sachen zu packen.</p>



<p>„Wir sehen uns morgen“, sagte ich zu Liam.</p>



<p>„Schreib mir, wenn was dazwischenkommt oder du das Zelt nicht findest“, erwiderte er. „Ansonsten hol ich dich um Punkt 10 ab.“</p>



<p>Ich grinste. „Ich schreib dir auch, wenn mir nichts dazwischenkommt“, erklärte ich. Danach berührte ich ihn sanft an der Schulter – die intimste Berührung, die ich mir in der Schule erlaubte –, ehe ich zum Bus rennen musste.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Nach einer ruhigen Busfahrt, bei der ich hauptsächlich Musik gehört hatte, und etwa drei Minuten Fußweg näherte ich mich unserem Haus. Es stand in Küstennähe und ich konnte von der Straße aus bereits das Rauschen der Wellen hören. Ein schwacher Geruch nach Meerwasser stieg mir in die Nase und ich spürte, wie mich ein wohliger Schauer überkam. Ich liebte den Strand.</p>



<p>Kurz darauf sah ich, dass auch Mum wieder auf der Veranda stand und auf das Meer hinaus starrte. Sie tat das häufig. Eigentlich fast täglich, wenn das Wetter gut war.</p>



<p>„Hey Mum“, begrüßte ich sie. „Bin wieder da.“</p>



<p>Aber Mum reagierte nicht. Es wirkte nicht so, als hätte sie mich bemerkt, obwohl ich laut genug gesprochen hatte.</p>



<p>Genau das meinte ich. Es war, als wäre sie in ihrer eigenen kleinen Welt gefangen. In diesen Momenten gab es nur sie und das Meer. Natürlich könnte das eine Form von Autismus sein oder irgendetwas Ähnliches, aber ich hatte etwas anderes im Verdacht. Etwas anderes, das noch so viel mehr erklären würde.</p>



<p>Hier in Schottland gibt es alte Legenden von den sogenannten Selkies – Schottisch für „Robben“. Und genau das waren sie auch. Bei den Selkies soll es sich um große Robben handeln, die manchmal ihr Fell abstreifen, um als Menschen an Land zu wandeln. Wenn sie nun ihr Fell verloren oder es gestohlen wurde, waren sie dazu verdammt, auf ewig Menschen zu bleiben. Es heißt aber, dass sie die tiefe Sehnsucht nach der See, ihrem wahren Zuhause, nie verlieren sollen.</p>



<p>Und ja, ich weiß, wie das klingt. Mit 15 sollte man nicht mehr an solche Märchen glauben. Am Anfang war es auch bloß eine alberne Idee gewesen, die ich selbst für bescheuert gehalten hatte. Je mehr ich über die Selkies gelesen hatte, desto mehr erinnerten mich die Erzählungen jedoch an Mum. Als ich dann auch noch erfuhr, dass die Kinder von Selkies oft Schwimmhäute zwischen Fingern und Zehen haben … Seit jenem Tag betrachte ich meine Theorie jedenfalls als reelle Möglichkeit.</p>



<p>Ich ertappte mich dabei, wie ich wieder meine Narben musterte. Also ließ ich die Hände wieder sinken. Mum hatte mich noch immer nicht bemerkt und ich wollte sie nicht aus ihren Gedanken reißen, also ging ich weiter ins Haus.</p>



<p>„Ich bin wieder da!“, rief ich.</p>



<p>Kurz darauf steckte Dad seinen Kopf aus dem Wohnzimmer. „Hi Callum“, grüßte er durch seinen vollen Bart. „Wie war die Schule?“</p>



<p>„So wie immer“, antwortete ich vage.</p>



<p>„Und Liam?“, fragte er weiter. „Wie geht es ihm? Freust du dich schon auf morgen?“</p>



<p>Bei dem Gedanken an meinen Freund musste ich sofort lächeln. „Ihm gehts gut. Und ja. Das tu ich. Apropos … Weißt du zufällig, wo unser Zelt ist? In der Garage konnte ich es gestern nicht finden.“</p>



<p>Dad überlegte einen Moment. „Puh. Es ist schon ewig her, dass wir das benutzt haben. Vielleicht liegt es auf dem Dachboden? Ich kann aber nicht versprechen, dass es nicht inzwischen völlig von Motten zerfressen ist.“ Er lächelte verspielt und zwinkerte mir zu.</p>



<p>Mein Gesichtsausdruck musste daraufhin so entsetzt gewesen sein, dass Dad lachen musste. Er kam zu mir und wuschelte mir durch die Haare. „Keine Sorge. Wenn das Zelt wirklich kaputt ist, fahre ich persönlich morgen früh in die Stadt und hol dir ein neues. Oder wenn du es nicht finden kannst. Ihr könnt euren kleinen Abenteuerurlaub auf jeden Fall machen.“</p>



<p>Jetzt strahlte ich. „Danke Dad“, sagte ich und gab ihm eine flüchtige Umarmung.</p>



<p>„In zwei Stunden gibt es Essen!“, rief er mir nach, während ich auf den Dachboden rannte.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auf dem Dachboden roch es nach Staub. Nein, es roch nicht nur danach. Im schwachen Licht, das durch ein einzelnes Fenster fiel, sah ich die Staubpartikel durch die Luft tanzen. Und auch die Möbel, Kisten und anderen Dinge hier oben waren alle von einer dicken Staubschicht bedeckt. Ich war ewig nicht hier oben gewesen.</p>



<p>Neugierig sah ich mich um. Mein Blick fiel auf einen in sich zusammengesackten Fußball, auf dem das ausgeblichene Gesicht einer Cartoonkatze war. Auch er war von Staub bedeckt. Trotzdem weckte er bei mir sofort Erinnerungen. Meine Eltern hatten ihn mir geschenkt, als ich noch nicht einmal in der Schule war. Wie viele Nachmittage wir ihn hin und her gekickt hatten. Mein Dad hatte extra schlecht gespielt, damit ich überhaupt ein Tor schießen konnte.</p>



<p>Wieder merkte ich, dass ich lächelte, während ich meinen Blick weiterwandern ließ. Hier oben waren so viel Dinge – mir bekannte und unbekannte. Einige mussten von meinen Großeltern stammen. Alte schwarz-weiß Fotos auf einem uralt aussehenden Tisch. Andere von Dad oder von mir. Nur von Mum schien hier nicht wirklich etwas zu liegen. Auch ihre Eltern oder andere Familienmitglieder hatte ich nie kennengelernt. Es gab nicht einmal Fotos von ihnen. Wieder musste ich an meine Selkie-Theorie denken.</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. Deswegen war ich nicht hier. Wenn ich vor dem Essen noch irgendetwas erreichen wollte, musste ich mich an die Arbeit machen!</p>



<p>Nachdem ich grob alles überflogen hatte, ohne dabei etwas zu finden, dass nach einem Zelt aussah, nahm ich mir die Kisten vor. In vielen von ihnen war Ramsch – altes Geschirr, Zeitschriften, aussortierte Wäsche. Ich ignorierte sie. Bei anderen hingegen fiel es mir weniger leicht, sie beiseitezuschieben. In ihnen lagen hauptsächlich alte Dinge von mir. An einer Kiste mit alten Spielsachen und Kuscheltieren verschwendete ich bestimmt eine Viertelstunde, obwohl von vornerein klar war, dass das Zelt nicht darin liegen würde.</p>



<p>Auch fand ich Dads alte Angelausrüstung. Sie lag auf einer unbeschrifteten Kiste. Auch hier schwelgte ich in Erinnerungen. Es war Jahre her, dass Dad und ich angeln waren. Warum auch? Fische fangen war immerhin sein Beruf. Da wollte er in seiner Freizeit sicherlich etwas anderes machen. Ich erinnerte mich an ein Lagerfeuer, über dem wir einen viel zu kleinen Fisch gebraten hatten – den einzigen Fisch, den ich an jenem Tag selbst gefangen hatte. Dad hatte mir geholfen, die Gräten zu entfernen, damit ich ihn essen konnte, ehe wir … zurück ins Zelt gegangen waren! Der Angelausflug war ein Campingtrip gewesen!</p>



<p>Hastig räumte ich die Angelausrüstung beiseite, um an die Kiste zu kommen. Vielleicht war ich dabei etwas unvorsichtig – die Ausrüstung fiel mir mit lautem Gepolter aus der Hand –, aber das war mir gerade egal. Sobald die Kiste frei war, klappte ich die obere Pappe beiseite. Darin lag … etwas Graues, Flauschiges. Unsicher griff ich danach. Es war eine Art dichter, weicher Stoff. Ich holte es aus der Kiste.</p>



<p>Kurz darauf lag die Robbenhaut ausgebreitet vor mir auf dem Boden. Sie war grau, mit dunklen Flecken und einem auffälligen hellen Muster in der Mitte – etwa dort, wo der Rücken der Robbe gewesen sein musste. Außerdem war es ungewöhnlich groß.</p>



<p>„Selkies können ihr Robbenfell abstreifen, um als Menschen an Land zu wandeln“, murmelte ich. Konnte es sein? War das Mums Fell?</p>



<p>Meine Gedanken kreisten. Sie wirbelten umher und überschlugen sich. Nehmen wir an, dass Mum tatsächlich eine Selkie ist. Warum lag ihr Fell dann auf dem Dachboden? Soweit ich mich erinnerte, hieß es, dass Selkies immer nach kurzer Zeit ins Wasser zurückgekehrt sind. Außer sie haben ihr Fell verloren. Oder es wurde gestohlen. Aber warum lag es dann hier oben. Dad würde doch nie …</p>



<p>Kurzerhand packte ich das schwere Fell und ging damit zurück ins Wohnzimmer. Meine Schritte stapften laut über die Holztreppe.</p>



<p>„Dad? Dad, was ist das?“, stellte ich ihn zur Rede.</p>



<p>Erst sah er neugierig auf. Dann weiteten sich jedoch seine Augen und er sah flüchtig zum Fenster. „Pack das weg“, flüsterte er leise. „Mum darf es nicht sehen.“</p>



<p>Also war es wahr? „Warum nicht?“, hakte ich nach.</p>



<p>„Es ist … Es ist ein Geschenk“, sagte er. Ich erkannte die Lüge sofort. Dad war noch nie ein guter Lügner gewesen.</p>



<p>„Ist Mum eine Selkie?“, fragte ich also direkt.</p>



<p>Daraufhin klappte Dads Mund auf. Es kam aber kein Ton heraus. Er schloss und öffnete ihn wieder. Er sah aus wie ein Fisch, den man an Land geholt hatte.</p>



<p>Das reichte mir als Antwort. Also rannte ich weiter Richtung Haustür. Wenn das Mums Fell war, musste sie wissen, dass es im Haus lag.</p>



<p>„Callum! Warte!“, rief Dad, während er mir nachstürzt. Aber er war zu langsam. Ich war bereits nach draußen auf die Veranda getreten.</p>



<p>Dort stand Mum. Sie wandte die Augen vom Ozean ab – wahrscheinlich um zu sehen, was der Tumult sollte.</p>



<p>Als sie mich sah, erstarrte sie. Oder besser gesagt als sie das Fell in meinen Händen sah. Ihre weit aufgerissenen Augen waren starr darauf gerichtet. Ungläubig tat sie einen Schritt auf mich zu.</p>



<p>„Ich kenne dein Geheimnis, Mum“, sagte ich leise, während ich das Robbenfell hochhielt. Ich spürte, wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete.</p>



<p>Jetzt hatte auch Dad die Tür erreicht. „Selene, ich … Ich kann es erklären!“, sagte er schnell.</p>



<p>Doch Mum beachtete ihn gar nicht. Sie trat weiter auf mich zu, streckte die Hand nach dem Fell aus, zögerte dann jedoch. Ihre Hand griff stattdessen nach meiner Wange. Ihre dunklen Augen sahen tief in meine. „Und ich kenne dein Geheimnis“, sagte sie ruhig. „Dad und ich sehen doch, wie Liam und du einander anseht. Wir wissen es. Und wir freuen uns für euch.“</p>



<p>Jetzt lächelte sie. Ich stand bloß da, spürte, wie mir heiß und kalt gleichzeitig wurde. „Ich … Wir …“, stammelte ich.</p>



<p>Mum streichelte meine Wange. „Es ist in Ordnung“, sagte sie sanft. Jetzt sah sie auch zu Dad. Auch ihn lächelte sie an. „Ich liebe euch.“</p>



<p>Dann griff sie nach dem Fell, warf es sich über die Schultern und rannte den kleinen Abhang zum Strand hinunter.</p>



<p>Dad stürzte ihr sofort nach. „Selene! Selene!“, brüllte er.</p>



<p>Ich blieb auf der Veranda stehen, sah dabei zu, wie Mum in die Wellen rannte und elegant wie eine Robbe darin verschwand. Nein. Nicht <em>wie</em> eine Robbe. <em>Als</em> Robbe.</p>



<p>Dad versuchte noch eine Weile, sie einzuholen, ehe er aufgab und völlig durchnässt aus dem Wasser stapfte. Er sackte am Strand in sich zusammen und weinte. Auch ich weinte jetzt.</p>



<p>Das war das letzte Mal, dass ich Mum gesehen habe. Zumindest in ihrer menschlichen Gestalt. Aber oft, wenn ich mit Liam am Strand bin, oder mit Dad auf seinem Kutter, kann ich unweit im Wasser eine Robbe entdecken. Eine Robbe mit einem auffällig hellen Muster auf ihrem Rücken.</p>



<p>Wenn ihr mich fragt, ob ich bereue, Mum ihr Fell wiedergegeben zu haben, so kann ich nur sagen, dass es das Richtige war. Klar, ich vermisse sie, aber sie ist ein Wesen des Meeres. Niemand sollte sie an Land gefangen halten. Auch nicht aus Liebe. Und ich denke, das hat auch Dad inzwischen eingesehen.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Selkies (Schottisch für „Robben“), auch Silkies, Sylkies oder Selchies geschrieben, sind Wesen der keltischen Mythologie. Es handelt sich bei ihnen um Robben, die ihre Haut ablegen und sich so in Menschen verwandeln können.</p>



<p>Oft werden sie als keltische Version der Meerjungfrauen-Legende bezeichnet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>In den meisten Geschichten sind sie weiblich, es gibt aber auch <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legenden</a> über männliche Selkies.</p>



<p>Wie bereits erwähnt sind sie Gestaltwandler. In ihrer Robbenform sehen sie wie normale Robben aus. Es handelt sich dabei aber normalerweise um größere Arten als z. B. die in Deutschland heimische Kegelrobbe.</p>



<p>In Menschengestalt hingegen werden sie als besonders schön und anmutig beschrieben. Man sagt, dass sich Menschen aufgrund ihres Aussehens sehr schnell in Selkies verlieben können.</p>



<p>Oft heißt es auch, dass sie dunkle Haare und/oder dunkle Augen hätten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die meiste Zeit sollen die Selkies in ihrer Robbengestalt im Meer verbringen. Es kommt jedoch vor, dass sie ihre Robbenhaut ablegen und sich so in einen Menschen verwandeln. In diesem Zustand müssen sie jedoch gut auf ihre Robbenhaut achtgeben. Wenn sie sie verlieren oder sie gestohlen wird, können sie sich nicht mehr in eine Robbe zurückverwandeln, bis sie ihre Haut wiederhaben. In diesem Zustand sollen sie sich intensiv nach dem Meer sehnen.</p>



<p>Wie oft bzw. wann sie ihr Robbenfell ablegen können, um sich zu verwandeln, kann je nach Version variieren. So heißt es manchmal, sie können sich nach Belieben verwandeln, andere Male heißt es hingegen, es ginge nur jede siebte oder neunte Nacht, nur bei Vollmond, nur einmal im Jahr (z. B. zur Sommersonnenwende) oder gar nur alle sieben Jahre.</p>



<p>In den meisten Geschichten, die von weiblichen Selkies handeln, stiehlt ein Mann das Fell der Selkie, um sie dazu zu zwingen, an Land zu bleiben. Entweder wird die Selkie dadurch an den Mann gebunden oder sie weiß nicht, dass er das Fell besitzt. So oder so gehen die beiden daraufhin oft eine Beziehung ein. In den meisten Fällen heiraten sie und bekommen sogar Kinder. Irgendwann findet die Selkie das Robbenfell, woraufhin sie es überstreift und als Robbe ins Meer zurückkehrt. Im Normalfall kommt sie nie wieder zu ihrem Mann zurück.</p>



<p>Die Kinder von Selkies haben oft Schwimmhäute zwischen den Fingern und Zehen. Auch sollen sie häufig weitere Eigenschaften wie z. B. die Schönheit oder eine Sehnsucht nach dem Meer von ihrem Selkie-Elternteil erben.</p>



<p>In einigen eher seltenen Legenden habe ich auch davon gelesen, dass Selkies das Wetter kontrollieren und somit Stürme heraufbeschwören können.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Männliche Selkies:</h4>



<p>Die Eigenschaften der männlichen Selkies sind an sich identisch mit denen der weiblichen, jedoch unterscheiden sich ihre Legenden häufig.</p>



<p>So sind männliche Selkies eher dafür bekannt, einsame oder unglücklich verheiratete Frauen zu verführen. Es heißt z. B., dass ein Selkie auftauchen soll, wenn eine Frau sieben Tränen ins Meer weint. In den Legenden verbringen die beiden daraufhin oft die Nacht zusammen, ehe der Selkie ins Meer zurückkehrt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Hauptsächlich stammen die Legenden über Selkies aus Schottland, besonders von den Orkney- und Shetlandinseln. Aber auch in anderen Küstenregionen Schottlands und an den Küsten Irlands sollen Selkies den Legenden nach anzutreffen sein.</p>



<p>Es gibt sogar einige Selkie-Legenden, die es bis nach Island und auf die Färöer geschafft haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die ältesten Erwähnungen von Selkies, die ich finden konnte, stammen aus dem 13. Jahrhundert. Abgesehen davon, dass die Legenden aus Schottland stammen, ist über den Ursprung der Selkies jedoch nicht viel bekannt.</p>



<p>Es gibt aber einige Theorien dazu:</p>



<p>So vermuten manche Folkloristen, dass es ein Erklärungsversuch für einige Krankheiten gewesen sein könnte, die zu gewissen Verformungen des Körpers von Kindern geführt haben. Als Beispiel wird hierbei Syndaktylie genannt, eine Krankheit, die in einigen Fällen für schwimmhautähnliche Verformungen zwischen zwei Fingern führen kann.</p>



<p>Auch besteht die Möglichkeit, dass sie metaphorisch gemeint sein und Frauen beschrieben haben könnte, die sich nicht in die damalige Gesellschaft eingefügt haben.</p>



<p>Am interessantesten finde ich hingegen eine Theorie, die erst im 19. oder 20. Jahrhundert entstanden ist. Darin wird die Vermutung aufgestellt, dass in früherer Zeit, als die Schotten bereits Kontakt zu den Finnen und/oder Samen gehabt hatten, sie einige der Skandinavier in ihren aus Tierhäuten bestehenden Booten gesehen haben könnten. Besagte Boote schwammen nur so lange gut, wie die Tierhäute noch nicht völlig durchnässt waren. Sie mussten also gelegentlich an Land gehen, um ihre Boote und wahrscheinlich auch ihre (häufig aus Robbenpelz) bestehende Kleidung zu trocknen.</p>



<p>Wenn ein Finne oder Same also an Land gegangen ist, wo er sein Robbenfell abgelegt hat, hätte es durchaus so aussehen können, als habe er sich gerade von einer Robbe in einen Menschen verwandelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Selkies in der Popkultur:</h3>



<p>Aufgrund ihrer internationalen Bekanntheit gibt es zahlreiche Auftritte von Selkies in der modernen Popkultur.</p>



<p>In dem irischen Fantasy-Abenteuerfilm „Das Geheimnis des kleinen Seehundes“ (1994), der auf dem Roman „Secret of the Ron Mor Skerry“ (Englisch für „Das Geheimnis von Ron Mor Skerry“, 1957) von Rosalie K. Fry basiert, spielen Selkies eine zentrale Rolle.</p>



<p>Weitere bekannte Selkie-Filme sind u. a. der irische Animationsfilm „Die Melodie des Meeres“ (2014), der australische Kinder-Abenteuerfilm „Selkie &#8211; Der Seehundmensch“ (2000) oder der irische Dramafilm „Ondine – Das Mädchen aus dem Meer“ (2009).</p>



<p>Auch gibt es diverse Bücher über Selkies, so z. B. der Fantasyroman „Sealskin“ („Robbenhaut“, 2016) von Su Bristow oder der Young Adult Roman „A Stranger Came Ashore“ („Ein Fremder kam an Land“, 1975) von Mollie Hunter.</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Selkies? Hat euch die Geschichte gefallen? Und was würdet ihr tun, wenn ihr die Robbenhaut einer Selkie am Strand findet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Madam Koi Koi – Bleib nachts auf deinem Zimmer!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Sep 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Also standen Nneka und ich wie versteinert da, während wir den unheimlichen Schritten lauschten. Waren das die anderen Schülerinnen, die uns einen Streich spielen wollten? Dass es sich dabei tatsächlich um die legendäre Madam Koi Koi handeln könnte, dachte keine von uns beiden …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/9595c358e1204ff593605fc5a190c7df" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Madam Koi Koi ist die zweite afrikanische Legende, die ich auf meinem Blog behandle. Sie handelt von dem rachsüchtigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> einer nigerianischen Lehrerin.</p>



<p>Außerdem möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei dem neusten Mitglied auf meinem Patreon bedanken. <strong>Vielen Dank für deine Unterstützung Rea!</strong></p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Gewalt gegen Kinder<br>
&#8211; Tod<br>
&#8211; Tod eines Kindes</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Leises Gekicher kam aus einem der Gänge. Ich stand mit meiner Taschenlampe bewaffnet da und leuchtete in die Richtung.</p>



<p>„Kommt raus!“, rief ich.</p>



<p>„Das ist Frau Uchenna!“, flüsterte eine erschrockene Mädchenstimme.</p>



<p>„Abeke, bist du das?“, rief ich. Ich hatte sie schon häufiger nachts auf den Internatsfluren erwischt. „Ich meine es ernst. Kommt raus! Wenn ihr jetzt auf eure Zimmer zurückgeht, werde ich euch nicht verpfeifen.“</p>



<p>Niemand rührte sich.</p>



<p>Mit schnellen Schritten näherte ich mich dem Gang. Zum Glück führte er in eine Sackgasse, sodass die Kinder nicht vor mir weglaufen konnten.</p>



<p>Als ich die Taschenlampe hob, um sie anzuleuchten, drängten sie sich eng aneinander. Sie sahen mit großen Augen zu mir auf, hatten die Köpfe leicht eingezogen. Zwei von ihnen hielten einander sogar an den Händen. Hatten sie solche Angst vor mir?</p>



<p>Ich seufzte innerlich, zwang mich aber, mein strenges Gesicht beizubehalten. „Ihr wisst genau, dass es nachts auf den Fluren nicht sicher ist“, sagte ich laut. „Wollt ihr, dass Madam Koi Koi euch erwischt? Wollt ihr sterben?“</p>



<p>Die Schülerinnen machten sich noch kleiner, als sie ohnehin schon waren. Einige von ihnen, darunter auch Abeke, schüttelten den Kopf.</p>



<p>„Worauf wartet ihr dann noch?“ Jetzt schrie ich die Kinder an. „Macht, dass ihr zurück in eure Betten kommt!“</p>



<p>Das wirkte. Die Mädchen rannten los. Einige quietschten ängstlich, während sie sich an mir vorbei drängten.</p>



<p>Ich sah ihnen nach, zufrieden nickend, während ich ihre Zimmertüren in der Ferne knallen hören konnte.</p>



<p>Im nächsten Moment gefror meine Miene jedoch. Ich starrte traurig in die Dunkelheit.</p>



<p>Vielleicht denkt ihr jetzt, dass ich die Kinder hasse. Die Internatslehrer und die Schülerinnen dachten das auf jeden Fall. Ich weiß, dass sie hinter meinem Rücken tuschelten und mich die verrückte Hausmeisterin nannten.</p>



<p>In Wirklichkeit war es jedoch genau andersherum. Ich hasste Kinder nicht, ich liebte sie. Wenn es eine Sache gab, die ich verhindern wollte, dann, dass ihnen etwas zustieß. Ich wollte sie beschützen, wie es mir damals mit Nneka nicht gelungen war.</p>



<p>Für diejenigen unter euch, die Madam Koi Koi noch nicht kennen: Sie ist eine der bekanntesten urbanen Legenden hier in Nigeria. Es gibt kaum eine Schülerin oder einen Schüler, der sie nicht kennt.</p>



<p>Der Legende nach war Madam Koi Koi einst eine gutaussehende, immer elegant gekleidete Lehrerin. Neben ihrer teuren Kleidung trug sie stets ihre roten High Heels und roten Lippenstift.</p>



<p>Aber so schön sie auch war, sie soll mindestens genauso grausam gewesen sein. Sie bestrafte ihre Schüler bei jeder Gelegenheit, schlug sie, wann immer ihr danach war, und nahm dafür manchmal sogar ein Holzlineal oder einen Stock.</p>



<p>Trotzdem konnten ihre Schüler ihr nie etwas nachweisen. Denn immer, wenn eine andere Lehrkraft oder der Rektor anwesend waren, benahm sie sich wie eine wahre Vorzeigelehrerin. Niemand der Erwachsenen nahm es ernst, wenn die Schüler sich über ihre beliebte Kollegin beschwerten.</p>



<p>Zumindest, bis die Lehrerin eines Tages zu weit ging. Sie gab einer Schülerin eine heftige Ohrfeige, traf sie dabei so unvorteilhaft am Ohr, dass ihr Trommelfell riss. Nun endlich hatten die Schüler ihren Beweis. Der Rektor konnte sie nicht länger ignorieren. Gemeinsam mit den Eltern des verletzten Mädchens, schafften sie es, dass die Lehrerin ihren Job verlor.</p>



<p>Die Schüler freuten sich. Sie fühlten sich befreit. Endlich gab es keine Schläge mehr während des Unterrichts. Was sie jedoch nicht ahnten, war, dass die Lehrerin auf dem Nachhauseweg einen tödlichen Unfall hatte. Sie war mit solch einer Wut losgefahren, dass sie eine rote Ampel übersehen hatte und von einem LKW erwischt wurde.</p>



<p>Während sie ihre letzten Atemzüge tat, schwor sie ihren Schülern Rache. Denn sie waren in ihren Augen nicht nur daran schuld, dass sie ihren Job verloren hatte, sondern jetzt auch noch ihr Leben.</p>



<p>Kurz darauf begannen ihre Schüler über Nacht einer nach dem anderen auf mysteriöse Weise zu verschwinden. Niemand wusste, was dort vor sich ging, bis die ersten von ihnen von klackenden Geräuschen erzählten, die sie nachts aus dem Flur hören konnten – dieselben klackenden Geräusche, die die roten High Heels ihrer Lehrerin gemacht hatten.</p>



<p>Und Madam Koi Koi, wie man den Geist der Lehrerin bald nannte, hatte mit ihrer Rache gerade erst begonnen. Selbst, als die Schule wegen der mysteriösen Vermisstenfälle geschlossen wurde, verfolgte sie die Schüler auf ihre neuen Schulen. Bald war auch dort niemand mehr sicher, der sich nachts auf den Fluren herumtrieb.</p>



<p>Zumindest war das die Geschichte, die man sich auf meinem Internat erzählt hatte. Und ja, auch ich hatte als Schülerin Angst vor Madam Koi Koi gehabt, aber es war eher ein wohliges Gruseln gewesen als tatsächliche Furcht. Wir machten sogar Mutproben, um zu sehen, wer es nachts am längsten auf dem Flur aushalten würde. Wirklich geglaubt hatte ich die Geschichte nicht. Bis ich Madam Koi Koi vor nicht ganz 30 Jahren fast selbst zum Opfer gefallen wäre.</p>



<p>Damals hatten meine beste Freundin und Zimmernachbarin Nneka und ich allerlei Blödsinn im Kopf gehabt. Wir schlichen uns oft nachts raus, nach der Bettruhe, um uns mit den anderen Schülerinnen zu treffen oder zu beweisen, wie cool wir waren.</p>



<p>Ich weiß noch, wie wir durch die Gänge schlichen. Unsere einzigen Lichter waren Nnekas schwache Taschenlampe und die Notausgangsschilder, während wir mit leisen Sohlen über den Betonboden schlichen. Ansonsten lag der Flur in völliger Dunkelheit.</p>



<p>Wir waren gerade auf dem Weg zu einigen anderen Mädchen, mit denen wir Wahrheit oder Pflicht spielen wollten, als ich aus einem der Gänge ein Geräusch hörte.</p>



<p>„Nneka? Warte mal. Ich glaube, ich hab da was gehört“, flüsterte ich. Ich fasste Nneka am Arm.</p>



<p>Sie blieb sofort stehen und schaltete die Taschenlampe aus. Wir hatten beide keine Lust, von einer Lehrkraft erwischt zu werden, also lauschten wir angespannt.</p>



<p>Ich erinnere mich genau, wie unbehaglich mir damals war. Während man am Tage im Internat immer etwas hören konnte, seien es die Stimmen von Schülerinnen, die entfernten Geräusche von Bewegungen oder auch nur das Surren der Leuchtstoffröhren, herrschte um uns herum jetzt vollkommene Stille. Es war richtig unheimlich.</p>



<p>Dann plötzlich hörte ich wieder etwas. Es waren langsame Schritte. <em>‚Klack, klack, klack‘</em>, hallten sie durch die Gänge. Es klang nach hochhackigen Schuhen. Nur hatten wir keine Lehrerin an der Schule, die solche Schuhe trug. Und selbst wenn, hätte sie das Licht eingeschaltet oder wenigstens eine Taschenlampe benutzt, während sie durch die Gänge zog.</p>



<p>Also standen Nneka und ich wie versteinert da, während wir den unheimlichen Schritten lauschten. Waren das die anderen Schülerinnen, die uns einen Streich spielen wollten? Dass es sich dabei tatsächlich um die legendäre Madam Koi Koi handeln könnte, dachte keine von uns beiden.</p>



<p>Trotzdem hielt ich völlig still, während sich die Schritte langsam näherten. Ich versuchte, ruhig zu atmen, während ich mein Herz bis zum Hals schlagen spürte.</p>



<p><em>‚Klack, klack, klack‘</em>, kamen die Schritte unaufhaltsam auf uns zu.</p>



<p>Ich weiß nicht, wieso sie es tat, aber als die Schritte fast bei uns waren, hob Nneka ihre Taschenlampe in die Richtung. Ich merkte es jedoch erst, als sie sie mit einem leisen Klicken einschaltete.</p>



<p>Das Rot war das erste, was ich sah. Nicht nur das Rot ihrer Lippen und ihrer High Heels, sondern auch das Blut, das ihren zerfetzten Körper zierte. Ich kann nur raten, dass es sich dabei um die Wunden handelte, die Madam Koi Koi sich bei ihrem Unfall zugezogen hatte.</p>



<p>Viel mehr erkannte ich von ihr jedoch nicht. Mit lautem Gekreische rannten Nneka und ich davon. Wir hetzten durch den Flur, zurück Richtung Zimmer.</p>



<p>Leider war ich sportlicher als Nneka. Und ich verschwendete nicht einen Gedanken daran, auf sie zu warten. Sobald ich das Zimmer erreicht hatte, stieß ich die Tür auf und stürzte hinein.</p>



<p>Für einen kurzen Moment zögerte ich. Ich starrte zurück in den dunklen Flur, wartete darauf, dass Nneka mich einholte. Aber als ich hörte, wie nah die inzwischen rennenden Schritte von Madam Koi Koi waren, gingen meine Nerven mit mir durch. Panisch schlug ich die Tür zu. Der Flur lag jetzt wieder in völliger Dunkelheit, aber Nneka hatte ja ihre Taschenlampe.</p>



<p>„Chinwe! Chinwe!“, rief sie meinen Namen.</p>



<p>Ich zögerte, rang mit mir. Ich überlegte, die Tür wieder zu öffnen, aber ich traute mich nicht. Stattdessen stand ich bloß reglos da und starrte auf den Türknauf.</p>



<p>Aber der Türknauf drehte sich nicht, obwohl Nneka allmählich hier angekommen sein musste.</p>



<p>Dann plötzlich gab es ein lautes Rums und die gesamte Tür erzitterte. Jetzt schrie Nneka wie am Spieß. Direkt hinter der Tür. Und auch die Schritte von Madam Koi Koi waren verstummt. Noch ein Rums. Wieder erzitterte die Tür. Und noch einmal. Nnekas Schreie wurden dumpfer, benommener.</p>



<p>Die ganze Zeit stand ich nur wie erstarrt da, zu ängstlich, um mich zu bewegen, während der Kopf meiner besten Freundin wieder und wieder gegen die Tür geschlagen wurde. Nneka wurde nur wenige Zentimeter von mir entfernt ermordet.</p>



<p>Ich denke nicht gerne an jenen Tag zurück, aber er hat mich gezeichnet. Wie oft hatte ich mir schon Vorwürfe gemacht. Vielleicht hätte Nneka überlebt, wenn ich unsere Zimmertür nicht zugeschlagen, sie das Zimmer sofort im dunklen Flur gefunden hätte.</p>



<p>Ich war nicht einmal diejenige, die ihre Leiche gefunden hatte. So viel Angst hatte ich davor, die Tür zu öffnen. Und die Erwachsenen? Sie glaubten mir kein einziges Wort. Sie suchten nach einem menschlichen Täter, der Nneka das angetan haben könnte.</p>



<p>Natürlich fanden sie niemanden. Ich ging mehrere Jahre in Therapie, um den traumatischen Vorfall zu verarbeiten. Aber trotzdem weiß ich genau, was mir in jener Nacht zugestoßen war. Ich werde niemals die Wut vergessen, dass niemand, nicht einmal meine eigenen Eltern mir geglaubt hatten.</p>



<p>Also hatte ich entschieden, anders zu sein, wenn ich groß bin. Ich hatte bereits damals den Entschluss getroffen, dass ich andere Kinder vor Madam Koi Koi schützen wollte. Deswegen war ich Hausmeisterin an einem Internat geworden. Und so zog ich jetzt jede Nacht meine Runden durch die Flure, in der Hoffnung, dass ich auch nur eine einzige Schülerin vor einem grausamen Tod bewahren konnte.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Madam Koi Koi, auch Lady Koi Koi oder Miss Koi Koi genannt, ist der bösartige Geist einer Lehrerin. Sie stammt aus einer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbanen Legende</a> aus Nigeria.</p>



<p>Ihr Name Madam Koi Koi kommt von den Geräuschen, die ihre hochhackigen Schuhe auf den Schulfluren machen sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Zu Lebzeiten war Madam Koi Koi eine gutaussehende stets elegant gekleidete schwarze Frau. Ihr Markenzeichen waren ihre roten High Heels sowie ihr roter Lippenstift.</p>



<p>Nach ihrem Tod ist – zumindest den meisten Versionen der Legende zu Folge – von ihrer Schönheit jedoch nicht viel übriggeblieben. Durch die Umstände ihres Todes, auf die ich weiter unten näher eingehen werde, wurde Madam Koi Koi entstellt. Daher soll auch ihr Geist von Verletzungen übersät sein. Manchmal heißt es außerdem, dass sie nur noch einen ihrer roten High Heels trägt.</p>



<p>In anderen Versionen ist ihr Geist unsichtbar, sodass man ihn nur an den Geräuschen der hochhackigen Schuhe erkennen kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Madam Koi Koi ist ein rachsüchtiger Geist, der es hauptsächlich auf Schülerinnen und Schüler abgesehen hat.</p>



<p>Sie soll nachts auf der Suche nach Opfern durch Internate, selten auch durch weiterführende Schulen streifen.</p>



<p>Sollte sie dort jemanden entdecken, der sich auf den Gängen oder Toiletten herumtreibt, statt sich im Bett zu befinden, greift sie ihn an.</p>



<p>Was genau sie mit ihren Opfern macht, kann sehr unterschiedlich sein. Manchmal schlägt sie sie nur oder verletzt sie leicht, andere Male tötet sie die Schüler oder sie verschwinden spurlos und werden nie wieder gesehen.</p>



<p>Man kann sich jedoch vor ihr schützen, indem man sich ins Bett legt (oder im Bett liegenbleibt) und die Augen geschlossen hält, bis ihre Schritte in der Ferne verhallt sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Madam Koi Koi soll hauptsächlich nachts in Internaten und weiterführenden Schulen gesichtet werden. Obwohl die Legende ursprünglich aus Nigeria stammt, hat sie sich – und somit auch die Sichtungen – auf andere afrikanische Länder ausgeweitet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Der genaue Ursprung der Legende von Madam Koi Koi ist nicht bekannt. Man weiß nur, dass sie etwa Mitte des 20. Jahrhunderts in Nigeria entstanden sein muss.</p>



<p>Es heißt, dass damals eine boshafte Lehrerin in einer nigerianischen Schule oder einem nigerianischen Internat unterrichtet haben soll, die die Schüler für jede Kleinigkeit bestraft und geschlagen habt.</p>



<p>Trotzdem hat die Schule nie etwas gegen sie unternommen – entweder, weil sie der Lehrerin nichts nachweisen konnten oder weil sie die Aussagen der Schüler nicht ernstgenommen haben.</p>



<p>Ab diesem Punkt gibt es unzählige Versionen, was passiert sein soll. Die zwei beliebtesten möchte ich euch hier erzählen, auch wenn die anderen Versionen (besonders aus anderen Ländern) auch hiervon stark abweichen können.</p>



<p>In der ersten soll die Lehrerin einer Schülerin eines Tages eine so heftige Ohrfeige gegeben haben, dass ihr Trommelfell gerissen ist. Daraufhin wurde die Lehrerin gefeuert. Kurz darauf – auf dem Weg nach Hause oder an einem der folgenden Tage – soll sie in einen schweren Unfall verwickelt worden sein, den sie nicht überlebt hat. Ehe sie jedoch starb, soll sie den Schülern Rache geschworen haben, die sie für ihre Kündigung und in einigen Versionen sogar für ihren Tod verantwortlich gemacht hat.</p>



<p>Die zweite Version ist sehr viel düsterer. In dieser machte die Lehrerin nämlich nicht den Fehler, Beweise für ihre üblen Taten zu hinterlassen. Also entschieden die Schüler, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie lauerten ihr nach der Schule auf, um sie zusammenzuschlagen. Es ist nicht bekannt, ob es ein Versehen oder Absicht war, aber sie brachten die Lehrerin dabei um. Anschließend ließen sie ihre Leiche verschwinden oder es wie einen Unfall aussehen.</p>



<p>Seitdem soll der Geist der Lehrerin durch die Schulen und Internate Nigerias streifen und sich für ihren Tod an jeder Schülerin und jedem Schüler rächen, die sie nachts auf den Fluren antrifft.</p>



<p>In der Version, laut der die Schüler sie umgebracht haben, hat sie ihre Mörder einen nach dem anderen umgebracht oder verschwinden lassen. Und selbst als der letzte von ihnen seine Tat gestand und berichtete, dass er nachts ihre Schritte auf dem Flur hören könne, konnte ihn das nicht retten.</p>



<p>Einen realen Fall, der zu der grausamen Lehrerin und ihrem Unfall oder Mord passt, habe ich jedoch nicht finden können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Madam Koi Koi in der Popkultur:</h3>



<p>Madam Koi Koi zählt zu einer der bekanntesten urbanen Legenden aus Nigeria. Daher dürfte es wenig überraschen, dass sie Einzug in die Popkultur gefunden hat. So gibt es gleich mehrere Filme über sie, wie z. B. den Film „Koi Koi: The Myth“ (englisch für „Koi Koi: Der Mythos“) von 2022 sowie den Netflix-Zweiteiler „The Origin: Madam Koi Koi“ („Der Ursprung: Madam Koi Koi“) von 2023.</p>



<p>Solltet ihr vorhaben, euch den Netflix-Zweiteiler anzusehen, möchte ich an dieser Stelle jedoch eine Warnung aussprechen: Darin spielen Vergewaltigungen eine zentrale Rolle. Die Szenen sind teilweise ziemlich heftig. Solltet ihr also bei dem Thema empfindlich sein, solltet ihr die Filme vielleicht lieber auslassen.</p>



<p>Außerdem ist Madem Koi Koi die Antagonistin in dem Kinderbuch „Feyi Fay and The Case of the Mysterious Madam Koi Koi“ („Feyi Fay und der Fall der mysteriösen Madam Koi Koi“) von Simisayo Brownstone aus dem Jahr 2018.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Madam Koi Koi? Kanntet ihr die Legende bereits? Und würdet ihr gerne mehr afrikanische Legenden auf meinem Blog lesen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Candyman – sag nicht seinen Namen!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Oct 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Also gingen sie gemeinsam ins Badezimmer und stellten sich vor den Spiegel. Dort sprachen sie seinen Namen. Einmal. Zweimal. Dreimal. Viermal. Ehe sie fortfuhren, sahen sie einander bedeutungsvoll an. Sie wussten alle, dass es kein Zurück mehr gab, wenn sie seinen Namen noch ein letztes Mal sagten …</p>
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<p>Candyman ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> einer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbanen Legende</a>, den man angeblich durch ein einfaches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ritual</a> rufen kann. Warum ihr das auf keinen Fall tun solltet, erfahrt ihr in diesem Beitrag.</p>



<p>Außerdem möchte ich noch kurz mitteilen, dass der nächste Beitrag nicht erst in zwei Wochen, sondern in Form des Halloween-Specials bereits nächste Woche kommt. Und ich verrate so viel: Dass ich für diesen Beitrag vier Charaktere aus meinem Roman (darunter die Hauptperson Luna) ausgewählt habe, war nicht ganz zufällig. ^^</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; angedeuteter Rassismus</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Es war die Nacht des 31. Oktobers: Halloween. Und obwohl ich mir seit meiner Kindheit nichts mehr aus diesem Datum gemacht hatte, saß ich dieses Jahr zusammen mit drei anderen Mädchen in einem Kreis auf dem Boden und lauschte ihren Gruselgeschichten. Und das, obwohl ich Horror bisher nie wirklich mochte.</p>



<p>Angefangen hatte alles mit meinem Umzug vor wenigen Monaten. Ich wohnte jetzt in einer neuen Stadt, ging auf eine neue Schule, hatte neue Freunde. Wobei ich dazu sagen sollte, dass es keine „alten Freunde“ gab. Vor dem Umzug war ich eine Außenseiterin gewesen. Ich hatte mit Mobbing zu kämpfen gehabt, hasste die Zeit in der Schule und verbrachte meine Freizeit hauptsächlich allein mit meinem Zeichenblock und allerlei Büchern.</p>



<p>Nach meinem Umzug hatte sich das zum Glück geändert. Natalie, Lisa und Jenny – drei Mädchen aus meiner Klasse – hatten mich aufgenommen, als hätte ich schon immer zu ihrer kleinen Gruppe dazugehört. Früher hätte mich nie jemand gefragt, ob ich mit ihm oder ihr auf eine Halloweenparty gehen möchte. Natalie hingegen hatte mir wie selbstverständlich mitgeteilt, dass wir dieses Halloween bei Lisa gemeinsam einen Horrorabend verbringen würden.</p>



<p>Und das taten wir auch. Nachdem wir uns gegen 20 Uhr getroffen hatten, hatten wir zuerst Kürbisse geschnitzt, aus ihren Innereien Kürbissuppe gekocht, sie gemütlich bei einem Horrorfilm – der mir überraschend gut gefiel – gegessen und uns schließlich in einen Kreis auf den Boden gesetzt, um um Punkt Mitternacht mit den Gruselgeschichten anzufangen.</p>



<p>Natalie hatte ihre bereits erzählt. Sie handelte von einem Killer, der sich als gruselige Clownspuppe getarnt hatte und völlig reglos in einem Haus stand, während eine ahnungslose Babysitterin auf die Kinder aufgepasst hatte.</p>



<p>Ich hingegen wurde übersprungen. Da es mein erster Horrorabend war und ich keine Ahnung von Gruselgeschichten hatte, erlaubten die anderen mir, diesmal nur zuzuhören. Eine eigene Geschichte könne ich dann beim nächsten Horrorabend erzählen – und wie ich es verstanden hatte, machten sie diese Abende mehrere Male im Jahr.</p>



<p>„Luna? Alles in Ordnung?“, riss Natalie mich aus meinem Gedanken.</p>



<p>Ich erstarrte. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich die ganze Zeit gedankenversunken die Kerzen angestarrt hatte, anstatt Jenny bei ihrer Geschichte zuzuhören. Jetzt hielt sie in ihrer Erzählung inne und sah mich besorgt an. „Wenn es dir zu gruselig wird, sagst du Bescheid, ja?“, fragte sie.</p>



<p>Am liebsten hätte ich mich selbst geohrfeigt. Da hatte ich endlich Freunde gefunden, die mir wichtig waren – denen <em>ich</em> wichtig war – und ich schaffte es nicht einmal, ihnen ein paar Minuten zuzuhören. Und das bei einem der Horrorabende, die ihnen so wichtig waren. Das hatten sie mir in den letzten Wochen klar zu verstehen gegeben.</p>



<p>Also schwor ich mir, dass ich es diesen Abend nicht noch einmal verbocken würde, und lächelte sie an. „Danke. Es geht schon“, sagte ich. „Ich bin selbst überrascht, wie sehr mir der Film und die Geschichten gefallen.“</p>



<p>Das entlockte Natalie ein erleichtertes Grinsen. Und auch Jenny lächelte mir aufmunternd zu, ehe sie mit ihrer Geschichte fortfuhr.</p>



<p>Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, den Anschluss zu finden. Es war eine Geistergeschichte, soweit verstand ich es, aber wer die Hauptpersonen waren und was sie ausgerechnet nachts in ein verlassenes Haus verschlagen hatte, wurde mir aus dem Kontext nicht sofort klar. Trotzdem war sie spannend erzählt und ich merkte bald, wie ich mich mit den anderen gemeinsam wohlig gruselte.</p>



<p>„Nach jener Nacht wurden die drei Jungen nie wieder gesehen“, beendete Jenny ihre Geschichte. „Aber wenn man nachts an dem Haus vorbeigeht, so heißt es, kann man noch immer ihre Schreie hören.“</p>



<p>Stille legte sich über uns. Trotzdem sah ich aus dem Augenwinkel, wie Natalie schmunzelte. „Das ist das alte Petter-Haus, oder?“, fragte sie schließlich.</p>



<p>Jenny grinste. „Vielleicht hab ich mich etwas von den Gerüchten inspirieren lassen.“</p>



<p>„Moment. Das Haus gibt es wirklich?“, fragte ich überrascht.</p>



<p>Jenny nickte. „Es steht nur zehn Minuten von hier entfernt. Wenn ihr wollt, können wir später hingehen“, schlug sie vor.</p>



<p>Ich schluckte schwer. Zum ersten Mal diesen Abend fühlte ich mich etwas unwohl.</p>



<p>„Viele Gruselgeschichten haben einen wahren Kern“, bestätigte Lisa. „Aber wenn man weiß, was daran echt ist und was nicht, nimmt das den Geschichten häufig den Zauber … oft, aber nicht immer. Das müssen auch die Protagonisten aus meiner Geschichte lernen.“ Lisa warf einen Blick in die Runde. Da niemand protestierte, begann sie zu erzählen.</p>



<p>„Jenny und Natalie erinnern sich bestimmt noch an den Film, den wir beim letzten Horrorabend gesehen haben: Candyman’s Fluch. Und genau davon handelt meine Geschichte – von Candyman. Aber keine Sorge, Luna, du musst den Film nicht kennen, um die Geschichte zu verstehen.</p>



<p>Es war an einem Halloweenabend wie heute, an dem die vier Protagonistinnen sich getroffen hatten, um zusammen Candyman’s Fluch zu sehen. Worum es in dem Film geht, ist nicht wichtig. Ich kann ihn zwar sehr empfehlen, wenn du heute auf den Geschmack gekommen sein solltest, aber das Wichtige ist gerade nur der berüchtigte Candyman. Er ist ein Wesen, der Geist eines schwarzen Mannes, der vor vielen Jahren brutal ermordet wurde, weil er den damals schweren Fehler beging, sich in eine weiße Frau zu verlieben. Man sägte ihm die Hand ab und hetzte einen Schwarm wütender Bienen auf ihn. Er musste völlig zerstochen gewesen sein, als die Insekten ihn tot zurückließen.</p>



<p>Heute, so heißt es, wandelt sein Geist umher. Ganz dem Klischee entsprechend hat er jetzt einen rostigen Haken statt seiner abgesägten rechten Hand. Außerdem ist er immer von den Bienen umgeben, die jetzt in seinem Körper leben. Man sagt, dass er sie nach eigenem Willen kontrollieren kann.</p>



<p>Wie dem auch sei, genau wie in dem Film gibt es auch in der echten Welt ein Ritual, mit dem man den Candyman rufen kann. Man muss sich nur vor einen Spiegel stellen und fünfmal seinen Namen sagen.</p>



<p>Aber keine Sorge, dabei kann überhaupt nichts passieren. Es ist bekannt, dass er nie wirklich existiert hat. Er und seine Hintergrundgeschichte sind reine Fiktion. Und das wussten auch die vier Schülerinnen Nina, Vanessa, Michelle und Luisa.</p>



<p>Sie versprachen sich an ihrem Halloweenabend einen schnellen Kick, einen Adrenalinschub, ohne wirklich in Gefahr zu sein. Es konnte schließlich nicht wirklich etwas passieren, wenn man den Candyman rief. Zumindest dachten sie das.</p>



<p>Also gingen sie gemeinsam ins Badezimmer und stellten sich vor den Spiegel. Sie hielten einander an den Händen, gaben einander ein Gefühl von Sicherheit, das Gewissen, nicht allein zu sein. Dann sprachen sie seinen Namen. Einmal. Zweimal. Dreimal. Viermal. Ehe sie fortfuhren, sahen sie einander bedeutungsvoll an. Sie wussten alle, dass es kein Zurück mehr gab, wenn sie seinen Namen noch ein letztes Mal sagten.</p>



<p>Trotzdem hatte niemand von ihnen wirklich Lust, aufzuhören, also wandten sie ihren Blick wieder zum Spiegel und sagten seinen Namen das fünfte Mal: ‚Candyman.‘</p>



<p>Man konnte die Spannung in dem kleinen Badezimmer förmlich schmecken. Voller angespannter Erwartung standen die vier Mädchen da und starrten erwartungsvoll in den Spiegel.</p>



<p>Plötzlich fing die Jüngste von ihnen, Nina, schallend an zu lachen. Das war doch albern. Sie hatte tatsächlich Angst gehabt, dass irgendetwas passieren würde. Aber natürlich geschah nichts. Und so stimmten auch die anderen Mädchen in ihr Gelächter ein.</p>



<p>Ich weiß nicht, ob es wirklich der Candyman war oder etwas anderes. Ein dunkles Wesen, das das Ritual der Mädchen als Tor in unsere Welt genutzt hatte. Jedenfalls ahnten die vier Freundinnen noch nichts von der Präsenz, die fortan im Spiegel auf sie lauerte.</p>



<p>Sie feierten ihre kleine Party weiter, als wäre nichts gewesen. Und für sie wirkte es ja auch so. Bald vergaßen sie, dass sie das Ritual überhaupt durchgeführt hatten. Zumindest, bis am Montag in der Schule eine von ihnen fehlte.</p>



<p>‚Hey, wo ist Luisa?‘, fragte Nina Vanessa, die neben ihr saß.</p>



<p>Vanessa zuckte mit den Schultern. ‚Weiß nicht. Vielleicht ist sie krank geworden?‘</p>



<p>Noch brachte niemand von ihnen den Candyman mit Luisas Verschwinden in Verbindung. Niemand außer Nina. Sie hatte schon immer ein gutes Bauchgefühl gehabt. Und als Luisa nicht auf ihre Nachrichten antwortete, entschuldigte Nina sich bei der Lehrerin und verzog sich auf die Toilette.</p>



<p>Dort nahm sie sofort ihr Handy heraus und wählte die Festnetznummer von Luisa. Quälend lange dauerte es, bis das Freizeichen endlich verstummte. Es meldete sich jedoch nicht Luisa oder einer ihrer Eltern, sondern lediglich die Mailbox.</p>



<p>Schnell versuchte Nina es noch einmal. Dann auf dem Handy von Luisa, aber nichts. Nirgends konnte sie jemanden erreichen.</p>



<p>Sie wollte gerade aufgeben, das Handy in ihre Tasche zurückstecken und zurück in die Klasse gehen, als eine Bewegung aus dem Augenwinkel ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Ihre Augen weiteten sich, als sie den Mann im Spiegel bemerkte. Er war groß, hatte eine dunkle Hautfarbe und trug einen altmodischen Mantel. An seinem rechten Arm blitzte etwas Metallenes, aber Nina sah nicht lange genug hin, um die Hakenhand zu erkennen.</p>



<p>Schnell drehte sie sich um. ‚Was wollen Sie hier?‘, fragte sie noch in der Bewegung, aber als sie die Tür ansah, vor der der Mann eben noch gestanden hatte, erstarrte sie. Der kleine Raum war leer. Außer ihr war niemand da. Es hatte niemand die Tür geöffnet oder geschlossen und der einzige Weg zu den Kabinen hätte an Nina vorbeigeführt. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen machte sie sich schnell auf den Weg zurück zur Klasse.</p>



<p>Natürlich berichtete sie Vanessa und Michelle von ihrer Begegnung. Aber wie es im echten Leben nun einmal so ist, wenn einem etwas Unerklärliches passiert, glaubten sie ihr nicht.</p>



<p>‚Wie sah er denn aus?‘, fragte Vanessa. ‚So wie der Candyman aus dem Film?‘</p>



<p>Nina wusste es nicht. ‚Ich hab ihn wirklich nicht lange gesehen. Außerdem war es nicht gerade hell in den Toiletten und &#8230;‘</p>



<p>‚Du hast ihn dir eingebildet‘, erklärte Michelle. ‚Komm schon? Der Candyman? Du hast dir den Film etwas zu sehr zu Herzen genommen und jetzt, wo Luisa nicht in die Schule gekommen ist, machst du dir natürlich Sorgen. Ich versteh das. Wirklich. Aber sie liegt bestimmt nur im Bett und schläft. Deswegen antwortet sie nicht. Spätestens heute Abend hat sie uns geschrieben, du wirst schon sehen.‘</p>



<p>Ihr wisst, wie das ist. Nina war sich 100 Prozent sicher gewesen, jemanden gesehen zu haben, aber jetzt, wo ihre Freunde es ihr ausredeten, war sie es plötzlich nicht mehr.</p>



<p>Also kam es, wie es kommen musste. Die drei Mädchen machten weiter, als wäre alles wie immer. Am nächsten Tag jedoch, als Nina und Vanessa wieder nebeneinander in der Schule saßen, fielen ihre Blicke auf den leeren Stuhl von Michelle. Und nicht nur das … Noch in der ersten Stunde bat sie ihre Klassenlehrerin nach draußen. Sie erklärte ihnen, dass bei Luisa am Wochenende eingebrochen wurde. Sie und ihre Eltern hätten es nicht überlebt. Details konnte oder wollte sie jedoch keine verraten – wahrscheinlich, weil die Morde zu grausam gewesen waren. Zumindest dachten sich das Nina und Vanessa.</p>



<p>Trotzdem weigerten sich die beiden Mädchen, nach Hause zu gehen. Im Gegenteil: Sie bestanden darauf, weiter am Unterricht teilzunehmen. Sie wussten, dass sie einander nur beschützen konnten, wenn sie zusammenblieben. Wer würde ihnen zuhause schon glauben? Und so hatten sie wenigstens eine geringe Chance. Sollte der Candyman tatsächlich auftauchen, wären sie wenigstens zwei gegen einen.</p>



<p>Also machten die beiden Schülerinnen weiter. Sie erlaubten sich nicht, zu trauern, zu groß war ihre Angst um das eigene Leben. Und so bemühten sie sich den ganzen Tag lang, von jeglichen Spiegeln fernzubleiben.</p>



<p>Aber es war ein langer Schultag. Einer dieser Schultage, die man nicht unbedingt durchhielt, ohne auf Toilette zu gehen. Nach der fünften Stunde war es schließlich so weit. Vanessa hielt es nicht länger aus und so begleitete Nina sie auf die Toilette.</p>



<p>Der Raum war größtenteils leer. Es stand nur ein Mädchen vorne bei den Waschbecken, das wild auf ihrem Handy herumtippte. Nina und Vanessa ignorierten sie. Sie richteten ihre Blicke auf den Boden, um nicht in die Spiegel zu sehen, und gingen sofort weiter zu den Kabinen. Dort schloss sich Vanessa ein, während Nina ein Stück abseits wartete.</p>



<p>Zuerst wirkte alles ruhig. Nina hörte, wie das Mädchen bei den Waschbecken eine Sprachnachricht aufnahm, in der sie sich über irgendeine Mitschülerin aufregte. Ansonsten blieb es in dem Raum still. Zumindest, bis das Summen einsetzte.</p>



<p>‚Scheiße, was ist …‘, hörte Nina Vanessa murmeln. Dann begann ihre Freundin plötzlich zu schreien. ‚Nein! Hilfe! Nein!‘</p>



<p>Ein Poltern ertönte aus der Kabine. Das Summen schwoll zu einem ohrenbetäubenden Lärm an. Nina hörte, wie Vanessa gegen die Tür rempelte. Es klang so, als würde sie panisch versuchen, das Schloss zu öffnen, während ihre Schreie von dem Summen übertönt wurden.</p>



<p>‚Alles in Ordnung?‘, hörte Nina eine Stimme über das Summen hinwegrufen.</p>



<p>Es war die Schülerin beim Eingang. Aber als Nina zu ihr sah, weiteten sich ihre Augen vor Schrecken. Sie war nicht allein. Direkt hinter ihr stand der Mann, den sie erst gestern im Spiegel gesehen hatte.</p>



<p>Dann ging alles sehr schnell. Ehe Nina auch nur reagieren konnte, riss die Schülerin plötzlich die Augen auf. Sie begann zu wimmern, starrte Nina voller Entsetzen an, während ihre Füße sich langsam vom Boden hoben.</p>



<p>Für einen kurzen Moment sah es tatsächlich so aus, als würde sie schweben. Doch dann warf der Candyman sie zur Seite und schüttelte sie von seinem Haken ab. Sie landete auf den kalten Fliesen. Eine blutige Wunde klaffte in ihrem Rücken. Der Candyman hatte sie von hinten mit seiner Hakenhand aufgespießt und langsam in die Luft gehoben. Voller Panik wich Nina zurück.</p>



<p>Im nächsten Moment hörte sie, wie sich hinter ihr eine Kabinentür öffnete. Das Summen schien jetzt noch lauter zu werden. Gerade so sah Nina noch, wie Vanessas Körper regungslos aus der Kabine kippte. Sie war über und über mit Bienen übersät. Die wenigen Stellen Haut, die man noch sehen konnte, waren völlig zerstochen.</p>



<p>Entsetzt wandte Nina sich wieder dem Candyman zu. Er kam bedrohlich auf sie zu. ‚Nein! Bitte!‘, flehte sie. ‚Es war doch nur ein Spiel!‘ Tränen strömten über ihr Gesicht.</p>



<p>Aber der Candyman hielt nicht inne. Als er sie erreicht hatte, legte er seinen rechten Arm auf ihre Schulter. Fast schon liebevoll sah er ihr in die Augen, während er seinen Haken tief in ihren Nacken bohrte. Nina war auf der Stelle tot. Denn wer den Candyman ruft, kann nicht mehr gerettet werden. Er lässt niemanden am Leben.“</p>



<p>Wieder senkte sich Stille über unsere kleine Gruppe, nachdem Lisa ihre Geschichte beendet hatte. Ohne es zu merken, hatte ich mein Gesicht verzogen, so bildlich hatte ich mir die Tode vorgestellt. Das wiederum entlockte Lisa ein Grinsen.</p>



<p>„Meinst du …“, begann Jenny. Sie zögerte. Dann fuhr sie fort. „Meinst du, das könnte wirklich passieren? Dass ein Dämon oder was weiß ich das Ritual ausnutzt, um als Candyman in unsere Welt zu kommen? Dass es den Candyman nicht gibt, darüber sind wir uns ja wohl einig, oder?“</p>



<p>Natalie nickte stumm, während Lisa ihr Grinsen verbreiterte.</p>



<p>„Vielleicht“, sagte Lisa. Dann sah ich, wie sie einen Spiegel aus ihrer Handtasche zog. „Also? Wer von euch hat Lust, es mit mir zusammen herauszufinden? Lasst uns den Candyman rufen.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Candyman (Englisch für „Süßigkeitenmann“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>, die auf der gleichnamigen Filmreihe basiert. Bei ihr geht es um ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/bloody-mary" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bloody Mary</a> ähnliches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ritual</a>, mit dem man den berüchtigten Candyman rufen kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h3>



<p><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<p>Wie bereits erwähnt ist das Candyman-Ritual dem Bloody-Mary-Ritual sehr ähnlich. Um ihn zu beschwören, muss man sich lediglich vor einen Spiegel stellen und seinen Namen fünfmal sagen. Anschließend soll der Candyman erscheinen und versuchen, dich umzubringen – entweder sofort oder irgendwann in den kommenden Stunden bis Tagen.</p>



<p>Auch gibt es in einigen Versionen weitere Bedingungen. So müsse es angeblich nachts sein, man müsse das Licht ausschalten oder eine Kerze vor den Spiegel stellen. In dem originalen Candyman-Ritual spielen diese Bedingungen jedoch keine Rolle.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Candyman sieht aus wie ein großgewachsener schwarzer Mann mit kurzen schwarzen Haaren, einem langen fellbesetzten Mantel und einem Haken statt seiner rechten Hand.</p>



<p>Unter seinem Mantel hat er einen blutigen Brustkorb mit freigelegten Rippen, in dem sich unzählige Bienen tummeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Sobald man Candyman einmal beschworen hat, gibt es kein Entkommen mehr. Während es anfangs oft heißt, dass er durch den Spiegel in unsere Welt kommt, kann er anschließend überall aus dem Nichts auftauchen und geht mit präziser Grausamkeit vor.</p>



<p>Bei den meisten Opfern nutzt er seine Hakenhand, um sie aufzuschlitzen oder zu erstechen. Seltener soll er auch seinen Schwarm Bienen, den er nach Belieben kontrollieren kann, auf seine Opfer hetzen und sie zu Tode stechen lassen.</p>



<p>Wann er dies tut, ist jedoch nicht ganz eindeutig. Mal terrorisiert er seine Opfer erst, indem er sich ihnen gelegentlich zeigt, mal tötet er sie sofort.</p>



<p>Was ihn außerdem von anderen Legenden dieser Art unterscheidet, sind seine Opfer. Zwar hört er erst auf, wenn die Person oder die Personen tot sind, die ihn beschworen haben, in der Zwischenzeit hat er aber keine Probleme damit, weitere Menschen zu ermorden, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind.</p>



<p>Solltet ihr also vorhaben, den Candyman zu rufen, denkt daran, dass ihr nicht nur euer eigenes Leben in Gefahr bringt …</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Der Candyman hat keinen festen Ort, an dem er beschworen werden kann. Aufgrund der Filme wird er zwar gelegentlich mit Cabrini-Green, einem ehemaligen Wohnviertel in Chicago, Illinois, USA in Verbindung gebracht, man soll ihn aber überall auf der Welt rufen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Auch wenn man gelegentlich Menschen finden kann, die das Gegenteil behaupten, stammt die Candyman-Legende aus dem Film Candyman’s Fluch (1992). Sie basiert auf keiner wahren Begebenheit.</p>



<p>Trotzdem hat es der Filmantagonist geschafft, zu einer urbanen Legende zu werden. So gab und gibt es unzählige Menschen, die eine Mutprobe daraus machen, den Candyman zu beschwören.</p>



<p>Candyman ist daher neben Slenderman oder Kayako (aus „The Grudge“) eine der wenigen urbanen Legenden, die zwar erst vor wenigen Jahren aus einem fiktiven Werk entstanden sind, aber trotzdem von vielen Menschen als real angesehen werden.</p>



<p>Ein Grund dafür ist – neben der Vertrautheit aufgrund der Bloody Mary Legende –&nbsp; wahrscheinlich die realitätsnahe Hintergrundgeschichte, die der Candyman in Candyman’s Fluch bekommen hat.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorgeschichte:</h4>



<p>Bevor er zum Candyman wurde, so heißt es im Film, war er ein schwarzer Mann namens Daniel Robitaille.</p>



<p>Robitaille war der Sohn eines Sklaven und ein begnadeter Künstler. Er war so gut in seinem Handwerk, dass viele Reiche ihn beauftragten, Porträts für sie anzufertigen. Einer dieser reichen Männer war ein weißer Landbesitzer, der Robitaille auftrug, seine Tochter zu porträtieren.</p>



<p>Während Robitaille die junge Frau malte, kamen die beiden ins Gespräch und verliebten sich ineinander – in einer Zeit, als Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen noch verboten waren.</p>



<p>Schließlich führte eins zum anderen und die Tochter wurde schwanger. Als der Landbesitzer es bemerkte, kam die Beziehung der beiden ans Licht und er hetzte einen wütenden Mob auf den nun fliehenden Robitaille. Als sie ihn erwischten, sägten sie ihm zuerst seine rechte Hand mit einer rostigen Säge ab, ehe sie ihn mit Honig einschmierten und von einem Schwarm Bienen, den sie zuvor provoziert hatten, zu Tode stechen ließen – Grausamkeiten, die man den Menschen leider auch im echten Leben mehr als zutraut.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Inspiration des Films:</h4>



<p>Wie bereits erwähnt ist die urbane Legende also der Candyman-Filmreihe entsprungen. Candyman selbst – und auch das Handlungsgerüst des ersten Films – stammt jedoch aus der Feder von Clive Barker, der hauptsächlich als Erfinder von Hellraiser bekannt ist. Candyman entspringt seiner Kurzgeschichte „The Forbidden“ (1985), auch wenn er in seiner Geschichte noch weiß ist und nicht durch das fünfmalige Aufsagen seines Namens beschworen wird.</p>



<p>Der Bloody-Mary-Touch, der Candyman schließlich zu einer beliebten Mutprobe gemacht hat, sowie seine Hintergrundgeschichte waren hingegen Neuerfindungen der Filmadaptation.</p>



<p>So oder so kann ich euch sowohl die Kurzgeschichte „The Forbidden“ (Deutsch „Das Verbotene: Die Geschichte von Candyman“) als auch den Film „Candyman’s Fluch“ (1992) wirklich sehr empfehlen. Zumindest haben beide mich gut unterhalten.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Candyman? Würdet ihr euch trauen, ihn zu beschwören, da seine Legende lediglich einem Film entspringt oder hättet ihr trotzdem zu viel Respekt vor dem Ritual? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Aka Manto – rotes Papier oder blaues Papier?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Feb 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zuerst war alles normal, doch dann hat die Schwester plötzlich eine Männerstimme aus der Toilette gehört: "Willst du rotes Papier oder blaues Papier?"<br />
"Rotes Papier, bitte", soll ihr Bruder geantwortet haben. Und dann plötzlich hat er wie am Spieß geschrien ...</p>
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<p>Heute geht es um Aka Manto, einen berühmten japanischen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a>, der sich angeblich auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/flueche" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verfluchten</a> Toiletten herumtreibt.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Kindes<br>
&#8211; explizite Darstellung körperlicher Gewalt<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Ich geh schnell auf die Toilette“, sagte ich an niemanden Spezielles gerichtet, während ich gemeinsam mit meiner Klasse die Sporthalle verließ.</p>



<p>„Haruki! Warte!“, rief mir ein Junge nach.</p>



<p>Das war Sōta. Er und einige andere Jungen hatten mich in ihrer kleinen Gruppe aufgenommen, nachdem ich hergezogen war. Ich mochte ihn, auch wenn ich ihn noch nicht sonderlich gut kannte.</p>



<p>„Wenn du wirklich dringend musst, lauf zurück in die Schule. Aber geh nicht in der Sporthalle auf die Toilette“, sagte er zu mir, als er aufgeholt hatte. Er hielt mich sogar am Arm fest, damit ich nicht weiterging.</p>



<p>Ich sah ihn fragend an. „Warum nicht?“</p>



<p>Sōta sah auf seine Schuhe. Er wirkte auf einmal sehr unsicher. Er druckste eine Weile herum, bis er kleinlaut sagte: „Die Jungstoilette ist verflucht.“</p>



<p>„Wie bitte?“ Ich war mir unsicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.</p>



<p>Jetzt sah Sōta auf. Die Unsicherheit war deutlich in seinen Augen zu erkennen, während er seine Worte einen Tick zu laut wiederholte: „Die Toilette ist verflucht.“</p>



<p>Plötzlich wurde es um uns herum still. Einige andere Schüler blieben stehen.</p>



<p>„Was hast du da gerade gesagt?“, fragte eine Stimme hinter mir.</p>



<p>Erschrocken fuhr ich herum. Ich erkannte die Stimme sofort: Es war Ryō. Er war ziemlich groß und kräftig. Einmal hatte ich gesehen, wie er ein Mädchen dazu gezwungen hatte, ihm ein Reisbällchen abzugeben, weil er noch Hunger hatte. Normalerweise hielt ich mich von ihm fern.</p>



<p>Sein Blick wanderte von Sōta zu mir. „Du willst doch nicht auf die Sporttoilette gehen, oder Haruki?“</p>



<p>„D-doch. Nein. I-ich weiß nicht“, stammelte ich.</p>



<p>Ryō sah flüchtig rüber zu den Toiletten, ehe er mir eine große Hand auf die Schulter legte. Mein ganzer Körper versteifte sich. Aber die Falten, die sich jetzt auf Ryōs Stirn bildeten, wirkten vielmehr besorgt als wütend. „Wenn du auf Toilette musst, geh nicht auf die Sporttoilette. Geh niemals auf die Sporttoilette!“</p>



<p>Ohne mehr dazu zu sagen, schob er mich an meiner Schulter an den Toiletten vorbei Richtung Umkleide. Ich hatte zu viel Angst, um etwas zu erwidern, und ließ es geschehen.</p>



<p>Was es mit all dem auf sich hatte, erfuhr ich jedoch erst in der nächsten Pause. Sōta und ich saßen mit Kanata und Ren an unseren Tischen im Klassenraum und aßen gerade unser Curry, als ich es nicht länger aushielt.</p>



<p>„Was war das eigentlich heute Morgen?“, fragte ich in die Runde. „Sōta meinte, dass die Sporttoilette verflucht sei. Und dann hat sich Ryō so komisch benommen. Als hätte er Angst.“</p>



<p>Wie auch schon vorhin wurde es plötzlich sehr still um mich herum. An den Nachbartischen aßen und quatschten die anderen Schüler weiter, aber Sōta, Kanata und Ren gefroren allesamt in ihren Bewegungen.</p>



<p>Es war Sōta, der als Erstes seine Worte wiederfand. „Es bringt Unglück, darüber zu reden“, erklärte er mit gesenkter Stimme.</p>



<p>Ich wusste nicht genau, wieso, aber auch ich sprach automatisch leiser. „Unglück? Wieso? Was ist denn passiert?“</p>



<p>Sōta, Kanata und Ren warfen einander mehrere Blicke zu, als würden sie stumm beraten, was sie als Nächstes sagen sollten.</p>



<p>„Also gut. Wir erzählen es dir“, ergriff jetzt Kanata das Wort. Er war der Kleinste von uns. Trotzdem war er so etwas, wie unser Anführer. „Aber nur, weil du der Neue bist. Und danach wollen wir nie wieder darüber reden. Ist das klar?“</p>



<p>Jetzt lag es an mir, Sōta und Ren verwirrte Blicke zuzuwerfen, aber die beiden sahen mich ernst an. Also nickte ich. „Okay. Ist klar.“</p>



<p>„Es ist schon einige Jahre her“, erklärte Kanata. „Wir waren damals noch nicht eingeschult, aber … alle wissen davon. Sogar die Lehrer. Damals ist in unserer Schule ein Mord passiert. Wie im Fernsehen, aber ein echter. Und der Mörder wurde nie gefasst. Es heißt nämlich, dass es ein böser Geist war.“</p>



<p>Wieder warf ich Sōta und Ren verstohlene Blicke zu. Ihre versteinerten Mienen ließen mich jedoch keine Sekunde daran zweifeln, dass Kanata glaubte, was er da sagte.</p>



<p>„Es heißt, dass damals ein Bruder und seine Schwester hier zur Schule gegangen sind. Viel wissen wir nicht über die beiden, aber sie haben wohl alles zusammen gemacht. Sogar, wenn sie auf Toilette gingen, sind sie entweder gleichzeitig gegangen oder haben auf dem Flur gewartet.</p>



<p>So war es auch an jenem Tag, als der Bruder auf die Sporttoilette gegangen war und seine Schwester vor der Tür gewartet hat. Zuerst war alles normal, doch dann hat die Schwester plötzlich eine Stimme aus der Toilette gehört: ‚Willst du rotes Papier oder blaues Papier?‘</p>



<p>Das kam ihr komisch vor, denn die Stimme war eine Männerstimme. Und die Lehrer haben doch eine eigene Toilette. Trotzdem hat sie sich nicht getraut, als Mädchen ins Jungsklo zu gehen. Also hörte sie bloß weiter zu.</p>



<p>‚Rotes Papier, bitte‘, soll ihr Bruder geantwortet haben. Und dann plötzlich hat er wie am Spieß geschrien.</p>



<p>Sie ist natürlich sofort reingerannt. Aber da war es schon zu spät. Ihr Bruder lag tot in der Kabine. Das weiße T-Shirt seiner Sportuniform soll völlig rot vor lauter Blut gewesen sein. Aber was noch viel unheimlicher ist: Der Mann, der mit dem Bruder in der Toilette gewesen sein musste, war verschwunden.“</p>



<p>Ich starrte Kanata entsetzt an. Über meinen Körper hatte sich eine Gänsehaut gezogen. Für gewöhnlich gruselte ich mich nicht so schnell. Mein Opa erzählte mir häufig Gruselgeschichten, aber in ihnen ging es fast nie um Blut. Von den Bildern, die ich gerade im Kopf hatte, wurde mir hingegen richtig schlecht.</p>



<p>„S-so ein Blödsinn“, erwiderte ich. „So viel Blut hat ein Mensch gar nicht. Ich hab mir mal in den Finger geschnitten und das musste sogar genäht werden. Danach hatte ich auch nur ein paar kleine Flecken auf meiner Hose!“</p>



<p>„Doch. Es stimmt wirklich. Alle wissen davon!“, meldete sich Ren zu Wort.</p>



<p>Ich hingegen blieb skeptisch. Ehe meine Freunde mich daran hindern konnten, sah ich mich nach unserer Lehrerin um. „Nakagawa Sensei? Nakagawa Sensei?“, fragte ich laut.</p>



<p>Frau Nakagawa kam sofort zu uns. „Was ist denn Endō-kun?“, fragte sie mich mit einem warmen Lächeln. Hier in Japan war es normal, dass uns die Lehrer mit unserem Nachnamen ansprachen. „Stimmt etwas mit dem Essen nicht?“</p>



<p>„Nein. Mit dem Essen ist alles in Ordnung. Ich wollte wissen, wie viel Blut ein Mensch im Körper hat“, erwiderte ich.</p>



<p>Sie sah mich kurz mit großen Augen an, als hätte sie nicht mit der Frage gerechnet. Dann lächelte sie sofort wieder. „Das kommt auf den Menschen an. Bei einem Erwachsenen wie mir sind es etwa 5 bis 7 Liter. Wieso möchtest du das wissen?“</p>



<p>Ich starrte sie an. 5 bis 7 Liter?! Meine Mutter hatte damals bei meinem Finger so reagiert, als würde ich jede Sekunde verbluten. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass ein Mensch so viel Blut im Körper hatte. Damit konnte man locker ein T-Shirt rot färben!</p>



<p>„Endō-kun?“, riss mich Frau Nakagawa aus den Gedanken.</p>



<p>„A-ach nichts“, stammelte ich. Dann fügte ich schnell hinzu: „Ich hab nur Gerüchte über die Sporttoilette gehört.“</p>



<p>Frau Nakagawas Gesicht wurde plötzlich schneeweiß. Sie sah mich streng an. „Du solltest nicht alles glauben, was man dir erzählt!“, sagte sie schnell. Dann drehte sie sich auf der Stelle um und ging mit großen Schritten zurück zu ihrem Lehrerpult.</p>



<p>Ich starrte ihr mit offenem Mund nach. Sie hingegen schien meinem Blick regelrecht auszuweichen, während sie angespannt ihr Mittagessen weiteraß.</p>



<p>„Siehst du, Haruki?“, sagte Ren. „Ich hab doch gesagt, sie weiß davon!“</p>



<p>Jetzt gab es auch für mich keinen Zweifel mehr daran. Sie hatte so komisch reagiert, dass sie irgendetwas wissen musste. Die Frage war nur: Wie viel war an der Geschichte wirklich dran?</p>



<p>&#8212;</p>



<p>Das alles ist bereits über ein halbes Jahr her. Inzwischen hatte ich mich eingelebt. Ich kannte die ungeschriebenen Regeln der Schule. Ich wusste, dass die Schüler sich auf dem Pausenhof mit dem Klettergerüst abwechselten. Dass die Tische bei der Ausgangstür für die Schüler waren, die in der Pause mit ihren Pokémonkarten spielen oder tauschen wollten. Und auch, dass die Jungentoilette in der Sporthalle nicht benutzt werden durfte.</p>



<p>Viel mehr hatte ich über die Toilette in den sechs Monaten jedoch nicht herausfinden können. Niemand wollte mit mir darüber reden.</p>



<p>Es gab nicht einmal Mutproben, wer sich auf die Toilette traute. Ich hatte es einmal vorgeschlagen, aber die anderen hatten mich behandelt, als sei ich verrückt geworden. Sie hatten wirklich Angst vor der Toilette. Und auch sonst hatte ich noch nie einen Jungen gesehen, der in der Sporthalle auf Klo gegangen war.</p>



<p>Aber ihr fragt euch sicherlich, wieso ich ausgerechnet jetzt so intensiv über die Sporttoilette nachdachte. Nun, ich stand in genau diesem Moment vor der Toilettentür und wägte meine Möglichkeiten ab.</p>



<p>Natürlich könnte ich zum Schulgebäude rennen, aber ich musste wirklich dringen. Und wenn ich eine Sache nicht wollte, dann war es, mir in die Hose zu machen.</p>



<p>Nach draußen gehen war auch keine Möglichkeit. Zum einen gehörte es sich nicht, zum anderen musste ich mal groß.</p>



<p>Die Mädchentoilette hingegen … Nein, da könnte ich mir genauso gut in die Hose machen. Die Anderen würden mich noch Jahre damit aufziehen.</p>



<p>Das Einzige, was übrigblieb, war die angeblich verfluchte Jungstoilette.</p>



<p>Ich atmete tief durch, ehe ich die Tür langsam aufdrückte. ‚<em>Iiiieeeeek!</em>‘, schrien die Türscharniere mich an, als ob sie mich vertreiben wollten. Dann ertönte ein klackendes Geräusch und das automatische Licht ging an.</p>



<p>Es funktionierten nicht mehr alle Lampen, aber das, was ich in dem schwachen Licht sah, reichte aus, um mir einen Schauer über den Rücken zu jagen. Die Toilette war zwar nicht dreckig – auch stank sie nicht –, aber es musste ewig her gewesen sein, seit hier jemand gründlich geputzt hatte: Auf den Spiegeln waren Streifen, als hätte man sie bloß flüchtig abgewischt, auf den Waschbecken lag Staub und der Boden wirkte so, als hätte sich jemand beim letzten Saubermachen sehr beeilt und dabei die Hälfte übersehen.</p>



<p>Hatten also sogar die Erwachsenen Angst, die Toilette zu betreten?</p>



<p>‚<em>Ach, so ein Quatsch</em>‘, redete ich mir ins Gewissen. Dreckige Klos gab es an vielen Schulen. Bestimmt sah die Mädchentoilette ähnlich aus.</p>



<p>Meine Sorge beiseiteschiebend – immerhin musste ich ziemlich dringend – ging ich mit zittrigen Beinen einige Schritte in den Raum.</p>



<p>Wieder schrie mir die Tür ihr ‚<em>Iiiieeeeek</em>‘ entgegen, ehe sie mit einem unerwartet lauten Krachen ins Schloss fiel.</p>



<p>Ich glaubte nicht an den Fluch. Ich <em>wollte</em> nicht an den Fluch glauben. Und trotzdem ertappte ich mich dabei, wie ich mich unruhig in dem Raum umsah. Das Licht war nicht sonderlich hell, aber es reichte aus, um zu sehen, dass ich allein war.</p>



<p>Und dann war da noch dieser Geruch. Er erinnerte mich an Opas Dachboden. Irgendwie alt und staubig, aber ohne den vertrauten Geruch von Opa.</p>



<p>Schnell ging ich zur ersten Kabine. Darin begegnete mir eine Hocktoilette, wie sie in Japan häufig zu finden waren. Das war jedoch nicht alles: Die Wände und sogar die Bodenfliesen waren über und über mit Edding beschmiert. Ich erkannte unanständige Schriftzeichen und Symbole. Und auf dem Boden lag abgewickeltes Toilettenpapier.</p>



<p>Mit gerümpfter Nase ging ich weiter. Andererseits hieß das auch, dass zumindest einige Schüler hier gewesen waren, um die Kabinen zu beschmieren.</p>



<p>Die zweite Kabine war sauberer, aber in einem ähnlich miserablen Zustand: Die Tür war aus dem oberen Scharnier gebrochen und hielt nur, weil sie halb an der Wand lehnte. Ansonsten war die Kabine leer.</p>



<p>Dann ging ich zur nächsten Kabine. Während ich vorsichtig die Tür aufstieß, gab auch sie ein leises Quietschen von sich. Ich spähte hinein.</p>



<p>Erleichtert atmete ich auf. Die dritte und letzte Kabine war in einem vergleichsweise guten Zustand. Zwar gab es auch hier ab und an eine Schmiererei, aber dafür lag nicht überall Toilettenpapier verteilt und auch die Tür schien noch zu halten.</p>



<p>Schnell trat ich ein, schloss die Kabinentür hastiger hinter mir, als ich es zugeben würde, zog meine Hose runter und hockte mich über die Toilette.</p>



<p>In diesem Moment spürte ich, wie alle Anspannung von mir abfiel. Ich spürte nichts mehr von der Unruhe, die mich eben noch bedrängt hatte. Ich war einfach nur erleichtert, dass ich es rechtzeitig aufs Klo geschafft hatte. Und vielleicht war ich auch ein bisschen stolz. Ich würde meinen Freunden erzählen können, wie ich todesmutig auf die verfluchte Toilette gegangen war. Die würden Augen machen!</p>



<p>Eine ganze Weile lang passierte gar nichts mehr. Ich ging in Ruhe meinem Geschäft nach, während ich in Gedanken versunken dahockte und mich fühlte, als könne nichts auf der Welt mir etwas anhaben.</p>



<p>Als ich fertig war und nach dem Toilettenpapier greifen wollte, fiel mein Blick jedoch auf die leere Klorolle zu meiner Rechten.</p>



<p>„So ein Mist!“, fluchte ich.</p>



<p>Ich war drauf und dran aufzustehen, um in den anderen Kabinen nach Klopapier zu suchen, als mein Blick auf etwas Rotes vor mir fiel. Es war eine Art roter Vorhang oder anderer Stoff, der direkt vor der Kabine bis auf den Boden hing. Von draußen hatte ich nichts dergleichen gesehen.</p>



<p>„Willst du rotes Papier oder blaues Papier?“, fragte plötzlich eine tiefe Männerstimme.</p>



<p>Die Frage ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Sofort musste ich wieder an die Geschichte mit dem toten Bruder denken. Ihm wurde damals dieselbe Frage gestellt.</p>



<p>Dann fiel mein Blick auf die leere Klopapierrolle. Wahrscheinlich war es ihm genauso wie mir ergangen. Aber ich hatte nicht vor, dass meine Geschichte genauso wie seine endete. Er hatte sich damals für Rot entschieden.</p>



<p>„Blaues Papier!“, sagte ich schnell.</p>



<p>Dabei starrte ich wie gebannt den roten Stoff vor der Kabine an. Ich achtete auf jede Bewegung. Aber das wäre gar nicht nötig gewesen: Keine Sekunde, nachdem der Stoff zurückgewichen war, polterte plötzlich die ganze Kabine. Es kam mir vor, als würde irgendjemand oder irgendetwas von draußen an der Tür rütteln.</p>



<p>Dann auf einmal hörte es auf. Dafür ertönte ein anderes Geräusch: <em>Klick!</em> Entsetzt sah ich, wie das Türschloss sich wie von Geisterhand bewegte. Die Kabine war offen.</p>



<p>Einen Moment herrschte vollkommene Stille. Ich hörte, wie mein Herz in meiner Brust hämmerte. Dann sprang ich auf, um die Tür wieder zu verschließen. Aber es war zu spät. In dem Moment, als ich nach dem Schloss griff, wurde die Tür von außen aufgestoßen. Sie hatte so eine Wucht, dass ich zurückgeschleudert wurde und nur knapp neben der Toilette auf den harten Boden prallte.</p>



<p>Ein stechender Schmerz fuhr durch mein Steißbein, aber das war mir gerade egal. Entsetzt starrte ich den Mann an, der jetzt in die Kabine trat. Er trug einen roten Umhang, der seinen kompletten Körper verdeckte. Sein Gesicht konnte ich im Gegenlicht nicht erkennen. Was ich hingegen deutlich sehen konnte, waren seine Arme, die er nach meinem Hals ausstreckte.</p>



<p>Panisch krabbelte ich rückwärts, bis ich die kalten Wandfliesen an meinem Rücken spürte. Ich konnte nirgendwo hin. Die Kabinenwände reichten bis auf den Boden. Der einzige Ausgang wurde von dem Mann blockiert.</p>



<p>Jetzt hatte er mich erreicht.</p>



<p>Während ich nach seinen Händen schlug und trat, schrie ich aus voller Lunge: „Hilfe! Hilf…“</p>



<p>Weiter kam ich nicht. Der Mann presste seine Hände an meinen Hals. Sie waren eiskalt. Er drückte mit voller Kraft zu. Mein Kopf fühlte sich an, als würde er gleich platzen. Mir wurde schwindelig. Aber so sehr ich auch versuchte, mich zu wehren, es war sinnlos. Der Mann war zu stark.</p>



<p>Plötzlich hörte ich ein Geräusch: <em>Iiiiiieeeeek</em>. Die Toilettentür!</p>



<p>„Haruki? Bist du da drin?“ Das war Sōta!</p>



<p>Jetzt versuchte ich gar nicht mehr, den Mann mit dem roten Umhang abzuwehren. Stattdessen hämmerte ich mit der Faust gegen die Kabinenwand, um möglichst viel Lärm zu machen.</p>



<p>„Was ist das?“, hörte ich jetzt Ren.</p>



<p>„Lasst uns von hier abhauen!“, erwiderte Kanata.</p>



<p>„Nein!“, fuhr Sōta dazwischen. „Ihr habt doch auch gehört, wie Haruki um Hilfe gerufen hat!“</p>



<p>Was diskutierten sie denn so lange?! Die Panik in mir war unbeschreiblich. Ich versuchte, meine Freunde zu rufen, aber meiner zusammengedrückten Kehle entwich kein einziger Ton. Auch ließ der Mann sich durch meine Freunde nicht aus der Ruhe bringen.</p>



<p>Meine Schläge hingegen wurden schwächer und schwächer. Ich hatte kaum noch Kraft in meinen Armen, während es um mich herum immer dunkler wurde.</p>



<p>Dann hörte ich zaghafte Schritte gefolgt von Sōtas Stimme: „Harukiii? Bist du da?“ Doch etwas stimmte nicht. Seine Stimme klang weit entfernt. Viel weiter als von der Toilettentür. Meine kraftlosen Arme konnte ich jetzt überhaupt nicht mehr heben. „Haruki?“</p>



<p>Es war das letzte Mal, dass ich meinen Namen hörte. Das letzte Mal, dass ich irgendetwas hörte. Meine Freunde waren zu langsam gewesen. Sie würden nur noch meine Leiche entdecken.</p>



<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Aka Manto (japanisch für „roter Umhang“), manchmal auch Aoi Manto („blauer Umhang“) oder Akai Kami Aoi Kami („rotes Papier, blaues Papier“) genannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Japan.</p>



<p>Sie handelt von einem Geist, der sich in verfluchten Schultoiletten herumtreiben soll. Er zählt zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Aka Manto soll, wie der Name schon sagt, einen roten Umhang tragen. In den meisten Geschichten ist er männlich. Die „Aoi Manto“-Variante unterscheidet sich lediglich darin, dass sein Umhang blau ist. Ansonsten sind die Geschichten identisch.</p>



<p>Was sein weiteres Aussehen angeht, ist über ihn nicht viel bekannt. Ich habe aber einige Versionen finden können, in denen er entweder eine Maske trägt oder ein blau angelaufenes Gesicht hat.</p>



<p>Manchmal ist er auch unsichtbar und man hört nur seine Stimme.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Aka Manto sucht hauptsächlich öffentliche Toiletten heim. In den meisten Geschichten ist es die Toilette einer Grundschule. Im Netz habe ich oft gelesen, dass er hierbei Frauentoiletten bevorzugt, in japanischen Texten habe ich darüber jedoch nichts finden können. Im Gegenteil: Die bekannteste japanische Version scheint von einer Männertoilette zu handeln.</p>



<p>Die Toilette, die von Aka Manto heimgesucht wird, ist meist eine alte Hocktoilette. Außerdem soll in der Kabine kein Klopapier zu finden sein. Sobald man fertig mit seinem Geschäft ist und das fehlende Klopapier bemerkt, tritt Aka Manto in Erscheinung. Mal hört man hierbei nur seine Stimme, mal taucht Aka Manto vor der Kabine auf.</p>



<p>Der Geist fragt sein Opfer: „Willst du rotes Papier oder blaues Papier?“</p>



<p>Ab hier gibt es verschiedenste Variationen der Geschichte. Für eine bessere Übersicht habe ich den Beitrag daher ab hier unterteilt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Rotes Papier:</h4>



<p>Entscheidet man sich für das rote Papier, wird man von Aka Manto mit einem Messer oder einem anderen scharfen Gegenstand angegriffen. Er schneidet einem die Kehle durch, fügt einem mehrere tödliche Schnitte zu oder köpft seine Opfer sogar. Dabei soll so viel Blut aus dem Körper strömen, dass die Kleidung vor Blut rot wird.</p>



<p>Alternativ schneidet er einem die Haut ab, sodass sie wie ein blutiger Umhang von seinen Opfern hängt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Blaues Papier:</h4>



<p>Entscheidet man sich hingegen für das blaue Papier, lässt Aka Manto das Blut aus den Körpern seiner Opfer verschwinden oder er erwürgt sie. Anschließend soll entweder der ganze Körper, weil er blutleer ist, oder nur der Kopf, da man erwürgt wurde, blau wirken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Andere Farben:</h4>



<p>Wenn man eine andere Farbe wie z. B. weißes oder lila Papier verlangt, um ihn auszutricksen, kann das unterschiedlich ausgehen:</p>



<p>Entweder man schafft es damit, Aka Manto zu verwirren und so genug Zeit zum Fliehen zu gewinnen, der Geist zerrt einen direkt in die Unterwelt oder aber er wird kreativ, was seine Methoden angeht. So gibt es z. B. Versionen, in denen sein Opfer „gelbes Papier“ verlangt haben soll, woraufhin es in seinem eigenen Urin ertränkt wurde.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Methoden:</h4>



<p>Wenn man eine bessere Alternative sucht, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man lehnt das Papier ab und sagt, dass man keines braucht, oder man ignoriert die Frage komplett und antwortet nicht. Daraufhin soll Aka Manto verschwinden oder man soll genug Zeit gewinnen, um zu fliehen.</p>



<p>Andererseits habe ich auch hier Versionen gelesen, in denen Aka Manto seinem Opfer den Ausgang blockiert, bis es sich für eine Farbe entschieden hat. Wie ihr also seht, ist die Sache ziemlich kompliziert und man kann nicht pauschal sagen, wie man dem Geist entkommen kann.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Andere Versionen:</h4>



<p>Es gibt aber auch Versionen, in denen Aka Manto nicht wirklich gefährlich ist. Hierbei färbt er oft bloß die Haut seiner Opfer in der Farbe ein, in der sie das Papier verlangen. Oder aber es kommen Hände in der jeweiligen Farbe aus der Toilette oder der angrenzenden Kabine und berühren das Opfer am nackten Hintern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Aka Manto kommt fast ausschließlich in öffentlichen Toiletten, meist denen von Grundschulen vor.</p>



<p>Am häufigsten soll sein Geist in der letzten oder in der vierten Kabine auftauchen, da die Zahl 4 in Ost- und Südostjapan für den Tod steht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Aka Manto ist seit den 1930ern ein beliebtes Gerücht in vielen japanischen Grundschulen.</p>



<p>Wo das Gerücht herkommt, ist hingegen etwas komplizierter:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der Mann mit der blauen Decke:</h4>



<p>Angefangen hat alles mit einem bis heute ungelösten Mordfall im Jahr 1906 in der Präfektur Fukui in Japan. Damals wurden drei Menschen von einem Mann, der in eine blaue Decke gehüllt war, unter einem Vorwand, dass einer ihrer Verwandten krank sei, nach draußen in einen Schneesturm gelockt: ein Vater aus seinem Laden und seine Mutter und seine Ehefrau je aus ihren Häusern.</p>



<p>Anschließend soll der Mann dasselbe mit der Tochter versucht haben, die gerade bei einer Nachbarin war. Die Nachbarin weigerte sich jedoch, das Kind ohne Erlaubnis der Eltern an einen Fremden zu geben, und konnte den Mann so abwimmeln.</p>



<p>Kurz darauf fand man die Leichen der Ehefrau und der Mutter. Die Leiche des Vaters wurde nie gefunden. Lediglich die Angestellten, die mit dem Vater im Laden waren, und die Nachbarin, die auf das Kind aufgepasst hatten, erzählten von dem seltsamen Mann mit der blauen Decke.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Erste Gerüchte:</h4>



<p>Aus diesem Mordfall sind diverse Gerüchte entstanden, die sich hauptsächlich in Grundschulen verbreitet haben. Darunter waren Gerüchte von einem Mann mit einem blauen Umhang, der sich in einem schwach beleuchteten Schulkeller herumgetrieben haben soll. In einigen Versionen war der Mann ein Vampir.</p>



<p>Über mehrere Monate bis Jahre hinweg verbreitete sich die Geschichte auf die umliegenden Städte. Dabei wurde aus dem blauen Umhang ein roter Umhang.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Roter Umhang, blauer Umhang?</h4>



<p>Schließlich entstand daraus eine Version, die Aka Manto nicht unähnlich ist: Dem Gerücht zufolge, sollte sich ein Geist oder Mörder in einer Schultoilette herumtreiben und seine Opfer fragen, ob sie lieber einen roten oder einen blauen Umhang haben wollen. Wenn man mit einer der entsprechenden Farben antwortet, hatte man dieselben Folgen zu erwarten, wie bei dem roten oder blauen Toilettenpapier.</p>



<p>Diese Variante wird sogar noch heute erzählt, auch wenn sich eine neue Version bald größerer Beliebtheit erfreute.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Aka Manto – rotes Papier, blaues Papier?</h4>



<p>Es dauerte nicht lange, bis erste Geschichten auftauchten, in denen der Geist oder Mörder statt nach farbigen Umhängen nach farbigem Toilettenpapier gefragt hat.</p>



<p>Über die Jahre kamen schließlich noch weitere Varianten hinzu. Zum Teil kamen auch Einflüsse anderer Toilettengeister wie z. B. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hanako-san" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hanako-san</a> hinzu. So gab es verschiedenste Todesarten, einige Umstände veränderten sich minimal und Aka Manto bekam gelegentlich weitere Eigenschaften wie ein blaues Gesicht oder (auch wenn ich diese Version bisher nur in westlichen Texten gefunden habe) eine Maske.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Aka Manto? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie würdet ihr reagieren, um ihm zu entkommen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, unterstützt mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>, abonniert meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Carmen Winstead</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Antagonist]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Glaubt ihr an Geister? Ich war mir nie ganz sicher. Zwar fand ich den Gedanken irgendwie beruhigend, dass nach dem Tod noch etwas kommen würde, der Realist in mir sagte jedoch, dass das nicht möglich sei. Das sollte sich jedoch bald ändern … Mein Name ist Carmen Winstead und das ist meine Geschichte ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/d27165147c1c42c68bf93f08ec9e8865" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Carmen Winstead ist eine vor allem in Amerika weit verbreitete <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>. Seit 2006 ist dort ein Kettenbrief über die Legende im Umlauf.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Glaubt ihr an Geister? Ich war mir nie ganz sicher. Zwar fand ich den Gedanken irgendwie beruhigend, dass nach dem Tod noch etwas kommen würde, der Realist in mir sagte jedoch, dass das nicht möglich sei. Das sollte sich jedoch bald ändern … Mein Name ist Carmen Winstead und das ist meine Geschichte:</p>



<p>Alles begann vor einigen Wochen. Mein Dad hatte eine neue Arbeitsstelle bekommen, weswegen ich meine Taschen packen und all meine Freunde zurücklassen musste.</p>



<p>Seit dem Umzug war ich die meiste Zeit alleine. In der Schule hatten alle schon ihre Cliquen und Freundeskreise. Da hatte niemand Lust, sich mit der Neuen anzufreunden. Und ich war zu schüchtern, um den ersten Schritt zu wagen. Es vergingen Schultage, an denen ich kein einziges Wort sprach …</p>



<p>Dann jedoch lernte ich Ashley und ihre Freundinnen Madison, Kaylin, Amy und Beccy kennen. Ein Lichtblick in meinem Leben – so dachte ich jedenfalls.</p>



<p>Ich saß alleine in der Mensa und aß still meine Käse Makkaroni, als sich die fünf Mädchen plötzlich zu mir setzten.</p>



<p>„Hey Carmen, wir dürfen doch hier sitzen, oder? Die anderen Tische sind uns zu voll“, sagte Ashley und wartete gar nicht erst auf eine Antwort.</p>



<p>Plötzlich lachten die Mädchen. Ich dachte mir nichts dabei. Vielleicht hatten sie eben etwas Lustiges erlebt, über das sie sich noch amüsierten. Hätte ich meinen Blick nicht krampfhaft auf mein Essen gerichtet, um jeglichen Augenkontakt zu vermeiden, hätte ich wohl die Gehässigkeit in Ashley Blick bemerkt.</p>



<p>„Also Carmen, wie gefällt es dir hier in Indiana? Du kommst schließlich von ziemlich weit weg, oder?“, fragte sie.</p>



<p>Redete sie mit mir? Niemand redete mit mir! Etwas ungläubig sah ich auf. Sie lächelte freundlich.</p>



<p>„An sich ganz gut. Obwohl es auch etwas einsam ist. Ich vermisse meine Freunde“, gestand ich.</p>



<p>„Oh, das glaube ich. Aber wenn du möchtest, können wir ja deine Freunde werden“, erwiderte Ashley.</p>



<p>Ihre Freundinnen kicherten wieder.</p>



<p>„Wirklich?“, fragte ich mit großen Augen.</p>



<p>Ich weiß nicht, ob es an meiner Einsamkeit oder meiner Naivität lag, dass ich ihre wahren Absichten nicht sofort durchschaute.</p>



<p>In den folgenden Tagen behandelten Ashley und ihre Freundinnen mich wie ihr Dienstmädchen. „Carmen, ich habe durst. Hol mir bitte etwas zu trinken.“ „Carmen, meine Sporttasche liegt noch in der Klasse. Kannst du sie mir bitte bringen?“ „Carmen, ich hab die Hausaufgaben nicht geschafft. Darf ich sie bei dir abschreiben?“ … Carmen, Carmen, Carmen. Und ich ließ mich darauf ein.</p>



<p>Ich war zu glücklich darüber, die Pausen nicht mehr alleine verbringen zu müssen, um zu erkennen, dass die Mädchen mich nur ausnutzten. Das war jedenfalls so, bis ich eines Tages mit zwei Tabletts zurück an den Tisch kam. Ich hatte Ashley und Madison einen Nachschlag geholt, weil sie mich darum gebeten hatten.</p>



<p>„Du hattest recht, Ashley. Carmen ist so nützlich. Wie ein kleines Hündchen, das alles macht, was man ihr sagt“, sagte Madison belustigt.</p>



<p>Ich sah, wie Kaylin sie unter dem Tisch unauffällig trat und eindringlich ansah.</p>



<p>„Au! Was soll das?“, fragte Madison verärgert. Dann drehte sie sich sofort um. „Oh … Hey, Carmen, hast du unser Essen?“, fragte sie scheinheilig.</p>



<p>„Wie ein kleines Hündchen? So seht ihr mich also?“, fragte ich wütend.</p>



<p>Madison sah schuldbewusst drein.</p>



<p>Doch Ashley zog nur die Augenbraue hoch. „Hast du es etwa immer noch nicht verstanden? Das ist der einzige Grund, warum wir dich überhaupt dulden. Denkst du etwa, dass wir mit dem Klassenfreak befreundet sein wollen?“</p>



<p>Das tat weh. Es fühlte sich an, als hätte sie einen Dolch aus Eis in meine Brust gerammt, der mir die Sprache verschlug. Ich stand mit offenem Mund da.</p>



<p>„Hast du sie etwa nicht gehört?“, fragte Kaylin. „Wenn du uns unser Essen nicht gibst, darfst du nicht mehr mit uns befreundet sein.“</p>



<p>Zu überfordert, um irgendetwas anderes zu tun, stellte ich die Tabletts auf den Tisch. War das irgendeine Art dummer Scherz?</p>



<p>„Awww. Seht sie euch an. Unser eigenes kleines Hündchen!“, sagte Ashley.</p>



<p>„Woof!“, bellte Madison mich an.</p>



<p>Dann schaltete sich Kaylin, Amy und Beccy ein: „Woof! Woof!“</p>



<p>Es dauerte nicht lange, bis alle fünf Mädchen dasaßen und mich anbellten. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie einige andere Schüler sich zu uns umdrehten und leise tuschelten. Redeten sie über mich?</p>



<p>Als ich merkte, wie meine Augen feucht wurden, hielt ich es nicht länger aus. Ich rannte aus der Mensa zu den Toiletten.</p>



<p>Wieso? Wieso taten sie das nur? Ich dachte, sie seien meine Freunde!</p>



<p>Während ich leise in einer Kabine weinte, hörte ich, wie sich die Tür öffnete.</p>



<p>„Carmen? Bist du hier drin?“, hörte ich Amy rufen.</p>



<p>Ich schwieg. Was wollte sie von mir? Wollte sie mich noch mehr ärgern?</p>



<p>„Es tut mir leid“, fuhr sie fort. „Ich wollte nicht gemein zu dir sein. Es ist nur … Hätten die anderen gemerkt, dass ich nicht mitmachen will, hätten sie mich rausgeschmissen …“</p>



<p>„Dann könntest du dir wenigstens bessere Freunde suchen“, antwortete ich leise. Ich klang verheulter, als ich gehofft hatte.</p>



<p>Jetzt klopfte Amy an meine Tür. „Bist du da drin? Es tut mir leid. Wirklich! Ich hab hier ein Geschenk für dich … als Entschuldigung“, sagte sie.</p>



<p>Verwundert schloss ich die Tür auf. Was könnte sie mir schon schenken wollen?</p>



<p>Als ich schließlich vor Amy stand, hielt sie mir einen Stock entgegen.</p>



<p>„Was ist das?“, fragte ich verwundert. Was sollte ich denn mit einem Stock anfangen?</p>



<p>„Das ist ein Stock, Dummerchen. Ich hab gehört, dass kleine Hündchen wie du sowas mögen“, sagte sie im selben mitleidigen Ton wie vorher.</p>



<p>Jetzt ertönte tosendes Gelächter von der Toilettentür. Die anderen Mädchen hatten uns die ganze Zeit belauscht …</p>



<p>Wütend ging ich zum Eingang, drängte mich an Ashley und den anderen vorbei und ging. Die Sprüche, die sie mir an den Kopf warfen, ignorierte ich.</p>



<p>Aber das sollte noch längst nicht alles gewesen sein. Seit jenem Tag hatten mich die Mädchen täglich geärgert. Es war, als hätte sich ein Schalter umgelegt und sie wären plötzlich von meinen besten Freunden zu meinen schlimmsten Feinden geworden. Aber in Wahrheit hatte ich wahrscheinlich bloß meine rosarote Brille abgenommen …</p>



<p>Die meiste Zeit waren es nur harmlose Streiche. Sie beleidigten mich, schmierten Schimpfwörter in meine Bücher oder versuchten, mich vor der Klasse bloßzustellen. Es tat zwar weh, doch ich ließ mir äußerlich nichts anmerken. Das war die einzige Möglichkeit – so hoffte ich –, dass sie mich eines Tages in Ruhe ließen, es ihnen langweilig wurde.</p>



<p>Doch leider passierte das nicht. Im Gegenteil: Ihre Streiche wurden schlimmer. Eines Tages kam ich in die Schule, wo ich meinen Spind völlig demoliert vorfand. Er war aufgebrochen worden und meine Zettel, Hefte und Bücher lagen überall auf dem Boden verteilt. Zerrissen hatten sie zum Glück nichts, doch alles aufzusammeln und einem Lehrer Bescheid zu sagen, der mir einen neuen Spind zuwies, dauerte ewig. Nachweisen konnte ich es Ashley und ihren Freundinnen leider nie. Trotzdem weiß ich, dass sie es waren.</p>



<p>Ein weiterer Vorfall ereignete sich nicht einmal eine Woche später. Ich war vor dem Unterrichtsbeginn nur kurz auf Toilette verschwunden, merkte aber sofort, dass etwas nicht stimmte, als ich die Klasse betrat. Die anderen Schüler wurden plötzlich sehr still. Sie kicherten und tuschelten miteinander.</p>



<p>Als ich schließlich meine Federtasche und die Schulsachen aus meiner Tasche holen wollte, packte ich in eine schleimige Flüssigkeit – die Mädchen hatten Joghurt in meine Tasche gekippt!</p>



<p>Die gesamte Klasse brach in tosendes Gelächter aus. Und während ich meine Tasche ausräumte, versuchte, die Hefte und Bücher zu retten, die noch zu retten waren, schrie und tobte meine Lehrerin. Doch als sie verlangte, zu erfahren, wer das getan hatte, schwieg meine Klasse. Nicht ein einziger Schüler trat vor oder verteidigte mich. Dabei hatten sie es alle gesehen. Sie alle waren dabei gewesen, während die fünf Mädchen den Joghurt in meine Tasche gekippt hatten! Innerlich kochte ich vor Wut.</p>



<p>Ähnliche Dinge passierten immer wieder. Es gab Tage, an denen ich tat, als wäre ich krank, nur, um nicht in die Schule gehen, die Schikane nicht mehr ertragen zu müssen. Doch natürlich musste ich am nächsten Tag wieder hin. Ich wusste nicht, wie lange ich es noch durchhalten würde.</p>



<p>Und dann kam der heutige Tag. Der Tag, der das Fass zum Überlaufen brachte …</p>



<p>Wie immer hatte ich einen Knoten in der Magengegend, als ich das Schulgebäude betrat. Ich wusste bereits, dass ich wieder geärgert werden würde. Ashley, Madison, Kaylin, Amy und Beccy würden mich wieder mobben, und meine gesamte Klasse würde wegsehen.</p>



<p>Es fing wie immer mit einigen verletzenden Sprüchen an.</p>



<p>„Na, Hündchen? Wieso bist du den nicht an der Leine“, war zum Beispiel ein Spruch, den ich fast täglich zu hören bekam. Andere Sprüche, wie „Willst du dich nicht zu deinen Freunden setzen? Ach ne, du hast ja gar keine!“, taten hingegen schon mehr weh.</p>



<p>Heute waren die Hündchen-Sprüche wieder sehr beliebt. Es dauerte jedoch bis nach der Sportstunde, dass ich verstand, warum.</p>



<p>Unser Sportlehrer erinnerte uns daran, dass es in der nächsten Stunde einen Probefeurealarm geben würde, bevor er uns aus der Stunde entließ.</p>



<p>In der Umkleide bemerkte ich sofort einen unangenehmen Geruch. Der gesamte Raum stank nach Hundekot. Ich bemühte mich also, mich möglichst schnell umzuziehen, um den Raum schnell wieder verlassen zu können.</p>



<p>„Da ist wohl jemand noch nicht stubenrein!“, lästerte Ashley, als sie die Kabine betrat und den Geruch wahrnahm.</p>



<p>„Hat dein Frauchen dich nicht gelehrt, dass du nicht in die Wohnung machen sollst?“, schloss Amy sich an.</p>



<p>Dann lachten sie wild durcheinander. Aber auch dabei dachte ich mir noch nichts.</p>



<p>Erst, als ich mich umgezogen hatte und nach meiner Jacke griff, bemerkte ich es: Der Gestank kam von meiner Jacke! Ungläubig roch ich daran. Eindeutig! Meine Jacke stank nach Hundescheiße!</p>



<p>Zu sehen war jedoch nichts. Ohne nachzudenken, durchwühlte ich meine Taschen … und griff direkt in eine schmierige, klebrige Substanz.</p>



<p>Erschrocken zog ich meine Hand zurück, an der jetzt eindeutig etwas Braunes klebte … Mir drehte sich fast der Magen um, während mein Puls anstieg. Die Mädchen hatten mir Hundescheiße in die Jackentasche gesteckt!</p>



<p>Ich überlegte kurz, meine Hand an Ashley abzuwischen, die direkt neben mir stand und wie wahnsinnig lachte. Aber nein. Ich würde mich nicht auf ihr Niveau herab begeben. Ich würde mich an einen Lehrer wenden und ihm alles erzählen!</p>



<p>Bis meine Hand endlich nicht mehr stank, dauerte es eine ganze Weile. Wieder und wieder hatte ich sie mit Seife gewaschen. Und als ich schließlich in die Umkleide zurückgegangen war, waren die anderen Mädchen schon weg.</p>



<p>Ich packte meine Sachen und rannte zum Schulgebäude – meine stinkende Jacke ließ ich draußen über einer Bank hängen.</p>



<p>Die nächste Stunde hatte bereits angefangen. Mrs. Clark musterte mich mit strengem Blick, als ich in die Klasse gestürmt kam. Ich entschuldigte mich für meine Verspätung. Sie sagte nichts und fuhr mit ihrem Unterricht fort. Ich würde bis nach der Stunde warten müssen, um ihr von dem Vorfall zu erzählen.</p>



<p>Gerade, als ich mich hingesetzt hatte, ertöte der Feueralarm. Mrs. Clark legte genervt das Stück Kreide zurück zur Tafel. Hoffentlich würde ihre Stimmung nicht meine Pläne beeinträchtigen. Mrs. Clark wäre immerhin die perfekte Lehrerin dafür. Sie war streng, konnte aber auch sehr mitfühlend sein.</p>



<p>„Stellt euch in Zweierreihen auf!“, befahl sie.</p>



<p>Widerwillig sah, ich, wie Ashley sich neben mich stellte. Sie grinste gemein. „Wo ist denn deine Jacke? Meinst du nicht, dass es draußen etwas kalt ist?“, rief sie gehässig über den Feueralarm hinweg.</p>



<p>Ich hasste sie dafür, hasste, dass sie mich grundlos ärgerte, hasste, dass sie jedes mal ohne Konsequenzen davonkam. Doch damit wäre nachher Schluss. Ich würde nur noch die Brandschutzübung und mit etwas Pech einige Minuten Unterricht überstehen müssen!</p>



<p>Als wir schließlich draußen waren, gingen wir sofort zu den Parkplätzen – der Ort, wo wir uns bei Probealarmen immer versammelten. Ich stand etwas abseits, in der Hoffnung, dass Ashley und ihre Clique bei der Klasse blieben. Zu meinem Leid taten sie es jedoch nicht.</p>



<p>Ich sah, wie sie wild miteinander tuschelten und kicherten, während sie auf mich zukamen. Was hatten sie nun schon wieder vor?</p>



<p>„Hündchen, was stehst du denn hier so alleine?“, fragte Madison.</p>



<p>„Wahrscheinlich ist sie ein Streuner!“, erwiderte Ashley.</p>



<p>„Ihhh! Sie hat bestimmt Flöhe!“, mischte sich jetzt auch Amy ein.</p>



<p>Kaylin und Beccy lachten nur.</p>



<p>Dann begannen sie plötzlich mich zu schubsen. Ich hasste es, wenn sie körperlich wurden. Die Beleidigungen konnte ich ausblenden, aber gegen fünf Mädchen gleichzeitig konnte ich mich nicht wehren.</p>



<p>„Hey, lasst das!“, sagte ich übertrieben laut, in der Hoffnung, dass Mrs. Clark oder einer der anderen Lehrer es hören würde. Doch sie beachteten mich gar nicht. Schließlich schrien auch die anderen Schüler wild durcheinander. Was war da schon ein Mädchen mehr?</p>



<p>Völlig unerwartet gab mir Ashley dann einen deutlich kräftigeren Stoß. Normalerweise hielten sie sich zurück, wenn wir in größeren Gruppen waren. Wirklich verletzt hatten sie mich bisher nur, wenn wir alleine waren.</p>



<p>Ich bereitete mich darauf vor, auf den harten Boden zu stürzen, doch der erwartete Aufprall blieb aus. Ich fiel zu tief!</p>



<p>Erst, als mein Gesicht mit voller Wucht an die Leiter knallte, bemerkte ich, dass sie mich in einen offenen Gully geschubst hatten!</p>



<p>Ich schlug so hart auf den schmutzig-nassen Boden auf, dass ich für einen Moment benommen liegenblieb. Zu meiner Überraschung spürte ich keine Schmerzen.</p>



<p>„Carmen ist in der Kanalisation. Bei der restlichen Scheiße, wo sie hingehört!“, hörte ich Ashley laut rufen.</p>



<p>Gelächter ertönte von oben.</p>



<p>„Aber Ashley, Abfall wirft man doch nicht in den Gully!“, warf Amy ein.</p>



<p>In mir stieg eine unglaubliche Wut auf, wie ich sie noch nie zuvor gespürt hatte. Ich richtete mich auf und starrte wütend auf die Öffnung über mir.</p>



<p>Ich sah, wie sich Ashley und die anderen Mädchen um den Gully versammelten. Plötzlich sahen sie furchtbar schockiert aus. Sie tuschelten miteinander.</p>



<p>„Mrs. Clark!“, schrie Kaylin. „Carmen ist in die Kanalisation gestürzt!“</p>



<p>Wie konnte sie es wagen? „Das stimmt nicht! Ashley hat mich geschubst!“, brüllte ich.</p>



<p>Sofort kam Mrs. Clark zu dem Gully gerannt. Als sie mich sah, riss sie ihre Hand vor ihren Mund. „Wir brauchen einen Notarzt!“, kreischte sie panisch. „Carmen! Carmen, kannst du mich hören?“</p>



<p>„Es geht mir gut!“, rief ich. „Aber Sie sollten die Polizei rufen. Ashley hat versucht, mich umzubringen!“</p>



<p>Ich erwartete eine schnippische Antwort. Einen empörten Ausruf, der ihr Wort gegen meins stellte, doch nichts geschah. Die Mädchen tuschelten nur wild durcheinander. Ich konnte nur Wortfetzen entziffern.</p>



<p>Es fielen Worte wie ‚tot‘ oder ‚umgebracht‘. Dann sagte Kaylin ganz deutlich. „Seht euch nur ihren Hals an. Sie bewegt sich nicht!“</p>



<p>Erst verstand ich nicht, was sie meinten. Ich war doch hier. Natürlich bewegte ich mich! Doch als ich an mir herabsah, sah ich eine zweite Person. Sie lag unter mir. Nein. Das war keine zweite Person. ICH lag dort. Von meinem Gesicht hing lose Haut. Überall war Blut, das sich jetzt mit dem Dreck und Unrat der Kanalisation mischte. Mein Hals hatte eine unnatürliche Position eingenommen …</p>



<p>Schon lange hatte ich mich gefragt, ob ich an Geister glaube. Ich war mir nie ganz sicher gewesen. Konnte es tatsächlich Seelen geben, die in unserer Welt blieben, weil sie noch etwas zu erledigen hatten?</p>



<p>Jetzt hatte ich meine Antwort. Und ich wusste genau, was ich noch erledigen musste. Wütend starrte ich die Mädchen über mir an. Ich würde mich an meinen Mördern rächen!</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Carmen Winstead ist die urbane Legende einer 17-jährigen Schülerin, die durch extremes Mobbing ums Leben gekommen sein soll. Die Verbreitung der Legende fand fast ausschließlich über Kettenbriefe statt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Über das Aussehen von Carmen Winstead ist nicht sonderlich viel bekannt.</p>



<p>Es heißt nur, dass ihr <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> einen gebrochenen Hals und ein blutiges und stellenweise oder völlig abgerissenes Gesicht habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Kettenbrief:</h3>



<p>Den Kettenbrief selbst gibt es in verschiedenen Versionen. Entweder ist er so geschrieben, dass er von Carmen Winstead berichtet oder als wäre er von ihr selbst verfasst.</p>



<p>Bei der berichtenden Version gibt es zudem eine sehr ausführliche Variante, die hauptsächlich das beschreibt, was ihr weiter unten unter „Die Vorgeschichte“ lesen könnt. Hier werde ich daher lediglich eine kürzere Version aufführen, die es sowohl aus Carmens Sicht, als auch leicht abgeändert als berichtende Version gibt:</p>



<p>„Hi, mein Name ist Carmen Winstead. Ich bin 17 Jahre alt. Ich bin dir sehr ähnlich … Habe ich erwähnt, dass ich tot bin? Vor einigen Jahren hat mich eine Gruppe Mädchen in die Kanalisation geschubst, um mich zu blamieren. Als ich nicht wieder herausgekommen bin, ist die Polizei gekommen. Die Mädchen haben behauptet, ich wäre gestürzt und alle haben ihnen geglaubt. Die Polizei hat meine Leiche in der Kanalisation gefunden. Ich hatte einen gebrochenen Nacken und mein Gesicht war abgerissen. Sende diese Nachricht an 15 Personen, nachdem du sie vollständig gelesen hast, wenn dir dein Leben lieb ist! Ein Junge namens David hat diese Nachricht bekommen. Er hat nur gelacht und sie gelöscht. Als er in der Dusche war, hörte er ein Lachen … MEIN LACHEN! Er wurde sehr ängstlich, ist zu seinem Handy gerannt, um die Nachricht zu teilen … Aber es war zu spät. Am nächsten Morgen betrat seine Mutter sein Zimmer und alles, was sie vorfand, war eine Nachricht in seinem Blut geschrieben, die besagte „Du wirst ihn nie zurückbekommen!“ Bisher hat noch niemand seine Leiche gefunden … weil er bei mir ist! … Sende diesen Text an 15 Personen in den nächsten 5 Minuten, wenn du nicht willst, dass dich das gleiche Schicksal ereilt, wie David. Deine Zeit läuft … JETZT! Die Geschichte ist wahr, du kannst sie auf Google recherchieren.“</p>



<p>Neben der geschriebenen Variante hat sich zudem in letzter Zeit eine Sprachnachricht verbreitet, die angeblich von Carmen selbst gesprochen wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Vorgeschichte:</h3>



<p>Es heißt, dass Carmen Winstead 17 Jahre alt war, als ihre Eltern nach Indiana umgezogen sind. Carmen musste all ihre Freunde zurücklassen und eine neue Schule besuchen, wo sie niemanden kannte.</p>



<p>Da Carmen große Probleme hatte, neue Freunde zu finden, verbrachte sie die meiste Zeit alleine, bis sie sich einer Gruppe von fünf Mädchen anschloss. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie bemerkte, dass die Mädchen hinter ihrem Rücken über sie lästerten.</p>



<p>Sie stellte die Mädchen zur Rede, woraufhin diese sich völlig gegen Carmen richten und anfingen, sie mobben. Sie beleidigten sie, schrieben Schimpfwörter in ihre Schulbücher und demolierten ihren Spind. Es heißt sogar, dass sie Joghurt in ihre Schultasche gekippt und Hundekot in ihre Jackentasche gelegt haben sollen.</p>



<p>Schließlich wurde es Carmen zu viel. Sie beschloss, die Mädchen nach Schulschluss zu verpetzen. Sie wusste jedoch nicht, dass sie dazu nicht mehr die Gelegenheit haben würde.</p>



<p>Noch vor Schulschluss gab es einen Probealarm, bei dem alle Schüler das Gebäude verlassen mussten. Carmen stand alleine an der Straße, ganz in der Nähe eines offenen Gullys. Warum der Gully geöffnet war, wird nicht näher erklärt.</p>



<p>Die fünf Mädchen gingen zu Carmen und begannen, sie zu ärgern. Sie drängten sie unauffällig immer weiter zum Gully, bis sie nahe genug daran stand. Dann schubsten sie Carmen, sodass sie mit dem Kopf zuerst in die Kanalisation stürzte.</p>



<p>Zuerst scherzten sie noch. Sie lachten und erklärten, dass Carmen in der Kanalisation liegt. Andere Schüler sollen in das Gelächter eingestimmt haben.</p>



<p>Schließlich hat ein Lehrer in den Gully gesehen. Zu seinem entsetzen, war Carmen wirklich dort unten. Ihr Kopf war in einer unnatürlichen Haltung gedreht, ihr Gesicht blutig. Es heißt, dass sie sich ihr Gesicht bei dem Sturz an der Wand oder der Leiter abgerissen habe. Carmen war tot.</p>



<p>Nachdem Carmens Leiche aus der Kanalisation geholt wurde, hat die Polizei ihre Klassenkameraden befragt. Die fünf Mädchen, die sie geschubst hatten, behaupteten, dass Carmen gestürzt sei. Die Polizei glaubte ihnen. Carmens Tod wurde als Unfall eingestuft.</p>



<p>Doch das war nicht das letzte Mal, dass man von Carmen gehört hatte. Monate nach dem Vorfall bekamen die Klassenkameraden von Carmen, seltsame E-Mails, die besagten, dass Carmen geschubst wurde. Sie forderte die Schuldigen auf, sich zu stellen, da es sonst schreckliche Konsequenzen gäbe.</p>



<p>Natürlich meldete sich niemand, da sie die E-Mails als Streich abtaten. Doch nur wenige Tage später begannen die fünf Schülerinnen eine nach der anderen spurlos zu verschwinden.</p>



<p>Als sie schließlich gefunden wurden, lagen alle fünf Mädchen in der Kanalisation. Es heißt fast immer, dass sie verstümmelt waren. Die Beschreibungen reichen hierbei von abgerissenen Gesichtern bis hin zu fast vollständiger Unkenntlichkeit.</p>



<p>Doch Carmens ruheloser Geist war noch immer wütend. Es heißt, dass sie seither wieder und wieder Menschen töten soll, die ihre Geschichte nicht glauben oder selber andere Leute mobben.</p>



<p>Wenn man selbst betroffen ist, soll Carmen Winstead aus der Kanalisation zu einem herauf kommen – sei es durch die Dusche, durch die Toilette oder gar durch ein Waschbecken. Nachts, wenn man schläft, soll sie einen entführen, in die Kanalisation bringen und dort töten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Der Ursprung der Legende von Carmen Winstead lässt sich grob auf das Jahr 2006 zurückverfolgen, wo der Kettenbrief anfing, sich rasant auf MySpace und per E-Mail zu verbreiten. Damals wurde unter anderem auch der Name „Jessica Smith“ verwendet, der sich – wahrscheinlich wegen seines deutlich geringeren Wiedererkennungswerts im Vergleich zu „Carmen Winstead“ – nicht durchsetzen konnte.</p>



<p>Und auch heute ist der Kettenbrief noch im Umlauf – auf Facebook, Instagram, Whatsapp, per E-Mail, auf Twitter und sonstigen sozialen Medien.</p>



<p>Der Hintergrund zu der Legende wurde jedoch nie bestätigt. Trotz langer Recherche hat bisher niemand eine Carmen Winstead finden können, die durch einen Sturz in einen Gully gestorben ist.</p>



<p>Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Carmen Winstead nichts weiter, als eine urbane Legende ist.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><em>Was haltet ihr von Carmen Winstead? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr den Kettenbrief bekommen und die Legende nicht kennen würdet? Würdet ihr ihn verschicken oder würdet ihr ihn ignorieren? Und wenn ihr ihn ignoriert, hätten ihr dann Bedenken? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p><em>Euch wird zwar keine Carmen Winstead töten, wenn ihr es nicht tut, trotzdem würde ich mich natürlich wahnsinnig darüber freuen, wenn ihr meinen Blog oder einen Artikel mit euren Freunden oder Bekannten teilen würdet!</em></p>



<p><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>,&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a>&nbsp;oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a></em>.</p>
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