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	<title>Mond Neujahr Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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	<title>Mond Neujahr Archive - Geister und Legenden</title>
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		<title>Der Ursprung des chinesischen Laternenfestes – der Jadekaiser und der Kranich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Doch während die Stimmung auf der Erde nicht besser hätte sein können, sah das im Himmelreich ganz anders aus. Der Jadekaiser fand natürlich heraus, was mit seinem geliebten Kranich geschehen war. Er war außer sich vor Trauer und Wut.<br />
„Das Dorf wird brennen!“, schrie er. „Am ersten Vollmond des neuen Jahres werde ich das Dorf in Schutt und Asche legen!“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-ursprung-des-chinesischen-laternenfestes">Der Ursprung des chinesischen Laternenfestes – der Jadekaiser und der Kranich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p>Der Ursprung des chinesischen Laternenfestes (gefeiert am 15. Tag des chinesischen Neujahres) ist umstritten. Es gibt zahlreiche Theorien und Legenden darüber.</p>



<p>Passend zum diesjährigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/chinesisches-neujahr">chinesischen Neujahr</a>, das morgen, am 17. Februar 2026 beginnt, möchte ich euch daher meine Lieblingslegende über das chinesische Laternenfest vorstellen.</p>



<p>Viel Spaß beim Lesen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Letztes Jahr habe ich euch erzählt, woher die Hongbao kommen, die roten Geldumschläge, die traditionell zum chinesischen Neujahr verschenkt werden.</p>



<p>Heute geht es um eine andere Tradition: das Laternenfest, das am ersten Vollmond des Mondjahres gefeiert wird.</p>



<p>Habt ihr das chinesische Laternenfest schon einmal gesehen? Es ist wirklich beeindruckend. Tagsüber drängen Menschenmassen zu den verschiedensten Veranstaltungen – am beliebtesten sind wohl die Drachen-, Löwen- und Trommeltänze, die Glück, Gesundheit und Erfolg im neuen Jahr bringen sollen.</p>



<p>Außerdem gibt es zahlreiche Stände mit verschiedensten Speisen und die Häuser, Straßen und Bäume sind mit roten Laternen, aber auch Laternen in verschiedensten Formen und anderen Farben dekoriert.</p>



<p>Wirklich magisch wird es dann am Abend, wenn die zahlreichen Laternen die Stadt beleuchten und Feuerwerk den Himmel erfüllt.</p>



<p>Es ist ein Fest der Familien, des Glücks, des Wohlstands und der Liebe. Das war jedoch nicht immer so. Wenn man der Legende glaubt, ist der Ursprung des chinesischen Laternenfestes sehr viel düsterer.</p>



<p>Vor über 2000 Jahren gab es ein Dorf in China, fernab der große Städte. Es war ein kleines, unbedeutendes Dorf, das nicht weiter erwähnenswert gewesen wäre, wenn dort nicht ein Vogel erschienen wäre. Es war ein prachtvoller Kranich mit schneeweißem Gefieder, das am Hals und den Flügeln in ein tiefes Schwarz überging. Auf seinem Kopf bildete sein Federkleid den typischen roten Fleck, der wie eine purpurne Krone auf seinem Haupt saß.</p>



<p>Und auch von der Statur her war der Kranich mehr als beeindruckend: Er war muskulös und anmutig zugleich, hatte lange schlanke Beine und eine Flügelspanne von über drei Metern.</p>



<p>Aber das alles war kein Zufall. Denn es war kein gewöhnlicher Vogel. Besagter Kranich war noch am selben Tag aus dem Himmel, dem Reich der Götter entflohen und hatte sich nun in einem kleinen Teich am Rand des Dorfes niedergelassen, wo er mit seinem langen Schnabel nach Fischen suchte.</p>



<p>Chao, einer der Dorfbewohner, war der erste Mensch, der den göttlichen Vogel entdeckte. Er erkannte sofort, was für ein außergewöhnliches Tier der Kranich war, weil er noch nie zuvor einen so prächtigen Vogel gesehen hatte. Und was soll ich sagen, sein erster Gedanke war, das Tier zu jagen. Das dürft ihr ihm aber nicht übel nehmen. Ihr müsst wissen, es war tiefster Winter – eine der härtesten Zeiten für Bauern wie Chao, in der sie keine Felder bestellen und nur schwierig Geld verdienen konnten. Er sah in dem Vogel also weniger eine Trophäe, als vielmehr eine Möglichkeit, seine Frau und seine drei Kinder durch eine schwere Zeit zu bringen.</p>



<p>Es war ein fast verzweifelter Versuch. Chao war kein geübter Jäger. Trotzdem besaß er Pfeil und Bogen, mit denen er sich nun an den Kranich anschlich. Er blieb dabei außer Sichtweite, ließ immer einen Baum zwischen dem Tier und sich. Bei jedem Knirschen der Blätter, jedem Knacken von Ästen unter seinen Füßen hielt Chao erschrocken inne, befürchtete, dass der Vogel fliehen würde, aber der Kranich ließ sich nicht beirren.</p>



<p>Und so hatte Chao bald den Baum am Rand des Teichs erreicht. Er spähte um den Stamm herum. Der Kranich stand noch immer im Wasser und suchte völlig sorglos nach Fischen.</p>



<p>Chaos Hände zitterten, währen der den Pfeil anlegte. Er zielte auf den Vogel, spannte den Boden, atmete aus, wie es ihm sein Vater beigebracht hatte. Dann ließ er den Pfeil los. Er surrte durch die Luft und … verfehlte. Der Pfeil schoss knapp an dem Vogel vorbei. Mit einem lauten Platschen landete er im Wasser.</p>



<p>Doch zu Chaos Überraschung schreckte der Vogel nicht auf. Er wandte den Kopf zu dem aufgewühlten Wasser, betrachtete es neugierig. Denn als göttlicher Vogel, dem Lieblingstier des Jadekaisers – dem höchsten Gott der chinesischen Mythologie – hatte er im Reich der Götter nie etwas zu befürchten gehabt. Jeder dort kannte das Tier, wagte es nicht, ihm auch nur eine Feder zu krümmen, da sie die Wut des Jadekaisers fürchteten. Er wurde noch nie gejagt, geschweige denn mit Pfeilen beschossen.</p>



<p>Der zweite Pfeil traf genau ins Schwarze. Mit einem dumpfen <em>Fump</em> blieb er im Oberkörper des Kranichs stecken.</p>



<p>Chao wusste nicht, ob er die Lungen oder gar das Herz getroffen hatte, der Vogel schlug aber nur noch ein paar Mal kraftlos mit den Flügeln, ehe er zusammenbrach und im Wasser liegenblieb.</p>



<p>Chao konnte sein Glück nicht fassen. Er kam aus seinem Versteck hervor, blieb einen Moment stehen, als könne er es selbst nicht glauben. Dann fischte er den göttlichen Kranich aus dem Wasser, um ihn voller Stolz zurück ins Dorf zu bringen.</p>



<p>Das gesamte Dorf war in Aufruhr. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind wollte den prachtvollen Vogel sehen, den Chao ihnen voller Stolz nur zu gerne präsentierte.</p>



<p>Es wurde eine kleine Feier aus dem Ereignis. Und die anderen Dorfbewohner halfen Chao schließlich, den Vogel zu verkaufen. Ein Händler brachte ihn in eine Stadt, wo er von einem Adligen gekauft und ausgestopft wurde. Das Geld würde reichen, um Chao und seine Nachbarn problemlos über den Winter zu bringen und ihnen gleichzeitig einige Rücklagen zu sichern.</p>



<p>Doch während die Stimmung auf der Erde nicht besser hätte sein können, sah das im Himmelreich ganz anders aus. Der Jadekaiser fand natürlich heraus, was mit seinem geliebten Kranich geschehen war. Er war außer sich vor Trauer und Wut.</p>



<p>„Das Dorf wird brennen!“, schrie er. „Am ersten Vollmond des neuen Jahres werde ich das Dorf in Schutt und Asche legen!“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>In dem Dorf waren die Menschen völlig ahnungslos. Sie wussten weder, was für ein Tier sie dort erlegt und verkauft hatten, noch was für Konsequenzen es mit sich bringen würde. Und so feierten sie noch immer ihr vermeintliches Glück, als eine Fremde zu ihnen ins Dorf kam.</p>



<p>Es war eine anmutige Frau, die die feinsten Kleider trug. Auf einen Schlag wurde es sehr still in dem Dorf. Die ausgelassenen Gespräche stoppten, wurden von leisem Getuschel abgelöst. Und so hatte die Frau bereits sämtliche Aufmerksamkeit, als sie sich vor die versammelten Menschen stellte.</p>



<p>„Hört mich an, Bewohner dieses Dorfes“, erhob sie ihre Stimme. „Mein Name ist Zhinü. Ich bin die siebte und jüngste Tochter des Jadekaisers. Ich komme, um euch zu warnen.“</p>



<p>Die Dorfbewohner lauschten alle gebannt ihren Worten. Vielleicht spotteten noch einige, aber die meisten von ihnen waren gottesfürchtige Menschen. Sie lebten in einer Zeit, als die Götter noch auf der Erde wandelten.</p>



<p>„Ihr habt neulich einen Kranich erlegt. Was ihr jedoch nicht wisst, ist, dass es der liebste Kranich meines Vaters war. Er hat diesem Dorf Rache geschworen und wird es beim nächsten Vollmond niederbrennen. Wenn es so weit ist, flieht aus dem Dorf! Lasst eure Häuser zurück, wenn euch euer Leben lieb ist!“</p>



<p>Jetzt war es totenstill im Dorf. Man konnte den Wind durch die Straßen säuseln hören. Kein Mensch wagte es, auch nur ein Wort zu sagen.</p>



<p>Dann begann der Erste: „Aber wir haben doch gar nichts getan!“, rief er.</p>



<p>„Chao war es, der den Kranich erlegt hat“, rief ein anderer. „Warum sollen wir alle darunter leiden?“</p>



<p>Aber so sehr sie auch protestierten, gab es nichts, was Zhinü hätte tun können. Sie war bereits ohne das Wissen ihres Vaters in das Dorf gekommen. Sie konnte die Dorfbewohner warnen. Den Jadekaiser umzustimmen war hingegen ein Ding der Unmöglichkeit. Und so verließ sie das Dorf. Sie ließ nichts zurück als Hoffnungslosigkeit und ihre Warnung.</p>



<p>Wieder war das Dorf in Aufruhr. Die Leute berieten, was sie tun sollten. Andere begannen bereits, ihre Sachen zu packen. Es wurden viele Pläne geschmiedet und wieder verworfen. Zumindest, bis jemand einen ganz besonderen Plan hatte. Es war Ju, der Sohn von Chao.</p>



<p>„Warum zünden wir das Dorf nicht selbst an?“, schlug er vor.</p>



<p>Natürlich begegneten die Anderen seiner Idee mit Spott. Aber Ju war noch nicht fertig.</p>



<p>„Ich sage ja nicht, dass wir das Dorf tatsächlich anzünden müssen“, fuhr er fort. „Es muss lediglich so aussehen.“</p>



<p>Wieder erntete er Spott. „Wie sollen wir denn ein ganzes Dorf so aussehen lassen, als würde es in Flammen stehen?“ „Davon wird sich der Jadekaiser niemals täuschen lassen!“ „Wir sollten fliehen, solange wir noch können!“</p>



<p>Zumindest, bis sich einige der Dorfältesten einmischten. Sie unterstützten Jus Idee. Ohne ihre Häuser wären die Bewohner dem Winter schutzlos ausgeliefert. Sie würden niemals alle irgendwo unterkommen können. Es würde für einige den sicheren Tod bedeuten. Und so fassten sie schließlich den Plan, überall im Dorf kleine Feuer und Laternen zu zünden. Das ganze Dorf solle hell erstrahlen, wenn der Jadekaiser seinen Weg hierhin antrat.</p>



<p>Die folgenden Tage bestanden aus den wohl größten Vorbereitungen, die das Dorf je gesehen hatte. Sie nutzten das Geld, das Chao für den Kranich bekommen hatte, um Papier, Holz und Kerzen zu kaufen. Bald war das ganze Dorf damit beschäftigt, tausende Laternen zu fertigen. Alle Männer, Frauen und Kinder machten mit.</p>



<p>Es war nicht so, dass alle Leute an den Plan glaubten. Aber es gab ihnen etwas zu tun. Die einen bauten die Rahmen, die anderen befestigten das Papier und brachten die Kerzen an. Überall im Dorf wurden Seile gespannt, zwischen allen Häusern und Bäumen. Und auf dem großen Platz in der Dorfmitte wurde Holz für ein riesiges Feuer gestapelt.</p>



<p>Nur wenige Tage später, kurz vor dem nächsten Vollmond hatte sich das Dorf in einen Festplatz verwandelt, der alle modernen Laternenfeste in den Schatten stellen würde.</p>



<p>Dann war es endlich so weit: Der Vollmondtag war gekommen. Obwohl jeder einzelne Bewohner mithalf, dauerte es mehrere Stunden, alle Laternen und das große Feuer anzuzünden. Jetzt konnte das Dorf nichts mehr tun, als abzuwarten.</p>



<p>Zur Sicherheit hatten die meisten Bewohner das Dorf verlassen – darunter auch Chao und seine Familie. Sie warteten in einem nahegelegenen Feld. Bestaunten ihr Dorf, das vor Lichtern hell erstrahlte.</p>



<p>Trotzdem war es verdammt kalt. Die Kälte kroch ihnen tief in die Knochen. Die Kinder jammerten und die Eltern konnten nichts tun, als sich unter ihren Decken enger aneinanderzudrücken.</p>



<p>„Da!“, rief Ju plötzlich. „Da kommt etwas!“</p>



<p>Und tatsächlich: In der Ferne erschien aus der Dunkelheit eine kleine Armee aus Lichtern: Fackeln, die von Reitern und Läufern getragen wurden. Der Jadekaiser hatte nicht gelogen. Er hatte tatsächlich vor, das ganze Dorf in Schutt und Asche zu legen. Zahlreiche Götter hatten sich versammelt, um den Jadekaiser zu unterstützen.</p>



<p>Sie näherten sich dem Dorf in rasanter Geschwindigkeit. Wie eine Welle aus Flammen rollten sie auf die kleine Ansammlung an Häusern zu. Dann aber wurden sie langsamer. Als hätte die Welle plötzlich an Schwung verloren, blieb die göttliche Armee stehen.</p>



<p>Chao und seine Familie hielten den Atem an. Sollte Jus Plan tatsächlich funktionieren?</p>



<p>Auf einmal erloschen die ersten Fackeln. Die Götter zügelten ihre Feuer. Es dauerte nicht mehr lange, bis auch ihre Armee kehrtmachte und sich allmählich in der Ferne zerstreute. Der Jadekaiser hatte aufgegeben. Das Dorf war gerettet.</p>



<p>Und so ging dieser Tag in die Geschichte des Dorfes ein. Fortan feierten sie jeden ersten Vollmond des Jahres ein Laternenfest, wenn auch in kleinerem Ausmaß. Es heißt, dass die Geschichte, wie ein Dorf die Wut des Jadekaisers abwenden konnte, sich bald in China verbreitete. Und so begannen auch andere Städte und Dörfer, das Laternenfest zu kopieren, bis es sich im ganzen Land ausgebreitet hat.</p>



<p>Zwar gab es viele Leute, die die Geschichte nicht glauben wollten, aber einen Grund, ein Fest zu feiern, lehnten nur die wenigsten ab. Und selbst in dem kleinen Dorf, in dem auch Chao wohnte, konnten einige Leute kaum glauben, dass der Jadekaiser tatsächlich auf die List hereingefallen war. Andere Bewohner hingegen schworen, dass sie eine vertraute Frauenstimme in der Ferne gehört hätten: „Sieh nur, Vater! Das Dorf brennt bereits lichterloh!“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Jadekaiser und der Kranich ist eine Legende zum Ursprung des chinesischen Laternenfestes. Darin geht es um ein Dorf, dessen Bewohner einen göttlichen Kranich töten, woraufhin der Jadekaiser – der höchste Gott der chinesischen Mythologie – das Dorf niederbrennen möchte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> nach kam vor langer Zeit einmal ein göttlicher Kranich (in einigen Versionen auch ein Schwan oder anderer Vogel) aus dem Himmelreich herab geflogen.</p>



<p>Als daraufhin einige Bewohner eines naheliegenden Dorfes den Vogel entdeckten, jagten sie das prachtvolle Tier und erlegten es.</p>



<p>Was die Bewohner jedoch nicht wussten, war, dass der Kranich der Lieblingsvogel des Jadekaisers war. Der Gott schwor, den Vogel zu rächen, indem er das Dorf am ersten Vollmond des Jahres niederbrennt.</p>



<p>Wie die Dorfbewohner davon mitbekamen, kann sich je nach Version unterscheiden. Wenn überhaupt näher darauf eingegangen wird, waren es meist entweder ein anderer Gott, eine Tochter des Jadekaisers oder ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a>, die den Menschen davon erzählt haben.</p>



<p>Daraufhin fassten die Dorfbewohner einen Plan: Sie zündeten am ersten Vollmond, also dem 15. Tag des chinesischen Neujahres, überall im Dorf rote Laternen (manchmal zusätzlich auch öffentliche Feuer) an, sodass es aus der Ferne aussah, als würde das Dorf bereits brennen.</p>



<p>Als der Jadekaiser also sah, dass das Dorf vermeintlich bereits brannte, wandte er sich ungetaner Dinge davon ab und die Dorfbewohner waren gerettet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Der Ort des Geschehens ist für gewöhnlich ein Dorf irgendwo in China. Um welches Dorf es sich handelt, ob es heutzutage überhaupt noch steht oder inzwischen zu einer Stadt geworden ist, ist nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Wie bereits gesagt ist der Ursprung des chinesischen Laternenfestes umstritten. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Legende um den Jadekaiser und den Kranich genau das ist: eine Legende. Sie wurde erst im Nachhinein, als es das Laternenfest bereits gab, erfunden.</p>



<p>Der tatsächliche Ursprung liegt aller Wahrscheinlichkeit nach in der Han-Dynastie (ca. 206 v. Chr. bis 220 n. Chr.).</p>



<p>Einer Theorie nach geht das Fest auf Kaiser Ming zurück, der bemerkt hatte, dass einige buddhistische Mönche jedes Jahr am 15. Tag des Mondneujahres Laternen in ihren Tempeln anzündeten. Daraufhin ordnete er an, dass alle Leute am 15. Tag des Mondneujahres Laternen anzünden sollen, um Buddha zu huldigen.</p>



<p>Eine andere Theorie besagt, dass es Kaiser Wu gewesen sei, der das Fest angeordnet habe, um den Göttern zu huldigen.</p>



<p>Wie ihr seht, gibt es also auch im geschichtlichen Kontext keinen eindeutigen Ursprung des chinesischen Laternenfestes.</p>



<p>Bekannt ist aber, dass es erst in der Sui-Dynastie (ca. 581 bis 618) seinen Namen erhalten haben soll. Außerdem wurde es während der Tang-Dynastie (ca. 618 bis 907) zu einem riesigen Fest ausgeweitet, bei dem alle möglichen Leute, egal welchen sozialen Stands, sich auf den Straßen getroffen haben, um Laternen anzuzünden.</p>



<p>Das Fest wird auch heute noch jedes Jahr in gigantischem Ausmaß in China gefeiert.</p>



<p><em>Was haltet ihr von dem Ursprung des chinesischen Laternenfestes? Hat euch die Legende gefallen? Kennt ihr andere Legenden über das chinesische Neujahr? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Legende von Sui – der Ursprung des roten Umschlags</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jan 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Sobald Sui seine Hand zurückzog, bekamen die Kinder ein furchtbares Fieber. Damals, als es noch nicht unsere moderne Medizin gab, war das oft ein Todesurteil. Unzählige Kinder starben durch Suis Hand. Aber auch, wenn die Kinder wieder gesund wurden, sollen sie bleibende Schäden davongetragen haben. Es heißt, dass sie von jenem Tag an nie wieder dieselben waren …</p>
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<p>Die Legende von Sui handelt von den roten Umschlägen, die traditionell zum chinesischen Neujahr verschenkt werden. Dieses Jahr fällt das Mondneujahr auf Mittwoch, den 27. Januar, weshalb ich passend dazu diesen Beitrag für euch geschrieben habe.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich habe euch bereits die Geschichte von dem Monster Nian erzählt, wie der Brauch, zu Neujahr Feuerwerkskörper zu zünden, entstanden ist. Heute erzähle ich euch eine ähnliche Geschichte. Die Geschichte über den Ursprung der Hongbao, der roten Umschläge, die zum Mondneujahr verschenkt werden.</p>



<p>Falls ihr die Tradition noch nicht kennt: In Teilen Asiens ist es Brauch, zum Neujahr einen roten Umschlag mit Geld zu verschenken. Meist sind die Umschläge mit goldenen Schriftzeichen oder Zeichnungen dekoriert.</p>



<p>Während es früher ausschließlich ein Geschenk an Kinder war, werden die roten Umschläge heutzutage auch an Partner, Freunde, Mitarbeiter und sogar Stars verschenkt. Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Heute möchte ich euch erzählen, wie dieser Brauch entstanden sein soll.</p>



<p>Vor langer Zeit, so heißt es, war das Neujahr in China nämlich kein Feiertag gewesen. Es war ein Tag der Furcht. Eltern mussten in der Neujahrsnacht um die Gesundheit ihrer Kinder fürchten.</p>



<p>Denn in der Neumondnacht zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar, in der in China das neue Mondjahr beginnt, trieb dort ein Dämon sein Unwesen. Ein Monster namens Sui.</p>



<p>Es heißt, dass Sui nachts in den Kinderzimmern erschien, wenn die Kinder bereits schliefen. Er schlich zu ihren Betten, streckte seine klauenbesetzte Hand nach ihnen aus und streichelte ihnen damit über die Stirn. Einmal. Zweimal. Dreimal.</p>



<p>Oft wurden die Kinder dabei wach. Aber anstatt zu schreien, waren sie zu entsetzt von dem Anblick des Dämons, um auch nur einen einzigen Ton über ihre Lippen zu bringen.</p>



<p>Sobald Sui seine Hand zurückzog, bekamen die Kinder ein furchtbares Fieber. Damals, als es noch nicht unsere moderne Medizin gab, war das oft ein Todesurteil. Unzählige Kinder starben durch Suis Hand. Aber auch, wenn die Kinder wieder gesund wurden, sollen sie bleibende Schäden davongetragen haben. Es heißt, dass sie von jenem Tag an nie wieder dieselben waren.</p>



<p>Ich denke, ihr versteht jetzt, warum Sui so gefürchtet war. Es gab jedoch einen Trick, wie man die Kinder vor ihm schützen konnte. Sui suchte nur Kinder auf, die in der Neujahrsnacht schliefen. Wenn die Eltern ihr Kind bis Sonnenaufgang wachhalten konnten, war es in Sicherheit. Sie taten also alles in ihrer Macht stehende, dass die Kinder in der Neujahrsnacht kein einziges Auge zutaten. Sie schenkten ihnen Spielzeug, auf dass sie die ganze Nacht damit spielen würden, zündeten Kerzen an, damit das Zimmer hell erleuchtet war, und natürlich beteten sie zu den Göttern.</p>



<p>Besonders schwierig war es jedoch für die Familien, die nicht so viel Geld besaßen. Sie konnten sich all das Spielzeug und die vielen Kerzen oft nicht leisten.</p>



<p>So erging es auch der Familie, von der diese Geschichte handelt. Sie bestand aus der Mutter Wei, dem Vater Zhao und ihrem gemeinsamen Sohn Fuling.</p>



<p>Wei und Zhao hatten lange gespart, um ihrem Sohn neue Spielzeuge kaufen zu können. Irgendetwas, das ihn die ganze Nacht lang wachhalten konnte. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen. Kurz vor dem Jahreswechsel wurde ihr Haus von einem furchtbaren Sturm getroffen. Und so mussten sie all das angesparte Geld für die Reparatur ausgeben. Alles, was ihnen noch blieb, waren acht klägliche Münzen – nicht einmal genug für ein schlichtes Holzspielzeug.</p>



<p>Als schließlich die Neujahrsnacht kam, wollten sie jedoch nicht mit leeren Händen dastehen. Nicht nur, dass sie Angst hatten, ihr Sohn könne einschlafen, wenn er keine Beschäftigung hatte, es hätte Wei das Herz gebrochen, wenn sie Fuling nichts hätte schenken können. Sie wusste genau, dass all seine Freunde, die Kinder aus der Nachbarschaft in dieser Nacht die tollsten Spielzeuge geschenkt bekamen.</p>



<p>Und so machten Wei und Zhao einen Plan. Sie nahmen einen roten Zettel – eine Farbe, der man nachsagt, dass sie das Böse fernhalte –, falteten ihn zu einem Umschlag und legten die acht Münzen, ihr letztes Geld, hinein.</p>



<p>„Bitte“, flüsterte Wei ein Gebet an die Götter, als sie den Umschlag auf den Esstisch legte. „Lasst es ausreichen. Schützt meinen Sohn vor Sui. Fuling hat nicht verdient, dass ihm etwas zustößt.“ Anschließend ging sie in die Küche, um Fuling den letzten Rest Suppe aufzufüllen, während ihr Ehemann ihren Sohn zum Essen holte.</p>



<p>Natürlich hatte Fuling den Umschlag neben seiner Schüssel sofort gesehen. Neugierig musterte er das rote Papier. Aber er wusste genau: Die Geschenke gab es erst nach dem Essen. Und so löffelte er brav seine Suppe aus, während seine Eltern ihn mit einem sanften Lächeln beobachteten. Sie selbst aßen nichts – dafür fehlte ihnen das Geld. „Wir essen später“, hatte Zhao gesagt.</p>



<p>Aber Fuling war ein schlauer Junge. Er wusste genau, dass seine Eltern das nur sagten, damit er sich besser fühlte. Also ließ er sich Zeit mit dem Essen. Obwohl er voller angespannter Erwartung fast platzte, schlang er nicht, um seinen Eltern zu zeigen, dass er die leckere Suppe genoss und er danach nicht etwa noch Hunger hatte.</p>



<p>Erst, als er den letzten Löffel Gemüse gegessen, den letzten Schluck Brühe getrunken hatte, sah er seine Eltern erwartungsvoll an. Wei nickte ihm aufmunternd zu. Sie hoffte, dass man ihr nicht ansah, wie nervös sie wegen des eher kläglichen Geschenks war.</p>



<p>Aber zum Glück merkte Fuling nichts davon. Mit strahlenden Kinderaugen griff er nach dem Umschlag. Er faltete ihn hastig auseinander, woraufhin ihm die acht Münzen auch schon entgegenfielen.</p>



<p>Zhao lächelte aufmunternd. „Mit den Münzen kannst du heute Nacht spielen. Und morgen, wenn du geschlafen hast, kannst du dir damit auf dem Markt eine Kleinigkeit holen“, erklärte er.</p>



<p>Fuling strahlte über das ganze Gesicht. „Danke!“, sagte er laut, ehe er die Münzen und den Zettel in die kleinen Händchen nahm und damit in seinem Zimmer verschwand.</p>



<p>Natürlich hätte Fuling sich mehr über ein anderes Spielzeug gefreut. Aber wie gesagt: Er war ein schlauer Junge. Er wusste, dass seine Eltern kein Geld dafür hatten. Außerdem hatte er eine blühende Fantasie. Und so wurden die acht Münzen in dieser Nacht zu einer Familie, einer Gruppe Waldtiere, einer kleinen Soldatentruppe und was immer sonst noch seinem kleinen Köpfchen entsprang.</p>



<p>Trotzdem – denn sonst würde ich diese Geschichte nicht erzählen – wurde Fuling irgendwann müde. Selbst mit seiner Fantasie gab es eben Grenzen, wie lange acht einfache Münzen ein Kind wachhalten konnten. Und so fielen ihm immer wieder die Augen zu.</p>



<p>Zu Anfang weckten ihn seine Eltern noch. Seine Mutter spielte sogar mit ihm zusammen mit den Münzen. Aber auch das gelang ihr nur wenige Minuten, ehe seine Äuglein wieder zufielen. Irgendwann brachten sie es nicht mehr über das Herz, ihren schlafenden Sohn, der so unendlich erschöpft wirkte, noch einmal zu wecken.</p>



<p>Zhao hob ihn vom Boden auf und legte ihn in sein Bett, während Wei die Münzen einsammelte und auf dem roten Papier neben sein Kopfkissen legte.</p>



<p>„Schlaf gut, mein Spatz“, hauchte sie, ehe sie sich auf den Boden neben ihn setzte, um Wache zu halten.</p>



<p>Die erste Schicht übernahm sie. Wenn sie zu müde wurde, sollte sie Zhao wecken, damit er die Wache übernahm, während sie ein wenig Schlaf nachholen konnte. Anschließend weckte er wieder sie, wenn er zu müde wurde und so weiter.</p>



<p>Als gerade wieder Wei an der Reihe war, auf ihren Sohn zu achten, hatte jedoch auch sie Schwierigkeiten, ihre Augen offen zu halten. Ihr müsst verstehen, es war schon spät in der Nacht. Sie und ihr Mann hatten die letzten Tage pausenlos arbeiten müssen, um den Schaden an ihrem Haus zu reparieren. Und jetzt, wo es im Zimmer völlig still war, wo sie nichts als das ruhige Atmen ihres Sohnes hören konnte, übermannte der Schlaf schließlich auch sie.</p>



<p>Der Moment, auf den Sui, der böse Geist, den die Eltern so sehr von ihrem Sohn fernhalten wollten, gewartet hatte, war gekommen. Aus dem Nichts tauchte er in Fulings Zimmer auf, setzte seine Füße leise wie eine Katze auf dem Boden ab.</p>



<p>Er warf Wei, die mit nach vorne gefallenem Kopf auf dem Boden saß, einen verächtlichen Seitenblick zu, ehe er seine Aufmerksamkeit auf Fuling richtete.</p>



<p>Ein Lächeln umspielte die Lippen des Dämons, während er langsam auf das schlafende Kind zutrat. Einen Moment stand er bloß da, betrachtete das friedliche Gesicht von Fuling, ehe er seine klauenbesetzte Hand hob. Langsam, bedrohlich näherte sie sich Fulings Stirn. Seine schwarzen Klauen hatten die weiche Haut jetzt fast erreicht.</p>



<p>Es war jedoch genau dieser Moment, in dem etwas Unerwartetes passierte. Etwas, mit dem weder die Eltern noch der Dämon gerechnet hatten. Die acht Münzen, die neben Fulings Kopf lagen, nur wenige Zentimeter von Suis Hand entfernt, begannen zu leuchten. Sie wurden heller und heller, strahlten ein goldenes Licht aus, so grell und göttlich, dass Sui sich die Hand vor die Augen halten musste. Entsetzt taumelte er zurück, stolperte und ergriff schließlich die Flucht. Alles vor den ungläubigen Augen von Wei. Denn das helle Licht hatte sie geweckt.</p>



<p>Nur einen Moment später, als Sui bereits fort war, erloschen die Münzen wieder. Hätte jemand jetzt das Zimmer betreten, hätte er nicht gewusst, dass dort überhaupt etwas geschehen war.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schnell sich die Nachricht im Land verbreitete. Wei und Zhao waren ehrliche Menschen. Niemand hatte sie je bei einer Lüge ertappt. Und so glaubte man ihnen, ohne zu zögern, jedes Wort. Es dauerte nur Wochen, vielleicht sogar nur Tage, bis sich die Geschichte, wie acht Münzen in einem Umschlag den bösen Dämon vertreiben konnten, bis in den letzten Winkel Chinas verbreitet hatte. Fortan sollte jede Familie ihren Kindern zu Neujahr einen roten Umschlag mit Münzen darin schenken. Auf das Sui nie wieder das Leben eines Menschen forderte.</p>



<p>Was die Leute genauso wie Wei und Zhao jedoch nicht ahnten, war, dass die acht Münzen aus Fulings Umschlag keine gewöhnlichen Münzen waren. Die Götter hatten ihre Gebete nämlich erhört. Sie hatten die Acht Unsterblichen, acht Heilige der chinesischen Mythologie, auf die Erde geschickt, um den Jungen zu beschützen. Dort hatten sie sich in die acht Münzen verwandelt und Sui mit ihrer Macht vertrieben. Wer die Acht Unsterblichen genau sind, ist jedoch eine Geschichte, die ich euch ein andermal erzählen werde.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Legende nach lebte früher in China ein böser <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämon</a> namens Sui. Er erschien immer in der Nacht des chinesischen Neujahrs in den Kinderzimmern, wo er die schlafenden Kinder krank machte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Über das Aussehen von Sui habe ich nicht viel herausfinden können. Es heißt aber, dass er ein schrecklich aussehender Dämon/böser Geist mit langen Klauen sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Der Legende nach erschien Sui in der Nacht des chinesischen Neujahrs in den Kinderzimmern schlafender Kinder. Dort streichelte oder kratzte er dreimal über den Kopf oder die Stirn der Kinder, woraufhin sie Kopfschmerzen, Fieber und/oder eine andere Krankheit bekamen.</p>



<p>Auch wurde dieser Berührung nachgesagt, der Grund für psychische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen der Kinder gewesen zu sein.</p>



<p>Dieses ableistische Narrativ war also – ähnlich wie dämonische Besessenheit oder Berührungen mit dem Feenreich in der westlichen Welt – ein veralteter Erklärungsversuch, wie menschliche Behinderungen entstanden sein sollen.</p>



<p>Jedenfalls haben die Eltern viele Dinge versucht, um ihre Kinder zu schützen. Sie zündeten Kerzen an, beteten zu den Göttern oder schenkten ihren Kindern Spielzeug, damit sie die Nacht über wach blieben. Trotzdem geschah es immer wieder, dass ein Kind Sui zum Opfer fiel.</p>



<p>Eines chinesischen Neujahrs jedoch schenkte eine besonders gläubige Familie ihrem Kind acht Münzen in einem roten Umschlag, damit es mit den Münzen spielen kann. Die Farbe Rot soll laut chinesischer Folklore das Böse fernhalten.</p>



<p>Das Kind spielte lange Zeit mit den Münzen, doch wie es das Schicksal wollte, wurde es schließlich zu müde und schlief ein.</p>



<p>Ob die Eltern selbst eingeschlafen waren, zu sehr mit Beten beschäftigt waren oder das Kind nicht wachbekommen konnten, variiert je nach Erzählung. In allen Versionen taucht kurz darauf der Dämon/böse Geist Sui auf, um den Kopf des Kindes zu streicheln.</p>



<p>In dem Moment jedoch erstrahlten die acht Münzen, die das Kind geschenkt bekommen hatte, in einem goldenen Licht, das Sui in die Flucht trieb.</p>



<p>Wie sich herausstellte, hatten die Götter die Gebete der Eltern erhört. Sie schickten die Acht Unsterblichen (Heilige der chinesischen Mythologie) zu ihnen, die sich in die acht Münzen verwandelt hatten, um das Kind zu beschützen.</p>



<p>Die Eltern, die gesehen hatten, wie die Münzen Sui vertrieben, erzählten es ihren Nachbarn und Freunden. Das Gerücht, dass Münzen in einem roten Umschlag den bösen Dämon vertreiben konnten, breitete sich kurz darauf im ganzen Land aus. Die chinesische Neujahrstradition, Kindern Geld in roten Umschlägen zu schenken, war geboren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Die Legende soll sich in China zugetragen haben. Viel mehr ist über den Ort jedoch nicht bekannt.</p>



<p>Inzwischen hat sich die Tradition, zum neuen Jahr einen roten Umschlag zu verschenken, auch auf andere Teile Asiens ausgebreitet. Sie wird also nicht mehr nur in China praktiziert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die Legende von Sui soll bereits über 2.000 Jahre alt sein. In einer Quelle war davon die Rede war, dass sie eine Geschichte der Qin-Dynastie (221 v. Chr. bis 207 v. Chr.) sei. Die roten Umschläge selbst sollen hingegen erst in der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) entstanden sein.</p>



<p>Genauere Angaben habe ich leider nicht finden können.</p>



<p>Auch weiß ich leider nicht, ob es zuerst die roten Umschläge oder zuerst die Legende gab. Solltet ihr zufälligerweise mehr zu der Thematik wissen, würde ich mich wie immer über eine Nachricht freuen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rote Umschläge in der asiatischen Kultur:</h3>



<p>Wie ihr an dieser Stelle sicherlich ahnt, wurden die roten Umschläge früher besonders als Schutz gegen das Böse verschenkt. Mit der Zeit haben sie sich jedoch von einem Schutzsymbol zu einem Glücksbringer entwickelt. Sie sollen Glück, Erfolg und Gesundheit für das neue Jahr bringen.</p>



<p>Und auch, wenn die Umschläge auch heute noch von Eltern und Großeltern an ihre Kinder bzw. Enkelkinder verschenkt werden, ist es inzwischen ebenfalls üblich, Freunden und Beziehungspartnern rote Umschläge mit Geld darin zu schenken.</p>



<p>Eine Tradition ist es zum Beispiel, dass verheiratete Paare ihren unverheirateten Freunden rote Umschläge schenken, um ihnen Glück bei der Partnersuche zu wünschen.</p>



<p>Außerdem ist es heutzutage üblich, Geldscheine statt Münzen in den Umschlägen zu verschenken, da Münzen in China (ähnlich wie beim Euro) nur einen vergleichsweise geringen Wert haben. Es ist jedoch Tradition, dass die Geldscheine neu und ungenutzt aussehen sollen, um Glück zu bringen. Viele Leute besorgen sich dafür druckfrische Geldscheine von der Bank.</p>



<p>Eine weitere Sache, die beim Verschenken eines roten Umschlags beachtet werden muss, ist, dass niemals die Zahl 4 im Betrag vorkommen darf. 4 klingt auf Mandarin ähnlich wie das Wort für Tod, weshalb die Zahl mit Unglück in Verbindung gebracht wird.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Legende von Sui? Kanntet ihr die Tradition der roten Umschläge bereits? Habt ihr vielleicht selbst schon einmal einen bekommen oder selbst verschenkt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Feb 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[chinesisches Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
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		<category><![CDATA[chinesische Tierkreiszeichen]]></category>
		<category><![CDATA[Die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als sie jedoch sahen, wie mehrere andere kleinere Tiere von den Stromschnellen fortgerissen wurden, schluckten sie schwer. Sie erkannten sofort, dass sie im Wasser keine Chance hätten. Also sahen sie sich nach anderen Möglichkeiten um, den Fluss zu überqueren …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/c1795d3afc35446dbed4baee651cee4a" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Den Beitrag über die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen habe ich passend zum Mond-Neujahr diesen Samstag, den 10. Februar 2024, geschrieben, an dem das Jahr des Drachen beginnt.</p>



<p>Die Legende und meine Geschichte dazu sind ausnahmsweise mal nicht gruselig. Solltet ihr auf der Suche nach Horror oder Grusel sein, seht euch also lieber meine Geschichten über <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monster</a>, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a> oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legenden</a> an. Ansonsten wünsche ich euch:</p>



<p>Viel Spaß beim Lesen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Kennt ihr die Legende, wie die chinesischen Tierkreiszeichen entstanden sind? Vor langer Zeit, als die Götter noch auf der Erde wandelten, entschied der Jadekaiser, der höchste Gott der chinesischen Mythologie, dass er eine neue Zeitrechnung für die Menschen erschaffen wolle – einen Kalender bestehend aus zwölf Jahren. Jedes dieser Jahre sollte nach einem Tier benannt werden. Aber wie sollte der Jadekaiser diese zwölf Tiere auswählen?</p>



<p>Der Gott dachte lange darüber nach. Schließlich hatte er eine Idee: Er würde die Tiere selbst entscheiden lassen, wer von ihnen einen Platz in dem neuen Kalender verdiente, indem er ein Wettrennen veranstaltete. Die Tiere, die es als erste über einen reißenden Fluss bis zu den Toren seines Palastes schafften, sollten in den Kalender aufgenommen werden – und zwar in der Reihenfolge, in der sie das Ziel erreichten.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Der Tag, an dem das Rennen schließlich stattfand, hätte kaum schöner sein können. Die Sonne schien, die Luft war warm und erfüllt von dem Gesang der Zikaden, während sich die Tiere am Flussufer versammelten.</p>



<p>Die Nachricht über das Rennen hatte sich schnell verbreitet. Aber obwohl viele Tiere einen Platz im Kalender begehrten, konnten viele von ihnen nicht schwimmen. Oder sie waren zu klein, um gegen die starke Strömung des Flusses anzukommen.</p>



<p>Zwei dieser Tiere waren die Ratte und die Katze. Damals waren die Beiden noch gute Freunde gewesen und hatten entschieden, gemeinsam an dem Rennen teilzunehmen. Als sie jedoch sahen, wie mehrere andere kleinere Tiere von den Stromschnellen fortgerissen wurden, schluckten sie schwer. Sie erkannten sofort, dass sie im Wasser keine Chance hätten. Also sahen sie sich nach anderen Möglichkeiten um, den Fluss zu überqueren.</p>



<p>Sie sahen, wie der Hase auf einen Stein sprang, der aus dem Wasser ragte, wie sich der kräftige Tiger todesmutig in die Stromschnellen warf und wie der Drache sich majestätisch in den Himmel schlängelte. Einen Weg, wie sie unbeschadet über den Fluss kommen sollten, fanden sie jedoch nicht.</p>



<p>Erst, als sich der Büffel mit seinem massigen Körper dem Fluss näherte, hatte die &nbsp;&nbsp; Katze eine Idee. „Komm mit!“, rief sie der Ratte zu, während sie zu dem sanften Riesen rannte.</p>



<p>Die Ratte verstand sofort, wusste sie doch, wie freundlich und hilfsbereit der Büffel war.</p>



<p>„Lieber Büffel, entschuldige bitte“, miaute die Katze. „Würde es dir etwas ausmachen, die Ratte und mich auf deinem Rücken mitzunehmen?“</p>



<p>Der Büffel musterte die beiden ungleichen Freunde für einen Augenblick. Natürlich war ihm schnell klar, dass sie es ohne ihn nicht schaffen konnten. Außerdem waren sie so klein, dass er von ihnen kaum etwas merken würde. Also ging er in die Knie. „Steigt auf“, brummte er mit seiner ruhigen Stimme.</p>



<p>Das ließen sie sich nicht zweimal sagen. Schnell kletterten sie auf seinen muskulösen Rücken und setzten sich zu dritt wieder in Bewegung.</p>



<p>Der Büffel war wie eine Naturgewalt, während er seinen massigen Körper ins Wasser sinken ließ. Wie ein lebendig gewordener Felsen bewegte er sich durch den Fluss, völlig unbeeindruckt von der starken Strömung.</p>



<p>Die Ratte hielt unterdessen Ausschau nach der Konkurrenz. Zu ihrer Überraschung war von dem Drachen nichts mehr zu sehen – weder am gegenüberliegenden Ufer noch im Himmel, in den er sich eben noch so eindrucksvoll erhoben hatte. Dafür fiel ihr Blick jetzt wieder auf den Hasen, der tapfer von Stein zu Stein sprang, aber auch er lag noch weit hinter ihnen.</p>



<p>Die einzig ernsthafte Konkurrenz stellte der Tiger dar. Der war jedoch bereits so weit flussabwärts getrieben, während er mit schnellen Bewegungen gegen den Strom kämpfte, dass er noch ein gutes Stück Fußweg vor sich haben würde, wenn er das Ufer erreicht hatte.</p>



<p>Also blickte die Ratte siegessicher zum Palast des Jadekaisers. Sie hatte einen Entschluss gefasst: Sie würde vom Kopf des Büffels abspringen, sobald er nah genug am Ufer war. Dann würde sie das letzte Stück laufen und als erstes Tier die Ziellinie überqueren.</p>



<p>Noch ehe sie den Gedanken zu Ende gedacht hatte, fiel ihr Blick jedoch auf die Katze. Auch sie blickte siegessicher zum Ufer, während ihr Schwanz aufgeregt hin und her zuckte. Viel schlimmer war jedoch, dass die Katze nicht nur weiter springen konnte als die Ratte, sie konnte auch noch schneller rennen. Selbst wenn sie gleichzeitig loslaufen würden, würde die Ratte nur den zweiten Platz belegen.</p>



<p>&nbsp;Da fasste die Ratte einen Entschluss, den sie noch bitter bereuen würde: Sie lief zu ihrem guten Freund, der Katze, die weiter hinten auf dem Rücken des Büffels saß, murmelte eine stumme Entschuldigung und warf sich mit dem ganzen Körper gegen sie.</p>



<p>Die Katze miaute erschrocken auf. Sie machte einen Satz zur Seite, hatte sie doch nicht mit dem plötzlichen Angriff gerechnet. Dabei verlor sie den Halt und stürzte in den reißenden Fluss.</p>



<p>Die Ratte sah, wie sie wild um sich trat, panisch versuchte, den Kopf über Wasser zu halten, während sie von der Strömung fortgerissen wurde und schnell in der Ferne verschwand.</p>



<p>Der Büffel, der von all dem nichts mitbekommen hatte, setzte seinen Weg durch den Fluss unbeirrt fort und erreichte bald das Ufer. Dort warf die Ratte einen letzten schuldbewussten Blick flussabwärts, sprang dann schnell vom Kopf des Büffels und flitzte voran zum Palast, wo der Jadekönig bereits auf sie wartete.</p>



<p>Und so wurde die Ratte das erste Tier des chinesischen Kalenders. Die Katze hingegen konnte ihr den Verrat nie verzeihen. Ihretwegen wurde sie nicht in den Kalender aufgenommen. Das ist der Grund, warum Katzen auch heute noch Ratten jagen. Außerdem sollen sie bei dem traumatischen Vorfall ihre Angst vor Wasser entwickelt haben.</p>



<p>Als Nächstes erreichte der Büffel das Ziel und kurze Zeit später der Tiger.</p>



<p>Nach den beiden kräftigen Tieren hatte nun der Hase die Führung im Rennen. Er war weiter von Stein zu Stein gesprungen und hatte das andere Ufer fast erreicht. Jetzt stand er jedoch bereits einige Sekunden auf der Stelle, setzte immer wieder zum Sprung an und brachte es dann doch nicht über sich. Der Stein vor ihm war zu weit entfernt, der Hase zu müde von dem bisherigen Weg. Er war sich unsicher, ob er es schaffen würde.</p>



<p>Erst, als der Hase hinter sich das angestrengte Schnaufen des Pferdes hörte, das näher und näher kam, setzte er ein letztes Mal zum Sprung an. Er nahm so viel Anlauf, wie es ihm auf dem kleinen Felsen möglich war, und stieß sich mit voller Kraft ab. Der Wind pfiff in seinen angelegten Ohren, während er seine Augen stur auf den kleinen Felsen vor sich gerichtet hatte. Den reißenden Fluss unter ihm versuchte er, so gut es ging, zu ignorieren.</p>



<p>Dann endlich setzte er auf. Seine Vorderpfoten trafen den harten Stein, doch sein Unterkörper schaffte es nicht ganz auf den Felsen. Mit einem lauten Platschen landeten seine Hinterbeine in dem kalten Nass.</p>



<p>Sofort begann der Hase, panisch um sich zu treten, versuchte auf dem Stein Halt zu finden. Doch die Strömung war zu stark, der feuchte Fels zu rutschig. Der Hase spürte, wie sein kleiner Körper fortgerissen wurde.</p>



<p>Jetzt war er dem Fluss schutzlos ausgeliefert. Während ihn das Wasser wie eine kalte Decke umschloss, wurde er hin und her gewirbelt. Schnell verlor er die Orientierung, wusste nicht mehr, wo oben und unten war, versuchte panisch, die Wasseroberfläche zu erreichen.</p>



<p>Dann plötzlich knallte er mit der Seite gegen etwas Hartes. Schmerz durchfuhr seinen Körper, aber trotzdem klammerte er sich reflexartig daran fest. Jetzt, da die Welt sich um ihn herum nicht mehr drehte, schaffte er es endlich, dem Kopf aus dem Wasser zu strecken. Gierig schnappte er nach Luft.</p>



<p>Nun sah er, was ihn gerettet hatte: Er klammerte sich an einen Baumstamm, der im Wasser trieb. Und nicht nur das, es kam auch noch ein plötzlicher Wind auf, der den Stamm Richtung Ufer trieb. Der Hase wollte seinen Augen kaum trauen, als das Land sich schnell näherte. Sobald der Stamm mit einem dumpfen Laut ans Ufer gestoßen war, zog der Hase sich an Land, hoppelte weiter zum Palast und konnte sich so den vierten Platz sichern.</p>



<p>Der nächste Platz hingegen verwunderte die meisten Anwesenden, als plötzlich der Drache aus dem Himmel herabkam und vor dem göttlichen Palast landete.</p>



<p>Auch der Jadekaiser wunderte sich darüber. „Sag mir, ehrenwerter Drache“, sprach er ihn an. „Wieso bist du jetzt erst hier, wo du doch fliegen kannst?“</p>



<p>Der Drache schüttelte seinen schlanken Körper, ehe er den Kopf senkte. „Verzeiht mir, Jadekaiser, dass ich Euch habe warten lassen, aber von der Luft aus habe ich Rauch gesehen. In einem der Menschendörfer war ein Feuer ausgebrochen und ich musste ihnen helfen, es zu löschen.“ Dann sah er zu dem Hasen, der noch immer beim Eingang stand. „Außerdem habe ich unseren kleinen Freund hier gesehen, wie er sich an einen Baumstamm geklammert hat, als hinge sein Leben davon ab. Da habe ich ihm etwas Wind zugepustet, um ihn an Land zu bringen.“</p>



<p>Der Jadekönig bewunderte die Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft des Drachens, der den fünften Platz belegte – und auch der Hase war ihm zu tiefem Dank verpflichtet.</p>



<p>Plötzlich ertönte Hufgetrappel. Wenn ihr jetzt jedoch denkt, dass das Pferd den sechsten Platz belegt hat, wo es doch so dicht hinter dem Hasen war und sich jetzt schnell dem Palast näherte, irrt ihr euch. Denn wie der Büffel hatte auch das Pferd einen blinden Passagier bei sich, auch wenn dieser nicht vorher um Erlaubnis gebeten hatte. Und so wieherte das Pferd erschrocken auf, als plötzlich die Schlange, die sich im Fluss um sein Bein geschlungen hatte, nach vorne sprang und sich so den sechsten Platz sicherte. Das Pferd belegte daraufhin den siebten Platz.</p>



<p>Aber auch, wenn wir in diesem Wettrennen schon fast alles gesehen haben – von Hilfsbereitschaft über Selbstlosigkeit bis hin zu Verrat und Täuschung – sind meine Lieblingsplätze die drei nun folgenden: Nummer acht, neun und zehn. Und auch der Jadekaiser staunte wohl nicht schlecht, als er sah, wie sich ihm auf dem Fluss ein Floß näherte. Darauf saßen drei Tiere, die kaum unterschiedlicher hätten sein können: die Ziege, der Hahn und der Affe.</p>



<p>Einige sagen, die drei waren schon vor jenem Tag Freunde gewesen, andere behaupten, dass sie es durch das Wettrennen erst geworden sind. Aber egal, welche Version davon stimmt, Fakt ist, dass wahrscheinlich keiner von ihnen den Fluss überquert hätte, hätten sie nicht zusammengearbeitet. Weder der Hahn, der das verlassene Floß im Gestrüpp gefunden hat, noch die Ziege, die es von den Pflanzen befreit hat, noch der Affe, der die Ruder aus Stöckern, Ranken und Rinde gebaut hat. Und auch die Überfahrt wäre ihnen nicht gelungen, wenn der Affe und die Ziege nicht gleichzeitig gerudert hätten, während der Hahn ihre Bewegungen koordinierte.</p>



<p>In Teamarbeit schafften sie es hingegen gemeinsam auf die andere Seite. Auch stritten sie nicht, wer von ihnen als Erstes vor den Jadekaiser treten durfte, sondern entschieden ganz zivil die Reihenfolge. Und so belegte die Ziege den achten Platz, der Hahn den neunten und der Affe den zehnten.</p>



<p>Nachdem die drei Tiere jedoch fröhlich miteinander sprechend im Palast verschwunden waren, blickte der Jadekaiser sorgenvoll den Fluss entlang. Kein einziges Tier kämpfte mehr mit den Fluten, um zu ihm zu gelangen, fast alle Tiere hatten bereits aufgegeben oder wurden vom Fluss fortgespült – alle bis auf den Hund, der, wie der Jadekaiser jetzt sah, fröhlich im Wasser spielte. Erst, als der beste Freund des Menschen seinen Blick bemerkte, machte er sich auf den Weg zu der Gottheit und war nach wenigen Minuten bei ihm.</p>



<p>„Sag mir, treuer Hund, du bist solch ein guter Schwimmer, warum bist du erst jetzt zu mir gekommen?“, fragte der Jadekaiser.</p>



<p>Der Hund wedelte mit dem Schwanz und bellte. „Eigentlich wollte ich sofort zu Euch schwimmen, ehrenwerter Kaiser, aber das Wetter ist so schön und das Wasser so klar, dass ich einfach nicht anders konnte, als eine Weile darin zu planschen. Dabei habe ich wohl die Zeit vergessen.“</p>



<p>Daraufhin lachte der Jadekaiser bloß und kraulte den Hund hinter den Ohren. „Am Ende hast du es ja doch geschafft“, sagte er und erklärte den Hund zu dem elften Tier in seinem neuen Kalender.</p>



<p>Das letzte Tier jedoch sollte noch sehr lange auf sich warten lassen. Der Jadekaiser ließ seinen Blick wieder und wieder über den Fluss schweifen, während die Sonne sich bereits dem Horizont näherte. Tatsächlich wurde es langsam so spät, dass der Gott kurz davor war, das Rennen als beendet zu erklären und in seinem Palast zu verschwinden, als sich plötzlich ein leises Grunzen unter das Rauschen des Flusses mischte.</p>



<p>Neugierig musterte der Gott das Gewässer – und tatsächlich: Dort ragte eine kleine Schnauze aus dem Fluss, die sich dem Palast schnell näherte. Schließlich kletterte das Schwein aus dem Wasser, ehe es als letztes Tier endlich vor den Jadekaiser trat.</p>



<p>„Verzeiht meine Verspätung“, grunzte das Schwein, „aber ich habe auf dem Weg zum Fluss einige wirklich leckere Äpfel gefunden. Nachdem ich sie gegessen hatte, wollte ich mich bloß einen Moment ausruhen, aber ich muss wohl eingeschlafen sein.“ Peinlich berührt senkte das Tier den Kopf. „Bin ich noch rechtzeitig?“</p>



<p>Da lächelte der Kaiser breit. „Das bist du.“</p>



<p>Und so erklärte der Jadekaiser das Schwein zum zwölften und letzten Tier des chinesischen Kalenders. Einem Kalender, nach dem sich die meisten Menschen in Asien noch heute richten.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen ist eine Legende, die beschreibt, wie und in welcher Reihenfolge die Tiere für den chinesischen Kalender angeblich ausgewählt wurden.</p>



<p>Der häufig genutzte Begriff „chinesische Sternzeichen“ ist übrigens falsch, da die chinesischen Tierkreiszeichen nichts mit den Sternen zu tun haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Welches Tier im chinesischen Kalender bin ich?</h3>



<p>Wenn ihr wissen wollt, welches Tier ihr im chinesischen Kalender seid, ist das ganz einfach. Ihr müsst nur nachsehen, welches Tier eurem Geburtsjahr entspricht. (Ich bin laut chinesischem Kalender übrigens eine Ratte.)</p>



<p>Aber Achtung: Der chinesische Kalender richtet sich nach den Mondjahren. Solltest du im Januar oder Anfang Februar Geburtstag haben, kann das Tierkreiszeichen eventuell abweichen!</p>



<p><strong>Ratte</strong>: 1948, 1960, 1972, 1984, 1996, 2008, 2020</p>



<p><strong>Büffel/Ochse:</strong> 1949, 1961, 1973, 1985, 1997, 2009, 2021</p>



<p><strong>Tiger:</strong> 1950, 1962, 1974, 1986, 1998, 2010, 2022</p>



<p><strong>Hase:</strong> 1951, 1963, 1975, 1987, 1999, 2011, 2023</p>



<p><strong>Drache:</strong> 1952, 1964, 1976, 1988, 2000, 2012, 2024</p>



<p><strong>Schlange:</strong> 1941, 1953, 1965, 1977, 1989, 2001, 2013</p>



<p><strong>Pferde:</strong> 1942, 1954, 1966, 1978, 1990, 2002, 2014</p>



<p><strong>Ziege/Schaf:</strong> 1943, 1955, 1967, 1979, 1991, 2003, 2015</p>



<p><strong>Affe:</strong> 1944, 1956, 1968, 1980, 1992, 2004, 2016</p>



<p><strong>Hahn:</strong> 1945, 1957, 1969, 1981, 1993, 2005, 2017</p>



<p><strong>Hund:</strong> 1946, 1958, 1970, 1982, 1994, 2006, 2018</p>



<p><strong>Schwein:</strong> 1947, 1959, 1971, 1983, 1995, 2007, 2019</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Der Legende nach hat entweder Buddha oder Ju Di, der Jadekaiser und eine der höchsten Gottheiten im Daoismus, vor vielen Jahrhunderten ein Wettrennen unter den Tieren veranstaltet: Die zwölf Tiere, die es als erste schafften, einen reißenden Fluss zu überqueren, sollten die Tierkreiszeichen des chinesischen Kalenders werden – und zwar in der Reihenfolge, in der sie das Ziel erreichten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ratte, Büffel und Tiger:</h4>



<p>Den ersten Platz belegte die Ratte – jedoch nur, weil sie zusammen mit der Katze auf dem Rücken des Büffels durch den Fluss geritten ist, die Katze auf halbem Weg in die Stromschnellen gestoßen hat und schließlich vom Kopf des Büffels gesprungen ist, um als Erstes das Ufer zu erreichen.</p>



<p>Der Büffel belegte den zweiten Platz, während die Katze von der Strömung fortgetrieben wurde oder sogar ertrunken sein soll. Das ist übrigens auch der Grund, warum Katzen Ratten und Mäuse jagen sollen – sie haben ihnen den Verrat nie verziehen.</p>



<p>Als Nächstes folgte der Tiger, der zwar mehr Probleme mit dem reißenden Fluss hatte als der Büffel, aber dennoch gut vorangekommen war.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hase und Drache:</h4>



<p>Dann folgte der Hase. Er wählte eine andere Taktik und hüpfte von Stein zu Stein über den Fluss. Leider verfehlte er dabei einen Stein, weil der Abstand zu groß war, schaffte es aber dank eines im Fluss treibenden Baumstamms und eines plötzlichen Windes trotzdem an die andere Seite. So belegte der Hase den vierten Platz.</p>



<p>Den fünften Platz belegte der Drache – sehr zur Überraschung der Anwesenden, die alle damit gerechnet hatten, dass der fliegende Drache den ersten Platz belegen würde. Aber der Drache erklärte, dass er ein Dorf (je nach Version) vor einem Feuer, einer Dürre oder einer Flut gerettet habe, ehe er sich Richtung Ziel begeben hatte. Auf dem Weg dorthin habe er außerdem den Hasen auf dem Baumstamm gesehen und ihm mit einem Windstoß ans Ufer geholfen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Schlange und Pferd:</h4>



<p>Kurz nach dem Drachen näherte sich auch das Pferd der Ziellinie. Was es jedoch nicht wusste: Die Schlange hatte sich um sein Bein geschlungen und sprang im letzten Moment hervor. Dabei erschrak das Pferd, weshalb es erst nach der Schlange die Ziellinie überquerte.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Ziege, der Hahn und der Affe:</h4>



<p>Der achte, neunte und zehnte Platz ging an die Ziege, den Hahn und den Affen. Sie hatten sich als Team zusammengeschlossen und ein Floß genutzt, das sie am Ufer gefunden hatten.</p>



<p>Auf der anderen Seite des Flusses ließen sie die Ziege zuerst ins Ziel. Anschließend folgten der Hahn und schließlich der Affe.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der Hund und das Schwein:</h4>



<p>Nach den Dreien stieg der Hund aus dem Fluss. Obwohl er eigentlich ein hervorragender Schwimmer war, belegte er lediglich den vorletzten Platz. Er hatte das Flusswasser so sehr genossen, dass er entschieden hatte, ein ausgiebiges Bad zu nehmen, statt zum Ziel zu schwimmen.</p>



<p>Und auch das Schwein, das den letzten Platz belegte, hatte die Zeit vertrödelt, da es erst etwas gegessen hatte und dann eingeschlafen war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Erzählungen:</h3>



<p>Natürlich gibt es auch bei dieser Legende alternative Erzählungen. Während das Wettrennen durch den Fluss zwar die häufigste Version ist, gibt es z. B. auch Versionen, in denen das Ziel des Rennens das Tor zum Himmel oder der Ort für ein Festessen ist.</p>



<p>Eine andere häufige Abweichung ist der Verrat der Ratte an der Katze. So wird die Katze in anderen Versionen manchmal gar nicht erwähnt oder die Ratte erzählt ihr, dass das Wettrennen erst einen Tag später stattfände, woraufhin die Katze nicht rechtzeitig teilnimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Informationen darüber, an welchem Fluss das Wettrennen stattgefunden haben soll, habe ich leider keine finden können. Ich weiß lediglich, dass er irgendwo in China liegt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p><em>Hinweis: Zu den Angaben in diesem Abschnitt habe ich nur sehr wenige Quellen im deutsch- und englischsprachigen Internet gefunden, weshalb ich sie nur bedingt auf ihre Richtigkeit prüfen konnte.</em></p>



<p>Der genaue Ursprung der chinesischen Tierkreiszeichen ist nicht bekannt, aber es gibt verschiedene Theorien dazu.</p>



<p>Eine von ihnen besagt, dass sie zur selben Zeit wie der Buddhismus, also in den Jahren von 206 v. Chr. bis 220 n. Chr., von Indien nach China rübergewandert sind.</p>



<p>Dagegen sprechen jedoch einige Funde aus der Zeit der Streitenden Reiche (zwischen 475 v. Chr. und 221 v. Chr.), auf denen die Tiere abgebildet sein sollen. Hier wird argumentiert, dass die Tiere wahrscheinlich schon sehr viel länger Teil des chinesischen Kalenders gewesen seien und noch aus einer Zeit stammen, als in China der Jupiter zur Zeitmessung genommen wurde. Dieser umkreist die Sonne etwa alle 12 Jahre.</p>



<p>Eindeutig identifiziert wurden die Tierkreiszeichen jedoch erst auf Funden aus der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 9 n. Chr.). Es lässt sich daher also keine der beiden Theorien eindeutig be- oder widerlegen.</p>



<p>Eine weite Verbreitung erlangten die zwölf Tierkreiszeichen schließlich von der Nördlichen Zhou Dynastie (557 bis 581 n. Chr.) bis zur Tang-Dynastie (618 bis 907 n. Chr.). Auch heute noch werden die zwölf Tiere zum Benennen der verschiedenen Jahre in China und anderen Teilen Asiens genutzt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Legende der chinesischen Tierkreiszeichen? Welches Tier seid ihr laut chinesischem Kalender? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Oni &#8211; die japanischen Oger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Feb 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
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		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die gelben Augen starrten mich weiterhin an, während eine Mischung aus Hunger und Wut in ihnen funkelte.<br />
„Jetzt schieß endlich!“, flehte ich Ryu an. Wenn er nicht bald etwas unternahm, würde der Oni angreifen ...</p>
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<p>Die Oni sind sind wohl einer der bekanntesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a>, die es gibt. Passend zum Mond-Neujahr am 12.02. und dem Setsubun-Fest am 02.02., bei dem Oni eine wesentliche Rolle spielen, habe ich mich entschieden, über die japanischen Oger zu schreiben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Wir kommen langsam näher“, erklärte mein Bruder Ryu überflüssigerweise, während er den umgeknickten Baum vor uns mit seiner Taschenlampe ableuchtete.</p>



<p>Ich schluckte. Der Baum war nicht gerade dünn. Was auch immer ihn umgestoßen hatte, musste eine unglaubliche Kraft besitzen.</p>



<p>Und es sollte nicht der einzige Baum bleiben. Je weiter wir den Berg hinaufstiegen, desto mehr umgeknickte oder sogar ausgerissene Bäume fanden wir. Einige sahen aus, als wären sie aus dem Boden gerissen und mehrere Meter weit geworfen worden.</p>



<p>„Sicher, dass das hier eine gute Idee ist? Vielleicht sollten wir lieber umkehren und den anderen Bescheid sagen“, schlug ich vor.</p>



<p>Mein Bruder drehte sich zu mir um. „Und was soll das bringen? Wenn jemand anderes den Oni tötet, bringt uns das gar nichts!“</p>



<p>„Reicht es dir nicht, dass wir wieder sicher sind? Dass keine Menschen mehr sterben?“, erwiderte ich.</p>



<p>Ryu seufzte schwer. „Kenji, merkst du nicht, wie die anderen uns ansehen? Wie sie hinter unserem Rücken über uns reden? Ich will nicht mehr nur der Sohn eines Mörders sein, dem niemand trauen kann. Ich will nicht mehr, dass die Leute uns behandeln, als wären wir unser Vater!“</p>



<p>Jetzt musste auch ich seufzen. Ich sah über meine Schulter. Irgendwo dort unten, am Fuß des Berges, lag Shizuka-Mura, unsere Heimat. Ein Dorf, das so klein und unbedeutend war, dass es auch heute noch auf den meisten Landkarten fehlte. Ein Dorf, das ich über alles liebte.</p>



<p>Aber in letzter Zeit hatte sich so viel verändert &#8230; Ryu hatte recht. Seit vor anderthalb Jahren eine Gruppe Polizisten ins Dorf gekommen war, um Vater festzunehmen, sahen die Leute uns mit anderen Augen an. Sie glaubten uns nicht, dass wir genauso überrascht und schockiert waren, wie sie, zu erfahren, dass unser Vater ein gesuchter Mörder sei. Wie sich herausstellte, waren wir damals nur nach Shizuka-Mura gezogen, damit er untertauchen konnte &#8230;</p>



<p>Und dann war da noch der Oni. Die Kreatur ist vor etwa vier Monaten das erste Mal in unserem Dorf aufgetaucht.</p>



<p>Habt ihr schon einmal einen Oni gesehen? Die Geschichten und Zeichnungen werden ihnen nicht gerecht. Sie alle können nicht die Angst beschreiben, die man verspürt, wenn einem eine solche Kreatur tatsächlich gegenübersteht.</p>



<p>Ich hatte miterlebt, mit welcher Leichtigkeit ein Oni ganze Häuser niederreißen konnte, um an die Menschen zu kommen, die darin wohnten.</p>



<p>Er hatte schon so viele Menschen auf dem Gewissen. Freunde. Nachbarn. Nicht nur die, die er entführt hatte, sondern auch die, die losgezogen sind, um ihn zu töten. Keiner von ihnen war zurückgekehrt &#8230;</p>



<p>„Mach dir keine Sorgen“, riss Ryu mich aus meinen Gedanken. Er schien meine Bedenken bemerkt zu haben. „Der Oni schläft bestimmt. Wir müssen nur nahe genug herankommen.“</p>



<p>Um seine Aussage zu untermalen, zog Ryu eine Pistole aus seiner Tasche. Wir hatten sie damals in Vaters Zimmer gefunden – der Moment in unserem Leben, an dem wir uns eingestehen mussten, dass Vater nicht zu Unrecht beschuldigt wurde. Nie hätte ich gedacht, dass wir die Waffe eines Tages brauchen würden.</p>



<p>Es war Ryus Idee gewesen. Wenn wir den Oni besiegten, wären wir endlich mehr als nur die Söhne eines Mörders. Wir wären Helden. Und mit der Pistole hatten wir tatsächlich eine Chance. Wir mussten uns bloß anschleichen, ohne den Oni zu wecken, um ihm aus nächster Nähe direkt in den Kopf schießen zu können – so zumindest der Plan.</p>



<p>Doch wie es so häufig mit Plänen der Fall war, kam etwas dazwischen. Wir näherten uns gerade einer Höhle, in der wir als Kinder manchmal gespielt hatten – wir vermuteten, dass der Oni darin schlief –, als plötzlich ein lautes Knacken ganz in unserer Nähe ertönte.</p>



<p>Ryu und ich fuhren erschrocken herum. Unsere Taschenlampen erhellten etwas Rotes, das zwischen den Bäumen hervorblitzte. Es bewegte sich.</p>



<p>„Mach die Taschenlampe aus!“, zischten Ryu mir zu.</p>



<p>Doch es war zu spät. Der Oni hatte uns bemerkt. Während ich in meiner Panik den Ausschalter der Taschenlampe nicht fand, kam der Oni mit großen Schritten auf uns zu. Er trat einen Baum um, der wegbrach, als wäre es ein Zahnstocher.</p>



<p>Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Ryu die Pistole hob, also entschied ich, die Taschenlampe stattdessen auf den Oni zu richten, damit mein Bruder sehen konnte, wohin er zielte.</p>



<p>Als der Oni vor uns stehenblieb, richtete er sich zu voller Größe auf, als wolle er uns einschüchtern. Noch nie hatte ich ihn aus solcher Nähe gesehen. Seinen Kanabō – einen mit Eisen beschlagenen Streitkobeln – hielt er lässig mit einer Hand auf seine Schulter gelehnt. Dabei wäre er ohne Waffe schon eindrucksvoll genug gewesen.</p>



<p>Er war sicherlich vier oder fünf Meter groß. Ausgeprägte Muskeln zeichneten sich unter der roten Haut ab. Lediglich sein Bauch war gewölbt. Ich konnte nur ahnen, dass sich unter dem Fett ein Sixpack versteckte, das mindestens genauso eindrucksvoll war, wie seine restliche Muskulatur.</p>



<p>Dafür gab seine massige Brust eine perfekte Zielscheibe ab.</p>



<p>Ich sah, wie die Hand meines Bruders zitterte.</p>



<p>„Schieß!“, befahl ich.</p>



<p>Das wiederum erregte die Aufmerksamkeit des Oni. Er starrte mich mit seinen gelben Augen eindringlich an. Erst jetzt fiel mir auf, wie furchteinflößend sein Kopf wirklich war.</p>



<p>Zerzauste, schwarze Haare rahmten sein grässliches Gesicht ein. Zwei spitze Hörner wuchsen aus seiner Stirn. Die großen Zähne, die aus seinem Mund ragten, erinnerten mich an ein Wildschwein. Sie blockierten seine Lippen, sodass sein Mund einen Spalt offen stand. Die gelben Augen starrten mich weiterhin an, während eine Mischung aus Hunger und Wut in ihnen funkelte.</p>



<p>„Jetzt schieß endlich!“, flehte ich Ryu an. Wenn er nicht bald etwas unternahm, würde der Oni angreifen.</p>



<p>Entsetzt blickte ich zu meinem Bruder. Seine Hand zitterte jetzt völlig unkontrolliert. Stand er unter Schock?</p>



<p><em>Rums!</em> Ein lauter Knall ertönte, als der Oni seinen Kanabō von der Schulter nahm und das Ende auf den Boden donnern ließ.</p>



<p>Endlich reagierte mein Bruder. Doch ich freute mich zu früh. Statt zu schießen, fiel die Waffe aus seiner Hand. In der derselben Bewegung drehte sich Ryu auf der Stelle um und rannte in die Dunkelheit. Der Oni, dessen Jagdinstinkt sofort einsetzte, stürmte mit schnellen, viel größeren Schritten hinterher.</p>



<p>„Was tust du?“, brüllte ich meinem Bruder schockiert nach. Er würde niemals vor dem Oni davonlaufen können!</p>



<p>Während die schweren Schritte, das gleichmäßige Grunzen und das Splittern von Bäumen sich langsam entfernte, suchte ich panisch den Waldboden ab. Hier irgendwo musste sie doch liegen!</p>



<p>Im Schein meiner Taschenlampe blitze plötzlich etwas auf. Die Pistole! Schnell stürzte ich mich darauf.</p>



<p>Mit der Pistole in der Hand stand ich da. Während ich noch darüber nachdachte, ob ich mich verstecken, weglaufen oder dem Oni hinterhersprinten sollte, schnitt plötzlich ein Schrei durch die Luft.</p>



<p>„Ryu!“, brüllte ich in die Dunkelheit. Er schrie wie am Spieß.</p>



<p>Ein knackendes Geräusch ertönte. Es klang anders, als das Knacken der Bäume, erschütterte mich bis ins Mark. Waren das brechende Knochen?</p>



<p>Das Geschrei verstummte. Die jetzt einkehrende Stille war nur von einem gelegentlichen weiteren Knacken und einer Art Schmatzen erfüllt.</p>



<p>In meinem Kopf entstanden grässliche Bilder, wie der Oni meinen Bruder in Fetzen riss, bevor er ihn sich Stück für Stück in seinen mit den Wildschweinhauern besetzten Mund stopfte.</p>



<p>Tränen füllten meine Augen. Natürlich hätte ich damit rechnen müssen, dass einem von uns etwas zustieß. Aber jetzt, wo es tatsächlich passiert war &#8230; Ryu war tot. Und es war meine Schuld. Ich &#8230; Ich hätte ihn aufhalten sollen. Ihn von seinem Plan abbringen müssen.</p>



<p>Doch statt zu trauern, verspürte ich bloß Wut. Wie ein unaufhaltsamer Waldbrand wuchs sie in meinem Körper heran. Ich war wütend auf mich selbst, weil ich Ryu nicht aufgehalten hatte. Wütend auf die anderen Dorfbewohner, weil sie uns wie Dreck behandelt hatten. Wütend auf den Oni, weil er mir den letzten Menschen genommen hatte, der mir noch wichtig war &#8230;</p>



<p>Ich merkte erst, dass ich auf den Oni zu rannte, als meine Schritte von einem schnellen Gang zu einem Sprint wechselten.</p>



<p>Das Schmatzen wurde immer lauter. Ich hatte meine Taschenlampe auf die Bäume vor mich gerichtet, um mich orientieren zu können. Inzwischen konnte ich ab und an ein zufriedenes Grunzen vernehmen, als wäre mein Bruder das köstlichste, was der Oni je gegessen hatte. Meine Wut wuchs weiter. Dann endlich sah ich ihn:</p>



<p>Der Oni saß mit dem Rücken zu mir auf der Lichtung. Der Schein meiner Taschenlampe schien ihn nicht zu beirren. Vielleicht war er auch zu abgelenkt von meinem Bruder, um es zu bemerken. Jedenfalls zeigte er keinerlei Reaktion.</p>



<p>Ich hob die Pistole, um auf ihn zu zielen. Für einen Moment überlegte ich, ihm in den Rücken zu schießen, doch er bewegte sich zu sehr, als dass ich auf irgendwelche lebenswichtigen Organe zielen konnte.</p>



<p>Als der Oni sich bückte, leuchtete ich auf das, was vor ihm lag. Mein Bruder war völlig zerfetzt. Der Oni hatte ihm beide Arme und den Kopf ausgerissen. Hätte ich die Kleidung nicht wiedererkannt, wäre ich mir nicht einmal sicher gewesen, dass es sich bei dem blutigen Bündel um Ryu handelte.</p>



<p>Plötzlich riss der Oni den Kopf herum. Er schien das Licht meiner Taschenlampe bemerkt zu haben.</p>



<p>Die Brust des Onis glänzte, während er aufstand. Das Blut verschmolz fast perfekt mit dem Rot seiner Haut. Man erkannte es nur an dem feuchten Glanz.</p>



<p>Als der Oni mich ansah, richtete ich die Taschenlampe direkt auf sein Gesicht. Er schrie wütend auf und riss sofort die Hände vor die Augen. Es schien ihm überhaupt nicht gefallen zu haben, dass ich ihn geblendet hatte.</p>



<p>Der Oni griff geschickt nach seiner Waffe. Mit einer schnellen Bewegung hob er seinen Kanabō vom Boden auf.</p>



<p>Ich bekam Panik. Noch ehe ich richtig gezielt hatte, betätigte ich den Abzug der Pistole. Ein Schuss löste sich, dicht gefolgt von einem wuterfüllten Schrei des Oni.</p>



<p>Bevor ich reagieren konnte, sah ich, wie der Oni seinen Kanabō nach mir schwang. Der Aufprall brach mir mit einem scheußlichen Knacken die Wirbelsäule und schleuderte mich einige Meter durch die Luft, bis ich in weichem Moos liegen blieb.</p>



<p>Obwohl meine Seite, wo der Kanabō mich erwischt hatte, völlig zerschmettert sein musste, spürte ich keinen Schmerz. Um genau zu sein, spürte ich von der Brust abwärts überhaupt nichts mehr. Trotzdem hielt mich das Adrenalin bei Bewusstsein.</p>



<p>Schnell orientierte ich mich. Die Taschenlampe lag vielleicht fünf Meter von mir entfernt. Irgendwo dort musste auch die Pistole liegen. Wenn ich sie erreichte, hatte ich noch eine Chance. Mein Bruder und ich waren nicht mehr zu retten, aber wenn der Oni starb, wären wir wenigstens als Helden gestorben.</p>



<p>Besagter Oni stand leicht irritiert in der Gegend herum. Er schien sich unsicher zu sein, ob er sich mir oder wieder meinem Bruder zuwenden sollte. Das war meine Gelegenheit!</p>



<p>Ich versuchte, mich aufzurappeln, um zur Taschenlampe zu sprinten. Zu meinem Entsetzen bewegten sich nur meine Arme. Meine Beine gehorchten mir nicht mehr. Wie abgestorben lagen sie da.</p>



<p>Trotzdem wollte ich mich nicht geschlagen geben. Ich stemmte meine Arme in den Boden, um mich langsam vorwärts zu ziehen. Meine Augen waren auf die Taschenlampe gerichtet. Zentimeter für Zentimeter robbte ich meinem Ziel näher. Jetzt gab es nur noch mich und das kleine Licht vor mir.</p>



<p>Ich hörte nicht einmal, wie der Oni auf mich zukam. Erst, als er mich wie ein Spielzeug vom Boden aufhob, merkte ich, dass ich versagt hatte. Gleichgültigkeit breitete sich in mir aus. Wir hatten verloren. Mein Bruder und ich waren nicht besser als die anderen Leute, die losgezogen waren, um den Oni zu besiegen, und nie zurückgekehrt sind.</p>



<p>Gerade, als ich schon mit allem abgeschlossen hatte, blitze im schwachen Taschenlampenlicht etwas auf. Blut quoll aus einer Stelle an seinem Bauch. Eine Wunde.</p>



<p>Meine Augen weiteten sich. Konnte das sein? Hatte mein Schuss ihn tatsächlich getroffen? Wenn er die Kugel nicht entfernen konnte – und das bezweifelte ich – gab es noch immer die Möglichkeit, dass die Wunde sich entzündete.</p>



<p>Ich klammerte mich an dieses letzte Bisschen Hoffnung. Als der Oni mir gerade meinen rechten Arm ausriss, breitet sich ein Lächeln auf meinem Gesicht aus. Der Oni könnte an der Verletzung sterben. Mein Bruder und ich konnten noch immer Helden werden! Dann verlor ich das Bewusstsein.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Oni sind japanische Dämonen, die den Ogern recht ähnlich sind. Das Wort Oni lässt sich daher mit Oger, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämon</a> oder böser <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> übersetzen. Sie zählen zu den Yōkai.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Oni erinnern an eine Mischung aus wildem Menschen und Dämon. Ihr Körperbau ist menschenähnlich, obwohl einige Merkmale abweichen können. So sollen manche Oni sechs Finger und/oder Zehen pro Hand bzw. Fuß besitzen. Auch kann es vorkommen, dass ein Oni ein drittes Auge auf seiner Stirn hat.</p>



<p>Ihre wilden, ungekämmten Haare waren in früheren Erzählungen und Bildern fast ausschließlich schwarz, werden heutzutage – besonders in Videospielen und Anime – aber auch manchmal weiß dargestellt.</p>



<p>Außerdem besitzen sie häufig ein oder zwei Hörner, scharfe, krallenähnliche Fingernägel und spitze Reißzähne oder Hauer.</p>



<p>Oni sollen sehr muskulös und häufig nicht gerade dünn sein. Auch sind sie größer als normale Menschen. In einigen Fällen sollen Oni sogar mehrere Meter groß gewesen sein, sodass sie die meisten Baumkronen überragen.</p>



<p>Eines ihrer auffälligsten Merkmale ist jedoch ihre Hautfarbe. Sie soll meist rot, blau oder grün sein, kann aber in einigen Geschichten auch andere Farben haben. In Europa ist die rote Variante wohl die bekannteste.</p>



<p>Was ihre Kleidung angeht, tragen Oni – sofern sie nicht nackt sind – häufig einen Lendenschurz aus Tigerfell oder dem Fell eines anderen, als mächtig geltenden Tieres.</p>



<p>Außerdem haben sie häufig ihren ikonischen, mit Eisen beschlagenen Streitkolben bei sich – einen Kanabō. Die Waffe wurde ursprünglich von den Samurai geführt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Es heißt, dass Oni hauptsächlich in der Hölle vorkommen. Wenn ein besonders grausamer Mensch stirbt, verwandelt seine Seele sich in einen Oni, um in der Hölle die Seelen anderer Menschen zu foltern.</p>



<p>Wenn ein Mensch jedoch so grausam ist, dass seine Seele bereits zu Lebzeiten nicht mehr gerettet werden kann, kann es passieren, dass er sich bereits vor seinem Tod verwandelt und als Oni in unserer Welt lebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die in der Hölle lebenden Oni sind den christlichen Dämonen sehr ähnlich: Sie sind die Folterknechte der Hölle, foltern also böse Menschen nach ihrem Tod aufs Grausamste.</p>



<p>Aber auch die Oni, die in unserer Welt leben und gelebt haben sollen, werden oft als böse und grausam angesehen.</p>



<p>Sie leben in der Wildnis, überfallen Dörfer, fressen Menschenfleisch, vergewaltigen Frauen und sind übernatürlich stark.</p>



<p>Außerdem sollen einige Oni über Magie verfügen, mit der sie z.&nbsp;B. Krankheiten bringen können.</p>



<p>Trotzdem sollen Oni – zumindest in den Erzählungen ab dem 13. Jahrhundert – nicht unbedingt die intelligentesten Wesen sein. In vielen Geschichten werden sie daher als dumm und tollpatschig dargestellt. Häufig führt die mangelnde Intelligenz auch dazu, dass der Oni besiegt werden kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Die Oni, die nicht in der Hölle leben, wohnen meist allein in den Bergen oder auf Inseln. Häufig heißt es, dass sie in Höhlen hausen, es soll aber auch Oni geben, die in Hütten oder gar verlassenen Festungen wohnen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Der Begriff „Oni“ wurde früher – bevor der heute bekannte Oni entstanden ist – für allerlei böse Geister und Yōkai gebraucht.</p>



<p>Das Wesen selbst stammt hingegen wahrscheinlich aus dem Hindu-Buddhismus und wurde durch die indischen Yaksha und Rashaka inspiriert, als sich der Buddhismus in Asien ausgebreitet hat.</p>



<p>Schon während er Heian-Zeit (ca. 794–1192) waren Oni als gefürchtete, menschenfressende <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monster</a> bekannt.</p>



<p>Im 13. Jahrhundert kam schließlich ihre leicht dümmliche und tollpatschige Art hinzu – wodurch sie jedoch nicht weniger gefährlich wurden.</p>



<p>Diese Art der Oni hat sich über die Jahre dank unzähliger Darstellungen in Geschichten und Kunst gefestigt, weswegen sie auch heutzutage in der japanischen Kultur noch eine wichtige Rolle spielen.</p>



<p>So sind sie z.&nbsp;B. ein fester Bestandteil des jährlichen Setsubun-Fests, bei dem Sojabohnen nach als Oni verkleideten Menschen geworden werden. Diese Tradition soll dazu dienen, das Böse zu vertreiben.</p>



<p>Aber auch in den modernen Medien, wie Manga, Anime und Videospielen haben die Oni einen Platz gefunden, wodurch sie schließlich ihre weltweite Bekanntheit erlangt haben.</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p><em>Was haltet ihr von den Oni? Kanntet ihr sie bereits? Wie hättet ihr an Kenjis oder Ryus Stelle auf ein solches Monster reagiert? Schreibt es in die Kommentare.</em></p>



<p><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Nian – die Legende des chinesischen Neujahrsfestes</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jan 2020 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[chinesisches Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Mond Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Mondneujahr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angestrengt starrte Gao in die Dunkelheit. Erst erkannte er nichts. Dann erblickte er eine dunkle Silhouette, die sich im näherte. Große Augen, die in der Dunkelheit katzenhaft aufblitzen, bestätigten seine größte Sorge: Nian war ins Dorf gekommen – und wie es aussah, hatte er Gao bereits entdeckt ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/1f8b6f214e68414badf97a98caac5232" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Legende von Nian und dem chinesischen Neujahrsfest könnte die älteste Legende sein, über die ich bisher geschrieben habe. Ich hoffe, ihr verzeiht, dass ich erneut etwas vom typischen Genre abweiche, aber da ich mich selbst sehr für die Legende interessiert habe und letzten Samstag das chinesische Neujahr begonnen hat, wollte ich unbedingt darüber schreiben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Die Geschichte, die ich euch jetzt erzähle, soll sich vor sehr langer Zeit in China ereignet haben.</p>



<p>Damals gab es dort ein kleines Dorf in den Bergen. Die Bewohner waren abgeschottet, handelten nur selten mit andere Dörfern und lebten hauptsächlich von den Erträgen ihrer eigenen Felder.</p>



<p>Trotzdem hatten sie alles, was sie zum Leben brauchten. Sie waren glücklich – zumindest die meiste Zeit. Doch an einem Tag im Jahr versank das Dorf Jahr für Jahr in Angst und Schrecken: dem Tag des chinesischen Neujahrs.</p>



<p>Immer, wenn das neue Jahr anbrach, wurde das Dorf von Nian, einem furchteinflößenden Monster, das eine Mischung aus Drachen und Löwe sein soll, heimgesucht.</p>



<p>Anfangs versuchten die Bewohner, sich zu verteidigen, wenn Nian aus den Bergen kam, doch sie hatten keine Chance. Jahr für Jahr gab es nur mehr Menschen, die Nian zum Opfer fielen.</p>



<p>Die Menschen sahen sich gezwungen, zu fliehen. Sie packten ihre Sachen und verließen ihre Häuser. Gemeinsam wanderten sie in die Berge, wo sie warteten, bis der dunkelste Tag ihres Jahres vorüber war. Erst am nächsten Morgen kehrten sie wieder zurück.</p>



<p>Einige wenige blieben auch im Dorf und versteckten sich. Doch Nian gegenübertreten, tat niemand mehr.</p>



<p>Das heißt, zumindest nicht, bis ein Junge es doch tat. Gao hatte eine schwer kranke Freundin. Sie war nicht kräftig genug, um das Dorf zu verlassen, und die Leute hatten zu viel Angst vor der Krankheit, als dass sie sie anfassen wollten.</p>



<p>Es war erst, als Gaos Familie das Dorf bereits verlassen hatte, dass er seine Eltern überzeugen konnte.</p>



<p>„Mutter, Vater. Ich muss gehen. Feiyan und ihre Mutter schaffen es vielleicht nicht alleine!“, flehte Gao seine Eltern an.</p>



<p>Doch sein Vater blieb stur. „Nein. Es ist zu gefährlich!“</p>



<p>„Bitte! Wie soll man denn unseren Familiennamen jemals ehren, wenn wir nicht einmal versuchen, diejenigen zu beschützen, die wir lieben?“</p>



<p>Das wirkte. Gaos Vater blieb stehen. Er sah seinen Sohn eine ganze Weile ruhig an. Dann nickte er kurz.</p>



<p>Gao strahlte. Er wollte bereits zurück ins Dorf rennen, als sein Vater ihn erneut aufhielt. „Junge!“, sagte er entschlossen. Dann hielt er Gao sein Schwert hin. „Du wirst es dringender brauchen, als wir.“</p>



<p>Gao bedankte sich bei seinem Vater. Dann rannte er los. Er hörte seine Eltern hinter sich streiten, doch hatte keine Zeit, zurückzublicken. Wenn er sich beeilte, würde er es vielleicht zu Feiyan schaffen, bevor Nian das Dorf betrat.</p>



<p>Es war ungewohnt, das Dorf in einer solchen Finsternis zu sehen. Normalerweise brannten Feuer. Rauch stieg von den Häusern gen Himmel. Doch an diesem Abend war alles dunkel.</p>



<p>Trotzdem hatte Gao keine Zeit, innezuhalten. Er musste zu Feiyans Haus!</p>



<p>Kies und Sand knirschte unter seinen Füßen. Gao traute sich inzwischen nicht mehr, zu rennen, da jeder seiner Schritte wie ein Peitschenschlag durch die endlose Stille hallte.</p>



<p>Er konnte fast nichts mehr erkennen. Konnte sich nur noch an dem schwachen Rest des Sonnenlichts orientieren, das vom Horizont kam. Wenn er sich nicht beeilte, stünde er bald in totaler Finsternis. Da heute Neumond war – wie zu jedem chinesischen Neujahr –, konnte er bald auf kein Licht mehr hoffen.</p>



<p>Wenn er es nicht rechtzeitig zu Feiyan schaffte … Nein! Daran durfte er jetzt nicht denken! Feiyan brauchte ihn!</p>



<p>Ein plötzliches Geräusch hinter ihm, ließ Gao zusammenfahren. Er wirbelte herum. Dann hielt er vollkommen still, traute sich nicht einmal, zu atmen. Schwere Schritte näherten sich ihm.</p>



<p>Angestrengt starrte Gao in die Dunkelheit. Erst erkannte er nichts. Dann erblickte er eine dunkle Silhouette, die sich im näherte. Große Augen, die in der Dunkelheit katzenhaft aufblitzen, bestätigten seine größte Sorge: Nian war ins Dorf gekommen – und wie es aussah, hatte er Gao bereits entdeckt!</p>



<p>Wenn er jetzt ganz still hielt. Vielleicht würde Nian ihn nicht bemerken. Vielleicht ging er an ihm vorbei …</p>



<p>Mit jedem Schritt, den Nian auf ihn zutrat, schlug Gaos Herz schneller. Mit jedem stampfenden Geräusch wurde seine Angst größer.</p>



<p>Dann blieb Nian vor ihm stehen. Seine Augen direkt auf Gao gerichtet.</p>



<p>Das Gebrüll, das aus Nians Maul kam, drohte, Gaos Trommelfelle zu zerfetzen. Nians warmer Atem trieb Gao den Gestank von Mundgeruch ins Gesicht.</p>



<p>Mit einem Würgen wandte Gao sich um. Er rannte, so schnell er konnte, verschwand in einer engen Seitengasse, in die Nian ihm nicht folgen könnte. Doch Nian zerfetzte die Hauswände, als wären sie aus Papier. Er sprang Gao hinterher, hielt jedoch Abstand. Er spielte mit ihm!</p>



<p>Gaos Gedanken waren unterdessen bei Feiyan. Wieso musste sie bloß krank werden? Sie hätten gemeinsam fliehen und den Tag in den Bergen verbringen können. Er wollte nicht sterben. Er wollte nicht, dass Feiyan stirbt.</p>



<p>„Nian ist hier!“, schrie Gao voller Lunge. „Versteckt euch, Nian ist in unser Dorf gekommen!“ Wenn er schon sterben würde, wollte er wenigstens das gesamte Dorf vorher warnen.</p>



<p>Als Gao sich sicher war, dass das ganze Dorf Bescheid wusste, blieb er stehen. Mit einer schwungvollen Drehung wandte er sich zu Nian um und zog gleichzeitig das alte Schwert seines Vaters aus der Scheide. Er wollte Nian gegenübertreten, bevor er zu erschöpft zum Kämpfen war.</p>



<p>Gemeinsam mit Gao war auch Nian langsamer geworden. Er konnte ihn jedoch nur anhand seiner leuchtenden Augen erkennen, der Rest war in Dunkelheit gehüllt.</p>



<p>Der Boden knirschte unter Nians schweren Pfoten, während er langsam näher schlich. Gao hielt ihm mit zittriger Hand die Klinge entgegen. Er konnte nur erahnen, wo sich das Schwert grob befand.</p>



<p>Als er dachte, dass Nian nah genug war, schwang er das Schwert. Er schlug ins Leere.</p>



<p>Während Gao versuchte, sein Gleichgewicht zu bewahren, schlug Nian mit seiner Pranke zu. Gao sah es nicht, spürte aber den Schmerz von vier parallelen Schnitten in seinem rechten Oberarm. Das Schwert fiel scheppernd zu Boden, während Gao vor Schmerzen aufschrie.</p>



<p>Die schiere Wucht hatte ihn zu Boden geworfen. Gao blieb erschöpft liegen. Er war bereit, aufzugeben, in der stillen Hoffnung, dass Nian ihm einen schnellen Tod schenken würde.</p>



<p>„Gao, renn weg. Ich halte ihn auf!“</p>



<p>Gao erkannte die Stimme sofort. Er öffnete die Augen. Frau Zhuang – Feiyans Mutter – stand mit einer Fackel in der Hand Nian gegenüber. Sie zielte mit dem Feuer direkt auf sein Gesicht – einer hässlichen Fratze, mit einem breiten mit spitzen Zähnen besetzten Maul, großen, wütenden Augen und einer Mähne, die den Kopf wie bei einem Löwen umschloss.</p>



<p>„Du sollst rennen, habe ich gesagt!“, schrie Frau Zhuang ihm entgegen.</p>



<p>Das ließ Gao sich nicht zweimal sagen. Er rannte sofort los. Doch bereits nach wenigen Metern wurde er wieder langsamer.</p>



<p>Nein. Das konnte Gao nicht zulassen. Er würde nicht die Mutter seiner Geliebten opfern, um sein eigenes Leben zu retten!</p>



<p>Er drehte sich wieder zu ihr um. Frau Zhuang versuchte erfolglos, Nian mit dem Feuer fernzuhalten.</p>



<p>Ohne zu zögern, griff Gao nach einem Stein und schleuderte ihn nach der Bestie.</p>



<p>Gao wusste nicht, was er getroffen hatte, doch ein lautes Scheppern verriet ihm, dass er Nian verfehlt hatte.</p>



<p>Die riesenhafte Gestalt fuhr herum. Sie blickte in die Richtung, aus der der Lärm gekommen war. Ließ sich Nian etwa so leicht ablenken?</p>



<p>Kurz darauf flog ein zweiter Stein. Diesmal zielte Gao auf einen Krug, der ganz in der Nähe stand. Vielleicht konnte er die Kreatur von Frau Zhuang weglocken.</p>



<p>Bei dem zweiten Geräusch fauchte Nian auf. Er sprang zur Seite und warf den Kopf hin und her.</p>



<p>Jetzt bemerkte Gao, dass es keine Neugierde oder Verwirrung war, die Nian hatte herumfahren lassen. Er verhielt sich eher wie ein ängstliches Tier. Die große, legendäre Bestie hatte Angst!</p>



<p>Gao stand inzwischen bei Frau Zhuang. Eigentlich wollte er ihr helfen, zu fliehen, doch jetzt fiel sein Blick auf einige Bambusrohre neben ihnen. Er erinnerte sich daran, wie er als Kind Bambus in das Feuer geworfen hatte. Es macht immer solch lustige, knallende Geräusche.</p>



<p>Wenn Nian bereits Angst vor etwas Geschepper hatte, was wäre dann bei …</p>



<p>„Zhuang, geben Sie mir die Fackel!“, befahl Gao.</p>



<p>Feiyans Mutter war zu verängstigt, um zu widersprechen oder ihn auf seinen Tonfall hinzuweisen. Stumm reichte sie ihm die Fackel.</p>



<p><em>Peng!</em> Der Knall hallte durchs gesamte Dorf – dicht gefolgt von Nians ängstlichem Gebrüll. Das Monster wich zurück. Es wich tatsächlich vor Gao zurück!</p>



<p>„Er hat Angst vor Lärm!“, schrie Gao ungläubig.</p>



<p>Frau Zhuang verstand sofort. Während Gao noch mehr Bambus anzündete, rannte sie ins Haus. Kurz darauf kam sie mit einem Topf zurück. Sie schlug mit einer Kelle darauf, um möglichst viel Lärm zu machen.</p>



<p>Nian drehte völlig durch. Er schien mit der gesamten Situation überfordert zu sein.</p>



<p>Jetzt sah Gao weitere Leute. Einige blickten ängstlich, andere neugierig auf die Straße.</p>



<p>„Lärm!“, wiederholte Gao aus voller Lunge, „Macht so viel Lärm, wie ihr nur könnt!“</p>



<p>Innerhalb weniger Sekunden herrschte Leben auf der Straße. Mehr und mehr Leute traten aus ihren Häusern. Alle hatten sie irgendetwas dabei, um Lärm zu machen: Gao sah Töpfe, Stöcke, sogar eine kleine Trommel. Andere schlugen ihre Hände zusammen.</p>



<p>Nian warf sich panisch hin und her. Unruhig wich er einige Schritte zurück. Er wich vor ihnen zurück!</p>



<p>„Weiter! Weiter!“, schrie Gao.</p>



<p>Stück für Stück für Stück trieben die Bewohner die Bestie weiter aus ihrem Dorf.</p>



<p>Nian musste neben seiner Angst wahnsinnige Verwirrung empfinden. Noch nie hatte sich ein Dorf derartig gegen ihn gewehrt. Schwerter und Pfeile prallten von seiner Haut ab, als seien sie Spielzeuge. Keine Rüstung war seinen Klauen gewachsen. Doch der Lärm, dieser fürchterliche Lärm war zu viel für ihm.</p>



<p>Schließlich ergriff die Bestie die Flucht. Das Dorf blieb in dieser Nacht größtenteils von ihm verschont.</p>



<p>Als Gaos Eltern am nächsten Tag mit den Anderen aus den Bergen zurückkamen, konnten sie ihren Augen nicht trauen. Ungläubig hörten sie zu, was geschehen war.</p>



<p>Fortan feierte das Dorf das chinesische Neujahr nicht mehr mit Furcht, sondern mit Lärm und Freude. Nian wurde nie wieder gesehen.</p>



<p>Und was aus Gao geworden ist? Es heißt, die Götter haben seinen Mut belohnt. Feiyan wurde wieder gesund und soll ihm später viele Kinder geschenkt haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Nian (von nián, chinesisch für „Jahr“) ist eine furchteinflößende <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener" label="Kreatur (öffnet in neuem Tab)">Kreatur</a> des antiken Chinas. Sie soll jedes Jahr zum chinesischen Neujahr aufgetaucht sein, um Angst, Tod und Zerstörung zu verbreiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Aufgrund des hohen Alters der Legende und der starken Verbreitung im asiatischen Raum, gibt es verschiedene Berichte darüber, wie Nian aussehen soll.</p>



<p>Das bekannteste Aussehen ist wahrscheinlich das Kostüm, welches bei dem berühmten chinesischen Löwentanz dargestellt wird. Trotzdem gibt es auch abweichende oder andere Beschreibungen von Nian.</p>



<p>Einige behaupten, er sähe aus wie ein sehr großer Hund mit dem Kopf eines Löwen – jedoch mit einem sehr flachen Gesicht – und langen Fang- oder Schneidezähnen.</p>



<p>Andere behaupten, er wäre größer als ein Elefant, hätte lange Hörner und scharfe Zähne.</p>



<p>Wieder andere behaupten, Nian sähe aus wie eine Mischung aus Drachen und Löwe mit einem einzelnen Horn auf der Stirn.</p>



<p>Natürlich gibt es noch weitere Beschreibungen, die ich jetzt jedoch nicht alle aufzählen möchte.</p>



<p>Über die Fell- oder Hautfarbe von Nian habe ich leider keine Angaben finden können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Nian soll ein furchteinflößendes Wesen gewesen sein, dass jedes Jahr zum chinesischen Neujahr aus seinem Versteck gekommen ist, um Dörfer und Städte aufzusuchen.</p>



<p>Er soll dort wahllos alles zerstört, sowie die Ernte und sogar Menschen gefressen haben. Seine Opfer waren angeblich hauptsächlich Kinder.</p>



<p>Wenn Nian schließlich satt war, sei er zurück in sein Versteck gegangen und erst im folgenden Jahr wiedergekommen.</p>



<p>Mit der Zeit sollen die Menschen jedoch herausgefunden haben, dass Nian sich vor lauten Geräuschen und der Farbe rot fürchte.</p>



<p>Seither halten sie Nian von ihren Dörfern und Städten fern, indem sie – früher mit Bambus und Trommeln, heutzutage mit Knallfröschen, Raketen, Böllern und lauten Festen – viel Lärm machen, ihre Häuser rot anstreichen, rote Kleidung tragen und rote Dekoration aufhängen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Nian soll je nach Erzählungen entweder in den Bergen oder im Meer leben. Er soll jedoch zum chinesischen Neujahr herauskommen und sich in die Dörfer und Städte wagen, wenn er nicht daran gehindert wird.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die Legende des Nian wird häufig als Ursprung für das chinesische Neujahrsfest, das es bereits seit mindestens dem 14. Jahrhundert vor Christus gibt, genannt.</p>



<p>Die erste schriftliche Erwähnung von Nian findet sich jedoch erst im frühen 20. Jahrhundert. Man ist sich zwar sicher, dass die Legende auf mündlicher Basis schon deutlich länger existiert, kann jedoch nicht sagen, wann die Legende genau entstanden ist.</p>



<p>Gerade wegen dieser Mund zu Mund Überlieferung, ist es unmöglich, zu sagen, welche der zahlreichen Überlieferungen die Ursprungslegende ist.</p>



<p>Generell laufen sie jedoch alle gleich ab:</p>



<p>Ein Dorf wird jedes Jahr zum chinesischen Neujahr von Nian heimgesucht, wo er die Häuser und Felder verwüstet.</p>



<p>Die Bewohner des Dorfes verstecken sich entweder, so gut sie können, oder verlassen das Dorf für die Zeit sogar komplett, um nicht gefressen zu werden.</p>



<p>Eines Jahres kommt ein Fremder in das Dorf. Er verspricht, Nian zu vertreiben, doch die Leute bleiben skeptisch. Sie versuchen erfolglos, ihn zu überreden, mit ihnen zu fliehen oder sich zu verstecken.</p>



<p>Der Mann bleibt jedoch standhaft. Er schmückt das Dorf mit roten Dingen wie etwa rotem Stoff. Anschließend wartet er auf Nian.</p>



<p>Als sich Nian pünktlich zum chinesischen Neujahr endlich zeigt, ist er verwirrt von all dem Rot und merkt, dass etwas nicht stimmt.</p>



<p>Plötzlich springt der alte Mann aus einem der Häuser und zündet Bambus an – wenn man Bambus anzündet oder ins Feuer wirft, gibt dieser laute, knallende Geräusche von sich – und macht möglichst viel Lärm.</p>



<p>Nian ist daraufhin so überrascht und verängstigt, dass er panisch das Dorf verlässt und ins Meer oder in die Berge zurückkehrt.</p>



<p>Die Dorfbewohner merken schnell, dass das Dorf nicht verwüstet wurde. Fortan sollen sie jedes Jahr zum chinesischen Neujahr die Stadt oder das Dorf mit roten Dingen geschmückt, ihre Häuser rot angestrichen und möglichst viel Lärm mit Trommeln und angezündetem Bambus gemacht haben.</p>



<p>Eine andere Alternative ist, dass nicht ein mysteriöser alter Mann das Dorf rettet, sondern ein Kind mit Bambus spielt, den es ins Feuer wirft. Es entdeckt per Zufall, dass Nian sich vor dem Lärm fürchtet. Die Dorfbewohner eilen dem Kind daraufhin sofort zur Hilfe und vertreiben Nian mit starkem Lärm. Die Farbe Rot spielt in dieser Version jedoch keine Rolle.</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p><em>Das ist die erste Geschichte, die ich für meinen Blog in der dritten Person geschrieben habe. Ich hoffe, sie gefällt euch trotzdem, besonders, da ich deutlich mehr Übung in der ersten Person habe. Die nächsten Geschichten werden aber wahrscheinlich wieder in der ich-Form sein.</em></p>



<p><em>Wie fandet ihr die Legende? Glaubt ihr, dass das chinesische Neujahrsfest tatsächlich so einen Ursprung haben könnte, oder wurde die Legende eurer Meinung nach erst im Nachhinein erfunden? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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