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	<title>Island Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Myling – Folge nicht seinen Schreien!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Mar 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/003c326817c64c0ea42664b2384dc5e4" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Meine Geschichte über den Myling spielt an einem Ort, der euch bereits von einer anderen Geschichte bekannt sein dürfte. Es war zwar nicht geplant, hatte aber zu gut gepasst, damit ich es nicht dort spielen lasse. Und wer weiß, vielleicht erwarten euch ja noch weitere Geschichten aus diesem kleinen schwedischen Dörfchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Kindes<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schnee knirschte unter meinen Füßen, während ich von Kalle, meinem treuen braunen Labrador, an seiner Leine durch den Wald gezogen wurde. Es war bereits März. Trotzdem lagen die Temperaturen hier in Schweden häufig noch unter 0 °C.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte die Kälte jedoch kaum. Wie so oft, wenn ich mit Kalle allein Gassi ging, wanderten meine Gedanken zu meiner Tochter Maja. Ich hatte sie letzten Monat bei einem Autounfall verloren. Den Fahrer traf keine Schuld. Er war ins Schlittern gekommen und hatte die Kontrolle über sein Auto verloren. Aber natürlich änderte das nichts an der Leere, die ich seit jenem Tag spürte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wäre Thorbjörn, ein alter Schulfreund, den ich letztes Silvester zufällig wiedergetroffen hatte, nicht gewesen, weiß ich nicht, wie ich nach dem Unfall hätte weiterleben sollen. Es war Glück im Unglück, dass er an dem Tag, als Maja starb, bei mir gewesen war, sodass er mich wenigstens etwas hatte auffangen können. Aber auch er konnte das Loch in meinem Herzen nicht füllen, dass der Tod meiner Tochter hineingerissen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein plötzliches Knurren vor mir riss mich aus meinen Gedanken. Kalle stand am Wegesrand und bellte ins Unterholz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell wischte ich die Tränen aus meinen Augen und ging zu ihm. „Was ist? Was hast du gesehen, mein Junge?“, fragte ich, während ich selbst in den dunklen Wald spähte. Ich konnte nichts Auffälliges entdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich war es bloß ein Reh oder ein Hase. Andererseits verirrten sich manchmal Wölfe und Bären in diese Gegend. Ich selbst war zwar noch nie einem von ihnen begegnet, entschied aber, es nicht darauf ankommen zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich Kalle jedoch zaghaft an seiner Leine weiterziehen wollte, stemmte er sich mit seinem gesamten Gewicht dagegen. Auch das war noch nie vorher vorgekommen. War es also wirklich ein potenziell gefährliches Tier?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch ging ich im Kopf alles durch, was ich über Begegnungen mit Wölfen und Bären erinnerte: Das Wichtigste war, dass ich mich groß machte, Lärm machen sollte und auf keinen Fall weglaufen oder mich umdrehen durfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also stand ich da, neben meinem bellenden Hund, hob die Arme über den Kopf und rief in den Wald hinein. „Hej Bär, hej Wölfe. Falls ihr da draußen seid, haut ab. Wir wollen euch nichts Böses!“ Vorsichtshalber zog ich sogar die Handschuhe aus und klatschte einige Male in die Hände, ehe ich sie wieder über den Kopf hob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es rauschte ein sanfter Wind durch die Bäume. Ansonsten hörte ich nichts. Kein Knirschen im Schnee, kein Geraschel oder Knacken im Unterholz. Nichts, das auf ein wildes Tier hindeutete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich ertönte eine leise Stimme. „Hallo?“ Es klang wie ein Kind, das den Tränen nahe war. „Mama?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Maja!</em>‘, schoss es mir sofort in den Kopf. Aber natürlich war sie es nicht. Meine Tochter war tot. Außerdem war das eindeutig eine Jungenstimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer ist da?“, rief ich in den Wald hinein. Ich ließ die Hände sinken und zog meine Handschuhe wieder an. „Hast du dich verirrt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kind antwortete nicht. Stattdessen ertönte ein leises Schluchzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hee, alles wird gut“, erwiderte ich, während ich einige vorsichtige Schritte ins Unterholz tat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle hielt sich eng an mich, während er mir mit eingeklemmtem Schwanz folgte. Wenigstens bellte er nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mein Name ist Jonna“, fuhr ich fort. Mit Glück kannte ich den Jungen aus Majas Schule. Oder von früher aus ihrem Kindergarten. „Kommst du aus dem Dorf?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das Kind antwortete mir nicht mehr. Durch sein lautes Geschluchze hatte ich es trotzdem schnell ausfindig gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um Himmels willen!“, stieß ich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein kleiner blonder Junge hockte vor mir im Schnee. Er trug dünne, abgenutzte Kleidung, hatte bleiche, dreckverschmierte Haut und sah abgemagert aus. Wenn es dafür nicht viel zu kalt gewesen wäre, hätte ich fast gedacht, dass er bereits einige Tage durch den Wald geirrt sein muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist passiert? Wo sind deine Eltern?“, fragte ich besorgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein kleiner Körper zitterte zwar nicht, aber ich war mir trotzdem sicher, dass er völlig durchgefroren sein musste. Also machte ich mich daran, meine Daunenjacke auszuziehen, während ich auf ihn zuging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle blieb hingegen in einigem Abstand stehen. Er kauerte sich zusammen und knurrte das Kind an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschrocken drehte ich mich zu ihm um. „Kalle! Aus! Du machst dem Jungen noch Angst!“, schimpfte ich, nichtahnend, dass er mich bloß beschützen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ging alles sehr schnell: In dem kurzen Moment, in dem ich ihm den Rücken zugedreht hatte, schrie der Junge plötzlich auf und stürzte sich auf mich. Er sprang auf meinen Rücken und klammerte sich an mich, indem er fest die Arme um mich legte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was? He … Du tust mir weh!“, schrie ich, während ich panisch versuchte, seine Arme von meinem Hals zu entfernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kind war ungewöhnlich stark. Besonders für seinen Zustand. Trotzdem tat ich mein Möglichstes, ihn so sanft ich konnte von meinem Rücken zu entfernen – ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalle war dabei die ganze Zeit am Bellen. Trotzdem versuchte er nicht, das Kind anzugreifen, fast als hätte er Angst vor ihm. Und so langsam verstand ich, warum: Was auch immer dieses Ding auf meinem Rücken war, es war kein normaler Junge. Wie sonst konnte man erklären, dass ich, eine erwachsene Frau, seine Arme nicht einen Zentimeter bewegen konnte, egal wie sehr ich daran zerrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bring mich zu einem Friedhof!“, zischte der Junge mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das brachte mich zum Innehalten. „W-was?“, fragte ich irritiert. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Begrab mich in geweihtem Boden, damit ich endlich Frieden finden kann!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment hatte ich das Gefühl, als würde mein Gehirn aufhören zu funktionieren. Es ergab für mich keinen Sinn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das alles vielleicht nur ein kranker Scherz? Aber wie könnte ein Scherz meinen Hund dazu bringen, den Jungen zu fürchten? Außerdem konnte kein Scherz der Welt einem Kind solche Muskelkraft verleihen, dass ich seine Arme nicht ansatzweise bewegen konnte. Nicht einmal mit all dem Adrenalin, das gerade durch meinen Körper schoss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn das hier kein Scherz war, meinte der Junge die Aufforderung ernst. Er wollte lebendig begraben werden. Oder war er vielleicht gar nicht lebendig?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das befreite mich endlich aus meiner Starre. „Okay! Okay“, erwiderte ich, während ich mich in Bewegung setzte. Kalle folgte mir in einigem Abstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte zwar keine Ahnung, was hier vor sich ging, aber wenn sich ein anscheinend übermenschlich starkes Wesen an meinen Rücken klammerte, das mir wahrscheinlich mit Leichtigkeit den Kopf abreißen konnte, wollte ich es bestimmt nicht wütend machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg versuchte ich weiter, meine Gedanken zu sortieren. Es gelang mir nicht wirklich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen fiel mir bald auf, dass meine Beine schwächer wurden. Zuerst dachte ich, es wäre bloß der Adrenalinschub, der allmählich nachließ, aber je näher ich meinem Auto kam, desto schwerer lastete der Junge auf meinen Schultern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch merkte ich, wie mein Atem vor Anstrengung immer schwerfälliger wurde. Eine Art Müdigkeit machte sich in mir breit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Anfang versuchte ich noch, mich mit der Natur um mich herum abzulenken. Aber obwohl es mir sonst nie sonderlich schwerfiel, die Schönheit der Natur wahrzunehmen, wirkte sie jetzt fast schon erdrückend. Die Bäume ragten hoch über mich hinaus, als würden sie auf mich herabblicken. Die Dunkelheit zwischen den Bäumen kam mir vor, als würde sie mich beobachten. Ein Gefühl der Enge machte sich in meinem Brustkorb breit. So ähnlich hatte ich mich auch gefühlt, als ich Maja verloren hatte. Als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strauchelte. Erst jetzt fiel mir auf, dass es nicht die Natur war, die mich fast erdrückte, sondern das Gewicht auf meinem Rücken. Der Junge war inzwischen so schwer geworden, dass ich Probleme hatte, geradeaus zu gehen. Mühsam setzte ich einen Fuß vor den anderen, bis ich endlich den Parkplatz erreichte. Selbst das Herauskramen meines Autoschlüssels aus der Jackentasche kam mir wie eine nahezu unschaffbare Aufgabe vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einigen Anläufen hatte ich es endlich geschafft. Ich öffnete die Autotür und ließ Kalle auf den Rücksitz springen, ehe ich mich selbst auf den Fahrersitz fallenließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum schien dem Jungen zu missfallen. „Keine Pause machen! Steh auf und bring mich zum Friedhof!“, schrie er mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich …“, presste ich hervor. Erschrocken stellte ich fest, dass mir selbst das Sprechen inzwischen schwerfiel. „Ich mach keine Pause. Wir fahren das letzte Stück. Geht … schneller …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Junge antwortete nicht, aber ich merkte genau, wie er hibbelig wurde, spürte seinen misstrauischen Blick in meinem Nacken. Wusste er nicht, was ein Auto war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald ich den Motor gestartet hatte und wir uns in Bewegung setzten, entspannte er sich schnell wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem merkte ich, wie ich weiter schwächer wurde. Ich hatte gehofft, dass das Sitzen helfen würde, ich hier wieder zu Kräften kommen könnte. Stattdessen verschwamm meine Sicht allmählich. Kalles Gebell auf dem Rücksitz klang ungewöhnlich weit weg. Ich hatte Probleme, die Spur zu halten, musste mich mehr und mehr auf die Straße konzentrieren, geriet immer wieder auf die Gegenfahrbahn. Zum Glück war ich um diese Uhrzeit allein auf der Straße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich kamen die Lichter meines Heimatdorfes in Sicht. Die Fahrt war nicht sonderlich lang, immerhin ging ich mit Kalle immer nur knapp außerhalb der Gemeinde spazieren, wenn wir eine größere Runde planten. Und so hatte ich die Straße, in der die Kirche und der Friedhof lagen, bald erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort angekommen betätigte ich wieder und wieder die Hupe. Das schien den Jungen, der sich noch immer fest an mich klammerte, zu verwirren. Ich merkte, wie er sich ruckartig umsah. Aber entweder wusste er nicht, dass ich den Lärm machte, oder er hinterfragte es nicht weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich hielt ich an. Ich fuhr jedoch nicht bis zur Kirche oder dem Friedhof ein Grundstück weiter. Ich wusste genau, dass ich es in meinem Zustand niemals schaffen würde, den Jungen zu begraben. Stattdessen hielt ich meinen Wagen bei dem Haus davor. Es gehörte Einar, unserem Pfarrer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort angekommen betätigte ich noch einige Male die Hupe, ehe ich schließlich die Fahrertür aufstieß. Ich versuchte, auszusteigen, aber meinen Beinen fehlte die Kraft. Stattdessen landete ich mit meinen Handflächen auf dem kalten Bürgersteig, schaffte es nur mühsam, meine Beine aus dem Auto zu ziehen, während die Welt um mich mehr und mehr verschwamm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Letzte, was ich sah, war, wie sich die Haustür des Pfarrers öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer ist da? Um Gottes willen, Jonna!“, hörte ich Einar meinen Namen rufen. Seine Stimme klang weit entfernt. Trotzdem konnte ich noch hören, wie er zu uns rannte. „Lass sie los, Myling!“, schrie Einar. „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufe ich dich auf den Namen Jon!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr bekam ich nicht mehr mit. Im nächsten Moment verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich wieder zu mir kam, lag ich, zugedeckt mit einer Wolldecke, auf einem Sofa. Von dem Jungen fehlte jede Spur. Dafür lag Kalle dicht an mich gekuschelt bei mir. Sobald er merkte, dass ich wach war, bellte er freudig, wedelte mit dem Schwanz und schlabberte mir durchs Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He! Ist ja gut. Ist ja gut mein Junge, ich bin wach“, sagte ich, während ich mich halbherzig gegen seinen Angriff wehrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment ging eine Tür auf. Einar kam mit besorgter Miene auf mich zu. „Jonna. Gott sei Dank, du bist wach. Wie geht’s dir?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um ehrlich zu sein, ziemlich beschissen“, gestand ich. „Was ist passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pfarrer zögerte. „Ich … Ich weiß nicht, wie sehr du dich mit den alten schwedischen Sagen auskennst“, begann er. „Aber dieses Wesen, das du auf dem Rücken hattest, nennt man einen Myling.“ Er musterte mich einen Moment, als wolle er abschätzen, ob ich ihm glaubte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Myling?“, wiederholte ich. Vor wenigen Stunden noch hätte ich unseren Pfarrer für solch eine Aussage wahrscheinlich als verrückt bezeichnet, aber nach dem, was mir widerfahren war, war mir jede Erklärung recht, die mir eine Antwort lieferte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Myling ist ein Wiedergänger. Ein Untoter. Den Legenden nach entstehen sie, wenn ein ungetauftes Kind getötet oder im Wald ausgesetzt wird. Sie können nur ihren Frieden finden, wenn sie in heiligem Boden begraben werden oder wenn sie …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„… wenn sie getauft werden“, beendete ich seinen Satz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einar nickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen hatte er den Jungen also Jon getauft. Er hatte mir damit das Leben gerettet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pfarrer legte mir eine Hand auf den Arm. „Es tut mir leid, dass das ausgerechnet dir widerfahren ist, Jonna. Nach allem, was du durchgemacht hast.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte schief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du kannst jedenfalls hierbleiben, solange du willst“, bot er mir an. „Nur die Nacht oder bis du dich besser fühlst.“ Dann lächelte er noch einmal, ehe er seine Hand von meinem Arm löste. Nach einem kurzen Zögern drehte er sich schließlich um und wollte gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte“, hielt ich ihn auf. „Du siehst aus, als wenn du noch etwas sagen wolltest.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einar seufzte schwer. „Es ist nur … Ich hatte schon damit gerechnet, dass so etwas passiert. Zu Weihnachten hatte irgendein Verrückter den Årsgång durchgeführt. Das ist ein unchristliches Ritual, mit dem man angeblich die Zukunft voraussehen kann. Ich hatte bereits befürchtet, dass dadurch übernatürliche Wesen auf unser Dorf aufmerksam geworden sind. Wir können nur hoffen, dass dem Myling keine Weiteren folgen.“</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Myling, auch Myrding (Schwedisch für „Ermordetes“), ist ein Wiedergänger des skandinavischen Volksglaubens. In Norwegen wird das <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> Utburd genannt, in Island Útburður und bei den Samen u. a. Ihtiriekko.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> nach entsteht ein Myling, wenn ein Kind, oft ein Neugeborenes, ungetauft stirbt – meist, weil es von den Eltern ermordet oder im Wald ausgesetzt wurde     – und anschließend nicht ordnungsgemäß bestattet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist besonders früher oft vorgekommen, als Abtreibung noch verboten und uneheliche Kinder als Schande angesehen oder sogar kirchlich bestraft wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderer häufig genannter Grund ist, dass die Eltern keine finanziellen Mittel besaßen, um das Kind zu ernähren, und keinen anderen Ausweg sahen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltener sind Mylingar die Wiedergänger von Totgeburten, die nicht ordnungsgemäß bestattet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Svenska Akademiens Ordbok (Schwedisch für „Wörterbuch der Schwedischen Akademie“) ist außerdem aufgeführt, dass ein Myling auch der Wiedergänger eines ermordeten Erwachsenen sein kann, der nicht ordnungsgemäß bestattet und dessen Mörder nicht bestraft wurde. Hierzu habe ich jedoch keine historischen Belege gefunden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Mylingar im Normalfall Wiedergänger von Neugeborenen sind, nehmen sie das Aussehen von sechs- bis 12-jährigen Kindern an. Sie haben blasse Haut und sind oft abgemagert und verdreckt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als Wiedergänger, also Untote, halten sich Mylingar für gewöhnlich in der Nähe des Ortes auf, an dem sie begraben oder ihre Leiche versteckt wurde. Dort soll man nachts außerdem oft das Geschrei eines Kindes oder Babys hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte sich jemand auf die Suche nach dem Ursprung des Geschreis machen oder zufällig dem Myling begegnen, so springt der Myling den meisten Geschichten nach auf den Rücken der Person und klammert sich dort fest. Anschließend verlangt er, zu einem Friedhof oder geweihtem Boden gebracht und dort begraben zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da man sie nicht abschütteln kann, folgen die meisten Betroffenen der Bitte. Auf dem Weg zum Friedhof bzw. geweihtem Boden wird der Myling jedoch immer schwerer und schwerer. Sollte man es nicht rechtzeitig schaffen, den Ort zu erreichen, können sie angeblich so schwer werden, dass die Füße des Menschen im Boden versinken oder er unter der Last zusammenbricht, woraufhin der Myling wütend wird und den Menschen ermordet und sich auf die Suche nach seinem nächsten Opfer macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen entzieht ein Myling einem die Lebensenergie, während man ihn trägt. Irgendwann ist man schließlich so schwach, dass man zusammenbricht und stirbt. Diese Version würde auch zu anderen Wiedergängerlegenden passen, da die Berührung eines Wiedergängers den Menschen im Normalfall das Leben entzieht. So kann man daraufhin beispielsweise todkrank werden, die berührte Stelle kann abfallen, verbrennen oder verfaulen oder der Mensch kann sterben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte man es hingegen schaffen, den geweihten Boden zu erreichen, lässt der Myling von einem ab, woraufhin man ihn begraben und somit seine Seele befreien kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Legenden verlangt der Myling einen Namen und es reicht aus, ihm einen zu geben, oder der Myling muss sich an seiner Mutter rächen, um Frieden zu finden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mylingar wurden hauptsächlich in Skandinavien gesichtet. Dort können sie überall auftauchen, wo ein ungetauftes Kind gestorben ist bzw. sein Leichnam versteckt oder begraben wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Geschichten kommen sie in Wäldern oder auf dem Grundstück der Eltern vor.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Glaube an Mylingar geht wahrscheinlich auf den früher oft begangenen Kindsmord zurück. Die häufigsten Gründe hierfür waren, wie bereits erwähnt, dass die Eltern keine finanziellen Möglichkeiten hatten, das Kind zu ernähren, oder das Kind unehelich war und die Eltern somit von der Kirche bestraft und gesellschaftlich missachtet worden wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war die Aufklärung früher nicht so weit wie heute, Verhütungsmittel waren deutlich weniger verbreitet und Abtreibungen waren verboten. Ungewünschte Kinder kamen also sehr viel häufiger vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie alt der Glaube an die Mylingar ist, habe ich hingegen nicht herausfinden können. Im Svenska Akademiens Ordboka ist eine Quelle aus dem frühen 17. Jahrhundert aufgelistet, die Legende kann aber natürlich noch deutlich älter sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Myling? Hat euch meine Geschichte gefallen? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr nachts Kinderschreie aus dem Wald hört? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Draugr – Öffne nicht sein Grab!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Feb 2022 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Ich bitte Sie“, erwiderte die Fremde in gefasstem Tonfall. „Ich habe schon Dutzende Ausgrabungen geleitet. Bisher hat sich noch kein Toter beschwert.“ Sie lachte leise über ihrem Witz, doch Oddvar schien das gar nicht zu gefallen.<br />
„Du bringst Unheil über das ganze Dorf!“, schrie er sie an. „Du bringst uns alle in Gefahr!"</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/d96d6961050f44948ef2ca9237ef5823" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Ein Draugr ist ein Untoter der nordischen Mythologie. Vielleicht kennt ihn bereits aus Videospielen, Büchern oder Fernsehserien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie versprochen hat die Geschichte dieses Mal übrigens Überlänge.<br>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; explizite Darstellung körperlicher Gewalt<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading" id="die-geschichte">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte sehr“, sagte ich freundlich, während ich der Fremden an meinem Tresen ein Bier hinstellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Danke“, erwiderte sie, gefolgt von einem breiten Lächeln. Sie nahm einen großen Schluck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kam nicht häufig vor, dass sich Fremde in unseren kleinen Ort verirrten. Noch seltener aber war es, dass jemand meinen Gasthof nicht nur als Kneipe nutzte, sondern tatsächlich hier übernachtete. Meinen Lebensunterhalt verdiente ich jedenfalls an meinen Stammkunden, die allesamt im Ort wohnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also“, sagte ich freundlich, „was treibt eine bezaubernde junge Dame wie Sie in unser bescheidenes Örtchen? Besuchen Sie jemanden?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau lachte über das Kompliment – die Fältchen in ihrem Gesicht und die vereinzelten grauen Haare verrieten mir, dass sie nicht mehr oft ‚junge Dame‘ genannt wurde. „Sie schmeicheln mir“, sagte sie. Ich hörte einen deutschen Akzent heraus, ansonsten war ihr Norwegisch fließend. Sie musterte mich einen Moment abschätzend, bevor sie auf meine Frage antwortete. „Ich bin beruflich hier. Kennen Sie das alte Hügelgrab, das hier kürzlich entdeckt wurde?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Pah! Entdeckt“, meldete sich ein Mann am äußeren Ende des Tresens zu Wort. Das war Oddvar, einer der Stammalkis. Er lallte ein wenig. „Selbst mein Großvater wusste schon, dass das kein einfacher Hügel war!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fremde sah ihn irritiert an, dann sah sie hilfesuchend zu mir. Scheinbar wusste sie nicht, was sie darauf antworten sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lachte freundlich. „Beachten Sie ihn gar nicht. Oddvar ist einer meiner besten Kunden“, erklärte ich mit vielsagendem Blick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings wusste auch ich schon seit meiner Kindheit, dass der Hügel in Wirklichkeit eine Grabstätte war. Das war im Ort kein Geheimnis, trotzdem schien es erst kürzlich zur Außenwelt durchgedrungen zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie sind also Archäologin? Ich habe gehört, dass man eine Gruppe herschicken wollte, um das Grab untersuchen zu lassen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau setzte sich gerade hin und warf sich stolz in die Brust. „Ich bin nicht nur eine Archäologin, ich leite die Ausgrabungen. Wir wollen &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter kam sie nicht, da Oddvar sich wieder zu Wort meldete. „Ausgrabungen? Du willst das Grab doch wohl nicht ausgraben!?“ Inzwischen war er aufgestanden und torkelte auf sie zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr bisher so freundliches Lächeln wurde nervös, während sie mir wieder einen hilfesuchenden Blick zuwarf. Ich eilte unterdessen um den Tresen, um Oddvar zu stützen, bevor er hinfallen oder einen Streit anfangen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Doch“, sagte die Fremde zögerlich. „Deswegen sind wir hier. Gibt es ein Problem?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Problem?“, lallte Oddvar laut. „Natürlich habe ich damit ein Problem. Weißt du nicht, was da schlummert? Die Toten sollten in Ruhe gelassen werden!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bitte Sie“, erwiderte die Fremde in gefasstem Tonfall. „Ich habe schon Dutzende Ausgrabungen geleitet. Bisher hat sich noch kein Toter beschwert.“ Sie lachte leise über ihrem Witz, aber Oddvar fand das gar nicht komisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du bringst Unheil über das ganze Dorf!“, schrie er sie an. „Du bringst uns alle in Gefahr! Der Draugr, er &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das reicht jetzt! Du hast genug getrunken“, unterbrach ich ihn mit fester Stimme. „Du weißt, ich hab dich immer gerne hier, aber wenn du meine Gäste anbrüllst, musst du gehen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oddvar wollte etwas erwidern, aber als er meinen warnenden Blick sah, gab er kleinlaut bei. „Ist ja gut, ist ja gut. Ich geh ja schon.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte ihn stützen, während ich ihn nach draußen begleitete, doch er schlug meine Hände weg. Also folgte ich ihm in den Schnee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du nicht allein nach Hause gehen willst, fahr ich dich schnell“, schlug ich vor. Zwar war seine Hütte, obwohl sie außerhalb des Dorfs lag, nicht zu weit entfernt, aber bei seinem Zustand wollte ich es wenigstens anbieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Tag, an dem ich nicht mehr allein nach Hause komme, ist der Tag, an dem du mich begraben kannst“, lehnte er auf seine schroffe Art ab. „Aber &#8230;“, sagte er etwas ruhiger, während er mich am Hemd packte und grob zu sich zog. „Versprich mir bitte, dass du sie damit nicht durchkommen lässt. Sie darf das Grab nicht öffnen!“ Sein Atem stank nach Alkohol.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. „Ich werd’s versuchen“, log ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Moment hielt er mich noch fest und atmete mir dabei ins Gesicht. Dann nickte er, ließ mich los und torkelte langsam davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich mein Hemd glattstrich, sah ich ihm nachdenklich nach. Ich hasste es, Leute anzulügen, aber anders wäre ich ihn wohl nicht losgeworden. Außerdem hatte er das Gespräch morgen eh wieder vergessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Seufzen drehte ich mich um und ging zurück nach drinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verzeihen Sie bitte sein Benehmen“, entschuldigte ich mich bei der Archäologin. „Er weiß manchmal nicht, wann Schluss ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie lächelte wieder ihr freundliches Lächeln. „Ach, machen Sie sich keine Sorgen. Sie können ja nichts dafür.“ Dann zögerte sie. „Aber eine Frage hätte ich da. Wissen Sie, was dieser Drauger ist, von dem der Mann gesprochen hat?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Draugr ohne e“, korrigierte ich sie. „Aber machen Sie sich darum keine Sorgen: Die Draugar gibt es nur in alten Märchen, die man sich hier in der Gegend erzählt. Ich weiß nur, dass sie &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Klingeln eines Telefons schnitt mir das Wort ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Archäologin guckte entschuldigend, während sie in ihrer Handtasche kramte. Sie holte ein altes Klapphandy hervor. „Ja bitte? Hmm? Wie bitte?“ Sie hielt sich das andere Ohr zu. „Ich versteh dich ganz schlecht. Hallo? Hallo?“ Mit gerunzelter Stirn klappte sie ihr Handy zu und steckte es zurück in die Handtasche. „Das war unser Techniker“, erklärte sie. „Mein Team übernachtet in Wohnwagen beim Hügelgrab. Irgendetwas ist passiert, aber die Verbindung war zu schlecht. Ich gehe wohl besser nachsehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte ihr kurz zu. „Alles klar. Lassen Sie ihr Bier ruhig stehen, ich hab ein Auge darauf, bis Sie zurück sind“, bot ich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie lächelte dankbar. Dann machte sie sich mit einem flüchtigen „hoffentlich bis gleich“ auf den Weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie weg war, wurde es still in der Bar. Normalerweise unterhielt ich mich um die Uhrzeit mit Oddvar, aber den hatte ich heute ja rausgeschmissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen saßen in meinem Gasthof nur noch zwei Leute: Agnes, die müde in ihr Getränk starrte, und ihr Mann Sven, der mit dem Kopf auf der Tischplatte eingeschlafen war. Er schnarchte leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald hatte Agnes ihr Glas geleert. Sie kam an die Bar, um zu zahlen, und gab mir ein etwas mageres Trinkgeld. Anschließend weckte sie ihren Mann, um mit ihm nach Hause zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war ich ganz allein. Ich räumte die leeren Gläser weg, während ich wartete. Als ich fertig war, war die Archäologin immer noch nicht zurück. Gelangweilt lehnte ich mich an die Theke und starrte ihr gerade einmal angefangenes Bier an. Ich überlegte bereits, ob ich es wegkippen und ihr dafür morgen ein neues anbieten solle, damit ich endlich ins Bett konnte, als draußen ein Wagen vorfuhr. Es klang so, als hätte er eine Vollbremsung gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ertönte das Knallen einer Autotür dicht gefolgt von dem hastigen Aufreißen und Schließen meiner Eingangstür. Es war die Archäologin. Ihr schneller Atem und die weit aufgerissenen Augen versetzten mich sofort in Alarmbereitschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist etwas passiert?“, fragte ich, während ich zu ihr rannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mein Team &#8230; Die Wohnwagen. Es war völliges Chaos! Da war &#8230; Da war &#8230;“, ihre Worte überschlugen sich. Bei ihrem Akzent konnte ich kaum etwas verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Immer mit der Ruhe“, sagte ich. „Was ist passiert? Soll ich die Polizei oder einen Arzt rufen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau schüttelte heftig den Kopf. „Nein &#8230; Nein! Da war &#8230; Ich glaube, da war ein Draugr!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig starrte ich sie an, während mein Kopf versuchte, das Gesagte zu verarbeiten. Sie war eine Frau der Wissenschaft. Und wie ein Spaßvogel wirkte sie nicht gerade. Hatte ich sie falsch verstanden?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was genau haben Sie gesehen?“, fragte ich möglichst ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe die Frau jedoch antworten konnte, hörte ich draußen eine Scheibe zerbersten. Im selben Moment ging ein Autoalarm los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne große Umschweife riss ich die Tür auf. Was ich dort sah, konnte ich nur als furchteinflößend beschreiben: Ein Wesen, das wie ein bleicher, völlig abgemagerter Mann in mittelalterlicher Kleidung aussah, zog gerade ein rostiges Schwert aus der zersplitterten Heckscheibe eines roten PKWs. Im nächsten Moment schlug es mit seiner Faust auf das Dach. Es verbog sich mit einem hässlichen Knirschen und weiterem zerberstendem Glas, als wäre ein ganzer Baum auf das Auto gestürzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hob das Wesen seinen Kopf und sah uns mit toten Augen an. Ich starrte das abgemagerte Gesicht, die viel zu blasse, leicht bläuliche Haut, die völlig vertrocknet aussah, und die lumpige Kleidung an – ein Draugr. Aber das war nicht möglich!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Augen waren anderer Meinung. Und auch mein restlicher Körper setzte sich sofort in Bewegung, als der Draugr einen Schritt auf uns zukam. Ehe ich wusste, was ich tat, hatte ich die Tür zugeschlagen. Ich packte die Archäologin beim Arm und sprintete mit ihr los. Sie leistete keinen Widerstand. Wir rannten hinter den Tresen, durch die Tür in die leere Küche und weiter zum Hinterausgang. Ein Rumpeln gefolgt von einem lauten Knall war zu hören. Ich konnte nur vermuten, dass das meine Eingangstür gewesen sein musste, die aus den Scharnieren gebrochen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir nach draußen eilten, schlug mir wieder die Kälte entgegen. Der knöchelhohe Schnee knirschte unter unseren Füßen, während wir rannten. Ich hatte kein Ziel im Kopf. Meine Wohnung befand sich im Gasthof und wenn wir zu einem der Häuser rannten, würden wir andere Leute in Gefahr bringen. Zumindest so lange, bis wir den Draugr abhängen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also rannten wir in den Wald, der das Dorf umgab. Zu weit durften wir uns nicht hinaustrauen – abgesehen von Wölfen wartete dort nur der sichere Kältetod – aber wenigstens konnten wir uns dort verstecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einigen hundert Metern merkte ich, dass die Archäologin allmählich langsamer wurde. Mehr und mehr musste ich an ihrem Arm ziehen. Anscheinend war sie den tiefen Schnee nicht gewohnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier“, zischte ich ihr zu, als wir an einer besonders dicken Tanne vorbeikamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sanft aber bestimmt zog ich sie unter die tiefhängenden Äste. Schnee rieselte auf uns herab, während wir uns darunter dicht an den Stamm pressten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir gaben keinen Mucks von uns, achteten auf jedes Geräusch. Doch abgesehen vom leisen Heulen des Windes und unseren schnellen, regelmäßigen Atemzügen hatte sich Stille über den Wald gelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es vergingen mehrere Minuten, bis sich die Archäologin wieder traute, etwas zu sagen. „Sie sind ja völlig am Zittern“, flüsterte sie mit besorgtem Blick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt bemerkte ich es auch. Die Kälte hatte sich bis in meine Knochen geschlichen. Meine Hände fühlten sich fast völlig taub an und der dünne Stoff meines Hemdes brachte fast gar keinen Schutz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort zog die Archäologin einen Arm aus ihrer Jacke und legte sie halb um mich, um mich zu wärmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zwang mich zu einem schüchternen Lächeln. „Danke“, hauchte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erwiderte das Lächeln, auch wenn es sehr gezwungen aussah. „Anne“, flüsterte sie knapp. „Mein Name ist Anne.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Henrik“, erwiderte ich genauso leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, wieso wir uns unterhielten – es war ziemlich riskant – , aber ich schätze, wir wollten uns irgendwie ablenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Weißt du, Henrik, ich arbeite jetzt fast 40 Jahre als Archäologin, aber noch nie zuvor habe ich einen Geist gesehen“, flüsterte Anne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Draugr sind Untote“, flüsterte ich zurück. „Keine Geister.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du meinst ein Zombie hat mich gerade quer durch das Dorf verfolgt?!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Klingt ein Geist etwa besser?“ Trotz allem, der Kälte, der Angst, meiner völligen Überforderung, musste ich schmunzeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der kurze Moment der Unbeschwertheit hielt nicht lange an. Er wich sofort wieder Panik, als Anne plötzlich aufhorchte und den Zeigefinger hob. Hatte sie etwas gehört?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Knirsch</em>, ertönte es leise. <em>Knirsch</em>. Langsame Schritte im Schnee. Schwer und schleppend. <em>Knirsch</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sämtliche Instinkte in mir schrien danach, wegzurennen. Trotzdem zwang ich mich, einen kühlen Kopf zu bewahren. Aus welcher Richtung kamen die Schritte? Wie nah waren sie? Und vor allem: Kamen sie auf uns zu?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte noch einige Sekunden, bis ich sie zuordnen konnte. Sie kamen von rechts, etwa die Richtung, aus der auch wir gekommen waren. Und ja, sie kamen näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Knirsch</em>. Anne und ich hielten fast gleichzeitig den Atem an. <em>Knirsch</em>. Mein Magen krampfte sich zusammen. <em>Knirsch</em>. Die Schritte waren jetzt ganz nah. Ein leicht modriger Geruch, wie von einem verwesenden Tier drang an meine Nase. <em>Knirsch</em>. Anne entfuhr ein ängstliches Winseln, bevor sie aufsprang und losrannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Anne!“, fluchte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was tat sie denn? Wir durften uns auf keinen Fall aufteilen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch sprang ich hinterher. Als auch ich den Schutz der Äste verlassen hatte, sah ich, wie Anne wie ein ängstliches Reh in Schockstarre verfallen war. Direkt vor ihr stand der Draugr. Er sah sie mit seinen kalten Augen an. Sein rostiges Schwert hob sich zum Schlag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Verstand setzte aus. Ich merkte nicht einmal, wie ich auf Anne zusprintete, um sie aus dem Weg zu stoßen. Erst, als nicht mehr sie dem Draugr gegenüberstand, sondern ich, realisierte ich, was geschehen war. Die rostige Klinge raste auf mich zu. Schützend riss ich die Arme vor mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Fump</em>. Ein dumpfes Geräusch ertönte hinter mir. Auch wenn der Draugr nicht eine Miene verzog, hätte ich schwören können, dass seine glanzlosen Augen genauso ungläubig auf den rostigen Schwertstummel in seiner Hand starrten, wie ich. Die Klinge war knapp über dem Griff abgebrochen. Der Großteil von ihr lag jetzt irgendwo hinter mir im Schnee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Renn los!“, kreischte Anne mich an. Jetzt war es an ihr, mich am Arm zu packen und mit sich zu ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir rannten, sah ich, wie der Draugr mit einem Röcheln seinen Schwertgriff in den Schnee warf. Dann nahm er die Verfolgung auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte! Wir müssen ins Dorf zurück. Wir überleben die Nacht hier draußen nicht“, rief ich keuchend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist deine Heimat. Wohin sollen wir?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte fieberhaft nach, aber mir fiel nichts ein. Die Leute würden alle schon schlafen. Außerdem hatte niemand eine Waffe, außer &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der alte Oddvar!“, rief ich. „Er wohnt in einer Hütte im Wald!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Trunkenbold?“, erwiderte Anne. „Bist du sicher?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er hat eine Waffe. Und wenn jemand weiß, wie man mit einem Draugr umzugehen hat, dann er.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das schien Anne zu genügen. Sie leistete keine Widerworte mehr, sondern hielt sich – ihre Hand inzwischen krampfhaft in meinen Arm gekrallt – dicht an meinen Fersen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein flüchtiger Blick nach hinten verriet mir, dass der Draugr zwar noch immer hinter uns war, wir aber einen guten Vorsprung bekommen hatten. Wenn wir es bis zu Oddvar schafften, hatten wir eine Chance!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch während ich dabei war, meinen Blick wieder nach vorne zu wenden, bemerkte ich, dass der Draugr im Rennen nicht uns, sondern den Schnee vor sich anstarrte. Die Spuren! Aber natürlich: Der Draugr verfolgte unsere Spuren. Wir hätten uns hier draußen nirgends vor ihm verstecken können!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich geriet mehr und mehr außer Atem. An Annes immer unregelmäßiger werdenden Schritten merkte ich, dass es ihr nicht besser ging. Aber noch trieb uns das Adrenalin voran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch starrte ich in der Dunkelheit hin und her. Schnee, Bäume, noch mehr Schnee. Irgendwo in dieser Richtung musste die Hütte doch sein. Hatten wir sie verfehlt? Aber nein: Es dauerte nicht lange, bis in der Ferne einige Lichter auftauchten. Es war Oddvars Hütte. Und wie es aussah, war er noch wach!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oddvar!“, brüllte ich. „Oddvar!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anne schloss sich mir sofort an. Wie zwei Wahnsinnige brüllten wir völlig außer Atem wieder und wieder seinen Namen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als wir schon fast bei der Haustür waren, öffnete sie sich. Oddvar stand in nichts als einer weißen Unterhose vor uns, ein Gewehr im Anschlag. Die misstrauischen Augen auf uns geheftet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer ist da? Was wollt ihr hier?“, rief er. Er klang noch betrunkener als vorhin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anne und ich blieben schlitternd stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du?!“, sagte er wütend. Er richtete den Lauf auf Anne, die augenblicklich ihre Hände hob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte! Nicht!“, keuchte sie außer Atem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oddvar, wir brauchen Hilfe. Hinter uns &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich brauchte den Satz nicht zu beenden. Oddvar riss die Augen auf und seine Waffe herum. Fast sofort fiel ein Schuss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Knall raubte mir einen Moment die Orientierung. Reflexartig riss ich die Hände an meine klingelnden Ohren. Dann drehte ich mich um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Draugr stand keine fünf Meter hinter uns. Den Kopf hatte er gesenkt, seinen Blick auf das kleine, unscheinbare Loch in seiner Brust gerichtet. Aus seiner vertrockneten Haut kam kein einziger Tropfen Blut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast ungläubig hob der Untote seine Hand. Er schob seinen knochigen Zeigefinger durch das Loch in der Kleidung einige Zentimeter in seine Brust hinein. Mit einem wütenden Röcheln zog er ihn wieder heraus und hob seinen Kopf. Jetzt starrte er Oddvar direkt an. Ich hatte das Gefühl, Hass in seinen gefühlskalten Augen zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bedrohlich ging er auf ihn zu. Schnell feuerte Oddvar noch einen Schuss ab. Dann noch einen. Und noch einen. Selbst in seinem betrunkenen Zustand war er ein verdammt guter Schütze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Schüsse schienen den Draugr nicht einmal zu kümmern. Zwar zuckte er jedes Mal zusammen, wenn eine weitere Kugel ihn traf, aber es war wohl bloß die Wucht des Aufpralls. Er schien keinerlei Schmerz zu empfinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Draugr sich uns nährte, wich ich schnell einige Schritte zurück. Aber er nahm uns gar nicht mehr wahr. Seine ganze Aufmerksamkeit galt nun Oddvar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis er ihn erreicht hatte. Der alte Mann versuchte noch, die Tür zuzuschlagen, doch der Draugr stieß sie mit einer schnellen Bewegung seines Arms wieder auf, als wäre sie aus Pappe. Er stürzte sich mit ausgestreckten Händen auf Oddvar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“, schrie ich entsetzt. Ich wusste nicht, was ich erwartet hatte, aber wenn Oddvar jetzt starb, wäre es meine Schuld. Ich hatte den Draugr zu ihm geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich überlegen konnte, welche Gründe dagegen sprachen, nahm ich Anlauf und stürzte mich auf den Untoten. Erst versuchte ich, ihn zu Boden zu werfen. Als das nicht klappte, klammerte ich mich an ihn. Der modrige Geruch nach Verwesung war jetzt so intensiv, dass er mir Tränen in die Augen trieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment hatte ich Hoffnung, dass ich tatsächlich etwas ausrichten konnte, Oddvar genug Zeit zum Fliehen verschaffen würde, aber als der Draugr sich aufrichtete, merkte ich, wie sehr ich mich irrte. Ich war nicht mehr als ein Kleinkind, das es mit einem Bären aufnehmen wollte. Mit einem kräftigen Stoß seines linken Ellenbogens stieß er mich von sich. Ich flog mehrere Meter durch die Luft, bis mein Aufprall vom Schnee gebremst wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anne rannte sofort zu mir. „Henrik, alles in Ordnung?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne ihr zu antworten, rappelte ich mich auf. Ich wollte mich ein weiteres Mal auf den Draugr stürzen, auch wenn ich tief in meinem Inneren wusste, dass es nichts bringen würde, doch Anne hielt mich auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! Nicht. Es ist zu spät! Wir müssen hier weg!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst wollte ich sie ignorieren. Ich wollte nicht zulassen, dass Oddvar etwas zustieß. Auch wenn ich dafür mein eigenes Leben in Gefahr brachte. Dann sah ich jedoch das ganze Blut: Die Tür, der Boden, der Schnee, alles war von Blutspritzern übersät.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Draugr schlug in Rage wieder und wieder auf Oddvar ein, der reglos unter ihm lag. Als der Untote dann auch noch seine Hand durch Oddvars Bauchdecke rammte und irgendetwas aus ihm herausriss – wahrscheinlich seinen Darm –, drehte ich mich um. Wir mussten hier weg!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Versuch, in unsere alten Spuren zu treten. Vielleicht können wir so etwas Zeit gewinnen“, befahl ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anne gehorchte sofort. So schnell sie konnte, lief sie vor mir her, immer darauf bedacht, in meine oder ihre Fußspuren im Schnee zu treten. Ich war ihr dicht auf den Fersen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssen bloß Zeit gewinnen“, erklärte ich, inzwischen wieder völlig außer Atem. „Draugar wagen sich nur nachts aus ihren Gräbern. Bei Tagesanbruch ist der Spuk vorbei.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Annes Schweigen deutete ich, dass sie verstanden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis wir den Gasthof erreichten. Schnee war durch die offene Hintertür hineingeweht und blockierte das Holz. So schnell wir konnten, fegten wir ihn mit Händen und Füßen beiseite, um die Tür zu schließen. Dann gingen wir nach vorn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Moment betrachtete ich entsetzt das Chaos: Die Eingangstür lag einige Meter von ihrem zersplitterten Rahmen entfernt auf dem Boden. Der Schnee, der durch den Eingang geweht war, war größtenteils geschmolzen und bildete nun schlammige Pfützen auf den Holzdielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte den Schock hinunter und machte mich daran, einen der Tische umzukippen. Zusammen schoben wir ihn vor das Loch am Eingang und stapelten einige Stühle darüber. Das würde zwar nichts gegen die Kälte bringen, aber wenigstens würden wir hören, wenn der Draugr durch den Vordereingang in den Gasthof wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo verstecken wir uns?“, fragte Anne nervös. Sie sah sich in der Kneipe um, schien aber keinen geeigneten Ort zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir gehen nach oben zu den Zimmern“, erklärte ich. „Sollte der Draugr die Treppe hochkommen, können wir den Notausgang nehmen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie folgte mir stumm. Zwar konnte ich ihr ansehen, dass sie nicht sonderlich begeistert von dem ‚Versteck‘ war, aber was hatten wir für andere Optionen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir versteckten uns in Zimmer 5, wo wir uns auf den harten Holzboden direkt neben der Tür setzten. Die Tür ließen wir einen Spaltbreit offen, damit ich in den Flur spähen konnte. Außerdem würden wir so keine Geräusche machen, wenn wir das Zimmer verlassen mussten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann warteten wir. Und warteten. Und warteten. Sekunden fühlten sich an wie Minuten, Minuten wie Stunden, Stunden wie Tage. Irgendwann merkte ich, wie Annes Kopf auf meine Schulter fiel. Sie war eingeschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz betrachtete ich sie lächelnd. Sie war nicht mehr die Jüngste. Um ehrlich zu sein fand ich es erstaunlich, wie jemand in ihrem Alter so lange durchgehalten hatte. Ich ließ sie schlafen. Wache konnte ich auch gut allein halten. So dachte ich zumindest. Aber mein Adrenalin war schon lange verflogen. Erschöpfung und Müdigkeit hatten sich in meinem Körper ausgebreitet und meine einzige Beschäftigung war es, Annes langsamen Atem zu lauschen. Und so dauerte es nicht lange, bis auch meine Augen zugefallen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Rumms</em>. Erschrocken fuhr ich hoch. <em>Rumms</em>. Ich sah zu Anne, die noch immer seelenruhig schlief. <em>Knack</em>. Von hier oben aus klangen die Geräusche unscheinbar, fast ungefährlich, aber ich wusste, dass gerade jemand die Hintertür aufgebrochen hatte – oder besser gesagt etwas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Anne“, flüsterte ich. Ich schüttelte sanft an ihrer Schulter. „Er ist hier!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Augen, die mich eben noch müde angeblinzelt hatten, waren jetzt weit aufgerissen. Angst funkelte in ihnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hörten wir schwere Schritte. Angestrengt starrte ich in die Dunkelheit im Flur. Waren sie schon auf der Treppe oder noch im Erdgeschoss?</p>



<p class="wp-block-paragraph">So leise es ging, richteten wir uns auf, ohne den Flur aus den Augen zu lassen. Noch war er leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Krach</em>. Von unten war ein lauter Knall und Gerumpel zu hören. Kurz herrschte Stille, dann rumpelte es weiter. Holz knackte und splitterte. Es klang, als würde jemand den ganzen Gasthof auseinandernehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich brachen die Geräusche ab. Kein Gerumpel mehr, kein Knacken, nicht einmal Schritte waren zu hören. Erst jetzt merkte ich, dass ich den Atem angehalten hatte. Mit einem tiefen, langsamen Atemzug atmete ich aus. Ich wollte jetzt bloß keine Geräusche machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem einige Minuten nichts mehr passiert war, sah ich Anne irritiert an. War der Draugr weg?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig zog ich die Tür weiter auf. Ich trat einen Schritt auf den Flur, was Anne ein geflüstertes „Henrik, nicht!“ entlockte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ignorierte sie. Stattdessen schlich ich den Flur entlang. So leise ich konnte, ging ich zur Treppe und spähte hinunter. Ich sah umgekippte Stühle, ein Tisch, der nur noch drei Beine hatte, sogar ein zerbrochenes Trinkglas, von dem ich keine Ahnung hatte, wo es herkam, aber von dem Draugr fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während Anne oben an der Treppe stehenblieb, schlich ich hinunter, bereit, jede Sekunde umzudrehen. Der Tisch und die Stühle – so erkannte ich jetzt – waren die, die wir vor dem Eingang gestapelt hatten. Der Draugr musste also gegangen sein. Aber wieso?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich vorsichtig nach draußen ging, erkannte ich es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Anne!“, rief ich. „Anne! Die Sonne geht auf!“ Tränen schossen mir in die Augen, als ich den hellen Streifen am Himmel sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anne eilte sofort zu mir. Sie atmete erleichtert, fast ungläubig aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch nie in meinem Leben war ich so froh gewesen, den Sonnenaufgang zu sehen. Wir hatten die Nacht überlebt. Der Draugr war verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ich später herausfand, waren wir die einzigen Überlebenden, die den Draugr gesehen hatten. Das restliche Dorf und die Polizei kannten nur die offizielle Variante: Ein Tier hatte das Archäologenteam überfallen und Oddvar getötet. Daran gab es für sie keine Zweifel. Und ich habe die wahre Geschichte bis heute niemandem erzählt. Wer würde mir auch glauben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen haben Anne und ich alles so gut vertuscht, wie wir konnten. Sie hatte versprochen, das Grab wieder zu verschließen und ihre Spuren zu verwischen. Sie wollte dafür sorgen, dass kein anderer Archäologe jemals von dem Hügelgrab erfuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles ist jetzt über zehn Jahre her. All die Jahre war es gut gegangen. Aber jetzt, so hatte Anne mir gerade am Telefon gesagt, war ein neues Archäologenteam auf dem Weg in unser kleines Dorf. Sie wollten das Hügelgrab untersuchen.</p>



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<h2 class="wp-block-heading" id="die-legende">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Draugr (Plural &#8222;Draugar&#8220;) ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Untoter</a> der skandinavischen Mythologie. Oft handelt es sich um wiederauferstandene Wikinger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie lassen sich in Landdraugr und in Meerdraugr unterteilen, unterscheiden sich jedoch fast nur in Aussehen und ihrer Grabstätte – entweder einem Grab, Grabhügel etc. oder dem Meer.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aussehen">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Draugar sehen größtenteils menschlich aus. Je nach Erzählung können ihre Körper jedoch völlig abgemagert oder aufgebläht sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hat ihre Haut eine ungesunde blau-gräuliche, bleiche oder schwarze Farbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den meisten Draugar sieht man ihre Todesursache an. Sind sie in der Schlacht gestorben, ist ihr Körper häufig von blutigen Wunden übersät. Sind sie hingegen ertrunken, sind ihreKörper, ihre Kleidung und ihre Haare nass.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Draugar oft untote Wikinger waren, wurden sie mit alltagstauglicher Kleidung und ihren Waffen begraben, die sie daher meist mit sich führen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="entstehung">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Möglichkeiten, durch die Verstorbene zu einem Draugr werden sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oft heißt es, dass die Draugar vor ihrem Tod schlechte Menschen oder Unruhestifter waren. In seltenen Fällen reichte es auch, wenn sie bloß unbeliebt waren. Auch egoistische Menschen, die sich geweigert haben, in die Welt der Toten überzugehen, sollen zu einem Draugr geworden sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer häufiger Grund, wie Draugar entstanden sein sollen, ist, indem sie im Sitzen oder Stehen begraben wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltener sollen auch andere Faktoren wie Flüche oder der Tod durch einen anderen Draugr eine Rolle spielen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="eigenschaften">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier gibt es verschiedene Arten von Draugar, die sich unterschiedlich verhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Draugar werden als Grabwächter beschrieben. Sie bewachen also die Hügelgräber und die Schätze, mit denen sie begraben wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Art von Draugr ist oft harmlos, sofern man das Grab versiegelt lässt oder es zumindest nicht betritt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch andere Draugar, die es auf Menschen abgesehen haben. Sie sind sehr viel gefährlicher, da sie nachts ihre Gräber verlassen, um nach Menschen zu suchen. Wenn sie einen Menschen finden, treiben sie mit ihm Schabernack, ängstigen ihn, machen ihn im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnig oder versuchen, ihn zu töten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In manchen Sagen werden ihre Opfer dadurch selbst zu einem Draugr, wodurch die Gefahr immer größer wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Generell verfügen Draugar über menschliche Intelligenz und stinken nach Tod und Verwesung. Sie besitzen übermenschliche Stärke, was sie noch bedrohlicher macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem besitzen sie manchmal magische Fähigkeiten:</p>



<p class="wp-block-paragraph">So soll es Draugar geben, die sich durch Erde und Stein bewegen können, um ihr Grab zu verlassen, aus dem Nichts aufzutauchen oder zu fliehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal heißt es auch, dass sie gegen herkömmliche Waffen immun seien und zum Beispiel nur mit Waffen aus reinem Eisen verletzt werden können. Zudem fühlen sie keinen Schmerz und sind unerbittliche Kämpfer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere, seltener aufgeführte Fähigkeiten sind beispielsweise die Fähigkeit, Menschen zu verfluchen, nach Belieben ihre Körper zu vergrößern oder sich in Tiere verwandeln zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und als ob all das es nicht bereits schwer genug machen würde, einen Draugr zu töten, heißt es außerdem, dass sie nur dann sterben, wenn sie – je nach Sage – geköpft werden, verbrannt werden oder beides.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="lebensraum-vorkommen">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> der Draugar gibt es hauptsächlich in den skandinavischen Ländern. Um genau zu sein, in Dänemark, Schweden, Norwegen, auf den Färöer und besonders auf Island.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Draugar wandeln als lebende Tote in ihren Grabhügeln umher. Einige von ihnen verlassen sie nachts und suchen die Gegend heim, während andere ihr Grab niemals verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Meerdraugar hingegen schlummern tagsüber im Ozean und kommen nachts an den Strand und in die nahegelegenen Orte.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="ursprung">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Laut altem skandinavischem Glauben bleibt die Lebenskraft auch nach dem Tod im Körper erhalten, sodass theoretisch jeder Tote zu einem Untoten werden könnte. Das könnte der Hauptgrund sein, wie die Legende des Draugr entstanden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders gefürchtet schienen die Draugar übrigens im Mittelalter gewesen zu sein. In den skandinavischen Grabhügeln aus der Zeit finden sich oft Schutzzauber in Form von Runenschriften an den Wänden, um die Draugar am Wiederauferstehen zu hindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Methoden hierfür, die man in Gräbern gefunden hat, waren zum Beispiel zusammengebundene große Zehen und Nägel in den Fußsohlen, sodass die Toten nicht mehr aufstehen und umherwandern können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Angst vor einem Draugr, der das Dorf heimsucht, war im Mittelalter also sehr real.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage werden Draugar natürlich nicht mehr gefürchtet. Stattdessen findet man sie hauptsächlich in Videospielen wie Skyrim oder Valheim sowie Anspielungen auf sie in Büchern wie Herr der Ringe oder Serien wie Game of Thrones.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Draugar? Waren diese Untoten euch neu oder kanntet ihr sie bereits? Wie hättet ihr an Henriks oder Annes Stelle reagiert? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Trolle (Mythologie)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Apr 2021 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Berge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Riechst du das?“, zischte Maja mir zu.<br />
Es stank wie eine ganze Fußballmannschaft nach einem Spiel im Hochsommer. Wie sollte ich das nicht riechen?<br />
„Damals hat es genauso gestunken!“<br />
Ich starrte sie ungläubig an. Konnte an ihrer Trollgeschichte doch etwas dran sein?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/827795570c3d42b189d05d303bb778d8" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Trolle der nordischen Mythologie sind ein Thema, vor dem ich mich bisher gedrückt habe, weil die Recherche sehr umfangreich ist. Da ich aber ein großer Fan von Skandinavien bin, habe ich mich jetzt entschieden, den Beitrag endlich zu schreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem habe ich mich – wie bereits angekündigt –, dazu entschlossen, aus Zeitgründen nur noch jeden zweiten Montag ein Beitrag hochzuladen. Dafür werde ich dann endlich wieder Zeit haben, an meinem Buch zu arbeiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist du sicher, dass wir nicht lieber umkehren sollten?“, fragte ich, als Maja zum dritten Mal die Karte in ihren Händen hin- und herdrehte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie nahm die Taschenlampe aus dem Mund und leuchtete mir ins Gesicht. „Stine, <em>du</em> wolltest mir doch nicht glauben, dass ich als Kind einen echten Troll gesehen habe“, erwiderte sie schnippisch. „Außerdem sind wir fast da. Es muss hier irgendwo sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unwohl sah ich mich um, während ich meine pinke Jacke enger um mich schlang. Es war stockdunkel. Ohne unsere Taschenlampen hätten wir wohl nichts als die zahlreichen Sterne am Himmel gesehen. Die Berge hätte man maximal erahnen können. Wieso hatte Maja sich nicht wenigstens eine Vollmondnacht für ihr kleines Abenteuer ausgesucht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr mochte es vielleicht nichts ausmachen, sich die halbe Nacht durch die Berge zu schlagen. Sie war für so etwas geboren, hatte als Kind schon immer nur Forscherin oder Kriegerin spielen wollen. Ich hingegen war eher ein Mädchen für Nagellack und Glitzerzeug. Ich brauchte keine Nachtwanderung durch die dunklen Berge, um einen Kick zu bekommen. Ein Shoppingtrip hätte mir völlig gereicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber vielleicht sollte ich erst einmal erzählen, wie ich in diese Situation gekommen war. Es hatte alles mit einem Streit begonnen. Maja, meine Mitbewohnerin, hatte mir beim Frühstück vor der Uni erzählt, wie sie früher mit ihrem Vater häufig in den Bergen war. Bei einer Nachtwanderung hätten die beiden sogar einmal einen echten, lebenden Troll gesehen. Ich glaubte ihr natürlich kein Wort. Trolle gab es nur in Märchen, Kindergeschichten und Filmen. Hätte jemals jemand einen echten Troll gesehen, hätte es davon bestimmt Bilder auf Instagram gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja hingegen war von ihrer angeblichen Begegnung so überzeugt, dass sie mich keine Woche später nachts mit in die Berge nehmen wollte, um es mir zu beweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie war wie besessen von der Idee. Einen Tag, nachdem ich meine Bedenken geäußert hatte, dass wir uns im Dunklen verirren könnte, hatte sie mir eine Signalpistole auf den Tisch gelegt. Die fallen unter das Waffengesetz! Sie nahm das Thema jedenfalls sehr ernst. Und so bin ich schließlich eingeknickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen war ich mir trotz Signalpistole in meinem Rucksack jedoch ganz und gar nicht mehr sicher, ob das so eine gute Idee war. Obwohl Maja mir versichert hatte, dass sie sich in den Bergen auskenne, irrten wir bereits seit über einer halben Stunde umher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lass uns einfach wieder gehen. Bitte“, flehte ich. „Hier sind keine Trolle.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja warf mir einen giftigen Blick zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rollte bloß mit den Augen. Ohne weiter darüber nachzudenken, legte ich die Hände um den Mund und brüllte aus voller Lunge: „Hallooo? Ist hier irgendwo ein Troll? Dann soll er bitte herkommen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Siehst du? Hier sind keine Trolle“, sagte ich schließlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder ein giftiger Blick. Dann machte Maja plötzlich große Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein seltsamer Gestank breitete sich um uns herum aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Riechst du das?“, zischte Maja mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es stank wie eine ganze Fußballmannschaft nach einem Spiel im Hochsommer. Wie sollte ich das <em>nicht</em> riechen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Damals hat es genauso gestunken!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte sie ungläubig an. Konnte an ihrer Trollgeschichte doch etwas dran sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtshalber schaltete ich die Taschenlampe aus und versteckte mich in einem Gebüsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Schein von Majas Lampe konnte ich jetzt sehen, wie sie triumphierend grinste. Sie machte keine Anstalten, sich zu verstecken. „Glaubst du immer noch, dass ich mir alles eingebildet habe? Außerdem bringt Verstecken nichts. Trolle können dich riechen. Wenn du ihnen entkommen willst, wirst du sie schon austricksen m-“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mit wem redest du?“, unterbrach sie eine grobe Stimme. Sie war sehr tief und klang, als würde ein Mann betont dümmlich sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschrocken drehte Maja sich um. Sie leuchtete das Wesen direkt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb mit offenem Mund völlig reglos im Busch sitzen. Das was dort vor Maja stand, war ein Troll. Anders konnte man es nicht nennen. Es traf genau auf die Beschreibung zu, die Maja mir gegeben hatte: große, knollige Nase, hässlich und mit unintelligentem Gesicht. Davon abgesehen sah er fast wie ein Mensch aus – ein mehrere Meter großer Mensch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„I-ich &#8230;“, stammelte Maja. Dann schien sie sich wieder zu fassen. „Na mit dir“, antwortete sie frech.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du redest mit mir?“, fragte der Troll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, wir reden doch gerade miteinander, oder?“, erwiderte Maja gelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll kratzte sich nachdenklich am Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„J-ja“, sagte er leicht verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verstand die Welt nicht mehr. Wie konnte Maja nur so ruhig bleiben? Hatte sie mir nicht neulich noch erzählt, dass Trolle Menschen fressen?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber warum rede ich mit dir?“, dachte der Troll laut. „Mama sagt, ich soll nicht mit dem Essen reden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama? Gab es hier in der Gegend eine ganze Trollfamilie?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach ja? Und machst du immer, was deine Mama dir sagt?“, erwiderte Maja noch immer viel zu entspannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder kratzte der Troll sich am Kopf. „Ja, eigentlich schon. Mama ist eine schlaue Frau. Ich sollte dich einfach essen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll bückte sich leicht, als er seine große Hand nach Maja ausstreckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte. Warte!“, schrie Maja, während sie zurückwich, endlich mit etwas Panik in ihrer Stimme. „Du solltest mich lieber mit in deine Höhle nehmen und dort kochen. Roh schmecke ich ganz fürchterlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt fiel ich aus allen Wolken. Was zur Hölle hatte sie vor? So dumm, wie der Troll sich anstellte, hätte es tausend andere Möglichkeiten gegeben, Zeit zu gewinnen. Wieso wollte sie sich von ihm entführen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll dachte nicht einmal erst über ihr Angebot nach. Stattdessen klatschte er und sprang voller Vorfreude von einem Bein auf das andere, sodass der Boden bebte. „Oh ja, oder ich brate dich. Ich liebe gebratenen Mensch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann schnappte er sich Maja und schwang sie über seine Schulter. Sie wehrte sich nicht einmal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das irgendeine Art Zauber? Konnten Trolle Menschen gefügig machen? Oder hatte sie einen Plan?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was es auch war, ich musste hinterher. Ich durfte den Troll nicht mit meiner Mitbewohnerin entkommen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stolperte mehr, als dass ich rannte. Das Licht von Majas Taschenlampe, die sie immer noch in der Hand hielt, reichte so gerade aus, damit ich die gröbsten Umrisse vor mir erkennen konnte. Zum Glück ging der Troll nicht sonderlich schnell. Sein Gang erinnerte mich eher an die langsame, aber bedrohliche Gangart eines Filmbösewichtes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach ein paar Metern räusperte Maja sich schließlich. Doch anstatt etwas zu sagen, damit der Troll sie gehen ließ, verwirrte sie mich bloß noch mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Weißt du, Herr Troll, wenn mich jemand suchen sollte, braucht er sich keine Sorgen machen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll blieb verwirrt stehen, um das fast reglose Bündel auf seiner Schulter zu betrachten. „Was? Wieso sollte er sich keine Sorgen machen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja, ich werde doch eh bald von dir gegessen“, erwiderte sie völlig gleichgültig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stimmt.“ Dann ging der Troll entspannt weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das eine Botschaft für mich gewesen? Es musste eine Botschaft sein. Aber was wollte Maja mir damit sagen? Dass sie einen Plan hatte? Ich wünschte, ich hätte sie fragen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einigen weiteren Metern ergriff sie erneut das Wort. „Herr Troll? Stimmt es eigentlich, dass Trolle Gold und Silber sammeln?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Heh“, gab der Troll dümmlich von sich. „Alles, was glänzt. Ich habe eine beachtliche Sammlung zu Hause.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Augen weiteten sich. War das Majas Plan? Wollte sie dem Troll seine Wertsachen stehlen? Dafür würde sie doch nicht ernsthaft ihr Leben aufs Spiel setzen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So, wir sind gleich da“, erklärte der Troll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer wehrte sich Maja nicht. War sie wirklich so leichtsinnig? Oder stand sie doch unter irgendeinem Zauber?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatte ich Probleme, dem Troll zu folgen. Der Boden war so uneben und felsig geworden, dass ich mich mehr auf meine Bewegungen, als auf ihn konzentrieren musste. Ich kletterte, rutschte und stolperte langsam voran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Troll schließlich in einer Felsspalte im Berg verschwand, bemerkte ich es erst daran, dass der Schein von Majas Taschenlampe aus einer großen, aber unauffälligen Höhle kam. Wenn sie ihre Taschenlampe nicht noch in der Hand gehabt hätte, hätte ich sie spätestens jetzt verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig spähte ich in die Höhle. Das Licht wurde immer schwächer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich glaub, ich grill dich über dem Feuer. Sodass du schön knusprig bist. Mhmmm &#8230;“, hallte die tiefe Stimme des Trolls aus der Höhle. Ich hoffte, dass es am Hall lag, dass sie so weit entfernt klang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wagte ich es nicht, noch mehr Zeit zu verlieren. Schnell schlitterte ich einen kleinen Abhang hinunter. Hoffentlich war der Troll zu abgelenkt, um den Lärm zu bemerken, den ich dabei machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich auf das Licht zu rannte, achtete ich darauf, leiser zu sein. Zum Glück war der Troll mit Maja in ein Gespräch vertieft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du solltest mich lieber kochen“, erklärte Maja ruhig. „Gekocht schmecke ich viel besser. Ich warte auch hier, während du das Wasser holst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll schnaubte verächtlich. „Für wie blöd hältst du mich eigentlich? Bis ich das Wasser den Berg raufgeschleppt habe, ist es Tag. Ich habe keine Lust, mich in Stein zu verwandeln.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stimmt. Davon hatte Maja auch erzählt. Wenn ein Troll Sonnenlicht abbekam, verwandelte sich sein ganzer Körper in einen leblosen Felsen. War das ihr Plan?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„N-Na gut, das verstehe ich. Vielleicht möchtest du aber einige Kräuter sammeln, damit du mich etwas würzen kannst?“, schlug Maja vor. Ich merkte, dass ihre Gelassenheit langsam schwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hm. Nein. Grünzeug verdirbt nur den Geschmack“, erklärte der Troll. Dabei leckte er sich über die Lippen, während er Maja gierig ansah. „Vielleicht sollte ich dich doch roh essen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja wollte etwas erwidern, doch der Troll hatte bereits nach ihr gepackt. Diesmal wehrte sie sich mit Händen und Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war bereits dabei, sie zu seinem vor seinem vor Speichel triefenden Mund zu führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein. Nein!“, kreischte sie. Sie konnte sich nicht befreien!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich wusste, was ich tat, sprang ich aus meinem Versteck. „Warte!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll sah sich verdutzt um. Es dauerte einen Moment, bis sein Blick auf mich fiel. Ich hatte unterdessen die Signalpistole aus dem Rucksack gekramt und richtete sie auf ihn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Noch ein Mensch? Das wird ja ein richtiges Festmahl.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt, wo er mir direkt gegenüberstand, die großen Augen auf mich gerichtet, kam er mir noch riesiger vor. Wie der Tannenbaum, der im Winter im Shoppingcenter stand – bloß, dass dieser Tannenbaum sich jeden Moment auf mich stürzen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keinen Schritt weiter!“, brüllte ich leicht hilflos. Ich wusste, dass die Signalpistole den Troll kaum verletzen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ergriff Maja das Wort. „Du solltest besser auf sie hören“, empfahl sie. Sie wirkte wieder gelassener.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie kurz verwirrt an, bis ich meinen Blick wieder möglichst selbstbewusst auf den Troll richtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist eine Sonnenpistole“, erklärte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eine S-Sonnenpistole?“, fragte der Troll. Man merkte sofort, dass ihm bereits das Erwähnen der Sonne Angst zu machen schien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stine, schieß doch mal in den Gang da vorne“, sagte Maja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie wusste doch, dass ich nur einen Schuss hatte? Andererseits schien sie einen Plan zu haben – ich hoffte nur, dass er besser war, als ihr letzter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach kurzem Zögern und einem bestätigenden Zunicken von Maja, wandte ich mich schließlich dem Gang zu, auf den sie gezeigt hatte. Ich zielte mit der Signalpistole und betätigte den Abzug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Zischen schoss das Signalfeuer in den Gang, wo der Lichtschein sich rasch entfernte. Gleichzeitig hörte ich, wie der Troll ängstlich aufschrie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er ließ Maja fallen, die sich sofort wieder aufrichtete. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rieb sie sich den Hintern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ganz recht“, sagte sie leicht gequält. „Meine Freundin hier kann Sonnenlicht verschießen. Willst du etwa, dass der nächste Schuss in deine Richtung geht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll wurde sofort kreidebleich. „N-Nein, bitte!“, flehte er. „Ich will noch nicht sterben!“ Es war erschreckend, wie menschlich seine Emotionen wirkten. Ich hatte fast Mitleid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann rennst du jetzt sofort aus dieser Höhle“, forderte Maja. „Du wirst dir diese Nacht einen anderen Platz zum Schlafen suchen müssen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ sich der Troll nicht zweimal sagen. Er nahm seine Beine in die die Hand und sprintete ich Richtung Höhleneingang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem er weg war, rannte ich sofort zu Maja und schloss sie fest in den Arm. „Verdammt. Ich dachte schon, das war’s mit dir. Lass uns von hier abhauen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Maja machte keine Anstalten, mitzukommen. Stattdessen begann sie, sich im Raum umzusehen. „Was meinst du, wo er sein Gold versteckt hat?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte sie mit offenem Mund an. Das konnte nicht ihr Ernst sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guck nicht so. Der Troll ist weg. Wenn du mit suchst, finden wir es schneller.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir hätten tot sein können!“, schimpfte ich. Sie war also doch bloß hinter seinem Schatz her. „Ich gehe jetzt. Wenn du noch hierbleiben willst, ist das deine Sache.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja ließ sich davon nicht beirren. Selbst, als ich in Richtung Ausgang ging, in der Hoffnung, dass sie mir leicht beleidigt folgen würde, blieb sie stur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz, bevor ich die Höhle tatsächlich verließ, blieb ich stehen. Was sollte ich tun? Ich konnte sie nicht einfach zurücklassen. Außerdem würde ich ungern allein durch die dunklen Berge irren. Sollte ich ihr doch beim Suchen helfen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich hörte ich Stimmen von draußen. Fluchtartig rannte ich in einen der Seitentunnel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn auch nur eines meiner Goldkettchen weg ist, dann kannst du was erleben!“, schimpfte eine Frauenstimme. Sie erinnerte mich an Donnergrollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„J-ja, Mama“, sagte der Troll kleinlaut. Ich erkannte seine dümmliche Stimme sofort wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sonnenpistole, so ein Schwachsinn“, schimpfte sie weiter. „Menschen können keine Sonnenstrahlen erschaffen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie schien jedenfalls deutlich schlauer zu sein, als ihr Sohn. Aber das Schlimmste war, dass ihre Schritte sich schnell näherten. Sie kamen in die Höhle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den nächsten Sekunden hielt ich die Luft an. Ich wünschte, ich hätte Maja warnen können. Aber das wäre nicht gegangen, ohne auf mich selbst aufmerksam zu machen oder mit ihr zusammen in der Falle zu sitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schritte waren jetzt fast bei mir. Dann entfernten sie sich wieder – in die Richtung, in der Maja jetzt in der Falle saß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na sowas, wen haben wir denn hier?“, ertönte die Stimme der Trollfrau hallend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ergriff die Gelegenheit, um aus der Höhle zu fliehen. Draußen angekommen, dachte ich darüber nach, etwas in die Höhle zu brüllen, um die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Aber was sollte ich dann tun? Ich hatte vorhin schon Probleme gehabt, mit dem Troll mitzuhalten, als er gemütlich gegangen war. Jetzt würden sie rennen. Außerdem waren sie zu zweit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweren Herzens entschloss ich, meine Mitbewohnerin zurückzulassen. Ich rannte bergabwärts, versuchte grob, dem Weg zu folgen, den wir gekommen waren, musste aber irgendwo falsch abgebogen sein. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich durch die Berge geirrt war, bis ich schließlich zu einem Wanderweg kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja habe ich nie wieder gesehen. Ihren Eltern und der Polizei erzählte ich, sie sei allein in die Berge gefahren. Zu sehr schämte ich mich, dass ich nicht versucht hatte, sie zu retten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so habe ich noch nie jemandem von jener Nacht erzählt – bis heute jedenfalls. Daher hoffe ich, dass ihr euch diese Geschichte zu Herzen nehmt. Vielleicht könnt ihr aus Majas und meinen Fehlern ja etwas lernen.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trolle sind nicht nur ein bekanntes Internetphänomen, sondern auch Teil der nordischen Mythologie. Dort existieren sie schon seit über 1.000 Jahren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Trolle der nordischen Mythologie können stark in ihrem Aussehen variieren. Einige von ihnen sind groß wie Berge, andere bloß wie sehr große Menschen und wieder andere sehr klein, wie Zwerge. Sie alle sollen jedoch eine verhältnismäßig große Nase und – sofern sie Haare haben – eine wilde, ungepflegte Frisur besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In früheren Erzählungen waren Trolle noch sehr menschenähnlich. In der Neuzeit haben sie jedoch vermehrt Tiermerkmale wie spitze Ohren, Fell oder Tierschwänze bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch die eher menschenähnlichen Trolle können unmenschliche Merkmale wie mehrere Köpfe (in der alten Liedersammlung Edda ist sogar von einem vierköpfigen Troll die Rede), spitze, raubtierartige Zähne, klauenartige Fingernägel oder nur ein Auge besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird Trollen meist eine außergewöhnliche Hässlichkeit zugeschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn es einige Geschichten über gute oder hilfreiche Trolle gibt, sind die meisten von ihnen bösartig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie fressen für ihr Leben gerne Menschen – besonders Kinder. Dabei haben sie einen sehr guten Geruchssinn, der ihnen bei der Jagd hilft. Zudem sie sind übernatürlich stark und ihre Verletzungen heilen unglaublich schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ist es nicht allzu schwierig, einem Troll zu entkommen. Sie können sich zwar mit Menschen verständigen und unsere Sprache sprechen, sind ansonsten aber sehr dumm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man muss sich also nur einen Trick einfallen lassen, um den Troll zu überlisten, oder ihn solange hinhalten, bis die Sonne aufgeht. Es heißt nämlich, dass sich Trolle sofort zu Stein verwandeln, wenn ein Sonnenstrahl sie berührt. Daher sind Trolle ausschließlich nachtaktiv.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternativ gibt es einige Erzählungen, die davon berichten, dass Trolle bei Kontakt mit Sonnenlicht zerplatzen. Die Versteinerung ist jedoch deutlich weiter verbreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt in Skandinavien ganze Gebirge und Berge, die nach Trollen benannt sind. Z. B. heißt der Felsvorsprung „Trolltunga“ in Norwegen übersetzt „Trollzunge“ und soll laut Legende die versteinerte Zunge eines Trolls sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht immer können sich Trolle einfach überlisten lassen. Einige von ihnen sollen sogar über magische Kräfte verfügen, mit denen sie Lawinen oder Unwetter auslösen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem heißt es, dass Trolle Gold und Silber lieben, weswegen manche Trollhöhlen große Reichtümer bergen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um an diese Reichtümer zu gelangen, reicht es jedoch nicht immer aus, einen einzelnen Troll zu überlisten. Denn obwohl viele Trolle allein leben, gibt es auch einige, die sich ihr Zuhause mit ihrer Familie teilen. Und die Trollfamilie wäre nicht sonderlich erfreut, wenn sie einen Menschen in ihrer Höhle bemerken oder herausfinden, dass er eines ihrer Familienmitglieder getötet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Dinge, die man Trollen nachsagt, sind, dass sie sehr naturverbunden seien – teilweise sollen sie sogar bedürftige Tiere und Bäume pflegen – und, dass sie Angst vor Kirchenglocken haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Trolle der nordischen Mythologie leben sehr abgeschieden. Meist leben sie in Höhlen in Wäldern, den Bergen oder unter der Erde. Seltener bewohnen sie Hütten oder Burgen. Einige von ihnen sollen sogar im Ozean leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen leben sie in Utgard, einer Welt, die fast ausschließlich von Trollen und Riesen bewohnt sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste bekannte schriftliche Erwähnung von Trollen stammt aus dem 9. oder 10. Jahrhundert aus den Schilderungen der Skalden. Seither – und wahrscheinlich auch schon davor – wurden Trolle als beliebter Kinderschreck in Skandinavien genutzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 18. oder 19. Jahrhundert entstand schließlich eine teilweise freundlichere Form des ursprünglich gefürchteten Trolls, als er erstmals als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> in Märchen aufgetaucht ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sorgte J. R. R. Tolkien Anfang des 20. Jahrhundert mit seinem inzwischen weltberühmten Buch „Der Hobbit“, in dem drei Trolle vorkommen, für einen Bekanntheitsschub der Wesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 1945, als die Schriftstellerin Tove Jansson die Mumins – freundliche, nilpferdartige Trollwesen – erfunden hat, wurden Trolle zudem vermehrt niedlich dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber obwohl in den größten Teilen Skandinaviens der Glaube an echte Trolle nur bis ins 19. Jahrhundert andauerte, gibt es auf Island noch heute viele Menschen, die an die Trolle der nordischen Mythologie glauben. Schuld daran könnten u. a. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gryla" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grýla</a> und ihre <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yule Lads</a> sein, um die sich das isländische Weihnachtsfest dreht.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Geschichte? Ich muss gestehen, dass sie mir persönlich nicht ganz so gut gefällt, aber vielleicht bin ich auch bloß zu selbstkritisch. Wie hättet ihr an Stines Stelle reagiert? Wärt ihr auch weggerannt, um euch in Sicherheit zu bringen, oder hättet ihr versucht, Maja zu retten? Schreibt es in die Kommentare.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Die Yule-Katze</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Dec 2020 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Während die LKW-große Katze langsam näherkam, krampfte sich mein Magen zusammen. Es sah aus, als würde die Katze durch eine Miniaturstadt wandern. Gegen diese Bestie hätte ich keine Chance …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/73daf957c7f14c818ceb1c5896fefb06" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze ist meine letzte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtslegende</a> für dieses Jahr. Es geht um das grausame Haustier von <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gryla" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grýla</a> und den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yule Lads</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem werde ich jetzt erst einmal in eine kurze Winterpause gehen. Ich weiß jedoch noch nicht, ob ich den nächsten Beitrag am 04.01 oder erst am 11.01.2021 veröffentlichen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis dahin wünsche ich euch auf jeden Fall trotz der Umstände frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! ^^</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Diese Geschichte ist der dritte und letzte Teil des diesjährigen Weihnachts-Specials. Wenn ihr die vorherigen Teile noch nicht kennt, könnt ihr Teil 1 <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads#Die_Geschichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a> und Teil 2 <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gryla" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a> nachlesen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch sprintete ich Grýla nach. Sie durfte Björn und Elva nicht haben! Ich würde das nicht zulassen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich die Haustür erreichte, schlug mir sofort eisige Luft entgegen. Grýla hatte bereits einen großen Vorsprung. Ich konnte sie nur dank des Schnees erkennen, vor dem sich ihre Silhouette trotz der Dunkelheit deutlich abzeichnete. Der Sack auf ihrem Rücken zappelte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Björn! Elva!“, kreischte ich ihnen hinterher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne auch nur daran zu denken, mir meine Schuhe anzuziehen oder eine Jacke überzuwerfen, stürmte ich in meinem Nachthemd nach draußen. Der Schnee unter meinen nackten Füßen war eiskalt. Eine Kälte, die sich schnell in meinen Beinen und dann meinem restlichen Körper ausbreitete. Ich ignorierte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber obwohl ich so schnell sprintete, wie ich konnte, wurde Grýla in der Ferne kleiner und kleiner. Als sie schließlich den Wald erreichte, der mein Haus und die Farm meines Nachbarn von der Stadt trennte, war ihre Silhouette im Schatten der Bäume verschwunden. Trotzdem gab ich nicht auf. Ich konnte noch immer deutlich ihre Fußabdrücke sehen, die sich vor mir im Schnee abzeichneten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise bereitete mir der Wald nachts ein mulmiges Gefühl. Ich wusste zwar, dass es in Island keine gefährlichen Tiere gab, doch die Bäume, die mit ihren kahlen Ästen nach mir zu greifen schienen und die Dunkelheit, die sich um mich herum ausbreitete, erfüllten mich sonst immer mit Unbehagen. Heute war es jedoch anders. Heute galten all meine Gedanken Björn und Elva.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was, wenn ich sie nicht einholte? Was, wenn Grýla sie tatsächlich zu Suppe verarbeitete? Wie sollte ich das Stéfan sagen? Ich könnte meinem Bruder nicht mehr in die Augen sehen, wenn seiner Tochter unter meiner Aufsicht etwas zustieß …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“, sagte ich laut. Ich durfte so nicht denken! Noch sah ich Grýlas Fußspuren im Schnee – und solange es weiterhin wenig schneite, würde sich das nicht so bald ändern. Wenn es sein musste, würde ich sie bis in ihre Höhle verfolgen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich das Waldstück verließ, hatte sich ein schmerzhaftes Stechen in meiner Seite ausgebreitet. Ich verlangsamte meine Schritte. Nicht wegen der Schmerzen oder weil mein Herz so schnell raste, dass das Pochen die meisten Geräusche um mich herum übertönte. Nein. Ich stand vor einem ganz anderen Problem …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geschockt ließ ich meinen Blick über die Häuser vor mir wandern. Grýla war direkt in die Stadt gelaufen. Das wäre an sich kein Problem gewesen – auf den ebenen Gehwegen und Straßen wäre ich sicherlich schneller und besser vorangekommen –, doch in der Stadt wurde gestreut. Während ich bis hier Grýlas Fußabdrücke noch deutlich sehen konnte, lag jetzt nichts als Asphalt und Pflastersteine vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein … Nein!“, stammelte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich meinen ersten Schritt auf den kalten Stein tat, entfuhrt mir ein leiser Schmerzensschrei. Entsetzt starrte ich auf meine Füße. Sie bluteten – wahrscheinlich hatte ich sie mir im Wald an den Steinen, Wurzeln und spitzen Stöcken aufgerissen. Der Fußnagel meines rechten kleinen Zehs hatte sich halb gelöst …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wären meine Beine durch die Kälte nicht so gut wie abgestorben, hätte ich wohl keinen weiteren Schritt gehen können, ohne zusammenzubrechen. Aber ich durfte mich nicht von dem Salz auf den Wegen ablenken lassen. Ich hatte wichtigere Probleme: Ich musste Björn und Elva finden. Doch wo sollte ich hingehen? Woher sollte ich wissen, in welche Richtung Grýla gegangen war? Wollte sie noch mehr unartige Kinder entführen oder lag die Stadt bloß auf ihrem Nachhauseweg?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich einige Sekunden ziellos durch die Stadt geirrt war, erreichte ich eine Kreuzung. Drei Straßen, die in völlig unterschiedliche Richtungen führten. Nur eine von ihnen würde mich meinem Sohn und meiner Nichte wieder näher bringen. Doch woher sollte ich wissen, welche?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hoffnungslosigkeit breitete sich in mir aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlegte, ob ich an einem der Häuser klingeln sollte. Aber selbst, wenn jemand mir mitten in der Nacht die Tür öffnete … Was sollte ich dann sagen? Dass Grýla – eine mythische Trollfrau, an die kein normaler Mensch glaubte – meinen Sohn und meine Nichte entführt hat, weswegen ich in meinem Nachthemd nach draußen gerannt war, um sie im Alleingang zu retten? Ich wusste selbst, wie verrückt das klang. Bevor ich die Bewohner oder die Polizei auch nur ansatzweise von der Wahrheit überzeugen konnte, wäre Grýla über alle Berge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zu Fuß hatte ich doch auch nicht mehr Chancen. Wenn ich jetzt in die falsche Richtung lief, würde ich mich noch weiter von den Kindern entfernen. Grýla war sowieso schon schneller als ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch sah ich mich auf der Kreuzung um. Ich suchte nach irgendeinem Hinweis, der auf Grýla hindeutete. Umgeknickte Äste, ein Stofffetzen, der in einer Hecke oder an einem Gartenzaun hing. Doch da war nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich … Ich hatte Björn und Elva verloren. Meinen Sohn. Stéfans Tochter. Unseren Lebenssinn. Meine Sicht begann vor Tränen zu verschwimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Björn! Elva!“, schrie ich aus voller Lunge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand, als mein Kopf bereits auf Leerlauf stellen wollte, hallte plötzlich ein Schrei durch die Luft. Ein wütender Schrei. Fast schon unmenschliches Gebrüll. Grýlas Gebrüll. Es musste ihr Gebrüll sein. Selbst in ihrer Stimme lag etwas Hässliches!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neue Energie – Adrenalin – schoss durch meinen Körper. Noch hatte ich nicht verloren. Ich wusste genau, aus welcher Richtung der Schrei gekommen war!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ignorierte die Schmerzen, die bei jedem Tritt in das Streusalz durch meine wunden Füße fuhren. Stattdessen achtete ich auf alles in meiner Umgebung. Ich achtete auf jede Bewegung, jedes Geräusch: Salz knirschte unter meinen Füßen auf den Steinen. Straßenlaternen surrten. Aber da war noch etwas. Als ich mich einem kleinen Einfamilienhaus mit einer Steinmauer im Vorgarten näherte, war da ein Flüstern. Ganz leise, sodass ich fast dachte, dass ich es mir bloß eingebildet hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da kommt wer!“, zischte eine hohe Stimme fast völlig lautlos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb abrupt stehen. „Ist da jemand?“, fragte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich bewegte sich etwas auf dem Grundstück neben mir. Hinter der niedrigen Mauer lugte ein kleiner Kopf hervor. Ich konnte meinen Augen kaum trauen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Björn?“, hauchte ich ungläubig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann streckte auch Elva ihren Kopf hinter der Mauer hervor. „Tante Freyja!“, rief sie aufgeregt, bevor sie an der Mauer vorbei rannte und sich fest an mich drückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn folgte ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie … wie seid ihr entkommen?“, fragte ich verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elva ließ von mir ab und griff in ihre Schlafanzugtasche, woraufhin sie ein kleines Taschenmesser hervorzog. Ich machte große Augen. Elva hatte das geplant. Sie wusste, dass Björn Angst davor hatte, von Grýla entführt zu werden, weil er dieses Jahr nicht sonderlich artig war. Deswegen hatte sie sich plötzlich so seltsam verhalten, war auf dem Bett gesprungen und hatte mich beleidigt. Sie <em>wollte</em> von Grýla entführt werden, um Björn das Leben zu retten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schloss Elva noch einmal fest in den Arm. „Danke!“, hauchte ich ihr zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte bloß, dass sie mir vorher von ihrem Plan erzählt hätte. Dann hätte ich mir wohl weniger Sorgen machen müssen. Andererseits hatte ich ihr letzte Woche erst verboten, alleine mit einem scharfen Messer zu hantieren, als wir Laufabrauð gebacken hatten …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„M-Mamma?“, stammelte Björn plötzlich. Ich hörte an seiner Tonlage sofort, dass das Zittern in seiner Stimme nicht nur an der Kälte lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, flüsterte ich schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn hob den Finger und deutete in die Richtung, aus der ich gekommen war. Ich rechnete bereits damit, dass Grýla wieder aufgetaucht war, weil sie nach den Kindern suchte, als mein Blick auf etwas deutlich Größeres fiel … Es war eine riesige schwarze Katze – die Yule-Katze. Auch das noch …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze war das Haustier Grýlas und der Yule Lads … sofern man ein solches Monster überhaupt als Haustier bezeichnen konnte. Ähnlich wie bei ihren Besitzern drehte sich die Legende der Yule-Katze um die Weihnachtszeit. Es hieß, dass sie jeden verschlingen solle, der zu Weihnachten keine neue Kleidung trug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund war Kleidung in Island ein solch beliebtes Weihnachtsgeschenk. Deswegen hatte ich Björn und Elva die neuen Schlafanzüge geschenkt. Wie auch bei Grýla und den Yule-Lads hätte ich jedoch niemals damit gerechnet, dass die Geschichten stimmten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„K-keine Sorge. Sie tut euch nichts, solange ihr die neuen Schlafanzüge tragt“, versuchte ich Björn und Elva zu beruhigen, während ich sie langsam im Rückwärtsgang weiter die Straße hinauf schob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und was ist mit dir?“, fragte Björn leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weitete die Augen. Er hatte recht. Ich trug nichts außer meinem alten Nachthemd. Mein Bruder Stéfan und ich hatten vereinbart, dass wir uns dieses Jahr gegenseitig neue Kleidung schenkten, doch er hatte sich verspätet und würde erst irgendwann diese Nacht ankommen. Ich trug keine schützende neue Kleidung!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die LKW-große Katze langsam näherkam, krampfte sich mein Magen zusammen. Es sah aus, als würde die Katze durch eine Miniaturstadt wandern. Gegen diese Bestie hätte ich keine Chance … Doch noch hatte die Yule-Katze uns nicht bemerkt. Wenn wir weiter langsam rückwärts gingen, könnten wir vielleicht …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze stoppte in der Bewegung. Sie hob den Kopf und fixierte uns mit ihren Augen. Es war zu spät …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mamma. Die Yule-Katze wird mir nichts tun“, erklärte Björn leise, ohne mich anzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wozu sagte er mir das?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich möchte also, dass du wegrennst. Mach dir keine Sorgen um mich!“, fuhr er fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich realisierte, was er damit sagen wollte, war es zu spät, um ihn aufzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Björn! Nein!“, rief ich ihm nach, doch er rannte bereits auf das Monster zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Katze beobachtete ihn jetzt. Sie legte die Ohren flach an, während sie einen Buckel machte und ihn anfauchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn drehte sich zu mir um. Er machte eine wegscheuchende Handbewegung. „Lauft!“, rief er in einem befehlenden Tonfall. Ich hatte meinen Sohn noch nie so mutig gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich Elva auf den Arm genommen hatte, sprintete ich los. Ich zwang mich, nach vorne zu blicken, damit ich nicht stolperte. Trotzdem wagte ich einen flüchtigen Blick über die Schulter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn sah aus wie ein Spielzeug, wie er dort vor der gigantischen Katze stand. Doch sie hatte ihn noch nicht angegriffen. Sie stand fast reglos da und fauchte nur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich schien sie das Interesse zu verlieren und wandte sich ab. Mir fiel ein Stein vom Herzen – jedoch nur, bis die Katze mich mit ihren Augen fixierte …!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! Hier bin ich!“, schrie Björn und wedelte mit den Armen. Die Katze beachtete ihn nicht, sondern begann, auf mich zu zu rennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich um eine Kurve gesprintet war – ich hoffte, irgendwo ein Versteck zu finden, schnell genug wegrennen konnte ich vor der Katze jedenfalls nicht –, sah ich in einiger Entfernung plötzlich zwei Lichter auf der Straße … Scheinwerfer! Doch das Auto hatte bereits einen Blinker gesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem freien Arm, der nicht Elva umklammerte, begann ich wie wild zu winken. „Hier! Hilfe! Ich bin hier!“, schrie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Licht des Blinkers erlosch. Stattdessen beschleunigte der Wagen und kam direkt auf mich zu, bis er vor mir zum Stehen kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein dunkelblauer Toyota. Ich kannte das Auto! Die Fahrertür öffnete sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„O Gott, Freyja! Was ist passiert!?“, fragte Stéfan, als er auch mich und Elva erkannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo ist mein Weihnachtsgeschenk?“, rief ich ihm entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Auf … auf dem Beifahrersitz“, antwortete er verwirrt. „Was macht ihr hier? Wo ist eure Kleidung?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich antwortete nicht, sondern setzte Elva ab. „Steigt ins Auto!“, befahl ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sowohl Elva als auch mein Bruder kamen der Bitte sofort nach, während ich die Beifahrertür öffnete. Auf dem Sitz lag ein liebevoll verpacktes Geschenk, das ich jetzt achtlos zerriss und den grünen Schal darin – meine Lieblingsfarbe –, hektisch um meinen Hals schlang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammt, Freyja! Rede mit mir! Was ist los?“, flehte Stéfan verzweifelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich musste ihm die Frage nicht beantworten. Die Yule-Katze hatte unsere Straße erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße!“, stieß Stéfan aus, als er sie bemerkte. Es war wahrscheinlich das erste Mal, dass seine Tochter ihn fluchen hörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So langsam ich konnte, stieg ich in den Wagen, während die Yule-Katze bedrohlich, fast schon siegessicher auf uns zukam. Ich wusste, dass das Auto mir keinen Schutz bieten würde – nicht, wenn die Legenden stimmten –, aber ich fühlte mich hier trotzdem sicherer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Stéfan nach dem Autoschlüssel in der Zündung griff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nicht!“, zischte ich ihm zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt, wo ich einen neuen Schal trug, müssten wir eigentlich in Sicherheit sein. Bei Björn, den ich jetzt übrigens aus dem Augenwinkel sehen konnte – er versteckte sich mehr schlecht als recht mit etwas Abstand zur Yule-Katze hinter einer Straßenlaterne –, hatte es schließlich auch geklappt. Sie hatte ihn wegen seines neuen Pyjamas in Ruhe gelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze stellte ihre Pfote auf die Motorhaube, sodass sich der Wagen leicht nach vorne neigte. Vier scharfe Krallen bohrten sich in den Lack. Dann senkte sie den Kopf, sodass ich ihre großen Augen direkt durch die Windschutzscheibe sehen konnte. Ihre Pupillen hatten mich noch immer fixiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt vor Anspannung die Luft an. Wieder begann mein Herzklopfen die Geräusche um mich herum zu übertönen: Bumm bumm, bumm bumm, bumm bumm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Yule-Katze ein fürchterliches Fauchen von sich gab – ein Speichelfaden zog sich zwischen ihren Zähnen – schloss ich die Augen. Entweder würde es gleich vorbei sein, oder wir waren in Sicherheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es passierte nichts. Weder griff die Yule-Katze an, noch merkte ich, dass sie die riesige Pfote wieder von der Motorhaube nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig öffnete ich die Augen. Die Yule-Katze war noch da. Sie starrte noch immer durch die Windschutzscheibe. Doch ihre Augen waren nicht mehr auf mich gerichtet …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stéfan?“, fragte ich möglichst ruhig. „Trägst du irgendwelche neue Kleidung?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stéfans Atem war kurz und stoßartig, während die Yule-Katze an der Windschutzscheibe schnupperte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stéfan!“, drängte ich etwas energischer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder hob vorsichtig die Hand und zeigte mir seine Krawatte, die lose um seinen Hals hing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert atmete ich auf. Aber warum verschwand die Yule-Katze dann nicht? Hatte ich irgendetwas nicht bedacht, oder nahm sie sich bloß ihre Zeit, um sicherzugehen, dass es hier nichts mehr zu holen gab?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als habe sie meine Gedanken gelesen, richtete die Yule-Katze sich auf. Sie nahm die Pfote von der Motorhaube, bevor sie an dem Auto vorbei ging und langsam im Rückspiegel verschwand, als wäre nie etwas gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Björn merkte, dass die Gefahr vorüber war, rannte er zu uns. Doch erst, als er endlich neben Elva auf der Rücksitzbank saß, spürte ich, wie all meine Last von mir abfiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schmerzen und die Unterkühlung machten sich langsam bemerkbar. Doch vor allem spürte ich eins: Erleichterung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stéfan war hingegen noch immer angespannt. „Was zur Hölle war das?“, fragte er, den Blick weiter in den Rückspiegel gerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist eine lange Geschichte …“, erklärte ich. „Ich erzähle dir alles, wenn wir zu Hause sind.“</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze, eigentlich Jólakötturinn oder Jólaköttur (isländisch für „(die) Weihnachtskatze“), ist eine riesige Monsterkatze der isländischen Sagenwelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass die Yule-Katze das Haustier Grýlas und der Yule Lads sei.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Meist wird die Yule-Katze als riesige, schwarze Katze bezeichnet, wobei die Farbe in einigen Erzählen auch variieren kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was „riesig“ in diesem Fall bedeutet, ist unklar. So ist sie in manchen Darstellungen nur knapp größer als ein Mensch, während sie andere Male größer als ein Haus oder noch riesiger dargestellt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abgesehen von der Größe soll sie aber einer normalen Katze relativ ähnlich sehen, wenn auch ihr Blick angsteinflößend sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze soll in den Weihnachtsnächten in isländischen Dörfern und Städten auf die Jagd nach Kindern und Erwachsene gehen. Zum Glück gibt es jedoch eine einfache Möglichkeit, sich gegen sie zu schützen: Sie verschont jeden, der zu Weihnachten ein neues Kleidungsstück trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund ist Kleidung in Island ein beliebtes Weihnachtsgeschenk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist man jedoch zu arm, um sich selbst neue Kleidung zu kaufen, und hat keine geschenkt bekommen, ist man der riesenhaften Katze schutzlos ausgeliefert. Sie spürt einen auf, um einen bei lebendigem Leibe zu fressen oder – laut einigen anderen Erzählungen – zu Grýla zu bringen, damit diese einen in ihre Suppe werfen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine verharmloste Variante besagt hingegen, dass man weder gekocht, noch gefressen wird. Stattdessen soll die Yule-Katze einem nur den Weihnachtsbraten bzw. das Weihnachtsessen sowie häufig auch die Süßigkeiten und Weihnachtskekse wegfressen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trägt man hingegen neue Kleidung, kann es zwar vorkommen, dass die Yule- Katze einem einen gewaltigen Schrecken einjagt, indem sie einen anfaucht, anschließend zieht sie jedoch weiter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze kommt zur Weihnachtszeit in die Dörfer und Städte Islands, um dort Menschen zu jagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo sie sich die restliche Zeit des Jahres aufhält, ist nicht bekannt. Es wird jedoch vermutet, dass sie zusammen mit Grýla, den Yule-Lads und Leppalúði in Grýlas Höhle lebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze wurde erstmals im 19. Jahrhundert schriftlich erwähnt und könnte somit das jüngste Mitglied von Grýlas Familie sein. Ob an der Aussage, dass sie mündlich bereits deutlich länger existiert haben soll, etwas dran ist, ist unbekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird jedenfalls vermutet, dass die Legende der Yule-Katze zwei Dinge bezwecken sollte:</p>



<ol class="wp-block-list"><li>Eltern haben ihren Kindern zu Weihnachten oder in der Vorweihnachtszeit damit gedroht, ihnen keine neue Kleidung zu schenken, wenn sie nicht artig waren oder ihre Aufgaben im Haushalt nicht erledigt haben.</li><li>Die Wollarbeiter waren dazu gezwungen, ihre Wolle bis Weihnachten verarbeitet zu haben, damit sie sich aus ihrem Anteil etwas eigenen stricken konnten. Das war zu früheren Zeiten besonders wichtig, weil die Leute auf warme Kleidung angewiesen waren.</li></ol>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch heute noch ist das Schenken von Kleidung zu Weihnachten eine beliebte Tradition in Island. Auch andere Vorteile – wie z. B., dass in der Zeit häufig Kleidung für Bedürftige gesammelt und gespendet wird, haben sich daraus ergeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der unstillbare Hunger der Yule-Katze hat also auch gute Dinge bewirkt.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>So, das war dann auch schon der letzte Teil meines Weihnachts-Specials. Wie hat euch die Geschichte gefallen? Was haltet ihr von der Yule-Katze und der Tradition, zu Weihnachten Kleidung zu verschenken? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Grýla</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/gryla</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Dec 2020 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
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		<category><![CDATA[Island]]></category>
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		<category><![CDATA[Yule Lad]]></category>
		<category><![CDATA[Yule Lads]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich Björns Zimmer betrat, sahen er und Elva bedrückt drein. Elva hatte nicht einmal ihre Süßigkeiten angerührt, sondern sie neben Björns neuer Kartoffel in ihrem Schuh liegen lassen.<br />
„Ich will nicht, dass Grýla Björn mitnimmt!“, jammerte sie, während sie auf mich zu rannte und sich an mein Beim kuschelte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gryla">Grýla</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/2d9fc847ed6440fba353f5bf9407f0d5" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Grýla ist der zweite Teil meines isländischen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtsspecials</a>. Die Geschichte ist die Fortsetzung meiner Geschichte über die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yule Lads</a>. Wenn ihr euch also für meine Geschichten interessiert, würde ich euch empfehlen, den Beitrag zuerst zu lesen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Den ersten Teil dieser Geschichte findet ihr <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads#Die_Geschichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast <em>was</em>!?“, fragte ich entsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich wollte dem Vogel doch nicht wehtun!“, erwiderte Björn verzweifelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja klar. Du hast die Steine nach den Vögeln geworfen, weil du ihnen <em>nicht</em> wehtun wolltest!“, sagte ich sarkastisch, während ich mir die Schläfen massierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn war völlig fertig mit der Welt. Er sah aus, als würde er jede Sekunde anfangen, loszuheulen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hee“, sagte ich schnell. „Ich wollte nicht laut werden … Aber so etwas macht man nicht. Du darfst das nie wieder tun, verstanden?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn nickte. Jetzt konnte er seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich nahm ihn fest in meine Arme, während er bitterlich weinte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es waren keine acht Stunden vergangen, seit Türzuschläger uns terrorisiert hatte. Keine acht Stunden, seit ich erfahren hatte, dass es Trolle wie Grýla oder die Yule Lads wirklich gab. Keine acht Stunden, seit ich wusste, dass Björn in Lebensgefahr schwebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Zeit verstreichen lassen. Sofort am nächsten Morgen hatte ich mich mit Björn hingesetzt. Er sollte mir von allem erzählen, was er dieses Jahr getan hatte, dass die Yule Lads oder Grýla als „unartig“ bezeichnen könnten. Im Gegenzug hatte ich versprochen, nicht böse zu werden – ein Versprechen, von dem ich nicht gedacht hätte, dass es mir so viel Willenskraft abverlangen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben den nicht ganz so schlimmen Sachen, wie vor dem Schlafen gehen keine Zähne zu putzen, nachts heimlich unter der Bettdecke Videospiele zu spielen oder vor dem Essen zu naschen, hatte er nämlich noch einige schlimmere Dinge angestellt: Er hatte heimlich mit einigen anderen Jungs aus seiner Klasse eine Zigarette probiert, Steine nach Vögeln geworfen und sich dazu überreden lassen Jónína – eine Mitschülerin – so sehr zu ärgern, dass es bereits an Mobbing grenzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste selbst, wie schlimm Gruppenzwang sein konnte. Trotzdem war ich davon ausgegangen, dass ich ihn besser erzogen hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück sah er jetzt aber ein, dass er Fehler gemacht hatte. Insgeheim schien er es schon die ganze Zeit gewusst zu haben. Jedenfalls versprach er mir, sich zu bessern. Er bat mich sogar darum, ihm eine Tafel Schokolade zur Schule mitzugeben, die er Jónína als Entschuldigung geben konnte – eine Bitte, der ich ohne zu zögern nachkam. Jedenfalls schien er entschlossen, seine Weste reinzuwaschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich Björn frohen Mutes zur Schule gefahren hatte, sackte meine Stimmung jedoch langsam wieder ab. Ich konnte mich nicht vernünftig auf meine Arbeit konzentrieren und schaffte kaum etwas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war Elva – meine fünfjährige Nichte, die mein Bruder Stéfan vor etwas über einer Woche aus Arbeitsgründen bei mir abgesetzt hatte – inzwischen wach geworden, sodass ich mich zusammenreißen musste, um mir nichts anmerken zu lassen. Für sie war letzte Nacht, als der Yule Lad Türzuschläger mit den Türen geknallt hatte, zwar ein kleiner Schock gewesen, aber im Gegensatz zu Björn und mir, war ihr Weltbild nicht vollkommen zerstört worden, als sie herausgefunden hatte, dass die Yule Lads tatsächlich existierten – immerhin war sie in einem Alter, in dem man ohnehin noch an sie glaubte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so quälte ich mich mit falschem Lächeln durch die Stunden, bis es endlich an der Zeit war, Björn von der Schule abzuholen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und? Wie ist es gelaufen?“, fragte ich sofort, als er ins Auto gestiegen war. „Hast du dich bei Jónína entschuldigt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja“, antwortete er ruhig. „Nina saß in der großen Pause alleine draußen. Also hab ich mich zu ihr gesetzt und ihr die Schokolade angeboten. Sie ist eigentlich ziemlich cool. Ich weiß gar nicht, warum die anderen sie immer ärgern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nina?“, fragte ich neugierig. Hatte er ihr schon einen Spitznamen gegeben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So nennen sie all ihre Freunde“, erklärte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der ernsten Lage strahlte ich jetzt übers ganze Gesicht, während ich Björn stolz durch die Haare wuschelte. Das waren endlich mal gute Nachrichten! Ich wusste doch, dass Björn nicht der Typ war, der andere gerne ärgerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Björn das Verhalten durchhielt, war ich zuversichtlich, dass er für Grýla zu Weihnachten uninteressant geworden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hatte ich noch ein Ass im Ärmel: Jeder Yule Lad hatte eine eigene kleine Macke, einen Streich, den er jedes Jahr spielte. Die meisten Streiche drehten sich dabei um Essen. Es hieß, dass Grýla eine so miserable Köchin war, dass ihre Kinder froh waren, etwas anderes zwischen die Zähne zu bekommen. Und genau das würden wir ihnen geben. Wenn Björn sich bei ihnen beliebt machte, hatten wir mit Sicherheit nichts mehr zu befürchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich Björn und Elva von meinem Plan erzählte, waren sie begeistert – Björn, weil er sich dann weniger Sorgen um Grýla machen musste und Elva, weil sie sich darüber freute, den Yule Lads zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine fünf Minuten später saßen wir im Auto auf dem Weg zum Supermarkt. Wir kauften Skyr – eine isländische Quarkspeise, die ein wenig an Joghurt erinnert – für Skyrgierschlund, verschiedene Würstchen für Wurststibizer, einen Präsentkorb mit Essen für Fensterglotzer – ein Yule Lad, der heimlich durch Fenster späht, um etwas zum Stehlen zu suchen – und Fleisch für Fleischhaken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lediglich für Türspaltenschnüffler und Kerzenschnorrer kauften wir nichts. Ich würde sehen, dass ich mit den Kindern Laufabrauð – Türspaltenschnüfflers Leibspeise – backen und für Kerzenschnorrer einige essbare Talgkerzen im Internet bestellen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Tag bemühte sich Björn, alles zu tun, was ein artiges Kind tun würde: Er räumte sein Zimmer auf, stellte nach dem Essen unsere Teller weg und putzte sogar ohne Aufforderung Zähne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als es schließlich spät wurde, rief ich die Kinder in die Küche. Wir holten die Becher Skyr aus dem Kühlschrank, die wir für Skyrgierschlund – den heutigen Yule Lad – gekauft hatten, entfernten die Deckel und stellten sie auf die Theke. Danach war es Zeit für die Kinder, ins Bett zu gehen – wieder tat Björn das ohne Aufforderung. Ich war froh, dass er die Sache so ernst nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte, ich hätte mich ebenfalls ins Bett legen können. Doch in Island war es Tradition, in der Vorweihnachtszeit seinen Kindern eine Kleinigkeit in die Schuhe zu legen, die sie in ihrem Zimmer auf die Fensterbank gestellt hatten. Ähnlich wie beim Nikolaus tat man anschließend so, als wären es die Yule Lads gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider schienen die Yule Lads jedoch nicht tatsächlich Geschenke zu verteilen. Stattdessen hatten sie bisher nur Björns Schuh leergeräumt, um eine Kartoffel hineinzulegen – ein Zeichen dafür, dass das Kind unartig war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch in dieser Nacht hatte ich seit Tagen erstmals wieder die Hoffnung, dass die Süßigkeiten, die ich in seine Schuhe legte, morgen noch immer da waren. Und so fiel ich diesen Abend in halbwegs ruhige Träume.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tante Freyja! Tante Freyja!“, riss mich Elva am nächsten Morgen mit panischer Stimme aus dem Schlaf. „Irgendetwas stimmt mit Björn nicht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlagartig war ich wach. Ohne eine weitere Sekunde verstreichen zu lassen, sprang ich aus dem Bett und sprintete in sein Zimmer. Hatten die Yule Lads oder Grýla ihm etwas angetan!?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich das Zimmer erreichte, sah ich sofort, was los war: Björn saß mit angezogenen Beinen auf dem Bett, sein Gesicht hinter seinen Knien verborgen. Vor ihm lag eine Kartoffel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich setzte mich zu ihm und streichelte ihm vorsichtig den Rücken. „Das heißt doch nichts“, versuchte ich, ihn zu beruhigen. „Vielleicht wollen die Yule Lads erst einmal gucken, ob das gestern bloß eine Ausnahme war oder ob du dich wirklich gebessert hast. Außerdem haben wir bis Weihnachten doch noch fünf Tage Zeit …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist denn los?“, fragte Elva ein wenig verzweifelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie an. Erst überlegte ich, mir eine Notlüge auszudenken, aber als ich ihre großen Augen sah, brachte ich es nicht übers Herz. „Dein Cousin hat Angst, dass Grýla ihn holen kommt, weil er dieses Jahr etwas unartig war. Aber das würde ich niemals zulassen! Wir werden Grýla beweisen, dass Björn artig sein kann!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte nicht, dass Elva verstehen würde, was hier wirklich auf dem Spiel stand, dass sie zu jung, zu kindisch wäre. Doch meine Worte schienen irgendeinen Schalter bei ihr umgelegt zu haben. Von dem Moment an, als ich ihr das erzählte, bemühte sie sich, ihrem Cousin dabei tatkräftig zu helfen. Und das wiederum spornte Björn an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Schule berichtete er mir, dass er und Nina jetzt nebeneinandersaßen. Er hätte nie gedacht, dass ein Mädchen so nett und gleichzeitig so cool sein konnte. Sie war scheinbar das erste Mädchen, das er getroffen hatte, das Videospiele mochte – und sie schien sich zu freuen, endlich jemanden zu haben, der die Pausen mit ihr verbrachte. Die Mädchen waren ihr zu mädchenhaft, während die Jungs sie nie ernst genommen hatten … Kein Wunder, dass sie als Einzelgängerin ein leichtes Opfer für Mobbing war. Aber das würde sich dank Björn jetzt hoffentlich ändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch zu Hause legte mein Sohn sich ordentlich ins Zeug – er half beim Abwasch, saugte mit mir zusammen die Zimmer und spielte möglichst viel mit Elva, damit ihr nicht langweilig wurde. Wir fanden sogar zusammen den saubergeleckten Teller wieder, den ich auf den Boden gestellt hatte, um zu beweisen, dass die Yule Lads nicht real waren. Essnapflecker – der Yule Lad, der den Teller an sich gerissen und saubergeleckt hatte – hatte ihn unter dem Sofa versteckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch trotz all der Bemühungen, und obwohl wir Wurststibizer eine Auswahl an Würstchen als Geschenk machten, die er über Nacht alle an sich nahm, erwachte Björn am nächsten Tag wieder zu einer Kartoffel in seinem Schuh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich jedoch bestürzt darüber war, schien Björn es als Anreiz zu sehen, sich noch mehr Mühe zu geben. Er unterstütze mich noch mehr im Haushalt, übernahm sogar Aufgaben, die ich ihm niemals zugemutet hätte – das Schneeschippen auf der Auffahrt z. B. –, war jeden Tag der Erste, der die Geschenke für die Yule Lads ansprach, und gab sich besonders viel Mühe bei der Musterung, als das Laufabrauð für Türspaltenschnüffler dran war. Er half sogar Elva dabei, ihr eigenes Muster in ein Laufabrauð zu ritzen, da ich ihr in ihrem Alter noch nicht erlaubte, alleine mit einem Messer zu hantieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch von Nina erzählte er ab und an. Die beiden schienen tatsächlich gute Freunde zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch was auch immer er tat, es genügte den Yule Lads nicht. Und so fanden wir auch am 23. noch eine Kartoffel in seinem Schuh – dem letzten Tag, an dem Björn beweisen konnte, dass er es nicht verdient hatte, von Grýla entführt und bei lebendigem Leibe gekocht zu werden …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim gemeinsamen Frühstück herrschte bedrücktes Schweigen. Sogar Elva, die sonst immer so fröhlich war, dass es fast schon nervte, schaute betreten drein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir gehen heute in die Stadt“, brach ich das Schweigen. „Wenn es den Yule Lads nicht ausreicht, dass Björn sich zu Hause und in der Schule benimmt, zeigen wir ihnen eben, dass uns auch fremde Menschen wichtig sind!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elva war begeistert. Björns Stimmung konnte ich damit hingegen nur wenig heben – aber wer konnte es ihm verdenken? Wenn der Plan nicht aufging, könnte sein kurzes Leben morgen schon zu Ende sein …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schob die negativen Gedanken beiseite. Es würde schon alles gut gehen. Es <em>musste</em> alles gut gehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Stadt angekommen, machten wir uns direkt an die Arbeit. Immerhin wollten wir die vier Stunden Tageslicht, die wir heute hatten, komplett ausnutzen. Wir sammelten sämtlichen Müll auf, den wir finden konnten – bei der Schneedecke kein ganz so einfaches Unterfangen – und verschenkten alte Kleidung und Decken an Bedürftige. Bei einem Obdachlosen bat mich Björn sogar, sein Taschengeld für den Januar vorzeitig zu bekommen, damit er dem Mann eine warme Mahlzeit kaufen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Sonne langsam unterging, machten wir uns auf den Heimweg. Ich muss gestehen, dass ich ziemlich erschöpft, aber auch ziemlich stolz war. Den Tag hatten wir jedenfalls effektiv genutzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Hause angekommen, sagte ich Björn und Elva, dass sie im Wohnzimmer auf mich warten sollten. Ich verschwand unterdessen im Schlafzimmer und holte zwei neue Schlafanzüge – einen roten für Elva und einen dunkelblauen für Björn. Eigentlich hatte ich sie als Yule Lad Geschenk für morgen eingeplant, aber wer wusste, ob Björns Schlafanzug dann nicht doch über Nacht wieder gegen eine Kartoffel ausgetauscht wurde …?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier!“, sagte ich. „Für euch. Weil ihr mir in letzter Zeit so viel im Haushalt geholfen habt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es mag vielleicht seltsam klingen, doch die beiden freuten sich riesig über das Geschenk, obwohl es nur Kleidung war. Denn hier in Island war es Tradition, zur Vorweihnachtszeit oder spätestens zu Heiligabend Kleidung zu verschenken, sodass jede Person mindestens ein neues Kleidungsstück zum Anziehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war froh, dass wir uns für einen Moment ablenken konnten, einen Moment der Normalität erlebten. Doch nachdem ich die Kinder ins Bett gebracht hatte – für Kerzenschnorrer konnten wir leider nur gewöhnliche Teelichter hinstellen, da die Talgkerzen, die ich im Internet bestellt hatte, nicht rechtzeitig angekommen waren –, kamen meine Sorgen zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein einziger Lichtblick war, dass mein Bruder Stéfan, Elvas Vater, ab morgen hier wäre. Dann wäre ich – sollte Grýla tatsächlich auftauchen – wenigstens nicht die einzige Erwachsene im Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen sackte meine Stimmung jedoch vollends ab. Ich hatte so sehr gehofft, dass Björn heute keine Kartoffel mehr geschenkt bekam. Doch als ich sein Zimmer betrat, sahen er und Elva bedrückt drein. Elva hatte nicht einmal ihre Süßigkeiten angerührt, sondern sie neben Björns neuer Kartoffel in ihrem Schuh liegen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich will nicht, dass Grýla Björn mitnimmt!“, jammerte sie, während sie auf mich zu rannte und sich an mein Beim kuschelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich sie getröstet hätte, ihr gesagt hätte, dass alles gut werden würde. Doch das konnte ich nicht. Stattdessen stand ich reglos da, während eine Flut aus Hilflosigkeit und Panik meine Gedanken davon spülte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst das Klingeln meines Handys riss mich aus meiner Starre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stéfan“, begrüßte ich meinen Bruder, nachdem ich auf Laut gestellt hatte. „Bitte sag mir, dass du bald hier bist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ehe er etwas erwidern konnte, rief Elva dazwischen. „Papa! Björn hat eine Kartoffel geschenkt bekommen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, tatsächlich?“, erwiderte Stéfan gelassen. „Na, dann wird das schon seine Gründe haben. Die Yule Lads verschenken nicht umsonst Kartoffeln!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte, ich könnte genauso entspannt bleiben, wie er. Aber wen wunderte es? Für ihn waren die Yule Lads nichts weiter, als ein Märchen. Er dachte, dass ich die Kartoffel in den Schuh gelegt hätte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe leider auch ein paar doofe Nachrichten …“, gestand er. „Ich schaffe es heute leider erst am späten Abend, hier wegzukommen … die Arbeit! Es kann sein, dass ich erst nach Mitternacht da bin.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Herz rutschte mir in die Hose, als er das sagte. Nicht, dass ich einen Mann im Haus bräuchte, um mich zu verteidigen, aber zu zweit hätten wir besser auf Björn aufpassen können …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stéfan redete noch irgendetwas davon, dass die Kinder sich keine Sorgen um die Geschenke machen sollten. Er habe mit dem Weihnachtsmann geredet, dass wir Weihnachten dieses Jahr einen Tag später feierten. Doch ich hörte ihm nur noch halbherzig zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also dann, wir sehen uns spätestens morgen. Und feiert bloß nicht ohne mich!“, sagte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann war das Gespräch nach einem kurzen „Tschüss“ beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den gesamten restlichen Tag war ich völlig nutzlos. Ich wusste nicht mehr weiter, hatte keine Strategie mehr, wie wir Björn in ein besseres Licht rücken konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war in den vergangen Tagen zu einem Vorzeigesohn geworden, doch trotzdem hatte es den Yule Lads nicht gereicht. Alle Aufgaben, die ich ihm heute noch geben konnte, waren reine Beschäftigungstherapie. Sein Zimmer war aufgeräumt, das Haus gesaugt und gewischt und das Weihnachtsessen musste erst morgen vorbereitet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so verbrachte ich den Tag damit, die Kinder irgendwie abzulenken, während ich mir Gedanken darüber machte, wie wir die Nacht überstehen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als es schließlich so weit war, dass die Kinder ins Bett mussten, bat ich sie darum, diese Nacht in meinem Bett zu schlafen – eine Bitte, der die beiden dankbar nachkamen. Anschließend stellte ich einen Golfschläger, der meinem Exmann gehörte, ans Bett und zwang mich dazu, die Nacht wach zu bleiben. Mehr konnte ich nicht tun, falls Grýla tatsächlich auftauchen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch selbst dieser Plan sollte nicht aufgehen. Die Aufregung und Anstrengungen der letzten Tage machten sich langsam bemerkbar, sodass ich trotzdem einschlief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fiel in unruhige Träume, in denen Björn tatsächlich von Grýla entführt wurde. Sie warf ihn in einen riesigen Topf mit gläsernem Deckel, so groß, dass ich auf dem Deckel stehen konnte. Unter mir, hinter einer undurchdringlichen Glasschicht schwamm Björn in kochendem Wasser. Er trat um sich, schrie und schlug gegen das Glas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama! Mamaaaa!“, schrie er panisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ging er unter, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte. Nur seine Schreie waren noch zu hören …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweißgebadet wachte ich auf. Es dauerte einen Moment, bis ich realisierte, dass ich in meinem Bett lag. Doch etwas stimmte nicht … Björns Schreie waren nicht zusammen mit dem restlichen Traum verschwunden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Björn!“, kreische ich panisch, als ich sah, was los war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er klammerte sich an einen Bettpfosten, während eine große, alte und unglaublich hässliche Frau an seinen Beinen zerrte. Es war dieselbe Frau, die mich vorletzte Woche auf meiner Auffahrt gefragt hatte, ob sie Björn mitnehmen dürfe … Grýla!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sprang aus dem Bett, packte den Golfschläger und ging damit auf Grýla los. Sie bückte sich, um Björn in einen großen Sack zu stopfen. Dabei senkte sie ihren Kopf, sodass ihr Hinterkopf und Nacken eine große Angriffsfläche boten – eine Gelegenheit, die ich nicht verstreichen ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell hob ich den Schläger über meinen Kopf und ließ ihn mit voller Wucht in ihren Nacken krachen. Der Aufprall war so hart, dass mir den Schläger aus der Hand flog, doch Grýla zuckte nicht einmal … Trolle waren wohl wirklich aus Stein!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach ging alles ganz schnell: Grýla wandte sich mir zu und stieß mich grob von sich weg. Ich wurde durch den halben Raum geschleudert, bis ich krachend in meinem Kleiderschrank landete. Holz splitterte bei dem Aufprall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich noch versuchte, mich von den zerbrochenen Schranktüren zu befreien, bemerkte ich Elva, die jetzt auf dem Bett stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Papa ist total doof und Tante Freyja ist eine blöde Kuh!“, schrie sie aus voller Lunge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was zur Hölle tat sie da!? Dasselbe schien sich auch Grýla zu fragen, die Elva jetzt mit einem merkwürdigen Blick musterte. Doch Elva legte noch einen drauf:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guck mal! Ich spring auf dem Bett! Papa hat mir verboten, auf dem Bett zu hüpfen!“, schrie sie Grýla entgegen, während sie wie wahnsinnig anfing zu hüpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Elva, lass das!“, kreischte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie so weitermacht, würde Grýla sie auch … Doch es war zu spät. Noch ehe ich den Gedanken zu Ende gedacht hatte, war Grýla auf meine Nichte zugegangen, hatte sie gepackt und zu Björn in den Sack geworfen. Dann schwang sie sich den Sack über die Schulter und verschwand im Flur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! NEIN!“, brüllte ich ihr nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich schaffte ich es, mich aus dem kaputten Schrank zu wühlen. Rote Flecken bildeten sich auf meinem zerrissenen Nachthemd, wo Schranksplitter meine Haut zerstochen hatten, doch ich beachtete die Schmerzen gar nicht. Für mich zählte jetzt nur eine Sache: Ich musste Grýla einholen! Ich musste die Kinder retten!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><em>Den dritten und letzten Teil dieser Geschichte findet ihr <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-katze#Die_Geschichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>.</em></em></p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Grýla ist eine isländische Trollfrau und die Mutter der Yule Lads. Im Gegensatz zu ihren Söhnen ist sie jedoch bösartig und grausam, weswegen sie hauptsächlich als Kinderschreck genutzt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem ist sie mit dem Troll Leppalúði verheiratet, der jedoch ein ruhiges und zurückgezogenes Leben führt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Grýlas Aussehen wurde im Laufe der Jahrhunderte sehr unterschiedlich beschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So war sie früher sehr grotesk und unmenschlich. Sie soll je nach Erzählung 3 bzw. 300 Köpfe mit je drei Augen, Augen im Hinterkopf, 15 bzw. 40 Schwänze, Ziegenhörner, Hufe, einen Bart oder Ohren, die bis zu den Schultern hängen, besessen haben. Es hieß sogar teilweise, dass ihre Ohren mit ihrer Nase verbunden seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe der Jahrhunderte wurde Grýlas Aussehen jedoch deutlich menschlicher – wenn auch ihr weiterhin eine enorme Hässlichkeit nachgesagt wird. So soll sie heutzutage wie eine sehr große und alte Frau aussehen. Ihre Haare sollen grau und verfilzt, ihre Zähne schlecht und ihr Gesicht mit Warzen übersäht sein. Sie wird häufig mit einer knolligen oder krummen Nase, einem Buckel und vielen Falten dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selten ist auch heute noch von Hörnern oder Hufen die Rede.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Grýla hat viele Eigenschaften. Neben ihrer Hässlichkeit ist wohl ihr bekanntestes Merkmal, dass sie zu Weihnachten in Häuser einbrechen soll, um unartige Kinder zu entführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass sie die Kinder in einen Sack steckt, um sie bei sich zu Hause zu einer Suppe zu verarbeiten. Andere Varianten besagen z. B., dass sie die Kinder an Ort und Stelle töten oder bei lebendigem Leibe fressen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher gab es außerdem Berichte, laut denen sie die Kinder nicht direkt gestohlen, sondern die Eltern erst um Erlaubnis gebeten habe. In den meisten Fällen sollen die Eltern Grýla daraufhin jedoch vertrieben haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Grýla gerade keine Kinder jagt, soll sie hingegen mit ihrem Mann Leppalúði und ihren Kindern in ihrer Höhle hausen. Bei ihrer Familie hat eindeutig sie das Sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist streng, unfreundlich und jähzornig. Daher verwundert es nicht, dass sie vor Leppalúði bereits zwei andere Männer hatte. Aber auch mit Leppalúði soll sie häufig streiten. Er ist jedoch so faul, dass er sich nicht von ihr aus der Ruhe bringen lässt, was wohl der einzige Grund ist, warum die beiden noch immer zusammen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Des Weiteren wird Grýla nachgesagt, dass sie eine miserable Köchin sei, was wohl einer der Gründe ist, wieso die meisten der Yule Lads darauf fixiert sind, den Menschen Essen zu stehlen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Während es früher noch hieß, dass Grýla in einer einsamen Hütte wohne, heißt es heutzutage, dass sie mit Leppalúði, den Yule Lads und der Yule Katze in einer Höhle leben soll. Lediglich zur Weihnachtszeit kommt sie heraus, um sich auf die Suche nach unartigen Kindern zu machen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Erstmals wurde Grýla in schriftlicher Form in der Snorra-Edda erwähnt – einem alten nordischen Buch. In mündlicher Form soll die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> jedoch bereits deutlich länger existiert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie soll seit jeher eine Schreckgestalt und ein Kinderschreck gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der weihnachtliche Bezug entstand hingegen erst im 17. Jahrhundert, als sie als Mutter der Yule Lads bezeichnet wurde. Der Einfluss ging so weit, dass Grýla schließlich nur noch zu Weihnachten zuschlagen sollte. Das machte sie jedoch nicht weniger grausam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 18. Jahrhundert hatten Kinder sogar so viel Angst vor ihr, dass ein Gesetz erlassen wurde, das verbot, Grýla als Kinderschreck zu nutzen. Dieses Vorhaben war jedoch von wenig Erfolg gekrönt, da die Legende bis heute überdauert hat und sich auch heute noch isländische Kinder vor Grýla fürchten.</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich hoffe, euch gefällt diese dreiteilige Geschichte. Was haltet ihr von Grýla? Hättet ihr als Kinder Angst vor ihr gehabt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gryla">Grýla</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Die Yule Lads</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Dec 2020 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aber was war es dann? Ein Einbrecher? Erlaubte sich irgendein Fremder einen Spaß mit uns? Hatte er auch die Kartoffeln in Björns Schuh gelegt? Oder waren es doch die Yule Lads? Aber das konnte nicht sein … oder?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads">Die Yule Lads</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/bda860c0f36245219ea76724589cf187" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Yule Lads sind der erste Teil meines diesjährigen Weihnachtsspecials. Dieses Mal habe ich mir jedoch etwas Besonderes für euch ausgedacht: Die <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank">Weihnachtslegenden</a> gehören alle zusammen, sodass ich, statt drei einzelne Geschichten zu schreiben, eine längere Geschichte in drei Teile bzw. Beiträge aufteile.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zwei Mandarinen in der einen und der Türklinke in der anderen Hand stand ich im dunklen Flur vor dem Kinderzimmer. Ich hatte mein Ohr an das Holz gedrückt, während ich angestrengt lauschte. Von drinnen war kein Mucks zu hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig drückte ich die Klinke hinunter, bevor ich die Tür leise öffnete. Jetzt begann der schwierige Part: Ich musste die Fensterbank erreichen, ohne die Kinder zu wecken …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr werdet euch jetzt sicherlich fragen, was ich hier tue. Eine erwachsene Frau, die nachts quer durch ein Kinderzimmer schleicht, um das Fenster zu erreichen … Doch hier in Island kennen fast alle Eltern zur Weihnachtszeit diese Situation – es war die Zeit der Yule Lads.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit – ab dem 12. Dezember, um genau zu sein – besuchten die Yule Lads nachts heimlich die Häuser und Wohnungen in Island. Täglich kam einer der 13 Trollbrüder vorbei, um den Kindern eine Kleinigkeit in die Schuhe zu legen, die sie auf ihre Fensterbänke gestellt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich brachen keine echten Trolle in die Häuser ein, um Kinder zu beschenken. Stattdessen übernahmen wir Eltern den Part für sie, ähnlich wie beim Nikolaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich im Schein des Nachtlichts vorsichtig um einige Spielzeugautos, eine Barbie und einen Wäschehaufen geschlichen war, hatte ich endlich die Fensterbank erreicht, auf der die Schuhe standen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Peinlich darauf bedacht, keine der beiden Mandarinen fallenzulassen, legte ich sie nacheinander vorsichtig in die Schuhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich mich wieder umdrehen wollte, ertönte von draußen plötzlich Lärm. Es waren die Schafe des Nachbarn, die irgendetwas aufgeschreckt haben musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So schnell und leise ich konnte, hastete ich zurück zur Tür. Mit einem letzten flüchtigen Blick versicherte ich mich, dass die Kinder nicht wach geworden waren. Dann schloss ich die Tür hinter mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst jetzt bemerkte ich, wie sehr mein Herz raste. Es kam mir eher so vor, als wäre ich fast bei einem Einbruch erwischt worden und nicht von meinem Sohn Björn und meiner Nichte Elva dabei, wie ich ihnen heimlich Süßigkeiten geschenkt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schade, dass mein Bruder Stéfan – Elvas Vater – erst zu Weihnachten hier sein konnte. Sonst hätten wir uns mit den Nächten abwechseln können, so wie mein Exmann und ich es die letzten Jahre getan hatten. Andererseits genoss ich den Nervenkitzel auch irgendwie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück in meinem Zimmer hörte ich, wie die Schafe draußen noch immer aufgeregt blökten. Ich starrte aus dem Fenster, konnte in der Dunkelheit jedoch nichts Ungewöhnliches erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Bestimmt nur irgendein Tier</em>‘, dachte ich, während ich mich bettfertig machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte nicht einmal darüber nach, dass Schafschreck – der erste der dreizehn Yule Lads – seinen Namen nicht umsonst bekommen hatte. Wie die meisten seiner Brüder soll er nach einem Streich benannt worden sein, den er den Menschen jedes Jahr spielte. Doch diese Geschichten waren schon alt. Inzwischen waren die Yule Lads zu einer Art freundlicher Weihnachtsmänner geworden. Außerdem waren sie ja nicht einmal real …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen öffnete ich die Tür zum Kinderzimmer, um Björn für die Schule zu wecken, als mir auch schon ein aufgeregtes Bündel namens Elva entgegen sprang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tante Freyja, Tante Freyja!“, schrie sie aufgeregt, während sie auf einem Stück Mandarine kaute. „Björn hat letzte Nacht eine Kartoffel von den Yule Lads bekommen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist das so?“, fragte ich mit hochgezogener Augenbraue, während ich mich Björn zuwandte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er wirkte enttäuscht, als er demonstrativ die Kartoffel hochhielt. Wo war seine Mandarine?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ein Kind unartig war – so heißt es –, schenken die Yule Lads ihm statt Süßigkeiten, Spielzeug oder anderen Sachen, über die es sich freuen würde, eine Kartoffel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann ist Björn wohl unartig gewesen“, ergänzte ich, während ich ihm mit meinem Blick versuchte zu fragen, was das solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, Björn war dieses Jahr schon ziemlich aufmüpfig gewesen. Er hatte sich den einen oder anderen Scherz erlaubt und konnte dabei richtig fies werden, aber er kam eben in die Pubertät. Außerdem spielte meine Trennung von seinem Vater dabei sicherlich eine Rolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem fragte ich mich, warum er eine Kartoffel in seinen eigenen Schuh legen sollte. Zumindest war die einzig logische Erklärung, dass er sie selbst hineingelegt hatte – Elva traute ich es jedenfalls nicht zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den ganzen Morgen brannte ich darauf, ihn danach zu fragen, doch leider wich Elva – die noch an die Yule Lads glaubte – uns nicht von der Seite. War ihm bloß langweilig gewesen? Oder gehörte das zu einem ausgefuchsten Plan?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich saßen wir zu dritt am Frühstückstisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Habt ihr letzte Nacht auch die Schafe gehört?“, fragte Björn mit einem Mund voller Nutellabrot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nahm einen großen Schluck Kaffee, bevor ich antwortete. „Ja, sie waren ziemlich aufgeregt. Irgendetwas muss sie wohl erschreckt haben. Aber Schafe können sehr schreckhaft sein. Macht euch darüber keine Sorgen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und wenn es Schafschreck war?“, fragte Björn, als würde er noch an die Yule Lads glauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das sein Plan? Wollte er Elva einen Schrecken einjagen? Oder wollte er sie bloß unterhalten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schafschreck?“, fragte ich. „Aber die Yule Lads spielen den Menschen doch keine Streiche mehr. Das war früher mal …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wohl!“, schrie Elva mich jetzt an. „Papa hat gesagt, dass sie das heute immer noch machen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. Das sah meinem Bruder ähnlich. Stéfan war immer für einen Scherz zu haben. Er musste nur aufpassen, dass er dabei nicht zu weit ging – genau wie Björn, wenn er so weiter machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich mit Björn im Auto saß, um ihn zur Schule zu fahren, waren wir endlich allein. Er starrte gedankenverloren aus dem Fenster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also …“, begann ich. „Was sollte das mit der Kartoffel?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Björn mich einige Zeit musterte. „Was meinst du? <em>Du</em> hast die Kartoffel doch in den Schuh gelegt. Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich noch an die Yule Lads glaube, oder?!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich</em>?“, erwiderte ich verwirrt. „Hab ich dir jemals eine Kartoffel in die Schuhe gesteckt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn verschränkte die Arme und starrte beleidigt aus dem Fenster. „Wie du meinst. Dann war es eben doch ein Yule Lad!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlegte, etwas zu erwidern. Andererseits wollte ich keinen Streit anfangen. Vielleicht sollte ich mich einfach darauf einlassen, ein kleines Spiel draus machen. Das würde ihm sicherlich helfen, sich etwas von der ungewohnten Situation ohne seinen Vater abzulenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die letzten paar Minuten, die wir im Auto saßen, schwiegen wir. Nachdem ich Björn an der Schule abgesetzt hatte, fuhr ich zurück nach Hause, um zu arbeiten. Elva beschäftigte sich währenddessen alleine in Björns Zimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Tag geschah nichts Außergewöhnliches. Ich verbrachte den Vormittag damit, E-Mails zu schreiben und Anrufe zu tätigen. Nur einmal nahm ich mir eine kurze Auszeit, weil Elva etwas von mir wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich Björn schließlich von der Schule abholte, schien er den Morgen völlig vergessen zu haben. Er berichtete mir aufgeregt von seinem Schultag und wie er in der Mathearbeit von letzter Woche eine 8,5 – in deutschen Noten grob eine 2 – bekommen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na dann werden dir die Yule Lads morgen ganz bestimmt keine Kartoffel schenken“, sagte ich, während ich ihm zuzwinkerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er funkelte mich jedoch nur wütend an, ohne weiter darauf einzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr hatten wir an dem Tag nicht über die Yule Lads geredet. Selbst am Abend, als ich mir Zeit für die Kinder nahm – wir spielten Brettspiele – kam das Thema nicht zur Sprache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte bereits, dass Björn aufgegeben hätte. Als ich die beiden ins Bett brachte, rechnete ich fest damit, dass das mit der Kartoffel ein einmaliger Scherz gewesen sei. Doch obwohl ich nachts wieder in das Kinderzimmer schlich, um etwas in die Schuhe zu legen – diesmal waren es einige Süßigkeiten – hielt mir Björn am nächsten Morgen wieder eine Kartoffel entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den ganzen Morgen über wirkte er beleidigt. Er legte ein tragisches Schauspiel hin, als wäre er das Opfer. Sogar, als wir wieder im Auto saßen, hatte er nichts Besseres zu tun, als mich zu beschuldigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was sollte ich tun? Als Mutter hatte ich gelernt, mit so etwas umzugehen. Trotzdem machte ich mir auf der Rückfahrt allerlei Gedanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war sicherlich enttäuscht, dass wir Weihnachten dieses Jahr ohne seinen Vater feiern würden. Das war seine „Rache“. Doch was konnte ich dafür? Ich hatte mir keine neue Freundin gesucht, um meine Frau mit ihr zu betrügen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. ‚<em>Er ist eben noch ein Kind</em>‘, dachte ich und schluckte meinen Ärger herunter. Zu Hause würde ich mich in die Arbeit stürzen, um mir keine weiteren Gedanken darüber machen zu müssen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ganz so einfach wollte das Universum es mir nicht machen. Als ich auf unserem Grundstück ankam, lungerte eine alte Frau auf unserer Einfahrt herum. Sie sah aus wie eine Landstreicherin – ungepflegt und mit dreckiger Kleidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich aus dem Auto gestiegen war, konnte ich sie besser erkennen. Sofort schoss mir ein neuer Gedanke in den Kopf, für den ich mich etwas schämte: ‚<em>O Gott, ist die hässlich. Arme Frau …</em>‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie schien mich bereits erwartet zu haben. Doch anstatt mich um Kleidung oder eine kleine Spende zu bitten, stellte sie eine sehr seltsame Frage: „Sind Sie die Mutter von Björn?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Perplex starrte ich sie an. Woher kannte sie meinen Sohn? „Hat er etwas angestellt?“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau schnaubte. „Eine ganze Menge. Er war ziemlich unartig. Und genau deswegen bin ich hier. Sie wissen doch, wer ich bin?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste jedenfalls, nach wem sie aussah … Hier in Island gab es eine uralte Legende über eine Trollfrau – Grýla, die Mutter der Yule Lads. Eine unansehnliche alte Frau …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu ihren Söhnen spielte sie jedoch nicht bloß harmlose Streiche. Sie kam zur Weihnachtszeit in die Städte und Dörfer, um unartige Kinder zu stehlen, die sie später fressen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte mich noch genau erinnern, wie viel Angst ich als Kind vor ihr hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber obwohl ich mir fast sicher war, dass sie ein Grýla-Kostüm trug, traute ich mich nicht, es auszusprechen. Ihre knollige Nase, die Warzen, die strähnigen Haare … es sah alles so verdammt echt aus. Was, wenn es bloß ein Zufall war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich noch nach einer passenden Antwort suchte, fuhr die Frau plötzlich fort:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nun? Was ist? Haben wir eine Abmachung? Sie sind Ihr unartiges Kind los und ich bekomme eine leckere Mahlzeit …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also doch! Die Frau war tatsächlich als Grýla verkleidet. Aber obwohl ich zugeben muss, dass ihr Kostüm sehr beeindruckend war, machte mir etwas anderes mehr zu schaffen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Denken Sie nicht, dass es etwas geschmacklos ist, um die Häuser zu ziehen und Eltern zu fragen, ob Sie ihre Kinder töten dürfen?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch „Grýla“ schien bereits mit der Antwort gerechnet zu haben. Sie ging an mir vorbei, während sie eine wegwerfende Bewegung mit der Hand machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihr noch eine Weile verwundert nach, während sie wegging – viel zu schnell für eine angeblich so alte Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der restliche Tag verlief dafür zum Glück wieder ruhiger. Auch wenn Björn immer noch beleidigt zu sein schien, redete er wenigstens wieder mit mir. Im Gegenzug vermied ich es, die Yule Lads oder irgendetwas, das auch nur annähernd mit dem Thema zu tun hatte, anzusprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend jedoch wartete eine weitere Überraschung auf mich: Als ich ins Kinderzimmer schlich, um wieder etwas in den Schuhen zu verstecken, blickten mich zwei große Augen an. Ich starte zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Björn! Wieso bist du noch wach?‘, formte ich mit meinen Lippen, ohne einen Ton von mir zu geben. Dann sah ich zu Elva. Sie schien zu schlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn hingegen deutete genervt auf die Schuhe, als wolle er mir sagen: „Jetzt mach schon!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Schwall Wut stieg in mir auf. Ich schluckte ihn hinunter. Dann ging ich zu den Schuhen und legte demonstrativ die Süßigkeiten hinein, während Björn mich genau beobachtete. Jetzt konnte er mir wenigstens nicht mehr vorwerfen, eine Kartoffel hineingelegt zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem schien es Björn nicht zufriedenzustellen. Als ich ihm mit den Händen symbolisierte, dass er weiterschlafen solle, legte er sich zwar wieder hin, die Augen behielt er jedoch offen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder auf dem Flur seufzte ich schwer. Wenn morgen nicht Samstag gewesen wäre, hätte er einiges zu hören bekommen, aber zur Vorweihnachtszeit wollte ich mal nicht so sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ging davon aus, dass er am nächsten Morgen recht lange schlafen würde, doch kurz nachdem Elva aufgestanden war, kam auch Björn zu uns ins Wohnzimmer. Er redete jedoch nicht viel, sondern starrte bloß vor sich hin. Ich schob es auf die Müdigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Björn hat schon wieder eine Kartoffel bekommen“, erklärte Elva.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zog vielsagend die Augenbrauen hoch, während ich Björn ansah. „Na, das wird schon seine Gründe haben“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber wenn er so unartig war, heißt das dann nicht, dass Grýla ihn holen kommt?“, fragte Elva. In ihrer Stimme lag ein leichtes zittern. Nervös sah sie sich im Raum um, als fühle sie sich beobachtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich musste sofort an die Frau von gestern denken. Bemerkte dann aber, wie Elva mich mit großen Augen verängstigt ansah. „Ach Quatsch“, sagte ich schnell. „Darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Grýla holt nur die wirklich unartigen Kinder. Und du kennst deinen Cousin doch!“ Ich wuschelte meinem Sohn durch die Haare.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hab ihn gesehen“, warf Björn leise ein. Es waren die ersten Worte, die er heute sagte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, er spricht!“, scherzte ich. „Wen hast du gesehen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Knirps“, erwiderte er. Ein Wort, das mir für einen Moment die Sprache verschlug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Knirps war der dritte Yule Lad. Er war dafür bekannt, Reste aus Bratpfannen zu kratzen und zu verspeisen – eine Tätigkeit, die in unserem Haus mit wenig Erfolg gekrönt sein dürfte. Immerhin ließ ich nie schmutziges Geschirr stehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wurde mir klar, was Björn da gerade andeutete: Wenn die Yule Lads real seien, wäre Grýla es auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wieso sagte er das? Elva glaubte doch eh noch an die Yule Lads. Wozu musste er ihr dann „beweisen“, dass es sie gab? Hatte er noch mehr Streiche geplant, mit denen er Elva Angst machen wollte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es so war, würde ich ihn jedenfalls nicht damit durchkommen lassen! Ich konnte zwar nicht zugeben, dass die Yule Lads nicht real waren, aber ich konnte dafür sorgen, dass Björn dieses „Spiel“ verlieren würde. Ich würde beweisen, dass er die Kartoffeln selbst in seine Schuhe legte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch am selben Tag erarbeitete ich einen Plan: Ich würde Björn am Abend ein Spielzeug in den Schuh legen – ein kleines Spielzeugauto, das ihm noch in seiner Sammlung fehlte. Eigentlich wollte ich es ihm erst in einigen Tagen schenken, aber das Auto würde er wenigstens nicht essen können, um es durch eine Kartoffel zu ersetzen. Außerdem war er viel zu ungeduldig, um es eine Zeit lang zu verstecken. Ich war mir sicher, ihn bereits morgen in seinem Zimmer damit spielen zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das war noch nicht alles. Es war immer besser, auf mehrere Pferde gleichzeitig zu setzen. Ich würde zusätzlich einen benutzen Holzlöffel ins Wohnzimmer legen. Löffellecker – der Yule Lad, der diese Nacht vorbeikommen würde – könne einen solchen Leckerbissen sicherlich nicht liegen lassen. Und sollte Björn so schlau sein, nach dreckigen Löffeln zu suchen, würde er sicherlich nicht im Wohnzimmer nachsehen … Zumindest dachte ich das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch obwohl ich meinen Plan genau so durchführte, ging er nicht auf. Am nächsten Morgen stand nicht nur Björn wieder mit einer Kartoffel vor mir – von dem Auto fehlte jede Spur –, sondern auch der Löffel im Wohnzimmer war plötzlich sauber, als hätte ein hungriger Yule Lad ihn abgeleckt … oder ein hungriger Björn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war jedoch nicht nur so, dass mein Plan nicht aufging, er ging sogar nach hinten los. Elva erinnerte sich noch gut daran, wie ich meinte, dass die Yule Lads keine Streiche mehr spielen würden. Mit dem Löffel hatte ich jedoch das genaue Gegenteil bewiesen. Und wenn ich mich dabei schon irrte, wieso dann nicht auch bei Grýla …?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also verschob ich meine Prioritäten. Statt weiterhin beweisen zu wollen, dass die Yule Lads uns keine Streiche spielten, entschied ich, Elva von dem Gedanken abzulenken und Björn gleichzeitig davon abzuhalten, sich neuen Unfug auszudenken. Ich bot den beiden an, dass wir heute zusammen Weihnachtsplätzchen backen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn und Elva waren hellauf begeistert. Keine viertel Stunde später standen wir im Wohnzimmer – die Küche war etwas zu klein, um dort zu dritt zu backen –, mixten die Zutaten, kneteten den Teig und alberten herum, während wir Weihnachtslieder über mein Smartphone hörten. Wir waren am Singen, am Backen, am Lachen. Die Welt war wieder in Ordnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wie heißt es so schön? Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Leider begann besagter Abend in Island sehr früh. Zur Weihnachtszeit hatten wir hier gerade einmal vier Stunden Tageslicht. Und sobald die Sonne untergegangen war, begann die Zeit der Yule Lads.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war gerade in der Küche dabei, die noch ungebackenen Plätzchen in den Ofen zu schieben, als ich Elva im Wohnzimmer plötzlich schreien hörte. Erst rief sie irgendetwas Unverständliches, bevor sie bitterlich zu weinen anfing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort stürmte ich zurück ins Wohnzimmer. Elva stand schluchzend am Esstisch, wo sie die Schüssel in der Hand hielt, die ich ihr zum Auskratzen der Teigreste gegeben hatte. Björn hingegen stand daneben und sah etwas hilflos aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist passiert?“, fragte ich erschrocken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich weiß nicht. Es hat an der Tür geklopft. Wir haben nachgesehen und als wir zurück zum Tisch gegangen sind, hat Elva plötzlich angefangen, zu weinen“, erklärte Björn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn ratlos an. Es hatte an der Tür geklopft? Dann wandte ich mich sofort zu Elva. Ich hockte mich vor sie, wo ich beruhigend meine Hände auf ihre Schultern legte. „Elva, Spatz, was ist denn?“, fragte ich ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„I-ich hab die Sch-Schüssel nur kurz wegge-gegestellt und jetzt ist kein Teig mehr drin!“, schluchzte sie mir entgegen. Zur Demonstration zeigte sie mir die leere Teigschüssel. Sie sah aus, als wäre sie hastig leergekratzt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das war bestimmt Topfschaber!“, warf Björn ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fassungslos sah ich ihn an. Das hatte er nicht ernsthaft getan … Er hatte nicht Elva zum Weinen gebracht, nur um so zu tun, als wäre ein dummer Yule Lad hier gewesen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du denkst, dass du einfach so deine Cousine zum Weinen bringen kannst, um die Schuld auf einen Troll zu schieben, dann hast du dich geschnitten, junger Mann. Du gehst jetzt sofort auf dein Zimmer!“, schimpfte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber ich war das nicht! Das war Topfschaber!“, protestierte Björn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaubte ihm kein Wort. Stattdessen zeigte ich in Richtung Tür. „Keine Diskussionen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du bist so doof!“, schrie Björn mich an, als wäre das eine schlimme Beleidigung. Dann rannte er wütend aus dem Wohnzimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz hatte ich Gewissensbisse, doch dann sah ich Elva an, der noch immer Tränen über die Wangen kullerten. Nein! Genug ist genug! Sobald seine Scherze anderen wehtaten, ging er eindeutig zu weit!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So. Wir beide gehen jetzt in die Küche und gucken, wie weit die Plätzchen sind, ja?“, wandte ich mich an Elva.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis sie die leere Teigschüssel wieder vergessen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur Björn schmollte noch den ganzen Abend. Sogar beim Abendessen sprach er kein Wort. Stattdessen aß er eine trockene Scheibe Brot und erlaubte mir nicht einmal, Butter darauf zu schmieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Abend ging ich mit Bauchschmerzen ins Bett. Wenn Björn sich nicht jede Nacht selbst eine Kartoffel in den Schuh legen würde, hätte ich ernsthaft darüber nachgedacht, es selbst zu tun … Aber wem machte ich etwas vor? Das hätte ich niemals übers Herz gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst am nächsten Morgen war Björn weiterhin beleidigt. Er legte seine Kartoffel stumm auf den Küchentisch, ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Auto – als Elva nicht mehr zuhören konnte – stellte ich ihn erneut zur Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach Björn, du musst doch einsehen, dass das gestern zu weit ging. Gegen harmlose Scherze hab ich ja nichts, aber deiner Cousine einfach ihren Teig wegnehmen …?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn starrte schmollend aus dem Fenster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich versteh ja, dass dieses Weihnachten komisch ist, weil Papa und ich uns zerstritten haben“, fuhr ich fort. „Aber ich gebe mir doch wirklich Mühe. Wieso musst du es unnötig kompliziert machen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das tu ich doch gar nicht!“, protestierte Björn. „Ich kann nichts dafür, dass du mir nicht glaubst!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte schwer. „Björn, ich hab in meinem Leben schon 34 Weihnachten miterlebt, und nicht ein einziges Mal hat mir irgendein Yule Lad einen Streich gespielt. Ich weiß, dass es keine Trolle gibt. Was willst du also damit beweisen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Björn gab nicht nach. „Du verstehst es einfach nicht!“, schrie er. Er sprang aus dem Auto, noch ehe ich vollständig vor der Schule zum Stehen gekommen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder seufzte ich schwer. Lag es an mir? Hatte ich irgendetwas falsch gemacht? Vielleicht hätte ich mit ihm mehr über die Trennung reden müssen, damit er es besser verstand …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch daran konnte ich jetzt nichts mehr ändern. Woran ich jedoch etwas ändern konnte, war daran, dass Björn Elva weiter verängstigte – und dafür war heute genau der richtige Tag:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Yule Lad, der heute die Städte und Dörfer besuchen würde, war Essnapflecker. Zugegeben, Essnäpfe wurden nur noch selten benutzt, aber wenn ich Björn und Elva überzeugen konnte, dass er auch leere Teller nach dem Essen sauberlecken würde, könnte es klappen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so wartete ich den gesamten Tag auf das Abendessen – ich war sogar etwas aufgeregt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Suppe auf den tiefen Tellern eignete sich perfekt, um von einem Troll ausgeleckt, oder besser gesagt <em>nicht</em> ausgeleckt zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Darf ich?“, fragte ich Björn, als er aufgegessen hatte. Auf seinem Teller lagen noch die meisten Reste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was soll das werden?“, fragte Björn verwirrt, als ich seinen Teller direkt neben meinen Platz auf den Boden stellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte mir ein triumphierendes Lächeln nicht verkneifen. „Nun … wir wissen doch alle, welcher Yule Lad heute dran ist. Ich denke kaum, dass Essnapflecker sich so einen Leckerbissen entgehen lassen wurde … Zumindest, wenn die Yule Lads dieses Jahr wirklich so aktiv sind, wie du behauptest.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann machte ich jedoch einen entscheidenden Fehler: Ich war zu siegessicher. Ich war so felsenfest davon überzeugt, dass der Teller später noch immer am Boden stehen würde, dass ich ihn kaum noch beachtete. Ich hatte ihn bereits völlig vergessen, als Björn mich nach einem Toilettengang darauf hinwies.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama …“, sagte er zögernd. „Der Teller ist weg …“ Er zeigte auf die Stelle, an die ich den Suppenteller gestellt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überrascht sprang ich auf. Björn hatte recht! Der Teller war verschwunden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie … Wie hast du das gemacht?“, fragte ich halb entsetzt, halb beeindruckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie hatte er es bloß geschafft, die Schüssel unauffällig verschwinden zu lassen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie oft muss ich es denn noch sagen?! Ich habe <em>gar nichts</em> gemacht, das war Essnapflecker!“, antwortete Björn genervt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss gestehen, dass ich Björns Durchhaltevermögen irgendwie bewunderte … Trotzdem hatte ich gehofft, dass ich seinen Spielchen bis morgen ein Ende hätte bereiten können. Denn morgen war wohl der anstrengendste Yule Lad an der Reihe: Türzuschlägen. Was genau er machen soll, muss ich wohl nicht erklären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch weder am Abend, noch am nächsten Morgen – Björn hatte natürlich wieder eine Kartoffel bekommen – bot sich mir eine Gelegenheit, Björn irgendetwas nachzuweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also entschied ich, diesmal zu einem strengeren Mittel zu greifen: Ich erklärte Björn im Auto, dass ich heute keine Tür zuschlagen hören wolle, ansonsten bekäme er keine Weihnachtsgeschenke. Natürlich war das gelogen – die Geschenke hatte ich schon lange besorgt –, aber das musste er ja nicht wissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber Mama, ich bin das wirklich nicht. Ich hab doch gesagt, dass die Yule Lads echt sind!“, sagte er. Er machte einen entsetzten Eindruck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch, wenn ich sofort wieder Gewissensbisse bekam, würde er es sich nach der Drohung zweimal überlegen, ob er eine Tür zuschlagen wollte, um es einem Yule Lad in die Schuhe zu schieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber natürlich hatte ich mir die ganze Sache wieder zu einfach vorgestellt. Denn heute sollte der Tag werden, an dem ich meinen größten Fehler endlich einsah …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfangs war ich noch sehr optimistisch. Nachdem ich am Vormittag recht viel geschafft hatte, bis ich Björn wieder von der Schule abholen musste, herrschte bis Abend noch Stille im Haus – sogar, als die Sonne schon lange untergegangen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Kinder schließlich ins Bett mussten, setzte ich mich zufrieden auf meinen Fernsehsessel und legte die Füße hoch. Sollte jetzt tatsächlich noch eine Tür knallen, hätte Björn ganz schöne Schwierigkeiten, mir zu erklären, warum er nicht im Bett lag. Das würde er sich niemals trauen – nicht nach meiner Drohung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umso überraschter war ich jedoch, als ein lauter Knall mich auf dem Sessel aufschrecken ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war eingenickt, realisierte aber sofort, was geschehen war: Die Wohnzimmertür war geschlossen – und ich schloss die Wohnzimmertür nie! Ein Türstopper hielt sie sogar davon ab, dass sie von alleine zufallen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na warte!“, grummelte ich, während ich zur Tür rannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich sie aufriss, in der Hoffnung, Björn noch wegrennen zu sehen, erwischte ich ihn tatsächlich! Er rannte jedoch nicht weg … Stattdessen kam er zusammen mit Elva aus dem Kinderzimmer. Die beiden sahen müde aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was war das für ein Knall?“, fragte Elva, während sie sich die Augen rieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das war eine Tür, oder? Ich hab doch gesagt, dass die Yule Lads echt sind!“, rief Björn. Er schien sich unsicher zu sein, ob er jetzt beleidigt sein sollte, oder Angst um seine Weihnachtsgeschenke hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Gedanken überschlugen sich. Hatte Björn es tatsächlich in so kurzer Zeit geschafft, die Wohnzimmertür zuzuschlagen und zurück in sein Zimmer zu rennen? Und was war mit Elva? Steckten die beiden unter einer Decke?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ehe ich auch nur darüber nachdenken konnte, wie ich reagieren sollte, erschütterte plötzlich ein zweiter Knall das Haus. Diesmal war es die Küchentür. Sie lag direkt in meinem Blickfeld. Björn und Elva hätten sie also unmöglich zuschlagen können!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was war es dann? Ein Einbrecher? Erlaubte sich irgendein Fremder einen Spaß mit uns? Hatte er auch die Kartoffeln in Björns Schuh gelegt? Oder waren es doch die Yule Lads? Aber das konnte nicht sein … oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich Björn und Elva angedeutet hatte, zurückzubleiben, ging ich zur Küchentür. Mit zittriger Hand griff ich nach der Klinke. Dann stieß ich die Tür mit einem Ruck auf, während ich nach hinten sprang, um etwas Abstand zu dem potentiellen Einbrecher zu gewinnen … doch die Küche war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig trat ich in den kleinen Raum. Ich spähte hinter die Tür, dann in den Kühlschrank – die einzigen Orte, an denen genug Platz war, dass sich jemand dort verstecken konnte. Aber da war niemand. Und die Fenster waren geschlossen. Es konnte also auch kein Durchzug gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem leichten Schwindelgefühl trat ich in den Flur zurück. Ungläubig starrte ich die Kinder an, während ich gerade noch sehen konnte, dass die Tür hinter ihnen mit voller Wucht zu gedonnert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elva erschreckte sich so doll, dass sie weinend zu mir rannte und sich fest an meinen Oberschenkel presste. Und auch Björn machte panisch einen Satz von der Tür weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen zuckte nicht einmal zusammen. Es kam mir vor, als würde ich die Welt durch einen Schleier beobachten. Sämtliche Geräusche kamen mir dumpf vor, während ich versuchte, die Situation zu verarbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule Lads waren real. Sie waren es schon immer gewesen. Björn hatte die Wahrheit gesagt: Er hatte sich die Kartoffeln wirklich nicht selbst in die Schuhe gelegt. Ich hatte ihn zu unrecht beschuldigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann traf mich eine Erkenntnis, die noch viel schlimmer war: Wenn die Yule Lads real waren, war es Grýla auch – und sie schien der Meinung zu sein, dass Björn ziemlich unartig war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Den zweiten Teil dieser Geschichte findet ihr <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gryla#Die_Geschichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>.</em></p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule Lads, eigentlich Jólasveinar (Isländisch für „Weihnachtsjungs“), sind die 13 Söhne der Trollfrau Grýla. Sie suchen zur Weihnachtszeit die Menschen heim, um allerlei Schabernack zu treiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie beginnen ab dem 12. Dezember einer nach dem anderen Nacht für Nacht aufzutauchen und bleiben je 13 Nächte, sodass am 6. Januar der letzte von ihnen wieder verschwunden ist. Am 24. Dezember sind daher alle 13 Yule Lads versammelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule Lads wurden früher als besonders hässliche und unansehnliche Wesen beschrieben. Mit der Zeit – als sie Stück für Stück verharmlost wurden – sind sie jedoch deutlich freundlicher und ansehnlicher geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage werden die Yule Lads fast ausschließlich als zwergenhaft mit langen grauen oder weißen Bärten und Haaren dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Kleidung tragen sie häufig traditionelle isländische Kleidung und eine Zipfelmütze.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage sind die Yule Lads hauptsächlich dafür bekannt, artigen Kindern zwischen dem 12. und 24. Dezember Süßigkeiten, Spielzeug oder andere Kleinigkeiten in die Schuhe zu legen, während sie unartigen Kindern Kartoffeln – manchmal sogar schimmlige Kartoffeln – in die Schuhe legen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist in Island Tradition, dass die Kinder in der Vorweihnachtszeit ihre Schuhe über Nacht auf die Fensterbank stellen, woraufhin die Eltern heimlich eine Kleinigkeit in die Schuhe legen. Dass Eltern ihren Kindern Kartoffeln in die Schuhe legen, passiert jedoch eher selten und auch nur, wenn sie ihnen eine Lektion erteilen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders in früheren Zeiten waren die Yule Lads jedoch weniger freundlich. Sie waren für bösartige Streiche bekannt, die häufig zu ihrem Namen passten – aber auch heute noch sollen sie für ihre harmloseren Streiche bekannt sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die 13 Yule Lads:</h3>



<h4 class="wp-block-heading">Stekkjastaur (12. bis 25. Dezember):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-stekkjastaur.png" alt="" class="wp-image-1977" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-stekkjastaur.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-stekkjastaur-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-stekkjastaur-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-stekkjastaur-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Stekkjastaur (isländisch für „Schafhürden-Trampel“; im Deutschen meist „Pferchpfosten“ oder „Schafschreck“ genannt) ist der erste Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schafschreck ist dafür bekannt, des Nachts Schafe zu erschrecken, soll aber einen sehr steifen und unbeweglichen Körper haben. Es heißt, dass er gerne an den Zitzen der Mutterschafe saugen würde, es wegen seiner steifen Knie jedoch nicht schaffe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h4 class="wp-block-heading">Giljagaur (13. bis 26. Dezember):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-giljagaur.png" alt="Auf dem Bild ist Giljagaur, der zweite der Yule Lads, zu sehen. Er guckt aus einem Loch oder Graben hervor, sodass man nur seinen Kopf mit der großen, runden Nase und dem grauen Bart sieht. Außerdem hält er ein Fernglas an seine Augen, durch das er die Betrachtenden ansieht. In klassichem Cartoon-Stil wirken seine Augen dadurch sehr groß. Als Kleidung trägt er eine graue Zipfelmütze, deren Zipfel stark herunterhängt, und ein langärmlges, weinrotes Oberteil." class="wp-image-1978" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-giljagaur.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-giljagaur-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-giljagaur-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-giljagaur-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Giljagaur (isländisch für „Schluchten-Gaffer“; im Deutschen meist „Schaumschuft“ oder „Schluchtenkobold“ genannt) ist der zweite Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schluchtenkobold soll sich in Schluchten verstecken, bis er sich in den Kuhstall schleichen kann. Dort soll er – so heißt es – entweder die Milch der Kühe trinken oder den Schaum von der bereits gemolkenen Milch absaugen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Stúfur (14. bis 27. Dezember):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-stufur.png" alt="Auf dem Bild ist Stúfur zu sehen, der dritte der Yule Lads. Er ist vergleichsweise klein, gat einen fast weißen, langen Bart und hält mit beiden Händen ine Bratpfanne fest umklammert, die er nahe an sein Gesicht hält. Als Kleidung trägt er eine kurze braune Zipfelmütze, eine dunkelblaue Jacke mit silbernen Knopfen, eine dunkelgraue Hose und schwarze Schuhe." class="wp-image-1986" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-stufur.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-stufur-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-stufur-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-stufur-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Stúfur (isländisch für „Knirps“; im Deutschen auch „der Kurze“ genannt) ist der dritte Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Knirps soll – wie der Name schon sagt – sehr klein sein. Außerdem soll er nicht gewaschene Bratpfannen stehlen, um die Essensreste von ihnen herunterzukratzen und zu verspeisen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Þvörusleikir (15. bis 28. Dezember):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-THvoerusleikir.png" alt="Auf dem Bild ist Þvörusleikir, der vierte der Yule Lads, zu sehen. Man sieht ihn von der Seite, wie er auf Zehenspitzen steht und an einem dreckigen Holzlöffel leckt, den er mit beiden Händen festhält. Wie auch die anderen Yule Lads hat er eine große Nase, graue Haare und einen langen, grauen Bart. Seine dunkelgraue lange Zipfelmütze steht aufrecht auf seinem Kopf. Als Kleidung trägt er eine rote Jacke, die seinen dünnen Körper betont, und eine graue Hose mit Hosenträgern, die ihm etwas zu weit ist." class="wp-image-1995" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-THvoerusleikir.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-THvoerusleikir-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-THvoerusleikir-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-THvoerusleikir-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Þvörusleikir (isländisch für „Kochlöffellecker“; im Deutschen auch „Löffellecker“ genannt) ist der vierte Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Löffellecker soll ungewaschene, hölzerne Kochlöffel – in neueren Erzählungen auch andere ungewaschene Löffel – stehlen und die Reste von ihnen ablecken. Außerdem heißt es, dass er wegen Unterernährung sehr dünn sei.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Pottaskefill (16. bis 29. Dezember):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-pottaskefill.png" alt="Auf dem Bild ist Pottaskefill - der fünfte Yule Lad - zu sehen. Er trägt eine graugrüne Zipfelmütze, hat ein etwas grimmiges Gesicht und einen langen grauen Bart. Um den Hals trägt er ein rotes Halstuch. Ansonsten hat er ein hellgraues Hemd, eine grüne Weste mit zwei Knopfreihen, eine graue Hose und schwarze Schuhe an. Die Beine hat er um einen großen metallenen Kochtopf geschlungen. Vor seinen Mund hält er seinen linken Zeigefinger, an dem etwas Eintopfähnliches klebt." class="wp-image-2002" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-pottaskefill.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-pottaskefill-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-pottaskefill-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-pottaskefill-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Pottaskefill (isländisch für „Topfschaber“; im Deutschen auch Kesselkratzer genannt) ist der fünfte Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Topfschaber soll – besonders früher –, wenn Eltern ihren Kindern erlaubt haben, die Essensreste aus den Kochtöpfen zu kratzen, an der Tür geklopft haben. Wenn die Kinder hingegangen sind, um nachzusehen, ob dort jemand sei, soll er sich heimlich den Topf geschnappt und ihn selbst ausgekratzt haben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Askasleikir (17. bis 30. Dezember):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-askasleikir.png" alt="Das Bild zegt den sechsten Yule Lad: Askasleikir. Er steht den Betrachtenden frontal gegenüber, während er sein Gesicht in einen seltsamen Holztopf mit aufgeklapptem Deckel - einem Askur - versenkt, als würde er ihn auslecken. Ein wenig von dem eintopfartigen Inhalt läuft seinen langen grauen Bart hinunter. Als Kleidung trägt er eine Weste aus grau-braunem Fell, ein graues T-Shirt, eine braune Hose und schwarze Schuhe." class="wp-image-2004" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-askasleikir.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-askasleikir-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-askasleikir-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-askasleikir-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Askasleikir (isländisch für „Essnapflecker“) ist der sechste Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher hatte jedes Familienmitglied in Island einen eigenen hölzernen Essnapf mit Deckel – einen sogenannten Askur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Essnapflecker soll sich unter einem Bett versteckt haben, bis eines der Familienmitglieder die Reste aus seinem Askur für den Hund oder die Katze auf den Boden gestellt hat. Dann soll er aus seinem Versteck geflitzt sein und den Askur an sich gerissen haben, um die Reste daraus selbst herauszulecken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hurðaskellir (18. bis 31. Dezember):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-hurdaskellir.png" alt="Das Bild zeigt Hurðaskellir, den siebten Yule Lad. Er steht hinter einer geöffneten Holztür mit eisernem Türknauf und hält Tür und Rahmen mit seinen Händen fest, als wolle er jeden Momenr die Tür zuschlagen. Sein Gesicht sieht dabei sehr grimmig aus. Passend dazu hat er einen nach unten hin zackig geformten, fast weißen Bart. Als Kleidung trägt er eine rote Zipfelmütze, ein hellbraunes Oberteil, eine graubraune Hose und schwarze Schuhe." class="wp-image-2008" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-hurdaskellir.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-hurdaskellir-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-hurdaskellir-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-hurdaskellir-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Hurðaskellir (isländisch für „Türzuschläger“) ist der siebte Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Türzuschläger könnte der wohl angsteinflößendste Yule Lad sein. Er soll des Abends durch das Haus gerannt sein und offene Türen zugeschlagen haben, um die Bewohner zu wecken und zu erschrecken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Skyrgámur (19. Dezember bis 01. Januar):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-skyrgamur.png" alt="Auf dem Bild ist Hurðaskellir zu sehen, der achte Yule Lad. Er liegt am Boden und hat die Augen geschlossen. Mit seiner linken Hand hält er seinen kugelrunden Bauch fest, der so vollgefressen ist, dass sein blauer Pullover und seine graue Hose ihn nicht mehr vollständig bedecken können. Außerdem hat er einen grauen Bart und eine lange grau-blaue Zipfelmütze, deren Zipfel am Boden liegt." class="wp-image-2009" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-skyrgamur.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-skyrgamur-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-skyrgamur-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-skyrgamur-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Skyrgámur (isländisch für „Skyr-Gierschlund“, im Deutschen meist „Quarkgierschlund“ genannt) ist der achte Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Skyr ist eine beliebte, isländische Quarkspeise. Es wurde früher in großen Gefäßen hergestellt. Der Quarkgierschlund soll diese Skyr-Gefäße nachts geplündert haben. Er hat angeblich so viel Skyr gegessen, dass er kurz vorm Platzen war.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Bjúgnakrækir (20. Dezember bis 02. Januar):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-bjugnakraekir.png" alt="Auf dem Bild ist der neunte Yule Lad zu sehen: Bjúgnakrækir. Er rennt durch das Bild, während er seine linke Hand nach oben streckt, in der er einen Strang Würstchen hält. Das Ende seines grauen Bartes ist in einen Zopf gebunden. Als Kleidung trägt er eine graue Mütze, ein rotes Halstuch, ein braunes Oberteil, eine graue Hose und schwarze Schuhe." class="wp-image-2014" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-bjugnakraekir.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-bjugnakraekir-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-bjugnakraekir-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-bjugnakraekir-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Bjúgnakrækir (isländisch für „Wurststibitzer“) ist der neunte Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher – als viele Familien noch selbst Würstchen in ihren Häusern geräuchert haben – war der Wurststibitzer dafür bekannt, die Würstchen zu stehlen und zu essen, die gerade geräuchert wurden. Heutzutage wird es häufig so interpretiert, dass er auch andere Würstchen stehle.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gluggagægir (21. Dezember bis 03. Januar):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-gluggagaegir.png" alt="Das Bild zeigt Gluggagægir, den zehnten Yule Lad. Man sieht ihn von hinten, wie er vor einem Fenster steht und in ein Haus schaut. Er hat dabei seine Hände an das Gesicht gehoben, um besser sehen zu können. Als Kleidung trägt er eine graugrüne Zipfelmütze mit hängendem Zipfe, eine grüne Weste, ein weißes Hemd, eine braune Hose und schwarze Schuhe." class="wp-image-2024" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-gluggagaegir.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-gluggagaegir-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-gluggagaegir-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-gluggagaegir-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Gluggagægir (isländisch für „Fensterglotzer“) ist der zehnte Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fensterglotzer soll nachts um das Haus geschlichen sein, um durch die Fenster hineinzublicken, bis er etwas gefunden hat, das ihm gefällt. Später in der Nacht soll er dann versucht haben, den Gegenstand zu stehlen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gáttaþefur (22. Dezember bis 04. Januar):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-gattathefur.png" alt="Das Bild zeigt den Yule Lad Gáttaþefur. Man sieht ihn von der Seite, wie er die Augen geschlossen hält, aufrecht steht und seine große Nase schnuppernd in die Luft reckt. Als Kleidung trägt er eine gelbbraune Zipfelmütze mit hochstehendem Zipfel, eine gelbe Jacke mit Knöpfen, eine graue Hose und schwarze Schuhe. Wie auch die anderen Yule Lads hat er einen grauen Bart." class="wp-image-2028" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-gattathefur.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-gattathefur-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-gattathefur-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-gattathefur-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Gáttaþefur (im Deutschen meist „Türspaltschnüffler“ genannt) ist der elfte Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Türspaltenschnüffler soll eine sehr große und empfindliche Nase haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er soll damit an Türen geschnüffelt haben, um herauszufinden, in welchen Zimmern sich Laufabrauð (zu deutsch etwa „Laubbrot“), ein traditionelles isländisches Weihnachtsgebäck, befindet. Anschließend soll er geräuschlos dorthin gerannt sein und das Laufabrauð gestohlen haben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ketkrókur (23. Dezember bis 05. Januar):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-ketkrokur.png" alt="Auf dem Bild ist der Yule Lad Ketkrókur zu sehen, wie er in der einen Hand eine große Fleischkeule und in der anderen einen Metallhaken an einem langen Holzstab hält. Sein faltiges Gesicht ist halb von einem grauen Vollbart verhüllt. Er trägt eine braune Zipfelmütze, eine rote Jacke mit zwei Knopfreihen, eine graue Hose und schwarze Schuhe." class="wp-image-2034" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-ketkrokur.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-ketkrokur-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-ketkrokur-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-ketkrokur-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Ketkrókur (isländisch für „Fleischhaken“; im Deutschen meist „Fleischkraller“ genannt) ist der zwölfte Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fleischkraller war besonders dafür bekannt, mit einem Haken Fleisch durch die Schornsteine zu klauen, da früher häufig Fleisch über den Kamin gehängt wurde, um es zu trocknen. In moderneren Versionen, soll er aber auch versuchen, anderes Fleisch zu stehlen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kertasníkir (24. Dezember bis 06. Januar):</h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-kertasnikir.png" alt="Das Bild zeigt den Yule Lad Kertasníkir. Er sieht aus wie ein kleiner Mann mit grauen Haaren und fluffigem grauen Bart. In einer Hand hält er eine grau-blaue Zipfelmütze, aus der mehrere Kerzen hervorragen. In der anderen Hand hält er zwei weiße Kerzen, die er sich vor die Brust hält. Als Kleidung trägt er eine flauschige graue Weste, ein beiges Hemd, eine braune Hose und schwarze Schuhe." class="wp-image-2039" width="165" height="165" srcset="https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-kertasnikir.png 600w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-kertasnikir-300x300.png 300w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-kertasnikir-150x150.png 150w, https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2021/12/yule-lads-kertasnikir-120x120.png 120w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Kertasníkir (isländisch für „Kerzenschnorrer“) ist der dreizehnte und letzte Yule Lad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kerzenschnorrer soll Kinder verfolgt haben, die mit Kerzen in der Hand über den Hof oder durch das Haus gegangen sind, um ihre Kerzen zu stehlen und – da sie früher häufig aus Talg bestanden – zu essen. Das war besonders unheimlich, als Kerzen früher oft die einzige Lichtquelle waren, sodass er die Kinder in völliger Dunkelheit zurückließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem es Taschenlampen und strombetriebenes Licht gibt, ist der Kerzenschnorrer deutlich weniger unheimlich geworden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der Zeit, in der die Yule Lads nicht aktiv sind, leben sie bei ihren Eltern Grýla und Leppalúði in einer Höhle in den Bergen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald sie aktiv werden, sind sie je für 13 Nächte in den Dörfern und Städten zu finden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich gab es deutlich mehr Yule Lads, als heutzutage – 82 um genau zu sein. Leider habe ich nicht viel über die „fehlenden“ Yule Lads herausfinden können, außer, dass sie sehr viel grausamer und teilweise gefährlicher als die heutigen Yule Lads waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Yule Lads jedoch deutlich verharmlost und sind in der Zahl geschrumpft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das 1932 veröffentlichte Gedicht „Jólasveinarnir“ von Jóhannes úr Kötlum handelte schließlich nur noch von 13 Yule Lads und ihren recht harmlosen Streichen. Das Gedicht war so beliebt, dass die 13 darin erwähnten Yule Lads schließlich zum heutigen Standard wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen werden die Yule Lads, wegen ihrer Angewohnheit, den Kindern kleine Geschenke in die Schuhe zu legen, häufig auch als isländische Weihnachtsmänner bezeichnet.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Yule Lads? Mögt ihr die Weihnachtstradition? Und wie findet ihr es, dass ich die Geschichte auf mehrere Blogbeiträge verteile? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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