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	<title>bayrische Legende Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Krampus – Er bestraft die Unartigen! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Krampus legte seinen Kopf in den Nacken und schnupperte. Er sah aus wie ein Hund, der seine Beute witterte. Wolken aus Dampf stiegen aus seinen Nasenlöchern. Dann wandte er seinen Kopf in meine Richtung. Im schwachen Licht konnte ich sehen, wie seine gelben Augen aufblitzten, während sie mich fixierten …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/krampus">Krampus – Er bestraft die Unartigen! (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p>Krampus war eine der ersten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtslegenden</a>, über die ich geschrieben habe. Daher dachte ich, es wäre eine gute Idee, den Text zu überarbeiten/neuzuschreiben. Gerade bei dieser Geschichte konnte ich sehr gut meine Fortschritte sehen, die ich über die Jahre gemacht habe. Ich hoffe, die neue Version gefällt euch genauso gut wie mir.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Der Winter war hereingebrochen. Seit zwei Tagen schneite es unablässig in unserer kleinen Stadt. Das perfekte Wetter für einen Weihnachtsmarkt.</p>



<p>Aus allen Ecken funkelte, glänzte und blitzte bunte Weihnachtsbeleuchtung. Verschiedenste Weihnachtslieder schallten aus allen Richtungen – von Last Christmas über Fröhliche Weihnacht bis hin zur Weihnachtsbäckerei. Und ich war mittendrin.</p>



<p>Ich war jedoch kein einfacher Besucher. Heute war der 5. Dezember: Krampusnacht. Und dieses Jahr war ich einer der Krampusse.</p>



<p>Ich stand da und genoss den Geruch von Glühwein, süßem Weihnachtsgebäck und einer leichten Zimtnote, als mich eine Rute am Rücken traf.</p>



<p>„Was ist, willst du nicht mitmachen?“, rief mir ein anderer Krampus entgegen. An seinem Kostüm konnte ich einen Zettel mit der Nummer 15 erkennen, aber auch ohne hätte ich meinen besten Freund Philip natürlich sofort erkannt.</p>



<p>Als Antwort stieß ich mein furchteinflößendstes Gebrüll aus, ehe ich ihm in die Menschenmenge nachstürzte.</p>



<p>Falls ihr die Tradition noch nicht kennt: Bei einem Krampuslauf verkleideten sich die Teilnehmer als Krampus. Sie zogen durch die Straßen und über die Weihnachtsmärkte, jagten Passanten einen Schrecken ein und drohten scherzhaft mit ihrer Rute. Manchmal schlugen wir auch sanft zu. Aber auch dabei versuchten wir, niemandem wirklich wehzutun.</p>



<p>Klar, manchmal gab es auch Leute, die zu weit gingen und zum Beispiel wirklich fest mit ihren Ruten zuschlugen – da ging der eine oder andere unschuldige Bürger auch mal mit einem blauen Fleck nach Hause –, aber seit jeder Krampus eine eigene Nummer sichtbar tragen musste, war die Kriminalitätsrate unter uns Krampussen deutlich zurückgegangen.</p>



<p>Ich rannte also über den Weihnachtsmarkt, schrie Passanten an und drohte ihnen mit meiner Rute. Mit einem Schmunzeln musste ich mit ansehen, wie sich ein Kind bei meinem Anblick enger an seine Mama drückte. Das hätte ich sein können. Früher hatte ich auch Angst vor den Krampussen.</p>



<p>Dabei hatte ich als Kind nur selten einen Grund dafür gehabt – zumindest, wenn man nach der Sagengestalt ging, die unartige Kinder bestraft. Ich war nämlich eines der bravsten Kinder gewesen, die ich kannte.</p>



<p>Heutzutage sah das ein wenig anders aus. Erst letzte Woche hatte ich das Portemonnaie von Frau Keller auf der Straße gefunden, in dem noch über 200 Euro steckten. Das Portemonnaie hatte ich noch am selben Tag in ihren Briefkasten geworfen – selbstverständlich ohne Geld. Immerhin hatte Frau Keller nun wirklich mehr als genug davon. Wahrscheinlich wusste sie nicht einmal mehr, wie viel Geld sie dabeigehabt hatte. Ich hingegen würde mir davon, zusammen mit meinem Ersparten und dem Weihnachtsgeld, endlich eine Playstation 5 kaufen können.</p>



<p>Mit einem breiten Grinsen auf den Lippen rannte ich weiter über den Marktplatz. Ich brüllte, schrie und lachte.</p>



<p>Das war genau der Moment, als ich ihn zum ersten Mal hörte: Ein markerschütterndes Gebrüll hallte über den Marktplatz. Es war unglaublich tief und lauter als ein normaler Mensch brüllen konnte. Wahrscheinlich hatte der Verursacher einen Lautsprecher genutzt.</p>



<p>Als ich mich umsah, merkte ich, dass ich nicht der Einzige war, der in seiner Bewegung innegehalten hatte. Die meisten Leute sahen sich verwirrt um, versuchten, den Ursprung des Lärms auszumachen. Einige von ihnen sahen mich an. Ich hingegen blickte zu einem anderen Krampus. Er stand abseits vom Markt und der Menschenmenge auf der gegenüberliegenden Straßenseite.</p>



<p>Neugierig ging ich näher. Sein Kostüm war unfassbar gut gemacht. Das Fell war speckig und schwarz, seine langen klauenartigen Fingernägel glänzten dunkel und auch die vier langen Hörner, die seine realitätsnahe Maske mit den gelben Augen krönten, wirkten, als wären sie ihm tatsächlich aus dem Kopf gewachsen.</p>



<p>Er stand da und schlug sich mit seiner Birkenrute immer wieder langsam in die freie Handfläche, während er mich direkt ansah. Die meisten hätten das wohl als Drohung empfunden, ich hingegen ging auf direktem Weg auf ihn zu.</p>



<p>Ich sah, wie sein Kuhschwanz hin und her schwang, als sei er lebendig. Kurz war ich sogar der Meinung seine Lippen, hinter denen sich spitze Zähne zeigten, zucken zu sehen.</p>



<p>Als ich die Straße erreichte, blieb ich jedoch stehen. Nicht, weil bedrohlicher Dampf aus seinen Nasenlöchern stieg. Auch nicht wegen der supergruseligen Kontaktlinsen mit den viereckigen Pupillen. Nein. Mir war aufgefallen, dass er nirgends am Körper eine Kennnummer trug.</p>



<p>„Du hast deine Nummer vergessen!“, rief ich ihm zu, während ich auf das mit der Nummer 16 bedruckte Papier an meiner Brust deutete.</p>



<p>Er zeigte keine Reaktion.</p>



<p>„Als Krampus musst du eine Nummer tragen!“, rief ich erneut, für den Fall, dass er mich nicht verstanden hatte.</p>



<p>Aber nichts. Er stand nur da und schlug mit der Rute weiter in seine Handfläche, während er mir direkt in die Augen starrte.</p>



<p>‚<em>Komischer Typ</em>‘, dachte ich. Vielleicht hatte er die Nummer ja absichtlich weggelassen. Anstatt also weiter auf ihn zuzugehen, drehte ich wieder um. Ich stürzte mich zurück in die Menschenmenge. Sollte der Typ ein Unruhestifter sein, hatte ich jedenfalls keine Lust, dass er seinen ersten Streit des Abends mit mir anfing.</p>



<p>Schnell war ich wieder dabei, Leute zu erschrecken, mit den Kindern herumzualbern und mit dem ein oder anderen bekannten Gesicht ein Gespräch anzufangen. Ein Freund meiner Eltern spendierte mir sogar einen Glühwein. Ich blieb einige Minuten bei ihm, während ich noch eine zweite und eine dritte Tasse trank, ehe ich mich wieder unter die Leute mischte.</p>



<p>An den nummerlosen Krampus mit dem verdammt guten Kostüm verschwendete ich keine Gedanken mehr. Jedenfalls so lange nicht, bis ich ihn wiedersah. Er stand am Rand des Weihnachtsmarktes, in einer dunklen Ecke neben einem geschlossenen Stand. Wie auch vorhin war sein Blick stur auf mich gerichtet, während er seelenruhig mit seiner Rute in seine freie Handfläche schlug. Wohin ich mich auch bewegte, seine gelben Augen folgten mir bei jedem Schritt. Verfolgte er mich? Wollte er mir drohen?</p>



<p>Obwohl ich sofort wieder in der Menschenmenge untertauchte, hatte ich ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Irgendetwas fühlte sich falsch an. So sehr ich auch versuchte, weiter über den Marktplatz zu laufen und Leute zu erschrecken, es machte keinen Spaß mehr. Der Idiot hatte mir meinen Abend gehörig verdorben.</p>



<p>Also entschloss ich, heute früher nach Hause zu gehen. Vorher ging ich aber in das Toilettenhäuschen, um mich umzuziehen. Ich hatte die Hoffnung, dass der Krampus mich in Zivil nicht mehr erkennen würde. Lediglich meine Butte – der große Korb, in dem Krampus angeblich die Kinder entführte und der jetzt als Versteck für mein Kostüm diente – hatte ich weiterhin auf dem Rücken.</p>



<p>Nachdem ich das Toilettenhäuschen wieder verlassen hatte, machte ich mich sofort auf den Nachhauseweg.</p>



<p>Unser Haus lag am Stadtrand. Wenn ich an das kurze Waldstück dachte, durch das ich gleich noch gehen musste, wurde mir sofort wieder mulmig zu Mute. Aber zum Glück war die Straße gut beleuchtet, und es war wirklich auch nur ein sehr kurzes Stück.</p>



<p>Die dünne Eisschicht, die sich unter dem Schnee gebildet hatte, knackte und knirschte bei jedem meiner Schritte. Mit eingezogenem Kopf lauschte ich dem leisen Echo zwischen den Bäumen, während ich mit den Händen in den Taschen über die Straße ging. Ich rannte nicht, aber ich hatte einen schnellen Gang eingelegt.</p>



<p>Als ich den Waldweg bereits zur Hälfte hinter mir gelassen hatte, mischte sich plötzlich ein beißender Geruch unter die geruchslose Kälte des Winters.</p>



<p>Verwundert blieb ich stehen. Es war eine Mischung aus Rauch und verfaulten Eiern. Als hätte man eine der Stinkbomben angezündet, die man im Scherzartikelladen der Stadt finden konnte.</p>



<p>Als ich den Kopf zur Seite drehte, zuckte ich erschrocken zusammen. Dort stand jemand zwischen den Bäumen. Was mich jedoch noch viel mehr erschreckte, waren die vier Hörner, die sich auf dem Kopf der Silhouette abzeichneten. Das war der Krampus vom Weihnachtsmarkt!</p>



<p>„Was wollen Sie von mir?“, rief ich in die Dunkelheit. „Wieso verfolgen Sie mich?“</p>



<p>Ich hörte ein verächtliches Schnaufen. „Jonathan Schalk“, rief die Gestalt mir entgegen. „Du warst unartig!“</p>



<p>Seine Stimme war wie ein Grollen, das durch den Wald donnerte. Aber was noch viel schlimmer war: Er kannte meinen Namen. Er hatte es also tatsächlich auf mich abgesehen. Nur … wer versteckte sich unter dem Kostüm?</p>



<p>Im nächsten Moment gab der Krampus ein Brüllen von sich. Es war so laut, dass ich mir fast die Ohren zugehalten hätte. Außerdem klang es alles andere als menschlich. Eher wie ein wütendes Tier. Jetzt fixierten mich wieder seine ziegenartigen Augen.</p>



<p>Während ich es bis eben noch geschafft hatte, einigermaßen cool zu bleiben, gab ich jetzt ein Quieken von mir, während ich mich umdrehte und in die entgegengesetzte Richtung in den Wald sprintete.</p>



<p>Mir gefiel die Idee nicht, in den dunklen Wald zu rennen, aber sie war immer noch besser, als herauszufinden, was der Typ von mir wollte.</p>



<p>Schwere Schritte verfolgten mich. Ich mochte es mir einbilden, aber kam mir vor, als würde bei jedem seiner Schritte die Erde erzittern.</p>



<p>Zum Glück kannte ich mich im Wald bestens aus. Ich hatte hier schon gespielt, als ich noch ein kleines Kind war. Und selbst jetzt, wo der Schnee der einzige Grund war, dass ich überhaupt noch etwas sah, erkannte ich gelegentlich Orte wieder, an denen ich mich orientieren konnte.</p>



<p>Trotzdem war es nicht einfach, sich in der Dunkelheit zurechtzufinden. Immer wieder rannte ich durch Äste, die sich in meiner Kleidung verhedderten oder mir schmerzhaft durch mein eisiges Gesicht kratzten. Einmal rannte ich sogar gegen einen Baumstamm, den ich zu spät gesehen hatte.</p>



<p>Ich ließ mich davon nicht beirren. Immer, wenn ich wusste, wo ich war, wechselte ich die Richtung, um meinen Verfolger abzuschütteln. Langsam, aber sicher entfernten sich die schweren Schritte hinter mir, bis ich sie schließlich überhaupt nicht mehr hören konnte. Völlig außer Atem duckte ich mich an die Wurzel eines umgestürzten Baumes und verschmolz mit der Dunkelheit – so hoffte ich zumindest.</p>



<p>Nach Luft ringend hockte ich da, während ich wartete. Ich achtete auf jedes Geräusch. Aber mein schneller Atem und der Wind, der durch die Bäume pfiff, machten es mir nicht gerade leicht. Ab und an hörte ich dumpfe Geräusche, aber ich hatte keine Ahnung, ob sie von dem Krampus kamen, oder von etwas anderem.</p>



<p>Auch zitterte ich inzwischen am ganzen Körper. Ich war völlig durchgefroren, musste meine Zähne fest aufeinanderpressen, damit sie nicht klapperten.</p>



<p>Sollte ich mein Versteck verlassen? Ich wusste genau, in welche Richtung die Straße lag. Wenn ich mich beeilte, konnte ich in fünf Minuten zuhause sein.</p>



<p>Dann jedoch hörte ich wieder das schwere Stapfen im Schnee. Noch war es weit entfernt, aber es kam schnell näher.</p>



<p>Sollte ich wieder weglaufen? Aber nein. Mein Versteck war gut. Im Schatten der Baumwurzel dürfte es nahezu unmöglich sein, mich zu sehen. Ich würde einfach nur warten müssen, bis der Krampus an mir vorbeigegangen war.</p>



<p>‚<em>Stapf, stapf, stapf</em>‘, kamen seine Schritte unaufhaltsam näher. Auch stieg mir jetzt wieder der Gestank nach verfaulten Eiern in die Nase. Was war das für ein Zeug? War das irgendeine Art Parfüm? Oder hatte der Typ sich wirklich eine der Stinkbomben irgendwo unters Kostüm geklemmt?</p>



<p>Ich konnte nicht anders, als den Krampus für seine Bemühungen zu bewundern. Hätte es einen Kostümwettbewerb gegeben, hätte er ihn jedenfalls gewonnen.</p>



<p>Meine Bewunderung verschwand jedoch schlagartig, als der Typ in mein Sichtfeld kam. Wenige Meter vor mir blieb er stehen.</p>



<p>Während mein Herz einen Hüpfer machte, zwang ich mich, möglichst flach zu atmen. Auf keinen Fall wollte ich ihn jetzt auf mich aufmerksam machen.</p>



<p>Der Krampus legte seinen Kopf in den Nacken und schnupperte. Er sah aus wie ein Hund, der seine Beute witterte. Wolken aus Dampf stiegen aus seinen Nasenlöchern. Dann wandte er seinen Kopf in meine Richtung. Im schwachen Licht konnte ich sehen, wie seine gelben Augen aufblitzten, während sie mich fixierten.</p>



<p>Er setzte sich wieder in Bewegung. Ehe ich auch nur daran denken konnte, aufzustehen, stand er auch schon vor mir.</p>



<p>„Du warst unartig“, donnerte seine Stimme mir erneut entgegen. Er holte mit seiner Weidenrute zum Schlag aus.</p>



<p>Ich schaffte es gerade noch, meine Arme schützend vor mein Gesicht zu reißen, da zuckte auch schon ein Schmerz durch meinen rechten Unterarm. Der Krampus hatte eine unglaubliche Kraft. Trotz Jacke spürte ich jeden einzelnen Weidenstrang, während die Rute mit voller Wucht auf meinen Arm klatschte.</p>



<p>Ich war unartig? Worauf wollte er hinaus? Was konnte er gesehen haben?</p>



<p>„Wenn Sie den Glühwein meinen, ich bin schon 16!“, schrie ich panisch. „Ich weiß, ich bin klein für mein Alter, aber …“</p>



<p>„Nein!“, brüllte er mir entgegen. Wut schwang in seiner Stimme mit, während er bereits zum zweiten Schlag ausholte.</p>



<p>Panisch drehte ich ihm den Rücken zu. Aber das bot ihm nur noch mehr Angriffsfläche. Ich konnte förmlich spüren, wie sich rote Striemen auf meiner Haut bildeten, als sein zweiter Schlag mich traf.</p>



<p>Natürlich war es nicht der Glühwein. Er kannte meinen Namen. Sicherlich wusste er, dass ich 16 war. Aber was meinte er dann? Hatte er mich auf dem Schulhof gesehen? Mit Philip und den anderen?</p>



<p>„Ich hab an dem Joint nur ein einziges Mal gezogen!“, wimmerte ich. „Es hat mir nicht einmal gefallen!“</p>



<p>Doch auch damit wollte er sich nicht zufriedengeben. „Du weißt genau, was ich meine!“, keifte er. Dann traf mich auch schon der nächste Schlag am Rücken.</p>



<p>Meinte er etwa das Portemonnaie? Aber nein, davon konnte er nichts wissen. Niemand wusste davon. Nicht einmal Philip.</p>



<p>Ein erneuter Schlag ließ mich aufjaulen. „Okay okay. Ich geb ihr das Geld zurück!“, kreischte ich panisch. Inzwischen liefen mir Tränen über die Wangen.</p>



<p>Ein Knurren ertönte. Ich traute mich jedoch nicht, aufzusehen.</p>



<p>Mein Herz hämmerte laut in meiner Brust. Auch merkte ich jetzt, dass ich leise wimmerte. Wie ein Häufchen Elend kauerte ich unter der Baumwurzel. Doch der nächste Schlag blieb aus.</p>



<p>Stattdessen hörte ich bloß wieder das schwere Stapfen. Es entfernte sich.</p>



<p>Unsicher sah ich auf. Der Krampus war verschwunden. Nur die großen hufartigen Fußstapfen im Schnee verrieten, dass er hier gewesen war.</p>



<p>Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich auf direktem Wege nach Hause gerannt war. Das Geld von Frau Keller warf ich ihr noch am selben Abend in den Briefkasten.</p>



<p>Über den Krampus dachte ich nach jenem Tag noch oft nach. Wer sich unter dem Kostüm versteckt hatte, oder wie er die unmenschlich lauten Töne erzeugt hatte, konnte ich jedoch nie herausfinden. Aber wenn ich ehrlich war, war ich auch nicht sonderlich erpicht darauf. Inzwischen war ich mir nämlich gar nicht mehr so sicher, ob sein Krampuskostüm überhaupt ein Kostüm war.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Der Krampus, auch Kramperl oder Bartl genannt, ist ein Monster oder Dämon des süd<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutschen</a> und österreichischen Volksglaubens. Er begleitet den Nikolaus und bestraft die unartigen Kinder, während der Nikolaus die artigen belohnt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Krampus ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a>, das der typischen Darstellung des Teufels sehr ähnlichsieht. Er besitzt meist zwei, seltener vier lange ziegenähnliche Hörner, spitze Ohren, scharfe Zähne, Hufe oder Paarhufe statt Füßen, einen kuhähnlichen Schwanz und zottiges Fell.</p>



<p>In den meisten Versionen hat er eine braune, graue oder weiße Gesichtsfarbe und sein Fell ist weiß, grau, braun oder schwarz.</p>



<p>Außerdem wird ihm eine lange Zunge nachgesagt, die in einigen Erzählungen sogar über einen Meter lang sein kann.</p>



<p>In den traditionellen sowie den meisten modernen Darstellungen trägt der Krampus normalerweise keine Kleidung. Selten wird er heutzutage jedoch mit verschiedener altmodischer Gewandung oder einem Weihnachtsmann-Mantel dargestellt.</p>



<p>Im Normalfall hat er eine Rute bei sich und trägt einen großen Sack oder eine Butte auf seinem Rücken.</p>



<p>Auch trägt er manchmal schwere Ketten um Hand- und/oder Fußgelenke.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Krampus taucht der Legende nach in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember zusammen mit dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/la-legende-de-saint-nicolas">Nikolaus</a> auf. Er bestraft, ähnlich wie Knecht Ruprecht in anderen Regionen Deutschlands, die unartigen Kinder.</p>



<p>Wie diese Bestrafung ausfällt, kann sich je nach Version unterscheiden. Im Normalfall schlägt er jedoch die unartigen Kinder mit seiner Rute. Wenn die Kinder besonders unartig waren, kann es sogar vorkommen, dass er sie in seinen Sack oder seine Butte steckt, um sie mitzunehmen. Was anschließend mit den Kindern passiert, ist nicht bekannt.</p>



<p>In einigen Versionen heißt es hingegen, dass Krampus lediglich versucht, die Kinder mitzunehmen, der Nikolaus ihn jedoch daran hindert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Technisch gesehen kann Krampus weltweit auftauchen bzw. überall dort, wo Weihnachten und Nikolaus gefeiert wird.</p>



<p>Verbreitet ist der Volksglaube an Krampus hingegen hauptsächlich in Süddeutschland und Österreich, aber zum Teil auch in Ungarn, Slowenien, Tschechien, Norditalien und inzwischen sogar in den USA.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Was den Namen „Krampus“ angeht, gibt es die Theorie, dass er von dem mittelhochdeutschen Wort „Krampen“ abgeleitet wurde, was so viel wie „Kralle“ bedeutet.</p>



<p>Sein Aussehen hat Krampus hingegen sehr wahrscheinlich den Perchten zu verdanken, die noch aus der vorchristlichen Zeit stammen (aber auch heute noch im deutschsprachigen Alpenraum bekannt sind).</p>



<p>Seine heutige Bekanntheit verdankt er hingegen den Krampusläufen, die – besonders in Bayern und Österreich – jedes Jahr am 5. Dezember stattfinden. Dabei verkleiden sich zahlreiche Personen als Krampusse, um so durch die Straßen und über die Weihnachtsmärkte zu ziehen.</p>



<p>Obwohl man bereits vor Jahrtausenden Krampus-, bzw. Perchten-Läufe kannte, waren sie während des Mittelalters verboten. Damals wurde das Verkleiden als Teufel mit der Todesstrafe bestraft. Die Krampus-Läufe fanden also nur im Geheimen und an abgeschiedenen Orten statt. Sie sollen erst im 17. Jahrhundert wieder allgemeine Beliebtheit gewonnen haben.</p>



<p>In der modernen Zeit haben außerdem diverse Kinofilme dem Krampus eine weltweite Bekanntheit verschafft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Krampus in der Popkultur:</h3>



<p>Es gibt diverse Filme, in denen Krampus eine zentrale Rolle spielt. Die zwei bekanntesten sind wohl die finnische Horror-Komödie „Rare Exports – Eine Weihnachtsgeschichte“ (2010) oder der US-amerikanische Horrorfilm „Krampus“ (2015).</p>



<p>Er ist aber auch für seine Auftritte in Serien wie „Grimm“ oder der Netflix-Serie „Chilling Adventures of Sabrina“ bekannt.</p>



<p>Im deutschen Sprachraum gibt es außerdem das Die drei ??? Adventskalender-Special „O du Finstere“ (2019), in dem Krampus vorkommt.</p>



<p><em>Was haltet ihr von Krampus? Kanntet ihr die Legende bereits? Wird sie bei euch in der Gegend erzählt? Und wenn nicht, welchen bösen Begleiter hat der Nikolaus in eurer Region? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die schwarze Frau – ein blutiger Herbst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jul 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich nahm es natürlich nicht ernst, dachte nicht daran, dass sie tatsächlich einen Geist sehen würden. Als ich mich jedoch nach vorne beugte und meine Augen zusammenkniff, um besser sehen zu können, konnte ich die Frau auch sehen. Sie hatte eine gebückte Haltung, war komplett in Schwarz gekleidet und gerade im Begriff auf der Beifahrerseite des Autos einzusteigen …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/0690dfa9de5d4a2da6a071ece0ec0597" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die schwarze Frau ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a>, den unzählige Menschen im Jahr 1975 im Bayerischen Wald gesehen haben wollen. Angeblich hat sie eine grausame Prophezeiung verkündet.</p>



<p>An dieser Stelle möchte ich mich kurz bei Jochen dafür bedanken, dass er mich in einem Kommentar auf die Legende aufmerksam gemacht hat. Außerdem gibt es einen wirklich gut gemachten Podcast, der den Hintergrund zu der Legende beleuchtet. Dazu aber später mehr. Jetzt wünsche ich euch erst einmal:</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>„Habt ihr schon gehört?“, fragte Frank in die Runde. „Im Wald wurde neulich eine Geisterfrau entdeckt.“</p>



<p>Ich verkniff mir ein Seufzen. Nicht nur, dass ich hier auf dem Spielplatz auf meinen kleinen Bruder Christian und seine beiden Freunde Frank und Katja aufpassen musste, jetzt durfte ich mir auch noch die Gruselgeschichten der drei Grundschüler anhören.</p>



<p>Christian und Katja brachten ihre Begeisterung deutlicher zum Ausdruck.</p>



<p>„Wirklich?“, fragte mein kleiner Bruder mit funkelnden Augen.</p>



<p>„Wo denn?“, ergänzte Katja.</p>



<p>„Hier ganz in der Nähe. An der Waldstraße zwischen Freyung und Waldkirchen.“ Frank sah verschwörerisch in die Runde. „Ein LKW-Fahrer hat sie gesehen. Er fuhr wohl abends durch den Wald, als ihm eine alte Frau am Straßenrand aufgefallen ist. Sie trug schwarze Kleidung und ging gebückt. Als sie den LKW bemerkte, hat sie ihm zugewunken, um zu zeigen, dass sie ein Stück mitgenommen werden möchte.</p>



<p>Der LKW-Fahrer hatte es nicht eilig, also hielt er an und stieg aus, um der Frau in sein Auto zu helfen.</p>



<p>Zuerst war die Frau sehr still. Sie sagte kein einziges Wort, also ließ der LKW-Fahrer sie in Ruhe. Sie würde schon sagen, wenn sie aussteigen wollte.</p>



<p>Nach einigen hundert Metern jedoch, erhob die Frau ihre krächzige Stimme. ‚Es wird einen guadn Frühling geben, und einen schönen Sommer‘, soll sie gesagt haben, ‚aber einen bluadigen Herbst.‘</p>



<p>Sekunden später war sie verschwunden. Sie hat sich einfach in Luft aufgelöst.“</p>



<p>Wieder sah Frank verschwörerisch in die Runde, nachdem er seine Geschichte beendet hatte.</p>



<p>„Einen blutigen Herbst?“, fragte mein kleiner Bruder. „Was meint sie damit?“</p>



<p>Frank zuckte nur mit den Schultern. „Keine Ahnung. Aber ich denke, dass im Herbst irgendetwas Schlimmes hier in der Gegend passieren wird.“</p>



<p>Jetzt bemerkte ich die Gänsehaut auf Christians Armen. Hatte mein kleiner Bruder Angst?</p>



<p>„Das ist doch Quatsch“, warf ich ein. „Das hast du dir ausgedacht.“</p>



<p>„Nein, Jürgen. Ich sag die Wahrheit. Wirklich!“, protestierte Frank.</p>



<p>„Er hat recht“, schaltete sich Katja ein. „Ich hab auch davon gehört.“ Ihr kleines Gesicht sah mich ernst an.</p>



<p>Ich überlegte bereits, etwas zu erwidern, als Frank plötzlich in seinem Rucksack kramte. „Wartet“, sagte er. Sekunden später raschelte Papier und er hielt uns eine Seite der Passauer Neuen Presse entgegen. „Lest selbst.“</p>



<p>Neugierig drängten sich Christian und Katja um ihn. Ich beugte mich über meinen kleinen Bruder und las den Artikel leise mit.</p>



<p><em>Wurde die schwarze Frau von einem Amateurfilmer fotografiert? Ein junger Mann aus Tittlingen hält das für möglich. Bei der Hundedressur auf freiem Gelände fiel ihm und seinen Begleitern eine dunkel gekleidete Frauengestalt auf, die auf einem Bergrücken ging und sich scharf gegen den Himmel abhob. Der Schmalfilmfreund richtete die Kamera auf die seltsame Gestalt. Sekunden später war sie verschwunden.</em></p>



<p>Der Artikel ging noch weiter. Ich überflog die Zeilen, die die Aussage des Mannes in mehr Detail wiedergaben. Tatsächlich wollte er die Frau mit einer dieser neuen tragbaren Videokameras gefilmt haben. Die Reporterin hätte das Video selbst gesehen. Und einige der Bilder waren sogar in der Zeitung abgedruckt. Ich fand jedoch nicht, dass man auf den schwarz-weißen Fotos, abgesehen von einer unscharfen dunkel gekleideten Gestalt, irgendetwas sehen konnte.</p>



<p>„Also gut“, sagte ich. „Die <em>Gerüchte</em> um den Geist sind echt. Das heißt aber noch lange nicht, dass es die Frau wirklich gibt.“</p>



<p>Aber die Kinder wollten davon nichts hören. Sie waren bereits dabei, wilde Spekulationen anzustellen.</p>



<p>„Vielleicht möchte die Frau uns warnen. Was meint ihr, was im Herbst passiert?“, fragte Christian.</p>



<p>„Weiß nicht. Es muss ja irgendetwas Blutiges sein. Vielleicht wird dann jemand ermordet?“, warf Frank ein.</p>



<p>„Oder es gibt einen schlimmen Unfall!“, rief Katja.</p>



<p>Oder es waren ein paar Betrunkene und oder Scherzkekse, die die Geschichte zusammengesponnen haben. Ich behielt den Gedanken jedoch für mich.</p>



<p>„Was meint ihr? Sollen wir die Frau suchen und sie selbst fragen?“, fragte Frank.</p>



<p>Mein Bruder und Katja nickten begeistert.</p>



<p>Diesmal hielt ich mein schweres Seufzen nicht zurück. „Muss das sein?“</p>



<p>„Ja!“, antworteten Christian und Frank wie aus einem Munde. Und auch Katja nickte wieder eifrig.</p>



<p>„Komm schon, Jürgen. Das wird bestimmt lustig“, sagte Christian und sah mich mit seinem besten Hundeblick an.</p>



<p>Kurz überlegte ich, den Kindern Vernunft einzureden. Aber was sollte schon passieren? Einem echten Geist würden wir nicht begegnen. Und gegen eine gemütliche Fahrradtour durch den Wald hatte ich ehrlich gesagt auch nichts einzuwenden.</p>



<p>Also ließ ich den Dreien ihre kindliche Fantasie. Bis zum Herbst hätten sie das ganze „blutiger Herbst“-Thema bestimmt schon lange wieder vergessen. So dachte ich jedenfalls.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Keine zehn Minuten später saßen wir auf unseren Rädern und radelten über die Straße. Immer wieder sah ich dabei zu Katja, die auf ihrem Fahrrad gefährlich schwankte. Aber wie durch ein Wunder konnte sie ihr Gleichgewicht irgendwie halten.</p>



<p>Nachdem ich das Geschaukel für einige unfallfreie Minuten beobachtet hatte, wagte ich es schließlich, den Blick von ihrem Fahrstil abzuwenden und die Gegend zu beobachten. Ich liebte den Wald. Es war immer so still und friedlich hier.</p>



<p>In den Bäumen zwitscherten die Vögel, der Wind rauschte durch die Blätter und immer wieder konnte ich beobachten, wie die Sonne uns durch das Blätterdach entgegenglitzerte.</p>



<p>Für einen kurzen Moment wagte ich es sogar, in voller Fahrt die Augen zu schließen, während ich die Waldluft tief durch die Nase einatmete.</p>



<p>Noch genoss ich unseren kleinen Ausflug. Das sollte sich jedoch bald ändern. Spätestens, als wir zum vierten, fünften und schließlich zum sechsten Mal die lange Waldstraße entlangfuhren.</p>



<p>Ich hatte keine Ahnung, wie viele Stunden wir inzwischen unterwegs waren. Meine Beine schmerzten. Wo zur Hölle nahmen die Kinder nur die ganze Energie her? Immer, wenn sie erschöpft waren, machten wir eine kurze Pause, sie alberten herum oder redeten über die schwarze Frau und ihren blutigen Herbst, ehe wir wieder auf die Räder stiegen und weiterfuhren. So ging das schon den ganzen Tag.</p>



<p>Als wir mal wieder von einem Auto überholt wurden, merkte ich, dass seine Scheinwerfer eingeschaltet waren. Natürlich lag das daran, dass es im Wald generell dunkler war, aber vielleicht konnte ich die Kinder ja so überzeugen, dass es langsam spät wurde und wir lieber nach Hause fahren sollten.</p>



<p>Ich legte mir die richtigen Worte bereits zurecht, als vor mir einige Reifen quietschten. Frank hatte angehalten.</p>



<p>„Leute?“, fragte er, während er nach vorne auf das Auto zeigte. Es war stehengeblieben. „Seht ihr das auch?“</p>



<p>Wir hielten ebenfalls an.</p>



<p>„Ist das …?“, fragte Christian.</p>



<p>„Die schwarze Frau“, beendete Katja ungläubig seinen Satz.</p>



<p>Ich nahm es natürlich nicht ernst, dachte nicht daran, dass sie tatsächlich einen Geist sehen würden. Als ich mich jedoch nach vorne beugte und meine Augen zusammenkniff, um besser sehen zu können, konnte ich die Frau auch sehen. Sie hatte eine gebückte Haltung, war komplett in Schwarz gekleidet und gerade im Begriff auf der Beifahrerseite des Autos einzusteigen.</p>



<p>Noch ehe ich etwas sagen konnte, rasten die Kinder bereits los. „Stopp!“ „Warten Sie!“ „Halt!“, riefen sie dem Auto nach.</p>



<p>Aber die Tür war bereits wieder geschlossen. Das Auto fuhr los.</p>



<p>Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich dem Auto nur nachjagte, weil ich den Kindern beweisen wollte, dass die Frau kein Geist, sondern bloß ein normaler Mensch war, der rein zufällig zu der Beschreibung passte. Aber das wäre gelogen. Der Anblick der Frau, die mich so sehr an die Frau von den Fotos erinnert hatte, hatte Zweifel in mir geweckt. Jetzt wollte ich selbst wissen, ob an der Geistergeschichte doch etwas dran war. Und an dem blutigen Herbst.</p>



<p>Und so ließ ich die Kinder, die mit ihren kurzen Beinen sehr viel mehr treten mussten als ich, bald hinter mir. So schnell ich konnte, hetzte ich dem Auto nach. Trotzdem musste ich mitansehen, wie es in der Ferne kleiner und kleiner wurde.</p>



<p>Gerade, als ich befürchtete, die Rücklichter hinter einer Kurve aus den Augen zu verlieren, bremste das Auto plötzlich. Es war aber kein langsames Bremsen. Der Fahrer ging voll in die Eisen.</p>



<p>Jetzt kam ich dem Auto schnell näher. Noch ehe ich es erreicht hatte, sah ich jedoch, wie sich die Fahrertür öffnete und eine Frau mittleren Alters ausstieg. Sie sah sich verwirrt um.</p>



<p>Erst, als ich mich näherte, sah sie mit gerunzelter Stirn in meine Richtung. „He, Junge!“, rief sie mir zu. „Hast du hier irgendwo eine alte Frau gesehen?“</p>



<p>Völlig außer Atem kam ich kurz vor der Frau zum Stehen. „Wieso?“, keuchte ich. „Was ist denn passiert?“</p>



<p>Die Frau zögerte. „Ich … weiß nicht. Ich hatte sie eben erst mitgenommen, aber dann war sie plötzlich verschwunden. Sie muss aus dem Auto gesprungen sein.“</p>



<p>Ich wusste nicht genau, wie ich es der Frau erklären sollte. Zumindest, bis sich die Kinder wenige Momente später näherten. Sobald sie in Hörreichweite waren, riefen sie wild durcheinander.</p>



<p>Ich hielt ihnen beide Hände entgegen. „Wartet, wartet, wartet“, brachte ich sie zum Schweigen. „Frank. Hast du noch einmal den Zeitungsartikel für mich?“</p>



<p>Es dauerte nicht lange, bis er ihn aus seinem Rucksack geholt und mir gereicht hatte. Ich gab ihn wortlos an die Frau weiter.</p>



<p>Angespanntes Schweigen legte sich über unsere kleine Gruppe. Die Kinder blickten irritiert zwischen einander und mir hin und her, während die Frau las. Dann führte sie entsetzt eine Hand an ihren Mund, ehe sie mich kurze Zeit später wieder ansah.</p>



<p>„Hat die alte Frau irgendetwas zu Ihnen gesagt?“, hakte ich nach.</p>



<p>Plötzlich weiteten sich ihre Augen. „J-ja“, stammelte sie. „Sie sagte, es wird einen guten Frühling geben und einen schönen Sommer, aber einen blutigen Herbst.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Die schwarze Frau ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus dem Bayerischen Wald. Dort soll im Jahr 1975 der Geist einer schwarz gekleideten Frau eine schreckliche Prophezeiung gemacht haben.</p>



<p>Bevor ihr jedoch weiterlest, möchte ich euch sehr den vierteiligen <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/blutiger-herbst-eine-bayerische-geistergeschichte/66518494/">Podcast „Blutiger Herbst“ des Bayerischen Rundfunks</a> empfehlen. Er ist wirklich gut gemacht und Johannes Nichelmann hat sehr viel gründlicher recherchiert, als es mir mit meiner reinen Online-Recherche möglich ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die schwarze Frau:</h3>



<p>Über den Geist der schwarzen Frau selbst ist nur sehr wenig bekannt. Weder kennt man ihren Namen noch ihr näheres Aussehen.</p>



<p>In den meisten Erzählungen ist jedoch von einer alten, in schwarz gekleideten Frau die Rede, die am Straßenrand steht oder entlanggeht.</p>



<p>Seltener ist von einer jüngeren Frau um die 35 die Rede, die zu Lebzeiten als Kellnerin gearbeitet haben soll. Die Gerüchte sind jedoch erst 1981 entstanden und beziehen sich somit genau genommen auf eine andere Schwarze-Frau-Legende.</p>



<p>An dieser Stelle sollte ich vielleicht anmerken, dass es sich bei der schwarzen Frau nicht um <em>die</em> schwarze Frau, sondern lediglich eine schwarze Frau handelt. Legenden von schwarzgekleideten Geisterfrauen, die in der jeweiligen Sprache fast immer „die schwarze Frau“ oder „die Frau in Schwarz“ heißen, gibt es nämlich unzählige auf der ganzen Welt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Der Ablauf der typischen Begegnungen mit der schwarzen Frau im Bayerischen Wald dürfte den langjährigen Lesern meines Blogs sehr bekannt vorkommen. Dabei handelt es sich nämlich, genau wie bei der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-weisse-frau-von-ebersberg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weißen Frau von Ebersberg</a>, um eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-verschwundene-anhalter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verschwundener-Anhalter-Legende</a>.</p>



<p>Die meisten Augenzeugen berichteten davon, dass sie eine alte in Schwarz gekleidete Frau am Straßenrand gesehen haben wollen. Die Frau soll den vorbeifahrenden Autos mit Gesten deutlich gemacht haben, dass sie als Anhalter mitgenommen werden möchte.</p>



<p>Sofern ein Fahrer angehalten hat, um sie mitzunehmen, soll sie erst einige Zeit lang sehr still im Auto gesessen haben. Irgendwann hat sie dann die Stimme erhoben und in etwa gesagt: „Es wird einen guten Frühling und einen schönen Sommer geben, aber einen blutigen Herbst.“</p>



<p>Sobald die Mitfahrenden sich jedoch zu ihr umgedreht haben, um sie verwirrt anzusehen oder zu fragen, was sie damit meinte, war die Frau plötzlich, meist in voller Fahrt, aus dem Auto verschwunden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Die schwarze Frau soll ausschließlich im Bayerischen Wald aufgetaucht sein. Normalerweise wurde sie an der Waldstraße zwischen Freyung und Waldkirchen gesichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Angefangen hat alles mit der Aussage eines LKW-Fahrers, der die schwarze Frau als Anhalterin mitgenommen haben will. Nachdem die Frau ihre verhängnisvolle Prophezeiung eines blutigen Herbstes geäußert hatte, sei sie von seinem Beifahrersitz verschwunden.</p>



<p>Die Story wurde damals von der Reporterin Cornelia Wohlhüter in der Passauer Neuen Presse gebracht.</p>



<p>Kurz darauf traten zwei junge Männer an die Reporterin heran, die angeblich ein Video der besagten schwarzen Frau gemacht hätten. Sie konnten am Blümersberg eine unheimliche gebückt gehende Frau in schwarzer Kleidung sehen, ehe sie beim Filmen kurz von ihren Hunden abgelenkt wurden. Nachdem sie wieder aufgeschaut hatten, war die Frau spurlos verschwunden.</p>



<p>Johannes Nichelmann, der den bereits erwähnten Podcast zu dem Thema gemacht hat, hat bei seiner Recherche herausgefunden, dass die beiden Männer immer für einen Spaß zu haben waren. Es ist also sehr gut möglich, dass das Video von ihnen gestellt wurde.</p>



<p>Trotzdem hat der daraufhin erneut von Cornelia Wohlhüter verfasste Zeitungsartikel mit den von den beiden Männern bereitgestellten Fotos den Stein ins Rollen gebracht.</p>



<p>Innerhalb von kürzester Zeit gab es mehr und mehr Augenzeugen, die der schwarzen Frau begegnet seien. Einige von ihnen hätten sie bloß gesehen, andere hätten sie mitgenommen und ihre gruselige Prophezeiung gehört, ehe sie verschwunden sei.</p>



<p>In der Hochzeit der Legende soll alle zwei bis drei Tage ein Artikel über sie in der Zeitung gestanden haben. Und als eine 18-jährige Frau mit ihrem Auto tödlich verunglückt ist, wurde sogar behauptet, die schwarze Frau müsse sie abgelenkt haben.</p>



<p>Die Legende erregte solch ein Aufsehen, dass sogar einige Wissenschaftler aus Wien anrückten, die mit der schwarzen Frau beweisen wollten, dass Geister existieren – natürlich erfolglos.</p>



<p>Als die Aussagen zu viel überhandnahmen, äußerte sich schließlich die Polizei von Freiburg zu dem Thema. Sie erklärten, dass sie jede weitere Person wegen „grobem Unfug“ anzeigen würden, die ihnen eine Sichtung des Geistes meldete. Es war von Strafen bis zu 1.000 D-Mark, Führerscheinentzug und sogar Einweisung in eine psychiatrische Anstalt die Rede.</p>



<p>Aber auch, wenn diese Äußerung erst für neuen Gesprächsstoff sorgte, nahmen die Sichtungen schließlich schnell wieder ab. Und auch von dem blutigen Herbst, den die Frau angekündigt hatte, sollte jede Spur fehlen. Der Herbst 1975 verlief im Bayerischen Wald zumindest ohne besondere Vorkommnisse.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der schwarzen Frau? Kennt ihr andere Legenden von schwarzen Frauen? Und wie würdet ihr reagieren, wenn in eurer Gegend Gerüchte von einer Geisterfrau aufkämen, die einen blutigen Herbst prophezeit? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Weiße Frau von Ebersberg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jun 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Legenden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jetzt kam das einzige Licht von den Kerzen in der Kapelle, die Kens Schatten geisterhaft an die Wände warfen. Auch kam es mir vor, als wäre es plötzlich einige Grad kälter geworden, während die Bäume und Büsche um uns herum im Wind raschelten ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/bc2ae4d0e4ca4b85875bacf06467eecc" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Weiße Frau von Ebersberg ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutsche Legende</a>. Wisst ihr, wie ihr euch verhalten müsst, wenn ihr den Geist am Straßenrand stehen seht?</p>



<p>Bevor es jedoch mit der Geschichte losgeht, habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht:</p>



<p>Die schlechte ist, dass ich es aus beruflichen Gründen die nächsten Wochen nicht schaffe, alle 14 Tage einen neuen Beitrag zu veröffentlichen. Daher wird bis voraussichtlich August erstmal nur jede dritte Woche ein neuer Beitrag kommen.</p>



<p>Die gute Nachricht ist jedoch: Wenn ihr mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a> unterstützt, bekommt ihr dafür eine <strong>monatliche Live-Lesung</strong> als Ausgleich. Dort halte ich nämlich seit Mai mindestens einmal im Monat eine Live-Lesung auf meinem Discord Server! </p>



<p>Jetzt möchte ich euch aber nicht länger aufhalten und wünsche euch:</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Ich saß im Auto. Müde lächelnd bog ich in die Staatsstraße 2080 ein. Wir waren fast am Ziel. Endlich. Nach fünf langen Stunden Autofahrt inklusive Feierabendverkehr und einem gefühlt ewig langen Stau waren wir endlich da. Nur noch ein paar Kilometer, dann würde im Licht der Scheinwerfer die kleine weiße Kapelle am Straßenrand auftauchen, bei der wir uns treffen wollten.</p>



<p>‚<em>Ganz schön unheimlich</em>‘, schoss es mir in den Kopf, während ich mich umsah. An der Waldstraße vor uns gab es keine einzige Straßenlaterne mehr. Die Straße war zwar asphaltiert, aber zu meiner Linken und meiner Rechten sah ich nichts als einige Äste und klaffende Schwärze.</p>



<p>Trotzdem war ich voller Vorfreude. In wenigen Minuten würde ich meine besten Freunde treffen. Wir kannten einander aus einem Onlinespiel und waren quer durch Deutschland verteilt. Daher könnt ihr euch sicher vorstellen, wie schwierig es war, das Treffen zu planen.</p>



<p>Falls ihr euch fragt, wieso ich dafür in einen dunklen Wald fuhr: Das war Kens Idee gewesen. Die Kurzform für Kenney, wie ihr Charakter hieß. Sie war unser Healer und ein ziemlicher Freak, wenn auch auf die bestmögliche Weise. Sie wohnte ganz in der Nähe und sollte dieses Wochenende unsere Gastgeberin sein.</p>



<p>Aber bevor ihr mich jetzt für völlig bescheuert haltet, weil ich nachts in einen dunklen Wald fuhr, um einige Internetbekanntschaften zu treffen, kann ich euch beruhigen: Zum einen war das nicht unser erstes Treffen, ich kannte den verrückten Haufen also schon, und zum anderen saß mein zwei Jahre älterer Bruder, einer unserer Damage Dealer, schlafend auf dem Beifahrersitz. Ich war also nicht alleine.</p>



<p>„He, Marvin, wir sind fast da“, sagte ich laut.</p>



<p>Sofort schreckte mein Bruder hoch. Er brauchte einige Sekunden, um sich zu orientieren, dann sah er sich unruhig um. „Ganz schön dunkel hier“, stellte er fest. „Bist du sicher, dass wir hier richtig sind, Linus?“</p>



<p>Ich grinste breit. Obwohl mein Bruder ein ziemliches Muskelpaket war, war er ein ganz schöner Schisser. „Wir sind sogar schon auf der richtigen Straße“, erklärte ich nicht ganz ohne Schadenfreude.</p>



<p>Marvin machte große Augen. „Wenn wir hier überfallen oder entführt werden, dreh ich Ken den Hals um“, murrte er leise.</p>



<p>„Ach was“, erwiderte ich grinsend. „Du weißt doch, was Mama immer gesagt hat. Wenn irgendjemand uns entführt, bringt er uns spätestens am nächsten Tag freiwillig zurück.“</p>



<p>Marvin antwortete mit einem unverständlichen Grummeln. Dann sagte er lauter: „Wir sind fast 30 Minuten zu spät. Wenn die anderen ohne uns irgendwo hingefahren sind, will ich nicht in einem dunklen Wald stehen, während wir das klären!“</p>



<p>Daran hatte ich noch nicht gedacht, aber zum Glück war seine Sorge unnötig. Wenige Augenblicke später tauchte ein kleines weißes Gebäude am Straßenrand vor uns auf. Das musste die Hubertuskapelle sein. Und direkt davor stand eine kleine Gruppe aus drei mir sehr vertrauten Gestalten.</p>



<p>Sofort wurde ich langsamer. Dann bog ich auf den kleinen ungepflasterten Parkplatz ab, auf dem auch die Autos der anderen standen. Im Scheinwerferlicht sah ich noch eine achtlos weggeworfene Chipstüte auf dem grauen Kies liegen, ehe ich den Motor abschaltete und mit einem breiten Grinsen aus dem Auto stieg.</p>



<p>Obwohl es schon spät war, herrschte noch immer eine wohlige Sommerwärme. Ich atmete die angenehme Waldluft tief ein, in der ein Geruch von Erde mitschwang, ehe ich mich den knirschenden Schritten zuwandt, die sich uns näherten.</p>



<p>„Hey Druid, hey Blade“, grüßte uns ein großgewachsener Mann mit Vollbart und auffällig hoher Stimme. Er trug ein orangenes T-Shirt mit der Aufschrift. ‚Do Quests Not Crime!‘. Das war Balrog. Er war unser Tank und der Gründer unserer kleinen Gruppe.</p>



<p>Druid und Blade hingegen waren die Usernames von mir und meinem Bruder. Natürlich kannten wir auch die richtigen Namen der anderen, aber es fühlte sich irgendwie falsch an, sie untereinander zu benutzen.</p>



<p>Außerdem waren da noch Ken, die selbst in unserer bunten Truppe mit ihrem schwarzen Lippenstift, unzähligen Piercings und ihrem schwarzen Nagellack deutlich hervorstach, und Aldur, ein Real Life Freund von Balrog und der Jüngste unserer Gruppe.</p>



<p>„Hey Leute“, grüßte ich zurück. „Sorry für die Verspätung. Blade und ich sind nach dem Stau noch im Berufsverkehr gelandet.“</p>



<p>„Kein Ding“, erwiderte Ken.</p>



<p>Es folgte eine kurze Runde aus Begrüßungen und „Wie geht’s“s, ehe Ken uns mit einem breiten Grinsen zurück zur Kapelle führte.</p>



<p>Das kleine weiße Gebäude hatte ein rotes Dach und drei türlose Torbögen, durch die man direkt ins Innere treten konnte. Darin empfingen uns ein vergittertes Tor, das zu meiner Überraschung nicht abgeschlossen war, ein kleiner Altar mit allerlei christlichen Dekorationen und Blumen, eine gekreuzigte Jesusfigur und mehrere Kerzen. Bei Letzteren wurde ich das Gefühl nicht los, dass Ken etwas mit ihrer Anwesenheit zu tun hatte. Besonders, da einige von ihnen schwarz waren.</p>



<p>„Also Kenney, warum hast du uns mitten in der Nacht zu dieser liebreizenden Kapelle geführt?“, fragte Balrog. Eine Frage, die auch uns andere brennend interessierte. Online hatte sie darauf immer nur mit einem geheimnisvollen „Das werdet ihr dann sehen“ geantwortet.</p>



<p>Ken grinste noch immer breit, während sie mit einer Hand über die weiße Wand strich. Sie war die Einzige, die durch das Gittertor getreten war. Wir anderen warteten davor. „Wisst ihr …?“, begann sie. „Es gibt da eine alte Legende über diesen Ort. Habt ihr schonmal von der Weißen Frau von Ebersberg gehört?“</p>



<p>Ein schweres Seufzen ging durch unsere Runde. Wir alle wussten, wo das hinführte. Ken würde uns gleich eine ihrer Horrorgeschichten erzählen. Wie konnte es auch anders sein? Während wir anderen die Treffen mit einer Einladung nach Hause begonnen hatten, wo wir meist Pizza bestellt, Filme gesehen oder Brettspiele gespielt hatten, musste Ken sich etwas Besonderes überlegen. Alles andere hätte mich aber ehrlich gesagt bei ihr überrascht. Sie war nun einmal ein wenig abgedreht.</p>



<p>Ken hob spielerisch die Augenbrauen. „Ihr kennt doch unsere Abmachung.“</p>



<p>Mein Bruder seufzte. „Der Gastgeber bestimmt das Programm“, sagte er leise.</p>



<p>„Oder die Gastgeberin“, korrigierte Ken ihn. „Also los. Macht eure Handylampen aus. Kommt schon, das wird lustig!“</p>



<p>Ich war sofort dabei. Direkt nach Fantasy war Horror mein zweitliebstes Genre. Die anderen hingegen schienen ungewöhnlich lange zu brauchen, bis sie die Taschenlampenfunktion auf ihren Smartphones abgeschaltet hatten.</p>



<p>Jetzt kam das einzige Licht von den Kerzen in der Kapelle, die Kens Schatten geisterhaft an die Wände warfen. Auch kam es mir vor, als wäre es plötzlich einige Grad kälter geworden, während die Bäume und Büsche um uns herum im Wind raschelten. Ein Auto raste auf der Straße vorbei und hüllte uns kurz in das gleißende Licht seiner Scheinwerfer. Dann begann Ken ihre Geschichte.</p>



<p>„Die Weiße Frau von Ebersberg ist ein Geist, der nachts auf der Staatsstraße 2080, genau hier bei dieser Kapelle, auftauchen soll. Es heißt, dass sie einst eine junge Frau gewesen sein soll, die in den 40er Jahren hier verunglückt ist.</p>



<p>Der Legende nach war die Frau nachts allein unterwegs gewesen. Sie ist am Straßenrand entlanggegangen und hat vorbeifahrenden Autos mit erhobener Hand symbolisiert, dass sie mitgenommen werden möchte.</p>



<p>Es hielt jedoch niemand für sie an. Die Autos fuhren einfach nur an ihr vorbei, genau wie die Autos an dieser Kapelle.“</p>



<p>Wie aufs Stichwort raste auch an uns ein Auto vorbei. Der glückliche Zufall entlockte Ken ein zufriedenes Schmunzeln.</p>



<p>„Wenn auch nur eine Person sie mitgenommen hätte oder die Autos wenigstens alle an ihr vorbeigefahren wären, müsste ich diese Geschichte jedoch nicht erzählen.</p>



<p>Denn einer der Fahrer passte für einen kurzen Moment nicht auf. Keine Ahnung, ob er durch irgendetwas abgelenkt war. Vielleicht verfiel er auch in einen Sekundenschlaf oder hatte getrunken. Jedenfalls kam sein Auto von der Straße ab. Er überfuhr die arme Frau. Wobei Überfahren wahrscheinlich nicht das richtige Wort sein dürfte. Ihr seht ja, wie schnell die Autos hier vorbeirasen. Wahrscheinlich wurde ihr Körper wie ein Crashtest-Dummy mehrere Meter durch die Luft geschleudert, ehe sie ein kurzes Stück über den Boden gerollt ist und schließlich reglos liegenblieb.“</p>



<p>Wir alle lauschten gespannt, während Ken eine Spannungspause machte. Dabei hörte ich, wie Aldur schwer schluckte.</p>



<p>„Wenn ihr jetzt aber glaubt, dass die Frau sofort tot war, irrt ihr euch. Sie hatte den Aufprall überlebt, war sogar noch bei Bewusstsein. Der Fahrer, der natürlich sofort zu ihr gerannt kam, war entsetzt über den Anblick: Einer ihrer Arme hatte eine unnatürliche Haltung eingenommen, bog sich an einer anderen Stelle als dem Ellenbogen, ihre Wirbelsäule machte am unteren Rücken einen Knick und eines ihrer Augen starrte reglos geradeaus, während das andere den Mann fixierte.</p>



<p>‚Hilfe … Hilf mir … Hilfe …‘, wiederholte die Frau wieder und wieder, als wäre sie in Trance.</p>



<p>Aber der Mann half ihr nicht. Zu entsetzt war er von dem Anblick. Das Bild der sterbenden Frau hatte sich bereits jetzt für den Rest seines Lebens in sein Gedächtnis gebrannt. Auch fürchtete er die Konsequenzen, wenn die Leute herausfanden, was er getan hatte. Also ließ er die Frau zurück.</p>



<p>Wenn man einigen Gerüchten glaubt, hat er sie sogar erst vom Straßenrand weggezerrt, sie im Unterholz versteckt, damit ihr regloser Körper nicht direkt vom nächsten Auto gesehen wurde.</p>



<p>So oder so, ob er sie erst versteckt hat oder direkt geflohen ist, der Mann – wenn es denn überhaupt ein Mann war – wurde nie gefasst.</p>



<p>Seit jenem Tag soll die ruhelose Seele der Frau, in ein weißes Kleid der Unschuld gehüllt, an dieser Straße auftauchen. Bereit, sich an jedem zu rächen, der achtlos an ihr vorbei fährt, sie nicht in sein Auto lässt, obwohl sie ihn mit erhobener Hand darum bittet. Genau wie all die Autofahrer damals, die ihren Tod hätten verhindern können.“</p>



<p>Nachdem Ken den Satz beendet hatte, blickte sie in die Runde. Trauer schimmerte in ihren Augen, auch wenn ich nicht wusste, ob es an ihrem überzeugenden Schauspiel lag, oder ob sie die Geschichte tatsächlich so sehr fühlte.</p>



<p>Mein Bruder und Balrog hingegen, sahen sich verstohlen in der Gegend um, als befürchteten sie, dass die Weiße Frau tatsächlich jeden Moment aus dem Schatten der Bäume trat.</p>



<p>Ich hingegen grinste Ken breit an. „Und was macht sie dann? Wenn sie nur am Straßenrand rumsteht, kannst du mich damit jedenfalls nicht gruseln. Vielleicht solltest du die Geschichte noch etwas ausschmücken“, schlug ich vor.</p>



<p>Die anderen sahen mich ungläubig an.</p>



<p>Ken hingegen schmunzelte. „Das mit dem Ausschmücken haben schon einige Leute versucht. So behaupten manche, dass sie mit ihren Kindern unterwegs gewesen sei, als der Unfall passiert ist. Sie seien alle drei bei dem Unfall gestorben. Aber das ist Quatsch. Jedenfalls hatte sie damals keine Kinder dabeigehabt, als meine Mama und ich sie gesehen hatten.“</p>



<p>Jetzt hatte sie wieder unsere volle Aufmerksamkeit.</p>



<p>„Ihr seid ihr begegnet?“, fragte mein Bruder ungläubig.</p>



<p>Ken nickte.</p>



<p>„Wehe, du verarschst uns!“, mahnte Balrog. „Wenn hier gleich irgendwo eine verkleidete Frau aus einem Busch springt, suchen wir uns einen neuen Healer!“</p>



<p>Sie zwinkerte ihm als Antwort bloß neckisch zu. Dann erzählte sie von ihrer Begegnung.</p>



<p>„Es ist jetzt schon einige Jahre her. Ich war damals noch ein kleines Mädchen gewesen, als wir nachts auf dem Heimweg waren. Mama hatte die Frau zuerst gesehen. Ihr weißes Kleid wirkte im Scheinwerferlicht wie ein Leuchtfeuer.</p>



<p>Da sie wusste, wie gefährlich es für junge Frauen um diese Uhrzeit sein konnte, besonders an einem Ort wie diesem, hielt sie natürlich sofort an.</p>



<p>Ich erinner mich nicht mehr an den genauen Wortlaut, aber sie hatte mich gebeten, das Fenster runterzukurbeln und die Frau gefragt, wo sie hinwolle.</p>



<p>Die Frau hingegen hatte kein einziges Wort gesagt. Sie stand bloß da und starrte uns eine unbequem lange Zeit durch das offene Fenster an. Ich fand das richtig gruselig. Dann hat sie endlich nach vorne geschaut und Richtung Ebersberg gezeigt.</p>



<p>Weil das auch unser Weg war, hatte Mama ihr angeboten, dass sie hinten einsteigt, was sie dann auch sofort getan hat. Dabei hat sie weiterhin kein einziges Wort gesagt. Ich weiß aber noch, wie Mama mich damals angemeckert hat, dass ich die Frau nicht so anstarren soll. Ich sage immer gerne, dass ich gespürt hätte, dass mit der Frau etwas nicht stimmt. Aber wahrscheinlich war es nur kindliche Neugierde gewesen.</p>



<p>Jedenfalls hatte ich mich nach Mamas Mahnung wieder richtig hingesetzt und die Frau verstohlen durch die Spiegelung im Fenster beobachtet. Trotz der Dunkelheit konnte ich da nämlich ihr weißes Kleid sehr gut erkennen. Bis ich es nicht mehr konnte … Plötzlich sah ich in der Spiegelung nur noch Schwärze. Ich hab mich natürlich sofort umgedreht, aber die Frau war weg. Sie war spurlos aus dem Auto verschwunden.</p>



<p>Mama hat sofort angehalten. Wir haben gemeinsam das Auto und die Straße nach ihr abgesucht, aber konnten sie nirgends finden. Es war, als hätte sie sich in Luft aufgelöst. Und wenn ihr mich fragt, hat sie das auch.</p>



<p>Von der Legende der Weißen Frau von Ebersberg hatten wir erst kurz danach erfahren, als Mama einem Bekannten von der Begegnung erzählt hat. Ich weiß nicht, ob er uns geglaubt hat, aber er meinte zu uns, dass wir Glück hatten. Hätten wir die Frau nicht mitgenommen, so besagt die Legende, wäre sie wenig später trotzdem in unserem Auto aufgetaucht. Sie hätte das Lenkrad zur Seite gerissen, damit wir in einen Baum rasen. Dann hättet ihr mich vielleicht nie kennengelernt …“</p>



<p>Ich merkte erst, dass ich sie mit offenem Mund anstarrte, als Kenney ihre Geschichte beendet hatte. Jetzt hatte selbst ich eine Gänsehaut. Hatte sie sich das ausgedacht, um uns zu gruseln? Oder war ihr das wirklich passiert? Ich traute ihr beides zu.</p>



<p>Als dann auch noch ein Auto an uns vorbeifuhr, das plötzlich hupte – wahrscheinlich erlaubte sich der Fahrer einen Spaß –, sprang ich meinem Bruder fast auf den Arm.</p>



<p>Vor lauter Schreck starrten wir alle so entsetzt in die Runde, als wäre uns die Weiße Frau doch noch erschienen. Danach brachen wir in schallendes Gelächter aus. Der Bann war gebrochen.</p>



<p>Trotzdem hatte ich mich auf dem Weg in die Kneipe, die wir nach dem Treffen bei der Kapelle besucht hatten, mehr als nur einmal im Wald umgesehen, ob ich irgendwo eine weiße Gestalt zwischen den Bäumen sehen konnte.</p>



<p>Und ich hatte mir an jenem Abend fest vorgenommen: Sollte ich jemals Kenneys Mutter kennenlernen, würde ich sie nach der Weißen Frau fragen. Dann würde ich wissen, ob Ken sich die Geschichte bloß ausgedacht hat.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Die Weiße Frau von Ebersberg, manchmal auch „Die Weiße Frau vom Ebersberger Forst“, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Bayern. Sie handelt von dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> einer Frau, der im Ebersberger Forst Autos anhält und darum bittet, als Anhalter mitfahren zu dürfen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Viel ist über das Aussehen der Weißen Frau nicht bekannt. Es heißt nur, dass sie eine Frau ist und weiße Kleidung trägt.</p>



<p>Beschrieben wird sie fast immer in einem weißen Kleid. Seltener soll sie zusätzlich einen weißen Schleier tragen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt, einigen Quellen zufolge trug sich das Ereignis jedoch in den 1940er Jahren zu.</p>



<p>Damals soll eine Frau nachts allein auf der Straße zwischen Ebersberg und Schwaberwegen unterwegs gewesen sein, als sie nahe der Hubertuskapelle von einem Auto angefahren und tödlich verletzt wurde.</p>



<p>Anstatt der Frau jedoch zu helfen, beging der Fahrer des Autos Fahrerflucht und ließ sie zum Sterben zurück.</p>



<p>Seitdem, so heißt es, soll der Geist der Frau als die Weiße Frau von Ebersberg auf der Straße nahe der Hubertuskapelle gesichtet werden.</p>



<p>Alternative Erzählungen berichten außerdem von einem oder zwei Kindern, die bei der Frau waren und ebenfalls gestorben sind, oder davon, dass der Fahrer die Frau sogar ins Unterholz gezerrt haben soll, ehe er geflohen ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die Weiße Frau von Ebersberg soll sich nachts nahe der Hubertuskapelle am Straßenrand aufhalten und versuchen, als Anhalterin mitgenommen zu werden. Einigen Leuten zufolge brennt in der Kapelle eine flackernde Kerze, wenn der Geist in der Nähe ist.</p>



<p>Hält man an, um sie ein Stück mitzunehmen, merkt man entweder sofort, dass die Begegnung nicht mit rechten Dingen zugeht, da sie durch die Fensterscheibe oder das Schlüsselloch ins Auto kommt oder einfach auf der Rücksitzbank auftaucht, oder sie steigt wie ein normaler Mensch ein. Wenn man anschließend weiterfährt, läuft es ähnlich wie bei der Legende „Der verschwundene Anhalter“ ab: Die Frau verschwindet nach einiger Zeit spurlos aus dem Wagen.</p>



<p>Wenn man sie hingegen nicht ins Auto lässt, sie übersieht oder gar ignoriert, soll sie plötzlich bei voller Fahrt auf dem Beifahrersitz oder der Rücksitzbank auftauchen und einem ins Lenkrad greifen, damit man selbst einen Unfall baut.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Die Weiße Frau von Ebersberg wurde bisher fast ausschließlich nachts auf der Staatsstraße 2080 zwischen Ebersberg und Schwaberwegen in Bayern gesichtet.</p>



<p>Besonders häufig soll sie sich dabei in der Nähe der Hubertuskapelle aufhalten, die an der Straße steht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Auch wenn die Legende der Weißen Frau in der kompletten Region um Ebersberg bekannt ist und sie durchaus einige Leute fürchten, gibt es aus der Gegend keine Zeitungs- oder Polizeiberichte, die von einem tödlichen Unfall oder Leichenfund einer Frau berichten.</p>



<p>Und auch an dem Gerücht, dass die Frau in den 1940ern verunglückt sein soll, scheint nichts dran zu sein, da die Legende erstmals in den 1970er Jahren aufgekommen ist.</p>



<p>Trotzdem gab es auf der Staatsstraße 2080 bisher tatsächlich auffällig viele Unfälle. Begründet wird das Ganze mit der schlechten Sicht und vielen Rasern. Nachdem 1985 sogar ein Auto die Hubertuskapelle gerammt hatte, wurde die Straße umgebaut, woraufhin die Unfälle deutlich abgenommen haben. Die Staatsstraße 2080 gilt jedoch weiterhin als Unfallschwerpunkt.</p>



<p>Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Legende trotz fehlender Beweise großer Beliebtheit erfreut. So gibt es viele YouTube-Videos zu dem Thema – einige von ihnen sollen angeblich sogar den Geist zeigen –, die deutsche Horrorserie „Ebersberg“ behandelt die Legende und es war sogar einmal ein japanisches Filmteam vor Ort, um einen Bericht über die Legende fürs japanische Fernsehen zu drehen.</p>



<p><em>Was haltet ihr von der Legende der Weißen Frau von Ebersberg? Sind die vielen Autounfälle bloß Zufall oder ist an der Legende doch etwas dran? Würdet ihr euch trauen, nachts die Straße entlangzufahren? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-weisse-frau-von-ebersberg">Die Weiße Frau von Ebersberg</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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