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	<title>China Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Tue, 17 Feb 2026 13:15:05 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Der Ursprung des chinesischen Laternenfestes – der Jadekaiser und der Kranich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[chinesisches Neujahr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Doch während die Stimmung auf der Erde nicht besser hätte sein können, sah das im Himmelreich ganz anders aus. Der Jadekaiser fand natürlich heraus, was mit seinem geliebten Kranich geschehen war. Er war außer sich vor Trauer und Wut.<br />
„Das Dorf wird brennen!“, schrie er. „Am ersten Vollmond des neuen Jahres werde ich das Dorf in Schutt und Asche legen!“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-ursprung-des-chinesischen-laternenfestes">Der Ursprung des chinesischen Laternenfestes – der Jadekaiser und der Kranich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/391aa65e57444479b7d0c6406a5d51bc" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Ursprung des chinesischen Laternenfestes (gefeiert am 15. Tag des chinesischen Neujahres) ist umstritten. Es gibt zahlreiche Theorien und Legenden darüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Passend zum diesjährigen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/chinesisches-neujahr">chinesischen Neujahr</a>, das morgen, am 17. Februar 2026 beginnt, möchte ich euch daher meine Lieblingslegende über das chinesische Laternenfest vorstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Lesen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Letztes Jahr habe ich euch erzählt, woher die Hongbao kommen, die roten Geldumschläge, die traditionell zum chinesischen Neujahr verschenkt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute geht es um eine andere Tradition: das Laternenfest, das am ersten Vollmond des Mondjahres gefeiert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Habt ihr das chinesische Laternenfest schon einmal gesehen? Es ist wirklich beeindruckend. Tagsüber drängen Menschenmassen zu den verschiedensten Veranstaltungen – am beliebtesten sind wohl die Drachen-, Löwen- und Trommeltänze, die Glück, Gesundheit und Erfolg im neuen Jahr bringen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es zahlreiche Stände mit verschiedensten Speisen und die Häuser, Straßen und Bäume sind mit roten Laternen, aber auch Laternen in verschiedensten Formen und anderen Farben dekoriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirklich magisch wird es dann am Abend, wenn die zahlreichen Laternen die Stadt beleuchten und Feuerwerk den Himmel erfüllt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein Fest der Familien, des Glücks, des Wohlstands und der Liebe. Das war jedoch nicht immer so. Wenn man der Legende glaubt, ist der Ursprung des chinesischen Laternenfestes sehr viel düsterer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor über 2000 Jahren gab es ein Dorf in China, fernab der große Städte. Es war ein kleines, unbedeutendes Dorf, das nicht weiter erwähnenswert gewesen wäre, wenn dort nicht ein Vogel erschienen wäre. Es war ein prachtvoller Kranich mit schneeweißem Gefieder, das am Hals und den Flügeln in ein tiefes Schwarz überging. Auf seinem Kopf bildete sein Federkleid den typischen roten Fleck, der wie eine purpurne Krone auf seinem Haupt saß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch von der Statur her war der Kranich mehr als beeindruckend: Er war muskulös und anmutig zugleich, hatte lange schlanke Beine und eine Flügelspanne von über drei Metern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das alles war kein Zufall. Denn es war kein gewöhnlicher Vogel. Besagter Kranich war noch am selben Tag aus dem Himmel, dem Reich der Götter entflohen und hatte sich nun in einem kleinen Teich am Rand des Dorfes niedergelassen, wo er mit seinem langen Schnabel nach Fischen suchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chao, einer der Dorfbewohner, war der erste Mensch, der den göttlichen Vogel entdeckte. Er erkannte sofort, was für ein außergewöhnliches Tier der Kranich war, weil er noch nie zuvor einen so prächtigen Vogel gesehen hatte. Und was soll ich sagen, sein erster Gedanke war, das Tier zu jagen. Das dürft ihr ihm aber nicht übel nehmen. Ihr müsst wissen, es war tiefster Winter – eine der härtesten Zeiten für Bauern wie Chao, in der sie keine Felder bestellen und nur schwierig Geld verdienen konnten. Er sah in dem Vogel also weniger eine Trophäe, als vielmehr eine Möglichkeit, seine Frau und seine drei Kinder durch eine schwere Zeit zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein fast verzweifelter Versuch. Chao war kein geübter Jäger. Trotzdem besaß er Pfeil und Bogen, mit denen er sich nun an den Kranich anschlich. Er blieb dabei außer Sichtweite, ließ immer einen Baum zwischen dem Tier und sich. Bei jedem Knirschen der Blätter, jedem Knacken von Ästen unter seinen Füßen hielt Chao erschrocken inne, befürchtete, dass der Vogel fliehen würde, aber der Kranich ließ sich nicht beirren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so hatte Chao bald den Baum am Rand des Teichs erreicht. Er spähte um den Stamm herum. Der Kranich stand noch immer im Wasser und suchte völlig sorglos nach Fischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chaos Hände zitterten, währen der den Pfeil anlegte. Er zielte auf den Vogel, spannte den Boden, atmete aus, wie es ihm sein Vater beigebracht hatte. Dann ließ er den Pfeil los. Er surrte durch die Luft und … verfehlte. Der Pfeil schoss knapp an dem Vogel vorbei. Mit einem lauten Platschen landete er im Wasser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch zu Chaos Überraschung schreckte der Vogel nicht auf. Er wandte den Kopf zu dem aufgewühlten Wasser, betrachtete es neugierig. Denn als göttlicher Vogel, dem Lieblingstier des Jadekaisers – dem höchsten Gott der chinesischen Mythologie – hatte er im Reich der Götter nie etwas zu befürchten gehabt. Jeder dort kannte das Tier, wagte es nicht, ihm auch nur eine Feder zu krümmen, da sie die Wut des Jadekaisers fürchteten. Er wurde noch nie gejagt, geschweige denn mit Pfeilen beschossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der zweite Pfeil traf genau ins Schwarze. Mit einem dumpfen <em>Fump</em> blieb er im Oberkörper des Kranichs stecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chao wusste nicht, ob er die Lungen oder gar das Herz getroffen hatte, der Vogel schlug aber nur noch ein paar Mal kraftlos mit den Flügeln, ehe er zusammenbrach und im Wasser liegenblieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chao konnte sein Glück nicht fassen. Er kam aus seinem Versteck hervor, blieb einen Moment stehen, als könne er es selbst nicht glauben. Dann fischte er den göttlichen Kranich aus dem Wasser, um ihn voller Stolz zurück ins Dorf zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gesamte Dorf war in Aufruhr. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind wollte den prachtvollen Vogel sehen, den Chao ihnen voller Stolz nur zu gerne präsentierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde eine kleine Feier aus dem Ereignis. Und die anderen Dorfbewohner halfen Chao schließlich, den Vogel zu verkaufen. Ein Händler brachte ihn in eine Stadt, wo er von einem Adligen gekauft und ausgestopft wurde. Das Geld würde reichen, um Chao und seine Nachbarn problemlos über den Winter zu bringen und ihnen gleichzeitig einige Rücklagen zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch während die Stimmung auf der Erde nicht besser hätte sein können, sah das im Himmelreich ganz anders aus. Der Jadekaiser fand natürlich heraus, was mit seinem geliebten Kranich geschehen war. Er war außer sich vor Trauer und Wut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Dorf wird brennen!“, schrie er. „Am ersten Vollmond des neuen Jahres werde ich das Dorf in Schutt und Asche legen!“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Dorf waren die Menschen völlig ahnungslos. Sie wussten weder, was für ein Tier sie dort erlegt und verkauft hatten, noch was für Konsequenzen es mit sich bringen würde. Und so feierten sie noch immer ihr vermeintliches Glück, als eine Fremde zu ihnen ins Dorf kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine anmutige Frau, die die feinsten Kleider trug. Auf einen Schlag wurde es sehr still in dem Dorf. Die ausgelassenen Gespräche stoppten, wurden von leisem Getuschel abgelöst. Und so hatte die Frau bereits sämtliche Aufmerksamkeit, als sie sich vor die versammelten Menschen stellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hört mich an, Bewohner dieses Dorfes“, erhob sie ihre Stimme. „Mein Name ist Zhinü. Ich bin die siebte und jüngste Tochter des Jadekaisers. Ich komme, um euch zu warnen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dorfbewohner lauschten alle gebannt ihren Worten. Vielleicht spotteten noch einige, aber die meisten von ihnen waren gottesfürchtige Menschen. Sie lebten in einer Zeit, als die Götter noch auf der Erde wandelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ihr habt neulich einen Kranich erlegt. Was ihr jedoch nicht wisst, ist, dass es der liebste Kranich meines Vaters war. Er hat diesem Dorf Rache geschworen und wird es beim nächsten Vollmond niederbrennen. Wenn es so weit ist, flieht aus dem Dorf! Lasst eure Häuser zurück, wenn euch euer Leben lieb ist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war es totenstill im Dorf. Man konnte den Wind durch die Straßen säuseln hören. Kein Mensch wagte es, auch nur ein Wort zu sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann begann der Erste: „Aber wir haben doch gar nichts getan!“, rief er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Chao war es, der den Kranich erlegt hat“, rief ein anderer. „Warum sollen wir alle darunter leiden?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber so sehr sie auch protestierten, gab es nichts, was Zhinü hätte tun können. Sie war bereits ohne das Wissen ihres Vaters in das Dorf gekommen. Sie konnte die Dorfbewohner warnen. Den Jadekaiser umzustimmen war hingegen ein Ding der Unmöglichkeit. Und so verließ sie das Dorf. Sie ließ nichts zurück als Hoffnungslosigkeit und ihre Warnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder war das Dorf in Aufruhr. Die Leute berieten, was sie tun sollten. Andere begannen bereits, ihre Sachen zu packen. Es wurden viele Pläne geschmiedet und wieder verworfen. Zumindest, bis jemand einen ganz besonderen Plan hatte. Es war Ju, der Sohn von Chao.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warum zünden wir das Dorf nicht selbst an?“, schlug er vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich begegneten die Anderen seiner Idee mit Spott. Aber Ju war noch nicht fertig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich sage ja nicht, dass wir das Dorf tatsächlich anzünden müssen“, fuhr er fort. „Es muss lediglich so aussehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder erntete er Spott. „Wie sollen wir denn ein ganzes Dorf so aussehen lassen, als würde es in Flammen stehen?“ „Davon wird sich der Jadekaiser niemals täuschen lassen!“ „Wir sollten fliehen, solange wir noch können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zumindest, bis sich einige der Dorfältesten einmischten. Sie unterstützten Jus Idee. Ohne ihre Häuser wären die Bewohner dem Winter schutzlos ausgeliefert. Sie würden niemals alle irgendwo unterkommen können. Es würde für einige den sicheren Tod bedeuten. Und so fassten sie schließlich den Plan, überall im Dorf kleine Feuer und Laternen zu zünden. Das ganze Dorf solle hell erstrahlen, wenn der Jadekaiser seinen Weg hierhin antrat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Tage bestanden aus den wohl größten Vorbereitungen, die das Dorf je gesehen hatte. Sie nutzten das Geld, das Chao für den Kranich bekommen hatte, um Papier, Holz und Kerzen zu kaufen. Bald war das ganze Dorf damit beschäftigt, tausende Laternen zu fertigen. Alle Männer, Frauen und Kinder machten mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war nicht so, dass alle Leute an den Plan glaubten. Aber es gab ihnen etwas zu tun. Die einen bauten die Rahmen, die anderen befestigten das Papier und brachten die Kerzen an. Überall im Dorf wurden Seile gespannt, zwischen allen Häusern und Bäumen. Und auf dem großen Platz in der Dorfmitte wurde Holz für ein riesiges Feuer gestapelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur wenige Tage später, kurz vor dem nächsten Vollmond hatte sich das Dorf in einen Festplatz verwandelt, der alle modernen Laternenfeste in den Schatten stellen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann war es endlich so weit: Der Vollmondtag war gekommen. Obwohl jeder einzelne Bewohner mithalf, dauerte es mehrere Stunden, alle Laternen und das große Feuer anzuzünden. Jetzt konnte das Dorf nichts mehr tun, als abzuwarten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Sicherheit hatten die meisten Bewohner das Dorf verlassen – darunter auch Chao und seine Familie. Sie warteten in einem nahegelegenen Feld. Bestaunten ihr Dorf, das vor Lichtern hell erstrahlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war es verdammt kalt. Die Kälte kroch ihnen tief in die Knochen. Die Kinder jammerten und die Eltern konnten nichts tun, als sich unter ihren Decken enger aneinanderzudrücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da!“, rief Ju plötzlich. „Da kommt etwas!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und tatsächlich: In der Ferne erschien aus der Dunkelheit eine kleine Armee aus Lichtern: Fackeln, die von Reitern und Läufern getragen wurden. Der Jadekaiser hatte nicht gelogen. Er hatte tatsächlich vor, das ganze Dorf in Schutt und Asche zu legen. Zahlreiche Götter hatten sich versammelt, um den Jadekaiser zu unterstützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie näherten sich dem Dorf in rasanter Geschwindigkeit. Wie eine Welle aus Flammen rollten sie auf die kleine Ansammlung an Häusern zu. Dann aber wurden sie langsamer. Als hätte die Welle plötzlich an Schwung verloren, blieb die göttliche Armee stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chao und seine Familie hielten den Atem an. Sollte Jus Plan tatsächlich funktionieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf einmal erloschen die ersten Fackeln. Die Götter zügelten ihre Feuer. Es dauerte nicht mehr lange, bis auch ihre Armee kehrtmachte und sich allmählich in der Ferne zerstreute. Der Jadekaiser hatte aufgegeben. Das Dorf war gerettet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so ging dieser Tag in die Geschichte des Dorfes ein. Fortan feierten sie jeden ersten Vollmond des Jahres ein Laternenfest, wenn auch in kleinerem Ausmaß. Es heißt, dass die Geschichte, wie ein Dorf die Wut des Jadekaisers abwenden konnte, sich bald in China verbreitete. Und so begannen auch andere Städte und Dörfer, das Laternenfest zu kopieren, bis es sich im ganzen Land ausgebreitet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar gab es viele Leute, die die Geschichte nicht glauben wollten, aber einen Grund, ein Fest zu feiern, lehnten nur die wenigsten ab. Und selbst in dem kleinen Dorf, in dem auch Chao wohnte, konnten einige Leute kaum glauben, dass der Jadekaiser tatsächlich auf die List hereingefallen war. Andere Bewohner hingegen schworen, dass sie eine vertraute Frauenstimme in der Ferne gehört hätten: „Sieh nur, Vater! Das Dorf brennt bereits lichterloh!“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Jadekaiser und der Kranich ist eine Legende zum Ursprung des chinesischen Laternenfestes. Darin geht es um ein Dorf, dessen Bewohner einen göttlichen Kranich töten, woraufhin der Jadekaiser – der höchste Gott der chinesischen Mythologie – das Dorf niederbrennen möchte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> nach kam vor langer Zeit einmal ein göttlicher Kranich (in einigen Versionen auch ein Schwan oder anderer Vogel) aus dem Himmelreich herab geflogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als daraufhin einige Bewohner eines naheliegenden Dorfes den Vogel entdeckten, jagten sie das prachtvolle Tier und erlegten es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Bewohner jedoch nicht wussten, war, dass der Kranich der Lieblingsvogel des Jadekaisers war. Der Gott schwor, den Vogel zu rächen, indem er das Dorf am ersten Vollmond des Jahres niederbrennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Dorfbewohner davon mitbekamen, kann sich je nach Version unterscheiden. Wenn überhaupt näher darauf eingegangen wird, waren es meist entweder ein anderer Gott, eine Tochter des Jadekaisers oder ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a>, die den Menschen davon erzählt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin fassten die Dorfbewohner einen Plan: Sie zündeten am ersten Vollmond, also dem 15. Tag des chinesischen Neujahres, überall im Dorf rote Laternen (manchmal zusätzlich auch öffentliche Feuer) an, sodass es aus der Ferne aussah, als würde das Dorf bereits brennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Jadekaiser also sah, dass das Dorf vermeintlich bereits brannte, wandte er sich ungetaner Dinge davon ab und die Dorfbewohner waren gerettet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort des Geschehens ist für gewöhnlich ein Dorf irgendwo in China. Um welches Dorf es sich handelt, ob es heutzutage überhaupt noch steht oder inzwischen zu einer Stadt geworden ist, ist nicht bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits gesagt ist der Ursprung des chinesischen Laternenfestes umstritten. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Legende um den Jadekaiser und den Kranich genau das ist: eine Legende. Sie wurde erst im Nachhinein, als es das Laternenfest bereits gab, erfunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der tatsächliche Ursprung liegt aller Wahrscheinlichkeit nach in der Han-Dynastie (ca. 206 v. Chr. bis 220 n. Chr.).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer Theorie nach geht das Fest auf Kaiser Ming zurück, der bemerkt hatte, dass einige buddhistische Mönche jedes Jahr am 15. Tag des Mondneujahres Laternen in ihren Tempeln anzündeten. Daraufhin ordnete er an, dass alle Leute am 15. Tag des Mondneujahres Laternen anzünden sollen, um Buddha zu huldigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Theorie besagt, dass es Kaiser Wu gewesen sei, der das Fest angeordnet habe, um den Göttern zu huldigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ihr seht, gibt es also auch im geschichtlichen Kontext keinen eindeutigen Ursprung des chinesischen Laternenfestes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bekannt ist aber, dass es erst in der Sui-Dynastie (ca. 581 bis 618) seinen Namen erhalten haben soll. Außerdem wurde es während der Tang-Dynastie (ca. 618 bis 907) zu einem riesigen Fest ausgeweitet, bei dem alle möglichen Leute, egal welchen sozialen Stands, sich auf den Straßen getroffen haben, um Laternen anzuzünden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Fest wird auch heute noch jedes Jahr in gigantischem Ausmaß in China gefeiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Ursprung des chinesischen Laternenfestes? Hat euch die Legende gefallen? Kennt ihr andere Legenden über das chinesische Neujahr? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Baku – Komm und friss meine Träume! (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Apr 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich komisch, dass man ausgerechnet diese Kreatur als Talisman gegen Albträume gewählt hatte. Immerhin hätte der Baku selbst, mit seinen Stoßzähnen und den spitzen Krallen, aus einem Albtraum entsprungen sein können …</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Meinen Beitrag über die Baku habe ich auf Wunsch einer meiner <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patrons</a> überarbeitet. Somit ist dies der erste Beitrag, den ich bereits ein zweites Mal überarbeitet habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Passenderweise gehört der Baku zu einer meiner absoluten Lieblingslegenden. Ich hätte 2019 sogar fast eine Comicreihe über einen jungen Baku gestartet, habe mich dann aber stattdessen für den Geister und Legenden Blog entschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Schritte hallten durch die enge Gasse, während ich rannte. Die Wände waren so nah, dass ich kaum Luft bekam. Trotzdem durfte ich nicht langsamer werden. Das Bellen hinter mir machte das sehr deutlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Flüchtig warf ich einen Blick über die Schulter. Der Hund hatte mich fast erreicht. Es war jedoch kein normaler Hund. Er hatte keine Schnauze, sondern trug das Gesicht meines Chefs – eines griesgrämig dreinschauenden Mannes mit Halbglatze in seinen späten 40ern. Schaum bildete sich in seinen Mundwinkeln, während er mich mit gebleckten Zähnen weiter anbellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell sah ich wieder nach vorn. Die Gasse schien jetzt enger und enger zu werden. Bald begannen die Ziegel an meinen Schultern zu kratzen, sodass ich seitwärts rennen musste. Es dauerte nicht lange, bis auch mein Brustkorb schmerzhaft an der Wand scheuerte. Dann blieb ich stecken. Jetzt konnte ich mich weder vor- noch zurückbewegen. Ich schaffte es gerade so, den Kopf zu drehen, da sah ich auch schon ein aufgerissenes Maul mit menschlichen Zähnen direkt auf mein Gesicht zuschnellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß kerzengerade im Bett. Kalter Schweiß rann meinen Körper hinunter. Erst nach einigen Augenblicken realisierte ich, dass ich in meinem Schlafzimmer war. Es war bloß ein Albtraum gewesen. Derselbe, den ich auch die letzten Nächte gehabt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Albträume hatten letzte Woche begonnen. Ich hatte mir bereits letztes Jahr vorgenommen, dass ich bald kündigen würde, um ein eigenes Unternehmen zu gründen. Und mit meinem nächsten Gehalt hatte ich endlich genug finanzielle Mittel dafür zusammen. Das Einzige, was dann noch fehlte, war die Kündigung bei meinem Chef. Das wiederum war jedoch einfacher gesagt als getan. Mein Chef war ein sehr jähzorniger Mann. Um ehrlich zu sein, hatte ich eine Heidenangst vor ihm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch also sicher vorstellen, wie wenig ich mich auf das Kündigungsgespräch freute. Es würde mich nicht einmal wundern, wenn mein Chef bei seiner Schimpftirade Schaum vor dem Mund bekommen würde, genau wie in meinem Albtraum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ließ ich mich mit einem flauen Gefühl im Magen wieder zurück unter die Bettdecke gleiten. Ich wälzte mich hin und her, hatte eigentlich keine Lust zu schlafen, obwohl ich mich so furchtbar müde fühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch hatte ich eine Idee. Es war albern, aber ich erinnerte mich plötzlich an ein Ritual, das ich als Kind immer durchgeführt hatte, wann immer ich schlecht schlief. Meine Mutter hatte es mir beigebracht. Es ging dabei darum, einen Baku zu rufen, ein albtraumfressendes Wesen aus einer alten japanischen Legende. Dazu musste ich lediglich dreimal laut „Baku, komm und friss meine Träume!“ sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da mir nichts Besseres einfiel, legte ich mich also bequem hin, starrte an meine dunkle Zimmerdecke und sagte dann laut: „Baku, komm und friss meine Träume! Baku, komm und friss meine Träume! Baku, komm und friss meine Träume!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast musste ich lachen, so lächerlich kam es mir vor. Trotzdem lenkte es mich von dem bevorstehenden Kündigungsgespräch ab, weshalb ich bald wieder einschlafen konnte.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen riss mich mein Wecker aus dem Schlaf. Müde setzte ich mich auf. Ich rieb mir durchs Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war jedoch nicht, bevor ich in Richtung Küche schlurfte, um mir einen Kaffee zu machen, dass mir mein kleines Ritual von letzter Nacht wieder einfiel. Zu meiner Überraschung hatte ich danach durchgeschlafen. Während ich in den letzten Nächten bestimmt drei- bis viermal wachgeworden war, hatten mich meine Albträume letzte Nacht nur ein einziges Mal heimgesucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte amüsiert den Kopf. Bereits als Kind hatte das Ritual bei mir die Albträume vertrieben. Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass es heutzutage, wo ich nicht mehr an Baku glaubte, noch immer funktionieren würde. Das menschliche Gehirn war schon ein seltsames Organ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so machte ich mich an diesem Morgen vergleichsweise ausgeschlafen auf den Weg zur Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter der Woche liefen meine Tage fast immer gleich ab. Ich arbeite bis zum Nachmittag, machte danach den Haushalt, ging einmal die Woche einkaufen und zweimal die Woche ins Fitnessstudio, kochte mir mein Abendessen und verbrachte den restlichen Abend vorm Fernseher. Anschließend ging ich, meist so gegen 22 Uhr, ins Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute war es nicht anders. Außer, dass ich vor dem Schlafengehen mein kleines Baku-Ritual wiederholte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Überraschung schlief ich auch diese Nacht durch. Also entschied ich, das Ritual auch die folgenden Abende vor dem Schlafengehen zu wiederholen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Morgen für morgen war ich erstaunter. Und so war das Ritual bald zu einem festen Bestandteil meiner Abendroutine geworden. Außerdem rückte der Tag meines Kündigungsgesprächs immer näher. Danach würde ich so oder so Ruhe vor den Albträumen haben.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als zwischen dem Gespräch und mir nur noch zwei Nächte lagen, kam meine Mutter zu Besuch, um mir mit meiner Wäsche zu helfen. Eigentlich brauchte ich keine Hilfe dabei. Und das wusste sie. Aber weil ich wegen meines Jobs nur wenig Zeit hatte, sie zu besuchen, dachte sie sich gerne solch Vorwände aus, um mir einen Besuch abzustatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr müsst wissen, sie und mein Vater waren schon lange geschieden. Und den Rest unserer Familie hatte sie noch vor meiner Geburt in Japan zurückgelassen. Ich war also ihr einziger Verwandter in der näheren Umgebung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei ihrem Besuch kamen wir zufällig auf den Baku zu sprechen. Eigentlich hatte ich ihr nur belustigt erzählen wollen, dass mein Kindheitsritual noch immer funktionierte. Sie war darüber jedoch deutlich weniger begeistert als ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist du verrückt?“, wies sie mich zurecht. Sie hatte nach all den Jahren in Deutschland noch immer einen starken japanischen Akzent, den sie nie ablegen konnte oder es nicht wollte. „Baku sind keine Werkzeuge, die du nach Belieben rufen kannst. Sie kommen zu uns, um unsere Albträume zu fressen, ja. Aber was denkst du passiert, wenn sie von deinen Albträumen nicht mehr satt werden? Sie werden auch deine Wünsche und Träume fressen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach Mama“, erwiderte ich. „Selbst, wenn es die Baku wirklich gibt – was ich übrigens nicht glaube –, brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Ich hab den Albtraum so häufig, dass jeder Albtraumfresser daran satt werden würde.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie musterte mich streng. „Immer den gleichen Traum?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Immer den gleichen Traum“, erwiderte ich. Wenn ich jedoch hoffte, dass die Aussage sie beschwichtigen würde, hatte ich mich geirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und wenn du jeden Tag das gleich essen müsstest?“, fuhr sie mich an. „Glaubst du nicht, dass du dich dann bald nach etwas anderem sehnen würdest? Einem saftigen Lebenstraum vielleicht? Oder einem Herzenswunsch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rollte mit den Augen. Zum Glück sah meine Mutter das nicht. Ich musste zwar gestehen, dass ich selbst überrascht war, wie gut das Ritual funktionierte – fast schon zu gut –, aber das bedeutete noch lange nicht, dass es Baku wirklich gab. Trotzdem musste ich Mama versprechen, dass ich den Baku nie wieder leichtsinnig rufen würde. Besonders nicht die nächsten Tage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend verließ sie meine Wohnung. Es dauerte jedoch keine Stunde, bis sie wieder bei mir klingelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama? Was machst du wieder hier?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie antwortete nicht. Stattdessen hielt sie mir eine hölzerne Figur entgegen. Sie stellte einen Baku dar. Der Elefantenkopf, die Löwenmähne, der kuhartige Schwanz und sogar die Tigerpfoten waren kunstvoll in das Holz eingearbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wow, den hab ich ja ewig nicht gesehen.“ Ich lachte überrascht. „Wo hast du den her?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du denkst doch nicht, dass ich irgendwelche alten Sachen von meinem Sohn wegwerfe, oder?“, fragte sie. „Besonders, wenn sie dir mal so wichtig waren. Als Kind wolltest du keine Nacht schlafen, wenn der Baku nicht auf deinem Nachttisch stand. Er mag nicht so effizient sein, wie die echten, aber die Leute nutzen Abbildungen von Baku schon seit Jahrhunderten, um böse Geister und schlechte Träume fernzuhalten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strahlte sie breit an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir unterhielten uns noch einen Moment über die guten alten Zeiten, wie sie mir damals immer Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen hatte, während ich die Bakufigur wie ein Stofftier an mich gedrückt hatte. In einigen Nächten musste sie meine Finger richtig auseinanderbiegen, obwohl ich bereits schlief, nur um die Figur aus meiner Hand zu bekommen. Wie sich herausstellte, hatte ich auch als Kind schon schwer mit Albträumen zu kämpfen gehabt.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich einige Stunden später im Bett saß, hielt ich die Bakufigur wie früher in der Hand. Diesmal jedoch, um sie näher zu betrachten. Eigentlich komisch, dass man ausgerechnet diese Kreatur als Talisman gegen Albträume gewählt hatte. Immerhin hätte der Baku selbst, mit seinen Stoßzähnen und den spitzen Krallen, aus einem Albtraum entsprungen sein können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich stellte ich die Holzfigur auf meinen Nachttisch, schaltete das Licht aus und rutschte unter die Bettdecke. Das Ritual führte ich an diesem Abend nicht durch, wie ich es meiner Mutter versprochen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider kam der Albtraum zurück. Wie auch die letzten Male rannte ich durch die immer enger werdende Gasse. Der grässliche Hunde-Chef-Mischling war mir wieder dicht auf den Fersen. Und wie auch die letzten Male blieb ich irgendwann stecken, ehe ich schweißgebadet aufwachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lag ich also da, starrte die dunkle Zimmerdecke über mir an. Mein Herz raste, während meine Gedanken kreisten. Kaum rief ich eine Nacht keinen Baku, kehrten meine Albträume schlagartig zurück. Wie war das möglich? Konnte man das wirklich damit erklären, dass ich mit dem Ritual mein Hirn austrickste, oder war doch mehr an der Sache dran?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch überlegte ich, das Ritual einfach noch einmal durchzuführen. Mama würde es nie erfahren. Doch irgendetwas in mir hielt mich davon ab. Es fühlte sich falsch an, sie so zu hintergehen. Also drehte ich mich auf die Seite und versuchte, wieder einzuschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die restliche Nacht verlief ähnlich unruhig, sodass ich am nächsten Morgen müde und unausgeruht meinen Wecker ausschaltete. Kurz funkelte ich die Bakufigur auf meinem Nachttisch wütend an, als wäre sie schuld an meinen schlechten Träumen. Anschließend stand ich auf und machte mich fertig für die Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort war meine Stimmung ähnlich schlecht wie am Morgen. Erst in der Mittagspause hatte ich einen kleinen Lichtblick, als mir plötzlich eine Idee kam. Ich druckte über zwanzig verschiedene Bilder von Baku aus, die ich am Abend überall in meinem Schlafzimmer verteilte: auf dem Boden, an den Wänden, auf dem Nachttisch und sogar unter meinem Kopfkissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich den Baku schon nicht rufen konnte, wollte ich wenigstens alles daransetzen, die letzte Nacht durchschlafen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Nacht wälzte ich mich jedoch wieder in meinem Bett hin und her. Obwohl ich völlig übermüdet war, hatte ich so große Angst vor morgen, dass es mir fast den Hals zuschnürte. Wieder und wieder musste ich an das bevorstehende Gespräch mit meinem Chef denken. Wenn ich jetzt schon solche Probleme hatte, einzuschlafen, wie sollte ich dann die Nacht überstehen? Wäre es nicht besser, das Kündigungsgespräch ausgeruht zu führen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte ernsthaft darüber nach, das Versprechen an meine Mutter zu brechen. Trotzdem entschied ich mich, den Bakubildern in meinem Zimmer eine Chance zu geben. Und so schaffte ich es, nach gefühlten Ewigkeiten endlich einzuschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber natürlich kam es, wie es kommen musste. Sobald ich in das Reich der Träume eingetaucht war, fand ich mich in der inzwischen vertrauten Gasse wieder. Aus der Ferne näherte sich aggressives Hundegebell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur wenige Momente später saß ich wieder im Bett. Mein Atem ging schnell und stoßweise. Schweißtropfen liefen meinen Rücken hinunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es reicht! Genug ist genug! Baku waren nicht echt. Und wenn mir das Ritual half, ruhig zu schlafen, würde ich das ausnutzen. Außerdem war es ja nur noch eine einzige Nacht. Was sollte da schon passieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schluckte ich meine Gewissensbisse herunter und sagte drei letzte Male den Satz: „Baku, komm und friss meine Träume!“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen merkte ich sofort, dass etwas anders war. Ich hatte keine Angst mehr, kein mulmiges Gefühl im Magen, wenn ich an meinen Chef dachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits fühlte ich auch keine Vorfreude mehr, wenn ich an meine Zukunft dachte. Ich spürte kein Kribbeln im Bauch, wie ich es sonst immer getan hatte. Das Gefühl der Freiheit, bald mein eigener Boss zu sein, ließ mich unberührt. Warum fühlte ich nichts?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte ich auf die Warnungen meiner Mutter hören sollen? Hatte der Baku meine Wünsche und Träume gefressen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Morgen blieb ich im Bett liegen. Ich ging nicht einmal zur Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein paar Mal klingelte mein Telefon. Gegen Mittag klingelte es sogar an der Tür. Ich ignorierte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst, als Mama plötzlich in meiner Schlafzimmertür stand, entsetzt die überall verteilten Bilder des Baku anstarrte, war es mir egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um genau zu sein, war mir alles egal. Meine Mutter schaffte es zwar, mich zu überreden, dass ich wieder zur Arbeit ging, aber meine Kündigung reichte ich nie ein. Inzwischen sind einige Jahre vergangen. Noch immer arbeite ich für schlechtes Geld bei meinem jähzornigen Chef – und selbst das ist mir völlig egal.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Baku (獏 oder 貘) sind albtraumfressende Chimären der japanischen Mythologie. Generell gelten sie als heilige und gute Wesen, können laut einigen Versionen der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> jedoch auch Unheil über die Menschen bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Optisch erinnern sie stark an einen Tapir, weshalb 獏 bzw. 貘 (gesprochen „Baku“) auch als „Tapir“ übersetzt werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zählen zu den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai">Yōkai</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach haben die Götter einst die Tiere erschaffen. Als sie damit fertig waren, hatten sie jedoch noch einige Teile übrig, aus denen sie schließlich den Baku zusammensetzten. Das ist auch der Grund, warum die Baku als heilig gelten. Außerdem erklärt es ihr merkwürdiges Aussehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt handelt es sich bei den Baku um Chimären, also Mischwesen. Sie setzen sich aus verschiedenen Säugetierteilen zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So sollen sie den Kopf oder auch nur den Rüssel eines Elefanten besitzen, die Mähne eines Löwen, die Augen eines Rhinozerosses, den Körper eines Bären, den Schwanz eines Ochsen und die Beine eines Tigers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Versionen gibt es auch andere Zusammensetzungen, die Ähnlichkeit zu einem Tapir ist allerdings fast immer vorhanden. Das war auch der Grund, warum die Menschen in Japan damals, als sie von Tapiren erfuhren, der Meinung waren, dass es sich dabei um Baku handeln müsse.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die bekannteste Eigenschaft der Baku ist, dass sie Albträume fressen sollen. Außerdem heißt es, dass sie böse <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geister</a> und <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämonen</a> fernhalten, weshalb ihre Anwesenheit gute Gesundheit und Glück verspricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesen Gründen werden in Japan häufig kleine Baku-Talismane in Form von Bildern oder Figuren in oder um die Betten platziert. Besonders beliebt waren dabei früher wohl Kopfkissen, die mit dem Kanji für Baku bestickt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Des Weiteren heißt es, dass man einen Baku gezielt herbeirufen kann, wenn man einen Albtraum hat oder sogar, um Albträume vorzubeugen. Dazu muss man lediglich dreimal laut sagen: „Ich gebe diesen Traum an den Baku.“ (Japanisch: „この夢獏にあげます“, „Kono yume baku ni arimasu.“) Es soll aber auch noch andere Beschwörungsformeln geben, wie z. B. „Baku, komm und friss meine Träume!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man sollte das jedoch niemals achtlos tun. In einigen Legenden heißt es nämlich, dass ein Baku, der von den Albträumen einer Person nicht satt wird, ebenfalls ihre Träume und Wünsche frisst und sie ohne Hoffnungen und Träume zurücklässt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass Baku, wenn sie sich nicht gerade in der Nähe der Menschen aufhalten, tief in den Wäldern Japans leben sollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende des Baku kommt ursprünglich aus China, wo eine ähnliche Kreatur namens Mo (貘) existiert. (Anmerkung: Einigen von euch mag hier auffallen, dass das Schriftzeichen 貘 dasselbe ist, wie eines der beiden japanische Kanji für den Baku. Das liegt daran, dass die japanischen Kanji ursprünglich aus dem Chinesischen übernommen wurden, weshalb viele Kanji ähnlich oder sogar identisch wie ihre chinesischen Gegenstücke sind.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mo wurde im alten China jedoch angeblich gejagt und sein Fell als Bettdecke oder Unterlage zum Schlafen genutzt, da man seinem Fell nachsagte, es würde böse Geister und Krankheiten fernhalten. Eine unbestätigte Theorie besagt, dass früher tatsächlich Tapire in China gelebt haben könnten. Sie könnten dort für ihr Fell so lange gejagt worden sein, bis sie ausgestorben seien, weshalb nur die Legenden des Wesens überdauert hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Egal, ob das nun stimmt oder nicht, die Legende des Mo ist jedenfalls etwa im 14. oder 15. Jahrhundert von China nach Japan gelangt, wo man dem Wesen den Namen Baku gab. Erst in Japan entstand auch die Legende, dass Baku Albträume fressen – eine Eigenschaft, die sich bis heute durchsetzen konnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Baku in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das wohl prominenteste Beispiel des Baku in der modernen Popkultur ist das Pokémon Traumato, dass nicht nur optisch dem Baku ähnelt, sondern ebenfalls Träume fressen soll. In dem Pokédex-Eintrag von Pokémon Feuerrot heißt es sogar, dass Traumato ein Nachfahre des Baku sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch in der Videospiel-, Anime- und Mangareihe Yo-Kai Watch ist ein Baku anzutreffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem spielt ein Baku eine Rolle in „Sandman: Traumjäger“ von Neil Gaiman, das sowohl als Novelle (1999) als auch als vierteilige Comicreihe (2008 bis 2009) herausgebracht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Baku? Würdet ihr euch trauen, einen von ihnen zu rufen, wenn ihr Albträume habt? Oder wäre euch das Risiko zu groß? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Legende von Sui – der Ursprung des roten Umschlags</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jan 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[chinesisches Neujahr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sobald Sui seine Hand zurückzog, bekamen die Kinder ein furchtbares Fieber. Damals, als es noch nicht unsere moderne Medizin gab, war das oft ein Todesurteil. Unzählige Kinder starben durch Suis Hand. Aber auch, wenn die Kinder wieder gesund wurden, sollen sie bleibende Schäden davongetragen haben. Es heißt, dass sie von jenem Tag an nie wieder dieselben waren …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/c44af8b6e56341e98789e20e8dccb855" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Legende von Sui handelt von den roten Umschlägen, die traditionell zum chinesischen Neujahr verschenkt werden. Dieses Jahr fällt das Mondneujahr auf Mittwoch, den 27. Januar, weshalb ich passend dazu diesen Beitrag für euch geschrieben habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe euch bereits die Geschichte von dem Monster Nian erzählt, wie der Brauch, zu Neujahr Feuerwerkskörper zu zünden, entstanden ist. Heute erzähle ich euch eine ähnliche Geschichte. Die Geschichte über den Ursprung der Hongbao, der roten Umschläge, die zum Mondneujahr verschenkt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Falls ihr die Tradition noch nicht kennt: In Teilen Asiens ist es Brauch, zum Neujahr einen roten Umschlag mit Geld zu verschenken. Meist sind die Umschläge mit goldenen Schriftzeichen oder Zeichnungen dekoriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während es früher ausschließlich ein Geschenk an Kinder war, werden die roten Umschläge heutzutage auch an Partner, Freunde, Mitarbeiter und sogar Stars verschenkt. Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Heute möchte ich euch erzählen, wie dieser Brauch entstanden sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor langer Zeit, so heißt es, war das Neujahr in China nämlich kein Feiertag gewesen. Es war ein Tag der Furcht. Eltern mussten in der Neujahrsnacht um die Gesundheit ihrer Kinder fürchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn in der Neumondnacht zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar, in der in China das neue Mondjahr beginnt, trieb dort ein Dämon sein Unwesen. Ein Monster namens Sui.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass Sui nachts in den Kinderzimmern erschien, wenn die Kinder bereits schliefen. Er schlich zu ihren Betten, streckte seine klauenbesetzte Hand nach ihnen aus und streichelte ihnen damit über die Stirn. Einmal. Zweimal. Dreimal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oft wurden die Kinder dabei wach. Aber anstatt zu schreien, waren sie zu entsetzt von dem Anblick des Dämons, um auch nur einen einzigen Ton über ihre Lippen zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald Sui seine Hand zurückzog, bekamen die Kinder ein furchtbares Fieber. Damals, als es noch nicht unsere moderne Medizin gab, war das oft ein Todesurteil. Unzählige Kinder starben durch Suis Hand. Aber auch, wenn die Kinder wieder gesund wurden, sollen sie bleibende Schäden davongetragen haben. Es heißt, dass sie von jenem Tag an nie wieder dieselben waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, ihr versteht jetzt, warum Sui so gefürchtet war. Es gab jedoch einen Trick, wie man die Kinder vor ihm schützen konnte. Sui suchte nur Kinder auf, die in der Neujahrsnacht schliefen. Wenn die Eltern ihr Kind bis Sonnenaufgang wachhalten konnten, war es in Sicherheit. Sie taten also alles in ihrer Macht stehende, dass die Kinder in der Neujahrsnacht kein einziges Auge zutaten. Sie schenkten ihnen Spielzeug, auf dass sie die ganze Nacht damit spielen würden, zündeten Kerzen an, damit das Zimmer hell erleuchtet war, und natürlich beteten sie zu den Göttern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders schwierig war es jedoch für die Familien, die nicht so viel Geld besaßen. Sie konnten sich all das Spielzeug und die vielen Kerzen oft nicht leisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So erging es auch der Familie, von der diese Geschichte handelt. Sie bestand aus der Mutter Wei, dem Vater Zhao und ihrem gemeinsamen Sohn Fuling.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wei und Zhao hatten lange gespart, um ihrem Sohn neue Spielzeuge kaufen zu können. Irgendetwas, das ihn die ganze Nacht lang wachhalten konnte. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen. Kurz vor dem Jahreswechsel wurde ihr Haus von einem furchtbaren Sturm getroffen. Und so mussten sie all das angesparte Geld für die Reparatur ausgeben. Alles, was ihnen noch blieb, waren acht klägliche Münzen – nicht einmal genug für ein schlichtes Holzspielzeug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als schließlich die Neujahrsnacht kam, wollten sie jedoch nicht mit leeren Händen dastehen. Nicht nur, dass sie Angst hatten, ihr Sohn könne einschlafen, wenn er keine Beschäftigung hatte, es hätte Wei das Herz gebrochen, wenn sie Fuling nichts hätte schenken können. Sie wusste genau, dass all seine Freunde, die Kinder aus der Nachbarschaft in dieser Nacht die tollsten Spielzeuge geschenkt bekamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so machten Wei und Zhao einen Plan. Sie nahmen einen roten Zettel – eine Farbe, der man nachsagt, dass sie das Böse fernhalte –, falteten ihn zu einem Umschlag und legten die acht Münzen, ihr letztes Geld, hinein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte“, flüsterte Wei ein Gebet an die Götter, als sie den Umschlag auf den Esstisch legte. „Lasst es ausreichen. Schützt meinen Sohn vor Sui. Fuling hat nicht verdient, dass ihm etwas zustößt.“ Anschließend ging sie in die Küche, um Fuling den letzten Rest Suppe aufzufüllen, während ihr Ehemann ihren Sohn zum Essen holte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hatte Fuling den Umschlag neben seiner Schüssel sofort gesehen. Neugierig musterte er das rote Papier. Aber er wusste genau: Die Geschenke gab es erst nach dem Essen. Und so löffelte er brav seine Suppe aus, während seine Eltern ihn mit einem sanften Lächeln beobachteten. Sie selbst aßen nichts – dafür fehlte ihnen das Geld. „Wir essen später“, hatte Zhao gesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Fuling war ein schlauer Junge. Er wusste genau, dass seine Eltern das nur sagten, damit er sich besser fühlte. Also ließ er sich Zeit mit dem Essen. Obwohl er voller angespannter Erwartung fast platzte, schlang er nicht, um seinen Eltern zu zeigen, dass er die leckere Suppe genoss und er danach nicht etwa noch Hunger hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als er den letzten Löffel Gemüse gegessen, den letzten Schluck Brühe getrunken hatte, sah er seine Eltern erwartungsvoll an. Wei nickte ihm aufmunternd zu. Sie hoffte, dass man ihr nicht ansah, wie nervös sie wegen des eher kläglichen Geschenks war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zum Glück merkte Fuling nichts davon. Mit strahlenden Kinderaugen griff er nach dem Umschlag. Er faltete ihn hastig auseinander, woraufhin ihm die acht Münzen auch schon entgegenfielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zhao lächelte aufmunternd. „Mit den Münzen kannst du heute Nacht spielen. Und morgen, wenn du geschlafen hast, kannst du dir damit auf dem Markt eine Kleinigkeit holen“, erklärte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fuling strahlte über das ganze Gesicht. „Danke!“, sagte er laut, ehe er die Münzen und den Zettel in die kleinen Händchen nahm und damit in seinem Zimmer verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hätte Fuling sich mehr über ein anderes Spielzeug gefreut. Aber wie gesagt: Er war ein schlauer Junge. Er wusste, dass seine Eltern kein Geld dafür hatten. Außerdem hatte er eine blühende Fantasie. Und so wurden die acht Münzen in dieser Nacht zu einer Familie, einer Gruppe Waldtiere, einer kleinen Soldatentruppe und was immer sonst noch seinem kleinen Köpfchen entsprang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem – denn sonst würde ich diese Geschichte nicht erzählen – wurde Fuling irgendwann müde. Selbst mit seiner Fantasie gab es eben Grenzen, wie lange acht einfache Münzen ein Kind wachhalten konnten. Und so fielen ihm immer wieder die Augen zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Anfang weckten ihn seine Eltern noch. Seine Mutter spielte sogar mit ihm zusammen mit den Münzen. Aber auch das gelang ihr nur wenige Minuten, ehe seine Äuglein wieder zufielen. Irgendwann brachten sie es nicht mehr über das Herz, ihren schlafenden Sohn, der so unendlich erschöpft wirkte, noch einmal zu wecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zhao hob ihn vom Boden auf und legte ihn in sein Bett, während Wei die Münzen einsammelte und auf dem roten Papier neben sein Kopfkissen legte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schlaf gut, mein Spatz“, hauchte sie, ehe sie sich auf den Boden neben ihn setzte, um Wache zu halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste Schicht übernahm sie. Wenn sie zu müde wurde, sollte sie Zhao wecken, damit er die Wache übernahm, während sie ein wenig Schlaf nachholen konnte. Anschließend weckte er wieder sie, wenn er zu müde wurde und so weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als gerade wieder Wei an der Reihe war, auf ihren Sohn zu achten, hatte jedoch auch sie Schwierigkeiten, ihre Augen offen zu halten. Ihr müsst verstehen, es war schon spät in der Nacht. Sie und ihr Mann hatten die letzten Tage pausenlos arbeiten müssen, um den Schaden an ihrem Haus zu reparieren. Und jetzt, wo es im Zimmer völlig still war, wo sie nichts als das ruhige Atmen ihres Sohnes hören konnte, übermannte der Schlaf schließlich auch sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Moment, auf den Sui, der böse Geist, den die Eltern so sehr von ihrem Sohn fernhalten wollten, gewartet hatte, war gekommen. Aus dem Nichts tauchte er in Fulings Zimmer auf, setzte seine Füße leise wie eine Katze auf dem Boden ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er warf Wei, die mit nach vorne gefallenem Kopf auf dem Boden saß, einen verächtlichen Seitenblick zu, ehe er seine Aufmerksamkeit auf Fuling richtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Lächeln umspielte die Lippen des Dämons, während er langsam auf das schlafende Kind zutrat. Einen Moment stand er bloß da, betrachtete das friedliche Gesicht von Fuling, ehe er seine klauenbesetzte Hand hob. Langsam, bedrohlich näherte sie sich Fulings Stirn. Seine schwarzen Klauen hatten die weiche Haut jetzt fast erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war jedoch genau dieser Moment, in dem etwas Unerwartetes passierte. Etwas, mit dem weder die Eltern noch der Dämon gerechnet hatten. Die acht Münzen, die neben Fulings Kopf lagen, nur wenige Zentimeter von Suis Hand entfernt, begannen zu leuchten. Sie wurden heller und heller, strahlten ein goldenes Licht aus, so grell und göttlich, dass Sui sich die Hand vor die Augen halten musste. Entsetzt taumelte er zurück, stolperte und ergriff schließlich die Flucht. Alles vor den ungläubigen Augen von Wei. Denn das helle Licht hatte sie geweckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur einen Moment später, als Sui bereits fort war, erloschen die Münzen wieder. Hätte jemand jetzt das Zimmer betreten, hätte er nicht gewusst, dass dort überhaupt etwas geschehen war.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schnell sich die Nachricht im Land verbreitete. Wei und Zhao waren ehrliche Menschen. Niemand hatte sie je bei einer Lüge ertappt. Und so glaubte man ihnen, ohne zu zögern, jedes Wort. Es dauerte nur Wochen, vielleicht sogar nur Tage, bis sich die Geschichte, wie acht Münzen in einem Umschlag den bösen Dämon vertreiben konnten, bis in den letzten Winkel Chinas verbreitet hatte. Fortan sollte jede Familie ihren Kindern zu Neujahr einen roten Umschlag mit Münzen darin schenken. Auf das Sui nie wieder das Leben eines Menschen forderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Leute genauso wie Wei und Zhao jedoch nicht ahnten, war, dass die acht Münzen aus Fulings Umschlag keine gewöhnlichen Münzen waren. Die Götter hatten ihre Gebete nämlich erhört. Sie hatten die Acht Unsterblichen, acht Heilige der chinesischen Mythologie, auf die Erde geschickt, um den Jungen zu beschützen. Dort hatten sie sich in die acht Münzen verwandelt und Sui mit ihrer Macht vertrieben. Wer die Acht Unsterblichen genau sind, ist jedoch eine Geschichte, die ich euch ein andermal erzählen werde.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach lebte früher in China ein böser <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämon</a> namens Sui. Er erschien immer in der Nacht des chinesischen Neujahrs in den Kinderzimmern, wo er die schlafenden Kinder krank machte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen von Sui habe ich nicht viel herausfinden können. Es heißt aber, dass er ein schrecklich aussehender Dämon/böser Geist mit langen Klauen sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach erschien Sui in der Nacht des chinesischen Neujahrs in den Kinderzimmern schlafender Kinder. Dort streichelte oder kratzte er dreimal über den Kopf oder die Stirn der Kinder, woraufhin sie Kopfschmerzen, Fieber und/oder eine andere Krankheit bekamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wurde dieser Berührung nachgesagt, der Grund für psychische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen der Kinder gewesen zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses ableistische Narrativ war also – ähnlich wie dämonische Besessenheit oder Berührungen mit dem Feenreich in der westlichen Welt – ein veralteter Erklärungsversuch, wie menschliche Behinderungen entstanden sein sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls haben die Eltern viele Dinge versucht, um ihre Kinder zu schützen. Sie zündeten Kerzen an, beteten zu den Göttern oder schenkten ihren Kindern Spielzeug, damit sie die Nacht über wach blieben. Trotzdem geschah es immer wieder, dass ein Kind Sui zum Opfer fiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines chinesischen Neujahrs jedoch schenkte eine besonders gläubige Familie ihrem Kind acht Münzen in einem roten Umschlag, damit es mit den Münzen spielen kann. Die Farbe Rot soll laut chinesischer Folklore das Böse fernhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kind spielte lange Zeit mit den Münzen, doch wie es das Schicksal wollte, wurde es schließlich zu müde und schlief ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob die Eltern selbst eingeschlafen waren, zu sehr mit Beten beschäftigt waren oder das Kind nicht wachbekommen konnten, variiert je nach Erzählung. In allen Versionen taucht kurz darauf der Dämon/böse Geist Sui auf, um den Kopf des Kindes zu streicheln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Moment jedoch erstrahlten die acht Münzen, die das Kind geschenkt bekommen hatte, in einem goldenen Licht, das Sui in die Flucht trieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sich herausstellte, hatten die Götter die Gebete der Eltern erhört. Sie schickten die Acht Unsterblichen (Heilige der chinesischen Mythologie) zu ihnen, die sich in die acht Münzen verwandelt hatten, um das Kind zu beschützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Eltern, die gesehen hatten, wie die Münzen Sui vertrieben, erzählten es ihren Nachbarn und Freunden. Das Gerücht, dass Münzen in einem roten Umschlag den bösen Dämon vertreiben konnten, breitete sich kurz darauf im ganzen Land aus. Die chinesische Neujahrstradition, Kindern Geld in roten Umschlägen zu schenken, war geboren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende soll sich in China zugetragen haben. Viel mehr ist über den Ort jedoch nicht bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hat sich die Tradition, zum neuen Jahr einen roten Umschlag zu verschenken, auch auf andere Teile Asiens ausgebreitet. Sie wird also nicht mehr nur in China praktiziert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende von Sui soll bereits über 2.000 Jahre alt sein. In einer Quelle war davon die Rede war, dass sie eine Geschichte der Qin-Dynastie (221 v. Chr. bis 207 v. Chr.) sei. Die roten Umschläge selbst sollen hingegen erst in der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) entstanden sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genauere Angaben habe ich leider nicht finden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch weiß ich leider nicht, ob es zuerst die roten Umschläge oder zuerst die Legende gab. Solltet ihr zufälligerweise mehr zu der Thematik wissen, würde ich mich wie immer über eine Nachricht freuen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rote Umschläge in der asiatischen Kultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ihr an dieser Stelle sicherlich ahnt, wurden die roten Umschläge früher besonders als Schutz gegen das Böse verschenkt. Mit der Zeit haben sie sich jedoch von einem Schutzsymbol zu einem Glücksbringer entwickelt. Sie sollen Glück, Erfolg und Gesundheit für das neue Jahr bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch, wenn die Umschläge auch heute noch von Eltern und Großeltern an ihre Kinder bzw. Enkelkinder verschenkt werden, ist es inzwischen ebenfalls üblich, Freunden und Beziehungspartnern rote Umschläge mit Geld darin zu schenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Tradition ist es zum Beispiel, dass verheiratete Paare ihren unverheirateten Freunden rote Umschläge schenken, um ihnen Glück bei der Partnersuche zu wünschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem ist es heutzutage üblich, Geldscheine statt Münzen in den Umschlägen zu verschenken, da Münzen in China (ähnlich wie beim Euro) nur einen vergleichsweise geringen Wert haben. Es ist jedoch Tradition, dass die Geldscheine neu und ungenutzt aussehen sollen, um Glück zu bringen. Viele Leute besorgen sich dafür druckfrische Geldscheine von der Bank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Sache, die beim Verschenken eines roten Umschlags beachtet werden muss, ist, dass niemals die Zahl 4 im Betrag vorkommen darf. 4 klingt auf Mandarin ähnlich wie das Wort für Tod, weshalb die Zahl mit Unglück in Verbindung gebracht wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Legende von Sui? Kanntet ihr die Tradition der roten Umschläge bereits? Habt ihr vielleicht selbst schon einmal einen bekommen oder selbst verschenkt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Feb 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[chinesisches Neujahr]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[asiatische Legende]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als sie jedoch sahen, wie mehrere andere kleinere Tiere von den Stromschnellen fortgerissen wurden, schluckten sie schwer. Sie erkannten sofort, dass sie im Wasser keine Chance hätten. Also sahen sie sich nach anderen Möglichkeiten um, den Fluss zu überqueren …</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Den Beitrag über die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen habe ich passend zum Mond-Neujahr diesen Samstag, den 10. Februar 2024, geschrieben, an dem das Jahr des Drachen beginnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende und meine Geschichte dazu sind ausnahmsweise mal nicht gruselig. Solltet ihr auf der Suche nach Horror oder Grusel sein, seht euch also lieber meine Geschichten über <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monster</a>, <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geister</a> oder <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legenden</a> an. Ansonsten wünsche ich euch:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Lesen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kennt ihr die Legende, wie die chinesischen Tierkreiszeichen entstanden sind? Vor langer Zeit, als die Götter noch auf der Erde wandelten, entschied der Jadekaiser, der höchste Gott der chinesischen Mythologie, dass er eine neue Zeitrechnung für die Menschen erschaffen wolle – einen Kalender bestehend aus zwölf Jahren. Jedes dieser Jahre sollte nach einem Tier benannt werden. Aber wie sollte der Jadekaiser diese zwölf Tiere auswählen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gott dachte lange darüber nach. Schließlich hatte er eine Idee: Er würde die Tiere selbst entscheiden lassen, wer von ihnen einen Platz in dem neuen Kalender verdiente, indem er ein Wettrennen veranstaltete. Die Tiere, die es als erste über einen reißenden Fluss bis zu den Toren seines Palastes schafften, sollten in den Kalender aufgenommen werden – und zwar in der Reihenfolge, in der sie das Ziel erreichten.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tag, an dem das Rennen schließlich stattfand, hätte kaum schöner sein können. Die Sonne schien, die Luft war warm und erfüllt von dem Gesang der Zikaden, während sich die Tiere am Flussufer versammelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nachricht über das Rennen hatte sich schnell verbreitet. Aber obwohl viele Tiere einen Platz im Kalender begehrten, konnten viele von ihnen nicht schwimmen. Oder sie waren zu klein, um gegen die starke Strömung des Flusses anzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei dieser Tiere waren die Ratte und die Katze. Damals waren die Beiden noch gute Freunde gewesen und hatten entschieden, gemeinsam an dem Rennen teilzunehmen. Als sie jedoch sahen, wie mehrere andere kleinere Tiere von den Stromschnellen fortgerissen wurden, schluckten sie schwer. Sie erkannten sofort, dass sie im Wasser keine Chance hätten. Also sahen sie sich nach anderen Möglichkeiten um, den Fluss zu überqueren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sahen, wie der Hase auf einen Stein sprang, der aus dem Wasser ragte, wie sich der kräftige Tiger todesmutig in die Stromschnellen warf und wie der Drache sich majestätisch in den Himmel schlängelte. Einen Weg, wie sie unbeschadet über den Fluss kommen sollten, fanden sie jedoch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als sich der Büffel mit seinem massigen Körper dem Fluss näherte, hatte die &nbsp;&nbsp; Katze eine Idee. „Komm mit!“, rief sie der Ratte zu, während sie zu dem sanften Riesen rannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ratte verstand sofort, wusste sie doch, wie freundlich und hilfsbereit der Büffel war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lieber Büffel, entschuldige bitte“, miaute die Katze. „Würde es dir etwas ausmachen, die Ratte und mich auf deinem Rücken mitzunehmen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Büffel musterte die beiden ungleichen Freunde für einen Augenblick. Natürlich war ihm schnell klar, dass sie es ohne ihn nicht schaffen konnten. Außerdem waren sie so klein, dass er von ihnen kaum etwas merken würde. Also ging er in die Knie. „Steigt auf“, brummte er mit seiner ruhigen Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließen sie sich nicht zweimal sagen. Schnell kletterten sie auf seinen muskulösen Rücken und setzten sich zu dritt wieder in Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Büffel war wie eine Naturgewalt, während er seinen massigen Körper ins Wasser sinken ließ. Wie ein lebendig gewordener Felsen bewegte er sich durch den Fluss, völlig unbeeindruckt von der starken Strömung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ratte hielt unterdessen Ausschau nach der Konkurrenz. Zu ihrer Überraschung war von dem Drachen nichts mehr zu sehen – weder am gegenüberliegenden Ufer noch im Himmel, in den er sich eben noch so eindrucksvoll erhoben hatte. Dafür fiel ihr Blick jetzt wieder auf den Hasen, der tapfer von Stein zu Stein sprang, aber auch er lag noch weit hinter ihnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die einzig ernsthafte Konkurrenz stellte der Tiger dar. Der war jedoch bereits so weit flussabwärts getrieben, während er mit schnellen Bewegungen gegen den Strom kämpfte, dass er noch ein gutes Stück Fußweg vor sich haben würde, wenn er das Ufer erreicht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also blickte die Ratte siegessicher zum Palast des Jadekaisers. Sie hatte einen Entschluss gefasst: Sie würde vom Kopf des Büffels abspringen, sobald er nah genug am Ufer war. Dann würde sie das letzte Stück laufen und als erstes Tier die Ziellinie überqueren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ehe sie den Gedanken zu Ende gedacht hatte, fiel ihr Blick jedoch auf die Katze. Auch sie blickte siegessicher zum Ufer, während ihr Schwanz aufgeregt hin und her zuckte. Viel schlimmer war jedoch, dass die Katze nicht nur weiter springen konnte als die Ratte, sie konnte auch noch schneller rennen. Selbst wenn sie gleichzeitig loslaufen würden, würde die Ratte nur den zweiten Platz belegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Da fasste die Ratte einen Entschluss, den sie noch bitter bereuen würde: Sie lief zu ihrem guten Freund, der Katze, die weiter hinten auf dem Rücken des Büffels saß, murmelte eine stumme Entschuldigung und warf sich mit dem ganzen Körper gegen sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Katze miaute erschrocken auf. Sie machte einen Satz zur Seite, hatte sie doch nicht mit dem plötzlichen Angriff gerechnet. Dabei verlor sie den Halt und stürzte in den reißenden Fluss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ratte sah, wie sie wild um sich trat, panisch versuchte, den Kopf über Wasser zu halten, während sie von der Strömung fortgerissen wurde und schnell in der Ferne verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Büffel, der von all dem nichts mitbekommen hatte, setzte seinen Weg durch den Fluss unbeirrt fort und erreichte bald das Ufer. Dort warf die Ratte einen letzten schuldbewussten Blick flussabwärts, sprang dann schnell vom Kopf des Büffels und flitzte voran zum Palast, wo der Jadekönig bereits auf sie wartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so wurde die Ratte das erste Tier des chinesischen Kalenders. Die Katze hingegen konnte ihr den Verrat nie verzeihen. Ihretwegen wurde sie nicht in den Kalender aufgenommen. Das ist der Grund, warum Katzen auch heute noch Ratten jagen. Außerdem sollen sie bei dem traumatischen Vorfall ihre Angst vor Wasser entwickelt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes erreichte der Büffel das Ziel und kurze Zeit später der Tiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den beiden kräftigen Tieren hatte nun der Hase die Führung im Rennen. Er war weiter von Stein zu Stein gesprungen und hatte das andere Ufer fast erreicht. Jetzt stand er jedoch bereits einige Sekunden auf der Stelle, setzte immer wieder zum Sprung an und brachte es dann doch nicht über sich. Der Stein vor ihm war zu weit entfernt, der Hase zu müde von dem bisherigen Weg. Er war sich unsicher, ob er es schaffen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als der Hase hinter sich das angestrengte Schnaufen des Pferdes hörte, das näher und näher kam, setzte er ein letztes Mal zum Sprung an. Er nahm so viel Anlauf, wie es ihm auf dem kleinen Felsen möglich war, und stieß sich mit voller Kraft ab. Der Wind pfiff in seinen angelegten Ohren, während er seine Augen stur auf den kleinen Felsen vor sich gerichtet hatte. Den reißenden Fluss unter ihm versuchte er, so gut es ging, zu ignorieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich setzte er auf. Seine Vorderpfoten trafen den harten Stein, doch sein Unterkörper schaffte es nicht ganz auf den Felsen. Mit einem lauten Platschen landeten seine Hinterbeine in dem kalten Nass.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort begann der Hase, panisch um sich zu treten, versuchte auf dem Stein Halt zu finden. Doch die Strömung war zu stark, der feuchte Fels zu rutschig. Der Hase spürte, wie sein kleiner Körper fortgerissen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war er dem Fluss schutzlos ausgeliefert. Während ihn das Wasser wie eine kalte Decke umschloss, wurde er hin und her gewirbelt. Schnell verlor er die Orientierung, wusste nicht mehr, wo oben und unten war, versuchte panisch, die Wasseroberfläche zu erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich knallte er mit der Seite gegen etwas Hartes. Schmerz durchfuhr seinen Körper, aber trotzdem klammerte er sich reflexartig daran fest. Jetzt, da die Welt sich um ihn herum nicht mehr drehte, schaffte er es endlich, dem Kopf aus dem Wasser zu strecken. Gierig schnappte er nach Luft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun sah er, was ihn gerettet hatte: Er klammerte sich an einen Baumstamm, der im Wasser trieb. Und nicht nur das, es kam auch noch ein plötzlicher Wind auf, der den Stamm Richtung Ufer trieb. Der Hase wollte seinen Augen kaum trauen, als das Land sich schnell näherte. Sobald der Stamm mit einem dumpfen Laut ans Ufer gestoßen war, zog der Hase sich an Land, hoppelte weiter zum Palast und konnte sich so den vierten Platz sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der nächste Platz hingegen verwunderte die meisten Anwesenden, als plötzlich der Drache aus dem Himmel herabkam und vor dem göttlichen Palast landete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Jadekaiser wunderte sich darüber. „Sag mir, ehrenwerter Drache“, sprach er ihn an. „Wieso bist du jetzt erst hier, wo du doch fliegen kannst?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Drache schüttelte seinen schlanken Körper, ehe er den Kopf senkte. „Verzeiht mir, Jadekaiser, dass ich Euch habe warten lassen, aber von der Luft aus habe ich Rauch gesehen. In einem der Menschendörfer war ein Feuer ausgebrochen und ich musste ihnen helfen, es zu löschen.“ Dann sah er zu dem Hasen, der noch immer beim Eingang stand. „Außerdem habe ich unseren kleinen Freund hier gesehen, wie er sich an einen Baumstamm geklammert hat, als hinge sein Leben davon ab. Da habe ich ihm etwas Wind zugepustet, um ihn an Land zu bringen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Jadekönig bewunderte die Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft des Drachens, der den fünften Platz belegte – und auch der Hase war ihm zu tiefem Dank verpflichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich ertönte Hufgetrappel. Wenn ihr jetzt jedoch denkt, dass das Pferd den sechsten Platz belegt hat, wo es doch so dicht hinter dem Hasen war und sich jetzt schnell dem Palast näherte, irrt ihr euch. Denn wie der Büffel hatte auch das Pferd einen blinden Passagier bei sich, auch wenn dieser nicht vorher um Erlaubnis gebeten hatte. Und so wieherte das Pferd erschrocken auf, als plötzlich die Schlange, die sich im Fluss um sein Bein geschlungen hatte, nach vorne sprang und sich so den sechsten Platz sicherte. Das Pferd belegte daraufhin den siebten Platz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch, wenn wir in diesem Wettrennen schon fast alles gesehen haben – von Hilfsbereitschaft über Selbstlosigkeit bis hin zu Verrat und Täuschung – sind meine Lieblingsplätze die drei nun folgenden: Nummer acht, neun und zehn. Und auch der Jadekaiser staunte wohl nicht schlecht, als er sah, wie sich ihm auf dem Fluss ein Floß näherte. Darauf saßen drei Tiere, die kaum unterschiedlicher hätten sein können: die Ziege, der Hahn und der Affe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige sagen, die drei waren schon vor jenem Tag Freunde gewesen, andere behaupten, dass sie es durch das Wettrennen erst geworden sind. Aber egal, welche Version davon stimmt, Fakt ist, dass wahrscheinlich keiner von ihnen den Fluss überquert hätte, hätten sie nicht zusammengearbeitet. Weder der Hahn, der das verlassene Floß im Gestrüpp gefunden hat, noch die Ziege, die es von den Pflanzen befreit hat, noch der Affe, der die Ruder aus Stöckern, Ranken und Rinde gebaut hat. Und auch die Überfahrt wäre ihnen nicht gelungen, wenn der Affe und die Ziege nicht gleichzeitig gerudert hätten, während der Hahn ihre Bewegungen koordinierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Teamarbeit schafften sie es hingegen gemeinsam auf die andere Seite. Auch stritten sie nicht, wer von ihnen als Erstes vor den Jadekaiser treten durfte, sondern entschieden ganz zivil die Reihenfolge. Und so belegte die Ziege den achten Platz, der Hahn den neunten und der Affe den zehnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem die drei Tiere jedoch fröhlich miteinander sprechend im Palast verschwunden waren, blickte der Jadekaiser sorgenvoll den Fluss entlang. Kein einziges Tier kämpfte mehr mit den Fluten, um zu ihm zu gelangen, fast alle Tiere hatten bereits aufgegeben oder wurden vom Fluss fortgespült – alle bis auf den Hund, der, wie der Jadekaiser jetzt sah, fröhlich im Wasser spielte. Erst, als der beste Freund des Menschen seinen Blick bemerkte, machte er sich auf den Weg zu der Gottheit und war nach wenigen Minuten bei ihm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sag mir, treuer Hund, du bist solch ein guter Schwimmer, warum bist du erst jetzt zu mir gekommen?“, fragte der Jadekaiser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hund wedelte mit dem Schwanz und bellte. „Eigentlich wollte ich sofort zu Euch schwimmen, ehrenwerter Kaiser, aber das Wetter ist so schön und das Wasser so klar, dass ich einfach nicht anders konnte, als eine Weile darin zu planschen. Dabei habe ich wohl die Zeit vergessen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin lachte der Jadekaiser bloß und kraulte den Hund hinter den Ohren. „Am Ende hast du es ja doch geschafft“, sagte er und erklärte den Hund zu dem elften Tier in seinem neuen Kalender.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das letzte Tier jedoch sollte noch sehr lange auf sich warten lassen. Der Jadekaiser ließ seinen Blick wieder und wieder über den Fluss schweifen, während die Sonne sich bereits dem Horizont näherte. Tatsächlich wurde es langsam so spät, dass der Gott kurz davor war, das Rennen als beendet zu erklären und in seinem Palast zu verschwinden, als sich plötzlich ein leises Grunzen unter das Rauschen des Flusses mischte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neugierig musterte der Gott das Gewässer – und tatsächlich: Dort ragte eine kleine Schnauze aus dem Fluss, die sich dem Palast schnell näherte. Schließlich kletterte das Schwein aus dem Wasser, ehe es als letztes Tier endlich vor den Jadekaiser trat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verzeiht meine Verspätung“, grunzte das Schwein, „aber ich habe auf dem Weg zum Fluss einige wirklich leckere Äpfel gefunden. Nachdem ich sie gegessen hatte, wollte ich mich bloß einen Moment ausruhen, aber ich muss wohl eingeschlafen sein.“ Peinlich berührt senkte das Tier den Kopf. „Bin ich noch rechtzeitig?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da lächelte der Kaiser breit. „Das bist du.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so erklärte der Jadekaiser das Schwein zum zwölften und letzten Tier des chinesischen Kalenders. Einem Kalender, nach dem sich die meisten Menschen in Asien noch heute richten.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende der chinesischen Tierkreiszeichen ist eine Legende, die beschreibt, wie und in welcher Reihenfolge die Tiere für den chinesischen Kalender angeblich ausgewählt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der häufig genutzte Begriff „chinesische Sternzeichen“ ist übrigens falsch, da die chinesischen Tierkreiszeichen nichts mit den Sternen zu tun haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Welches Tier im chinesischen Kalender bin ich?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr wissen wollt, welches Tier ihr im chinesischen Kalender seid, ist das ganz einfach. Ihr müsst nur nachsehen, welches Tier eurem Geburtsjahr entspricht. (Ich bin laut chinesischem Kalender übrigens eine Ratte.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Achtung: Der chinesische Kalender richtet sich nach den Mondjahren. Solltest du im Januar oder Anfang Februar Geburtstag haben, kann das Tierkreiszeichen eventuell abweichen!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ratte</strong>: 1948, 1960, 1972, 1984, 1996, 2008, 2020</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Büffel/Ochse:</strong> 1949, 1961, 1973, 1985, 1997, 2009, 2021</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tiger:</strong> 1950, 1962, 1974, 1986, 1998, 2010, 2022</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hase:</strong> 1951, 1963, 1975, 1987, 1999, 2011, 2023</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Drache:</strong> 1952, 1964, 1976, 1988, 2000, 2012, 2024</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schlange:</strong> 1941, 1953, 1965, 1977, 1989, 2001, 2013</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Pferde:</strong> 1942, 1954, 1966, 1978, 1990, 2002, 2014</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ziege/Schaf:</strong> 1943, 1955, 1967, 1979, 1991, 2003, 2015</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Affe:</strong> 1944, 1956, 1968, 1980, 1992, 2004, 2016</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hahn:</strong> 1945, 1957, 1969, 1981, 1993, 2005, 2017</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hund:</strong> 1946, 1958, 1970, 1982, 1994, 2006, 2018</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schwein:</strong> 1947, 1959, 1971, 1983, 1995, 2007, 2019</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach hat entweder Buddha oder Ju Di, der Jadekaiser und eine der höchsten Gottheiten im Daoismus, vor vielen Jahrhunderten ein Wettrennen unter den Tieren veranstaltet: Die zwölf Tiere, die es als erste schafften, einen reißenden Fluss zu überqueren, sollten die Tierkreiszeichen des chinesischen Kalenders werden – und zwar in der Reihenfolge, in der sie das Ziel erreichten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ratte, Büffel und Tiger:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Den ersten Platz belegte die Ratte – jedoch nur, weil sie zusammen mit der Katze auf dem Rücken des Büffels durch den Fluss geritten ist, die Katze auf halbem Weg in die Stromschnellen gestoßen hat und schließlich vom Kopf des Büffels gesprungen ist, um als Erstes das Ufer zu erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Büffel belegte den zweiten Platz, während die Katze von der Strömung fortgetrieben wurde oder sogar ertrunken sein soll. Das ist übrigens auch der Grund, warum Katzen Ratten und Mäuse jagen sollen – sie haben ihnen den Verrat nie verziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes folgte der Tiger, der zwar mehr Probleme mit dem reißenden Fluss hatte als der Büffel, aber dennoch gut vorangekommen war.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hase und Drache:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Dann folgte der Hase. Er wählte eine andere Taktik und hüpfte von Stein zu Stein über den Fluss. Leider verfehlte er dabei einen Stein, weil der Abstand zu groß war, schaffte es aber dank eines im Fluss treibenden Baumstamms und eines plötzlichen Windes trotzdem an die andere Seite. So belegte der Hase den vierten Platz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den fünften Platz belegte der Drache – sehr zur Überraschung der Anwesenden, die alle damit gerechnet hatten, dass der fliegende Drache den ersten Platz belegen würde. Aber der Drache erklärte, dass er ein Dorf (je nach Version) vor einem Feuer, einer Dürre oder einer Flut gerettet habe, ehe er sich Richtung Ziel begeben hatte. Auf dem Weg dorthin habe er außerdem den Hasen auf dem Baumstamm gesehen und ihm mit einem Windstoß ans Ufer geholfen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Schlange und Pferd:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz nach dem Drachen näherte sich auch das Pferd der Ziellinie. Was es jedoch nicht wusste: Die Schlange hatte sich um sein Bein geschlungen und sprang im letzten Moment hervor. Dabei erschrak das Pferd, weshalb es erst nach der Schlange die Ziellinie überquerte.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Ziege, der Hahn und der Affe:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Der achte, neunte und zehnte Platz ging an die Ziege, den Hahn und den Affen. Sie hatten sich als Team zusammengeschlossen und ein Floß genutzt, das sie am Ufer gefunden hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der anderen Seite des Flusses ließen sie die Ziege zuerst ins Ziel. Anschließend folgten der Hahn und schließlich der Affe.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der Hund und das Schwein:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Dreien stieg der Hund aus dem Fluss. Obwohl er eigentlich ein hervorragender Schwimmer war, belegte er lediglich den vorletzten Platz. Er hatte das Flusswasser so sehr genossen, dass er entschieden hatte, ein ausgiebiges Bad zu nehmen, statt zum Ziel zu schwimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch das Schwein, das den letzten Platz belegte, hatte die Zeit vertrödelt, da es erst etwas gegessen hatte und dann eingeschlafen war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Erzählungen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gibt es auch bei dieser Legende alternative Erzählungen. Während das Wettrennen durch den Fluss zwar die häufigste Version ist, gibt es z. B. auch Versionen, in denen das Ziel des Rennens das Tor zum Himmel oder der Ort für ein Festessen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere häufige Abweichung ist der Verrat der Ratte an der Katze. So wird die Katze in anderen Versionen manchmal gar nicht erwähnt oder die Ratte erzählt ihr, dass das Wettrennen erst einen Tag später stattfände, woraufhin die Katze nicht rechtzeitig teilnimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Informationen darüber, an welchem Fluss das Wettrennen stattgefunden haben soll, habe ich leider keine finden können. Ich weiß lediglich, dass er irgendwo in China liegt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Hinweis: Zu den Angaben in diesem Abschnitt habe ich nur sehr wenige Quellen im deutsch- und englischsprachigen Internet gefunden, weshalb ich sie nur bedingt auf ihre Richtigkeit prüfen konnte.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der genaue Ursprung der chinesischen Tierkreiszeichen ist nicht bekannt, aber es gibt verschiedene Theorien dazu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine von ihnen besagt, dass sie zur selben Zeit wie der Buddhismus, also in den Jahren von 206 v. Chr. bis 220 n. Chr., von Indien nach China rübergewandert sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dagegen sprechen jedoch einige Funde aus der Zeit der Streitenden Reiche (zwischen 475 v. Chr. und 221 v. Chr.), auf denen die Tiere abgebildet sein sollen. Hier wird argumentiert, dass die Tiere wahrscheinlich schon sehr viel länger Teil des chinesischen Kalenders gewesen seien und noch aus einer Zeit stammen, als in China der Jupiter zur Zeitmessung genommen wurde. Dieser umkreist die Sonne etwa alle 12 Jahre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eindeutig identifiziert wurden die Tierkreiszeichen jedoch erst auf Funden aus der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 9 n. Chr.). Es lässt sich daher also keine der beiden Theorien eindeutig be- oder widerlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weite Verbreitung erlangten die zwölf Tierkreiszeichen schließlich von der Nördlichen Zhou Dynastie (557 bis 581 n. Chr.) bis zur Tang-Dynastie (618 bis 907 n. Chr.). Auch heute noch werden die zwölf Tiere zum Benennen der verschiedenen Jahre in China und anderen Teilen Asiens genutzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Legende der chinesischen Tierkreiszeichen? Welches Tier seid ihr laut chinesischem Kalender? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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