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	<title>Trolle Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Trolle (Mythologie)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Apr 2021 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Riechst du das?“, zischte Maja mir zu.<br />
Es stank wie eine ganze Fußballmannschaft nach einem Spiel im Hochsommer. Wie sollte ich das nicht riechen?<br />
„Damals hat es genauso gestunken!“<br />
Ich starrte sie ungläubig an. Konnte an ihrer Trollgeschichte doch etwas dran sein?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/trolle-mythologie">Trolle (Mythologie)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/827795570c3d42b189d05d303bb778d8" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Trolle der nordischen Mythologie sind ein Thema, vor dem ich mich bisher gedrückt habe, weil die Recherche sehr umfangreich ist. Da ich aber ein großer Fan von Skandinavien bin, habe ich mich jetzt entschieden, den Beitrag endlich zu schreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem habe ich mich – wie bereits angekündigt –, dazu entschlossen, aus Zeitgründen nur noch jeden zweiten Montag ein Beitrag hochzuladen. Dafür werde ich dann endlich wieder Zeit haben, an meinem Buch zu arbeiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist du sicher, dass wir nicht lieber umkehren sollten?“, fragte ich, als Maja zum dritten Mal die Karte in ihren Händen hin- und herdrehte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie nahm die Taschenlampe aus dem Mund und leuchtete mir ins Gesicht. „Stine, <em>du</em> wolltest mir doch nicht glauben, dass ich als Kind einen echten Troll gesehen habe“, erwiderte sie schnippisch. „Außerdem sind wir fast da. Es muss hier irgendwo sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unwohl sah ich mich um, während ich meine pinke Jacke enger um mich schlang. Es war stockdunkel. Ohne unsere Taschenlampen hätten wir wohl nichts als die zahlreichen Sterne am Himmel gesehen. Die Berge hätte man maximal erahnen können. Wieso hatte Maja sich nicht wenigstens eine Vollmondnacht für ihr kleines Abenteuer ausgesucht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr mochte es vielleicht nichts ausmachen, sich die halbe Nacht durch die Berge zu schlagen. Sie war für so etwas geboren, hatte als Kind schon immer nur Forscherin oder Kriegerin spielen wollen. Ich hingegen war eher ein Mädchen für Nagellack und Glitzerzeug. Ich brauchte keine Nachtwanderung durch die dunklen Berge, um einen Kick zu bekommen. Ein Shoppingtrip hätte mir völlig gereicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber vielleicht sollte ich erst einmal erzählen, wie ich in diese Situation gekommen war. Es hatte alles mit einem Streit begonnen. Maja, meine Mitbewohnerin, hatte mir beim Frühstück vor der Uni erzählt, wie sie früher mit ihrem Vater häufig in den Bergen war. Bei einer Nachtwanderung hätten die beiden sogar einmal einen echten, lebenden Troll gesehen. Ich glaubte ihr natürlich kein Wort. Trolle gab es nur in Märchen, Kindergeschichten und Filmen. Hätte jemals jemand einen echten Troll gesehen, hätte es davon bestimmt Bilder auf Instagram gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja hingegen war von ihrer angeblichen Begegnung so überzeugt, dass sie mich keine Woche später nachts mit in die Berge nehmen wollte, um es mir zu beweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie war wie besessen von der Idee. Einen Tag, nachdem ich meine Bedenken geäußert hatte, dass wir uns im Dunklen verirren könnte, hatte sie mir eine Signalpistole auf den Tisch gelegt. Die fallen unter das Waffengesetz! Sie nahm das Thema jedenfalls sehr ernst. Und so bin ich schließlich eingeknickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen war ich mir trotz Signalpistole in meinem Rucksack jedoch ganz und gar nicht mehr sicher, ob das so eine gute Idee war. Obwohl Maja mir versichert hatte, dass sie sich in den Bergen auskenne, irrten wir bereits seit über einer halben Stunde umher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lass uns einfach wieder gehen. Bitte“, flehte ich. „Hier sind keine Trolle.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja warf mir einen giftigen Blick zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rollte bloß mit den Augen. Ohne weiter darüber nachzudenken, legte ich die Hände um den Mund und brüllte aus voller Lunge: „Hallooo? Ist hier irgendwo ein Troll? Dann soll er bitte herkommen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Siehst du? Hier sind keine Trolle“, sagte ich schließlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder ein giftiger Blick. Dann machte Maja plötzlich große Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein seltsamer Gestank breitete sich um uns herum aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Riechst du das?“, zischte Maja mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es stank wie eine ganze Fußballmannschaft nach einem Spiel im Hochsommer. Wie sollte ich das <em>nicht</em> riechen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Damals hat es genauso gestunken!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte sie ungläubig an. Konnte an ihrer Trollgeschichte doch etwas dran sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtshalber schaltete ich die Taschenlampe aus und versteckte mich in einem Gebüsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Schein von Majas Lampe konnte ich jetzt sehen, wie sie triumphierend grinste. Sie machte keine Anstalten, sich zu verstecken. „Glaubst du immer noch, dass ich mir alles eingebildet habe? Außerdem bringt Verstecken nichts. Trolle können dich riechen. Wenn du ihnen entkommen willst, wirst du sie schon austricksen m-“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mit wem redest du?“, unterbrach sie eine grobe Stimme. Sie war sehr tief und klang, als würde ein Mann betont dümmlich sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschrocken drehte Maja sich um. Sie leuchtete das Wesen direkt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb mit offenem Mund völlig reglos im Busch sitzen. Das was dort vor Maja stand, war ein Troll. Anders konnte man es nicht nennen. Es traf genau auf die Beschreibung zu, die Maja mir gegeben hatte: große, knollige Nase, hässlich und mit unintelligentem Gesicht. Davon abgesehen sah er fast wie ein Mensch aus – ein mehrere Meter großer Mensch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„I-ich &#8230;“, stammelte Maja. Dann schien sie sich wieder zu fassen. „Na mit dir“, antwortete sie frech.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du redest mit mir?“, fragte der Troll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, wir reden doch gerade miteinander, oder?“, erwiderte Maja gelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll kratzte sich nachdenklich am Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„J-ja“, sagte er leicht verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verstand die Welt nicht mehr. Wie konnte Maja nur so ruhig bleiben? Hatte sie mir nicht neulich noch erzählt, dass Trolle Menschen fressen?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber warum rede ich mit dir?“, dachte der Troll laut. „Mama sagt, ich soll nicht mit dem Essen reden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama? Gab es hier in der Gegend eine ganze Trollfamilie?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach ja? Und machst du immer, was deine Mama dir sagt?“, erwiderte Maja noch immer viel zu entspannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder kratzte der Troll sich am Kopf. „Ja, eigentlich schon. Mama ist eine schlaue Frau. Ich sollte dich einfach essen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll bückte sich leicht, als er seine große Hand nach Maja ausstreckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte. Warte!“, schrie Maja, während sie zurückwich, endlich mit etwas Panik in ihrer Stimme. „Du solltest mich lieber mit in deine Höhle nehmen und dort kochen. Roh schmecke ich ganz fürchterlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt fiel ich aus allen Wolken. Was zur Hölle hatte sie vor? So dumm, wie der Troll sich anstellte, hätte es tausend andere Möglichkeiten gegeben, Zeit zu gewinnen. Wieso wollte sie sich von ihm entführen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll dachte nicht einmal erst über ihr Angebot nach. Stattdessen klatschte er und sprang voller Vorfreude von einem Bein auf das andere, sodass der Boden bebte. „Oh ja, oder ich brate dich. Ich liebe gebratenen Mensch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann schnappte er sich Maja und schwang sie über seine Schulter. Sie wehrte sich nicht einmal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das irgendeine Art Zauber? Konnten Trolle Menschen gefügig machen? Oder hatte sie einen Plan?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was es auch war, ich musste hinterher. Ich durfte den Troll nicht mit meiner Mitbewohnerin entkommen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stolperte mehr, als dass ich rannte. Das Licht von Majas Taschenlampe, die sie immer noch in der Hand hielt, reichte so gerade aus, damit ich die gröbsten Umrisse vor mir erkennen konnte. Zum Glück ging der Troll nicht sonderlich schnell. Sein Gang erinnerte mich eher an die langsame, aber bedrohliche Gangart eines Filmbösewichtes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach ein paar Metern räusperte Maja sich schließlich. Doch anstatt etwas zu sagen, damit der Troll sie gehen ließ, verwirrte sie mich bloß noch mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Weißt du, Herr Troll, wenn mich jemand suchen sollte, braucht er sich keine Sorgen machen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll blieb verwirrt stehen, um das fast reglose Bündel auf seiner Schulter zu betrachten. „Was? Wieso sollte er sich keine Sorgen machen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja, ich werde doch eh bald von dir gegessen“, erwiderte sie völlig gleichgültig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stimmt.“ Dann ging der Troll entspannt weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das eine Botschaft für mich gewesen? Es musste eine Botschaft sein. Aber was wollte Maja mir damit sagen? Dass sie einen Plan hatte? Ich wünschte, ich hätte sie fragen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einigen weiteren Metern ergriff sie erneut das Wort. „Herr Troll? Stimmt es eigentlich, dass Trolle Gold und Silber sammeln?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Heh“, gab der Troll dümmlich von sich. „Alles, was glänzt. Ich habe eine beachtliche Sammlung zu Hause.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Augen weiteten sich. War das Majas Plan? Wollte sie dem Troll seine Wertsachen stehlen? Dafür würde sie doch nicht ernsthaft ihr Leben aufs Spiel setzen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So, wir sind gleich da“, erklärte der Troll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer wehrte sich Maja nicht. War sie wirklich so leichtsinnig? Oder stand sie doch unter irgendeinem Zauber?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatte ich Probleme, dem Troll zu folgen. Der Boden war so uneben und felsig geworden, dass ich mich mehr auf meine Bewegungen, als auf ihn konzentrieren musste. Ich kletterte, rutschte und stolperte langsam voran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Troll schließlich in einer Felsspalte im Berg verschwand, bemerkte ich es erst daran, dass der Schein von Majas Taschenlampe aus einer großen, aber unauffälligen Höhle kam. Wenn sie ihre Taschenlampe nicht noch in der Hand gehabt hätte, hätte ich sie spätestens jetzt verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig spähte ich in die Höhle. Das Licht wurde immer schwächer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich glaub, ich grill dich über dem Feuer. Sodass du schön knusprig bist. Mhmmm &#8230;“, hallte die tiefe Stimme des Trolls aus der Höhle. Ich hoffte, dass es am Hall lag, dass sie so weit entfernt klang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wagte ich es nicht, noch mehr Zeit zu verlieren. Schnell schlitterte ich einen kleinen Abhang hinunter. Hoffentlich war der Troll zu abgelenkt, um den Lärm zu bemerken, den ich dabei machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich auf das Licht zu rannte, achtete ich darauf, leiser zu sein. Zum Glück war der Troll mit Maja in ein Gespräch vertieft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du solltest mich lieber kochen“, erklärte Maja ruhig. „Gekocht schmecke ich viel besser. Ich warte auch hier, während du das Wasser holst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll schnaubte verächtlich. „Für wie blöd hältst du mich eigentlich? Bis ich das Wasser den Berg raufgeschleppt habe, ist es Tag. Ich habe keine Lust, mich in Stein zu verwandeln.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stimmt. Davon hatte Maja auch erzählt. Wenn ein Troll Sonnenlicht abbekam, verwandelte sich sein ganzer Körper in einen leblosen Felsen. War das ihr Plan?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„N-Na gut, das verstehe ich. Vielleicht möchtest du aber einige Kräuter sammeln, damit du mich etwas würzen kannst?“, schlug Maja vor. Ich merkte, dass ihre Gelassenheit langsam schwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hm. Nein. Grünzeug verdirbt nur den Geschmack“, erklärte der Troll. Dabei leckte er sich über die Lippen, während er Maja gierig ansah. „Vielleicht sollte ich dich doch roh essen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja wollte etwas erwidern, doch der Troll hatte bereits nach ihr gepackt. Diesmal wehrte sie sich mit Händen und Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war bereits dabei, sie zu seinem vor seinem vor Speichel triefenden Mund zu führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein. Nein!“, kreischte sie. Sie konnte sich nicht befreien!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich wusste, was ich tat, sprang ich aus meinem Versteck. „Warte!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll sah sich verdutzt um. Es dauerte einen Moment, bis sein Blick auf mich fiel. Ich hatte unterdessen die Signalpistole aus dem Rucksack gekramt und richtete sie auf ihn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Noch ein Mensch? Das wird ja ein richtiges Festmahl.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt, wo er mir direkt gegenüberstand, die großen Augen auf mich gerichtet, kam er mir noch riesiger vor. Wie der Tannenbaum, der im Winter im Shoppingcenter stand – bloß, dass dieser Tannenbaum sich jeden Moment auf mich stürzen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Keinen Schritt weiter!“, brüllte ich leicht hilflos. Ich wusste, dass die Signalpistole den Troll kaum verletzen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ergriff Maja das Wort. „Du solltest besser auf sie hören“, empfahl sie. Sie wirkte wieder gelassener.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie kurz verwirrt an, bis ich meinen Blick wieder möglichst selbstbewusst auf den Troll richtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist eine Sonnenpistole“, erklärte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Eine S-Sonnenpistole?“, fragte der Troll. Man merkte sofort, dass ihm bereits das Erwähnen der Sonne Angst zu machen schien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stine, schieß doch mal in den Gang da vorne“, sagte Maja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie wusste doch, dass ich nur einen Schuss hatte? Andererseits schien sie einen Plan zu haben – ich hoffte nur, dass er besser war, als ihr letzter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach kurzem Zögern und einem bestätigenden Zunicken von Maja, wandte ich mich schließlich dem Gang zu, auf den sie gezeigt hatte. Ich zielte mit der Signalpistole und betätigte den Abzug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Zischen schoss das Signalfeuer in den Gang, wo der Lichtschein sich rasch entfernte. Gleichzeitig hörte ich, wie der Troll ängstlich aufschrie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er ließ Maja fallen, die sich sofort wieder aufrichtete. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rieb sie sich den Hintern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ganz recht“, sagte sie leicht gequält. „Meine Freundin hier kann Sonnenlicht verschießen. Willst du etwa, dass der nächste Schuss in deine Richtung geht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Troll wurde sofort kreidebleich. „N-Nein, bitte!“, flehte er. „Ich will noch nicht sterben!“ Es war erschreckend, wie menschlich seine Emotionen wirkten. Ich hatte fast Mitleid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann rennst du jetzt sofort aus dieser Höhle“, forderte Maja. „Du wirst dir diese Nacht einen anderen Platz zum Schlafen suchen müssen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ sich der Troll nicht zweimal sagen. Er nahm seine Beine in die die Hand und sprintete ich Richtung Höhleneingang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem er weg war, rannte ich sofort zu Maja und schloss sie fest in den Arm. „Verdammt. Ich dachte schon, das war’s mit dir. Lass uns von hier abhauen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Maja machte keine Anstalten, mitzukommen. Stattdessen begann sie, sich im Raum umzusehen. „Was meinst du, wo er sein Gold versteckt hat?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte sie mit offenem Mund an. Das konnte nicht ihr Ernst sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guck nicht so. Der Troll ist weg. Wenn du mit suchst, finden wir es schneller.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir hätten tot sein können!“, schimpfte ich. Sie war also doch bloß hinter seinem Schatz her. „Ich gehe jetzt. Wenn du noch hierbleiben willst, ist das deine Sache.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja ließ sich davon nicht beirren. Selbst, als ich in Richtung Ausgang ging, in der Hoffnung, dass sie mir leicht beleidigt folgen würde, blieb sie stur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz, bevor ich die Höhle tatsächlich verließ, blieb ich stehen. Was sollte ich tun? Ich konnte sie nicht einfach zurücklassen. Außerdem würde ich ungern allein durch die dunklen Berge irren. Sollte ich ihr doch beim Suchen helfen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich hörte ich Stimmen von draußen. Fluchtartig rannte ich in einen der Seitentunnel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn auch nur eines meiner Goldkettchen weg ist, dann kannst du was erleben!“, schimpfte eine Frauenstimme. Sie erinnerte mich an Donnergrollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„J-ja, Mama“, sagte der Troll kleinlaut. Ich erkannte seine dümmliche Stimme sofort wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sonnenpistole, so ein Schwachsinn“, schimpfte sie weiter. „Menschen können keine Sonnenstrahlen erschaffen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie schien jedenfalls deutlich schlauer zu sein, als ihr Sohn. Aber das Schlimmste war, dass ihre Schritte sich schnell näherten. Sie kamen in die Höhle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den nächsten Sekunden hielt ich die Luft an. Ich wünschte, ich hätte Maja warnen können. Aber das wäre nicht gegangen, ohne auf mich selbst aufmerksam zu machen oder mit ihr zusammen in der Falle zu sitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schritte waren jetzt fast bei mir. Dann entfernten sie sich wieder – in die Richtung, in der Maja jetzt in der Falle saß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na sowas, wen haben wir denn hier?“, ertönte die Stimme der Trollfrau hallend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ergriff die Gelegenheit, um aus der Höhle zu fliehen. Draußen angekommen, dachte ich darüber nach, etwas in die Höhle zu brüllen, um die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Aber was sollte ich dann tun? Ich hatte vorhin schon Probleme gehabt, mit dem Troll mitzuhalten, als er gemütlich gegangen war. Jetzt würden sie rennen. Außerdem waren sie zu zweit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweren Herzens entschloss ich, meine Mitbewohnerin zurückzulassen. Ich rannte bergabwärts, versuchte grob, dem Weg zu folgen, den wir gekommen waren, musste aber irgendwo falsch abgebogen sein. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich durch die Berge geirrt war, bis ich schließlich zu einem Wanderweg kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maja habe ich nie wieder gesehen. Ihren Eltern und der Polizei erzählte ich, sie sei allein in die Berge gefahren. Zu sehr schämte ich mich, dass ich nicht versucht hatte, sie zu retten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so habe ich noch nie jemandem von jener Nacht erzählt – bis heute jedenfalls. Daher hoffe ich, dass ihr euch diese Geschichte zu Herzen nehmt. Vielleicht könnt ihr aus Majas und meinen Fehlern ja etwas lernen.</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trolle sind nicht nur ein bekanntes Internetphänomen, sondern auch Teil der nordischen Mythologie. Dort existieren sie schon seit über 1.000 Jahren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Trolle der nordischen Mythologie können stark in ihrem Aussehen variieren. Einige von ihnen sind groß wie Berge, andere bloß wie sehr große Menschen und wieder andere sehr klein, wie Zwerge. Sie alle sollen jedoch eine verhältnismäßig große Nase und – sofern sie Haare haben – eine wilde, ungepflegte Frisur besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In früheren Erzählungen waren Trolle noch sehr menschenähnlich. In der Neuzeit haben sie jedoch vermehrt Tiermerkmale wie spitze Ohren, Fell oder Tierschwänze bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch die eher menschenähnlichen Trolle können unmenschliche Merkmale wie mehrere Köpfe (in der alten Liedersammlung Edda ist sogar von einem vierköpfigen Troll die Rede), spitze, raubtierartige Zähne, klauenartige Fingernägel oder nur ein Auge besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird Trollen meist eine außergewöhnliche Hässlichkeit zugeschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn es einige Geschichten über gute oder hilfreiche Trolle gibt, sind die meisten von ihnen bösartig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie fressen für ihr Leben gerne Menschen – besonders Kinder. Dabei haben sie einen sehr guten Geruchssinn, der ihnen bei der Jagd hilft. Zudem sie sind übernatürlich stark und ihre Verletzungen heilen unglaublich schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ist es nicht allzu schwierig, einem Troll zu entkommen. Sie können sich zwar mit Menschen verständigen und unsere Sprache sprechen, sind ansonsten aber sehr dumm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man muss sich also nur einen Trick einfallen lassen, um den Troll zu überlisten, oder ihn solange hinhalten, bis die Sonne aufgeht. Es heißt nämlich, dass sich Trolle sofort zu Stein verwandeln, wenn ein Sonnenstrahl sie berührt. Daher sind Trolle ausschließlich nachtaktiv.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternativ gibt es einige Erzählungen, die davon berichten, dass Trolle bei Kontakt mit Sonnenlicht zerplatzen. Die Versteinerung ist jedoch deutlich weiter verbreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt in Skandinavien ganze Gebirge und Berge, die nach Trollen benannt sind. Z. B. heißt der Felsvorsprung „Trolltunga“ in Norwegen übersetzt „Trollzunge“ und soll laut Legende die versteinerte Zunge eines Trolls sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht immer können sich Trolle einfach überlisten lassen. Einige von ihnen sollen sogar über magische Kräfte verfügen, mit denen sie Lawinen oder Unwetter auslösen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem heißt es, dass Trolle Gold und Silber lieben, weswegen manche Trollhöhlen große Reichtümer bergen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um an diese Reichtümer zu gelangen, reicht es jedoch nicht immer aus, einen einzelnen Troll zu überlisten. Denn obwohl viele Trolle allein leben, gibt es auch einige, die sich ihr Zuhause mit ihrer Familie teilen. Und die Trollfamilie wäre nicht sonderlich erfreut, wenn sie einen Menschen in ihrer Höhle bemerken oder herausfinden, dass er eines ihrer Familienmitglieder getötet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Dinge, die man Trollen nachsagt, sind, dass sie sehr naturverbunden seien – teilweise sollen sie sogar bedürftige Tiere und Bäume pflegen – und, dass sie Angst vor Kirchenglocken haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Trolle der nordischen Mythologie leben sehr abgeschieden. Meist leben sie in Höhlen in Wäldern, den Bergen oder unter der Erde. Seltener bewohnen sie Hütten oder Burgen. Einige von ihnen sollen sogar im Ozean leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen leben sie in Utgard, einer Welt, die fast ausschließlich von Trollen und Riesen bewohnt sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste bekannte schriftliche Erwähnung von Trollen stammt aus dem 9. oder 10. Jahrhundert aus den Schilderungen der Skalden. Seither – und wahrscheinlich auch schon davor – wurden Trolle als beliebter Kinderschreck in Skandinavien genutzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 18. oder 19. Jahrhundert entstand schließlich eine teilweise freundlichere Form des ursprünglich gefürchteten Trolls, als er erstmals als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> in Märchen aufgetaucht ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sorgte J. R. R. Tolkien Anfang des 20. Jahrhundert mit seinem inzwischen weltberühmten Buch „Der Hobbit“, in dem drei Trolle vorkommen, für einen Bekanntheitsschub der Wesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 1945, als die Schriftstellerin Tove Jansson die Mumins – freundliche, nilpferdartige Trollwesen – erfunden hat, wurden Trolle zudem vermehrt niedlich dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber obwohl in den größten Teilen Skandinaviens der Glaube an echte Trolle nur bis ins 19. Jahrhundert andauerte, gibt es auf Island noch heute viele Menschen, die an die Trolle der nordischen Mythologie glauben. Schuld daran könnten u. a. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gryla" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grýla</a> und ihre <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yule Lads</a> sein, um die sich das isländische Weihnachtsfest dreht.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Geschichte? Ich muss gestehen, dass sie mir persönlich nicht ganz so gut gefällt, aber vielleicht bin ich auch bloß zu selbstkritisch. Wie hättet ihr an Stines Stelle reagiert? Wärt ihr auch weggerannt, um euch in Sicherheit zu bringen, oder hättet ihr versucht, Maja zu retten? Schreibt es in die Kommentare.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Die Yule-Katze</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Dec 2020 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Während die LKW-große Katze langsam näherkam, krampfte sich mein Magen zusammen. Es sah aus, als würde die Katze durch eine Miniaturstadt wandern. Gegen diese Bestie hätte ich keine Chance …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/73daf957c7f14c818ceb1c5896fefb06" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze ist meine letzte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtslegende</a> für dieses Jahr. Es geht um das grausame Haustier von <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gryla" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grýla</a> und den <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yule Lads</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem werde ich jetzt erst einmal in eine kurze Winterpause gehen. Ich weiß jedoch noch nicht, ob ich den nächsten Beitrag am 04.01 oder erst am 11.01.2021 veröffentlichen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis dahin wünsche ich euch auf jeden Fall trotz der Umstände frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! ^^</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Diese Geschichte ist der dritte und letzte Teil des diesjährigen Weihnachts-Specials. Wenn ihr die vorherigen Teile noch nicht kennt, könnt ihr Teil 1 <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads#Die_Geschichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a> und Teil 2 <a href="https://www.geister-und-legenden.de/gryla" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a> nachlesen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch sprintete ich Grýla nach. Sie durfte Björn und Elva nicht haben! Ich würde das nicht zulassen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich die Haustür erreichte, schlug mir sofort eisige Luft entgegen. Grýla hatte bereits einen großen Vorsprung. Ich konnte sie nur dank des Schnees erkennen, vor dem sich ihre Silhouette trotz der Dunkelheit deutlich abzeichnete. Der Sack auf ihrem Rücken zappelte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Björn! Elva!“, kreischte ich ihnen hinterher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne auch nur daran zu denken, mir meine Schuhe anzuziehen oder eine Jacke überzuwerfen, stürmte ich in meinem Nachthemd nach draußen. Der Schnee unter meinen nackten Füßen war eiskalt. Eine Kälte, die sich schnell in meinen Beinen und dann meinem restlichen Körper ausbreitete. Ich ignorierte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber obwohl ich so schnell sprintete, wie ich konnte, wurde Grýla in der Ferne kleiner und kleiner. Als sie schließlich den Wald erreichte, der mein Haus und die Farm meines Nachbarn von der Stadt trennte, war ihre Silhouette im Schatten der Bäume verschwunden. Trotzdem gab ich nicht auf. Ich konnte noch immer deutlich ihre Fußabdrücke sehen, die sich vor mir im Schnee abzeichneten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise bereitete mir der Wald nachts ein mulmiges Gefühl. Ich wusste zwar, dass es in Island keine gefährlichen Tiere gab, doch die Bäume, die mit ihren kahlen Ästen nach mir zu greifen schienen und die Dunkelheit, die sich um mich herum ausbreitete, erfüllten mich sonst immer mit Unbehagen. Heute war es jedoch anders. Heute galten all meine Gedanken Björn und Elva.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was, wenn ich sie nicht einholte? Was, wenn Grýla sie tatsächlich zu Suppe verarbeitete? Wie sollte ich das Stéfan sagen? Ich könnte meinem Bruder nicht mehr in die Augen sehen, wenn seiner Tochter unter meiner Aufsicht etwas zustieß …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein!“, sagte ich laut. Ich durfte so nicht denken! Noch sah ich Grýlas Fußspuren im Schnee – und solange es weiterhin wenig schneite, würde sich das nicht so bald ändern. Wenn es sein musste, würde ich sie bis in ihre Höhle verfolgen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich das Waldstück verließ, hatte sich ein schmerzhaftes Stechen in meiner Seite ausgebreitet. Ich verlangsamte meine Schritte. Nicht wegen der Schmerzen oder weil mein Herz so schnell raste, dass das Pochen die meisten Geräusche um mich herum übertönte. Nein. Ich stand vor einem ganz anderen Problem …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geschockt ließ ich meinen Blick über die Häuser vor mir wandern. Grýla war direkt in die Stadt gelaufen. Das wäre an sich kein Problem gewesen – auf den ebenen Gehwegen und Straßen wäre ich sicherlich schneller und besser vorangekommen –, doch in der Stadt wurde gestreut. Während ich bis hier Grýlas Fußabdrücke noch deutlich sehen konnte, lag jetzt nichts als Asphalt und Pflastersteine vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein … Nein!“, stammelte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich meinen ersten Schritt auf den kalten Stein tat, entfuhrt mir ein leiser Schmerzensschrei. Entsetzt starrte ich auf meine Füße. Sie bluteten – wahrscheinlich hatte ich sie mir im Wald an den Steinen, Wurzeln und spitzen Stöcken aufgerissen. Der Fußnagel meines rechten kleinen Zehs hatte sich halb gelöst …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wären meine Beine durch die Kälte nicht so gut wie abgestorben, hätte ich wohl keinen weiteren Schritt gehen können, ohne zusammenzubrechen. Aber ich durfte mich nicht von dem Salz auf den Wegen ablenken lassen. Ich hatte wichtigere Probleme: Ich musste Björn und Elva finden. Doch wo sollte ich hingehen? Woher sollte ich wissen, in welche Richtung Grýla gegangen war? Wollte sie noch mehr unartige Kinder entführen oder lag die Stadt bloß auf ihrem Nachhauseweg?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich einige Sekunden ziellos durch die Stadt geirrt war, erreichte ich eine Kreuzung. Drei Straßen, die in völlig unterschiedliche Richtungen führten. Nur eine von ihnen würde mich meinem Sohn und meiner Nichte wieder näher bringen. Doch woher sollte ich wissen, welche?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hoffnungslosigkeit breitete sich in mir aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlegte, ob ich an einem der Häuser klingeln sollte. Aber selbst, wenn jemand mir mitten in der Nacht die Tür öffnete … Was sollte ich dann sagen? Dass Grýla – eine mythische Trollfrau, an die kein normaler Mensch glaubte – meinen Sohn und meine Nichte entführt hat, weswegen ich in meinem Nachthemd nach draußen gerannt war, um sie im Alleingang zu retten? Ich wusste selbst, wie verrückt das klang. Bevor ich die Bewohner oder die Polizei auch nur ansatzweise von der Wahrheit überzeugen konnte, wäre Grýla über alle Berge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zu Fuß hatte ich doch auch nicht mehr Chancen. Wenn ich jetzt in die falsche Richtung lief, würde ich mich noch weiter von den Kindern entfernen. Grýla war sowieso schon schneller als ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch sah ich mich auf der Kreuzung um. Ich suchte nach irgendeinem Hinweis, der auf Grýla hindeutete. Umgeknickte Äste, ein Stofffetzen, der in einer Hecke oder an einem Gartenzaun hing. Doch da war nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich … Ich hatte Björn und Elva verloren. Meinen Sohn. Stéfans Tochter. Unseren Lebenssinn. Meine Sicht begann vor Tränen zu verschwimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Björn! Elva!“, schrie ich aus voller Lunge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand, als mein Kopf bereits auf Leerlauf stellen wollte, hallte plötzlich ein Schrei durch die Luft. Ein wütender Schrei. Fast schon unmenschliches Gebrüll. Grýlas Gebrüll. Es musste ihr Gebrüll sein. Selbst in ihrer Stimme lag etwas Hässliches!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neue Energie – Adrenalin – schoss durch meinen Körper. Noch hatte ich nicht verloren. Ich wusste genau, aus welcher Richtung der Schrei gekommen war!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ignorierte die Schmerzen, die bei jedem Tritt in das Streusalz durch meine wunden Füße fuhren. Stattdessen achtete ich auf alles in meiner Umgebung. Ich achtete auf jede Bewegung, jedes Geräusch: Salz knirschte unter meinen Füßen auf den Steinen. Straßenlaternen surrten. Aber da war noch etwas. Als ich mich einem kleinen Einfamilienhaus mit einer Steinmauer im Vorgarten näherte, war da ein Flüstern. Ganz leise, sodass ich fast dachte, dass ich es mir bloß eingebildet hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da kommt wer!“, zischte eine hohe Stimme fast völlig lautlos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb abrupt stehen. „Ist da jemand?“, fragte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich bewegte sich etwas auf dem Grundstück neben mir. Hinter der niedrigen Mauer lugte ein kleiner Kopf hervor. Ich konnte meinen Augen kaum trauen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Björn?“, hauchte ich ungläubig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann streckte auch Elva ihren Kopf hinter der Mauer hervor. „Tante Freyja!“, rief sie aufgeregt, bevor sie an der Mauer vorbei rannte und sich fest an mich drückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn folgte ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie … wie seid ihr entkommen?“, fragte ich verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elva ließ von mir ab und griff in ihre Schlafanzugtasche, woraufhin sie ein kleines Taschenmesser hervorzog. Ich machte große Augen. Elva hatte das geplant. Sie wusste, dass Björn Angst davor hatte, von Grýla entführt zu werden, weil er dieses Jahr nicht sonderlich artig war. Deswegen hatte sie sich plötzlich so seltsam verhalten, war auf dem Bett gesprungen und hatte mich beleidigt. Sie <em>wollte</em> von Grýla entführt werden, um Björn das Leben zu retten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schloss Elva noch einmal fest in den Arm. „Danke!“, hauchte ich ihr zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte bloß, dass sie mir vorher von ihrem Plan erzählt hätte. Dann hätte ich mir wohl weniger Sorgen machen müssen. Andererseits hatte ich ihr letzte Woche erst verboten, alleine mit einem scharfen Messer zu hantieren, als wir Laufabrauð gebacken hatten …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„M-Mamma?“, stammelte Björn plötzlich. Ich hörte an seiner Tonlage sofort, dass das Zittern in seiner Stimme nicht nur an der Kälte lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist?“, flüsterte ich schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn hob den Finger und deutete in die Richtung, aus der ich gekommen war. Ich rechnete bereits damit, dass Grýla wieder aufgetaucht war, weil sie nach den Kindern suchte, als mein Blick auf etwas deutlich Größeres fiel … Es war eine riesige schwarze Katze – die Yule-Katze. Auch das noch …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze war das Haustier Grýlas und der Yule Lads … sofern man ein solches Monster überhaupt als Haustier bezeichnen konnte. Ähnlich wie bei ihren Besitzern drehte sich die Legende der Yule-Katze um die Weihnachtszeit. Es hieß, dass sie jeden verschlingen solle, der zu Weihnachten keine neue Kleidung trug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund war Kleidung in Island ein solch beliebtes Weihnachtsgeschenk. Deswegen hatte ich Björn und Elva die neuen Schlafanzüge geschenkt. Wie auch bei Grýla und den Yule-Lads hätte ich jedoch niemals damit gerechnet, dass die Geschichten stimmten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„K-keine Sorge. Sie tut euch nichts, solange ihr die neuen Schlafanzüge tragt“, versuchte ich Björn und Elva zu beruhigen, während ich sie langsam im Rückwärtsgang weiter die Straße hinauf schob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und was ist mit dir?“, fragte Björn leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weitete die Augen. Er hatte recht. Ich trug nichts außer meinem alten Nachthemd. Mein Bruder Stéfan und ich hatten vereinbart, dass wir uns dieses Jahr gegenseitig neue Kleidung schenkten, doch er hatte sich verspätet und würde erst irgendwann diese Nacht ankommen. Ich trug keine schützende neue Kleidung!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die LKW-große Katze langsam näherkam, krampfte sich mein Magen zusammen. Es sah aus, als würde die Katze durch eine Miniaturstadt wandern. Gegen diese Bestie hätte ich keine Chance … Doch noch hatte die Yule-Katze uns nicht bemerkt. Wenn wir weiter langsam rückwärts gingen, könnten wir vielleicht …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze stoppte in der Bewegung. Sie hob den Kopf und fixierte uns mit ihren Augen. Es war zu spät …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mamma. Die Yule-Katze wird mir nichts tun“, erklärte Björn leise, ohne mich anzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wozu sagte er mir das?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich möchte also, dass du wegrennst. Mach dir keine Sorgen um mich!“, fuhr er fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich realisierte, was er damit sagen wollte, war es zu spät, um ihn aufzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Björn! Nein!“, rief ich ihm nach, doch er rannte bereits auf das Monster zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Katze beobachtete ihn jetzt. Sie legte die Ohren flach an, während sie einen Buckel machte und ihn anfauchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn drehte sich zu mir um. Er machte eine wegscheuchende Handbewegung. „Lauft!“, rief er in einem befehlenden Tonfall. Ich hatte meinen Sohn noch nie so mutig gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich Elva auf den Arm genommen hatte, sprintete ich los. Ich zwang mich, nach vorne zu blicken, damit ich nicht stolperte. Trotzdem wagte ich einen flüchtigen Blick über die Schulter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn sah aus wie ein Spielzeug, wie er dort vor der gigantischen Katze stand. Doch sie hatte ihn noch nicht angegriffen. Sie stand fast reglos da und fauchte nur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich schien sie das Interesse zu verlieren und wandte sich ab. Mir fiel ein Stein vom Herzen – jedoch nur, bis die Katze mich mit ihren Augen fixierte …!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! Hier bin ich!“, schrie Björn und wedelte mit den Armen. Die Katze beachtete ihn nicht, sondern begann, auf mich zu zu rennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich um eine Kurve gesprintet war – ich hoffte, irgendwo ein Versteck zu finden, schnell genug wegrennen konnte ich vor der Katze jedenfalls nicht –, sah ich in einiger Entfernung plötzlich zwei Lichter auf der Straße … Scheinwerfer! Doch das Auto hatte bereits einen Blinker gesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem freien Arm, der nicht Elva umklammerte, begann ich wie wild zu winken. „Hier! Hilfe! Ich bin hier!“, schrie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Licht des Blinkers erlosch. Stattdessen beschleunigte der Wagen und kam direkt auf mich zu, bis er vor mir zum Stehen kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein dunkelblauer Toyota. Ich kannte das Auto! Die Fahrertür öffnete sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„O Gott, Freyja! Was ist passiert!?“, fragte Stéfan, als er auch mich und Elva erkannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo ist mein Weihnachtsgeschenk?“, rief ich ihm entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Auf … auf dem Beifahrersitz“, antwortete er verwirrt. „Was macht ihr hier? Wo ist eure Kleidung?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich antwortete nicht, sondern setzte Elva ab. „Steigt ins Auto!“, befahl ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sowohl Elva als auch mein Bruder kamen der Bitte sofort nach, während ich die Beifahrertür öffnete. Auf dem Sitz lag ein liebevoll verpacktes Geschenk, das ich jetzt achtlos zerriss und den grünen Schal darin – meine Lieblingsfarbe –, hektisch um meinen Hals schlang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammt, Freyja! Rede mit mir! Was ist los?“, flehte Stéfan verzweifelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich musste ihm die Frage nicht beantworten. Die Yule-Katze hatte unsere Straße erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße!“, stieß Stéfan aus, als er sie bemerkte. Es war wahrscheinlich das erste Mal, dass seine Tochter ihn fluchen hörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So langsam ich konnte, stieg ich in den Wagen, während die Yule-Katze bedrohlich, fast schon siegessicher auf uns zukam. Ich wusste, dass das Auto mir keinen Schutz bieten würde – nicht, wenn die Legenden stimmten –, aber ich fühlte mich hier trotzdem sicherer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Stéfan nach dem Autoschlüssel in der Zündung griff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nicht!“, zischte ich ihm zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt, wo ich einen neuen Schal trug, müssten wir eigentlich in Sicherheit sein. Bei Björn, den ich jetzt übrigens aus dem Augenwinkel sehen konnte – er versteckte sich mehr schlecht als recht mit etwas Abstand zur Yule-Katze hinter einer Straßenlaterne –, hatte es schließlich auch geklappt. Sie hatte ihn wegen seines neuen Pyjamas in Ruhe gelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze stellte ihre Pfote auf die Motorhaube, sodass sich der Wagen leicht nach vorne neigte. Vier scharfe Krallen bohrten sich in den Lack. Dann senkte sie den Kopf, sodass ich ihre großen Augen direkt durch die Windschutzscheibe sehen konnte. Ihre Pupillen hatten mich noch immer fixiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt vor Anspannung die Luft an. Wieder begann mein Herzklopfen die Geräusche um mich herum zu übertönen: Bumm bumm, bumm bumm, bumm bumm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Yule-Katze ein fürchterliches Fauchen von sich gab – ein Speichelfaden zog sich zwischen ihren Zähnen – schloss ich die Augen. Entweder würde es gleich vorbei sein, oder wir waren in Sicherheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es passierte nichts. Weder griff die Yule-Katze an, noch merkte ich, dass sie die riesige Pfote wieder von der Motorhaube nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig öffnete ich die Augen. Die Yule-Katze war noch da. Sie starrte noch immer durch die Windschutzscheibe. Doch ihre Augen waren nicht mehr auf mich gerichtet …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stéfan?“, fragte ich möglichst ruhig. „Trägst du irgendwelche neue Kleidung?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stéfans Atem war kurz und stoßartig, während die Yule-Katze an der Windschutzscheibe schnupperte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stéfan!“, drängte ich etwas energischer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder hob vorsichtig die Hand und zeigte mir seine Krawatte, die lose um seinen Hals hing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert atmete ich auf. Aber warum verschwand die Yule-Katze dann nicht? Hatte ich irgendetwas nicht bedacht, oder nahm sie sich bloß ihre Zeit, um sicherzugehen, dass es hier nichts mehr zu holen gab?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als habe sie meine Gedanken gelesen, richtete die Yule-Katze sich auf. Sie nahm die Pfote von der Motorhaube, bevor sie an dem Auto vorbei ging und langsam im Rückspiegel verschwand, als wäre nie etwas gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Björn merkte, dass die Gefahr vorüber war, rannte er zu uns. Doch erst, als er endlich neben Elva auf der Rücksitzbank saß, spürte ich, wie all meine Last von mir abfiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schmerzen und die Unterkühlung machten sich langsam bemerkbar. Doch vor allem spürte ich eins: Erleichterung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stéfan war hingegen noch immer angespannt. „Was zur Hölle war das?“, fragte er, den Blick weiter in den Rückspiegel gerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist eine lange Geschichte …“, erklärte ich. „Ich erzähle dir alles, wenn wir zu Hause sind.“</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze, eigentlich Jólakötturinn oder Jólaköttur (isländisch für „(die) Weihnachtskatze“), ist eine riesige Monsterkatze der isländischen Sagenwelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass die Yule-Katze das Haustier Grýlas und der Yule Lads sei.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Meist wird die Yule-Katze als riesige, schwarze Katze bezeichnet, wobei die Farbe in einigen Erzählen auch variieren kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was „riesig“ in diesem Fall bedeutet, ist unklar. So ist sie in manchen Darstellungen nur knapp größer als ein Mensch, während sie andere Male größer als ein Haus oder noch riesiger dargestellt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abgesehen von der Größe soll sie aber einer normalen Katze relativ ähnlich sehen, wenn auch ihr Blick angsteinflößend sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze soll in den Weihnachtsnächten in isländischen Dörfern und Städten auf die Jagd nach Kindern und Erwachsene gehen. Zum Glück gibt es jedoch eine einfache Möglichkeit, sich gegen sie zu schützen: Sie verschont jeden, der zu Weihnachten ein neues Kleidungsstück trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund ist Kleidung in Island ein beliebtes Weihnachtsgeschenk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist man jedoch zu arm, um sich selbst neue Kleidung zu kaufen, und hat keine geschenkt bekommen, ist man der riesenhaften Katze schutzlos ausgeliefert. Sie spürt einen auf, um einen bei lebendigem Leibe zu fressen oder – laut einigen anderen Erzählungen – zu Grýla zu bringen, damit diese einen in ihre Suppe werfen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine verharmloste Variante besagt hingegen, dass man weder gekocht, noch gefressen wird. Stattdessen soll die Yule-Katze einem nur den Weihnachtsbraten bzw. das Weihnachtsessen sowie häufig auch die Süßigkeiten und Weihnachtskekse wegfressen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trägt man hingegen neue Kleidung, kann es zwar vorkommen, dass die Yule- Katze einem einen gewaltigen Schrecken einjagt, indem sie einen anfaucht, anschließend zieht sie jedoch weiter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze kommt zur Weihnachtszeit in die Dörfer und Städte Islands, um dort Menschen zu jagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo sie sich die restliche Zeit des Jahres aufhält, ist nicht bekannt. Es wird jedoch vermutet, dass sie zusammen mit Grýla, den Yule-Lads und Leppalúði in Grýlas Höhle lebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yule-Katze wurde erstmals im 19. Jahrhundert schriftlich erwähnt und könnte somit das jüngste Mitglied von Grýlas Familie sein. Ob an der Aussage, dass sie mündlich bereits deutlich länger existiert haben soll, etwas dran ist, ist unbekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird jedenfalls vermutet, dass die Legende der Yule-Katze zwei Dinge bezwecken sollte:</p>



<ol class="wp-block-list"><li>Eltern haben ihren Kindern zu Weihnachten oder in der Vorweihnachtszeit damit gedroht, ihnen keine neue Kleidung zu schenken, wenn sie nicht artig waren oder ihre Aufgaben im Haushalt nicht erledigt haben.</li><li>Die Wollarbeiter waren dazu gezwungen, ihre Wolle bis Weihnachten verarbeitet zu haben, damit sie sich aus ihrem Anteil etwas eigenen stricken konnten. Das war zu früheren Zeiten besonders wichtig, weil die Leute auf warme Kleidung angewiesen waren.</li></ol>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch heute noch ist das Schenken von Kleidung zu Weihnachten eine beliebte Tradition in Island. Auch andere Vorteile – wie z. B., dass in der Zeit häufig Kleidung für Bedürftige gesammelt und gespendet wird, haben sich daraus ergeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der unstillbare Hunger der Yule-Katze hat also auch gute Dinge bewirkt.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>So, das war dann auch schon der letzte Teil meines Weihnachts-Specials. Wie hat euch die Geschichte gefallen? Was haltet ihr von der Yule-Katze und der Tradition, zu Weihnachten Kleidung zu verschenken? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>Grýla</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Dec 2020 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich Björns Zimmer betrat, sahen er und Elva bedrückt drein. Elva hatte nicht einmal ihre Süßigkeiten angerührt, sondern sie neben Björns neuer Kartoffel in ihrem Schuh liegen lassen.<br />
„Ich will nicht, dass Grýla Björn mitnimmt!“, jammerte sie, während sie auf mich zu rannte und sich an mein Beim kuschelte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/2d9fc847ed6440fba353f5bf9407f0d5" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Grýla ist der zweite Teil meines isländischen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachtsspecials</a>. Die Geschichte ist die Fortsetzung meiner Geschichte über die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yule Lads</a>. Wenn ihr euch also für meine Geschichten interessiert, würde ich euch empfehlen, den Beitrag zuerst zu lesen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Den ersten Teil dieser Geschichte findet ihr <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-lads#Die_Geschichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast <em>was</em>!?“, fragte ich entsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich wollte dem Vogel doch nicht wehtun!“, erwiderte Björn verzweifelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja klar. Du hast die Steine nach den Vögeln geworfen, weil du ihnen <em>nicht</em> wehtun wolltest!“, sagte ich sarkastisch, während ich mir die Schläfen massierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn war völlig fertig mit der Welt. Er sah aus, als würde er jede Sekunde anfangen, loszuheulen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hee“, sagte ich schnell. „Ich wollte nicht laut werden … Aber so etwas macht man nicht. Du darfst das nie wieder tun, verstanden?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Björn nickte. Jetzt konnte er seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich nahm ihn fest in meine Arme, während er bitterlich weinte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es waren keine acht Stunden vergangen, seit Türzuschläger uns terrorisiert hatte. Keine acht Stunden, seit ich erfahren hatte, dass es Trolle wie Grýla oder die Yule Lads wirklich gab. Keine acht Stunden, seit ich wusste, dass Björn in Lebensgefahr schwebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Zeit verstreichen lassen. Sofort am nächsten Morgen hatte ich mich mit Björn hingesetzt. Er sollte mir von allem erzählen, was er dieses Jahr getan hatte, dass die Yule Lads oder Grýla als „unartig“ bezeichnen könnten. Im Gegenzug hatte ich versprochen, nicht böse zu werden – ein Versprechen, von dem ich nicht gedacht hätte, dass es mir so viel Willenskraft abverlangen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben den nicht ganz so schlimmen Sachen, wie vor dem Schlafen gehen keine Zähne zu putzen, nachts heimlich unter der Bettdecke Videospiele zu spielen oder vor dem Essen zu naschen, hatte er nämlich noch einige schlimmere Dinge angestellt: Er hatte heimlich mit einigen anderen Jungs aus seiner Klasse eine Zigarette probiert, Steine nach Vögeln geworfen und sich dazu überreden lassen Jónína – eine Mitschülerin – so sehr zu ärgern, dass es bereits an Mobbing grenzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste selbst, wie schlimm Gruppenzwang sein konnte. Trotzdem war ich davon ausgegangen, dass ich ihn besser erzogen hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück sah er jetzt aber ein, dass er Fehler gemacht hatte. Insgeheim schien er es schon die ganze Zeit gewusst zu haben. Jedenfalls versprach er mir, sich zu bessern. Er bat mich sogar darum, ihm eine Tafel Schokolade zur Schule mitzugeben, die er Jónína als Entschuldigung geben konnte – eine Bitte, der ich ohne zu zögern nachkam. Jedenfalls schien er entschlossen, seine Weste reinzuwaschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich Björn frohen Mutes zur Schule gefahren hatte, sackte meine Stimmung jedoch langsam wieder ab. Ich konnte mich nicht vernünftig auf meine Arbeit konzentrieren und schaffte kaum etwas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war Elva – meine fünfjährige Nichte, die mein Bruder Stéfan vor etwas über einer Woche aus Arbeitsgründen bei mir abgesetzt hatte – inzwischen wach geworden, sodass ich mich zusammenreißen musste, um mir nichts anmerken zu lassen. Für sie war letzte Nacht, als der Yule Lad Türzuschläger mit den Türen geknallt hatte, zwar ein kleiner Schock gewesen, aber im Gegensatz zu Björn und mir, war ihr Weltbild nicht vollkommen zerstört worden, als sie herausgefunden hatte, dass die Yule Lads tatsächlich existierten – immerhin war sie in einem Alter, in dem man ohnehin noch an sie glaubte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so quälte ich mich mit falschem Lächeln durch die Stunden, bis es endlich an der Zeit war, Björn von der Schule abzuholen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und? Wie ist es gelaufen?“, fragte ich sofort, als er ins Auto gestiegen war. „Hast du dich bei Jónína entschuldigt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja“, antwortete er ruhig. „Nina saß in der großen Pause alleine draußen. Also hab ich mich zu ihr gesetzt und ihr die Schokolade angeboten. Sie ist eigentlich ziemlich cool. Ich weiß gar nicht, warum die anderen sie immer ärgern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nina?“, fragte ich neugierig. Hatte er ihr schon einen Spitznamen gegeben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So nennen sie all ihre Freunde“, erklärte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der ernsten Lage strahlte ich jetzt übers ganze Gesicht, während ich Björn stolz durch die Haare wuschelte. Das waren endlich mal gute Nachrichten! Ich wusste doch, dass Björn nicht der Typ war, der andere gerne ärgerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Björn das Verhalten durchhielt, war ich zuversichtlich, dass er für Grýla zu Weihnachten uninteressant geworden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hatte ich noch ein Ass im Ärmel: Jeder Yule Lad hatte eine eigene kleine Macke, einen Streich, den er jedes Jahr spielte. Die meisten Streiche drehten sich dabei um Essen. Es hieß, dass Grýla eine so miserable Köchin war, dass ihre Kinder froh waren, etwas anderes zwischen die Zähne zu bekommen. Und genau das würden wir ihnen geben. Wenn Björn sich bei ihnen beliebt machte, hatten wir mit Sicherheit nichts mehr zu befürchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich Björn und Elva von meinem Plan erzählte, waren sie begeistert – Björn, weil er sich dann weniger Sorgen um Grýla machen musste und Elva, weil sie sich darüber freute, den Yule Lads zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine fünf Minuten später saßen wir im Auto auf dem Weg zum Supermarkt. Wir kauften Skyr – eine isländische Quarkspeise, die ein wenig an Joghurt erinnert – für Skyrgierschlund, verschiedene Würstchen für Wurststibizer, einen Präsentkorb mit Essen für Fensterglotzer – ein Yule Lad, der heimlich durch Fenster späht, um etwas zum Stehlen zu suchen – und Fleisch für Fleischhaken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lediglich für Türspaltenschnüffler und Kerzenschnorrer kauften wir nichts. Ich würde sehen, dass ich mit den Kindern Laufabrauð – Türspaltenschnüfflers Leibspeise – backen und für Kerzenschnorrer einige essbare Talgkerzen im Internet bestellen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Tag bemühte sich Björn, alles zu tun, was ein artiges Kind tun würde: Er räumte sein Zimmer auf, stellte nach dem Essen unsere Teller weg und putzte sogar ohne Aufforderung Zähne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als es schließlich spät wurde, rief ich die Kinder in die Küche. Wir holten die Becher Skyr aus dem Kühlschrank, die wir für Skyrgierschlund – den heutigen Yule Lad – gekauft hatten, entfernten die Deckel und stellten sie auf die Theke. Danach war es Zeit für die Kinder, ins Bett zu gehen – wieder tat Björn das ohne Aufforderung. Ich war froh, dass er die Sache so ernst nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte, ich hätte mich ebenfalls ins Bett legen können. Doch in Island war es Tradition, in der Vorweihnachtszeit seinen Kindern eine Kleinigkeit in die Schuhe zu legen, die sie in ihrem Zimmer auf die Fensterbank gestellt hatten. Ähnlich wie beim Nikolaus tat man anschließend so, als wären es die Yule Lads gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider schienen die Yule Lads jedoch nicht tatsächlich Geschenke zu verteilen. Stattdessen hatten sie bisher nur Björns Schuh leergeräumt, um eine Kartoffel hineinzulegen – ein Zeichen dafür, dass das Kind unartig war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch in dieser Nacht hatte ich seit Tagen erstmals wieder die Hoffnung, dass die Süßigkeiten, die ich in seine Schuhe legte, morgen noch immer da waren. Und so fiel ich diesen Abend in halbwegs ruhige Träume.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tante Freyja! Tante Freyja!“, riss mich Elva am nächsten Morgen mit panischer Stimme aus dem Schlaf. „Irgendetwas stimmt mit Björn nicht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlagartig war ich wach. Ohne eine weitere Sekunde verstreichen zu lassen, sprang ich aus dem Bett und sprintete in sein Zimmer. Hatten die Yule Lads oder Grýla ihm etwas angetan!?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich das Zimmer erreichte, sah ich sofort, was los war: Björn saß mit angezogenen Beinen auf dem Bett, sein Gesicht hinter seinen Knien verborgen. Vor ihm lag eine Kartoffel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich setzte mich zu ihm und streichelte ihm vorsichtig den Rücken. „Das heißt doch nichts“, versuchte ich, ihn zu beruhigen. „Vielleicht wollen die Yule Lads erst einmal gucken, ob das gestern bloß eine Ausnahme war oder ob du dich wirklich gebessert hast. Außerdem haben wir bis Weihnachten doch noch fünf Tage Zeit …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist denn los?“, fragte Elva ein wenig verzweifelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah sie an. Erst überlegte ich, mir eine Notlüge auszudenken, aber als ich ihre großen Augen sah, brachte ich es nicht übers Herz. „Dein Cousin hat Angst, dass Grýla ihn holen kommt, weil er dieses Jahr etwas unartig war. Aber das würde ich niemals zulassen! Wir werden Grýla beweisen, dass Björn artig sein kann!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte nicht, dass Elva verstehen würde, was hier wirklich auf dem Spiel stand, dass sie zu jung, zu kindisch wäre. Doch meine Worte schienen irgendeinen Schalter bei ihr umgelegt zu haben. Von dem Moment an, als ich ihr das erzählte, bemühte sie sich, ihrem Cousin dabei tatkräftig zu helfen. Und das wiederum spornte Björn an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Schule berichtete er mir, dass er und Nina jetzt nebeneinandersaßen. Er hätte nie gedacht, dass ein Mädchen so nett und gleichzeitig so cool sein konnte. Sie war scheinbar das erste Mädchen, das er getroffen hatte, das Videospiele mochte – und sie schien sich zu freuen, endlich jemanden zu haben, der die Pausen mit ihr verbrachte. Die Mädchen waren ihr zu mädchenhaft, während die Jungs sie nie ernst genommen hatten … Kein Wunder, dass sie als Einzelgängerin ein leichtes Opfer für Mobbing war. Aber das würde sich dank Björn jetzt hoffentlich ändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch zu Hause legte mein Sohn sich ordentlich ins Zeug – er half beim Abwasch, saugte mit mir zusammen die Zimmer und spielte möglichst viel mit Elva, damit ihr nicht langweilig wurde. Wir fanden sogar zusammen den saubergeleckten Teller wieder, den ich auf den Boden gestellt hatte, um zu beweisen, dass die Yule Lads nicht real waren. Essnapflecker – der Yule Lad, der den Teller an sich gerissen und saubergeleckt hatte – hatte ihn unter dem Sofa versteckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch trotz all der Bemühungen, und obwohl wir Wurststibizer eine Auswahl an Würstchen als Geschenk machten, die er über Nacht alle an sich nahm, erwachte Björn am nächsten Tag wieder zu einer Kartoffel in seinem Schuh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich jedoch bestürzt darüber war, schien Björn es als Anreiz zu sehen, sich noch mehr Mühe zu geben. Er unterstütze mich noch mehr im Haushalt, übernahm sogar Aufgaben, die ich ihm niemals zugemutet hätte – das Schneeschippen auf der Auffahrt z. B. –, war jeden Tag der Erste, der die Geschenke für die Yule Lads ansprach, und gab sich besonders viel Mühe bei der Musterung, als das Laufabrauð für Türspaltenschnüffler dran war. Er half sogar Elva dabei, ihr eigenes Muster in ein Laufabrauð zu ritzen, da ich ihr in ihrem Alter noch nicht erlaubte, alleine mit einem Messer zu hantieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch von Nina erzählte er ab und an. Die beiden schienen tatsächlich gute Freunde zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch was auch immer er tat, es genügte den Yule Lads nicht. Und so fanden wir auch am 23. noch eine Kartoffel in seinem Schuh – dem letzten Tag, an dem Björn beweisen konnte, dass er es nicht verdient hatte, von Grýla entführt und bei lebendigem Leibe gekocht zu werden …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim gemeinsamen Frühstück herrschte bedrücktes Schweigen. Sogar Elva, die sonst immer so fröhlich war, dass es fast schon nervte, schaute betreten drein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir gehen heute in die Stadt“, brach ich das Schweigen. „Wenn es den Yule Lads nicht ausreicht, dass Björn sich zu Hause und in der Schule benimmt, zeigen wir ihnen eben, dass uns auch fremde Menschen wichtig sind!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elva war begeistert. Björns Stimmung konnte ich damit hingegen nur wenig heben – aber wer konnte es ihm verdenken? Wenn der Plan nicht aufging, könnte sein kurzes Leben morgen schon zu Ende sein …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schob die negativen Gedanken beiseite. Es würde schon alles gut gehen. Es <em>musste</em> alles gut gehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Stadt angekommen, machten wir uns direkt an die Arbeit. Immerhin wollten wir die vier Stunden Tageslicht, die wir heute hatten, komplett ausnutzen. Wir sammelten sämtlichen Müll auf, den wir finden konnten – bei der Schneedecke kein ganz so einfaches Unterfangen – und verschenkten alte Kleidung und Decken an Bedürftige. Bei einem Obdachlosen bat mich Björn sogar, sein Taschengeld für den Januar vorzeitig zu bekommen, damit er dem Mann eine warme Mahlzeit kaufen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Sonne langsam unterging, machten wir uns auf den Heimweg. Ich muss gestehen, dass ich ziemlich erschöpft, aber auch ziemlich stolz war. Den Tag hatten wir jedenfalls effektiv genutzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Hause angekommen, sagte ich Björn und Elva, dass sie im Wohnzimmer auf mich warten sollten. Ich verschwand unterdessen im Schlafzimmer und holte zwei neue Schlafanzüge – einen roten für Elva und einen dunkelblauen für Björn. Eigentlich hatte ich sie als Yule Lad Geschenk für morgen eingeplant, aber wer wusste, ob Björns Schlafanzug dann nicht doch über Nacht wieder gegen eine Kartoffel ausgetauscht wurde …?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier!“, sagte ich. „Für euch. Weil ihr mir in letzter Zeit so viel im Haushalt geholfen habt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es mag vielleicht seltsam klingen, doch die beiden freuten sich riesig über das Geschenk, obwohl es nur Kleidung war. Denn hier in Island war es Tradition, zur Vorweihnachtszeit oder spätestens zu Heiligabend Kleidung zu verschenken, sodass jede Person mindestens ein neues Kleidungsstück zum Anziehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war froh, dass wir uns für einen Moment ablenken konnten, einen Moment der Normalität erlebten. Doch nachdem ich die Kinder ins Bett gebracht hatte – für Kerzenschnorrer konnten wir leider nur gewöhnliche Teelichter hinstellen, da die Talgkerzen, die ich im Internet bestellt hatte, nicht rechtzeitig angekommen waren –, kamen meine Sorgen zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein einziger Lichtblick war, dass mein Bruder Stéfan, Elvas Vater, ab morgen hier wäre. Dann wäre ich – sollte Grýla tatsächlich auftauchen – wenigstens nicht die einzige Erwachsene im Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen sackte meine Stimmung jedoch vollends ab. Ich hatte so sehr gehofft, dass Björn heute keine Kartoffel mehr geschenkt bekam. Doch als ich sein Zimmer betrat, sahen er und Elva bedrückt drein. Elva hatte nicht einmal ihre Süßigkeiten angerührt, sondern sie neben Björns neuer Kartoffel in ihrem Schuh liegen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich will nicht, dass Grýla Björn mitnimmt!“, jammerte sie, während sie auf mich zu rannte und sich an mein Beim kuschelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich sie getröstet hätte, ihr gesagt hätte, dass alles gut werden würde. Doch das konnte ich nicht. Stattdessen stand ich reglos da, während eine Flut aus Hilflosigkeit und Panik meine Gedanken davon spülte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst das Klingeln meines Handys riss mich aus meiner Starre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stéfan“, begrüßte ich meinen Bruder, nachdem ich auf Laut gestellt hatte. „Bitte sag mir, dass du bald hier bist!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ehe er etwas erwidern konnte, rief Elva dazwischen. „Papa! Björn hat eine Kartoffel geschenkt bekommen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, tatsächlich?“, erwiderte Stéfan gelassen. „Na, dann wird das schon seine Gründe haben. Die Yule Lads verschenken nicht umsonst Kartoffeln!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte, ich könnte genauso entspannt bleiben, wie er. Aber wen wunderte es? Für ihn waren die Yule Lads nichts weiter, als ein Märchen. Er dachte, dass ich die Kartoffel in den Schuh gelegt hätte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe leider auch ein paar doofe Nachrichten …“, gestand er. „Ich schaffe es heute leider erst am späten Abend, hier wegzukommen … die Arbeit! Es kann sein, dass ich erst nach Mitternacht da bin.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Herz rutschte mir in die Hose, als er das sagte. Nicht, dass ich einen Mann im Haus bräuchte, um mich zu verteidigen, aber zu zweit hätten wir besser auf Björn aufpassen können …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stéfan redete noch irgendetwas davon, dass die Kinder sich keine Sorgen um die Geschenke machen sollten. Er habe mit dem Weihnachtsmann geredet, dass wir Weihnachten dieses Jahr einen Tag später feierten. Doch ich hörte ihm nur noch halbherzig zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also dann, wir sehen uns spätestens morgen. Und feiert bloß nicht ohne mich!“, sagte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann war das Gespräch nach einem kurzen „Tschüss“ beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den gesamten restlichen Tag war ich völlig nutzlos. Ich wusste nicht mehr weiter, hatte keine Strategie mehr, wie wir Björn in ein besseres Licht rücken konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war in den vergangen Tagen zu einem Vorzeigesohn geworden, doch trotzdem hatte es den Yule Lads nicht gereicht. Alle Aufgaben, die ich ihm heute noch geben konnte, waren reine Beschäftigungstherapie. Sein Zimmer war aufgeräumt, das Haus gesaugt und gewischt und das Weihnachtsessen musste erst morgen vorbereitet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so verbrachte ich den Tag damit, die Kinder irgendwie abzulenken, während ich mir Gedanken darüber machte, wie wir die Nacht überstehen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als es schließlich so weit war, dass die Kinder ins Bett mussten, bat ich sie darum, diese Nacht in meinem Bett zu schlafen – eine Bitte, der die beiden dankbar nachkamen. Anschließend stellte ich einen Golfschläger, der meinem Exmann gehörte, ans Bett und zwang mich dazu, die Nacht wach zu bleiben. Mehr konnte ich nicht tun, falls Grýla tatsächlich auftauchen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch selbst dieser Plan sollte nicht aufgehen. Die Aufregung und Anstrengungen der letzten Tage machten sich langsam bemerkbar, sodass ich trotzdem einschlief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fiel in unruhige Träume, in denen Björn tatsächlich von Grýla entführt wurde. Sie warf ihn in einen riesigen Topf mit gläsernem Deckel, so groß, dass ich auf dem Deckel stehen konnte. Unter mir, hinter einer undurchdringlichen Glasschicht schwamm Björn in kochendem Wasser. Er trat um sich, schrie und schlug gegen das Glas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama! Mamaaaa!“, schrie er panisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ging er unter, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte. Nur seine Schreie waren noch zu hören …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweißgebadet wachte ich auf. Es dauerte einen Moment, bis ich realisierte, dass ich in meinem Bett lag. Doch etwas stimmte nicht … Björns Schreie waren nicht zusammen mit dem restlichen Traum verschwunden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Björn!“, kreische ich panisch, als ich sah, was los war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er klammerte sich an einen Bettpfosten, während eine große, alte und unglaublich hässliche Frau an seinen Beinen zerrte. Es war dieselbe Frau, die mich vorletzte Woche auf meiner Auffahrt gefragt hatte, ob sie Björn mitnehmen dürfe … Grýla!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sprang aus dem Bett, packte den Golfschläger und ging damit auf Grýla los. Sie bückte sich, um Björn in einen großen Sack zu stopfen. Dabei senkte sie ihren Kopf, sodass ihr Hinterkopf und Nacken eine große Angriffsfläche boten – eine Gelegenheit, die ich nicht verstreichen ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell hob ich den Schläger über meinen Kopf und ließ ihn mit voller Wucht in ihren Nacken krachen. Der Aufprall war so hart, dass mir den Schläger aus der Hand flog, doch Grýla zuckte nicht einmal … Trolle waren wohl wirklich aus Stein!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach ging alles ganz schnell: Grýla wandte sich mir zu und stieß mich grob von sich weg. Ich wurde durch den halben Raum geschleudert, bis ich krachend in meinem Kleiderschrank landete. Holz splitterte bei dem Aufprall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich noch versuchte, mich von den zerbrochenen Schranktüren zu befreien, bemerkte ich Elva, die jetzt auf dem Bett stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Papa ist total doof und Tante Freyja ist eine blöde Kuh!“, schrie sie aus voller Lunge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was zur Hölle tat sie da!? Dasselbe schien sich auch Grýla zu fragen, die Elva jetzt mit einem merkwürdigen Blick musterte. Doch Elva legte noch einen drauf:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guck mal! Ich spring auf dem Bett! Papa hat mir verboten, auf dem Bett zu hüpfen!“, schrie sie Grýla entgegen, während sie wie wahnsinnig anfing zu hüpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Elva, lass das!“, kreischte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie so weitermacht, würde Grýla sie auch … Doch es war zu spät. Noch ehe ich den Gedanken zu Ende gedacht hatte, war Grýla auf meine Nichte zugegangen, hatte sie gepackt und zu Björn in den Sack geworfen. Dann schwang sie sich den Sack über die Schulter und verschwand im Flur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! NEIN!“, brüllte ich ihr nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich schaffte ich es, mich aus dem kaputten Schrank zu wühlen. Rote Flecken bildeten sich auf meinem zerrissenen Nachthemd, wo Schranksplitter meine Haut zerstochen hatten, doch ich beachtete die Schmerzen gar nicht. Für mich zählte jetzt nur eine Sache: Ich musste Grýla einholen! Ich musste die Kinder retten!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><em>Den dritten und letzten Teil dieser Geschichte findet ihr <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-yule-katze#Die_Geschichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>.</em></em></p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Grýla ist eine isländische Trollfrau und die Mutter der Yule Lads. Im Gegensatz zu ihren Söhnen ist sie jedoch bösartig und grausam, weswegen sie hauptsächlich als Kinderschreck genutzt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem ist sie mit dem Troll Leppalúði verheiratet, der jedoch ein ruhiges und zurückgezogenes Leben führt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Grýlas Aussehen wurde im Laufe der Jahrhunderte sehr unterschiedlich beschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So war sie früher sehr grotesk und unmenschlich. Sie soll je nach Erzählung 3 bzw. 300 Köpfe mit je drei Augen, Augen im Hinterkopf, 15 bzw. 40 Schwänze, Ziegenhörner, Hufe, einen Bart oder Ohren, die bis zu den Schultern hängen, besessen haben. Es hieß sogar teilweise, dass ihre Ohren mit ihrer Nase verbunden seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe der Jahrhunderte wurde Grýlas Aussehen jedoch deutlich menschlicher – wenn auch ihr weiterhin eine enorme Hässlichkeit nachgesagt wird. So soll sie heutzutage wie eine sehr große und alte Frau aussehen. Ihre Haare sollen grau und verfilzt, ihre Zähne schlecht und ihr Gesicht mit Warzen übersäht sein. Sie wird häufig mit einer knolligen oder krummen Nase, einem Buckel und vielen Falten dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selten ist auch heute noch von Hörnern oder Hufen die Rede.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Grýla hat viele Eigenschaften. Neben ihrer Hässlichkeit ist wohl ihr bekanntestes Merkmal, dass sie zu Weihnachten in Häuser einbrechen soll, um unartige Kinder zu entführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass sie die Kinder in einen Sack steckt, um sie bei sich zu Hause zu einer Suppe zu verarbeiten. Andere Varianten besagen z. B., dass sie die Kinder an Ort und Stelle töten oder bei lebendigem Leibe fressen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher gab es außerdem Berichte, laut denen sie die Kinder nicht direkt gestohlen, sondern die Eltern erst um Erlaubnis gebeten habe. In den meisten Fällen sollen die Eltern Grýla daraufhin jedoch vertrieben haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Grýla gerade keine Kinder jagt, soll sie hingegen mit ihrem Mann Leppalúði und ihren Kindern in ihrer Höhle hausen. Bei ihrer Familie hat eindeutig sie das Sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist streng, unfreundlich und jähzornig. Daher verwundert es nicht, dass sie vor Leppalúði bereits zwei andere Männer hatte. Aber auch mit Leppalúði soll sie häufig streiten. Er ist jedoch so faul, dass er sich nicht von ihr aus der Ruhe bringen lässt, was wohl der einzige Grund ist, warum die beiden noch immer zusammen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Des Weiteren wird Grýla nachgesagt, dass sie eine miserable Köchin sei, was wohl einer der Gründe ist, wieso die meisten der Yule Lads darauf fixiert sind, den Menschen Essen zu stehlen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Während es früher noch hieß, dass Grýla in einer einsamen Hütte wohne, heißt es heutzutage, dass sie mit Leppalúði, den Yule Lads und der Yule Katze in einer Höhle leben soll. Lediglich zur Weihnachtszeit kommt sie heraus, um sich auf die Suche nach unartigen Kindern zu machen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Erstmals wurde Grýla in schriftlicher Form in der Snorra-Edda erwähnt – einem alten nordischen Buch. In mündlicher Form soll die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> jedoch bereits deutlich länger existiert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie soll seit jeher eine Schreckgestalt und ein Kinderschreck gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der weihnachtliche Bezug entstand hingegen erst im 17. Jahrhundert, als sie als Mutter der Yule Lads bezeichnet wurde. Der Einfluss ging so weit, dass Grýla schließlich nur noch zu Weihnachten zuschlagen sollte. Das machte sie jedoch nicht weniger grausam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 18. Jahrhundert hatten Kinder sogar so viel Angst vor ihr, dass ein Gesetz erlassen wurde, das verbot, Grýla als Kinderschreck zu nutzen. Dieses Vorhaben war jedoch von wenig Erfolg gekrönt, da die Legende bis heute überdauert hat und sich auch heute noch isländische Kinder vor Grýla fürchten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich hoffe, euch gefällt diese dreiteilige Geschichte. Was haltet ihr von Grýla? Hättet ihr als Kinder Angst vor ihr gehabt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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