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	<title>südamerikanische Legende Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>El Chupacabra (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Feb 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich hatte weder mit dem unmenschlichen Schrei noch mit der Kreatur gerechnet, die ich jetzt sehen konnte. Das Wesen war dünn und haarlos. Es sah fast aus wie ein nackter Mensch, wären seine gebeugte Körperhaltung, die graue Haut und sein tierartiger Kopf nicht gewesen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/chupacabra">El Chupacabra (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/2b5c9cb1d15c48be921f39f07b9d0f7d" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">El Chupacabra ist einer der weltweit bekanntesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kryptide</a> und einer meiner ältesten Blogbeiträge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich es diesmal zeitlich nicht geschafft habe, einen komplett neuen Beitrag zu schreiben, habe ich meine Patrons gefragt, welchen alten Beitrag ich überarbeiten soll. Sie haben sich für diesen entschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Tieres<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bestimmt habt ihr schon einmal von el Chupacabra gehört. Aber wusstet ihr, dass dieses Wesen tatsächlich existiert? Mein Name ist Hectór Carrero und ich bin ein verrückter alter Mann – zumindest, wenn ihr meinen Nachbarn glaubt. Und ja, es mag sein, dass ich manchmal etwas griesgrämig bin. Auch bin ich nicht der sozialste Mensch. Aber das ändert nichts daran, dass ich genau weiß, was ich gesehen habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An jenem Abend war ich gerade meinen Hühnerstall am Ausmisten, als ich plötzlich einen lauten Knall von draußen hörte. Ich war natürlich sofort rausgerannt, um nachzusehen, was los war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst konnte ich nichts Auffälliges entdecken, bis ich bemerkte, dass meine Kühe ungewöhnlich eng beieinanderstanden. Es sah so aus, als würden sie sich ängstlich aneinanderdrücken. Also ging ich zu ihrer Weide, um mich dort näher umzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zusammengekniffenen Augen spähte ich über die Wiese. Meine Sehstärke hat auf das Alter etwas nachgelassen, müsst ihr wissen. Außerdem dämmerte es allmählich. Wahrscheinlich bemerkte ich die drei Kinder daher nicht, wie sie immer wieder verstohlen hinter meinem Kuhstall hervorlugten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich mich näher umsah und dabei zufällig auf sie zuging, kreischten sie plötzlich auf und rannten lachend von meinem Hof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erkannte sie sofort. Das waren die beiden Sánchez-Zwillinge und das Ferrer-Mädchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammte Gören!“, brüllte ich ihnen nach, während ich mit geballter Faust in der Luft fuchtelte. Ich hatte ihnen schon unzählige Male gesagt, dass sie meine Tiere und mich mit ihrem Unfug in Ruhe lassen sollten. Mal sehen, ob sie immer noch lachen würden, wenn ich ihren Eltern von ihrem kleinen Scherz – es war übrigens ein Böller – erzählen würde. Zuerst musste ich mich allerdings um meine Kühe kümmern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hoo, ruhig Mädels, ruhig“, versuchte ich, sie zu beschwichtigen, während ich langsam auf sie zuging, um sie zu streicheln. Es half nur bedingt, also entschied ich, sie heute etwas früher in den Stall zu bringen – dort fühlten sie sich wenigstens sicher.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich endlich den Riegel vor die Stalltür geschoben hatte, atmete ich erleichtert durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich jedoch ins Haus ging – den Hühnerstall würde ich morgen fertig ausmisten –, hob ich die Böllerreste auf, damit mir die Sánchez nicht wieder vorwerfen konnten, ich hätte keine Beweise. Andererseits… Was würde es schon bringen? Heutzutage griffen die Eltern bei der Kindererziehung einfach nicht mehr hart genug durch. Es würde keine Woche dauern, dann wären die Gören mit der nächsten blöden Idee zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir entfuhr ein frustriertes Seufzen, während ich in die Küche ging, um mir etwas zu essen zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa eine Viertelstunde später schlürfte ich einen heißen Teller Bohneneintopf und überlegte, wie ich die Gören endlich loswerden konnte. Früher hatte es gereicht, sie bei ihren Eltern anzuschwärzen, um sie einige Wochen von mir fernzuhalten. Aber inzwischen nahmen selbst die Erwachsenen mich nicht mehr für voll – und die Kinder wussten das. Señora Sánchez hatte mir sogar schon einmal angedroht, sie würden die Polizei rufen, wenn ich ihre Kinder nicht in Ruhe lasse. Dabei war doch eher <em>ich</em> derjenige, der die Polizei rufen sollte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich merkte, wie mein Puls allmählich in eine unangenehme Höhe schoss, ließ ich meinen Löffel in den Eintopf zurücksinken. „Beruhig dich, Hectór“, murmelte ich mir zu. Mein Arzt hatte mir gesagt, ich dürfe mich nicht immer so aufregen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch, bevor ich aufstand, um mir ein Glas Wasser zu holen und versuchte dabei an etwas Schönes zu denken. Das hätte ich mir sparen können. Ich hatte gerade den Wasserhahn aufgedreht, als ich von draußen Geräusche hörte. Irritiert spähte ich aus dem Fenster vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das darf doch nicht wahr sein!“, stieß ich entsetzt aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im schwachen Licht der Dämmerung konnte ich erkennen, wie meine Kühe draußen auf der Weide herumliefen. Dabei hatte ich den Riegel definitiv vor die Stalltür geschoben. Ganz sicher!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na wartet“, grummelte ich. Das musste noch ein dummer Jugendstreich sein. Von allein war die Stalltür jedenfalls noch nie aufgegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie die Ader an meiner Schläfe gefährlich pochte, während ich in den Flur rannte. Dort griff ich nach meinem alten Gewehr. Wenn die Kinder nicht hören wollten, mussten sie eben fühlen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich würde ich den Kindern nichts antun, aber es sprach nichts dagegen, ihnen einen gehörigen Schrecken einzujagen. Vielleicht würden sie mich dann endlich in Ruhe lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Begleitet von dem Quietschen meiner Gummistiefel stapfte ich nach draußen. Mit schnellen Schritten eilte ich auf den Stall zu. Immerhin wollte ich die Kinder nicht so einfach entkommen lassen. Wenn ich Glück hatte, waren sie in das alte Stallgebäude gegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also verlangsamte ich mein Tempo. Ich achtete darauf, möglichst wenig Lärm zu machen, während ich mich dem Eingang näherte. Zum Glück übertönten die aufgeregten Kühe meine Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der offenen Stalltür angekommen, konnte ich schließlich Geräusche von drinnen hören. In etwa so musste ich eben geklungen haben, als ich meinen Eintopf geschlürft habe. Was zur Hölle machten die Kinder da drinnen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schob den Gedanken beiseite – immerhin würde ich es eh gleich erfahren – und trat mit dem Gewehr im Anschlag vor die Stalltür. Dann lud ich es geräuschvoll nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich hatte ich mit einem Aufschrei oder zumindest aufgeregtem Geflüster gerechnet. Stattdessen verstummte bloß das Schlürfen, nur um wenige Momente später wieder einzusetzen – ruhig und in unregelmäßigen Abständen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angestrengt starrte ich nun in die Dunkelheit. Waren das wirklich die Kinder? Ich konnte nichts erkennen. Also tastete ich, jetzt mit einem leicht mulmigen Gefühl im Magen, nach dem Lichtschalter. Meine Hand hatte ihn schnell gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Klick.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte weder mit dem unmenschlichen Schrei noch mit der Kreatur gerechnet, die ich jetzt sehen konnte. Das Wesen war dünn und haarlos. Es sah fast aus wie ein nackter Mensch, wären seine gebeugte Körperhaltung, die graue Haut und sein tierartiger Kopf nicht gewesen. Es hockte über einer meiner Kühe, die reglos unter ihm lag. Blut strömte aus ihrem Hals.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich Zeit hatte, auch nur mein Gewehr auf das Wesen zu richten, sprang es bereits auf mich zu. Ich spürte, wie es seinen knochigen Körper mit voller Kraft gegen mich warf. Ein Schuss löste sich, ehe ich auf dem harten Boden aufschlug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch riss ich meine Arme vor mich, um mein Gesicht zu schützen, die Kreatur abzuwehren. Doch der Angriff blieb aus. Das Wesen ließ von mir ab und rannte weiter. Es bewegte sich dabei seltsam, als sei es verletzt. Der gelöste Schuss hatte es jedoch nicht getroffen. Zumindest war um mich herum nirgendwo Blut zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen kurzen Moment, bis ich mich von dem Schock erholt hatte. Dann lud ich sofort mein Gewehr nach und zielte in die Dunkelheit. Gerade noch so konnte ich die humpelnden Bewegungen in der Ferne erkennen, zielte darauf und schoss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Knall hallte über die Weide, versetzte meine ohnehin schon aufgebrachten Kühe in noch mehr Aufregung. Ansonsten hörte ich nichts. Kein Aufheulen. Kein leiderfülltes Gewimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem rappelte ich mich auf und rannte in die Richtung, in die ich geschossen hatte. Ich wusste genau, wo das Wesen langgelaufen war, aber selbst mit meiner Taschenlampe konnte ich nichts finden. Kein regloser Körper im Sand, kein Blut, gar nichts. Ich hatte es verfehlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also rannte ich in den Stall zurück, um nach der verletzten Kuh zu sehen. Aber auch hier konnte ich nichts mehr ausrichten. Sie atmete bereits nicht mehr. Dafür bemerkte ich die Einstiche in ihrem Hals. Anders konnte man es nicht nennen. Das Wesen hatte die Kuh nicht gefressen. Es sah vielmehr so aus, als hätte es sie ausgesaugt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam dämmerte es mir, was für eine Kreatur ich da gerade gesehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich nicht wusste, was ich anderes tun sollte, lief ich in mein Haus zurück und wählte den Notruf. Ich schilderte dem Mann am anderen Ende der Leitung bis ins kleinste Detail, was ich gesehen hatte. Er schien mir nicht zu glauben, versprach aber trotzdem, jemanden vorbeizuschicken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend ging ich mit meinem Gewehr wieder nach draußen, um auf meine Kühe aufzupassen – nur für den Fall, dass dieses Ding zurückkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach etwa einer Viertelstunde konnte ich in der Ferne endlich einige Autos hören. Ich wurde jedoch stutzig, als ich sah, wie viele es waren: Während ich mit maximal zwei Beamten gerechnet hatte, erschien ein ganzes Team inklusive Spurensicherung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Polizisten kamen zu mir, um meine Aussage aufzunehmen, während mindestens zehn weitere Männer sich daran machten, meinen Stall und die nähere Umgebung genau unter die Lupe zu nehmen. Sie arbeiteten schnell und effizient. Einige von ihnen hatten irgendwelche technischen Geräte in der Hand, die ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach nicht einmal einer halben Stunde, in der ich ihre Arbeiten mehr als skeptisch beobachten konnte, waren sie bereits fertig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der Männer kam schließlich zu den Polizisten und mir. „Señor Carrero, wir haben alles genau untersucht und können sie beruhigen: Bei dem Tier scheint es sich bloß um einen Kojoten gehandelt zu haben“, erklärte er mit ruhiger Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zog eine Augenbraue nach oben. „Ein Kojote? Das Tier hatte nicht einmal Fell.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist gut möglich, dass das Tier krank war. In letzter Zeit sind uns einige Fälle von Kojoten und Wildhunden mit Räude untergekommen. Dabei kann es durchaus zu starkem Haarausfall kommen. Außerdem würde es erklären, wieso es keine wilden Tiere gejagt hat. Es ist sicherlich an Ihrem Stall vorbeigekommen und als es gesehen hat, dass die Tür offen stand …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Tür stand aber nicht offen!“, protestierte ich, aber der Mann ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sehen Sie. Ich kann Ihnen nur sagen, was unsere Untersuchung ergeben hat“, erklärte er gelassen. „Aber wir nehmen die tote Kuh mit. Falls wir im Labor irgendetwas finden sollten, das auf etwas anderes als einen Kojoten hinweist, sind Sie der Erste, der es erfährt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend ließ mich der Mann einfach stehen. Und auch die Polizisten konnten nichts tun als mit den Schultern zu zucken und mir einen schönen Abend zu wünschen. Kurze Zeit später war ich wieder allein auf meinem Hof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hörte ich nie wieder etwas von den Männern. Inzwischen bin ich mir sicher, dass es sich um irgendeine Verschwörung handeln musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste, wie Kojoten aussahen, und selbst ohne Fell hätte er nicht wie dieses Ding ausgesehen. Und nicht nur das, die seltsamen Bissspuren passten zu keinem einzigen Tier, das ich kannte. Besonders nicht zu einem Kojoten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein. Ich wusste genau, was dieses Ding war. Ich hatte an jenem Abend el Chupacabra gesehen!</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">El Chupacabra (Spanisch für „Ziegensauger“), seltener el Chupacabras, ist eine Kreatur aus Lateinamerika. Aber auch, wenn es viele Menschen gibt, die tatsächlich an die Existenz des Wesens glauben, wird es von der Allgemeinheit als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> eingestuft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Aussagen darüber, wie el Chupacabra aussehen soll. Grob lässt sich das Aussehen jedoch auf zwei verschiedene Versionen eingrenzen: ein echsenähnliches Wesen, das auf zwei Beinen läuft, und ein haarloses hundeartiges Tier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der echsenartige Chupacabra wird hauptsächlich als eine 1,5 bis 2 m große Kreatur mit langen Stacheln entlang der Wirbelsäule, großen roten oder schwarzen Augen und grünen Schuppen bezeichnet. Selten soll er sogar Flügel besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die hundeähnliche Variante ist hingegen auf vier Beinen unterwegs und deutlich kleiner. In diesem Fall soll el Chupacabra abgemagert aussehen, hat felllose, teilweise ledrige Haut oder Schuppen und manchmal ebenfalls Stacheln entlang der Wirbelsäule.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">El Chupacabra ist, wie der Name schon sagt, hauptsächlich dafür bekannt, Farmtiere anzugreifen und ihnen das Blut auszusaugen. Angeblich weisen die blutleeren Kadaver oft nur eine Bissverletzung am Hals auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Menschen hingegen scheint das Wesen eher ungefährlich zu sein. So gibt es zwar einige Berichte von Menschen, die behaupten, el Chupacabra habe sie angegriffen, die Fälle sind jedoch nur selten und es sind keine ernsthaften Verletzungen oder gar menschliche Todesfälle durch ihn bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Sichtungen von el Chupacabra gab es in Puerto Rico. Mit der Zeit und Bekanntheit des Wesens kamen jedoch weitere Sichtungen in anderen lateinamerikanischen Ländern und den USA hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem el Chupacabra durch das Internet weltweite Bekanntheit erlangt hat, gab es außerdem Sichtungen auf anderen Kontinenten, wie z. B. in Russland und China.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende von el Chupacabra kam erstmals im Jahr 1995 in Puerto Rico auf, als in einem kurzen Zeitraum mehrere anscheinend blutleere Leichen von Farmtieren aufgetaucht sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste tatsächliche Sichtung der Kreatur gab es ebenfalls 1995 in Canóvanas, Puerto Rico. Damals hat Madelyne Tolentino, eine Einheimische, ein aufrecht gehendes echsenähnliches und etwa zwei Meter großes Wesen gesehen, das Stacheln entlang der Wirbelsäule aufwies.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf gab es weitere Sichtungen desselben und sehr ähnlicher Wesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Skeptiker gehen davon aus, dass der Sci-Fi-Horrorfilm „Species“ (1995), der in der Zeit in Puerto Rico im Kino lief und ein Alien beinhaltet, das den damaligen Beschreibungen des Chupacabra stark ähnelt, zu einer Verwechslung zwischen Fiktion und Realität geführt haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so waren die toten Tiere hingegen durchaus real. Innerhalb eines einzelnen Jahres sollen mehr als 2.000 tote Farmtiere gefunden worden sein, die el Chupacabra zugeschrieben wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist es nur verständlich, dass die Legende schnell zu einer Massenpanik geführt hat. Farmtiere wurden nachts von bewaffneten Wachen beschützt, Kinder wurden von Erwachsenen in die Schule eskortiert und einige Familien entschlossen sogar, ihre Häuser zu verlassen und umzuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich erlangte el Chupacabra die Aufmerksamkeit der Presse und sogar die puerto-ricanische Regierung schaltete sich ein, um bei der Aufklärung der Ereignisse zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald gab es mehrere Theorien, wie die Tiere wirklich ums Leben gekommen waren. Einige von ihnen waren z. B. ein starker Anstieg der Mangustenpopulation, woraufhin die Tiere neue Beutetiere brauchten, und wilde Hunderudel oder Kojoten, die nach Nahrung suchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztenendes konnte jedoch nie eindeutig geklärt werden, wer oder was die Tiere tatsächlich umgebracht hatte, und so lebte die Legende des Chupacabra weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre änderte sich schließlich das Bild von el Chupacabra: Er wurde zu dem hundeähnlichen Wesen, wie man ihn heute hauptsächlich kennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grund dafür sind wahrscheinlich mit Räude, besser bekannt als Krätze, infizierte Kojoten und Hunde gewesen. Die Tiere verlieren oft ihr Fell und sind mit der Zeit zu schwach, um ihre natürliche Beute zu jagen, weshalb sie oft auf Farmtiere zurückgreifen müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und selbst die angeblich blutleeren Kadaver lassen sich wissenschaftlich erklären, da Leichen nach ihrem Tod oft blass werden und ein tatsächliches blutleeres Tier nie medizinisch nachgewiesen werden konnte. Es handelte sich also auch hierbei sehr wahrscheinlich um einen Irrtum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch das hindert die Menschen nicht daran, an el Chupacabra zu glauben – ein Wesen, das inzwischen sogar in die Popkultur eingegangen ist und weltweite Bekanntheit erlangt hat. So findet man el Chupacabra in diversen Filmen wie z. B. dem Netflixfilm „Chupa“ (2023), in Kinderbüchern, mehreren Liedern und es wurde sogar ein Cocktail nach ihm benannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von el Chupacabra? Denkt ihr, dass es dieses Tier wirklich geben könnte? Oder haltet ihr es für eine Verwechslung mit z. B. einem kranken Kojoten? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>El Silbón – Ein Pfeifen in der Nacht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Aug 2022 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„El was?“, fragte ein anderer.<br />
Anscheinend waren seine Freunde nicht von hier. Jedenfalls war das genau die Frage, auf die er gewartet hatte. „El Silbón ist ein Wesen, das ganz hier in der Nähe leben soll. Früher war es mal ein Mensch, aber das ist schon lange her ...“</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits angekündigt, ist El Silbón mein erster Beitrag nach meiner Sommerpause. Er ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> aus Venezuela und Kolumbien, das hauptsächlich für das Pfeifen bekannt ist, das es von sich gibt, wenn es jagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und damit willkommen zurück an alle alten Leser und ein herzliches Willkommen an alle neuen! Es freut mich, dass ihr meine Geschichten lest!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Sucht: Alkohol<br>
&#8211; Erwähnung von Gewalt gegen ein Kind<br>
&#8211; Krankheit: Demenz<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schwüle, drückende Hitze lag in der Luft. Obwohl ich mich kaum bewegte, lief Schweiß meinen Körper hinab. Meine Haare und mein Bart fühlten sich nass an, mein T-Shirt klebte an mir, als wolle es mich festhalten, während ich auf das kühle, verlockende Bier vor mir starrte. Ein Tropfen Kondenswasser lief an dem kalten Glas runter wie in einer x-beliebigen Getränkewerbung, als wolle das Bier mir sagen: „Trink mich!“ Dabei war die Verlockung ohnehin schon viel zu groß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem saß ich einfach nur da und starrte die kalte Versuchung an. Immer wieder wanderte mein Blick dabei zu der Münze, die neben dem Glas auf dem Tisch lag. ‚<em>To Thine Own Self Be True</em>‘ stand darauf – zu deiner selbst sei treu. Direkt darunter prangte eine römische Eins. Es war eine internationale Münze der Anonymen Alkoholiker und der Lohn dafür, dass ich seit einem Jahr trocken war. Und trotzdem saß ich jetzt hier und starrte seit fünf Minuten ein kühles Bier an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte schwer. Bis letzte Woche hatte ich keinerlei Verlangen mehr nach Alkohol verspürt. Ich war trocken, auf dem richtigen Weg. Doch das alles änderte sich, als meine Mutter am Freitagabend zu mir ins Wohnzimmer kam und hysterisch zu kreischen begann, was ich, ein fremder Mann, in ihrer Wohnung machen würde. Ich konnte sie gerade noch davon abhalten, die Polizei zu rufen. Aber auch nur, weil sie mich missverstanden hatte, und dachte, dass ich ein Freund ihres Sohnes sei. Dass ich selbst ihr Sohn bin, hatte sie nicht erkannt. Dabei war es ihr die letzten Monate doch wieder so viel besser gegangen &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist mit dem Bier alles in Ordnung?“, riss mich eine Stimme aus meinen Gedanken. Es war die Kellnerin. Ein junges Ding, höchstens 25. Sie hatte meine AA Münze zwar gesehen, wusste aber entweder nicht, was das ist, oder hat sie ignoriert. Hätte sich jemand in meiner Stammkneipe mit einer AA Marke auf dem Tisch ein Bier bestellt, hätte Miguel ihm ein großes Wasser gebracht und sich zu ihm gesetzt, um mit ihm zu reden. „Ernesto“, hätte er zu mir gesagt, „Du willst das doch gar nicht. Was ist los?“ Trotzdem gab das Mädchen sich alle Mühe. Auch wenn ich ihre Unsicherheit bis hierhin spürte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein. Nein, alles gut“, sagte ich schnell. Zum Beweis nahm ich das Bier in die Hand, führte es an die Lippen und nahm einen kräftigen Schluck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genüsslich schloss ich die Augen. Ich spürte, wie sich zusammen mit der Kälte ein angenehmes Prickeln auf meiner Zunge ausbreitete. Dann füllte das herbe, leicht bittere Aroma meinen Mund. Wie sehr ich diesen Geschmack vermisst hatte &#8230; Als ich es schließlich herunterschluckte, hatte ich sogar das Gefühl, als würde sich eine wohlige Wärme, ganz anders als die schwüle Hitze, in meiner Brust ausbreiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch so schnell, wie sie gekommen war, verschwand die Wärme auch wieder. Sie wurde von Gewissensbissen abgelöst. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Ich hatte zum ersten Mal seit über einem Jahr Alkohol getrunken. Meine AA Marke hatte ich nicht mehr verdient. Aber anstatt aufzuhören, versuchte ich diese Erkenntnis in einem weiteren Schluck Bier zu ertränken. Und in noch einem. Und noch einem. Nach wenigen Sekunden war das Glas halb leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich ertönte ein Knall. Jemand hatte die Eingangstür so schwungvoll aufgeschlagen, dass der Türgriff geräuschvoll gegen den Gummistopper an der Wand geknallt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„&#8230; und dann hab ich sie flachgelegt. Mann hatte die geile Titten!“, waren die ersten Worte, die ich hörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stimme gehörte zu einem jungen Mann mit protziger weißer Jacke und einem hautengen schwarzen T-Shirt. Das und das eingebildete Grinsen auf seinem Gesicht verrieten mir sofort alles, was ich über ihn wissen musste: Er hatte Geld – oder tat zumindest so – und fühlte sich, als würde die ganze Welt ihm gehören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Genau wie Dalia hier“, fuhr er fort und nickte der Kellnerin zu. „Die hat auch geile Titten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die drei Freunde, die ihm in die Bar gefolgt waren, starrten der Kellnerin ungeniert auf selbige und grinsten breit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dalia, wie sie wohl hieß, gefror bei dieser Bemerkung in ihrer Bewegung und hielt ihren Blick eine Sekunde lang starr auf das Glas in ihren Händen gerichtet. Sie versuchte, es sofort zu kaschieren, indem sie das Glas weiter abtrocknete, aber ich hatte deutlich bemerkt, wie eingeschüchtert sie war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angewidert verzog ich das Gesicht und machte mich bereits dazu bereit, einzugreifen, als die Gruppe sich an einem der Tische niederließ. Sie beachteten Dalia nicht weiter, außer dass sie eine Runde Schnaps bestellten. Stattdessen ging der Typ mit der weißen Jacke, die er trotz der Hitze selbst an seinem Platz nicht auszog, wieder zum Prahlen über. Er erzählte von seinem gut bezahlten Job und prahlte mit dem teuren Auto, das er sich bald holen wolle. Seine Freunde klebten nahezu an seine Lippen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuchte, seine lautstarken Angebereien so gut es geht zu überhören. Daher weiß ich auch nicht, wie es zu dem Themenwechsel kam, aber als ich gerade mein drittes Bier bestellte, ließ mich ein Name aufhorchen, den der Typ erwähnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Pass lieber auf, dass du nicht zu viel trinkst, sonst holt dich El Silbón!“, sagte er zu einem seiner Freunde. Diesmal war sein Grinsen nicht belustigt oder angeberisch, sondern hinterhältig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte nur vermuten, dass sein Freund Angst vor Horrorgeschichten hatte. Ich kannte Typen wie ihn. Er fühlte sich bestimmt supertoll, während er ihn einschüchterte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„El was?“, fragte ein anderer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anscheinend waren seine Freunde nicht von hier. Jedenfalls war das genau die Frage, auf die er gewartet hatte. „El Silbón ist ein Wesen, das ganz hier in der Nähe leben soll. Früher war es mal ein Mensch, aber das ist schon lange her.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach komm schon, Cesar. Du weißt, dass ich solche Geschichten nicht mag“, beschwerte sich der Mann, dem er die Geschichte widmete. Ich hatte also recht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Cesar hingegen beachtete ihn gar nicht. Er fuhr einfach fort. „Es heißt, er war früher der Sohn eines Farmers gewesen, der hier ganz in der Nähe gewohnt hat. Ein verzogener Rotzbengel, dem die Eltern den Arsch abgewischt haben. Sie haben ihm alles erlaubt und alles für ihn getan. Aber eines Tages, als der Junge Fleisch essen wollte, konnte sein Vater trotz stundenlanger Suche kein Reh zum Jagen finden. Also hat der Junge kurzerhand seinen Vater ermordet, aufgeschlitzt und seiner Mutter die Innereien gebracht, damit sie daraus etwas kochen konnte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein allgemeiner Ausruf des Ekels ging durch die kleine Gruppe. Und auch die Kellnerin warf Cesar einen mahnenden Blick zu. Das war nun wirklich kein Gesprächsthema für eine Bar!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie auch schon vorher, ignorierte Cesar die Leute um sich herum und fuhr unbeirrt fort: „Die Mutter des Jungen war zwar weichgespült, aber keinesfalls dumm. Sie merkte schnell, dass etwas nicht stimmte. Also stellte sie ihn zur Rede, bis er zugab, dass es die Innereien seines Vaters waren. Sie war ’ne Frau, also hat sie das getan, was Frauen in solchen Situationen so machen: Bestimmt hat sie rumgeflennt und was weiß ich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schnaufte verärgert. Der Typ war echt ein Ekel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Großvater, der Vater des toten Vaters, war da weniger zimperlich“, erzählte er weiter. „Er hat sich den Jungen geschnappt, ihn ausgepeitscht, Chilipulver in die blutigen Wunden gerieben und tollwütige Hunde auf ihn losgelassen, damit sie ihn bei lebendigem Leibe zerfetzen. Es heißt, dass der Junge in den Wald geflohen ist, und nie wieder gesehen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber seit jenem Tag lauert nachts etwas draußen auf den Straßen. Was auch immer mit dem Jungen passiert ist, es hat ihn zu einer Kreatur verzerrt, die wir unter dem Namen El Silbón kennen. Drei Meter groß mit spindeldürren Gliedmaßen. Er trägt die Kleidung, die Farmer früher getragen haben, lumpig mit einem großen Hut. Und während er durch die Nacht wandert, bereit, jeden zu töten, der ihm über den Weg läuft, trägt er einen großen Sack mit den Knochen seiner Opfer über den Rücken geworfen und pfeift unablässig diese Melodie &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Cesar begann, sie zu pfeifen. Ton für Ton die Tonleiter hinauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber das ist noch nicht alles. El Silbón ist hinterlistig. Er wird mit seinem Pfeifen immer leiser, je näher du ihm kommst. Du glaubst, du rennst vor ihm weg, aber in Wirklichkeit läufst du ihm direkt in die Arme. Und dann &#8230;“, er knallte seine Faust auf den Tisch, dass die Gläser klimperten, „ist es für dich zu spät. Und es heißt, dass er es hauptsächlich auf Trunkenbolde abgesehen hat. Also pass lieber auf Joel, sonst holt El Silbón heute Nacht dich!“ Cesar zeigte mit seinem Finger auf seinen Freund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser schluckte schwer und sah ihn mit großen Augen an. Man konnte dem Jungen ansehen, dass er Angst hatte. Und so sehr ich mich auch über das Benehmen der kleinen Gruppe ärgerte, konnte ich eine Sache überhaupt nicht ab: wenn angebliche Freunde einem in den Rücken fielen. Das war kein harmloser Streich. Er wollte Joel Todesangst machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, bleib mir weg mit solchen Geschichten!“, sagte ich laut quer durch den Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es erzielte den gewünschten Effekt. Cesar ließ von dem Jungen ab. Aber eine Sache hatte ich nicht bedacht: dass ich seine Aufmerksamkeit damit unweigerlich auf mich lenkte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sah erst verwirrt zu mir rüber, als könne er nicht fassen, dass jemand die Stimme gegen ihn erhob. Dann stand er auf, zog seine weiße Jacke zurecht und kam, gefolgt von seinen Freunden, mit einem breitbeinigen Gang auf mich zu. Er reckte dabei seine Schultern möglichst weit nach außen, um größer zu wirken, aber in meinen Augen sah es einfach nur lächerlich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was hast du gesagt, Opi?“, fragte er, als er vor mir stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil ich saß, musste ich zu ihm aufsehen. Doch bevor ich etwas erwidern konnte, fiel sein Blick auf etwas auf dem Tisch. Blitzschnell griff er danach und musterte meine AA Marke. Sein darauf folgender kritischer Blick galt meinem Bier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist die Plörre alkoholfrei? Oder bist du deswegen so schlecht auf El Silbón zu sprechen?“, fragte er, während er die Münze demonstrativ seinen Freunden hinhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt seinem Blick stand, antwortete aber nichts. Trotzdem musste irgendetwas in meinen Augen mich verraten haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ahhh. Verstehe“, sagte er und lachte dreckig. Dann hielt er die Marke seinen Freunden hin. „Das hier ist eine Münze von den Anonymen Alkoholikern. Und wenn mich nicht alles täuscht, bedeutet diese Eins, dass er seit einem Jahr trocken ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes griff er nach meinem Bier. Ich hatte keine Lust, die Situation noch weiter zu verschärfen, also ließ ich es geschehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Demonstrativ hielt er es hoch. „Sieht das für euch aus, als wäre er trocken?“, fragte er seine Freunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie alle verneinten, der eine mehr, der andere weniger enthusiastisch, aber das schien Cesar nicht zu stören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann tat er etwas, das ich niemals vorausgesehen hätte. Er stellte das Bier zurück auf den Tisch und sagte an Dalia gewandt: „Noch ein Bier für unseren Freund hier. Ein großes.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Jubeln brach in der kleinen Gruppe aus. Es war ein spöttisches Gebrüll. Aber während seine Freunde seine Aktion noch feierten, stützte er sich plötzlich mit beiden Händen auf den Tisch und beugte sich zu mir vor. „Pass lieber auf“, sagte er leise. So leise, dass ich nicht sicher war, ob die anderen ihn überhaupt verstanden. „Sonst kommt El Silbón dich holen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille erfüllte die Bar. Cesars Freunde, die eben noch so laut gebrüllt hatten, sagten keinen Mucks mehr – wahrscheinlich weil sie angestrengt lauschten. Es kam mir fast vor, als hätte Cesar die Zeit angehalten. Ich schluckte schwer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann brach er in schallendes Gelächter aus. Es war dreckig und hässlich, wie seine ganze Art. Seine Freunde stimmten sofort mit ein. Jetzt wurde es mir zu blöd. Noch während seine Freunde ihm auf den Rücken klopften, als wollten sie ihm für seinen großartigen Scherz gratulieren, hievte ich mich hoch. Ich war so durchgeschwitzt, dass der Stoff meiner Hose und meines T-Shirts an dem Barstuhl klebte und sich nur mit einem schmatzenden Geräusch löste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drängelte mich an den jungen Männern vorbei. Beim Bartresen angekommen, legte ich Dalia ihr Geld inklusive eines saftigen Trinkgeldes auf den Tisch. Sie warf mir einen entschuldigenden Blick zu. Dabei fühlte ich mich, als hätte viel eher ich mich bei ihr entschuldigen müssen, dafür, dass ich sie mit diesen Männern allein ließ. Ich konnte einfach gehen, aber sie musste mit Pech die ganze Nacht mit diesen Saftsäcken aushalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie feierten einander, als ich mich der Tür näherten, fühlten sich wohl toll, weil sie mir den Abend versaut hatten. Zu ihrem Pech hatte ich das allerdings schon lange selbst geschafft, in genau dem Moment, als ich das erste Bier bestellt hatte. Auch ärgerte ich mich darüber, dass ich den Alkohol schon deutlich spürte, obwohl ich gerade mal zweieinhalb Bier getrunken hatte – und dass mir der leichte Rausch gefiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich die Tür öffnete, hörte ich Cesar noch rufen: „El Silbón schlitzt Alkis wie dich auf, genau wie er es damals bei seinem lieben Papi gemacht hat!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann war ich endlich an der frischen Luft. Aber wenn ich darauf hoffte, dass die kühle Nachtluft meinem Kreislauf half, hatte ich mich geschnitten. Hier draußen war es genauso schwül und drückend wie in der Bar. Es gab nicht einmal eine laue Brise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich machte mich sofort auf den Heimweg. Mamá saß um diese Uhrzeit wahrscheinlich vorm Fernseher und sah eine Telenovela. Trotzdem bekam ich Gewissensbisse, dass ich sie so lange allein gelassen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So setzte ich Fuß vor Fuß, als auf einmal ein Pfeifen meine Ohren erreichte. Das Geräusch trieb mir einen Schauer über den Rücken. Die warme Luft kam mir plötzlich unglaublich kalt vor. Dabei glaubte ich nicht an El Silbón. Und trotzdem war da jetzt dieses Geräusch, das mit jedem Pfiff die Tonleiter erklomm. Genau wie in den Legenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unruhig sah ich mich um. Ich spähte in die schmale Gasse, die in der Wand aus Häusern zu meiner Linken war, dann die Straße entlang und schließlich auf die andere Straßenseite. Dort stand ein Zaun, hinter dem man einige Bäume erkennen konnte, aber für mehr reichte das Licht nicht aus. Trotzdem, wenn hier draußen wirklich etwas war, war es vielleicht noch weit genug weg, sodass ich es zurück in die Bar schaffen würde. Ich müsste es nur um die Ecke schaffen und &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Pfeifen brach plötzlich ab und wich lautem Gelächter. Ich erkannte es sofort wieder &#8230; Cesar und seine kleine Truppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ihr seid weder besonders lustig noch originell!“, rief ich in die Richtung, aus der die Stimmen kamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch mehr Gelächter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlegte, ob ich sie ignorieren und weitergehen sollte, aber so leicht wollte ich mich nicht geschlagen geben. „Und wisst ihr was?“, brüllte ich. „Wenn jemand Angst vor El Silbón haben muss, dann ihr! Noch mehr als Trinker hasst er nämlich Männer, die Frauen schlecht behandeln!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das stimmte so nicht ganz – soweit ich wusste, hasste El Silbón sie gleichdoll –, aber es erzielte seinen gewünschten Effekt. Eine der vier Stimmen brach abrupt ab. Ich tippte auf Joel, oder wie er hieß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf verstummten auch die anderen und es entstand eine leise Diskussion, bei der ich nicht viel mehr als das Wort „Feigling“ verstand. Trotzdem ging ich mit einem zufriedenen Grinsen weiter. Wenn ich dafür gesorgt hatte, dass auch nur einer der Typen Dalia heute Abend respektvoll behandelte, war das zumindest ein kleiner Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend geschah bis auf das entfernte Gebell eines Hundes, das gelegentliche Zirpen von Insekten und dem Knirschen meiner Schuhe auf dem Bürgersteig eine ganze Weile nichts mehr, sodass ich bald wieder in Gedanken über Mamá verfiel. Würde sie mich erkennen, wenn ich gleich zu Hause war? Was sollte ich sagen, wenn sie es nicht tat?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich zerschnitt wieder ein Pfeifen die Luft. ‚C D E F G A H C‘, pfiff es die Tonleiter hinauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irritiert blieb ich stehen und drehte mich um. Ich konnte niemanden erkennen, aber das war mir egal. Eine plötzliche Wut stieg in mir auf. Konnten sie mich nicht einfach in Ruhe lassen?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist ja schön und gut, dass ihr einen lustigen Abend habt!“, schrie ich aus voller Lunge. „Aber langsam ist es echt nicht mehr witzig! Es ist mir egal, ob eure Eltern euch nicht geliebt haben oder ob ihr als Kind zu heiß gebadet wurdet. Wenn ihr mich weiter verfolgt, rufe ich die Polizei!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise hätte ich gedacht, dass solch eine Drohung ins Schwarze treffen würde. Aber sie beachteten mich gar nicht. Das Pfeifen ging fröhlich weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schnaubte verächtlich. Aber was blieb mir anderes übrig, als weiterzugehen? Immerhin konnte ich nicht wirklich die Polizei rufen, nur weil jemand am Pfeifen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenigstens verfolgten sie mich nicht weiter. Mit jedem schnellen Schritt, den ich tat, wurde das Pfeifen leiser und leiser. Ich bog in eine Straße, die nur sehr unregelmäßig von Straßenlaternen beleuchtet war. Jetzt war ich fast zuhause. Hier hatte ich einen Heimvorteil. Ich kannte diese Straßen wie die Böden der Gläser in meiner Stammkneipe. Selbst, wenn die Gruppe mich noch verfolgen würde, könnte ich sie hier problemlos abschütteln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ging ich unbeirrt weiter, setzte so schnell, dass ich mich in meinem etwas unsicheren Gang noch sicher fühlte, einen Fuß vor den anderen. Das Pfeifen war inzwischen kaum noch zu hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann sah ich jedoch eine Bewegung vor mir und blieb so abrupt stehen, als wäre ich gegen eine Wand gelaufen. Da war ein Schatten, mitten auf der Straße, genau zwischen den Straßenlaternen, sodass ich ihn nur erkennen konnte, weil ich das Licht hinter ihm nicht sah. Und er bewegte sich. Zuerst dachte ich noch, es wäre irgendein Tier, aber als er sich langsam aufrichtete, sah ich, dass er zu groß für ein Tier war. Zu groß für einen Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwirrt taumelte ich zurück, während er mit großen Schritten auf mich zukam. Jetzt hatte er die Straßenlaterne zwischen uns erreicht. Zwar konnte ich sein Gesicht nicht erkennen – sein breiter Hut warf zu tiefe Schatten –, aber die lumpige Kleidung, die dürren Arme und Beine, der große Sack auf seinem Rücken und die schiere Größe der Kreatur ließen keine Zweifel offen: Es war El Silbón. Leise, sodass ich sie kaum noch hören konnte, pfiff er seine Melodie des Todes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich wusste, was ich tat, war ich auf die Knie gefallen. Tränen liefen meine Wangen hinab. „Bitte. Bitte, ich wollte das nicht“, flehte ich. „Ich wollte nicht trinken. Aber ich habe keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Es geht meiner Mamá nicht gut. Ich bin doch der Einzige, der sich um sie kümmert!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber El Silbón ließ nicht mit sich reden. Er kam weiter auf mich zu. Als er mich fast erreicht hatte, schloss ich die Augen und betete. Auch wenn ich wusste, dass es nichts bringen würde, flehte ich Gott und Jesus an, dass sie mir helfen mögen, dass El Silbón mich verschonen möge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meinem leisen Schluchzen gesellte sich nun das Gebell eines entfernten Hundes. Ich wusste nicht, ob es derselbe Hund war, den ich auch vorhin gehört hatte, aber ich war mir sicher, dass es eines der letzten Geräusche sein würde, das ich hörte. Inzwischen hatte El Silbón mit seinem Pfeifen aufgehört. Jeden Moment würde er mich mit irgendetwas niederschlagen. Er würde mich aufschlitzen oder mir die Gliedmaßen ausreißen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich am Boden kauerte und mir die schlimmsten Dinge ausmalte, geschah &#8230; nichts. Erst dachte ich, die Sekunden würden sich bloß ewig anfühlen, El Silbóns große, dürre Hand würde mich jeden Moment packen, aber als ich schließlich aufsah, war die Straße leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwirrt drehte ich mich um, ließ mich auf mein Gesäß fallen und starrte in die andere Richtung. Nichts. Da waren Straßenlaternen, die sandigen Gehwege, die schmutzige, schmale Straße und einige wenige Häuser. Aber ein großer, menschlicher Schatten war nirgends zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Begegnung mit El Silbón ist inzwischen fast fünf Jahre her. Trotzdem hat sie mich nie wirklich losgelassen und es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht daran denke. Was hat mich damals gerettet? Hatte er mir eine zweite Chance gewährt? War es vielleicht Gottes Werk? Oder war es das Hundegebell, vor dem El Silbón angeblich solche Angst haben soll, weil sein Großvater damals seine Hunde auf ihn gehetzt hat?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was es auch war, ich hatte mir an jenem Abend geschworen, nie wieder auch nur einen Tropfen Alkohol zu trinken. Einen Schwur, an den ich mich bis heute gehalten habe.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">El Silbón (spanisch für „Der Pfeifer“) ist eine venezolanische und kolumbianische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>. Sie handelt von einem Wesen, dessen Pfeifen nachts den Tod ankündigt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach war El Silbón früher einmal ein Mensch. Wie bei den meisten Legenden unterscheidet sich seine Hintergrundgeschichte oft von Erzählung zu Erzählung, generell lässt sie sich aber fast immer in eine von zwei unterschiedlichen Varianten einordnen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Variante 1:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In der einen Variante war El Silbón früher ein Farmer, der zusammen mit seiner geliebten Frau, seinem Vater und seinem Großvater – in einigen Erzählungen auch seinem Schwiegervater und dessen Vater – in einem Haus gelebt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er eines Tages ins Haus zurückkam, bekam er mit, wie sein Vater seine Frau entweder schlug oder als Hure beleidigte. In manchen Versionen fand er sogar ihre Leiche, nachdem sein Vater sie ermordet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin entbrannte ein heftiger Streit, bei dem er seinen Vater schließlich umbrachte. Sein Großvater bekam es mit und entschied daraufhin voller Wut und Trauer, seinen Enkel zu bestrafen. Er fesselte ihn an einen Pfahl oder Baum und peitschte ihn aus, bis er unzählige tiefe und blutige Wunden im Rücken hatte. Anschließend rieb er Chilipulver – in einigen Erzählungen auch Salz oder Alkohol – in die Wunden, löste die Fesseln wieder und ließ einen oder mehrere aggressive Hunde auf den Mann los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Tiere ihn in den Wald jagten, rief der Großvater ihm nach, dass er ihn <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/flueche" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verfluche</a>. Er solle niemals seine Ruhe finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war das letzte Mal, dass jemand den Mann gesehen haben soll. Seit jenem Tag soll El Silbón durch das Land ziehen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Variante 2:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In der anderen Variante war El Silbón kein erwachsener Mann, sondern ein verwöhnter Junge. Seine Eltern konnten ihm nie etwas abschlagen und ließen ihm alles durchgehen. Daher wurde er schnell zu einem verzogenen, undankbaren Kind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Tages soll der Junge seinen Vater aufgefordert haben, für ihn ein Reh zu jagen, da er Appetit auf Eingeweide habe. Der Vater kam der Bitte seines Sohnes natürlich sofort nach und begab sich auf die Jagd. Aber selbst nach stundenlanger Suche konnte er kein Reh finden. Schließlich kehrte er mit leeren Händen nach Hause zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sohn, der es nicht gewohnt war, seinen Willen nicht zu bekommen, geriet daraufhin so in Rage, dass er seinen Vater kurzerhand mit dem Jagdmesser niederstach. Als er tot vor ihm lag, zeigte der Junge jedoch keinerlei Reue. Ganz im Gegenteil: Es heißt, dass er seinen Vater ausgeweidet haben soll. Anschließend brachte er die Eingeweide zu seiner Mutter, damit sie sie zubereiten konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Mutter merkte jedoch schnell, dass etwas nicht stimmte. Sie stellte ihn zur Rede, woraufhin er zugab, dass es die Innereien seines Vaters sind. Sie war natürlich völlig entsetzt, wusste nicht, wie sie reagieren soll. Sein Großvater jedoch – der Vater seines Vaters –, der mitbekommen hatte, was geschehen war, war rasend vor Wut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab hier sind die beiden Varianten identisch: Er peitschte seinen Enkel aus, rieb ihm Chilipulver in die Wunden, ließ Hunde auf ihn los und trieb ihn in den Wald, während er ihn verfluchte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht viele Leute sollen eine Begegnung mit El Silbón überlebt haben. Die wenigen, die davon berichten konnten, beschreiben sein Aussehen aber alle ähnlich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sieht aus, wie ein dünner, sehr großer Mann. Die Beschreibungen reichen von einem großgewachsenen Mann bis hin zu Erzählungen, dass er 3 bis 6 Meter groß sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders auffällig sind außerdem sein breitkrempiger Hut, wie ihn Farmer in der Region früher oft getragen haben, und der große Sack, den er sich über den Rücken geworfen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine restliche Kleidung wird als typische Farmerkleidung des letzten oder vorletzten Jahrhunderts beschrieben und soll laut einigen Erzählungen stark abgenutzt oder lumpig aussehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie der Name schon sagt, ist El Silbón unter anderem für sein Pfeifen bekannt. Mit scharfen Tönen soll er wieder und wieder die Tonleiter (C D E F G A H C) pfeifen, während er nachts durch die Gegend zieht, um sein nächstes Opfer zu suchen. Besonders aktiv soll er während der Regenzeit sein, die ihren Höhepunkt im Juli und August hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hauptsächlich abgesehen hat er es auf Trunkenbolde, Frauenhelden oder Männer, die ihre Frauen schlecht behandeln oder ihrer Partnerin fremdgehen. Aber auch jede andere Person kann zu seinem Opfer werden, wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Pfeifen kündigt ihn jedoch nicht nur an, er nutzt es auch zur Jagd. Wie auch einige Wesen aus anderen Legenden – z. B. die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/manananggal" target="_blank" rel="noreferrer noopener">philippinischen Tikwi</a> – täuscht auch er seine Opfer mit der Lautstärke. Wenn sein Pfeifen sehr laut klingt, als wäre er ganz in der Nähe, ist El Silbón in Wirklichkeit noch weit entfernt. Je näher man ihm jedoch kommt, desto leiser wird sein Pfeifen. Man hat also das Gefühl, als würde man vor ihm wegrennen, während man in Wirklichkeit genau auf ihn zu rennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was genau El Silbón mit seinen Opfern macht, ist hingegen umstritten. Fest steht, dass er sie umbringt. Wie genau er dabei vorgeht, weiß jedoch niemand – oder aber er hat keine feste Vorgehensweise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während er Betrunkene zu Boden wirft, um ihnen den Alkohol und das Blut durch ihren Bauchnabel aus dem Körper zu saugen, reißt er Frauenhelden oft in Stücke. Andere Leute werden erschlagen oder es ist gänzlich unbekannt, wie sie gestorben sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Worin sich die meisten jedoch einig sind, ist, dass er die Knochen seiner Opfer in den Sack auf seinem Rücken steckt. In besagtem Sack sollen übrigens auch die Überreste seines Vaters – seines ersten Opfers – liegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn seine Opfer nicht auf offener Straße, sondern in ihrem Haus sind, hat er hingegen eine andere Vorgehensweise: Er kippt den Inhalt seines Beutels auf die Türschwelle, wo er laut Knochen für Knochen zählt. Schafft man es nicht, ihn zu vertreiben, oder hört ihm nicht beim Zählen zu, soll ein Familienmitglied oder ein Bewohner des Hauses bei Morgengrauen sterben, woraufhin er die Knochen seines neuen Opfers zu den anderen Knochen in seinem Beutel wirft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch wenn El Silbón ein übernatürliches Wesen mit wahrscheinlich übermenschlichen Kräften ist, kann man sich gegen ihn gut verteidigen. So soll es reichen, wenn man einen Hund, Chilischoten oder eine Peitsche dabeihat – alles drei Dinge, vor denen er wegen seiner Vorgeschichte Angst hat. Auch das bloße Gebell von Hunden kann helfen, um ihn zu vertreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">El Silbón wird hauptsächlich in Venezuela und Kolumbien gesichtet und gehört. Am häufigsten begegnet man ihm angeblich in den Llanos, den Feuchtsavannen Venezuelas und Kolumbiens, wo er früher gelebt haben soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende von El Silbón soll Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich basiert sie auf einem realen Mordfall aus den 1850er Jahren. Ich habe in mehreren Quellen den Namen Joaquin Flores als den Namen des Mörders gefunden, jedoch weder Näheres über ihn noch den angeblichen Mord herausfinden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nur, dass El Silbón eine in Venezuela und Kolumbien weit verbreitete Legende ist. Es gibt viele Menschen in der Region, die ihn bereits gehört oder gesehen haben wollen. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum auch heute noch viele Menschen, die in den Llanos leben, Angst vor ihm haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wie findet ihr El Silbón? Hättet ihr Angst, wenn ihr in Kolumbien oder Venezuela wärt und nachts plötzlich ein Pfeifen hört? Wie würdet ihr reagieren? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>El Coco &#8211; Beschützt eure Kinder!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 May 2022 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Einen Moment saß ich stocksteif da, lauschte angespannt. Aber ich hörte nur meinen Atem, der jetzt schnell und unregelmäßig ging, und das Pochen meines Herzens. Vorsichtig zog ich die Decke von meinem Kopf. Ich hoffte so sehr, dass ich mich geirrt hatte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/4538109b172b421dae5299790c3f4ec0" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">El Coco ist ein Beitrag, mit dem ich mich etwas länger herumgeschlagen habe. Erst hat mir meine Idee für die Geschichte nicht gut genug gefallen, dann hatte ich eine Zahn-Op und war nicht ganz auf der Höhe und jetzt stand der Beitrag wieder auf der Kippe, weil ich ihn fast nicht fertig bekommen habe. (Das Bild reiche ich natürlich nach!)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe, euch gefällt meine Geschichte über den spanisch-portugiesischen Boogeyman.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Gewalt gegen Kinder<br>
&#8211; Kindesentführung</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Glaubt ihr an den schwarzen Mann? Den Boogeyman? Den Butzemann? Hier in Spanien kennen wir ihn unter dem Namen „el Coco“, und ich habe ihn gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals war ich noch ein junges Mädchen, gerade einmal acht oder neun Jahre alt. Ich war nicht die Artigste, habe mich oft mit irgendwelchen Jungs angelegt, die sich darüber lustig gemacht haben, dass ich als Mädchen Fußball gespielt habe. Außerdem hatte ich ein Faible für Streiche, die außer mir seltsamerweise niemand lustig fand. Ich hatte deshalb oft Ärger mit den Lehrern oder meinen Eltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dürfte also niemanden überraschen, dass el Coco es ausgerechnet auf mich abgesehen hatte. Ich war nahezu ein Paradebeispiel für ein Kind, dass von dem Boogeyman heimgesucht wurde. Aber obwohl ich damals eine unvorstellbare Angst vor der dunklen Gestalt hatte, die plötzlich an meinem Bett stand, obwohl ich dachte, dass mein junges Leben viel zu früh vorüber wäre, war es nicht meine furchteinflößendste Begegnung mit el Coco. Nein, die sollte ich erst viele Jahre später haben, als ich bereits eine erwachsene Frau war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erinnerung an el Coco hatte ich längst verdrängt. Als Krankenschwester war ich eine Frau der Wissenschaft. Ich glaubte nicht an das Übernatürliche. Meine erste Begegnung tat ich als bloßen Albtraum ab. Ich vergaß die Angst, die ich vor dem Wesen hatte. Sie kam erst zurück, als ich mit meinem Mann in der Küche stand und über unseren gemeinsamen Sohn sprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Manchmal erinnert Raul mich an dich, als du noch klein warst“, sagte Antonio.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah meinen Mann mit gerunzelter Stirn an. Die Hände hatte ich in die Hüfte gestemmt. Raul sah mir nicht gerade ähnlich. Ich hatte glatte schwarze Haare, während er hellbraune Locken trug. Außerdem war seine Haut ein gutes Stück heller als meine. Abgesehen von unserer gemeinsamen Liebe für Fußball hatten wir nicht viele Gemeinsamkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja, du warst auch nicht gerade ein Unschuldsengel“, erklärte Antonio. „Weißt du noch, als du unserer Klassenlehrerin Frau Lopez einen Wassereimer auf die Tür gestellt hattest? Du warst beleidigt, weil sie dir eine schlechte Note gegeben hat“, sagte er grinsend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Erinnerung hatte ich Mühe, ein Schmunzeln zu unterdrücken. Trotzdem sah ich meinen Mann weiter streng an. „Raul ist aber kein Kind mehr. Er ist 12. Dios mio, er hat ein Mädchen geschlagen! In dem Alter war ich schon sehr viel vernünftiger. Ich war in keiner einzigen Prügelei mehr, nachdem &#8230;“, ich brach ab. Warum eigentlich? Wieso hatte ich damals damit aufgehört?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich war sie wieder da: meine Erinnerung an el Coco. Ich sah ihn fast vor mir, den schwarzen Schatten am Fußende meines Bettes. Er streckte seine pechschwarze Hand nach mir aus. Ich umklammerte meine Beine, starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mi amor, alles in Ordnung?“, fragte Antonio.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus meinen Gedanken gerissen blinzelte ich erschrocken. „Hmm?“, fragte ich. Ich versuchte, die Bilder aus meinem Kopf zu verdrängen. „Ja, alles gut. Aber ich muss langsam los. Wir reden nachher weiter, ja?“ Ich trank hastig einen letzten Schluck von meinem noch immer halb vollen Kaffee, gab Antonio einen Kuss und beeilte mich, zur Arbeit zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Wirklichkeit hatte ich es nicht eilig, aber ich brauchte Zeit zum Nachdenken. Was genau war diese Erinnerung? War es bloß ein Traum, den ich als Kind hatte? Oder steckte mehr dahinter? Nein. Es musste ein Traum gewesen sein. Aber was wenn nicht? War Raul in Gefahr? El Coco hatte sich damals so real angefühlt. Ich schauderte jetzt noch, als ich mir vorstellte, wie seine rot leuchtenden Augen mich anstarrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zerbrach mir den halben Arbeitstag den Kopf darüber. Die andere Hälfte war ich im Stress. Im Krankenhaus war ziemlich viel los, da mussten sich die eigenen Gedanken schonmal hinten anstellen. Und so kam es, dass ich auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause noch immer nicht wusste, was ich tun sollte. Ich entschied, Antonio um Rat zu bitten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er machte mir gerade das Essen warm, das er zu Mittag für sich und Raul gekocht hatte, als ich endlich genug Mut hatte, es anzusprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du Schatz, sag mal &#8230; wegen heute Morgen“, begann ich zaghaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Mädchen?“, fragte Antonio sofort. „Mach dir keine Sorgen. Ich habe mich um alles gekümmert. Ich habe mit Frau Martín geredet. Ihre Tochter und Raul haben sich vertragen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist gut, aber &#8230;“ Ich räusperte mich nervös. „Raul muss sein Verhalten ändern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio seufzte schwer. „Ach Lucía, mi amor, er ist noch ein Kind. Außerdem kommt er langsam in die Pubertät. Da hatten wir alle solchen Quatsch im Kopf.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich nicht“, sagte ich mit trockenem Mund. Die Bilder von heute Morgen schwirrten mir noch immer durch den Kopf. „Aber da ist noch etwas anderes. Kennst du die Legende von el Coco?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio wurde plötzlich sehr still. Er sah mich einen Moment an, bevor er sehr leise erwiderte: „Ich hoffe, du willst damit nicht sagen, was ich denke. Ich halte von solchen Erziehungsmethoden nichts.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte schnell. „Das weiß ich doch. Aber &#8230; stell dir mal vor, dass es el Coco wirklich gibt“, versuchte ich es zaghaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Mann verstand nicht, worauf ich hinaus wollte. „Ich weiß, dass es mit Raul manchmal schwierig ist, aber ich mache unserem Sohn keine Angst, nur damit er sich besser benimmt. Das wäre nicht anders, als würden wir ihn zur Bestrafung schlagen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nervös knetete ich meine Hände. In jeder anderen Situation würde ich ihm zustimmen. Psychischer Terror konnte genauso schlimm sein wie körperlicher. Aber es ging mir ja nicht darum, Raul Angst zu machen, sondern ihn zu beschützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch, während ich meinen Mut zusammennahm. Die Worte kamen mir nicht leicht über die Lippen. „Was ich eigentlich meinte &#8230; Also &#8230; El Coco gibt es wirklich. Ich habe ihn als Kind gesehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio schwieg. Es kostete mich einige Überwindung, meinen Mann anzusehen. Er musterte mich, als hätte ich behauptet, Papá Noel – der spanische Weihnachtsmann – persönlich zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich weiß, wie das klingt“, sagte ich. „Aber es ist mein voller Ernst.“ Ich erzählte ihm, was mir als Kind widerfahren war – zumindest das, an was ich mich erinnerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio war nicht überzeugt. „Mi amor. Du warst ein Kind und hattest einen Albtraum. Vielleicht eine Schlafparalyse. Das ist eine Art Wachzustand, in dem du immer noch träumst. Dabei liegst du reglos im Bett und kannst die furchteinflößendsten Dinge sehen, wie zum Beispiel &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich weiß, was eine Schlafparalyse ist!“, unterbrach ich ihn etwas zu laut. Sofort senkte ich meine Stimme. „Ich weiß, was eine Schlafparalyse ist“, wiederholte ich ruhiger. „Aber ich schwöre dir, dass ich damals wach war. Ich bin mir ganz sicher.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir redeten noch eine Weile hin und her. Ich versuchte, ihn zu überzeugen, aber ich schaffte es nicht. Je mehr wir redeten, desto mehr zweifelte ich an mir. War ich nicht am Morgen selbst noch unsicher gewesen? Hatte mich selbst gefragt, ob es nicht alles nur ein Traum gewesen war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir einigten uns schließlich darauf, künftig bei Raul härter durchzugreifen. So würde er es sich wenigstens zweimal überlegen, bevor er das nächste Mal Mist baute. Von el Coco durfte ich ihm natürlich nicht erzählen, aber ich war mir gar nicht so sicher, ob ich das überhaupt noch wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Tage waren ruhig – zu Hause, auf der Arbeit und sogar mit Raul. Er benahm sich fast schon vorbildlich, zumindest soweit wir wussten. Ab und an musste ich noch an el Coco denken, aber ich belächelte mich dabei eher selbst. Ich hatte mich damit abgefunden, dass es ein Traum gewesen sein musste. Wenn es el Coco wirklich gäbe, hätte bestimmt schon jemand einen Beweis dafür gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich etwa eine Woche später die Wäsche machte, bekam ich wieder ein leichtes Unwohlsein in meiner Magengegend. Ich holte gerade Rauls Fußballtrikot aus dem Trockner und schwelgte dabei wie so oft in Erinnerungen. Es sah meinem Fußballtrikot von früher zum Verwechseln ähnlich. Ich erinnerte mich an die Zeit, als ich es fast täglich getragen hatte, egal ob ich Training hatte oder nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber während meine Erinnerungen an damals sonst immer schön waren, kam mir heute ein schon längst vergessener Streit in den Sinn. Ein Junge aus meiner Schule – Rafael – hatte sich auf dem Pausenhof darüber beschwert, dass ich, ein Mädchen, in seinem Fußballteam spielen solle. Es war ein von uns Schülern gemachtes Turnier, das darüber entschied, wer die nächsten Tage den Fußballplatz in den Pausen nutzen durfte. Eine ziemlich große Sache. Ich hatte Rafael gegen sein Schienbein getreten und einen Idioten genannt, woraufhin er weinend weggelaufen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnerte mich noch so gut daran, weil ich danach verdammt viel Ärger mit meinen Eltern und meiner Klassenlehrerin hatte. Rafael war beim Rennen nämlich gestürzt und hatte sich die Nase gebrochen. Und mir gab man die Schuld dafür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch, wenn ich über so etwas heute wohl gelacht hätte, war da noch etwas anderes: Es war mein letzter großer Streit, bevor el Coco mich heimgesucht hatte &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Tag ging ich früh ins Bett. Mein Kopf kreiste. So sehr ich auch versuchte, mich abzulenken, es gelang mir nicht. Und so verfolgte meine Erinnerung mich bis in meine Träume.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine Nacht kurz nach dem Streit mit Rafael. Ich hatte Hausarrest und durfte mein Zimmer nur verlassen, um auf Toilette zu gehen, oder wenn meine Eltern mich zum Essen riefen – meine Strafe dafür, dass ich meine Eltern angeschrien hatten. Aber was hätte ich anderes tun sollen. Ich hatte ihnen schon über 20 Mal gesagt, dass ich Rafael die Nase nicht gebrochen hatte. Ich hatte ihn ja nicht einmal geschlagen, nur getreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so saß ich in meinem Bett, die Decke über mich geworfen und blätterte heimlich in einem Fußballmagazin, das ich vor meinen Eltern versteckt hatte. Sie hatten mir sonst alles weggenommen, was Spaß machte. Mir blieben nur meine Hausaufgaben und irgendwelche langweiligen Bücher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blätterte also durch das Magazin und las die Artikel bestimmt schon das fünfte oder sechste Mal, als plötzlich ein leises Quietschen wie das einer Tür zu hören war. Natürlich war ich die ganze Zeit aufmerksam gewesen, hatte gelauscht, ob ich Schritte im Flur hören konnte, für den Fall, das meine Eltern zu mir wollten. Aber da waren keine Schritte. Und das Quietschen gehörte auch nicht zu meiner Zimmertür, sondern zu meiner Schranktür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Moment saß ich stocksteif da, lauschte angespannt. Aber ich hörte nur meinen Atem, der jetzt schnell und unregelmäßig ging, und das Pochen meines Herzens. Vorsichtig zog ich die Decke von meinem Kopf. Ich hoffte so sehr, dass ich mich geirrt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, als ich ihn das erste Mal sah: el Coco. Er stand dort, mitten in meinem Zimmer zwischen Schreibtisch und Bett. Kaum mehr als ein Schatten, ein menschenähnlicher Umriss, dem sämtliche Farbe fehlte. Wie ein schwarzes Loch, das mich mit glühend roten Augen anstarrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schrie wie am Spieß, kreischte nach Mamá und Papá, wieder und wieder, während el Coco an mein Bett trat und seine pechschwarze Hand nach mir ausstreckte. Ich zog meine Beine an die Brust, verlor dabei die Bettdecke, presste mich mit dem Rücken an die Wand, während ich weiter schrie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch el Coco kam näher und näher. Seine Hand hatte mich fast erreicht. Was sollte ich also anderes tun, als mich zu wehren? Ich trat um mich, versuchte, seine Hand zu erwischen, doch der Schatten war zu schnell für mich. In dem Moment, als ich nach ihm trat, zog er die Hand zurück. Ehe ich mein Bein wieder angezogen hatte, schnellte sie jedoch wieder vor und packte meinen Unterschenkel mit eiskalten Fingern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie er mit eiserner Kraft an mir zog, versuchte, mich irgendwo festzuhalten, doch mein Laken war zu rutschig. Aber noch gab ich nicht auf. Mit meinem freien Bein trat ich wieder und wieder nach seiner Hand. Es klappte! Sie lockerte sich. Nach einem weiteren kräftigen Tritt rutschte seine Hand weg. Ein schneidender Schmerz fuhr durch mein Bein, aber ich war frei! Zumindest dachte ich das für den Bruchteil einer Sekunde. Dann spürte ich seinen kalten Griff jedoch um mein Fußgelenk. Ich hatte vielleicht zehn Zentimeter meines Beins zurückgewonnen. Und diesmal drückte er fester zu. So fest, dass er mir die Adern abschnüren musste.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich war es um mich herum stockdunkel. Schweißgebadet saß ich da. Ich war noch immer im Bett, aber, wie ich an dem leisen Schnarchen neben mir erkannte, nicht mehr in meinem Kinderbett, sondern in meinem Ehebett. Ich war in Sicherheit. Es war nur ein Traum gewesen &#8230; Oder eher eine Erinnerung. Eine Erinnerung an jene Nacht, in der el Coco mich heimgesucht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Kopf war es wieder so klar, als wäre es erst gestern gewesen. El Coco war gerade dabei, mich aus dem Bett zu zerren, als plötzlich meine Mutter ins Zimmer gestürzt kam. Sie kam zu mir gerannt, fragte, was passiert sei, und nahm mich tröstend in den Arm. El Coco hatte sie nie gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Eltern waren damals der Meinung, dass ich bloß einen Albtraum gehabt hätte. Der Schmerz, den ich in meinem Bein gespürt hatte, war ein Kratzer gewesen, den el Coco mir zugefügt hatte. Aber selbst der überzeugte meine Eltern nicht. Sie erklärten mir, dass ich mir während des Albtraums das Bein mit einem Zehennagel selbst zerkratzt hätte. Aber ich kannte die Wahrheit. Ich hatte nicht geschlafen. Es war kein Albtraum gewesen, sondern el Coco. Er war real.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die restliche Nacht hatte ich Probleme, weiterzuschlafen. Ich kuschelte mich an Antonio, versuchte, an etwas anderes zu denken, aber mein Kopf wanderte immer zum selben Gedanken zurück: Mein Sohn schwebt in Lebensgefahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte es nicht genau erklären. Es gab unzählige Kinder da draußen, die aufmüpfig waren und trotzdem von el Coco in Ruhe gelassen wurden. Wieso sollte ausgerechnet Raul in Gefahr sein? Aber ich spürte es. Ich spürte, dass el Coco auf ihn aufmerksam geworden war. Nennt es, wie ihr wollt: Paranoia oder eine Vorahnung. Ich sollte recht behalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag musste ich ständig an el Coco denken. Beim Aufstehen, unter der Dusche, beim Anziehen. Die schwache Narbe an meinem Bein, kaum mehr als ein Strich, den man nur sah, wenn man wusste, dass er überhaupt da war, zog meinen Blick auf sich, wie ein Leuchtfeuer. In meinem Kopf sah ich wieder und wieder el Cocos Hand, die mein Bein gepackt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch auf der Arbeit hatte ich Probleme. Obwohl ich sonst keine Probleme hatte, Beruf und Privatleben zu trennen, war ich heute nicht bei der Sache. Einem vegetarisch lebenden Patienten brachte ich ein Fleischgericht, wollte eine ältere Dame waschen, die sich sehr gut allein duschen konnte, und bei einem jungen Mann brachte ich fast den Medikamentenplan durcheinander. Ich konnte von Glück reden, dass ich es noch rechtzeitig bemerkt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der größte Schock sollte erst kommen, als ich wieder zuhause war. Ich merkte schnell, dass etwas nicht stimmte. Nicht nur, dass Rauls Handy auf dem Küchentisch lag, obwohl er es sonst nie freiwillig weggab, sondern auch Antonio schien mir aus dem Weg zu gehen. Ich musste ihm folgen und mehrfach fragen, was los war, bis er endlich mit der Sprache rausrückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Rauls Klassenlehrer hat vorhin angerufen“, sagte er zögerlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und? Was wollte er?“, hakte ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja, es könnte sein, dass &#8230; also Raul, er &#8230; Sein Lehrer meinte, er habe auf dem Schulhof geraucht &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was?!“, entfuhr es mir. Geraucht? Mein kleiner Raul? Er wusste genau, wie Antonio und ich zu Zigaretten standen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es war wohl nur eine von diesen E-Zigaretten“, versuchte mein Mann es herunterzuspielen. „Ich hab ihm sein Handy weggenommen und Stubenarrest gegeben. Er meinte, dass die Zigarette David gehört hat. Er wollte es nur einmal probieren. Also hab ich ihm erklärt, wie gefährlich das Rauchen ist.“ Er schien mein noch immer entsetzen Blick zu bemerken, also fügte er schnell hinzu: „Und sein Klassenlehrer hat beide Augen zugedrückt! Er bekommt nur eine Verwarnung!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn fassungslos an. „Darum geht es mir doch gar nicht!“ Er verstand es nicht! „Unser Sohn ist in Gefahr! El Coco, er &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt fang nicht wieder damit an!“, unterbrach Antonio mich streng.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte, ich &#8230; Hör mich doch wenigstens erst einmal zu!“, flehte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das tat Antonio. Ich erzählte ihm von meiner Begegnung mit el Coco, berichtete ihm jedes Detail, das mir wichtig vorkam. Ich zeigte ihm sogar den Kratzer an meinem Bein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio räusperte sich. Er wirkte ungewöhnlich gefasst. „Und deine Eltern sagen, du hast dir das Bein beim Schlafen selbst aufgekratzt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Ja. Ist das zu glauben? Ich hab in dem Magazin gelesen, als el Coco angegriffen hat. Ich hab nicht geschlafen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder räusperte Antonio sich. „Und wenn du es doch getan hast? Mi amor, vielleicht bist du beim Lesen eingeschlafen, ohne es zu merken. Mir ist es auch schon einmal passiert, dass ich im Traum hätte schwören können, dass ich wach bin &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter hörte ich ihm gar nicht zu. Er glaubte mir nicht. Er wollte mir nicht glauben. Genau wie meine Eltern damals. Sie hatten mich belächelt, als ich nicht mehr allein in meinem Zimmer schlafen wollte, es auf meine kindliche Fantasie geschoben. Und mein Mann tat jetzt dasselbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich würde nicht denselben Fehler wie meine Eltern machen. Ich würde nicht die Augen verschließen, während mein Kind in Gefahr war. Mein Entschluss stand fest: Ich würde Raul von el Coco erzählen, ob Antonio einverstanden war oder nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald sich die Gelegenheit ergab, schlich ich unbemerkt zu Rauls Zimmer. Er saß auf seinem Bett, ein Buch in der Hand, würdigte mich nur eines kurzen Blickes und schmollte. Die Zimmertür schloss ich hinter mir, bevor ich sprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey mein Spatz“, versuchte ich es möglichst freundlich. Ich ging zu seinem Kleiderschrank, um sicherzugehen, dass darin alles in Ordnung war. „Papa hat mir erzählt, was passiert ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Raul starrte stur weiter in sein Buch. Ich sah flüchtig unter seinen Schreibtisch, bevor ich zu ihm ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin nicht hier, um dir einen Vortrag über dein Verhalten zu halten. Auch wenn du natürlich weißt, wie ich zum Rauchen stehe. Aber &#8230; ich hab Angst um dich. Weißt du, ich war früher auch kein einfaches Kind.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ Raul aufhorchen. Er versuchte, bockig zu bleiben, aber ich konnte eindeutig Neugierde in seinem Gesicht erkennen. Er runzelte ganz leicht die Stirn, als ich mich bückte, um unter sein Bett zu sehen. Von el Coco fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Daher weiß ich auch, wie gefährlich es werden kann“, führ ich fort, während ich mich zu ihm aufs Bett setzte. „Nicht, weil Mama und Papa so böse auf dich sind. Und ein Zug aus einer E-Zigarette wird dich auch nicht umbringen, aber &#8230; es gibt da noch etwas anderes. Ein Wesen namens el Coco.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatte ich seine volle Aufmerksamkeit. Wir hatten ihm – abgesehen von Papá Noel oder der Zahnmaus – noch nie von irgendwelchen Wesen erzählt. Höchstens, wenn sie in irgendeinem Buch oder einem Film vorkamen. „El Coco?“, wiederholte er neugierig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Ja. Kennst du ihn? Hat dir schonmal jemand von ihm erzählt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Raul schüttelte den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„El Coco ist ein &#8230; ein Monster“, erklärte ich. „Er hat es auf unartige Kinder abgesehen.“ Obwohl ich wusste, dass el Coco echt war, kam ich mir bescheuert vor, während ich das sagte. Wie sollte ich meinen Sohn nur überzeugen, dass ich es ernst meinte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich mir darüber jedoch Gedanken machen konnte, flog plötzlich die Tür auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mi amor, hier bist du“, sagte Antonio. Dann zögerte er. „Worüber redet ihr?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schamesröte stieg mir ins Gesicht. Ich fühlte mich wie ein Kind, das dabei ertappt wurde, wie es heimlich Kekse aß. „Ich &#8230; also &#8230; wir“, stammelte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama will mir gerade von el Coco erzählen!“, sagte Raul ehrlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Blick, mit dem Antonio mich daraufhin ansah, brach mir das Herz. Verachtung, Missbilligung, Enttäuschung und ein Hauch von Wut. „Ist das wahr?“, fragte er kühl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte beschämt. „Ich will unseren Sohn doch nur beschützen!“, sagte ich flehend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Antonio zeigte keinerlei Verständnis. „Ich denke, du gehst jetzt besser.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gesenktem Kopf stand ich auf. Ich wollte nicht mit Antonio streiten. Nicht vor Raul. Wenigstens wusste ich, dass el Coco sich nicht in Rauls Zimmer versteckte. Oder ich dachte zumindest, es zu wissen. Für mich war das wenigstens ein kleiner Trost.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio blieb noch eine ganze Weile bei Raul. Ich hatte keine Ahnung, worüber sie sprachen, aber er wirkte immer noch wütend, als er zu mir ins Wohnzimmer kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist nur falsch bei dir?“, begann er. „Wieso bist du so versessen darauf, unserem Kind Angst zu machen!?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Streit, der daraufhin ausbrach, war der Schlimmste, den wir je hatten. Hauptsächlich schrie Antonio mich an. Sagte mir, wie sehr ich ihn enttäuscht und verletzt hatte, dass ich mich schämen solle. Und das tat ich auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich gab nicht einmal Widerworte. Nicht, weil ich Angst vor Antonio hatte – er würde mir nie etwas antun, egal wie wütend er war –, sondern, weil ich mich so sehr schämte. Ich hätte noch einmal mit ihm reden müssen. Ihm klar machen müssen, dass ich wirklich an el Coco glaubte. Dass ich wusste, dass er echt war. Er hätte zustimmen müssen, dass wir Raul von dem Wesen erzählten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch, wenn mir jetzt so viele Worte in den Kopf schossen, mit denen ich ihn vielleicht hätte überzeugen können, meine Chance hatte ich für heute vertan. Ich konnte es nicht aussprechen, nicht, ohne den Streit noch weiter anzufachen. Vielleicht morgen, wenn er sich wieder etwas beruhigt hatte &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Abend blieb die Stimmung kühl. Wir sprachen beide wenig, gingen einander aus dem Weg und verzogen uns früh ins Bett, wo wir schweigend nebeneinanderlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute schlief ich mit Bauchschmerzen ein. Aber nicht wegen meiner Angst vor el Coco, sondern wegen des Streits. Raul wiegte ich diese Nacht in Sicherheit. Ich ahnte ja nicht, wie sehr ich mich dabei irrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitten in der Nacht wurde ich von Schreien geweckt. Erst lag ich noch benommen da, dachte, ich würde träumen, doch dann wurde ich auf einen Schlag hellwach. Das war mein Sohn! Raul schrie aus Leibeskräften!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Antonio! Antonio!“, schrie ich meinen Mann wach, während ich aus dem Bett sprang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hmm. Was ist?“, fragte er verschlafen. Dann hörte er es auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber dass er aufsprang, sah ich gar nicht mehr. Ich war bereits im Flur verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je näher ich Rauls Zimmer kam, desto lauter wurden seine Schreie. Sie waren panisch. Voller Todesangst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlagartig fühlte ich mich an meine Begegnung mit el Coco erinnert. Hatte meine Mutter sich genauso gefühlt, bevor sie in mein Zimmer gestürmt kam?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir blieb keine Zeit, darüber nachzudenken. Ich hatte Rauls Zimmer erreicht. Ohne zu zögern, stieß ich die Tür auf, fiel fast in sein Zimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein erster Blick galt Rauls Bett. Es war leer. Seine Bettdecke war achtlos zu Boden gerissen. Sein Kopfkissen lag quer im Bett. Sogar das Laken war nicht mehr ganz auf der Matratze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama!“, kreischte Raul jetzt voller Panik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich riss den Kopf herum, starrte in Richtung Fenster, wo ich ihn sah: el Coco. Derselbe Schatten, der mich vor all den Jahren angegriffen hatte. Er hielt Raul fest an sich gepresst, als wäre er nichts weiter als eine Puppe, die ihm gehörte. Seine roten Augen fixierten mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama!“, kreischte Raul erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht kennt ihr die Geschichten aus den Nachrichten? Berichte über Mütter, die mit Bären gekämpft oder Autos angehoben haben. Sie schienen das Unmögliche möglich zu machen, nur weil ihr Kind in Gefahr war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei mir war es anders. Ich wollte mich auf el Coco stürzen, wollte Raul aus seinen Armen reißen, aber ich konnte es nicht. Meine Beine waren wie erstarrt, mein Körper wie gelähmt. Zu tief saß meine Angst. Jetzt erst merkte ich, wie wenig ich darauf vorbereitet war, el Coco wiederzusehen, wie groß meine Angst vor ihm wirklich war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte nichts tun, als zuzusehen, wie el Coco zum Fenster hetzte. Er riss es auf und stürzte sich in die Dunkelheit, Raul noch immer fest an sich gepresst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mamaaaa!“, hörte ich seine Stimme ein letztes Mal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als mein Mann das Zimmer endlich erreichte, war unser Sohn bereits verschwunden. Ich war auf die Knie gesackt, hatte das Gesicht in den Händen Verborgen und weinte. Ich weinte so heftig, wie ich es noch nie zuvor in meinem Leben getan hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lucía! Mi amor! Was ist passiert?“, fragte Antonio entsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ die Hände sinken und sah ihn an. Meine Sicht war vor Tränen verschwommen, sodass ich nicht einmal sein Gesicht erkennen konnte. Dann schluchzte ich zwei Worte, gerade so deutlich, dass er sie verstehen konnte: „El Coco.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Verlust unseres Sohnes waren Antonio und ich nie wieder dieselben. Er machte sich Vorwürfe, dass er nicht auf mich gehört hatte, und ich gab mir die Schuld, weil ich nicht wusste, dass el Coco sich auch in Schubladen verstecken konnte. Erst, als ich Rauls weit geöffnete Schreibtischschublade sah und die Stifte, die am Boden lagen, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonios und meine Ehe ging recht bald in die Brüche. Ich weiß nicht, was aus meinem Exmann geworden ist, aber ich machte es zu meiner Lebensaufgabe, andere Eltern aufzuklären. Sie mussten wissen, welche Gefahren in den Kinderzimmern lauern konnten. Und so erzähle ich es jetzt auch euch, damit ihr nicht denselben Fehler macht wie ich. Damit ihr eure Kinder vor el Coco beschützen könnt.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">El Coco, je nach Region auch unter den Namen el Cuco, el Cucu, el Cucuy und el Cucuí bekannt, ist eine Kinderschreckfigur aus fast allen spanisch- und portugiesischsprachigen Ländern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die weibliche Form des <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesens</a> ist als la Coca und la Cuca bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen von el Coco ist man sich uneinig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während einige Eltern nicht näher auf das Aussehen eingehen und es bloß als „schrecklich“ oder „furchteinflößend“ beschreiben – wahrscheinlich, damit die Kinder es sich selbst ausdenken können – haben andere Eltern ein genaueres Bild im Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein verbreitetes Aussehen ist dabei eine schatten- oder geisterhafte Gestalt, die man nicht näher erkennen kann. Hier heißt es oft, dass el Coco sich wegen seines Aussehens besonders gut verstecken könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Version von el Coco beschreibt ihn als haariges Monster mit fledermausartigen Ohren, rot leuchtenden Augen und zahlreichen spitzen Zähnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch andere Versionen, in denen er z. B. menschlich aussieht, sein Aussehen nach Belieben verändern kann oder einem Tier ähnelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">El Coco ist ein Boogeyman. Er geht also nachts in Kinderzimmer, um unartige oder ungehorsame Kinder zu erschrecken, zu verletzen, zu entführen oder zu fressen. In den Versionen, in denen er sie entführen soll, heißt es oft, dass er sie in seine Höhle bringt, um sie dort zu fressen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Kindern wird außerdem beigebracht, dass el Coco sie nicht besuchen kommt, wenn sie ihre Schuld gestehen, die Strafe akzeptieren und sie sich entschuldigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das typische Boogeymanklischee also.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem heißt es, dass el Coco sich im Kinderzimmer in Schränken, Schubladen oder unter dem Bett verstecken soll – ebenfalls ein Konzept, dass den meisten von euch bekannt sein dürfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt jedoch auch einige Besonderheiten in seinem Verhalten. So heißt es, dass Eltern ihn gezielt rufen können, um unartige Kinder zu bestrafen. Außerdem soll el Coco gelegentlich auf Hausdächern lauern, um das Verhalten der Kinder zu beobachten und sein nächstes Opfer auszuwählen. Hierbei wird manchmal ein dunkler Schatten auf einem Hausdach gesichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits gesagt ist el Coco vor allem in spanisch- und portugiesischsprachigen Ländern und Familien bekannt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er hauptsächlich in Spanien sowie Mittel- und Südamerika leben soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt einige spanische und portugiesische Schlaflieder, die sich um el Coco drehen. Hierbei geht es oft darum, dass el Coco die Kinder holen kommt, wenn sie nicht artig sind oder nicht bald schlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle möchte ich kurz ein wenig ausholen, da ich neulich mit einem Leser ein Gespräch darüber hatte, wieso so viele Schlaflieder davon handeln, dass den Kindern etwas Schlimmes passiert, wenn sie nicht schlafen. Dem schnellen Einschlafen kann das immerhin nicht sonderlich zuträglich sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich neulich noch keine genaue Antwort darauf hatte, habe ich bei meiner Recherche zu el Coco herausgefunden, dass es weniger darum geht, dass die Kinder tatsächlich sofort schlafen, sondern vielmehr darum, dass sie artig im Bett liegen und <em>versuchen</em> zu schlafen. Sie sollen also nicht heimlich aufstehen oder sich mit einem Buch, Handy, einer Handheld-Konsole o. Ä. wachhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun aber zurück zu el Coco. Wie bereits erwähnt handelt es sich bei ihm um einen Boogeyman. Wahrscheinlich stammt die <a href="http://geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> ursprünglich aus Europa bzw. Spanien und ist von Einwanderern nach Mittel- und Südamerika gebracht worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber, wo sein Name herkommt, gibt es ebenfalls Theorien. „El Coco“ ist das spanische Wort für die Kokosnuss. Hierbei könnte es sich um eine Anspielung an sein behaartes-Monster-Aussehen handeln – immerhin erinnern Kokosnüsse an stark behaarte Köpfe. Mit etwas Fantasie kann man in den typischen drei „Löchern“ der Kokosnuss auch zwei Augen und einen Mund sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„El Cuco“ – ein anderer Name für el Coco – bedeutet hingegen „der Kuckuck“ auf Deutsch. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass Kuckucke sich in die Nester von anderen Vögeln schleichen, um die Eier hinauszuwerfen und ihre eigenen hineinzulegen. Sie greifen also genau wie el Coco den Nachwuchs an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob Kokosnüsse oder Kuckucke tatsächlich etwas mit el Coco zu tun haben, lässt sich jedoch weder eindeutig bestätigen noch widerlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von el Coco? Hattet ihr früher Angst vor Monstern, die sich in euren Schränken oder unter dem Bett verstecken? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>La Sayona – Geh nicht fremd!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Sep 2021 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie ließ sich darauf ein und lachte. An sich wäre an dem kleinen Flirt nichts Verwerfliches gewesen – immerhin waren beide erwachsen und konnten ihre eigenen Entscheidungen treffen –, wenn da nicht der goldene Ehering an Antonios rechtem Ringfinger gewesen wäre ...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Heute geht es um La Sayona, eine venezolanische Legende über einen Geist, der Fremdgehen bestraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es tut mir leid, dass die Beiträge in letzter Zeit etwas unregelmäßiger kommen. Es könnte auch sein, dass mein nächster Beitrag erst in drei Wochen kommt, da ich übernächstes Wochenende vielleicht unterwegs bin. Jetzt aber erst einmal viel Spaß bei der Geschichte!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Tod eines Kindes</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte, die ich euch heute erzähle, hat sich vor einigen Jahren in Venezuela zugetragen. Woher ich die Geschichte habe, spielt keine Rolle. Das einzig Wichtige ist, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Venezuela lebte einst ein Mann namens Antonio. Obwohl er bereits erwachsen war, lebte Antonio noch bei seiner Mutter. Nicht, weil er so unselbstständig war, sondern weil er seine kranke Mutter pflegte. Wenn man es genau nahm, lebte seine Mutter also eigentlich bei ihm und nicht umgekehrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls saßen die beiden, Antonio und seine Mutter, zu ihrem zweiundsechzigsten Geburtstag in einem Restaurant. Die Stimmung war ausgelassen. Sie redeten viel und hatten einen schönen Abend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie bestellt hatten, schnitt Antonio seiner Mutter das Fleisch, damit sie trotz ihrer schwachen Arme essen konnte. Eine Kellnerin erkundigte sich mehrfach, ob alles zu ihrer Zufriedenheit sei – wahrscheinlich hatte sie bemerkt, dass es der Mutter gesundheitlich nicht sonderlich gut ging – und Antonio nutze die Gelegenheit, um ein wenig mit der Kellnerin zu flirten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ließ sich darauf ein und lachte. An sich wäre an dem kleinen Flirt nichts Verwerfliches gewesen – immerhin waren beide erwachsen und konnten ihre eigenen Entscheidungen treffen –, wenn da nicht der goldene Ring an Antonios rechtem Ringfinger gewesen wäre. Es war sein Ehering und Treueversprechen an seine Frau Isabel, mit der er seit über fünf Jahren glücklich verheiratet war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Mutter beobachtete das Ganze schweigend. Wahrscheinlich dachte sie sich nichts weiter dabei, konnte sich nicht vorstellen, dass ihr geliebter Antonio auch nur daran denken könne, seine Frau zu betrügen. Das änderte sich jedoch, als er in einem unauffälligen Moment seinen Ring abstreifte und in seiner Hosentasche verschwinden ließ. Ungläubig starrte die Mutter das unscheinbar wirkende Stück nackte Haut an seiner Hand an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kann ich noch etwas für Sie tun?“, fragte die Kellnerin, als sie mal wieder an ihrem Tisch vorbeikam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio griff vorsichtig – es wirkte beinahe unabsichtlich – nach ihrer Hand und drückte sie sanft. „Nein. Danke. Es ist alles nach unserer Zufriedenheit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kellnerin antwortete mit einem strahlend weißen Lächeln. Sie fuhr sich durch ihre dunklen Haare und war bereits dabei, sich wegzudrehen, als sich plötzlich Antonios Mutter zu Wort meldete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Entschuldigen Sie, junge Frau. Da wäre tatsächlich etwas. Wir würden gerne zahlen“, sagte sie mit ihrer für ihr Alter sehr krächzigen Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überrascht sah die Kellnerin auf ihren noch immer halb vollen Teller. „Hat es Ihnen nicht geschmeckt? Ich bringe Ihnen gerne etwas anderes. Vielleicht einen Nachtisch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Antonios Mutter schüttelte nur schwach den Kopf. „Oh, nein. Sie müssen verstehen: So eine zierliche Frau, wie ich &#8230; Ich bekomme nicht so viel in meinen kleinen Magen.“ Sie lächelte die Kellnerin freundlich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kellnerin sah hilfesuchend zu Antonio. Doch als auch er nichts dagegen sagte, blieb ihr nichts anderes übrig, als die Rechnung zu holen und Antonio bezahlen zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sowohl Antonio als auch seine Mutter sagten außer einem freundlichen „Auf Wiedersehen“ kein einziges Wort mehr, bis sie im Auto saßen. Dann stellte er sie zur Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was sollte das, Ma? Dein kleiner Magen? Du hast noch nie freiwillig auf Nachtisch verzichtet.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Mutter sah ihn aus ihren braunen Augen warnend an. „Das hätte ich auch nicht gemusst, wenn du der Kellnerin nicht fast um den Hals gefallen wärst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Bruchteil einer Sekunde blickte Antonio ertappt zu Boden, dann funkelte er seine Mutter an. „Ach was, wir haben uns doch nur nett unterhalten. Ich würde Isabel niemals betrügen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch seine Mutter glaubte ihm kein Wort. Sie verengte ihre Augen zu Schlitzen. „Kennst du die Legende von La Sayona?“, fragte seine Mutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio seufzte, er antwortete jedoch nichts. Wenn seine Mutter mit ihren alten Märchen anfing, dann nur, um ihm irgendeine Weisheit anzudrehen. Und er wusste, dass es sinnlos war, sie dabei zu unterbrechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Legende beginnt vor einigen hundert Jahren. In der Kolonialzeit lebte hier in Venezuela eine wunderhübsche Frau namens Casilda. Sie war jung und äußerst attraktiv – ein wenig so wie die Kellnerin, der du eben so schöne Augen gemacht hast.“ Sie warf Antonio einen vorwurfsvollen Blick zu, bevor sie weitersprach. „Sie hatte hüftlanges schwarzes Haar, das glänzte wie Seide, das schönste und zarteste Gesicht, dass du dir vorstellen kannst, und kastanienbraune Augen, in denen man sich ewig verlieren konnte, wenn man hineinsah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Männer verfielen ihr reihenweise. Sie alle hielten um ihre Hand an, doch Casilda hatte nur Augen für einen einzigen. Wie der Mann hieß, ist mit der Zeit in Vergessenheit geraten. Aber er war eine treue Seele und ein herzensguter Mensch. Die beiden haben einander sehr geliebt. Sie haben geheiratet und schließlich ein Kind bekommen – einen kleinen Jungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man hätte meinen können, sie hätten eine perfekte Beziehung geführt, doch dem war nicht so. Casilda war nämlich sehr eifersüchtig. Ihr Herz war von Zweifel geplagt. Sie fürchtete Tag für Tag, dass ihr Mann ihr fremdgehen würde. Aber jedes Mal, wenn sie ihre Bedenken äußerte, gab er ihr einen Kuss und sagte: ‚Keine Sorge, Geliebte. Ich habe nur Augen für dich.‘ Dann war ihre Welt für einen Moment wieder in Ordnung, bis die Zweifel zurückkamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und bei Gott, ihr Mann hätte genug Gelegenheiten zum Fremdgehen gehabt. Sie ging täglich im Fluss schwimmen und ließ ihren Mann mit ihrem Sohn in der Zeit allein zu Hause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sie jedoch nicht wusste, war, dass sie nicht ungestört war, während sie nackt im Fluss schwamm. Ein Mann – ein Lustmolch aus ihrem Dorf – schlich täglich zu ihr, um sie zu beobachten. Bis sie ihn schließlich dabei erwischte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Casilda kreischte auf. Sie bedeckte ihre Brüste mit den Armen und schimpfte: ‚Was fällt Euch ein, mich hier zu beobachten, während ich bade? Das werde ich im ganzen Dorf rumerzählen!‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Spanner erschrak. Er hatte einen Ruf zu verlieren. Das durfte niemals jemand erfahren! Und so drehte er sich hastig weg und dachte sich eine Ausrede aus: ‚Nein, Ihr irrt euch, Casilda. Ich bin keineswegs hier, um Euch zu beobachten. Ich komme, um Euch zu warnen! Es geht um Eure Mutter. Sie &#8230; Euer Mann und Eure Mutter haben sich geküsst!‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine dreiste Lüge – natürlich –, doch der Mann schmückte es so lange aus, erklärte genau, was er gesehen habe, bis Casilda zu zweifeln anfing. Sein Plan ging auf: Dass er sie heimlich beobachtet hatte, war vergessen. Doch er hatte wohl nicht damit gerechnet, was er losgetreten hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf halber Strecke nach Hause war Casilda sich bereits sicher: Ihr Ehemann hatte sie mit ihrer eigenen Mutter betrogen. Den Betrug hatte sie schon lange verdächtig, doch sie wusste nie, mit wem. Ihre Mutter kam hingegen häufig zu Besuch &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so passierte es zu, dass Casilda ihren Mann mit ihrem gemeinsamen Sohn schlafend auf dem Sofa vorfand. Sie zögerte nicht lange, dachte nicht einmal darüber nach, ehe sie das Haus in Brand steckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ihr Säugling schließlich zu schreien anfing und ihr Ehemann von beißendem Rauch geweckt wurde, blockierte sie die Tür. Das Geschrei muss furchtbar gewesen sein. Der arme Junge.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonios Mutter schüttelte traurig den Kopf. Die Geschichte schien sie wirklich mitzunehmen. Aber Antonio wusste immer noch nicht, worauf sie hinauswollte. Also ließ er sie die Legende zu Ende erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als die ersten Leute zu Hilfe eilten, war es bereits zu spät, für die beiden. Casildas Ehemann und ihr gemeinsamer Sohn waren tot. Und Casilda war verschwunden – auf direktem Weg zum Haus ihrer Mutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie stellte sie sofort zur Rede. ‚Wie konntest du nur? Mit dem Mann deiner eigenen Tochter?‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Mutter verstand die Welt nicht mehr. Was meinte ihre geliebte Casilda bloß? Sie versuchte, vernünftig mit ihr zu reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Du hast mit meinem Mann geschlafen!‘, schrie Casilda sie an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Mutter versuchte, zu erklären, dass sie sich irrte. Dass ihr Mann ihr immer treu gewesen sei. Doch Casilda war zu blind vor Wut. Wahrscheinlich hätte sie sich ihren Fehler eh nicht mehr eingestehen können, nach dem, was sie gerade getan hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also nahm sie schließlich ein scharfes Messer vom Tisch und ging damit auf ihre unschuldige Mutter los. Die arme Frau hatte keine Chance. Bald hatte sie viele, schwer blutende Schnitte und spürte, wie ihre Lebenskraft sie verließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit ihren letzten Atemzügen wandte sie sich also Casilda zu. ‚Du bist eine Närrin. Ich habe dich nie betrogen. Und auch dein Mann war dir immer treu. Aber du bist schon immer blind vor Eifersucht gewesen! Casilda, ich verfluche dich. Meine Seele wird jetzt in den Himmel aufsteigen, aber <em>du</em> sollst bis in alle Ewigkeit auf der Erde wandeln. Du sollst keine Ruhe mehr finden und deine einzige Aufgabe wird es sein, untreue Ehemänner zu bestrafen. Aber diesmal welche, die wirklich untreu waren!‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz nachdem sie ihren Fluch ausgesprochen hatte, starb Casildas Mutter. Und der Fluch sollte sich bewahrheiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Casilda wurde zu La Sayona. Einem Geist, der noch immer nachts umherirrt, auf der Suche nach Männern, die ihre Ehefrauen betrügen. Sie tarnt sich noch immer als wunderschöne Frau, mit hüftlangen schwarzen Haaren, die glänzen wie Seide, einem hübschem Gesicht und einem langen, verführerischen weißen Kleid. Doch wenn sie einen untreuen Mann finden und verführen kann, zeigt sie ihr wahres Gesicht. Einige sagen, ihr wachsen Tierfänge, ihre Augen werden blutrot und ihre Fingernägel zu Krallen. Andere sagen, ihr Gesicht wird zum Tod selbst. Aber was auch immer tatsächlich passiert, die meisten Männer überleben die Begegnung nicht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Antonios Mutter ihre Geschichte beendet hatte, sah sie ihren Sohn aus schmalen Augen an. Er hielt die Geschichte jedoch für nichts weiter, als ein Märchen. Zugegeben, dass seine Mutter ihm Gruselgeschichten erzählt, um ihn zu erziehen, war neu. Ihm wäre nie in den Sinn gekommen, dass sie tatsächlich Angst um sein Leben habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so sagte er bloß: „Keine Angst, Ma. Das da drinnen war wirklich nichts Ernstes. Ich würde Isabel niemals betrügen. Versprochen! Dafür liebe ich sie viel zu sehr.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Mutter lächelte. Das genügte ihr. Was sie jedoch nicht wusste, war, dass ihr Sohn bereits fremdgegangen war. Die Kellnerin war nicht sein erster Versuch gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so trug es sich zu, dass Antonio bereits nach wenigen Tagen eine wunderschöne Frau in sein Auto einlud. Sie hatte das schönste Gesicht, das er je gesehen hatte. In ihren Augen lag ein geheimnisvolles Funkeln, während sie mit strahlendem Lächeln fragte, ob er sie ein Stück mitnehmen wolle. Antonio konnte nicht anders, als ihr schulterlanges schwarzes Haar zu bewundern, das wie Seide glänzte, und das lange weiße Kleid zu bestaunen, dass ihren attraktiven Körper betonte &#8230;</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">La Sayona ist eine venezolanische Legende über den Geist einer Frau, der untreue Männer bestraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Legende über viele Jahre hauptsächlich mündlich weitererzählt wurde, haben sich in den verschiedenen Regionen verschiedene Versionen der Legende gebildet, wenn auch die Grundhandlung immer dieselbe ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">La Sayona soll ihr wahres Äußeres verbergen können, indem sie sich als attraktive junge Frau tarnt. Sie sieht dann aus wie eine Latina mit langen glatten schwarzen Haaren, hübschem Gesicht und einem langen, weißen Kleid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Erzählungen soll sie außerdem die Fähigkeit haben, sich in einen Hund oder Wolf zu verwandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre wahre Gestalt hingegen sieht sehr viel monsterhafter aus. In den meisten Versionen besitzt sie tierische Züge wie Fang- oder Reißzähne und Klauen sowie blutroten Augen. In anderen Versionen heißt es hingegen, dass ihr Gesicht wie ein Totenschädel aussehen soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">La Sayona wandelt nachts als Geist auf der Erde, dessen einzige Aufgabe es ist, Männer zu bestrafen, die ihren Ehefrauen untreu sind und sie betrügen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sie ihre Opfer anspricht, kann sich von Version zu Version stark unterscheiden. Mal trifft sie die Männer auf offener Straße, bittet sie um eine Zigarette oder eine Mitfahrgelegenheit, mal taucht sie im Dschungel auf, um verheiratete Arbeiter zu verführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ihre Art der Bestrafung kann variieren. In harmloseren Versionen erschreckt sie die Männer bloß, indem sie ihr wahres Gesicht zeigt, sodass sie aus Angst zu ihren Frauen zurückkehren. In anderen erschreckt sie sie zu Tode oder verfolgt sie so lange, bis sie einen Abhang hinab in den Tod stürzen oder vor Erschöpfung sterben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch kann es passieren, dass sie mit den Männern schläft und für sehr schlimmen Ausschlag an den Genitalien sorgt oder ihnen andere, teilweise unbekannte Geschlechtskrankheiten überträgt. Oder sie zerstört ihre Geschlechtsteile, reißt sie ab oder zerfetzt sie, sodass der Mann nie wieder mit einer Frau schlafen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem besitzt sie in einigen Versionen noch andere Fähigkeiten wie die Gestaltwandlung in einen Wolf oder Hund oder die Fähigkeit, einen so markerschütternden Schrei auszustoßen, dass er ihre Opfer betäubt oder gar tötet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende von La Sayona wird hauptsächlich in Venezuela erzählt, ist aber auch in anderen lateinamerikanischen Ländern verbreitet. Daher finden die meisten Sichtungen dort statt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch von dem angeblichen Ursprung gibt es einige verschiedene Versionen. Ich werde hier die geläufigste Version kurz zusammenfassen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Venezuela soll vor einiger Zeit – mal zur Kolonialzeit, mal weniger lange her – eine wunderschöne Frau gelebt haben. In einigen Versionen wird ihr Name genannt, doch auch hier gibt es mehrere Varianten, wie z. B. Casilda oder Melissa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls hatte die Frau einen treuen und absolut gutherzigen Ehemann, mit dem sie sogar ein Baby – einen kleinen Jungen – hatte. Trotzdem war sie sehr eifersüchtig und hatte Angst, dass ihr Mann sie betrügt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau ging fast täglich nackt im Fluss schwimmen – entweder als Hobby oder um ihren Kopf freizubekommen. Was sie jedoch nicht wusste, ist, dass ein Mann – ein Frauenheld, der ihrer Schönheit verfallen war – sie dabei oft beobachtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie den Mann schließlich dabei erwischte, tat er so, als habe er sie überhaupt nicht beobachten, sondern mit ihr reden wollen. Er habe angeblich herausgefunden, dass ihr Ehemann sie mit ihrer eigenen Mutter betrügt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blind vor Wut und in ihren Befürchtungen bestätigt, eilt sie nach Hause. Sie findet ihren Mann mit dem Baby auf dem Arm schlafend vor, also beschließt sie kurzerhand, das Haus anzuzünden und die beiden bei lebendigem Leibe zu verbrennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend geht sie – mit einem Messer oder einer Machete bewaffnet – zu ihrer Mutter. Obwohl die Mutter versucht, sie zu überzeugen, dass sie sich irrt, greift die Frau sie an und verletzt sie tödlich. Ehe die Mutter jedoch stirbt, verflucht sie ihre Tochter: Sie solle auf ewig auf der Erde wandeln und Männer bestrafen, die ihre Ehefrauen betrügen. Seit jeher streift die Frau als La Sayona durch die Straßen und den Dschungel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Versionen besagen zum Beispiel, dass ihr Mann tatsächlich untreu war und sie betrogen hat – jedoch nicht mit ihrer eigenen Mutter – oder dass sie die Gerüchte, dass ihr Mann sie betrügt, von woanders her hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mord an der Mutter gilt in Venezuela außerdem als besonders schlimm, da in der venezolanischen Kultur die Eltern, besonders die Mütter, eine fast heilige Position haben. Das macht den Mord besonders verwerflich.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Was haltet ihr von La Sayona? Wie hättet ihr reagiert, wenn ihr Antonios Mutter gewesen wärt? Hättet ihr eurem Sohn geglaubt oder es vielleicht sogar seiner Frau erzählt? Schreibt es in die Kommentare!</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</strong></em></p>
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