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	<title>Puppe Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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	<title>Puppe Archive - Geister und Legenden</title>
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		<title>Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/hitori-kakurenbo">Hitori Kakurenbo – Spiel nie allein verstecken!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f553b64606004ffa887facbe453f3bcc" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Hitori Kakurenbo ist ein japanisches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/rituale">Ritual</a>, das besonders in der Zeit vor <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/halloween">Halloween</a> sehr beliebt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann wollen wir mal“, murmelte ich. Ich nahm das Messer und stach dem Teddy damit in den Bauch. Es war schwieriger, als ich gedacht hätte. Der alte Stoff war ziemlich stabil. Trotzdem hatte der Teddy bald einen gut fünf Zentimeter langen Schnitt im Bauch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort machte ich mich daran, die Watte aus seinem Körper zu ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du’s?“, hörte ich Leonies Stimme aus meinem Smartphone. Wir kannten einander von der Arbeit. Unsere Kollegen spekulierten oft, ob wir zusammen seien, aber in Wirklichkeit war sie bloß meine beste Freundin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau wie ich war sie ein Horrorfan. Eigentlich feierten wir Halloween immer zusammen. Es war jedoch das Jahr 2020. Corona hatte uns einen dicken Strich durch unsere Feiertagspläne gemacht. Also hatten wir entschieden, uns an diesem 31. Oktober lediglich telefonisch zu treffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So hatten wir bereits einige Stunden gequatscht, zwei Horrorfilme zusammen geschaut und jede Menge rumgealbert. Das Hauptevent des Abends stand uns aber noch bevor. Wir wollten zusammen das japanische Ritual Hitori Kakurenbo durchführen – „allein Versteckspielen“, wie es auf Deutsch übersetzt heißt. Und dafür brauchte man ein Stofftier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Teddy vor mir wirkte jetzt, wo er keine Watte mehr im Körper hatte, noch kläglicher als ohnehin schon. Sein Stoff war fleckig und abgenutzt, ihm fehlte ein Auge und nun sah er auch noch aus wie ein Ballon, aus dem man die Luft gelassen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So. Ich füll jetzt den Reis in meinen Teddy“, erklärte ich Leonie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin schon dabei, meine Puppe wieder zuzunähen“, erwiderte sie, als sei es ein Wettrennen. Sie hatte sich für eine billige Stoffpuppe entschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du musstest auch keine Watte aus den Ohren pulen“, konterte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach schwiegen wir wieder konzentriert, während sie ihre Puppe zusammennähte und ich meinen Teddy mit dem ungekochten Reis füllte. Jetzt fehlte nur noch eine Zutat. Ich griff nach dem Toilettenpapier, auf das ich meine frisch geschnittenen Fingernägel gelegt hatte. Ich kippte sie zu dem Reis. Das Stofftier brauchte einen Teil der Person, die das Ritual durchführen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Nächstes nahm ich die Nadel mit dem roten Faden, die ich bereits vorbereitet hatte. Man musste das Stofftier mit einem roten Faden vernähen und anschließend mit dem restlichen Faden umwickeln. Ich machte mich sofort an die Arbeit. Zugegeben, ich war kein Nähmeister – die Stiche waren alles andere als gleichmäßig, aber sie schienen zu halten. Also wickelte ich den restlichen Faden um den dünnen braunen Körper, ehe ich ihn festknotete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Okay. Ich bin fertig“, erklärte ich. „Bei dir alles klar?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jap. Annabelle ist einsatzbereit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir entfuhr ein Lacher. „Annabelle? Ernsthaft?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja. Ich dachte, der Name passt zu einer besessenen Puppe. Wieso? Wie hast du deinen Teddy genannt?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grinste. „Herr von und zu Flausch“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt musste auch Leonie lachen. „O Mann, Dom, du bist echt bescheuert“, neckte sie mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Grinsen wurde breiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wurde sie wieder ernst. „Als Nächstes müssen wir das Salzwasser vorbereiten und in unser Versteck stellen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte – auch wenn sie das natürlich nicht sehen konnte –, ehe ich in die Küche ging. Dort füllte ich einige Teelöffel Salz in eine Flasche mit warmem Wasser, drehte den Deckel zu und schüttelte sie. Von Leonie hörte ich das Rühren eines Löffels in einem Glas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir fertig waren, brachte ich die Flasche ins Schlafzimmer. Zugegeben, der Wandschrank war nicht unbedingt das beste Versteck, aber ich ging ja auch nicht davon aus, dass <em>wirklich</em> etwas passieren würde.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>03:00 Uhr</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du dein Handy auf stumm gestellt?“, fragte Leonie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Jap. Du hoffentlich auch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Klar. Also dann. Wir hören uns, wenn wir im Versteck sind. Bis gleich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bis gleich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Moment brach die Verbindung ab. Leonie hatte aufgelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete einmal tief durch. „Also dann“, wiederholte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl schon den ganzen Abend niemand außer mir im Haus war, fühlte ich mich jetzt zum ersten Mal allein. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich würde es vor Leonie niemals zugeben, aber jetzt, wo es wirklich ernst wurde, war mir tatsächlich etwas mulmig zu Mute. Trotzdem würde ich sie nicht mit dem Ritual allein lassen. Also griff ich nach Herrn von und zu Flausch. Ich betrachtete sein entstelltes Gesicht, während ich ihn in die gefüllte Badewanne legte. Das Wasser war kalt. Erneutes Durchatmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Saisho no Oni wa Dominik da kara“, sagte ich laut: Weil Dominik zuerst der Oni ist. Ich hatte die japanischen Sprüche für das Ritual extra auswendig gelernt, falls sie auf Deutsch nicht funktionierten. „Saisho no Oni wa Dominik da kara“, wiederholte ich. Und ein drittes Mal: „Saisho no Oni wa Dominik da kara.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin drehte ich mich um, ging durch den Flur und schaltete die Lichter aus. Anschließend machte ich den Fernseher im Wohnzimmer an. Sofort wurde ich von einem lauten Rauschen begrüßt. Aber so musste das sein, wenn ich das Ritual genau befolgen wollte. Nun schaltete ich auch das Licht im Wohnzimmer aus. Die einzigen Lichter im gesamten Haus waren jetzt der rauschende Fernseher und meine Handytaschenlampe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schloss die Augen und zählte laut bis zehn: „Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Sechs. Sieben. Acht. Neun. Zehn. Ich komme!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell ging ich zurück zum Badezimmer. Ich stieß die Tür auf, leuchtete mit dem Handy zur Wanne und ging darauf zu. Der Teddy war auf den Grund gesunken, weshalb ich den Ärmel hochkrempeln musste, ehe ich das tropfende Teil aus dem kalten Wasser zog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kam der nächste Part. „Mitsuketa!“, rief ich lauter als beabsichtigt: Ich habe dich gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend nahm ich ein Küchenmesser – das kleinste aus meinem Messerblock – von dem Glastisch neben der Wanne und stach damit auf den Teddy ein. Es gab ein matschiges Geräusch, während die Klinge auf den Stoff traf. Es entstanden kleine Löcher, durch die ein paar Reiskörner fielen. Damit soll man den Geist oder Dämon provozieren, der in diesem Moment bereits in dem Stofftier sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“, rief ich. Als Nächstes ist Herr von und zu Flausch der Oni. „Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni! Tsugi wa Herr von und zu Flausch ga Oni!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete schwer. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wasser lief geräuschvoll aus dem Teddy in die Wanne. Ansonsten war es völlig still.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment war ich wie erstarrt. Dann warf ich das Stofftier zurück in die Wanne, ließ das Messer klappernd auf die Fliesen fallen und rannte auf meinen Socken aus dem Badezimmer. Ich sprintete weiter ins Schlafzimmer, ehe ich mich in den Wandschrank stürzte und die Tür hinter mir zuschob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Atem ging noch immer ungewöhnlich schnell. Ich blieb einige Sekunden völlig regungslos, ehe ich bemerkte, dass meine Handytaschenlampe noch immer an war. Mit unruhigen Fingern schaltete ich das Display ein, wischte hektisch zur Taschenlampenfunktion und schaltete sie ab. Scheiße! Wieso war ich so nervös? Es war doch nur ein Spiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war es völlig dunkel um mich herum. Ich achtete auf jedes Geräusch. Aber abgesehen von dem statischen Rauschen des Fernsehers in der Ferne war da nur noch mein leiser Atem. Langsam beruhigte ich mich wieder. Alles war in Ordnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich leuchtete mein Handydisplay auf. Ich zuckte zusammen. Leonie rief an. Sofort tippte ich auf den grünen Hörer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey“, flüsterte Leonie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hi“, flüsterte ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na? Wie siehts bei dir aus?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin in meinem Versteck.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich auch.“ An ihrer Aussprache konnte ich hören, wie sie grinste. Wie konnte sie nur immer so cool bleiben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also? Was meinst du?“, fragte ich. „Wie lange müssen wir warten, bis etwas passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leonie schien einen Moment zu überlegen. „Weiß nicht. Aber das Spiel darf maximal zwei Stunden dauern. Zuuu lange sollte es also nicht sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt musste auch ich grinsen. „Wir sollten also lieber hoffen, dass Annabelle und Herr von und zu Flausch von der langsamen Sorte sind. Wenn ich zwei Stunden hätte, um das ganze Haus zu durchsuchen, würde ich mich locker finden. Ich hock im Wandschrank. Wo hast du dich versteckt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte ein belustigtes Schnaufen. „Hinter dem Sofa.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wow. Leonie war ja noch unkreativer bei ihrer Versteckwahl gewesen als ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hockten noch eine Weile in unseren Verstecken und alberten im Flüsterton herum, während alles ruhig zu bleiben schien. Dann plötzlich brach Leonie jedoch mitten im Satz ab und sagte leise: „Schh! Ich glaub, da war was!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angespanntes Schweigen. Bei mir im Haus war alles still. Trotzdem traute ich mich nicht, als erster etwas zu sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße! Auf dem Flur ist irgendetwas!“, flüsterte Leonie. Ihre Stimme war jetzt so leise, dass ich sie kaum hören konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meinte sie das ernst? War es vielleicht nur Einbildung? Oder wollte sie mich ärgern?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment hörte ich etwas, das sich nach einem umfallenden Wasserglas anhörte, das kurz darauf über Parkettboden rollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße!“, wiederholte Leonie lauter. Diesmal lag eindeutig Panik in ihrer Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz meinte ich, eine andere Person durch den Lautsprecher zu hören: „Mitsuketa!“ Es war einer der Sprüche, die ich auswendig gelernt hatte. Ich habe dich gefunden. Vorhin hatte ich es noch selbst zu Herrn von und zu Flausch gesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann brach am anderen Ende der Leitung Chaos aus. „Nein!“ Leonie entfuhr ein spitzer Aufschrei. Es folgte das Rascheln von Kleidung, panische bis schmerzerfüllte Rufe von Leonie und schließlich ein dumpfer Aufprall. Dann war wieder alles Still.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Leonie?“, fragte ich. Kurz vergaß ich zu flüstern. „Leonie?“, wiederholte ich dann wieder leiser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es kam keine Antwort. Stattdessen war der Anruf plötzlich beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn das ein Scherz war, ging Leonie definitiv zu weit! Schnell wählte ich sie wieder in meinen Kontakten aus. Es klingelte. Und klingelte. Und klingelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey, hier ist Leonie Siemens. Leider kann ich gerade nicht ans Telefon gehen. Versuchen Sie es später noch einmal oder hinterlassen Sie mir eine Nachricht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell versuchte ich es erneut. Aber wieder nichts. Als ich sie gerade ein drittes Mal anrufen wollte, hörte ich jedoch selbst etwas in meinem Haus. Das statische Rauschen klang irgendwie anders. „Dominik.“ Hatte es gerade meinen Namen gerauscht? Aber nein, das musste ich mir einbilden. „Dominik, Dominik, Dominik.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich unterdrückte den Drang, mir die Ohren zuzuhalten. War das gerade eine Tür gewesen? Wahrscheinlich waren es nur die Nerven, die mit mir durchgingen. Andererseits hatte ich nicht vor, ein Risiko einzugehen. Ich griff nach der Flasche mit dem Salzwasser, drehte sie auf und nahm ein wenig der Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort verzog ich das Gesicht. Ich hatte es mit dem Salz wirklich <em>sehr</em> gut gemeint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem: Wenn man der Anleitung im Internet glauben durfte, sollte ich jetzt vor dem Geist oder Dämon in Sicherheit sein, der Herrn von und zu Flausch besetzt haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast kam ich mir albern vor, während ich die Schranktür aufschob, das Salzwasser im Mund. Aber Leonie war nicht der Typ für solche geschmacklosen Scherze. Auch nicht an Halloween. Ich nahm das Ganze also gerade sehr ernst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf leisen Sohlen schlich ich, die Handytaschenlampe in der einen Hand, die Flasche mit Salzwasser in der anderen, Richtung Badezimmer. Gegen das Licht der Taschenlampe konnte ich wenig tun – ansonsten würde ich wohl überall gegenlaufen. Außerdem wollte ich gerade nicht in völliger Dunkelheit sein. Aber ich war froh, dass ich sämtliche Türen offengelassen hatte. So konnte ich mich wenigstens geräuschlos durch das Haus bewegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz vorm Badezimmer trat ich mit der Socke in etwas Nasses. Ich erstarrte. Vom Badezimmer zog sich eine Pfütze den Flur entlang. Wo kam das Wasser her?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell betrat ich das Badezimmer. Ich leuchtete zur Wanne. Herr von und zu Flausch war weg. Abgesehen vom Wasser und einigen Reiskörnern war die Badewanne leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt setzte in mir Panik ein. Bis eben konnte ich mir noch einreden, dass es eine andere Erklärung für die seltsamen Phänomene gab. Aber ein Stofftier konnte nicht einfach von selbst aus einer Badewanne verschwinden. Zumindest nicht, ohne von einem Geist oder Dämon besessen zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wasser schwappte in meinem Mund hin und her, während ich mich hektisch umsah. Aber natürlich war Herr von&nbsp;und zu Flausch nicht mehr im Badezimmer. Also ging ich weiter in den Flur. Ich musste ihn schnellstens mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, um das Ritual zu beenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich folgte der Spur aus Wasser. Bei näherer Betrachtung sah ich in unregelmäßigen Abständen Reiskörner darin liegen. Herr von und zu Flausch musste einiges an Strecke zurückgelegt haben. Die feuchte Spur führte ins Arbeitszimmer, von dort aus zurück in den Flur, ehe sie schließlich in der Küche so schwach wurde, dass man sie kaum noch erkennen konnte. Bisher hatte ich den Teddy jedenfalls nirgends gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gerunzelter Stirn trat ich zurück in den Flur. Wo konnte er sein? Im Schlafzimmer war er eben jedenfalls noch nicht gewesen. Wenn er also nicht in den Keller gegangen war, blieb nur noch das Wohnzimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spähte zu der offenen Tür. Noch immer hörte ich deutlich das Rauschen des Fernsehers. Zum Glück konnte ich jetzt keine Stimmen mehr darin hören. Mit leisen Schritten ging ich darauf zu. Als ich nahe genug war, schaltete ich vorsichtshalber sogar die Taschenlampe aus und steckte das Handy weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Fernsehbild warf ein schwach flackerndes Licht ins Wohnzimmer. Und direkt davor auf dem Teppich stand eine kleine Gestalt. Herr von und zu Flausch stand auf beiden Beinen, das kleine Küchenmesser am Ende seines linken Arms, wo es auf übernatürliche Weise festhielt. Ich hatte ihn gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Moment zögerte ich. Dann nahm ich all meinen Mut zusammen und ging auf das Ding zu. Dabei spürte ich, wie mein Magen sich zusammenkrampfte. Alles in mir schrie danach, mich von dem Teddy fernzuhalten. Aber das durfte ich nicht. Ich musste das Ritual beenden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war unmöglich, zu sagen, ob er mich bemerkt hatte. Ich hatte keine Ahnung, wie genau mich das Salzwasser in meinem Mund vor ihm schützen würde. Im Moment stand er jedenfalls völlig reglos da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„DOMINIK!“, schrie plötzlich eine Stimme aus dem Fernseher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stolperte erschrocken zurück, verschluckte mich an dem Salzwasser und … schluckte es versehentlich hinunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit geweiteten Augen starrte ich nun den Teddy an. Noch hatte er sich nicht bewegt. Also griff ich langsam nach dem Deckel der Salzwasserflasche, um sie aufzudrehen. Sobald sich meine Hand jedoch bewegte, brach die Hölle los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mitsuketa!“, schrie plötzlich eine zierliche Stimme. Gleichzeitig setzte sich Herr von und zu Flausch in Bewegung. Er rannte auf mich zu, sprang in die Luft und schnitt mir mit dem Messer ins Schienbein. Das wiederum sorgte dafür, dass ich noch weiter zurückwich. Ich stolperte, kam ins Straucheln und fiel rücklings zu Boden. Mein Kopf knallte auf das Parkett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich gab mir keinen Moment, mich zu erholen. Obwohl sich alles drehte, griff ich wieder nach der Flasche, die ich noch immer in der Hand hielt. Zum Glück hatte ich sie noch nicht aufdrehen können, sodass sie nicht ausgelaufen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch Herr von und zu Flausch zögerte keine Sekunde. Er rannte weiter auf mich zu, sprang auf mein linkes Bein und lief darauf entlang. Dabei hackte er wie in Raserei um sich. Schmerz zuckte durch mein Bein und ich spürte, wie sich die Hose schnell mit einer warmen Flüssigkeit vollsog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück arbeitete mein Hirn auf Hochtouren. Statt zu versuchen, den wahnsinnigen Teddy abzuwehren, drehte ich die Flasche auf. Ich führte sie an die Lippen und nahm einen Schwall der salzigen Flüssigkeit in den Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Herr von und zu Flausch hatte inzwischen meinen Bauch erreicht. Mit der Spitze nach unten hob er das Messer und … erstarrte. In dem Moment, wo ich das Salzwasser im Mund hatte, hörte er auf, sich zu bewegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete schwer, musste den Drang unterdrücken, zu schlucken. Stattdessen rappelte ich mich auf, schlug den Teddy von mir, als wäre er eine große Spinne – natürlich darauf bedacht, nicht ins Messer zu fassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er flog einen halben Meter durch den Raum und landete auf dem Rücken, das Messer noch immer über den Kopf erhoben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort schüttete ich die restliche Flüssigkeit aus der Flasche über ihn. Das Stofftier wurde schlaff, ließ sogar das Messer fallen. Zu guter Letzt bespuckte ich ihn mit der Flüssigkeit aus meinem Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Watashi no Kachi!“, rief ich. Ich gewinne. „Watashi no Kachi! Watashi no Kachi!“ Aber ich fühlte mich nicht, als hätte ich gewonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn der Teddy sich daraufhin nicht mehr bewegte, nahm ich ihn und legte ihn in eine Bratpfanne. Ich übergoss ihn mit Brandbeschleuniger und zündete ihn an. Ich sah dabei zu, wie sein kleiner unscheinbarer Körper von den Flammen zerfressen wurde. Erst, als er fast nur noch aus Asche bestand, löschte ich die Glut und kümmerte mich um meine Wunden. Es waren viele, aber zum Glück waren sie nicht sonderlich tief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei wählte ich wieder und wieder Leonies Nummer in meinem Smartphone aus. Sie ging nicht ran. Aber ich wusste bereits, was passiert war. Annabelle hatte sie getötet. Ein Verdacht, der sich bereits am nächsten Tag bestätigte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das war noch nicht alles: Von Annabelle, der Mörderin meiner besten Freundin, fehlte jede Spur.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Das Ritual:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hitori Kakurenbo (ひとりかくれんぼ, Japanisch für „eine Person Versteckspiel“ oder „allein Versteckspielen“), im westlichen Raum auch unter der englischen Übersetzung „Hide and Seek Alone“ bekannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus Japan. Dabei handelt es sich um ein Ritual, bei dem eine Stoffpuppe oder ein Stofftier von einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> oder einem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Dämon</a> besessen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ritual ist auch in Korea sehr beliebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Anleitung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hinweis: Ich rate dringend davon ab, übernatürliche Rituale durchzuführen. Der Kontakt zur Geister- oder Dämonenwelt kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen!</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbereitung:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Du benötigst:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>eine Puppe aus Stoff oder ein Stofftier mit Gliedmaßen</li>



<li>ungekochten Reis</li>



<li>eine Nadel und roten Faden</li>



<li>einen spitzen Gegenstand <em>(es wird empfohlen, einen Bleistift, eine Nadel oder einen Zahnstocher zu nehmen, auch wenn du theoretisch auch ein Messer oder eine Schere nehmen kannst)</em></li>



<li>abgeschnittene Finger- oder Fußnägel von dir selbst (<em>es sind auch andere körpereigene Materialien wie Haare, Blut oder Hautschuppen möglich, aber damit soll das Ritual gefährlicher werden)</em></li>



<li>ein Glas oder eine Flasche mit Salzwasser</li>



<li>eine mit Wasser gefüllte Badewanne oder ein gefülltes Waschbecken (<em>darüber, ob auch ein gefüllter Eimer oder eine Wäscheschüssel funktionieren, habe ich geteilte Meinungen gelesen</em>)</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst musst du dem Stofftier einen Namen geben, falls es noch keinen hat. Ich würde allerdings davon abraten, ein Stofftier zu nehmen, an dem dir etwas liegt, da man das Stofftier nach dem Ritual vernichten muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schneide das Stofftier auf, entferne die Watte und ersetze sie vollständig mit dem ungekochten Reis. Leg die Finger- oder Fußnägel (oder für was auch immer du dich sonst entschieden hast) hinein und vernähe den Schnitt mit dem roten Faden. Wickel den restlichen roten Faden um das Stofftier und knote ihn zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun solltest du dich für ein Versteck entscheiden. Ich empfehle, dass du dort auch bereits das Glas oder die Flasche mit dem Salzwasser deponierst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ablauf:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ritual beginnt um 3 Uhr morgens. Nimm das Stofftier und sag zu ihm dreimal: „最初の鬼は(dein Name)だから“ („Saisho no Oni wa <em>dein Name</em> da kara“, auf Deutsch etwa: „Weil <em>dein Name</em> der erste Oni ist.“ – In Japan werden die Suchenden beim Versteckspielen als „<a href="https://www.geister-und-legenden.de/oni">Oni</a>“ bezeichnet.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach musst du mit dem Stofftier ins Badezimmer gehen und es in die gefüllte Wanne (oder das gefüllte Waschbecken) legen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schalte nun alle Lichter im Haus aus und den Fernseher ein. Der Fernseher darf allerdings kein Programm anzeigen (im besten Fall sollte er Bildrauschen darstellen).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du damit fertig bist, schließe die Augen und zähle bis zehn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt musst du ins Badezimmer gehen und mit dem spitzen Gegenstand auf das Stofftier in der Wanne einstechen, während du sagst: „見つけた“ („Mitsuketa“, „Ich habe dich gefunden“). Anschließend musst du dreimal „次は(Name des Stofftiers)が鬼“ („Tsugi wa <em>Name des Stofftiers</em> ga Oni“, „Als Nächstes ist <em>Name das Stofftiers</em> der Oni!“) sagen, ehe du dich in deinem Versteck mit dem Salzwasser versteckst. (Was genau du mit dem spitzen Gegenstand machen sollst, nachdem du das Stofftier damit gestochen hast, geht nicht aus der verbreiteten Anleitung hervor. Viele Leute lassen es bei dem Stofftier liegen, damit es nun sie damit sie jagen kann.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab jetzt kann es passieren, dass das Stofftier sich bewegt, um dich zu suchen, während weitere paranormale Phänomene passieren. Um welche Phänomene es sich genau handelt, kann von Erzählung zu Erzählung variieren. Es ist aber u. a. von Poltergeistphänomenen und Geräuschen, Stimmen oder Gesichtern im Fernsehrauschen die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sollte an dieser Stelle natürlich klar sein, dass das Stofftier dich auf keinen Fall finden darf, da du sonst in Lebensgefahr schwebst oder der Geist bzw. Dämon von dir Besitz ergreifen können soll.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo beenden:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Um das Spiel zu beenden, musst du nun einen Schluck Salzwasser in den Mund nehmen. Achte aber darauf, dass du ihn die ganze Zeit im Mund behältst und nicht herunterschluckst oder ausspuckst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun musst du dich auf die Suche nach dem Stofftier machen, das restliche Salzwasser aus dem Becher oder der Flasche darauf gießen und das Wasser aus deinem Mund darüber spucken. Sag nun dreimal laut: „私の勝ち“ („Watashi no Kachi“, „Ich gewinne“).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Geist oder Dämon sollte das Stofftier nun verlassen haben. Da er jedoch zurückkehren könnte, solltest du das Stofftier schnellstmöglich vernichten, indem du es verbrennst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn du alles korrekt durchführst, soll es jedoch passieren können, dass du nach dem Spiel krank wirst oder paranormale Phänomene erlebst.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternative Version:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In einer anderen Version dient das Stofftier hauptsächlich als Objekt für die Beschwörung. Der Geist oder Dämon ist zwar in gewisser Weise daran gebunden und es soll trotzdem passieren können, dass das Stofftier sich bewegt, er kann sich aber unabhängig von ihm durch das Haus bewegen. In dieser Version versucht also der Geist oder Dämon in seiner eigenen Gestalt (nicht als Stofftier) die Durchführenden zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um das Ritual zu beenden, musst du auch in dieser Version das Stofftier suchen, mit dem Salzwasser übergießen und bespucken, dreimal sagen, dass du gewonnen hast, und es anschließend verbrennen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weitere Regeln:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den weiteren Regeln gehören, dass du während des gesamten Rituals allein im Haus sein musst (es sollten auch keine Haustiere da sein). Man darf das Ritual also nicht mit mehreren Personen durchführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lichter müssen die ganze Zeit über ausgeschaltet bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du darfst während des Rituals auf keinen Fall einschlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlass nicht das Haus, während das Ritual noch im Gange ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und besonders wichtig: Das Versteckspiel darf niemals länger als 2 Stunden andauern. Ansonsten läufst du Gefahr, dass der Dämon oder Geist zu mächtig wird und sich nicht mehr so leicht vertreiben lässt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die urbane Legende soll ursprünglich aus der Kansai- und der Shikokuregion in Japan stammen. Es gibt Gerüchte, dass Hitori Kakurenbo als Experiment in einer japanischen Universität entstanden sei, mit dem man herausfinden wollte, wie gut sich urbane Legenden verbreiten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt außerdem, dass Hitori Kakurenbo mit dem Kokkuri-san Ritual zusammenhänge, einem alten japanischen Ritual, dass der Geisterbeschwörung mit einem Ouija-Brett ähnelt. Den genauen Zusammenhang habe ich nicht herausfinden können. Ich kann mir aber vorstellen, dass, sollte die Theorie mit dem Universitätsexperiment stimmen, das Kokkuri-san Ritual nur erwähnt wurde, um der Legende mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls wurde am 18. April 2007 erstmals eine detaillierte Anleitung des Hitori-Kakurenbo-Rituals auf der japanischen Website 2chan gepostet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zahlreiche Leute haben das Ritual daraufhin ausprobiert, auf 2chan davon berichtet und es teilweise auch gefilmt. Die anderen Leute, die davon gelesen oder die Videos gesehen haben, haben es wiederum selbst ausprobiert und ihre Erfahrungen ins Netz gestellt, woraufhin weitere Leute diese Erfahrungen gelesen haben usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So hat sich das Ritual recht schnell verbreitet und es bald über die Landesgrenzen geschafft. Bereits im Herbst 2008 soll Hitori Kakurenbo in Amerika angekommen sein. Von dort aus hat es sich schließlich in die weitere westliche Welt verbreitet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hitori Kakurenbo in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auf YouTube und ähnlichen Plattformen gibt es zahlreiche Videos über Leute aus allen möglichen Ländern, die Hitori Kakurenbo durchführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es die japanische Horrorfilmreihe „Hitori Kakurenbo Gekijōban“ (Japanisch für „Allein Versteckspielen: Der Film“, 2009), „Hitori Kakurenbo Shin Gekijōban“ („Allein Versteckspielen: Der neue Film“, 2010) und „Hitori Kakurenbo Gekijōban Shin Toshidensetsu“ (Allein Versteckspielen: Der Film – wahre urbane Legende“, 2012) sowie den alleinstehenden Film „Hitori Kakurenbo“ (2008), die das Ritual aufgreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2010 kam sogar von der berühmten virtuellen Sängerin Hatsune Miku das gleichnamige Lied „ひとりかくれんぼ“ (Hitori Kakurenbo) heraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus gibt es einige Videospiele über die Legende, z. B. das Smartphonegame „Alone Hide and Seek“ für iOS und Android, das Multiplayerhorrorspiel „Hitori Kakurenbo Online“ (es befindet sich jedoch im Early Access und wurde seit 18 Monaten nicht geupdatet) sowie diverse weitere Spiele, die ihr unter den Namen „Hide and Seek Alone“ und „Hitori Kakurenbo“ auf itch.io finden könnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Hitori Kakurenbo? Kanntet ihr das Ritual bereits? Habt ihr es vielleicht schon einmal selbst durchgeführt oder würdet es gerne versuchen? Schreibt es in die Kommentare!</em> </p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Mary-san no Denwa – Telefonanruf von Mary</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Jun 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aber das konnte doch nicht sein. Eine Puppe konnte nicht sprechen und schon gar nicht telefonieren. Andererseits hatte ich außer meinen Eltern nie jemandem von Mary-sans Verschwinden erzählt. An meiner neuen Schule wusste niemand von der Puppe …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/7c2ff058919f41df852626fe385763f2" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Mary-san no Denwa ist eine japanische Legende, die schon länger auf meiner Liste steht. Da in letzter Zeit einige Male auf meinem Blog nach &#8222;Mary-san&#8220; gesucht wurde, habe ich mich entschieden, die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Horrorpuppe</a> in diesem Beitrag zu behandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kniete am Wohnzimmertisch vor meinen Hausaufgaben. Frau Nakagawa, unsere Japanischlehrerin, hatte uns einen Zettel mit Schriftzeichen mitgegeben, die wir als Hausaufgabe in unser Schulheft abschreiben sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine anderen Hausaufgaben hatte ich schon lange erledigt, aber das Abschreiben machte mir einfach keinen Spaß, weshalb ich mich bis eben davor gedrückt hatte. Jetzt, wo es draußen dunkel wurde, konnte ich es jedoch nicht länger aufschieben. Sollten meine Hausaufgaben immer noch nicht fertig sein, wenn meine Eltern von der Arbeit zurückkamen, würde ich bestimmt wieder Ärger bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück konnte das noch einige Zeit dauern. Wenn Mama mir etwas zu Essen in den Kühlschrank stellte, hieß das meist, dass sie erst spät nach Hause kamen – manchmal sogar erst, wenn ich schon im Bett sein musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt. Viele Kinder aus der Schule fanden es komisch, dass es Tage gab, an denen ich als Drittklässlerin meine Eltern nicht einmal sehe. Aber die Wahrheit ist, ich habe mich daran gewöhnt. Außerdem unternahmen wir meist etwas zusammen an den Wochenenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also saß ich wie so oft ganz allein im Wohnzimmer. Ich war gerade hochkonzentriert dabei, ein besonders kompliziertes Schriftzeichen abzuschreiben, als plötzlich ein vertrauter Klingelton erklang: das Festnetztelefon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort sprang ich auf und rannte zu dem kleinen Schrank, auf dem unser Telefon stand. Bestimmt waren das Mama oder Papa, die mir sagen wollten, dass es heute wieder später wird und ich ohne sie essen solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich das Telefon jedoch erreichte, stutzte ich. ‚Unbekannt‘ leuchtete mir auf dem kleinen Display entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irritiert nahm ich das Telefon aus der Ladestation und drückte den kleinen grünen Hörer. „Hallo?“, meldete ich mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo Hina-chan“, ertönte eine hohe, mir unbekannte Stimme. Sie erinnerte mich an eine der Zeichentrickfiguren aus dem Fernsehen. „Hier ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war zu überrascht, um zu antworten. Ehe ich auch nur einen Ton herausgebracht hatte, ertönte bereits das Tuten, das anzeigte, dass der Anrufer aufgelegt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was mich am meisten schockierte, war jedoch nicht, dass – wer auch immer das war – meinen Namen kannte, sondern der Inhalt der Nachricht: ‚Mein Name ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kannte eine Mary-san. Sie war allerdings kein Mensch, sondern eine Puppe. Meine Puppe. Sie war ein Geschenk gewesen, das Mama und Papa mir vor zwei Jahren von einer Geschäftsreise aus Europa mitgebracht hatten. Und sie war vor einigen Wochen, als wir in unser neues Haus gezogen waren, verlorengegangen. Papa hatte die Tüte, in der sie lag, versehentlich in den Müll geworfen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das konnte doch nicht sein. Eine Puppe konnte nicht sprechen und schon gar nicht telefonieren. Andererseits hatte ich außer meinen Eltern nie jemandem von Mary-sans Verschwinden erzählt. An meiner neuen Schule wusste niemand von der Puppe. Und Aoi, meine beste Freundin, hatte ich seit meinem Umzug nur ein einziges Mal gesehen. Über Mary-san hatten wir jedoch nicht geredet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem flauen Gefühl im Magen kniete ich mich wieder an den Wohnzimmertisch. Das Telefon legte ich neben mein Schulheft. Aber obwohl ich versuchte, nicht mehr an das Gespräch zu denken, konnte ich mich nicht auf meine Hausaufgaben konzentrieren. Die ganze Zeit musste ich darüber nachdenken, wer mir wohl einen Telefonstreich spielen konnte. Hatte ich vielleicht doch irgendwem aus meiner neuen Klasse von Mary-san erzählt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr viel langsamer als vorhin machte ich mich wieder daran, die Schriftzeichen abzuschreiben, während ich mir weiter den Kopf darüber zerbrach, was es mit dem Anruf auf sich haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich klingelte das Telefon erneut. Ich zuckte zusammen, zog dabei einen der Striche falsch, ehe ich vorsichtig Richtung Telefon blickte. ‚Unbekannt‘ leuchtete mir erneut entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zögerlich griff ich nach dem Gerät. Aber vielleicht war es ja diesmal jemand anderes. Oder es rief mir gleich jemand ein „Reingelegt!“ entgegen und ich würde wissen, wer mir den Streich gespielt hatte. Also drückte ich erneut auf den grünen Hörer. „Hallo?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo Hina-chan.“ Wieder sprach diese seltsam hohe Stimme. „Hier ist Mary-san. Ich bin jetzt an der Ecke vor der Karaoke-Bar.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Tuten ertönte erneut, bevor ich auch nur ein Wort hervorgebracht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der Ecke vor der Karaoke-Bar? Es gab hunderte Karaoke-Bars in der Stadt. Viele davon lagen an irgendwelchen Ecken. Und trotzdem beschlich mich das ungute Gefühl, dass ich genau wusste, von welcher Karaoke-Bar die Stimme geredet hatte: Die Karaoke-Bar, in die meine Eltern immer gingen, lag an einer Ecke. Und nicht nur das, sie lag auch noch so nah, dass meine Eltern immer zu Fuß hingingen, wann immer sie Lust auf Karaoke hatten. Kam Mary-san etwa näher?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nervös stand ich auf. Irgendwie war das ganz schön unheimlich. Ich lief durch das Wohnzimmer, um jedes Licht einzuschalten, das ich finden konnte. Außerdem betätigte ich die Lichtschalter im Flur und in der Küche – beides Räume, die ich vom Wohnzimmer aus sehen konnte. So gab es wenigstens keine dunklen Ecken, vor denen ich mich gruseln konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber … warum gruselte ich mich eigentlich? Mary-san war meine Freundin gewesen. Ja, sie war nicht meine Lieblingspuppe, aber ich hatte sie immer gut behandelt. Und trotzdem wurde mir jetzt schlecht bei dem Gedanken, dass Mary-san plötzlich vor mir stehen könnte. Wenn ich nur an die Stimme dachte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „So ein Quatsch!“, sagte ich laut. Puppen konnten gar nicht sprechen. Wer auch immer mich da anrief, es war bloß ein Mensch, der mir Angst machen wollte. Ich wusste nicht, warum er es tat, aber ich erinnerte mich an ein Gespräch, das ich mal mit Mama geführt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn jemand etwas macht, dass du nicht möchtest, musst du es ihm sagen“, hatte Mama erklärt. „Dann sagst du laut Stopp! Und dass er es lassen soll. Und falls das alles nicht hilft, möchte ich, dass du uns Bescheid sagst, ja? Egal, worum es auch geht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief ein und aus, während ich eine Entscheidung traf. Sollte die Stimme noch einmal anrufen, würde ich sie nicht ausreden lassen. Ich würde ihr sagen, dass sie mich in Ruhe lassen soll, genau wie Mama es mir erklärt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den nächsten Minuten kniete ich wieder an meinen Hausaufgaben. Ich blickte dabei jedoch mehr zu dem Telefon als auf mein Schulheft, wartete darauf, dass es erneut klingelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das Display wieder aufleuchtete, hatte ich blitzschnell danach gegriffen, noch ehe der erste Ton vom Klingelton erklungen war. Unbekannt. Selbstbewusst drückte ich den grünen Hörer. „Stopp!“, rief ich dann sofort laut ins Telefon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Stimme beachtete es gar nicht. „Hallo Hina-chan“, meldete sie sich wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist nicht lustig“, rief ich. „Wenn du noch einmal anrufst, sag ich es meinen Eltern!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Stimme redete unbeirrt weiter. „Hier ist Mary-san. Ich stehe vor deiner Haustür.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich öffnete den Mund, um etwas zu erwidern. Die Worte blieben mir jedoch im Hals stecken, als ich realisierte, was die Stimme da gerade gesagt hatte: Mary-san stand vor meiner Haustür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte das Tuten kaum, während ich den roten Hörer drückte, den Blick dabei stur in unseren Flur gerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Zehenspitzen schlich ich Richtung Eingangstür. Nicht, dass es etwas bringen würde. Durch das große Fenster beim Eingang hätte man mich von draußen sofort sehen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem versuchte ich, möglichst keinen Ton von mir zu geben. Schritt für Schritt schlich ich näher zur Tür. Dort angekommen drückte ich mein Gesicht ans Fenster. Unser Eingangsbereich lag dunkel und verlassen vor mir. Ein Mensch hätte sich da jedenfalls nicht verstecken können. Nicht einmal ein Kind. Aber Mary-san war eine kleine Puppe. Wenn sie direkt vor der Haustür lag …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angespannt biss ich die Zähne zusammen. Wenn ich wirklich sichergehen wollte, dass sie nicht vor unserem Haus war, blieb mir nichts anderes übrig, als die Tür zu öffnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zittrigen Fingern griff ich nach der Türklinke. Ich zog sie nach unten und öffnete die Tür einen ganz kleinen Spalt, bereit, sie sofort wieder zuzuschlagen. Vorsichtig spähte ich hindurch. Nichts. Der Boden war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also öffnete ich die Tür weiter, um alles sehen zu können. Von Mary-san oder sonst etwas Ungewöhnlichem fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort schloss ich die Tür wieder. Eigentlich hätte ich jetzt beruhigt sein müssen. Dass Mary-san nicht da gewesen war, bedeutete doch, dass es wirklich nur ein doofer Telefonstreich gewesen war, oder? Aber warum fühlte ich mich dann nicht besser? Im Gegenteil: Im Moment fühlte ich mich irgendwie beobachtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell rannte ich zurück ins Wohnzimmer, weg von dem großen Fenster. Aber auch hier verschwand das Gefühl nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich tat ich das, was ich schon nach dem zweiten Anruf hätte tun sollen: Ich nahm das Telefon und wählte Papa in den Kontakten aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tuut, tuut, tuut</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Komm schon Papa, geh ran.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tuut, tuut</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich hörte ich seine Stimme. „Hallo, hier ist die Mailbox von Watanabe. Leider bin ich zurzeit nicht …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter kam die Tonbandansage nicht. Ich hatte wieder aufgelegt. Dann eben Mama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch während ich ihren Namen in den Kontakten suchte, klingelte jedoch das Telefon. Blitzschnell drückte ich auf den grünen Hörer. Ich dachte gar nicht darüber nach, dass es jemand anderes als Papa sein könnte, der mich zurückrief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Papa? Hier ist Hina‘‘, jammerte ich ins Telefon. „Ich hab Angst. Da ist so ein Mädchen, das mich immer wieder anruft. Es lässt mich einfach nicht in Ruhe!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber am anderen Ende war nicht Papa. Stattdessen meldete sich eine mir inzwischen vertraute hohe Stimme. Und nicht nur das. Ich hörte sie nicht nur aus dem Telefon. „Hallo Hina-chan, hier ist Mary-san. Ich stehe jetzt direkt hinter dir.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mary-san no Denwa (メリーさんの電話, Japanisch für „Telefonanruf von Mary“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Japan. Sie handelt von einer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen">Horrorpuppe</a> namens Mary-san und ist ein beliebtes Motiv für Kettenbriefe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mary-san:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen von Mary-san wird in den meisten Erzählungen der Legende kein Wort verloren. Es gibt aber Darstellungen von ihr, in denen sie als gruselig aussehende manchmal kaputte Porzellanpuppe dargestellt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen ist sie eine normal aussehende Puppe oder eine japanische Rika-chan-Puppe, die optisch an eine mädchenhafte Barbie erinnert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seltenen Fällen ist Mary-san ein Mensch bzw. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte von Mary-san no Denwa ist meist sehr ähnlich. Zwar werden oft ein paar Details verändert und sie kann auch in der Länge stark variieren, aber die Handlung ist fast immer identisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einem Umzug wird Mary-san, die Puppe eines kleinen Mädchens oder einer Teenagerin, versehentlich in den Müll geworfen. Manchmal reagiert das Mädchen sehr traurig, andere Male ist ihr die Puppe relativ egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann – entweder am gleichen Abend oder einige Tage bis Wochen später – ist das Mädchen schließlich allein in der neuen Wohnung oder dem neuen Haus, weil die Eltern unterwegs sind. Da erhält sie plötzlich einen Anruf. Es meldet sich eine Stimme, die sagt: „Hier ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.“ Anschließend wird das Gespräch beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurze Zeit später klingelt das Telefon erneut. Wieder meldet sich jemand mit dem Namen Mary-san und nennt einen anderen Ort, an dem sie jetzt sei. Diesmal ist der Ort näher bei dem Mädchen, z. B. an einer Bushaltestelle, einem Laden oder einem anderen Ort in der Nähe. Wieder wird das Gespräch beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgen noch mindestens zwei weitere Anrufe. Bei dem Vorletzten ist Mary-san aber so gut wie immer angeblich vor der Haustür des Mädchens. Daraufhin nimmt es all seinen Mut zusammen und öffnet die Haustür, um nachzusehen, aber vor der Tür ist niemand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann klingelt das Telefon zum letzten Mal. Wieder meldet sich die Stimme: „Hier ist Mary-san. Ich stehe jetzt hinter dir.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle endet die Geschichte meistens. Selten wird erwähnt, dass das Mädchen daraufhin ermordet wurde oder die Eltern später ihre Leiche gefunden haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h3>



<h4 class="wp-block-heading">Mehrstöckiges Gebäude oder Hochhaus:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen der Geschichte wohnt die ehemalige Besitzerin von Mary-san in einer Wohnung eines mehrstöckigen Gebäudes oder eines Hochhauses. Darin erklärt Mary-san bei den Anrufen, in welchem Stockwerk sie sich gerade befindet, und kommt dem Mädchen dabei immer näher.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Rika-chan:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auch gibt es Versionen, in denen die Puppe eine Rika-chan-Puppe ist. Mehr hierzu erfahrt ihr unter Ursprung.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Taxifahrer:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt, gibt es auch Versionen, in denen Mary-san ein Mensch ist. Eine der bekanntesten von ihnen handelt von einem Taxifahrer, der Mary-san überfährt. Hierbei meldet sich Mary-sans Geist über das Funkgerät des Fahrers, während sie sich ihm Stück für Stück nähert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kettenbrief:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders als Kettenbrief war die Legende Mary-san no Denwa sehr beliebt. Darin ist die Geschichte von Mary-san in Kurzfassung erzählt, ehe die Aufforderung folgt, die Empfänger sollen die Nachricht an X Personen weiterleiten – ansonsten würde Mary-san sie als Nächstes anrufen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende Mary-san no Denwa spielt in fast allen Versionen in Japan. Der Ort kann jedoch von Geschichte zu Geschichte variieren. Wie bei den meisten urbanen Legenden bietet es sich an, die Geschichte an einen nahegelegenen Ort zu verschieben, damit sie gruseliger wirkt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zu dem Ursprung von Mary-san no Denwa gibt es viele verschiedene Spekulationen. Zwei von ihnen habe ich besonders häufig gelesen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Rika-chan-Telefon:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste von ihnen dreht sich um die bereits erwähnten Rika-chan-Puppen. Im Jahr 1968 richtete die Firma Takara Tomy, der Hersteller der Puppen, eine Telefonnummer ein, über die man Rika-chan anrufen kann. Am anderen Ende meldet sich dann eine Aufnahme, in der man von Rika-chan begrüßt wird. Diese Nachricht kann man noch heute hören. Die aktuelle Telefonnummer von Rika-chan findet ihr auf der <a href="https://licca.takaratomy.co.jp/tel/">Website von Takara Tomy</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer Version der Mary-san no Denwa Legende meldet sich Rika-chan irgendwann zurück und erklärt, wo sie sich gerade befindet, nachdem man diese Nummer angerufen und die automatische Nachricht angehört hat. Ab hier ist die Version identisch mit den Anrufen von Mary-san, die Anrufer werden also von Rika-chan heimgesucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spekulationen zufolge ist dies der Ursprung der urbanen Legende. Laut ihnen wurde der Name der Puppe zu Mary-san umgeändert, um rechtliche Probleme zu vermeiden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Yokohama Mary:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Theorie besagt, dass eine Frau, die unter dem Namen Yokohama Mary bekannt war, die Legende inspiriert hat. Yokohama Mary war eine Prostituierte, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Yokohama gelebt hat. Sie stand dort oft an den Straßen und galt als eine der schönsten Prostituierten ihrer Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders auffällig waren dabei ihr außergewöhnlicher Kleidungsstil und ihr schneeweiß geschminktes Gesicht, die an eine Puppe erinnert haben sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau 50 Jahre lang nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man die auffällig geschminkte Yokohama Mary in den Straßen von Yokohama antreffen, bis sie im Jahr 1995 in ein Altersheim gezogen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist also durchaus denkbar, dass ihr ungewöhnliches Auftreten einige Theorien und Mythen inspiriert hat. Vielleicht war darunter ja auch die Legende von Mary-san no Denwa.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mary-san in der heutigen Pop-Kultur:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Egal, wie die Legende letztendlich wirklich entstanden ist, Fakt ist, dass sie sich früher großer Beliebtheit erfreut hat. Besonders zu ihrer Hochzeit hat sie sich in Form von Kettenbriefen in ganz Japan verbreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen gibt es sogar den gleichnamigen japanischen Horrorfilm „Mary-san no Denwa“ (2011), der sich um die Legende dreht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem findet man Anspielungen auf Mary-san in diversen Manga und Anime.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Mary-san no Denwa? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie würdet ihr reagieren, wenn Mary-san euch anrufen würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Annabelle – die wahre Geschichte:</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Oct 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Dann hatte Annabelle mich erreicht. Sie stand direkt vor meinem Gesicht. Ihre kalten emotionslosen Augen starrten mich direkt an, während sie sich langsam auf die Knie fallen ließ. Ihr starres, sonst so niedliches Lächeln wirkte jetzt hinterhältig und fies. Ich sah, wie sie ihre Ärmchen hob, und spürte ihre kalten, weichen Hände an meinem Hals ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/61b5c224b36e4ae4a80ab7ea62192b51" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Horrorpuppe Annabelle ist eine der bekanntesten besessenen Puppen aus dem Kino. Aber wusstet ihr, dass die Filme auf einer echten Puppe basieren? Passend zu Halloween gibt es daher von mir die wahre Geschichte von Annabelle. Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Kindes</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer kennt sie nicht? Annabelle. Die Horrorpuppe, die viele Kinobesucher das Fürchten gelehrt hat. Doch was ist, wenn ich euch sage, dass an Annabelle mehr dran ist, als bloß ein paar Kinofilme? Wenn ich euch erzähle, dass ich damals bei den Ereignissen dabei gewesen war, die später die Filme inspiriert haben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Name ist Lou. Annabelle gehörte früher einer guten Freundin von mir – der ehemaligen Mitbewohnerin meiner Frau. Lasst mich euch also die wahre Geschichte von Annabelle erzählen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum ersten Mal sah ich die Puppe im Jahr 1970 am 28. Geburtstag von besagter Freundin, Donna. Sie, meine Frau Angie – damals noch meine Verlobte – und ich saßen am Abend zusammen und tranken auf unsere Gesundheit, während Donna die paar Geschenke auspackte, die sie bekommen hatte. Darunter war eine große Stoffpuppe – ein Geschenk von Donnas Mom.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist Raggedy Ann“, erklärte Donna begeistert. „Sie stammt aus einem Kinderbuch, in dem die Puppe lebendig wird, wenn keine Menschen da sind.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Donna erzählte uns von Raggedy Ann und wie ihre Mutter ihr früher immer aus den Büchern vorgelesen hatte. An das meiste kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, wie begeistert Angie von dem Buchcharakter und der Puppe war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen schenkte der Puppe wenig Beachtung. Nachdem Donna sie in ihr Zimmer gebracht und auf ihr Bett gesetzt hatte, hatte ich sie ehrlich gesagt bald wieder vergessen. Zumindest, bis Donna eines Nachmittags – wir drei waren gerade erst nach Hause gekommen – aufgeregt ins Wohnzimmer gerannt kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Leute. Das glaubt ihr mir nie: Ann hat sich bewegt!“, sage sie und verhaspelte sich vor Aufregung fast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer?“, fragte ich verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angie verstand schneller: „Die Puppe? Was meinst du mit: Sie hat sich bewegt? Von selbst?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, natürlich von selbst. Wie Raggedy Ann aus dem Buch. Sonst würde ich es euch doch nicht erzählen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Donna erzählte uns, dass sie es schon länger beobachtet hatte. Zuerst hatte sie Angie verdächtigt, die Puppe bewegt zu haben. Aber selbst bei abgeschlossener Zimmertür habe Ann die Position geändert. Donna habe sie am Morgen auf das Kopfkissen gelegt und nun säße sie mit dem Rücken an der Wand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich waren Angie und ich zuerst skeptisch. Doch während ich weiter daran festhielt, dass Donna eine lebhafte Fantasie habe, begann Angie, ihr zu glauben. Es dauerte nur einige Tage, bis Ann ein fester Teil unserer kleinen Clique geworden war. Wir nahmen sie mit auf Radtouren, setzten sie abends zu uns aufs Sofa und hatten ihr sogar einen Kinderstuhl besorgt, damit sie am Esstisch dabei sein konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals schüttelte ich bloß den Kopf. Trotzdem fand ich die Fürsorge niedlich, die sie der Puppe schenkten – zumindest, solange ich noch glaubte, dass sie es sich einbildeten oder mich auf den Arm nehmen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein Wochenende. Ich hatte entschieden, dass ich diese Nacht bei Angie übernachten würde, also saßen wir am Abend gemeinsam am Esstisch: Angie, Donna, Ann und ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise schenkte ich Ann wenig Beachtung, doch bei jenem Abendessen war es anders. Mir fiel auf, wie lieblos Donna sie auf den Kinderstuhl gesetzt hatte. Ihre Arme hingen schlaff nach unten und ihr überdimensionaler Kopf war zur Seite gekippt. Ich sagte nichts, erinnerte mich aber daran, wie ich während des Essens immer wieder zu der Puppe hinübersah und überlegte, ob ich sie vernünftig hinsetzen solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich das vierte oder fünfte Mal zu ihr sah, erschrak ich: Ann saß komplett aufrecht. Ihr Kopf war gerade und ihre Arme lagen auf dem Tischchen, das zum Kinderstuhl gehörte. Weder Donna noch Angie hätten sie bewegen können, ohne aufzustehen, aber sie hatten die ganze Zeit auf ihren Stühlen gesessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Hirn arbeitete wie verrückt. Wie war das möglich? Puppen bewegten sich nicht von allein. Konnte es sein &#8230;? Hatten Angie und Donna also nicht bloß rumgealbert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem schabenden Geräusch schob ich meinen Stuhl zurück. Donna sah mich irritiert an, während ich die paar Schritte zu Ann hinüberging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was machst du?“, fragte Angie belustigt, als ich die Puppe in die Hände nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht war sie ja keine normale Puppe. Bei der ganzen neuen Technik, die in den letzten Jahren herausgekommen war, konnte man nie wissen. Vielleicht steckte eine Art Roboter in dem Stoff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ann fühlte sich weich und kuschlig an, während ich auf ihr herumdrückte. Ich hatte kein Problem damit, ihr Innenleben zu erfühlen oder ihre Gliedmaßen zu dehnen, doch alles, was ich zwischen den Fingern hatte, war Stoff und Watte. Keine Kabel, keine Metallstäbe, keine Elektroteile.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He! Geh nicht so grob mit ihr um!“, fuhr Donna mich an. Sie sprang auf und riss mir Ann aus den Händen, um sie behutsam wieder auf ihren Stuhl zu setzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie &#8230; sie hat sich bewegt“, stammelte ich halb entschuldigend, halb erklärend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Echt?“, fragte Angie begeistert. „Das hat sie noch nie gemacht, wenn jemand im selben Raum war!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte sie ungläubig an. Noch nie in meinem Leben hatte ich ihre Begeisterung so wenig verstanden, wie in diesem Moment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir drei blieben die halbe Nacht wach und redeten über Ann. Jetzt, wo ich den beiden Frauen endlich zuhörte, erzählten sie mir alles.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Anfang hatte sich Ann kaum bewegt. Sie hatte mal die Arme verschränkt oder sich anders hingesetzt, war aber auf Donnas Bett geblieben. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie sich weiter weg traute. Sie saß auf dem Boden, auf dem Stuhl, lag auf dem Schreibtisch und befand sich schließlich nicht einmal mehr im gleichen Zimmer, wenn Donna und Angie von der Schwesternschule nach Hause kamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So sehr sich die beiden für Anns übernatürliche Fähigkeiten begeisterten, so sehr ängstigten sie mich. Sie war ein unbelebtes Objekt aus Stoff. Den Gesetzen der Wissenschaft folgend, hätte sie sich nicht bewegen dürfen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Donna und Angie änderte sich natürlich nichts. Sie liebten die Puppe und wollten sie am liebsten überall dabei haben. Für mich begann jedoch eine Zeit, in der ich wieder und wieder versuchte, die Mädchen davon zu überzeugen, dass sie der Puppe nicht trauen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei jeder sich bietenden Gelegenheit bat ich sie darum, die Puppe zuhause zu lassen, oder sie nicht neben uns aufs Sofa zu setzen. Da es bei diesen Gesprächen aber immer zwei gegen eins stand, hatte ich nie gute Karten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was mich umso mehr beunruhigte, war, dass Ann stärker zu werden schien. Je länger sie bei uns war, desto häufiger und weiter bewegte sie sich. War es nicht auch das, was Donna und Angie gesagt hatten? Dass die Puppe sich anfangs nur auf dem Bett bewegt hatte und inzwischen sogar in anderen Räumen saß? Es passierte jedenfalls mehr als einmal, dass Ann nicht mehr auf dem Sofa, sondern wieder auf Donnas Bett saß, wenn wir nach Hause kamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angie und Donna sahen das ganz locker. Sie machten sich einen Spaß daraus, die Puppe zu suchen, wann immer sie nach Hause kamen. Eines Tages machten sie dabei eine merkwürdige Entdeckung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lou?“, rief Angie aus Donnas Zimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist? Habt ihr Ann gefunden?“, rief ich gespielt interessiert. In Wahrheit hatte ich bloß keine Lust auf Stress. „Wo hat sie sich diesmal versteckt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich jedoch aufstehen konnte, um zu ihnen zu gehen, kamen die beiden ins Wohnzimmer. Donna hielt einen kleinen Zettel in den Händen, von dem sie ihren Blick kaum lösen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was habt ihr da?“, fragte ich. Diesmal musste ich mein Interesse nicht vortäuschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wortlos reichte Donna mir den Zettel. Er bestand aus alt aussehendem Pergamentpapier, auf dem krakelige Buchstaben standen, die aussahen, als hätte sie ein Kind geschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hilf uns“, las ich vor. Mehr stand nicht darauf. Stirnrunzelnd sah ich zu Donna. „Ist das von &#8230;?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie nickte bloß. Ich brauchte den Satz nicht zu beenden. Wir alle wussten sofort, dass Ann den Zettel geschrieben haben musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was meint sie wohl damit? Wobei braucht sie Hilfe?“, fragte Angie in den Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und wer ist ‚uns‘?“, ergänzte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber so sehr wir auch überlegten, so viele Theorien wir auch aufstellten, wir kamen zu keiner zufriedenstellenden Antwort. Was blieb uns also anderes übrig, als auf einen weiteren Zettel zu warten? Und der Zettel sollte kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine drei Tage später saßen Donna, Angie und ich am Küchentisch. Nachdem Angie angerufen hatte, war ich sofort vorbei gekommen. Ich starrte den Zettel an. ‚Helft Lou‘ stand in derselben krakeligen Kinderschrift darauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was soll das?“, murmelte ich leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angie räusperte sich verlegen. „Vielleicht meint Ann, dass wir euch beiden helfen sollen, Freunde zu werden? Ich weiß, du magst sie nicht, aber gib ihr doch eine Chance. Tu es für mich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte sie halb ungläubig halb wütend an. Hörte sie sich selbst überhaupt zu? „Ann ist eine Puppe, verdammt!“, sagte ich etwas zu laut. „Mit Puppen kann man nicht befreundet sein! Sie sollten sich auch nicht bewegen! Ich hab keine Ahnung, was mit dem verdammten Ding nicht stimmt, aber ich will nichts mit ihr zu tun haben!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn ich es damals niemals zugegeben hätte, hatte ich panische Angst vor ihr. Sie hatte etwas Dunkles an sich, dass Donna und Angie entweder nicht sehen konnten oder nicht sehen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu wissen, dass dieses Wesen meinen Namen auf einen Zettel geschrieben hatte, hatte etwas unglaublich Bedrohliches an sich. Es war nicht bloß eine Puppe, die sich bewegte. Nein. Sie wusste, wer wir sind, kannte unsere Namen und verstand wahrscheinlich alles, was wir sagten. Je weiter ich von Ann weg war, desto besser. Also stand ich auf und ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Beziehung zu der wundervollsten Frau der Welt wäre damals fast an einer Puppe zerbrochen. Zwar einigten Angie und Donna sich nach einem langen Gespräch darauf, dass Ann nicht mehr bei uns sitzen würde, wenn ich zu Besuch war, aber trotzdem mied ich ihre Wohnung, so gut es ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war auch der Grund, warum ich nichts von dem Blut mitbekam. Donna entdeckte eines Nachmittags einige Tropfen einer roten Flüssigkeit auf Anns Brust und ihrem Handrücken. Weil sie nicht wollten, dass ich mir noch mehr Sorgen machte, verheimlichten sie es vor mir. Ich erfuhr nur von dem Medium, das Donna daraufhin einschaltete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mich wollten sie bei der Séance nicht dabei haben, damit ich Ann nicht verärgerte. Daher erzählten sie mir bloß, was sie gemeinsam mit dem Medium herausgefunden hatten: Die Puppe war von dem Geist eines kleinen Mädchens namens Annabelle Higgins besessen – zumindest behauptete das das Wesen, das sie erreichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Annabelle erklärte, dass sie seit ihrem Tod furchtbar einsam sei, und bat Donna darum, weiterhin in ihrer Puppe wohnen zu dürfen. Donna stimmte sofort zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ihr euch vielleicht denken könnt, war ich alles andere als begeistert. Sie behandelten Annabelle, wie sie die Puppe jetzt nannten, noch mehr wie einen Menschen als ohnehin schon und weigerten sich sogar, sie in Donnas Zimmer zu setzen, wenn ich zu Besuch kam. Könnt ihr euch das Vorstellen? Ich, ein langjähriger Freund und der Verlobte Angies, wurde mit einer blöden Stoffpuppe gleichgestellt. Und weil ich Angie nicht verlieren wollte, musste ich zustimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während meiner Zeit in ihrer Wohnung versuchte ich, Annabelle so gut es ging zu ignorieren. Ein nicht sonderlich einfaches Unterfangen, weil Donna sie überall mit hinschleppte und sie wie ein echtes Kind behandelte. Aus diesem Grund schlug ich möglichst oft vor, in Diskotheken oder Kneipen zu gehen. Orte, an die Annabelle als Kind nicht mitdurfte. Mit der Begründung, Annabelle müsse schon längst im Bett sein, kam ich damit sogar ausgesprochen häufig durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachts versuchte ich hingegen, nicht mehr bei Angie zu schlafen. Entweder kam sie mit zu mir oder wir schliefen getrennt. Ich dachte mir immer neue Ausreden aus, bin mir jedoch sicher, dass sie mich schnell durchschaut hatte. Sie wusste, wie wenig ich Annabelle mochte. Sicherlich ahnte sie auch, dass ich Angst vor ihr hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Abends war ich allerdings zu betrunken, um nach Hause zu fahren. Wir hatten ganz schön gefeiert und ich meinen letzten Bus verpasst. Also blieb mir nichts anderes übrig, als bei Angie und Donna zu schlafen. Das war die Nacht, in der Annabelle angriff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lag neben Angie im Bett. Ein merkwürdig beklemmendes Gefühl hatte mich aufgeweckt und ich merkte schnell, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Es war, als würde mein gesamter Körper von einer dunklen Macht festgehalten. Ich konnte weder zusammenzucken noch schreien, als ich sah, wie Annabelle am Fußende des Bettes auftauchte. Zuerst konnte ich kaum mehr als eine schwache Bewegung in der Dunkelheit erkennen, aber ich wusste sofort, dass sie es war. Ich spürte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zog sich mit ihren kleinen Ärmchen aufs Bett. Dann stand sie da, bedrohlich aufgerichtet zu ihrem vollen Meter, bevor sie langsam auf mich zuging. Ich konnte ihre kleinen Füße spüren, während sie über die Decke schlich, die über mir lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder versuchte ich zu schreien, aber es wollte mir nicht gelingen. Ich schaffe es nur, meine Augen so zu bewegen, dass ich Angie ansehen konnte, wie sie friedlich und völlig unbekümmert neben mir schlief. Sie lag auf der Seite und umklammerte sanft meinen Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hatte Annabelle mich erreicht. Sie stand direkt vor meinem Gesicht. Ihre kalten emotionslosen Augen starrten mich direkt an, während sie sich langsam auf die Knie fallen ließ. Ihr starres, sonst so niedliches Lächeln wirkte jetzt hinterhältig und fies. Ich sah, wie sie ihre Ärmchen hob, und spürte ihre kalten, weichen Hände an meinem Hals. Nie hätte ich geglaubt, dass ein solch zierliches Wesen so zudrücken könne. Dass diese kleinen Stoffhände eine solche Kraft hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Annabelle schnürte mir die Luft ab. Ich hatte Todesangst. Mein Hirn schrie danach, sich zu wehren, mich zu bewegen, zu schreien, zu atmen, doch ich konnte es nicht. Bald machte sich Schwindel in mir breit. Das angestaute Blut in meinem Kopf fühlte sich an, als müssten meine Adern jeden Moment bersten. Dann verlor ich das Bewusstsein. Ich war mir sicher, dass ich nie wieder aufwachen würde. Doch am nächsten Morgen kam alles anders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Morgen, Schatz“, weckte Angie mich sanft. Sie gab mir einen Kuss auf den Mund. „Aufwachen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">An anderen Tagen hätte ich mich zur Seite gedreht, mir die Decke über den Kopf gezogen und etwas wie „Nur noch fünf Minuten“ gegrummelt. Besonders bei dem ganzen Alkohol, den ich getrunken hatte. Aber nicht heute. Heute konnte ich gar nicht schnell genug aus dem Bett springen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah mich hektisch um, ließ den Blick durch das Zimmer streifen, um sicherzugehen, dass dieses Ding nicht bei uns war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist? Was hast du?“, fragte Angie besorgt, während ich bereits dabei war, mir meine Hose und mein T-Shirt anzuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wortlos verließ ich das Schlafzimmer. Ich machte mich auf den Weg in Donnas Zimmer. Hinter mir hörte ich, wie Angie mir folgte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne vorher zu klopfen, riss ich die Tür auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Donna riss erschrocken den Kopf herum. „Sag mal, spinnst du?“ Sie saß bereits am Schreibtisch. „Ich hätte nackt sein können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beachtete sie nicht. Stattdessen ging ich schnurstracks zu ihrem Bett und packte Annabelle beim Kleid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum versetzt Donna in Alarmbereitschaft. „Lou, ich warne dich. Setz sie wieder hin!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schnaubte verächtlich. „Du warnst mich?“ Wütend tat ich einen Schritt auf sie zu. „Dieses Scheißteil hat letzte Nacht versucht, mich zu erwürgen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du bist doch verrückt. So etwas würde sie nie tun!“, verteidigte Angie die Puppe sofort. Sie stellte sich zu Donna.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich</em> bin verrückt?! Ich bin nicht derjenige, der seit Wochen mit einer Puppe redet und so tut, als wäre es völlig normal, dass sie nachts versucht, meinen Verlobten zu ermorden! Aber wisst ihr was? Ich habe genug. Ich kann das nicht mehr. Entweder verschwindet Annabelle aus eurem Leben oder ich!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesen Worten pfefferte ich die Stoffpuppe mit voller Kraft durchs Zimmer. Ich bereitete mich bereits auf einen dramatischen Abgang vor, als plötzlich ein Schmerz in meiner Brust explodierte, der meine Beine in Wackelpudding verwandelte. Erschrocken sank ich auf die Knie, meine rechte Hand auf meine schmerzende Brust gepresst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„O Gott, Lou!“, kreischte Angie panisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Boden kauernd starrte ich meine Hand an. Auf ihr glänzte eine rote Flüssigkeit. Mein Blick streifte mein T-Shirt. Obwohl mir Tränen in die Augen schossen und meine Sicht verschleierten, konnte ich erkennen, wie der weiße Stoff sich langsam mit Blut vollsog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angie war sofort bei mir. Und auch Donna schien recht schnell bemerkt zu haben, was passiert war. Sie ließ Annabelle links liegen, um mich zusammen mit Angie aus der Wohnung zu bringen. Im Vorbeigehen schnappte sie sich den Erste Hilfe Koffer aus dem Wohnungsflur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als die Tür hinter uns ins Schloss gefallen war, setzten sie mich ab. Die Wunde – vier horizontale und drei vertikale Kratzer, die mein T-Shirt auf magische Weise nicht einmal berührt hatten – blutete zwar recht stark, war aber nicht sonderlich tief, sodass die beiden als angehenden Krankenschwestern keine Probleme hatten, mich zu verarzten. Anschließend beeilten wir uns, aus dem Haus zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über Annabelle sprachen wir an dem Tag kein einziges Wort mehr, zu tief saß der Schock. Aber das mussten wir auch gar nicht. Es reichte mir völlig, dass die beiden bei mir übernachteten, bis wir zwei Paranormalforscher – das Ehepaar Ed und Lorraine Warren – überreden konnten, sich Annabelle anzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hörten sich unsere Schilderungen der Ereignisse an, organisierten einen Priester, der in Donnas und Angies Wohnung einen Exorzismus durchführte und nahmen die verfluchte Puppe mit. Sie erklärten uns, dass sie von einem Dämon besessen sei, der vorgetäuscht habe, der Geist der verstorbenen Annabelle Higgins zu sein. Ich weiß nicht, ob ich das glauben kann &#8230; Dämonen oder Gott waren noch nie etwas, für das ich mich interessierte. Aber an besessene Puppen hatte ich früher auch nicht geglaubt, also wer weiß &#8230;?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was es auch war, ob nun ein Geist, ein Dämon oder etwas völlig anderes, der Spuk war in dem Moment zu Ende, als die Warrens Annabelle mitgenommen hatten. Und ich war froh, dass in unser Leben endlich wieder Normalität einkehrte.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Annabelle ist neben Chucky die wohl bekannteste Filmhorrorpuppe, die es gibt. Wusstet ihr jedoch, dass die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">besessene Puppe</a> aus dem Conjuring-Universum auf einer realen Puppe basiert?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu der gruseligen Porzellanpuppe aus den Filmen ist die echte Annabelle eine eher niedliche Stoffpuppe, die den Kinderbuchcharakter Raggedy Ann darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Annabelle hat einen großen Kopf, rote Haare aus dicken Strähnen und ein flaches Gesicht mit großen Augen. Ihre große dreieckige Nase und der breite Mund mit den kleinen roten Lippen sind aufgestickt. Als Kleidung trägt sie ein weißes Kleid mit kurzen Ärmeln und Blumenmuster, eine rot-weiße Strumpfhose und schwarze Schuhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genaue Angaben zu der Größe habe ich leider nicht finden können, von den Bildern und Beschreibungen her gehe ich aber von einer Körpergröße von etwa einem Meter aus.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Seltsame Vorkommnisse:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die wahre Geschichte um Annabelle soll sich im Jahr 1970 zugetragen haben. Alles begann als die 28-jährige Deirdre „Donna“ Bernard von ihrer Mutter eine Raggedy-Ann-Puppe als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachts</a>&#8211; oder Geburtstagsgeschenk bekam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Donna und ihre Mitbewohnerin Angie, die zu der Zeit zusammen eine Ausbildung zur Krankenschwester machten, bemerkten schnell, dass mit der Puppe etwas nicht stimmte: Sie schien sich wie von selbst zu bewegen und saß oder lag oft anders, als Donna sie zurückgelassen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lou – entweder ein Freund der beiden oder sogar der Verlobte von Angie, der die beiden oft besuchen kam – fand die Puppe regelrecht unheimlich und schlug vor, sie loszuwerden, was die Frauen jedoch ignorierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst waren Annabelles Bewegungen recht unauffällig: Sie änderte bloß die Pose oder lag an anderer Stelle auf dem Bett, als dort, wo Donna sie hingesetzt hatte. Die Bewegungen wurden jedoch mit der Zeit immer auffälliger. So fanden sie die Puppe teilweise in völlig anderen Räumen wieder – oft fand Donna sie z. B. auf ihrem Bett, obwohl sie Annabelle zuletzt im Wohnzimmer auf die Couch gesetzt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald tauchten außerdem kleine Zettel mit Nachrichten auf, auf denen in Kinderschrift z. B. „Help us“ (Hilf uns) oder „Help Lou“ (Hilf Lou) stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Donna dann auch noch seltsame rote Punkte, die wie Bluttropen aussahen, auf dem Handrücken und der Brust der Puppe fand, wurde es Donna und Angie zu viel. Sie beschlossen, sich professionelle Hilfe in Form eines Mediums zu holen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und tatsächlich schaffte das Medium es, Kontakt zu dem Wesen aufzunehmen, das Besitz von der Puppe ergriffen hat. Es stellt sich als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> eines kleinen Mädchens namens Annabelle Higgins vor. Sie bittet Donna und Angie darum, bei ihnen bleiben und weiter in der Puppe wohnen zu dürfen. Die Studentinnen glauben dem Wesen und willigen ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie jedoch Lou davon erzählen, war er alles andere als begeistert. Er hält weiter daran fest, dass sie die Puppe loswerden sollten. Das hingegen schien Annabelle nicht zu gefallen und so wurde Lou bald mehrfach von der Puppe angegriffen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim ersten Angriff wurde Lou nachts von der Puppe gewürgt. Er ist aufgewacht, weil er sich unwohl gefühlt hat, woraufhin Annabelle auf sein Bett geklettert ist und ihn so lange gewürgt hat, bis er das Bewusstsein verlor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch während dieser erste Angriff noch als Albtraum oder Schlafparalyse abgetan werden konnte, sah es bei dem zweiten ganz anders aus. Während Lou allein mit der Puppe im Zimmer war, spürte er plötzlich einen starken Schmerz in der Brust und stellte mit entsetzen fest, dass er sieben blutige Kratzer auf der Haut unter seinem Shirt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Punkt, als auch Donna und Angie einsahen, dass Annabelle wegmusste. Sie setzten sich mit den Paranormalforschern Ed und Lorraine Warren in Kontakt, die ihnen halfen, einen Exorzismus im Haus durchführen zu lassen und die Puppe an sich nahmen. Sie erklärten ihnen außerdem, dass Annabelle keineswegs der Geist eines kleinen Mädchens sei, sondern ein gefährlicher <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dämon</a> Besitz von der Puppe ergriffen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem Annabelle im Besitz der Warrens ist, wo sie in ihrem Museum ausgestellt wird, soll es dort weitere Vorkommnisse gegeben haben. Inzwischen sitzt die unscheinbare Puppe in einem Schaukasten mit verschlossener Glastür und einer Warnung, dass sie nicht herausgenommen werden darf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich die Vorkommnisse im Museum jetzt auch noch ausführen würde, würde ich den Beitrag jedoch unnötig in die Länge ziehen. Trotzdem möchte ich noch erwähnen, dass es sogar einen angeblichen Todesfall gab, bei dem ein Museumsbesucher mit seinem Motorrad verunglückt sei, nachdem er die Puppe provoziert habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viel ist über Donna, Angie und Lou nicht bekannt. Auch nicht, wo sie gelebt haben, als Annabelle in ihr Leben trat. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass es in den USA war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen befindet sich Annabelle im „The Warren’s Occult Museum“ in Monroe, Connecticut in einem Schaukasten mit Glastür. Das Museum ist jedoch seit 2019 für die Öffentlichkeit geschlossen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Puppe der Warrens der Ursprung für die Horrorpuppe aus dem Conjuring-Universum ist, ist unumstritten. Anders sieht es jedoch mit der „wahren Geschichte“ hinter der echten Annabelle Puppe aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt viele offene Fragen und Unstimmigkeiten in den Erzählungen. Auch habe ich – abgesehen von den Aussagen der Warrens – keine einzige Quelle gefunden, die bestätigt, dass es Donna, Angie und Lou überhaupt gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich lässt sich das damit begründen, dass sie bloß keine öffentliche Aufmerksamkeit wollen. Anders sieht es jedoch mit den zahlreichen Unstimmigkeiten in den verschiedenen Erzählungen der Warrens selbst aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=iBTaY-hsRLI&amp;ab_channel=OfficialEdandLorraineWarrenChannel" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Video</a>, in dem Ed Warren persönlich von Annabelles Ursprung erzählt, macht er z. B. völlig andere Aussagen, als in dem <a href="https://web.archive.org/web/20140103211020/http://www.warrens.net/Annabelle.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Text</a>, der auf der offiziellen Website der Warrens veröffentlicht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um einige Beispiele zu nennen, sagte Warren im Video, dass Annabelle Higgins 6 Jahre alt war, als sie bei einem Autounfall starb, während es im Text heißt, sie sei 7 gewesen, als man ihre Leiche in einem Feld fand. Im Video war die Puppe ein Weihnachtsgeschenk, im Text bekam Donna sie zum 28. Geburtstag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch der Ablauf ist nicht überall derselbe. Während Warren im Video sagt, dass Lou am selben Tag von der Puppe im Bett gewürgt würde, an dem er auch die Kratzer auf der Brust bekam, waren es laut Text völlig unterschiedliche Tage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das sind bei Weitem nicht alle Unstimmigkeiten. Aber vielleicht liegt es bloß daran, dass viele Jahre zwischen dem Video und dem Text auf der Website lagen. Vielleicht hatte Warren sich vertan oder falsch erinnert, als er den Vortrag hielt oder der Text verfasst wurde. Oder aber die „wahre“ Geschichte von Annabelle ist genau das: bloß eine Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Was denkt ihr? Ist die Geschichte &#8222;wahre Geschichte&#8220; um Annabelle echt? Oder bloß eine Erfidnung, um das Museumsstück interessanter zu machen? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr eine Puppe geschenkt bekommt, die sich plötzlich von selbst bewegt? Schreibt es in die Kommentare!</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</strong></em></p>
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