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	<title>Leseproben Archiv - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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	<title>Leseproben Archiv - Geister und Legenden</title>
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		<title>Luna und die Vergeltung der Geister &#8211; Kapitel 6:</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Dec 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Und schon sind wir bei Kapitel 6 und somit dem letzen Teil der Leseprobe meines geplanten Romans &#8222;Luna und die Vergeltung der Geister&#8220;. Viel Spaß beim Gruseln! Kapitel 6: Sonntag, 05. November 2017 Am nächsten Tag saß ich mit Noah gemeinsam am Küchentisch. Wir aßen Rührei, das ich auf die Schnelle zubereitet hatte. Wie auch &#8230;</p>
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<p>Und schon sind wir bei Kapitel 6 und somit dem letzen Teil der Leseprobe meines geplanten Romans &#8222;Luna und die Vergeltung der Geister&#8220;. </p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kapitel 6:</h2>



<p>Sonntag, 05. November 2017</p>



<p>Am nächsten Tag saß ich mit Noah gemeinsam am Küchentisch. Wir aßen Rührei, das ich auf die Schnelle zubereitet hatte. Wie auch schon beim Abendessen schienen wir beide nicht wirklich zu wissen, was wir sagen sollten. Also aßen wir schweigend. Die Küche war von nichts anderem erfüllt als dem Geklirr von Besteck und leisen Kaugeräuschen.</p>



<p>„Ich fahr heut Nachmittag in die Stadt“, erklärte Noah, als wir aufgegessen hatten. Er stellte unsere Teller in die Spülmaschine. „Sag davor aber gerne Bescheid, wenn du Hilfe beim Auspacken brauchst.“</p>



<p>Ich nickte bloß.</p>



<p>Ohne ein weiteres Wort zu sagen, verließ Noah daraufhin die Küche und ging in sein Zimmer.</p>



<p>Ich seufzte, während auch ich aufstand. Keine Ahnung, ob es an ihm oder an mir lag, aber wenn wir einander gegenüberstanden, wusste ich nie, was ich sagen sollte. Mit Natalie wäre mir das nie passiert. Wir fanden immer irgendein Gesprächsthema. Hoffentlich würde es besser werden, wenn Noah und ich einander besser kannten.</p>



<p>Anschließend ging auch ich wieder auf mein Zimmer. Ich hatte mir vorgenommen, heute mit dem Auspacken fertig zu werden. Es gab mir etwas zu tun und lenkte meinen Kopf von allem ab, was die letzten Tage passiert war. Also nahm ich mir systematisch meine Kisten vor. Ich richtete mich in dem kleinen Zimmer so wohnlich ein, wie ich nur konnte.</p>



<p>Ich legte meinen Stapel ungelesener Bücher, der in den letzten Monaten eher gewachsen als geschrumpft war, nach Genres geordnet auf die Fensterbank, stellte ein Foto meiner Eltern daneben und legte meine bunte Strickdecke, die meine Oma mir mal zu Weihnachten geschenkt hatte, über den beigen Sessel. Zu guter Letzt klebte ich noch einige Zeichnungen, auf die ich besonders stolz war, in die weiße Wand neben das Fenster, damit sie nicht ganz so trostlos aussah.</p>



<p>Noahs Hilfe brauchte ich lediglich beim Badezimmer, während wir absprachen, wo ich meine Sachen unterbringen durfte. Als ich die wenigen Schminkartikel, die ich besaß, in das Fach neben dem Waschbecken stellte, musste ich schmunzeln. Dort standen bereits schwarzer Nagellack, Eyeliner und diverse Sachen zum Abschminken. Natürlich wusste ich bereits, dass Noah ab und an Eyeliner trug, und auch mit schwarzem Nagellack hatte ich ihn schon das eine oder andere Mal gesehen. Trotzdem war es irgendwie ungewohnt, Schminke bei einem Mann zu finden.</p>



<p>Während ich gerade dabei war, ein frisches Handtuch an den Haken an der Wand zu hängen, den Noah mir zugewiesen hatte, klopfte er vorsichtig an den Holzrahmen. Ich drehte mich zu ihm um.</p>



<p>„Ich fahr jetzt los“, erklärte er. „In spätestens einer Stunde sollte ich wieder da sein, also lass bitte das Haus stehen, ja?“</p>



<p>Ich zwang mich zu einem Grinsen. „Ich kann nichts versprechen“, antwortete ich.</p>



<p>Zu meiner Überraschung erwiderte Noah das Grinsen. Es war sanft, eher schon ein Schmunzeln, aber es war ehrlich – echt. Anschließend drehte er sich wortlos um und verschwand Richtung Eingangstür.</p>



<p><em>‚Na also‘,</em> dachte ich. <em>‚Das war doch schon mal ein Anfang.‘</em></p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Nachdem ich die letzte Kiste leergeräumt hatte, ging ich zurück in mein Zimmer. Dort setzte ich mich in den Sessel. Noah war bereits weg.</p>



<p>Auf einmal kam ich mir sehr einsam vor. Ich war ganz allein in diesem fremden Haus. Ob Noah wohl auch oft einsam war? Vielleicht hatte ja damals Zoe bei ihm gewohnt. Immerhin waren sie über zwei Jahre zusammen gewesen.</p>



<p>Andererseits deutete nichts im Haus auf sie hin. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass Noah all ihre Sachen weggeworfen hatte, nachdem sie gestorben war.</p>



<p>Plötzlich schoss mir wieder Zoes verzerrtes Gesicht in den Kopf. Ich musste an Noahs Worte denken. Wie war das? Ich solle mich von verschwommenen oder verblasst wirkenden Geistern fernhalten, weil sie wirklich gefährlich werden könnten. Sie besäßen kaum noch Menschlichkeit und seien oft aggressiv.</p>



<p>Aber was bedeutete das für Zoe? Würde sie jemanden angreifen? Und wenn ja, wie weit würde sie gehen? Könnte es passieren, dass sie jemanden … Daran wollte ich gar nicht denken! Wäre ich dann nicht sogar teilweise daran schuld? Immerhin war ich mitverantwortlich für ihren Zustand.</p>



<p>Ich nahm mir fest vor, Noah zu fragen, ob wir sie nicht doch lieber suchen sollten, wenn er zurück war.</p>



<p>Doch während ich so in dem Sessel saß, spann ich den Gedanken weiter. Was war, wenn Noah mich wieder davon abhalten würde? Er schien jedenfalls irgendein Problem damit zu haben, mit Zoe zu reden. Vielleicht tat es ihm zu sehr weh. Aber was war, wenn genau das seine Entscheidungsfähigkeit trübte? Wenn Zoe wirklich gefährlich war? Wenn es die klügere Entscheidung wäre, sie zu suchen?</p>



<p>Andererseits kannte er Zoe sehr gut. Vielleicht war sie ja harmlos. Trotz ihres Zustands. Wieder schoss mir ihr verzerrtes Gesicht in den Kopf. Nein! Ich konnte hier nicht einfach nur rumsitzen und nichts tun, während mit Zoe irgendetwas nicht stimmte. Vielleicht würde es sogar das Eis zwischen Noah und mir brechen, wenn ich ihr half.</p>



<p>Fest entschlossen stand ich auf und griff nach meinem Handy. Ich zögerte. Seit dem Vorfall auf dem Friedhof konnte ich damit nicht mehr telefonieren. Ich könnte niemanden um Hilfe rufen. Aber selbst, wenn es nicht kaputt wäre, wen konnte ich schon anrufen? Immerhin hatte ich nicht einmal Noahs Nummer. Ich legte das Handy auf meinen Nachttisch und nahm mir vor, es morgen vor der Uni zur Reparatur zu geben.</p>



<p>Anschließend ging ich in die Küche. Während ich hastig zwei Scheiben Brot aß, schrieb ich Noah einen Zettel – nur zur Sicherheit und damit er sich keine Sorgen machte – und legte ihn in den Flur. Falls ich gegen Mitternacht noch nicht wieder da sei, solle er mich auf dem Campus suchen kommen.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Es dämmerte bereits, während ich zur Uni radelte. Die Luft war eisig, weshalb mir der Fahrtwind kalt ins Gesicht schlug. An sich mochte ich das Gefühl, dennoch bereute ich es, keine Mütze mitgenommen zu haben.</p>



<p>Die Stadt wirkte friedlich um diese Uhrzeit. Ich begegnete fast niemandem, während ich zwischen Reihen aus Wohnhäusern hindurch fuhr, zu schnell, um mir die Architektur genauer anzusehen. Ich erkannte nur, dass in vielen Häusern Licht brannte. Gleichzeitig sorgten hier draußen die Straßenlaternen für eine angenehme Beleuchtung.</p>



<p>Während ich fuhr, wanderten meine Gedanken wieder zu Zoe. Was sollte ich eigentlich tun, wenn ich sie tatsächlich finden würde? Konnte ich mich normal mit ihr unterhalten? Oder würde sie in ihrem Zustand nicht mit sich reden lassen? Jetzt erst wurde mir wieder bewusst, wie wenig Ahnung ich von Geistern hatte. Wie sollte ich reagieren, falls sie mich angreift? Konnte man sich gegen Geister verteidigen? Oder würde ich wie bei dem Totengräber weglaufen können?</p>



<p>Ich machte mir so meine Gedanken, als ich plötzlich ein rasselndes Geräusch unter mir hörte.</p>



<p>„Scheiße“, stieß ich aus.</p>



<p>Wieso musste ausgerechnet jetzt meine Kette rausspringen? Nicht, dass es ein großes Problem war. Es würde nicht lange dauern, bis ich sie wieder eingefädelt hatte. Auch hatte ich keine großen Probleme damit, mir die Finger schmutzig zu machen. Trotzdem war es nervig. Ich stieg ab, stellte mein Fahrrad auf den Ständer und ging daneben in die Hocke.</p>



<p>Gerade, als ich nach der Kette greifen wollte, nahm ich eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahr. Mein Herz machte einen Hüpfer, während ich versuchte, möglichst selbstbewusst aufzusehen.</p>



<p>Erleichtert atmete ich auf: Es war ein Mädchen, etwa in meinem Alter. Ich kannte sie zwar nicht, hatte sie jedoch schon einige Male auf dem Campus gesehen. Von ihr schien jedenfalls keine Gefahr auszugehen.</p>



<p>Ohne sie weiter zu beachten, widmete ich mich wieder meiner Kette. Als sie jedoch direkt vor mir stehen blieb, hob ich erneut den Kopf. Sie sah mich mit großen Augen an.</p>



<p>„Findest du mich schön?“, fragte sie kleinlaut.</p>



<p>Ich blinzelte überrascht. „Wie bitte?“, fragte ich. Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit.</p>



<p>„Findest du mich schön?“, wiederholte sie sich.</p>



<p>Verdutzt sah ich sie an. Nicht nur, dass ich es absolut seltsam fand, mitten in der Nacht von einem fremden Mädchen gefragt zu werden, ob ich sie schön fände, sie trug auch noch einen Schal so weit im Gesicht, dass man kaum noch ihre Nase sehen, geschweige denn ihr Aussehen beurteilen konnte. War das vielleicht ein dummer Scherz oder irgendeine Wette?</p>



<p>„Tut mir leid, ich hab gerade echt keine Zeit für sowas“, erwiderte ich knapp. Dann wandte ich mich wieder meiner herausgesprungenen Kette zu.</p>



<p>„Oh, Verzeihung. Ich wollte dich nicht stören“, erwidertet das Mädchen kleinlaut, ehe sie weiterging. Ich sah ihr noch einen Moment lang nach. Was für eine merkwürdige Person.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Eine Viertelstunde, nachdem ich die Fahrradkette wieder eingehängt hatte, erreichte ich die Uni. Der Campus lag dunkel und verlassen vor mir. Es gab zwar einige Lampen, sie spendeten jedoch nur schwaches Licht. Die leeren Fahrradständer sahen aus wie die Rippen eines viel zu langen Oberkörpers. Ich beeilte mich, mein Fahrrad anzuschließen, ehe ich mit schnellen Schritten weiter zum Hauptgebäude ging. Dort hatte ich Zoe das erste Mal gesehen.</p>



<p>Nervös rückte ich meine Brille zurecht. Ohne die zahlreichen Studenten kam mir das Gebäude ungewöhnlich groß vor. Die dunklen Fenster erinnerten mich an leere Augen, die mich gefühllos anstarrten. Bei der Vorstellung schauderte ich.</p>



<p>Schnell wandte ich meinen Blick wieder ab. Ich sah mich um. Außer mir schien niemand hier zu sein. Wenigstens würde mich so niemand hören können.</p>



<p>„Zoe?“, rief ich zaghaft in die Dunkelheit. Fast hätte ich damit gerechnet, dass meine Stimme über den leeren Platz hallen würde. Aber natürlich tat sie das nicht. Dafür hatte ich nicht laut genug gerufen. Stattdessen kam es mir vor, als hätte das Halbdunkel sie verschluckt.</p>



<p>Trotzdem musste ich es weiter versuchen! Ich holte tief Luft. Gerade, als ich ihren Namen lauter rufen wollte, schnitt jedoch ein Schrei durch die Stille. „Ahhhh!“, schrie eine Männerstimme.</p>



<p>Im nächsten Moment bellte ein Hund los. Es war ein tiefes aggressives Bellen. Sofort versteifte sich mein Körper. Mit einem Hund hatte ich nicht gerechnet. Meine Instinkte schrien danach, wegzulaufen. Aber ich kämpfte gegen meine Angst an. Ich musste wissen, was da los war.</p>



<p>Normalerweise war ich nicht so mutig. Besonders nicht, wenn es um Hunde ging. Trotzdem eilte ich mit zittrigen Beinen direkt auf das Gebell zu.</p>



<p>Als ich den Hund in der Ferne sehen konnte, wurde ich langsamer. Direkt neben ihm kauerte ein Bündel aus zerfetzter Kleidung und wirren Haaren. Es kauerte über einem jungen Mann, die Hände fest um seinen Hals gelegt. Der Mann – er war etwa in meinem Alter – wehrte sich mit Leibeskräften. Er schlug und trat um sich. Einige seiner Hiebe gingen mitten durch das kauernde Bündel hindurch. Es bewirkte nichts, war völlig sinnlos. Der Hund hingegen stand einfach nur da und bellte.</p>



<p>Wieder atmete ich tief ein. Diesmal, um meinen Mut zusammenzunehmen. „Hey!“, brüllte ich aus voller Kehle. Meine Stimme klang höher als beabsichtigt, hallte diesmal aber tatsächlich über den Campus.</p>



<p>Es erzielte den gewünschten Effekt: Die kauernde Gestalt ließ von dem jungen Mann ab, während sie sich langsam aufrichtete. Sie wandte mir den Kopf zu.</p>



<p>Als ich ihr Gesicht sah, fühlte ich mich, als würde der Boden unter meinen Füßen absacken. Sie sah übel zugerichtet aus. Am ganzen Körper hatte sie blutige Schrammen. Die Jeans und ihr weißes Sweatshirt waren zerfetzt. Ihr noch immer verwischtes Gesicht war blutig und ihr Hals hatte eine unnatürliche Haltung. Trotzdem gab es keine Zweifel: Die graublauen Augen, die hellbraunen Haare, das verzerrte Gesicht und die mollige Figur – das war eindeutig Zoe!</p>



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<p>Das war Kapitel 6 und somit das Ende der Leseprobe von &#8222;Luna und die Vergeltung der Geister&#8220;. Wenn ihr es bis hierhin geschafft habt, habt ihr etwa einen Viertel des Romans gelesen. Wie hat euch die Leseprobe gefallen? Habt ihr Kritik, Anmerkungen oder sonst etwas auf dem Herzen? Schreibt es in die Kommentare!</p>



<p>Wann genau der Roman rauskommt, kann ich leider absolut nicht einschätzen. Erst einmal muss ich ihn fertig überarbeiten, einreichen, hoffen, das irgendwer ihn veröffentlichen möchte und dann dauert es bestimmt noch einmal einige Monate, bis er auf den Markt kommt.</p>



<p>Solltet ihr nicht so lange warten wollen, könnt ihr natürlich meinem <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden">Patreon</a> beitreten. Für nur 2 € im Monat bekommt ihr dann die neuen Kapitel, wann immer sie fertig sind, dürft all meine Beiträge eine Woche früher lesen und könnt auf meinem Discord-Server 1 bis 2 mal im Monat bei meinen Live-Lesungen zuhören.</p>


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		<title>Luna und die Vergeltung der Geister &#8211; Kapitel 5:</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Nov 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[Luna und die Vergeltung der Geister]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Willkommen zum vorletzten Kapitel der Leseprobe von &#8222;Luna und die Vergeltung der Geister&#8220;. Viel Spaß beim Lesen! Kapitel 5: Samstag, 04. November 2017 Tränen verschleierten meine Sicht, während ich Natalie nachsah. Am liebsten wäre ich ihr nachgelaufen, hätte versucht, ihr alles zu erklären, aber tief in meinem Inneren wusste ich, dass das sinnlos wäre. Sie &#8230;</p>
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<p>Willkommen zum vorletzten Kapitel der Leseprobe von &#8222;Luna und die Vergeltung der Geister&#8220;.</p>



<p>Viel Spaß beim Lesen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kapitel 5:</h2>



<p>Samstag, 04. November 2017</p>



<p>Tränen verschleierten meine Sicht, während ich Natalie nachsah. Am liebsten wäre ich ihr nachgelaufen, hätte versucht, ihr alles zu erklären, aber tief in meinem Inneren wusste ich, dass das sinnlos wäre. Sie hatte ihren Standpunkt klargemacht: Sie glaubte nicht an Geister und sie würde auch nicht ohne weiteres damit anfangen.</p>



<p>Ich schluckte schwer. Warum musste das ausgerechnet mir passieren? Es hatte nicht einmal eine Woche gedauert, bis ich meinen festen Freund und jetzt auch noch meine beste Freundin verloren hatte. Und bei Jenny und Lisa brauchte ich mich wohl auch nicht mehr blicken lassen. Ich war wieder eine Außenseiterin, genau wie früher.</p>



<p>Mit einem Kloß im Hals wandte ich mich wieder Zoe zu. Ich versuchte, normal zu sprechen, merkte jedoch, wie meine Stimme bereits beim ersten Wort zitterte. „Du sagtest, du brauchst meine Hilfe?“</p>



<p>Aber Zoe antwortete nicht. Mit leerem Blick starrte sie mich an. Oder starrte sie durch mich hindurch? Dann begann sie zu flackern. Sie erinnerte mich an eine kaputte Glühbirne, wie sie verblasste, wieder deutlicher sichtbar wurde, für den Bruchteil einer Sekunde ganz verschwand, nur um dann wieder aufzutauchen. „Ich … wollte das nicht“, sprach sie. Sie redete aber mehr mit sich selbst als mit mir. Ihre Stimme wurde dabei von einem Hall begleitet, als würden zwei verschiedene Zoes aus ihrem Mund sprechen. „Wollte niemandem schaden … Es ist meine Schuld. Alles meine Schuld!“</p>



<p>Im nächsten Moment stieß sie einen markerschütternden Schrei aus. Durch den Hall klang er völlig unmenschlich, trieb mir eine Gänsehaut über den Rücken. Gleichzeitig verzerrte sich Zoes Gesicht zu einer grausamen Fratze. Es sah aus, als wäre es verschmiert worden, als hätte man mit einem feuchten Finger über eine Bleistiftzeichnung gewischt. Dann war sie verschwunden.</p>



<p>Panisch sah ich mich um. Mein Atem ging schnell und unregelmäßig. Von Zoe fehlte jede Spur. Auch merkte ich jetzt, wie sehr mein Herz raste. Was zur Hölle war da gerade passiert?</p>



<p>Ich weiß noch, wie mir speiübel wurde. Wahrscheinlich war Zoes Anfall der Tropfen gewesen, der mein Fass zum Überlaufen brachte. Im nächsten klaren Moment saß ich mit angezogenen Knien auf der Parkbank und weinte. Ich hatte alles verloren, das mir wichtig war.</p>



<p>„Luna?“, hörte ich Noah meinen Namen rufen. Er kam sofort angerannt, als er mich sah. „Was ist passiert?“</p>



<p>Ich versuchte zu sprechen, ihm von Zoe zu erzählen, aber ich bekam kein verständliches Wort über die Lippen. Also schüttelte ich den Kopf, bevor ich mein Gesicht in meinen Knien vergrub.</p>



<p>Noah streichelte mir sanft über den Rücken. Er hatte sich neben mich gesetzt. Trotz allem überraschte mich seine Fürsorglichkeit. So hatte ich ihn gar nicht eingeschätzt.</p>



<p>Nach einer Weile hatte ich mich so weit gefasst, dass ich wieder Sprechen konnte. Ich wischte mir mit meinem Ärmel die Tränen aus dem Gesicht. „’tschuldigung,“, sagte ich knapp.</p>



<p>Noah musterte mich besorgt. „Was ist denn passiert?“ Er zog eine Packung Taschentücher aus einer seiner zahlreichen Hosentaschen. Ich nahm sie dankend an.</p>



<p>Nachdem ich meine Nase geputzt hatte, wischte ich mir noch einmal mit dem Ärmel über die Wangen. Ich musste völlig fertig aussehen. Trotzdem hatte Noah eine Erklärung verdient. „Zoe war hier“, sagte ich mit noch immer brüchiger Stimme. Ich bemühte mich, deutlich zu sprechen, während ich ihm von meinem Streit mit Natalie erzählte und ihm erklärte, was mit Zoe passiert war.</p>



<p>„Hast du eine Ahnung, worum Zoe mich bitten wollte?“, fragte ich. Ich sah noch immer ihr verzerrtes Gesicht vor mir. War es meine Schuld gewesen, dass sie so durchgedreht war? Ich würde jedenfalls alles daransetzen, es wieder geradezubiegen.</p>



<p>Noah schüttelte den Kopf. „Tut mir leid. Das wird sie dir sagen müssen. Sofern sie das überhaupt kann. Ihr Zustand macht mir wirklich Sorgen. Ich habe noch nie mitbekommen, dass ein Geist sich derart verändert hat. Vielleicht erinnerst du dich, dass ich dir gesagt habe, du sollst dich von verschwommenen oder verblasst wirkenden Geistern fernhalten? Das liegt daran, weil sie wirklich gefährlich werden können. Normalerweise mache ich einen großen Bogen um sie. Und das solltest du auch tun. Sie besitzen kaum noch Menschlichkeit. Außerdem sind sie oft sehr aggressiv.“</p>



<p>Ich musste schlucken. Sofort schossen mir diverse Szenarien aus Horrorfilmen in den Kopf. „Du denkst, dass Zoe gefährlich ist? Verändert ihr Zustand sie irgendwie?“ Sie hatte am Ende ja nicht einmal mehr zusammenhängende Sätze gebildet.</p>



<p>Aber Noah antwortete nicht. Sein Blick war in die Ferne gewandert, an einen Ort, den nur er kannte.</p>



<p>Am liebsten hätte ich gefragt, was ihm durch den Kopf ging, aber ich wollte nicht unhöflich sein. Immerhin kannten wir einander kaum. Ich sollte seine Freundlichkeit also nicht mit Freundschaft verwechseln.</p>



<p>Als die Stille langsam unangenehm wurde, räusperte ich mich. Jetzt sah Noah mich wieder an.</p>



<p>„Meinst du, dass wir nach Zoe suchen sollten?“, fragte ich.</p>



<p>Schlagartig kehrte Noahs gleichgültiger Gesichtsausdruck zurück. Es war, als hätte er sämtliche Emotionen, die eben noch über sein Gesicht gewandert waren, einfach abgeschaltet. Er zuckte mit den Schultern, als sei es ihm egal. „Sie treibt sich eh meist auf dem Campus herum“, sagte er dann. „Wenn irgendetwas passiert, bekommen wir es schon mit.“</p>



<p>Das konnte nicht sein Ernst sein. „Und wenn sie jemanden angreift?“, fragte ich. Hatte er nicht eben noch angedeutet, dass sie vielleicht gefährlich sei?</p>



<p>Aber Noah wich meiner Frage aus. „Ach. Sie kommt bestimmt bald zu dir, um sich zu entschuldigen. So ist sie nun einmal.“</p>



<p>„Und dann?“, fragte ich. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mit ihr umgehen sollte, wie ich mit irgendeinem Geist umgehen sollte.</p>



<p>Wieder zuckte er mit den Schultern. „Erklär ihr einfach, dass alles in Ordnung ist.“</p>



<p>Ich setzte bereits dazu an, etwas zu erwidern, aber Noah wechselte schnell das Thema.</p>



<p>„Aber sag mal … Deine Mitbewohnerin wirft dich raus? Kann sie das denn so einfach?“</p>



<p>Ich verzog den Mund. Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht. „Die Wohnung gehört ihren Eltern“, erklärte ich. „Sie hat mir bloß erlaubt, bei ihr zu wohnen. Bis eben jedenfalls. Es gibt keinen Mietvertrag.“</p>



<p>„Also kann sie dich rausschmeißen“, schlussfolgerte Noah. „Hast du irgendwen, bei dem du unterkommen kannst?“</p>



<p>Ich stieß ein verzweifeltes Lachen aus. „Bei wem denn? Meine Freunde halten mich für einen Psycho, meine Eltern wohnen zu weit weg und mein Ex-Freund kann mich mal.“ Meine Unterlippe zitterte. „Vielleicht kann ich ein paar Tage bei Jenny und Lisa unterkommen. Aber sofern du nicht rein zufällig nach einer neuen Mitbewohnerin suchst …“ Ich beendete den Satz nicht. Stattdessen schenkte ich Noah ein schiefes Lächeln, während ich krampfhaft versuchte, meine Tränen zurückzuhalten.</p>



<p>Noah musterte mich für einen sehr langen Moment. Dann sah er den Weg entlang, als beobachte er irgendetwas in der Ferne, während ein kühler Wind um unsere Ohren säuselte. Schließlich sah er wieder zu mir. „Wieso eigentlich nicht?“, fragte er.</p>



<p>Ungläubig starrte ich ihn an. Als ich merkte, dass mein Mund offenstand, schloss ich ihn schnell. „Meinst du das ernst?“</p>



<p>„Klar“, erwiderte er in seinem gleichgültigen Tonfall. „Warum nicht? So kann ich wenigstens ein Auge auf dich haben, ehe du noch mehr Geister aufhetzt. Außerdem ist das Haus eh zu groß für eine Person.“</p>



<p>Meine Augen weiteten sich. „Haus?“, fragte ich. Ich hatte das mit der WG ja nicht einmal ernst gemeint, aber dass er dann auch noch ganz allein in einem Haus wohnt … Er oder zumindest seine Eltern schienen jedenfalls keine finanziellen Schwierigkeiten zu haben.</p>



<p>„Es gibt ein Gästezimmer“, erklärte Noah. „Ich müsste vielleicht einmal durchsaugen, aber an sich könntest du direkt einziehen. Also natürlich nur, wenn du willst.“</p>



<p>Die Situation kam mir unwirklich vor. Passierte das gerade wirklich?</p>



<p>„Die meisten Möbel gehören Natalie oder ihren Eltern“, hörte ich mich sagen. „Wenn ich mich beeil, könnte ich heute Abend schon alles gepackt haben. Allerdings habe ich kein Auto.“</p>



<p>Wieder dieses gleichgültige Schulterzucken. „Das ist kein Problem. Wenn du willst, hol ich die Sachen bei dir ab. Heute Abend also?“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auf dem Weg nach Hause drehte sich in meinem Kopf alles. Noah und ich hatten vereinbart, dass er meine Sachen gegen 18 Uhr bei mir abholen solle und ich anschließend mit dem Fahrrad zu seinem Haus fahre. Ich hatte jedoch keine Ahnung, wie ich das alles Natalie erklären sollte.</p>



<p>Als ich ankam, war sie jedenfalls nicht da. Also kramte ich die Umzugskartons hervor, die ich erst im Frühling für den Umzug in Natalies Wohnung gebracht hatte. Als ich auf einem von ihnen die Aufschrift ‚Lunas Zimmer‘ las, hielt ich inne.</p>



<p>Ein Lächeln huschte über mein Gesicht. Wie nervös Natalie und ich gewesen waren, als wir bei unseren Eltern ausgezogen waren. Wir hatten solche Panik gehabt. Aber bereits unsere erste Nacht in der neuen Wohnung hatte sich angefühlt, als würden wir eine Übernachtungsparty feiern, die niemals enden solle.</p>



<p>Und jetzt? Mein Lächeln erstarb. Jetzt musste ich mich mit den Toten herumschlagen, während die Lebenden sich von mir abwandten. Die schönen Erinnerungen ertranken in einem Anflug von Verzweiflung.</p>



<p>Mit einer Mischung aus Trauer und Wut packte ich die Kartons und stapfte mit ihnen in mein Zimmer. Ich begann sofort, sie einzuräumen. Als ich Finns Blume auf dem Schreibtisch sah, sank meine Stimmung noch weiter. Ich überlegte kurz, sie in den Müll zu schmeißen, aber das fühlte sich nicht richtig an. Immerhin war sie ein Lebewesen. Ich nahm meinen Zeichenblock, das Skizzenbuch, die Stifte und die Geodreiecke vom Schreibtisch. Zum Schluss brachte ich mein aktuelles Projekt für die Uni – die sitzenden Tongebäude –, das ich vorsichtig in einem Schuhkarton verstaut hatte, in den Flur. Die Blume ließ ich hingegen stehen. Sollte Natalie doch entscheiden, was sie mit ihr machen würde.</p>



<p>Jetzt standen vier randvolle Umzugskartons, die fast meinen gesamten Besitz enthielten, feinsäuberlich gestapelt im Flur. Gerade, als ich mit dem fünften und letzten Karton im Badezimmer verschwunden war, hörte ich, wie sich die Wohnungstür öffnete. Für ein paar Sekunden herrschte völlige Stille. Dann ertönten schnelle Schritte.</p>



<p>„Luna!?“, kam Natalies Stimme aus dem Flur. Sie klang halb verwirrt, halb entsetzt. Sie rannte in mein Zimmer, wo ihr Tonfall ins Wütende umschlug. „Luna? Was soll das bitte werden, wenn es fertig ist?“ Jetzt stand sie mit verschränkten Armen in der Badezimmertür.</p>



<p>„Du hast doch gesagt, dass ich ausziehen und mir eine neue beste Freundin suchen soll“, sagte ich trocken. Ich unterdrückte sämtliche Gefühle, die gerade in mir hochkamen.</p>



<p>Natalie blinzelte. Ein paar Mal öffnete und schloss sie ihren Mund, ohne dass ein Laut daraus hervorkam. „Ich meinte damit, dass du dir einen Psychiater suchen musst, nicht, dass du tatsächlich ausziehen sollst!“, schrie sie mir entgegen.</p>



<p>Ich lächelte traurig. „Der könnte mir aber nicht helfen“, sagte ich. Ich sah Natalie fest in die Augen. „Kein Psychiater dieser Welt kann verhindern, dass ich Geister sehen kann.“</p>



<p>Natalies Mund zitterte. Ihre Augen wurden feucht. Aber was konnte ich tun? Sie wollte mir nicht glauben. Sie wollte mir ja nicht einmal zuhören. Und ich konnte, nach allem, was ich gestern erfahren hatte, nicht mehr zu einem Psychiater gehen. Die einzige Person, die mir helfen konnte, mit meinem Problem klarzukommen, war Noah.</p>



<p>Plötzlich rannte Natalie in den Flur zurück. „Ich wünschte, wir hätten diese scheiß Idee mit dem Ouija-Brett niemals gehabt!“, schrie sie mit weinerlicher Stimme.</p>



<p>Ich biss die Zähne zusammen. „Das wünschte ich auch!“, rief ich ihr nach. Aber ich denke nicht, dass sie mich noch gehört hat. Sie hatte die Wohnungstür bereits hinter sich zugeknallt.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Um kurz vor sechs stand ich mit meinen fünf Umzugskartons und dem Uni-Projekt an der Straße. Doch während ich auf Noah wartete, überkamen mich erste Zweifel. Sollte ich wirklich mit einem völlig fremden Mann zusammenziehen? Ich kannte Noah doch kaum. Was, wenn er gar nicht so nett war, wie er tat? Andererseits hatte er nie etwas Verdächtiges getan. Die Nacht auf dem Friedhof, der Umzug … Die seltsamen Ideen waren alle von mir gekommen.</p>



<p>Außerdem musste ich an Natalie denken. Sie war meine beste Freundin. Es gab kaum einen Menschen, der mir so nahestand. Und das wollte ich jetzt alles wegwerfen? Vielleicht sollte ich doch einfach zu der Psychiaterin gehen. Ich könnte so tun, als würde es helfen.</p>



<p>Aber was würde das bringen? Ich würde eine Lüge leben. Zumal ich bezweifelte, dass ich mich dann weiterhin mit Noah treffen konnte, obwohl ich doch noch so viel von ihm zu lernen hatte.</p>



<p>Nein. Es war besser so. Ich friemelte Natalies Wohnungsschlüssel von meinem Schlüsselbund. Aber vor den Briefkästen zögerte ich erneut. Schönfeld/Fink – dort stand mein Nachname, direkt hinter Natalies. Das war unsere Wohnung. Unser Zuhause.</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. Nein. Es war unser Zuhause gewesen, bis Natalie mich rausgeschmissen hat. Jetzt war es nur noch ihr Zuhause. Und wer weiß, vielleicht würde ich ja irgendwann wieder bei ihr einziehen, wenn sie mir endlich glauben würde. Entschlossen warf ich den Schlüssel unter lautem Geklimper in den Briefkasten.</p>



<p>Und auch, wenn ich damals noch Zweifel gehabt hatte, es war die richtige Entscheidung gewesen. Noch konnte ich ja nicht ahnen, wie sehr Noah und ich einander brauchen würden …</p>



<p>Zurück an der Straße hörte ich recht bald Motorengeräusche, die schnell lauter wurden. Es war Noah, der sich in einem kleinen schwarzen Pkw näherte. Ich hatte irgendwie damit gerechnet, dass er ein teureres Auto fahren würde, wenn er schon in einem eigenen Haus wohnte. Aber es war eines dieser Billigautos, wie es viele Studierende fuhren.</p>



<p>Noah stieg sofort aus, um mir beim Einladen zu helfen. Gemeinsam verstauten wir die Kartons im Kofferraum und auf den freien Sitzen. Den Schuhkarton mit meinem Uni-Projekt legte ich in den Beifahrerfußraum, nachdem Noah mir versprochen hatte, dass es heil ankommen würde. Es passte alles gerade so in das kleine Auto.</p>



<p>Anschließend gab Noah mir eine Wegbeschreibung, wie ich mit dem Fahrrad zu ihm kam. Ich hatte Glück: Obwohl ich noch nicht lange in Kleinstadt wohnte, wusste ich sofort, welche Straße er meinte, sodass ich es auch ohne Maps finden würde. Sein Haus lag am Stadtrand, gut 20 Minuten von der Uni entfernt.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Noahs Haus war ein kleines gemütliches Einfamilienhaus aus Klinkerstein, an dessen Fassade einige Schlingpflanzen empor wucherten. Ansonsten wirkte der Garten mehr oder weniger gepflegt.</p>



<p>Der schwarze Pkw stand bereits auf der gepflasterten Auffahrt, während Noah dabei war, die Umzugskartons ins Haus zu bringen. Also beeilte ich mich, mein Fahrrad neben der Haustür anzuschließen und ihm zur Hilfe zu eilen.</p>



<p>Im Haus selbst trat ich in einen schmalen Flur, von dem aus eine Treppe in den Keller und eine andere nach oben führte. Weiter hinter gingen einige Türen ab.</p>



<p>„Das Gästezimmer liegt hinten links“, erklärte Noah und deutete auf eine der Türen. Anschließend eilte er wieder nach draußen, um den nächsten Karton zu holen.</p>



<p>Mit der Kiste in der Hand blieb ich in der Tür zu meinem neuen Zimmer stehen. Abgesehen von den Umzugskartons standen hier nur ein hoher Kleiderschrank mit Spiegel, der aussah, als wäre er von IKEA, ein nicht bezogenes Einzelbett mit altmodischem Holzrahmen, ein dazu passender Nachttisch und ein kleiner Sessel mit beigem Stoffbezug. Außerdem gab es ein Fenster, von dem aus ich ein kleines Waldstück sehen konnte. Das war also mein neues Zuhause.</p>



<p>Nachdem ich mit Noah die letzten Kartons geholt hatte, gab er mir einen kurzen Rundgang durch das Haus. Die Treppe nach oben führte auf einen Dachboden, der als Abstellkammer diente, während die Treppe in den Keller zu einem Wäscheraum und einer Vorratskammer führte. Anschließend zeigte er mir die anderen Räume: eine kleine Küche mit Esstisch, ein mittelgroßes Wohnzimmer und ein Badezimmer, in dem es sogar eine Badewanne gab. Zum Schluss zeigte er mir sein eigenes Zimmer.</p>



<p>Es erinnerte mich an das Zimmer eines Jugendlichen mit eigenem Fernseher, einem breiten Einzelbett und einem Computer. Seine Möbel – der Schreibtisch, der Kleiderschrank und sein Nachttisch – waren modern und hoben sich deutlich von dem ansonsten eher altmodisch eingerichteten Haus ab. Wahrscheinlich hatte er die anderen Möbel vom Vorbesitzer übernommen und hatte sein eigenes Mobiliar in seinem Schlafzimmer untergebracht.</p>



<p>Nach dem Rundgang begleitete Noah mich zurück in den Flur. Dort fiel mein Blick auf die Tür neben meinem Zimmer. Zu ihr hatte Noah bisher nichts gesagt.</p>



<p>Ich deutete mit dem Finger darauf. „Was ist das für ein Raum?“, fragte ich neugierig.</p>



<p>Für ein kurzen Moment runzelte Noah die Stirn, ehe er schnell den Kopf schüttelte. „Ignorier sie einfach. Ich hab den Schlüssel schon vor Ewigkeiten verloren, aber da drin stehen eh nur ein paar alte Möbel.“</p>



<p>Jetzt runzelte auch ich die Stirn. Aber ehe ich weiter nachhaken konnte, wechselte Noah bereits das Thema.</p>



<p>„Also dann“, sagte er. „Fang ruhig schonmal an, deine Sachen auszupacken. In der Zeit kümmer ich mich ums Abendessen. Ich hoffe, du magst Nudelauflauf?“ Er wartete jedoch keine Antwort ab und machte sich bereits auf den Weg in die Küche.</p>



<p>Ich blieb noch einen Moment im Flur stehen und betrachtete die ominöse Tür. Kurz dachte ich darüber nach, durch das Schlüsselloch zu spähen, aber was würde das für einen Eindruck machen? Noah ließ mich, eine völlig Fremde, in seinem Haus wohnen und als Dank nahm ich nicht einmal Rücksicht auf seine Privatsphäre? Nein. So ein Mensch wollte ich nicht sein!</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Das Abendessen verlief ereignislos. Wir redeten dabei kaum, aber das konnte mir nur recht sein. Mein Kopf war viel zu voll, um über irgendetwas zu sprechen, das über belanglosen Smalltalk hinausging.</p>



<p>Nach dem Essen räumte Noah das Geschirr in eine kleine Spülmaschine, ehe er sich ins Wohnzimmer verzog. Ich hingegen war von dem Tag völlig fertig. Daher beschloss ich, heute früh ins Bett zu gehen.</p>



<p>Nachdem ich Zähne geputzt und Noah eine gute Nacht gewünscht hatte, schloss ich meine Zimmertür hinter mir. Dabei fiel mein Blick auf einen Schlüssel, der im Schloss steckte. Ich zögerte. Eigentlich wollte ich die Tür nicht abschließen. Ich wollte Noah genug trauen, um mich auch ohne verschlossene Tür sicher zu fühlen. Andererseits kannte ich ihn kaum. Und auch, wenn er bisher einen vernünftigen Eindruck gemacht hatte, was war, wenn ich mich in ihm irrte? Was war, wenn Natalie doch recht hatte? Mit einem Anflug von Gewissensbissen griff ich nach dem Schlüssel und drehte ihn im Schloss.</p>



<p>Anschließend ging ich sofort ins Bett. Der Mond schien durch mein Fenster und erhellte den gesamten Raum. Mit einem Seufzen ließ ich meinen Blick über mein neues Zimmer schweifen. Es war deutlich kleiner als das bei Natalie. Auch fehlte hier ein Schreibtisch, an dem ich zeichnen und für die Uni arbeiten konnte.</p>



<p>Andererseits war das Haus bestimmt angenehmer als die Wohnung. Hier musste ich mir wenigstens keine Gedanken über nervige Nachbarn machen oder dem Ehepaar zwei Wohnungen über uns bei gewissen Aktivitäten zuhören, denen sie abends nur zu gerne nachgingen. Trotzdem würde ich Natalie schrecklich vermissen.</p>



<p>Als ich merkte, wie mir wieder Tränen in die Augen stiegen, drehte ich mich mit dem Gesicht zur Wand. Ich hatte richtig gehandelt, da war ich mir sicher. Trotzdem tat es weh. Aber Änderungen waren wohl zu erwarten, wenn man anfängt, Geister zu sehen. Jetzt lag es an mir, das Beste aus diesen Änderungen zu machen.</p>



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		<title>Luna und die Vergeltung der Geister &#8211; Kapitel 4:</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Nov 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[Luna und die Vergeltung der Geister]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Und schon sind wir bei Kapitel 4. Die Hälfte der Leseprobe haben wir hinter uns, also möchte ich an dieser Stelle fragen: Wer von euch liest denn noch mit? Wie findet ihr die Geschichte bisher? Meldet euch in den Kommentaren. Es interessiert mich wirklich. ^^ Nun aber viel Spaß beim Weiterlesen! Kapitel 4: Freitag, 03. &#8230;</p>
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<p>Und schon sind wir bei Kapitel 4. Die Hälfte der Leseprobe haben wir hinter uns, also möchte ich an dieser Stelle fragen: Wer von euch liest denn noch mit? Wie findet ihr die Geschichte bisher? Meldet euch in den Kommentaren. Es interessiert mich wirklich. ^^</p>



<p>Nun aber viel Spaß beim Weiterlesen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kapitel 4:</h2>



<p>Freitag, 03. November 2017</p>



<p>Noch immer außer Atem saßen Noah und ich nebeneinander an die Mauer gelehnt.</p>



<p>„Reicht dir das als Beweis?“, fragte Noah.</p>



<p>Ich nickte. Er hatte die ganze Zeit Recht gehabt. Noah hatte die Wahrheit gesagt. Es gibt Geister wirklich und ich kann sie sehen.</p>



<p>Meine Gedanken kreisten wie ein Karussell. Zum einen war ich erleichtert. Es bedeutete, dass ich nicht verrückt war. Alles, was ich gesehen hatte, war real. Zum anderen hatte ich Angst. Was würde das mich bedeuten? Würde ich je wieder ein normales Leben führen können? Und was war mit der Drohung der komischen Geisterfrau bei unserer Séance?</p>



<p>„Das war ziemlich leichtsinnig von dir, weißt du?“, sagte Noah.</p>



<p>Ich sah ihn fragend an.</p>



<p>„Vielleicht hätte ich dir die Regeln vorher erklären sollen, aber … Der Mann wusste nicht, dass er tot ist. Er muss also eine ziemlich verzerrte Wahrnehmung haben. Die meisten Geister finden es heraus, wenn sie ihre eigene Leiche sehen oder sie merken, dass andere Menschen sie nicht mehr sehen oder hören können. Er hingegen hat uns völlig normal angesprochen. Und das, obwohl er schon einige Jahrzehnte tot sein muss, wenn wir uns nach seiner Kleidung richten.“</p>



<p>Ich verzog das Gesicht. „Tut mir leid“, sagte ich. „Ich muss wohl noch einiges lernen.“</p>



<p>Noah nickte bloß.</p>



<p>Trotzdem war ich ihm dankbar. Ich wusste nicht, wieso er mir half. Ob er nur froh war, jemanden zu treffen, der ebenfalls Geister sehen kann, oder ob er andere Motive hatte. Aber im Moment war er der einzige Mensch, der mir helfen konnte. Der einzige Mensch, der mich <em>verstehen</em> konnte.</p>



<p>Sofort wanderten meine Gedanken wieder zu Natalie. Was würde sie sagen, wenn ich mich mit Noah anfreundete – einem Freak, wie sie ihn nannte?</p>



<p>Moment. Natalie! Ich hatte sie völlig vergessen!</p>



<p>Sofort holte ich wieder mein Handy hervor. Ich schaltete das gesplitterte Display ein. Aber als ich mit dem Finger das Muster zum Entsperren wischen wollte, passierte nichts. Sofort versuchte ich es noch einmal.</p>



<p>„So ein Mist!“, fluchte ich leise. Der Touchscreen zeigte keinerlei Reaktion.</p>



<p>„Willst du jemanden anrufen?“, fragte Noah. Er hielt mir sein entsperrtes Smartphone entgegen.</p>



<p>Ich lächelte schief. Leider kannte ich Natalies Nummer nicht auswendig. Also bot Noah mir an, mich das kurze Stück nach Hause zu begleiten.</p>



<p>Der Weg war nicht sonderlich weit. Trotzdem war ich ihm unendlich dankbar, dass ich nach allem nicht allein hier draußen rumlaufen musste.</p>



<p>„Also … Sollen wir uns morgen treffen?“, fragte Noah, als wir vor der Haustür standen. „Dann können wir über alles reden. Ich bin sicher, dass du eine Menge Fragen hast.“</p>



<p>„Gerne“, erwiderte ich. „Kennst du den Stadtpark? Ich könnte so ab 10.“</p>



<p>Noah nickte knapp. „Dann sehen wir uns um 10 beim Stadtpark.“ Er drehte sich um.</p>



<p>„Noah, warte!“, hielt ich ihn auf. Ich lächelte ihn an. „Danke.“</p>



<p>Für einen kurzen Moment sah er mich einfach nur an. Dann nickte er wieder knapp, ehe er sich auf den Weg machte.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Gerade, als ich den Schlüssel ins Schloss gesteckt hatte, um die Wohnungstür aufzuschließen, riss Natalie sie bereits von innen auf. „Wo warst du?“, fragte sie mit vorwurfsvoller Stimme. „Ich hab mir Sorgen um dich gemacht!“</p>



<p>„Ich war spazieren“, sagte ich ausweichend.</p>



<p>Natalie funkelte mich an. „Mitten in der Nacht? Ganz allein? Hast du nicht gehört, was mit dem einen Mädchen in der Nachbarschaft passiert ist?“</p>



<p>„Welches Mädchen?“, fragte ich. Ich hatte keine Ahnung, wovon sie sprach.</p>



<p>„Hier ganz in der Nähe wurde ein Mädchen tot aufgefunden!“ Natalie war sichtlich aufgebracht. „Es heißt, dass jemand ihr das Gesicht zerschnitten hat!“</p>



<p>Ich starrte sie mit großen Augen an. Davon hatte ich überhaupt nichts mitbekommen.</p>



<p>„Es war vorhin in den Nachrichten“, erklärte sie jetzt ruhiger. Der vorwurfsvolle Ton blieb jedoch. „Was denkst du, was ich mir für Sorgen gemacht hab, als du plötzlich nichts mehr gesagt hast?“</p>



<p>Ich wich ihrem Blick aus. „Tut mir leid“, sagte ich kleinlaut. „Ich hab mein Handy geschrottet. Es ist mir aus der Hand gerutscht. Außerdem war ich nicht allein. Aber kann ich bitte erst einmal reinkommen?“</p>



<p>Während ich mir die Schuhe auszog, dachte ich fieberhaft darüber nach, was ich Natalie sagen sollte. Aber mein Kopf war leer wie ein weißes Blatt Papier.</p>



<p>„Also?“, drängte Natalie auf dem Weg zum Sofa. Jetzt klang sie mehr neugierig als vorwurfsvoll. „Was heißt, du warst nicht allein? War Finn bei dir? War er deshalb nicht auf der Party?“</p>



<p>Die Frage überraschte mich. Für Finn hatte ich in meinem Kopf gerade wirklich keinen Platz mehr. „Nein.“ Ich schnaufte verächtlich. „Wenn der Typ sich nicht bei mir entschuldigt, ist er für mich gestorben.“</p>



<p>Natalie wartete einen Moment. Wahrscheinlich hoffte sie, dass ich weiterredete. „Also nicht Finn“, hakte sie schließlich nach. „Mit wem hast du dich dann getroffen?“</p>



<p>Ich rückte meine Brille zurecht, räusperte mich. Doch die Worte kamen mir einfach nicht über die Lippen.</p>



<p>Natalie legte mir eine Hand aufs Knie. „Du weißt, dass du mit mir über alles reden kannst“, ermutigte sie mich. Dann fügte sie zögerlich hinzu: „Oder … war die Person nicht real?“</p>



<p>Überrascht wandte ich den Kopf zu ihr um. Erst jetzt fiel mir auf, wie verrückt ich die letzten Tage geklungen haben musste. „Doch“, sagte ich dann schnell. „Doch, er ist real.“</p>



<p>„Er?“ Natalie zog die Augenbrauen nach oben und spitzte leicht den Mund. „Ein anderer <em>Er</em> als Finn?“</p>



<p>Wieder wich ich ihrem Blick aus. Ich räusperte mich noch einmal. „Ich hab mich mit Noah getroffen“, brachte ich endlich hervor. „Aber nicht so. Also es war kein Date oder sowas.“</p>



<p>Natalie blinzelte einige Male. „Mit Noah? Mit <em>dem</em> Noah?“, fragte sie.</p>



<p><em>‚Mit dem Freak?‘</em> Sie sprach es zwar nicht aus, aber ich konnte es deutlich in ihrem Unterton hören.</p>



<p>„Ich wusste nicht einmal, dass ihr euch kennt.“</p>



<p>„Tun wir auch nicht“, gestand ich. „Also nicht wirklich, aber … ich hatte meine Gründe.“</p>



<p>Natalie schnaubte. „Das müssen aber verdammt gute Gründe gewesen sein. Habt ihr euch wenigstens irgendwo getroffen, wo noch andere Leute waren? Ich habe Gerüchte über ihn gehört …“</p>



<p>Der Mord. Klar. Ich rollte mit den Augen. Weil man ja auch alles glauben konnte, was man auf dem Campus hört. Auf einmal fühlte ich mich an mich selbst erinnert. An die Zeit auf dem ersten Gymnasium. Damals hatte es auch Gerüchte über mich gegeben.</p>



<p>„Oh“, sagte ich also. „Ich wusste nicht, dass <em>du</em> ihn näher kennst.“ Eine lang vergessene Wut brodelte in mir hoch. „Oder wieso glaubst du sonst jedes Gerücht, das du aufschnappst? Liegt es daran, dass er Piercings trägt? Sich die Haare schwarz färbt? Wenn du es genau wissen möchtest: Wir haben uns auf einem Friedhof getroffen. Aber das war allein meine Idee. Und nein, ich hatte keine Angst vor ihm. Er hat mir nämlich geholfen!“ Ehe ich vor Natalie in Tränen ausbrechen oder etwas sagen konnte, das ich später bereuen würde, sprang ich auf. Ich rannte auf direktem Weg in mein Zimmer.</p>



<p>Natürlich folgte Natalie mir. Aber ich hatte die Tür abgeschlossen, ehe sie die Klinke runtergedrückt hatte. „Luna“, rief sie. Sie schlug mit der flachen Hand gegen das Holz. „Mach die Tür auf. Bitte.“</p>



<p>Aber ich hatte es satt. Ich hatte es satt, dass meine beste Freundin alle nach ihrem Äußeren beurteilte. Hatte es satt, dass jeder als Freak abgestempelt wurde, nur weil er oder sie anders war.</p>



<p>Ja, ich kannte Noah nicht. Und vielleicht war er ein Freak. Aber das konnte ich nicht wissen, ohne ihn näher zu kennen. Alles, was ich wusste, war, dass ich ohne ihn wahrscheinlich den Verstand verloren hätte. Ich wäre zu der Psychiaterin gegangen, die mir irgendwelche nutzlosen Medikamente verschrieben hätte. Die Geister wären nicht verschwunden und ich wäre irgendwann vermutlich eingewiesen worden.</p>



<p>Noah hingegen hatte uns nie etwas getan, wofür man ihn verachten durfte. Das einzig <em>wirklich</em> Seltsame an ihm war, dass er Geister sehen konnte. Und davon wusste so gut wie niemand.</p>



<p>Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis Natalie endlich aufgab. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Andererseits wusste ich, dass ich das Gefühlschaos in meinem Inneren auf keinen Fall an ihr auslassen wollte. Also legte ich mich ins Bett, zog mir die Decke über den Kopf und stand nicht mehr auf, bis ich irgendwann einschlief.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Morgen fehlte von Natalie jede Spur. Ihre Zimmertür stand offen, aber sie war nicht da. Wahrscheinlich hatte sie bei jemand anderem übernachtet oder war zurück zur Party gegangen und schlief jetzt irgendwo ihren Rausch aus.</p>



<p>Aber das konnte mir nur recht sein. So konnte ich mich mit Noah treffen, ohne ihr vorher sagen zu müssen, wo ich hinwollte.</p>



<p>Etwa eine halbe Stunde später saß ich frisch geduscht und mit vollem Magen auf dem Fahrrad. Diesmal war ich vor Noah da. Ich lehnte mein Fahrrad an eine Straßenlaterne, um mich auf die Bank daneben zu setzen. Anschließend kramte ich mein Handy hervor, nur um es mit einem Blick auf den kaputten Bildschirm wieder in meine Tasche zu stecken.</p>



<p>Stattdessen sah ich mich jetzt um. Im Park war fast nichts los. Dort waren nur zwei Männer, die mit einem Kind auf einer Picknickdecke saßen, und einige Menschen mit ihren Hunden. Zum Glück war kein größerer Hund dabei.</p>



<p>„Hey, bitte erschrick nicht wieder“, ertönte plötzlich eine Stimme neben mir.</p>



<p>Ich zuckte zusammen. Ich hatte niemanden kommen hören. Als ich mich umwandte, wusste ich, warum: Es war Zoe.</p>



<p>Das war das erste Mal, dass ich sie aus der Nähe sah. Ihre hellbraunen Haare waren leicht zerzaust. Sie hatte eine mollige Figur, die ihr wirklich gut stand, und ein hübsches Gesicht mit grau-blauen Augen.</p>



<p>Trotz ihres etwas rebellischen Auftretens mit ihrer zerrissenen Jeans und dem schwarzen, wenn auch stellenweise abgeblätterten Nagellack sah sie aus wie ein Mensch, mit dem ich gerne befreundet wäre.</p>



<p>Nur, dass sie kein Mensch war. Den fehlenden Schatten bemerkte ich jetzt sofort. Wenn man genauer hinsah, konnte man sogar leicht durch sie hindurchsehen. Aus der Ferne hätte ich es aber wahrscheinlich nicht bemerkt.</p>



<p>Ich merkte, dass ich sie anstarrte. Schnell räusperte ich mich. „Du bist Zoe, oder?“</p>



<p>Zoe lächelte, während sie nickte. Dann wurde ihr Gesicht wieder ernst. „Tut mir leid, dass ich dich erschreckt habe. Ich wollte nur wissen, ob du mich tatsächlich sehen kannst.“ Mir fiel auf, wie weit entfernt ihre Stimme klang. Eher als stünde sie einige Meter weiter weg. Trotzdem konnte ich sie problemlos verstehen. „Bin ich schuld daran, dass dein Freund mit dir Schluss gemacht hat?“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Das lag vielmehr daran, dass ich Geister sehen kann. Meine Freunde denken alle, dass ich den Verstand verliere.“</p>



<p>Zoe musterte mich mit leicht gerunzelter Stirn. „Du hast es ihnen erzählt?“ Dann wurde ihr Gesicht traurig. „Ich hab Noah damals auch kein Wort geglaubt, als er es mir gestanden hat. Und da waren wir schon fast zwei Jahre zusammen gewesen. Gib ihnen etwas Zeit.“</p>



<p>Zusammen? Zoe war mit Noah in einer Beziehung gewesen?</p>



<p>Ich räusperte mich, um meine Überraschung zu überspielen. „Aber du hast ihm nicht gesagt, dass er zu einem Psychiater gehen muss, wenn ihr zusammenbleiben wollt, oder?“</p>



<p>Zoe verzog das Gesicht. „Autsch.“</p>



<p>Meine Gedanken wanderten zu Finn. Als ich merkte, wie der Kloß in meinem Hals zurückkam, sprach ich schnell weiter. „Und ich doofe Nuss hab mich fast darauf eingelassen. Aber woher hätte ich auch wissen sollen, dass die Menschen, die ich plötzlich sehen kann, in Wirklichkeit tot sind?“</p>



<p>Zoe zog die Augenbrauen zusammen. Wieder musterte sie mich. „Du kannst sie nicht seit deiner Geburt sehen? Uns Geister, meine ich?“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. Dann gab ich ihr eine Kurzfassung der letzten Tage: Wie es zum ersten Mal bei der Séance passiert war. Wie ich dachte, dass ich meinen Verstand verlieren. Und wie schließlich Noah zu mir gekommen und mit mir auf den Friedhof gegangen war. Auch gestand ich ihr, dass ich ohne ihn völlig verloren gewesen wäre.</p>



<p>Zoe hörte sich alles aufmerksam an. „Wow, das ist ganz schön heftig“, sagte sie. In ihren Augen lag Mitleid. „Also haben alle gleichzeitig davon erfahren? Noah hat es nie jemandem erzählt. Nicht einmal seiner Familie. Soweit ich weiß, bist du neben mir der einzige Mensch, der davon weiß.“ Sie sah an sich herab. „Und ich zähle nicht einmal mehr wirklich.“ Ein trauriges Lächeln spielte über ihre Lippen.</p>



<p>Er hatte es nie jemandem erzählt? Und dann kam er damit zu mir? Einer völlig Fremden? Das überraschte mich. Um ehrlich zu sein, fühlte ich mich sogar etwas geehrt.</p>



<p>Auf einmal guckte Zoe sehr ernst. „Aber ich bin aus einem anderen Grund hier“, gestand sie. „Ich brauche deine Hilfe.“</p>



<p>„Luna?“, ertönte Natalies Stimme neben uns.</p>



<p>Zoe und ich fuhren gleichzeitig herum. Wie lange stand sie schon da?</p>



<p>Natalie sah mich entsetzt an. Sie trug dieselbe Kleidung wie gestern. Erst schien sie zu überprüfen, ob ich bloß telefonierte. „Mit wem redest du?“, fragte sie dann mit geweiteten Augen, während sie sich etwas zu hastig umsah.</p>



<p>Mein Gesicht wurde heiß. „N-Natalie“, stammelte ich. „Ich kann das erklären!“</p>



<p>Ihr Atem ging jetzt schnell und stoßweise. „Vielleicht hat Finn recht. Vielleicht solltest du wirklich zu dem Psychiater gehen.</p>



<p>Ich schluckte schwer, suchte nach irgendeiner Ausrede. Aber mir fiel nichts ein. Also blieb nur eine Sache übrig: die Wahrheit.</p>



<p>„Es sind Geister!“, platzte ich hervor.</p>



<p>„Was?“ Natalie entglitten ihre Gesichtszüge.</p>



<p>„Die Menschen, die ich mir eingebildet habe. Es sind in Wirklichkeit Geister! Seit dem Ouija-Vorfall kann ich …“</p>



<p>Aber Natalie hörte mir gar nicht richtig zu. Sie taumelte einige Schritte zurück. „Hörst du dich selbst überhaupt reden?“, fragte sie den Tränen nahe. „Du klingst wie eine Wahnsinnige! Finn hat recht: So kann das nicht weitergehen! Entweder, du suchst dir einen Psychiater oder eine neue Wohnung und eine neue beste Freundin!“</p>



<p class="has-text-align-center"><a href="https://www.geister-und-legenden.de/luna-leseprobe-5"><strong>Weiter zu Kapitel 5:</strong></a></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Das war Kapitel 4. Wie immer hoffe ich, dass es euch gefallen hat und möchte darauf hinweisen, dass ihr Kapitel 5 bereits jetzt auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a> lesen könnt.</p>



<p>Nun aber zu den Fragen: Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr plötzlich Geister sehen könntet? Würdet ihr es geheimhalten? Oder euren Freunden davon erzählen? Und wie hättet ihr an Natalies Stelle reagiert, wenn ihr Luna mit der Luft reden gesehen/gehört hättet? Schreibt es in die Kommentare!</p>


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<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/luna-leseprobe-4">Luna und die Vergeltung der Geister &#8211; Kapitel 4:</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Luna und die Vergeltung der Geister &#8211; Kapitel 3:</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Nov 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[Luna und die Vergeltung der Geister]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Willkommen zurück zum dritten Kapitel von Luna. Ich hoffe, euch haben die bisherigen Kapitel gefallen und wünsche euch viel Spaß beim Lesen! Kapitel 3: Freitag, 03. November 2017 Ich starrte Noah mit offenem Mund an. Geister? Meinte er die Leute, die ich gesehen hatte? Woher wusste er davon? „Ihr habt eine Séance mit einem Ouija-Brett &#8230;</p>
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<p>Willkommen zurück zum dritten Kapitel von Luna. Ich hoffe, euch haben die bisherigen Kapitel gefallen und wünsche euch viel Spaß beim Lesen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kapitel 3:</h2>



<p>Freitag, 03. November 2017</p>



<p>Ich starrte Noah mit offenem Mund an. Geister? Meinte er die Leute, die ich gesehen hatte? Woher wusste er davon?</p>



<p>„Ihr habt eine Séance mit einem Ouija-Brett abgehalten, woraufhin dir eine Frau erschienen ist, die die anderen nicht sehen konnten“, fuhr er unbeirrt fort. „Stimmt das?“</p>



<p>Mir wurde schwindelig. „Woher weißt du davon?“, fragte ich.</p>



<p>Noah zuckte mit den Schultern. „Alle reden darüber. Über dich. Das Mädchen, das bei einer Séance an Halloween völlig durchgedreht ist. Es hat allerdings etwas gedauert, bis ich rausgefunden habe, wer dieses Mädchen ist.“</p>



<p>Ich funkelte ihn wütend an, während ich nach meinem Tablett griff. Als ich gerade aufstehen wollte, stellte Noah sich mir jedoch in den Weg. „Warte. Das kam falsch rüber. Tut mir leid. Ich bin nicht hier, um mich über dich lustig zu machen. Ich will dir helfen.“</p>



<p>„Helfen?“, fragte ich. Ich legte möglichst viel Skepsis in meine Stimme. „Wobei kannst du mir schon helfen?“</p>



<p>Noah atmete tief durch. Es schien ihn Überwindung zu kosten. Dann zog er ein Foto aus seiner Tasche und hielt es mir entgegen. Es zeigte Zoe. Sie saß in einem schwarzen Sommerkleid auf einer Schaukel und lächelte breit in die Kamera. „Hast du von ihr gehört?“</p>



<p>Es fühlte sich an, als würde der Stuhl unter mir mehrere Meter absacken. Ich rückte meine Brille zurecht, versuchte, mir nichts anmerken zu lassen. „Das Mädchen, das sich umgebracht hat?“, fragte ich. „Was ist mit ihr?“</p>



<p>Noahs Augen weiteten sich. Nur für den Bruchteil einer Sekunde, aber ich hatte es bemerkt. „Umgebracht?“, fragte er. „Das stimmt nicht! Wir hatten einen Unfall!“</p>



<p>Wir? Kannte er sie etwa? War er bei ihr gewesen, als es geschah?</p>



<p>Ehe ich jedoch weiter nachhaken konnte, tippte Noah mit dem Zeigefinger auf das Bild. „Also. Hast du sie gesehen? In letzter Zeit, meine ich. Hier in der Uni? Oder vielleicht auf dem Campus?“</p>



<p>Säße ich nicht bereits auf einem Stuhl, hätte ich mich jetzt setzen müssen. Das konnte er gar nicht wissen. Die Einzigen, denen ich davon erzählt hatte, waren Natalie und Finn gewesen. Hatte Finn es etwa weitererzählt!?</p>



<p>Noah ließ sich von meinem schockierten Gesichtsausdruck nicht beirren. „Sie trägt ein weißes Sweatshirt, ihre zerrissene Jeans und die Winterstiefel, die ich ihr zu Weihnachten geschenkt habe, nicht wahr?“</p>



<p>Ich musste nicht einmal darüber nachdenken. Zoes Erscheinung – zuerst hier auf dem Campus und dann in meinem Zimmer – hatte sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Er hatte sie genau beschrieben. Das Problem war nur: So genau hatte ich niemandem von ihr erzählt. Nicht einmal Finn oder Natalie. Noah konnte davon also gar nichts wissen. Er konnte es nicht wissen, außer … Außer er war nur in meinem Kopf.</p>



<p>Mein Atem ging schnell und stoßweise. „Nein. Nein!“, sagte ich, während ich langsam aufstand. „Du bist nicht real, oder? Du bist nur in meinem Kopf.“</p>



<p>Aber ehe ich mich an Noah vorbeidrängeln konnte, hielt er mich zurück. Er sah aus, als wolle er etwas sagen. Dann klatschte er plötzlich laut in die Hände. „Hey!“, rief er.</p>



<p>Die Leute an den umliegenden Tischen drehten sich sofort zu uns um. Also hatten sie ihn auch gehört. Langsam setzte ich mich wieder.</p>



<p>Vielleicht irrte ich mich, aber Noahs sonst so blasses Gesicht schien eine rosa Farbe angenommen zu haben. Er räusperte sich. „Siehst du? Ich bin kein Geist“, sagte er, während er sich mir gegenübersetzte.</p>



<p>Ich saß mit halboffenem Mund da. Mein Kopf fühlte sich an, als wäre er voller Watte. „Aber … Wenn du real bist, woher weißt du dann, was Zoe anhat?“, sprach ich meinen nächsten Gedanken laut aus.</p>



<p>„Du meinst abgesehen davon, dass ich bei ihr war, als sie starb?“</p>



<p>Daran hatte ich noch nicht gedacht. Aber selbst, wenn das stimmte, woher wusste <em>ich</em> dann, was sie bei ihrem Tod anhatte?</p>



<p>Noah zuckte mit den Schultern. „Ich kann sie auch sehen“, ergänzte er.</p>



<p>Die Worte trafen mich wie ein Schlag ins Gesicht. Ich starrte ihn fassungslos an.</p>



<p>„Also“, fuhr er unbeirrt fort. „Hat der Geist bei der Séance wirklich ‚stirb‘ zu dir gesagt?“</p>



<p>Bei der Erinnerung musste ich schlucken. Bei allem, was die letzten Tage passiert war, hatte ich das völlig vergessen. „Sterbt“, sagte ich. „Sie hat das Wort ‚sterbt‘ auf dem Brett gebildet.“</p>



<p>Für einen kurzen Moment schwiegen wir beide.</p>



<p>„Und du kannst wirklich den Geist von Zoe sehen?“, fragte ich schließlich.</p>



<p>Noah nickte. „Aber nicht nur den von Zoe. Auch die anderen.“</p>



<p>Meine Augen weiteten sich. Die anderen? Hieß das …? Konnte es sein, dass ich mir die Frau oder den Hund gar nicht eingebildet hatte? Waren es in Wirklichkeit Geister?</p>



<p>„Du hältst mich für verrückt, oder?“, fragte Noah. Er lächelte schwach.</p>



<p>„Du … Ich …“, stammelte ich. Ich holte tief Luft, um mich zu sammeln. „Ich habe Angst, dass <em>ich</em> verrückt bin.“</p>



<p>Noah musterte mich. „Möchtest du einen Beweis, dass du es nicht bist?“</p>



<p>Ich sah ihn überrascht an. „Wie willst du das beweisen?“, fragte ich.</p>



<p>Er zuckte mit den Schultern. „Wir könnten einen Geist suchen. Dann siehst du ja, dass wir beide dasselbe sehen.“</p>



<p>Ein kleiner Funken Hoffnung entflammte in meinem Inneren. „Das könnte funktionieren“, sagte ich. „Aber … woher wissen wir, dass wir einen Geist sehen und keinen echten Menschen? Bisher sahen die ‚Geister‘ für mich jedenfalls ziemlich normal aus.“</p>



<p>„Das ist einfach“, erklärte Noah. „Sie haben keinen Schatten.“ Er sagte das, als wäre es für ihn das Normalste der Welt. „Außerdem sind manche von ihnen verschwommen oder durchsichtig. Von denen sollten wir uns allerdings fernhalten.“</p>



<p>Kurz überlegte ich, ihn nach dem Warum zu fragen. Aber nein. Eins nach dem Anderen. „Also gut. Dann müssen wir jetzt nur noch einen Geist finden. Weißt du zufällig, wo Zoe sich zurzeit aufhält?“</p>



<p>„Nein!“ Die Antwort kam etwas schnell. Für den Bruchteil einer Sekunde sah Noah erschrocken aus. „Das geht nicht“, erklärte er dann wieder ruhig. „Die Sache zwischen Zoe und mir ist … kompliziert. Wir müssen einen anderen Geist suchen.“</p>



<p>Kurz musterte ich ihn. Sein Gesicht verriet nichts über seine Gefühlslage. Ich entschied, nicht weiter nachzufragen. Stattdessen dachte ich über Geister nach. Wo konnte man einen Geist finden? „Wie wäre es mit einem Friedhof?“, schlug ich vor. Es war das Erstbeste, was mir eingefallen war.</p>



<p>Noah grinste breit. „Und die Leute nennen mich einen Freak.“</p>



<p>Beschämt wich ich seinem Blick aus. Auf einmal kam mir der Vorschlag unglaublich dumm vor.</p>



<p>„Aber warum nicht?“, fuhr Noah fort. „Es könnte funktionieren. Hast du heute Abend schon was vor?“</p>



<p>Es war, als wäre mir jetzt aufgefallen, was ich da tatsächlich vorgeschlagen hatte. Ich würde mitten in der Nacht auf einen Friedhof gehen, um einen Geist zu suchen. „Heute Abend?“, wiederholte ich, um von meinem Schock abzulenken. „Da bin ich auf einer Party.“ Dann fiel mir ein, dass Finn mich auf die Party eingeladen hatte. „Weißt du was? Ich lass die Party ausfallen. Das hier ist wichtiger.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Den restlichen Tag war ich sehr nervös. Trotzdem verging die Zeit wie im Flug. Ich saß den gesamten Nachmittag an einer Aufgabe für die Uni. Wir hatten die Aufgabe bekommen, mehrere Gebäude zu skulptieren, die das Wort ‚Sitzen‘ verkörperten.</p>



<p>Tatsächlich hatte mich die Aufgabe so sehr eingenommen, dass ich die Zeit völlig vergessen hatte. Erst als Natalie an meine Tür klopfte, merkte ich, wie spät es war. Natürlich hatte ich ihr gesagt, dass ich keine Lust hatte, mit ihr auf die Party zu gehen. Sie dachte aber wahrscheinlich, dass es an Finn lag. Den Friedhof hatte ich ihr verheimlicht.</p>



<p>„Hey Lu. Ich fahr jetzt los“, sagte sie, während sie in der Tür stand. Ihr Gesicht glänzte vor Schminke. „Falls irgendetwas ist, kannst du mich jederzeit anrufen.“</p>



<p>„Ist gut. Viel Spaß“, sagte ich. Ich lächelte sie an. „Trink nicht zu viel und … Danke.“</p>



<p>Natalie erwiderte das Lächeln. Sie zwinkerte. „Und du sitz nicht den ganzen Abend an dem Unikram. Bis später!“</p>



<p>Ich hörte zu, wie sie durch den Flur ging, ihre Jacke und Schuhe anzog und durch die Wohnungstür verschwand. Fünf Minuten später machte auch ich mich auf den Weg.</p>



<p>Noah war bereits beim Friedhof. Er stand im Licht einer einzelnen Laterne an den Zaun gelehnt und sah mir entgegen.</p>



<p>„Du bist spät dran“, begrüßte er mich.</p>



<p>„Sorry. Ich musste erst meine Mitbewohnerin abwimmeln“, erklärte ich. „Ich hoffe, du wartest noch nicht allzu lange?“</p>



<p>Noah zuckte mit den Schultern. „Das macht mir nichts aus. Ich bin es gewohnt, allein zu sein.“</p>



<p>Ich biss mir auf die Unterlippe. Aus der Schulzeit – bevor ich Natalie kennengelernt hatte – wusste ich noch gut, wie es sich anfühlte, immer allein zu sein. Es tat mir leid, dass ich ihn hatte warten lassen.</p>



<p>„Wollen wir dann?“, fragte Noah. Er schien keinen weiteren Gedanken daran zu verschwenden. „Wir müssen allerdings einen kleinen Umweg über den Zaun nehmen.“</p>



<p>Irritiert warf ich einen Blick zum Eingangstor. Eine dicke Kette mit Vorhängeschloss hing davor. Verdammt.</p>



<p>„Ich wusste nicht, dass der Friedhof nachts geschlossen wird“, sagte ich.</p>



<p>Aber als ich wieder zu Noah sah, war er bereits dabei, über den Zaun zu klettern. Ich unterdrückte ein Fluchen. Anschließend sah ich verstohlen die Straße entlang, ehe ich ihm mit einem flauen Gefühl in der Magengegend folgte. Ich war noch nie irgendwo eingebrochen …</p>



<p>Zu meiner Erleichterung waren die speerartigen Spitzen auf dem Friedhofszaun stumpf, sodass wir ohne allzu große Schwierigkeiten auf die andere Seite klettern konnten.</p>



<p>„Ganz schön dunkel hier“, flüsterte ich. Natürlich waren die Laternen auf dem Friedhof nach den Öffnungszeiten ausgeschaltet.</p>



<p>Noah schaltete als Antwort die Taschenlampe auf seinem Handy ein.</p>



<p>„Bist du verrückt?“, zischte ich ihm zu. „Wir sind noch viel zu dicht an der Straße. Was, wenn uns jemand sieht?“</p>



<p>„Dann rennen wir halt weg“, erwiderte Noah. Trotzdem schaltete er die Taschenlampe wieder aus und nutzte stattdessen sein Handydisplay, um uns zu leuchten.</p>



<p>„Danke“, flüsterte ich.</p>



<p>Noah erwiderte nichts, also gingen wir schweigend nebeneinanderher.</p>



<p>Der Friedhof war mir bei Nacht unheimlich. Im schwachen Licht von Noahs Display wirkten die Grabsteine wie kleine Gestalten, die uns aus der Dunkelheit tadelnd beobachteten. Bei jedem Knirschen, das meine Füße auf dem Kiesboden machten, fühlte ich mich, als würde ich die Totenruhe der schlafenden Seelen stören. Und selbst der schwache Wind, der um unsere Ohren säuselte, kam mir vor, als würde er mir leise zuflüstern.</p>



<p>Noah hingegen wirkte völlig unbeeindruckt.</p>



<p>„Findest du das nicht gruselig?“, fragte ich leise.</p>



<p>Noah sah mich überrascht an. „Den Friedhof?“, fragte er. „Das war doch deine Idee.“</p>



<p>Ich verzog das Gesicht. Leider machte das die Umgebung nicht weniger gruselig. „Meinst du, wir sind jetzt weit genug von der Straße weg?“, fragte ich.</p>



<p>Kurz wirkte Noah irritiert. Dann aber verstand er meine Andeutung. Er schaltete die Taschenlampe an seinem Handy wieder ein. Ich tat es ihm gleich.</p>



<p>Meine Freude über das bessere Licht war jedoch nur von kurzer Dauer. Es änderte an dem Gruselfaktor erstaunlich wenig. Nicht nur, dass es nicht so hell war, wie ich gehofft hatte, jetzt erinnerte mich die ganze Situation auch noch an einen Found-Footage-Horrorfilm, den ich erst vor einigen Wochen gesehen hatte. Außerdem warfen die Grabsteine im Schein unserer Handytaschenlampen gespenstische Schatten.</p>



<p>Nachdem wir noch einen Moment nebeneinander hergegangen waren, bog Noah zielstrebig in eine der Gräberreihen ab, als wisse er genau, wo er hinwolle.</p>



<p>Wir verließen den Kiesboden. Stattdessen hatten wir jetzt Gras, weiche Erde und knirschendes Laub unter den Füßen. Auch sah ich im Schein unserer Handylampen Blumen auf den Gräbern, die einen angenehmen Duft verströmten. Er vermischte sich mit dem modrigen Geruch nach Erde.</p>



<p>Im nächsten Moment wurde Noah langsamer. Er leuchtete eines der Gräber an. Es wirkte ungepflegt. Zwar wuchsen auch dort Blumen, zwischen ihnen hatte sich aber jede Menge Unkraut angesammelt. Und auch der Grabstein wirkte dreckiger, als hätte man ihn schon lange nicht mehr geputzt.</p>



<p>„Danach hab ich gesucht“, erklärte Noah. Er leuchtete die Inschrift an, sodass auch ich sie gut lesen konnte.</p>



<p>‚Hier ruhen sechs unbekannte Tote, die Opfer eines Häuserbrandes wurden. Möge Gott ihre Seelen beschützen.‘</p>



<p>Ich sah Noah mit großen Augen an. „Du denkst, dass einer der sechs zu einem Geist geworden ist?“, fragte ich.</p>



<p>Noah schüttelte den Kopf. „Nicht unbedingt einer der sechs, sondern irgendeiner der unbekannten Toten.“ Jetzt leuchtete er die Gräber dahinter an. Sie waren allesamt in einem ähnlichen Zustand. Und auch die Inschriften auf ihren Grabsteinen sprachen von unbekannten Toten. „Was würdest du tun, wenn du nach deinem Tod nicht einmal identifiziert werden konntest? Also meiner Seele würde das keine Ruhe lassen.“</p>



<p>Ich strahlte Noah an. Auf die Idee wäre ich niemals gekommen. Aber bevor ich Noah dafür loben konnte, klingelte plötzlich mein Handy. Vor Schreck hätte ich es fast fallen lassen. Es war Natalie. Was wollte sie?</p>



<p>„Sorry, da muss ich rangehen“, sagte ich schnell. Ich schaltete die Taschenlampe aus und tippte auf den grünen Hörer.</p>



<p>„Wo bist du?“, meldete sich Natalie, ehe ich auch nur ein Wort sagen konnte. In ihrer Stimme schwang eine Mischung aus Vorwurf und Neugierde mit.</p>



<p>„Was meinst du?“, fragte ich, um etwas Zeit zu gewinnen. Was sollte ich sagen?</p>



<p>„Ich bin gerade nach Hause gekommen“, erklärte Natalie. „Ich dachte mir schon, dass du nur nicht mit auf die Party wolltest, weil Finn auch da ist. Aber er kommt nicht. Also wollte ich schnell zurück nach Hause fahren, um dir Bescheid zu sagen, aber von dir fehlt jede Spur.“</p>



<p>Meine Gedanken rasten. Wie konnte ich ihr schonend beibringen, dass ich auf einem Friedhof war, um nach Geistern zu suchen? Und dann auch noch mit Noah, von den sie nun wirklich nichts zu halten schien?</p>



<p>Meine Entscheidung, was ich erwidern sollte, wurde mir jedoch von einer strengen Stimme hinter mir abgenommen: „Was macht ihr hier?“, fragte eine kratzige Männerstimme.</p>



<p>Ich zuckte so doll zusammen, dass mir mein Smartphone aus der Hand rutschte. Es schlug mit einem Knall auf den Boden, als wäre es auf etwas Hartem gelandet. Im Moment hatte ich jedoch andere Sorgen. Schnell drehte ich mich um.</p>



<p>Die Gestalt, die sich an uns herangeschlichen hatte, konnte ich nur als merkwürdig bezeichnen. Es war ein alter Mann mit wirrem grauem Haar und ungepflegten Bartstoppeln. Seine Kleidung war alt und abgetragen. Das wohl Merkwürdigste an ihm war aber die angerostete Schaufel, die er über die Schulter trug. Was hatte er damit vor?</p>



<p>„Wir … Wir wollten nur …“, stammelte ich.</p>



<p>Aber der Mann ließ mich nicht zu Wort kommen. „Ihr glaubt also, dass ihr herkommen und meine Gräber ausplündern könnt, wie?“, schrie er uns an. Seine Unterlippe zuckte nervös, während er mit wahnsinnigem Blick zwischen Noah und mir hin- und hersah. Nun nahm er die Schaufel in beide Hände, als wolle er uns gleich damit erschlagen.</p>



<p>„Wie bitte?“, fragte ich entsetzt. „Die Gräber ausplündern? Nein, wir sind nur …“</p>



<p>Aber der Mann schien nicht vorzuhaben, mir zuzuhören. „Grabräuber! Diebe!“, schrie er, während er mit der Schaufel fuchtelte. „Am Strick werdet ihr hängen!“</p>



<p>Die gesamte Situation kam mir unreal vor. Trotzdem schrillten in mir alle Alarmglocken. Der Mann war völlig wahnsinnig. Ich musste mir schnell etwas einfallen lassen!</p>



<p>„Wir …“, begann ich.</p>



<p>Diesmal fiel Noah mir ins Wort. „Luna!“, zischte er. Er streckte demonstrativ sein Smartphone aus, um den Boden anzuleuchten.</p>



<p>Ich folgte dem Licht mit den Augen bis zu den Füßen des Mannes. Jetzt sah ich es auch: Seine Beine warfen keine Schatten. Das Licht leuchtet einfach durch ihn hindurch.</p>



<p>Jetzt übernahm Noah das Reden. Er hob beschwichtigend seine Hände. „Ich weiß, wie es aussehen muss, aber Ihr habt mein Wort, dass wir keine Grabräuber sind!“, erklärte er. Der Mann ließ ihn reden. „Ehrlich gesagt ist es etwas albern, aber wir sind auf den Friedhof gekommen, um einen Geist zu suchen.“</p>



<p>Besagter Geist runzelte die Stirn. „Einen Geist? Pah!“, schrie er verächtlich. „Ihr seht aus, als wärt ihr bereits im heiratsfähigen Alter. Da wollt ihr noch an Ammenmärchen glauben?“</p>



<p>Mit zittrigen Knien tat ich einen Schritt auf Noah zu. Mein Fuß trat auf etwas Hartes. Mein Smartphone. Plötzlich hatte ich eine Idee.</p>



<p>„He! Was tust du da?“, fragte der Totengräber misstrauisch, als ich mich bückte.</p>



<p>Ich ignorierte ihn. Stattdessen wischte ich den Dreck von meinem Handy. Das Display war gesplittert, aber das dürfte nicht weiter stören. „Wissen Sie, was das ist?“, fragte ich ihn, während ich vorsichtig einen Schritt auf den Totengräber zuging. Ich hielt ihm mein Handy entgegen.</p>



<p>Er kniff die Augen zusammen, als habe er Schwierigkeiten, im Halbdunkel etwas zu sehen, während er das Smartphone betrachtete.</p>



<p>„Luna, nicht!“, unterband Noah meinen Erklärungsversuch. Schnell ließ ich die Hand mit dem Handy sinken. Ich sah ihn überrascht an.</p>



<p>Noah schüttelte langsam den Kopf. Dann formte er stumm mit den Lippen ein Wort: „Lauf!“</p>



<p>„Was?“, erwiderte ich. Konnte man vor Geistern überhaupt weglaufen? In den Filmen tauchten sie dann plötzlich wieder direkt vor den Charakteren auf.</p>



<p>Aber Noah ließ mir keine Zeit, darüber nachzudenken. Als er sah, dass ich zögerte, packte er mich am Handgelenk und zog mich mit sich.</p>



<p>Gemeinsam sprinteten wir zurück Richtung Straße. Dabei hielt ich mich dicht an Noah. Erst, als wir den Zaun erreicht hatten, ließ er mein Handgelenk los. Anschließend half er mir mit einer Räuberleiter über den Zaun, bevor er mir nach kletterte.</p>



<p>Erst jetzt wagte ich einen Blick zurück. Vom Totengräber fehlte jede Spur. Trotzdem blieben Noah und ich nicht stehen.</p>



<p>Einige Straßen weiter wurde ich schließlich langsamer. Meine Lungen brannten. Ich spürte deutlich, wie mein Hals sich zuschnürte. Denn leider waren die Geister, die ich plötzlich sehen konnte, nicht mein einziges Problem.</p>



<p>„Alles in Ordnung?“ Noah sah mich besorgt an, während ich vorgebeugt dastand.</p>



<p>Ich stützte mich mit einer Hand an einer Mauer ab.</p>



<p>„Asthma“, keuchte ich nur.</p>



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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Das war Kapitel 3 und somit die erste Hälfte meiner Leseprobe. Wenn ihr Kapitel 4 jetzt schon lesen wollt (und Lust auf meinen Discord Server inkl. Live-Lesungen) habt, schaut doch mal auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a> vorbei! </p>



<p>Hättet ihr euch getraut, nachts auf einen Friedhof zu gehen, wenn ihr in Lunas Situation gewesen wärt? Wie hättet ihr euch dem Geist gegenüber verhalten? Schreibt es in die Kommentare!</p>


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		<title>Luna und die Vergeltung der Geister &#8211; Kapitel 2:</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Nov 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[Luna und die Vergeltung der Geister]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie versprochen gibt es heute das zweite Kapitel von meinem geplanten Roman &#8222;Luna und die Vergeltung der Geister&#8220;. Viel Spaß! Kapitel 2: Mittwoch, 01. November 2017 Heute wäre ich am liebsten den ganzen Tag zuhause geblieben, um nichts zu tun. Eigentlich sprach auch nichts dagegen – die einzige Vorlesung, die ich mittwochs hatte, war freiwillig &#8230;</p>
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<p>Wie versprochen gibt es heute das zweite Kapitel von meinem geplanten Roman &#8222;Luna und die Vergeltung der Geister&#8220;. Viel Spaß!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kapitel 2:</h2>



<p>Mittwoch, 01. November 2017</p>



<p>Heute wäre ich am liebsten den ganzen Tag zuhause geblieben, um nichts zu tun. Eigentlich sprach auch nichts dagegen – die einzige Vorlesung, die ich mittwochs hatte, war freiwillig –, wenn Natalie nicht gegen Nachmittag meinen festen Freund angerufen hätte. Finn war sofort vorbeigekommen, als Natalie meinte, dass es mir nicht gut gehe.</p>



<p>Er hatte mich in den Arm genommen, während ich ihm erzählte, was gestern bei der Séance passiert war. Finn hatte beruhigend auf mich eingeredet und es irgendwie geschafft, mich zu einem Spaziergang zu überreden, nachdem er mir versprochen hatte, dass wir vor Anbruch der Dunkelheit wieder zuhause seien.</p>



<p>Auf der Straße sog ich die kühle Herbstluft durch die Nase ein. Es roch hauptsächlich nach Laub. Nur ein einziges Mal kam der Geruch von Abgasen auf, als ein Auto an uns vorbeifuhr. Aber das war für Kleinstadt nichts Ungewöhnliches. Auf den Straßen war nie viel los, es fuhren nur vereinzelte Autos, und kleinere Menschenansammlungen gab es nur an den Bushaltestellen und Bahnhöfen. An der Uni hielt sich das hartnäckige Gerücht, dass Kleinstadt nur Kleinstadt hieß, weil es so unbedeutend war, dass es keinen eigenen Namen brauchte. Lediglich die Uni und die vielen Studierenden störten das Klischee.</p>



<p>Der Spaziergang war eine gute Idee von Finn gewesen. Nicht nur, dass die frische Luft mir guttat, ich schaffte es sogar, mich einigermaßen abzulenken. Seit ich mit dem Architekturstudium begonnen hatte, fiel mir auf, dass ich immer mehr auf die Bauart der Häuser um mich achtete. Und so machte ich mir einen Spaß daraus, zu erraten, wann die Häuser, an denen wir vorbeigingen, wohl errichtet wurden. Ich erkannte auf den ersten Blick, dass die meisten Häuser gegen Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts gebaut worden sein mussten. Nur wenige wirkten älter und noch weniger neuer.</p>



<p>Als ich meinen Blick von einem Haus löste, dessen Fassade zum Teil aus Verputz, zum Teil aus Klinkersteinen bestand, fiel mir auf, dass wir uns dem Stadtpark näherten. Ich musste lächeln. Ich liebte den Stadtpark von Kleinstadt. Denn so sehr mich Architektur auch begeisterte, so sehr liebte ich auch die Natur.</p>



<p>Wenn man den Park betrat, war man von einer Wand aus Bäumen und Büschen umgeben. Man konnte kaum noch etwas von der Straße oder den Häusern sehen. Stattdessen kam man sich vor, als wäre man an einem ruhigen, ländlichen Ort gelandet. Im Sommer war ich häufig zum Zeichnen hergekommen.</p>



<p>Jetzt, wo die Bäume dabei waren, ihre Blätter zu verlieren, blitzte stellenweise etwas von der Stadt durch die Äste hindurch. Dafür stellten die bunten Blätter ein frohes Farbenspiel zur Schau. Ein Windstoß ließ sie tanzen.</p>



<p>Finn legte einen Arm um mich. „Sag mal …“, begann er. „Ist nach eurer Geisterbeschwörung eigentlich noch irgendwas passiert? Oder warum warst du vorhin so komisch?“</p>



<p>Ich drückte mich enger an Finn. Es war, als wäre mir jetzt erst aufgefallen, wie kalt der Herbstwind war. „Was meinst du?“, fragte ich.</p>



<p>„Na ja. Es ist ja nicht normal, dass man Frauen sieht, die gar nicht da sind.</p>



<p>Ich drückte mich von ihm weg, um ihn anzufunkeln. „Ich hab dir doch gesagt, dass das nur der Schock war!“ Das war etwas schroffer als beabsichtigt. Aber es ärgerte mich, dass er mich ausgerechnet jetzt daran erinnern musste.</p>



<p>Finn erwiderte nichts. Stattdessen gingen wir eine Weile schweigend nebeneinanderher.</p>



<p>„’tschuldigung“, sagte ich schließlich. „Ich wollte dich nicht anfahren. Ich weiß doch auch nicht, wen oder was ich da gesehen habe.“</p>



<p>Finn griff nach meiner Schulter, sodass ich stehenbleiben musste. Er sah mich eindringlich an. „Wir wissen doch beide, dass es keine Geister gibt, oder?“</p>



<p>Schnell schüttelte ich den Kopf. „So meinte ich das nicht, aber …“ Zu meinem Ärger merkte ich, wie meine Augen feucht wurden. „Aber andere Leute, die Menschen sehen, die gar nicht da sind … Was, wenn mit mir etwas nicht stimmt?“</p>



<p>Jetzt nahm Finn mich wieder in den Arm. Ich drückte mein Gesicht in den dicken Stoff seiner Jacke.</p>



<p>„Hee“, sagte er. „Lu, du bist nicht verrückt. Warte nur ab, in ein paar Tagen sieht die Welt schon ganz anders aus. Natalie hat bestimmt recht. Das ist nur der Schock.“</p>



<p>Ich antwortete nicht. Stattdessen blieb ich an ihn gedrückt stehen. Durch die Jacke konnte ich sein Deo riechen. Ich atmete den vertrauten Duft tief ein. Erst danach löste ich mich vorsichtig aus der Umarmung, damit wir weitergehen konnten.</p>



<p>Wir verließen den Stadtpark wieder, um uns auf den Heimweg zu machen. Meine Gedanken kreisten. Diesmal gelang es mir nicht, mich mit den Häusern um mich herum abzulenken, also senkte ich schließlich den Kopf.</p>



<p>„Und wenn ich doch verrückt bin?“, fragte ich leise. „Versprichst du mir, dass du dann bei mir bleibst?“</p>



<p>Wieder blieb Finn stehen. Er hob mit seiner Hand mein Kinn, zwang mich, ihm in die Augen zu sehen. „Luna, du bist nicht verrückt. Das weiß ich ganz sicher. Und wenn doch, dann stehen wir das zusammen durch. Versprochen.“</p>



<p>Ich lächelte ihn an. Selbst, wenn ich nicht wusste, was mit mir los war, würde mit Finn an meiner Seite alles gut werden. Ich lehnte mich vor, um ihm einen Kuss zu geben. Ehe sich unsere Lippen jedoch berührten, erklang ein tiefes, lautes Bellen vom Grundstück neben uns. Ein großer schwarzer Hund raste auf den Zaun zu. Panisch kreischte ich auf. Fast wäre ich Finn auf die Arme gesprungen.</p>



<p>Finn hielt mich beschützend fest. Er warf den Kopf nach rechts und links, ehe er wieder meinen Blick suchte. „Was ist? Was hast du?“, fragte er.</p>



<p>Ich starrte ihn verständnislos an. „Du weißt doch, dass ich Angst vor Hunden habe“, erwiderte ich den Tränen nahe.</p>



<p>Das schien Finn jedoch nur noch mehr zu verwirren. Er runzelte die Stirn. „Ja, aber … Welchen Hund meinst du?“</p>



<p>Ich wusste nicht, was er meinte. „Du musst ihn doch gehört haben“, erwiderte ich. Dann drehte ich mich zu dem Grundstück zurück, um auf den Hund zu zeigen. Aber ich ließ meine Hand auf dem halben Weg hängen. Stattdessen suchte ich mit den Augen den Vorgarten ab. Von dem Hund war nirgends etwas zu sehen.</p>



<p>Irritiert ging ich auf das Grundstück zu, vergaß für einen Moment sogar meine Angst. Der Garten war komplett eingezäunt und gut einsehbar. Auch gab es keine größeren Lücken im Zaun. Und selbst wenn der Hund darüber gesprungen wäre, hätte er irgendwo auf der Straße sein müssen. Doch da war er nicht.</p>



<p>Mit offenem Mund drehte ich mich wieder zu Finn, musterte ihn, als suche ich in seinem Gesicht eine Antwort auf das alles. „Ich versteh das nicht“, sagte ich. „Hier war eben ein Hund. Ein großer schwarzer Hund. Du musst ihn doch gehört haben?“</p>



<p>Plötzlich wirkte Finn genervt. Er steckte die Hände in die Taschen und wandte sich von mir ab. „Das ist nicht witzig“, fuhr er mich an. „Ich mach mir hier wirklich Sorgen um dich und du hast nichts Besseres zu tun, als mich zu testen? Ich hab dir gesagt, dass ich bei dir bleibe. Wieso glaubst du mir das nicht einfach?!“</p>



<p>Jetzt starrte ich ihn an. Ihn testen? Ich wusste nicht einmal, ob ich wütend oder enttäuscht über solch eine Unterstellung sein sollte! Aber Finn ging einfach weiter. Er wartete nicht einmal auf mich. Sofort rannte ich ihm nach. Ja, ich war wütend. Trotzdem wollte ich jetzt auf keinen Fall allein sein.</p>



<p>Den restlichen Weg würdigte Finn mich keines Blickes. Aber ich war ehrlich gesagt gerade zu sehr in Gedanken, um mich darüber zu ärgern. Es war wieder passiert. Es war tatsächlich wieder passiert. Und diesmal war es ganz sicher nicht bloß der Schock. Wieso sah und hörte ich Dinge, die gar nicht existierten?</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Nachdem Finn mich zurück zur Wohnung gebracht hatte, drehte er sich direkt wieder zur Tür um, also ergriff ich seine Hand, um ihn aufzuhalten.</p>



<p>Im ersten Moment dachte ich, er würde sich losreißen, dann aber runzelte er wieder die Stirn. „Was ist?“, fragte er. Seine Stimme klang dabei mehr besorgt als verärgert.</p>



<p>Ein Kloß bildete sich in meinem Hals. „Das mit dem Hund war kein Test“, sagte ich kleinlaut. „Ich hab ihn wirklich gesehen.“</p>



<p>Finns nächsten Blick konnte ich nicht so recht deuten. Plötzlich nahm er mich in den Arm. „Hör mal“, sagte er. „Ich muss jetzt wirklich los. Wir sehen uns morgen.“ Anschließend drückte er mir einen flüchtigen Kuss auf die Schläfe, bevor er im Treppenhaus verschwand.</p>



<p>Am liebsten hätte ich ihn aufgehalten, ihm gesagt, dass er bleiben solle, doch der Kloß in meinem Hals war inzwischen so groß, dass er mir die Kehle zuschnürte. Ehe ich auch nur ein Wort über die Lippen gebracht hatte, fiel die Tür hinter Finn ins Schloss.</p>



<p>Jetzt konnte ich meine Tränen nicht länger zurückhalten. Also rannte ich auf mein Zimmer. Ohne etwas zu essen oder Zähne zu putzen, legte ich mich sofort ins Bett, wo ich leise in mein Kopfkissen weinte. Was war nur los mit mir? Noch nie hatte ich mir irgendwelche Dinge oder Geräusche eingebildet. Wo kam das alles so plötzlich her? Lag es vielleicht doch nur an dem Stress? Oder steckte vielleicht mehr dahinter?</p>



<p>Ich hörte, wie sich meine Zimmertür öffnete. „Luna?“ Das war Natalie, die nach mir sehen wollte.</p>



<p>Aber ich hatte keine Lust, ihr zu erklären, was passiert war, wollte ihren mitleidigen Blick nicht sehen, wenn ich ihr von Finn oder dem Hund erzählte. Also tat ich so, als würde ich schlafen. Da ich nicht reagierte, schloss Natalie die Tür wieder hinter sich. Trotzdem ließen meine Gedanken mir keine Ruhe. Und so dauerte es Ewigkeiten, bis ich endlich eingeschlafen war.</p>



<p>Am nächsten Morgen wurde ich von meinem Handywecker geweckt. Aber obwohl ich heute vergleichsweise spät aufstehen konnte – donnerstags musste ich erst um 10 Uhr in der Uni sein – schleppte ich mich wie ein Zombie ins Bad.</p>



<p>Andererseits war die Kombination aus Müdigkeit und einer Vorlesung genau das Richtige, um mich von den vergangenen Tagen abzulenken. Tatsächlich schaffte ich es, bis beide Vorlesungen beendet waren, so zu tun, als wäre alles wieder normal. Um genau zu sein, bis zu genau dem Zeitpunkt, an dem ich <em>sie</em> sah. Als wäre sie eine völlig normale Studentin, schlenderte sie über den Campus. Wahrscheinlich wäre sie mir nicht einmal aufgefallen, wenn ich mich vor der Séance nicht so intensiv mit ihr beschäftigt hätte. Ihr Name war Zoe. Sie hatte sich letztes Jahr das Leben genommen.</p>



<p>Als hätte sie meinen Blick bemerkt, drehte sie sich plötzlich zu mir um. Sie sah mit gerunzelter Stirn durch die Menge, bis unsere Augen sich trafen. Ihr Blick blieb auf mir haften. Sie blinzelte überrascht, als sei ich eine alte Bekannte, die sie zufällig in der Menge entdeckt hatte. Meine Nackenhaare stellten sich auf.</p>



<p>Im nächsten Moment wurde ich ohne jede Vorwarnung von hinten gepackt. Ich kreischte los, sah, wie einige Köpfe sich erschrocken zu mir umdrehten, doch niemand unternahm etwas.</p>



<p>„Seit wann bist du denn so schreckhaft?“, fragte Finn mit einem breiten Grinsen. Sein Gesicht wurde jedoch schlagartig ernst, als er die Panik in meinen Augen erkannte. „Scheiße. Hab ich dich so doll erschreckt? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.“</p>



<p>Ich zögerte einen Moment, unsicher, ob ich es für mich behalten solle. Dann aber sagte ich leise: „Ich glaube, das habe ich auch.“</p>



<p>Finn seufzte schwer. „Wenn du wütend bist, weil ich gestern einfach so gegangen bin, dann …“</p>



<p>„Nein!“, fiel ich ihm ins Wort. „Ich habe eben Zoe gesehen!“</p>



<p>Das saß. Finn starrte mich mit großen Augen an. „Zoe?“, fragte er überrascht. „Die Verstorbene, mit der ihr bei eurem kleinen Ouija-Spielchen Kontakt aufnehmen wolltet?“</p>



<p>Ich nickte. Ich wusste selbst, wie es klang. „Werde ich langsam verrückt?“, fragte ich monoton, den Blick auf die Pflastersteine am Boden gerichtet.</p>



<p>Als Finn sich regte, dachte ich, er würde mich in den Arm nehmen wollen. Stattdessen öffnete er jedoch seine Umhängetasche und kramte darin herum. „Ich hab mich mal informiert“, sagte er, während er weiterkramte. Dann holte er eine hellgraue Visitenkarte hervor, die er mir entgegenhielt. „Diese Psychiaterin hat sich auf Leute spezialisiert, die Stimmen hören. Ich dachte, na ja, wieso redest du nicht mal mit ihr? Danach geht es dir bestimmt besser.“</p>



<p>Ich starrte die Karte an. ‚Lydia Beck – Psychiaterin‘ stand darauf. War das sein Ernst? Hielt er mich jetzt für völlig durchgeknallt?</p>



<p>„Du musst ja nicht sofort hingehen, denk nur bitte darüber nach. Schlaf eine Nacht drüber.“ Er steckte die Visitenkarte in meine Jackentasche.</p>



<p>Ich wusste nicht, was ich sagen oder denken sollte. Meine eigenen Gefühle verwirrten mich. Ich war wütend und ängstlich. Zum einen wusste ich, dass er es nur gut meinte. Zum anderen war ich noch immer verletzt, weil er gestern nicht einmal bei mir bleiben wollte. Und dann hatte er mir direkt eine Psychiaterin rausgesucht?</p>



<p>„Ich mein das ja nicht böse“, entschuldigte er sich. „Ich mache mir Sorgen um dich.“ Er schenkte mir sein unschuldigstes Lächeln.</p>



<p>„Ich weiß“, sagte ich knapp. „Aber ich muss jetzt weiter.“ Ich ließ ihn einfach stehen. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, machte ich mich auf den Weg Richtung Fahrräder.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>„Ich bin wieder da!“, rief ich, nachdem ich die Wohnungstür hinter mir geschlossen hatte.</p>



<p>„Hey Lu“, kam Natalies Stimme aus der Küche. „Wie war die Uni?“</p>



<p>Mit einem schweren Seufzen ging ich zu ihr. „Ehrlich gesagt ziemlich scheiße. Finn und ich hatten Streit.“</p>



<p>„Oh.“ Natalie nahm mich in den Arm. Ob zur Begrüßung oder zum Trost wusste ich nicht – wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. „Willst du drüber reden?“, fragte sie. Sie hielt mir einen Teller mit Spaghetti entgegen, den ich dankend annahm.</p>



<p>„Na ja, es war nicht wirklich ein Streit, aber … Finn will, dass ich zu einem Psychiater gehe“, erklärte ich, während wir uns an den Küchentisch setzten.</p>



<p>„Bitte was?“ Natalies Augenbrauen schossen in die Höhe. „Nur, weil du beim Ouija-Spiel diese komische Frau gesehen hast? Da waren wir nun wirklich alle ziemlich durch den Wind!“</p>



<p>Der Kloß in meinem Hals kam zurück. Sollte ich es ihr erzählen? Immerhin war sie meine beste Freundin. Wir hatten keinerlei Geheimnisse voreinander.</p>



<p>Ich kaute den nächsten Bissen bewusst langsam, um mir die passenden Worte zurechtzulegen. „Das mit der Frau war nicht alles“, gestand ich schließlich. „Da war gestern dieser Hund, den Finn weder sehen noch hören konnte. Und heute auf dem Campus habe ich Zoe gesehen.“</p>



<p>Auf Natalies Gesicht lief eine wahre Diashow an Emotionen ab. Überraschung, Entsetzen, Mitleid. „Du hast … Das ist …“ Mehr brachte sie nicht heraus.</p>



<p>Ich wich ihrem Blick aus. Stattdessen starrte ich jetzt mein Essen an. Der Kloß in meinem Hals hatte inzwischen eine schmerzhafte Größe erreicht. Auch spürte ich, wie meine Augen feucht wurden.</p>



<p>Natalie sprang auf, sobald die erste Träne über meine Wange lief. Sie legte ihre Arme um mich und drückte mich sanft an sich. „He“, sagte sie. „Bestimmt gibt es dafür eine logische Erklärung. Aber wenn du dir solche Sorgen machst, geh doch wirklich zu einem Psychiater. Nicht, weil Finn es möchte, sondern für dich. Wahrscheinlich ist es irgendetwas völlig Harmloses. In ein paar Wochen lachen wir darüber.“</p>



<p>Trotz allem hatte ich jetzt ein Lächeln auf den Lippen. „Meinst du?“, brachte ich zwischen zwei Schluchzern hervor.</p>



<p>Natalie nickte. „Und wenn du nicht allein hingehen willst, komm ich gerne mit. Dafür sind Freundinnen doch da.“</p>



<p>Sie wartete noch, bis ich mich wieder beruhigt hatte, ehe sie sich wieder auf ihren Stuhl setzte.</p>



<p>Ich war so froh, Natalie als Freundin zu haben. Früher, bevor ich sie kannte, hatte ich weniger Glück mit meinen Freunden gehabt. Es war mir schon immer schwergefallen, neue Leute kennenzulernen. Selbst in der Schule war ich damals eine Außenseiterin gewesen. Von psychischer bis körperlicher Gewalt hatte ich alles durchgemacht. Es ging so weit, dass ich anfing, die Schule zu schwänzen, nur um nicht wieder gemobbt zu werden. Zumindest, bis ich die Schule gewechselt hatte.</p>



<p>In der neuen Schule wurde ich neben Natalie gesetzt – einem der beliebtesten Mädchen der Klasse. Ich hatte mich nicht einmal getraut, sie anzusprechen. Natalie hingegen hatte einfach drauflos geplaudert. Sie nahm mich in ihre Freundesgruppe auf, als wäre ich schon immer ein Teil von ihnen gewesen. So hatte ich schließlich auch Lisa und Jenny kennengelernt.</p>



<p>Ich kann gar nicht beschreiben, wie dankbar ich ihr dafür war. Sie war der Grund gewesen, warum ich keine Außenseiterin mehr war, warum ich nicht mehr gemobbt wurde.</p>



<p>Ein Klingeln an der Tür riss mich aus den Gedanken.</p>



<p>„Ich geh schon“, sagte ich, weil ich näher an der Tür saß.</p>



<p>Als ich die Wohnungstür öffnete, kam Finn gerade die Treppen heraufgeeilt. Er lächelte schief, als er mich erreichte. Im nächsten Moment hielt er mir einen kleinen Blumentopf mit einer rosaroten Blume und einer roten Schleife um den Keramiktopf entgegen.</p>



<p>Obwohl ich eigentlich wütend auf ihn sein wollte, konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. Finn wusste, dass ich keine Schnittblumen mochte. Es störte mich, dass man sie nur züchtete, damit sie abgeschnitten wurden und man ihnen beim Sterben zusehen durfte.</p>



<p>„Für dich“, sagte er, während ich die Blume entgegennahm. „Tut mir leid wegen vorhin. Ich hätte vorher mit dir darüber reden sollen.“</p>



<p>„Ist schon gut. Vielleicht bin ich in letzter Zeit etwas empfindlich“, gestand ich. Ich redete mir ein, dass er es ja nur gut gemeint hatte. „Möchtest du reinkommen? Wir haben noch Spaghetti über.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am Abend lag ich mit Finn gemeinsam im Bett. Wir hatten uns wieder vertragen, weshalb er spontan entschlossen hatte, bei mir zu übernachten.</p>



<p>Ich musterte meinen Freund. Im Halbdunkel konnte ich kaum mehr als sein Gesicht erkennen. Er lag mir zugewandt, die geschlossenen Augen völlig entspannt. Sein Atem war langsam und gleichmäßig.</p>



<p>Erst jetzt merkte ich, dass ich lächelte. Was machte ich mir eigentlich so viele Gedanken. Ich hatte Natalie und Finn. Was auch immer mit mir los war, sie würden mir helfen, es durchzustehen. Es würde alles gut werden.</p>



<p>Zumindest dachte ich das. Aber seien wir mal ehrlich: Dann würde ich euch meine Geschichte jetzt nicht erzählen. Es war nämlich in genau diesem Moment, dass mich das Gefühl überkam, beobachtet zu werden. Meine Nackenhaare stellten sich auf. Ein kalter Schauer lief über meinen ganzen Körper.</p>



<p>Ich hoffte so sehr, dass ich es mir bloß einbildete, während ich mich zum Zimmer umwandte. Ich ließ meinen Blick durch den dunklen Raum wandern, konnte nur Umrisse erkennen. Da war mein Schreibtisch direkt am Fenster, auf dem ich Finns Blume erkennen konnte, an der Wand daneben mein weißer Kleiderschrank und … ich erstarrte. Ich wollte meinen Blick gerade weiterwandern lassen, da fiel mir eine dunkle Silhouette vor dem Kleiderschrank auf. Im schwachen Laternenlicht, das durch das Fenster fiel, konnte ich den Umriss deutlich erkennen. Fieberhaft dachte ich nach, was das sein konnte, aber eigentlich dürfte dort nichts stehen. Außerdem erinnerte die Form mich an eine Person.</p>



<p>Ich schluckte schwer, während ich meine Hand nach dem Nachttisch ausstreckte. Während meine zittrigen Finger nach dem Kabel tasteten, ließ ich den Blick keine Sekunde von der Gestalt wandern. Dann endlich erfühlte ich den Schalter.</p>



<p><em>Klick.</em></p>



<p>Mein Schrei musste das ganze Haus geweckt haben. Ich war so schnell aufgesprungen und aus dem Zimmer gerannt, dass sich vor meinen Augen alles drehte. Mir war übel.</p>



<p>Meine Hände bewegten sich steif, fast roboterhaft, während ich den Wasserhahn aufdrehte. Ich wusch mein Gesicht mit eiskaltem Wasser, ehe ich mich auf dem Waschbecken abstützte, um in den Spiegel zu sehen.</p>



<p>Hatte ich das eben nur geträumt oder verlor ich wirklich den Verstand?</p>



<p>Es klopfte an der Badezimmertür. „Lu? Alles in Ordnung? Ich hab dich schreien gehört“, rief Natalie.</p>



<p>Im nächsten Moment rüttelte jemand an der Tür. „Was ist los?“ Das war Finns Stimme. „Hast du schlecht geträumt? Schließ die Tür auf!“</p>



<p>Ich atmete tief durch. Dann ging ich zur Tür, drehte den Schlüssel im Schloss und zog sie auf. Natalie und Finn starrten mich an. Ich wich ihren Blicken aus. „Zoe stand eben in meinem Zimmer“, sagte ich leise.</p>



<p>„Luna …“, sagte Finn. „Du hast bestimmt nur schlecht geträumt. Komm zurück ins Bett.“</p>



<p>Aber ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich hab das Licht eingeschaltet, bevor ich sie gesehen habe. Das war kein Traum.“</p>



<p>Natalie griff nach meiner Schulter. Sie drückte sie sanft.</p>



<p>Meine Aufmerksamkeit galt jedoch Finn: „Ich kann das nicht mehr“, murmelte er, während er mit schnellen Schritten zurück in mein Zimmer ging.</p>



<p>Natalie und ich sahen einander flüchtig an. Ehe ich Finn nachlaufen konnte, kam er bereits in den Flur zurück. Er war gerade dabei, seinen Pulli anzuziehen. Dann blieb er vor mir stehen und sah mir ernst ins Gesicht.</p>



<p>„Tut mir leid, Luna“, sagte er. „Ich kann einfach nicht mehr. Vor ein paar Tagen war noch alles in Ordnung. Aber jetzt …? Dass du irgendwelche Leute siehst, ist nicht normal!“ Er schloss die Augen und atmete tief durch. „Ich brauch eine Pause. Sag Bescheid, wenn du dir Hilfe gesucht hast.“</p>



<p>Seine Worte waren wie ein Schlag in die Magengrube. Fast hätte ich mich auf den Boden übergeben. Aber ich konnte die Spaghetti bei mir behalten. Stattdessen sah ich Finn dabei zu, wie er sich die Schuhe anzog, die Jacke vom Haken riss und durch die Wohnungstür verschwand – das alles, ohne mich eines einzigen Blickes zu würdigen. Im nächsten Moment schlug die Tür hinter ihm zu.</p>



<p>Tränen schossen mir in die Augen. Natalie, die Finn mit offenem Mund nachstarrte, verschwamm in meinem Sichtfeld. Als sie mich wieder ansah, schloss sie mich sofort in eine feste Umarmung. „Oh, Luna. Das tut mir so leid.“</p>



<p>Keine Ahnung, ob meine Beine mich noch getragen hätten, wenn Natalie mich nicht gestützt hätte. Ich vergrub mein Gesicht in ihrer Schulter und weinte.</p>



<p>In meinem Kopf war alles durcheinander. Was war nur mit Finn los? Das eben war nicht der Mann gewesen, in den ich mich verliebt hatte. Ja, wir waren erst seit zwei Monaten zusammen, aber in der Zeit war alles zwischen uns perfekt gewesen. Ich liebte ihn. Wie konnte er mich da einfach so wegwerfen?</p>



<p>Natalie streichelte über meinen Rücken. „He, das wird schon wieder“, sagte sie. „Finn kriegt sich schon wieder ein. Bestimmt ist er selbst nur überfordert.“</p>



<p>Aber ich wollte das alles nicht hören. Finn war weg. Und es war meine Schuld. Irgendetwas stimmte nicht mit mir.</p>



<p>Ich drückte Natalie noch ein letztes Mal, ehe ich mich von ihr löste. Anschließend wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht. „Ich geh wieder ins Bett“, sagte ich. Meine Stimme zitterte.</p>



<p>Natalie musterte mich besorgt. „Und wenn du wieder jemanden siehst?“, fragte sie.</p>



<p>„Dann ist er nicht real, oder?“ Mit diesen Worten ging ich an ihr vorbei in mein Zimmer. Von Zoe fehlte jede Spur.</p>



<p>Mein nächster Blick fiel auf Finns Blume auf meinem Schreibtisch. Sie stand voller Stolz da, als wolle sie mich an ihn erinnern. Ich ignorierte sie.</p>



<p>Anschließend legte ich mich wieder hin. Ich schaltete die Nachttischlampe aus und drehte mich mit dem Gesicht zur Wand, ehe ich mich leise in den Schlaf weinte.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Es kostete mich eine große Anstrengung, mich am nächsten Tag aus dem Bett zu hieven. Aber da ich keine Pflichtvorlesung verpassen wollte, blieb mir keine andere Wahl. Also schleppte ich mich mit schweren Herzen zur Uni.</p>



<p>Während der Vorlesung starrte ich jedoch die meiste Zeit nur gedankenverloren in die Luft oder kritzelte kleine Zeichnungen an den Rand meines Collegeblocks.</p>



<p>Als die Vorlesung endlich zu Ende war, packte ich meine Sachen zusammen. Während ich meine Jacke überzog, hielt ich jedoch inne. Ich spürte ein kleines hartes Stück Papier in einer der Taschen. Verwundert zog ich es heraus. Es war die Visitenkarte der Psychiaterin, die Finn mir gegeben hatte.</p>



<p>Mit gerunzelter Stirn starrte ich das Kärtchen an. Wenn ich so darüber nachdachte … Was sprach denn dagegen, einmal mit ihr zu reden? Schlimmer machen konnte sie meine Situation ja wohl kaum. Und wenn sie mir tatsächlich helfen konnte? Ich würde jedenfalls alles dafür geben, dass mein Leben wieder normal werden würde, dass Finn und ich uns wieder vertrugen.</p>



<p>Lediglich mein knurrender Magen hielt mich davon ab, ihre Nummer jetzt sofort in meinem Handy einzutippen, um sie anzurufen. Ich hatte heute Morgen nicht die Kraft gehabt, mir Frühstück zu machen.</p>



<p><em>‚Gleich nach dem Essen ruf ich sie an‘,</em> dachte ich, während ich mich auf den Weg zur Mensa machte.</p>



<p>Als ich mich gerade mit meinem Tablett an einen freien Tisch gesetzt hatte, kam ein anderer Student auf mich zu. Ich kannte ihn lediglich von den Sachen, die man über ihn sagte. Sein Name war Noah. Er hatte schwarz gefärbte Haare, trug fast ausschließlich dunkle Kleidung – manchmal sogar schwarzen Eyeliner – und hatte Snakebite-Piercings an der Unterlippe.</p>



<p>Zuerst dachte ich noch, er ginge bloß an mir vorbei. Er blieb jedoch direkt vor mir stehen, seine Augen fest auf mich gerichtet. Ich sah ihn mit großen Augen an. Was wollte er von mir? Wenn Finn mich mit ihm sah, würde er mich wohl endgültig abschreiben. Zumindest wusste ich, wie Finn und sogar Natalie über ihn dachten. Ihrer Meinung nach war er der wohl größte Freak auf dem Campus – und das nicht nur wegen seiner Kleidung. Wie gesagt gab es allerlei Gerüchte über ihn. Ich hatte sogar mal gehört, dass er schon einmal jemanden umgebracht habe.</p>



<p>Noah hingegen schien es völlig egal zu sein, was die anderen über ihn dachten. Er ignorierte die blöden Sprüche und schiefen Blicke. Ehrlichgesagt bewunderte ich ihn dafür ein wenig. Aber das durften Finn und Natalie natürlich niemals erfahren.</p>



<p>„Kann ich dir helfen?“, fragte ich schließlich.</p>



<p>Noah sah mir direkt in die Augen. „Stimmen die Gerüchte?“, fragte er. „Kannst du wirklich Geister sehen?“</p>



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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Das war auch schon das zweite Kapitel. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Das dritte Kapitel folgt nächste Woche oder ihr findet es, wenn ihr nicht warten wollt, bereits jetzt auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>!</p>


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		<title>Luna und die Vergeltung der Geister &#8211; Kapitel 1</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Oct 2023 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[Luna und die Vergeltung der Geister]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fröhliches Halloween! Wie bereits mehrfach angedeutet, habe ich diesmal etwas Besonderes für euch: eine Leseprobe meines ersten geplanten Romans &#8211; Luna und die Vergeltung der Geister. Seit Jahren rede ich nun davon und seit Jahren möchte ich mein Manuskript auch überarbeiten (die erste Fassung war nämlich schon 2019 fertig 😅). Also habe ich endlich beschlossen, &#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/2997a9adead245848763dd4fe33d24e1" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Fröhliches Halloween! Wie bereits mehrfach angedeutet, habe ich diesmal etwas Besonderes für euch: eine Leseprobe meines ersten geplanten Romans &#8211; Luna und die Vergeltung der Geister.</p>



<p>Seit Jahren rede ich nun davon und seit Jahren möchte ich mein Manuskript auch überarbeiten (die erste Fassung war nämlich schon 2019 fertig 😅). Also habe ich endlich beschlossen, Luna wieder mehr Priorität zu geben. Daher werde ich heute und die kommenden fünf Wochen (dann wieder montags) je ein überarbeitetes Kapitel hochladen. Die weiteren Kapitel landen dann (wenn auch nur temporär) auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>, bis ich hoffentlich irgendwann einen richtigen Roman herausbringen kann.</p>



<p>Nun wünsche ich euch aber viel Vergnügen mit dem ersten Kapitel und wie immer …</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kapitel 1:</h2>



<p>Dienstag, 31. Oktober 2017</p>



<p>„Luna, reichst du mir bitte die Streichhölzer?“, fragte Natalie.</p>



<p>Während ich ihr das Schächtelchen reichte, warf ich einen nervösen Blick zu den drei weißen Kerzen, vor denen sie kniete. Bereits bei dem Gedanken an das, was wir vorhatten, krampfte sich mein Magen schmerzhaft zusammen.</p>



<p>Die anderen wirkten jedoch völlig ruhig, also versuchte ich, mir nichts anmerken zu lassen. Trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen, meine Brille gerade zu rücken. Das tat ich immer, wenn ich nervös war, selbst, wenn sie gar nicht schief saß.</p>



<p>Nachdem Natalie die Kerzen angezündet hatte, hielt sie die Flamme unter ein Räucherstäbchen.</p>



<p>Fast sofort hielt Jenny sich die Nase zu. „Eww. Was ist das denn für ein Gestank?“, jammerte sie.</p>



<p>Trotz meiner Anspannung musste ich schmunzeln. Jenny übertrieb häufiger mal. Ich hingegen empfand den Geruch nicht als eklig. Es roch bloß nach … nun ja, nach Rauch.</p>



<p>„In der Anleitung steht, dass wir eine Sitzungsleiterin ernennen müssen, die die Fragen stellt“, lenkte Natalie die Aufmerksamkeit wieder auf sich. „Haben wir eine Freiwillige?“</p>



<p><em>‚Warum übernimmt Lisa das nicht? Es war immerhin ihre Idee‘</em>, dachte ich. Ich traute mich aber nicht, den Gedanken laut auszusprechen.</p>



<p>„Luna kann das machen. Wir haben das ganze Zeug immerhin schon eingekauft“, erwiderte Jenny.</p>



<p>Ich riss die Augen auf. „I-ich? Aber ich bin doch gar nicht vorbereitet!“, protestierte ich. Doch es war zwecklos.</p>



<p>„Komm schon, Luna. Das wird sicher lustig“, versuchte Natalie, mich zu ermutigen. „Du kennst das doch aus den ganzen Filmen. Frag einfach nach dem Namen und so weiter.“</p>



<p>Ich verkniff mir, sie darauf hinzuweisen, dass Geisterbeschwörungen in den meisten Filmen in einem Blutbad mit mehreren Toten endeten.</p>



<p>Nachdem ich noch einige Minuten erfolglos versucht hatte, mich herauszureden, schaltete Lisa schließlich das Licht aus und wir setzten uns um einen kleinen Tisch auf den Boden.</p>



<p>Mit einer Mischung aus Misstrauen und Neugier sah ich zu dem ominösen Brett zwischen uns. Obwohl überall im Zimmer Halloweendekoration hing, wirkte das Stück Holz auf dem undekorierten Tisch als Einziges irgendwie bedrohlich. Im flackernden Licht der Kerzen sah es fast so aus, als wäre es lebendig, als würde sich die Planchette darauf bereits bewegen.</p>



<p>Es war das erste Mal, dass ich ein echtes Ouija-Brett sah. In den beiden oberen Ecken standen die Worte „Yes“ und „No“, darunter das Alphabet und eine Zahlenreihe. Am unteren Ende standen in Großbuchstaben die Worte „GOOD BYE“.</p>



<p>Ich schluckte schwer, ehe ich wieder zu Natalie sah.</p>



<p>„Hier steht, dass niemand seine Beine gekreuzt haben darf“, erklärte sie, ehe sie die Anleitung nach einem letzten flüchtigen Blick beiseitelegte. „Also. Wir legen jetzt alle einen Finger auf die komische Scheibe. Dann fragt Luna, ob uns ein Geist hören kann, und wir warten ab, ob etwas passiert.“</p>



<p>Mit zittriger Hand führte ich meinen Zeigefinger zu der Planchette. Das Holz fühlte sich seltsam kalt an. Die anderen drei waren deutlich weniger zimperlich. Als ich meinen Blick wieder hob, sahen sie mich bereits erwartungsvoll an. Natalie nickte mir aufmunternd zu.</p>



<p>Ich öffnete den Mund, brachte jedoch kein einziges Wort über die Lippen. Also atmete ich einige Male tief ein und aus. Ich lauschte meinem Herzen, das wie wild am Pumpen war, versuchte, mich irgendwie zu beruhigen. Dann endlich schaffte ich es, über meinen Schatten zu springen.</p>



<p>„Hallo?“, fragte ich laut in den Raum. Meine Stimme zitterte. „Kann uns irgendjemand hören?“</p>



<p>Die Luft schien vor angespannter Erwartung zu pulsieren. Es war so ruhig, dass ich die anderen atmen hörte. Ansonsten geschah nichts. War ich zu undeutlich gewesen?</p>



<p>Ich versuchte es noch einmal: „Ist hier ein Geist, der mit uns reden möchte?“, fragte ich in den Raum.</p>



<p>Wieder nichts. Wir sahen einander fragend an. Jenny sah gelangweilt aus.</p>



<p>Kurz überlegte ich, ob ich meinen Finger wegnehmen sollte. Andererseits wusste ich, dass ich wieder die Dumme sein würde, wenn ich als Erste aufgab.</p>



<p>Als alle sechs Augen wieder auf mich gerichtet waren, seufzte ich. Ich würde es noch einmal versuchen müssen. Gerade, als ich den Mund öffnen wollte, erklang jedoch ein hölzernes Schaben. Die Planchette bewegte sich in Richtung „Yes“.</p>



<p>Mit großen Augen starrten wir einander an. Hatte eine der anderen die Planchette bewegt? Oder war das etwa ein echter Geist?</p>



<p>Natalies eindringlicher Blick riss mich aus meinen Gedanken. Stumm formte sie mit den Lippen die Worte: „Frag was!“</p>



<p>Mein Herz hämmerte in meiner Brust. Es übertönte jetzt alles andere. <em>Bumm bumm, bumm bumm, bumm bumm</em>. Das unwohle Gefühl in meiner Magengegend wurde schlagartig stärker, während ich die nächste Frage stellte: „Geist, wie ist dein Name?“</p>



<p>Wie gebannt starrten wir alle vier auf das Brett. Die folgenden Sekunden kamen mir wie Minuten vor. Dann ertönte wieder das leise Schaben der Planchette. Der erste Buchstabe war ein S, dann ein T, ein E, ein R, ein B, ein T – „sterbt“.</p>



<p>Mit vor Schreck geweiteten Augen saß ich da. Mir war speiübel. Und auch die anderen sahen einander unruhig an.</p>



<p>Natalie zog als Erste den Finger weg. Ihre Bewegung war hektisch, als habe sie gerade eine Spinne entdeckt. „Egal, wer von euch das war“, schrie sie. „Das ist nicht lustig!“</p>



<p>Sie hatte gerade das letzte Wort ausgesprochen, da blies uns auch schon ein Windstoß um die Ohren. Er war so stark, dass mein Pferdeschwanz hin- und herwippte. Die Kerzen erloschen alle gleichzeitig. Um uns herum war es jetzt stockdunkel. Für den Bruchteil einer Sekunde herrschte Totenstille im Raum.</p>



<p>Im nächsten Moment schrien wir alle durcheinander. Ich sprang so ruckartig auf, dass ich mit dem Schienbein gegen den Tisch knallte. Ich spürte es kaum. Mit einem Satz war ich bei der Tür, tastete mit der Hand panisch an der Wand entlang. Hier irgendwo musste er sein. Da! Ich drückte den Schalter und die Deckenlampe ging an.</p>



<p>Das Geschrei stoppte schlagartig. Um mein rasendes Herz zu beruhigen, schloss ich einen Moment meine Augen. Ich zwang mich, tief durchzuatmen.</p>



<p>„Seid ihr in Ordnung?“, fragte ich schließlich, während ich mich zu den anderen drehte.</p>



<p>Ich weitete die Augen vor Schreck. Es waren aber nicht meine Freundinnen, die mir den Schock bescherten – ihnen ging es gut, soweit ich es beurteilen konnte –, sondern die fremde Frau. An der Stelle, wo ich eben noch gesessen hatte, stand jetzt eine asiatisch aussehende Frau in einem schwarz-roten Kimono. Obwohl sie ihr Gesicht bis unter die Augen mit einem edlen roten Seidenfächer bedeckte, sah es ungewöhnlich hübsch aus. Aber in ihrem Blick, der sich wie ein Messer in mich bohrte, fehlte jedes Anzeichen von Wärme. Er jagte mir einen eiskalten Schauer über den Rücken. Es fühlte sich an, als hätte man einen Wassereimer über mich gekippt. Dann war die Frau verschwunden.</p>



<p>Ich starrte die Stelle an, an der sie bis eben noch gestanden hatte. Ich blinzelte einige Male, ehe ich zu den anderen sah. Sie tuschelten miteinander, schienen die Frau nicht einmal bemerkt zu haben.</p>



<p>Stattdessen kam Natalie auf mich zu. „Komm Luna, lass uns nach Hause fahren“, drängte sie.</p>



<p>Ich beachtete sie nicht. „Habt ihr das auch gesehen?“, fragte ich völlig ruhig.</p>



<p>„Ja“, erwiderte Natalie. „Wir sind alle dabei gewesen. Irgendetwas hat die Scheibe bewegt und die Kerzen ausgepustet. Lass uns jetzt bitte gehen.“ Sie zog sanft an meinem Ärmel.</p>



<p>Aber ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich meine die Frau, die eben im Zimmer stand.“ Ich hob den Zeigefinger, um dahin zu deuten, wo ich sie gesehen hatte.</p>



<p>Natalie, Jenny und Lisa sahen mich fassungslos an, während ich zwischen ihnen hin und her sah. Dann nahm Jenny Lisa am Arm und verließ mit ihr hastig den Raum. „Kann ich heute Nacht in deinem Zimmer schlafen?“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Kurze Zeit später saßen Natalie und ich schweigend in ihrem Auto. Wir hatten kein einziges Wort mehr gesprochen, seit wir uns von Jenny und Lisa verabschiedet hatten.</p>



<p>Irgendwann durchbrach sie das Schweigen. „Du warst das, oder?“, fragte sie. „Du hast die Scheibe bewegt und die Kerzen ausgepustet.“</p>



<p>„Was? Ich … Nein!“, erwiderte ich. Ich starrte Natalie fassungslos an. Wie konnte sie so etwas auch nur denken?</p>



<p>„Du hast von Anfang an gesagt, dass wir die Séance zu sehr auf die leichte Schulter nehmen. Wir haben deine Warnungen ignoriert, weshalb du uns eins auswischen wolltest“, sagte sie. Sie klang, als wäre sie von ihrer Theorie vollkommen überzeugt. „Nur das mit der Frau war vielleicht etwas viel.“</p>



<p>Ich öffnete den Mund, wusste aber nicht, was ich sagen sollte. Andererseits wollte ich ihr nicht das Gefühl geben, mit meinem Schweigen zuzustimmen. „Wenn man die Planchette absichtlich bewegt, kann das böse Geister herbeirufen“, erklärte ich. „Denkst du wirklich, das würde ich riskieren?“</p>



<p>Natalie sah für einen Moment so aus, als müsste sie tatsächlich darüber nachdenken. „Du hast also wirklich eine Frau gesehen?“, fragte sie dann.</p>



<p>„Ja“, mein Mund fühlte sich trocken an. Ich hatte noch immer ihren eiskalten Blick vor Augen. „Sie stand einfach nur da und hat mich angesehen, bevor sie plötzlich verschwunden ist“, erklärte ich.</p>



<p>Natalie runzelte die Stirn. Dann aber schüttelte sie den Kopf. „Das war bestimmt nur der Schock. Wir hatten alle ganz schöne Panik, als die Kerzen plötzlich ausgegangen sind. Dein Kopf hat dir einen Streich gespielt.“</p>



<p>Ich schwieg. Konnte das sein? Hatte ich mir die Frau bloß eingebildet? Einerseits hoffte ich es – ich konnte mich noch lebhaft daran erinnern, wie die Planchette das Wort „sterbt“ gebildet hatte. Andererseits würde es bedeuten, dass mit mir etwas nicht in Ordnung war – Schock hin oder her, so etwas konnte man sich doch nicht einbilden, oder?</p>



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<p>Das war das erste Kapitel von Luna. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Wenn ihr nicht warten wollt, könnt ihr Kapitel 2 bereits jetzt auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden">Patreon</a> lesen. Ansonsten wünsche ich euch ein schönes Halloween, eine angenehme Woche und freue mich auf eure Kommentare!</p>


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