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	<title>Lateinamerika Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>El Chupacabra (überarbeitet)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Feb 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich hatte weder mit dem unmenschlichen Schrei noch mit der Kreatur gerechnet, die ich jetzt sehen konnte. Das Wesen war dünn und haarlos. Es sah fast aus wie ein nackter Mensch, wären seine gebeugte Körperhaltung, die graue Haut und sein tierartiger Kopf nicht gewesen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/chupacabra">El Chupacabra (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/2b5c9cb1d15c48be921f39f07b9d0f7d" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">El Chupacabra ist einer der weltweit bekanntesten <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kryptide</a> und einer meiner ältesten Blogbeiträge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich es diesmal zeitlich nicht geschafft habe, einen komplett neuen Beitrag zu schreiben, habe ich meine Patrons gefragt, welchen alten Beitrag ich überarbeiten soll. Sie haben sich für diesen entschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Tieres<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bestimmt habt ihr schon einmal von el Chupacabra gehört. Aber wusstet ihr, dass dieses Wesen tatsächlich existiert? Mein Name ist Hectór Carrero und ich bin ein verrückter alter Mann – zumindest, wenn ihr meinen Nachbarn glaubt. Und ja, es mag sein, dass ich manchmal etwas griesgrämig bin. Auch bin ich nicht der sozialste Mensch. Aber das ändert nichts daran, dass ich genau weiß, was ich gesehen habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An jenem Abend war ich gerade meinen Hühnerstall am Ausmisten, als ich plötzlich einen lauten Knall von draußen hörte. Ich war natürlich sofort rausgerannt, um nachzusehen, was los war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst konnte ich nichts Auffälliges entdecken, bis ich bemerkte, dass meine Kühe ungewöhnlich eng beieinanderstanden. Es sah so aus, als würden sie sich ängstlich aneinanderdrücken. Also ging ich zu ihrer Weide, um mich dort näher umzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zusammengekniffenen Augen spähte ich über die Wiese. Meine Sehstärke hat auf das Alter etwas nachgelassen, müsst ihr wissen. Außerdem dämmerte es allmählich. Wahrscheinlich bemerkte ich die drei Kinder daher nicht, wie sie immer wieder verstohlen hinter meinem Kuhstall hervorlugten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich mich näher umsah und dabei zufällig auf sie zuging, kreischten sie plötzlich auf und rannten lachend von meinem Hof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erkannte sie sofort. Das waren die beiden Sánchez-Zwillinge und das Ferrer-Mädchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammte Gören!“, brüllte ich ihnen nach, während ich mit geballter Faust in der Luft fuchtelte. Ich hatte ihnen schon unzählige Male gesagt, dass sie meine Tiere und mich mit ihrem Unfug in Ruhe lassen sollten. Mal sehen, ob sie immer noch lachen würden, wenn ich ihren Eltern von ihrem kleinen Scherz – es war übrigens ein Böller – erzählen würde. Zuerst musste ich mich allerdings um meine Kühe kümmern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hoo, ruhig Mädels, ruhig“, versuchte ich, sie zu beschwichtigen, während ich langsam auf sie zuging, um sie zu streicheln. Es half nur bedingt, also entschied ich, sie heute etwas früher in den Stall zu bringen – dort fühlten sie sich wenigstens sicher.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich endlich den Riegel vor die Stalltür geschoben hatte, atmete ich erleichtert durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich jedoch ins Haus ging – den Hühnerstall würde ich morgen fertig ausmisten –, hob ich die Böllerreste auf, damit mir die Sánchez nicht wieder vorwerfen konnten, ich hätte keine Beweise. Andererseits… Was würde es schon bringen? Heutzutage griffen die Eltern bei der Kindererziehung einfach nicht mehr hart genug durch. Es würde keine Woche dauern, dann wären die Gören mit der nächsten blöden Idee zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir entfuhr ein frustriertes Seufzen, während ich in die Küche ging, um mir etwas zu essen zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa eine Viertelstunde später schlürfte ich einen heißen Teller Bohneneintopf und überlegte, wie ich die Gören endlich loswerden konnte. Früher hatte es gereicht, sie bei ihren Eltern anzuschwärzen, um sie einige Wochen von mir fernzuhalten. Aber inzwischen nahmen selbst die Erwachsenen mich nicht mehr für voll – und die Kinder wussten das. Señora Sánchez hatte mir sogar schon einmal angedroht, sie würden die Polizei rufen, wenn ich ihre Kinder nicht in Ruhe lasse. Dabei war doch eher <em>ich</em> derjenige, der die Polizei rufen sollte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich merkte, wie mein Puls allmählich in eine unangenehme Höhe schoss, ließ ich meinen Löffel in den Eintopf zurücksinken. „Beruhig dich, Hectór“, murmelte ich mir zu. Mein Arzt hatte mir gesagt, ich dürfe mich nicht immer so aufregen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch, bevor ich aufstand, um mir ein Glas Wasser zu holen und versuchte dabei an etwas Schönes zu denken. Das hätte ich mir sparen können. Ich hatte gerade den Wasserhahn aufgedreht, als ich von draußen Geräusche hörte. Irritiert spähte ich aus dem Fenster vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das darf doch nicht wahr sein!“, stieß ich entsetzt aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im schwachen Licht der Dämmerung konnte ich erkennen, wie meine Kühe draußen auf der Weide herumliefen. Dabei hatte ich den Riegel definitiv vor die Stalltür geschoben. Ganz sicher!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na wartet“, grummelte ich. Das musste noch ein dummer Jugendstreich sein. Von allein war die Stalltür jedenfalls noch nie aufgegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie die Ader an meiner Schläfe gefährlich pochte, während ich in den Flur rannte. Dort griff ich nach meinem alten Gewehr. Wenn die Kinder nicht hören wollten, mussten sie eben fühlen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich würde ich den Kindern nichts antun, aber es sprach nichts dagegen, ihnen einen gehörigen Schrecken einzujagen. Vielleicht würden sie mich dann endlich in Ruhe lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Begleitet von dem Quietschen meiner Gummistiefel stapfte ich nach draußen. Mit schnellen Schritten eilte ich auf den Stall zu. Immerhin wollte ich die Kinder nicht so einfach entkommen lassen. Wenn ich Glück hatte, waren sie in das alte Stallgebäude gegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also verlangsamte ich mein Tempo. Ich achtete darauf, möglichst wenig Lärm zu machen, während ich mich dem Eingang näherte. Zum Glück übertönten die aufgeregten Kühe meine Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der offenen Stalltür angekommen, konnte ich schließlich Geräusche von drinnen hören. In etwa so musste ich eben geklungen haben, als ich meinen Eintopf geschlürft habe. Was zur Hölle machten die Kinder da drinnen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schob den Gedanken beiseite – immerhin würde ich es eh gleich erfahren – und trat mit dem Gewehr im Anschlag vor die Stalltür. Dann lud ich es geräuschvoll nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich hatte ich mit einem Aufschrei oder zumindest aufgeregtem Geflüster gerechnet. Stattdessen verstummte bloß das Schlürfen, nur um wenige Momente später wieder einzusetzen – ruhig und in unregelmäßigen Abständen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angestrengt starrte ich nun in die Dunkelheit. Waren das wirklich die Kinder? Ich konnte nichts erkennen. Also tastete ich, jetzt mit einem leicht mulmigen Gefühl im Magen, nach dem Lichtschalter. Meine Hand hatte ihn schnell gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Klick.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte weder mit dem unmenschlichen Schrei noch mit der Kreatur gerechnet, die ich jetzt sehen konnte. Das Wesen war dünn und haarlos. Es sah fast aus wie ein nackter Mensch, wären seine gebeugte Körperhaltung, die graue Haut und sein tierartiger Kopf nicht gewesen. Es hockte über einer meiner Kühe, die reglos unter ihm lag. Blut strömte aus ihrem Hals.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich Zeit hatte, auch nur mein Gewehr auf das Wesen zu richten, sprang es bereits auf mich zu. Ich spürte, wie es seinen knochigen Körper mit voller Kraft gegen mich warf. Ein Schuss löste sich, ehe ich auf dem harten Boden aufschlug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch riss ich meine Arme vor mich, um mein Gesicht zu schützen, die Kreatur abzuwehren. Doch der Angriff blieb aus. Das Wesen ließ von mir ab und rannte weiter. Es bewegte sich dabei seltsam, als sei es verletzt. Der gelöste Schuss hatte es jedoch nicht getroffen. Zumindest war um mich herum nirgendwo Blut zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen kurzen Moment, bis ich mich von dem Schock erholt hatte. Dann lud ich sofort mein Gewehr nach und zielte in die Dunkelheit. Gerade noch so konnte ich die humpelnden Bewegungen in der Ferne erkennen, zielte darauf und schoss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Knall hallte über die Weide, versetzte meine ohnehin schon aufgebrachten Kühe in noch mehr Aufregung. Ansonsten hörte ich nichts. Kein Aufheulen. Kein leiderfülltes Gewimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem rappelte ich mich auf und rannte in die Richtung, in die ich geschossen hatte. Ich wusste genau, wo das Wesen langgelaufen war, aber selbst mit meiner Taschenlampe konnte ich nichts finden. Kein regloser Körper im Sand, kein Blut, gar nichts. Ich hatte es verfehlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also rannte ich in den Stall zurück, um nach der verletzten Kuh zu sehen. Aber auch hier konnte ich nichts mehr ausrichten. Sie atmete bereits nicht mehr. Dafür bemerkte ich die Einstiche in ihrem Hals. Anders konnte man es nicht nennen. Das Wesen hatte die Kuh nicht gefressen. Es sah vielmehr so aus, als hätte es sie ausgesaugt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langsam dämmerte es mir, was für eine Kreatur ich da gerade gesehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich nicht wusste, was ich anderes tun sollte, lief ich in mein Haus zurück und wählte den Notruf. Ich schilderte dem Mann am anderen Ende der Leitung bis ins kleinste Detail, was ich gesehen hatte. Er schien mir nicht zu glauben, versprach aber trotzdem, jemanden vorbeizuschicken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend ging ich mit meinem Gewehr wieder nach draußen, um auf meine Kühe aufzupassen – nur für den Fall, dass dieses Ding zurückkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach etwa einer Viertelstunde konnte ich in der Ferne endlich einige Autos hören. Ich wurde jedoch stutzig, als ich sah, wie viele es waren: Während ich mit maximal zwei Beamten gerechnet hatte, erschien ein ganzes Team inklusive Spurensicherung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Polizisten kamen zu mir, um meine Aussage aufzunehmen, während mindestens zehn weitere Männer sich daran machten, meinen Stall und die nähere Umgebung genau unter die Lupe zu nehmen. Sie arbeiteten schnell und effizient. Einige von ihnen hatten irgendwelche technischen Geräte in der Hand, die ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach nicht einmal einer halben Stunde, in der ich ihre Arbeiten mehr als skeptisch beobachten konnte, waren sie bereits fertig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der Männer kam schließlich zu den Polizisten und mir. „Señor Carrero, wir haben alles genau untersucht und können sie beruhigen: Bei dem Tier scheint es sich bloß um einen Kojoten gehandelt zu haben“, erklärte er mit ruhiger Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zog eine Augenbraue nach oben. „Ein Kojote? Das Tier hatte nicht einmal Fell.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist gut möglich, dass das Tier krank war. In letzter Zeit sind uns einige Fälle von Kojoten und Wildhunden mit Räude untergekommen. Dabei kann es durchaus zu starkem Haarausfall kommen. Außerdem würde es erklären, wieso es keine wilden Tiere gejagt hat. Es ist sicherlich an Ihrem Stall vorbeigekommen und als es gesehen hat, dass die Tür offen stand …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Tür stand aber nicht offen!“, protestierte ich, aber der Mann ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sehen Sie. Ich kann Ihnen nur sagen, was unsere Untersuchung ergeben hat“, erklärte er gelassen. „Aber wir nehmen die tote Kuh mit. Falls wir im Labor irgendetwas finden sollten, das auf etwas anderes als einen Kojoten hinweist, sind Sie der Erste, der es erfährt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend ließ mich der Mann einfach stehen. Und auch die Polizisten konnten nichts tun als mit den Schultern zu zucken und mir einen schönen Abend zu wünschen. Kurze Zeit später war ich wieder allein auf meinem Hof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hörte ich nie wieder etwas von den Männern. Inzwischen bin ich mir sicher, dass es sich um irgendeine Verschwörung handeln musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste, wie Kojoten aussahen, und selbst ohne Fell hätte er nicht wie dieses Ding ausgesehen. Und nicht nur das, die seltsamen Bissspuren passten zu keinem einzigen Tier, das ich kannte. Besonders nicht zu einem Kojoten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein. Ich wusste genau, was dieses Ding war. Ich hatte an jenem Abend el Chupacabra gesehen!</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">El Chupacabra (Spanisch für „Ziegensauger“), seltener el Chupacabras, ist eine Kreatur aus Lateinamerika. Aber auch, wenn es viele Menschen gibt, die tatsächlich an die Existenz des Wesens glauben, wird es von der Allgemeinheit als <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> eingestuft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Aussagen darüber, wie el Chupacabra aussehen soll. Grob lässt sich das Aussehen jedoch auf zwei verschiedene Versionen eingrenzen: ein echsenähnliches Wesen, das auf zwei Beinen läuft, und ein haarloses hundeartiges Tier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der echsenartige Chupacabra wird hauptsächlich als eine 1,5 bis 2 m große Kreatur mit langen Stacheln entlang der Wirbelsäule, großen roten oder schwarzen Augen und grünen Schuppen bezeichnet. Selten soll er sogar Flügel besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die hundeähnliche Variante ist hingegen auf vier Beinen unterwegs und deutlich kleiner. In diesem Fall soll el Chupacabra abgemagert aussehen, hat felllose, teilweise ledrige Haut oder Schuppen und manchmal ebenfalls Stacheln entlang der Wirbelsäule.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">El Chupacabra ist, wie der Name schon sagt, hauptsächlich dafür bekannt, Farmtiere anzugreifen und ihnen das Blut auszusaugen. Angeblich weisen die blutleeren Kadaver oft nur eine Bissverletzung am Hals auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Menschen hingegen scheint das Wesen eher ungefährlich zu sein. So gibt es zwar einige Berichte von Menschen, die behaupten, el Chupacabra habe sie angegriffen, die Fälle sind jedoch nur selten und es sind keine ernsthaften Verletzungen oder gar menschliche Todesfälle durch ihn bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Sichtungen von el Chupacabra gab es in Puerto Rico. Mit der Zeit und Bekanntheit des Wesens kamen jedoch weitere Sichtungen in anderen lateinamerikanischen Ländern und den USA hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem el Chupacabra durch das Internet weltweite Bekanntheit erlangt hat, gab es außerdem Sichtungen auf anderen Kontinenten, wie z. B. in Russland und China.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende von el Chupacabra kam erstmals im Jahr 1995 in Puerto Rico auf, als in einem kurzen Zeitraum mehrere anscheinend blutleere Leichen von Farmtieren aufgetaucht sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste tatsächliche Sichtung der Kreatur gab es ebenfalls 1995 in Canóvanas, Puerto Rico. Damals hat Madelyne Tolentino, eine Einheimische, ein aufrecht gehendes echsenähnliches und etwa zwei Meter großes Wesen gesehen, das Stacheln entlang der Wirbelsäule aufwies.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf gab es weitere Sichtungen desselben und sehr ähnlicher Wesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Skeptiker gehen davon aus, dass der Sci-Fi-Horrorfilm „Species“ (1995), der in der Zeit in Puerto Rico im Kino lief und ein Alien beinhaltet, das den damaligen Beschreibungen des Chupacabra stark ähnelt, zu einer Verwechslung zwischen Fiktion und Realität geführt haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so waren die toten Tiere hingegen durchaus real. Innerhalb eines einzelnen Jahres sollen mehr als 2.000 tote Farmtiere gefunden worden sein, die el Chupacabra zugeschrieben wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist es nur verständlich, dass die Legende schnell zu einer Massenpanik geführt hat. Farmtiere wurden nachts von bewaffneten Wachen beschützt, Kinder wurden von Erwachsenen in die Schule eskortiert und einige Familien entschlossen sogar, ihre Häuser zu verlassen und umzuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich erlangte el Chupacabra die Aufmerksamkeit der Presse und sogar die puerto-ricanische Regierung schaltete sich ein, um bei der Aufklärung der Ereignisse zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald gab es mehrere Theorien, wie die Tiere wirklich ums Leben gekommen waren. Einige von ihnen waren z. B. ein starker Anstieg der Mangustenpopulation, woraufhin die Tiere neue Beutetiere brauchten, und wilde Hunderudel oder Kojoten, die nach Nahrung suchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztenendes konnte jedoch nie eindeutig geklärt werden, wer oder was die Tiere tatsächlich umgebracht hatte, und so lebte die Legende des Chupacabra weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre änderte sich schließlich das Bild von el Chupacabra: Er wurde zu dem hundeähnlichen Wesen, wie man ihn heute hauptsächlich kennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grund dafür sind wahrscheinlich mit Räude, besser bekannt als Krätze, infizierte Kojoten und Hunde gewesen. Die Tiere verlieren oft ihr Fell und sind mit der Zeit zu schwach, um ihre natürliche Beute zu jagen, weshalb sie oft auf Farmtiere zurückgreifen müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und selbst die angeblich blutleeren Kadaver lassen sich wissenschaftlich erklären, da Leichen nach ihrem Tod oft blass werden und ein tatsächliches blutleeres Tier nie medizinisch nachgewiesen werden konnte. Es handelte sich also auch hierbei sehr wahrscheinlich um einen Irrtum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch das hindert die Menschen nicht daran, an el Chupacabra zu glauben – ein Wesen, das inzwischen sogar in die Popkultur eingegangen ist und weltweite Bekanntheit erlangt hat. So findet man el Chupacabra in diversen Filmen wie z. B. dem Netflixfilm „Chupa“ (2023), in Kinderbüchern, mehreren Liedern und es wurde sogar ein Cocktail nach ihm benannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von el Chupacabra? Denkt ihr, dass es dieses Tier wirklich geben könnte? Oder haltet ihr es für eine Verwechslung mit z. B. einem kranken Kojoten? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>La Mulata de Córdoba</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 May 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zwar verriet sie niemand an die Inquisition, da die Córdobaner sie respektierten und auf ihre Hilfe angewiesen waren, trotzdem musste Soledad auf der Hut sein. Jede falsche Bewegung, jede falsche Person, die von ihren Fähigkeiten erfuhr, hätte ihren Tod bedeuten können ...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich habe lange überlegt, ob ich einen Beitrag über „La Mulata de Córdoba“ schreiben soll, da es zwar eine sehr bekannte mexikanische Legende ist, bei ihr jedoch wegen des Namens ein gewisser Rassismus mitschwingt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist die Geschichte an sich nicht rassistisch, sondern lediglich die Erzählart der meisten Versionen. Während ich es bei den alten Versionen der Legende verstehen kann, da es dem damaligen Zeitgeist geschuldet ist, finde ich es erschreckend, dass der Rassismus selbst in modernen Varianten weiterhin verwendet wird. So wird Soledad – so heißt die Frau, von der die Geschichte handelt – noch immer fast ausschließlich als „la Mulata“ bezeichnet, obwohl ihr Name bekannt ist. Und auch das Problem der rassistischen Fetischisierung schwingt bei vielen modernen Varianten der Legende mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das beides habe ich natürlich in meiner Geschichte versucht, zu vermeiden. Und auch, wenn es mal wieder eine nicht-gruselige Legende ist, hoffe ich, dass sie euch trotzdem gefällt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Lesen!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Rassismus</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kennt ihr die Legende von la Mulata de Córdoba? Sie handelt von einer Frau, die im 17. oder 18. Jahrhundert in der damals kleinen Küstenstadt Córdoba in Mexiko gelebt hat. Ihr Name war Soledad, was auf Deutsch „Einsamkeit“ bedeutet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soledad war eine Frau, um die sich viele Mysterien ranken. Niemand weiß, wo sie herkam oder wer ihre Eltern waren. Auch ließ sie niemanden zu nahe an sich heran. Sie hatte keine engen Freunde und obwohl sie fast unnatürlich schön war, hatte sie weder einen festen Freund noch einen Ehemann. Aber sie schien nichts daran ändern zu wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sie hingegen hatte, war eine Gabe. Sie war eine Magierin, einige mögen sagen eine Hexe, die ihre übernatürlichen Fähigkeiten genutzt hat, um den Menschen zu helfen. Sie konnte aus Kräutern und anderen Zutaten Heilmittel herstellen, die selbst unheilbare Krankheiten heilen konnten. Mit Ritualen und Zaubertränken befreite sie Leute von Unglück, brachte Arbeitslosen Arbeit und half getrennten Liebenden wieder zusammenzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Leute munkelten sogar, dass Soledad das Wetter manipulieren konnte und ihre unbeschreibliche Schönheit und scheinbar ewige Jugend einzig und allein ihrer Magie entsprang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch während sie allerlei kleine Wunder für die Menschen vollbrachte, hatte niemand ahnen können, wie mächtig Soledad wirklich war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war jedoch nicht alles rosig in ihrem Leben. Soledad lebte in einer Zeit, als Hexen von der Kirche verfolgt wurden. Zwar verriet sie niemand an die Inquisition, da die Córdobaner sie respektierten und immer mal wieder auf ihre Hilfe angewiesen waren, trotzdem musste Soledad auf der Hut sein. Jede falsche Bewegung, jede falsche Person, die von ihren Fähigkeiten erfuhr, hätte ihren Tod bedeuten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also führte sie ein ruhiges, unauffälliges Leben. Sie ließ sich nie etwas zu Schulden kommen, ging regelmäßig in die Kirche und behandelte ihre Mitmenschen stets freundlich und respektvoll, wenn auch immer mit einer gewissen Distanz. Wie ich schon sagte, ließ sie niemanden an sich heran. Das galt besonders für Männer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem versuchten viele Männer ihr Glück bei ihr. Egal ob jung, ob alt, ob reich, ob arm. Es war ihrer Schönheit geschuldet, dass sie viele Verehrer hatte. Und nicht alle von ihnen waren ledig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass die Freundinnen und Ehefrauen besagter Verehrer nicht sonderlich begeistert darüber waren. Auch wenn Soledad jeden Verehrer zurückwies, waren viele ihrer Frauen von Eifersucht geplagt. Sie streuten Gerüchte, um Soledad in ein schlechteres Licht zu rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soledad merkte schnell, dass die Leute hinter ihrem Rücken redeten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Meine Mamá hat gesagt, dass sie eine Hexe ist“, tuschelte eines Tages ein Kind hinter vorgehaltener Hand, als sie über den Marktplatz ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, mein Papá meinte, er hat sie nachts über die Häuser fliegen sehen. Sie hat dabei wie ein altes Weib gekichert!“, erwiderte ein anderes Kind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweifelsohne war besagter Papá einer der Männer, die Soledad zurückgewiesen hatte. Trotzdem konnte sie nichts tun, außer die Kinder zu ignorieren und ihren Einkauf fortzusetzen. Alles andere hätte bloß noch mehr Aufsehen erregt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Córdoba war eine kleine Stadt. Solche Gerüchte hielten sich hartnäckig. Sie breiteten sich aus wie eine stinkende Woge und festigten sich in den Köpfen der Bewohner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens, als das Gerücht aufkam, dass Soledad dem Teufel versprochen sei und das der Grund dafür wäre, dass sie keine Männer an sich heranließ, spürte Soledad die Auswirkungen des Geschwätzes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Leute wurden ihr gegenüber allmählich misstrauisch. Immer weniger Menschen kamen zu ihr, um sie um Hilfe zu bitten. Aber obwohl die Gerüchte einige potentielle Verehrer verschreckten – immerhin wollte niemand es mit dem Teufel zu tun bekommen –, gab es andere, die sich nicht davon beeindrucken ließen. Geblendet von Soledads Schönheit versuchten sie ihr Glück trotzdem bei ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer dieser Männer war Don Martin de Ocaña, der Bürgermeister von Córdoba. Er war ein reicher Mann, der es gewohnt war, dass er seinen Willen bekam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so klopfte es eines frühen Morgens an Soledads Tür. Für sie war das nichts Ungewöhnliches. Die Leute kamen zu jeder Tages- und Nachtzeit zu ihrem Haus, wann immer sie Hilfe benötigten und sich von ihren Nachbarn unbeobachtet fühlten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Soledad die Tür jedoch öffnete, fiel das Licht ihrer Lampe auf einen bunten Blumenstrauß. Der bunteste Blumenstrauß, den sie je gesehen hatte. Der Bote, der ihr die Blumen entgegenhielt, wirkte im Vergleich fast klein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für Sie, Soledad. Mit freundlichen Grüßen von Don Martin de Ocaña“, sagte der Bote überschwänglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soledad fand die Blumen wunderschön. Bereits aus der kurzen Distanz konnte sie ihren süßen Duft riechen und ihre Farbpracht bewundern. Am liebsten hätte sie sie angenommen, aber sie wusste, dass ein solches Geschenk nie ohne erwartete Gegenleistung kam. Wenn sie den Blumenstrauß annehmen würde, hätte Don Martin de Ocaña das als Einladung gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Danke, aber ich kann das Geschenk nicht annehmen“, erwiderte sie. „Richten Sie dem Bürgermeister bitte aus, dass er sein Glück lieber bei einer anderen Frau versuchen soll.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bote machte große Augen. „Don Martin wird darüber nicht erfreut sein! Bitte, überdenken Sie es noch einmal!“, flehte er sie an. Wahrscheinlich hatte er Angst, dass der Ärger seines Auftraggebers ihn treffen würde, wenn er mit schlechten Nachrichten zu ihm zurückkehrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Soledad ließ sich nicht umstimmen. Wenn sie mit dem Bürgermeister gesehen werden würde, würde das sie nur noch mehr ins Rampenlicht rücken. Und so schickte sie den Boten mitsamt den Blumen zurück zu Don Martin de Ocaña.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bürgermeister war verwirrt. Er war es nicht gewohnt, abgelehnt zu werden. Also entschied er, es noch einmal zu versuchen. Es dauerte keine Woche, bis ein weiterer Bote vor Soledads Tür stand. Er bot ihr die feinsten Kleider an, die sie je gesehen hatte – mit freundlichen Grüßen von Don Martin de Ocaña. Wieder schickte Soledad den Boten mit den Geschenken fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgten noch einige weitere Geschenke, doch Soledad lehnte sie alle ab. Also entschied Don Martin, die Sache anders anzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein angenehm warmer Morgen. Die Sonne schickte ihre warmen Strahlen über den Marktplatz, auf dem Soledad ihre Einkäufe erledigte. Sie war gerade dabei, frisches Obst an einem der Stände zu begutachten, als plötzlich ein Raunen durch die Menge ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell sah Soledad sich um. Es konnte ja sein, dass die Inquisition gekommen war, weil sie nach ihr suchten. Fast sofort erkannte Soledad, was los war:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Blumenstrauß, noch größer und bunter als der erste, schob sich durch die Menge auf Soledad zu. Dahinter konnte sie gerade noch so Don Martin erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Soledad, oh schönste aller Blumen, ich weiß jetzt, warum du meine Geschenke abgelehnt hast“, sagte er, sobald er sie erreicht hatte. „Ich war ein Narr. Ich hätte gleich zu Anfang persönlich zu dir kommen sollen. Bitte, nimmst du diese Blumen als Entschuldigung an?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen kurzen Moment war Soledad sprachlos. Sie verstand nicht, wie der Bürgermeister sie so missverstanden haben konnte. Kurz bevor die Stille unangenehm wurde, antwortete sie: „Es tut mir wirklich leid, aber ich kann Ihre Blumen nicht annehmen. Bitte verzeihen Sie, Don Martin de Ocaña. Ich bin mir sicher, Sie finden eine andere Frau.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesen Worten machte Soledad auf dem Absatz kehrt und eilte, gerade so schnell, dass es nicht unhöflich war, vom Marktplatz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie beschämend die Situation für Don Martin gewesen sein musste. Wie er mit offenem Mund dastand, die Blumen noch immer in den Händen, während alle Augen auf ihn gerichtet waren. Und dann hatte die Frau, die ihn abgelehnt hatte, auch noch eine dunkle Hautfarbe!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn ihr müsst wissen, dass Menschen mit einem schwarzen Elternteil zu damaligen Zeiten in Mexiko weniger Rechte hatten. So traurig es auch ist, waren sie nicht selten in den Augen ihrer nicht-schwarzen Mitmenschen weniger Wert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Don Martin war nicht Bürgermeister von Córdoba geworden, indem er mit Druck und unerwarteten Situationen nicht umgehen konnte. Sofort setzte er zu einem Lachen an. „Ha! Frauen!“, verkündigte er fröhlich. „Man muss sie nicht verstehen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Scheinbar gut gelaunt, begann er, die Blumen an die Passanten zu verschenken, um von der unangenehmen Situation abzulenken. Innerlich brodelte er hingegen. Fieberhaft überlegte er, wie er sein Gesicht vor dem Volk wahren konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weniger als 24 Stunden später hatte er einen Plan ausgearbeitet. Einen Plan, der ihn wieder in ein gutes Licht rücken und Soledad zum Verhängnis werden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Don Martin ließ überall herumerzählen, dass Soledad ihm einen Liebestrank eingeflößt habe, nur um ihn anschließend in aller Öffentlichkeit bloßzustellen. Sie habe es aus purer Boshaftigkeit getan, um seinem Ruf zu schaden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gerücht breitete sich schneller aus als ein Waldbrand im Hochsommer. Bald behaupteten auch andere Männer, Soledad habe ihnen einen Liebestrank gegeben. Es war perfekt! Endlich hatten sie einen Grund, eine Ausrede, weshalb sie ihren Frauen untreu gewesen waren. Die armen Männer konnten gar nichts dafür. Es war die dunkle Magie einer Hexe, die ihren Verstand vernebelt hatte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so kam es, wie es kommen musste. Das Gerücht schlug so hohe Wellen, dass schließlich auch die Inquisition von der vermeintlich bösen Hexe erfuhr, die in Córdoba ihr Unwesen trieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Inquisition schließlich vor Soledads Tür stand, um sie zu verhaften, leistete die Magierin keinen Widerstand. Unter den zufriedenen und spöttischen Blicken der Córdobaner ließ sie sich abführen. Ihre Nachbarn, die noch Wochen zuvor um ihre Hilfe gefleht hatten, hatten nichts als Verachtung in ihren Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Jugendliche bewarfen Soledad sogar mit faulem Obst, das süßlich stinkende Flecken auf ihrer Kleidung hinterließ. Sie ließen es aber sofort bleiben, als die Inquisitoren sie mit bösen Blicken straften – wahrscheinlich hatten die heiligen Männer Angst, selbst getroffen zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was darauf folgten, waren ein schnelles Gerichtsverfahren und eine Verurteilung zum Tod durch Verbrennung. Der Entschluss des Gerichts stand bereits fest, bevor Soledad auch nur einen Fuß in das Gerichtsgebäude gesetzt hatte. Mit Hexen wurde kurzer Prozess gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so landete sie noch am selben Tag in einer kalten, ungemütlichen Zelle. Aber während die meisten Menschen in ihrer Situation wohl aufgegeben hätten, entschied Soledad, ein letztes Wunder zu vollbringen, eine letzte Demonstration ihrer Macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wann immer man ihr etwas zu Essen brachte – es gab nur trockenes Brot, manchmal hatte es schon grüne Flecken –, verwickelte sie den Wachmann in Gespräche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesmal war es der Mann, der sie auf Distanz hielt. Er war vor ihr gewarnt worden. Trotzdem verfiel bald auch er ihrer Schönheit. Er genoss es, mit ihr zu reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst waren es nur Kleinigkeiten. Soledad fragte nach dem Wetter, was es Neues aus der Stadt gab oder was der Wachmann zu Mittag gegessen hatte. Später wurde sie persönlicher. Sie erfuhr, dass der Wachmann allein mit seiner kranken Mutter lebte, gab ihm Ratschläge, wie er sie zu pflegen hatte, und redete mit ihm über seinen toten Vater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ging es bis zum Tag vor Soledads Hinrichtung weiter. Der Wachmann hatte eine finstere Miene, während er ihr das trockene Brot brachte. Nach einem verstohlenen Blick legte er ihr außerdem einen frischen Apfel hin, den er reingeschmuggelt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für dich“, sagte er mit trockenem Hals. Dann wandte er sich zum Gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soledad sprang auf. „Bitte warte!“, flehte sie ihn an, blieb aber auf Abstand, um ihn nicht zu verunsichern. „Würdest du mir einen Gefallen tun?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wachmann wandte sich ihr wieder zu. Misstrauisch sah er sie an. Hatte Soledad ihn noch nicht genug um den Finger gewickelt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was willst du?“, fragte er nach einer gefühlten Ewigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nicht viel. Nur eine Kleinigkeit. Würdest du mir bitte ein Stück Holzkohle bringen? Sieh es als meinen letzten Wunsch!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wachmann wusste nicht, was sie damit vorhatte. Er überlegte fieberhaft hin und her. Brauchte sie es für irgendeine Art Zauber? Aber was konnte sie mit einem einzigen Stück Kohle schon ausrichten? Also kam er ihrer Bitte schließlich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soledad dankte ihm überschwänglich. Sobald der Wachmann fort war, nahm sie das Stück Kohle und hockte sich vor eine Wand, wo sie sofort zu zeichnen begann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ruhte in jener Nacht nicht eine Sekunde. Wie im Wahn malte sie weiter und weiter. Ein Kohlestrich präziser als der nächste zeichnete sie einen Schiffsbug an die Wand. Dann folgten die Masten, die Segel und schließlich das Lenkrad und die Seile.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Wachmann am nächsten Morgen wiederkam, saß Soledad müde lächelnd auf der unbequemen Matratze, die ihr Bett darstellte. Mit einer Gelassenheit, die eine zum Tode Verurteilte nicht haben sollte, stand sie auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist es so weit?“, fragte sie den Wachmann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser nickte bloß traurig. Man sah ihm an, dass er keine Freude daran hatte, Soledad zu ihrem Scheiterhaufen bringen zu müssen. Dann bemerkte er die Kohlezeichnung an der Wand. Staunend stand er davor. Noch nie in seinem Leben hatte er ein solches Kunstwerk gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fehlt dem Schiff irgendetwas?“, fragte Soledad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wachmann war nicht in Eile, während er das Schiff genau betrachtete. Er war froh, dass er Soledad noch ein paar wenige Sekunden Leben schenken konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er das Schiff schließlich fertig studiert hatte, wandte er sich wieder Soledad zu. „Es ist perfekt. Nicht ein einziges Seil fehlt deinem Schiff. Alles, was ihm jetzt noch fehlen könnte, wäre, dass es die Segel setzt.“ Ein trauriges Lächeln lag auf seinem Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soledad erwiderte sein Lächeln, nur das ihres sehr viel wärmer und fröhlicher wirkte. „Wenn das dein Wunsch ist, wird das Schiff Segel setzen“, antwortete sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann trat sie – so besagt es die Legende – in die Wand hinein. Mit einem Satz sprang sie, nun selbst eine Kohlezeichnung, auf das Schiff, wo sie beim Steuerrad landete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig starrte der Wachmann sie an, wie sie ihren kleinen Kohlearm hob, um ihm zuzuwinken. Die Segel des Schiffes blähten sich auf, als würde ein Wind in sie blasen, und das Schiff segelte langsam davon. Der Wachmann konnte nur zusehen, wie das Schiff in der nächsten Zellwand verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war das letzte Mal, dass Soledad in Córdoba gesehen wurde. Einige Leute sagen, dass sie an jenem Tag zu ihrem Ehemann, dem Teufel zurückgekehrt sei. Aber das glaube ich nicht. Wenn Soledad wirklich dem Teufel versprochen war, wieso war sie dann solch ein gutherziger Mensch? Wieso sollte sie all die Jahre den Leuten aus Córdoba geholfen haben, wenn sie angeblich böse war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube viel eher, dass sie sich einen neuen Ort zum Leben gesucht hat. Eventuell ist sie zu ihrer Familie zurückgekehrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wer weiß, wenn die Gerüchte wirklich stimmen, dass Soledad dank ihrer Magie nicht gealtert ist, vielleicht lebt sie dann ja sogar noch heute unter uns.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">La Mulata de Córdoba ist eine alte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> aus Córdoba in Veracruz, Mexiko. Sie handelt von einer wunderschönen und mächtigen Magierin, die, obwohl sie den Leuten eigentlich nur geholfen hat, als Hexe zu Tode verurteilt wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kurze Anmerkung zum Wort „Mulata“:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verzichte in diesem Fall auf eine Übersetzung des Wortes, da ich kein rassistisches Vokabular verbreiten möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Spanischen sieht es mit dem Wort „Mulata“ jedoch etwas anders aus als in anderen Sprachen. Obwohl sein Ursprung eindeutig rassistisch ist (das Wort kommt von „Mulo“, Spanisch für „Maultier“), nutzen dort viele Mixed People (Leute mit Eltern unterschiedlicher ethnischer Abstammung) das Wort mit Stolz. Sie haben es sich also zu gewissen Teilen angeeignet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ist das Wort keinesfalls unbefangen und es gibt auch eine Gegenbewegung, die das Wort weiterhin als rassistisch auffasst und aus dem Wortschatz verbannen möchte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende von La Mulata del Córdoba spielt im 17. oder 18. Jahrhundert. Damals lebte eine Frau namens Soledad (Spanisch für „Einsamkeit“) in Córdoba, die von den Leuten jedoch nur „la Mulata“ genannt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soledad soll wunderschön gewesen sein. Sie hatte magische Fähigkeiten, mit denen sie den Leuten half. Und auch ihre scheinbar ewig währende Jugend und Schönheit schrieb man ihrer Magie zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig wusste niemand etwas über sie. Man wusste nicht, woher sie kam, wer ihre Eltern waren oder woher sie ihr Wissen und ihre Magie bezog. Es gab sogar Gerüchte, dass sie eine Hexe sei, die mit dem Teufel im Bunde ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem meldete niemand Soledad bei der Kirche oder der Inquisition, da sie ihnen bei ihren Problemen half und ein gutes Leben führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wie es oft mit dem Übernatürlichen und Unerklärlichen ist, war Soledads ruhiges Leben nicht von Dauer. Aufgrund ihrer Schönheit hatte sie viele Verehrer, deren Freundinnen und Ehefrauen ihr gegenüber schnell eifersüchtig wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie verbreiteten Gerüchte über sie, dass sie nachts durch die Luft flöge, dabei unheimlich lache und dass Satan in ihrem Haus ein und ausginge. Da sie kein Interesse an den Männern zeigte, die ihr Glück bei ihr versuchten, kam sogar das Gerücht auf, dass sie dem Teufel als Ehefrau versprochen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann, der Soledad schließlich zum Verhängnis wurde, war der Bürgermeister von Córdoba: Don Martin de Ocaña. Er umwarb Soledad und beschenkte sie mit teuren Geschenken, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Doch Soledad blieb auch ihm gegenüber kalt und gab ihm keine Chance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das machte Don Martin de Ocaña wütend. So wütend, dass er ihr die Inquisition auf den Hals hetzte. Kurz darauf wurde Soledad wegen Hexerei verhaftet und zum Tod durch Verbrennung verurteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Soledad im Gefängnis saß, wartete sie jedoch nicht tatenlos auf ihre Hinrichtung. Stattdessen bat sie einen Wächter um ein Stück Kohle. In einigen Versionen hat sie sich dafür mit ihm angefreundet, in anderen reichte ihre Schönheit aus und in wieder anderen war das Stück Kohle ihr letzter Wunsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald sie die Kohle hatte, machte sie sich sofort an die Arbeit. Sie begann, ein Schiff an die Wand ihrer Zelle zu malen. Und zwar in solcher Präzision, dass jedes einzelne Stück Stoff, jede Planke und jedes Detail da waren. Sie brauchte hierfür entweder mehrere Tage oder fertigte die komplette Zeichnung in der Nacht vor ihrer Hinrichtung an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie schließlich zur Hinrichtung abgeholt werden sollte, zeigte sie dem Wachmann ihr Werk. Sie fragte ihn, ob an der Zeichnung irgendetwas fehle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wachmann nahm sich Zeit, die Zeichnung anzusehen. Er betrachtete sämtliche Details, bis er schließlich meinte, dass an dem Schiff alles dran sei. Das Einzige, was fehle, wäre, dass es Segel setzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin erwiderte Soledad, dass, wenn das so wäre, das Schiff Segel setzen solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor den Augen des Wachmanns sprang die Frau plötzlich in die Wand und stand als Kohlezeichnung auf dem Schiff. Das Schiff segelte los und verschwand zusammen mit Soledad in der Zellenwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal endet die Geschichte an dieser Stelle. In anderen Fällen heißt es, dass der Wachmann vor Schock gestorben oder wahnsinnig geworden sei. Manchmal sollte statt des Wachmanns auch ein Mitglied der Inquisition Soledad aus ihrer Zelle holen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber, ob Soledad nun wirklich eine böse Hexe war, die mit dem Teufel im Bunde war, oder eine gutmütige Frau mit magischen Fähigkeiten, gibt es verschiedene Aussagen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">La Mulata de Córdoba spielt, wie der Name schon sagt, in Córdoba, einer Stadt in Veracruz, Mexiko.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zu dem Ursprung von La Mulata del Córdoba habe ich erstaunlich wenig herausfinden können. Zwar gab es zur Kolonialzeit in Mexiko durchaus Hinrichtungen von vermeintlichen Hexen, aber ob eine Frau namens Soledad darunter war, ist nicht bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch den Namen des Bürgermeisters Don Martin de Ocaña habe ich nur im Zusammenhang mit der Legende gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nur, dass schriftliche Aufzeichnungen der Legende bereits seit über 200 Jahren existieren. Mündliche Überlieferungen könnten sogar noch älter sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem ist die Legende in der Literatur und Kunst weit verbreitet. So gibt es bereits viele, hauptsächlich mexikanische Kunstschaffende und Schriftstellende, die die Legende in ihren Bildern und Geschichten behandelt haben. Auch gibt es ein Theaterstück und eine Oper, die die Legende nacherzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film „La Mulata de Córdoba“ von 1945 hingegen hat hingegen nichts mit der Legende zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was vielleicht auch noch interessant ist, ist ein mexikanisches Sprichwort, das sich auf die Legende bezieht. Wenn jemand um etwas Unmögliches gebeten wird oder etwas gefragt wird, das er nicht wissen kann, so kann er antworten: „Yo no soy la Mulata de Córdoba!“ (Spanisch für: „Ich bin nicht la Mulata de Córdoba!“)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Legende? Wie hat euch meine Geschichte dazu gefallen? Denkt ihr, dass Soledad eine böse Hexe war oder zu Unrecht beschuldigt wurde? Was glaubt ihr, ist mit ihr passiert, nachdem sie mit dem Schiff verschwunden ist? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<title>El Coco &#8211; Beschützt eure Kinder!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 May 2022 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Einen Moment saß ich stocksteif da, lauschte angespannt. Aber ich hörte nur meinen Atem, der jetzt schnell und unregelmäßig ging, und das Pochen meines Herzens. Vorsichtig zog ich die Decke von meinem Kopf. Ich hoffte so sehr, dass ich mich geirrt hatte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/4538109b172b421dae5299790c3f4ec0" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">El Coco ist ein Beitrag, mit dem ich mich etwas länger herumgeschlagen habe. Erst hat mir meine Idee für die Geschichte nicht gut genug gefallen, dann hatte ich eine Zahn-Op und war nicht ganz auf der Höhe und jetzt stand der Beitrag wieder auf der Kippe, weil ich ihn fast nicht fertig bekommen habe. (Das Bild reiche ich natürlich nach!)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe, euch gefällt meine Geschichte über den spanisch-portugiesischen Boogeyman.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Gewalt gegen Kinder<br>
&#8211; Kindesentführung</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Glaubt ihr an den schwarzen Mann? Den Boogeyman? Den Butzemann? Hier in Spanien kennen wir ihn unter dem Namen „el Coco“, und ich habe ihn gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals war ich noch ein junges Mädchen, gerade einmal acht oder neun Jahre alt. Ich war nicht die Artigste, habe mich oft mit irgendwelchen Jungs angelegt, die sich darüber lustig gemacht haben, dass ich als Mädchen Fußball gespielt habe. Außerdem hatte ich ein Faible für Streiche, die außer mir seltsamerweise niemand lustig fand. Ich hatte deshalb oft Ärger mit den Lehrern oder meinen Eltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dürfte also niemanden überraschen, dass el Coco es ausgerechnet auf mich abgesehen hatte. Ich war nahezu ein Paradebeispiel für ein Kind, dass von dem Boogeyman heimgesucht wurde. Aber obwohl ich damals eine unvorstellbare Angst vor der dunklen Gestalt hatte, die plötzlich an meinem Bett stand, obwohl ich dachte, dass mein junges Leben viel zu früh vorüber wäre, war es nicht meine furchteinflößendste Begegnung mit el Coco. Nein, die sollte ich erst viele Jahre später haben, als ich bereits eine erwachsene Frau war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erinnerung an el Coco hatte ich längst verdrängt. Als Krankenschwester war ich eine Frau der Wissenschaft. Ich glaubte nicht an das Übernatürliche. Meine erste Begegnung tat ich als bloßen Albtraum ab. Ich vergaß die Angst, die ich vor dem Wesen hatte. Sie kam erst zurück, als ich mit meinem Mann in der Küche stand und über unseren gemeinsamen Sohn sprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Manchmal erinnert Raul mich an dich, als du noch klein warst“, sagte Antonio.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah meinen Mann mit gerunzelter Stirn an. Die Hände hatte ich in die Hüfte gestemmt. Raul sah mir nicht gerade ähnlich. Ich hatte glatte schwarze Haare, während er hellbraune Locken trug. Außerdem war seine Haut ein gutes Stück heller als meine. Abgesehen von unserer gemeinsamen Liebe für Fußball hatten wir nicht viele Gemeinsamkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja, du warst auch nicht gerade ein Unschuldsengel“, erklärte Antonio. „Weißt du noch, als du unserer Klassenlehrerin Frau Lopez einen Wassereimer auf die Tür gestellt hattest? Du warst beleidigt, weil sie dir eine schlechte Note gegeben hat“, sagte er grinsend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Erinnerung hatte ich Mühe, ein Schmunzeln zu unterdrücken. Trotzdem sah ich meinen Mann weiter streng an. „Raul ist aber kein Kind mehr. Er ist 12. Dios mio, er hat ein Mädchen geschlagen! In dem Alter war ich schon sehr viel vernünftiger. Ich war in keiner einzigen Prügelei mehr, nachdem &#8230;“, ich brach ab. Warum eigentlich? Wieso hatte ich damals damit aufgehört?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich war sie wieder da: meine Erinnerung an el Coco. Ich sah ihn fast vor mir, den schwarzen Schatten am Fußende meines Bettes. Er streckte seine pechschwarze Hand nach mir aus. Ich umklammerte meine Beine, starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mi amor, alles in Ordnung?“, fragte Antonio.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus meinen Gedanken gerissen blinzelte ich erschrocken. „Hmm?“, fragte ich. Ich versuchte, die Bilder aus meinem Kopf zu verdrängen. „Ja, alles gut. Aber ich muss langsam los. Wir reden nachher weiter, ja?“ Ich trank hastig einen letzten Schluck von meinem noch immer halb vollen Kaffee, gab Antonio einen Kuss und beeilte mich, zur Arbeit zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Wirklichkeit hatte ich es nicht eilig, aber ich brauchte Zeit zum Nachdenken. Was genau war diese Erinnerung? War es bloß ein Traum, den ich als Kind hatte? Oder steckte mehr dahinter? Nein. Es musste ein Traum gewesen sein. Aber was wenn nicht? War Raul in Gefahr? El Coco hatte sich damals so real angefühlt. Ich schauderte jetzt noch, als ich mir vorstellte, wie seine rot leuchtenden Augen mich anstarrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zerbrach mir den halben Arbeitstag den Kopf darüber. Die andere Hälfte war ich im Stress. Im Krankenhaus war ziemlich viel los, da mussten sich die eigenen Gedanken schonmal hinten anstellen. Und so kam es, dass ich auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause noch immer nicht wusste, was ich tun sollte. Ich entschied, Antonio um Rat zu bitten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er machte mir gerade das Essen warm, das er zu Mittag für sich und Raul gekocht hatte, als ich endlich genug Mut hatte, es anzusprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du Schatz, sag mal &#8230; wegen heute Morgen“, begann ich zaghaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Mädchen?“, fragte Antonio sofort. „Mach dir keine Sorgen. Ich habe mich um alles gekümmert. Ich habe mit Frau Martín geredet. Ihre Tochter und Raul haben sich vertragen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist gut, aber &#8230;“ Ich räusperte mich nervös. „Raul muss sein Verhalten ändern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio seufzte schwer. „Ach Lucía, mi amor, er ist noch ein Kind. Außerdem kommt er langsam in die Pubertät. Da hatten wir alle solchen Quatsch im Kopf.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich nicht“, sagte ich mit trockenem Mund. Die Bilder von heute Morgen schwirrten mir noch immer durch den Kopf. „Aber da ist noch etwas anderes. Kennst du die Legende von el Coco?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio wurde plötzlich sehr still. Er sah mich einen Moment an, bevor er sehr leise erwiderte: „Ich hoffe, du willst damit nicht sagen, was ich denke. Ich halte von solchen Erziehungsmethoden nichts.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte schnell. „Das weiß ich doch. Aber &#8230; stell dir mal vor, dass es el Coco wirklich gibt“, versuchte ich es zaghaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Mann verstand nicht, worauf ich hinaus wollte. „Ich weiß, dass es mit Raul manchmal schwierig ist, aber ich mache unserem Sohn keine Angst, nur damit er sich besser benimmt. Das wäre nicht anders, als würden wir ihn zur Bestrafung schlagen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nervös knetete ich meine Hände. In jeder anderen Situation würde ich ihm zustimmen. Psychischer Terror konnte genauso schlimm sein wie körperlicher. Aber es ging mir ja nicht darum, Raul Angst zu machen, sondern ihn zu beschützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch, während ich meinen Mut zusammennahm. Die Worte kamen mir nicht leicht über die Lippen. „Was ich eigentlich meinte &#8230; Also &#8230; El Coco gibt es wirklich. Ich habe ihn als Kind gesehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio schwieg. Es kostete mich einige Überwindung, meinen Mann anzusehen. Er musterte mich, als hätte ich behauptet, Papá Noel – der spanische Weihnachtsmann – persönlich zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich weiß, wie das klingt“, sagte ich. „Aber es ist mein voller Ernst.“ Ich erzählte ihm, was mir als Kind widerfahren war – zumindest das, an was ich mich erinnerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio war nicht überzeugt. „Mi amor. Du warst ein Kind und hattest einen Albtraum. Vielleicht eine Schlafparalyse. Das ist eine Art Wachzustand, in dem du immer noch träumst. Dabei liegst du reglos im Bett und kannst die furchteinflößendsten Dinge sehen, wie zum Beispiel &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich weiß, was eine Schlafparalyse ist!“, unterbrach ich ihn etwas zu laut. Sofort senkte ich meine Stimme. „Ich weiß, was eine Schlafparalyse ist“, wiederholte ich ruhiger. „Aber ich schwöre dir, dass ich damals wach war. Ich bin mir ganz sicher.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir redeten noch eine Weile hin und her. Ich versuchte, ihn zu überzeugen, aber ich schaffte es nicht. Je mehr wir redeten, desto mehr zweifelte ich an mir. War ich nicht am Morgen selbst noch unsicher gewesen? Hatte mich selbst gefragt, ob es nicht alles nur ein Traum gewesen war?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir einigten uns schließlich darauf, künftig bei Raul härter durchzugreifen. So würde er es sich wenigstens zweimal überlegen, bevor er das nächste Mal Mist baute. Von el Coco durfte ich ihm natürlich nicht erzählen, aber ich war mir gar nicht so sicher, ob ich das überhaupt noch wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Tage waren ruhig – zu Hause, auf der Arbeit und sogar mit Raul. Er benahm sich fast schon vorbildlich, zumindest soweit wir wussten. Ab und an musste ich noch an el Coco denken, aber ich belächelte mich dabei eher selbst. Ich hatte mich damit abgefunden, dass es ein Traum gewesen sein musste. Wenn es el Coco wirklich gäbe, hätte bestimmt schon jemand einen Beweis dafür gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich etwa eine Woche später die Wäsche machte, bekam ich wieder ein leichtes Unwohlsein in meiner Magengegend. Ich holte gerade Rauls Fußballtrikot aus dem Trockner und schwelgte dabei wie so oft in Erinnerungen. Es sah meinem Fußballtrikot von früher zum Verwechseln ähnlich. Ich erinnerte mich an die Zeit, als ich es fast täglich getragen hatte, egal ob ich Training hatte oder nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber während meine Erinnerungen an damals sonst immer schön waren, kam mir heute ein schon längst vergessener Streit in den Sinn. Ein Junge aus meiner Schule – Rafael – hatte sich auf dem Pausenhof darüber beschwert, dass ich, ein Mädchen, in seinem Fußballteam spielen solle. Es war ein von uns Schülern gemachtes Turnier, das darüber entschied, wer die nächsten Tage den Fußballplatz in den Pausen nutzen durfte. Eine ziemlich große Sache. Ich hatte Rafael gegen sein Schienbein getreten und einen Idioten genannt, woraufhin er weinend weggelaufen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnerte mich noch so gut daran, weil ich danach verdammt viel Ärger mit meinen Eltern und meiner Klassenlehrerin hatte. Rafael war beim Rennen nämlich gestürzt und hatte sich die Nase gebrochen. Und mir gab man die Schuld dafür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch, wenn ich über so etwas heute wohl gelacht hätte, war da noch etwas anderes: Es war mein letzter großer Streit, bevor el Coco mich heimgesucht hatte &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Tag ging ich früh ins Bett. Mein Kopf kreiste. So sehr ich auch versuchte, mich abzulenken, es gelang mir nicht. Und so verfolgte meine Erinnerung mich bis in meine Träume.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine Nacht kurz nach dem Streit mit Rafael. Ich hatte Hausarrest und durfte mein Zimmer nur verlassen, um auf Toilette zu gehen, oder wenn meine Eltern mich zum Essen riefen – meine Strafe dafür, dass ich meine Eltern angeschrien hatten. Aber was hätte ich anderes tun sollen. Ich hatte ihnen schon über 20 Mal gesagt, dass ich Rafael die Nase nicht gebrochen hatte. Ich hatte ihn ja nicht einmal geschlagen, nur getreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so saß ich in meinem Bett, die Decke über mich geworfen und blätterte heimlich in einem Fußballmagazin, das ich vor meinen Eltern versteckt hatte. Sie hatten mir sonst alles weggenommen, was Spaß machte. Mir blieben nur meine Hausaufgaben und irgendwelche langweiligen Bücher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blätterte also durch das Magazin und las die Artikel bestimmt schon das fünfte oder sechste Mal, als plötzlich ein leises Quietschen wie das einer Tür zu hören war. Natürlich war ich die ganze Zeit aufmerksam gewesen, hatte gelauscht, ob ich Schritte im Flur hören konnte, für den Fall, das meine Eltern zu mir wollten. Aber da waren keine Schritte. Und das Quietschen gehörte auch nicht zu meiner Zimmertür, sondern zu meiner Schranktür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Moment saß ich stocksteif da, lauschte angespannt. Aber ich hörte nur meinen Atem, der jetzt schnell und unregelmäßig ging, und das Pochen meines Herzens. Vorsichtig zog ich die Decke von meinem Kopf. Ich hoffte so sehr, dass ich mich geirrt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, als ich ihn das erste Mal sah: el Coco. Er stand dort, mitten in meinem Zimmer zwischen Schreibtisch und Bett. Kaum mehr als ein Schatten, ein menschenähnlicher Umriss, dem sämtliche Farbe fehlte. Wie ein schwarzes Loch, das mich mit glühend roten Augen anstarrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schrie wie am Spieß, kreischte nach Mamá und Papá, wieder und wieder, während el Coco an mein Bett trat und seine pechschwarze Hand nach mir ausstreckte. Ich zog meine Beine an die Brust, verlor dabei die Bettdecke, presste mich mit dem Rücken an die Wand, während ich weiter schrie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch el Coco kam näher und näher. Seine Hand hatte mich fast erreicht. Was sollte ich also anderes tun, als mich zu wehren? Ich trat um mich, versuchte, seine Hand zu erwischen, doch der Schatten war zu schnell für mich. In dem Moment, als ich nach ihm trat, zog er die Hand zurück. Ehe ich mein Bein wieder angezogen hatte, schnellte sie jedoch wieder vor und packte meinen Unterschenkel mit eiskalten Fingern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte, wie er mit eiserner Kraft an mir zog, versuchte, mich irgendwo festzuhalten, doch mein Laken war zu rutschig. Aber noch gab ich nicht auf. Mit meinem freien Bein trat ich wieder und wieder nach seiner Hand. Es klappte! Sie lockerte sich. Nach einem weiteren kräftigen Tritt rutschte seine Hand weg. Ein schneidender Schmerz fuhr durch mein Bein, aber ich war frei! Zumindest dachte ich das für den Bruchteil einer Sekunde. Dann spürte ich seinen kalten Griff jedoch um mein Fußgelenk. Ich hatte vielleicht zehn Zentimeter meines Beins zurückgewonnen. Und diesmal drückte er fester zu. So fest, dass er mir die Adern abschnüren musste.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich war es um mich herum stockdunkel. Schweißgebadet saß ich da. Ich war noch immer im Bett, aber, wie ich an dem leisen Schnarchen neben mir erkannte, nicht mehr in meinem Kinderbett, sondern in meinem Ehebett. Ich war in Sicherheit. Es war nur ein Traum gewesen &#8230; Oder eher eine Erinnerung. Eine Erinnerung an jene Nacht, in der el Coco mich heimgesucht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Kopf war es wieder so klar, als wäre es erst gestern gewesen. El Coco war gerade dabei, mich aus dem Bett zu zerren, als plötzlich meine Mutter ins Zimmer gestürzt kam. Sie kam zu mir gerannt, fragte, was passiert sei, und nahm mich tröstend in den Arm. El Coco hatte sie nie gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Eltern waren damals der Meinung, dass ich bloß einen Albtraum gehabt hätte. Der Schmerz, den ich in meinem Bein gespürt hatte, war ein Kratzer gewesen, den el Coco mir zugefügt hatte. Aber selbst der überzeugte meine Eltern nicht. Sie erklärten mir, dass ich mir während des Albtraums das Bein mit einem Zehennagel selbst zerkratzt hätte. Aber ich kannte die Wahrheit. Ich hatte nicht geschlafen. Es war kein Albtraum gewesen, sondern el Coco. Er war real.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die restliche Nacht hatte ich Probleme, weiterzuschlafen. Ich kuschelte mich an Antonio, versuchte, an etwas anderes zu denken, aber mein Kopf wanderte immer zum selben Gedanken zurück: Mein Sohn schwebt in Lebensgefahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte es nicht genau erklären. Es gab unzählige Kinder da draußen, die aufmüpfig waren und trotzdem von el Coco in Ruhe gelassen wurden. Wieso sollte ausgerechnet Raul in Gefahr sein? Aber ich spürte es. Ich spürte, dass el Coco auf ihn aufmerksam geworden war. Nennt es, wie ihr wollt: Paranoia oder eine Vorahnung. Ich sollte recht behalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag musste ich ständig an el Coco denken. Beim Aufstehen, unter der Dusche, beim Anziehen. Die schwache Narbe an meinem Bein, kaum mehr als ein Strich, den man nur sah, wenn man wusste, dass er überhaupt da war, zog meinen Blick auf sich, wie ein Leuchtfeuer. In meinem Kopf sah ich wieder und wieder el Cocos Hand, die mein Bein gepackt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch auf der Arbeit hatte ich Probleme. Obwohl ich sonst keine Probleme hatte, Beruf und Privatleben zu trennen, war ich heute nicht bei der Sache. Einem vegetarisch lebenden Patienten brachte ich ein Fleischgericht, wollte eine ältere Dame waschen, die sich sehr gut allein duschen konnte, und bei einem jungen Mann brachte ich fast den Medikamentenplan durcheinander. Ich konnte von Glück reden, dass ich es noch rechtzeitig bemerkt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der größte Schock sollte erst kommen, als ich wieder zuhause war. Ich merkte schnell, dass etwas nicht stimmte. Nicht nur, dass Rauls Handy auf dem Küchentisch lag, obwohl er es sonst nie freiwillig weggab, sondern auch Antonio schien mir aus dem Weg zu gehen. Ich musste ihm folgen und mehrfach fragen, was los war, bis er endlich mit der Sprache rausrückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Rauls Klassenlehrer hat vorhin angerufen“, sagte er zögerlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und? Was wollte er?“, hakte ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja, es könnte sein, dass &#8230; also Raul, er &#8230; Sein Lehrer meinte, er habe auf dem Schulhof geraucht &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was?!“, entfuhr es mir. Geraucht? Mein kleiner Raul? Er wusste genau, wie Antonio und ich zu Zigaretten standen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es war wohl nur eine von diesen E-Zigaretten“, versuchte mein Mann es herunterzuspielen. „Ich hab ihm sein Handy weggenommen und Stubenarrest gegeben. Er meinte, dass die Zigarette David gehört hat. Er wollte es nur einmal probieren. Also hab ich ihm erklärt, wie gefährlich das Rauchen ist.“ Er schien mein noch immer entsetzen Blick zu bemerken, also fügte er schnell hinzu: „Und sein Klassenlehrer hat beide Augen zugedrückt! Er bekommt nur eine Verwarnung!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn fassungslos an. „Darum geht es mir doch gar nicht!“ Er verstand es nicht! „Unser Sohn ist in Gefahr! El Coco, er &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt fang nicht wieder damit an!“, unterbrach Antonio mich streng.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte, ich &#8230; Hör mich doch wenigstens erst einmal zu!“, flehte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das tat Antonio. Ich erzählte ihm von meiner Begegnung mit el Coco, berichtete ihm jedes Detail, das mir wichtig vorkam. Ich zeigte ihm sogar den Kratzer an meinem Bein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio räusperte sich. Er wirkte ungewöhnlich gefasst. „Und deine Eltern sagen, du hast dir das Bein beim Schlafen selbst aufgekratzt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Ja. Ist das zu glauben? Ich hab in dem Magazin gelesen, als el Coco angegriffen hat. Ich hab nicht geschlafen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder räusperte Antonio sich. „Und wenn du es doch getan hast? Mi amor, vielleicht bist du beim Lesen eingeschlafen, ohne es zu merken. Mir ist es auch schon einmal passiert, dass ich im Traum hätte schwören können, dass ich wach bin &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter hörte ich ihm gar nicht zu. Er glaubte mir nicht. Er wollte mir nicht glauben. Genau wie meine Eltern damals. Sie hatten mich belächelt, als ich nicht mehr allein in meinem Zimmer schlafen wollte, es auf meine kindliche Fantasie geschoben. Und mein Mann tat jetzt dasselbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich würde nicht denselben Fehler wie meine Eltern machen. Ich würde nicht die Augen verschließen, während mein Kind in Gefahr war. Mein Entschluss stand fest: Ich würde Raul von el Coco erzählen, ob Antonio einverstanden war oder nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald sich die Gelegenheit ergab, schlich ich unbemerkt zu Rauls Zimmer. Er saß auf seinem Bett, ein Buch in der Hand, würdigte mich nur eines kurzen Blickes und schmollte. Die Zimmertür schloss ich hinter mir, bevor ich sprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey mein Spatz“, versuchte ich es möglichst freundlich. Ich ging zu seinem Kleiderschrank, um sicherzugehen, dass darin alles in Ordnung war. „Papa hat mir erzählt, was passiert ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Raul starrte stur weiter in sein Buch. Ich sah flüchtig unter seinen Schreibtisch, bevor ich zu ihm ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin nicht hier, um dir einen Vortrag über dein Verhalten zu halten. Auch wenn du natürlich weißt, wie ich zum Rauchen stehe. Aber &#8230; ich hab Angst um dich. Weißt du, ich war früher auch kein einfaches Kind.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ Raul aufhorchen. Er versuchte, bockig zu bleiben, aber ich konnte eindeutig Neugierde in seinem Gesicht erkennen. Er runzelte ganz leicht die Stirn, als ich mich bückte, um unter sein Bett zu sehen. Von el Coco fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Daher weiß ich auch, wie gefährlich es werden kann“, führ ich fort, während ich mich zu ihm aufs Bett setzte. „Nicht, weil Mama und Papa so böse auf dich sind. Und ein Zug aus einer E-Zigarette wird dich auch nicht umbringen, aber &#8230; es gibt da noch etwas anderes. Ein Wesen namens el Coco.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatte ich seine volle Aufmerksamkeit. Wir hatten ihm – abgesehen von Papá Noel oder der Zahnmaus – noch nie von irgendwelchen Wesen erzählt. Höchstens, wenn sie in irgendeinem Buch oder einem Film vorkamen. „El Coco?“, wiederholte er neugierig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Ja. Kennst du ihn? Hat dir schonmal jemand von ihm erzählt?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Raul schüttelte den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„El Coco ist ein &#8230; ein Monster“, erklärte ich. „Er hat es auf unartige Kinder abgesehen.“ Obwohl ich wusste, dass el Coco echt war, kam ich mir bescheuert vor, während ich das sagte. Wie sollte ich meinen Sohn nur überzeugen, dass ich es ernst meinte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich mir darüber jedoch Gedanken machen konnte, flog plötzlich die Tür auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mi amor, hier bist du“, sagte Antonio. Dann zögerte er. „Worüber redet ihr?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schamesröte stieg mir ins Gesicht. Ich fühlte mich wie ein Kind, das dabei ertappt wurde, wie es heimlich Kekse aß. „Ich &#8230; also &#8230; wir“, stammelte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama will mir gerade von el Coco erzählen!“, sagte Raul ehrlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Blick, mit dem Antonio mich daraufhin ansah, brach mir das Herz. Verachtung, Missbilligung, Enttäuschung und ein Hauch von Wut. „Ist das wahr?“, fragte er kühl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte beschämt. „Ich will unseren Sohn doch nur beschützen!“, sagte ich flehend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Antonio zeigte keinerlei Verständnis. „Ich denke, du gehst jetzt besser.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gesenktem Kopf stand ich auf. Ich wollte nicht mit Antonio streiten. Nicht vor Raul. Wenigstens wusste ich, dass el Coco sich nicht in Rauls Zimmer versteckte. Oder ich dachte zumindest, es zu wissen. Für mich war das wenigstens ein kleiner Trost.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio blieb noch eine ganze Weile bei Raul. Ich hatte keine Ahnung, worüber sie sprachen, aber er wirkte immer noch wütend, als er zu mir ins Wohnzimmer kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist nur falsch bei dir?“, begann er. „Wieso bist du so versessen darauf, unserem Kind Angst zu machen!?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Streit, der daraufhin ausbrach, war der Schlimmste, den wir je hatten. Hauptsächlich schrie Antonio mich an. Sagte mir, wie sehr ich ihn enttäuscht und verletzt hatte, dass ich mich schämen solle. Und das tat ich auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich gab nicht einmal Widerworte. Nicht, weil ich Angst vor Antonio hatte – er würde mir nie etwas antun, egal wie wütend er war –, sondern, weil ich mich so sehr schämte. Ich hätte noch einmal mit ihm reden müssen. Ihm klar machen müssen, dass ich wirklich an el Coco glaubte. Dass ich wusste, dass er echt war. Er hätte zustimmen müssen, dass wir Raul von dem Wesen erzählten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch, wenn mir jetzt so viele Worte in den Kopf schossen, mit denen ich ihn vielleicht hätte überzeugen können, meine Chance hatte ich für heute vertan. Ich konnte es nicht aussprechen, nicht, ohne den Streit noch weiter anzufachen. Vielleicht morgen, wenn er sich wieder etwas beruhigt hatte &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den restlichen Abend blieb die Stimmung kühl. Wir sprachen beide wenig, gingen einander aus dem Weg und verzogen uns früh ins Bett, wo wir schweigend nebeneinanderlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute schlief ich mit Bauchschmerzen ein. Aber nicht wegen meiner Angst vor el Coco, sondern wegen des Streits. Raul wiegte ich diese Nacht in Sicherheit. Ich ahnte ja nicht, wie sehr ich mich dabei irrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitten in der Nacht wurde ich von Schreien geweckt. Erst lag ich noch benommen da, dachte, ich würde träumen, doch dann wurde ich auf einen Schlag hellwach. Das war mein Sohn! Raul schrie aus Leibeskräften!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Antonio! Antonio!“, schrie ich meinen Mann wach, während ich aus dem Bett sprang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hmm. Was ist?“, fragte er verschlafen. Dann hörte er es auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber dass er aufsprang, sah ich gar nicht mehr. Ich war bereits im Flur verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je näher ich Rauls Zimmer kam, desto lauter wurden seine Schreie. Sie waren panisch. Voller Todesangst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlagartig fühlte ich mich an meine Begegnung mit el Coco erinnert. Hatte meine Mutter sich genauso gefühlt, bevor sie in mein Zimmer gestürmt kam?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir blieb keine Zeit, darüber nachzudenken. Ich hatte Rauls Zimmer erreicht. Ohne zu zögern, stieß ich die Tür auf, fiel fast in sein Zimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein erster Blick galt Rauls Bett. Es war leer. Seine Bettdecke war achtlos zu Boden gerissen. Sein Kopfkissen lag quer im Bett. Sogar das Laken war nicht mehr ganz auf der Matratze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama!“, kreischte Raul jetzt voller Panik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich riss den Kopf herum, starrte in Richtung Fenster, wo ich ihn sah: el Coco. Derselbe Schatten, der mich vor all den Jahren angegriffen hatte. Er hielt Raul fest an sich gepresst, als wäre er nichts weiter als eine Puppe, die ihm gehörte. Seine roten Augen fixierten mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mama!“, kreischte Raul erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht kennt ihr die Geschichten aus den Nachrichten? Berichte über Mütter, die mit Bären gekämpft oder Autos angehoben haben. Sie schienen das Unmögliche möglich zu machen, nur weil ihr Kind in Gefahr war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei mir war es anders. Ich wollte mich auf el Coco stürzen, wollte Raul aus seinen Armen reißen, aber ich konnte es nicht. Meine Beine waren wie erstarrt, mein Körper wie gelähmt. Zu tief saß meine Angst. Jetzt erst merkte ich, wie wenig ich darauf vorbereitet war, el Coco wiederzusehen, wie groß meine Angst vor ihm wirklich war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte nichts tun, als zuzusehen, wie el Coco zum Fenster hetzte. Er riss es auf und stürzte sich in die Dunkelheit, Raul noch immer fest an sich gepresst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mamaaaa!“, hörte ich seine Stimme ein letztes Mal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als mein Mann das Zimmer endlich erreichte, war unser Sohn bereits verschwunden. Ich war auf die Knie gesackt, hatte das Gesicht in den Händen Verborgen und weinte. Ich weinte so heftig, wie ich es noch nie zuvor in meinem Leben getan hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lucía! Mi amor! Was ist passiert?“, fragte Antonio entsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ die Hände sinken und sah ihn an. Meine Sicht war vor Tränen verschwommen, sodass ich nicht einmal sein Gesicht erkennen konnte. Dann schluchzte ich zwei Worte, gerade so deutlich, dass er sie verstehen konnte: „El Coco.“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Verlust unseres Sohnes waren Antonio und ich nie wieder dieselben. Er machte sich Vorwürfe, dass er nicht auf mich gehört hatte, und ich gab mir die Schuld, weil ich nicht wusste, dass el Coco sich auch in Schubladen verstecken konnte. Erst, als ich Rauls weit geöffnete Schreibtischschublade sah und die Stifte, die am Boden lagen, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonios und meine Ehe ging recht bald in die Brüche. Ich weiß nicht, was aus meinem Exmann geworden ist, aber ich machte es zu meiner Lebensaufgabe, andere Eltern aufzuklären. Sie mussten wissen, welche Gefahren in den Kinderzimmern lauern konnten. Und so erzähle ich es jetzt auch euch, damit ihr nicht denselben Fehler macht wie ich. Damit ihr eure Kinder vor el Coco beschützen könnt.</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">El Coco, je nach Region auch unter den Namen el Cuco, el Cucu, el Cucuy und el Cucuí bekannt, ist eine Kinderschreckfigur aus fast allen spanisch- und portugiesischsprachigen Ländern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die weibliche Form des <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesens</a> ist als la Coca und la Cuca bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen von el Coco ist man sich uneinig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während einige Eltern nicht näher auf das Aussehen eingehen und es bloß als „schrecklich“ oder „furchteinflößend“ beschreiben – wahrscheinlich, damit die Kinder es sich selbst ausdenken können – haben andere Eltern ein genaueres Bild im Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein verbreitetes Aussehen ist dabei eine schatten- oder geisterhafte Gestalt, die man nicht näher erkennen kann. Hier heißt es oft, dass el Coco sich wegen seines Aussehens besonders gut verstecken könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Version von el Coco beschreibt ihn als haariges Monster mit fledermausartigen Ohren, rot leuchtenden Augen und zahlreichen spitzen Zähnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch andere Versionen, in denen er z. B. menschlich aussieht, sein Aussehen nach Belieben verändern kann oder einem Tier ähnelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">El Coco ist ein Boogeyman. Er geht also nachts in Kinderzimmer, um unartige oder ungehorsame Kinder zu erschrecken, zu verletzen, zu entführen oder zu fressen. In den Versionen, in denen er sie entführen soll, heißt es oft, dass er sie in seine Höhle bringt, um sie dort zu fressen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Kindern wird außerdem beigebracht, dass el Coco sie nicht besuchen kommt, wenn sie ihre Schuld gestehen, die Strafe akzeptieren und sie sich entschuldigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das typische Boogeymanklischee also.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem heißt es, dass el Coco sich im Kinderzimmer in Schränken, Schubladen oder unter dem Bett verstecken soll – ebenfalls ein Konzept, dass den meisten von euch bekannt sein dürfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt jedoch auch einige Besonderheiten in seinem Verhalten. So heißt es, dass Eltern ihn gezielt rufen können, um unartige Kinder zu bestrafen. Außerdem soll el Coco gelegentlich auf Hausdächern lauern, um das Verhalten der Kinder zu beobachten und sein nächstes Opfer auszuwählen. Hierbei wird manchmal ein dunkler Schatten auf einem Hausdach gesichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits gesagt ist el Coco vor allem in spanisch- und portugiesischsprachigen Ländern und Familien bekannt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er hauptsächlich in Spanien sowie Mittel- und Südamerika leben soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt einige spanische und portugiesische Schlaflieder, die sich um el Coco drehen. Hierbei geht es oft darum, dass el Coco die Kinder holen kommt, wenn sie nicht artig sind oder nicht bald schlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle möchte ich kurz ein wenig ausholen, da ich neulich mit einem Leser ein Gespräch darüber hatte, wieso so viele Schlaflieder davon handeln, dass den Kindern etwas Schlimmes passiert, wenn sie nicht schlafen. Dem schnellen Einschlafen kann das immerhin nicht sonderlich zuträglich sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich neulich noch keine genaue Antwort darauf hatte, habe ich bei meiner Recherche zu el Coco herausgefunden, dass es weniger darum geht, dass die Kinder tatsächlich sofort schlafen, sondern vielmehr darum, dass sie artig im Bett liegen und <em>versuchen</em> zu schlafen. Sie sollen also nicht heimlich aufstehen oder sich mit einem Buch, Handy, einer Handheld-Konsole o. Ä. wachhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun aber zurück zu el Coco. Wie bereits erwähnt handelt es sich bei ihm um einen Boogeyman. Wahrscheinlich stammt die <a href="http://geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> ursprünglich aus Europa bzw. Spanien und ist von Einwanderern nach Mittel- und Südamerika gebracht worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber, wo sein Name herkommt, gibt es ebenfalls Theorien. „El Coco“ ist das spanische Wort für die Kokosnuss. Hierbei könnte es sich um eine Anspielung an sein behaartes-Monster-Aussehen handeln – immerhin erinnern Kokosnüsse an stark behaarte Köpfe. Mit etwas Fantasie kann man in den typischen drei „Löchern“ der Kokosnuss auch zwei Augen und einen Mund sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„El Cuco“ – ein anderer Name für el Coco – bedeutet hingegen „der Kuckuck“ auf Deutsch. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass Kuckucke sich in die Nester von anderen Vögeln schleichen, um die Eier hinauszuwerfen und ihre eigenen hineinzulegen. Sie greifen also genau wie el Coco den Nachwuchs an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob Kokosnüsse oder Kuckucke tatsächlich etwas mit el Coco zu tun haben, lässt sich jedoch weder eindeutig bestätigen noch widerlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von el Coco? Hattet ihr früher Angst vor Monstern, die sich in euren Schränken oder unter dem Bett verstecken? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>La Sayona – Geh nicht fremd!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Sep 2021 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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		<category><![CDATA[Venezuela]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie ließ sich darauf ein und lachte. An sich wäre an dem kleinen Flirt nichts Verwerfliches gewesen – immerhin waren beide erwachsen und konnten ihre eigenen Entscheidungen treffen –, wenn da nicht der goldene Ehering an Antonios rechtem Ringfinger gewesen wäre ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a180367ead034217a82ee1439d92dfbf" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Heute geht es um La Sayona, eine venezolanische Legende über einen Geist, der Fremdgehen bestraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es tut mir leid, dass die Beiträge in letzter Zeit etwas unregelmäßiger kommen. Es könnte auch sein, dass mein nächster Beitrag erst in drei Wochen kommt, da ich übernächstes Wochenende vielleicht unterwegs bin. Jetzt aber erst einmal viel Spaß bei der Geschichte!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Tod eines Kindes</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte, die ich euch heute erzähle, hat sich vor einigen Jahren in Venezuela zugetragen. Woher ich die Geschichte habe, spielt keine Rolle. Das einzig Wichtige ist, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Venezuela lebte einst ein Mann namens Antonio. Obwohl er bereits erwachsen war, lebte Antonio noch bei seiner Mutter. Nicht, weil er so unselbstständig war, sondern weil er seine kranke Mutter pflegte. Wenn man es genau nahm, lebte seine Mutter also eigentlich bei ihm und nicht umgekehrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls saßen die beiden, Antonio und seine Mutter, zu ihrem zweiundsechzigsten Geburtstag in einem Restaurant. Die Stimmung war ausgelassen. Sie redeten viel und hatten einen schönen Abend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie bestellt hatten, schnitt Antonio seiner Mutter das Fleisch, damit sie trotz ihrer schwachen Arme essen konnte. Eine Kellnerin erkundigte sich mehrfach, ob alles zu ihrer Zufriedenheit sei – wahrscheinlich hatte sie bemerkt, dass es der Mutter gesundheitlich nicht sonderlich gut ging – und Antonio nutze die Gelegenheit, um ein wenig mit der Kellnerin zu flirten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ließ sich darauf ein und lachte. An sich wäre an dem kleinen Flirt nichts Verwerfliches gewesen – immerhin waren beide erwachsen und konnten ihre eigenen Entscheidungen treffen –, wenn da nicht der goldene Ring an Antonios rechtem Ringfinger gewesen wäre. Es war sein Ehering und Treueversprechen an seine Frau Isabel, mit der er seit über fünf Jahren glücklich verheiratet war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Mutter beobachtete das Ganze schweigend. Wahrscheinlich dachte sie sich nichts weiter dabei, konnte sich nicht vorstellen, dass ihr geliebter Antonio auch nur daran denken könne, seine Frau zu betrügen. Das änderte sich jedoch, als er in einem unauffälligen Moment seinen Ring abstreifte und in seiner Hosentasche verschwinden ließ. Ungläubig starrte die Mutter das unscheinbar wirkende Stück nackte Haut an seiner Hand an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kann ich noch etwas für Sie tun?“, fragte die Kellnerin, als sie mal wieder an ihrem Tisch vorbeikam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio griff vorsichtig – es wirkte beinahe unabsichtlich – nach ihrer Hand und drückte sie sanft. „Nein. Danke. Es ist alles nach unserer Zufriedenheit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kellnerin antwortete mit einem strahlend weißen Lächeln. Sie fuhr sich durch ihre dunklen Haare und war bereits dabei, sich wegzudrehen, als sich plötzlich Antonios Mutter zu Wort meldete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Entschuldigen Sie, junge Frau. Da wäre tatsächlich etwas. Wir würden gerne zahlen“, sagte sie mit ihrer für ihr Alter sehr krächzigen Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überrascht sah die Kellnerin auf ihren noch immer halb vollen Teller. „Hat es Ihnen nicht geschmeckt? Ich bringe Ihnen gerne etwas anderes. Vielleicht einen Nachtisch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Antonios Mutter schüttelte nur schwach den Kopf. „Oh, nein. Sie müssen verstehen: So eine zierliche Frau, wie ich &#8230; Ich bekomme nicht so viel in meinen kleinen Magen.“ Sie lächelte die Kellnerin freundlich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kellnerin sah hilfesuchend zu Antonio. Doch als auch er nichts dagegen sagte, blieb ihr nichts anderes übrig, als die Rechnung zu holen und Antonio bezahlen zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sowohl Antonio als auch seine Mutter sagten außer einem freundlichen „Auf Wiedersehen“ kein einziges Wort mehr, bis sie im Auto saßen. Dann stellte er sie zur Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was sollte das, Ma? Dein kleiner Magen? Du hast noch nie freiwillig auf Nachtisch verzichtet.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Mutter sah ihn aus ihren braunen Augen warnend an. „Das hätte ich auch nicht gemusst, wenn du der Kellnerin nicht fast um den Hals gefallen wärst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Bruchteil einer Sekunde blickte Antonio ertappt zu Boden, dann funkelte er seine Mutter an. „Ach was, wir haben uns doch nur nett unterhalten. Ich würde Isabel niemals betrügen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch seine Mutter glaubte ihm kein Wort. Sie verengte ihre Augen zu Schlitzen. „Kennst du die Legende von La Sayona?“, fragte seine Mutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonio seufzte, er antwortete jedoch nichts. Wenn seine Mutter mit ihren alten Märchen anfing, dann nur, um ihm irgendeine Weisheit anzudrehen. Und er wusste, dass es sinnlos war, sie dabei zu unterbrechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Legende beginnt vor einigen hundert Jahren. In der Kolonialzeit lebte hier in Venezuela eine wunderhübsche Frau namens Casilda. Sie war jung und äußerst attraktiv – ein wenig so wie die Kellnerin, der du eben so schöne Augen gemacht hast.“ Sie warf Antonio einen vorwurfsvollen Blick zu, bevor sie weitersprach. „Sie hatte hüftlanges schwarzes Haar, das glänzte wie Seide, das schönste und zarteste Gesicht, dass du dir vorstellen kannst, und kastanienbraune Augen, in denen man sich ewig verlieren konnte, wenn man hineinsah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Männer verfielen ihr reihenweise. Sie alle hielten um ihre Hand an, doch Casilda hatte nur Augen für einen einzigen. Wie der Mann hieß, ist mit der Zeit in Vergessenheit geraten. Aber er war eine treue Seele und ein herzensguter Mensch. Die beiden haben einander sehr geliebt. Sie haben geheiratet und schließlich ein Kind bekommen – einen kleinen Jungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man hätte meinen können, sie hätten eine perfekte Beziehung geführt, doch dem war nicht so. Casilda war nämlich sehr eifersüchtig. Ihr Herz war von Zweifel geplagt. Sie fürchtete Tag für Tag, dass ihr Mann ihr fremdgehen würde. Aber jedes Mal, wenn sie ihre Bedenken äußerte, gab er ihr einen Kuss und sagte: ‚Keine Sorge, Geliebte. Ich habe nur Augen für dich.‘ Dann war ihre Welt für einen Moment wieder in Ordnung, bis die Zweifel zurückkamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und bei Gott, ihr Mann hätte genug Gelegenheiten zum Fremdgehen gehabt. Sie ging täglich im Fluss schwimmen und ließ ihren Mann mit ihrem Sohn in der Zeit allein zu Hause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sie jedoch nicht wusste, war, dass sie nicht ungestört war, während sie nackt im Fluss schwamm. Ein Mann – ein Lustmolch aus ihrem Dorf – schlich täglich zu ihr, um sie zu beobachten. Bis sie ihn schließlich dabei erwischte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Casilda kreischte auf. Sie bedeckte ihre Brüste mit den Armen und schimpfte: ‚Was fällt Euch ein, mich hier zu beobachten, während ich bade? Das werde ich im ganzen Dorf rumerzählen!‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Spanner erschrak. Er hatte einen Ruf zu verlieren. Das durfte niemals jemand erfahren! Und so drehte er sich hastig weg und dachte sich eine Ausrede aus: ‚Nein, Ihr irrt euch, Casilda. Ich bin keineswegs hier, um Euch zu beobachten. Ich komme, um Euch zu warnen! Es geht um Eure Mutter. Sie &#8230; Euer Mann und Eure Mutter haben sich geküsst!‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine dreiste Lüge – natürlich –, doch der Mann schmückte es so lange aus, erklärte genau, was er gesehen habe, bis Casilda zu zweifeln anfing. Sein Plan ging auf: Dass er sie heimlich beobachtet hatte, war vergessen. Doch er hatte wohl nicht damit gerechnet, was er losgetreten hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf halber Strecke nach Hause war Casilda sich bereits sicher: Ihr Ehemann hatte sie mit ihrer eigenen Mutter betrogen. Den Betrug hatte sie schon lange verdächtig, doch sie wusste nie, mit wem. Ihre Mutter kam hingegen häufig zu Besuch &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so passierte es zu, dass Casilda ihren Mann mit ihrem gemeinsamen Sohn schlafend auf dem Sofa vorfand. Sie zögerte nicht lange, dachte nicht einmal darüber nach, ehe sie das Haus in Brand steckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ihr Säugling schließlich zu schreien anfing und ihr Ehemann von beißendem Rauch geweckt wurde, blockierte sie die Tür. Das Geschrei muss furchtbar gewesen sein. Der arme Junge.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antonios Mutter schüttelte traurig den Kopf. Die Geschichte schien sie wirklich mitzunehmen. Aber Antonio wusste immer noch nicht, worauf sie hinauswollte. Also ließ er sie die Legende zu Ende erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als die ersten Leute zu Hilfe eilten, war es bereits zu spät, für die beiden. Casildas Ehemann und ihr gemeinsamer Sohn waren tot. Und Casilda war verschwunden – auf direktem Weg zum Haus ihrer Mutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie stellte sie sofort zur Rede. ‚Wie konntest du nur? Mit dem Mann deiner eigenen Tochter?‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Mutter verstand die Welt nicht mehr. Was meinte ihre geliebte Casilda bloß? Sie versuchte, vernünftig mit ihr zu reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Du hast mit meinem Mann geschlafen!‘, schrie Casilda sie an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Mutter versuchte, zu erklären, dass sie sich irrte. Dass ihr Mann ihr immer treu gewesen sei. Doch Casilda war zu blind vor Wut. Wahrscheinlich hätte sie sich ihren Fehler eh nicht mehr eingestehen können, nach dem, was sie gerade getan hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also nahm sie schließlich ein scharfes Messer vom Tisch und ging damit auf ihre unschuldige Mutter los. Die arme Frau hatte keine Chance. Bald hatte sie viele, schwer blutende Schnitte und spürte, wie ihre Lebenskraft sie verließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit ihren letzten Atemzügen wandte sie sich also Casilda zu. ‚Du bist eine Närrin. Ich habe dich nie betrogen. Und auch dein Mann war dir immer treu. Aber du bist schon immer blind vor Eifersucht gewesen! Casilda, ich verfluche dich. Meine Seele wird jetzt in den Himmel aufsteigen, aber <em>du</em> sollst bis in alle Ewigkeit auf der Erde wandeln. Du sollst keine Ruhe mehr finden und deine einzige Aufgabe wird es sein, untreue Ehemänner zu bestrafen. Aber diesmal welche, die wirklich untreu waren!‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz nachdem sie ihren Fluch ausgesprochen hatte, starb Casildas Mutter. Und der Fluch sollte sich bewahrheiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Casilda wurde zu La Sayona. Einem Geist, der noch immer nachts umherirrt, auf der Suche nach Männern, die ihre Ehefrauen betrügen. Sie tarnt sich noch immer als wunderschöne Frau, mit hüftlangen schwarzen Haaren, die glänzen wie Seide, einem hübschem Gesicht und einem langen, verführerischen weißen Kleid. Doch wenn sie einen untreuen Mann finden und verführen kann, zeigt sie ihr wahres Gesicht. Einige sagen, ihr wachsen Tierfänge, ihre Augen werden blutrot und ihre Fingernägel zu Krallen. Andere sagen, ihr Gesicht wird zum Tod selbst. Aber was auch immer tatsächlich passiert, die meisten Männer überleben die Begegnung nicht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Antonios Mutter ihre Geschichte beendet hatte, sah sie ihren Sohn aus schmalen Augen an. Er hielt die Geschichte jedoch für nichts weiter, als ein Märchen. Zugegeben, dass seine Mutter ihm Gruselgeschichten erzählt, um ihn zu erziehen, war neu. Ihm wäre nie in den Sinn gekommen, dass sie tatsächlich Angst um sein Leben habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so sagte er bloß: „Keine Angst, Ma. Das da drinnen war wirklich nichts Ernstes. Ich würde Isabel niemals betrügen. Versprochen! Dafür liebe ich sie viel zu sehr.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Mutter lächelte. Das genügte ihr. Was sie jedoch nicht wusste, war, dass ihr Sohn bereits fremdgegangen war. Die Kellnerin war nicht sein erster Versuch gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so trug es sich zu, dass Antonio bereits nach wenigen Tagen eine wunderschöne Frau in sein Auto einlud. Sie hatte das schönste Gesicht, das er je gesehen hatte. In ihren Augen lag ein geheimnisvolles Funkeln, während sie mit strahlendem Lächeln fragte, ob er sie ein Stück mitnehmen wolle. Antonio konnte nicht anders, als ihr schulterlanges schwarzes Haar zu bewundern, das wie Seide glänzte, und das lange weiße Kleid zu bestaunen, dass ihren attraktiven Körper betonte &#8230;</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">La Sayona ist eine venezolanische Legende über den Geist einer Frau, der untreue Männer bestraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Legende über viele Jahre hauptsächlich mündlich weitererzählt wurde, haben sich in den verschiedenen Regionen verschiedene Versionen der Legende gebildet, wenn auch die Grundhandlung immer dieselbe ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">La Sayona soll ihr wahres Äußeres verbergen können, indem sie sich als attraktive junge Frau tarnt. Sie sieht dann aus wie eine Latina mit langen glatten schwarzen Haaren, hübschem Gesicht und einem langen, weißen Kleid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Erzählungen soll sie außerdem die Fähigkeit haben, sich in einen Hund oder Wolf zu verwandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre wahre Gestalt hingegen sieht sehr viel monsterhafter aus. In den meisten Versionen besitzt sie tierische Züge wie Fang- oder Reißzähne und Klauen sowie blutroten Augen. In anderen Versionen heißt es hingegen, dass ihr Gesicht wie ein Totenschädel aussehen soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">La Sayona wandelt nachts als Geist auf der Erde, dessen einzige Aufgabe es ist, Männer zu bestrafen, die ihren Ehefrauen untreu sind und sie betrügen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sie ihre Opfer anspricht, kann sich von Version zu Version stark unterscheiden. Mal trifft sie die Männer auf offener Straße, bittet sie um eine Zigarette oder eine Mitfahrgelegenheit, mal taucht sie im Dschungel auf, um verheiratete Arbeiter zu verführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ihre Art der Bestrafung kann variieren. In harmloseren Versionen erschreckt sie die Männer bloß, indem sie ihr wahres Gesicht zeigt, sodass sie aus Angst zu ihren Frauen zurückkehren. In anderen erschreckt sie sie zu Tode oder verfolgt sie so lange, bis sie einen Abhang hinab in den Tod stürzen oder vor Erschöpfung sterben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch kann es passieren, dass sie mit den Männern schläft und für sehr schlimmen Ausschlag an den Genitalien sorgt oder ihnen andere, teilweise unbekannte Geschlechtskrankheiten überträgt. Oder sie zerstört ihre Geschlechtsteile, reißt sie ab oder zerfetzt sie, sodass der Mann nie wieder mit einer Frau schlafen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem besitzt sie in einigen Versionen noch andere Fähigkeiten wie die Gestaltwandlung in einen Wolf oder Hund oder die Fähigkeit, einen so markerschütternden Schrei auszustoßen, dass er ihre Opfer betäubt oder gar tötet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende von La Sayona wird hauptsächlich in Venezuela erzählt, ist aber auch in anderen lateinamerikanischen Ländern verbreitet. Daher finden die meisten Sichtungen dort statt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch von dem angeblichen Ursprung gibt es einige verschiedene Versionen. Ich werde hier die geläufigste Version kurz zusammenfassen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Venezuela soll vor einiger Zeit – mal zur Kolonialzeit, mal weniger lange her – eine wunderschöne Frau gelebt haben. In einigen Versionen wird ihr Name genannt, doch auch hier gibt es mehrere Varianten, wie z. B. Casilda oder Melissa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls hatte die Frau einen treuen und absolut gutherzigen Ehemann, mit dem sie sogar ein Baby – einen kleinen Jungen – hatte. Trotzdem war sie sehr eifersüchtig und hatte Angst, dass ihr Mann sie betrügt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau ging fast täglich nackt im Fluss schwimmen – entweder als Hobby oder um ihren Kopf freizubekommen. Was sie jedoch nicht wusste, ist, dass ein Mann – ein Frauenheld, der ihrer Schönheit verfallen war – sie dabei oft beobachtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie den Mann schließlich dabei erwischte, tat er so, als habe er sie überhaupt nicht beobachten, sondern mit ihr reden wollen. Er habe angeblich herausgefunden, dass ihr Ehemann sie mit ihrer eigenen Mutter betrügt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blind vor Wut und in ihren Befürchtungen bestätigt, eilt sie nach Hause. Sie findet ihren Mann mit dem Baby auf dem Arm schlafend vor, also beschließt sie kurzerhand, das Haus anzuzünden und die beiden bei lebendigem Leibe zu verbrennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend geht sie – mit einem Messer oder einer Machete bewaffnet – zu ihrer Mutter. Obwohl die Mutter versucht, sie zu überzeugen, dass sie sich irrt, greift die Frau sie an und verletzt sie tödlich. Ehe die Mutter jedoch stirbt, verflucht sie ihre Tochter: Sie solle auf ewig auf der Erde wandeln und Männer bestrafen, die ihre Ehefrauen betrügen. Seit jeher streift die Frau als La Sayona durch die Straßen und den Dschungel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Versionen besagen zum Beispiel, dass ihr Mann tatsächlich untreu war und sie betrogen hat – jedoch nicht mit ihrer eigenen Mutter – oder dass sie die Gerüchte, dass ihr Mann sie betrügt, von woanders her hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mord an der Mutter gilt in Venezuela außerdem als besonders schlimm, da in der venezolanischen Kultur die Eltern, besonders die Mütter, eine fast heilige Position haben. Das macht den Mord besonders verwerflich.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Was haltet ihr von La Sayona? Wie hättet ihr reagiert, wenn ihr Antonios Mutter gewesen wärt? Hättet ihr eurem Sohn geglaubt oder es vielleicht sogar seiner Frau erzählt? Schreibt es in die Kommentare!</strong></em></p>



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