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	<title>Kettenbrief Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Mary-san no Denwa – Telefonanruf von Mary</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Jun 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aber das konnte doch nicht sein. Eine Puppe konnte nicht sprechen und schon gar nicht telefonieren. Andererseits hatte ich außer meinen Eltern nie jemandem von Mary-sans Verschwinden erzählt. An meiner neuen Schule wusste niemand von der Puppe …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mary-san-no-denwa">Mary-san no Denwa – Telefonanruf von Mary</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/7c2ff058919f41df852626fe385763f2" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Mary-san no Denwa ist eine japanische Legende, die schon länger auf meiner Liste steht. Da in letzter Zeit einige Male auf meinem Blog nach &#8222;Mary-san&#8220; gesucht wurde, habe ich mich entschieden, die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Horrorpuppe</a> in diesem Beitrag zu behandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kniete am Wohnzimmertisch vor meinen Hausaufgaben. Frau Nakagawa, unsere Japanischlehrerin, hatte uns einen Zettel mit Schriftzeichen mitgegeben, die wir als Hausaufgabe in unser Schulheft abschreiben sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine anderen Hausaufgaben hatte ich schon lange erledigt, aber das Abschreiben machte mir einfach keinen Spaß, weshalb ich mich bis eben davor gedrückt hatte. Jetzt, wo es draußen dunkel wurde, konnte ich es jedoch nicht länger aufschieben. Sollten meine Hausaufgaben immer noch nicht fertig sein, wenn meine Eltern von der Arbeit zurückkamen, würde ich bestimmt wieder Ärger bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück konnte das noch einige Zeit dauern. Wenn Mama mir etwas zu Essen in den Kühlschrank stellte, hieß das meist, dass sie erst spät nach Hause kamen – manchmal sogar erst, wenn ich schon im Bett sein musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt. Viele Kinder aus der Schule fanden es komisch, dass es Tage gab, an denen ich als Drittklässlerin meine Eltern nicht einmal sehe. Aber die Wahrheit ist, ich habe mich daran gewöhnt. Außerdem unternahmen wir meist etwas zusammen an den Wochenenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also saß ich wie so oft ganz allein im Wohnzimmer. Ich war gerade hochkonzentriert dabei, ein besonders kompliziertes Schriftzeichen abzuschreiben, als plötzlich ein vertrauter Klingelton erklang: das Festnetztelefon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort sprang ich auf und rannte zu dem kleinen Schrank, auf dem unser Telefon stand. Bestimmt waren das Mama oder Papa, die mir sagen wollten, dass es heute wieder später wird und ich ohne sie essen solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich das Telefon jedoch erreichte, stutzte ich. ‚Unbekannt‘ leuchtete mir auf dem kleinen Display entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irritiert nahm ich das Telefon aus der Ladestation und drückte den kleinen grünen Hörer. „Hallo?“, meldete ich mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo Hina-chan“, ertönte eine hohe, mir unbekannte Stimme. Sie erinnerte mich an eine der Zeichentrickfiguren aus dem Fernsehen. „Hier ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war zu überrascht, um zu antworten. Ehe ich auch nur einen Ton herausgebracht hatte, ertönte bereits das Tuten, das anzeigte, dass der Anrufer aufgelegt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was mich am meisten schockierte, war jedoch nicht, dass – wer auch immer das war – meinen Namen kannte, sondern der Inhalt der Nachricht: ‚Mein Name ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kannte eine Mary-san. Sie war allerdings kein Mensch, sondern eine Puppe. Meine Puppe. Sie war ein Geschenk gewesen, das Mama und Papa mir vor zwei Jahren von einer Geschäftsreise aus Europa mitgebracht hatten. Und sie war vor einigen Wochen, als wir in unser neues Haus gezogen waren, verlorengegangen. Papa hatte die Tüte, in der sie lag, versehentlich in den Müll geworfen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das konnte doch nicht sein. Eine Puppe konnte nicht sprechen und schon gar nicht telefonieren. Andererseits hatte ich außer meinen Eltern nie jemandem von Mary-sans Verschwinden erzählt. An meiner neuen Schule wusste niemand von der Puppe. Und Aoi, meine beste Freundin, hatte ich seit meinem Umzug nur ein einziges Mal gesehen. Über Mary-san hatten wir jedoch nicht geredet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem flauen Gefühl im Magen kniete ich mich wieder an den Wohnzimmertisch. Das Telefon legte ich neben mein Schulheft. Aber obwohl ich versuchte, nicht mehr an das Gespräch zu denken, konnte ich mich nicht auf meine Hausaufgaben konzentrieren. Die ganze Zeit musste ich darüber nachdenken, wer mir wohl einen Telefonstreich spielen konnte. Hatte ich vielleicht doch irgendwem aus meiner neuen Klasse von Mary-san erzählt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr viel langsamer als vorhin machte ich mich wieder daran, die Schriftzeichen abzuschreiben, während ich mir weiter den Kopf darüber zerbrach, was es mit dem Anruf auf sich haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich klingelte das Telefon erneut. Ich zuckte zusammen, zog dabei einen der Striche falsch, ehe ich vorsichtig Richtung Telefon blickte. ‚Unbekannt‘ leuchtete mir erneut entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zögerlich griff ich nach dem Gerät. Aber vielleicht war es ja diesmal jemand anderes. Oder es rief mir gleich jemand ein „Reingelegt!“ entgegen und ich würde wissen, wer mir den Streich gespielt hatte. Also drückte ich erneut auf den grünen Hörer. „Hallo?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo Hina-chan.“ Wieder sprach diese seltsam hohe Stimme. „Hier ist Mary-san. Ich bin jetzt an der Ecke vor der Karaoke-Bar.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Tuten ertönte erneut, bevor ich auch nur ein Wort hervorgebracht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der Ecke vor der Karaoke-Bar? Es gab hunderte Karaoke-Bars in der Stadt. Viele davon lagen an irgendwelchen Ecken. Und trotzdem beschlich mich das ungute Gefühl, dass ich genau wusste, von welcher Karaoke-Bar die Stimme geredet hatte: Die Karaoke-Bar, in die meine Eltern immer gingen, lag an einer Ecke. Und nicht nur das, sie lag auch noch so nah, dass meine Eltern immer zu Fuß hingingen, wann immer sie Lust auf Karaoke hatten. Kam Mary-san etwa näher?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nervös stand ich auf. Irgendwie war das ganz schön unheimlich. Ich lief durch das Wohnzimmer, um jedes Licht einzuschalten, das ich finden konnte. Außerdem betätigte ich die Lichtschalter im Flur und in der Küche – beides Räume, die ich vom Wohnzimmer aus sehen konnte. So gab es wenigstens keine dunklen Ecken, vor denen ich mich gruseln konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber … warum gruselte ich mich eigentlich? Mary-san war meine Freundin gewesen. Ja, sie war nicht meine Lieblingspuppe, aber ich hatte sie immer gut behandelt. Und trotzdem wurde mir jetzt schlecht bei dem Gedanken, dass Mary-san plötzlich vor mir stehen könnte. Wenn ich nur an die Stimme dachte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „So ein Quatsch!“, sagte ich laut. Puppen konnten gar nicht sprechen. Wer auch immer mich da anrief, es war bloß ein Mensch, der mir Angst machen wollte. Ich wusste nicht, warum er es tat, aber ich erinnerte mich an ein Gespräch, das ich mal mit Mama geführt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn jemand etwas macht, dass du nicht möchtest, musst du es ihm sagen“, hatte Mama erklärt. „Dann sagst du laut Stopp! Und dass er es lassen soll. Und falls das alles nicht hilft, möchte ich, dass du uns Bescheid sagst, ja? Egal, worum es auch geht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief ein und aus, während ich eine Entscheidung traf. Sollte die Stimme noch einmal anrufen, würde ich sie nicht ausreden lassen. Ich würde ihr sagen, dass sie mich in Ruhe lassen soll, genau wie Mama es mir erklärt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den nächsten Minuten kniete ich wieder an meinen Hausaufgaben. Ich blickte dabei jedoch mehr zu dem Telefon als auf mein Schulheft, wartete darauf, dass es erneut klingelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das Display wieder aufleuchtete, hatte ich blitzschnell danach gegriffen, noch ehe der erste Ton vom Klingelton erklungen war. Unbekannt. Selbstbewusst drückte ich den grünen Hörer. „Stopp!“, rief ich dann sofort laut ins Telefon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Stimme beachtete es gar nicht. „Hallo Hina-chan“, meldete sie sich wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist nicht lustig“, rief ich. „Wenn du noch einmal anrufst, sag ich es meinen Eltern!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Stimme redete unbeirrt weiter. „Hier ist Mary-san. Ich stehe vor deiner Haustür.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich öffnete den Mund, um etwas zu erwidern. Die Worte blieben mir jedoch im Hals stecken, als ich realisierte, was die Stimme da gerade gesagt hatte: Mary-san stand vor meiner Haustür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte das Tuten kaum, während ich den roten Hörer drückte, den Blick dabei stur in unseren Flur gerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Zehenspitzen schlich ich Richtung Eingangstür. Nicht, dass es etwas bringen würde. Durch das große Fenster beim Eingang hätte man mich von draußen sofort sehen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem versuchte ich, möglichst keinen Ton von mir zu geben. Schritt für Schritt schlich ich näher zur Tür. Dort angekommen drückte ich mein Gesicht ans Fenster. Unser Eingangsbereich lag dunkel und verlassen vor mir. Ein Mensch hätte sich da jedenfalls nicht verstecken können. Nicht einmal ein Kind. Aber Mary-san war eine kleine Puppe. Wenn sie direkt vor der Haustür lag …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angespannt biss ich die Zähne zusammen. Wenn ich wirklich sichergehen wollte, dass sie nicht vor unserem Haus war, blieb mir nichts anderes übrig, als die Tür zu öffnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zittrigen Fingern griff ich nach der Türklinke. Ich zog sie nach unten und öffnete die Tür einen ganz kleinen Spalt, bereit, sie sofort wieder zuzuschlagen. Vorsichtig spähte ich hindurch. Nichts. Der Boden war leer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also öffnete ich die Tür weiter, um alles sehen zu können. Von Mary-san oder sonst etwas Ungewöhnlichem fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort schloss ich die Tür wieder. Eigentlich hätte ich jetzt beruhigt sein müssen. Dass Mary-san nicht da gewesen war, bedeutete doch, dass es wirklich nur ein doofer Telefonstreich gewesen war, oder? Aber warum fühlte ich mich dann nicht besser? Im Gegenteil: Im Moment fühlte ich mich irgendwie beobachtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell rannte ich zurück ins Wohnzimmer, weg von dem großen Fenster. Aber auch hier verschwand das Gefühl nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich tat ich das, was ich schon nach dem zweiten Anruf hätte tun sollen: Ich nahm das Telefon und wählte Papa in den Kontakten aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tuut, tuut, tuut</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Komm schon Papa, geh ran.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tuut, tuut</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich hörte ich seine Stimme. „Hallo, hier ist die Mailbox von Watanabe. Leider bin ich zurzeit nicht …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter kam die Tonbandansage nicht. Ich hatte wieder aufgelegt. Dann eben Mama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch während ich ihren Namen in den Kontakten suchte, klingelte jedoch das Telefon. Blitzschnell drückte ich auf den grünen Hörer. Ich dachte gar nicht darüber nach, dass es jemand anderes als Papa sein könnte, der mich zurückrief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Papa? Hier ist Hina‘‘, jammerte ich ins Telefon. „Ich hab Angst. Da ist so ein Mädchen, das mich immer wieder anruft. Es lässt mich einfach nicht in Ruhe!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber am anderen Ende war nicht Papa. Stattdessen meldete sich eine mir inzwischen vertraute hohe Stimme. Und nicht nur das. Ich hörte sie nicht nur aus dem Telefon. „Hallo Hina-chan, hier ist Mary-san. Ich stehe jetzt direkt hinter dir.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mary-san no Denwa (メリーさんの電話, Japanisch für „Telefonanruf von Mary“) ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Japan. Sie handelt von einer <a href="https://www.geister-und-legenden.de/besessene-puppen">Horrorpuppe</a> namens Mary-san und ist ein beliebtes Motiv für Kettenbriefe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mary-san:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen von Mary-san wird in den meisten Erzählungen der Legende kein Wort verloren. Es gibt aber Darstellungen von ihr, in denen sie als gruselig aussehende manchmal kaputte Porzellanpuppe dargestellt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen ist sie eine normal aussehende Puppe oder eine japanische Rika-chan-Puppe, die optisch an eine mädchenhafte Barbie erinnert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seltenen Fällen ist Mary-san ein Mensch bzw. <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte von Mary-san no Denwa ist meist sehr ähnlich. Zwar werden oft ein paar Details verändert und sie kann auch in der Länge stark variieren, aber die Handlung ist fast immer identisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einem Umzug wird Mary-san, die Puppe eines kleinen Mädchens oder einer Teenagerin, versehentlich in den Müll geworfen. Manchmal reagiert das Mädchen sehr traurig, andere Male ist ihr die Puppe relativ egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann – entweder am gleichen Abend oder einige Tage bis Wochen später – ist das Mädchen schließlich allein in der neuen Wohnung oder dem neuen Haus, weil die Eltern unterwegs sind. Da erhält sie plötzlich einen Anruf. Es meldet sich eine Stimme, die sagt: „Hier ist Mary-san. Ich bin gerade auf der Müllhalde.“ Anschließend wird das Gespräch beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurze Zeit später klingelt das Telefon erneut. Wieder meldet sich jemand mit dem Namen Mary-san und nennt einen anderen Ort, an dem sie jetzt sei. Diesmal ist der Ort näher bei dem Mädchen, z. B. an einer Bushaltestelle, einem Laden oder einem anderen Ort in der Nähe. Wieder wird das Gespräch beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgen noch mindestens zwei weitere Anrufe. Bei dem Vorletzten ist Mary-san aber so gut wie immer angeblich vor der Haustür des Mädchens. Daraufhin nimmt es all seinen Mut zusammen und öffnet die Haustür, um nachzusehen, aber vor der Tür ist niemand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann klingelt das Telefon zum letzten Mal. Wieder meldet sich die Stimme: „Hier ist Mary-san. Ich stehe jetzt hinter dir.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle endet die Geschichte meistens. Selten wird erwähnt, dass das Mädchen daraufhin ermordet wurde oder die Eltern später ihre Leiche gefunden haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alternative Versionen:</h3>



<h4 class="wp-block-heading">Mehrstöckiges Gebäude oder Hochhaus:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Versionen der Geschichte wohnt die ehemalige Besitzerin von Mary-san in einer Wohnung eines mehrstöckigen Gebäudes oder eines Hochhauses. Darin erklärt Mary-san bei den Anrufen, in welchem Stockwerk sie sich gerade befindet, und kommt dem Mädchen dabei immer näher.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Rika-chan:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auch gibt es Versionen, in denen die Puppe eine Rika-chan-Puppe ist. Mehr hierzu erfahrt ihr unter Ursprung.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Taxifahrer:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt, gibt es auch Versionen, in denen Mary-san ein Mensch ist. Eine der bekanntesten von ihnen handelt von einem Taxifahrer, der Mary-san überfährt. Hierbei meldet sich Mary-sans Geist über das Funkgerät des Fahrers, während sie sich ihm Stück für Stück nähert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kettenbrief:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders als Kettenbrief war die Legende Mary-san no Denwa sehr beliebt. Darin ist die Geschichte von Mary-san in Kurzfassung erzählt, ehe die Aufforderung folgt, die Empfänger sollen die Nachricht an X Personen weiterleiten – ansonsten würde Mary-san sie als Nächstes anrufen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende Mary-san no Denwa spielt in fast allen Versionen in Japan. Der Ort kann jedoch von Geschichte zu Geschichte variieren. Wie bei den meisten urbanen Legenden bietet es sich an, die Geschichte an einen nahegelegenen Ort zu verschieben, damit sie gruseliger wirkt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zu dem Ursprung von Mary-san no Denwa gibt es viele verschiedene Spekulationen. Zwei von ihnen habe ich besonders häufig gelesen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Rika-chan-Telefon:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste von ihnen dreht sich um die bereits erwähnten Rika-chan-Puppen. Im Jahr 1968 richtete die Firma Takara Tomy, der Hersteller der Puppen, eine Telefonnummer ein, über die man Rika-chan anrufen kann. Am anderen Ende meldet sich dann eine Aufnahme, in der man von Rika-chan begrüßt wird. Diese Nachricht kann man noch heute hören. Die aktuelle Telefonnummer von Rika-chan findet ihr auf der <a href="https://licca.takaratomy.co.jp/tel/">Website von Takara Tomy</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer Version der Mary-san no Denwa Legende meldet sich Rika-chan irgendwann zurück und erklärt, wo sie sich gerade befindet, nachdem man diese Nummer angerufen und die automatische Nachricht angehört hat. Ab hier ist die Version identisch mit den Anrufen von Mary-san, die Anrufer werden also von Rika-chan heimgesucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spekulationen zufolge ist dies der Ursprung der urbanen Legende. Laut ihnen wurde der Name der Puppe zu Mary-san umgeändert, um rechtliche Probleme zu vermeiden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Yokohama Mary:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Theorie besagt, dass eine Frau, die unter dem Namen Yokohama Mary bekannt war, die Legende inspiriert hat. Yokohama Mary war eine Prostituierte, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Yokohama gelebt hat. Sie stand dort oft an den Straßen und galt als eine der schönsten Prostituierten ihrer Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders auffällig waren dabei ihr außergewöhnlicher Kleidungsstil und ihr schneeweiß geschminktes Gesicht, die an eine Puppe erinnert haben sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau 50 Jahre lang nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man die auffällig geschminkte Yokohama Mary in den Straßen von Yokohama antreffen, bis sie im Jahr 1995 in ein Altersheim gezogen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist also durchaus denkbar, dass ihr ungewöhnliches Auftreten einige Theorien und Mythen inspiriert hat. Vielleicht war darunter ja auch die Legende von Mary-san no Denwa.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mary-san in der heutigen Pop-Kultur:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Egal, wie die Legende letztendlich wirklich entstanden ist, Fakt ist, dass sie sich früher großer Beliebtheit erfreut hat. Besonders zu ihrer Hochzeit hat sie sich in Form von Kettenbriefen in ganz Japan verbreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen gibt es sogar den gleichnamigen japanischen Horrorfilm „Mary-san no Denwa“ (2011), der sich um die Legende dreht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem findet man Anspielungen auf Mary-san in diversen Manga und Anime.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Mary-san no Denwa? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie würdet ihr reagieren, wenn Mary-san euch anrufen würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Killer in the Backseat – der Mörder auf der Rücksitzbank</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Mar 2021 13:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Mörder auf dem Rücksitz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Je näher ich kam, desto besser konnte ich den Mann erkennen, der inzwischen bei der Tür stand. Er hatte lange, zottelige Haare, einen Vollbart und eine große, kräftige Figur. Abgesehen von seinem blauen Hemd mit dem Namensschild wirkte er überhaupt nicht wie ein typischer Kassierer, eher wie ein Trucker oder Biker ...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">„Killer in the Backseat“ ist eine bekannte urbane Legende. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele von euch mindestens eine der unzähligen Versionen bereits kennen – egal ob als Legende, als Gruselgeschichte oder aus Serien und Filmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wollte ich sie euch nicht vorenthalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem habe ich noch eine kleine Ankündigung zu machen. Es ist nichts Großes und ich hatte leider auch nicht die Zeit, ein passendes „Special“ für euch vorzubereiten, aber Geister und Legenden wird diesen Donnerstag, am 01. April, 2 Jahre alt. 🥳</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt viel Spaß bei Killer in the Backseat!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fluchte, während ich die Handbremse anzog. Dad hatte mir gesagt, dass ich besser vor der Fahrt im Hellen tanken solle. Ich hatte bloß erwidert, dass ich kein Problem damit habe, nachts auf dem Heimweg zu tanken. Es hätte ja niemand damit rechnen können, dass es jetzt in Strömen regnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen Moment, bis ich mich überwinden konnte, aus dem Auto zu steigen. Ich hielt mir meine Stoffjacke so gut es ging über den Kopf, während ich durch eine Pfütze zur Tanksäule rannte. Der Regen prasselte so laut auf das Autodach und vermischte sich mit seinem Plätschern und Rauschen auf dem Asphalt, dass ich nicht einmal meine eigenen Schritte hören konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich nach der Zapfpistole griff, stieg mir der vertraute Geruch nach Benzin in die Nase. Ich mochte den Geruch. Trotzdem nahm ich mir keine Zeit, ihn zu genießen. Stattdessen stecke ich die Zapfpistole hastig in die Tanköffnung. Als die Anzeigen für den Preis und für die Benzinmenge anfingen anzusteigen, hetzte ich ins Auto zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammter Regen“, murmelte ich, während ich die Heizung aufdrehte. Obwohl ich keine Minute draußen gewesen war, war meine Kleidung bis auf die Haut durchnässt. Hätte ich doch bloß auf Dad gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach ein paar Minuten war der Tank endlich voll. Ich konnte es kaum erwarten, wieder auf der Straße zu sein. Wenn ich etwas Musik anmachte und es im Auto warm genug wurde, würde ich vielleicht meine nasse Kleidung vergessen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also stieg ich wieder aus. Diesmal machte ich mir gar nicht erst die Mühe, meine Jacke über mich zu halten. Ich steckte die Zapfpistole zurück in die Zapfsäule und kramte mein Portemonnaie heraus. Während ich gerade dabei war, zu bezahlen – hier in den USA kann man mit der Karte direkt an der Zapfsäule zahlen – bemerkte ich einen Mann in der Tankstelle, der mir zuwinkte. Ich ging davon aus, dass es der Kassierer war. Trotzdem ignorierte ich ihn. Das Letzte, was ich jetzt tun wollte, war als Frau mitten in der Nacht mit einem fremden Mann zu reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich bezahlt hatte, fiel mein Blick wieder auf den Mann. Diesmal winkte er energischer. Es sah aus, als wolle er mich zu sich winken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsicher sah ich zwischen ihm und meinem Auto hin und her. Eigentlich wollte ich nicht mit ihm reden, aber was, wenn es etwas Wichtiges war? Vielleicht war etwas mit der Tanksäule nicht in Ordnung oder er wollte mich auf einen Unfall oder eine Baustelle aufmerksam machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem leicht mulmigen Gefühl im Magen ging ich auf die Tankstelle zu. Meine Kleidung klebte an mir, als wolle sie mich am Gehen hindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je näher ich kam, desto besser konnte ich den Mann erkennen, der inzwischen bei der Tür stand. Er hatte lange, zottelige Haare, einen Vollbart und eine große, kräftige Figur. Abgesehen von seinem blauen Hemd mit dem Namensschild wirkte er überhaupt nicht wie ein typischer Kassierer, eher wie ein Trucker oder Biker.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Was, wenn der Mann ein Verbrecher ist? Vielleicht liegt der richtige Kassierer tot oder gefesselt im Hinterzimmer</em>‘, schoss es mir in den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen kurzen Moment zögerte ich. Sollte ich wirklich hinein gehen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann schüttelte ich den Gedanken mit einem leichten Kopfschütteln ab. ‚<em>Beruhig dich, Betty. Das hier ist doch keiner deiner Krimis. Es ist sicher alles ganz harmlos.</em>‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit festem Griff öffnete ich die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja bitte?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kassierer ging einen Schritt auf mich zu. Er sah verstohlen nach draußen, als wolle er gucken, ob noch jemand da sei, und versuchte, die Tür zu schließen. Ich blieb in der Tür stehen, um ihn daran zu hindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann trat wortlos wieder einen Schritt zurück, während er erneut verstohlen zu meinem Auto sah. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Entschuldigung, aber bist du allein unterwegs?“, fragte er über den lauten Regen hinweg mit einer tiefen, rauen Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn überrascht an. Hatte er mich gerade gefragt, ob er mit mir allein sei? <em>Wollte</em> er mit mir allein sein?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Kopf malten sich allerlei Szenaren aus, was der Mann mit mir anstellen könne. Wieder versuchte ich, die Gedanken abzuschütteln, doch mir wollte kein einziger normaler Grund einfallen, warum er das wissen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„E-entschuldigen Sie, aber ich muss wirklich weiter“, wich ich seiner Frage aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich mich jedoch wegdrehen wollte, um zurück zu meinem Auto zu gehen, griff der Mann plötzlich nach meinem Arm. „He, warte mal!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt schrillten all meine Alarmglocken. Es war mir egal, was der Mann von mir wollte. Ich riss mich los und rannte zurück zum Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich lief, merkte ich noch, wie der Mann mir etwas nachrief, konnte es wegen das Regens und dem Klatschen meiner Füße auf dem nassen Boden aber nicht verstehen – um ehrlich zu sein war es mir auch egal. Ich wollte bloß weg von hier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Auto angekommen drückte ich sofort die Türverriegelung nach unten. Ich hatte zwar keine Zentralverriegelung, aber wenn mir der Mann folgen würde, würde er es eh zuerst an der Fahrertür versuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann trat ich auf die Kupplung und drehte ich den Schlüssel im Zündschloss. Der Motor ratterte, doch er sprang nicht an. Während ich es noch einmal versuchte, starrte ich nach draußen. Von dem Kassierer – wenn er denn wirklich einer war – fehlte jede Spur. Wegen des verdammten Regens und der Dunkelheit konnte ich kaum etwas sehen. Im beleuchteten Tankstellengebäude war er jedenfalls nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich sprang mein Motor an. Fast rechnete ich damit, dass eine große Silhouette im Licht meiner Scheinwerfer auftauchen würde, doch die Tankstellenausfahrt war leer. Ohne eine Sekunde zu zögern, raste ich los. Ich fuhr zurück auf die Landstraße, endlich wieder in Richtung von meinem Zuhause, und versuchte, mein rasendes Herz zu beruhigen. Ich war in Sicherheit – so dachte ich zumindest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während meine Scheibenwischer alle Hände voll damit zu tun hatten, mir ein Mindestmaß an Sicht zu ermöglichen, prasselte der Regen laut auf die Scheibe. Ich musste das Radio fast komplett aufdrehen, um überhaupt das Lied verstehen zu können, das gerade spielte. Es war ein Popsong. Doch obwohl ich das Lied eigentlich mochte, kam es mir jetzt schrill, beinahe unangenehm vor. Immer wieder musste ich an den Mann aus der Tankstelle denken. Was er wohl mit mir gemacht hätte, wenn ich ihn die Tür hätte schließen lassen? Ich wollte gar nicht darüber nachdenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden Scheinwerfer, die in meinem Rückspiegel auftauchten, fielen mir zunächst nicht weiter auf. Erst, als ich sah, wie schnell sie näherkamen, schenkte ich ihnen Beachtung. Entgeistert schüttelte ich den Kopf. Wie konnte man bei dem Regen auf einer kurvigen Straße nur so schnell fahren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das Auto zu hupen begann, fuhr ich möglichst weit am rechten Fahrbahnrand, damit es mich überholen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Spinner!“, sagte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Auto machte jedoch keine Anstalten, zu überholen. Ganz im Gegenteil: Es wurde immer langsamer, bis es auf gleicher Geschwindigkeit mit mir war, fuhr dabei aber so dicht auf, dass seine Stoßstange mein Auto fast berührte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sag mal, bist du bescheuert?“, fragte ich laut, während ich Gas gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt begann das Auto aufzublinken, hupte dabei wieder, fuhr schneller, um weiterhin dicht an meinem Auto zu bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich setzte den rechten Blinker, um zu signalisieren, dass ich überholt werden wollte, doch es brachte nichts. Das Auto blieb direkt hinter mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sollte ich tun? Wenn der Fahrer weiter so drängelte, würden wir einen Unfall bauen. Wenn ich bremste oder noch mehr Gas gäbe, sähe das Ergebnis wahrscheinlich ähnlich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich noch völlig überfordert mit der Situation war, fuhr plötzlich ein Ruck durch meinen Wagen. Es gab einen leisen Knall, woraufhin ich kräftig durchgeschüttelt wurde. Der Wagen hatte mich gerammt!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Rums!</em> Wieder wurde ich gerammt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kam mir völlig hilflos vor, stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim dritten Rammen geriet mein Wagen schließlich ins Schleudern. Ich verlor für einen Moment die Kontrolle, schaffte es nicht mehr, richtig zu lenken. Als ich auf die Bremse trat, kam ich schließlich holprig zum Stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zittrigen Knien und rasendem Herzen, sah ich mich hektisch um. Im Scheinwerferlicht meines Wagens sah ich Wald. Ich hatte Glück, dass ich es geschafft hatte, noch vor den Bäumen anzuhalten. Dann fiel mir das Auto im Rückspiegel auf: Der Verrückte, der mich gerammt hatte, war stehengeblieben!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sollte ich tun? Vorwärts konnte ich nicht fahren. Die Bäume waren zu nahe. Rückwärtsfahren ging jedoch auch nicht. Das andere Auto blockierte mir den Weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Mann ausstieg, erkannte ich ihn sofort: Es war der Kassierer aus der Tankstelle. Er hatte mich verfolgt. Dann fiel mein Blick auf den Baseballschläger in seiner Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blanke Angst machte sich in mir breit. Ich schnallte mich panisch ab, stieß die Tür auf, blieb beim Aussteigen mit dem Fuß hängen und fiel aus meinem Auto in das nasse Gras.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich bemerkte, dass der Mann auf mich zukam, rappelte ich mich sofort wieder auf und rannte zwischen die Bäume. Äste schlugen nach mir, einer schnitt mir einen Kratzer über die Wange. Ich ignorierte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He du! Steig sofort aus dem Auto aus! Schön langsam!“, brüllte eine kräftige Stimme hinter mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb verdutzt stehen. Der Mann musste doch gesehen haben, dass ich aus dem Auto geflohen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einer Mischung aus Verwirrung und Neugier drehte ich mich um. Ich sah mein Auto, die offene Fahrertür und den Tankstellenkassierer. Er hielt den Baseballschläger drohend vor sich, zeigte damit auf die Hintertür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann verstand ich gar nichts mehr: Die Autotür öffnete sich langsam. Heraus kam ein schwarz gekleideter Mann mit einer Skimaske. In einer seiner erhobenen Hände blitze etwas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lass das Messer fallen“, forderte der Kassierer ihn auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fremde gehorchte, ohne etwas zu erwidern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort griff der Kassierer nach seinem Arm. Wie ein Polizist drehte er ihn in einer flüssigen Bewegung um, hielt ihn fest und drückte ihn gegen mein Auto. Das Messer kickte er mit dem Fuß außer Reichweite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verstört ging ich zum Auto zurück. Den Regen, der inzwischen etwas nachgelassen hatte, bemerkte ich kaum noch. Ich realisierte nicht einmal, wie unkontrolliert ich zitterte. Meine ganze Aufmerksamkeit galt dem Kassierer und dem Fremden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du ein Handy?“, fragte der Kassierer. Er sah mich aufrichtig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt, wo ich neben ihm stand, bemerkte ich wieder, wie riesig er war. Im Vergleich zu vorhin wirkte er jedoch sehr viel weniger bedrohlich, beinahe freundlich. Dann blickte ich auf den Mann mit der Skimaske, der in meinem Auto gesessen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich &#8230; ich versteh nicht &#8230;“, stammelte ich verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als du bei meiner Tankstelle warst, hab ich gesehen, wie dieser <em>nette Herr</em> hier in dein Auto gestiegen ist. Ich wollte dich ja warnen, aber mein etwas &#8230; grobes Aussehen hat dich wohl verschreckt.“ Er lächelte leicht entschuldigend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während mein Hirn auf Hochtouren lief, irgendwie versuchte, zu verarbeiten, was in den letzten Minuten geschehen war, sah ich verwirrt zwischen den beiden Männern hin und her.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kassierer musste mich erneut darum bitten, den Notruf zu wählen, bis ich seinem Wunsch endlich nachkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als die Polizei da war, schaffte ich es langsam, die ganze Situation zu begreifen. Ein maskierter Mann hatte sich mit einem Messer in mein Auto geschlichen. Hätte Charly – so hieß der Kassierer – ihn nicht gesehen und wäre mir nicht gefolgt, wäre ich mit dem Fremden ganz allein gewesen. Mitten im Nirgendwo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich hatte nichts Besseres zu tun, als meinem Retter zu misstrauen. Ich hatte ihn zu schnell beurteilt. Doch das würde mir nur einmal passieren. Ich wollte mich bei Charly bedanken, ihn auf einen Kaffee einladen. Schließlich war scheinbar ein echt netter Mann, nein, er war ein Held.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Killer in the Backseat (Englisch für „Mörder auf der Rücksitzbank“), seltener High Beams (Englisch für „Fernlicht“), ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Amerika und Großbritannien. Es gibt sie in unzähligen Versionen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es sehr viele verschiedene Versionen von Killer in the Backseat gibt, ist der Täter fast ausschließlich männlich. Häufig hat er eine Waffe wie ein Messer, eine Axt oder eine Pistole dabei, seltener ist er unbewaffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Versionen wird der Täter überhaupt nicht beschrieben, in anderen wird gesagt, dass er ein gesuchter Mörder oder ein entflohener Insasse einer Nervenheilanstalt sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch gibt es Versionen, in denen der Täter ein Ganganwärter sein soll. Hier heißt es, dass man – um bei der Gang mitmachen zu dürfen – einer Frau ein Körperteil abschneiden, sie entführen, sie vergewaltigen oder sie umbringen müsse. Besonders beliebt ist dieses angebliche Motiv des Täters bei Kettenbriefen, die von der &#8222;Killer in the Backseat&#8220;-Legende erzählen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der vielen Versionen lässt sich ihr Ablauf hauptsächlich in zwei Varianten einteilen:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Variante 1:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Variante beginnt in einer Gaststätte, an einer Tankstelle, in einem Fastfood Restaurant o. Ä. oder direkt im Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie nicht direkt im Auto beginnt, tankt die Protagonistin ihr Auto, trinkt einen Kaffee o. Ä., als ein Mann sie anspricht. Weil es schon sehr spät ist – teilweise ist sie auch mit dem Mann allein –, fühlt sie sich unwohl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann sieht häufig recht grob und nicht vertrauenserweckend aus – z. B. ist er ein Trucker, trägt viele Tattoos, ist groß und/oder hat eine dunklere Hautfarbe (die viele Weiße leider auch heute noch als nicht vertrauenserweckend empfinden).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann versucht, sie daran zu hindern, zurück zum Auto zu gehen oder sie vom Auto wegzulocken, woraufhin die Frau Angst bekommt und mit ihrem Auto abhaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal fällt dieser Anfang auch weg und die Geschichte beginnt, wenn die Frau bereits im Auto sitzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Fahrt fällt der Frau recht bald auf, dass sie von einem Auto verfolgt wird. Es fährt dicht heran, blendet mit dem Fernlicht auf oder rammt ihr Auto sogar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Protagonistin fürchtet jetzt um ihr Leben, doch so sehr sie auch versucht, ihren Verfolger abzuhängen, es funktioniert nicht. Sie hält erst an, als sie einen Unfall baut, ihr Auto abwürgt (und es nicht mehr anspringt) oder sie ihr Ziel erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ein Mann aus dem Auto steigt, erkennt sie sofort, dass es der Mann ist, der sie zuvor angesprochen hat. Je nach Version fordert der Mann sie auf, das Auto zu verlassen, sie rennt in ein Haus oder hupt ihren Ehemann, Freund oder Vater vor die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin erklärt der Verfolger sofort, dass er der Frau gar nichts Böses wollte. Er habe bemerkt, dass sich ein Mann auf ihrer Rücksitzbank befindet. Das Aufblenden und Rammen sollte nur dazu dienen, dass der Mann die Frau nicht angreifen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte kann auf zwei unterschiedliche Arten enden: Entweder, sie rufen die Polizei, die den Einbrecher sofort festnimmt, oder sie sehen auf dem Rücksitz nach, finden jedoch nur eine offene Tür auf der Beifahrerseite und eine Waffe auf der Rücksitzbank.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Variante 2:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Variante von Killer in the Backseat befindet sich die Protagonistin fast immer an einer Tankstelle. Nachdem sie ihr Auto aufgetankt hat, macht der Kassierer der Tankstelle sie auf sich aufmerksam. Entweder, als sie die Tankstelle betritt, oder nachdem sie direkt an der Tanksäule per Karte bezahlt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Z. B. bittet er sie zu sich, weil es Probleme bei der Zahlung gegeben habe, oder er hindert sie unter dem Vorwand, dass es etwas mit ihrem Auto nicht stimme, am Losfahren und überredet sie, wieder auszusteigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald die Frau vom Auto weg ist und sie außer Hörweite sind, erklärt er, dass er gesehen habe, wie sich ein Mann auf ihrer Rücksitzbank versteckt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder gibt es mehrere Varianten, wie diese Geschichte enden kann: Entweder, die Frau tut so, als wäre sie noch mit dem Kassierer beschäftigt, bis die zuvor gerufene Polizei eintrifft, oder sie sieht, wie der Täter aus dem Auto flieht, nachdem er bemerkt, dass er entdeckt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selten flieht die Frau auch, bevor der Kassierer sie warnen kann, woraufhin die Frau im Auto ermordet wird.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort des Geschehens variiert von Geschichte zu Geschichte. Häufig bauen die Erzähler sie so um, dass es eine Gegend in der Nähe oder die Stadt, in der man sich befindet, betrifft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die „Killer in the Backseat“ Geschichte existiert schon seit mehreren Jahrzehnten und wurde auf mehrere unterschiedliche Weisen verbreitet – hauptsächlich über das Internet als Kettenbrief oder per Mund-zu-Mund Propaganda.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da hierbei unterschiedlichste Methoden verwendet wurden, hat sie schnell viele verschiedene Zielgruppen erreicht. So wurde sie als bloße Gruselgeschichte, als angeblich wahres Erlebnis, als vermeintliche Warnung oder sogar als angeblicher Bericht einer Polizeistelle verbreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem haben viele Serien, wie die Simpsons oder X-Factor, aber auch viele Horrorfilme die Legende aufgegriffen, was wiederum bei der Verbreitung geholfen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie oder wo genau die urbane Legende begonnen hat, ist jedoch unklar. Sie ließ sich jedoch mindestens auf 1967 zurückverfolgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird vermutet, dass sie lose an einen wahren Fall angelehnt sein könnte. So gab es tatsächlich schon mehrere Fälle von Straftätern, die sich auf dem Rücksitz eines Autos versteckt haben. Einen Fall, der ähnlich wie Killer in the Backseat ablief, hat man bisher jedoch nicht finden können.</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Killer in the Backseat? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie hätte ihr euch an Bettys Stelle verhalten? Hättet ihr Charly mehr Vertrauen geschenkt? Oder wärt ihr auch vor ihm geflüchtet? Und was würdet ihr tun, wenn euch ein fremdes Auto verfolgt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
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		<title>Carmen Winstead</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Antagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Kettenbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Schüler]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Glaubt ihr an Geister? Ich war mir nie ganz sicher. Zwar fand ich den Gedanken irgendwie beruhigend, dass nach dem Tod noch etwas kommen würde, der Realist in mir sagte jedoch, dass das nicht möglich sei. Das sollte sich jedoch bald ändern … Mein Name ist Carmen Winstead und das ist meine Geschichte ...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Carmen Winstead ist eine vor allem in Amerika weit verbreitete <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>. Seit 2006 ist dort ein Kettenbrief über die Legende im Umlauf.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Glaubt ihr an Geister? Ich war mir nie ganz sicher. Zwar fand ich den Gedanken irgendwie beruhigend, dass nach dem Tod noch etwas kommen würde, der Realist in mir sagte jedoch, dass das nicht möglich sei. Das sollte sich jedoch bald ändern … Mein Name ist Carmen Winstead und das ist meine Geschichte:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles begann vor einigen Wochen. Mein Dad hatte eine neue Arbeitsstelle bekommen, weswegen ich meine Taschen packen und all meine Freunde zurücklassen musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem Umzug war ich die meiste Zeit alleine. In der Schule hatten alle schon ihre Cliquen und Freundeskreise. Da hatte niemand Lust, sich mit der Neuen anzufreunden. Und ich war zu schüchtern, um den ersten Schritt zu wagen. Es vergingen Schultage, an denen ich kein einziges Wort sprach …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch lernte ich Ashley und ihre Freundinnen Madison, Kaylin, Amy und Beccy kennen. Ein Lichtblick in meinem Leben – so dachte ich jedenfalls.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß alleine in der Mensa und aß still meine Käse Makkaroni, als sich die fünf Mädchen plötzlich zu mir setzten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Carmen, wir dürfen doch hier sitzen, oder? Die anderen Tische sind uns zu voll“, sagte Ashley und wartete gar nicht erst auf eine Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich lachten die Mädchen. Ich dachte mir nichts dabei. Vielleicht hatten sie eben etwas Lustiges erlebt, über das sie sich noch amüsierten. Hätte ich meinen Blick nicht krampfhaft auf mein Essen gerichtet, um jeglichen Augenkontakt zu vermeiden, hätte ich wohl die Gehässigkeit in Ashley Blick bemerkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also Carmen, wie gefällt es dir hier in Indiana? Du kommst schließlich von ziemlich weit weg, oder?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Redete sie mit mir? Niemand redete mit mir! Etwas ungläubig sah ich auf. Sie lächelte freundlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„An sich ganz gut. Obwohl es auch etwas einsam ist. Ich vermisse meine Freunde“, gestand ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, das glaube ich. Aber wenn du möchtest, können wir ja deine Freunde werden“, erwiderte Ashley.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Freundinnen kicherten wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wirklich?“, fragte ich mit großen Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, ob es an meiner Einsamkeit oder meiner Naivität lag, dass ich ihre wahren Absichten nicht sofort durchschaute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden Tagen behandelten Ashley und ihre Freundinnen mich wie ihr Dienstmädchen. „Carmen, ich habe durst. Hol mir bitte etwas zu trinken.“ „Carmen, meine Sporttasche liegt noch in der Klasse. Kannst du sie mir bitte bringen?“ „Carmen, ich hab die Hausaufgaben nicht geschafft. Darf ich sie bei dir abschreiben?“ … Carmen, Carmen, Carmen. Und ich ließ mich darauf ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war zu glücklich darüber, die Pausen nicht mehr alleine verbringen zu müssen, um zu erkennen, dass die Mädchen mich nur ausnutzten. Das war jedenfalls so, bis ich eines Tages mit zwei Tabletts zurück an den Tisch kam. Ich hatte Ashley und Madison einen Nachschlag geholt, weil sie mich darum gebeten hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hattest recht, Ashley. Carmen ist so nützlich. Wie ein kleines Hündchen, das alles macht, was man ihr sagt“, sagte Madison belustigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie Kaylin sie unter dem Tisch unauffällig trat und eindringlich ansah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Au! Was soll das?“, fragte Madison verärgert. Dann drehte sie sich sofort um. „Oh … Hey, Carmen, hast du unser Essen?“, fragte sie scheinheilig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie ein kleines Hündchen? So seht ihr mich also?“, fragte ich wütend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Madison sah schuldbewusst drein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Ashley zog nur die Augenbraue hoch. „Hast du es etwa immer noch nicht verstanden? Das ist der einzige Grund, warum wir dich überhaupt dulden. Denkst du etwa, dass wir mit dem Klassenfreak befreundet sein wollen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das tat weh. Es fühlte sich an, als hätte sie einen Dolch aus Eis in meine Brust gerammt, der mir die Sprache verschlug. Ich stand mit offenem Mund da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du sie etwa nicht gehört?“, fragte Kaylin. „Wenn du uns unser Essen nicht gibst, darfst du nicht mehr mit uns befreundet sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu überfordert, um irgendetwas anderes zu tun, stellte ich die Tabletts auf den Tisch. War das irgendeine Art dummer Scherz?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Awww. Seht sie euch an. Unser eigenes kleines Hündchen!“, sagte Ashley.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Woof!“, bellte Madison mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann schaltete sich Kaylin, Amy und Beccy ein: „Woof! Woof!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis alle fünf Mädchen dasaßen und mich anbellten. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie einige andere Schüler sich zu uns umdrehten und leise tuschelten. Redeten sie über mich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich merkte, wie meine Augen feucht wurden, hielt ich es nicht länger aus. Ich rannte aus der Mensa zu den Toiletten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso? Wieso taten sie das nur? Ich dachte, sie seien meine Freunde!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich leise in einer Kabine weinte, hörte ich, wie sich die Tür öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Carmen? Bist du hier drin?“, hörte ich Amy rufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schwieg. Was wollte sie von mir? Wollte sie mich noch mehr ärgern?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es tut mir leid“, fuhr sie fort. „Ich wollte nicht gemein zu dir sein. Es ist nur … Hätten die anderen gemerkt, dass ich nicht mitmachen will, hätten sie mich rausgeschmissen …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann könntest du dir wenigstens bessere Freunde suchen“, antwortete ich leise. Ich klang verheulter, als ich gehofft hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt klopfte Amy an meine Tür. „Bist du da drin? Es tut mir leid. Wirklich! Ich hab hier ein Geschenk für dich … als Entschuldigung“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwundert schloss ich die Tür auf. Was könnte sie mir schon schenken wollen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich schließlich vor Amy stand, hielt sie mir einen Stock entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist das?“, fragte ich verwundert. Was sollte ich denn mit einem Stock anfangen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist ein Stock, Dummerchen. Ich hab gehört, dass kleine Hündchen wie du sowas mögen“, sagte sie im selben mitleidigen Ton wie vorher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt ertönte tosendes Gelächter von der Toilettentür. Die anderen Mädchen hatten uns die ganze Zeit belauscht …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wütend ging ich zum Eingang, drängte mich an Ashley und den anderen vorbei und ging. Die Sprüche, die sie mir an den Kopf warfen, ignorierte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das sollte noch längst nicht alles gewesen sein. Seit jenem Tag hatten mich die Mädchen täglich geärgert. Es war, als hätte sich ein Schalter umgelegt und sie wären plötzlich von meinen besten Freunden zu meinen schlimmsten Feinden geworden. Aber in Wahrheit hatte ich wahrscheinlich bloß meine rosarote Brille abgenommen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meiste Zeit waren es nur harmlose Streiche. Sie beleidigten mich, schmierten Schimpfwörter in meine Bücher oder versuchten, mich vor der Klasse bloßzustellen. Es tat zwar weh, doch ich ließ mir äußerlich nichts anmerken. Das war die einzige Möglichkeit – so hoffte ich –, dass sie mich eines Tages in Ruhe ließen, es ihnen langweilig wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch leider passierte das nicht. Im Gegenteil: Ihre Streiche wurden schlimmer. Eines Tages kam ich in die Schule, wo ich meinen Spind völlig demoliert vorfand. Er war aufgebrochen worden und meine Zettel, Hefte und Bücher lagen überall auf dem Boden verteilt. Zerrissen hatten sie zum Glück nichts, doch alles aufzusammeln und einem Lehrer Bescheid zu sagen, der mir einen neuen Spind zuwies, dauerte ewig. Nachweisen konnte ich es Ashley und ihren Freundinnen leider nie. Trotzdem weiß ich, dass sie es waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Vorfall ereignete sich nicht einmal eine Woche später. Ich war vor dem Unterrichtsbeginn nur kurz auf Toilette verschwunden, merkte aber sofort, dass etwas nicht stimmte, als ich die Klasse betrat. Die anderen Schüler wurden plötzlich sehr still. Sie kicherten und tuschelten miteinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich schließlich meine Federtasche und die Schulsachen aus meiner Tasche holen wollte, packte ich in eine schleimige Flüssigkeit – die Mädchen hatten Joghurt in meine Tasche gekippt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Klasse brach in tosendes Gelächter aus. Und während ich meine Tasche ausräumte, versuchte, die Hefte und Bücher zu retten, die noch zu retten waren, schrie und tobte meine Lehrerin. Doch als sie verlangte, zu erfahren, wer das getan hatte, schwieg meine Klasse. Nicht ein einziger Schüler trat vor oder verteidigte mich. Dabei hatten sie es alle gesehen. Sie alle waren dabei gewesen, während die fünf Mädchen den Joghurt in meine Tasche gekippt hatten! Innerlich kochte ich vor Wut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Dinge passierten immer wieder. Es gab Tage, an denen ich tat, als wäre ich krank, nur, um nicht in die Schule gehen, die Schikane nicht mehr ertragen zu müssen. Doch natürlich musste ich am nächsten Tag wieder hin. Ich wusste nicht, wie lange ich es noch durchhalten würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann kam der heutige Tag. Der Tag, der das Fass zum Überlaufen brachte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie immer hatte ich einen Knoten in der Magengegend, als ich das Schulgebäude betrat. Ich wusste bereits, dass ich wieder geärgert werden würde. Ashley, Madison, Kaylin, Amy und Beccy würden mich wieder mobben, und meine gesamte Klasse würde wegsehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fing wie immer mit einigen verletzenden Sprüchen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na, Hündchen? Wieso bist du den nicht an der Leine“, war zum Beispiel ein Spruch, den ich fast täglich zu hören bekam. Andere Sprüche, wie „Willst du dich nicht zu deinen Freunden setzen? Ach ne, du hast ja gar keine!“, taten hingegen schon mehr weh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute waren die Hündchen-Sprüche wieder sehr beliebt. Es dauerte jedoch bis nach der Sportstunde, dass ich verstand, warum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Sportlehrer erinnerte uns daran, dass es in der nächsten Stunde einen Probefeurealarm geben würde, bevor er uns aus der Stunde entließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Umkleide bemerkte ich sofort einen unangenehmen Geruch. Der gesamte Raum stank nach Hundekot. Ich bemühte mich also, mich möglichst schnell umzuziehen, um den Raum schnell wieder verlassen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da ist wohl jemand noch nicht stubenrein!“, lästerte Ashley, als sie die Kabine betrat und den Geruch wahrnahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hat dein Frauchen dich nicht gelehrt, dass du nicht in die Wohnung machen sollst?“, schloss Amy sich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann lachten sie wild durcheinander. Aber auch dabei dachte ich mir noch nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich mich umgezogen hatte und nach meiner Jacke griff, bemerkte ich es: Der Gestank kam von meiner Jacke! Ungläubig roch ich daran. Eindeutig! Meine Jacke stank nach Hundescheiße!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu sehen war jedoch nichts. Ohne nachzudenken, durchwühlte ich meine Taschen … und griff direkt in eine schmierige, klebrige Substanz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschrocken zog ich meine Hand zurück, an der jetzt eindeutig etwas Braunes klebte … Mir drehte sich fast der Magen um, während mein Puls anstieg. Die Mädchen hatten mir Hundescheiße in die Jackentasche gesteckt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlegte kurz, meine Hand an Ashley abzuwischen, die direkt neben mir stand und wie wahnsinnig lachte. Aber nein. Ich würde mich nicht auf ihr Niveau herab begeben. Ich würde mich an einen Lehrer wenden und ihm alles erzählen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis meine Hand endlich nicht mehr stank, dauerte es eine ganze Weile. Wieder und wieder hatte ich sie mit Seife gewaschen. Und als ich schließlich in die Umkleide zurückgegangen war, waren die anderen Mädchen schon weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich packte meine Sachen und rannte zum Schulgebäude – meine stinkende Jacke ließ ich draußen über einer Bank hängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die nächste Stunde hatte bereits angefangen. Mrs. Clark musterte mich mit strengem Blick, als ich in die Klasse gestürmt kam. Ich entschuldigte mich für meine Verspätung. Sie sagte nichts und fuhr mit ihrem Unterricht fort. Ich würde bis nach der Stunde warten müssen, um ihr von dem Vorfall zu erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich mich hingesetzt hatte, ertöte der Feueralarm. Mrs. Clark legte genervt das Stück Kreide zurück zur Tafel. Hoffentlich würde ihre Stimmung nicht meine Pläne beeinträchtigen. Mrs. Clark wäre immerhin die perfekte Lehrerin dafür. Sie war streng, konnte aber auch sehr mitfühlend sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stellt euch in Zweierreihen auf!“, befahl sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Widerwillig sah, ich, wie Ashley sich neben mich stellte. Sie grinste gemein. „Wo ist denn deine Jacke? Meinst du nicht, dass es draußen etwas kalt ist?“, rief sie gehässig über den Feueralarm hinweg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hasste sie dafür, hasste, dass sie mich grundlos ärgerte, hasste, dass sie jedes mal ohne Konsequenzen davonkam. Doch damit wäre nachher Schluss. Ich würde nur noch die Brandschutzübung und mit etwas Pech einige Minuten Unterricht überstehen müssen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir schließlich draußen waren, gingen wir sofort zu den Parkplätzen – der Ort, wo wir uns bei Probealarmen immer versammelten. Ich stand etwas abseits, in der Hoffnung, dass Ashley und ihre Clique bei der Klasse blieben. Zu meinem Leid taten sie es jedoch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie sie wild miteinander tuschelten und kicherten, während sie auf mich zukamen. Was hatten sie nun schon wieder vor?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hündchen, was stehst du denn hier so alleine?“, fragte Madison.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wahrscheinlich ist sie ein Streuner!“, erwiderte Ashley.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ihhh! Sie hat bestimmt Flöhe!“, mischte sich jetzt auch Amy ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaylin und Beccy lachten nur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann begannen sie plötzlich mich zu schubsen. Ich hasste es, wenn sie körperlich wurden. Die Beleidigungen konnte ich ausblenden, aber gegen fünf Mädchen gleichzeitig konnte ich mich nicht wehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey, lasst das!“, sagte ich übertrieben laut, in der Hoffnung, dass Mrs. Clark oder einer der anderen Lehrer es hören würde. Doch sie beachteten mich gar nicht. Schließlich schrien auch die anderen Schüler wild durcheinander. Was war da schon ein Mädchen mehr?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Völlig unerwartet gab mir Ashley dann einen deutlich kräftigeren Stoß. Normalerweise hielten sie sich zurück, wenn wir in größeren Gruppen waren. Wirklich verletzt hatten sie mich bisher nur, wenn wir alleine waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bereitete mich darauf vor, auf den harten Boden zu stürzen, doch der erwartete Aufprall blieb aus. Ich fiel zu tief!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als mein Gesicht mit voller Wucht an die Leiter knallte, bemerkte ich, dass sie mich in einen offenen Gully geschubst hatten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schlug so hart auf den schmutzig-nassen Boden auf, dass ich für einen Moment benommen liegenblieb. Zu meiner Überraschung spürte ich keine Schmerzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Carmen ist in der Kanalisation. Bei der restlichen Scheiße, wo sie hingehört!“, hörte ich Ashley laut rufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gelächter ertönte von oben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber Ashley, Abfall wirft man doch nicht in den Gully!“, warf Amy ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In mir stieg eine unglaubliche Wut auf, wie ich sie noch nie zuvor gespürt hatte. Ich richtete mich auf und starrte wütend auf die Öffnung über mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie sich Ashley und die anderen Mädchen um den Gully versammelten. Plötzlich sahen sie furchtbar schockiert aus. Sie tuschelten miteinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mrs. Clark!“, schrie Kaylin. „Carmen ist in die Kanalisation gestürzt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie konnte sie es wagen? „Das stimmt nicht! Ashley hat mich geschubst!“, brüllte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort kam Mrs. Clark zu dem Gully gerannt. Als sie mich sah, riss sie ihre Hand vor ihren Mund. „Wir brauchen einen Notarzt!“, kreischte sie panisch. „Carmen! Carmen, kannst du mich hören?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es geht mir gut!“, rief ich. „Aber Sie sollten die Polizei rufen. Ashley hat versucht, mich umzubringen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erwartete eine schnippische Antwort. Einen empörten Ausruf, der ihr Wort gegen meins stellte, doch nichts geschah. Die Mädchen tuschelten nur wild durcheinander. Ich konnte nur Wortfetzen entziffern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fielen Worte wie ‚tot‘ oder ‚umgebracht‘. Dann sagte Kaylin ganz deutlich. „Seht euch nur ihren Hals an. Sie bewegt sich nicht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst verstand ich nicht, was sie meinten. Ich war doch hier. Natürlich bewegte ich mich! Doch als ich an mir herabsah, sah ich eine zweite Person. Sie lag unter mir. Nein. Das war keine zweite Person. ICH lag dort. Von meinem Gesicht hing lose Haut. Überall war Blut, das sich jetzt mit dem Dreck und Unrat der Kanalisation mischte. Mein Hals hatte eine unnatürliche Position eingenommen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon lange hatte ich mich gefragt, ob ich an Geister glaube. Ich war mir nie ganz sicher gewesen. Konnte es tatsächlich Seelen geben, die in unserer Welt blieben, weil sie noch etwas zu erledigen hatten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatte ich meine Antwort. Und ich wusste genau, was ich noch erledigen musste. Wütend starrte ich die Mädchen über mir an. Ich würde mich an meinen Mördern rächen!</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Carmen Winstead ist die urbane Legende einer 17-jährigen Schülerin, die durch extremes Mobbing ums Leben gekommen sein soll. Die Verbreitung der Legende fand fast ausschließlich über Kettenbriefe statt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen von Carmen Winstead ist nicht sonderlich viel bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt nur, dass ihr <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> einen gebrochenen Hals und ein blutiges und stellenweise oder völlig abgerissenes Gesicht habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Kettenbrief:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den Kettenbrief selbst gibt es in verschiedenen Versionen. Entweder ist er so geschrieben, dass er von Carmen Winstead berichtet oder als wäre er von ihr selbst verfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der berichtenden Version gibt es zudem eine sehr ausführliche Variante, die hauptsächlich das beschreibt, was ihr weiter unten unter „Die Vorgeschichte“ lesen könnt. Hier werde ich daher lediglich eine kürzere Version aufführen, die es sowohl aus Carmens Sicht, als auch leicht abgeändert als berichtende Version gibt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hi, mein Name ist Carmen Winstead. Ich bin 17 Jahre alt. Ich bin dir sehr ähnlich … Habe ich erwähnt, dass ich tot bin? Vor einigen Jahren hat mich eine Gruppe Mädchen in die Kanalisation geschubst, um mich zu blamieren. Als ich nicht wieder herausgekommen bin, ist die Polizei gekommen. Die Mädchen haben behauptet, ich wäre gestürzt und alle haben ihnen geglaubt. Die Polizei hat meine Leiche in der Kanalisation gefunden. Ich hatte einen gebrochenen Nacken und mein Gesicht war abgerissen. Sende diese Nachricht an 15 Personen, nachdem du sie vollständig gelesen hast, wenn dir dein Leben lieb ist! Ein Junge namens David hat diese Nachricht bekommen. Er hat nur gelacht und sie gelöscht. Als er in der Dusche war, hörte er ein Lachen … MEIN LACHEN! Er wurde sehr ängstlich, ist zu seinem Handy gerannt, um die Nachricht zu teilen … Aber es war zu spät. Am nächsten Morgen betrat seine Mutter sein Zimmer und alles, was sie vorfand, war eine Nachricht in seinem Blut geschrieben, die besagte „Du wirst ihn nie zurückbekommen!“ Bisher hat noch niemand seine Leiche gefunden … weil er bei mir ist! … Sende diesen Text an 15 Personen in den nächsten 5 Minuten, wenn du nicht willst, dass dich das gleiche Schicksal ereilt, wie David. Deine Zeit läuft … JETZT! Die Geschichte ist wahr, du kannst sie auf Google recherchieren.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der geschriebenen Variante hat sich zudem in letzter Zeit eine Sprachnachricht verbreitet, die angeblich von Carmen selbst gesprochen wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Vorgeschichte:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass Carmen Winstead 17 Jahre alt war, als ihre Eltern nach Indiana umgezogen sind. Carmen musste all ihre Freunde zurücklassen und eine neue Schule besuchen, wo sie niemanden kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Carmen große Probleme hatte, neue Freunde zu finden, verbrachte sie die meiste Zeit alleine, bis sie sich einer Gruppe von fünf Mädchen anschloss. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie bemerkte, dass die Mädchen hinter ihrem Rücken über sie lästerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie stellte die Mädchen zur Rede, woraufhin diese sich völlig gegen Carmen richten und anfingen, sie mobben. Sie beleidigten sie, schrieben Schimpfwörter in ihre Schulbücher und demolierten ihren Spind. Es heißt sogar, dass sie Joghurt in ihre Schultasche gekippt und Hundekot in ihre Jackentasche gelegt haben sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich wurde es Carmen zu viel. Sie beschloss, die Mädchen nach Schulschluss zu verpetzen. Sie wusste jedoch nicht, dass sie dazu nicht mehr die Gelegenheit haben würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch vor Schulschluss gab es einen Probealarm, bei dem alle Schüler das Gebäude verlassen mussten. Carmen stand alleine an der Straße, ganz in der Nähe eines offenen Gullys. Warum der Gully geöffnet war, wird nicht näher erklärt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die fünf Mädchen gingen zu Carmen und begannen, sie zu ärgern. Sie drängten sie unauffällig immer weiter zum Gully, bis sie nahe genug daran stand. Dann schubsten sie Carmen, sodass sie mit dem Kopf zuerst in die Kanalisation stürzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst scherzten sie noch. Sie lachten und erklärten, dass Carmen in der Kanalisation liegt. Andere Schüler sollen in das Gelächter eingestimmt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich hat ein Lehrer in den Gully gesehen. Zu seinem entsetzen, war Carmen wirklich dort unten. Ihr Kopf war in einer unnatürlichen Haltung gedreht, ihr Gesicht blutig. Es heißt, dass sie sich ihr Gesicht bei dem Sturz an der Wand oder der Leiter abgerissen habe. Carmen war tot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Carmens Leiche aus der Kanalisation geholt wurde, hat die Polizei ihre Klassenkameraden befragt. Die fünf Mädchen, die sie geschubst hatten, behaupteten, dass Carmen gestürzt sei. Die Polizei glaubte ihnen. Carmens Tod wurde als Unfall eingestuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das war nicht das letzte Mal, dass man von Carmen gehört hatte. Monate nach dem Vorfall bekamen die Klassenkameraden von Carmen, seltsame E-Mails, die besagten, dass Carmen geschubst wurde. Sie forderte die Schuldigen auf, sich zu stellen, da es sonst schreckliche Konsequenzen gäbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich meldete sich niemand, da sie die E-Mails als Streich abtaten. Doch nur wenige Tage später begannen die fünf Schülerinnen eine nach der anderen spurlos zu verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie schließlich gefunden wurden, lagen alle fünf Mädchen in der Kanalisation. Es heißt fast immer, dass sie verstümmelt waren. Die Beschreibungen reichen hierbei von abgerissenen Gesichtern bis hin zu fast vollständiger Unkenntlichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Carmens ruheloser Geist war noch immer wütend. Es heißt, dass sie seither wieder und wieder Menschen töten soll, die ihre Geschichte nicht glauben oder selber andere Leute mobben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man selbst betroffen ist, soll Carmen Winstead aus der Kanalisation zu einem herauf kommen – sei es durch die Dusche, durch die Toilette oder gar durch ein Waschbecken. Nachts, wenn man schläft, soll sie einen entführen, in die Kanalisation bringen und dort töten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ursprung der Legende von Carmen Winstead lässt sich grob auf das Jahr 2006 zurückverfolgen, wo der Kettenbrief anfing, sich rasant auf MySpace und per E-Mail zu verbreiten. Damals wurde unter anderem auch der Name „Jessica Smith“ verwendet, der sich – wahrscheinlich wegen seines deutlich geringeren Wiedererkennungswerts im Vergleich zu „Carmen Winstead“ – nicht durchsetzen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch heute ist der Kettenbrief noch im Umlauf – auf Facebook, Instagram, Whatsapp, per E-Mail, auf Twitter und sonstigen sozialen Medien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hintergrund zu der Legende wurde jedoch nie bestätigt. Trotz langer Recherche hat bisher niemand eine Carmen Winstead finden können, die durch einen Sturz in einen Gully gestorben ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Carmen Winstead nichts weiter, als eine urbane Legende ist.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Carmen Winstead? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr den Kettenbrief bekommen und die Legende nicht kennen würdet? Würdet ihr ihn verschicken oder würdet ihr ihn ignorieren? Und wenn ihr ihn ignoriert, hätten ihr dann Bedenken? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Euch wird zwar keine Carmen Winstead töten, wenn ihr es nicht tut, trotzdem würde ich mich natürlich wahnsinnig darüber freuen, wenn ihr meinen Blog oder einen Artikel mit euren Freunden oder Bekannten teilen würdet!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>,&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a>&nbsp;oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a></em>.</p>
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